Liebmann und Karoline Strauss, geborene Bender


Ackermann, Klara, Arthur, Judenhäuser Wiesbaden
Das frü­he­re Juden­haus in der Her­mann­str. 26 heu­te
Eige­ne Aufnahme
Judenhäuser Wiesbaden, Juden Wiesbaden,
Lage des ehe­ma­li­gen Juden­hau­ses Her­mann­str. 26
Judenhäuser Wiesbaden, Juden Wiesbaden
Bele­gung des Juden­hau­ses Her­mann­str. 26

 

 

 

 

 

 


Neben der Fami­lie Strauss aus Nor­heim leb­te noch ein wei­te­res Ehe­paar mit die­sem Namen in der Her­mann­str. 26. Lieb­mann Strauss und sei­ne Frau Karo­li­ne waren aller­dings bereits ein­ge­zo­gen, bevor man das Juden­haus offi­zi­ell zu einem sol­chen erklärt hat­te. Ver­mut­lich gab es auch kei­ne ver­wandt­schaft­li­chen Bezie­hun­gen zwi­schen den bei­den Strauss-Familien.

Ursprüng­lich waren Lieb­mann und Karo­li­ne Strauss im Rhein­gau­städt­chen Gei­sen­heim behei­ma­tet. Das Schick­sal die­ser alt­ein­ge­ses­se­nen Fami­lie kann als exem­pla­risch für das so vie­ler ande­rer jüdi­scher Fami­li­en ange­se­hen wer­den. Georg Strauss, ein Bru­der von Lieb­mann Strauss, fass­te in einem spä­te­ren Schrei­ben an die Ent­schä­di­gungs­be­hör­de die­ses Schick­sal in weni­gen Sät­zen, aber umso prä­gnan­ter zusammen:

„Ich bin am 25. März 1880 in Gei­sen­heim gebo­ren als Sohn von Abra­ham Strauss geb. 1. Juli 1823, Sohn des Nathan Strauss geb. 1795 eben­falls in Gei­sen­heim. Mei­ne Fami­lie exis­tiert schon 500 Jah­re am sel­ben Platz nach­weis­bar seit 1459, wel­ches damals nach dem Ari­er-Para­graph durch einen Ver­wand­ten von mir, Herrn Amts­ge­richts­rat Alfre­do Strauss in Wies­ba­den fest­ge­stellt wur­de. Ich habe in Gei­sen­heim das Gym­na­si­um besucht, habe aktiv gedient, 2 Übun­gen mit­ge­macht und war Kriegs­teil­neh­mer 1914–1918. In den Jah­ren 40–42 habe 9 Fami­li­en­mit­glie­der in Ausch­witz und The­re­si­en­stadt ver­lo­ren, 4 Geschwis­ter, 1 Schwa­ger, 1 Schwä­ge­rin, 2 Nich­ten und ein Jun­ge von 13 Jah­ren, Sohn der einen Nich­te. Ich den­ke genug Opfer gebracht zu haben.“[1]

Stamm­baum der Fami­lie Strauss aus Gei­sen­heim
GDB

Es ist die Geschich­te der Zer­stö­rung einer gan­zen Fami­lie, einer Fami­lie, die seit Jahr­hun­der­ten Deutsch­land als Hei­mat begrif­fen und wie alle ande­ren Bür­ger Opfer für die­ses Land gebracht hat­te. Die­je­ni­gen, die den Holo­caust über­leb­ten, wur­den zer­streut über die ver­schie­de­nen Kon­ti­nen­te. Eini­ge hat­ten sich nach Afri­ka geret­tet, ande­re nach Süd- oder Nord­ame­ri­ka. Der erwähn­te Alfred Strauss war einer der weni­gen, die nach dem Kriegs­en­de aus ihrem Exil, bei Alfred Boli­vi­en, wie­der nach Deutsch­land in ihre Hei­mat­stadt Wies­ba­den zurückkehrten.

Aber auch in Gei­sen­heim war bereits lan­ge vor der Macht­über­nah­me der NSDAP, etwa seit der Grün­dung des Kai­ser­reichs, der jüdi­sche Bevöl­ke­rungs­an­teil kon­ti­nu­ier­lich zurück­ge­gan­gen, sodass zum Ende des 19. Jahr­hun­derts Juden kaum mehr ein Pro­zent der dor­ti­gen Gesamt­be­völ­ke­rung stell­ten.[2] Die meis­ten ent­stamm­ten der Groß­fa­mi­lie Strauss, die alle im alten Orts­kern ihre Woh­nun­gen und Geschäfts­räu­me hat­ten. Die Ver­wur­ze­lung die­ser Fami­lie über vie­le Jahr­hun­der­te in die­ser Regi­on hat­te zur Fol­ge, dass es sehr vie­le Fami­li­en mit dem Namen Strauss im Rhein­gau gab und die ver­wandt­schaft­li­chen Ver­bin­dun­gen unter­ein­an­der einen kaum mehr zu ent­wir­ren­den Knäu­el bil­den.[3]

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Grab­stei­ne von Abra­ham und Babet­te Strauss in Rüdes­heim
http://​www​.ale​man​nia​-judai​ca​.de/​r​u​e​d​e​s​h​e​i​m​_​f​r​i​e​d​h​o​f​.​htm

Der oben zitier­te Georg Strauss war das jüngs­te der zahl­rei­chen Kin­der des Han­dels­manns Abra­ham Strauss und des­sen Frau Babet­te, gebo­re­ne Her­zog, die von der ande­ren Rhein­sei­te aus dem rhein­hes­si­schen Nie­der­saul­heim stamm­te.[4] Am 15. Janu­ar 1866 war dem Paar zunächst die Toch­ter Eli­sa­beth, genannt Liset­te, gebo­ren wor­den. Durch ihre am 16. August 1893 mit Isaak Löwen­thal geschlos­se­ne Ehe hat­te auch sie Ver­bin­dun­gen nach Wies­ba­den.[5] Zwar war ihr Mann am 20. Janu­ar 1867 in Mari­en­fels im heu­ti­gen Rhein-Lahn­kreis zur Welt gekom­men, aber zur Zeit der Ehe­schlie­ßung leb­te der Metz­ger­meis­ter in Wies­ba­den — Schier­stein. Nach der Hei­rat ließ sich das Paar in Gei­sen­heim nie­der, wo es in der Tau­nus­str. 15 neben der Metz­ge­rei auch einen Vieh­han­del betrieb. Von ihren drei Töch­tern konn­ten zwei, Johan­na und Fan­ny, dem Holo­caust ent­flie­hen, sie selbst und ihre Toch­ter Sel­ma wur­den in unter­schied­li­chen Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern ermor­det. Die Eltern kamen in Treb­linka ums Leben, Sel­ma, das jüngs­te der Mäd­chen, in Stutt­hof.[6]

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Kar­tei­kar­te für Sig­mund Strauss aus The­re­si­en­stadt
https://collections.arolsen-archives.org/archive/5101587/?p=1&s=Sigmund%20Strauss&doc_id=5101587

Auch der am 2. Juli 1869 gebo­re­ne Sig­mund ent­ging dem Holo­caust nicht. Am 11. Dezem­ber 1942 ver­lor er sein Leben in The­re­si­en­stadt, wohin man ihn am 27. Sep­tem­ber 1942 von Darm­stadt aus gebracht hat­te. Gewohnt hat­te er aber schon seit vie­len Jah­ren in Bin­gen, zuletzt in der Rat­haus­str. 23.[7] Als der Vater Abra­ham Strauss 1901 starb, war er es, der dem Stan­des­amt den Tod mel­de­te. Schon damals gab er Bin­gen als sei­nen Wohn­ort an.

Nathan, ein wei­te­rer Sohn des Paa­res, gebo­ren am 20. Mai 1871, war schon als Sieb­zehn­jäh­ri­ger 1888 in die USA aus­ge­wan­dert. Im Cen­sus von 1920 ist er als Bür­ger der USA in den Lis­ten mit dem Beruf eines „Bro­kers“, eines Mak­lers, auf­ge­führt. Sei­ne Staats­bür­ger­schaft hat­te er schon 1892 erhal­ten. Nicht bekannt ist, wann er die 1884 in Frank­furt gebo­re­ne Lau­ra Kra­mer hei­ra­te­te. 1907 war in Bak­ers­field, wo die Fami­lie sich nie­der­ge­las­sen hat­te, zunächst der Sohn Armaund gebo­ren wor­den, sein Bru­der Robert kam sechs Jah­re spä­ter zur Welt.[8] Vater und die bei­den Söh­ne betrie­ben spä­ter in Bak­ers­field die Juwe­len­hand­lung ‚Strauss Nathan & Sons’. Ob es all die Jah­re Kon­tak­te mit der Fami­lie in Gei­sen­heim gab, ist nicht bekannt, aber spä­tes­tens als es wich­tig wur­de, sol­che Ver­wand­te in den USA zu haben, wird man sich die­ser Ver­bin­dun­gen wie­der erin­nert haben. Es ist sicher kein Zufall, dass Nathans Nef­fe Alex spä­ter für eine kur­ze Zeit in Bak­ers­field unterkam.

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Fami­lie von Nathan Strauss im Cen­sus von 1920
https://www.ancestry.com/genealogy/records/nathan-strauss-24–2rm6pb1

Lieb­manns jün­ge­re Schwes­ter Fan­ny, die am 7. April 1877 gebo­ren wor­den war, hei­ra­te­te am 19. Janu­ar 1905 Jakob Strauss aus dem benach­bar­ten Oestrich.[9] Auch hier gab es meh­re­re Fami­li­en, die die­sen Namen tru­gen. Ob Jakobs Vater Abra­ham Strauss, der mit Han­na Weil ver­hei­ra­tet war, viel­leicht weit­läu­fig mit der Fami­lie Strauss aus Gei­sen­heim ver­wandt war, ist daher nur schwer zu sagen. Jakob Strauss, gebo­ren am 4. Mai 1869, soll schon 1922 oder 1927 ver­stor­ben sein.[10] Die bei­den Kin­der, Albert und Johan­na, die in der Ehe gebo­ren wur­den, waren zu die­ser Zeit noch im Jugend- bzw. im frü­hen Erwach­se­nen­al­ter. Albert war am 6. Dezem­ber 1905, sei­ne Schwes­ter am 25. Mai 1907 gebo­ren wor­den. [11] Im Haus der Eltern in der Römer­str. 6 war auch ihr Laden für Manu­fak­tur­wa­ren, sprich Tex­ti­li­en aller Art, aber auch für Kurz­wa­ren untergebracht.

Über den Umfang des Geschäfts lie­gen kei­ne ver­läss­li­chen Anga­ben vor, da die ört­li­chen Finanz­ak­ten am Ende des Krie­ges der von der NSDAP befoh­le­nen „Ein­stampf­ak­ti­on“ zum Opfer fie­len. Die Gemein­de behaup­te­te spä­ter den­noch, das Geschäft sei „nie über einen klei­nen Rah­men hin­aus“ gekom­men und die Fami­lie habe vom Ertrag des Geschäfts allei­ne nicht leben kön­nen, wes­halb der Sohn eine Ange­stell­ten­tä­tig­keit habe aus­üben müs­sen. Zumin­dest ab 1932 sei die Gewer­be­steu­er­ver­an­la­gung kaum über die dama­li­gen Min­dest­be­trä­ge hin­aus­ge­kom­men. Sicher ist es zutref­fend, dass ein sol­ches Geschäft in einer Land­ge­mein­de kei­ne all­zu gro­ßen Umsät­ze gehabt haben wird, aber immer­hin reich­ten die Erträ­ge aus, um in all den Jah­ren die Wit­we und Johan­na, die im Geschäft mit­ar­bei­te­te, zu ernäh­ren.[13]

Albert hat­te nach dem vier­jäh­ri­gen Besuch der Grund­schu­le in Oestrich für wei­te­re sie­ben Jah­re das Gym­na­si­um in Gei­sen­heim besucht, und die­ses mit der Unter­pri­ma-Rei­fe ver­las­sen, um eine Bank­leh­re bei der Zweig­stel­le der ‚Dis­kon­to-Gesell­schaft’ in Rüdes­heim zu begin­nen.[14] Auch nach Abschluss der Aus­bil­dung konn­te er dort zunächst noch blei­ben, wech­sel­te aber 1926 zur ‚Getrei­de-Kre­dit­bank’ nach Mainz. In der Ban­ken­kri­se, im Gefol­ge der gro­ßen Depres­si­on Ende der Zwan­zi­ger Jah­re, ging auch die­ses Geld­haus unter, sodass Albert Strauss seit 1930 arbeits­los war. Da auch kei­ne Aus­sicht bestand, in sei­nem erlern­ten Beruf in abseh­ba­rer Zeit eine Arbeit zu fin­den, trat er – ver­mut­lich eher for­mal – in das Geschäft der Mut­ter ein, ver­such­te aber wei­ter­hin, eine Anstel­lung im Bank­ge­wer­be zu fin­den. Inzwi­schen war aber die NSDAP an die Macht gekom­men, sodass es nun poli­ti­sche Grün­de gab, die einen sol­chen Wie­der­ein­stieg ver­hin­der­ten. Im April 1933 erhielt er die Mög­lich­keit, eine Stel­le im ‚Bank­haus Gerst & Co’ im mit­tel­frän­ki­schen Gun­zen­hau­sen anzu­tre­ten. Nach sei­nen Anga­ben wur­de ihm als Jude jedoch von der ört­li­chen Stadt­ver­wal­tung der Zuzug nach Gun­zen­hau­sen ver­wehrt, sodass sich auch die­se Hoff­nung zer­schlug und er wei­ter­hin in Gei­sen­heim ohne eige­nes Ein­kom­men blei­ben muss­te.[15]

Bis 1933 lie­fen auch die Han­dels­ge­schäf­te der Brü­der von Fan­ny Strauss trotz aller wirt­schaft­li­chen Kri­sen und trotz wach­sen­der anti­se­mi­ti­scher Res­sen­ti­ments noch recht gut. Ihr jün­ge­rer Bru­der Georg, gebo­ren am 25. März 1880,[16] betrieb in Gei­sen­heim in der Markt­str. 24 seit dem 1. Juli 1907 einen Laden für Lebens- und Fut­ter­mit­tel, der auch eine Kon­zes­si­on für den Wein­han­del besaß. Im Jahr nach der Geschäfts­er­öff­nung, am 20. August 1908, hei­ra­te­te er in ihrer Hei­mat­stadt Lim­burg Emma Strauss, die Toch­ter von Wil­liam und Ber­tha Strauss, gebo­re­ne Stern.[17] Am 1. Juli 1909 kam ihr Sohn Alfred in Gei­sen­heim zur Welt.[18] Nach sei­nen Volks­schul­jah­ren schloss er sei­ne Schul­aus­bil­dung am Rhein­gau-Gym­na­si­um in Gei­sen­heim ab, wo er als Jude ver­mut­lich ohne Dis­kri­mi­nie­run­gen in die Klas­sen- und Schul­ge­mein­schaft auf­ge­nom­men war.[19]

Das Geschäft von Georg Strauss und sei­ner Frau muss ein­mal recht ein­träg­lich gewe­sen sein. Zwar sind auch hier die Finanz­ak­ten zum Ende der NS-Zeit weit­ge­hend bewusst ver­nich­tet wor­den, aber eini­ge weni­ge Zah­len kön­nen als Indiz für die­se Annah­me her­an­ge­zo­gen wer­den. So belie­fen sich die Erträ­ge des Unter­neh­mens zwi­schen den Jah­ren 1931 und 1934, also in den Jah­ren, in denen die Nach­wir­kun­gen der Welt­wirt­schafts­kri­se noch und der zuneh­men­de poli­ti­sche Druck zu spü­ren waren, immer über 5.000 RM. Erst 1935 bra­chen sie kurz­fris­tig ein, um dann aber in den Fol­ge­jah­ren bis 1938 wie­der auf die frü­he­ren Wer­te anzu­stei­gen. Das Ver­mö­gen, das 1935 steu­er­lich ver­an­lagt wur­de, betrug 82.000 RM.[20] Er habe im sel­ben Jahr noch einen Umsatz von 300.000 RM ange­mel­det, schrieb Georg Strauss in sei­nem bereits zitier­ten Brief an die Ent­schä­di­gungs­be­hör­de: „In die­sem Jahr war gro­ßer Fut­ter­man­gel. Hat­te als an einem Tage 8 Wag­gons Heu, Klee, Stroh und Fut­ter­mit­tel auf der Bahn­sta­ti­on. Trotz­dem dass die Nazis Pos­ten stan­den, hol­ten die Land­wir­te rest­los ab und waren mir sehr dank­bar.“[21] Drei Jah­re spä­ter hat­ten die ‚dank­ba­ren’ Bau­ern kei­ne Hem­mun­gen, das Eigen­tum von Georg Strauss zu zer­schla­gen, und nur wenig hat gefehlt, dann hät­ten sie auch den Juden selbst erschlagen.

Anders als Georg Strauss beka­men sei­ne bei­den älte­ren Brü­der Lieb­mann und Max Strauss, die in Gei­sen­heim gemein­sam ein Möbel- und Manu­fak­tur­wa­ren­ge­schäft, zudem einen Kom­mis­si­ons­han­del haupt­säch­lich mit Wein betrie­ben, die Aus­wir­kun­gen des poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Drucks unmit­tel­bar nach der „Macht­er­grei­fung“ zu spü­ren. Wäh­rend Lieb­mann Strauss mit sei­ner Frau und Toch­ter in einem Haus in der Kirch­str. 1b wohn­ten, leb­te Max Strauss mit sei­ner Fami­lie in einem Anwe­sen in der Markt­str. 2, wo auch die Geschäfts­räu­me und das Lager unter­ge­bracht waren. Das Wohn­grund­stück, das den bei­den Brü­dern je zur Hälf­te gehör­te, war 1935 mit einem Ein­heits­wert von 19.000 RM bewer­tet wor­den.[22]

Max war am 12. März 1873, sein Bru­der Lieb­mann am 12. März 1875 gebo­ren wor­den.[23] Über ihren frü­he­ren Lebens­weg ist nichts bekannt, aber ver­mut­lich hat­ten sie im Geschäft der Eltern mit­ge­ar­bei­tet, das dann von ihnen auch über­nom­men wor­den war. Am 3. Juni 1908 hei­ra­te­te Lieb­mann Strauss die am 10. Febru­ar 1885 in Kai­sers­lau­tern gebo­re­ne Caro­li­na /​ Karo­li­ne Ben­der.[24] Etwa um die glei­che Zeit wird auch sein Bru­der die Ehe mit Augus­te Ben­der, der am 10.2.1885 eben­falls in Kai­sers­lau­tern gebo­re­nen älte­ren Schwes­ter von Karo­li­na, geschlos­sen haben, denn bei­de Paa­re beka­men im fol­gen­den Jahr ihre ers­ten Kin­der.[25] Man kann ver­mu­ten, dass die Bezie­hung zwi­schen den bei­den Fami­li­en durch die geschäft­li­che und die dop­pel­te fami­liä­re Bin­dung sehr eng gewe­sen sein wird.

Am 22. Sep­tem­ber 1909 kam in der Ehe des jün­ge­ren Bru­ders die Toch­ter Ali­ce zur Welt,[26] zwei Mona­te zuvor waren am 18. Juli in der Ehe von Max und Augus­te Strauss die Zwil­lin­ge Erna und Alex­an­der, genannt Alex, gebo­ren wor­den.[27] Die bei­den Cou­si­nen Erna und Ali­ce besuch­ten nach ihren ers­ten Volks­schul­jah­ren das Ursu­li­num in Gei­sen­heim, damals eine von katho­li­schen Ordens­schwes­tern geführ­te Pri­vat­schu­le für Mäd­chen, wo die­se ihre Aus­bil­dung mit der Mitt­le­ren Rei­fe abschlie­ßen konn­ten.[28] Auch die bei­den Brü­der Alex und Kurt gin­gen zunächst auf die höhe­re Schu­le in Gei­sen­heim, die der älte­re Alex am Ende der 12. und Kurt nach der 11. Klas­se ver­ließ. Bei­de schlos­sen dar­an eine kauf­män­ni­sche Leh­re an, die Alex seit 1927 in Frank­furt bei der Fir­ma H. & F. Adler absol­vier­te, einer Fir­ma, die auf die Her­stel­lung von Stof­fen für Sport- und Berufs­klei­dung spe­zia­li­siert war. Nach Abschluss der Aus­bil­dung trat er 1932 in das Unter­neh­men sei­nes Vaters und Onkels ein, das er als ältes­ter Sohn spä­ter ein­mal über­neh­men soll­te.[29] Kurt mach­te sei­ne Leh­re in Mainz bei der Fir­ma Leo­nard Tietz, die er eben­falls im Früh­jahr 1927 begann. Nach deren Abschluss blieb er zunächst noch als Ver­käu­fer in Mainz, wech­sel­te aber 1932 in die Tietz-Filia­le nach Darm­stadt, wo er die Abtei­lung für Tep­pi­che, Gar­di­nen und Deko­ra­ti­ons­stof­fe über­nahm.[30] Auch er war somit bes­tens dar­auf vor­be­rei­tet, in dem Gei­sen­hei­mer Fami­li­en­un­ter­neh­men spä­ter eine füh­ren­de Stel­lung zu übernehmen.

Sol­che Über­le­gun­gen und Plä­ne waren spä­tes­tens mit dem Macht­wech­sel von 1933 obso­let gewor­den. Auch in Gei­sen­heim dräng­ten die neu­en Her­ren zuneh­mend in die ört­li­chen Macht­po­si­tio­nen und sehr schnell ver­än­der­te sich das Kli­ma zwi­schen jüdi­schen und nicht­jü­di­schen Bewoh­nern. In der weit­ge­hend katho­lisch gepräg­ten Klein­stadt, in der in den Jah­ren der Repu­blik poli­tisch das Zen­trum domi­niert hat­te, aber auch die Sozi­al­de­mo­kra­ten eine für eine bäu­er­lich struk­tu­rier­te Gemein­de eine rela­tiv star­ke, zeit­wei­se sogar füh­ren­de Posi­ti­on ein­nah­men, war die NSDAP bei den Wah­len im März 1933 auf „nur“ knapp 23 Pro­zent gekom­men, wäh­rend sie reichs­weit das Dop­pel­te errei­chen konn­te. Das Zen­trum gewann die Wahl mit 36,6 Pro­zent, die SPD folg­te mit 29,9 Pro­zent. Ergeb­nis­se, die denen im Reich und im übri­gen Hes­sen völ­lig zuwi­der­lie­fen. Man darf aber nicht über­se­hen, dass bereits 1930 im „Deut­schen Haus“ in Gei­sen­heim sich eine Orts­grup­pe der NSDAP gegrün­det hat­te, die – so Hell – im Lau­fe der Jah­re Gei­sen­heim zu einer Hoch­burg der Par­tei im Rhein­gau mach­te.[32] Im glei­chen Jahr ent­stand dort auch eine SA-Ein­heit, aus der 1932 die loka­le SS her­vor­ging, die wie­der­um von der Wies­ba­de­ner SS-Stan­dar­te geführt wur­de.[33] Es gab die­se Kräf­te also trotz einer rela­tiv star­ken repu­bli­ka­ni­schen Gesin­nung schon vor 1933, und die weni­gen jüdi­schen Fami­li­en Gei­sen­heims wur­den bald zum Angriffs­ziel anti­se­mi­ti­scher Aktio­nen. Gewach­se­ne Bezie­hun­gen zwi­schen der jüdi­schen und der nicht­jü­di­schen Bevöl­ke­rung boten dann kei­nen Schutz mehr.[34] Mit Blick auf ver­schie­de­ne Rheing­au­ge­mein­den beschreibt Hell, wie schnell ab 1933 auch dort das All­tags­le­ben sich auf­grund der neu­en poli­ti­schen Ver­hält­nis­se ver­än­der­te: Tra­di­tio­nel­le Geschäf­te boten auf ein­mal „Braun­hem­den“ an, christ­li­che Jugend­grup­pen ver­lo­ren ihre Mit­glie­der und „wil­de Amts­ent­he­bun­gen“ sorg­ten dafür, dass lin­ke Kom­mu­nal­po­li­ti­ker – noch sah man den poli­ti­schen Geg­ner und nicht die Juden als Haupt­feind an — aus ihren Ämtern ver­jagt wur­den. Aber schon im April gab es auch die ers­ten anti­se­mi­ti­schen Beschlüs­se der Gemein­de­par­la­men­te. So wur­de etwa in Oestrich und in Win­kel beschlos­sen, dass Juden sonn­tags nicht mehr ihren Geschäf­ten nach­ge­hen durf­ten. In Oestrich wur­den Juden von der öffent­li­chen Auf­trags­ver­ga­be aus­ge­schlos­sen und bereits im April 1933 wur­de auch in Rüdes­heim ein Schild „Juden uner­wünscht“ am Orts­ein­gang auf­ge­stellt.[35] An einen Vor­gang im Früh­jahr 1933, dem ein Mit­glied der Fami­lie Strauss – um wen genau, ist nicht bekannt – zum Opfer fiel, erin­ner­te sich spä­ter ein Beob­ach­ter der Sze­ne mit Scham, weil ihm damals der Mut zum Ein­schrei­ten gefehlt hatte:
„An einem Sams­tag im Febru­ar kamen mir zwei Per­so­nen ent­ge­gen: ein Hüne in SA-Uni­form und der klei­ne Herr Strauß aus Gei­sen­heim, der auf dem Weg zur Rüdes­hei­mer Syn­ago­ge war. Der SA-Mann trieb mit Fuß­trit­ten den klei­nen Mann in den tie­fen Stra­ßen­gra­ben hin­un­ter. Der klei­ne Herr Strauß lief ein paar Schrit­te im Gra­ben, und wenn er wie­der her­auf­klet­ter­te, stieß ihn der Kerl mit einem Fuß­tritt wie­der hin­un­ter. So gin­gen sie gemein­sam nach Rüdes­heim, und so sah ich sie von wei­tem kom­men. Ich kann­te den Herrn Strauß, und er kann­te mich. Ich fuhr ganz lang­sam, viel­leicht lässt der Kerl von dem Trei­ben ab. Aber der bru­ta­le Klo­ben, den ich nicht kann­te, küm­mer­te sich nicht um den Rad­fah­rer, ich hör­te den Herrn Strauß bet­teln: ‚Han­nes (oder irgend ein ande­rer Name) hör doch uff, ich ken­ne doch dein Vad­der so gut’, was den Kerl noch wil­der mach­te, und ich — fuhr vor­über.“[36]

Der Jude Strauss gehör­te in die Gos­se, nicht auf die Stra­ße. Noch war sein Leben nicht wirk­lich bedroht, die Akti­on ziel­te viel­mehr auf sei­ne Wür­de als Mensch. War sie – im Bewusst­sein der Täter! – zer­stört, dann war der nächs­te Schritt ein leichter.

Sol­che Schi­ka­nen und Ernied­ri­gun­gen gin­gen ein­her mit der Aus­gren­zung aus dem dörf­li­chen Leben, auch in wirt­schaft­li­cher Hin­sicht. Das Geschäft, das ein­mal zu den bedeu­tends­ten Steu­er­zah­lern der Gemein­de gehör­te,[37] wur­de in weni­gen Jah­ren in den Ruin getrie­ben. Zwar feh­len auch hier die Steu­er­un­ter­la­gen der Jah­re vor 1933 weit­ge­hend, aber zumin­dest auf­grund der kom­mu­na­len Gewer­be­steu­er­an­ga­ben von 1931 bis 1937 las­sen sich ansatz­wei­se die frü­he­ren Erträ­ge rekon­stru­ie­ren. So konn­te 1931 noch ein Gewinn von knapp 15.000 RM erwirt­schaf­tet wer­den. Im fol­gen­den Jahr hin­ter­lie­ßen aller­dings die Wirt­schafts­kri­se, viel­leicht auch ande­re nicht bekann­te Fak­to­ren, deut­li­che Spu­ren in der Bilanz. Eine steu­er­li­che Ver­an­la­gung für die Gewer­be­steu­er hat 1932 nicht statt­ge­fun­den. 1933 lag der Gewinn dann nur noch bei der Hälf­te des Refe­renz­jahrs 1931 und sta­gnier­te in den Jah­ren 1934 und 1935 bei etwa 5.000 RM.[38] Die Ent­schä­di­gungs­be­hör­de ging spä­ter davon aus, dass das Ein­kom­men der Anteils­eig­ner vor 1933 jähr­lich etwa 5.000 RM betra­gen haben muss­te,[39] womit aber nicht aus­ge­schlos­sen ist, dass es in den Jah­ren vor der Welt­wirt­schafts­kri­se, in der soge­nann­ten Sta­bi­li­täts­pha­se, erheb­lich höher gewe­sen war. Zumin­dest ver­füg­te Lieb­mann Strauss zum Stich­tag 1. Janu­ar 1935 über ein Ver­mö­gen von 28.450 RM.[40] In jedem Fall ist den Akten zu ent­neh­men, dass neben den per­sön­li­chen Anfein­dun­gen auch das Geschäft der Brü­der Strauss unter dem Macht­wech­sel ganz ent­schei­dend zu lei­den hatte.

Schon in die­ser Zeit, also noch vor den Ereig­nis­sen der Reichs­po­grom­nacht, war man in den Fami­li­en zu dem Ent­schluss gekom­men, Deutsch­land ver­las­sen zu wol­len. Wie in den meis­ten jüdi­schen Fami­li­en ging es zunächst dar­um, die Kin­der in Sicher­heit zu wissen.
Die ers­ten, die Deutsch­land ver­lie­ßen, waren die Kin­der von Max Strauss. Erna, die am 3. Novem­ber 1931 in Gei­sen­heim den aus dem saar­län­di­schen Saar­lou­is stam­men­den Arthur Ernst Wolff gehei­ra­tet hat­te und mit ihm in den fol­gen­den Jah­ren in des­sen Hei­mat­stadt leb­te, war zusam­men mit ihrem Mann am 18. Febru­ar 1936 nach Luxem­burg gezo­gen.[41] Schon bald dar­auf muss das Paar aber wei­ter nach Bel­gi­en gegan­gen sein, denn von dort aus hat­te Ernst Wolff im Som­mer sei­nem Schwa­ger Kurt einen Geld­be­trag nach Süd­afri­ka in des­sen Exil­land über­mit­telt.[42] Zwar gibt es aus­schließ­lich für Ernst Wolff noch einen wei­te­ren Beleg für des­sen Auf­ent­halt im Som­mer 1938 in Brüs­sel in der Rue de Jol­ly,[43] nicht aber für sei­ne Frau Erna. Es ist aber zu ver­mu­ten, dass zu die­ser Zeit bei­de gemein­sam dort leb­ten. Wel­chen Weg ihr Leben danach nahm, ist bis­her nicht bekannt. Es scheint aber so, als ob sie sich recht­zei­tig vor dem Ein­marsch der deut­schen Trup­pen haben ret­ten kön­nen, denn weder ist im Gedenk­buch des Bun­des­ar­chivs Koblenz, noch in Yad Vas­hem ein Ein­trag für sie als Holo­caust-Opfer vor­han­den. Mög­li­cher­wei­se gelang­ten auch sie wie ihr Bru­der Kurt und spä­ter ihre Eltern nach Süd­afri­ka, aber Bele­ge für die­se Ver­mu­tung gibt es nicht.

Ihr Zwil­lings­bru­der Alex, der nach sei­ner kauf­män­ni­schen Aus­bil­dung in Frank­furt zunächst wie­der nach Gei­sen­heim in das Geschäft der Fami­lie zurück­ge­kehrt war, muss­te schon Ende 1933 dort wie­der aus­stei­gen, da es wegen der Boy­kott­ak­tio­nen bereits zu die­sem Zeit­punkt nicht mehr mög­lich war, sei­ne Stel­le zu finan­zie­ren. Statt­des­sen fand er eine Anstel­lung als Rei­sen­der bei Sieg­mund Eppstein in Frank­furt, einer in der Weser­str. 3 gele­ge­nen Tuch­groß­hand­lung, die damals für bedeu­ten­de Tuch­fa­bri­ken wie ‚Rentsch’ in Gera oder ‚Ehr­lich’ in Forst Tuche in ganz Deutsch­land ver­trieb. Sein Rei­se­be­zirk war der gesam­te süd­deut­sche Raum süd­lich der Main­li­nie. Noch ver­dien­te er gut. Neben einem Fixum von 300 RM monat­lich bezog er Spe­sen, von denen er nach eige­nen Wor­ten allein hät­te leben kön­nen.[44] 1935 muss­te er die­se Tätig­keit auf­ge­ben, weil es ihm nicht län­ger mög­lich war, als Jude bei nicht­jü­di­schen Kun­den Ange­bo­te zu unter­brei­ten und Ver­trä­ge abzu­schlie­ßen. Für etwa zwei Jah­re über­nahm der Sport­be­geis­ter­te danach noch die Lei­tung der Ver­sand­ab­tei­lung der Frank­fur­ter Sport­ar­ti­kel­fir­ma Lorentz & Co. Auch hier ver­dien­te er immer­hin noch 500 RM monat­lich.[45] Aber als nach dem Ende der Olym­pia­de die zwi­schen­zeit­lich par­ti­ell ein­ge­stell­te anti­se­mi­ti­sche Kam­pa­gne wie­der voll ent­facht wur­de, war auch Alex Strauss klar, dass er Deutsch­land ver­las­sen muss­te. Nach­dem ihm die not­wen­di­gen Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gun­gen aus­ge­stellt wor­den waren,[46] mel­de­te er sich am 31. Okto­ber 1937 in Frank­furt ab [47] und fuhr mit der ‚SS Washing­ton’ zunächst von Ham­burg nach New York und von dort mit der ‚SS Cali­for­nia’ von der ‚Pana­ma-Paci­fic-Line’ wei­ter nach Los Ange­les. Nach einem Auf­ent­halt in Bak­ers­field in Kali­for­ni­en – mög­li­cher­wei­se in der Fami­lie sei­nes Onkels Nathan – fand er 1938 in San Fran­cis­co eine neue Heim­stadt. Aber auch für ihn, der die eng­li­sche Spra­che noch nicht beherrsch­te, war der Neu­start im Exil sehr beschwer­lich. Zunächst ver­dien­te er sei­nen Lebens­un­ter­halt mit Hilfs­ar­bei­ten, als Packer, bevor er 1943 als Sol­dat in die ame­ri­ka­ni­sche Armee ein­trat. Nach Kriegs­en­de war er erneut arbeits­los. Erst im fol­gen­den Jahr fand er eine Stel­lung, die ihn und sei­ne Fami­lie ernähr­te.[48]

 Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Alex­an­der Strauss wohn­te 1940 in San Fran­zis­ko als Mie­ter bei einer Fami­lie Strauss
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Kurt, der jün­ge­re Bru­der der Zwil­lin­ge, fand nach 1933, nach­dem er bei Leo­nard Tietz in Mainz im August 1933 ent­las­sen wor­den war, eben­falls in Mainz noch ein­mal eine Anstel­lung bei der dort ansäs­si­gen Fir­ma für Pols­te­rei­ar­ti­kel Abt /​ Kahn-Hut, die in jüdi­schem Besitz war. Aber auch die­se Beschäf­ti­gung als Abtei­lungs­lei­ter muss­te er im Som­mer 1934 wie­der auf­ge­ben. Mit dem aus­ge­zeich­ne­ten Zeug­nis, das ihm von sei­nem bis­he­ri­gen Arbeit­ge­ber aus­ge­stellt wor­den war, erhielt er noch ein­mal eine drei­mo­na­ti­ge Anstel­lung – dies­mal weit­ab vom Rhein-Main-Gebiet – in Dan­zig und eine eben­so kur­ze Beschäf­ti­gung in Glei­witz in Ober­schle­si­en. Er habe die­se Stel­le auf­ge­ge­ben und sei nach Gei­sen­heim zurück­ge­kehrt, um „wei­te­ren Ver­fol­gun­gen zu ent­ge­hen“.[49] Ob er selbst unmit­tel­ba­ren Angrif­fen aus­ge­setzt war oder er die Stim­mung ins­ge­samt als feind­lich erleb­te, hat er nicht wei­ter aus­ge­führt. Von Gei­sen­heim aus betrieb er nun sei­ne Aus­rei­se nach Süd­afri­ka. Das Schiff „Gui­lio Cesa­re“ der Lloyd Tri­es­ti­no lief in Genua aus und erreich­te den Ziel­ha­fen Kap­stadt am 13. Juni 1936. Von dort reis­te er wei­ter nach Johan­nes­burg. Auch er teil­te das Schick­sal vie­ler Flücht­lin­ge, im Exil zunächst weit­ge­hend ohne Mit­tel und Ver­dienst und auf die Unter­stüt­zung von Ver­wand­ten, Freun­den oder Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen ange­wie­sen zu sein. Der Ver­such mit einem Part­ner, Eugen Adler, ein eige­nes Geschäft für Innen­de­ko­ra­ti­on auf­zu­bau­en, scheint geschei­tert zu sein,[50] denn am 16. Dezem­ber 1936 fand er dann eine Anstel­lung bei der Johan­nes­bur­ger Fir­ma J. Eska­pa & Co., für die er auch in den fol­gen­den Jah­ren noch tätig war.[51]

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Ali­ce Strauss, die Toch­ter von Lieb­mann und Karo­li­ne Strauss

Auch das ein­zi­ge Kind von Lieb­mann und Karo­li­ne Strauss, Ali­ce, hat­te spä­tes­tens 1936, viel­leicht aber auch schon frü­her Deutsch­land ver­las­sen. Eine Berufs­aus­bil­dung hat­te sie ver­mut­lich nach ihrem Abschluss der Mitt­le­ren Rei­fe nicht mehr gemacht. Am 27. Juni 1934 war sie in Gei­sen­heim mit dem damals schon in Luxem­burg leben­den Han­dels­rei­sen­den Sieg­fried Strauss eine Ehe ein­ge­gan­gen. Es war aller­dings deut­scher Staats­bür­ger und am 26. März 1906 in Stein­bach am Don­ners­berg gebo­ren wor­den.[52] Ver­mut­lich leb­te das Paar nach der Hei­rat im damals noch siche­ren Luxem­burg, wo am 10. März 1936 auch ein Pass für Ali­ce Strauss aus­ge­stellt wur­de.[53] Lei­der lie­gen kei­ne Anga­ben dar­über vor, wann das Paar auf wel­chem Weg in die USA emi­grier­te, wo sie zuletzt im Staat New York leb­ten. Ihr wei­te­res Schick­sal ist bis­her nicht bekannt.[54]

1937 reis­te auch Alfred, der Sohn von Georg und Emma Strauss, aus Deutsch­land aus. Er hat­te 1928 am staat­li­chen Real­gym­na­si­um in Gei­sen­heim noch sein Abitur machen kön­nen und anschlie­ßend in Offen­bach in der Getrei­de­groß­hand­lung ‚Kam­berg A.G.’ bis 1931 eine Aus­bil­dung als Kauf­mann abge­schlos­sen. Danach war er nach Gei­sen­heim zurück­ge­kehrt, um dort die Geschäfts­füh­rung in der elter­li­chen Frucht- und Wein­hand­lung zu über­neh­men. Er hat­te nach sei­nen Anga­ben von sei­nen Eltern damals ein Gehalt von 7.500 RM im Jahr bezo­gen.[55] Wie gut die Geschäf­te frü­her gelau­fen sein müs­sen, es han­del­te sich immer­hin um das größ­te Han­dels­un­ter­neh­men die­ser Art in der gesam­ten Regi­on, zeigt sich unter ande­rem dar­an, dass Alfred bei sei­ner Aus­wan­de­rung, die ihn über Paris in den Hafen von Bou­lon­ge führ­te, wo er das Schiff ‚Alme­da Star’ der ‚Blue Star Line’ bestieg und in der 1. Klas­se die Über­fahrt nach Bra­si­li­en antrat. Von Rio reis­te er unmit­tel­bar danach wei­ter nach Sao Paulo.

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Brief­kopf der Fir­ma Georg Strauss
HHStAW 474/​3 1839

Aller­dings ist nicht klar, ob es sich tat­säch­lich um eine geplan­te Flucht han­del­te oder um eine „Infor­ma­ti­ons­rei­se“ nach Bra­si­li­en, die gemäß sei­nen Anga­ben gegen­über der Devi­sen­stel­le zunächst nur dem Zweck die­nen soll­te, geeig­ne­te Grund­stü­cke bzw. Län­de­rei­en für ein lang­fris­ti­ges Aus­wan­de­rungs­pro­jekt zu fin­den.[56] Um den Kauf täti­gen zu kön­nen, soll­ten Alfred von sei­nem Vater 8.000 RM auf einem Sperr­kon­to einer bra­si­lia­ni­schen Bank als Geschenk über­wie­sen wer­den.[57] Ob die­se Schen­kung geneh­migt wur­de, geht aus den Akten nicht her­vor. Offen­sicht­lich plan­te man den Auf­bau einer Plan­ta­ge und man hat­te sogar schon Kon­tak­te mit einer Kon­ser­ven­fa­brik in Mag­de­burg auf­ge­nom­men, die bereits in Bra­si­li­en aktiv war.[58] Aller­dings stell­te sich her­aus, dass kei­nes der Objek­te geeig­net oder akzep­ta­bel war, zumin­dest kam ein Kauf­ver­trag nicht zustan­de. Weil es sich eigent­lich nur um eine zeit­lich begrenz­te Infor­ma­ti­ons­rei­se han­deln soll­te, hat­te Alfred auch ein Rück­fahr­ti­cket buchen müs­sen. In einem unda­tier­ten Brief an die Devi­sen­stel­le Frank­furt schrieb sein Vater schon im Som­mer 1937, dass sein Sohn in Bra­si­li­en blei­ben werde:
“Ich gestat­te mir dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es sich bei der aus­ge­führ­ten Rei­se um eine Infor­ma­ti­ons­rei­se han­del­te, und nimmt mein Sohn die zufäl­li­ge Mög­lich­keit durch einen dor­ti­gen Bür­gen, den Dau­er­auf­ent­halt zu erlan­gen, war. (sic)“[59]
Es könn­te aber auch ohne Wei­te­res sein, die Ver­mu­tung liegt eigent­lich nahe, dass Alfred von Anbe­ginn plan­te, in Bra­si­li­en zu blei­ben und die Infor­ma­ti­ons­rei­se nur fin­giert war, um das not­wen­di­ge Ein­rei­se­vi­sum zu erhal­ten.[60] Ihm gelang es nach zwei Jah­ren, in denen er ohne Ein­kom­men war, dort ein Unter­neh­men auf­zu­bau­en, das ihm in den fol­gen­den Jah­ren ste­tig wach­sen­de Ein­nah­men sicher­te. So war es ihm dann auch mög­lich, noch recht­zei­tig auch sei­ne Eltern nach Süd­ame­ri­ka zu holen.

Geplant hat­ten die ihre Flucht schon län­ger, aber erst die Ereig­nis­se im Herbst 1938 gaben den letz­ten Anstoß, die­se Plä­ne auch zu rea­li­sie­ren. Der Ver­lust ihres gesam­ten Ver­mö­gens war der hohe Preis, den sie für die Ret­tung ihres Lebens zu zah­len hatten.

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Gefan­ge­nen­kar­te von Georg Strauss aus Buchen­wald
https://collections.arolsen-archives.org/archive/7205419/?p=1&s=Georg%20Strauss&doc_id=7205420

Am 12. Sep­tem­ber 1938, also noch vor dem Novem­ber­po­grom, war das Haus in der Markt­str. 24 für 25.000 RM an einen Wies­ba­de­ner Inter­es­sen­ten ver­kauft wor­den – ein Preis, der nach Anga­be von Georg Strauss nur die Hälf­te des tat­säch­li­chen Wer­tes betrug.[61] Das einst so flo­rie­ren­de Geschäft selbst wur­de von einer ört­li­chen Win­zer­fa­mi­lie auf­ge­kauft, gezahlt wur­de aber nur für die noch vor­han­de­nen Lager­be­stän­de. Die gesam­ten Erlö­se muss­ten wie üblich auf ein gesi­cher­tes Kon­to ein­ge­zahlt wer­den. Das Ehe­paar Strauss hat­te noch bis zum 1. Novem­ber 1938 in der Woh­nung blei­ben dür­fen, um die not­wen­di­gen Vor­be­rei­tun­gen zur Aus­rei­se zu tref­fen. So waren die Möbel und alles ande­re Inven­tar, was mit nach Süd­ame­ri­ka genom­men wer­den soll­te, ver­packt und in einem Raum abge­stellt wor­den. Nach Abschluss die­ser Arbei­ten, zog das Paar nach Frank­furt in den Reu­ter­weg 80. Die Ereig­nis­se am 10. Novem­ber erleb­ten sie daher dort und nicht in ihrer Hei­mat­ge­mein­de. Georg Strauss war einer von den ins­ge­samt etwa 2621 Män­nern, die an die­sem Tag in Frank­furt ver­haf­tet und anschlie­ßend in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Buchen­wald ver­bracht wur­den. Eine wei­te­re Grup­pe von meh­re­ren Hun­dert wur­de in Dach­au inhaf­tiert. Er kam „schon“ nach etwa vier Wochen frei, weil er inzwi­schen das Visum für Bra­si­li­en erhal­ten hat­te. Als er danach – bei den neu­en Eigen­tü­mern Gei­bel ange­kün­digt – nach Gei­sen­heim fuhr, um sich um sein Umzugs­gut zu küm­mern, stand er zunächst vor ver­schlos­se­nen Türen. Dass der Neu­be­sit­zer des Hau­ses nicht anwe­send war, hat­te sei­nen Grund. Wäh­rend des Pogroms war der Mob – laut Georg Strauss nach einem ent­spre­chen­den Tipp von Frau Gei­bel – in den ver­schlos­se­nen Raum ein­ge­drun­gen, in dem die Kis­ten mit dem Umzugs­gut stan­den. In einer eides­statt­li­chen Erklä­rung berich­te­te die ehe­ma­li­ge Haus­ge­hil­fin der Fami­lie Strauss spä­ter über die Ereig­nis­se an die­sem Abend: „In den Novem­ber­ta­gen 1938 wur­den die­se bei­den Räu­me aus­ge­räu­bert, sodass sich, soviel ich dann hör­te, spä­ter nichts mehr in den Räu­men befand. Der Inhalt der Räu­me soll mit LKW abge­fah­ren wor­den sein. Obwohl ich frü­her als Haus­ge­hil­fin bei den Ehe­leu­ten Strauss tätig war und im Hau­se gegen­über wohn­te, wag­te an dem betref­fen­den Tage nicht, die Stras­se zu betre­ten, da man mir ohne­hin dau­ernd Schwie­rig­kei­ten mach­te, weil ich als Juden­freun­din ver­schrie­en war. Sämt­li­che Leu­te aus der Nach­bar­schaft sag­ten mir aber damals sofort, dass der Inhalt der bei­den Räu­me im ers­ten Stock­werk auf die Stras­se gewor­fen und auf LKWs gela­den und abge­fah­ren wor­den sei.“[62]
Es muss aller­dings noch wei­te­res Fracht­gut gege­ben haben, das nicht in die­sen bei­den Räu­men gela­gert wor­den war. Das „Emigrationsgewinnler“-Unternehmen Ret­ten­may­er wand­te sich am 29. April 1947 an den bereits im Exil leben­den Georg Strauss und drück­te sein tie­fes Bedau­ern über das Gesche­he­ne aus: „Ich muss Ihnen die sehr betrüb­li­che Mit­tei­lung machen, dass lei­der durch die Kriegs­er­eig­nis­se unser Büro ver­nich­tet wur­de und damit auch die Akten mit allen Unter­la­gen, sodass ich Ihnen mit Ein­zel­hei­ten lei­der nicht mehr anhand gehen kann (sic). Ich weiß nur, dass es sich bei Ihnen um hoch­wer­ti­ge, kaum wie­der zu erset­zen­de Gegen­stän­de, ins­be­son­de­re viel­fach um Maschi­nen han­del­te.“ Den­noch war er „selbst­ver­ständ­lich ger­ne bereit [Herrn Strauss] jeg­li­che Hil­fe zuteil wer­den zu las­sen“ und für des­sen Wün­sche wer­de er „jeder­zeit selbst­ver­ständ­lich ein Gehör“ haben . „Ledig­lich aus dem Lager­buch konn­te ich fest­stel­len, dass Ihr am 3.12.1938 bei uns ein­ge­la­ger­tes Gut im Novem­ber 1940 durch das Finanz­amt in Wies­ba­den zur Ver­stei­ge­rung kam.
Soweit uns Kos­ten ent­stan­den waren für Lage­rung usw. wur­den die­se zu dort­mals übli­chen Sät­zen an uns ver­gü­tet, der Rest eben­falls an das Finanz­amt abge­führt.“
[63] Gut, dass der NS-Staat Ret­ten­may­er damals ange­mes­sen an der Beu­te betei­ligt hat­te, sonst wären wohl u.U. Nach­for­de­run­gen an die Fami­lie Strauss für die lan­ge Lager­dau­er erho­ben wor­den. Er hat­te bereits vor­ab 2026 RM für die Ein­la­ge­rung und die Ver­schif­fung nach Bra­si­li­en bezahlt![64]

Aber selbst­ver­ständ­lich gab sich der Staat nicht mit die­sen Ver­mö­gens­res­ten zufrie­den. Vor­aus­set­zung für die Aus­wan­de­rung war zunächst, dass die ver­schie­de­nen fäl­li­gen Steu­ern beim Finanz­amt abge­gol­ten wur­den. Am 15. Dezem­ber 1938 erhielt Georg Strauss den Bescheid über die zu zah­len­de Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be in Höhe von 9.600 RM jeweils für ihn und sei­ne Frau, zusam­men somit 19.200 RM,[65] Die Reichs­flucht­steu­er, berech­net nach dem Basis­wert des Ver­mö­gens von 1935, das damals 82.000 RM betrug, belief sich auf 20.500 RM. Für neu erwor­be­ne Waren muss­te die soge­nann­te Dego-Abga­be in Höhe von 2.409 RM ent­rich­tet wer­den.[66] Am 21. Dezem­ber 1938 wur­de ihm dann vom Finanz­amt Rüdes­heim die not­wen­di­ge Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung erteilt, die Vor­aus­set­zung für die Aus­stel­lung eines Rei­se­pas­ses und damit für eine Aus­rei­se war. Mehr als 40.000 RM hat­te er dem Fis­kus des NS-Staa­tes hin­ter­las­sen müs­sen, um sein eige­nes Leben und das sei­ner Frau zu ret­ten. Am 21. Dezem­ber hat­te Georg Strauss noch ein Bank­fach gemie­tet, in dem er den gesam­ten Schmuck, Uhren, Arm­bän­der, Hals­ket­ten, Rin­ge mit Bril­lan­ten, depo­nier­te. Die Ent­nah­me der Wert­ge­gen­stän­de war nur mit Geneh­mi­gung der Devi­sen­stel­le mög­lich. Viel­leicht hat­te Georg Strauss tat­säch­lich geglaubt, sie in die­sem Safe vor dem Zugriff bewah­ren zu kön­nen. Ein Irr­tum, denn auch die­se Wert­ge­gen­stän­de wur­den spä­ter beschlag­nahmt.[67]

Seit dem Fort­gang ihres Soh­nes hat­ten die Eltern die eige­ne Aus­rei­se betrie­ben, und eigent­lich hät­te die­se auch vor dem Novem­ber 1938 statt­fin­den sol­len. Aber im Som­mer wur­den alle Ein­rei­se­vi­sen bis Novem­ber /​ Dezem­ber gesperrt,[68] sodass ihnen wegen die­ser Ver­zö­ge­rung die bit­te­ren Erfah­run­gen der Reichs­po­grom­nacht nicht erspart blieben.

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Ticket für die Über­fahrt von Georg und Emma Strauss nach Bra­si­li­en
HHStAW 518 3297 I (95)

Am 30. Dezem­ber des Jah­res 1938 bestie­gen Georg und sei­ne Frau Emma in Ham­burg das Schiff ‚Anto­nio Del­fi­no’ der ‚Ham­burg-Süd­ame­ri­ka­ni­schen-Dampf­schif­fahrts-Gesell­schaft’, das sie nach Bra­si­li­en zu ihrem Sohn brach­te.[69] Die Sicher­heit, die der bra­si­lia­ni­sche Staat von den Ein­wan­de­rern ver­lang­te, 3.000 Mil­reis, wur­de von  Georgs Bru­der Nathan Strauss aus Kali­for­ni­en gestellt.[70] Vom Anle­ge­ha­fen San­tos muss­ten sie mit der Bahn noch die letz­te Etap­pe nach Sao Pau­lo mit der Eisen­bahn überwinden.

Dort ange­kom­men – „mit 10 Mark“ [71] – war der fast Sech­zig­jäh­ri­ge zunächst arbeits­los, sodass die Eltern bis 1944 von ihrem Sohn, der zunächst auch noch in sehr pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen leb­te, ver­sorgt wer­den muss­ten. Ab die­sem Zeit­punkt wur­de der Vater in der Fir­ma von Alfred Strauss mit einem ent­spre­chen­den Gehalt ange­stellt.[72]

In die­ser Fir­ma ‚Rou­pas’, die zunächst als G.m.b.H. gegrün­det wor­den war, dann zu einer AG umge­wan­delt und von Alfred Strauss als Direk­tor geführt wur­de, ver­dien­te Alfred Strauss selbst im Jahr 1940 umge­rech­net gera­de mal knapp 800 RM, zehn Jah­re spä­ter waren es mehr als 18.000 RM.[73] Inzwi­schen gehört das Unter­neh­men, das er zusam­men mit dem Emi­gran­ten Bern­hard Wal­ter Heymann aus Lan­gen­lons­heim auf­ge­baut hat­te,[74] zu einem in Bra­si­li­en füh­ren­den Werk zur Her­stel­lung von Berufskleidung.
1943 hat­te Alfred, der sich nun Alfre­do nann­te, die 1920 in Braun­schweig gebo­re­ne Anne­li­se Herz­berg gehei­ra­tet. Die bei­den Söh­ne, Car­los Edu­ar­do, gebo­ren 1950, und der zwei Jah­re jün­ge­re Mar­ce­lo Rober­to, wur­den bei­de Inge­nieu­re und hat­ten damit die Qua­li­fi­ka­ti­on erwor­ben, um an den erfolg­rei­chen Auf­stieg des Vaters anzu­knüp­fen.[75] Der Groß­va­ter der bei­den Söh­ne von Alfred Strauss, Georg Strauss, starb am 1. Dezem­ber 1968, sei­ne Frau Emma am 23. Novem­ber 1976 in Sao Pau­lo,[76] Alfred Strauss selbst im März 1994.[77]

Auch Alfreds Cou­sin Albert, der Sohn von Fan­ny und Jakob Strauss, konn­te Deutsch­land ver­las­sen, bevor die Depor­ta­tio­nen began­nen, den Pogrom des Jah­res 1938 erleb­te er aber noch in sei­nem Hei­mat­ort Oestrich, wohin er zurück­ge­kehrt war, nach­dem eine Beschäf­ti­gung in dem von ihm erlern­ten Beruf nicht mehr mög­lich war. Er habe damals im Geschäft der Mut­ter mit­ge­ar­bei­tet, habe als Hau­sie­rer ver­sucht, die noch vor­han­de­nen Waren in den Nach­bar­ge­mein­den zu ver­kau­fen oder wenigs­tens die vor­han­de­nen Außen­stän­de ein­zu­trei­ben. Da auch die Schwes­ter noch im Betrieb mit­ar­bei­te­te, das Geschäft ohne­hin stark zurück­ge­gan­gen sei, habe es eigent­lich kei­nen Bedarf für sei­ne Mit­ar­beit gege­ben, so die spä­te­re Aus­kunft der Gemein­de.[78] Die Hetz­jagd auf die Juden in Oestrich erreich­te ihren Höhe­punkt mit den initi­ier­ten Aktio­nen am 10. Novem­ber 1938. Zu die­ser Zeit leb­ten nur noch vier jüdi­sche Fami­li­en im Ort. Neben dem Wein­händ­ler Rosen­thal, dem Manu­fak­tur­wa­ren­händ­ler Ernst Strauss, dem Wein- und Vieh­händ­ler Leo­pold Strauss waren das nur noch Fan­ny Strauss mit den bei­den Kin­dern in ihrem Haus in der Römer­str. 6.

Über die Vor­gän­ge an die­sem Tag gibt ein Urteil des Land­ge­richts Wies­ba­den vom 23. Febru­ar 1949, in dem zumin­dest eini­ge der Betei­lig­ten ver­ur­teilt wur­den, detail­liert Auskunft:
„Die Anwe­sen die­ser jüdi­schen Bür­ger sind sämt­lich am 10. Novem­ber 1938 schwer demo­liert wor­den. Den Beginn die­ser Aus­schrei­tun­gen mach­te eine klei­ne Grup­pe aus­wär­ti­ger, nicht ermit­tel­ter Täter, die etwa zwi­schen 17 und 18 Uhr in die ein­zel­nen jüdi­schen Häu­ser ein­dran­gen und dort Zer­stö­run­gen des Mobi­li­ars und der sons­ti­gen Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de vor­nah­men. Die­se Täter hiel­ten sich jedoch nicht lan­ge auf, und die von ihnen vor­ge­nom­me­nen Demo­lie­run­gen waren nicht über­mä­ßig schwer. Die Aus­schrei­tun­gen wur­den dann durch eine Viel­zahl von Oestri­cher Bür­gern eini­ge Zeit spä­ter — etwa zwi­schen 19 Uhr und 19.30 Uhr — fort­ge­setzt und erreich­ten hier­bei ihren Höhe­punkt gegen 20.30 Uhr. Wie lan­ge die­se Aus­schrei­tun­gen ange­dau­ert haben, hat nicht mehr mit Sicher­heit fest­ge­stellt wer­den kön­nen. Wahr­schein­lich sind sie im wesent­li­chen etwa um 21.30 Uhr abge­schlos­sen gewe­sen. Nach die­sem Zeit­punkt haben sich nur noch Ein­zel­ne an dem Wein des Edu­ard Rosen­thal ver­grif­fen. Zwi­schen 23 und 24 Uhr kam dann noch ein­mal eine Grup­pe von Aus­wär­ti­gen (aus Elt­ville) unter Füh­rung des SA-Haupt­sturm­füh­rers H., die sich zum Anwe­sen Rosen­thal begab und dort etwa 200 noch vor­han­de­ne Wein­fla­schen zer­schlug. Teil­neh­mer an die­ser Akti­on konn­ten nament­lich nicht mehr fest­ge­stellt wer­den mit Aus­nah­me von H., der des­we­gen bereits in dem Ver­fah­ren gegen die Teil­neh­mer an der Elt­vil­ler Juden­ak­ti­on rechts­kräf­tig ver­ur­teilt ist.

Das Schwer­ge­wicht der Aus­schrei­tun­gen gegen die Juden in Oestrich lag hier­nach in der Zeit von etwa 19 Uhr bis etwa 21.30 Uhr. Wäh­rend die­ser Zeit wur­den sämt­li­che jüdi­schen Anwe­sen heim­ge­sucht. Bei Ernst Strauß wur­de die Woh­nungs- und Geschäfts­ein­rich­tung kurz und klein geschla­gen, die reich­li­chen Waren­be­stän­de wur­den zum größ­ten Teil von den Teil­neh­mern der Akti­on geplün­dert. Ähn­li­che Aus­ma­ße nah­men die Aus­schrei­tun­gen gegen die Fami­lie Jakob Strauß Wit­we [Fan­ny Strauss- K.F.] in der Römer­stra­ße an. Auch hier wur­den die Ein­rich­tun­gen des Hau­ses wie des Geschäfts aufs Schwers­te demo­liert. Möbel­stü­cke, dar­un­ter ein grö­ße­rer Schrank, und Haus­rat jeder Art wur­den auf die Stra­ße gewor­fen und dadurch zer­stört. Die noch anwe­sen­den jüdi­schen Bür­ger Jakob Strauß Wwe., Johan­na und Albert Strauß, muß­ten sich Beschimp­fun­gen und Ver­un­glimp­fun­gen, Johan­na und Albert Strauß auch erheb­li­che Miß­hand­lun­gen gefal­len las­sen. […] Bei Rosen­thal galt indes­sen das Haupt­in­ter­es­se dem gro­ßen Wein­kel­ler, in dem es zu erheb­li­chen Demo­lie­run­gen und Plün­de­run­gen des dort lagern­den Fla­schen­weins kam.
Wäh­rend der gan­zen Zeit der Aus­schrei­tun­gen waren die Stra­ßen von Oestrich außer­ge­wöhn­lich belebt: Eine gro­ße Men­schen­men­ge war auf den Bei­nen, begab sich zu den ein­zel­nen Juden­häu­sern und ver­weil­te dort in mehr oder weni­ger gro­ßer Ent­fer­nung von den noch andau­ern­den Zer­stö­rungs­hand­lun­gen.
“[79]

Die in dem Urteil ange­spro­che­nen Miss­hand­lun­gen, denen Albert Strauss aus­ge­setzt war, wer­den im Geständ­nis von einem der Betei­lig­ten genau­er geschil­dert. Zunächst hat­te der Aus­sa­ge­wil­li­ge beob­ach­tet, wie das Haus von Ernst Strauss demo­liert wor­den war, war dann mit sei­ner Frau wei­ter in die Römer­str. 6 gegan­gen, wo eben­falls eine Grup­pe Oestri­cher, deren Namen er zum größ­ten Teil erin­ner­te, mit ihrem Werk zugan­ge war. Er selbst habe sich weder hier, noch an der nächs­ten Akti­on im Haus Rosen­thal betei­ligt, sei aber dann von einem Fer­di­nand Mül­ler auf­ge­for­dert wor­den, mit zurück zum Haus von Fan­ny Strauss zu gehen:
„Er bat mich, doch ein­mal mit ihm dort­hin zu gehen. Er woll­te mit Albert Strauß, auf den er gro­ße Wut hat­te, abrech­nen. Da ich auch mit Albert Strauß seit Jah­ren stark ver­fein­det war, ließ ich mich über­re­den und ging mit ihm. Als wir an das Haus kamen, sahen wir, wie Albert Strauß gera­de die Römer­stra­ße her­un­ter­kam und ins Haus lief. Mül­ler lief ihm nach und erwisch­te Albert unten im Flur. Dort haben wir ihn dann mit der Hand geschla­gen. Auf der Trep­pe stand Josef Weber und zer­schlug mit einer Axt das Trep­pen­ge­län­der. Auf das Geschrei von Albert erschie­nen oben auf der Trep­pe noch Theo­dor Christ und Mar­tin Schlupp aus Win­kel. Als wir Albert gehen lie­ßen, woll­te er die Trep­pe hin­auf, wur­de aber von den dort Ste­hen­den wie­der her­un­ter­ge­sto­ßen. Dabei wur­de ihm von Weber ein Topf oder ein Eimer auf den Kopf geschla­gen.“ Nach der Akti­on sei man inner­halb der Orts­grup­pe erstaunt dar­über gewe­sen, dass so vie­le “Nicht-Pg.s“ sich so aktiv dar­an betei­ligt hät­ten.[80]

Den Über­fall auf das Haus bestä­tig­te auch Georg Strauss, der Bru­der von Fan­ny, in einer eides­statt­li­chen Erklä­rung im Rah­men des Entschädigungsverfahrens:
„Bezüg­lich des Scha­dens am Eigen­tum kann ich fol­gen­des ange­ben: Ich weiß, daß eine Hor­de am 10. Nov. 1938 in das Haus mei­ner Schwes­ter ein­ge­drun­gen ist und fast alles zer­schla­gen und geplün­dert hat­te. Ich selbst bin im Dezem­ber selbst in Östrich gewe­sen und habe fest­ge­stellt, dass die Woh­nung fast kahl war. Mei­ne Schwes­ter erklär­te mir, das übri­ge sei zer­schla­gen wor­den und wäre unbrauch­bar. Außer­dem weiß ich, daß mei­ne Schwes­ter und deren Toch­ter, Johan­na Strauß, miß­han­delt wor­den sind.
Mei­ner Schwes­ter gehör­te das gan­ze Haus, sie selbst bewohn­te bis kurz vor Novem­ber 1938 das gan­ze Haus und ihr gehör­ten alle Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de. Die Zim­mer waren gut bür­ger­lich aus­ge­stat­tet. Der Scha­den ging in die Tau­sen­de.“
[81]

Es blieb nicht nur bei den Plün­de­run­gen und Miss­hand­lun­gen, wie auch sonst in Deutsch­land wur­den auch in Oestrich die männ­li­chen jüdi­schen Bür­ger ver­haf­tet und in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger über­führt. Vom 12. Novem­ber 1938 bis zum 12. April des fol­gen­den Jah­res saß auch Albert Strauss im KZ Buchen­wald ein. Mit der Häft­lings­num­mer 3736 ver­se­hen, war er als „Akti­ons­ju­de“ im Block 50 in der Bara­cke 2a unter­ge­bracht. Offen­bar war aber nicht nur die Tat­sa­che, dass er Jude war, ein Grund sei­ner Ver­haf­tung, auf sei­ner Häft­lings­kar­te ist auch ver­merkt, dass er von 1926 bis 1928 Mit­glied einer „Demo­kr. Jugend­grup­pe“ war.[82] Mit den weni­gen Klei­dungs­stü­cken, die er bei sei­ner Ver­haf­tung trug, muss­te er die eisi­gen Win­ter­mo­na­te im Lager auf dem Etters­berg bei Wei­mar über­ste­hen. Ein klei­nes Paket mit zwei Paar Socken erhielt er im Februar.

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26 Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26 Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26 Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26

 

 

 

 

 

 

 

Gefan­ge­nen­kar­tei­kar­ten für Albert Strauss aus Buchenwald
https://collections.arolsen-archives.org/archive/7205239/?p=1&s=Albert%20Strauss&doc_id=7205240

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Brief von Fan­ny Strauss an die Lager­lei­tung in Buchen­wald
https://collections.arolsen-archives.org/archive/7205239/?p=1&s=Albert%20Strauss&doc_id=7205240

Als Vor­aus­set­zung für sei­ne Ent­las­sung, wie häu­fig gesche­hen, hat­te er sich zum Ver­las­sen des Lan­des ver­pflich­ten müs­sen. Sei­ne Mut­ter hat­te die dafür not­wen­di­gen Vor­be­rei­tun­gen getrof­fen und einen Pass bean­tragt. Aller­dings sind die Daten bezüg­lich sei­ner Ent­las­sung aus dem KZ sehr ver­wir­rend. Als Ent­las­sungs­da­tum ist in sei­nen Papie­ren der 12. April 1939 ein­ge­tra­gen. Vom 11. Mai bis zum 17. Juli 1939 war er dann in Frank­furt gemel­det.[83] Ande­rer­seits exis­tiert aber ein Brief sei­ner Mut­ter an die Kom­man­dan­tur von Buchen­wald vom 27. Juni 1939, in dem sie dar­um bit­tet, dass man ihren Sohn ver­an­las­sen möge, sich Pass­bil­der anfer­ti­gen zu las­sen und die­se per Nach­nah­me zu ihr nach Oestrich zu schi­cken, was eigent­lich dar­auf schlie­ßen lässt, dass er zu die­sem Zeit­punkt noch im Lager gewe­sen sein müss­te. Noch ver­wir­ren­der ist dann, dass auf dem Brief die Notiz, „erl. am 1.2.39“ zu lesen ist. Die­se nicht nach­voll­zieh­ba­ren Datie­run­gen wer­den sich nicht mehr auf­klä­ren las­sen. Das nur für „Aus­wan­de­rungs­zwe­cke“ gül­ti­ge poli­zei­li­che Füh­rungs­zeug­nis aus Frank­furt, in dem die Mel­de­da­ten ange­ge­ben sind, ist wie­der­um am 4. August aus­ge­stellt wor­den. Zu die­ser Zeit muss Albert Strauss dem­nach noch in Deutsch­land gewe­sen sein. Ein wei­te­res poli­zei­li­ches Füh­rungs­zeug­nis sei­ner Hei­mat­ge­mein­de, wel­ches das Datum 19. Juli 1939 trägt, beschei­nigt ihm, dass er nach sei­nem Auf­ent­halt in Frank­furt nach Oestrich zurück­ge­kom­men war, ver­mut­lich um die letz­ten büro­kra­ti­schen For­ma­li­tä­ten zu erle­di­gen und um sich von sei­ner Fami­lie zu verabschieden.

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Abmel­dung von Alex­an­der Strauss nach Bak­ers­field /​ Kali­for­ni­en
HHStAW 518 68486 (6)

Über Köln, Brüs­sel, Ost­ende, Dover gelang­te er nach Rich­bo­rough in Eng­land – wann genau, ist nicht bekannt. Um eine Ein­rei­se­ge­neh­mi­gung für die Bri­ti­schen Inseln zu bekom­men, muss­te er eine Fahr­kar­te zur Wei­ter­fahrt nach Shang­hai vor­le­gen, wo man ihn offen­sicht­lich auch nicht haben woll­te. Über die Grün­de, wes­halb er die­ses Ticket nicht nutz­te oder nut­zen konn­te, mach­te er kei­ne Anga­ben.[84] Mög­li­cher­wei­se war es zwi­schen sei­ner Ankunft in Eng­land und der geplan­ten Wei­ter­rei­se zum Aus­bruch des Krie­ges gekom­men, was zur Fol­ge hat­te, dass er statt­des­sen als Ange­hö­ri­ger eines Feind­staa­tes am 1. Mai 1940 inter­niert wur­de. Auch lie­gen kei­ne Infor­ma­tio­nen dar­über vor, wie und wann es ihm danach gelang, wei­ter nach Kana­da zu rei­sen. Aber auch in Kana­da wur­de er zunächst wie­der inter­niert und erst am 31. Okto­ber 1942 end­gül­tig in Frei­heit ent­las­sen. Von Mon­tré­al aus konn­te er dann 1945 nach Kali­for­ni­en rei­sen, wo ande­re Mit­glie­der des Fami­li­en­ver­ban­des leb­ten. Von 1946 bis 1955 war er offen­sicht­lich im Juwe­liers­ge­schäft sei­nes Onkels Nathan Strauss in Bak­ers­field ange­stellt. Schon bei sei­ner Ent­las­sung aus Buchen­wald hat­te er die USA als Ziel sei­ner Aus­rei­se ange­ge­ben. 1955 wur­de das Geschäft des Onkels geschlos­sen und Alfred Strauss muss­te sich nach einer neu­en Arbeits­stel­le umse­hen.[85]  Ganz offen­sicht­lich war der früh aus­ge­wan­der­te Nathan Strauss eine wich­ti­ge Stüt­ze für die gesam­te Fami­lie in die­ser schwe­ren Zeit gewe­sen. Wie der wei­te­re Lebens­weg sei­nes Nef­fen Alfred Strauss aus­sah, ist nicht bekannt. Am 1. April 1978 ist Albert Strauss in Kali­for­ni­en ver­stor­ben.[86]

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Grab­stein für Albert Strauss in Kali­for­ni­en
https://​de​.fin​da​gra​ve​.com/​m​e​m​o​r​i​a​l​/​1​4​2​5​0​1​1​3​4​/​a​l​b​e​r​t​-​s​t​r​a​u​s​s​#​v​i​e​w​-​p​h​o​t​o​=​1​1​6​8​9​4​460.

Wohl etwa zum glei­chen Zeit­punkt wie Albert hat­ten auch sei­ne Mut­ter und Schwes­ter Oestrich ver­las­sen. Schon im Jahr zuvor, noch vor dem Pogrom, hat­te der Bür­ger­meis­ter ver­fügt, dass ihr Geschäft, das ohne­hin seit 1933 immer weni­ger Umsatz mach­te, end­gül­tig geschlos­sen wur­de.[87] Am 27. Febru­ar 1939 war das Haus in der Römer­str. 6 samt Stal­lun­gen und Wasch­kü­che ver­kauft wor­den, aller­dings durf­ten sie als ehe­ma­li­ge Eigen­tü­mer dann noch bis zum Sep­tem­ber in dem stark demo­lier­ten Haus woh­nen blei­ben. Weil es so sehr beschä­digt wor­den war, wur­de der Kauf­preis ent­spre­chend redu­ziert und die Käu­fer lie­ßen auf eige­ne Kos­ten die not­wen­di­gen Repa­ra­tu­ren durch­füh­ren. Wie die neue Besit­ze­rin im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren selbst zugab, hat­te Fan­ny Strauss bei den dama­li­gen Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen 1939 bemerkt, dass sie eigent­lich einen höhe­ren Preis hät­te ver­lan­gen wol­len, es aber ange­sichts der Schä­den bei einem Preis von 12.000 RM belas­sen wol­le.[88] Selbst­ver­ständ­lich wur­de das Geld auf ein zu errich­ten­des Sperr­kon­to ein­ge­zahlt und Fan­ny Strauss dazu ver­pflich­tet, eine aktu­el­le Ver­mö­gens­er­klä­rung abzu­ge­ben.[89] In der am 7. Juli 1939 über­mit­tel­ten Auf­stel­lung gab sie an, 500 RM aus einem noch nicht geneh­mig­ten Grund­stücks­ver­kauf, 600 RM an Wert­pa­pie­ren und den Erlös aus dem Haus­ver­kauf zu besit­zen. 4.900 RM waren bereits auf dem gesperr­ten Kon­to ein­ge­gan­gen, 5.000 RM betrug die Rest­for­de­rung.[90] In der Auf­stel­lung sind auch Ver­bind­lich­kei­ten auf­ge­führt, die sie zu beglei­chen hat­te, dar­un­ter auch Ope­ra­ti­ons­kos­ten für ihren Sohn Albert in Höhe von 300 RM. Auch ist hier eine Rate – ver­mut­lich die drit­te — der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be in Höhe von 350 RM ange­ge­ben. Dar­aus lässt sich schlie­ßen, dass ins­ge­samt 1.400 RM bzw. mit der 5. Rate 1.750 RM die­ser Son­der­steu­er von Fan­ny Strauss zu zah­len waren.[91]

In wei­te­ren Schrei­ben an die Devi­sen­stel­le bat sie dar­um, ihr einen monat­li­chen Frei­be­trag von 400 RM zu gewäh­ren, da sie sowohl für ihren eige­nen Lebens­un­ter­halt als auch für den ihrer Toch­ter und ihren Sohn auf­kom­men müs­se. Letz­te­rer arbei­te unent­gelt­lich in Frank­furt zur „Umschich­tung“.[92] Tat­säch­lich wur­de der Frei­be­trag in die­ser Höhe zunächst zuge­stan­den, im Mai des fol­gen­den Jah­res aber zunächst auf 300 RM,[93] dann im Janu­ar 1942 auf 250 RM und zuletzt im März 1942 auf nur noch 200 RM her­ab­ge­setzt.[94]

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Brief von Fan­ny Strauss an die Devi­sen­stel­le vom Juli 1939, in dem sie ihre finan­zi­el­le Situa­ti­on dar­stellt
HHStAW 519/​3 7836 (3)

Aber zu die­sem Zeit­punkt war Albert Strauss längst im siche­ren Exil. Fan­ny Strauss mit ihrer Toch­ter Johan­na waren nach dem Ver­kauf des Hau­ses am 22. Sep­tem­ber 1939 nach Wies­ba­den in die Dotz­hei­mer Str. 31 gezo­gen, wo sie im zwei­ten Stock wohn­ten.[95] Ver­mut­lich fühl­te sich Johan­na ver­ant­wort­lich für ihre ver­wit­we­te Mut­ter und hat­te wohl gar nicht erst ver­sucht, Deutsch­land zu ver­las­sen. Sie gehör­te daher als ein­zi­ge die­ser Strauss-Gene­ra­ti­on zu den Opfern des Holocaust.

Ver­mut­lich leb­ten die bei­den Frau­en in der Dotz­hei­mer Stra­ße zusam­men mit Jet­tie Still, gebo­re­ne Rabi­no­wicz. Deren Sohn Bern­hard war im August 1939 im Alter von 16 Jah­ren noch recht­zei­tig nach Schott­land gebracht wor­den, ihr Mann Hersch Still war bereits im Juni nach Bel­gi­en geflo­hen. Für ihn hat­te von dort aus eine Odys­see begon­nen, die nach ver­schie­de­nen Auf­ent­hal­ten in Afri­ka 1940 in Eng­land ende­te — viel zu spät, um sei­ne in Wies­ba­den zurück­ge­blie­be­ne Frau zu ret­ten.[96] Die­se bestieg am 10. Juni 1942 zusam­men mit Fan­ny und Johan­na Strauss den Trans­port mit der Zug­num­mer DA 18, der am fol­gen­den Tag von Frank­furt aus etwa 1250 Juden aus meh­re­ren hes­si­schen Land­krei­sen, dar­un­ter 618 aus Frank­furt und 371 aus Wies­ba­den, in die eigent­lich pol­ni­sche, jetzt im soge­nann­ten Gene­ral­gou­ver­ne­ment lie­gen­de Stadt Lub­lin brach­te. Etwa 200 arbeits­fä­hi­ge Män­ner wur­den dort aus­sor­tiert und für Zwangs­ar­bei­ten in das Lager Maj­da­nek über­stellt. Die übri­gen brach­te der Zug nach Sobi­bor unmit­tel­bar in den Lager­be­reich II, wo sich die Depor­tier­ten ent­klei­den muss­ten und wo ihnen die letz­te Habe, klei­ne­re Wert­sa­chen, Nah­rungs­mit­tel und Erin­ne­run­gen genom­men wur­den. Danach wur­den sie in eine der drei etwa 16 qm gro­ßen Kam­mern getrie­ben, in die über Rohr­lei­tun­gen die Abga­se der im Neben­ge­bäu­de instal­lier­ten Moto­ren ein­ström­ten. Unfass­ba­re 20 bis 30 Minu­ten dau­er­te es, bis die Opfer die­ser mör­de­ri­schen Tor­tur end­lich den Tod fan­den.[97]

Max und Augus­te Strauss waren noch bis 1939 in Gei­sen­heim geblie­ben. Ob büro­kra­ti­sche Hin­der­nis­se oder die vage Hoff­nung, die Ver­fol­gung der Juden kön­ne nicht noch über das bis­he­ri­ge Maß gestei­gert wer­den, sie davon abhiel­ten, Deutsch­land schon frü­her zu ver­las­sen, ist nicht bekannt. Ihr Blei­ben hat­te zur Fol­ge, dass sie das schreck­li­che Jahr 1938 noch in Gei­sen­heim erle­ben muss­ten. Als Indiz für den all­täg­li­chen Anti­se­mi­tis­mus, den die Fami­lie Strauss ganz sicher in all den Jah­ren zwi­schen 1933 und 1938 ertra­gen muss­te, kann ein akten­kun­dig gewor­de­ner Vor­fall vom Som­mer 1938 gewer­tet wer­den, der aber genau­so zeigt, dass es damals auch in Gei­sen­heim noch Men­schen gab, die sich nicht an der all­ge­mei­nen Het­ze betei­lig­ten. Max Strauss war bei einem Rund­gang durch den Ort, bei dem er von säu­mi­gen Schuld­nern die fäl­li­gen Raten ein­kas­sie­ren woll­te, von einer ihm bekann­ten Frau ver­folgt wor­den und mit ihr in Streit gera­ten. Sie beschul­dig­te ihn, sie mit „fre­ches Frau­en­zim­mer“ beschimpft zu haben, was Max Strauss aber ent­schie­den bestritt. Bei einer poli­zei­li­chen Ver­neh­mung, konn­ten selbst von der besag­ten Frau benann­te Zeu­gin­nen nicht bestä­ti­gen, dass die Wor­te gefal­len waren. Am Abend des glei­chen Tages kam dann eine Grup­pe von fünf Män­nern in Zivil in das Haus von Max Strauss in der Markt­str. 2 und woll­ten ihn zwin­gen, zuzu­ge­ben, die Beschimp­fung gemacht zu haben. Als er wei­ter­hin bei sei­ner Aus­sa­ge blieb, kam es zu dem von Lieb­mann Strauss in einem an die Anwäl­te sei­nes Bru­ders gerich­te­ten Schreiben:

„Dar­auf­hin gin­gen sie ihm bis ins Zim­mer nach, ris­sen ihn vom Divan auf den Boden und schleif­ten ihn, da er nicht ohne Wei­te­res mit­ging, durch den Flur die Trep­pe her­un­ter, führ­ten ihn öffent­lich, nur mit Hemd und Hose beklei­det, durch die Stra­ße bis zum Rat­haus, wo er nun seit dem 17.ten in Schutz­haft ist. Die Poli­zei war bei der Fest­nah­me nicht zuge­gen, es waren alles Leu­te in Zivil, wel­che bei der S.A. sind, außer­dem ein Herr Man­gold, wel­cher hier bei Geh. Staats­po­li­zei sein soll. Legi­ti­miert hat er sich aber nicht. Mein Bru­der hat infol­ge der Miss­hand­lun­gen und Auf­re­gun­gen Herz­be­schwer­den, Schwel­lun­gen und Haut­ab­schür­fun­gen am Bein und muss­te ges­tern einen Arzt in Anspruch neh­men. Er befin­det sich in Schutz­haft auf dem hie­si­gen Rat­haus und wur­de uns bei einer per­sön­li­chen Vor­spra­che auf dem Land­rats­amt in Rüdes­heim heu­te mor­gen mit­ge­teilt, dass wir uns an die Gehei­me Staats­po­li­zei in Frank­furt wen­den sol­len, wo die Akten bereits vor­lie­gen.“ Die Vor­spra­che des Anwalts hat­te Erfolg. Wie lan­ge Max Strauss aber damals inhaf­tiert war, ist nicht bekannt. Am 14. Okto­ber 1938 wur­de dem Anwalt ein Scheck für sei­ne Diens­te über­mit­telt.[98] Die Frei­heit währ­te nur vier Wochen.

Schon vor die­sem Zwi­schen­fall hat­ten Max und Augus­te Strauss für ihre Flucht aus Deutsch­land kon­kre­te Schrit­te unter­nom­men, nach­dem ihre Kin­der in Sicher­heit waren. Zwar wur­de das Haus in der Markt­str. 2, das Max und Lieb­mann Strauss gemein­sam gehör­te, erst im März 1939 end­gül­tig ver­kauft, Ver­hand­lun­gen hat­te es aber schon viel frü­her gege­ben. Ein geplan­ter Ver­kauf, der den Eigen­tü­mern sogar 5.500 RM mehr ein­ge­bracht hät­te, wur­de aller­dings von dem dama­li­gen NSDAP-Kreis­lei­ter ver­hin­dert, weil der Aspi­rant – so Max Strauss – „bei den Nazi-Stel­len nicht so gut ange­schrie­ben war“.[99] Laut die­sem Kauf­ver­trag, abge­schlos­sen am 8. Sep­tem­ber 1938, soll­te das Haus samt Geschäft am 1. Okto­ber über­ge­ben wer­den.[100] Statt­des­sen ging das Haus­grund­stück für nur 17.500 RM an einen von den ört­li­chen Par­tei­krei­sen bevor­zug­ten Schrei­ner­meis­ter und Möbel­händ­ler aus Gei­sen­heim.[101] Die Ereig­nis­se vom Novem­ber 1938 hat­ten nach­drück­lich gezeigt, wie wenig man unter den gege­be­nen Macht­ver­hält­nis­sen aus­rich­ten konn­te und dass ein wei­te­res Zögern lebens­be­droh­lich sein würde.

Zwar schreibt Fried­mann, dass die Aus­schrei­tun­gen in Gei­sen­heim im Ver­gleich zu Frank­furt oder Gie­ßen – sei­ne bei­den Ver­gleichs­städ­te – weni­ger ernst gewe­sen sei­en, schreibt aber dann auch, dass Max und Lieb­mann Strauss die­ser Ein­schät­zung sicher wider­spro­chen hät­ten, waren die bei­den neben Lud­wig May­er doch die Haupt­leid­tra­gen­den die­ser Nacht in Gei­sen­heim.[102]

„Zu den beson­ders schlim­men Ereig­nis­sen jenes Tages gehört es, daß auch Jugend­li­che und Kin­der zur Mit­wir­kung bei dem Pogrom her­an­ge­zo­gen wur­den. In ver­schie­de­nen Orten benutz­ten poli­ti­sche Lei­ter Hit­ler­ju­gend und Schü­ler als Demons­tran­ten und ‚Pro­vo­ka­teu­re’, um Aus­schrei­tun­gen der Bevöl­ke­rung aus­zu­lö­sen. (…) In Gei­sen­heim sind es haupt­säch­lich Schü­ler der dor­ti­gen Ver­suchs- und For­schungs­an­stalt für Wein‑, Obst- und Gar­ten­bau, die unter Füh­rung eines Gei­sen­hei­mer SS-Man­nes zu dem Anwe­sen eines jüdi­schen Kauf­manns mar­schie­ren. In ihren Akten­ta­schen füh­ren sie Stei­ne mit sich. Vor dem jüdi­schen Haus ange­langt, off­nen sie ihre Akten­ta­schen, rufen ‚Juda ver­re­cke’ und wer­fen über­fall­ar­tig die Schei­ben ein.“[103]

Max Strauss hat im Rah­men des Ent­schä­di­gungs­ver­fah­rens prä­zi­siert, wel­che Schä­den damals von der Nazi-Hor­de, die sich gegen 14 Uhr vor sei­nem Haus ver­sam­melt hat­te, ange­rich­tet wur­den: Fens­ter­rah­men, Läden, Schei­ben und Türen wur­den zer­schla­gen, ein Buf­fet zer­trüm­mert und das gesam­te Geschirr und die Glä­ser in den Schrän­ken waren zu Bruch gegan­gen. Allein die­ser Scha­den habe bei etwa 7.000 RM gele­gen. Auch das gesam­te Waren­la­ger, dar­un­ter 150 Her­ren­an­zü­ge und Män­tel, sei mit Last­wa­gen fort­ge­schafft wor­den. Eben­so wur­den die Möbel im Haus, die man nicht zu Bruch geschla­gen habe, samt der sich dar­in befind­li­chen Wäsche und der per­sön­li­chen Wert­ge­gen­stän­de mit­ge­nom­men. Auch das Wein­la­ger wur­de geplün­dert und eine pri­va­te Stahl­kas­set­te sei ent­wen­det wor­den. Neben dem dar­in auf­be­wahr­ten Bar­geld, fast 900 RM, hät­ten sich dar­in auch geschäft­li­che Schuld­schei­ne befun­den, sodass bestehen­de For­de­run­gen nicht mehr nach­ge­wie­sen wer­den konn­ten – die Ent­schul­dung „beim Juden“ auf die klas­si­sche Art. Max Strauss muss­te nur eine Nacht im Gefäng­nis ver­brin­gen, aber die Zeit reich­te dem Mob aus, um den Kas­sen­schrank in den Geschäfts­räu­men zu öff­nen und die dort ein­lie­gen­den Geschäfts­pa­pie­re und wei­te­res Bar­geld zu steh­len.[104] Der Scha­den habe ins­ge­samt etwa 40.000 RM aus­ge­macht, 25.000 RM davon allein für das geraub­te Gut aus dem Lager.

Es ist nur schwer vor­stell­bar, wie das Ehe­paar Strauss noch mehr als ein wei­te­res Vier­tel­jahr in die­sem Ort hat leben kön­nen. Aber es dau­er­te noch Mona­te, bis die not­wen­di­gen Beschei­ni­gun­gen für die Aus­rei­se aus­ge­stellt waren. Die steu­er­li­che Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung des Finanz­amts Rüdes­heim, eine wesent­li­che Vor­aus­set­zung dafür, dass die bei­den aus Deutsch­land her­aus­durf­ten, wur­de am 27. März 1939 aus­ge­fer­tigt.[105] Sein Geld­ver­mö­gen, das am 1. Janu­ar 1935 noch fast 30.000 RM betra­gen hat­te, war inzwi­schen deut­lich zusam­men­ge­schrumpft. Man hat­te die letz­ten Jah­re weit­ge­hend von dem Erspar­ten leben müs­sen. Nach dem Pogrom war die wohl beträcht­li­che Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be zu beglei­chen.[106] Die Dego-Abga­be für neu erwor­be­ne Güter, die mit ins Aus­land genom­men wer­den soll­ten, war mit 30 RM rela­tiv gering, wie auch die Pflicht­ab­ga­be an die ‚Reichs­ver­ei­ni­gung der Juden in Deutsch­land’, die 50 RM betrug. Die Aus­wan­de­rungs­kos­ten, Fahr­kar­ten, Besor­gungs­kos­ten usw. hat­ten sich auf fast 3.000 RM sum­miert.[107] Sein Ver­mö­gen, Stand 6. April 1939, betrug nach sei­nen Anga­ben nur noch 7.079 RM.[108]
Als 1938 der ers­te, dann wie­der annul­lier­te Kauf­ver­trag über das Haus in der Markts­ra­ße zustan­de gekom­men war und die Gemein­de alle invol­vier­ten Behör­den über die Aus­wan­de­rungs­ab­sich­ten der Fami­lie Strauss unter­rich­te­te, wur­de als Ziel­land Luxem­burg ange­ge­ben, wo die Toch­ter Erna mit ihrem Mann damals noch leb­ten.[109] Man muss aber davon aus­ge­hen, dass das nur eine Zwi­schen­sta­ti­on sein soll­te, denn das eigent­li­che Ziel war Süd­afri­ka, wo Sohn Kurt sich inzwi­schen eine Exis­tenz auf­ge­baut hat­te. Die­se Ver­mu­tung ergibt sich dar­aus, dass Lieb­mann Strauss, der den ‚Antrag auf Mit­nah­me von Umzugs­gut’ am 10. Juni 1939 anstel­le sei­nes Bru­ders ein­reich­te, dar­in Johan­nes­burg als Ziel ange­ge­ben hat­te – ver­mut­lich zu einem Zeit­punkt, an dem sein Bru­der mit Frau die Gren­zen Deutsch­lands bereits über­schrit­ten hat­te.[110]
Genaue Infor­ma­tio­nen, wann Max und Augus­te Strauss Deutsch­land ver­lie­ßen und wann sie wei­ter nach Süd­afri­ka zogen, lie­gen nicht vor. Max Strauss ver­starb am 2. Okto­ber 1959 in Johan­nes­burg, wann sei­ne Frau ver­starb, ist nicht bekannt.

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Umzug von Lieb­mann und Karo­li­ne Strauss nach Wies­ba­den
HHStAW 685 800a (24)

Zum 1. Sep­tem­ber 1939 ver­lie­ßen auch Lieb­mann und Karo­li­ne Strauss Gei­sen­heim und zogen nach Wies­ba­den in das Haus in der Her­mann­str. 26. Drei Tage spä­ter unter­rich­te­te Lieb­mann Strauss das Finanz­amt Rüdes­heim von die­sem Umzug. [111] Dass sie aus ihrem Hei­mat­ort weg­woll­ten, war nur zu ver­ständ­lich. Wies­ba­den, die nächst­grö­ße­re Stadt, war damals Ziel vie­ler Rhein­gau­er Juden. Es gibt aller­dings kei­nen Hin­weis dar­auf, dass auch Lieb­mann Strauss wäh­rend der Reichs­po­grom­nacht ver­haf­tet oder sei­ne Woh­nung ange­grif­fen wor­den war. Aber natür­lich hat­te auch er mit sei­nen Glau­bens­brü­dern und ‑schwes­tern und sei­nen Ver­wand­ten gelit­ten. Auch hat­te er die Hälf­te des Scha­dens zu tra­gen, der im Geschäfts­haus in der Markt­stra­ße ange­rich­tet wor­den war.

Noch in Gei­sen­heim wur­den er und sei­ne Frau vom zustän­di­gen Finanz­amt in Rüdes­heim zur Zah­lung der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be auf­ge­for­dert. Über die Höhe lie­gen meh­re­re Berech­nun­gen vor. Lieb­mann Strauss konn­te offen­sicht­lich durch mehr­fa­che Inter­ven­tio­nen errei­chen, dass die ers­te Zah­lungs­auf­for­de­rung aus dem Dezem­ber 1938 in der Höhe von 2.600 RM für jeden Ehe­part­ner im Febru­ar 1939 auf jeweils 1.400 RM abge­senkt wur­de. Die Kor­rek­tur war not­wen­dig, weil der ursprüng­li­che Kauf­ver­trag über das Haus in der Markt­stra­ße nicht geneh­migt wor­den war, den­noch hat­ten Lieb­mann und Karo­li­ne Strauss jeweils vier Raten von 350 RM, somit ins­ge­samt 2.800 RM die­ser Son­der­steu­er zu leis­ten.[112]

Als im Herbst 1939 die 5. Rate ein­ge­for­dert wur­de, wohn­ten sie bereits in Wies­ba­den. Die Zah­lung die­ser Rate wur­de ihnen erlas­sen, weil sie jeweils einen Betrag, der unter 500 RM lag, hät­ten zah­len müs­sen.[113] Aus dem Bitt­schrei­ben, das Karo­li­na Strauss in die­ser Ange­le­gen­heit im Novem­ber 1939 an das Finanz­amt Wies­ba­den schick­te, geht her­vor, dass auch sie mit ihrem Mann geplant hat­ten, Deutsch­land zu ver­las­sen. Sie schreibt darin:
“Mei­ne Aus­wan­de­rung nach USA ist durch Bürg­schaft wohl gesi­chert, jedoch infol­ge der Quo­ten­num­mer 26359 vor­erst noch nicht mög­lich anzu­ge­ben, wann die­se erfol­gen kann.
Das noch vor­han­de­ne Ver­mö­gen ist so gering, dass ich sehr spar­sam und beschei­den leben muss, um die Lebens­not­wen­dig­kei­ten anteil­ge­mäß davon bestrei­ten zu kön­nen und die zur Über­fahrt nach USA ent­ste­hen­den Kos­ten erle­di­gen zu kön­nen.“
[114]

Sie woll­ten ver­mut­lich zu ihrem Sohn Alex, der damals in Kali­for­ni­en wohn­te. In einem Brief, den Hed­wig Strauss, Ehe­frau von Sebald Strauss, eben­falls aus Gei­sen­heim stam­mend und Mit­ei­gen­tü­me­rin des Juden­hau­ses in der Bahn­hofstr. 46, am 7. April 1940 an ihren im süd­ame­ri­ka­ni­schen Exil leben­den Sohn Alfred, erwähnt auch sie die Aus­wan­de­rungs­ab­sich­ten der Verwandten:
“Vater ist heu­te schon auf dem Lan­gen­beck­platz [dama­li­ge Adres­se des St. Josefs-Hos­pi­tals — K.F.] gewe­sen bei Lieb­mann Strauss aus Gei­sen­heim. Er wohnt hier. In Köln hat­te man ihm gesagt, mit einem Nabel­bruch, kom­me [er – K.F] nicht in die USA. So hat er sich einer Ope­ra­ti­on unter­zo­gen, kommt mor­gen wie­der nach Hause.“

Wie lan­ge sie an die­sem Stroh­halm der Ret­tung fest­hiel­ten, auf ein Wun­der hoff­ten, ist schwer zu sagen. Spä­tes­tens seit dem 23. Okto­ber 1941, dem Tag, an dem Himm­ler ver­füg­te, „dass die Aus­wan­de­rung von Juden mit sofor­ti­ger Wir­kung zu ver­hin­dern“ sei,[116] muss­ten die letz­ten Hoff­nun­gen, das ret­ten­de Ufer auf der ande­ren Sei­te des Oze­ans noch zu errei­chen, erstor­ben sein.

Inzwi­schen war auch das Zuhau­se in der Her­mann­str. 26 offi­zi­ell zu einem Juden­haus erklärt wor­den. Dort war wohl im Spät­som­mer im ers­ten Stock des Vor­der­hau­ses eine klei­ne Woh­nung frei­ge­wor­den.[117] Ob die­se Woh­nung ihnen durch das Städ­ti­sche Woh­nungs­amt oder auch die Jüdi­sche Gemein­de ver­mit­telt wor­den war, ist nicht mehr zu klären.

Von Wies­ba­den aus wickel­te Lieb­mann Strauss noch die Liqui­da­ti­on der Fir­ma ab, deren allei­ni­ger Inha­ber er nach der Flucht sei­nes Bru­ders war. Die­se Ver­än­de­rung wie auch sei­nen Umzug teil­te er dem Finanz­amt Rüdes­heim am 3. Sep­tem­ber 1939 mit. Trotz der Zer­stö­run­gen wäh­rend der Pogrom­nacht müs­sen noch ver­wert­ba­re Waren vor­han­den gewe­sen sein. Ein Gei­sen­hei­mer Manu­fak­tur­wa­ren­händ­ler kauf­te die rest­li­chen Klei­der, der Käu­fer des Hau­ses, ein Schrei­ner und Möbel­händ­ler, die noch ver­wert­ba­ren Möbel auf. Somit hat­te Lieb­mann Strauss im Jahr 1940 doch noch ein­mal Ein­nah­men in Höhe von knapp 1.500 RM.[118] Im Febru­ar 1940 war auch gegen Lieb­mann Strauss eine Siche­rungs­an­ord­nung ergan­gen. Noch besaß er auf sei­nen Kon­ten einen Betrag von 7.163 RM, sei­nen Lebens­un­ter­halts­be­darf gab er für zwei Per­so­nen mit 210 RM an.[119]. Ein Schrei­ben an das Finanz­amt Wies­ba­den aus dem Janu­ar zeigt, wie sein Ver­mö­gen in den bei­den fol­gen­den Jah­ren zusam­men­ge­schrumpft war. Am 1. Janu­ar 1941 hat­te es noch knapp 4.200 RM, am 1. Janu­ar 1942 nur noch 2.500 RM betra­gen.[120] Einen Monat spä­ter war er erneut auf­ge­for­dert wor­den, dar­zu­le­gen, wie viel Geld er für sei­nen Lebens­be­darf benö­ti­ge. In der Auf­stel­lung, die ins­ge­samt einen Betrag von 200 RM aus­mach­te, ist auch ein Pos­ten „Bahn, Omni­bus­fahrt zur Arbeits­stel­le nach Idstein cir­ca 20,-“ auf­ge­führt.[121] Spä­tes­tens seit dem 27. Okto­ber 1941 war er als Zwangs­ar­bei­ter bei der Idstei­ner Fir­ma ‚H[einri]ch. Ber­nin­ger & CO.’, einer Fabrik für Leder­erzeug­nis­se, ein­ge­stellt wor­den. Eine Lohn- und Steu­er­be­schei­ni­gung vom 20. Febru­ar 1942 belegt, dass er für den Zeit­raum bis zum Jah­res­en­de 1941 dort einen noch zu ver­steu­ern­den Brut­to­lohn von 230 RM erhielt. Die Fahrt­kos­ten zur Arbeits­stel­le hat­te er – wie in sei­ner Ver­mö­gens­er­klä­rung erkenn­bar – selbst zu tra­gen.[122] Wie lan­ge er dort zur Arbeit gezwun­gen war, ist nicht sicher anzu­ge­ben, auch nicht, ob er mög­li­cher­wei­se wäh­rend der Woche sogar in Idstein woh­nen muss­te. In einer nach dem Krieg erstell­ten Lis­te des ITS, in der die Namen der Juden auf­ge­führt sind, die zeit­wei­se in Idstein leb­ten, ist auch Lieb­mann Strauss ver­zeich­net. Als Auf­ent­halts­zeit ist dort der Zeit­raum vom 27. Okto­ber 1941 bis zum 15. März 1942 ange­ben.[123] In einem ergän­zen­den Daten­satz ist hin­ge­gen der 21. August 1942 als Auf­ent­halt­sen­de in Idstein ange­ge­ben.[124]

Über ihre Zeit im Juden­haus, über das Leben mit­ein­an­der lie­gen lei­der kei­ne Infor­ma­tio­nen vor. Auch Wil­ly Rink erwähnt das Ehe­paar Strauss, vom Ein­zug abge­se­hen, in sei­nen bio­gra­phi­schen Noti­zen nur noch ein­mal. Nach­dem bei der ers­ten gro­ßen Depor­ta­ti­on die Haus­be­sit­zer Acker­mann am 10. Juni 1942 depor­tiert wor­den waren, sei­en bei­de, so gibt er an, noch für kur­ze Zeit in deren Woh­nung in der Eta­ge über ihrer bis­he­ri­gen Woh­nung gezo­gen.[125]

Zum nächs­ten Depor­ta­ti­ons­ter­min am 1. Sep­tem­ber 1942 waren auch Lieb­mann und Karo­li­ne Strauss auf­ge­for­dert wor­den, sich für die „Eva­ku­ie­rung“ in den Osten bereit zu machen. Der Trans­port, der gemäß den Vor­ga­ben von Eich­mann weit­ge­hend aus älte­ren jüdi­schen Män­nern und Frau­en bestehen soll­te, brach­te etwa 1100 Men­schen über Frank­furt in das Alters­ghet­to The­re­si­en­stadt. Eben­falls im Zug saßen die Mit­be­woh­ner der Her­mann­str. 26 Fer­di­nand und Eleo­no­re Fei­bel sowie Ernst und Hil­da Wolf.

Es gibt kei­ne Infor­ma­tio­nen von Über­le­ben­den, kei­ne Brie­fe oder ande­re Nach­rich­ten, die Aus­kunft über ihre Lei­dens­zeit dort geben. Man kann nur aus den Berich­ten ande­rer, die es irgend­wie schaff­ten, am Leben zu blei­ben, schlie­ßen, was sie zu ertra­gen hat­ten.[126] Am 4. April 1944 wur­de Lieb­mann Strauss nach 19 Mona­ten ermor­det. Ob er durch die unmensch­li­chen Lebens­be­din­gun­gen im Lager sein Leben ver­lor oder Opfer unmit­tel­ba­rer Gewalt wur­de, ist nicht bekannt.[127] Für Karo­li­ne Strauss war das Lei­den in The­re­si­en­stadt noch nicht been­det. Ein hal­bes Jahr nach dem Tod ihres Man­nes wur­de sie mit dem Trans­port Ep 470 am 9. Okto­ber 1944 noch wei­ter in das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz gebracht. Es war der sieb­te von ins­ge­samt elf Liqui­da­ti­ons­trans­por­ten, mit denen mehr als 18.000 Juden aus The­re­si­en­stadt angeb­lich zum Arbeits­ein­satz, tat­säch­lich aber für den Tod in den Gas­kam­mern von Ausch­witz selek­tiert wur­den. Nur weni­gen die­ser Trans­por­te gelang es, sich der Mord­ma­schi­ne­rie zu ent­zie­hen. Da Karo­li­ne Strauss ganz sicher nicht zu denen gehör­te, die man noch zu irgend­wel­chen Arbei­ten her­an­zie­hen konn­te, kann man mit Sicher­heit anneh­men, dass sie unmit­tel­bar nach ihrer Ankunft in Ausch­witz ihr Leben in einer der Gas­kam­mern verlor.

Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Gedenk­stein für die Opfer des Holo­caust in Gei­sen­heim
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1b/Geisenheim_Rheingau_Gedenkstein_J%C3%BCdische_Mitb%C3%BCrger.jpg
Abraham Strauss, Babette Strauss Herzog, Nathan Strauss , Laura Strauss Kramer, Elisabeth Strauss Löwenthal, Isaak Löwenthal, Sigmund Strauss, Max Strauss Auguste Strauss Bender, Liebmann Strauss, Karoline Strauss Bender, Fanny Strauss, Jakob Strauss, Georg Strauss, Emma Strauss, Alfred Strauss, Albert Strauss, Alice Strauss, Siegfried Strauss, Kurt Strauss, Ernst Wolff, Erna Strauss Wolff, Alex Strauss, Geisenheim, Wiesbaden Judenhaus, Hermannstr. 26
Gedenk­stein für die Opfer des Holo­caust in Oestrich
https://​www​.lagis​-hes​sen​.de/​d​e​/​s​u​b​j​e​c​t​s​/​i​d​r​e​c​/​s​n​/​j​u​f​/​i​d​/​4​262

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ver­öf­fent­licht: 25. 03. 2020
Letz­te Revi­si­on: 08. 04.2022

 

 

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Anmer­kun­gen:

 

[1] HHStAW 518 3297 I (214).

[2] Fried­man, Jona­than C. The Lion and the Star. Gen­ti­le-Jewish Rela­ti­ons in Three Hes­si­an Com­mun­ti­ties, 1919–1945, Lex­ing­ton 1998, S. 32, dazu https://​www​.lagis​-hes​sen​.de/​d​e​/​s​u​b​j​e​c​t​s​/​i​d​r​e​c​/​s​n​/​o​l​/​i​d​/​4​3​9​0​0​4​010. (Zugriff: 21.2.2020).

[3] Sie­he zu den ver­schie­de­nen Fami­li­en Strauß auch die Anmer­kun­gen von Hell, Wal­ter, Die Juden von Oestrich — Win­kel vom 17. Jahr­hun­dert bis zu ihrer Ver­trei­bung und Ver­nich­tung. In: Der Aus­schel­ler Nr. 35–38/2006, S. 32 ff. Fried­mann schreibt in sei­ner exem­pla­ri­schen Fall­stu­die über die Bezie­hun­gen zwi­schen jüdi­scher und nicht­jü­di­scher Bevöl­ke­rung in drei hes­si­schen Gemein­den zwi­schen 1919 und 1945, in der er neben den Städ­ten Frank­furt und Gie­ßen, Gei­sen­heim als typi­sche Land­ge­mein­de betrach­tet: „Per­haps the most inte­res­t­ing cha­rac­te­ristic of Gei­sen­heim Jewry was ist kin­ship; thir­teen Jews in the vil­la­ge were mem­bers of the exten­ded Strauss fami­ly. Fried­man, Lion and Star, S. 32.
Dank einer Urkun­de über die Über­tra­gung des Hau­ses von Suß­mann und Ger­trud Strauss an ihren Sohn Adolf im Jahr 1857 und der Geburts­an­zei­ge von Suß­mann durch sei­nen Vater Nathan Abra­ham konn­ten wesent­li­che genea­lo­gi­sche Zusam­men­hän­ge in die­sem gro­ßen Fami­li­en­ver­band rekon­stru­iert wer­den. Es war die­ser Suß­mann Abra­ham, der den fes­ten Fami­li­en­na­men Strauß ein­führ­te, sie­he HHStAW 283 873. Umfas­send sind die Zusam­men­hän­ge, die im abge­bil­de­ten Stamm­baum nach­voll­zo­gen wer­den kön­nen, im Kapi­tel über Sebald und Hed­wig Strauss dargestellt.

[4] HHStAW 518 9243 (10).Abraham Strauss war am 1.7.1823, sei­ne Frau am 19.5.1835 als Toch­ter von Georg Her­zog und des­sen Frau Julia­ne Hirsch gebo­ren wor­den. Babet­te Strauss ver­starb am 2.9.1911 in Gei­sen­heim, Ster­be­re­gis­ter Gei­sen­heim 37 /​1911. Abra­ham Strauss selbst war bereits am 17.9.1901 ver­stor­ben, ebd. 56/​1901. Dem Ster­be­ein­trag ist zu ent­neh­men, dass auch die Eltern von Abra­ham, Nathan und Johan­na Strauss, gebo­re­ne Heymann, bereits als Händ­ler in Gei­sen­heim wohn­haft waren.

[5] Hei­rats­re­gis­ter Gei­sen­heim 4 /​ 1893.

[6] Zum Schick­sal der Fami­lie Lieb­mann Strauss sie­he aus­führ­lich oben https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/hallgarter-str‑6/julius-und-luise-loewenthal/#_ftnref6. Sie­he auch den Bei­trag der Stol­per­stein­in­itia­ti­ve Gei­sen­heim https://​www​.rhein​gau​.de/​a​k​t​u​e​l​l​e​s​/​d​e​t​a​i​l​s​/​1​2​642. (Zugriff: 26.1.2020).

[7] https://​www​.jue​di​sches​-bin​gen​.de/​1​1​0​.​0​.​h​tml. (Zugriff: 26.1.2020). Auch bei der Hoch­zeit sei­ner Schwes­ter Fan­ny hat­te er als Treu­zeu­ge fun­giert. Im Jahr 1904 hat­te er in der Rat­haus­str. 21 gewohnt. Hei­rats­re­gis­ter Gei­sen­heim 1 /​ 1905.

[8] https://www.ancestry.com/genealogy/records/nathan-strauss-24–2rm6pb1. (Zugriff: 21.2.2020). Laut ancestry ver­starb Nathan Strauss am 9.1.1950, sei­ne Frau 1933 in Bak­ers­field. Armaund und sein Bru­der sind inzwi­schen eben­falls ver­stor­ben, der Älte­re im Jahr 1982, der Jün­ge­re 1990.
Laut ame­ri­ka­ni­schem Cen­sus von 1930 hat­te die Ein­rei­se von Nathan Strauss in die USA aller­dings erst 1891 statt­ge­fun­den, sie­he https://​www​.myhe​ri​ta​ge​.de/​r​e​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​-​1​0​1​3​4​/​v​o​l​k​s​z​a​h​l​u​n​g​-​1​9​3​0​-​d​e​r​-​v​e​r​e​i​n​i​g​t​e​n​-​s​t​a​a​t​e​n​?​i​t​e​m​I​d​=​1​4​2​9​7​7​9​1​4​-​&​g​r​o​u​p​I​d​=​3​a​6​f​b​c​8​5​d​3​3​3​1​0​c​d​e​e​8​5​7​e​e​8​1​e​8​9​6​f​0​9​&​a​c​t​i​o​n​=​s​h​o​w​R​e​c​o​r​d​&​r​e​c​o​r​d​T​i​t​l​e​=​N​a​t​h​a​n​+​S​t​r​a​u​s​s​#​f​u​l​l​s​c​r​een. (Zugriff: 7.4.2020).

[9] Hei­rats­re­gis­ter Gei­sen­heim 1 /​ 1905.

[10] Die Anga­be 1922 beruht auf https://​www​.lagis​-hes​sen​.de/​d​e​/​s​u​b​j​e​c​t​s​/​i​d​r​e​c​/​s​n​/​j​u​f​/​i​d​/​4​262. (Zugriff: 21.2.2020). In einem Schrei­ben des Gemein­de­vor­stands Oestrich vom 1.3.1956 an die Ent­schä­di­gungs­be­hör­de heißt es dage­gen, er sei 1927 ver­stor­ben, sie­he HHStAW 518 38432 (45). Hell, Juden von Oestrich, S. 33 nennt eben­falls das Jahr 1922, gibt aber kei­ne Quel­le an.

[11] HHStAW 518 38432 (6, 7). Im Erb­schein ebd. (32) wird fälsch­li­cher­wei­se der 16.12.1905 als Geburts­tag von Albert angegeben.

[12] Ebd. (45, 47).

[13] HHStAW 518 38434 (24). Hell, Juden von Oestrich, S. 36, schreibt, dass mit Aus­nah­me der Fami­lie von Arthur Hall­gar­ten alle Juden in Oestrich-Win­kel, von denen die meis­ten im Han­del mit Vieh und Wein tätig waren, nicht ver­mö­gend gewe­sen seien.

[14] Zum Schul­be­such der Rhein­gau­schu­le in Gei­sen­heim vom  28.4.1916 bis zum 24.3.1923 HHStAW 518 3429 (46). Die fol­gen­den bio­gra­fi­schen Anga­ben beru­hen auf den umfang­rei­chen Aus­füh­run­gen sei­nes Anwalts Roy im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren, sie­he ebd. (64–72).

[15] Ebd. (4, 24). Der Stadt­rat Gun­zen­hau­sen hat im Rah­men des Ent­schä­di­gungs­ver­fah­rens bestrit­ten, dass es eine sol­che Zuzugs­sper­re gab und Albert Strauss mit sei­ner Anga­be die „Unwahr­heit“ gesagt habe. Bis 1938 habe die alte bay­ri­sche Mel­de­ord­nung gegol­ten. Da eine sol­che Mit­tei­lung in jedem Fall in schrift­li­cher Form erfolgt wäre, wur­de der Antrag­stel­ler auf­ge­for­dert, ein sol­ches Schrei­ben als Beleg für sei­ne Behaup­tung vor­zu­le­gen. Man tat so, als hät­ten nicht lan­ge vor 1938 an tau­sen­den Orts­ein­gän­gen, wie auch in Rüdes­heim, die Schil­der „Juden uner­wünscht“ gestan­den, auch schon 1933. Sie­he https://​www​.dhm​.de/​l​e​m​o​/​b​e​s​t​a​n​d​/​o​b​j​e​k​t​/​j​u​d​e​n​-​n​i​c​h​t​-​e​r​w​u​e​n​s​c​h​t​-​1​9​3​3​.​h​tml. (Zugriff: 21.2.2020). Zurecht hat der Anwalt von Albert Strauss dazu aus­ge­führt, dass es laut Gesetz auch in Bay­ern „ver­bo­ten war, sei­nen Mit­bür­ger zu erschla­gen und dass trotz­dem in den Jah­ren 1933–1938 hun­der­te von Juden in Bay­ern ermor­det wur­den, ohne dass der Staats­an­walt einen Fin­ger erho­ben hät­te“. Ebd. (103). Ein förm­li­cher Beschluss über eine Zuzugs­sper­re für Juden scheint in Gun­zen­hau­sen tat­säch­lich erst im Okto­ber 1935 gefasst wor­den zu sein, sie­he ebd. (83, 88), was aber eine Ableh­nung eines Antrags in der vor­he­ri­gen Zeit nicht aus­schließt. Man hät­te theo­re­tisch dage­gen kla­gen kön­nen, aber wohl kaum Recht bekom­men. Die Bank selbst, die in jüdi­schem Besitz war, wur­de 1938 ari­siert.

[16] Geburts­re­gis­ter Gei­sen­heim 20 /​ 1880.

[17] Hei­rats­re­gis­ter Lim­burg 38 /​ 1908. Ber­tha Strauss war am 3.7.1884 in Lim­burg gebo­ren wor­den. Auch hier sind wei­te­re ver­wandt­schaft­li­che Ver­bin­dun­gen zur Fami­lie Strauss in Gei­sen­heim nicht ausgeschlossen.

[18] Geburts­re­gis­ter Gei­sen­heim 53 /​ 1909.

[19] Fried­man, Lion and Star, S. 81. “Low atten­dance on the part of Jewish child­ren at both Gen­ti­le and Jewish edu­ca­tio­nal insti­tu­ti­ons in Gei­sen­heim and Rüdes­heim did not imply faul­ty inte­gra­ti­on but rather that the­re were very few Jewish child­ren of school age in eit­her town. Anti­se­mi­tism in Gei­sen­heim schools was essen­ti­al­ly limi­t­ed to the School for Viti­cul­tu­re and Horticulture.”

[20] HHStAW 518 68485 (50) und HHStAW 518 3297 I (28).

[21] HHStAW 518 3297 I (214).

[22] HHStAW 518 9271 (27). Laut HHStAW 518 9243 (70) bestand das Anwe­sen aus dem Wohn­haus mit einem Anbau, Neben­ge­bäu­den, einer Remi­se und Stallungen.

[23] Geburts­re­gis­ter Gei­sen­heim 11 /​ 1873 und 21 /​ 1875. Aus­kunft des Stadt­ar­chivs Kai­sers­lau­tern vom 25.2.2020.

[24] Hei­rats­re­gis­ter Gei­sen­heim 174 /​ 1908, dazu Geburts­re­gis­ter Kai­sers­lau­tern 144 /​ 1885. In der Geburts­ur­kun­de ist der Vor­na­me in der ers­ten Form geschrie­ben, in spä­te­ren Doku­men­ten ist ihr Name aber meist mit Karo­li­ne angegeben.

[25] Die Eltern der bei­den Schwes­tern waren Abra­ham Ben­der, gebo­ren am 23.6.1848 in Lohns­feld, gestor­ben am 12.9.1922 in Kai­sers­lau­tern, und Mina, gebo­re­ne Lövin­g­er (auch Levin­g­en), gebo­ren am 23.6.1856 in Laub­heim, gestor­ben am 1.4.1936 in Gei­sen­heim. Neben den bei­den genann­ten Töch­tern hat­te das Paar noch drei wei­te­re Kin­der. Der Sohn Juli­us Ben­ny, gebo­ren am 21.3.1880 in Kai­sers­lau­tern, wur­de am 26.11.1936 mit sei­ner Frau und zwei Kin­dern nach den USA /​ Los Ange­les abge­mel­det. Die Toch­ter Lau­ra Rega, gebo­ren am 12.11.1882, ver­starb am 1.12.1887 im Alter von nur fünf Jah­ren in Kai­sers­lau­tern. Das jüngs­te Kind, Arthur Joseph, gebo­ren am 22.11.1889, ist am 4.11.1916 im Ers­ten Welt­krieg bei Heud­icourt (ver­mut­lich Heud­icourt an der Som­me) gefal­len. Anga­ben laut Aus­kunft des Stadt­ar­chivs Kai­sers­lau­tern vom 25.2.2020.

[26] HHStAW 518 9244.

[27] Geburts­re­gis­ter Gei­sen­heim 57 /​ 1909 für Alex, für Erna Infor­ma­ti­on des Stadt­ar­chivs Geisenheim.

[28] Fried­man, Lion and Star, S. 81.

[29] HHStAW 518 68486 (7).

[30] HHStAW 518 16896 (10).

[31] Fried­man, Lion and Star, S. 118. Im Reich war das Zen­trum auf 1,5 und in Hes­sen auf etwa 13 Pro­zent gekom­men. Die SPD erreich­te im Reich 18,3, in Hes­sen etwa 20 Pro­zent. Bei der Gemein­de­wahl von 1933 hat­te in Gei­sen­heim die NSDAP 4 der ins­ge­samt 16 Man­da­te erwor­ben, sie­he Hell, Vom „Braun­hemd“ zum „Per­sil­schein“, S. 70.

[32] Hell, Vom „Braun­hemd“ zum „Per­sil­schein“, S. 29.

[33] Ebd. S. 47 f.

[34] Fried­mann, Lion and Star, S. 91 schreibt über die­se Bezie­hun­gen: “For Gei­sen­heim, inti­ma­te Jewish-Gen­ti­le rela­ti­onships were even more fasci­na­ting given the lack of inter­mar­ria­ges and con­ver­si­ons. Tra­di­tio­nal small-town atti­tu­des may have work­ed against mixed uni­ons bet­ween Jews and Gen­ti­les the­re, but they by no means inter­fe­red with the deve­lo­p­ment of meaningful fri­end­ships. Georg and Emma Strauss fre­quent­ly had Frau Schna­bel and other Gen­ti­le fri­ends as house guests, and their son Alfre­do main­tai­ned cont­act with a for­mer class­ma­te until his death in Sao Pao­lo in March 1994. Asked to descri­be Jewish-Chris­ti­an rela­ti­ons in Gei­sen­heim, Alfre­do respon­ded, ‘The rela­ti­onship bet­ween Jews and non-Jews was very good until the first years of the Hit­ler era.’ Alex Strauss, the son of Max and Augus­te Strauss, also had a soc­cer fri­end by the name of Dill­mann, who, during the 1930s, was requi­red to join the Nazi Par­ty as an employee of the post office. Their bond endu­red in secret until Alex’s emi­gra­ti­on in 1934. Alt­hough rural mores and the reli­gious back­ground of the exten­ded Strauss fami­ly acted as obs­ta­cles to inter­mar­ria­ge, neither the Straus­ses nor their Catho­lic fri­ends saw the lat­ter as a cen­tral issue. Of the three towns, Gei­sen­heim (im Ver­gleich zu Gie­ßen und Frank­furt – K.F.) may have had the most inti­ma­te struc­tu­re of Jewish-Gen­ti­le rela­ti­ons, even wit­hout mixed mar­ria­ges. Still, seve­ral Jews and non-Jews from Gies­sen and Gei­sen­heim shared the per­ception that most Gen­ti­les had litt­le inte­rest in Jews, let alo­ne cont­act with them.”

[35] Hell, Vom „Braun­hemd“ zum „Per­sil­schein“, S. 71–82.

[36] Krä­mer-Bado­ni, Rudolf, Zwi­schen allen Stüh­len. Erin­ne­run­gen eines Lite­ra­ten, Mün­chen 1985, S. 13, zit. nach Hell, Vom „Braun­hemd“ zum „Per­sil­schein“, S. 79 f.

[37] So Alex Strauss in einer eides­statt­li­chen Erklä­rung, sie­he HHStAW 518 68468 (7).

[38] HHStAW 518 9271 (52).

[39] Ebd. (87). Im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren von Max Strauss hat­te man für die Jah­re bis 1935 sogar ein aus dem Geschäfts­be­trieb erwach­se­nes antei­li­ges jähr­li­ches Ein­kom­men von 15.000 RM zugrun­de gelegt, sie­he HHStAW 518 9243 (o.P. – Bescheid vom 14.4.1955).

[40] HHStAW 518 9271 (112).

[41] Ernst Arthur Wolff, gebo­ren am 2.10.1898, war das sechs­te Kind des Kauf­manns David Wolff, gebo­ren am 26.7.1853 in Nal­bach, und sei­ner Frau Rosa, gebo­re­ne Ens­hei­mer, gebo­ren am 2.8.1857 in Göckin­gen. Wäh­rend sein Vater am 14.4.1932 in Saar­lou­is ver­starb, wur­de sei­ne Mut­ter Opfer des Holo­caust. Sie kam am 7.10.1943 in Ghet­to von The­re­si­en­stadt ums Leben. Sei­ne am 27.11.1883 gebo­re­ne Schwes­ter Irma wur­de wie auch sein Bru­der Eugen, gebo­ren am 18.7.1888, in Ausch­witz ermor­det. Das glei­che Schick­sal ereil­te des­sen Frau Mar­got, gebo­re­ne Falk, aus Dort­mund. Sie­he Klauck, H. Peter, Jüdi­sches Leben in der Stadt und im Land­kreis Saar­lou­is 1680 – 1940, Saar­lou­is 2016, S. 865 und 872.

[42] HHStAW 518 16896 (26).

[43] Klauck, Jüdi­sches Leben in Saar­lou­is, S. 865 und 872 .

[44] HHStAW 518 68486 (7).

[45] Ebd. (15).

[46] Ebd. (11, 12).

[47] Ebd. (6).

[48] In San Fran­cis­co wohn­te er bei der Volks­zäh­lung 1940 bei der Fami­lie von einem Albert Strauss, gebo­ren am 28.2.1899 in Büdes­heim in Ost­hes­sen, Sohn von Suss­mann und Jaquet­te Strauss, gebo­re­ne Open­hei­mer. Albert und sei­ne Frau Erna, gebo­re­ne Lind­hei­mer, gebo­ren am 11.12.1901, hat­ten die bei­den Kin­der Har­ry, gebo­ren 1925, und Tru­de, gebo­ren 1928. Ob es auch hier eine ver­wandt­schaft­li­che Ver­bin­dung gab, konn­te bis­her nicht geklärt wer­den. Sie­he https://​www​.ancestry​.com/​1​9​4​0​-​c​e​n​s​u​s​/​u​s​a​/​C​a​l​i​f​o​r​n​i​a​/​A​l​e​x​-​S​t​r​a​u​s​s​_​2​h​9​zwf. (Zugriff: 21.2.2020). Albert Strauss und sei­ne Fami­lie waren frü­her wohn­haft in Frank­furt, wo sie ein recht gut gehen­des Tex­til­ge­schäft betrie­ben. Zunächst hat­te man ver­sucht, durch Auf­nah­me eines nicht­jü­di­schen Teil­ha­bers das Geschäft zu ret­ten, 1938 ent­schloss sich Albert Strauss ange­sichts der aus­sichts­lo­sen Lage mit sei­ner Fami­lie aus­zu­wan­dern. Im Juli wur­de er dann noch eines Devi­sen­ver­ge­hens beschul­digt und etwa drei Wochen in Darm­stadt inhaf­tiert. Am 17.8.1938 reis­te die Fami­lie über Cher­bourg in die USA aus und ließ sich in San Fran­cis­co nie­der. Albert Strauss ver­starb im dor­ti­gen Exil bereits am 23.5.1943. Sie­he zum Schick­sal der Fami­lie HHStAW 518 57506 1–3 (pas­sim).

[49] HHStAW 518 16896 (10).

[50] Die eige­ne Ein­la­ge von £40 hat­te ihm sein Schwa­ger Ernst Wolff gelie­hen, der zu die­ser Zeit mit sei­ner Frau bereits in Brüs­sel leb­te. Sei­nen Lebens­un­ter­halt erhielt er bis zum Ende des Jah­res vom „Fund for Ger­man Jewry“, sie­he ebd. (26).

[51] Zu sei­nen bio­gra­phi­schen Anga­ben sie­he ebd. pas­sim, bes. (10–11, 26)

[52] HHStAW 518 9271 (16).

[53] Ebd. (15).

[54] Die letz­ten Doku­men­te der Ent­schä­di­gungs­ak­te stam­men aus den frü­hen 70er Jah­ren. Zumin­dest bis 1973 muss Ali­ce Strauss noch gelebt haben. In http://www.steinbach-am-donnersberg.de/Geschichte/Seite%20377–379.pdf. (Zugriff: 21.2.2020) wird auf den Tod von einem aus Stein­bach stam­men­den Sieg­fried Strauss in den USA ver­wie­sen, aller­dings ohne ein Datum zu nen­nen. Auch wird in die­sem Arti­kel mehr­fach auf die in Stein­bach damals ansäs­si­ge Fami­lie Strauss ver­wie­sen. Lei­der ist dem Text nicht zu ent­neh­men, in wel­chem ver­wandt­schaft­li­chen Ver­hält­nis Sieg­fried Strauss zu den Genann­ten stand.

[55] HHStAW 518 68485 (17, 33).  Die­se Anga­be über sein Gehalt wur­de spä­ter von der Ent­schä­di­gungs­be­hör­de bezwei­felt, (ebd. 36), da die Erträ­ge der Fir­ma in den Jah­ren zwi­schen 1931 und 1937 nur zwi­schen 5.700 RM und 3.000 RM gele­gen hat­ten, ebd. (19). Aller­dings waren die Berech­nun­gen sehr vage, da es außer den Anga­ben über die Gewer­be­steu­er­ver­an­la­gung kei­ne wei­te­ren Steu­er­un­ter­la­gen mehr gab. Alfred Strauss erklär­te die Unstim­mig­keit mit sei­ner schon lan­ge geplan­ten Aus­wan­de­rung, mit der er auch Tei­le des frü­her ange­spar­ten Ver­mö­gens außer Lan­des brin­gen woll­te, ebd. (41).

[56] HHStAW 474/​3 1839 (o.P.).

[57] Ebd. (0.P.)

[58] Ebd. (o.P.).

[59] Ebd. (o.P.) Im Brief wird auf einen Antrag zur Rück­erstat­tung der Kos­ten für das Rück­fahr­ti­cket Bezug genom­men, der am 22.7.1937 gestellt wor­den war. Die Rück­zah­lung wur­de ver­mut­lich ver­wei­gert. Das Rei­se­bü­ro ent­geg­ne­te unter Hin­weis auf die Bestim­mung der Devi­sen­stel­len, dass „Fahr­gäs­te, die nur aus for­mel­len Grün­den der­ar­ti­ge Rück­fahr­schei­ne gekauft haben und sich nach Ein­tref­fen im Bestim­mungs­ha­fen, im Aus­land nie­der­las­sen, den Gegen­wert der nicht genutz­ten Rück­pas­sa­ge solan­ge sper­ren, bis das unter fal­scher Vor­aus­set­zung in Anspruch genom­me­ne Land­gangs­geld in Valu­ta zurück­ge­zahlt wird. Da Herr Strauss sei­ner­zeit RM 300,– Land­gangs­geld erhal­ten hat und mit dem­sel­ben Schiff, wie vor­ge­se­hen, nicht zurück­ge­kehrt ist, wird die Devi­sen­stel­le wahr­schein­lich den erwähn­ten Pas­sus anwen­den.“ Ebd. ‚Land­gangs­geld’ war Geld in Form von Devi­sen, das den Rei­sen­den von der Reichs­bank zur Ver­fü­gung gestellt wor­den war.

[60] HHStAW 518 68485 (4).Die Rei­se­kos­ten belie­fen sich damals auf 1.657 RM, auch (12), wo aller­dings die Kos­ten mit nur 1.267 RM ange­ge­be­nen wur­den. Die­ser letz­te Betrag war Basis für die Berech­nung der Ent­schä­di­gung. Aber auch die­ser wur­de nicht voll aner­kannt, weil er ja ohne­hin sei­nen Lebens­un­ter­halt in die­ser Zeit hät­te bestrei­ten müs­sen, wes­halb man den Scha­den um wei­te­re 130 RM kürz­te, sie­he ebd. (24 f.)

[61] HHStAW 518 3297 I (163), dazu ebd. I (214). In einem Ver­gleich beim Rück­erstat­tungs­ver­fah­ren wur­den 1955 den ehe­ma­li­gen Eigen­tü­mern wei­te­re 11.000 DM für die Über­las­sung des Hau­ses an den dama­li­gen Erwer­ber zuge­spro­chen. Ebd. I (124).

[62] Ebd. I (69).

[63] Ebd. I (114).

[64] Ebd. I (100).

[65] Ebd. I 62).

[66] Ebd. I (9).

[67] Ebd. I (64, 68, 98).

[68] HHStAW 474/​3 1839 (o.P.)

[69] HHStAW 518 3297 I (95). Die Ticket­kos­ten betru­gen wei­te­re 1.390 RM. Sie­he auch die diver­sen Brief­wech­sel zur Aus­rei­se in HHStAW 474/​3 1893.

[70] H474/​3 1839 (o.P.). Etwas irri­tie­rend ist, dass der Beruf von Nathan Strauss hier mit Zahn­arzt ange­ge­ben ist. Mög­li­cher­wei­se woll­te man in der Kor­re­spon­denz mit den NS-Behör­den die dem anti­se­mi­ti­schen Kli­schee ent­spre­chen­de Ver­bin­dung von Jude und Juwe­len ver­mei­den. Es kann sich aber bei dem in dem Schrei­ben erwähn­ten Bru­der Nathan in Bak­ers­field /​ Kali­for­ni­en nur um den 1888 Aus­ge­wan­der­ten han­deln. Dass er inzwi­schen Zahn­arzt gewor­den war, erscheint eher unwahr­schein­lich. Die Wäh­rungs­an­ga­be ‚Mil­reis’ ist ange­sichts der dama­li­gen Infla­ti­on in Bra­si­li­en nur schwer in Dol­lar oder RM anzugeben.

[71] HHStAW 518 3297 I (214).

[72] Ebd. I (66, 111).

[73] Ebd. I (61). Der Name der Fir­ma wur­de bei der Umwand­lung der Unter­neh­mens­form in ‚Rou­pas Pro­fi­s­sio­nais’ geändert

[74] Bern­hard Wal­ter Heymann, gebo­ren am 5.1.1911.

[75] Bio­gra­phi­sches Hdb. der deutsch­spra­chi­gen Emi­gra­ti­on nach 1933 Bd. I., Insti­tut für Zeit­ge­schich­te Mün­chen, Mün­chen 1980, S. 745.

[76] HHStAW 518 3297 I (Deck­blatt) und ebd. II (o.P.).

[77] Fried­man, Lion and Star, S. 91. Wann sei­ne Frau ver­starb, ist nicht bekannt.

[78] HHStAW 518 3429 (47).

[79] Zit. nach Kro­pat, Kris­tall­nacht in Hes­sen, S. 115 f.

[80] Ebd. S. 118 ff.

[81] HHStAW 518 3429 (15). In der Anla­ge zum Ent­schä­di­gungs­an­trag war der ent­stan­de­ne Scha­den in der Woh­nung auf 15.000 RM bezif­fert wor­den, sie­he ebd. (3).

[82] Ebd. (32).

[83] Ebd. (13).

[84] HHStAW 518 38432 (101).

[85] HHStAW 518 3429 (12). Die Anga­ben über den Flucht­weg sind in einem Urteil des 2. Zivil­se­nats des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt a. M. von 1962 ent­hal­ten. So lan­ge hat­te es gedau­ert, bis man Albert Strauss in einem lang­wie­ri­gen Ver­fah­ren die ihm zuste­hen­de Ent­schä­di­gung zusprach. Sie­he ebd. (128).

[86] https://​de​.fin​da​gra​ve​.com/​m​e​m​o​r​i​a​l​/​1​4​2​5​0​1​1​3​4​/​a​l​b​e​r​t​-​s​t​r​a​uss. (Zugriff: 21.2.2020).

[87] HHStAW 518 38432 (115).

[88] HHStAW 518 38432 (70 f.). In einem Ver­gleich mit dem Land Hes­sen wur­den Albert Strauss für die Wert­min­de­rung des Hau­ses durch die Zer­stö­rungs­ak­ti­on neben den 5.000 DM für die Schä­den an der Ein­rich­tung und den Waren wei­te­re 3.000 DM zuge­spro­chen. Die neu­en Eigen­tü­mer durf­ten das Haus zu dem damals gezahl­ten Preis behal­ten. Ebd. (68 f.).

[89] HHStAW 519/​3 7608 (1).

[90] Ebd. Dass die­se Sum­me nicht dem Ver­kaufs­preis ent­sprach, lag dar­an, dass von dem Erlös noch eine Hypo­thek über 2.100 RM zu til­gen war. Sie­he den Kauf­ver­trag ebd. (5–8).
In der Akte ist noch ein wei­te­rer Grund­stücks­ver­kauf ent­hal­ten. Am 27.2.1939 war ein Grund­stück und ein Acker in Oestrich für ins­ge­samt 852 RM ver­kauft wor­den, die ursprüng­lich den Eltern von Jakob Strauss, Fan­nys ver­stor­be­nem Mann, gehört hat­ten. Der Erlös ging zu glei­chen Tei­len an Fan­ny Strauss und an einen Leo­pold Strauss, des­sen Adres­se mit Frank­furt, Hans Hand­werks­str. 25 II ange­ge­ben ist. Weder im Jüdi­schen, noch im Städ­ti­schen Adress­buch von Frank­furt ist er aller­dings auf­ge­führt. Den­noch lässt die Ver­tei­lung des Gel­des die Ver­mu­tung zu, dass die­ser Leo­pold ein Bru­der von Jakob gewe­sen sein könn­te, viel­leicht aber auch der Nach­kom­me eines Bru­ders bzw. einer Schwes­ter. Sie­he ebd. (9).

[91] Ebd. (2).

[92] Ebd. (2). Der Begriff „Umschich­tung“ bedeu­tet eigent­lich, dass er in Vor­be­rei­tung auf sei­ne Aus­wan­de­rung einen neu­en Beruf erlern­te. Was er damals kon­kret bei wel­cher Insti­tu­ti­on lern­te, ist nicht bekannt.

[93] Im Mai 1940 hat­te die Devi­sen­stel­le von ihr noch ein­mal eine Ver­mö­gens­er­klä­rung ver­langt. Ihr waren noch knapp 7.000 RM geblie­ben. Als monat­li­chen Bedarf hat­te sie jetzt nur noch etwa 300 RM ange­ge­ben, ebd. (13). Nach ihrer Depor­ta­ti­on ver­fiel das noch vor­han­de­ne Ver­mö­gen dem Deut­schen Reich, ebd. (19).

[94] Ebd. (4, 14, 15, 18).

[95] Ein­trag auf der Gestapo­kar­tei­kar­te für Fan­ny Strauss. Dazu HHStAW 518 38434 (16).

[96] Sie­he zum Schick­sal der Fami­lie Still das Erin­ne­rungs­blatt des Akti­ven Muse­ums Spie­gel­gas­se  http://​tng​.paul​-laza​rus​-stif​tung​.de/​d​o​c​u​m​e​n​t​s​/​E​B​-​S​t​i​l​l​-​J​e​n​t​e​.​pdf. (Zugriff: 21.2.2020).

[97] Zum Ablauf des Mas­sen­mords in Sobi­bor sie­he Im Schat­ten von Ausch­witz, S., 88 ff.

[98] HHStAW 474/​3 1841 (2, 3, 4).

[99] HHStAW 518 9243 (131).

[100] HHStAW 519/​3 12326 (2) Die Akte ent­hält den gesam­ten Kauf­ver­trag, der aller­dings nicht geneh­migt wur­de. Sie­he zu dem Vor­gang auch die Umsatz­steu­er­ak­te der Gebrü­der Strauss 685 800 b (13, 18).

[101] Der Ein­heits­wert des Hau­ses betrug Stand 1935 19.000 RM. Der Ver­kehrs­wert soll aber bei 23.000 RM gele­gen haben, sie­he HHStAW 518 9271 (27, 32). In einem 1951 zustan­de gekom­me­nen Ver­gleich zwi­schen Max Strauss und sei­ner Nich­te Ali­ce Straus auf der einen und dem dama­li­gen Käu­fer auf der ande­ren Sei­te, ver­pflich­te­ten sich letz­te­re, ins­ge­samt 12.000 DM nach­zu­zah­len, HHStAW 518 9243 (13 ff.).

[102] Fried­man, Lion and Star, S. 158.

[103] Kro­pat, Kris­tall­nacht in Hes­sen, S. 68.

[104] HHStAW 518 9243 (36–41, 73f.). SA-Män­ner hat­ten ihn gezwun­gen, den Schlüs­sel für den Schrank herauszugeben.

[105] Ebd. (29). In 519/​3 20368 ist in ver­schie­de­nen Beschei­ni­gun­gen fest­ge­stellt, dass Max Strauss kei­ner­lei Steu­er­schul­den habe.

[106] Wel­che Sum­me dabei die Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be aus­mach­te, lässt sich den Unter­la­gen nicht mit Sicher­heit ent­neh­men. Max Strauss gab an, 17.000 RM gezahlt zu haben, HHStAW 518 9243 (36), in einer ande­ren Auf­stel­lung HHStAW 519/​3 20368 (o.P.) ist die Zahl 2.000 RM zu lesen. Die­se Zahl bezieht sich ver­mut­lich aber nur auf eine Rate. Bei 4 Raten wären das ins­ge­samt 8.000 RM gewe­sen. Nicht aus­zu­schlie­ßen ist aber, dass die Ehe­part­ner – wie auch Lieb­mann und Karo­li­ne Strauss – ein­zeln ver­an­lagt wor­den waren, sodass sich dann eine Gesamt­sum­me von 16.000 RM erge­ben würde.

[107] HHStAW 519/​3 20368 (o.P.), auch HHStAW 518 9243 (37).

[108] HHStAW 519/​3 20368 (o.P.).

[109] HHStAW 519/​3 12326 (6). Unter­rich­tet wur­den die Staats­po­li­zei­stel­le Frank­furt, Zoll­fahn­dung Frank­furt, der Gemein­de­vor­stand der Gemein­de Gei­sen­heim, die dor­ti­ge Reichs­bank­an­stalt, die Devi­sen­stel­le Kas­sel und der Prä­si­dent des Lan­des­fi­nanz­amts Berlin.

[110] HHStAW 519/​3 20368 (2). Als Inhalt der ins­ge­samt 4 Kis­ten waren 262 Pos­ten auf­ge­führt, offen­bar auch noch Res­te aus dem Geschäft, etwa 66 bun­te Hand­tü­cher oder 60 alte Kopfkissen.

[111] HHStAW 685 800 a (24).

[112] HHStAW 685 800 Ver­mö­gens­steu­er (6, 7, 11, 13, 18, 21, 22).

[113] Ebd. (o.P.).

[114] Ebd. (24)

[115] HHStAW 1189 1.

[116] Topo­gra­phie des Ter­rors. Gesta­po, SS und Reichs­si­cher­heits­haupt­amt auf dem ‚Prinz-Albrecht-Gelän­de’. Eine Doku­men­ta­ti­on, Ber­lin 200113, S. 117.

[117] Rink, Das Juden­haus, S. 13. Ver­mut­lich han­del­te es sich um die Woh­nung der Fami­lie von Her­mann Issel­bä­cher, der mit sei­ner Frau und Toch­ter im März 1939 dort ein­ge­zo­gen und zu einem nicht genau zu bestim­men­den Zeit­punkt – noch im Früh­jahr, viel­leicht aber auch erst im Som­mer – von dort aus nach Süd­ame­ri­ka aus­ge­wan­dert war.

[118] Ebd. b (62, 63, 64).

[119] HHStAW 519/​3 7608 (4, 5). Auch im Fall von Lieb­mann Strauss hat­te der Ver­kauf des Hau­ses in Gei­sen­heim die kom­mu­na­le Behör­de ver­an­lasst, die ent­spre­chen­den Ämter dar­über zu infor­mie­ren, dass die­ser ver­mut­lich sei­ne Aus­wan­de­rung pla­ne, ebd. (13).

[120] HHStAW 685 800 Ver­mö­gen­steu­er (39).

[121] HHStAW 519/​3 7608 (38).

[122] HHStAW 685 800 a (34). Zur Leder­fa­brik Berin­ger sie­he auch https://​alt​-idstein​.de/​i​d​s​t​e​i​n​e​r​-​l​e​d​e​r​/​i​n​d​u​s​t​rie. (Zugriff: 21.2.2020). Dass die Fir­ma auch jüdi­sche Zwangs­ar­bei­ter beschäf­tig­te, wird in die­sem Arti­kel aller­dings nicht ange­spro­chen. Bei Brü­chert, Zwangs­ar­beit in Wies­ba­den, ist zwar die Idstei­ner Leder­fa­brik Land­au­er, nicht aber Berin­ger erwähnt. Auch Lud­wig Bron­ne, der eben­falls zeit­wei­se im Juden­haus Her­mann­str. 26 wohn­te, war Zwangs­ar­bei­ter bei die­ser Firma.

[123] https://www.ancestry.com/interactive/61758/0298_70472780_1?pid=8040252&backurl=https://search.ancestry.com/cgi-bin/sse.dll?indiv%3D1%26dbid%3D61758%26h%3D8040252%26tid%3D%26pid%3D%26usePUB%3Dtrue%26_phsrc%3DryV1%26_phstart%3DsuccessSource&treeid=&personid=&hintid=&usePUB=true&_phsrc=ryV1&_phstart=successSource&usePUBJs=true.(Zugriff: 21.2.2020).

[124] https://​search​.ancestry​.com/​c​g​i​-​b​i​n​/​s​s​e​.​d​l​l​?​i​n​d​i​v​=​1​&​d​b​i​d​=​6​1​7​5​8​&​h​=​8​0​4​0​2​5​2​&​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​u​s​e​P​U​B​=​t​r​u​e​&​_​p​h​s​r​c​=​r​y​V​1​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​ssS. (Zugriff: 21.2.2020).

[125] Rink, Das Juden­haus, S. 77.

[126] Sie­he z. Bsp. Opfer­mann, Remem­be­ring Theresienstadt.

[127] https://​www​.holo​caust​.cz/​d​e​/​o​p​f​e​r​d​a​t​e​n​b​a​n​k​/​o​p​f​e​r​/​3​4​5​5​7​-​l​i​e​b​m​a​n​n​-​s​t​r​a​u​ss/. (Zugriff: 21.2.2020).