Amalie Blühdorn, geborene Horn, und ihr Sohn Eugen Blühdorn

Ihre letzten Tage in Wiesbaden, ziemlich genau eine Woche, musste auch Amalie Blühdorn noch im Judenhaus im Cheruskerweg 3 verbringen. Ihr Sohn Eugen war die letzten Monate im Judenhaus Herrngartenstr. 11 und am Schluss noch in dem in der Blumenstr. 7 einquartiert worden. Obwohl er also nie im Cheruskerweg wohnte, soll auch sein Schicksal in diesem Kapitel zusammen mit dem seiner Mutter betrachtet werden.

In einem von der Wiesbadener Polizeibehörde 1939 ausgefüllten Fragebogen zur Krankenakte von Eugen Blühdorn heißt es terminologisch nicht ganz richtig, dass dieser die Zugehörigkeit seiner Vorfahren zum „D.[eutschen] R.[eich]“, bis in das Jahr 1620 nachweisen könne.[1] Zwar ist dieser Stammbaum heute nicht mehr nachvollziehbar, aber immerhin kann die mütterliche Linie noch immer bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts verfolgt werden. Über den familiären Hintergrund des Vaters, Leopold Blühdorn, ist dagegen kaum etwas bekannt.

Blühdorn, Leopold Amalie, Eugen, Cheruskerweg 3 Judenhaus Wiesbaden
Erstmaliger Eintrag von Leopold Blühdorn im Adrerssbuch von Köln 1888

Dieser war am 2. oder 3. September 1855 in oberschlesischen Gleiwitz geboren worden.[2] Über die Eltern und deren soziales Umfeld gibt es bisher keine weiteren Informationen, auch nicht darüber, wann und über welche Stationen er nach Köln kam. 1888 wird er erstmals im Kölner Adressbuch erwähnt und im Jahr zuvor, am 4. Juli 1887, fand dort die Trauung mit Amalie Horn[3] und am 10. März des folgenden Jahres auch die Geburt des gemeinsamen Kindes Käthe statt[4]. Die Eltern von Amalie Horn, Victor Horn und Rosalie, geborene Meyer, lebten ebenfalls zuletzt in Köln.[5] Geboren worden war Amalie Horn aber in Dortmund, woher auch der Vater, ein Bankier, ursprünglich stammte.[6] Seine Frau Rosalie Meyer, das dritte von insgesamt elf Kindern von Isaac und Frederike Meyer, kam wiederum aus der Gegend um Münster, wo ihre Vorfahren wohl schon seit längerer Zeit ansässig waren.[7]

Judenhaus Cheruskerweg 3 Wiesbaden Blühdorn Horn Amalie Eugen
Stammbaum der Familie Blühdorn / Horn
(GDB – PLS)

Eugen Blühdorn, geboren am 1. August 1893 ebenfalls in Köln, war das zweite Kind von Leopold und Amalie Blühdorn. Die Indizien sprechen dafür, dass beide Elternteile aus eher begüterten Verhältnissen stammen mussten, denn am 11. Oktober 1902 übernahm Leopold Blühdorn das renommierte Modehaus „Daniel Schlesinger“ in der Hohen Straße in Köln mit seinen Dependancen in Mühlheim und Bonn.[8] Allein die hervorragende Lage des Geschäfts in Köln zeigt den Wert des Unternehmens. Dass Leopold Blühdorn auch unter seinen Kollegen sehr geachtet war, ist daran zu erkennen, dass er in der Kölner Industrie- und Handelkammer als Handelrichter fungierte.[9]

Entsprechend waren die Verhältnisse, unter denen die beiden Kinder aufwuchsen, Käthe sprach später von einem „hochherrschaftlichen Haushalt“. Um sie kümmerten sich eigens eine Erzieherin und ein Hauslehrer, für den übrigen Haushalt waren durchgängig zwei weitere Dienstmädchen angestellt.[10]

Beleg für diesen Wohlstand waren auch umfassende Sammlungen antiker Porzellane, Möbel und Teppiche. Auch Schmuck und viele Gebrauchstextilien aus wertvollen Stoffen, so zum Beispiel Tischdecken aus Venezianischer oder Brüsseler Spitze, gehörten dazu. Aber auch Kuriositäten hatte Amalie Blühdorn gesammelt. So besaß sie eine „authenische Schreibfeder von Goethe“, eine Tasse von Friedrich dem Großen und Erstausgaben von Zeitungen aus dem 16. Jahrhundert, dazu noch viele alte Stiche und Bücher. Insgesamt schätzte Käthe Blühdorn im späteren Entschädigungsverfahren den Wert der Sammlung auf etwa 30.000 Mark.[11] Eine Reihe von Zeugen, die früher im Haus der Blühdorns verkehrten, bezeugte später die frühere Existenz dieser Sammlungen. Amalie Blühdorn war aber nicht nur Sammlerin, sie hatte sich auch als Expertin für solche Antiquitäten einen Namen gemacht. Sogar einhundert Jahre später erinnerte man sich in der Heimatstadt ihres Mannes noch an die Kunstkennerin, die dort zumindest einmal zu Besuch gewesen sein muss.[12]

Grab von Eugen Blühdorn in Köln
Eigene Aufnahme

Trotz oder vielleicht auch wegen dieser begüterten Verhältnisse scheint Eugen bereits in seiner Jugend nicht immer ganz unproblematisch gewesen zu sein. Er beschrieb sich später selbst als „verwöhnt, etwas schwer erziehbar“ und als „mittlerer Schüler“. Dennoch konnte er nach seinem Abitur und dem Besuch einer Handelshochschule einen Abschluss als Diplomkaufmann erwerben. Damit besaß er eigentlich die notwendigen Qualifikationen, um den elterlichen Betrieb erfolgreich weiterzuführen.[13] Über die Motive, die ihn im Alter von 24 Jahren veranlassten, zum Christentum zu konvertieren und sich evangelisch taufen zu lassen, ist nichts bekannt.[14] Als sein Vater während eines Kuraufenthaltes in Marienbad am 2. oder 3. August 1921 kurz vor Vollendung seines 66sten Lebensjahrs verstarb, wurde Eugen mit 50 Prozent an der Firma beteiligt. Die andere Hälfte behielt seine Mutter.[15]

Wie so viele andere Betriebe, scheint auch das Unternehmen der Blühdorns in den Krisenjahren am Ende der Weimarer Republik ins Schlingern geraten zu sein. Im Mai 1933 hatte das Amtsgericht in Köln ein Konkursverfahren eingeleitet, dieses aber im November wieder eingestellt.[16] Nicht auszuschließen ist, dass auch antisemitische Aktionen gegen die Geschäfte zu den finanziellen Problemen beigetragen hatten. Ab 1933 gab es solche Beeinträchtigungen mit Sicherheit, was Amalie und Eugen Blühdorn dazu veranlasste, Anfang 1934 die Firma zu liquidieren.[17]

Fortan lebten sie von dem damals noch vorhandenen Vermögen, auf das sie zu dieser Zeit auch noch freien Zugriff hatten. Einer Berufstätigkeit gingen beide nach Aussage der Tochter nicht nach. Viele Reisen hätten die finanziellen Ressourcen allmählich schrumpfen lassen, zumal die Mutter ihre Sammelleidenschaft keineswegs aufgegeben hätte.[18]

Der Krankenakte von Eugen ist zu entnehmen, dass er um 1935/1936 Köln verließ, um nach Berlin überzusiedeln,[19] wo seine Schwester zu dieser Zeit bereits wohnte. Sie war vermutlich dort auch schon mit Max Cohen verheiratet, denn 1910 war ihnen die Tochter Irmgard geboren worden.[20] Im Mai 1939 gelang es der Familie in die USA auszuwandern.[21]
Auch Amalie Blühdorn war damals, vermutlich zusammen mit ihrem Sohn, in die Hauptstadt gezogen. Ob sie dort, vielleicht sogar alle, eine gemeinsame Wohnung hatten, ist nicht bekannt.

In dieser Zeit manifestierten sich die gesundheitlichen Probleme von Eugen immer deutlicher. Schon in früheren Jahren hatte er nach eigenen Angaben immer wieder Beruhigungsmittel genommen, 1928, nach einer Lungenentzündung, war er medikamentenabhängig geworden. Er nahm seitdem das Schlaf- und Beruhigungsmittel Phanodorm in immer höheren Dosen ein, bis er 1937 nach einem Selbstmordversuche sich in Berlin erstmals einer Entziehungskur unterzog. Die einjährige Therapie war aber, wie sich bald zeigen sollte, ohne nachhaltigen Erfolg geblieben.

Nach dem Ende des Klinikaufenthalts zogen Mutter und Sohn 1938 nach Wiesbaden.[22] Die Wahl fiel sicher auch deshalb auf die Stadt, weil hier ihr jüngerer, am 14. März 1860 in Köln geborener Bruder Robert Horn seit etwa 1934 lebte.[23] Zuvor hatte die Familie, Robert, seine Frau Johanna, geb. Simon, und der am 14. März 1905 geborene Sohn Walter Victor in Mainz gewohnt. Bereits 1927 war letzterer in die USA ausgewandert und im Frühjahr 1938 verstarb Johanna Horn,[24] sodass Robert nun alleine in seiner Wiesbadener Wohnung in der Niederwaldstr. 4 lebte. In diese Wohnung zog nun auch Amalie Blühdorn ein.

Auch hatte es früher sehr enge geschäftliche Verbindungen zwischen Amalie und ihrem Bruder Robert gegeben. Er besaß in Mainz ein Geschäft, das unter dem Namen „G. Hergershausen“ Damenhüte, Handtaschen und ähnliche Accessoires vertrieb. Dieses Geschäft hatte Robert Horn 1901 zusammen mit Amalies Ehemann Leopold Blühdorn übernommen.[25] Zwar war dieser 1906 wieder ausgestiegen, die geschäftlichen Verbindungen blieben aber bestehen, da beide ja in der gleichen Branche tätig waren. So gab Walter Victor, der Sohn von Robert Horn, später an, der Vater, der seine Artikel im Einzel- wie auch im Großhandel vertrieb, habe gute Beziehungen nach Köln und Bonn unterhalten – vermutlich zu den dort von Leopold Blühdorn geführten Modehäusern. Er sei an diesen sogar beteiligt gewesen. Neben dem Hauptgeschäft in Mainz in der Schuster Straße, in dem die Familie im zweiten Stock über den beiden Ladenetagen in einer 9-Zimmerwohnung selbst auch wohnte, betrieb er noch eine weitere, 1906 gegründete Filiale in Bingen. Bis zum Machtantritt der Nazis seien die Geschäfte außerordentlich gut gelaufen, so Walter Victor. Danach habe man sich aber infolge der Boykottmaßnahmen und behördlicher Repressalien gezwungen gesehen, die Firma aufzugeben.[26]

Während Amalie Blühdorn somit nach ihrem Umzug nach Wiesbaden für die folgenden Jahre in der Niederwaldstr. 4 im zweiten Stock bei ihrem Bruder eine Unterkunft fand, zog Eugen zunächst in die Seerobenstr. 9. Laut seiner Gestapo-Karteikarte mietete er sich danach – Datumsangaben fehlen bei den Einträgen leider – in der Ellbogengasse 11 ein, wo er als Untermieter bei Baum ein Zimmer fand.[27]

In dieser Wohnung machte er am 20. Februar 1939 erneut einen Selbstmordversuch, wurde aber im bewusstlosen Zustand aufgefunden und in die Psychiatrische Klinik Eichberg bei Hattenheim eingeliefert.[28] Seit einem halben Jahr war er mit seinem Tablettenmissbrauch wieder rückfällig geworden. Auch dieses Mal hatte er versucht, sich mit Phanodorm das Leben zu nehmen. Im Aufnahmeprotokoll heißt es gemäß der damals üblichen Terminologie: „B. bedarf zu einer Entziehungskur (haltlos süchtiger Psychopath, Phanodormmissbrauch) der Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt. Er ist mit seiner Verlegung nach d. Landes-Heil- u. Pflegeanstalt Eichberg einverstanden.“ Als Ursache für sein Leiden hatte Eugen „familiäre und geschäftliche Aufregungen“ angegeben.[29]

Diesmal wurde er nach gut einem viertel Jahr am 30. Mai 1939 auf einen Antrag der Mutter hin wieder entlassen. Er sei nach ihrer Ansicht wieder in einer guten Verfassung, eine Ansicht, die auch von der Anstaltsleitung geteilt wurde.[30]

Möglicherweise zog Eugen zunächst übergangsweise bei der Mutter ein, am 15 Juli erhielt er dann eine Unterkunft in die Kirchgasse 50 bei Fried, vermutlich als Untermieter. Dies war auch die Adresse, mit der er bei der Devisenstelle Frankfurt gemeldet war, als diese am 5. Februar 1940 eine sogenannte „JS-Akte“ mit der Nummer 1584 zur Sicherung seines Vermögens anlegte. Der übliche vorläufige Freibetrag von 300 RM wurde auch ihm zunächst gewährt.[31] Auf dem mitgeschickten Formular zur Angabe seiner Vermögens- und Einkommensverhältnisse ist alles ausgestrichen, nur seinen Namen und sein Geburtsdatum hatte er eingetragen. Auf der Rückseite erklärte er dann:
„Da ich weder Einkommen noch Vermögen besitze, habe ich kein Bankkonto geführt. Ich bin ohne Beruf und werde von Verwandten unterhalten.
Eugen Israel Blühdorn
Dipl. Kfm.
Wiesbaden, Rheingaustr. 6II“
[32]

Die wenigen Worte machen nicht nur deutlich, in welchen schwierigen Verhältnissen er inzwischen leben musste, aus der Adressangabe geht auch hervor, dass er inzwischen erneut umgezogen war. Am 9. November 1939 hatte er ein Zimmer in der Rheingauer Str. 6, einem Judenhaus, erhalten. Auf seiner Gestapo-Karteikarte steht „bei Landau II. Ludwig Landau war gerade eine Woche zuvor dort hingekommen. Dass beide etwa zur gleich Zeit dort einzogen, spricht sehr für eine Zwangseinweisung durch eine kommunale Behörde oder die Gestapo.

Weitere Adresseintragungen sind auf der Karteikarte zwar nicht vorhanden, dennoch kann Eugen Blühdorn auch dort nicht sehr lange geblieben sein. Allerdings sind die Angaben zu seinem nächsten Umzug widersprüchlich. Die angeblich im Sommer 1940 von der NSDAP-Ortsgruppe Wiesbaden Ost aufgestellte Liste über Juden in ihrem Bezirk enthält den Namen Eugen Blühdorn mit der Adresse Herrngartenstr. 11.[33] Eine andere Liste der gleichen Ortsgruppe, datiert mit 28.Juni 1940, enthält den Namen Eugen Blühdorn dagegen nicht, auch nicht mit einer anderen Adresse, was eigentlich bedeuten müsste, dass er zu dieser Zeit noch nicht in deren Bereich gewohnt haben kann. Diese Vermutung wird durch zwei weitere Dokumente bestätigt. Zum einen existiert eine Aufstellung des Zellenwarts 03 der Ortsgruppe Ost vom 13. November 1941, die die Namen der Juden enthält, die zu diesem Zeitpunkt in seiner Zelle wohnten. Hier ist Eugen Blühdorn diesmal aufgeführt.[34] Auch die weiteren Namen entsprechen genau denen, die auf der Liste, die angeblich vom Sommer 1940 stammt. Man kann daher mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass diese Liste erst auf der Basis der Angaben der Zellenwarte im Herbst / Winter 1941 entstanden sein kann. Ein weiterer Beleg dafür, dass Eugen Blühdorn 1940 noch nicht in der Herrngartenstraße wohnte, ergibt sich aus einem Antrag auf Lieferung von „Hausbrand“, den dieser im September 1941 beim Kreiswirtschaftsberater gestellt hatte. Das Gesuch war am 29. September von diesem mit der Bitte um einen Bericht an die NSDAP-Ortsgruppe Ost weitergeleitet worden. Diese wiederum beauftragte den Zellenwart der Zelle 03, sogar mit dem Dringlichkeitsvermerk „Eilt sehr“ versehen, die erforderlichen Informationen einzuholen. Am folgenden Tag kam prompt die Antwort, in der der Einzugstermin von Eugen Blühdorn in die Herrngartenstr. 11 mit dem 1. Februar 1941 angegeben ist.[35] Man wird also davon ausgehen können, dass der Umzug in das nächste Judenhaus etwa zu diesem Zeitpunkt stattgefunden haben wird, auch wird es sich in diesem Fall um einen erzwungenen Umzug gehandelt haben.

Im Hinblick auf die Bitte, mit Heizmaterial versorgt zu werden, war eine abschlägige Antwort zu erwarten. Der Zellenwart meldete: „Blühdorn wohnt in Untermiete bei dem Juden Reiniger und ist viel bei seiner Mutter in der Niederwaldstr. 4. Da Blühdorn [unleserliches Wort – K.F.] nicht kränklich ist, dürfte Kohlenlieferung nicht in Frage kommen.“[36] Diesem Urteil des Zellenwarts schloss sich die Ortsgruppenleitung an und teilte dem Kreiswirtschaftsberater mit, dass ihres Erachtens „eine Belieferung außer der Reihe nicht in Betracht (komme)“.[37]
Immerhin scheint man bei der NASDAP nicht gewusst zu haben, wie krank Eugen Blühdorn tatsächlich war. Das er die Enge des völlig überbelegten Hauses so oft wie möglich floh,[38] ist nur zu verständlich.

Man muss annehmen, dass die Mutter zu dieser Zeit noch in relativ guten Verhältnissen lebte, wenngleich Käthe Blühdorn im Entschädigungsverfahren angab, dass ihre Mutter lediglich eine 3-Zimmerwohnung mit Küche in Wiesbaden bewohnte“, sie deshalb einen Großteil ihrer wertvollen Möbel bei einem Spediteur habe einlagern müssen.[39] Überhaupt sind die Aussagen zu der Vermögenssituation von Amalie Blühdorn in dieser Zeit bis zur Deportation sehr widersprüchlich. Auch für sie war im Januar 1940 eine „JS-Mappe“ angelegt worden, ihr war ebenfalls ein Freibetrag von 300 RM gewährt worden und auch sie musste eine Vermögenserklärung abgeben. Wie ihr Sohn zuvor, gab auch sie an, kein Einkommen zu haben und kein Vermögen zu besitzen. Sie sei vielmehr auf die Unterstützung von Verwandten angewiesen.[40]

Geld erhielten die beiden von Amalies Bruder Felix Horn. Felix Horn, wie seine Schwester in Dortmund geboren, war durch seine Heirat mit Selma Horn, geborene Horn, im Jahr 1902 zum Fabrikanten geworden, denn Selmas Vater, Joseph Horn, besaß in Odenkirchen eine Textilfabrik, die die Tochter und der Schwiegersohn nach ihrer Heirat als „Textilwerk Felix Horn“ übernahmen und ausbauten. Auf diesem Unternehmen gründete der Reichtum des Bruders, der es ihm ermöglichte, selbst in diesen schweren Zeiten neben Amalie Blühdorn und ihren Sohn, noch zwei weitere Personen mit Geld zu unterstützen.[41]

Die Angaben über die völlige Mittellosigkeit von Eugen und Amalie Blühdorn sind allerdings insofern verwirrend, als die Tochter Käthe im Rahmen des Entschädigungsverfahrens in einer eidesstattlichen Erklärung aussagte, ihre „Mutter konnte sich bis zu ihrer Deportation nicht dazu entschließen, ihre wertvollen Sammlungen zu veräußern. Ebensowenig kam sie der Aufforderung nach, ihre Schmuck- und Silbergegenstände, wie es vorgeschrieben war, Anfang 1939 abzuliefern, da sie der Auffassung war, es sei ihr persönliches Eigentum und niemand anderes könne darüber verfügen.“[42]
Eine Mitbewohnerin in der Niederwaldstr. Bestätigte diese Aussage durch ein weiteres Zeugnis. „Mir ist bekannt, dass Frau Blühdorn aus sehr guten Verhältnissen stammte, sie war eine sehr feine gebildete Dame aus gutem Hause. Wie mir bekannt, hatte Frau Blühdorn viele kostbare Schmucksachen, die nach der Beschlagnahme der Wohnung verschwunden waren. Sie sprach zu mir noch zuletzt von einer goldenen Uhr. Die Wohnung wurde vom Finanzamt [handschriftlich korrigiert, zunächst stand hier „von SA-Leuten“ – K.F.] restlos abgeholt.[43]

Was aus den wertvollen Sammlungen geworden ist, ließ sich nicht mehr klären. Vielleicht war ein Großteil doch bereits zuvor verkauft worden, um den, nach Aussage der Tochter, aufwendigen Lebensstil der Mutter zu finanzieren. Vielleicht waren die Objekte aber tatsächlich so gut versteckt, dass sie bis zuletzt in ihrem Besitz waren und erst zuletzt einem privaten oder auch staatlichen Raubzug anheim fielen. Eine Einlagerung bei einer Spedition kann kaum in Frage kommen, weil hier die Gegenstände genauestens aufgelistet werden mussten. Wenn die Wertsachen tatsächlich versteckt gewesen sein sollten, dann war ein Verkauf nach dem staatlich verordneten Ablieferungstermin kaum mehr möglich. Die Entdeckung hätte erhebliche Konsequenzen gehabt. Insofern wäre Amalie Blühdorn trotz ihres vorhandenen Vermögens dann faktisch mittellos gewesen. Dennoch bleibt es irritierend, dass sie die Hilfe ihres Bruders beanspruchte, der ja den gleichen Kontrollen seines Vermögens unterworfen war wie sie.[44] Am 10. April 1940 wurde Amalie Blühdorn von der für sie zuständigen Devisenstelle in Frankfurt zugestanden, die Unterstützung ihres Bruders direkt entgegennehmen zu dürfen. Wegen der „bescheidenen Verhältnisse“, in denen sie lebe, wurde mit dem gleichen Bescheid die Sicherungsanordnung gegen sie aufgehoben.[45]

Auch bei Eugen Blühdorn wurde angesichts seiner finanziellen Lage auf eine solche Maßnahme verzichtet.[46] Der Brief der Devisenstelle, in dem ihm das mitgeteilt wurde, ist einer der letzten seiner Devisenakte. Am 30. November 1942 fragte die Behörde noch einmal beim Einwohnermeldeamt Wiesbaden an, ob er noch unter der bisherigen Adresse aufzufinden sei. Die Rückseite des Schreibens enthält die knappe Antwort der Meldestelle.
„Eugen Blühdorn, geb. 1.8.1893 zu Köln, war zuletzt hier Blumenstr.7 gemeldet und ist am 23.5.1942 verstorben. (Selbstmord).“[47]

Der Benachrichtigung ist zunächst die eher unbedeutendere Information zu entnehmen, dass Eugen Blühdorn in den letzten Wochen noch einmal vom Judenhaus Herrngartenstr. 11, in dem er zuletzt mehr als ein Jahr verbracht hatte, in das Judenhaus Blumenstr. 7 umziehen musste. In diesem Haus gelang ihm nun das, was zuvor mindestens zweimal fehlgeschlagen war: Er hatte mit einem Schlafmittel, vermutlich mit dem auch zuvor verwendete Phanodorm, seinem Leben ein Ende gesetzt.[48] Es gab für Eugen sicher viele Gründe für diese Tat, darunter auch Gründe, die in keinem unmittelbaren Zusammenhang zu den politischen Verhältnissen stehen. Aber der Tag, an dem er sich umbrachte, war genau der, an dem die erste größere Deportation aus Wiesbaden stattfand. Es waren vier seiner Mitbewohner aus der Blumenstraße, die am 23. Mai den Weg in den Tod antreten mussten. Wie sollte jemand, der ohnehin Schwierigkeiten hatte, mit seinem Leben zurecht zu kommen, in einer solchen letztlich ausweglosen Situation Halt finden und Stärke zeigen. Stattdessen wählte er – wie viele Tausend andere – die „extremste Form der Flucht“ [49] und gab sich selbst den Tod. Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte er, der erst 48 Jahre alt war, drei Wochen später auf der Liste der für den 10. Juni anberaumten Deportation gestanden.

Die Mutter, fast 80 Jahre alt, wurde bei diesem Juni-Transport verschont. Sie war, wie nahezu alle älteren Juden Wiesbadens, für den Transport am 1. September 1942 vorgesehen. Ihre langjährige Vermieterin in der Niederwaldstraße, Frau Peter-Rohr, fasste in einem Schreiben an die Entschädigungsbehörde 1956 das ganze Elend, das Amalie Blühdorn in den letzten Monaten ihres Lebens erfahren musste, in wenigen unbeholfenen Worten zusammen:
„Frau Blühdorn hat unsagbar koerperlich und seelisch gelitten. Sie hat unertraeglich gefroren, weil sie keine Kohlen mehr haben durfte und wenige Nahrungsmittel. Sie sah ihren einzigen Sohn sterben und war allein zugegen, der Selbstmord beging um der Deportation zu entgehen.“[50]
Frau Peter-Rohr hatte all die Jahre zu ihrer jüdischen Mieterin gehalten, obwohl ihr das Mietrecht die Möglichkeit gegeben hätte, ihr zu jeder Zeit frist- und grundlos zu kündigen. Sie hat es nicht getan. Deswegen kann der Umzug, den Frau Blühdorn in der letzten Woche vor der Deportation noch machen musste, nur erzwungen gewesen sein. Dennoch erscheint er selbst in der Logik des NS-Staats völlig absurd, denn sie wurde nicht in ein Judenhaus  verlegt, in dem man Juden für den anstehenden Transport zusammenführte, sie kam stattdessen in das Judenhaus Cheruskerweg 3, ein Haus, in dem es außer der Eigentümerin und einem durch Mischehe „Geschützten“ keine anderen Juden gab. Organisatorische Gründe können also für diese Aktion kaum eine Rolle gespielt haben.

Zusammen mit der Eigentümerin des Judenhauses, Henriette Leoni, musste sie am 1. September 1942 den Zug nach Theresienstadt besteigen. Man hatte ihr die „Transportnummer“ 617 zugewiesen. Es waren nur noch zwei Monate, die sie unter den unmenschlichen Bedingungen im dortigen Lager überlebte. Schon sehr bald muss sie krank geworden sein. Zuletzt wurde Sie in Theresienstadt noch von dem Mitgefangenen Dr. Julius Elkan behandelt, dem Schwiegersohn von Amalie Hirsch, der Eigentümerin des Judenhauses in der Blumenstr. 7, wo auch Eugen zuletzt untergebracht war.[51] Laut Todesfallanzeige des Lagerarztes von Theresienstadt verstarb Amalie Blühdorn dort am 31. Oktober 1942 an einem Darmkatarrh.[52] Aber auch dieser Tod war in Wirklichkeit kein „natürlicher“, es war Mord.

Auch ihr Bruder Robert war auf diesem Transport. Er hatte bis zuletzt im Haus in der Niederwaldstr. 4 bleiben dürfen. Theresienstadt überlebte er etwas länger, er verstarb am 26. Januar 1943 ebenfalls an einem Darmkatarrh.[53]

Als die beiden Geschwister in dem Ghettolager ankamen, werden sie dort ihren Bruder Felix und dessen Frau Selma vorgefunden haben. Beide waren bereits am 25. Juli 1942 von Düsseldorf aus mit dem Transport VII/2 und 916 weiteren Opfern nach Theresienstadt verbracht worden. Felix Horn kam 2.September 1943, seine Frau am 25.Dezember 1943 ums Leben.[54]

 

 

 

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Anmerkungen:

 

[1] HHStAW 430/1 10400 (o.P.). Zur mütterlichen Linie siehe GENI https://www.geni.com/family-tree/index/6000000029274335546. (Zugriff: 05.04.2018).

[2] HHStAW 430/1 10400 (o.P.). In der Krankenakte von Eugen Blühdorn ist im Fragebogen, der von der Wiesbadener Polizeibehörde ausgefüllt wurde, als Geburtstag der 2.9.1855 angegeben. In einem anderen Dokument der Akte ist davon abweichend als Geburtsdatum der 3.9.1853 und als Geburtsort das etwa 20 km entfernte Beuthen angegeben, siehe ebd. Auf seinem Grabstein in Köln ist der 3.9.1855 als Geburtsdatum eingraviert, sodass man davon ausgehen kann, dass das die richtige Angabe sein wird, siehe https://s3.amazonaws.com/images.billiongraves.com/headstones/images/20160628/17346801.jpg?t=2017-11-12+13%3A31%3A06. (Zugriff: 05.04.2018). Als Geburtsort wird durchgängig in den übrigen Dokumenten Gleiwitz, das heutige polnische Gliwice, angegeben.

[3] Heiratsregister der Stadt Köln 1887 / 849.

[4] HHStAW 518 9745 (1).

[5] Nach GENI hatte das Paar insgesamt 6 Kinder. Nach Amalie kam am 8.10.1867 Felix zur Welt, es folgten Robert am 14.3.1866, Ernst 1808, Luisa und Theodor Moritz. Siehe https://www.geni.com/family-tree/index/6000000029275111385.(Zugriff: 5.04.2018). Die Angaben von GENI konnten bezüglich der in den weiteren Ausführungen genannten Familienmitglieder anhand der vorliegenden Akten verifiziert werden.

[6] HHStAW 430/1 10400 (o.P.).

[7] https://www.geni.com/family-tree/index/6000000029274335546. (Zugriff: 05.04.2018).

[8] HHStAW 518 9745 (38, 31). Die Geschäftsadresse wurde von der Tochter später mit Hohe Straße 97-99 angegeben. In der Geburtsurkunde von Eugen ist als Wohnadresse der Eltern die Hohe Straße 93-95 eingetragen. Ob es sich hier in einem Fall um eine fehlerhafte Angabe handelt oder, ob die Familie im Nachbarhaus wohnte, muss offen bleiben. Siehe ebd. (31) und 430/1 10400 (o.P.).

[9] HHStAW 518 9745 (31).

[10] Ebd. (31).

[11] Käthe Blühdorn hatte für das Entschädigungsverfahren eine umfassende Liste dieser Sammlungen erstellt, sogar Skizzen zu den verschiedenen Schmuckgegenständen angefertigt. Leider ist bei der Wertangabe nur von Mark die Rede, sodass nicht klar ist, ob RM oder DM gemeint waren. Zu den Sammlungen und den Aussagen der Zeugen siehe HHStAW 518 9745 (5, 11, 12, 13, 33, 34, 35).

[12] In einem Artikel in der „Oberschlessischen Stimme“ vom 26.6.2015 über das 1905 gegründete Oberschlesische Museum in Gleiwitz heißt es anlässlich des fünften Geburtstages 1910: „Unter den Besuchern waren auch bekannte Personen wie die Schriftstellerinnen Gräfin Valeska Bethusy-Huc und Elisabeth Grabowski und die bekannte Kunstkennerin und Porzellansammlerin Amalie Blühdorn aus Köln, deren Mann Leopold Blühdorn ein 1855 geborener Gleiwitzer war.“ http://www.sbc.org.pl/Content/168897/ObersStimme_2015_R000_012_(325).pdf.

[13] HHStAW 430/1 10400 (o.P.).

[14] Ebd.

[15] Die ungenaue Angabe zum Todestag macht Käthe Blühdorn im Entschädigungsverfahren, siehe HHStAW 518 9745 (31). Auf dem Grabstein ist der 2.8.1921 eingraviert, siehe https://www.familysearch.org/search/search/collection/results?count=20&query=%2Bgivenname%3ALeopold~%20%2Bsurname%3ABl%C3%BChdorn~&collection_id=2026973. Zum Eintrag der neuen Eigentümerschaft an der Firma siehe HHStAW 518 9745 (38) Handelsregisterauszug.

[16] Ebd. (38).

[17] Am 19. Januar 1934 kam es laut Eintrag im Handelsregister zur Auflösung der Gesellschaft, ebd.

[18] HHStAW 518 9745 (31).

[19] HHStAW 430/1 10400 (o.P.).

[20] Siehe GENI https://www.geni.com/family-tree/index/6000000029274335546. Irmgard war später mit einem Werner Bloch verheiratet. Im Antragsformular der Entschädigungsakte gab Käthe Blühdorn an, Mutter von zwei Kindern zu sein. Wer das andere Kind war, ist nicht bekannt, siehe HHStAW 518 9745 (1).

[21] Ebd. (60). In den USA nahm sie den Namen Kate Dorn an, ebd. (1).

[22] Die Angabe im Erinnerungsblatt des Aktiven Museums Spiegelgasse für Blühdorns, sie seien „um 1933“ nach Wiesbaden gekommen, ist nicht richtig. siehe http://www.am-spiegelgasse.de/wp-content/downloads/erinnerungsblaetter/EB-Bluehdorn.pdf. (Zugriff: 5.04.2018).

[23] HHStAW 518 17166.

[24] Ebd. (5). Eine Tochter, deren Name und Geburtsdatum nicht bekannt sind, war nach Aussage des Bruders 1926 verstorben.

[25] Ebd., Handelsregisterauszug. Die Firma, die am 27.2.1901 als OHG begründet worden war, wurde von beiden Gesellschaftern gleichberechtigt vertreten.

[26] Ebd. (5), dazu der Handelsregisterauszug, wonach die Firma am 3.11.1934 erlosch.
Vermutlich gab es neben Robert Horn noch eine weitere familiäre Verbindung in den Mainz-Wiesbadener Raum. In Wiesbaden betrieb ein Moses/Moritz Horn, geb. am 2.12.1858 in Köln-Lindenthal, verheiratet mit Henriette Meyer, geb. am 16.8.1871, ein sehr gut gehendes Optik- und Fotogeschäft in der Langgasse 45 („Optik-Müller“). Seine Eltern waren Wolfgang Horn und Regina, geb. Herz. Die Herkunfts- und Namensidentität sind vermutlich kein Zufall. Interessant ist zudem, dass die Frau von Moses Horn, wie auch die von Victor Horn, beide geborene Meyer waren. Moses und Henriette Horn hatten die vier Kinder Dagobert, der ebenfalls als Optiker in Wiesbaden ein eigenes Geschäft betrieb, Wolfgang, Jakob und Karl, siehe zu dieser Familie Horn HHStAW 518 773 (47). Eine genaue genealogische Beziehung konnte bisher aber nicht gefunden werden.

[27] Um welche Familie Baum bzw. Person es sich dabei handelte, lässt sich kaum sicher sagen, denn nach dem Jüdischen Adressbuch von 1935 gab es Baums in der Ellbogengasse nur in der Nummer 1, nämlich Julie Baum, Ehefrau von Alfred Baum, der damals – so der Eintrag – „auf Reisen“ war. Ob diese Baums inzwischen umgezogen waren, es sich in der Nummer 4 um andere völlig andere Baums handelt oder ob die Hausnummer verwechselt wurde, muss offen bleiben.

[28] HHStAW 430/1 10400 (o.P.).

[29] Ebd.

[30] Ebd.

[31] HHStAW 519/3 2413 (1).

[32] Ebd. (3). Die zitierte Rückseite des Formulars ist auf dem Erinnerungsblatt des Aktiven Museums Spiegelgasse für Eugen und seine Mutter abgedruckt, siehe http://www.am-spiegelgasse.de/wp-content/downloads/erinnerungsblaetter/EB-Bluehdorn.pdf. (Zugriff: 5.04.2018).

[33] HHStAW 483 10127 (61). Die Notiz „Dieses Verzeichnis ist im Sommer 1940 aufgestellt“ ist auf dem Listenkopf in Sütterlin vermerkt. Wann und vom wem diese Datierung vorgenommen wurde, ist nicht bekannt.

[34] Ebd. (40).

[35] Ebd. (21).

[36] Ebd. (21). Es ist nicht ausgeschlossen, dass Eugen Blühdorn die Kohlelieferung gar nicht für sich selbst, sondern für seine Mutter erbeten hatte, wie man aus einer Bemerkung von Frau Peter-Rohr, ihrer damaligen Vermieterin, schließen kann. Amalie Blühdorn habe immer schrecklich gefroren, so die Vermieterin, siehe HHStAW 518 9745 (12).

[37] Ebd. (23).

[38] Zum Judenhaus Herrngartenstraße 11 siehe unten.

[39] HHStAW 518 9745 (32). Hervorhebung – K.F.

[40] HHStAW 519/3 2362 (5). Der Brief an die Devisenstelle Frankfurt ist als Faksimile auf dem bereits zitierten Erinnerungsblatt des Aktiven Museums Spiegelgasse abgedruckt.

[41] HHStAW 519/3 2362 (3). Den größten Betrag erhielt seine Tochter Lieselotte Paganetti, die mit dem katholischen Otto Pagnetti verheiratet war und mit ihm den Betrieb des Vaters ab 1933 weiterführte. Lieselotte überlebte den Holocaust in einem Versteck in Berlin. Ihre Eltern wurden beide nach Theresienstadt deportiert und ermordet. Siehe http://familienbuch-euregio.eu/genius/?person=179093.

[42] HHStAW 518 9745 (31).

[43] Ebd. (12).

[44] Die Zahlungen an die Verwandten war Felix Horn von der Devisenstelle Düsseldorf, die seine Konten gesichert hatte, genehmigt worden, siehe HHStAW 519/3 2362 (3).

[45] HHStAW 519/3 2362 (10).

[46] HHStAW 519/3 2413 (4).

[47] Ebd. (6).

[48] Sterberegister der Stadt Wiesbaden 1942 / 1156.

[49] Kwiet, Konrad, Eschwege, Helmut, Selbstbehauptung und Widerstand. Deutsche Juden im Kampf um Existenz und Menschenwürde – 1933-1945, Hamburg 1984, S. 194 ff. Siehe auch die Ausführungen zum Problem des Selbstmords im Kapitel zum Judenhaus Grillparzerstraße unten.

[50] HHStAW 518 9745 (12).

[51] Siehe zum Schicksal der Familie Hirsch und Elkan oben das Kapitel zur Blumenstr. 7.

[52] Siehe Todesfallanzeige https://ca.jewishmuseum.cz/media/zmarch/images/3/6/1/78380_ca_object_representations_media_36137_large.jpg. (Zugriff: 5.04.2018).

[53] Todesfallanzeige aus Theresienstadt https://ca.jewishmuseum.cz/media/zmarch/images/4/1/7/1442_ca_object_representations_media_41733_large.jpg.

[54] Die Todesfallanzeige für Felix Horn aus Theresienstadt siehe: https://ca.jewishmuseum.cz/media/zmarch/images/4/6/9/64549_ca_object_representations_media_46901_large.jpg.Zu Felix Horn, seiner Frau Selma und zur Tochter Lieselotte siehe http://www.familienbuch-euregio.de/genius/?person=179086. Auf Initiative des dortigen Kreisverbands der LINKEN wurde zu ihrer Erinnerung in ihrem Heimatort Odenkirchen bei Mönchengladbach eine Straße nach Selma Horn benannt. Bemerkenswert ist auch die Begründung für diese Ehrung. Wenige Jahre zuvor war eine andere Straße nach dem RAF-Opfer Hanns-Martin Schleyer benannt worden, der vor seiner Karriere in der Bundesrepublik als Vorsitzender des BDI Oberscharführer der SS, Leiter des Reichsstudentenwerks, Schulungsleiter der SS Reichsstandarte und ab 1939 in Böhmen und Mähren für die Rekrutierung von Zwangsarbeitern für die deutsche Rüstungsindustrie war. „Die Tatsache, dass Hans Martin Schleyer von der RAF ermordet wurde, hebt seine Vergangenheit nicht auf. Wenn schon ein Täter mit einer Straßenbenennung bedacht wird, dann muss zumindest auch der Opfer in Form einer Straßenbenennung gedacht werden,“ so die Begründung für den Antrag. Siehe http://www.die-linke-mg.de/content/view/484/3/.
Amalies Bruder Ernst war bereits 1936, die Schwester Luisa um 1923/1924 verstorben. Das Schicksal von Theodor Moritz ist unbekannt. Im Eintrag im Gedenkbuch des Bundesarchivs Koblenz ist er nicht aufgeführt.