Julie Stern

Auch Julie Stern war etwa zur gleichen Zeit, am 20. Juni 1942, in die Adolfsallee 30 eingezogen. Auch sie hatte bereits zuvor zwei Jahre in einem anderen Judenhaus, dem in der Friedrichstr. 38, gelebt. Wieso sie die letzen zweieinhalb Monate vor ihrer Deportation in der Adolfsallee verbringen musste, ist so wenig nachvollziehbar wie bei Nanny Rotschild.

Die am 15. Juli 1864 in Meppen / Emsland geborene Julie Stern war Anfang 1939 nach Wiesbaden gekommen.[1] Zuvor hatte sie in Westfalen gelebt, zuletzt in Münster. Ihre Eltern Moses und Amalia Alexander, geb. Blumenfeld, entstammten einer alten, mindestens seit dem 18. Jahrhundert dort ansässigen jüdischen Familie. Sie hatte sechs weitere Geschwister, die auch alle in Meppen geboren wurden.[2]

Nach ihrer Hochzeit mit dem aus Vöhl bei Kassel stammenden Kaufmann Max Stern, geb. am 6. Februar 1861, zog das Paar nach Herford. Mit 18 Jahren hatte sie am 14. Dezember 1892 dort ihren Sohn Arthur geboren, am 11. Januar 1894 folgte die Tochter Irma.[3] Nach der Scheidung der Ehe im Jahr 1897 waren die Kinder bei der Mutter geblieben.[4]

1929 zog Julie Stern nach Münster zu ihrem Sohn, der dort im gleichen Jahr eine eigene Familie gegründet hatte. Die am 12. September 1929 geschlossene Ehe mit der um 15 Jahre jüngeren und ebenfalls aus einer begüterten Kaufmannsfamilie stammenden Lieselotte Uhlmann, Tochter von Emil Uhlmann und Henriette Uhlmann, geb. Scheiberg,[5] wird er auch seinem geschäftlichen Erfolg zu verdanken gehabt haben. Als Getreideimportkaufmann war er 1919 Teilhaber an der Getreide-, Lebens- und Futtermittelagentur „Dreismann & Stern“ geworden. Obwohl das Unternehmen schon Anfang der dreißiger Jahre ohne den jüdischen Namen „Stern“ firmierte, musste Arthur Stern 1935 ausscheiden. Im Weiteren lebten er, seine Frau, Mutter und Schwester von den Erträgen der Wertpapiere, die man ihm für seinen Anteil an der Firma als Abfindung gegeben hatte. Eigene Kinder hatte das Paar nicht.

Da man bei den Finanzbehörden vermutete, dass Arthur mit der Familie versuchen würde Deutschland zu verlassen, wurde ein Tag vor der Reichspogromnacht sein Vermögen von der Devisenstelle Münster einer Sicherungsanordnung  unterworfen, um die die dann fällige Reichsfluchtsteuer eintreiben zu können.

Vermutlich war auch Arthur Stern wie so viele andere am 9. November 1938 inhaftiert worden, zumindest würde das erklären, wieso seine Frau und nicht er selbst am 21. November gegenüber den Behörden bekundete, möglichst bald ausreisen zu wollen. Als Ziel gab sie Trinidad an, ein Exil, das auch von anderen Münsteraner Juden damals gewählt wurde.

Alle fälligen Abgaben an die Kultusgemeinde wurden gezahlt, sogar das Haus war schon verkauft worden, sodass das Paar fortan bei den Schwiegereltern leben musste. Dennoch verzögerte sich die Ausreise aus nicht bekannten Gründen. Erst durch die Vermittlung eines Verwandten gelang es Arthur Stern und seiner Frau am 23. Oktober 1939 über Rotterdam die Flucht nach Chile anzutreten. Von seinem Vermögen konnte er fast nichts retten. Der extra neu angeschaffte Hausrat, der durch die Dego-Abgabe von 3.400 RM faktisch doppelt so teuer geworden war, wurde bei einem Bombenangriff auf Rotterdam völlig zerstört. In Chile verdiente sich das Paar seinen Lebensunterhalt mit Kleinhandelsgeschäften. Am 3. Dezember 1959 erlag Arthur Stern einem Herzinfarkt. Seine Frau Lieselotte, seit den fünfziger Jahren an einen Rollstuhl gefesselt, starb 1993 ebenfalls im südamerikanischen Exil.[6] Ihre Eltern entgingen trotz einer zunächst gelungenen Flucht im April 194 nach Luxemburg dem Holocaust nicht. Emil und Am 16. Oktober 1941 wurden sie dort verhaftet und in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Dort verstarb Henriette Uhlmann am 17. September 1942, ihr Mann Emil am 7. November 1942.[7]

Die Emigration des Sohnes bedeute auch für die inzwischen hoch betagte Mutter noch einmal eine große Zäsur. Noch bevor dieser tatsächlich ausreiste, war auch die Mutter wegen des Hausverkaufs gezwungen, sich eine neue Unterkunft zu suchen. Welche Gründe dafür maßgeblich waren, dass sie Wiesbaden wählte, ist nicht bekannt. Bei ihrer Ankunft am 10. Januar 1939[8] legte die Gestapo auch für sie die entsprechende Karteikarte an. Sie enthält den handschriftlichen Vermerk, „arbeitsunfähig, angebl. leidend“, so als ob eine 74 jährige Frau, zumal Jüdin, auch dann, wenn sie finanziell zunächst noch abgesichert war, Schmerzen und Leid habe simulieren müssen.

Sie hatte sich im „Haus Dambachtal“ am Neuberg 4 eingemietet, einer Pension, die von der jüdischen Eigentümerin Stefanie Rabinowicz betrieben wurde, bevor diese selbst in eines der nichtoffiziellen Judenhäuser, das in der Geisbergstr. 24,  umziehen musste. Im späteren Entschädigungsverfahren beschrieb ein Verwandter, der Julie Stern noch im Mai 1939 besucht hatte, die gehobene Ausstattung des Zimmers in der Pension. Es sei mit eigenen Möbeln eingerichtet gewesen, mit „Clubmöbel aus bestem Material“ und der Boden sei „mit verschiedenen echten Teppichen belegt“ gewesen. Das Mobiliar sei ganz sicher vor der Deportation nicht verkauft worden, „weil sie von ihrem Sohn mit Geldmitteln genügend versehen war.“[9]

Arthur Stern hatte vor seiner Emigration seiner Mutter Wertpapiere im damaligen Kurswert von knapp 27.000 RM als Geschenk überlassen, um sie, die angesichts ihres Alters die Strapazen einer Auswanderung sicher nicht mehr auf sich nehmen wollte, wenigstens finanziell abgesichert zu wissen.[10] Dieses Geld, für das Julie Stern wohl auch die Judenvermögensabgabe bezahlte,[11] ermöglichte ihr zumindest noch für eine kurze Zeit einen relativ gehobenen Lebensstandard.

Zwar stammte das Guthaben aus einem gesicherten Konto, durfte aber mit Genehmigung der Münsteraner Devisenstelle nach Wiesbaden transferiert werden Zu dieser Zeit waren Julie Sterns Konten hier noch nicht gesichert, obwohl das die Stelle in Münster gefordert hatte. Die Dresdner Bank räumte gegenüber der Devisenstelle Frankfurt das Versäumnis ein, keinen solchen Sperrvermerk gesetzt zu haben und macht die zuständige Behörde in Frankfurt auf das bisher ungesicherte Konto aufmerksam. Zu diesem Zeitpunkt hatte Frau Stern bereits 3.500 RM von dem Konto abgehoben, das Geld aber zu Zweidrittel zur Begleichung von Steuerschulden ausgegeben und nur etwa 1.000 RM für ihre Lebenshaltung verbraucht. Die Dresdner Bank bat die Devisenstelle um nachträgliche Genehmigung der Verfügungen und um eine Mitteilung über die zukünftige Freigrenze.[12]

Im Juni 1940 wurde dann auch für Julie Stern die Überwachungsmappe mit der Nummer JS-9676 angelegt und sie per Standardformular zur Darlegung ihrer Vermögens- und Einkommensverhältnisse aufgefordert. Sie gab die Schenkung – jetzt noch 24.000 RM – an und verwies darauf, dass sie über keinerlei eigenes Einkommen verfüge: „Ich habe bisher keine Steuern bezahlt, weil ich von meinem, Sohn, welcher ausgewandert ist, unterhalten wurde.“ Ihren monatlichen Bedarf bezifferte sie auf exakt 432,50 RM und die Devisenstelle gewährte ihr zunächst immerhin 400 RM.[13]

Am 30. November 1940 wurde sie mit großer Wahrscheinlichkeit gezwungen in das Judenhaus in der Friedrichstr. 38 umzuziehen. Ob sie ihre Möbel mitnehmen konnte, ist nicht bekannt. Vielleicht wurde auch dem einen oder anderen deutschen Volksgenossen die Gelegenheit geboten, bei einer der in diesen Fällen üblichen Versteigerungsaktionen den eigenen Lebensstandard ein wenig anzuheben.

Anfang 1942 wurde der Freibetrag auf 300 RM abgesenkt und somit glich sich ihre Situation spätestens jetzt der der übrigen Leidensgenossen an. Aus ihrem Schreiben an die Behörde, mit dem sie sich gegen diese weitere Einschränkung ihrer Lebensmöglichkeiten zu Wehr setzte, geht auch hervor, dass sie eine weitere Schwester mit einer kranken Tochter hatte, die auf ihre Unterstützung angewiesen waren. Die Devisenstelle lehnte das Ersuchen ab und wies darauf hin, dass für Unterstützungen anderer Personen gesonderte Anträge zu stellen seien. Der Behörde war zudem nicht entgangen, dass der Brief, datiert mit 17. Januar 1942, von einer anderen als der bei ihr registrierten Adresse abgeschickt worden war, nämlich aus der Friedrichstr. 38 III, in die Julie Stern laut Gestapo-Karteikarte schon vor mehr als einem Jahr, umgezogen war. Man wies sie darauf hin, „dass gem. Sicherungsanordnung jede Wohnungsveränderung mir sofort mitzuteilen ist, ansonsten Sie in Strafe genommen werde(n)“. [14] Offensichtlich funktionierte das Zusammenspiel zwischen den Behörden dieses totalitären Staates, hier Wohnungsämtern und Devisenstellen, nicht so, wie man eigentlich erwarten sollte.

Angesichts der ausgesprochenen Drohung meldete sie den nächsten Umzug im Juni 1942 in die Adolfsallee 30 sofort. Hier erhielt sie ein Zimmer im Erdgeschoss, wo auch die anderen Juden wohnen mussten, während die arischen Mieter in den oberen Stockwerken residierten.

Der Raubzug an ihrem Vermögen hatte schon in der Zeit, als sie noch im Judenhaus in der Friedrichstraße wohnte, begonnen. Durch Verfügung des Reichswirtschaftsministeriums musste Julie Stern zunächst einen Teil ihrer Wertpapiere in der Höhe von etwa 9.300 RM in Reichsschatzanweisungen umtauschen. Dazu wurde sie im August 1940 gezwungen.

Später, vermutlich wie üblich unmittelbar vor der Deportation, ein genaues Datum wurde im Entschädigungsverfahren nicht genannt, schloss auch sie einen der berüchtigten Heimeinkaufsverträge ab, ob in gutem Glauben oder erzwungen wird man nicht mehr in Erfahrung bringen können. Es wurden etwa 11.000 RM für diesen Zweck an die „Reichsvereinigung der Juden“ überwiesen.[15]

Als sie am 1. September 1942 als Gefangene des Transports XII/2-902 mit der Transportnummer 902 nach Theresienstadt verbracht wurde, erwartete sie dort alles andere als ein Heim. Aber selbst das Grauen des dortigen Lagers, in dem sie nicht einmal vier Wochen blieb, war noch zu übertreffen. Am 29. September musste sie einen weiteren Transport besteigen. Darüber, wohin sie dieser Transport brachte, gibt es unterschiedliche Angaben.

Das Gedenkbuch des Bundesarchivs wie auch das Opferarchiv von Yad Vashem geben das Vernichtungslager Treblinka an.[16] Ihr Tod hier am Tag der Ankunft, ebenfalls am 29. September 1942, wurde auch in der ‚Datenbank Jüdische Bürger des Stadtarchivs Wiesbaden’ und der Opferliste der ‚Paul-Lazarus-Stiftung’ übernommen.

Beim Entschädigungsverfahren lag allerdings auch ein Schriftstück des Internationalen Suchdienstes in Arolsen an den Regierungspräsidenten Darmstadt vor, in dem es unter dem Betreff „Julie Stern“ heißt: „Überstellt: am 29. Sept. 42 mit Transport ‚Bs-1698’ nach Maly Trostinec“ in der Nähe von Minsk. Ergänzend wird aus einer Mitteilung des tschechoslowakischen Roten Kreuzes zitiert, „dass der Transport ‚Bs’ als Todestransport anzusehen ist, von dem weniger als 10 % der Verschickten nach dem Krieg zurückkehrten.“[17]

Tatsächlich brachten von Juli bis September 1942 sechs Züge jeweils etwa 1.000 Menschen von Theresienstadt aus an dieses Ziel der Vernichtung, ein Zug mit der genannten Nummer Bs 1698 konnte aber von Gottwaldt, Schulle darunter nicht identifiziert werden. Unter Verweis auf neuere Forschungen resümiert er: „Schon seit dem 19. September 1942“ – dem Tag des Transports von Julie Stern – „wurden außerdem zehn sehr umfangreiche Transporte von Theresienstadt nach Treblinka bei Warschau gefahren, von denen früher angenommen wurde, sie seien nach Minsk gekommen.“[18] Man wird demnach davon ausgehen können, dass Julie Stern tatsächlich in Treblinka ermordet wurde.[19]

Nach ihrer Deportation hatte sich das Reich noch der hinterlassenen Vermögenswerte angenommen. Die zuvor zwangsweise eingetauschten Reichsschatzanweisungen wurden von der Reichsbank übernommen und das Restguthaben auf dem Sperrkonto von 975 RM wurde dem Finanzamt Wiesbaden überwiesen.[20]

Unbekannt ist das Schicksal der Tochter Irma. Sie findet in keiner der Akten irgendeine Erwähnung. Im Entschädigungsverfahren wurde Arthur als gesetzlicher Alleinerbe der Mutter angesehen, woraus zu schließen ist, dass sie den Krieg nicht überlebt hatte. Es liegt aber weder ein Eintrag im Gedenkbuch des Bundesarchivs Koblenz, noch in Yad Vashem vor, sodass man nicht davon ausgehen kann, dass sie – zumindest unmittelbar – ein Opfer der Shoa wurde.

 

 

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Anmerkungen:

 

[1] Die biographischen Angaben zu Julie Stern und ihrer Familie stützen sich weitgehend auf die Angaben des biographischen Lexikons Jüdische Familien in Münster, Bd.2/1, 1918-1935, Abhandlungen und Dokumente, o.O. 1998, hg. von Gisela Schlautmann-Overmeyer, Rita Möllenhoff. Siehe hier die Einträge Nr. 510 für Julie Stern und Nr. 506 für Arthur Stern. Auch in einem Brief des Finanzamt Wiesbaden vom 17.1.1962 an die Entschädigungsbehörde wird gesagt, dass sie bis 1938 ihren Wohnsitz in Münster gehabt habe, siehe HHStAW 518 61368 (54).

[2] Die Geschwister waren, Emma, geb. 18.7.1860, Julius, geb. 28.2.1867, Carolina, geb. 14.4.1869, Eugenie, 23.8.1870, Rosalie, geb. 28.11.1872 und Hermann 24.5.1874. Siehe Jüdische Familien in Münster, a.a.O. Eintrag Nr. 510. Der Vater war um 1826/27, die Mutter 1839 geboren worden. Auch sie stammten beide aus Meppen.

[3] Die Geburtsurkunden der Kinder sind zu finden im Kommunalarchiv Herford, KAH, StH 34/16 (Geburtsregister), Registernummern  721/1892 und 51/1894. Die Kopie der Urkunden verdanke ich dem dortigen Stadtarchivar Herrn Laue.

[4] Wann und wo Max Stern verstarb ist unbekannt. Als Julie Stern 1939 nach Wiesbaden kam, muss er bereits tot gewesen sein, denn auf der Gestapo-Karteikarte wird sie als „Witwe“ bezeichnet.

[5] Emil Uhlmann kam am 7.11.1942 im Ghetto Lodz und Henriette Uhlmann am 17.9.1942 im KZ Chelmno ums Leben, siehe Jüdische Familien in Münster, a.a.O. Eintrag Nr. 506

[6] HHStAW 518 61368 (46). Arthur Stern, der selbst kinderlos war, hatte 1956 von seinem Exil Vina del Mar in Chile das Entschädigungsverfahren in Gang gesetzt. Er verstarb aber bereits vor dessen Abschluss. Beerbt wurde er von seiner Frau Lieselotte Uhlmann.

[7] Gedenkbuch des Bundesarchivs Koblenz.

[8] Die Datumsangabe ist nicht auf der Gestapo-Karteikarte vermerkt, sondern im Beitrag des biographischen Lexikons enthalten, siehe Jüdische Familien in Münster, a.a.O. Eintrag Nr. 510. Ein Schreiben der Devisenstelle Münster vom 28.1.1939 enthält als Adresse allerdings noch immer Münster, Hammerstr. 37, siehe HHStAW 519/3 7952 (o.P.).

[9] HHStAW 518 61368 (8).

[10] Die Schenkung war am 3.10.1939 erfolgt, siehe HHStAW 519/3 (Innenmappe ohne Paginierung). Arthur Stern musste dafür eine Schenkungssteuer von rund 1.000 RM zahlen.

[11] HHStAW 518 61368 (54). Zwar konnte die Zahlung der Judenvermögensabgabe nicht mehr anhand von Belegen verifiziert werden, die Entschädigungsbehörde ging jedoch davon aus, dass diese gezahlt werden musste und leistete eine entsprechende Entschädigung von 1.200 DM. Ebd. (76)

[12] HHStAW 519/3 7952 (o.P.).

[13] HHStAW 519/3 7952 (5).

[14] HHStAW 519/3 7952 (9) „Mit dem Betrage meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können ist mir nicht möglich, da ich alleine für Verpflegung und Wohnung einen Pensionspreis von RM 265,- je Monat zu zahlen habe. Ausserdem liegt mir die Pflicht ob, verschiedene bedürftige Verwandte zu unterstützen, so insbesondere meiner 82 jährigen Schwester, welche mit ihrer kranken Tochter in sehr bescheidenen Verhältnissen lebt, regelmäßig Zuwendungen zu machen.“ Welche der vier Schwestern gemeint war, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Vermutlich handelte es sich aber um die älteste Schwester Emma, die, weil mittellos, zuvor auch schon von ihrem Neffen Arthur finanziell unterstützt worden war. Siehe Jüdische Familien in Münster, a.a.O. Eintrag Nr. 510 für Julie Stern.

[15] HHStAW 518 61368 (70, 73).

[16] Für Yad Vashem http://db.yadvashem.org/deportation/nameDetails.html?language=en&applid=SAPIR13&queryId=JAGUAR34_3908_634909&itemId=4795468.

[17] HHStAW 518 61368 (107). Über Maly Trostinec, das wie Gottwaldt, Schulle, Judendeportationen, a.a.O. S.230 schreiben „kaum noch wahrgenommene Deportationsziel“ bei Minsk, siehe ebd. S. 230-247. Neben Wiener Juden wurden besonders im Sommer 1942 Juden aus Theresienstadt durch Erschießungen der dort stationierten Einsatzgruppen in den nahen Wäldern oder mittels Gaswagen umgebracht, wenn sie nicht zuvor zum Arbeitseinsatz auf einer ehemaligen Kolchose in der Nähe selektiert worden waren.

[18] Gottwaldt, Schulle, Judendeportationen, a.a.O. S. 247.

[19] Allerdings hält auch das Biographische Lexikon Jüdischer Familien von Münster an der Minsk-Version fest, siehe Jüdische Familien in Münster a.a.O. Eintrag Nr. 510.
Sicher ist, dass auch ihre Schwester Emma im Juni 1942 von Berlin aus nach Theresienstadt deportiert wurde und dort am 25.6.1942 starb, ihr Bruder Julius kam am 13.12.1941 im Ghetto Riga zu Tode.

[20] HHStAW 518 61368 (70), auch HHStAW 519/3 7952 (14), Vermögenseinzugsverfügung vom 2.10.1942.