Adolf und Margarethe Levy, geborene Rappaport


Regina Beck, Regina Sichel, Julius Beck
Das Juden­haus heu­te
Eige­ne Aufnahme
Regina Beck, Regina Michel, Julius Beck
Lage des ehe­ma­li­gen Juden­hau­ses
Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Bele­gung des Juden­hau­ses Herrn­gar­ten­str. 11

 

 

 

 

 

 


Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
Stamm­baum der Fami­li­en Levy — Rap­pa­port
GDB

Auch Adolf Levy und sei­ne Frau leb­ten nur noch weni­ge Wochen vor ihrer Depor­ta­ti­on im Juden­haus in der Herrn­gar­ten­str. 11. Aller­dings hat­ten sie bereits fast das gan­ze Jahr zuvor in dem in der Main­zer Str. 2 zuge­bracht. Zunächst ist aber auch nicht bekannt, was das Ehe­paar über­haupt dazu ver­an­lasst hat­te, noch in der zwei­ten Hälf­te der Drei­ßi­ger­jah­re von Ber­lin nach Wies­ba­den zu über­sie­deln. Da die Mel­de­un­ter­la­gen in Wies­ba­den durch Kriegs­ein­wir­kun­gen zer­stört wur­den, weiß man auch nicht genau, wann die­ser Umzug voll­zo­gen wur­de, aber im Jüdi­schen Adress­buch von 1935 sind die bei­den noch nicht ver­zeich­net. Im offi­zi­el­len Adress­buch der Stadt fin­det man nur einen Ein­trag in dem Band von 1938.

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
Geburts­ur­kun­de von Mar­ga­re­the Rappaport

Die vor­aus­ge­gan­ge­nen Jah­re war die Reichs­haupt­stadt ihr Lebens­mit­tel­punkt gewe­sen, wo auch die Fami­lie von Mar­ga­re­the, die meist nur Gre­the genannt wur­de, leb­te. Sie war dort am 16. Juni 1881 als letz­te von drei Kin­dern des Ehe­paars Edmund und Ade­le Rap­pa­port, gebo­re­ne Isaac, zur Welt gekom­men.[1] Ihre älte­re Schwes­ter Ali­ce war am 21. Febru­ar 1876 und ihr Bru­der Erich, der wie sein Vater spä­ter Kauf­mann wur­de, am 4. Juli 1877 in Ber­lin gebo­ren wor­den.[2] Ursprüng­lich stamm­te die Fami­lie aller­dings aus Schle­si­en. In Bres­lau, dem heu­ti­gen pol­ni­schen Wro­claw, hat­te Edmund Rap­pa­port noch sei­ne Kind­heit verbracht.

Wann Mar­ga­re­thes Ehe­mann Adolf Levy nach Ber­lin kam, ist nicht bekannt, aber sei­ne Eltern leb­ten bei sei­ner Geburt am 9. Juni 1869 in dem saar­län­di­schen Dud­wei­ler, wo es eine Rei­he von jüdi­schen Fami­li­en mit die­sem Namen gab. Die­se spiel­ten im Geschäfts­le­ben der Gemein­de eine wich­ti­ge Rol­le, aber wel­chen Anteil Adolfs Eltern, der Kauf­mann Jakob Levy und sei­ne Frau Karo­li­ne, gebo­re­ne Coblenz, dar­an hat­ten, ist nicht bekannt.[3] Zumin­dest die Fami­lie von Jakob Levy stamm­te ursprüng­lich auch nicht aus dem Saar­land. Auf dem Grab­stein der Eltern von Adolf auf dem alten jüdi­schen Fried­hof in Saar­brü­cken sind nicht nur ihre Lebens­da­ten fest­ge­hal­ten, son­dern auch ihre Her­kunft. Jakob Levy war als Sohn von Isaak Levy und des­sen Frau Brü­net­te, gebo­re­ne Stern, am 6. August 1831 in der würt­tem­ber­gi­schen Gemein­de Aach im Hegau gebo­ren wor­den. Jakobs Frau Karo­li­ne Coblenz war dage­gen Saar­län­de­rin. Ihre Eltern Marum /​ Maron Coblenz und Rebek­ka Regi­na, gebo­re­ne Strauss, eben­falls Han­dels­leu­te, wohn­ten bei der Geburt von Karo­li­ne am 14. März 1831 in Illin­gen.[4]

Jakob und Karo­li­ne Levy wur­den ins­ge­samt zehn Kin­der gebo­ren. Aber das waren sel­ten freu­di­ge Ereig­nis­se, denn fünf von ihnen kamen schon als Tot­ge­bur­ten zur Welt, zwei star­ben inner­halb des ers­ten Lebens­jahrs und vom sieb­ten Kind namens Felix weiß man nicht, wie lan­ge er über­leb­te.[5] Nur von zwei Kin­dern ist bekannt, dass sie das Erwach­se­nen­al­ter erreich­ten. Adolf, der Zweit­letzt­ge­bo­re­ne, hat­te noch eine neun Jah­re älte­re Schwes­ter namens Frie­de­ri­cke, die am 19. Sep­tem­ber 1860 als drit­tes Kind gebo­ren wor­den war.[6] Sie blieb über lan­ge Zeit ihrer saar­län­di­schen Hei­mat ver­bun­den, auch nach­dem sie am 21. Febru­ar 1879 in Dud­wei­ler den aus dem Eife­lört­chen Wawern stam­men­den Kauf­mann Marx Bern­hard Wolf gehei­ra­tet hat­te.[7] Sie betrie­ben in der dama­li­gen Pro­vin­zi­al­str. 194 ein Geschäft für Her­ren- und Damen­kon­fek­ti­on.[8]

Wäh­rend die Ehe ihres Bru­ders Adolf kin­der­los blieb, wur­den in ihrer ins­ge­samt vier Kin­der gebo­ren. Der ein­zi­ge Sohn, Leo­nard, ver­starb aller­dings ein hal­bes Jahr nach sei­ner Geburt im Jahr 1881.[9] Auch die ältes­te Toch­ter, die am 10. Mai 1879 gebo­re­ne Hed­wig, ver­starb schon im Alter von nur 28 Jah­ren in Dud­wei­ler.[10] Drei Jah­re vor ihrem Tod hat­te sie am 25. Febru­ar 1904 den auch aus Dud­wei­ler stam­men­den Gemein­de­bau­meis­ter Karl August Lie­big gehei­ra­tet, der eben­falls der dor­ti­gen jüdi­schen Gemein­de ange­hör­te.[11] Das Paar leb­te in den weni­gen Jah­ren ihrer Ehe im Eltern­haus in der Pro­vin­zi­al­stra­ße. Da die am 26. Dezem­ber 1885 gebo­re­ne Bet­ty dem Holo­caust zum Opfer fiel, war die am 11. Juli 1882 gebo­re­ne Enke­lin Sophie letzt­lich die ein­zi­ge der Nach­kom­men von Jakob und Karo­li­ne Levy, die nach dem Ende der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft noch am Leben war.[12]

Als Adolf Levy und sei­ne Frau nach Wies­ba­den kamen, waren sie noch ein recht begü­ter­tes Paar. Wel­che beruf­li­che Lauf­bahn dies ermög­licht hat­te, ist nicht ganz klar. In den Unter­la­gen zum Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren wird der Onkel von Sophie Braun als Bör­sen­kauf­mann an der Frank­fur­ter Bör­se und als Ver­lags­di­rek­tor bezeich­net. Im Ver­lags­we­sen hat­te Adolf Levy auch eine Berufs­aus­bil­dung absol­viert und auch sei­ne letz­te Tätig­keit, bevor er in den Ruhe­stand ging, lag in die­sem Métier. Die Antrag­stel­ler gaben an, er habe eine Direk­to­ren­stel­le bei der ‚Tele­gra­fen-Uni­on’ inne­ge­habt.[13] Bei die­sem Unter­neh­men han­del­te es sich aller­dings nicht um einen klas­si­schen Ver­lag, son­dern um eine Pres­se­agen­tur, die wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs gegrün­det wor­den war, um unab­hän­gig von eng­li­schen und ame­ri­ka­ni­schen Agen­tu­ren zu sein. Da auch die ‚Tele­gra­fen-Uni­on’ ursprüng­lich nur Wirt­schafts- und Bör­sen­nach­rich­ten an ihre Kun­den über­mit­tel­te, scheint Adolf Levy hier eine beruf­li­che Tätig­keit gefun­den zu haben, in der er bei­de Qua­li­fi­ka­tio­nen sehr gut mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren konn­te. Die Tele­gra­fen-Uni­on war eine sehr erfolg­rei­che Agen­tur, die sogar ihre zunächst bekann­te­re und bedeu­ten­de­re Kon­kur­renz, ‚Wolffs Tele­gra­phi­sche Bureau’, zuneh­mend zu über­flü­geln begann. Immer mehr klei­ne­re Agen­tu­ren wur­den unter der Füh­rung des Pres­se­mo­guls der Wei­ma­rer Zeit, des DNVP-Vor­sit­zen­den Hugen­berg, unter dem Dach der Tele­gra­fen-Uni­on zusam­men­ge­führt. Spä­tes­tens mit der Macht­über­nah­me der NSDAP und der Kon­trol­le des gesam­ten Nach­rich­ten­we­sens durch das Reichs­pro­pa­gan­da­mi­nis­te­ri­um unter Goeb­bels muss Levy in dem Kon­zern sei­ne Stel­le ver­lo­ren haben.[14]

Wie lan­ge er im Diens­te des Unter­neh­mens gestan­den hat­te, ist nicht sicher zu sagen. In den Ber­li­ner Adress­bü­chern ist seit 1910 ein A. Levy, Agent, wohn­haft An der Span­dau­er Brü­cke 1b III ver­zeich­net. 1919 ist die­se Agen­tur nach Char­lot­ten­burg in die Sybel­str. 18 ver­zo­gen. Von 1920 bis 1937 wohnt ein Adolf Levy in Char­lot­ten­burg in der Wil­mers­dor­fer Str. 83. Es ist nicht sicher, dass es sich bei dem dort Ver­zeich­ne­ten tat­säch­lich um den Adolf Levy han­delt, der danach nach Wies­ba­den zog, aber doch eher wahr­schein­lich.[15]

Ludwig Baruch, Lilly Baruch, Judenhaus
Haus Son­nen­ber­ger Str. 22
Mit Geneh­mi­gung M. Sauber

Ver­mut­lich war das Aus­schei­den aus dem Unter­neh­men der Grund für das Ehe­paar Levy, nach Wies­ba­den zu zie­hen, das trotz des ver­lo­re­nen Rufes als Welt­kur­stadt, noch immer eine gewis­se Attrak­ti­vi­tät für sol­ven­te Ren­tiers bot. Und sol­vent muss­te man sein, wenn man dann eine Woh­nung in dem 1907 gegrün­de­ten ‚Sen​di​g’s Eden-Hotel’ in der Son­nen­ber­ger Str. 22 bezog. Es han­del­te sich hier nicht nur um ein Hotel im klas­si­schen Sin­ne, son­dern um ein Quar­tier höchs­ten Kom­forts mit 120 Zim­mern und 25 Luxus­ap­par­te­ments mit eige­nem Bad und Toi­let­te. Unmit­tel­bar am Kur­park gele­gen, konn­te es zudem mit eige­nen Ther­mal­bä­dern im Haus auf­war­ten.[16]

Ganz sicher wer­den Levys in einem der Appar­te­ments gewohnt haben, denn sie hat­ten auch ihre eige­nen Möbel mit nach Wies­ba­den gebracht und damit ihr neu­es Zuhau­se bestückt. Eine sehr detail­lier­te Lis­te der Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de, die Adolf Levy unmit­tel­bar vor sei­ner Depor­ta­ti­on erstellt und sei­ner Nich­te Sophie über­mit­telt hat­te, gibt Aus­kunft über das Inte­ri­eur.[17] Wenn sie in dem Schrei­ben dar­auf hin­weist, dass der bekann­te Wies­ba­de­ner Notar und Rechts­an­walt Hans But­ter­sack den Wert der Ein­rich­tung hät­te bezeu­gen kön­nen, wenn er nicht unmit­tel­bar nach der Befrei­ung an den Fol­gen sei­ner KZ-Inhaf­tie­rung ver­stor­ben wäre, dann zeigt das auch, dass Levys in kür­zes­ter Zeit Anschluss an bedeu­ten­de Krei­se der Wies­ba­de­ner Stadt­ge­sell­schaft gefun­den hat­ten. Es lässt zudem auch Rück­schlüs­se auf die poli­ti­sche Hal­tung von Adolf Levy zu, der in Ber­lin selbst im Hugen­berg-Impe­ri­um gear­bei­tet hat­te. Zwar kann man dar­aus noch nicht auf eine ent­spre­chen­de deutsch­na­tio­na­le Gesin­nung schlie­ßen, aber auch der Freund But­ter­sack war von sei­ner poli­ti­schen Ein­stel­lung her eher rechts­kon­ser­va­tiv geprägt, war zunächst Gaufüh­rer der DNVP und auch Stahl­helm­füh­rer. Sein christ­li­cher Glau­be ließ ihn dann aber bald auf Distanz zum NS-Régime tre­ten, des­sen Macht­über­nah­me er noch mit einem Auf­marsch der natio­na­len Bewe­gung in Wies­ba­den begeis­tert begrüßt hat­te. Sei­ne beruf­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on als Anwalt stell­te er schon bald in den Dienst der Beken­nen­den Kir­che und auch in den der ver­folg­ten jüdi­schen Bevöl­ke­rung. Levy wie But­ter­sack waren gewiss bei­de erschro­cken dar­über, wel­che Aus­ge­burt der natio­na­lis­ti­sche Kon­ser­va­tis­mus in Gestalt von Hit­ler und sei­ner NSDAP her­vor­ge­bracht hat­te. Wie so vie­le ande­re wer­den sie viel­leicht gehofft haben, dass die­ser Spuk von allein vor­über­ge­hen würde.

Ob Adolf Levy und sei­ne Frau in die­sen ers­ten Jah­ren in Wies­ba­den den wach­sen­den Anti­se­mi­tis­mus unmit­tel­bar zu spü­ren beka­men, ist nicht bekannt. Erst im Okto­ber 1938 hat­te die Zoll­fahn­dungs­stel­le Mainz ein Auge auf das ver­mö­gen­de Ehe­paar gewor­fen und bei der Devi­sen­stel­le in Frank­furt eine Siche­rungs­an­ord­nung erwirkt. Nach ihren Anga­ben besa­ßen Levys ein Ver­mö­gen von mehr als 100.000 RM, 93.000 RM in Form von Wert­pa­pie­ren und einer Leib­ren­te, aus der sie jähr­lich bis zum Tod 1.200 RM bezie­hen soll­ten. Ihr Kapi­tal­wert wur­de auf 10.000 RM bezif­fert.[18] Ver­mut­lich wegen des gro­ßen Arbeits­an­falls im Gefol­ge der Novem­ber­po­gro­me wur­de die Siche­rungs­an­ord­nung erst am 17. Janu­ar des fol­gen­den Jah­res erlas­sen, ver­se­hen mit einem rot geschrie­be­nen „Eil​t!“​-Ver​merk. Wie in die­ser frü­hen Pha­se der Kon­trol­le von jüdi­schen Ver­mö­gen üblich, blie­ben die Erträg­nis­se der Wert­pa­pie­re noch zur frei­en Ver­fü­gung.[19] Als Adolf Levy im Febru­ar dann die Devi­sen­stel­le bat, ihm den Ver­kauf von Wert­pa­pie­ren in Höhe von 1.000 RM zu gestat­ten, um den lau­fen­den Lebens­un­ter­halt zu bestrei­ten und Rech­nun­gen zu beglei­chen, wur­de auch das noch geneh­migt.[20] Erst im Mai 1940 wur­den die Kon­trol­len dann restrik­ti­ver. Nicht nur wur­de von ihm eine genaue Auf­stel­lung sei­ner der­zei­ti­gen Ver­mö­gens­wer­te ver­langt, auch wur­de ihm jetzt, wie nahe­zu allen Juden, zunächst nur noch ein vor­läu­fi­ger Frei­be­trag von 300 RM monat­lich bewil­ligt. Aus der Ver­mö­gens­er­klä­rung geht her­vor, dass sich die­ses inner­halb eines Jah­res mehr als hal­biert hat­te. Statt 100.000 RM besa­ßen Levys nur noch knapp 45.000 RM.[21] Von der eigent­li­chen Sum­me hat­te Adolf Levy bereits 22.600 RM abge­zo­gen, die als Reichs­flucht­steu­er hin­ter­legt wer­den muss­ten und dem eige­nen Zugriff ent­zo­gen blieben.

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
Adolf Levy ver­kauft einen Teil sei­ner Wert­pa­pie­re, um die 5. Rate der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be beglei­chen zu kön­nen
HHStAW 518 4166 I (29)

Eine ähn­lich gro­ße Sum­me hat­te sich der Staat als „Süh­ne­leis­tung“ für die wäh­rend der Pogro­me ent­stan­de­nen Schä­den am Volks­ver­mö­gen ange­eig­net. Zwar ist die offi­zi­el­le Berech­nung die­ser Son­der­steu­er für Juden nicht mehr in den Akten ent­hal­ten, aber es lie­gen Ver­kaufs­quit­tun­gen von Wert­pa­pie­ren der Dresd­ner Bank für die zwei­te, drit­te, vier­te und fünf­te Rate vor.[22] Die jewei­li­gen Beträ­ge lie­gen zwi­schen 4.500 und 5.500 RM, sodass man ver­mu­ten kann, dass die Gesamt­sum­me die­ser Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be bei etwa 25.000 RM gele­gen haben wird.[23] Wenn man dann noch bedenkt, dass die Lebens­hal­tungs­kos­ten des Paa­res in dem exklu­si­ven Haus am Kur­park eben­falls recht beträcht­lich gewe­sen sein müs­sen, dann ist klar, wie es zu die­sem Kapi­tal­schwund gekom­men war. In der Auf­stel­lung sei­ner monat­li­chen Kos­ten bezif­fer­te Adolf Levy im Juni 1940 die­se auf etwa 480 RM, davon 160 RM für die Mie­te. Er gab damals aller­dings auch an, ein Jah­res­ein­kom­men zwi­schen 4.500 und 4.000 RM zu bezie­hen [24] – Ein­kom­men, das sich aus der Leib­ren­te und der Ver­zin­sung der aller­dings inzwi­schen erheb­lich ver­rin­ger­ten Wert­pa­pie­re ergab.

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
Quit­tung für abge­lie­fer­te Edel­me­tal­le
HHStAW 518 4166 I (18)

Selbst­ver­ständ­lich war auch Adolf Levy gezwun­gen wor­den, sei­ne Edel­me­tal­le, in wel­cher Form auch immer, bei der städ­ti­schen Ankauf­stel­le abzu­ge­ben. Eine Quit­tung vom 22. März 1939 über einen Betrag von 126,13 RM belegt die Abga­be von Sil­ber­be­steck, klei­ne­ren Schmuck­stü­cken und wei­te­ren edlen Haus­halts­ge­gen­stän­den.[25] Das waren sicher erheb­li­che Ver­lus­te, zumal an sol­che Stü­cke immer auch per­sön­li­che Erin­ne­run­gen geknüpft sind.

Die ent­schei­den­de Ver­än­de­rung im Leben der Levys trat dann am 26. Novem­ber 1941 ein, denn da muss­ten sie die Woh­nung, ihr Appar­te­ment in der Son­nen­ber­ger Stra­ße, ver­las­sen und in ein Juden­haus ein­zie­hen: „Die Ehe­leu­te Levy muss­ten auf staat­li­chen bezw. städ­ti­schen Befehl die­ses Woh­nung (das alte Asto­ria Luxus­ho­tel) ganz kurz­fris­tig räu­men und konn­ten in die ihnen zuge­wie­se­ne Woh­nung in der Herrn­gar­ten­str. 11 (damals einem Juden gehö­rend), die wesent­lich klei­ner war, also nur einen Teil ihrer Ein­rich­tung mit­neh­men, muss­ten das ande­re unter der bis­he­ri­gen Haus­ver­wal­tung Clai­re und Ernst Schmal­haus (…) zurück­las­sen, die natür­lich bei den Kriegs­ver­hält­nis­sen auch nur teil­wei­se hel­fen konn­ten.“[26]

An die­ser Aus­sa­ge der Nich­te Sophie Braun, ist eini­ges falsch bzw. unge­wiss, man­ches aber sicher auch zutref­fend. So ist zunächst die Anga­be, Levys sei­en aus der Son­nen­ber­ger Str. 22 unmit­tel­bar in das Juden­haus Herrn­gar­ten­str. 11 gezo­gen, falsch. Das ers­te Juden­haus, in das sie zie­hen muss­ten, war das in der Main­zer Str. 2. Dass der Umzug aber erzwun­gen war, ist des­halb glaub­haft, weil es kei­nen Grund für Levys gab, frei­wil­lig die bis­he­ri­ge Woh­nung zu ver­las­sen, und auch zu den Betrei­bern des Hotels, dem Ehe­paar Schmal­haus,[27] offen­bar ein gutes, gar freund­schaft­li­ches Ver­hält­nis bestand. Ansons­ten wäre es kaum mög­lich gewe­sen, dort Möbel und ande­res unter­zu­stel­len. Meh­re­re zurück­ge­las­se­ne Kof­fer konn­ten den Nach­kom­men nach dem Krieg wie­der über­ge­ben wer­den. Es könn­te aber auch sein, dass ein Groß­teil der Möbel damals noch mit in die Main­zer Stra­ße genom­men wer­den konn­te. Immer­hin liegt die an die Devi­sen­stel­le gerich­te­te Bit­te von Adolf Levy vom 10. Dezem­ber 1941 vor, in der er um die Frei­ga­be von 133,75 RM bat, um die Rech­nung der Fir­ma Ret­ten­may­er für die Umzugs­kos­ten beglei­chen zu kön­nen.[28] Nach den Ein­tra­gun­gen in einer der Gesta­po-Lis­ten konn­ten Levys in dem Juden­haus Main­zer Str. 2 zwei Räu­me im Erd­ge­schoss bewoh­nen,[29] waren daher zunächst ein­mal räum­lich nicht so viel mehr beengt wie zuvor in dem Appar­te­ment des Hotels.

Über das knap­pe Drei­vier­tel­jahr, das sie in dem Juden­haus in der Main­zer Stra­ße ver­brach­ten, lie­gen kaum Infor­ma­tio­nen vor. In einem Brief, den Adolf Levy unmit­tel­bar vor der Depor­ta­ti­on an sei­ne Ver­wand­ten schrieb, erwähn­te er, dass Emma Löwen­stein, die damals zusam­men mit ihrem Vater dort bei ihnen wohn­te, einen Selbst­mord­ver­such unter­nom­men habe.[30] Ob die bei­den nur im Haus oder mit ihnen zusam­men in ihren zwei Zim­mern unter­ge­bracht waren, lässt sich aus der knap­pen Erwäh­nung nicht entnehmen.

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
Die letz­te Ver­mö­gens­er­klä­rung von Adolf Levy vom April 1942
HHStAW 519/​3 3659 (15)

Ende April wur­de Adolf Levy noch ein­mal auf­ge­for­dert, sei­ne Lebens­hal­tungs­kos­ten gegen­über der Devi­sen­stel­le offen­zu­le­gen. Der Auf­stel­lung sind weni­ge Sät­ze bei­gefügt, in denen er die schwie­ri­ge finan­zi­el­le und gesund­heit­li­che Situa­ti­on zusam­men­fasst, in der er und sei­ne Frau sich damals befan­den:
“Zu der nach­ste­hen­den Auf­stel­lung gestat­te ich mir zu bemer­ken, dass ich fast 1 ½ Jah­re infol­ge Erkran­kung an schwe­rem Gelenk­rheu­ma­tis­mus ans Zim­mer gefes­selt bin, und dass auch mei­ne Frau durch zahl­rei­che Ope­ra­tio­nen sowie durch die Anstren­gun­gen bei der Pfle­ge mei­ner Per­son stark geschwächt ist. Dadurch sind wir auf häu­fi­ge Hilfs­kräf­te ange­wie­sen und haben fort­lau­fend gro­ße Aus­ga­ben für gesund­heit­li­che Zwe­cke.“ [31]

Obwohl man einen Bedarf von ins­ge­samt 402 RM ange­mel­det hat­te, wur­de der Frei­be­trag am 28. April 1942 auf 350 RM redu­ziert.[32] Im Mai muss­te er noch ein­mal um eine zusätz­li­che Frei­ga­be von Mit­teln in Höhe von etwa 150 RM für die Repa­ra­tur der Strom- und Gas­in­stal­la­ti­on in der Woh­nung in der Main­zer Stra­ße bit­ten.[33]

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
Adolf Levy teilt der Devi­sen­stel­le sei­nen Umzug in das Juden­haus Herrn­gar­ten­str. 11 mit
HHStAW 519/​3 3659 (18)

Am 31. Juli 1942 unter­rich­te­te Adolf Levy die Devi­sen­stel­le von einem erneu­ten Umzug, dies­mal in das Juden­haus Herrn­gar­ten­str. 11, wo das Paar noch knapp einen Monat blieb. Laut Ein­trag auf der Gestapo­kar­tei­kar­te hat­te der Umzug bereits weni­ge Tage zuvor, am 25. Juli, statt­ge­fun­den. Auch in der neu­en Woh­nung, viel­leicht war es auch nur noch ein Zim­mer, muss­ten wie­der erst ein­mal Instand­set­zungs­ar­bei­ten ver­rich­tet wer­den, für die Adolf Levy erneut einen Betrag von etwa 33 RM erbit­ten muss­te.[34] Schon am 23. August ging erneut bei der Devi­sen­stel­le ein Antrag für die Frei­ga­be eines Betra­ges von 98,50 RM für Umzugs­kos­ten ein, der eben­falls bewil­ligt wur­de.[35] Ver­mut­lich waren das die Kos­ten, die für den Umzug in die Herrn­gar­ten­str. 11 ange­fal­len waren, wenn­gleich man davon aus­ge­hen muss, dass spä­tes­tens jetzt der Groß­teil der Möbel nicht mehr mit in die neue Unter­kunft genom­men wer­den konn­te. Aus dem bereits zitier­ten Brief vom Vor­abend der Depor­ta­ti­on geht her­vor, dass ein Teil im bekann­ten Wies­ba­de­ner Auk­ti­ons­haus Jäger unter­ge­stellt wor­den war.

Was damit letzt­lich geschah, konn­te auch im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren nicht geklärt wer­den. Ver­mut­lich wur­den die Möbel von der Finanz­kas­se bei einer der vie­len Auk­tio­nen ver­stei­gert und zier­ten in den fol­gen­den Jah­ren die Räu­me ari­scher Volks­ge­nos­sen. Über die weni­gen Wochen, die das Paar dann in der Herrn­gar­ten­str. 11 ver­brin­gen muss­te, wo und mit wem sie dort zusam­men leb­ten, feh­len jeg­li­che Informationen.

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
Schrei­ben der RVJD an die für die Depor­ta­ti­on am 1.9.1942 vor­ge­se­he­nen Jüdin­nen und Juden
HHStAW 469/​33 1912 (2)

Aber auch die­ser Umzug blieb nicht der letz­te. Bereits am 14. August 1942 waren die noch ver­blie­be­nen Juden Wies­ba­dens – es waren fast nur noch die im Alter über 65 Jah­re – von der Bezirks­stel­le der „Reichs­ver­ei­ni­gung der Juden in Deutsch­land“ von dem anste­hen­den Trans­port unter­rich­tet wor­den, mit dem sie – so die dama­li­ge und auch rich­ti­ge Ver­mu­tung – nach The­re­si­en­stadt gebracht wer­den soll­ten. Die Betrof­fe­nen wur­den davon unter­rich­tet, dass damit die Ein­zie­hung ihres gesam­ten noch vor­han­de­nen Ver­mö­gens ein­her­ge­hen wür­de. Als „Gegen­leis­tung“ wur­den soge­nann­te Heimein­kaufs­ver­trä­ge ange­bo­ten, zu deren Abschluss die Reichs­ver­ei­ni­gung aus­drück­lich riet: „Durch die­se Ver­trä­ge ver­pflich­tet sich die RJD zur lebens­läng­li­chen Gewäh­rung von Heim­un­ter­kunft und Ver­pfle­gung. Als Gegen­leis­tung haben die Abwan­dern­den der RJD ihr beweg­li­ches Ver­mö­gen ganz oder teil­wei­se, ent­spre­chend ihrem Alter, zu über­tra­gen.“[36] Auch Adolf Levy ist, wie vie­le ande­re, die­sem Rat­schlag gefolgt und hat einen sol­chen Ver­trag abge­schlos­sen. Am 1. April 1946 bestä­tig­te die Dresd­ner Bank, dass am 16. Okto­ber 1942 ein Betrag von 34.719,69 RM vom Kon­to von Adolf Levy an das ‚Bank­haus Heinz von Teck­len­burg’ in Ber­lin geflos­sen sei. Dafür waren die Wert­pa­pie­re, die noch im Besitz von Adolf Levy waren, über die Dresd­ner Bank dort in Zah­lung gege­ben wor­den.[37] Die­ses Bank­haus war qua­si die Ver­mitt­lungs­stel­le, über die das Geld zunächst auf das Kon­to der Reichs­ver­ei­ni­gung floss, die aber inzwi­schen fak­tisch zur nach­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tung des Reichs­si­cher­heits­haupt­amts mutiert war, sodass die SS auf die­se Wei­se den aus­schließ­li­chen Zugriff auf die­se Ver­mö­gen erlang­te, noch bevor der Reichs­fis­kus sei­ne Hand dar­auf legen konn­te.[38]

Deportation Wiesbaden 1.9.1942, Synagoge Friedrichstraße
Sam­mel­stel­le in der Syn­ago­ge Fried­rich­stra­ße am Vor­abend der Depor­ta­ti­on
HHStAW 3008/​2 16554

Abge­schlos­sen wur­den die­se Ver­trä­ge in der Sam­mel­stel­le in der Fried­richstr. 33, der ehe­ma­li­gen Syn­ago­ge der alt­jü­di­schen Gemein­de, die bei dem Novem­ber­po­grom zumin­dest äußer­lich weit­ge­hend unzer­stört geblie­ben war. Aus einem letz­ten Brief, den Adolf Levy am 26. August 1942 dort ver­fass­te, geht her­vor, dass er zumin­dest schon eini­ge Tage dort ohne sei­ne Frau unter­ge­bracht wor­den war, er sogar befürch­te­te, dass sie nicht gemein­sam in einem Wagen die Rei­se in den Osten wür­den antre­ten kön­nen. Auch gab er dem Adres­sa­ten Gus­ti genaue­re Aus­kunft über den geplan­ten Ablauf der Depor­ta­ti­on, eben­so instru­ier­te er ihn, wel­che Schrit­te er in der fol­gen­den Zeit nach ihrer „Abwan­de­rung“ unter­neh­men sol­le. Die­ser Brief, in dem die Sor­gen, aber auch die vage Hoff­nung auf ein Wie­der­se­hen zum Aus­druck gebracht wur­den, soll als wich­ti­ges Doku­ment aus die­ser Zeit der Ver­zweif­lung voll­stän­dig wie­der­ge­ge­ben wer­den:[39]

„Wies­ba­den, 26.8.42

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
HHStAW 468/​33 1912 (4)

Mei­ne Lie­ben !
Im Anschluß an mein Schrei­ben vom 22/​8 tei­le ich Euch mit, dass wir, nach einer uns ges­tern abend offi­zi­ell zuge­gan­ge­nen Benach­rich­ti­gung, ‚zur Gemein­schafts­un­ter­brin­gung außer­halb des Alt­reichs bestimmt sind’ und wir uns am Sams­tag den 29. d. Mts. bis 13 Uhr in dem Syn­ago­gen­ge­bäu­de Fried­richstr. mit unse­rem Gepäck ein­zu­fin­den haben. Ich bin ja schon in die­sem Hau­se unter­ge­bracht, aber Gre­the darf sich nicht in mei­nen Zim­mern nach die­ser Zeit auf­hal­ten. Außer mir lie­gen erst 2 Her­ren dort, indes­sen soll der Raum mit ins­ge­samt 8 Per­so­nen belegt wer­den. Abtrans­por­tiert wer­den wir (ca. 500 Per­so­nen), zu denen sich in Fft [Frank­furt] noch sol­che von ande­ren Plät­zen der Gegend — Fft. selbst nicht – gesel­len wer­den, wahr­schein­lich erst in der Nacht zum Mitt­woch (2/​9), Posi­ti­ves[?] ist bis­her nicht bekannt. Von Sams­tag ab wer­den wir in der Syn­ago­ge ver­pflegt und dür­fen

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
HHStAW 469/​33 1912 (4)

[S. 2]
die­se vor der Abrei­se nicht mehr ver­las­sen. Mit­neh­men darf jede Per­son 50 M., klei­ner Kof­fer oder Ruck­sack, Brot­beu­tel, Eßge­schirr [Ein­schub], Kopf­kis­sen, wol­le­ne Decke und Bett­zeug. Meh­re­re Klei­der über­ein­an­der anzu­zie­hen, ist erlaubt. Koch­ge­schirr, Por­zel­lan und sons­ti­ge Küchen­ge­rä­te, Eimer etc. wer­den im Gepäck­wa­gen mit­ge­nom­men. Gre­the kann wahr­schein­lich nicht mit mir (mit glei­chen Wagen) [Ein­fü­gung vom Sei­ten­en­de] zusam­men fah­ren. Heimein­kaufs­ver­trä­ge sind jetzt obli­ga­to­risch. Die Hin­ter­las­sen­schaft besteht aus der Leib­ren­te, dem Mobi­li­ar in der Woh­nung und dem bei Jäger,
[40] was ich dir, l. Gus­ti, wegen des Schen­kungs­ver­spre­chens mit­tei­le. In der ver­lang­ten Ver­mö­gens­er­klä­rung habe ich ange­ge­ben, daß du berech­tigt bist, uns zu ver­tre­ten. Die am 1./9. fäl­li­ge Ren­te kann nicht mehr zur Aus­zah­lung kom­men, weil es mir an der Mög­lich­keit fehlt, noch die Lebens­be­schei­ni­gung voll­zie­hen zu las­sen bezw. zu beför­dern [?].Du wirst wohl so gut sein und die erfor­der­li­chen Schrit­te betr. Leib­ren­te und Schen­kung zu unter­neh­men. Der Vor­sit­zen­de

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
HHStAW 469/​33 1912 (5)

[S. 3]
der hie­si­gen jüd. Gemein­de, Sitz Bahn­hofstr. 25 (amt­lich ‚Bezirks­stel­le der Reichs­ver­ei­ni­gung d. Jud. in D.’), Rechts­kon­su­lent (frü­her Anwalt) Bert­hold Isr. Gut­h­mann hat Gre­the mit­ge­teilt, daß wir – viel­leicht als letz­ter Trans­port – nach The­re­si­en­stadt kom­men, das mit 50000 J[uden]. bevöl­kert wird. Nach Abschluß des Trans­ports wür­den Auf­ent­halts­lis­ten ein­ge­rich­tet und auch Schreib­erlaub­nis nach Deutsch­land geneh­migt wer­den. Die Unter­kunft sei beengt, aber in Stein­häu­sern mit elektr. [?] Licht und sons­ti­gen Vor­zü­gen gegen­über Polen. Sei­ne Anga­ben sind hof­fent­lich zuver­läs­sig und nicht zu opti­mis­tisch. Ges­tern wur­den hier 7 Todes­fäl­le bekannt. Außer einem Ehe­paar u. A. Emma Löwen­stein und der alte 84 jähr. Vater[?], der bei uns in der Main­zer­str. wohn­te. E.[mma] L.[öwenstein] hat­te uns wie­der­holt – auch zuletzt vor ca. 14 Tagen -, dass sie nicht fort­gin­ge, so daß ihr plötz­li­cher Tod für uns kei­ne Über­ra­schung war. Immer­hin bedau­ern wir ihr Hin­schei­den sehr. Nach­träg­lich höre ich, dass sie noch lebt, ob sie mit­fährt, bezweif­le ich.

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
HHStAW 469/​33 1912 (5)

[S. 4]
So weit hat­te ich geschrie­ben, als mir Frl. Wolff mit Mit­tag­essen und Nach­mit­tags­kaf­fee Emmas Brief brach­te.
[41] Frl. W.[olff], eine Schwes­ter von Theo­dor W. (frü­her Chefred.[akteur] des „Berl.[iner] Tagebl.[atts]“), wohn­te in unse­rem Hau­se und ist sehr hilf­reich.[42] Trotz ihrer 71 Jah­re nimmt sie Gre­the man­chen Gang ab. Wenn wir die [?] krie­gen — herz­li­chen Dank im Vor­aus, wer­den sie uns gute Diens­te leis­ten. Vor­letz­te Nacht war hier ein neu­er schwe­rer Angriff, der M.[ainz] wie­der sehr mit­ge­nom­men haben soll. Es ist doch bes­ser, l. Sät­chen, du kommst nicht mehr zu uns. Abge­se­hen von den Rei­se­stra­pa­zen für dich wäre es eine unbe­schreib­li­che Auf­re­gung, die mei­ne Ner­ven kaum ertra­gen wür­den. Neben gro­ßen Schmer­zen bin ich auch durch die Tren­nung von Gre­the in äußerst schlech­ter Ver­fas­sung. Anbei noch eine Lis­te von Clai­res Sachen,[43] die Ihr s. Zt. ihr gelie­hen habt. Es bleibt mir nur noch übrig, von Euch Abschied zu neh­men, dir l. Gus­ti, gleich­zei­tig zum Geburts­tag zu gra­tu­lie­ren und Euch für Euer wei­te­res Leben bes­te Gesund­heit und wie­der glück­li­che Tage zu wün­schen. Ob wir uns jemals wie­der sehen wer­den, bleibt abzu­war­ten. Zunächst ist die Haupt­sa­che, daß wir die gro­ßen und bevor­ste­hen­den Anstren­gun­gen über­ste­hen. Mit mei­nen herz­li­chen Grü­ßen und Küs­sen bin ich Euer Adolf“[44]

Am Mor­gen des 1. Sep­tem­ber zog die Kolon­ne mit den „Abwan­dern­den“ im Nie­sel­re­gen durch die weit­ge­hend lee­ren Stra­ßen der Stadt zur Vieh­ver­la­de­sta­ti­on am Bahn­hof, wo die etwa 350 Men­schen den Zug nach Frank­furt bestie­gen. Noch am sel­ben Tag ver­ließ der nun mit 1100 Per­so­nen gefüll­te Trans­port die Lade­sta­ti­on an der Groß­markt­hal­le, um am fol­gen­den Tag sein Ziel The­re­si­en­stadt zu erreichen.

Die Wies­ba­de­ner Juden bestei­gen am reg­ne­ri­schen Mor­gen des 1. Sep­tem­bers 1942 an der Vieh­ver­la­de­sta­ti­on den Zug nach The­re­si­en­stadt
HHStAW 3008/​2 16563

Die 34.000 RM für den Heimein­kaufs­ver­trag waren, so muss man mit einem gewis­sen Zynis­mus sagen, eine äußerst schlecht ange­leg­te Inves­ti­ti­on auf die Zukunft. Adolf Levy ver­starb am 14. Sep­tem­ber 1942, also nur zwei Wochen nach sei­ner Ankunft in dem Ghet­to von The­re­si­en­stadt an Alters­schwä­che. Den Toten­schein hat­te zwar ein Dr. Albert Sin­ger aus­ge­stellt, als behan­deln­der Arzt ist aber auf der Todes­fall­an­zei­ge von The­re­si­en­stadt Dr. Moritz Hirsch fest­ge­hal­ten. Der Kin­der­arzt Moritz Hirsch war Eigen­tü­mer des Juden­hau­ses Main­zer Str. 2 und war wie sein ehe­ma­li­ger Mie­ter am 1. Sep­tem­ber in die frü­he­re böh­mi­sche Gar­ni­sons­stadt depor­tiert wor­den.[45]

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
Todes­fall­an­zei­ge von Adolf Levy aus The­re­si­en­stadt
https://​www​.holo​caust​.cz/de​/datenbank-der-digitalisierten-dokumenten​/dokument​/82754-levy-adolf-todesfallanzeige-ghetto-theresienstadt/

Mar­ga­re­the Levy über­leb­te das Ghet­to The­re­si­en­stadt. Am 16. Mai 1944 wur­de sie mit dem Trans­port ‚Ea’, der etwa 2500 Men­schen umfass­te, nach Ausch­witz gebracht. Die Ankömm­lin­ge wur­den noch alle mit Num­mern ver­se­hen und anschlie­ßend in das Fami­li­en­la­ger BIIb in Bir­kenn­au ein­ge­wie­sen.[46] Laut dem Insti­tut der The­re­si­en­stadt-Initia­ti­ve gelang es 40 von ihnen, zu über­le­ben, Gre­the Levy gehör­te jedoch zu den Opfern. Wann sie in Ausch­witz umge­bracht wur­de, ist aller­dings nicht bekannt.[47] Im Todes­er­klä­rungs­ver­fah­ren wur­de ihr Todes­tag nach Beschluss vom 10. Dezem­ber 1946 vom Amts­ge­richt Wies­ba­den auf den 8. Mai 1945 fest­ge­legt.[48]

Weni­ge Wochen bevor der Trans­port in den Tod Wies­ba­den ver­las­sen hat­te, war Adolf Levys Schwes­ter Fre­de­ri­cke mit ihrer unver­hei­ra­te­ten Toch­ter Bet­ty von Köln aus eben­falls nach The­re­si­en­stadt depor­tiert wor­den. Bis­her ist nicht bekannt, seit wann die bei­den in Köln wohn­ten und wel­ches Schick­sal ihrem Mann bzw. Vater Marx Bern­hard Wolf wider­fah­ren war. Im Tes­ta­ment von Adolf Levy und sei­ner Frau aus dem Jahr 1936 sind Frie­de­ri­cke und deren poten­ti­el­le Nach­er­bin Bet­ty, bei­de wohn­haft in Köln, auf­ge­führt. Damals leb­ten sie in der Jüli­cher Str. 11.[49] Mög­li­cher­wei­se war er, der damals schon über acht­zig Jah­re hät­te sein müs­sen, bereits ver­stor­ben. Er war auf jeden Fall nicht dabei, als am 15. Juni 1942 der Trans­port mit sei­ner Frau und Toch­ter den Köl­ner Bahn­hof ver­ließ.[50] Nach einem mas­si­ven Bom­ben­an­griff auf Köln hat­te der Gau­lei­ter Josef Grohé auf eine schnel­le Abschie­bung der Juden aus der Stadt gedrun­gen, um Wohn­raum für die Bom­ben­ge­schä­dig­ten bereit­stel­len zu kön­nen. Frie­de­ri­cke Wolf kam am 28. Dezem­ber 1943 in The­re­si­en­stadt ums Leben.[51] Viel­leicht hat­te sie dort ihren Bru­der und ihre Schwä­ge­rin noch ange­trof­fen. Bet­ty wur­de am 15. Juni 1944 und damit genau einen Tag vor ihrer Tan­te Gre­the von The­re­si­en­stadt nach Ausch­witz gebracht. Bei­de Trans­por­te, die jeweils etwa 2500 Per­so­nen umfass­ten, dien­ten dem Zweck, das Ghet­to vor dem Ein­tref­fen einer Dele­ga­ti­on des Roten-Kreu­zes in einen „ansehn­li­che­ren“ Zustand zu ver­set­zen.[52] Auch Bet­tys Todes­tag ist nicht bekannt. Des­halb wur­de sie nach dem Krieg amt­lich für tot erklärt.[53]

Die ein­zig Über­le­ben­den der Fami­lie waren Sophie und August Braun, die nach dem Krieg auch das Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren in Wies­ba­den für ihren Onkel und ihre Tan­te anstreng­ten. Zwar ist nicht bekannt, wann die bei­den hei­ra­te­ten und wel­chen fami­liä­ren Hin­ter­grund August Braun hat­te, aber offen­sicht­lich war er nicht jüdi­schen Glau­bens, denn beim Zen­sus des Jah­res 1939 ist nur sei­ne Frau als Jüdin auf­ge­führt. Er selbst galt wegen sei­ner Ehe mit einer Jüdin als „kol­lek­tiv“ Ver­folg­ter.[54] Damals wohn­te das Paar in Ber­lin Schö­ne­berg in der Haupt­str. 155, die glei­che Adres­se, mit der sie bereits im Tes­ta­ment von Adolf und Mar­ga­re­the Levy aus dem Jahr 1936 und dann auch noch im letz­ten Ber­li­ner Adress­buch der Kriegs­jah­re aus dem Jahr 1943 ver­zeich­net waren.[55] Auch als sie 1950 das Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren bean­trag­ten, wohn­ten sie noch immer in der glei­chen Woh­nung.
Als Beruf gab Sophie Braun in den Antrags­for­mu­la­ren an, sie sei in der Putz­bran­che tätig,[56] Damit war aller­dings kei­ne Tätig­keit als Rei­ni­gungs­kraft gemeint, son­dern eine Modis­tin oder auch Hut­ma­che­rin, also ein Beruf, der an den Geschäfts­be­reich ihrer Eltern anknüpf­te. Ihr Mann wird in den Akten als gelern­ter Büro­kauf­mann bezeich­net. Im Adress­buch von 1943 ist hin­ter sei­nem Namen „Betr Orga­ni­sat“, was wohl Betriebs­or­ga­ni­sa­tor hei­ßen soll, ein­ge­tra­gen. Zur Zeit des Ver­fah­rens war er selbst­ver­ständ­lich inzwi­schen ver­ren­tet. Offen­sicht­lich hat­te Sophie Braun die Ehe mit einem ari­schen Mann ihr Leben geret­tet, was kei­nes­wegs die Regel war.

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
Hei­rats­ur­kun­de von Ali­ce Rap­pa­port und Arthur Schwab

In Ber­lin, ihrer Hei­mat­stadt, leb­ten auch Ali­ce und Erich, die Geschwis­ter von Mar­ga­re­the Levy, mit ihren Fami­li­en, bis sie Deutsch­land auf der Flucht vor dem Nazi-Ter­ror ver­lie­ßen. Ali­ce Rap­pa­port, die etwa fünf Jah­re älte­re Schwes­ter von Mar­ga­re­the, hat­te am 1. Sep­tem­ber 1897 den pro­mo­vier­ten Arzt und Sani­täts­rat Arthur Vic­tor Schwab gehei­ra­tet. Er war am 11. Dezem­ber 1865 in Mann­heim als Sohn des jüdi­schen Ehe­paars Juli­us und Isa­bel­la Schwab, gebo­re­ne Levy, zur Welt gekom­men.[57] In der Ehe wur­den die bei­den Söh­ne Hans Juli­us und Fritz Ewald gebo­ren, Hans am 27. Okto­ber 1901 und Fritz am 9. Juni 1905.[58] Wäh­rend der älte­re der bei­den Brü­der offen­sicht­lich in die Fuß­stap­fen sei­nes Vater getre­ten und Apo­the­ker gewor­den war, hat­te der jün­ge­re eine kauf­män­ni­sche Aus­bil­dung absol­viert. Die bei­den Beru­fe sind in der Hei­rats­ur­kun­de von Fritz ange­ge­ben, der am 25. Sep­tem­ber 1932 in Ber­lin die dort am 24. Juli 1903 gebo­re­ne Kon­to­ris­tin Mar­ga­re­te Agnes Bri­git­ta Krah­mann ehe­lich­te.[59] An die­ser Fei­er am Vor­abend der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen „Macht­er­grei­fung“ konn­te der Vater des Bräu­ti­gams nicht mehr teil­neh­men. Er war bereits zu Beginn der Wei­ma­rer Repu­blik am 29. Okto­ber 1919 in Ber­lin ver­stor­ben.[60] Mög­li­cher­wei­se war das auch der Grund, wes­halb Fritz, der damals noch Schü­ler gewe­sen sein muss, kein teu­res Stu­di­um mehr auf­neh­men konn­te. Zum Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung leb­te Fritz in Mann­heim, der Hei­mat­stadt sei­nes ver­stor­be­nen Vaters. Hans, von dem nicht bekannt ist, ob er spä­ter auch noch eine Fami­lie grün­de­te, war in Ber­lin bei sei­ner ver­wit­we­ten Mut­ter geblie­ben. Laut dem Jüdi­schen Adress­buch von Groß-Ber­lin, wohn­te er 1931/​32 mit ihr zusam­men in der Dresd­ner Str. 20. Unter die­ser Adres­se war sein Vater mit sei­ner Arzt­pra­xis seit 1895, also noch vor sei­ner Ehe­schlie­ßung mit Ali­ce Rap­pa­port, in den Ber­li­ner Adress­bü­chern ver­zeich­net. Wann Hans mit sei­ner Mut­ter Ber­lin und Deutsch­land ver­ließ, ist nicht bekannt. Im Ber­li­ner Adress­buch von 1933 ist nur noch die Mut­ter, aller­dings jetzt mit einer ande­ren Adres­se – Frei­sin­ger Str. 8 – zu fin­den. Als Adolf und Mar­ga­re­the Levy 1936 ihr Tes­ta­ment mach­ten, gaben sie an, ihre Schwä­ge­rin und bzw. Schwes­ter befän­de sich inzwi­schen mit ihrem Sohn Fritz – ver­mut­lich auch des­sen Frau Mar­ga­re­te — in Basel. Zwar lie­gen kei­ne genaue­ren Infor­ma­tio­nen über deren Leben im Exil vor, aber allem Anschein nach ist es der Fami­lie irgend­wie gelun­gen, ihr Leben zu ret­ten. Am 11. August 1942, also kurz vor ihrer Depor­ta­ti­on, änder­ten Adolf und Mar­ga­re­the Levy ange­sichts der Tat­sa­che, dass der Auf­ent­halt der frü­her ein­ge­tra­ge­nen Erben inzwi­schen völ­lig unklar war, viel­leicht auch nicht ver­ra­ten wer­den soll­te, ihr Tes­ta­ment noch ein­mal. August und Sophie Braun, die noch immer in Ber­lin wohn­ten, wur­den dar­in beauf­tragt, den Anteil für Ali­ce Schwab, die zu die­sem Zeit­punkt in Basel — Arle­sheim im Nul­len­weg 28 leb­te, solan­ge zu ver­wal­ten, bis die Mög­lich­keit bestehen wür­de, ihr ihren Anteil zu über­ge­ben.[61] Ob sie ihren Erb­teil bei den schlep­pen­den Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren in Deutsch­land tat­säch­lich noch erhielt, ist unge­wiss.[62]

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Fritz Schwab erhält nach dem Krieg in der Schweiz einen Rei­se­pass
https://​coll​ec​tions​.arol​sen​-archi​ves​.org/H​/SIMS5​/03020104​/0254​/164267278​/001.jpg

Aber über­lebt haben Ali­ce Schwab und auch ihr Sohn Fritz, ver­mut­lich auch des­sen Frau Mar­ga­re­te, die Zeit der Ver­fol­gung mit Sicher­heit. In den Akten der Schwei­zer Poli­zei­be­hör­den Bern befin­den sich zwei Doku­men­te aus dem Jahr 1948, mit denen die Kan­to­na­le Frem­den­po­li­zei von Basel-Land beauf­tragt wur­de, Fritz und Ali­ce Schwab jeweils einen Rei­se­pass für Aus­lands­rei­sen aus­zu­hän­di­gen.[63] Von Fritz ist zudem bekannt, dass er im Jahr 1953 mit dem Schiff ‚United Sta­tes’ von Le Har­ve aus eine Rei­se nach New York unter­nahm.[64]

Zu den Opfern der Shoa gehör­te mit Sicher­heit sein Bru­der Hans. Bei der ers­ten Tes­ta­ments­fas­sung sei­nes Onkels und sei­ner Tan­te im Jahr 1936 leb­te er in Brüs­sel. Wo er sich 1942 auf­hielt, war ihnen dann nicht mehr bekannt. Ver­mut­lich hat­te er sich mit Kriegs­be­ginn von dort nach Frank­reich abge­setzt und ver­sucht, im unbe­setz­ten Süden zu über­le­ben. Bevor ita­lie­ni­sche Trup­pen Mona­co im Juni 1940 besetz­ten, war das Fürs­ten­tum, obwohl als Finanz­platz eng mit Deutsch­land ver­bun­den, offi­zi­ell neu­tral und damit ein Zufluchts­ort für vie­le Flücht­lin­ge. Im Juli 1941 zwang das Deut­sche Reich den dor­ti­gen Regen­ten Prinz Lou­is alle Juden zu regis­trie­ren. Seit wann sich Hans Schwab dort auf­ge­hal­ten hat­te, ist nicht bekannt. Nach den Anga­ben von Yad Vas­hem wur­de er aber am 11. Sep­tem­ber 1942 in Mona­co auf­ge­grif­fen, nach Frank­reich gebracht und anschlie­ßend von Dran­cy aus nach Ausch­witz depor­tiert und ermor­det.[65]

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
Regis­trie­rung von Erich und Mila Rap­pa­port als jüdi­sche Flücht­lin­ge in Eng­land
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Die Fami­lie von Mar­ga­re­thes und Ali­ces Bru­der Erich hat­te dage­gen recht­zei­tig den Weg auf die siche­ren bri­ti­schen Inseln gefun­den. Als ‚Jewish Refu­gees“ waren er und sei­ne Frau Käthe 1939 in Eng­land regis­triert wor­den.[66] Zuvor hat­te Erich Rap­pa­port in Ber­lin gelebt, wo der Kauf­mann am 22. Febru­ar 1908 Käthe Mar­cu­se gehei­ra­tet hat­te.[67] Die am 21. Juli 1885 gebo­re­ne Ehe­frau, die mit vol­lem Namen Käthe Mila Ger­trud hieß, stamm­te eben­falls aus einer Ber­li­ner Kauf­manns­fa­mi­lie. Ihre Eltern waren Ben­dix und Hele­ne Mar­cu­se, gebo­re­ne Kirch­ber­ger.[68] Laut dem Jüdi­schen Adress­buch von 1931/​32 wohn­ten sie vor der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Macht­über­nah­me dort in der Derff­lin­ger Str. 2.
Im Jahr nach der Hoch­zeit war ihnen am 14. Novem­ber 1909 die Toch­ter Edith gebo­ren wor­den, die, abwei­chend vom Berufs­feld der Eltern und Groß­el­tern, sich zur Biblio­the­ka­rin hat­te aus­bil­den las­sen. Aber der Ehe­mann, den sie am 20. Novem­ber 1934 in Ber­lin hei­ra­te­te, stamm­te dann doch wie­der aus der gro­ßen jüdi­schen Kauf­mann­schaft Ber­lins. Als Buch­händ­ler stand Hans Salo Graet­zer, gebo­ren am 7. Novem­ber 1896 in Ber­lin als Sohn von Ema­nu­el und Augus­te Graet­zer, gebo­re­ne Hirsch­feldt, den­noch dem Berufs­feld sei­ner Frau sehr nahe.[69] Aber eine beruf­li­che Per­spek­ti­ve gab es im Nazi-Deutsch­land für die bei­den ohne­hin nicht mehr. Sie schei­nen das Land bereits vor der Volks­zäh­lung im Mai 1939 ver­las­sen zu haben, da ihre Namen, anders als die der Eltern von Edith, in den über­lie­fer­ten Unter­la­gen nicht mehr gelis­tet sind.

Jakob Levy, Karoline Coblenz Levy, Friedericke Levy Wolf, Marx Wolf, HedwigWolf, Leonard Wolf, Sophie Sofie Wolf Braun, Betty Wolf, Juden Dudweiler, Edmund Rappaport, Adele Rappaport Isaac, Erich Rappaport, Mila Marcuse Rappaport, Edith Rappaport Graetzer, Hans Salo Graetzer, Alice Rappaport Schwab, Arthur Victor Schwab, Hans Schwab, Fritz Fred Schwab, Margarete Schwab, Juden Wiesbaden, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11.
Edith Graet­zer bleibt in Eng­land von der Inter­nie­rung ver­schont
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Nach ihrer Über­sied­lung leb­ten Edith und Hans Grät­zer zunächst in Sto­ke Newing­ton, einem nord­öst­li­chen Stadt­teil von Lon­don. Wäh­rend Edith dort blei­ben durf­te, war ihr Mann zumin­dest zeit­wei­se in das berühm­te Kit­che­ner Camp in Rich­bo­rough in der Graf­schaft Kent ein­ge­wie­sen wor­den. Die­ses Camp, von eng­li­schen Juden 1939 ein­ge­rich­tet, dien­te als Tran­sit­camp für etwa 4000 männ­li­che jüdi­sche Flücht­lin­ge auf ihrem Weg in ein ande­res siche­res Exil­land, zumeist in Nord- oder Süd­ame­ri­ka.[70] Anders als die meis­ten blie­ben Graet­zers aber in Eng­land, nach­dem eine wei­te­re Inter­nie­rung in zwei getrenn­ten Ver­fah­ren abge­lehnt wor­den war.[71] Ihren Beruf hat­te Edith in dem Ver­fah­ren sehr vage mit „Beau­ty Cul­tur­ist“ bezeich­net. Über das wei­te­re Leben des Paa­res, wie auch das der Eltern von Edith in Groß­bri­tan­ni­en, lie­gen kei­ne Infor­ma­tio­nen vor. Ver­mut­lich war aber die Mila Rap­pa­port, deren Namen man im Ster­be­in­dex von Eng­land aus dem ers­ten Quar­tal des Jah­res 1965 fin­det, Ediths Mut­ter.[72]

Adolf und Mar­ga­re­the Levy, Bür­ger von Wies­ba­den, waren wie vie­le ihrer Ange­hö­ri­gen in der Shoa umge­bracht wor­den, aber die Fami­lie gänz­lich aus­zu­lö­schen, ist den Nazi-Scher­gen nicht gelungen.

 

Ver­öf­fent­licht: 03. 05. 2021

 

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Anmer­kun­gen:

 

[1] Geburts­re­gis­ter Ber­lin 727 /​ 1881.

[2] Geburts­re­gis­ter Ber­lin IVa 408 /​ 1876 und Hei­rats­re­gis­ter Ber­lin III 87 /​ 1908.

[3] Peter Jure­cka, Zeug­nis­se jüdi­scher Men­schen in Dud­wei­ler, hat schon dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass die ver­wandt­schaft­li­chen Bezie­hun­gen der Levys in Dud­wei­ler unge­klärt sind. Sie­he file://​/C:​/Users​/Nutzer​/AppData​/Local​/Temp​/Bd03-087–092DudwJuden.pdf. (Zugriff: 28.4.2021).

[4] http://​www​.stein​heim​-insti​tut​.de​:50580/sbs_all.html. (Zugriff: 28.4.2021). ). Nach Anga­ben des von Jüngst-Küp­per /​ Jüngst erstell­ten Fami­li­en­buchs von Dud­wei­ler war Karo­li­ne Koblenz am 3.3.1831, laut Stein­heim-Insti­tut am 14.3.1831 gebo­ren wor­den. Sie­he Jüngst-Kip­per /​ Jüngst, Ein­woh­ner von Dud­wei­ler, S. 880. Laut Fami­li­en­buch  muss Isaak Levy, der Vater von Adolf Levy, um 1800, sei­ne Frau um 1807 gebo­ren wor­den sein. Bei der Hoch­zeit ihres Soh­nes leb­ten sie aller­dings in der klei­nen Gemein­de Kor­del, nörd­lich von Trier. Aus dem Hei­rats­ein­trag ergibt sich, dass Marum Coblenz um 1802 und sei­ne Frau Rebek­ka um 1805 gebo­ren wor­den sein müs­sen, sie­he Jüngst-Kip­per /​ Jüngst, Ein­woh­ner von Dud­wei­ler, S. 880, Ein­trag 2549.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Hei­rats­re­gis­ter Dud­wei­ler 11 /​ 1879. Marx Bern­hard Wolf war am 30.6.1854 in Wawern als Sohn von Leo­nard und Eva Wolf, gebo­re­ne Wolf, gebo­ren wor­den. Jure­cke gibt den Vor­na­men zwar mit Max an, in der Hei­rats­ur­kun­de ist er aber unzwei­deu­tig mit Marx Bern­hard benannt.

[8] Jure­cka, Jüdi­sche Men­schen in Dud­wei­ler, S. 92.

[9] Ster­be­re­gis­ter Dud­wei­ler 165 /​ 1881. Der am 17.8.1881 Gebo­re­ne war genau 6 Mona­te und 3 Tage alt geworden.

[10] Geburts­re­gis­ter Dud­wei­ler 161 /​ 1879 und Ster­be­re­gis­ter Dud­wei­ler 338 /​ 1907.

[11] Hei­rats­re­gis­ter Dud­wei­ler 26 /​ 1904. Karl August Lie­big war am 24.3.1872 als Sohn von Emil und Ida Lie­big, gebo­re­ne Erd­men­ger, zur Welt gekommen.

[12] Für Bet­ty Wolf, Geburts­re­gis­ter Dud­wei­ler 534 /​ 1885, für Sophie HHStAW 518 4166 (2, 6).

[13] HHStAW 518 4166 I (46, 67).

[14] Zur ‚Tele­gra­fen-Uni­on’ sie­he https://​www​.archiv​por​tal‑d​.de/item​/CRJBOH2SS3GGI4OUJRWYT7DKHNCSETQW. (Zugriff: 28.4.2021).

[15] Adolf Levy war auch Trau­zeu­ge bei der Hoch­zeit sei­ner Nich­te Edith im Jahr 1934. Laut die­sem Ein­trag wohn­te er damals in der Wil­mers­dor­fer Stra­ße, aller­dings ist hier die Haus­num­mer mit 24 angegeben.

[16] So eine Wer­be­bro­schü­re aus dem Eröff­nungs­jahr 1907.

[17] HHStAW 518 4166 I (17).

[18] HHStAW 519/​3 3659 (1).

[19] Ebd. (2, 3, 4).

[20] Ebd. (5).

[21] Ebd. (9).

[22] HHStAW 518 4166 I (26, 27, 28, 29).

[23] In ihrem Ent­schä­di­gungs­an­trag hat­te die Nich­te Sophie Braun einen Betrag von 23.419 RM in Rech­nung gestellt, ebd. (16).

[24] HHStAW 519/​3 3659 (9).

[25] 518 4166 (18, 19).

[26] Ebd. (55).

[27] Ein Hotel ‚Asto­ria’ gab es aller­dings in all den Jah­ren in Wies­ba­den nicht, Sophia Braun mein­te sicher das ‚Eden-Hotel’..

[28] HHStAW 519/​3 3659 (13).

[29] Unbe­kann­te Lis­te X 1.

[30] HHStAW 469/​33 1912 (4 f.). Sie­he den gesam­ten Brief unten.

[31] HHStAW 519/​3 3659 (15). Bei der Auf­stel­lung, die neben den Kos­ten für Mie­te und Ver­pfle­gung auch diver­se Pos­ten für Ärz­te und Medi­zin ent­hält, fällt ein Betrag auf, der aller­dings wie­der gestri­chen wur­de: „Par­tei 25,-“ Was damit gemeint sein könn­te, ist völ­lig unklar.

[32] Ebd. (16).

[33] Ebd. (17).

[34] Ebd. (20).

[35] Ebd. (21). Den Betrag erhielt ein Phil­ip Blum in der Wies­ba­de­ner Aar­str. 27. Zwar ist der Name Blum ein geläu­fi­ger jüdi­scher Name, aber ein Phil­ipp Blum ist in den ein­schlä­gi­gen Ver­zeich­nis­sen über die jüdi­sche Bevöl­ke­rung Wies­ba­dens nicht auf­find­bar. Im letz­ten Wies­ba­de­ner Adress­buch von 1938 war unter die­ser Adres­se eine Wit­we Wil­hel­mi­ne Blum gemel­det. Aber auch eine Jüdin mit die­sem Namen ist bis­her nicht bekannt. Mög­li­cher­wei­se han­del­te es sich somit – erstaun­li­cher­wei­se – bei Phil­ipp um einen ari­schen Hel­fer, viel­leicht um den Sohn die­ser Wil­hel­mi­ne, der sich etwas Geld ver­die­nen wollte.

[36] HHStAW 469/​33 1912 (2).

[37] HHStAW 518 4166 I (20, 22).

[38] Meinl /​ Zwil­ling, Lega­li­sier­ter Raub, S. 465 f.

[39] Da der Umschlag des Brie­fes nicht erhal­ten ist, die Adres­sa­ten dar­in auch nicht expli­zit benannt wer­den, ist auch nicht klar, an wen er gerich­tet war. Da dar­in mehr­fach ein oder eine Gus­ti direkt ange­spro­chen ist, in der unmit­tel­ba­ren Ver­wandt­schaft weder ein Gus­tav noch eine Augus­te bekannt sind, wird es sich ver­mut­lich um August Braun, den Ehe­mann von Sophie Braun, also den ange­hei­ra­te­ten Nef­fen der Levys, han­deln. Dafür spricht auch, dass dem Adres­sa­ten in dem Brief schon zum Geburts­tag gra­tu­liert wird. August Braun fei­er­te am 6. Sep­tem­ber, also in der auf die Depor­ta­ti­on fol­gen­den Woche, sei­nen 64. Geburts­tag. Nicht in jedem Fall konn­te die Schrift unzwei­fel­haft ent­zif­fert wer­den. Unle­ser­li­che Stel­len bzw. ver­mu­te­te Les­ar­ten sind mit Pünkt­chen bzw. Fra­ge­zei­chen markiert.

[40] Bekann­ter Wies­ba­de­ner Auktionator.

[41] Unklar, ob hier Emma Löwen­stein gemeint ist, von der zuvor die Rede war.

[42] Gemeint ist Mar­tha Wolff, sie­he oben. Dort sind auch umfas­sen­de Aus­füh­run­gen zu ihrem Bru­der Theo­dor Wolf zu fin­den, der Chef­re­dak­teur des ‚Ber­li­ner Tage­blatts’ war. Das Wort, das in dem Brief sei­ne Stel­lung bei der Zei­tung bezeich­net, ist aller­dings unleserlich.

[43] Ver­mut­lich ist hier Clai­re Schmal­haus, die Betrei­be­rin des Hotels in der Son­nen­ber­ger Str. 22 gemeint.

[44] 469/​33 1912 (4–5).

[45] Moritz Hirsch ver­starb eben­falls in The­re­si­en­stadt am 15.10.1943, für ihn hat das Akti­ve Muse­um Spie­gel­gas­se eine ebl vor­ge­legt, sie­he http://​www​.am​-spie​gel​gas​se​.de/wp-content​/downloads​/erinnerungsblaetter​/Erinnerungsblatt%20Dr.%20Moritz%20Hirsch%20und%20Alma%20Hirsch.pdf. (Zugriff: 28.4.2021).

[46] Czech, Kalen­da­ri­um Ausch­witz, S. 776.

[47] In der Opfer­lis­te der Stadt Wies­ba­den wird ihr Todes­da­tum mit dem des Trans­ports nach Ausch­witz, also dem 15.5.1944, ange­ge­ben. Das ist aber auf Basis der Recher­chen von Czech nicht richtig.

[48] HHStAW 469/​33 1912 (18). Damals hat­te man noch ohne Wis­sen des tat­säch­li­chen Todes­tags auch den ihres Man­nes auf das Kriegs­en­de festgelegt.

[49] Ebd. (13).

[50] Er ist auch im Gedenk­buch des Bun­des­ar­chivs Koblenz nicht als Opfer des Holo­causts verzeichnet.

[51] https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/nameDetails.html​?language=en&itemId=11656596&ind=1. (Zugriff: 28.4.2021).

[52] Sie­he Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 431.

[53] https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/gedenkbuch​/de993474. (Zugriff: 28.4.2021). Auf ihrem Geburts­ein­trag in Dud­wei­ler ist auch der offi­zi­el­le Todes­tag mit dem 31.12.1945 ange­ge­ben, sie­he Geburts­re­gis­ter Dud­wei­ler 534 /​ 1885.

[54] https://​www​.map​ping​the​li​ves​.org/bio​/9f698ccd-28c0-4e67-bf57-f2510743f45b und https://​www​.map​ping​the​li​ves​.org/bio​/9f698ccd-28c0-4e67-bf57-f2510743f45b. (Zugriff: 28.4.2021).

[55] Erst­mals ist ein August Braun mit die­ser Adres­se 1937 ver­zeich­net, was aber nicht bedeu­ten muss, dass Brauns erst in die­sem Jahr nach Ber­lin kamen. Es gibt auch in den Jah­ren zuvor ver­schie­de­ne August Brauns mit aller­dings ande­ren Adressen.

[56] HHStAW 518 4166 I (12).

[57] Hei­rats­re­gis­ter Ber­lin IVa 374 /​ 1897.

[58] Geburts­re­gis­ter Ber­lin Va 2179 /​ 1901 und 1003 /​ 1905.

[59] Hei­rats­re­gis­ter Ber­lin Vb 399 /​ 1932.

[60] Ster­be­re­gis­ter Ber­lin Va 1414 /​ 1919.

[61] HHStAW 469/​33 1912 (14). Im Adress­buch von Basel aus dem Jahr 1964/​65 ist zwar eine Ali­ce Schwab ein­ge­tra­gen, ob es sich dabei um die aus Ber­lin geflo­he­ne Ali­ce Schwab han­delt, ist aber völ­lig ungewiss.

[62] Obwohl in dem Tes­ta­ment von Adolf und Mar­ga­re­te Levy auch deren Fami­lie bedacht wor­den war, blei­ben sie im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren unbe­rück­sich­tigt. Es heißt in den Beschei­den expli­zit, dass August und Sophie Braun Allein­er­ben sei­en, z​.​B. HHStAW 518 4166 I (159).

[63] https://​coll​ec​tions​.arol​sen​-archi​ves​.org/archive​/3–2‑1–4_1718000/​?p=1&s=Fritz%20Schwab&doc_id=81172469 und https://​coll​ec​tions​.arol​sen​-archi​ves​.org/archive​/3–2‑1–4_1718000/​?p=1&s=Fritz%20Schwab&doc_id=81172472. (Zugriff: 28.4.2021).

[64] https://​www​.ancestry​.de/imageviewer​/collections​/7488​/images​/007264591–01302​?treeid=&personid=&hintid=&usePUB=true&usePUBJs=true&pId=4042425903&lang=de-DE. (Zugriff: 28.4.2021). Mög­li­cher­wei­se kann das Feh­len des Namens sei­ner Frau Mar­ga­re­te in die­sen Rei­se­un­ter­la­gen als Indiz dafür gewer­tet wer­den, dass sie zu die­sem Zeit­punkt bereits ver­stor­ben war. In einem wei­te­ren Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren, das eben­falls die Fami­lie Rap­pa­port betraf, wird in einem Schrei­ben einer Bank an das Wies­ba­de­ner Amts­ge­richt auf eine Mari­an­ne Rit­ter-Schwab, wohn­haft in Ham­burg, ver­wie­sen. Sie müss­te mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit Nach­kom­me aus der Ehe von Fritz Schwab sein, sie­he HHStAW 469/​33 1912 (22).

[65] https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/nameDetails.html​?language=en&itemId=11630017&ind=1. (Zugriff: 28.4.2021). In Yad Vas­hem sind ver­schie­de­ne Anga­ben zu sei­nem Schick­sal hin­ter­legt, u​.​a. auch von einem Hen­ry Wil­liam Schwab, ganz sicher einem Nach­kom­men der Fami­lie: https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/nameDetails.html​?language=en&itemId=7632668&ind=1. (Zugriff: 28.4.2021).

[66] https://​www​.ancestry​.de/imageviewer​/collections​/61596​/images​/tna_r39_0565_0565g_011​?usePUB=true&usePUBJs=true&pId=8951630&lang=de-DE. (Zugriff: 28.4.2021).

[67] Hei­rats­re­gis­ter Ber­lin III 87 /​ 1908.

[68] Geburts­re­gis­ter Ber­lin VI 1762 /​ 1885.

[69] Geburts­re­gis­ter Ber­lin XIII 3705 /​ 1896.

[70] Zu dem Camp sie­he http://​www​.kit​chener​camp​.co​.uk/. (Zugriff: 28.4.2021).

[71] Für Hans Salo Graet­zer schon am 16.10.1939, für Edith am 12.1.1940, sie­he https://​www​.ancestry​.de/imageviewer​/collections​/61665​/images​/48741_b428908-00685​?treeid=&personid=&hintid=&usePUB=true&usePUBJs=true&pId=70310 und https://​www​.ancestry​.de/imageviewer​/collections​/61665​/images​/48741_b428908-00681​?treeid=&personid=&hintid=&usePUB=true&usePUBJs=true&pId=70310. (Zugriff: 28.4.2021).

[72] https://​www​.ancestry​.de/imageviewer​/collections​/7579​/images​/ons_d19651az-0807​?treeid=&personid=&hintid=&usePUB=true&usePUBJs=true&pId=40191155. (Zugriff: 28.4.2021).

 

 

Judenhäuser in Wiesbaden 1939 - 1942