Julius und Marie Homberger, geborene Fröhlich


Regina Beck, Regina Sichel, Julius Beck
Das Judenhaus heute
Eigene Aufnahme
Regina Beck, Regina Michel, Julius Beck
Lage des ehemaligen Judenhauses

 

 

 

 

 

 


 

Wie Auguste Stein gehörte auch Julius Albert Homberger zu den Altmietern in der Herrngartenstr. 11, die eingezogen waren, bevor das Haus zum Judenhaus wurde.

Hermann Homberger, Albert Homberger, Elisabet Stiebel, Albert Homberger, Mina Homberger, Marie Fröhlich, Amalie Homberger Gochsheimer, Jacob Gochsheimer, Mina Caroline Homberger Hein, Simon Hein, Julius Albert Homberger, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Stammbaum der Familie Homberger
Genealogische Datenbank der Juden Wiesbadens

Die vielfach verzweige und über ganz Deutschland verteilte jüdische Familie der Hombergers hatte einen Siedlungsschwerpunkt im Gießener Raum, wohin der erste bekannte Ahne, ein Isaak Herz, gezogen war. 1816 war er dort als Bürger der Stadt aufgenommen worden. Der 1772 in Homberg an der Ohm Geborene hatte – wie weit verbreitet – seinen Heimatort als Familienname angenommen.[1] In zwei Ehen, zunächst mit Berle Hirsch, dann mit Bela / Betha Una, waren ihm jeweils fünf Kinder geboren worden, darunter am 19. Februar 1812 Hirsch Hermann, der Großvater von Julius Albert Homberger. Gießen scheint damals für die Homberger Juden eine große Attraktivität besessen zu haben, denn – so vermutet Müller – auch ein Bruder von Isaak Herz, Joseph Homberger, folgte ihm in die mittelhessische Stadt. Dessen Nachkommen wurden im 19. Jahrhundert zu erfolgreichen Unternehmern und spielten auch eine führende Rolle im kommunalen politischen Geschehen.[2]

Auch Hermann Homberger, der Großvater von Julius Homberger, war ein Handelsmann bzw. ein „Handelsbeflissener“ und betrieb in Gießen ein Bankgeschäft. Mit seiner Frau Amalie, geborene Blumenthal, hatte er die beiden Söhne Julius, über dessen weiters Leben nichts bekannt ist, und Albert.[3] Letzterer wurde zunächst als Prokurist, dann 1865 auch als Gesellschafter in die väterliche Firma aufgenommen. Etwa um diese Zeit waren die Eltern nach Frankfurt verzogen, wo ebenfalls eine größere Zahl von Hombergers in den Bewohnerlisten zu finden ist.

Julius Albert Homberger, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Heiratsurkunde von Albert Homburger und Elisabet Stiebel mit Vermerk über ihre Todesdaten
Heiratsregister Frankfurt 280 / 1871

Die Angaben über die unmittelbaren Vorfahren von Julius Homberger sind uns in der Heiratsurkunde seiner Eltern überliefert. Albert Abraham Homberger hatte am 30. Juni 1871 in Frankfurt Elisabeth Caecilie Bertha Stiebel geheiratet, die dort am 22. Oktober 1853 als Tochter von Julius Stiebel und seiner Frau Caroline, geborene Kopp, zur Welt gekommen war.[4]

Ein Jahr nach der Hochzeit war ihnen am 5. Mai 1872 die Tochter Amalie Emma geboren worden.[5] Die Eltern hatten offensichtlich nicht nur im Heimatort der Mutter geheiratet, sondern hatten die Stadt, die bereits damals eine Finanzmetropole war, auch als ihren neuen Lebensmittelpunkt gewählt. Nach Amalie kam am 16. Oktober 1873 auch die zweite Tochter Mina Caroline in Frankfurt zur Welt.[6] Vier Jahre später wurde am 16. Mai 1877 dort auch der einzige Sohn Julius Albert, der zugleich das letzte Kind des Paares war, geboren.[7]

Der Familie muss es einmal wirtschaftlich recht gut gegangen sein, obwohl der Vater bereits am 9. September 1888 mit nur 47 Jahren zu Grabe getragen wurde. Als am 16. Januar 1920 auch seine Frau Elisabeth in Frankfurt verstarb, hinterließ sie ein nicht unbeträchtliches Vermögen von mehr als 150.000 RM.[8] Man muss allerdings bedenken, dass in den unmittelbaren Nachkriegsjahren der tatsächliche Wert dieser Summe durch die fortschreitende Inflation nur schwer zu bestimmen ist.

Am 26. April 1900 hatte die Schwester Mina Caroline in Frankfurt den Kaufmann Simon Hein aus Koblenz geheiratet, dessen Eltern Johann und Nanchen Hein dort ein Möbelgeschäft besaßen.[9] Über deren weiteres Schicksal liegen keine Informationen vor. Möglicherweise konnten sie rechtzeitig auswandern, denn unter den Namen der Holocaust-Opfer sind sie nicht aufgeführt.

Mehr weiß man über Amalie Emma, genannt Ami, die ebenfalls in Frankfurt verheiratet war. Sie hatte dort am 4. März 1892 den aus Rüsselsheim stammenden Kaufmann Jacob Gochsheimer geehelicht, der damals in Mainz ansässig war.[10] Die Familie, der am 23. Februar 1900 noch in Mainz in der Heidelbergerfassgasse 15 als einziges Kind die Tochter Frieda Greta, genannt Frizzi, geboren worden war,[11] war um 1910 nach Frankfurt verzogen. Amalies Mann Jacob verstarb dort am 15. April 1933 im Alter von 73 Jahren.[12]

Obwohl die Witwe nur über ein relativ kleines Vermögen verfügte, beantragte schon im August 1938 die Zollfahndungsstelle Mainz bei der Devisenstelle Frankfurt eine Sicherungsanordnung, um deren Finanzen kontrollieren zu können. Am 5. September wurde diese sogar mit dem Vermerk „Eilt“ erlassen.[13] Ami Gochsheimer besaß neben einem Sparkonto damals noch Wertpapiere, insgesamt etwas mehr als 8.000 RM. Als monatlichen Bedarf gab sie an, etwa 260 RM zu benötigen. Da sie ihr Jahreseinkommen auf etwa 500 bis 600 RM bezifferte, vermutlich Erträge aus ihren Wertpapieren, war sie in ihren letzten Lebensjahren gezwungen, von ihrer Vermögenssubstanz zu leben. Die Tochter Frieda Greta, die eine Ausbildung als Krankenschwester absolviert hatte, wohnte bei Abgabe der Vermögenserklärung schon nicht mehr im Haushalt der Mutter. Sie war kurz zuvor nach England ausgewandert,[14] was wohl der Grund für die Eile der Behörden gewesen sein wird. Einen Teil der monatlichen Ausgaben von Amalie Gochsheimer machten Unterstützungsgelder für ihre Verwandte aus, insgesamt 30 RM, davon erhielt allein ihr Bruder Julius in Wiesbaden 20 RM.[15] Auch sie war 1938 zur Judenvermögensabgabe herangezogen worden und musste insgesamt etwa 6.000 RM bezahlen. Da sie nicht über die nötigen Barmittel verfügte, musste sie einen großen Teil ihrer Wertpapiere einlösen, was zur Folge hatte, dass auch ihre bisherigen Zinseinnahmen, die ihren Unterhalt deckten, verloren gingen.[16]

Sicher sind ihre ständigen Wohnungswechsel in den letzten Jahren in Frankfurt auch ein Indiz für ihren Verlust an Sicherheit zu werten, wenngleich nicht immer bekannt ist, wodurch diese jeweils verursacht gewesen sein mögen. Ursprünglich hatte die Familie seit 1910 in Frankfurt in der Wiesenau 50 gewohnt.[17] Nach dem Tod ihres Mannes war Amalie Gochsheimer in die Hauffstr. 9 gezogen, wo sie auch das erste Anschreiben der Zollfahndungsstelle Mainz 1938 erreichte. Auch dort standen ihr und ihrer Tochter noch 7 Zimmer zur Verfügung, aber offensichtlich kam es deswegen im Haus zu ständigem Ärger mit Mitbewohnern oder NSDAP-Blockwarten. Zumindest hatte ihre Tochter Frieda darauf gedrungen, dass sie dort nicht mehr alleine wohnen bleiben solle, wenn sie selbst ausgewandert sei. Die Mutter hatte sich deswegen entschlossen die Wohnung aufzugeben und ein einzelnes Zimmer in der Wohnung bei Siegmund Strauss, einem Freund der Familie, in der Schumannstr. 49 zu nehmen.[18] Von dort zog sie in die Beethovenstr. 11 und zuletzt wohnte sie in der Fichtestr. 7 bei Rosenthal in einem der Frankfurter Judenhäuser. Ihr Mobiliar, mit dem ursprünglich einmal eine 7-Zimmerwohnung ausgestattet war, musste sie, die schon in der Schumannstraße nur noch über ein Zimmer verfügte, immer weiter reduzieren. Ihre Tochter hat im späteren Entschädigungsverfahren eine lange Liste der damals veräußerten Einrichtungsgegenstände und der Haushaltswaren zusammengestellt, deren Wert später auf etwa 5.700 RM geschätzt wurde.[19] Bei den entsprechenden Auktionen werden sich die „Volksgenossen“ günstig mit den wertvollen Stücken eingedeckt haben.

Hermann Homberger, Albert Homberger, Elisabet Stiebel, Albert Homberger, Mina Homberger, Marie Fröhlich, Amalie Homberger Gochsheimer, Jacob Gochsheimer, Mina Caroline Homberger Hein, Simon Hein, Julius Albert Homberger, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Amalie Gochsheimer war nicht die einzige, die sich vor der Deportation das Leben nahm
https://collections.arolsen-archives.org/archive/70341066/?p=1&s=Amalie%20Gochsheimer&doc_id=70341066

Am 16. August 1942, nachdem Amalie Gochsheimer zuvor aufgefordert worden war, sich für die „Verlegung“ ihres Wohnsitzes nach Theresienstadt bereitzumachen, entschloss sich die 70 Jahre alte Frau, wie viele andere auch, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen.

Als Amalie diesem Schritt vollzog, war ihr Bruder Julius schon längst in einem der Massengräber von Sobibor verscharrt worden. Nachdem sie von ihm, der am 10. Juni 1942 von Wiesbaden aus deportiert worden war, nichts mehr hörte, wird sie gewusst, zumindest geahnt haben, was eine „Evakuierung in den Osten“ in Wirklichkeit bedeutete.

Als die Mutter 1920 verstarb lebte und arbeitete Julius Homberger in Elberfeld bei Wuppertal als Angestellter der Solinger Firma Ernst Kirschbaum. Dieses noch heute existierende mittelständische Unternehmen stellte damals hauptsächlich Schilder und Stempel her. Vermutlich im Zusammenhang mit dem Tod seiner Mutter gab er die dortige Stellung auf und ging vorübergehend zurück nach Frankfurt. Im Juni hatte er sich dann aber wieder in Elberfeld angemeldet.[20] Die Firma Kirschbau hatte ihm für seine Steuererklärung noch bestätigt, dass er im vergangenen Jahr 1919 ein Bruttoeinkommen von etwa 4.200 RM erhalten hatte.[21]

Hermann Homberger, Albert Homberger, Elisabet Stiebel, Albert Homberger, Mina Homberger, Marie Fröhlich, Amalie Homberger Gochsheimer, Jacob Gochsheimer, Mina Caroline Homberger Hein, Simon Hein, Julius Albert Homberger, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Heiratsurkunde von Julius und Marie Homberger
Heiratsregister Wiesbaden 100 / 1922

Wann er nach Wiesbaden zog, ist nicht bekannt, aber dort wurde am 16. Februar 1922 die Ehe mit der ebenfalls in Wiesbaden lebenden Marie Fröhlich geschlossen. Als Anschrift ist in der Urkunde für ihn die Wilhelminenstr. 14, für sie die Große Burgstr. 14 angegeben. Marie Fröhlich war am 3. Juni 1875 im westfälischen Warenburg als Tochter von Jonas und Julie Fröhlich geboren worden.[22] Kinder hatten Julius und Marie Homberger – er war bereits 44, sie 46 Jahre alt – nicht mehr bekommen.

Über die Jahre während der Weimarer Republik und der NS-Zeit liegen kaum Zeugnisse aus dem Leben des Paares vor. Aus den unvollständigen Steuerakten geht hervor, dass er 1929 als „nicht selbstständiger Reisender“ ein Einkommen von knapp 3.000 RM hatte.[23] Danach scheint er in den Krisenjahren entlassen worden zu sein und versucht zu haben, als selbständiger Handlungsreisender den Lebensunterhalt für sich und seine Frau zu erwirtschaften. Dies legt zumindest eine Notiz des Finanzamts Wiesbaden von 1931, dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, nahe, laut der er seinen Betrieb zum 1. Januar 1931 eingestellt habe.[24] In den folgenden zehn Jahren muss das Paar vermutlich in sehr prekären Verhältnissen gelebt haben, aber Belege dafür liegen in den Akten nicht vor. Noch einsamer wird es um Julius Homberger geworden sein, nachdem seine Frau am 4. Dezember 1940 verstorben war. Im Sterbeeintrag ist als Adresse schon das Haus in der Herrngartenstr. 11 angegeben.

Wo die beiden zuvor gewohnt hatten, ist nicht mehr zu klären. In den Wiesbadener Adressbüchern erscheint Julius Homberger erstmals 1926/27 mit der Adresse Kapellenstr. 9 III, von 1931 ist er für die folgenden Jahre nicht verzeichnet. Erst 1934/35 erscheint er wieder, diesmal mit der Adresse Adolfsallee 12 und der Berufsbezeichnung „Vertreter“. Im Jüdischen Adressbuch von 1935 ist er nicht aufgeführt, eigenartigerweise aber seine Frau unter dem Namen Mary Homberger und mit der Adresse Große Burgstr. 14, die sie auch bei ihrer Eheschließung angegeben hatte. Es mag sein, dass sich das Paar zwischenzeitlich getrennt hatte, was aber eher unwahrscheinlich ist. Sicher ist, dass sie zuletzt wieder gemeinsam in die Herrngartenstr. 11 einzogen, noch bevor es ein Judenhaus war. Im Adressbuch von 1938 ist der Name von Julius Homberger erstmals mit dieser Adresse aufgeführt, jetzt mit der Berufsbezeichnung Textilvertreter.

Hermann Homberger, Albert Homberger, Elisabet Stiebel, Albert Homberger, Mina Homberger, Marie Fröhlich, Amalie Homberger Gochsheimer, Jacob Gochsheimer, Mina Caroline Homberger Hein, Simon Hein, Julius Albert Homberger, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Das letzte Lebenszeichen von Julius Homberger
HHStAW 519/3 350 (3)

Aus den Jahren nach dem Tod seiner Frau gibt es nur noch wenige Dokumente, die seine Existenz belegen. Unmittelbar nach deren Tod legte die Devisenstelle auch für ihn eine Überwachungsakte an und forderte ihn auf, seine Vermögensverhältnisse offen zu legen. Der Brief, den er daraufhin an die Behörde schrieb, ist sein letztes schriftliches Zeugnis. Er teilte ihr am 19. Februar 1940 mit, dass er kein Vermögen besitze und von der hiesigen jüdischen Wohlfahrt unterstützt werde. Ergänzend fügte er hinzu: „Meine Verwandten, die sich in Holland und Amerika befinden, machen zeitweise kleine Zuwendungen.“[25] Um welche Verwandte es sich dabei handelte, konnte nicht ermittelt werden. Die Devisenstelle verzichtete daraufhin auf die Sicherungsanordnung.

Zwei weitere Jahre verbrachte Julius Homberger im Judenhaus in der Herrngartenstr. 11, dann bestieg er am 10. Juni 1942 den Zug, der ihn in die Gaskammer von Sobibor bringen sollte.

 

Veröffentlicht: 31. 05. 2020

Letzte Änderung: 13. 07. 2020

 

 

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Anmerkungen:

 

1] Müller, Juden in Gießen, S. 245, Eintrag 375.

[2] http://www.alemannia-judaica.de/giessen_personen.htm. (Zugriff: 26..5.2020).

[3] [3] Müller, Juden in Gießen, S. 247. Julius wurde am 7.8.1839, Albert am 22.3.1841 geboren.

[4] Heiratsregister Frankfurt 280 / 1871.

[5] Geburtsregister Frankfurt 981 / 1872. Fälschlicherweise ist auf dem Aktendeckel des Entschädigungsverfahrens ihr Geburtsjahr mit 1873 statt mit 1872 angegeben, siehe HHStAW 518 11909.

[6] Geburtsregister Frankfurt 2180 /1873.

[7] Geburtsregister Frankfurt 1418 / 1877.

[8] HHStAW 685 312a (o.P.).

[9] Heiratsregister Frankfurt 786 / 1900. Simon Hein war am 9.12.1862 in Koblenz geboren worden.

[10] Heiratsregister Mainz 262 / 1892. Seine Eltern waren Marx und Friedericke Gochsheimer, geborene Strauss, die insgesamt mindestens sieben Kinder hatten, zumindest waren diese beim Tod der Mutter am 12.9.1889 erbberechtigt. Siehe HHStAW 469/33 3546 (o.P.). Jacob, geboren am 24.1.1860 war das zweitälteste der Kinder. Im Frankfurter Adressbuch von 1933 wird sein Beruf mit Getreidehändler angegeben.

[11] Geburtsregister Mainz 460 / 1900.

[12] Sterberegister Frankfurt I 460 / 1933.

[13] HHStAW 519/3 2032 (2, 4, 5, 6).

[14] Zu Beginn der 50er Jahre ist Friede Gochsheimer, die in den Jahren zuvor als Krankenschwester in England gearbeitet hatte, nach Israel ausgewandert. Sie hatte, so schrieb sie, ihre Arbeit verloren und glaubte mit ihren beruflichen Qualifikationen sich dort eine neue Existenz aufbauen zu können. Auf ihrer Reise dorthin beabsichtigte sie einen Zwischenstopp in Deutschland zu machen und bat über ihren Anwalt darum, ihr einen Teil der ihr bereits zugesagten Entschädigung von etwa 4.000 DM als Vorschuss auszuzahlen, da sie derzeit über keine finanziellen Mittel verfüge. Die Bitte wurde mit Verweis darauf, dass die zugesagten Gelder aus einer Rückerstattung und nicht aus einer Entschädigung resultieren würden, abgeschlagen. Ob sie dann einen Vorschuss aus der Rückerstattung erhielt, geht aus den Entschädigungsakten nicht hervor. Aber allein die brüske Ablehnung des Gesuchs, ohne eine Hilfestellung, wie sie zu ihrem Geld kommen könnte, ist bezeichnend für den vielerorts üblichen Umgang der Behörden mit den Opfern des NS-Regimes in dieser Zeit. Siehe HHStAW 518 11909 (22 f, 26).

[15] HHStAW 519/3 2032 (16). Im Oktober 1941 stellte sie einen weiteren Antrag, ihrem Bruder monatlich 20 RM vom gesicherten Konto übertragen zu dürfen, der Antrag wurde erneut genehmigt, siehe ebd. (23).

[16] HHStAW 518 11909 (15, 26).

[17] Der Polizeipräsident von Frankfurt bestätigte im Entschädigungsverfahren, dass die Familie seit dem 15.9.1910 dort gemeldet war, siehe HHStAW 518 11909 (10).

[18] Siegmund Strauss besaß die Generalvertretung der Gummifabrik „Etablissements Hutchison“ für weite Teile Deutschlands und der Schweiz und muss recht wohlhabend gewesen sein. Er hatte mit seiner Frau seit 1932 ebenfalls in der Hauffstr. 39 in einer 7-Zimmerwohnung gelebt, war dann 1939 in eine 4-Zimmerwohnung in der Schumannstr. 49 gezogen, in die dann auch Amalie Gorchheimer einzog. Zuletzt wohnte auch er in dem Judenhaus in der Fichtestr. 7. Mit seiner Frau wurde er am 15.9.1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er nach einem Vierteljahr verstarb. Seine Frau, Anna Straus, geborene Dessauer, wurde noch nach Auschwitz verbracht und dort ermordet. Informationen laut Gedenkstätte Börneplatz, Frankfurt.

[19] HHStAW 518 11909 (45f, 60). Die Tochter erhielt als Entschädigung dafür 915 DM.

[20]  HHStAW 685 321a (5).

[21] Ebd. (11).

[22] Heiratsregister Wiesbaden 100 / 1922. Die Namen ihrer Eltern sind im Heiratseintrag nicht vermerkt, allerdings in der Sterbeurkunde. Siehe Sterberegister Wiesbaden 2182 /1940.

[23] HHStAW 685 321a.

[24] Ebd. (o.P.).

[25] HHStAW 519/3 350 (3).