Dora Hirschkind, ihre Schwester Lilly und Theobald Hirschkind


Wiesbaden, Guthmann Jakob, Berthold, Claire Paul Charlotte Opfermann
Das Juden­haus in der Bahn­hofstr. 25 heu­te
Eige­ne Aufnahme
Judenhaus Wiesbaden Guthmann Jakob Berthold Claire Paul Charlotte Opfermann Michel
Lage des Juden­hau­ses Bahn­hofstr. 25
Judenhaus Wiesbaden Juden
Bele­gung des Juden­hau­ses Bahn­hofstr. 25

 

 

 

 

 

 


 

Dora Hirsch­kind und ihre Schwes­ter Lil­ly mit ihrem Mann Theo­bald Hirsch­kind wohn­ten in Wies­ba­den vor ihrer Depor­ta­ti­on in unter­schied­li­chen Juden­häu­sern, Dora in der Bahn­hofstr. 25 und Lil­ly mit Theo­bald in der Lortzingstr. 7. Aber die Fami­li­en waren auf viel­fäl­ti­ge Wei­se so eng mit­ein­an­der ver­bun­den, dass ihr Schick­sal hier in einem Kapi­tel dar­ge­stellt wer­den soll.

Hugo Hirschkind, Dora Kupfer Hirschkind, Theobald Hirschkind, Lilly Kuper Hirschkind, Eugenie Hirschkind, Richard Hirschkind, Albert Hirschkind,k Heinrich Hirschkind, Ernst Hirschkind, Max Hirschkind,Beate Hirschkind Lutz, Reinhars Lutz, Hildegard Bomeisl, Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25, Judenhäuser
Stamm­baum der Fami­lie Hirsch­kind
GDB

Die bei­den Schwes­tern, gebo­re­ne Kup­fer, wie auch ihre jewei­li­gen Ehe­män­ner stamm­ten ursprüng­lich aus Ost­bay­ern, aus dem frän­ki­schen bzw. ober­pfäl­zi­schen Raum. Wie in jüdi­schen Fami­li­en nicht unüb­lich, waren die bei­den Schwes­tern Kup­fer jeweils mit Brü­dern aus der Fami­lie Hirsch­kind ver­hei­ra­tet, die seit vie­len Jah­ren in dem mit­tel­frän­ki­schen Städt­chen Bai­er­s­dorf im heu­ti­gen Kreis Erlan­gen ansäs­sig war. Seit dem 14. Jahr­hun­dert besaß der Ort Stadt­rech­te und um die­sel­be Zeit hat­ten sich dort ver­mut­lich auch die ers­ten Juden ange­sie­delt. Wie über­all sonst erleb­ten auch sie sehr unter­schied­li­che Zei­ten. Pha­sen der Regle­men­tie­rung, Ver­fol­gung und Ver­trei­bung wech­sel­ten mit sol­chen, in denen ihre Neu­an­sied­lung geför­dert und ihre Wirt­schafts­tä­tig­keit von oben pro­te­giert wur­de.[1] Die Blü­te­zeit der Gemein­de, deren Rab­bi über vie­le Jah­re sogar die Stel­lung eines Ober­rab­bi­ners im Bereich der ehe­ma­li­gen Mark­graf­schaft Bay­reuth inne hat­te, lag im 18. und frü­hen 19. Jahr­hun­dert. Damals waren mehr als ein Vier­tel der Bewoh­ner von Bai­er­s­dorf jüdi­schen Glau­bens. Fast ein­hun­dert Fami­li­en mit ins­ge­samt 457 Mit­glie­dern sind in einer Auf­stel­lung aus dem Jahr 1811 gelis­tet.[2] Den Namen Hirsch­kind sucht man in die­ser Lis­te aller­dings ver­ge­bens. Wann sie nach Bai­er­s­dorf kamen, ist nicht bekannt.

Judenhaus Bahnhofstr. 25 Wiesbaden, Hirschkind
Grab­mal von Phil­ipp Hirsch­kind in Bai­er­s­dorf
Mit Geneh­mi­gung von T. Föhl

Zwar ver­lie­ßen in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts im Zuge der Indus­tria­li­sie­rung vie­le Juden die Stadt, um in den Zen­tren wie Erlan­gen oder Nürn­berg ihren wirt­schaft­li­chen Erfolg zu suchen – um 1900 hat­te Bai­er­s­dorf nur noch einen jüdi­schen Bevöl­ke­rungs­an­teil von etwa 2,5 Pro­zent –, aber zumin­dest ein­zel­ne Zwei­ge der recht weit­läu­fi­gen Fami­lie Hirsch­kind gehör­ten zu denen, die damals blie­ben. Sie übten den tra­di­ti­ons­rei­chen Metz­ger­be­ruf aus und dien­ten als Scho­ch­et in der Gemein­de. Phil­ipp Hirsch­kind war der letz­te Schäch­ter, der die Regi­on mit kosche­rem Fleisch ver­sorg­te.[3] Der Lokal­his­to­ri­ker Gemein­hardt stellt in einer sei­ner Schrif­ten über das Bai­er­s­dor­fer Juden­tum fest, dass die­ses ein „akti­ver Teil der Gesamt­ge­sell­schaft“ und völ­lig „in das Gemein­de­le­ben inte­griert gewe­sen“ sei. Juden waren im Stadt­rat ver­tre­ten, die bei­den Söh­ne von Phil­ipp Hirsch­kind, Ernst und Max, hat­ten bei­de im Ers­ten Welt­krieg ihr Leben gelas­sen. Ihr Name befin­det sich auf dem Ehren­mal für die Gefal­le­nen neben denen der christ­li­chen Kriegs­op­fer. Auch ihr Bru­der Hein­rich, eben­falls Metz­ger von Beruf, hat­te sei­nen Mili­tär­dienst geleis­tet, den Krieg aber über­lebt.[4] Auch im Ver­eins­le­ben der Stadt, beson­ders bei der Feu­er­wehr, spiel­ten die Hirsch­kinds eine bedeu­ten­de Rol­le. Neben Phil­ipp wur­de auch sein Bru­der Lou­is bzw. Laza­rus Hirsch­kind in den Pro­to­koll­bü­chern immer wie­der erwähnt, Letz­te­rer wur­de sogar zum Ehren­mit­glied der ört­li­chen Feu­er­wehr ernannt.[5]

Die­ser um 1846 gebo­re­ne Laza­rus Hirsch­kind, der eben­falls das Metz­ger­hand­werk erlernt hat­te, war der Vater der Ehe­män­ner von Dora und Lil­ly Hirsch­kind. Mit sei­ner Frau, der im Mai 1846 gebo­re­nen Mina Gerst­le, hat­te er ins­ge­samt fünf Kin­der: die Toch­ter Euge­nie, und die Söh­ne Richard, Hugo, Theo­bald und zuletzt Albert.[6]

Drei­en der Kin­der gelang es nach der Macht­über­nah­me der Nazis, recht­zei­tig in die USA aus­zu­wan­dern. Im Janu­ar 1939 waren die For­ma­li­tä­ten für die Aus­wan­de­rung von Euge­nie Hirsch­kind, die den Arzt Dr. Adolf God­lew­sky gehei­ra­tet und mit ihm zuletzt in Frank­furt gewohnt hat­te,[7] schon weit­ge­hend abge­schlos­sen. Eine detail­lier­te 24-sei­ti­ge Lis­te des Umzugs­guts, dar­un­ter auch eini­ge Klein­mö­bel, war ein­ge­reicht, über­prüft und geneh­migt wor­den.[8] Ihr Ziel war die bri­ti­sche Stadt Bir­ming­ham, wohin sie am 20. März 1939 gemein­sam gehen woll­ten. Bis zu die­sem Ter­min war die Reichs­flucht­steu­er von 19.000 RM, die auf der Basis des Ver­mö­gens von 97.000 RM im Jahr 1935 berech­net wor­den war, zu beglei­chen.[9] Für die neu ange­schaff­ten Güter hat­ten sie zudem eine Dego-Abga­be von 8.300 RM zu ent­rich­ten. Den gesam­ten Schmuck und ande­re Gegen­stän­de aus Edel­me­tal­len muss­ten sie zuvor bei der städ­ti­schen Pfand­lei­he abge­ben. Dafür soll­ten sie „zu gege­be­ner Zeit“ einen Betrag von 514 RM erhal­ten. [10] Ob die Aus­rei­se zum geplan­ten Ter­min statt­fin­den konn­te, ist nicht bekannt. Zumin­dest der Trans­fer der letz­ten Güter ver­zö­ger­te sich bis in den Mai hin­ein. Erst zu die­sem Zeit­punkt wur­de die letz­te Geneh­mi­gung erteilt.[11] Gleich­wohl gelang die Aus­rei­se zunächst nach Eng­land, spä­ter auch die Wei­ter­rei­se in die USA, wo das Paar den Namen God­ley annahm.

 

Ob es sich bei dem im Frank­fur­ter Jüdi­schen Adress­buch von 1935 genann­ten Albert Hirsch­kind, einem Pro­ku­ris­ten, um den jüngs­ten Sohn han­delt, der nach dem Krieg eben­falls als Berech­tig­ter im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren genannt ist, muss offen­blei­ben. Auf jeden Fall war Albert eben­falls die Flucht gelun­gen. Wann er nach Eng­land aus­ge­wan­dert war, konn­te nicht ermit­telt wer­den. Aber am 6. Sep­tem­ber 1943 schiff­te sich der 70-Jäh­ri­ge mit sei­ner 64 Jah­re alten Frau Emma auf der „Jamai­ca Pro­du­cer“ in Avon­mouth bei Bris­tol zur Über­fahrt nach Ame­ri­ka ein. Sie erreich­ten New York am 24. Sep­tem­ber. Als Kon­takt­per­son hat­ten sie für Eng­land ihren Schwa­ger M. Gerst­le ange­ge­ben, in New York erwar­te­te sie ihr Sohn L. Hirsch­kind.[12]

 

Auch Richard, dem zweit­jüngs­ten Sohn der Hirsch­kinds, gelang mit sei­ner Frau Augus­te, gebo­re­ne Baer, und den Kin­dern noch die Aus­wan­de­rung in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten.[13] Ihr Weg in die Emi­gra­ti­on führ­te sie sogar über Wies­ba­den, wo Richards Bru­der Theo­bald und sei­ne bei­den Schwä­ge­rin­nen Dora und Lil­ly inzwi­schen leb­ten. Wie lan­ge sie sich hier auf­hiel­ten, ist nicht bekannt, aber auf der Pas­sa­gier­lis­te der „Ori­en­te“, mit der sie am 10. März 1940 von Havan­na /​ Kuba kom­mend die USA in New York erreich­ten, ist Wies­ba­den als letz­ter Auf­ent­halts­ort, sogar als „last per­ma­nent resi­dence“ ein­ge­tra­gen.[14] Eine Gesta­po-Kar­tei­kar­te, wie sonst auch bei kur­zen Auf­ent­hal­ten nicht außer­ge­wöhn­lich, ist für sie aber nicht ange­legt worden.

Judenhaus Wiesbaden Bahnhofstr. 25
US-Zen­sus von 1940 mit Ein­tra­gun­gen zu Richard Hirsch­kind bzw. Hick­ins und sei­ner Fami­lie
https://www.ancestry.com/interactive/2442/m‑t0627-02670–00300?pid=15777505&backurl=https://search.ancestry.com/cgi-bin/sse.dll?dbid%3D2442%26h%3D15777505%26indiv%3Dtry%26o_cvc%3DImage:OtherRecord&treeid=&personid=&hintid=&usePUB=true&usePUBJs=true

Aus der Ehe von Richard und Augus­te Hirsch­kind waren zwei Kin­der her­vor­ge­gan­gen. Die Toch­ter Edith Her­tha war am 31. August 1914 in Kre­feld, ihr Bru­der Paul Hugo am 22. Juli 1923 in Dort­mund gebo­ren wor­den. Als Pas­sa­gie­re des Schif­fes sind aber nur die Eltern und der Sohn, nicht aber die Toch­ter, ein­ge­tra­gen. Sie war bereits im Okto­ber 1936 mit dem Schiff „Washing­ton“ von Ham­burg aus in die USA gelangt und war dort von ihrem Onkel Lud­wig Baer, dem Bru­der ihrer Mut­ter, auf­ge­nom­men wor­den. Die Neu­an­kömm­lin­ge konn­ten jetzt die Adres­se ihrer Toch­ter, inzwi­schen ver­hei­ra­tet mit dem in Russ­land gebo­re­nen Abra­ham Kaplan, in New York als Anlauf­sta­ti­on angeben.

Hickin, Judenhaus, Wiesbaden
Antrag auf Ein­bür­ge­rung von Richard Hirsch­kind
Zur Ver­fü­gung gestellt Ekke­hard Hüb­schmann, contact@​geepeetee.​de

Die not­wen­di­gen Affi­da­vits hat­ten der Arzt Max Baer, ver­mut­lich ein naher Ver­wand­ter von Augus­te Hirsch­kind, und ein Kunst­händ­ler namens Hans Lieb­mann gestellt. Als im Jahr 1940 in den USA ein Zen­sus erho­ben wur­de, leb­te die Fami­lie in New York und hat­te inzwi­schen den Namen Hickin ange­nom­men. Man kann ver­mu­ten, dass es der Fami­lie, wie vie­len ande­ren Emi­gran­ten auch, in den ers­ten Jah­ren sehr schlecht gegan­gen sein muss, denn in der Spal­te „occu­pa­ti­on“ der Zen­sus-Unter­la­gen klafft eine Lücke und auch in der Spal­te „inco­me“ ist nur eine Null ein­ge­tra­gen. Der als arbeits­su­chend erfass­te Richard Hirsch­kind, von Beruf Inge­nieur, hat­te auch schon im vor­aus­ge­gan­ge­nen Jahr 1939 kei­ne Anstel­lung gefun­den.[15] Aber immer­hin hat­ten sie alle ihr Leben ret­ten kön­nen. 1945 wur­den sie Staats­bür­ger des Lan­des, das sie auf­ge­nom­men hat­te; Sohn Paul dien­te zu die­sem Zeit­punkt in der ame­ri­ka­ni­schen Armee.

 

Anders ver­lief das Schick­sal der bei­den eben­falls in Bai­er­s­dorf gebo­re­nen Söh­ne Hugo und Theo­bald. Auch wenn nicht bekannt ist, wel­chen Schul­ab­schluss die bei­den gemacht hat­ten und in wel­cher Spar­te sie aus­ge­bil­det wur­den, so wer­den auch sie eine ihren Brü­dern ent­spre­chen­de Qua­li­fi­ka­ti­on erwor­ben haben, denn bei­de hei­ra­te­ten in eine Fami­lie ein, die im mit­tel­frän­ki­schen Ans­bach eine her­vor­ra­gen­de Stel­lung inne­hat­te und hohes Anse­hen genoss. Der aus Neu­haus stam­men­de Edu­ard Kup­fer hat­te dort eine Näh­sei­den­fa­brik auf­ge­baut, die ihre Pro­duk­te über­re­gio­nal abset­zen konn­te und sogar bis heu­te eine füh­ren­de Stel­lung in die­ser Bran­che ein­nimmt.[16]

Im Hei­mat­ort des Fir­men­grün­ders, in Neu­haus, bestand bis in die Mit­te des 19. Jahr­hun­derts eine recht gro­ße jüdi­sche Gemein­de, zu der laut Matri­kel­lis­te von 1824 auch ein Hau­sie­rer Micha­el Kup­fer gehör­te.[17] Eben­so ist ein Juli­us Kup­fer, gebo­ren 1831, als dama­li­ger Bewoh­ner des Ortes belegt.[18] Wenn auch nicht bekannt ist, ob es sich bei einem der bei­den um einen direk­ten Vor­fah­ren von Edu­ard Kup­fer han­delt, der am 2. Juli 1850 gebo­ren wur­de, so kann man aber gewiss davon aus­ge­hen, dass es sich um nahe Ver­wand­te des Fir­men­grün­ders handelte.

Eduard Kupfer, Hirschkind Dora, Lilly Theobald
Alte Brief­ver­schluss­mar­ke der Fir­ma Kup­fer aus Papier
Copy­right old​thing​.de

Schon Ende des 19. Jahr­hun­derts hat­te sich die jüdi­sche Gemein­de in Neu­haus wie­der auf­ge­löst. Zu vie­le ihrer Mit­glie­der waren abge­wan­dert, so auch Edu­ard Kup­fer, der mit der am 7. Novem­ber 1851 gebo­re­nen Cer­line /​ Lina Loe­wel aus Burg­kunst­adt ver­hei­ra­tet war.[19] In Burg­kunst­adt muss das Paar auch noch eine Wei­le gewohnt haben, denn hier kamen die bei­den Töch­ter Dora, gebo­ren am 8. Novem­ber 1880,[20] und Lil­ly, gebo­ren am 23. Dezem­ber 1882,[21] zur Welt. Ver­mut­lich wur­de hier auch die spä­ter in Ans­bach ansäs­si­ge Näh­sei­den­fa­brik gegrün­det, denn auf einem Fir­men­brief­kopf von 1950 wird als Grün­dungs­jahr 1878 ange­ge­ben, ein Zeit­punkt, zu dem die Fami­lie noch in Burg­kunst­adt leb­te.[22]

Brief­kopf der Fir­ma Kup­fer aus dem Jahr 1953, in dem das Grün­dungs­jahr 1878 ange­ge­ben ist
HHStAW

Dora, die älte­re der bei­den Töch­ter, war auch die­je­ni­ge, die zuerst hei­ra­te­te. Am 8. Juli 1900 ehe­lich­te sie in dem heu­te zu Ans­bach gehö­ren­den Eyb Hugo Hirsch­kind, den eben­falls älte­ren Sohn von Laza­rus und Mina Hirsch­kind.[23] Etwa vier Jah­re spä­ter, am 12. April 1904, schlos­sen auch Lil­ly und Theo­bald Hirsch­kind die Ehe.[24] Zu die­sem Zeit­punkt scheint Edu­ard Kup­fer bereits aus dem Unter­neh­men aus­ge­schie­den zu sein. Anders als in der vor­ge­nann­ten Hei­rats­ur­kun­de, in der er selbst noch als Kauf­mann und Fabrik­be­sit­zer ver­merkt ist, wird er jetzt als Pri­va­tier und sein Schwie­ger­sohn Theo­bald hin­ge­gen als Fabrik­be­sit­zer bezeich­net. Aber auch der ande­re Schwie­ger­sohn war inzwi­schen als Mit­ei­gen­tü­mer in das zu einer Per­so­nen­ge­sell­schaft umge­wan­del­te Unter­neh­men auf­ge­nom­men worden.

Anders als die Ehe der Letzt­ge­nann­ten, die kin­der­los blieb, hat­ten Hugo und Dora Hirsch­kind zwei Kin­der. Die Toch­ter Bea­te wur­de am 16. Mai 1902 und der Sohn Max am 28. April 1903 in Ans­bach gebo­ren.[25] Dort besa­ßen die Fami­li­en ein gro­ßes Are­al an der Tri­es­dor­fer Stra­ße mit meh­re­ren Häu­sern, die sowohl als Wohn­ge­bäu­de als auch zur Fabri­ka­ti­on der Sei­de und Gar­ne genutzt wur­den.[26]

Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Ans­bach, Tri­es­dor­fer­stras­se 15, Ein­gang zum ehem. Anwe­sen Edu­ard Kup­fer und Fami­li­en Hirsch­kind
Foto Ekke­hard Hüb­schmann, contact@​geepeetee.​de, 29.08.2007

Noch bevor die Natio­nal­so­zia­lis­ten 1933 an die Macht kamen, waren Edu­ard Kup­fer und sei­ne Frau Lina, aber auch Hugo Hirsch­kind, der Ehe­mann von Dora, ver­stor­ben.[27] Ande­rer­seits waren durch die Ehe­schlie­ßung der bei­den nun erwach­se­nen Kin­der von Dora Hirsch­kind neue Mit­glie­der in die Fami­lie auf­ge­nom­men wor­den. Bea­te Hirsch­kind hat­te am 4. Okto­ber 1923 in den letz­ten Tagen der Hyper­in­fla­ti­on und kurz vor der Aus­ga­be der Ren­ten­mark[28] den nicht­jü­di­schen Ans­ba­cher Zahn­arzt Rein­hold Lutz gehei­ra­tet, ein Haupt­mann und Frei­korps­kämp­fer, der die von den Nazis gefor­der­te „natio­na­le Erhe­bung“ sicher zunächst selbst auch begrüßt hat­te.[29]

Max Hirschkind, Hildegard Hirschkind
Spie­le­fa­brik Bomeisl Nürn­berg 1909
Archiv Für­thWi­ki e. V.

Ihr Bru­der Max, der seit 1926 als Pro­ku­rist in der Fir­ma fun­gier­te, schloss im Jahr 1935 die Ehe mit der aus Fürth stam­men­den Jüdin Hil­de­gard /​ Hil­de Bomeisl. Ihre eben­falls ver­mö­gen­den Eltern Leo­pold und Marie Bomeisl, gebo­re­ne Klee­feld, waren Eigen­tü­mer der bekann­ten Spie­le­fa­brik L. Klee­feld in Fürth, in der bis zu 180 Arbei­ter und Ange­stell­te beschäf­tigt waren.[30] Das Paar leb­te zunächst in Ans­bach, muss aber spä­ter nach Fürth gezo­gen sein.[31]

Hirschkind Juden, Judenhaus Wiesbaden
Wer­bung der Näh­sei­den­fa­brik Kuper aus dem Jahr 1937
http://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/a‑b/231-ansbach-bayern

1934 wur­de nach dem Tod von Hugo Hirsch­kind für die Näh­sei­den­fa­brik Kup­fer ein neu­er Gesell­schaf­ter­ver­trag geschlos­sen, laut dem Max Hirsch­kind und Rein­hold Lutz als per­sön­lich haf­ten­de Gesell­schaf­ter fun­gier­ten, Theo­bald und Dora Hirsch­kind als Kom­man­di­tis­ten mit Ein­la­gen von jeweils 180.000 RM an dem Unter­neh­men betei­ligt blie­ben.[32] An den Haus­grund­stü­cken in der Tri­es­dor­fer Stra­ße waren die bei­den Schwes­tern jeweils zur Hälf­te betei­ligt. Die Immo­bi­lie wur­de per Ver­trag vom 1. Juli 1934 an die Fir­ma ver­mie­tet.[33]

Wie erfolg­reich das Unter­neh­men ein­mal gewe­sen sein muss, lässt sich im Nach­hin­ein an den Ver­mö­gen erken­nen, die die Eigen­tü­mer­fa­mi­li­en spä­ter nach­wei­sen konn­ten bzw. muss­ten. So gab Dora in einem im Zusam­men­hang mit ihrer geplan­ten Aus­wan­de­rung 1941 aus­ge­füll­ten For­mu­lar an, im Jahr 1935 ein Ver­mö­gen von 461.225 RM beses­sen zu haben.[34]

Klar war der Fami­lie aber auch, dass sie als Juden unter dem NS-Régime kei­ne Chan­ce haben wür­den, ihr Unter­neh­men und ihr übri­ges Eigen­tum zu behal­ten. Der wach­sen­de Anti­se­mi­tis­mus war gera­de in Ans­bach schon früh zu spü­ren gewe­sen. Juden stell­ten schon zu Beginn des Jahr­hun­derts dort eine sehr klei­ne Min­der­heit von etwa einem Pro­zent der Bevöl­ke­rung dar. Es gab dar­un­ter eine klei­ne Grup­pe mit­tel­stän­di­scher Geschäfts­leu­te, die auch von den Kon­su­men­ten aller Schich­ten und Kon­fes­sio­nen auf­ge­sucht wur­den, aber sie waren – so Fitz – dort nicht inte­griert, son­dern bes­ten­falls „gedul­det“.[35] Spä­tes­tens seit 1933 schlug die­se bis­her eher laten­te Juden­feind­schaft in offe­nen und mani­fes­ten Juden­hass um. Wie viel­fach sonst im Reich fan­den auch in Ans­bach sofort die ers­ten Aktio­nen gegen jüdi­sche Geschäf­te statt und im glei­chen Jahr wur­de im Stadt­rat ein Beschluss gefasst, der den Zuzug von Juden aus dem Umland unter­sag­te. Aus Pro­test gegen die­se Maß­nah­me kapp­ten aus­län­di­sche Fir­men alle Geschäfts­be­zie­hun­gen zu Ans­ba­cher Unter­neh­men.[36] Ob auch das jüdi­sche Unter­neh­men Kup­fer von die­sem Boy­kott betrof­fen war, ist nicht bekannt. Rie­si­ge Pla­ka­te auf eigens dafür gefer­tig­ten Holz­ta­feln – 5 m lang und 2 m hoch – mit der Auf­schrift „Die Juden sind unser Unglück“ waren eben­falls sofort an Brü­cken und Eisen­bahn­un­ter­füh­run­gen ange­bracht wor­den, ganz abge­se­hen von den vie­len klei­nen Pla­ka­ten, mit denen Hand­wer­ker und Laden­be­sit­zer ihr Geschäft als arisch aus­wie­sen und vor dem Kauf in jüdi­schen Geschäf­ten warn­ten. Auf den Bahn­stei­gen und an jeder Stra­ße, die in die Stadt führ­te, wur­de den Ankom­men­den mit­ge­teilt, dass Juden hier uner­wünscht seien.

Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Grab­stein von Hugo Hirsch­kind in Ans­bach
Digi­ta­le Edi­ti­on ─ Jüdi­scher Fried­hof Ans­bach, ans-163
URL: http://​www​.stein​heim​-insti​tut​.de/​c​g​i​-​b​i​n​/​e​p​i​d​a​t​?​i​d​=​a​n​s​-​163
(letz­te Ände­run­gen — 2013-05-07 16:03)

Auch vie­le der noch dort leben­den Juden zogen die ent­spre­chen­den Kon­se­quen­zen und ver­lie­ßen die Stadt oder sogar das Land. Von 1933 bis 1938 hal­bier­te sich ihre Zahl von 197 auf etwa 100.[37] Auch Lil­ly und Theo­bald Hirsch­kind ver­lie­ßen ange­sichts die­ser Het­ze Ans­bach und mel­de­ten sich am 1. August 1934 in Wies­ba­den an, wo sie in der Wil­hel­mi­nen­str. 42 I eine Woh­nung bezo­gen.[38] Ob es für die­se Wahl einen beson­de­ren Grund gab, ist nicht bekannt. Mög­li­cher­wei­se war es ein­fach die Hoff­nung, in die­ser bei Ren­tiers so belieb­ten Stadt als Unbe­kann­te einen ruhi­gen Lebens­abend ver­brin­gen zu kön­nen. Als Kom­man­di­tist war Theo­bald Hirsch­kind mit dem ope­ra­ti­ven Geschäft ohne­hin nicht mehr befasst. Dora Hirsch­kind blieb wei­ter­hin in Ans­bach, sicher wegen der Kin­der, nicht zuletzt wohl auch, weil hier das Grab ihres ver­stor­be­nen Man­nes war.

Kupfer, Eduard, Theobald, Hugo Dora, Hirschkind
Boy­kott-Auf­ruf gegen jüdi­sche Geschäf­te und Fir­men in Ans­bach
mit Geneh­mi­gung des Stadt­ar­chivs Ansbach

1938, noch bevor Göring im Juli sei­ne „Ver­ord­nung zur Aus­schal­tung der Juden aus dem Wirt­schafts­le­ben“ erließ,[39] wur­den in Ans­bach die Boy­kott­maß­nah­men ver­schärft. Der Ein­zel­han­dels­ver­band mach­te es sei­nen Lie­fe­ran­ten zur Bedin­gung, dass die Pro­duk­ti­on der gelie­fer­ten Waren aus­schließ­lich von rein ari­schen Unter­neh­men kom­men müs­se. Immer mehr jüdi­sche Geschäf­te und Fir­men waren zur Auf­ga­be gezwungen.

Auch in Ans­bach wur­den in der Nacht vom 9. auf den 10. Novem­ber 1938 Geschäf­te und Woh­nun­gen von Juden durch Roll­kom­man­dos der SA zer­trüm­mert, ihre Eigen­tü­mer bzw. Bewoh­ner in Haft genom­men, gede­mü­tigt und ver­ängs­tigt. An kör­per­li­che Gewalt woll­te man sich spä­ter nicht mehr erin­nern, auch Bewoh­ner sol­len sich nicht an den Aktio­nen der SA betei­ligt haben. Zwölf Woh­nun­gen waren zum Teil schwer beschä­digt wor­den. Umso erstaun­li­cher das Resü­mee der Autorin: „Es kam zu kei­nen Zwi­schen­fäl­len und alles blieb ruhig. Erst am nächs­ten Mor­gen will die Bevöl­ke­rung, die nicht in unmit­tel­ba­rer Nähe eines Juden wohn­te und nicht durch den Lärm bereits nachts aus dem Schlaf geris­sen wor­den war, von der ‚Besche­rung’ erfah­ren haben bzw. sah sie, weil sie nicht zu über­se­hen war. (…) Die Aus­schrei­tun­gen fan­den – selbst in Par­tei­krei­sen – kei­nen Bei­fall, doch reagier­te man mit Weg­se­hen oder ängst­li­chem Still­schwei­gen.“[40] Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung derer, die von allem nichts gewusst haben wollen.

Die Fami­lie Hirsch­kind war aber offen­bar an die­sen Tagen inso­fern ver­schont geblie­ben, als weder ihre Woh­nung noch die Geschäfts- und Fabrik­räu­me zer­stört wur­den. Aller­dings gehör­te Max Hirsch­kind zu den 35 Män­nern – zu der Zeit leb­ten nur noch etwa 100 Juden in Ans­bach –, die in der Nacht ver­haf­tet und am 12. Novem­ber zum Teil nach Nürn­berg über­führt wur­den.[41] Ein Teil die­ser Grup­pe wur­de noch nach Dach­au ver­bracht. Ob auch Max Hirsch­kind dar­un­ter war, ist nicht bekannt.

Zu erken­nen, dass es höchs­te Zeit zum Han­deln war, bedurf­te es nicht der Novem­ber­er­eig­nis­se, die Mene­te­kel waren schon seit Lan­gem nicht mehr zu über­se­hen gewe­sen. Sicher hat­te man sich in der Fami­lie Hirsch­kind schon seit erheb­li­cher Zeit dar­über Gedan­ken gemacht, wie man das eige­ne Leben und auch die Fir­ma ret­ten kön­ne. Um das Unter­neh­men vor einer Ari­sie­rung zu bewah­ren, zogen sich die jüdi­schen Fami­li­en­mit­glie­der aus der Fir­ma zurück und über­tru­gen in meh­re­ren Schrit­ten das Kapi­tal auf Rein­hold Lutz, den nicht­jü­di­schen Ehe­mann von Bea­te, der Toch­ter von Dora Hirsch­kind. Bereits im Juli 1938 hat­te Dora Hirsch­kind mit Geneh­mi­gung der Regie­rung Ober­fran­kens ihre Ein­la­ge von 180.000 RM auf 45.000 RM redu­ziert. 25.000 RM ließ sie sich aus­zah­len, die übri­gen 110.000 RM wur­den „dem Kapi­tal­kon­to des per­sön­lich haf­ten­den Gesell­schaf­ters der Fir­ma Edu­ard Kup­fer, Ans­bach, Herrn Dr. Rein­hold Lutz, Ans­bach, gut­ge­bracht.“[42] Ihren ver­blie­be­nen Kom­man­di­tis­ten­an­teil ver­kauf­te sie dann im Dezem­ber, nach­dem der Pogrom gezeigt hat­te, dass nichts mehr zu ret­ten sein wür­de, „infol­ge der Wert­min­de­rung  … als läs­ti­ger Gesell­schaf­ter“ für nur 10.000 RM eben­falls an ihren Schwie­ger­sohn Rein­hold Lutz. 5.000 RM davon wur­den an den Ober­bür­ger­meis­ter und Kreis­lei­ter Hänel und den Kreis­ob­mann der DAF, ein Herr Stich, abge­tre­ten, die dar­über „in Voll­macht ver­fü­gen“ kön­nen soll­ten.[43] Die glei­chen Ver­ein­ba­run­gen wur­den auch zwi­schen Theo­bald Hirsch­kind und Rein­hold Lutz, not­ge­drun­gen auch mit den NSDAP Funk­tio­nä­ren der Stadt Ans­bach geschlos­sen.[44] Auch vom Gebäu­de­kom­plex in der Tri­es­dor­fer Stra­ße trenn­ten sich die Schwes­tern, sie wur­den zu einem Preis von 48.000 RM von der Näh­sei­den­fa­brik auf­ge­kauft und in deren Kapi­tal­stock über­führt.[45] Zwar wur­de Rein­hold Lutz gezwun­gen, die Fir­ma in “Bava­ria – Näh­sei­den­fa­brik” umzu­be­nen­nen, aber es gelang ihm immer­hin, dass der Namen des jüdi­schen Unter­neh­mens­grün­ders nicht in Ver­ges­sen­heit geriet. Der Betrieb konn­te mit die­sem Kom­pro­miss immer­hin die schwie­ri­gen Jah­re der NS-Zeit überdauern.

Judenhaus , Juden Wiesbaden, Hirschkind
Brief­kopf der Fir­ma Kup­fer
wur­de zur Ver­fü­gung gestellt von Ekke­hard Hüb­schmann, contact@​geepeetee.​de, 29.08.2007

Auch die Erben­ge­mein­schaft von Dora Hirsch­kind und den Kin­dern wur­de auf­ge­löst. Bea­te war bereits abge­fun­den wor­den, sodass die Mut­ter nur noch ihren Sohn Max aus­zah­len muss­te. Am 22. Novem­ber 1938 teil­te sie der Regie­rung Ober­fran­ken mit, dass sie mit Geneh­mi­gung des Ober­fi­nanz­prä­si­den­ten Nürn­berg die­sem ins­ge­samt 110.000 RM über­tra­gen habe.[46] Bereits im ver­gan­ge­nen August hat­te sie ihm eine Schen­kung von 25.000 gemacht, eine glei­che Sum­me hat­te er auch von sei­nem Onkel Theo­bald und der Tan­te Lil­ly erhal­ten.[47] In einer Ver­mö­gens­er­klä­rung vom 2. Dezem­ber 1938 gab Dora Hirsch­kind an, jetzt noch über ein Ver­mö­gen von 190.000 RM zu ver­fü­gen.[48]

Nach Abschluss die­ser finan­zi­el­len Trans­ak­tio­nen ver­ließ auch Dora Hirsch­kind Ans­bach und zog nach Wies­ba­den, wo sie bei ihrer Schwes­ter und ihrem Schwa­ger in der Wil­hel­mi­nen­str. 42 auf­ge­nom­men wur­de. Dora kam damit einem Beschluss der Stadt Ans­bach vom 1. Janu­ar 1939 zuvor, in der alle Juden auf­ge­for­dert wur­den, die Stadt zu ver­las­sen. Zwar mel­de­te die Frän­ki­sche Zei­tung schon am 14. Janu­ar 1939, dass Ans­bach „juden­frei“ sei, tat­säch­lich gab es aber bis Jah­res­be­ginn 1940 noch vier Juden in der Stadt und die letz­te in Misch­ehe leben­de Jüdin ver­ließ den Ort erst im Sep­tem­ber 1940.[49] Nach 1945, als man mehr oder weni­ger beschämt auf die eige­ne Geschich­te zurück­blick­te, brüs­te­te man sich in Ans­bach damit, dass von dort kei­ne Juden depor­tiert wor­den sei­en. Dass man sie bereits zuvor alle ver­trie­ben hat­te, ver­schwieg man geflis­sent­lich.[50]

 

Die sicher per­sön­lich schwie­rigs­te Ent­schei­dung bei der Auf­lö­sung der Fir­ma hat­te Bea­te Lutz zu tref­fen. Für sie war damit auch die Auf­lö­sung der Ehe ver­bun­den. Man war sich ver­mut­lich zu Recht nicht sicher, ob die Fir­ma in einer kin­der­lo­sen Misch­ehe hät­te wei­ter­ge­führt wer­den kön­nen. Ver­mut­lich woll­te sie auch nicht mehr in dem Land blei­ben, das ihr alles genom­men und ihr gesam­tes Leben zer­stört hat­te. Noch im Herbst 1938 hat­te man Über­le­gun­gen, sich zu tren­nen und aus­zu­wan­dern, gegen­über den Behör­den strikt zurückgewiesen.

In einem unda­tier­ten Fra­ge­bo­gen, den Bea­te Lutz aus­ge­füllt hat­te, heißt es unter Punkt 1: „weder mein Mann noch ich wan­dern aus“ und unter Punkt 3 noch ein­mal: „Ich beab­sich­ti­ge nicht aus­zu­wan­dern (…).“[51]. Der Fra­ge­bo­gen trägt zwar den Ein­gangs­stem­pel der Devi­sen­stel­le Frank­furt mit Datum 4. März 1939, scheint aber bereits 1938 aus­ge­füllt wor­den zu sein. In einem Brief an den Ober­fi­nanz­prä­si­den­ten Nürn­berg vom 28.Oktober 1938, der eben­falls den Ein­gangs­stem­pel der Devi­sen­stel­le Frank­furt mit der Datie­rung 4. März 1939 trägt, heißt es näm­lich: „Gemäß Ihrer Auf­for­de­rung vom 5. Okto­ber 1938 bez. 11. Okto­ber 1938 rei­che ich die über­sand­ten Fra­ge­bo­gen ein und gestat­te mir hier­zu fol­gen­des zu bemer­ken: Eine Aus­wan­de­rung kommt für mich aus den im Fra­ge­bo­gen ersicht­li­chen Grün­den – Ver­hei­ra­tung mit dem deutsch­blü­ti­gen ehem. Haupt­mann Dr. Rein­hold Lutz — nicht in Fra­ge.“ Ganz offen­sicht­lich waren die Ereig­nis­se im Novem­ber maß­ge­bend für den Sin­nes­wan­del gewesen.

Damit Bea­te Lutz ohne wei­te­re Pro­ble­me aus­rei­sen konn­te, trenn­ten sich die Ehe­part­ner ein­ver­nehm­lich. Am 4. Juni 1939 wur­de die Ehe geschie­den,[52] nach­dem die Ehe­frau prak­tisch auf alle Ansprü­che ihrem Mann gegen­über ver­zich­tet hat­te. Die­ser über­nahm dafür aber die Kos­ten ihrer Aus­wan­de­rung nach Eng­land, auch die gegen­über den deut­schen Behör­den. [53] Am 21. Febru­ar 1939 erteil­te das Finanz­amt Ans­bach die not­wen­di­ge Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung. Ihr Ver­mö­gen ist hier mit 106.000 RM ange­ge­ben, ein Ver­mö­gen, das nach der Ver­ein­ba­rung nun an ihren Noch-Ehe­mann Rein­hold Lutz fal­len soll­te.[54]

Zu die­ser Zeit wohn­te Bea­te Lutz bereits in Wies­ba­den, ganz in der Nähe ihrer Mut­ter bzw. Tan­te und ihres Onkels in der Wil­hel­mi­nen­str. 47 im zwei­ten Stock. Von die­ser Adres­se aus bat sie noch im Febru­ar die Devi­sen­stel­le in Frank­furt dar­um, ihr Rei­se­ge­päck über­prü­fen zu las­sen, da sie so schnell wie mög­lich Deutsch­land ver­las­sen wol­le. Sie stel­le kei­nen Trans­fe­r­an­trag zur Aus­fuhr von Kapi­tal, auch besit­ze sie kein Aus­lands­de­pot, schrieb sie an die Behör­de. Ein­zig ihr Rei­se­ge­päck war ihr von dem gesam­ten eins­ti­gen Ver­mö­gen geblie­ben. Sie gab daher auch an, im Aus­land sich eine Anstel­lung suchen zu wol­len.[55] Ihr ehe­ma­li­ger Ehe­mann muss­te für die Aus­fuhr neu erwor­be­ner Güter 1.523 RM Dego-Abga­be zah­len.[56]

In Eng­land hat­te sie wohl zunächst Unter­kunft bei ihrer Tan­te Euge­nie God­lew­sky in Bir­ming­ham gefun­den, zumin­dest ist deren Adres­se bei ihrer spä­te­ren Aus­rei­se in die USA als Kon­takt in Eng­land ange­ge­ben. Die­se erfolg­te aller­dings erst im Mai 1948. Die damals 46-jäh­ri­ge Bea­te Lutz, von Beruf Sekre­tä­rin, gab an, zu ihrem Bru­der Max zu wol­len, der inzwi­schen in New York leb­te.[57]

 

Max Hirsch­kind und sei­ne Frau hat­ten sich eben­falls ent­schlos­sen, Deutsch­land mit dem am 12. März 1936 gebo­re­nen Sohn Wal­ter Hugo zu ver­las­sen. Zuvor war auch ihnen von den deut­schen Finanz­be­hör­den ein gro­ßer Teil ihres Ver­mö­gens von 200.000 RM geraubt wor­den. Ein Vier­tel, d.h. 50.000 RM, muss­te von Max, wei­te­re 8.250 RM von sei­ner Frau als Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be abge­führt wer­den. Auf fast 40.000 RM wur­de die Reichs­flucht­steu­er fest­ge­setzt. Etwa 100.000 RM muss­ten sie somit auf­brin­gen, um sich und den klei­nen Sohn in Sicher­heit zu brin­gen. Auch ihr Weg führ­te sie noch ein­mal für ein hal­bes Jahr nach Wies­ba­den, sicher auch, um sich von Mut­ter, Onkel und Tan­te zu ver­ab­schie­den. In Ans­bach war die Situa­ti­on für Juden zudem inzwi­schen uner­träg­lich gewor­den. Am 24. Dezem­ber 1938 kamen sie von dort und bezo­gen eine Woh­nung in der Son­nen­ber­ger Stra­ße. Obwohl sie poli­zei­lich gemel­det waren – die Aus­kunft über ihren Auf­ent­halt erteil­te im spä­te­ren Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren die Wies­ba­de­ner Poli­zei –, wur­de eine Gesta­po-Kar­tei­kar­te auch für sie nicht ange­legt. Am 4. Juni 1939 mel­de­ten sie sich in Wies­ba­den ab und gaben als Ziel­ort Brüs­sel an.[58]

Über die wei­te­ren Sta­tio­nen ihrer gefahr­vol­len Flucht gibt ein Brief Aus­kunft, den Max Hirsch­kind am 13. Okto­ber 1941 an Ver­wand­te, eine Fami­lie Rosen­feld in Paläs­ti­na, auf dem Schiff ‚Mar­ques de Camil­las’ wäh­rend der Über­fahrt nach Kuba schrieb:
„Dear Aunt Mar­tha, dear Uncle Leo and dear Rudi,
A time rich in sor­row and distress, see­mingly inter­minable, is our lot. For the lon­gest time you have heard not­hing from me, from my fami­ly from any of us. Now I will report to you in broad strokes:
On 07/​06/​40 I dro­ve with my wife and child from Wies­ba­den to Brussels. On 05/​10/​40 Bel­gi­um was pul­led into the war. I was inter­ned, and France was ‘done in’. The dreadful­camps of St.-Cyprien and Gurs are now behind me. Now my dear wife and our litt­le boy are tra­vel­ling with me to Cuba. Both of my loved ones fol­lo­wed me to France of their own accord. Through artil­lery fire they made their way to find hus­band and father.
In June/​July 1940 they them­sel­ves were inter­ned at Gurs for seven weeks. Then they came to St.-Cyprien-Plage, and until the end of Octo­ber 1940 we saw each other near­ly every day for a few hours, albeit under punis­hing conditions.
Then we sepa­ra­ted again for five month. I came to Gurs. I heard that appro­xi­m­ate­ly 8.000 peo­p­le, young and old, who were housed in various sur­roun­ding units, were Jewish peo­p­le from Baden and the Pala­ti­na­te. The good Aunt Dora, who in the mean­ti­me had heard that ‘peo­p­le from Bel­gi­um’ had arri­ved, sear­ched for us, as I did for her.
We found each other prompt­ly, and our delight at see­ing each other was extra­or­di­na­ry and emo­tio­nal.”
Im Fol­gen­den schreibt er, wie er der gemein­sa­men Tan­te Dora gehol­fen hat­te und sie mit not­wen­di­gen Lebens­mit­teln ver­sorg­te. „On Febru­ary 28th I was able to lea­ve Gurs. Sick lea­ve. I was not a cover, I was inde­ed sick. On 02/​27/​41, I bade fare­well to our dear aunt, and after that we cor­re­spon­ded.” Nach­dem er über einen län­ge­ren Zeit­raum kei­ne Nach­rich­ten mehr von ihr erhielt, erfuhr er, dass die Tan­te ver­stor­ben war. „This last cor­re­spon­dence came to my hands on 10/​03/​41. Befo­re that, we were in Mar­seil­le for four­teen days to make arran­ge­ments for our migra­ti­on to Cuba. (…)
Now I come to our loved ones: my dea­rest litt­le mother; I did not inform of aunt Dora’s pas­sing. Aunt Lil­li and uncle Theo­bald are still in Wies­ba­den. My in-laws (in Bos­sum – Hol­land) wri­te that they are well. Bea­te is in Eng­land and has found a secre­ta­ri­al job.
Woe is me when I think of the sepa­ra­ti­on and the sor­row, the mise­ry and the hard­ships of the­se dear ones – but may we persevere!
Now I will end with my best wis­hes for your health, and sen­ding you most heart­felt and loy­al gree­tings.”
[59]

Aus­ge­spart hat­te Max Hirsch­kind in sei­nem Brief den Zeit­raum zwi­schen sei­ner Ent­las­sung aus dem Lager Gurs und sei­ner Aus­rei­se von Mar­seil­les aus. In die­sem Zeit­raum leb­te er, zeit­wei­se auch sei­ne Frau und sein Sohn, in einem klei­nen Ort im Depar­te­ment Pyré­nées-Atlan­ti­ques namens Meil­lon, in der Nähe des Städt­chens Pau und etwa eine Stun­de ent­fernt von Gurs gelegen.

Meillon, Paul Mirat, Max Hirschkind, Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Orts­schild Meil­lon
Auf­ge­nom­men von Max Hirsch­kind
Mit Geneh­mi­gung von Micha­el Hickins
Meillon, Paul Mirat, Max Hirschkind, Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Das Gestüt von Paul Mirat
Mit Geneh­mi­gung von Micha­el Hickins
Meillon, Paul Mirat, Max Hirschkind, Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Lis­te auf­ge­nom-mener Flücht­lin­ge
Mit Geneh­mi­gung von Paul Mirat jun.
Meillon, Paul Mirat, Max Hirschkind, Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Auf­nah­me­buch von Meil­lon mit Inter­nier­ten aus Gurs
Mit Geneh­mi­gung von Paul Mirat jun.

 

 

 

 

 

 

 

Die­se Etap­pe der Flucht ist des­halb beson­ders erwäh­nens­wert, weil in Deutsch­land die Bedeu­tung die­ses Ortes als Hort der Mensch­lich­keit in einer Zeit wach­sen­der Inhu­ma­ni­tät bis heu­te weit­ge­hend unbe­kannt geblie­ben ist.[60] Es waren die Bür­ger von Meil­lon, das auch heu­te noch weni­ger als 1000 Ein­woh­ner zählt, die sich mit unglaub­li­chem Mut der vom Petain-Régime gefor­der­ten Zusam­men­ar­beit mit den deut­schen Okku­pan­ten wider­setz­ten – allen vor­an der dama­li­ge Bür­ger­meis­ter Paul Mirat. Paul Mirat war in jeder Hin­sicht eine außer­ge­wöhn­li­che Per­sön­lich­keit. Er war Maler,[61] Musi­ker, Komö­di­ant, Dich­ter, Pfer­de­züch­ter und ein Mann der Résis­tance. Als der Bür­ger­krieg in Spa­ni­en immer mehr Flücht­lin­ge über die Pyre­nä­en trieb, der fran­zö­si­sche Staat nach der Nie­der­la­ge der Repu­bli­ka­ner sich nur mit der Errich­tung unmensch­li­cher Inter­nie­rungs­la­ger wie dem berüch­tig­ten St. Cyprien zu hel­fen wuss­te – dabei spiel­te aber nicht nur die gro­ße Zahl, son­dern wohl noch mehr die Angst vor der poli­ti­schen Ein­stel­lung der Flücht­lin­ge eine ent­schei­den­de Rol­le –, da öff­ne­te Meil­lon qua­si sei­ne Tore, hieß die Flüch­ten­den in ihrem Ort will­kom­men und ver­sorg­te sie so gut es nur mög­lich war. Als dann 1940 die deut­sche Besat­zung die in Bel­gi­en und im besetz­ten Frank­reich leben­den Juden am Rand der Pyre­nä­en inter­nier­te, wur­de die glei­che Hal­tung den Neu­an­kömm­lin­gen ent­ge­gen­ge­bracht, wobei selbst­ver­ständ­lich nicht allen Zig­tau­send gehol­fen wer­den konn­te. Aber unzäh­li­ge Lis­ten mit Namen und Bil­dern von Juden, von Wider­stands­kämp­fern und ande­ren Ver­folg­ten lie­gen noch unbe­ar­bei­tet in den Archi­ven und geben Aus­kunft dar­über, wann, wer aus wel­chem Grund gekom­men und wann der- oder die­je­ni­ge den Ort wie­der ver­las­sen hatte.

Meillon, Paul Mirat, Max Hirschkind, Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Beleg für den Auf­ent­halt der Hirsch­kinds in Per­gignan
Mit Geneh­mi­gung von Paul Mirat jun.

Manch­mal war es nur ein Auf­ent­halt von beschränk­ter Dau­er in Meil­lon, eine Rast, um neue Kräf­te zu sam­meln, manch­mal führ­te der Weg von dort aus aber auch in die Frei­heit. So auch für Max Hirsch­kind und sei­ne Fami­lie. Zwar las­sen die bis­her gefun­de­nen Doku­men­te noch kei­ne kla­re Rekon­struk­ti­on der Abläu­fe nach dem 10. Mai 1940, dem Tag des Ein­marschs der deut­schen Trup­pen in Frank­reich, zu, aber zumin­dest wer­fen sie ein Schlag­licht auf die­sen ver­ges­se­nen Ort am Rand der Pyre­nä­en, wo es Men­schen gab, die ande­ren Men­schen in Not und Ver­fol­gung gehol­fen haben.[62]

Meillon, Paul Mirat, Max Hirschkind, Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Beleg für die Inter­nie­rung der Fami­lie Hirsch­kind in St. Cyprien
Mit Geneh­mi­gung von Paul Mirat jun.

Offen­bar war es der Fami­lie Hirsch­kind nach der getrenn­ten Flucht zunächst gelun­gen, in Per­pignan nach ihrem Wie­der­se­hen eine gemein­sa­me Unter­kunft zu fin­den. Zumin­dest wur­de das im Juli 1940 von einem Wil­ly Bignals, dem dama­li­gen Ver­mie­ter, im dor­ti­gen Rat­haus  beschei­nigt. Unklar ist, wann die Fami­lie dann in Gurs – im Lager getrennt – inter­niert wurde.
Max Hirsch­kind hat­te dort qua­si die Stel­le eines „Funk­ti­ons­häft­lings“ inne. Aus einem Schrei­ben des zustän­di­gen Kom­mis­sars geht her­vor, dass er im Büro für Lager­si­cher­heit als Dol­met­scher und als Ver­bin­dungs­mann zu den Inter­nier­ten ein­ge­setzt wor­den war. In einem wei­te­ren Brief des „Direc­teu des Israe­li­tes (Group Cent­re Catho­li­que du camp de Gurs)“ – offen­bar hat­te man die Juden ein­fach der katho­li­schen Lager­kir­che ein­ver­leibt -, schrieb die­ser, dass Max Hirsch­kind sich voll und ganz für die Inter­nier­ten ein­ge­setzt und dem Amt für natio­na­le Sicher­heit wert­vol­le Diens­te geleis­tet habe.[63] Die­ser zwei­te Text ist inso­fern wich­tig, weil dar­aus her­vor­geht, dass „Ver­bin­dungs­mann“ nicht im Sin­ne von Hand­lan­ger inter­pre­tiert wer­den darf, er viel­mehr als Inter­es­sens­ver­tre­ter der Gefan­ge­nen fun­gier­te. Bei­de Schrei­ben waren ver­fasst wor­den, um sei­ne Ent­las­sung aus dem Lager zu befür­wor­ten. Wie er ja auch in sei­nem Brief schon schrieb, war er inzwi­schen ernst­haft erkrankt und ein wei­te­rer Ver­bleib im Lager war ange­sichts sei­nes Gesund­heits­zu­stands – so ein ärzt­li­ches Attest – nicht län­ger trag­bar. Auch wur­de fest­ge­stellt, dass er über aus­rei­chen­de finan­zi­el­le Mit­tel ver­fü­ge, wes­halb er nach der Ent­las­sung der All­ge­mein­heit nicht zur Last fal­len wer­de. Ent­schei­dend für sei­ne Ent­las­sung war aber wohl das Beher­ber­gungs­zer­ti­fi­kat des Bür­ger­meis­ters Paul Mirat von Meil­lon, das er vor­wei­sen konn­te.[64] Der Bür­ger­meis­ter hat­te im Beson­de­ren die Gebäu­de sei­nes Gestüts für not­lei­den­de Flücht­lin­ge zur Ver­fü­gung gestellt und sich bereit erklärt, auch Max Hirsch­kind bei sich aufzunehmen.

Meillon, Paul Mirat, Max Hirschkind, Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Auf­nah­me­ein­trag von Max Hirsch­kind in Meil­lon mit Passbild
Meillon, Paul Mirat, Max Hirschkind, Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Mit Geneh­mi­gung von Paul Mirat jun.

 

 

 

 

Sei­ne Frau war ver­mut­lich eben­falls auf­grund eines ärzt­li­chen Attests offen­bar schon frü­her aus dem Lager Gurs ent­las­sen wor­den. Ein Arzt hat­te ihr bereits im Juli 1940 Angi­na Pec­to­ris beschei­nigt und auch den Jun­gen als sehr schwäch­lich, sogar gebrech­lich beschrie­ben.[65] Unklar ist aber, seit wann die bei­den in St. Cypri­an im dor­ti­gen Hotel Cypri­an Pla­ge wohnten.

Meillon, Paul Mirat, Max Hirschkind, Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Auf­nah­me von Hil­de­gard Hirsch­kind in Meil­lon
Mit Geneh­mi­gung von Paul Mirat jun.

Im April 1941 wur­de Hil­de­gard Hirsch­kind gestat­tet, in einer Fami­li­en­an­ge­le­gen­heit – ver­mut­lich wegen der Erkran­kung ihres Man­nes – eben­falls nach Meil­lon zu kom­men. Aber schon nach weni­gen Tagen erhielt der Bür­ger­meis­ter Paul Mirat die Auf­for­de­rung, Frau Hirsch­kind wie­der zurück nach St. Cypri­an zu schi­cken, andern­falls, so wur­de gedroht, wer­de man sie erneut inter­nie­ren. Es ist auf Basis der bis­her gefun­de­nen Doku­men­te nicht klar, ob die Fami­lie noch ein­mal aus­ein­an­der­ge­ris­sen wurde.

Meillon, Paul Mirat, Max Hirschkind, Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Benach­rich­ti­gung über Ertei­lung der Visa für Kuba
Mit Geneh­mi­gung von Micha­el Hickins

Am 13. Sep­tem­ber 1941 erhielt Max Hirsch­kind unter der Adress­an­ga­be „im Haus des Bür­ger­meis­ters Paul Mirat“ die Nach­richt des kuba­ni­schen Bot­schaf­ters, dass ihnen die Visa für eine Ein­rei­se in den Kari­bik­staat erteilt wor­den sei­en und sie sich für eine medi­zi­ni­sche Unter­su­chung in die kuba­ni­sche Bot­schaft bege­ben soll­ten.[66] Vier Wochen nach die­ser Nach­richt schrieb Max Hirsch­kind auf dem Schiff nach Kuba den oben zitier­ten Brief.

In Kuba, ihrer neu­en Zufluchts­stät­te, wur­de die jun­ge Fami­lie aller­dings von einem wei­te­ren Schick­sals­schlag getrof­fen: Am 19. Mai 1944 kam Hil­de­gard Hirsch­kind bei einem Bade­un­fall ums Leben.[67] Ihre letz­te Ruhe fand sie auf dem Fried­hof von Havan­na. Max Hirsch­kind wan­der­te nach dem Krieg in die USA aus, wo er 1957 erneut eine Ehe ein­ging. Mit sei­ner zwei­ten Frau Vivi­an Bron­stein hat­te er ein wei­te­res Kind, den am 1. Mai 1961 gebo­re­nen Micha­el, der den vom Vater neu ange­nom­me­nen Nach­na­men Hick­ins trägt.[68] Sein Halb­bru­der Wal­ter starb im Sep­tem­ber 1985 in New York.

 

In Wies­ba­den zurück­ge­blie­ben waren Dora Hirsch­kind und ihre Schwes­ter Lil­ly mit ihrem Mann Theo­bald. Aber auch sie woll­ten nicht blei­ben. Noch im Mai 1939 kauf­te Dora Hirsch­kind unter Ver­ken­nung von Hit­lers Kriegs­plä­nen ein Vil­len­grund­stück in Heem­s­tede bei Ams­ter­dam für 26.000 RM. Im August des glei­chen Jah­res setz­te die Reichs­flucht­steu­er­stel­le die Höhe der zu zah­len­den Abga­be auf 32.850 RM fest. Auch der Ter­min der Aus­rei­se stand bereits fest, wie sich aus dem Antrag für die not­wen­di­ge steu­er­li­che Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung ergibt. Es soll­te der 15. Okto­ber 1939 sein.[69] Aber dazu kam es nicht mehr. Sie habe zu ihren Kin­dern gewollt, aber durch den Kriegs­aus­bruch sei die­ses Vor­ha­ben „auf abseh­ba­re Zeit unmög­lich“ gewor­den, schrieb sie am 2. Novem­ber 1939 an das Finanz­amt Wies­ba­den.[70] Sie schil­der­te in die­sem Brief ihre der­zei­ti­ge per­sön­li­che und beson­ders ihre finan­zi­el­le Lage, in der Hoff­nung, man wür­de ihr die gefor­der­te 5. Rate der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be erlassen:
Am 8. 11. 1880 gebo­ren, ste­he ich vor der Voll­endung des 59ten Jah­res, bin aber seit län­ge­rer Zeit lei­dend und mit Unter­bre­chun­gen in ärzt­li­cher Behand­lung (…). Ich bin seit 1933 Wit­we und allein­ste­hend; mei­ne bei­den Kin­der sind aus­ge­wan­dert und haben selbst bis­her im Aus­land noch kei­ne Exis­tenz fin­den kön­nen. Mein der Ver­an­la­gung zu Grun­de geleg­tes Ver­mö­gen ist bis heu­te emp­find­lich zurück­ge­gan­gen. (…) Ich hat­te erheb­li­che Kos­ten durch den not­wen­dig gewor­de­nen Umzug von Ans­bach nach Wies­ba­den mit hohen Lager­spe­sen, wei­ter nicht unbe­trächt­li­che Auf­wen­dun­gen für ärzt­li­che Behand­lung. (…) Ein Betrag von RM 32.850,– ist als Reichs­flucht­steu­er­si­cher­heit fest­ge­legt. Mit dem Zeit­punkt  der Aus­wan­de­rung ver­fällt die­ser Betrag und es muss dann auch die jüdi­sche Aus­wan­de­rungs­ab­ga­be mit meh­re­ren tau­send Mark gezahlt wer­den. — Im Hin­blick auf die in Aus­sicht genom­me­ne Aus­wan­de­rung bin ich in einem devi­sen­recht­lich geneh­mig­ten Ver­trag fer­ner Ver­pflich­tun­gen ein­ge­gan­gen, die mich in Höhe von rund RM 39.000,- belas­ten. Es war dabei dar­an gedacht, dass durch einen Trans­fer des (nach Zah­lung der unmit­tel­ba­ren Aus­wan­de­rungs­kos­ten ein­schliess­lich Dego-Abga­be) ver­blei­ben­den Rest­ver­mö­gens eine ledig­lich als Siche­rung des Exis­tenz­mi­ni­mums zu betrach­ten­de klei­ne­re Reser­ve im Aus­land ver­füg­bar sein soll­te, ohne die bei mei­nem Alter und mei­nem Gesund­heits­zu­stand und der Ver­mö­gens­lo­sig­keit mei­ner Kin­der die Mög­lich­keit einer Aus­wan­de­rung für mich selbst über­haupt nicht gege­ben gewe­sen wäre.
Die Zah­lung der vol­len Rate für die wei­te­re Teil­leis­tung zur Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be wür­de mich unter die­sen geschil­der­ten Umstän­den beson­ders hart tref­fen. Auch dann, wenn mei­ne Aus­wan­de­rung auf län­ge­re Zeit hin nicht erfol­gen kann, wer­den die von mir ein­ge­gan­ge­nen Ver­bind­lich­kei­ten erfüllt wer­den müs­sen; mein ver­füg­bar blei­ben­des Ver­mö­gen, des­sen Zins­er­träg­nis­se bis­her schon wegen mei­ner durch Krank­heit gestei­ger­ten Bedürf­nis­se für die Bestrei­tung des lau­fen­den Unter­hal­tes nicht aus­rei­chen, muss daher auf unbe­stimm­te Zeit hin­aus für mei­ne Lebens­hal­tung in Anspruch genom­men wer­den. Da ich unter­halts­pflich­ti­ge und unter­halts­fä­hi­ge Ver­wand­te im Inland nicht mehr habe, bin ich dar­auf ange­wie­sen, das Ver­mö­gen für die­sen Zweck soweit und solan­ge als mög­lich zu erhalten.
Ich bit­te des­halb, in Berück­sich­ti­gung der vor­ge­tra­ge­nen beson­de­ren Ver­hält­nis­se und zur Ver­mei­dung einer evtl. ent­ste­hen­den Här­te, mei­nem ein­gangs gestell­ten Antrag zu ent­spre­chen.“[71]

Zwar erscheint das dama­li­ge Ver­mö­gen von 189.000 RM, das zur Grund­la­ge der Berech­nung gemacht wur­de, im Ver­gleich zu den­je­ni­gen, die nur mit­hil­fe von Almo­sen ihre kar­ge Exis­tenz fris­ten konn­ten, unfass­bar hoch zu sein, den­noch bleibt die erzwun­ge­ne Abga­be von 47.250 RM ohne Fra­ge ein Raub der öffent­li­chen Hand.[72]

Es blieb auch nicht bei die­ser Ent­eig­nung durch die Steu­er­be­hör­de. 1941 war sie gezwun­gen wor­den, ihren gesam­ten Akti­en­be­stand der Preu­ßi­schen Staats­bank anzu­bie­ten.[73] Wie die Ver­rech­nung im Detail aus­sah, ist dem Schrei­ben nicht zu ent­neh­men, ver­mut­lich hat­te sie aber – wie auch sonst üblich – ent­spre­chen­de Schuld­ver­schrei­bun­gen anzu­neh­men, die mit dem ver­lo­re­nen Krieg und dem Ruin der Staats­fi­nan­zen völ­lig wert­los wurden.
Die Abga­be ihres Schmucks im Jahr 1939, der für sie ver­mut­lich von grö­ße­rem ideel­len als finan­zi­el­lem Wert war, aber immer­hin in der Ver­mö­gens­auf­stel­lung von 1938 auf 1.213 RM geschätzt wor­den war, fiel gegen­über den genann­ten Maß­nah­men kaum mehr ins Gewicht. Sie erhielt dafür gera­de mal 498 RM auf ihrem Kon­to gut­ge­schrie­ben.[74]

Am 1. Janu­ar 1940 besaß sie trotz der Über­eig­nung der Fir­men­an­tei­le for­mal noch immer ein Ver­mö­gen von 116.000 RM, das durch die beträcht­li­chen Ein­kom­men der letz­ten Jah­re zustan­de gekom­men war.[75]

Auf die­ses Geld konn­te sie aber nicht zurück­grei­fen, denn auch gegen sie war im August 1940 eine Siche­rungs­an­ord­nung ergan­gen. Man geneh­mig­te ihr zunächst nur einen Frei­be­trag von 250 RM, über die sie im Monat ver­fü­gen konn­te.[76] Nach­dem sie ihre Ver­mö­gens­er­klä­rung abge­ge­ben hat­te, wur­de der Betrag auf 550 RM ange­ho­ben. Das ent­sprach dem Bedarf, den sie selbst ange­ge­ben hat­te.[77] Wie wenig sie mit ihrem Ver­mö­gen tat­säch­lich machen konn­te, zeig­te sich im Dezem­ber 1940, als sie die Devi­sen­stel­le um die Erlaub­nis bat, ihrem Sohn Max und sei­ner Frau, die zu die­ser Zeit in Süd­frank­reich inter­niert waren, Lebens­mit­tel zukom­men zu las­sen. „Umste­hen­den Antrag kann nicht statt­ge­ge­ben wer­den,“ ist knapp und bün­dig auf der Rück­sei­te notiert.[78] Wie will­kür­lich die Behör­de bei sol­chen Anträ­gen agier­te, wird offen­bar, als im Mai 1941 die Über­wei­sung von 1.000 RM an Leo und Marie Bomeisl, die nach Hol­land emi­grier­ten Eltern ihrer Schwie­ger­toch­ter Hil­de­gard, ohne Pro­ble­me geneh­migt wur­de.[79] Dane­ben unter­stütz­te sie monat­lich mit 25 RM auch ihren Cou­sin Rapha­el Gerst­le, der in Mün­chen im dor­ti­gen jüdi­schen Alters­heim leb­te und – wie sie schrieb – „äußerst bedürf­tig“ sei.[80]

Judenhaus Bahnhofstr. 25, Wiesbaden, Juden
Aus dem Fra­ge­bo­gen für Aus­wan­de­rer, Ein­tra­gun­gen von Dora Hirsch­kind, Nov. 1941
HHStAW 519/​3 28371 (3)

Noch im Herbst 1941 ver­such­te Dora Hirsch­kind zusam­men mit Theo­bald und Lil­ly Hirsch­kind offen­bar noch ein­mal ihre eige­nen Aus­wan­de­rungs­plä­ne zu rea­li­sie­ren, zumin­dest bat sie im Okto­ber 1941 die Devi­sen­stel­le um die zusätz­li­che Frei­ga­be von 500 RM „zur Bezah­lung von Telegramm‑, Fahrt­kos­ten usw.“, die im Zusam­men­hang mit die­sem Vor­ha­ben ange­fal­len sei­en.[81] Auch den „Fra­ge­bo­gen für Aus­wan­de­rer“ hat­te sie am 11. Novem­ber 1941 noch an die Devi­sen­stel­le geschickt, dar­in umfas­send über ihr Ver­mö­gen, Ein­kom­men und ihre letz­ten Wohn­sit­ze Aus­kunft gege­ben. Als Ziel ihrer geplan­ten Aus­rei­se war Kuba ange­ge­ben, wo ihr Sohn inzwi­schen gestran­det war.[82] Wenn das Vor­ha­ben hät­te rea­li­siert wer­den kön­nen, dann wäre dabei ihr damals noch immer vor­han­de­nes Ver­mö­gen von 112.000 RM nahe­zu völ­lig auf­ge­braucht wor­den. Neben der Reichs­flucht­steu­er in der Höhe von fast 30.000 RM und der Jüdi­schen Aus­wan­de­rer­ab­ga­be von 22.000 RM, ist in der Kos­ten­zu­sam­men­stel­lung von Dora Hirsch­kind ein unglaub­lich hoher Betrag von 41.250 RM für die eigent­li­che Pas­sa­ge und den Trans­fer des Guts ein­ge­setzt. [83] Ver­mut­lich waren die Kos­ten für eine sol­che Über­fahrt durch die Risi­ken, die der See­krieg im Atlan­tik ver­ur­sach­te, inzwi­schen so hor­rend ange­stie­gen. Aber auch die­ser Ver­such, dem Tod in einem der deut­schen Ver­nich­tungs­la­ger zu ent­kom­men, schei­ter­te. Am 27. Febru­ar 1942 wur­de ihr erneut mit­ge­teilt, dass „die Aus­wan­de­rung in abseh­ba­rer Zeit nicht mög­lich“ sei.[84]

Dora Hirschkind
Ein­wei­sung in das Juden­haus Bahn­hofstr. 25 HHStAW 685 302

Bis zu die­sem Zeit­punkt war Dora Hirsch­kind noch nicht gezwun­gen wor­den, in einem der inzwi­schen ein­ge­rich­te­ten Juden­häu­ser zu leben. Am 10. Okto­ber 1939 war sie aus der Woh­nung ihrer Schwes­ter in der Wil­hel­mi­nen­stra­ße aus­ge­zo­gen und hat­te sich in der Pen­si­on am Neu­berg 4 ein­ge­mie­tet, die von der Jüdin Ste­pha­nie Rabi­no­wicz geführt wur­de. Es war ein frei­wil­li­ger Umzug, der auch nur dazu die­nen soll­te, den Win­ter zu über­brü­cken. Sie plan­te eigent­lich, im Febru­ar oder März wie­der zurück in die Woh­nung ihrer Schwes­ter zu zie­hen. Statt­des­sen nahm sie aber – so mel­de­te sie am 5. März 1941 dem Finanz­amt – „mit Geneh­mi­gung des Städt. Woh­nungs­am­tes“ eine Unter­kunft in einer ande­ren, in der Son­nen­ber­ger Str. 42 gele­ge­nen Pen­si­on.[85] Die For­mu­lie­rung legt nahe, dass es sich hier­bei um einen geneh­mig­ten, aber nicht erzwun­ge­nen Umzug han­del­te. Anders scheint es aber beim fol­gen­den Woh­nungs­wech­sel gewe­sen zu sein, den sie eben­falls dem Finanz­amt Wies­ba­den mel­de­te. Am 9. April 1942 teilt sie mit, dass sie ihre Woh­nung in die Bahn­hofstr. 25 „ver­legt“ habe – auch hier lässt die For­mu­lie­rung den Grund noch offen. Mit rotem Stift hat aber der Sach­be­ar­bei­ter im Finanz­amt dar­un­ter das Wort „Über­wei­sung“ geschrie­ben, ein deut­li­cher Hin­weis auf die Zwangs­ein­wei­sung in das dor­ti­ge Juden­haus.[86]

Wo sie dort ein Zim­mer erhielt, ist nicht bekannt. In jedem Fall konn­te sie nur einen klei­nen Teil ihrer Möbel mit­neh­men. Die übri­gen wur­den bei der Fir­ma Ret­ten­may­er unter­ge­stellt, wo ver­mut­lich auch spä­ter nach der Depor­ta­ti­on die­je­ni­gen lan­de­ten, für die es in der klei­nen Behau­sung noch Platz gege­ben hat­te. Eine genaue Lis­te, die die Spe­di­ti­on nach dem Krieg vor­leg­te, gibt Aus­kunft über den Umfang des ein­ge­la­ger­ten Gutes, das am 3. Sep­tem­ber 1942 von der Fir­ma dem Finanz­amt über­ge­ben und anschlie­ßend zur Freu­de der Wies­ba­de­ner Bevöl­ke­rung ver­stei­gert wur­de.[87]

Deportationen Frankkfurt, Hedwig Loeb, Dora Hirschbrand, Judenhaus Wiesbaden
Die Groß­markt­hal­le in Frank­furt — Ort der orga­ni­sier­ten “Juden­eva­ku­ie­rung“
HHStAW 461 30983 (160)

Dora Hirsch­kind wohn­te genau ein Vier­tel­jahr im Juden­haus in der Bahn­hof­stra­ße. Zuletzt hat­te sie noch Besuch von Gus­tel Bomeisl, der Tan­te ihrer Schwie­ger­toch­ter Hil­de­gard. Sie war noch ein­mal nach Wies­ba­den gekom­men, um sich per­sön­lich von ihr zu ver­ab­schie­den.[88] Dora Hirsch­kind muss zu die­sem Zeit­punkt dem­nach bereits von dem anste­hen­den Depor­ta­ti­ons­ter­min gewusst haben. Sie war die ein­zi­ge, die aus dem Juden­haus Bahn­hofstr. 25 auf der Lis­te für den Trans­port am 10. Juni 1942 stand. Am Mor­gen des 11. Juni kamen die etwa 380 Wies­ba­de­ner Juden mit dem Zug in Frank­furt an. Vom Bahn­hof wur­den sie in einer Kolon­ne durch die Stadt zur Groß­markt­hal­le geführt, wo auch die aus sons­ti­gen hes­si­schen Städ­ten und Gemein­den aus­ge­wähl­ten Juden ver­sam­melt wur­den. Mehr als 1250 Men­schen bestie­gen noch an die­sem Tag den Zug mit der Num­mer „Da 18“, der sie nach Lub­lin brin­gen soll­te. Dora Hirsch­kind gehör­te mit Sicher­heit nicht zu den etwa 200, die dort zum Arbeits­ein­satz in das Lager Maj­da­nek geschickt wur­den. Sie gehör­te zur gro­ßen Grup­pe, die wei­ter nach Sobi­bor ver­bracht wurde.

Sobibor
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Über das wei­te­re Pro­ze­de­re nach Ankunft im dor­ti­gen Ver­nich­tungs­la­ger lie­fert Wie­nert eine knap­pe Beschreibung:
„Die Depor­ta­ti­ons­zü­ge hiel­ten zunächst an der Bahn­sta­ti­on in Sobi­bor. Von dort konn­ten 18 bis 20 Wag­gons gleich­zei­tig ins Lager gefah­ren wer­den, bei grö­ße­ren Trans­por­ten wur­de der Zug in zwei oder drei Ein­hei­ten geteilt. (…) Nach­dem ein Zug an der Ram­pe im Lager­in­ne­ren ange­kom­men war, wur­den die Depor­tier­ten aus den Wag­gons ins Lager II getrie­ben. Dort muss­ten sie sich im Frei­en ent­klei­den und ihre Wert­sa­chen an einer ‚Kas­se’ abge­ben, die sich im Erd­ge­schoss des ehe­ma­li­gen Forst­hau­ses, der Lager­ver­wal­tung, befand. Sämt­li­ches Gepäck der Opfer kam in Maga­zi­ne gegen­über dem Forst­haus, wur­de dort von Gefan­ge­nen durch­sucht, sor­tiert und nach Anwei­sung der SS zum Abtrans­port für eine wei­te­re Ver­wer­tung vor­be­rei­tet. Schrift­stü­cke und per­sön­li­che Doku­men­te der Opfer wur­den verbrannt.
Alten Men­schen, Kran­ken, Gebrech­li­chen und Inva­li­den, die nicht selbst­stän­dig lau­fen konn­ten, sowie Kin­dern ohne Beglei­tung wur­de bei ihrer Ankunft mit­ge­teilt, dass sie in ein ‚Laza­rett’ kämen. Mit Fuhr­wer­ken brach­te man sie dann ent­we­der zu den Mas­sen­grä­bern im Lager III oder zu einer Gru­be öst­lich davon im Wald und erschoss sie. Die Erschie­ßungs­gru­be war neben einer klei­nen Holz­ka­pel­le aus­ge­ho­ben wor­den, die sich bereits vor der Errich­tung des Lagers dort befand.
Die übri­gen Depor­tier­ten wur­den, nach­dem sie sich im Lager II ent­klei­det hat­ten, von dort aus von Traw­ni­ki-Män­ner
[89]n und unter Auf­sicht, zum Teil auch Betei­li­gung ein­zel­ner SS-Män­ner durch den erwähn­ten ‚Schlauch’ zu den Gas­kam­mern getrie­ben. In der Regel geschah dies nach Geschlech­tern getrennt, Kin­der gin­gen mit den Frauen.
Anders als in Bel­zec wur­de in Sobi­bor für die Gas­kam­mern kein Holz­haus, son­dern ein Zie­gel­ge­bäu­de mit Beton­fun­da­ment errich­tet. In dem Gebäu­de befan­den sich drei Kam­mern mit einer qua­dra­ti­schen Grund­flä­che von jeweils 16 Qua­drat­me­tern, jede der Kam­mern war durch eine eige­ne Tür von der Außen­sei­te zugäng­lich. Der Zutritt zu den Gas­kam­mern erfolg­te nicht eben­erdig, son­dern über eine Art Veran­da, die sich ent­lang des Gebäu­des erstreck­te. Auf des­sen Rück­sei­te befan­den sich eben­falls Türen, durch die die Lei­chen aus den Kam­mern gezo­gen wur­den. Bis zu 200 Men­schen wur­den bei einem Tötungs­vor­gang in die drei Kam­mern gesperrt. In einem Schup­pen neben dem Gebäu­de stand der Motor, des­sen Abga­se über Rohr­lei­tun­gen in die Gas­kam­mern gelei­tet wur­den, sodass die Opfer an den Abga­sen erstick­ten. Dies dau­er­te etwa 20–30 Minu­ten. Danach muss­ten jüdi­sche Gefan­ge­ne die Lei­chen aus den Kam­mern zie­hen und zu den Mas­sen­grä­bern trans­por­tie­ren. Im Zuge des Lager­aus­baus scheint dazu spä­ter eine Loren­bahn ange­legt wor­den zu sein.“
[90]

Von der Ankunft im Lager bis zur Besei­ti­gung der Lei­chen ver­gin­gen bei 600 Opfern maxi­mal drei Stun­den. Als wei­te­re Gas­kam­mern errich­tet wur­den, konn­ten im glei­chen Zeit­raum bis zu 1200 ermor­det werden.

Wann Dora Hirsch­kind Opfer die­ses bes­tia­li­schen und indus­tri­el­len Mas­sen­mords wur­de, ist nicht bekannt. Am 31. Janu­ar 1949 wur­de sie durch Beschluss des Amts­ge­richts Wies­ba­den mit dem Datum 8. Mai 1945 für tot erklärt.[91]

Fünf Tage nach ihrer Depor­ta­ti­on ver­füg­te das Finanz­amt Wies­ba­den auf Basis der ent­spre­chen­den Gesta­po-Mit­tei­lung den Ver­mö­gens­ver­fall auf­grund der Elf­ten Ver­ord­nung zum Reichs­bür­ger­ge­setz vom 25. Novem­ber 1941. Damit auch die­ser letz­te Raub ord­nungs­ge­mäß ver­bucht wer­den konn­te, wur­de zunächst noch die Reichs­flucht­steu­er von 29.091 RM abge­zo­gen.[92] Sie war zyni­scher­wei­se in dem Moment fäl­lig gewor­den, als der Depor­ta­ti­ons­zug die Gren­ze des Deut­schen Reichs über­fah­ren hatte.

 

Lil­ly und Theo­bald Hirsch­kind konn­ten noch ein wei­te­res Vier­tel­jahr in Wies­ba­den aus­har­ren, bevor auch sie „eva­ku­iert“ wur­den. Seit August 1934 bewohn­ten sie den ers­ten Stock in der Wil­hel­mi­nen­str. 42, in bes­ter Vil­len­la­ge im Nerotal..

Auch sie wur­den nach dem Novem­ber­po­grom vom hie­si­gen Finanz­amt zur „Süh­ne­leis­tung“ her­an­ge­zo­gen. Als Ver­mö­gen von Theo­bald Hirsch­kind wur­den 313.000 RM ermit­telt, was zunächst eine Son­der­ab­ga­be von 62.650 RM in vier Raten à 15.650 RM bedeu­tet hät­te. Mit der fünf­ten Rate waren es dann 78.250 RM die allei­ne er zu zah­len hat­te. Lil­ly Hirsch­kind wur­de geson­dert ver­an­lagt. Ihr wur­den ins­ge­samt 68.500 RM genom­men, sodass das Ehe­paar ins­ge­samt 146.750 RM als Son­der­steu­er zu zah­len hat­te.[93] Trotz oder auch wegen die­ses gewal­ti­gen Kapi­tal­schwunds began­nen sie mit den Vor­be­rei­tun­gen ihrer Aus­wan­de­rung. Wie Dora erwar­ben auch sie im Som­mer 1939 im hol­län­di­schen Hemm­s­teden ein Vil­len­grund­stück, für das sie wei­te­re 86.000 RM zu zah­len hat­ten.[94] Eine Woche vor Kriegs­aus­bruch erhiel­ten sie die Mit­tei­lung über die zu leis­ten­de Reichs­flucht­steu­er. Sie war bei dem vor­han­de­nen gemein­sa­men Ver­mö­gen von 600.000 RM auf einen Betrag von 150.000 RM fest­ge­setzt wor­den.[95] Auch bei ihnen ver­hin­der­ten der deut­sche Über­fall auf Polen und im fol­gen­den Jahr der Ein­marsch in die west­lich gele­ge­nen Nach­bar­staa­ten die Flucht.

Theo Hirschkind Lilly Hirschkind
Das Schei­tern der Aus­wan­de­rungs­plä­ne
HHStAW 519–3 28381 (7)

Zusam­men mit der Schwes­ter bzw. Schwä­ge­rin ver­such­ten Theo­bald und Lil­ly Hirsch­kind im Okto­ber 1941 noch ein­mal, aus Deutsch­land her­aus­zu­kom­men. Auch sie gaben als Rei­se­ziel statt des ursprüng­li­chen Ziels Hol­land, jetzt Kuba an. Von ihrem in einem Wert­pa­pier­de­pot ange­leg­ten Ver­mö­gen von nomi­nal 415.000 RM wären durch die für die Aus­wan­de­rung anfal­len­den Kos­ten noch etwas mehr als 100.000 RM übrig geblie­ben. Rund 200.000 RM wären für die Reichs­flucht­steu­er und die Jüdi­sche Aus­wan­de­rer­ab­ga­be ange­fal­len, 82.000 RM für die Über­fahrt.[96] Zwar wur­de die bean­trag­te steu­er­li­che Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung erteilt, sicher das gerings­te Hin­der­nis, aber der Weg aus Deutsch­land her­aus war inzwi­schen ver­sperrt. Das wur­de auch ihnen am 27. Febru­ar 1942 mit­ge­teilt.[97]

Hirschkind, Dora
Das Juden­haus in der Albrecht­str. 13
Eige­ne Aufnahme

Zu die­ser Zeit hat­ten sie ihre schö­ne Woh­nung in der Wil­hel­mi­nen­stra­ße schon ver­las­sen – bzw. ver­las­sen müs­sen. Zwar gibt es dafür kei­nen schrift­li­chen Beleg, aber die gesam­ten Umstän­de las­sen dar­auf schlie­ßen, dass ihre neue Adres­se in der Albrecht­str. 13 auf einer Zwangs­ein­wei­sung beruh­te. In dem dort ein­ge­rich­te­ten Juden­haus hat­ten sie eine Unter­kunft im Ober­ge­schoss erhal­ten.[98] Über die Grö­ße der dor­ti­gen Woh­nung oder auch nur Zim­mer lie­gen kei­ne Infor­ma­tio­nen vor, aber es han­del­te sich immer noch um die ehe­ma­li­ge Bel­eta­ge des Hau­ses. Am 24. Mai 1941 waren sie dort ein‑, am 8. Okto­ber des glei­chen Jah­res wie­der aus­ge­zo­gen.[99] Die Grün­de für die­sen erneu­ten Umzug sind nicht bekannt. Eine Ver­bes­se­rung wird er kaum gebracht haben, denn in dem Juden­haus in der Lortzingstr. 7, ihrer neu­en Adres­se, hat­ten sie zu zweit nur noch einen Raum zur Ver­fü­gung.[100] Sie leb­ten hier zusam­men mit dem Ehe­paar Sieg­fried und Jen­ny Selig­mann, die selbst zwei Zim­mer bewoh­nen durf­ten.[101] In jedem Fall wird es sich um sehr beeng­te Ver­hält­nis­se gehan­delt haben. Das Mobi­li­ar, mit dem die Vil­len­woh­nung zuvor ver­mut­lich reich aus­ge­stat­tet war, war nach Anga­ben des Rechts­an­walts im spä­te­ren Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren zum größ­ten Teil schon wäh­rend der Reichs­po­grom­nacht zer­stört wor­den, den Rest hat­ten sie bei ihrer Depor­ta­ti­on zurück­las­sen müs­sen.[102]

Lil­ly und Theo­bald gehör­ten zu der gro­ßen Grup­pe Wies­ba­de­ner Juden, die am 1. Sep­tem­ber 1942 nach The­re­si­en­stadt depor­tiert wur­den. Lil­ly und Theo­bald gehör­ten zu der gro­ßen Grup­pe Wies­ba­de­ner Juden, die am 1. Sep­tem­ber 1942 nach The­re­si­en­stadt depor­tiert wur­den. Auf drei, kurz hin­ter­ein­an­der geschos­se­nen Fotos an der Vieh­ver­la­de­ram­pe des Wies­ba­de­ner Bahn­hofs sind Lil­ly und Theo­bald Hirsch­kind noch ein­mal zu sehen. Sie, mit zwei Taschen bepackt, das ver­pflich­ten­de Umhän­ge­schild um den Hals, hat auf allen drei Bil­dern ihre Hal­tung kaum ver­än­dert. Auf zwei der Bil­der steht ihr wesent­lich grö­ße­rer Mann Theo­bald, beklei­det mit Hut und Win­ter­ja­ckett, hin­ter bzw. neben ihr. Der ande­re gro­ße Mann rechts, ohne Hut, ein Ange­hö­ri­ger der Sicher­heits­po­li­zei, erteilt Anwei­sun­gen. Es sind die letz­ten Bil­der der bei­den auf ihrem Weg in den Tod.

Die letz­ten Bil­der von Lil­ly und Theo­bald Hirschkind
Wer die Fotos damals gemacht hat­te, ist bis heu­te noch nicht mit letz­ter Sicher­heit geklärt. Sie befin­den sich in der ‘Samm­lung Rudolph’ im HHStAW 3008 /​ 2

Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25
Todes­fall­an­zei­ge Theo­bald Hirsch­kind aus The­re­si­en­stadt
https://​ca​.jewish​mu​se​um​.cz/​m​e​d​i​a​/​z​m​a​r​c​h​/​i​m​a​g​e​s​/​4​/​4​/​6​/​2​9​9​7​_​c​a​_​o​b​j​e​c​t​_​r​e​p​r​e​s​e​n​t​a​t​i​o​n​s​_​m​e​d​i​a​_​4​4​6​5​8​_​l​a​r​g​e​.​jpg

Nach­dem die Wies­ba­de­ner Juden in Frank­furt ange­kom­men waren, zogen sie in einer Kolon­ne vom Haupt­bahn­hof ent­lang des Mains zur Groß­markt­hal­le. Den Alten und Geh­be­hin­der­ten war erlaubt wor­den, unter Bewa­chung der Poli­zei die Stra­ßen­bahn zu benut­zen, denn noch am sel­ben Tag soll­te der Trans­port mit der Num­mer XII/​2 nach The­re­si­en­stadt auf­bre­chen. Im Haus 302 war ihnen das Zim­mer 110 zuge­teilt wor­den. Nach ihrer Ankunft konn­ten Hirsch­kinds den Kon­takt zu Bomeisls noch auf­recht­erhal­ten. Sie schick­ten den Inter­nier­ten noch eine gewis­se Zeit „Lie­bes­pa­ke­te“, deren Emp­fang auch immer bestä­tigt wor­den sei. Die letz­te Nach­richt, die sie erhiel­ten, kam Ende März 1943. In die­sem Brief teil­te Lil­ly ihren Ver­wand­ten den Tod von Theo­bald mit, der am 3. März im Lager an einer Lun­gen­ent­zün­dung ver­stor­ben war.[103]

Lil­ly Hirsch­kind wur­de etwa ein Jahr spä­ter, am 15. Mai 1944, mit einem Trans­port von 2503 Men­schen in das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz über­führt. Die dama­li­gen drei Trans­por­te vom 15., 16. und 18. Mai hat­ten das Ziel, The­re­si­en­stadt für die anste­hen­de Inspek­ti­on des Roten Kreu­zes ein wenig zu “ent­völ­kern”, um so die Inspek­to­ren über die wah­ren Zustän­de dort im Unkla­ren zu las­sen. Ein Teil der 7500 damals Depor­tier­ten kam in ande­re Arbeits­la­ger, man­chen gelang es sogar zu über­le­ben. Zwar ist im Gedenk­buch des Bun­des­ar­chivs Koblenz der Todes­tag von Lil­ly Hirsch­kind, ver­se­hen mit der Gefan­ge­nen­num­mer 1672, mit dem Tag des Trans­ports, also dem 15. Mai, ange­ge­ben, aber ob sie tat­säch­lich unmit­tel­bar nach der Ankunft ermor­det wur­de, ist kei­nes­wegs sicher. Laut Czech wur­den alle Insas­sen des Trans­ports in das Fami­li­en­la­ger BIIb in Bir­ken­au und nicht sofort in die Gas­kam­mern gebracht.[104]

 

Nach dem Krieg war es zu einem Ver­gleich zwi­schen den ehe­ma­li­gen Mit­glie­dern der Eigen­tü­mer­fa­mi­lie der Näh­sei­den­fa­brik und Rein­hold Lutz, der nach eige­nem und auch nach Bekun­den über­le­ben­der Hirsch­kind-Fami­li­en­mit­glie­der die Fir­ma über all die Jah­re „treu­hän­de­risch“ wei­ter­ge­führt hat­te,[105] gekom­men. Es han­del­te sich dabei um kei­nen Ver­gleich, der einen Kom­pro­miss zwi­schen gegen­sätz­li­chen Inter­es­sen dar­stell­te, son­dern um einen, der an das ver­trau­ens­vol­le Ver­hält­nis aus frü­he­ren Jah­ren anknüpf­te. Die jüdi­schen Fami­li­en­mit­glie­der hat­ten sogar Rein­hold Lutz Gene­ral­voll­macht erteilt, damit er, das ein­zi­ge noch in Deutsch­land leben­de ehe­ma­li­ge Fami­li­en­mit­glied, die Inter­es­sen der übri­gen gegen­über dem deut­schen Staat als Rechts­nach­fol­ger des NS-Regimes wahr­neh­men konn­te.[106] Das heu­te noch akti­ve Unter­neh­men mit Sitz in Ans­bach hat den Namen sei­nes jüdi­schen Grün­ders nicht ver­ges­sen und fir­miert heu­te — wie­der  erfolg­reich als ‚Edu­ard Kup­fer – Näh­sei­den Ver­triebs Gmbh & Co. KG’ in Ans­bach und noch immer ist die Geschäfts­adres­se die Tri­es­dor­fer Str. 15.[107]

Ver­öf­fent­licht: 02. 12. 2018

Letz­te Revi­si­on: 21. 03. 2021

 

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Anmer­kun­gen:

 

[1] Zur wech­sel­haf­ten Geschich­te der Bai­er­s­dor­fer Juden sie­he Schnee­ber­ger, Micha­el, Jüdi­sche Land­ge­mein­den in Bay­ern (22): Bai­er­s­dorf – Mer­kas haJeu­dim. Über die Geschich­te der Juden in Bai­er­s­dorf, in: Jüdi­sches Leben in Bay­ern, Mit­tei­lungs­blatt des Lan­des­ver­ban­des der Israe­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­den in Bay­ern 23, Nr. 108, Mün­chen 2008, S. 27–36. Ein­mal kam es Anfang des 17. Jahr­hun­derts sogar dazu, dass der Mark­graf von Bran­den­burg-Kulm­bach-Bay­reuth die Juden sei­nes Ter­ri­to­ri­ums sei­ner Frau Maria zum Geschenk mach­te; ein wohl eher außer­ge­wöhn­li­cher Vor­gang, der es ihm aber wegen eige­ner peku­niä­rer Inter­es­sen ermög­lich­te, die For­de­rung des Land­tags und der christ­li­chen Händ­ler, die „schlimms­ten Fein­de der gan­zen Chris­ten­heit“ aus dem Land zu ver­trei­ben, zu umge­hen. Ebd. S. 28 f.

[2] http://​www​.ale​man​nia​-judai​ca​.de/​b​a​i​e​r​s​d​o​r​f​_​s​y​n​a​g​o​g​e​.​htm. (Zugriff: 9.11.2018). Sie­he auch The Histo­ry of Jews of Bai­er­s­dorf in der digi­ta­len Samm­lung des Leo-Baeck-Insti­tuts: http://digital.cjh.org/view/action/singleViewer.do?dvs=1542037254548~233&locale=de&VIEWER_URL=/view/action/singleViewer.do?&DELIVERY_RULE_ID=6&frameId=1&usePid1=true&usePid2=true. (Zugriff: 9.11.2018). Eben­so die umfas­sen­de Auf­ar­bei­tung der jüdi­schen Geschich­te von Bai­er­s­dorf von Gemein­hardt, Horst, Bai­er­s­dor­fer Wur­zel­werk – Spu­ren­su­che zur jüdi­schen Geschich­te Bai­er­s­dorfs, Bai­er­s­dorf 2014, 2. Aufl., hier i.B. S. 20 f. Zur reli­giö­sen Struk­tur der Stadt sie­he ebd. S. 17. Erst 1885 wuchs die Zahl der Katho­li­ken in der evan­ge­lisch domi­nier­ten Gemein­de über die der Juden hinaus.

[3] Phil­ipp Hirsch­kind, gebo­ren am 3.8.1851, gestor­ben am 12.5.1926, ist auf dem jüdi­schen Fried­hof in Bai­er­s­dorf begra­ben. Auf die­sem sehr alten, inner­halb der frü­he­ren Stadt­mau­er gele­ge­nen Fried­hof befin­den sich die letz­ten Ruhe­stät­ten der Juden aus der gesam­ten Regi­on. Auch die­ser Fried­hof wur­de von den Natio­nal­so­zia­lis­ten geschän­det, die alten Grab­stei­ne wur­den her­aus­ge­ris­sen und von den übri­gen Bür­gern zur Pflas­te­rung ihrer Höfe ver­wen­det. Nicht nur soll­te der Fried­hof als ‚Guter Ort’, als geweih­te Stät­te, geschän­det wer­den, man woll­te auch auf den Toten noch her­um­tram­peln, sie mit Füßen tre­ten. Nach dem Krieg zwan­gen die Ame­ri­ka­ner die Bewoh­ner, den Fried­hof wie­der her­zu­rich­ten. Der Grab­stein von Phil­ipp Hirsch­kind gehört zu den noch sehr gut erhal­te­nen. Sie­he zum jüdi­schen Fried­hof von Bai­er­s­dorf. http://​www​.ale​man​nia​-judai​ca​.de/​b​a​i​e​r​s​d​o​r​f​_​f​r​i​e​d​h​o​f​.​htm (Zugriff: 9.11.2018) und Gemein­hardt, Bai­er­s­dor­fer Wur­zel­werk, S. 51–71.

[4] Er emi­grier­te 1935 nach Frank­reich. Über die­se Zeit gibt es nur sehr vage Infor­ma­tio­nen, er war wohl zeit­wei­se inter­niert, mög­li­cher­wei­se auch als dienst­wil­li­ger Aus­län­der in der fran­zö­si­schen Kriegs­wirt­schaft im unbe­setz­ten Teil Frank­reichs ein­ge­setzt. Am 26.9.1946 ist er im Alter von nur 56 Jah­ren in Mühl­hau­sen ver­stor­ben. Sei­ne Frau ist 1947 in die USA aus­ge­wan­dert. Sie­he Gemein­hardt, Bai­er­s­dor­fer Wur­zel­werk, S. 39–42, auch http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20349/Baiersdorf%20Gemeinhardt%20Rede%20Kohn.pdf. (Zugriff: 9.11.2018). Nach GENI hat­ten Phil­ipp Hirsch­kind und sei­ne Frau Julie, gebo­re­ne Was­ser­mann, noch drei wei­te­re Kin­der: Wil­helm, Marie und Anna. Sie­he https://​www​.geni​.com/​f​a​m​i​l​y​-​t​r​e​e​/​i​n​d​e​x​/​6​0​0​0​0​0​0​0​0​2​3​2​2​5​8​1​412. (Zugriff: 9.11.2018).

[5] Gemein­hardt, Horst, Zur gesell­schaft­li­chen Stel­lung der Juden in Bai­er­s­dorf um die Jahr­hun­dert­wen­de, in: Aus der jüdi­schen Geschich­te Bai­er­s­dorfs, hg. Trä­ger­ver­ein Jüdi­sches Regio­nal­mu­se­um Mit­tel­fran­ken und Fürth und Schneittach e.V., 1992, S. 80 ff. Gemein­hardt hat in sei­nem Fest­vor­trag zum 150. Jubi­lä­um der Bai­er­s­dor­fer Feu­er­wehr geäu­ßert, dass es sich bei den Genann­ten um drei Brü­der han­delt. Sie­he https://​www​.infran​ken​.de/​r​e​g​i​o​n​a​l​/​f​o​r​c​h​h​e​i​m​/​b​a​i​e​r​s​d​o​r​f​e​r​-​w​e​h​r​-​f​e​i​e​r​t​-​1​5​0​-​j​a​e​h​r​i​g​e​s​-​b​e​s​t​e​h​e​n​;​a​r​t​2​1​6​,​3​3​7​4​339. (Zugriff: 9.11.2018). Lou­is und Laza­rus Hirsch­kind müs­sen aber iden­ti­sche Per­so­nen gewe­sen sein. Sie­he dazu Anm. 13.

[6] Nach Aus­kunft von Dr. Hüb­schmann, „Jüdi­sche Ans­ba­cher der 1930er Jah­re“, kom­pi­lier­te Daten, Infor­ma­tio­nen und For­schungs­er­geb­nis­se. Ab 2005 lau­fend ergänzt und über­ar­bei­tet von Ekke­hard Hüb­schmann, Harsdorf/​Oberfranken, Ver­si­on 29.11.2018 (Unpubl. Maschi­nen­skript) sind die Namen in der Ent­schä­di­gungs­ak­te Bava­ria Näh­sei­den­fa­brik genannt; aller­dings ohne Anga­be der Geburts­da­ten, sodass eine Iden­ti­fi­zie­rung ein­zel­ner Per­so­nen nur unter Vor­be­halt vor­ge­nom­men wer­den kann.

[7] Dr. med. Adolf God­lew­sky war am 24.1.1874 in Szednik in Litau­en gebo­ren wor­den. HHStAW 519/​3 15229 (34).

[8] Ebd. (5–29, 45).

[9] Ebd. (35).

[10] Ebd. (40 f.). Es han­del­te sich weit­ge­hend um Bestecke, die eben­falls detail­liert in einer Lis­te auf­ge­führt wur­den (43).

[11] Ebd. (48).

[12] Über den Sohn gibt es kei­ne  wei­te­ren Infor­ma­tio­nen. Die Anga­ben zur Aus­wan­de­rung von Albert Hirsch­kind stam­men aus fami​ly​se​arch​.com. Sie wur­den mir freund­li­cher­wei­se zur Ver­fü­gung gestellt von Hüb­schmann, Ekke­hard, „Jüdi­sche Ans­ba­cher der 1930er Jah­re“, Kom­pi­lier­te Daten, Infor­ma­tio­nen und For­schungs­er­geb­nis­se. Ab 2005 lau­fend ergänzt und über­ar­bei­tet von Ekke­hard Hüb­schmann, Harsdorf/​Oberfranken, contact@geepeetee. Ver­si­on vom 29.11.2018. Unpubl. Maschinenskript.

[13] Nach Strätz, Würz­bur­ger Juden, S. 67, war die am 27.2.1888 in Würz­burg gebo­re­ne Augus­te Baer die Toch­ter des Landprodukten‑, Zigar­ren- und Kaf­fee­händ­lers Her­mann Baer und sei­ner Frau Rosa, gebo­re­ne Boden­hei­mer. Strätz schreibt, dass die Ehe der Toch­ter mit dem am 25.3.1876 in Bai­er­s­dorf gebo­re­nen Richard Hirsch­kind im Jahr 1913 in Würz­burg geschlos­sen wur­de. Er gibt aller­dings als Namen der Eltern des Ehe­manns Lou­is Hirsch­kind, Kauf­mann in Bai­er­s­dorf, und Mina, gebo­re­ne Geist­ler aus Nürn­berg, an. Ein Lou­is Hirsch­kind war von Gemein­hardt als Bru­der von Laza­rus und Phil­ipp Hirsch­kind genannt wor­den. Es ist aller­dings sicher, dass Lou­is und Laza­rus iden­ti­sche Per­so­nen sind, Lou­is nur der Ruf­na­me von Laza­rus war und aus Mina Gerst­le durch einen Lese- oder Schreib­feh­ler Mina Geist­ler wurde.

[14] Aus den Unter­la­gen zur Aus­wan­de­rung geht her­vor, dass die Fami­lie sich eigent­lich in Dort­mund nie­der­ge­las­sen hat­te, Wies­ba­den wohl nur für einen eher kur­zen Zeit­raum vor der Emi­gra­ti­on auf­ge­sucht hat­te. Die Anga­ben zur Aus­wan­de­rung der Fami­lie von Richard Hirsch­kind stam­men aus fami​ly​se​arch​.com. Sie wur­den mir freund­li­cher­wei­se zur Ver­fü­gung gestellt von Hüb­schmann, Jüdi­sche Ansbacher.

[15] https://www.ancestry.com/interactive/2442/m‑t0627-02670–00300/15777505?backurl=https%3a%2f%2fwww.ancestry.com%2f1940-census%2fusa%2fNew-York%2fRichard-Hickin_k2lss&ssrc=&backlabel=Return. (Zugriff: 9.11.2018). In einem Ver­zeich­nis der Stu­die­ren­den der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Mün­chen aus dem Jahr 1894 ist ein Richard Hirsch­kind als Stu­dent in der mecha­nisch-tech­ni­schen Abtei­lung ein­ge­tra­gen, sie­he http://​media​tum​.ub​.tum​.de/​d​o​c​/​1​4​3​9​5​4​7​/​1​4​3​9​5​4​7​.​pdf. (Zugriff: 9.11.2018) und auch in der Daten­bank Jüdi­sches Unter­fran­ken ist der Beruf von Richard Hirsch­kind mit Inge­nieur ange­ge­ben. http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/Datenbank/detailsinclude.php?global=;search;24702;unscharf;;1;Hirschkind;Richard;;;;;;;;;;;;;alle;;;;;~ORDER~BY~name,vorname~;;;;;;1;111111111111111111;000_speziell_gesucht;ENDE;1~24702~. (Zugriff: 9.11.2018).

[16] Auch in Bam­berg gab es zwei Sei­den­fa­bri­ken mit dem Namen Kup­fer, zum einen „Kup­fer, Heß­lein und Co.“, zum ande­ren „Kup­fer & Moh­ren­witz“. Sie­he Gedenk­buch der jüdi­schen Bür­ger Bam­bergs, 2008, S. 49 und S. 195. Ver­mut­lich waren alle Kup­fer­schen Sei­ten­fa­bri­ken ver­wandt­schaft­lich mit­ein­an­der ver­bun­den. Die­ser Fra­ge konn­te im gege­be­nen Rah­men aber nicht wei­ter nach­ge­gan­gen wer­den. Zu klä­ren wäre auch, ob es bei der Fir­ma „Kup­fer & Moh­ren­witz“ eine Ver­bin­dung zu Abra­ham Moh­ren­witz gibt, der ein Bewoh­ner des Juden­hau­ses Adolfs­al­lee 30 in Wies­ba­den war. Auch sei­ne Fami­lie hat­te frän­ki­sche Wur­zeln. Sie­he dazu oben.

[17] http://​www​.ale​man​nia​-judai​ca​.de/​b​a​d​_​n​e​u​h​a​u​s​_​s​y​n​a​g​o​g​e​.​htm. (Zugriff: 9.11.2018).

[18] http://​www​.his​to​ri​sches​-unter​fran​ken​.uni​-wuerz​burg​.de/​j​u​f​/​D​a​t​e​n​b​a​n​k​/​d​e​t​a​i​l​s​i​n​c​l​u​d​e​.​p​h​p​?​g​l​o​b​a​l​=​;​s​e​a​r​c​h​;​2​5​879. (Zugriff: 9.11.2018).

[19] Die Geburts­da­ten von Edu­ard und Lina Kup­fer ver­dan­ke ich den Recher­chen von Hüb­schmann, Jüdi­sche Ansbacher.

[20] Geburts­ein­trag Stan­des­amt Burg­kunst­adt 45 /​ 1880.

[21] Geburts­ein­trag Stan­des­amt Burg­kunst­adt 44 /​ 1882. Die Schreib­wei­se von Lil­ly vari­iert in den ver­schie­de­nen Doku­men­ten, die hier ver­wen­de­te ent­spricht der des Geburtseintrags.

[22] Das Bild wur­de mir freund­li­cher­wei­se von Hüb­schmann, Jüdi­sche Ans­ba­cher zur Ver­fü­gung gestellt. Auf einem Brief­auf­kle­ber der Fir­ma aus einem nicht bekann­ten Jahr heißt es: „Edu­ard Kup­fer, Sei­den­ma­nu­fak­tur – Burg­kunst­adt“.

[23] Hei­rats­re­gis­ter Eyb 4 /​1900. Als Trau­zeu­ge ist neben Edu­ard Kup­fer ein in Gera wohn­haf­ter Otto Kup­fer im Alter von 47 Jah­ren notiert, drei Jah­re jün­ger als Edu­ard Kup­fer. Mög­li­cher­wei­se han­del­te es sich um einen Bruder.

[24] Hei­rats­re­gis­ter Ans­bach 32 /​ 1904.

[25] HHStAW 518 16442 (11) und HHStAW 469/​33 2206 (15).

[26] Es han­delt sich um die Häu­ser mit den Num­mern 15, 15a, 21 und 23, die alle auf einem zusam­men­hän­gen­den Grund­stück lagen. Der Ein­heits­wert der Häu­ser wur­de 1937 mit rund 35.000 RM taxiert, sie­he HHStAW 685 300 a (81), ihr Ver­kehrs­wert im fol­gen­den Jahr aber mit ins­ge­samt 77.500 RM bemes­sen, HHStAW 685 302 f (4).

[27] Bei­de ver­star­ben in Ans­bach, Edu­ard Kup­fer am 23.4.1918, Lina Kup­fer am 21.12.1925. Aus­kunft Herr Hüb­schmann bzw. HHStAW 685 302 c (10). Hugo Hirsch­kind ver­starb am 1.12.1930, Aus­kunft Stadt­ar­chiv Ans­bach vom 16.11.2018.

[28] Auch die Fir­ma E. Kup­fer Näh­sei­den­fa­brik war von der schwe­ren Wirt­schafts­kri­se erheb­lich betrof­fen. So schrieb Theo­bald Hirsch­kind am 28.2.1924 an das Finanz­amt Ans­bach: „Der voll­stän­di­ge Ver­fall der deut­schen Wäh­rung hat sowohl in geschäft­li­cher, als auch in pri­va­ter Hin­sicht unheil­ba­re Wun­den geschla­gen. Die letz­ten 3 Mona­te des Jah­res 1923 haben bei schlech­tes­ter Beschäf­ti­gung nicht die­je­ni­gen Geschäf­te gebracht, die not­wen­dig waren, Gehäl­ter und Löh­ne für die Ange­stell­ten und Arbei­ter auf­zu­brin­gen. Dane­ben waren auch gro­ße Steu­er­be­trä­ge abzu­füh­ren, die eben­falls aus der Sub­stanz bestrit­ten wer­den muss­ten. Fer­ner sind Akti­en, Pfand­brie­fe und vor allen Din­gen Staats­pa­pie­re fast wert­los gewor­den.“ HHStAW 685 302 b (1).

[29] Rein­hold Lutz war am 16.7.1894 gebo­ren wor­den. Den Hin­weis auf sei­ne Frei­kor­ps­ak­ti­vi­tä­ten gab sei­ne Frau Bea­te in einem Fra­ge­bo­gen im Jahr 1938, sie­he HHStAW 519/​3 15650 (19).

[30] Hil­de­gard, gebo­ren am 24.8.1911, hat­te mit Sofie Lui­se zumin­dest noch eine Schwes­ter. Die Eltern waren kaum weni­ger ver­mö­gend als die Hirsch­kinds. Sie besa­ßen nicht nur die Spie­le­fa­brik, son­dern auch das Haus­grund­stück, auf dem die Fabrik stand. Das Unter­neh­men im Wert von 330.000 RM wur­de bei einer „Zwangs­ver­äu­ße­rung“, sprich Ari­sie­rung, zum Preis von 220.000 RM ver­kauft und die Eigen­tü­mer emi­grier­ten am 17.8.1939 nach Hol­land, von wo sie nach ihrer Ver­haf­tung im Mai 1939 nach Sobi­bor depor­tiert und ermor­det wur­den. Ihr Nach­lass ver­fiel dem Deut­schen Reich. Sie­he HHStAW 518 16442 (1, 6, 8, 12) und https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php/Spielefabrik_L._Kleefeld_%26_Co. (Zugriff: 9.11.2018).

[31] HHStAW 518 16442 (43). Als letz­te Adres­se ist dort die Königs­wartstr. 54 ange­ge­ben, aller­dings müs­sen sie spä­ter wie­der zurück nach Ans­bach gegan­gen sein, denn von dort zogen sie am 24.12.1938 nach Wies­ba­den, ebd. (47).

[32] Sie­he den Ver­trag in Gän­ze HHStAW 685 302 c (1).

[33] Ebd. (o.P.).

[34] HHStAW 685 300 a (158).

[35] Fitz, Dia­na, Ans­bach unterm Haken­kreuz, Ans­bach 1994, S. 83. Sie­he hier auch die Aus­füh­run­gen zu den ver­schie­de­nen jüdi­schen Geschäfts­leu­ten der Stadt.

[36] Fitz, Ans­bach unterm Haken­kreuz, S. 86.

[37] Ebd. S. 93.

[38] HHStAW 685 302 a (77). Mit ihnen kam auch die jun­ge Köchin Rosa Wachin­ger, die aber ver­mut­lich nicht jüdi­schen Glau­bens war.

[39] RGBl I 1938 S. 1580.

[40] Fitz, Ans­bach unterm Haken­kreuz, S. 104. Zu den Ereig­nis­sen in der Vor­pha­se der Reichs­po­grom­nacht und in der Nacht selbst sie­he ebd. S. 96–116.

[41] Die Autorin gibt die Ereig­nis­se mit mehr als frag­wür­di­gen For­mu­lie­run­gen wie­der: „Man war anschei­nend doch so human, sie [die 15 nicht nach Nürn­berg Ver­brach­ten – K.F.] auf­grund ihres Alters nicht abtrans­por­tie­ren zu las­sen. Sie kamen am 14.11.1938 um 18 Uhr frei. Bei der ‚Depor­ta­ti­on’ nach Nürn­berg schien dem­nach nur Alter und Gesund­heits­zu­stand ein Kri­te­ri­um gewe­sen zu sein. Nicht etwa die Tat­sa­che, ob oder wie viel sich einer hat zu schul­den kom­men las­sen. Denn anhän­gen konn­te man ihnen im Gro­ßen und Gan­zen sowie­so nichts.“ Her­vor­he­bun­gen – K.F.

[42] HHStAW 685 300 a (38).

[43] Ebd. (59, 47). Theo­bald Hirsch­kind woll­te die Ver­lus­te, die durch den Ver­kauf der Antei­le ent­stan­den waren, steu­er­lich abset­zen. Dies wur­de ihm von einem Finanz­be­am­ten zunächst ver­wei­gert – „Die Ver­mö­gens­ein­bu­sen haben die Gesell­schaf­ter auf Grund der ergan­ge­nen Juden­ge­set­ze erlit­ten; sol­che Ver­lus­te sind vom Ein­kom­men nicht abzugs­fä­hig“ –, dann aber durch einen Ent­scheid des Ober­fi­nanz­prä­si­den­ten doch gewährt. Man wies dar­auf hin, dass „all­ge­mei­ne Grund­sät­ze des Steu­er­rechts“ durch die Juden­ge­set­ze nicht geän­dert wor­den sei­en. HHStAW 685 302 c (44, 47). Das galt selbst­ver­ständ­lich nur für die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze, da, wo aber spe­zi­fi­sche Steu­er­ge­set­ze für Juden geschaf­fen wor­den waren, hoben die­se die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze sehr wohl auf.

[44] HHStAW 685 302 b (41), c (47), f (10, 20), HHStAW 685 302 b (43).

[45] HHStAW 685 300 a (43). Ihr Wert war im sel­ben Jahr auf 77.500 RM geschätzt wor­den, HHStAW 685 302 f (4).

[46] HHStAW 685 300 a (40, 41, 42, 82).

[47] Ebd. (37) und HHStAW 685 302 b (66).

[48] HHStAW 685 300 a (44).

[49] Fitz, Ans­bach unterm Haken­kreuz, S. 110.

[50] Sie­he dazu den Bericht der Frän­ki­sche Lan­des­zei­tung vom 17.11.2008 über eine Stadt­füh­rung des His­to­ri­kers Dr. Hüb­schmann anläss­lich des Pogroms in Ans­bach vor 70 Jahren.

[51] 519/​3 15650 (20).

[52] HHStAW 469/​33 2206 (15).

[53] HHStAW 519/​3 15650 (1 f.) Es heißt hier: „Mit die­sem Ver­trag hat die Ehe­frau auf alle ihre Ansprü­che anläss­lich der Aus­ein­an­der­set­zung ver­zich­tet, woge­gen Sie [Rein­hold Lutz – K.F.] sich ver­pflich­tet haben, alle nach dem Gesamt­guts­teil der Ehe­frau betref­fen­den öffent­li­chen Ansprü­che sowie alle Kos­ten öffent­lich-recht­li­cher und pri­vat­recht­li­cher Natur zu über­neh­men, die durch die Aus­wan­de­rung der Ehe­frau bis zur Ankunft am Rei­se­ziel im Aus­lan­de erwach­sen.  Alle Gesamt­guts­ge­gen­stän­de, mit Aus­nah­me der zum per­sön­li­chen Gebrauch der Ehe­frau die­nen­den Gegen­stän­de, sind auf Sie als Allein­be­rech­tig­ten übertragen.“

[54] Ebd. (2).

[55] Ebd. (6). Die Lis­te der Gegen­stän­de ebd. (11 ff.). Inter­es­san­ter­wei­se hat­te man ihr neben einem Gold­ring und einer gol­de­nen Uhr zunächst alle Bücher, zumeist Lite­ra­tur, gestri­chen, aus­ge­nom­men Koch­buch und ein Eng­lisch­wör­ter­buch. Die Mit­nah­me der Bücher wur­de aller­dings spä­ter doch noch geneh­migt, sie­he ebd. (34–37).

[56] HHStAW 519/​3 15650 (32, 7 ff). Wie aus einem Brief ihres Bru­ders zu erfah­ren ist, hat­te sie tat­säch­lich eine Anstel­lung als Sekre­tä­rin gefun­den, sie­he unten.

[57] Die Anga­ben zu ihrer Aus­rei­se stam­men aus fami​ly​se​arch​.com. Sie wur­den mir freund­li­cher­wei­se zur Ver­fü­gung gestellt von Hüb­schmann, Jüdi­sche Ansbacher.

[58] HHStAW 518 16442 (47).

[59] Bonel­li, Char­lot­te, Exit Ber­lin: How one woman saved her fami­ly from Nazi Ger­ma­ny, New Haven, Lon­don 2014, S. 251–255. Der Brief war ursprüng­lich in deut­scher Spra­che ver­fasst, ist aber hier von der Autorin des Buches in Eng­lisch wiedergegeben.

[60] Im Mai 2019 wur­de in Meil­lon ein Kul­tur­zen­trum eröff­net, das den Namen Paul Mirat trägt und sein dama­li­ges Enga­ge­ment für die Flücht­lin­ge wür­digt. In einer von sei­nem Enkel Paul Mirat jun. eröff­ne­ten Aus­stel­lung wur­den Bil­der vom dama­li­gen Leben der dort Auf­ge­nom­me­nen gezeigt und erläu­tert. Paul Mirat jun. hat es sich zur Auf­ga­be gemacht, das Leben und die Leis­tun­gen sei­nes Groß­va­ters auf­zu­ar­bei­ten und zu ver­öf­fent­li­chen. Sie­he die Arti­kel in der Zei­tung La Répu­bli­que des Pyré­nées vom 19. und 20.5.2019. Im benach­bar­ten Pau war bereits frü­her ein Platz zu Ehren von Paul Mirat benannt wor­den. Die auf der Sei­te abge­bil­de­ten Doku­men­te und Bil­der kön­nen nicht mit Signa­tu­ren ange­ge­ben wer­den, da sie bis­her nicht kata­lo­gi­siert wur­den. Sie wur­den mir freund­li­cher­wei­se von Paul Mirat jun. und Micha­el Hick­ins zur Ver­fü­gung gestellt.

[61] Eini­ge sei­ner Gemäl­de kön­nen auf ent­spre­chen­den Sei­ten im Inter­net betrach­tet werden.

[62]  Als Beleg für die Bedeu­tung von Meil­lon für die in Frank­reich Inter­nier­ten sei­en hier nur zwei Tex­te zitiert. Bei dem ers­ten han­delt es sich um einen Ein­trag im „Gäs­te­buch“ von Paul Mirat, den mir sein Enkel, Paul Mirat, jun., über­mit­telt hat: „Ich ver­las­se Frank­reich, Frank­reich, in dem ich das schwers­te Jahr mei­nes Lebens ver­bracht habe. Frank­reich, aus den Erzäh­lun­gen mei­ner Eltern das Land, das Gott in sei­ner bes­ten Stun­de geschaf­fen haben muss. Unend­lich viel Leid ist mir und mei­nen Lei­dens­ge­nos­sen zuge­sto­ßen. Da end­lich kam ich in Ihr Haus, Herr Bür­ger­meis­ter, und lern­te Sie ken­nen. In Ihnen lern­te ich einen Men­schen ken­nen mit den bes­ten Eigen­schaf­ten, die nur ein Mann von gro­ßem For­mat auf­zu­wei­sen hat. Aber dar­über hin­aus bewie­sen sie ein Herz und Ver­ständ­nis für die Lage ver­trie­be­ner Men­schen, unschul­dig ins Elend gejagt, dass ich Sie nie ver­ges­sen wer­de. Durch Ihre Per­sön­lich­keit, Herr Bür­ger­meis­ter Mirat, wur­de mein Glau­be an die Fran­zo­sen wie­der erweckt und an eine Zukunft Frankreichs.
Haben Sie Dank für alle Güte und das Ver­ständ­nis. Bewah­ren Sie Ihre Hal­tung  und Ihr güti­ges Herz. Die Son­ne wird wie [für — K.F] uns sicher auch für Frank­reich wie­der scheinen.
Wenn das Schick­sal unse­re Wege wie­der mal kreu­zen lässt, wer­de ich mich sehr und Ihnen herz­lich die Hand drücken.
Mit bes­ten Emp­feh­lun­gen auch an Ihre wer­te Fami­lie und freund­li­chen Grüßen

Ihr erge­be­ner Wal­ter Jaffe“

Ein zwei­ter Text, ein Gedicht, auf das mich Micha­el Hick­ins, der Sohn von Max Hirsch­kind, auf­merk­sam mach­te, lässt auch die Ambi­va­lenz des Auf­ent­halts dort auf­schei­nen. Der Autor des Gedichts ist nicht bekannt:

Was ist Meillon?

 Was ist Meil­lon? Ein stil­ler klei­ner Flecken
Bei PAU im Depar­te­ment Bas­ses Pyrénées …
Und doch muss etwas mehr dahin­ter stecken,
Wenn ich in unserm Krei­se um mich seh.

 Was ist Meil­lon? Die Wunderrettungsplanke,
Die aus dem Gur­ser Kot­meer uns gebracht?
Das waer schon ein troest­li­cher Gedanke!
Doch wie – wenn sie mal auseinanderkracht?

 Was ist Meil­lon? Ein Stueck vom Gar­den Eden,
In dem ein jeder treibt, was ihm beliebt?
Ein Hun­ger­kur­ort, wo vom-Essen-Reden
Ersatz fuer nicht vor­han­de­ne Essen gibt?

 Was ist Meil­lon? Ein gros­ses Fragezeichen?
Ein Schluss­punkt hin­ter die Gefangenschaft?
Die Pau­se vor dem Sturm, vor neu­en Streichen?
Ein Ruhe­platz zur Samm­lung neu­er Kraft?

 Was ist Meil­lon? Ein Kampf um Hinternisse,
Ver­lor­ner Pos­ten und ver­lor­ne Zeit?
Ein Tram­po­lin zum Sprung ins Ungewisse?
Ein Selbst­schutz vor der grim­men Wirklichkeit?

 Was ist Meil­lon? Mit unser aller Leben
Ver­knuepft sich schick­sal­haft dies Bauernnest;
Es hat uns allen viel­leicht mehr zu geben,
Als heu­te sich erken­nen laesst.

 Was Meil­lon ist? Die Ant­wort zu entdecken
Glueckt jedem einst; er nickt dann wohl, beim Tee:
“Ja, ja Meil­lon, ein stil­ler, klei­ner Flecken
Bei PAU im Depar­te­ment Bas­ses Pyrénées.“

Meil­lon, 15.7.1941

https://​archi​ve​.org/​d​e​t​a​i​l​s​/​j​u​l​i​u​s​g​u​c​k​e​n​h​e​i​m​e​r​f​0​0​1​/​p​a​g​e​/n9. (Zugriff: 5.9.2019).

[63] Schrei­ben vom 16.1.1941.

[64] Schrei­ben vom 14.2.1941.

[65] Attest vom 22.7.1940.

[66] Schrei­ben 13.9.1941

[67] HHStAW 518 16442 (1, 7) und Frän­ki­sche Lan­des­zei­tung vom 26.9.2017.

[68] Micha­el Hick­ins hat im Som­mer 2019 die Orte sei­ner Vor­fah­ren in Ans­bach und Wies­ba­den besucht.

[69] HHStAW 685 300 a (105, 109, 115, 116). Die benö­tig­ten Beschei­ni­gun­gen wur­den erteilt.

[70] Ebd. (122 f.).

[71] Ebd.

[72] HHStAW 685 300 b (o.P.).

[73] HHStAW 685 300 (83).

[74] HHStAW 518 16441 (14),

[75] Ihr jähr­li­ches Ein­kom­men betrug 1935 etwa 19.000 RM, 1936 = 24.000 RM, 1937 = 20.500 RM, 1938 = 16.300 RM, 1939 = 8.600 RM und 1940 = 5.200 RM, sie­he HHStAW 685 300 a (158).

[76] HHStAW 519/​3 550 (1).

[77] Ebd. (4). Sie gab dar­in an, der­zeit in einer Pen­si­on zu woh­nen – sie­he unten Neu­berg 4

[78] Ebd. (6).

[79] Ebd. (8).

[80] Ebd. (4, 16).

[81] Ebd. (9).

[82] HHStAW 519/​3 28371 (2).

[83] Ebd. (2, 3).

[84] Ebd. (7).

[85] Zu den Umzü­gen sie­he HHStAW 685 300 b (45, 70, 72, 73).

[86] Ebd. (81), die ent­spre­chen­de Mel­dung an die Devi­sen­stel­le Frank­furt erfolg­te am 21.3.1941, sie­he HHStAW 519/​3 550 (7).

[87] HHStAW 518 16441 (15 f.).

[88] HHStAW 469/​33 32206 (2). Gus­tel Bom­ei­sel war mit Moritz Bomeisl ver­hei­ra­tet, der mit sei­nem Bru­der Leo­pold die Fir­ma Spie­le­fa­brik Klee­feld beses­sen hat­te. Moritz Bomeisl, der von dem Besuch spä­ter berich­te­te, gibt fälsch­li­cher­wei­se als Ziel der Depor­ta­ti­on The­re­si­en­stadt statt.

[89] Traw­ni­ki-Män­ner waren meist ost­eu­ro­päi­sche Hilfs­kräf­te, die im SS-Lager Traw­ni­ki, 40 km süd­öst­lich von Lub­lin, spe­zi­ell zur Durch­füh­rung des Mas­sen­mords aus­ge­bil­det wor­den waren.

[90] Wie­nert, Anni­ka, Das Ver­nich­tungs­la­ger Sobi­bor, in: Im Schat­ten von Ausch­witz. Spu­ren­su­che in Polen, Bela­rus und der Ukrai­ne: Begeg­nen, Erin­nern, Ler­nen, hg. Lan­gen­bach, Mar­tin; Lie­ver, Han­na, Bonn 2017, S. 88 f.

[91] HHStAW 469/​33 2206 (34).

[92] HHStAW 685 300 a (161).

[93] HHStAW 685 302 f (12, 22, o.P.).

[94] HHStAW 685 302 b (67).

[95] Ebd. (42).

[96] HHStAW 519/​3 28381 (2,3,5). Die Wert­pa­pie­re brach­ten dem Ehe­paar wei­ter­hin ein beträcht­li­ches Ein­kom­men: 1939 = 20.000 RM, 1940 = 16.500 RM, aller­dings war auch ihnen der Zugriff durch eine Siche­rungs­an­ord­nung ver­wehrt. Zwar ist die ent­spre­chen­de Devi­sen­ak­te nicht mehr vor­han­den, aber im Febru­ar 1940 wur­de eine Siche­rungs­an­ord­nung  gegen Lil­ly Hirsch­kind ange­ord­net, wor­auf­hin Theo­bald der Devi­sen­stel­le schrieb, dass Lil­ly sei­ne Frau sei und sie „im gesetz­li­chen Güter­stand“ leben und ihm daher alle Ver­mö­gens­tei­le sei­ner Frau zuste­hen wür­den. Die Siche­rungs­an­ord­nung  gegen sei­ne Frau wur­de dar­auf­hin wie­der auf­ge­ho­ben, was nur bedeu­ten kann, dass eine sol­che zuvor auch gegen Theo­bald erlas­sen wor­den war. Sie­he HHStAW 519/​3 343.

[97] HHStAW 519/​3 28381 (7).

[98] Zum Juden­haus Albrecht­str. 13 sie­he oben

[99] Sie­he Ein­trag auf der Gesta­po-Kar­tei­kar­te und HHStAW 519/​3 28381 (2).

[100] Sie­he Lis­te X 1.

[101] Unbe­kann­te Lis­te X 3. Es heißt hier unter Bemer­kun­gen zu Selig­mann: „Teilw. Hirschkind“.

[102] HHStAW 518 16443 (74). Ursprüng­lich war der Scha­den für die Woh­nungs­ein­rich­tung auf 20.000 RM bezif­fert wor­den, hin­zu kam die Beschlag­nah­me von Pel­zen und Schmuck in Höhe von etwa 15.000 RM, ebd. (3).

[103] HHStAW 469/​33 2206 (3) und Todes­fall­an­zei­ge aus The­re­si­en­stadt, sie­he https://​www​.holo​caust​.cz/​d​a​t​a​b​a​z​e​-​d​o​k​u​m​e​n​t​u​/​d​o​k​u​m​e​n​t​/​9​6​0​7​3​-​h​i​r​s​c​h​k​i​n​d​-​t​h​e​o​b​a​l​d​-​o​z​n​a​m​e​n​i​-​o​-​u​m​r​t​i​-​g​h​e​t​t​o​-​t​e​r​e​z​in/. (Zugriff: 9.11.2018).

[104] [1] Sie­he Ein­trag im Gedenk­buch des Bun­des­ar­chivs Koblenz https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​d​e​8​8​4​639.  und Gedenk­buch von The­re­si­en­stadt, https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​4​8​2​1​7​3​8​&​i​n​d​=​1​&​w​i​n​I​d​=​3​8​2​8​5​1​5​9​2​2​4​5​7​1​2​8​067. (Zugriff: 9.11.2018). Dazu Czech, Kalen­da­ri­um Ausch­witz, S. 776.

[105] HHStAW 469/​33 2206.

[106] HHStAW 518 16443 (4).

[107] Unmit­tel­bar nach dem Krieg hat­te man zunächst eine Kom­pro­miss­lö­sung für den Namen gefun­den. Ein Brief­kopf aus dem Jahr 1947 nennt sowohl den oktroy­ier­ten als auch den alten Namen.