Dotzheimer Str. 15


Judenhaus Wiesbaden, Dotzheimer Str. 15
Judenhaus Dotzheimer Str. 15 heute
Eigene Aufnahme
Dotzheimer Str. 15 Judenhaus Wiesbaden
Lage des Judenhauses Dotzheimer Str. 15
Judenhaus Dotzheimer Str. 15 Wiesbaden Belegung
Belegung der Dotzheimer Str. 15

 

 

 

 

 


Die beiden Judenhäuser in der Dotzheimer Str. 15 und der Rüdesheimer Str. 16 stellen eine Besonderheit unter den Judenhäusern dar, weil sie anders als üblich nicht in jüdischem Besitz waren. Beim Haus in der Dotzheimer Straße waren die Eigentumsverhältnisse so unklar, dass sogar die Behörden und Parteistellen zuletzt selbst den Überblick verloren hatten. Zwar wurden die Gebäude faktisch nicht bzw. kaum als Judenhäuser genutzt, dennoch ist es mehr als erstaunlich, dass auch sie auf die Liste von 1940 gerieten, da zum Zeitpunkt der Einrichtung der Judenhäuser diese unklaren Verhältnisse bereits bestanden und es angesichts der Vielzahl von jüdischen Immobilien hinreichend Alternativen gegeben hätte. Verwoben ist die Geschichte der beiden Häuser mit dem Schicksal der aus Wiesbaden-Bierstadt stammenden Eigentümerfamilie Abraham, die durch die Wirtschaftskrisen der Zeit und die Verfolgung, die sie zu erleiden hatte, zerbrach und zugrunde gerichtet wurde.

 

Familie Abraham

Stammbaum der Familie Abraham
GDB

Das Haus in der Dotzheimer Str. 15, erbaut im Jahr 1871, gehört zu den typischen Wohnanlagen der westlichen Stadterweiterung, die mit dem Zuzug von gelernten und ungelernten Arbeitern, Handwerkern und Dienstpersonal in der Aufschwungphase nach der Reichsgründung notwendig wurde. 1891 wurde der Komplex noch einmal erweitert und an das Vorderhaus ein Seitenbau und ein Hinterhaus angebaut, die beide teilweise gewerblich genutzt wurden.

Im Januar 1920 erwarben die beiden Kaufleute Gustav Abraham und Henry Gaspard zusammen dieses Haus von einer Erbengemeinschaft Beilstein zu einem Kaufpreis – die Nachkriegsinflation war schon in vollem Gange – von insgesamt 135.000 RM. Übernommen wurden mit dem Kauf die im Grundbuch eingetragenen Belastungen der Immobilie. Bereits nach knapp vier Wochen stieg Gaspard aus nicht bekannten Gründen aus dem Vertrag aus und das Wohngrundstück wurde am 24. Juli 1920 allein auf den Namen von Gustav Abraham in das Grundbuch der Stadt Wiesbaden eingetragen.[1]
Etwa um die gleiche Zeit wurde das Haus in der Rüdesheimer Str. 16 von Ferdinand Hanson erworben.[2]

 

Geschäftshaus der Familie Abraham in Wiesbaden-Bierstadt an der Ecke Langgasse / Bogengasse
Privat

Gustav Abraham war einer von fünf Söhnen von Bernhard Abraham und seiner Frau Julia, geb. Rosenthal, einer jüdischen Familie, die seit mindestens drei Generationen in Wiesbaden-Bierstadt ansässig war.[3] Der Großvater Daniel Abraham hatte schon das Handwerk eines Schuhmachers ausgeübt, der Vater Bernhard Abraham war bereits zum Unternehmer aufgestiegen und hatte 1872 in dem Wiesbadener Vorort ein Geschäft für Manufakturwaren aufgebaut.[4]

Ihm und seiner Frau Julia waren zwischen 1879 und 1889 in ihrem Haus in der Kälbergasse, der heutigen Bogengasse 12, fünf Söhne geboren worden, zunächst Julius, dann Daniel Theodor. Es folgten ab dem Jahr 1882 Gustav, der spätere Eigentümer der beiden Judenhäuser, 1984 Siegmund und zuletzt 1889 noch Leopold Fritz.[5] Schon ein Jahr vor dem Tod des Firmengründers am 22. Oktober 1913 war das Unternehmen an die Söhne übertragen worden, das fortan unter der Bezeichnung „Gebrüder Abraham Wiesbaden“ firmierte.

Julius Abraham
Einlieferung von Julius Abraham auf den Eichberg
HHStAW 430/1 8035
HHStAW 430-1-803 (o.P.)

 

 

 

 

 

 

 

Ob der zweitälteste Sohn Daniel daran noch beteiligt war, ist eher unwahrscheinlich, denn er war als Kaufmann damals schon in Berlin ansässig, wo er am 3. November 1905 die evangelische Frieda Emma Elisabeth Puls aus Bornis bei Potsdam heiratete.[6] Dem Paar wurde am 9. Januar 1906 eine Tochter geschenkt, die den Namen Lucie erhielt.[7]
Die Ehe, so muss man sagen, stand leider unter keinem guten Stern, denn die Mutter verstarb schon am 22. Februar des folgenden Jahres, vermutlich im Zusammenhang mit einer weiteren Geburt.[8] Daniel Abraham selbst fiel am 28. September 1918 in einer der mörderischen Schlachten des Ersten Weltkriegs.[9] Über das weitere Schicksal der noch im Kindesalter zur Waise gewordenen Tochter konnte nichts in Erfahrung gebracht werden, aber im Gedenkbuch des Bundesarchivs Koblenz ist ihr Name nicht aufgeführt.

Auch der älteste der Brüder, der Kaufmann Julius Abraham, wurde ein Opfer des Ersten Weltkriegs. Zwar fiel er nicht in einer der Schlachten, aber er erholte sich nie mehr von den traumatischen Erfahrungen, die er in dem Gemetzel an den verschiedenen Fronten machen musste. Nach einem Kopfschuss, den er bereits im September 1915 erhalten hatte, nach einem mehrmonatigen Lazarettaufenthalt und dem erneuten Kriegseinsatz an der Ostfront, kam er in russische Gefangenschaft. Erst 1920 kehrte er nach Deutschland zurück, krank, apathisch, depressiv und arbeitsunfähig. Sein weiteres Leben, in dem die Krankheitssymptome sich immer stärker ausprägten, verbrachte er in unterschiedlichen psychiatrischen Pflegeanstalten, in der Israelitischen Anstalt Sayn, in den Universitätskliniken Göttingen und Marburg und zuletzt noch für wenige Wochen auf dem Eichberg bei Hattenheim. Zwei Tage vor seinem Ableben wurde er von dort aus in das Wiesbadener Krankenhaus überführt, wo er am 24. April 1927 verstarb.[10]

 

Die Familie von Siegmund Abraham

Rose Abraham
Privat
Siegmund Abraham
Privat

Wie das väterliche Erbe zwischen den Brüdern im Detail aufgeteilt wurde, war nicht mehr festzustellen, aber 1922 war Siegmund Abraham alleiniger Inhaber des Geschäfts in der Langgasse 18 in Bierstadt, das aber weiterhin den Namen „Gebr. Abraham“ führte.[11] Ihm gelang es, die Firma durch die schwierigen Jahre der Weimarer Republik zu bringen und damit sogar ein ansehnliches Vermögen zu erwerben. So besaß er neben dem elterlichen Haus in der Bierstadter Langasse eine weitere Immobilie in der Goebenstr. 32 in der Wiesbadener Innenstadt.[12]

Rose Abraham mit den Kindern Erich und Kläre Inge
Privat

Er hatte inzwischen durch die Heirat von Rose Sommer im Jahr 1912 auch eine Familie gegründet.[13] Ein Jahr nach der Hochzeit war am 11. März 1913 der Sohn Theo Erich und am 19. Oktober 1918 die Tochter Kläre Ingeborg geboren worden.[14]

Textilfirma Abraham Bierstadt
Artikel in einer Wiesbadener Zeitung anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Firma Abraham
HHStAW 518 695 I (86)

Anlässlich des 50. Jubiläums der „Gebr. Abraham“ im Jahr 1922 erschien ein kleiner Artikel in einer der Wiesbadener Zeitungen, in dem die Leistung und die Persönlichkeit des Inhabers gewürdigt wurden: „Dank der Rührigkeit und Bescheidenheit seines Leiters, dank dessen durch Lauterkeit des Charakters allseits geschätzter Persönlichkeit hat sich das Geschäft zu einer beliebten Bezugsquelle für solide Qualität entwickelt und hat die schweren Krisenjahre der Nachkriegszeit glatt und ungeschwächt überstanden.“[15]
Und es ging zunächst auch weiterhin aufwärts. Laut den Bilanzen der Jahre 1929 bis 1932 waren selbst in diesen Krisenjahren immer Gewinne zwischen 25.000 RM und 32.000 RM erwirtschaftet worden. Im Haushalt konnte man sich eine Köchin, ein Kinderfräulein, eine Putzfrau und einen Chauffeur leisten.[16]

War dem Unternehmen in dem oben zitierten Artikel „für die Zukunft noch ein weiteres Emporblühen“ prophezeit worden, so war ein Jahrzehnt später aus der „geschätzten Persönlichkeit“ ein „blutsaugender Parasit am deutschen Volk“ geworden, wie von der Nazipropaganda bezüglich der jüdischen Geschäftsleute allseits verkündet wurde. Entsprechend gingen schon 1933 die Erträge, sicher nicht zuletzt aufgrund des im April ausgerufenen Boykotts gegen alle jüdischen Geschäfte, deutlich zurück. Sie fielen in diesem Jahr auf 20.000 RM.[17] Aber vermutlich war das nicht der eigentliche Grund, weshalb Siegmund Abraham mit seiner Familie Wiesbaden verließ.

Erich Abraham
Privat

Ein örtlicher SA-Trupp unter Leitung des Landtagsabgeordneten und SA-Standartenführers Reutlinger hatte schon bald nach der „Machtergreifung“ an dem 20-jährigen Theo Erich Abraham exekutiert, was die liquidatorische Hetze implizit forderte. Am 30. März 1933 wurde er überfallen und misshandelt. Über Stunden hielt man ihn fest, prügelte ihn, drohte ihm mit Erschießung und zwang ihn zuletzt, eine Flasche, gefüllt mit einer öligen Flüssigkeit, zu trinken, wodurch er zeitlebens eingeschränkt erwerbsfähig blieb.[18]

Theo Erich, der noch 1933 an der Oberrealschule am Zietenring, der heutigen Leibnitzschule, sein Abitur ablegen konnte, begann in der Schweiz ein Studium, das er aber wieder abbrechen musste, weil den Eltern verweigert wurde, ihn dort finanziell zu unterstützen. Es begann für ihn eine Odyssee, die ihn in den folgenden Jahren um die gesamte Welt führen sollte.

1934 ging er zunächst nach Palästina, war aber dort wegen seiner Erkrankung den Strapazen der landwirtschaftlichen Arbeit nicht gewachsen. Ende Dezember 1934 wanderte er zunächst alleine in die USA aus.

Kläre Inge
Privat

Auch Kläre Ingeborg durfte, nachdem sie ihre ersten vier Volksschuljahre in Bierstadt hinter sich gebracht hatte, eine höhere Schule in der Stadt besuchen. Bis 1934 besuchte sie das Lyzeum I, das wunderschöne Mädchengymnasium im Zentrum der Stadt, zwischen Schloss, Rathaus und Stadtkirche gelegen. Zu dieser Zeit gab es noch eine Reihe anderer jüdischer Mädchen, die diese Schule besuchten. Erst nach der Reichspogromnacht wurde ihnen der weitere Schulbesuch dort verwehrt. Der Grund, weshalb Kläre Ingeborg die Schule bereits 1934 verließ, war der Umzug der Familie nach Frankfurt. Offensichtlich fand sie dort nicht sofort eine Aufnahme in dem renommierten jüdischen Gymnasium, dem Philantropien, und ging stattdessen 1934 für ein Jahr in die Schweiz, wo sie in Lausanne eine Schule besuchte. 1935 kehrte sie nach Frankfurt zurück, wo sie jetzt am Philantropien aufgenommen wurde. Allerdings blieb sie auch dort nur ein Jahr und wechselte dann für kurze Zeit an eine Frankfurter Handelsschule. Die Ausbildung dort brach sie vorzeitig ab, genauso wie die Schwesternausbildung im Jüdischen Kinderheim in der Hans-Thoma-Straße. Sie selbst gab im Entschädigungsverfahren an, dass sie 1936 habe auswandern müssen. Ob es dafür einen konkreten Anlass gab oder aber der wachsende Alltagsantisemitismus sie zu dieser Entscheidung gebracht hatte, ist nicht bekannt. In jedem Fall muss es für die noch recht junge Frau eine sehr schwierige Entscheidung gewesen sein, denn sie bedeutete nicht nur die Trennung von den Eltern, sondern auch von ihrem Freund, ihrem zukünftigen Ehepartner Heinrich Kaufmann, den sie in dieser Zeit kennengelernt hatte. Auch er entstammte einer begüterten Kaufmannsfamilie, die in Frankfurt ansässig war. Es gibt ein Foto, das die beiden Ostern 1935 zusammen bei einem Hockeyspiel der Schild-Mannschaft zeigt. Bis die Ehe geschlossen wurde, vergingen aber noch einige Jahre, denn Inge war damals erst 17 Jahre alt.

Nachdem bereits 1933 nach Angaben von Theo Erich Abraham das Geschäft der Eltern in Bierstadt arisiert worden war [19] und man die Gewaltbereitschaft der Nazis hinreichend erfahren hatte, suchten auch die Eltern nach einem Ort, um in Frieden leben zu können.

Bisher konnte nicht geklärt werden, wo dieses Geschäftshaus der Familie Abraham stand
Privat

Sie verließen zunächst ihre Heimatstadt Wiesbaden, in der ihnen zuletzt so viel Leid angetan worden war. Zwar sind Siegmund und Rosa Abraham eigenartigerweise nicht im Jüdischen Adressbuch der Stadt Frankfurt von 1935, dafür aber in den kommunalen Adressbüchern der Jahre 1935 bis 1937 eingetragen. In Frankfurt mieteten sie die Parterrewohnung im Haus Bockenheimer Landstr. 93 an, das einem Dr. Kirschbaum gehörte.[20] Ein Foto, das aus dieser Zeit stammen muss, zeigt die Fassade des Geschäfts, in dem auch weiterhin Manufakturwaren angeboten wurden. Irritierend ist allerdings, dass es sich hier ganz offensichtlich um ein Eckhaus handelt, während die Bockenheimer Landstr. 93 eindeutig Mitten im Straßenabschnitt liegt und links und rechts von anderen Gebäuden umschlossen ist. Ob das Geschäft damals unter einer anderen als der Wohnadresse angesiedelt war oder ob bauliche Veränderungen die Ursache für diese Unklarheit sind, konnte nicht ermittelt werden.

Schon bald nach dem Umzug nach Frankfurt, der im Laufe des Jahres 1934 oder zu Beginn des Jahres 1935 stattgefunden haben muss, unternahm Siegmund Abraham im September 1935 alleine eine „Informationsreise“ in die USA – so die Formulierung des Sohnes – die Emigrationsperspektiven für die übrige Familie, im Besonderen zunächst für Kläre, zu eruieren.[21] Die Eltern wollten die 17-Jährige bei ihrem älteren Bruder in New York in Sicherheit bringen. Im Juni des folgenden Jahres konnte sie dann auf dem Schiff ‚Washington‘ von Hamburg aus nach New York zu Erich, jetzt Eric, fahren.[22] Nur einen Monat später kam Heinz Kaufmann ebenfalls nach, um Claire, wie sie sich jetzt nannte, dort zu besuchen.[23]

Noch waren die Eltern in Frankfurt geblieben, aber die vielleicht vage Hoffnung, dort an die früheren geschäftlichen Erfolge anknüpfen zu können, erwies sich als Irrtum. Aus einem Schreiben an das Finanzamt Frankfurt geht hervor, dass sein Vermögen zwischen 1935 und 1937 um fast 28.000 RM, d.h. um 20 Prozent, zurückgegangen war. Offenbar glaubten auch viele Kunden, Rechnungen bei Juden nicht mehr oder zumindest nicht mehr pünktlich bezahlen zu müssen. So sind in der Aufstellung der Vermögensverluste auch Außenstände in der Höhe von 3.000 RM aufgeführt.[24] In einer weiteren, von Rechtsanwalt Berthold Guthmann erstellten Liste aus dem Jahr 1936, kommt dieser sogar auf eine Summe von 7-8.000 RM an solchen unbezahlten Rechnungen.[25] Allerdings zeigen die Geschäftsunterlagen der Firma, dass zum Beispiel ehemalige Kunden aus Bierstadt sogar noch bis ins Jahr 1936 ihre erworbenen Waren in kleinen Beträgen mit 5 Mark oder sogar nur mit 1 Mark abzahlten.[26] Dieses Geschäftsmodell vieler jüdischen Händler war ja gerade der Grund für deren ambivalente Stellung: Bei ihnen konnte man sich etwas leisten ohne gleich alles bezahlen zu müssen, stand aber auch immer in der Schuld bei „dem Juden“.

 

 

 

 

 

 

 

Geschäftsbuch der Firma Abraham mit Eintragungen für Bierstadter Kunden aus dem Jahr 1933, die aber bis 1937 reichen
HHStAW 474-11 36

Spätestens im Laufe des Jahres 1936 muss die Entscheidung der Eltern gefallen sein, selbst auch Deutschland zu verlassen. Am 1. Januar 1937 wurde dann das Haus in Bierstadt für 25.000 RM, nach Abzug der Kosten für 22.850 RM, verkauft. Der Einheitswert hatte immerhin 30.300 RM betragen, was für Abrahams eine weitere Minderung ihres früher erwirtschafteten Vermögens bedeutete.[27] Das Haus in der Goebenstr. 32 mit einem Einheitswert von 46.500 im Jahr 1935 wurde ebenfalls noch im Januar 1937 veräußert. Für dieses erhielt Siegmund Abraham nur noch 40.000 RM. Diese Summe wurde ihm allerdings nicht ausgezahlt, da die Immobilie nicht unbelastet war, wie sich im späteren Rückerstattungsverfahren zeigte.[28] Auch eine hohe Lebensversicherung musste mit Verlusten zurückgekauft werden,[29] um Kosten der Auswanderung selbst und die Forderungen des Staates, die bei seinen flüchtenden Bürgern anfielen, begleichen zu können.[30]
Siegmund Abraham hatte die Angaben über seine damaligen Vermögensverhältnisse im Hinblick auf die bei der Emigration fällig werdende Reichsfluchtsteuer gemacht. Aus einem Schreiben des Frankfurter Finanzamts vom 22. Januar 1937 geht hervor, dass diese auf rund 15.600 RM festgesetzt wurde.[31] Wie aus den steuerlichen Unbedenklichkeitsbescheinigungen der Frankfurter Behörden vom März 1937 hervorgeht, waren Abrahams den Forderungen nachgekommen und durften dann im Mai 1937 Deutschland verlassen und nach Australien ausreisen, das Land, für das sie damals noch ein Visum erhalten hatten, von dem auch Theo Erich und auch ihre Tochter Claire Ingeborg Gebrauch machten. Wann die beiden aus den USA nach Frankfurt zurückgekehrt waren, ist nicht bekannt. Möglicherweise trafen sie sich auch erst mit den Eltern in Marseille, wo das Schiff lag, das sie in den neuen und fremden Kontinent bringen sollte. Auffällig ist zumindest, dass nur die Eltern sich am 14. Mai 1937 ordnungsgemäß in Frankfurt abmeldeten.[32]

Siegmund und Rosa Abraham wandern nach Australien aus
HHStAW 518 695 I (21)

Am 22. Mai 1937 verließen sie zusammen mit den beiden Kindern auf dem britischen Schiff „Strathnaver“ von der südfranzösischen Hafenstadt aus ihren Heimatkontinent Europa.[33]

Rose und Siegmund Abraham in Australien
Privat

Ein wirklicher Neubeginn ist der Familie in Australien, wo sie sich in Melbourne niederließ, jedoch nicht mehr gelungen. Zwar erhielten sie, die seit Jahren staatenlos waren, 1944 noch die australische Staatsangehörigkeit, aber Siegmund Abraham, der in dem fremden Land keine Arbeit mehr finden konnte, verstarb schon am 9. Mai 1946 in Melbourne, seine Frau Rose am 17. April 1968.[34] Der Sohn Theodor Erich / Eric hatte Zeit seines Lebens an den Folgen der Misshandlungen zu leiden, die ihm 1933 von den SA-Leuten zugefügt worden waren. Drei Ordner füllen die Auseinandersetzungen mit den deutschen Behörden um eine angemessene Entschädigung für das erfahrene Leid, das eigene wie auch das der Eltern.
Er war es auch, der nach dem Krieg im Namen der Familie die Rückerstattungsanträge für die beiden Immobilien in Bierstadt und der Wiesbadener Innenstadt stellte. Das Elternhaus in Bierstadt, das der Rechtsvorgänger der späteren Raiffeisenbank am 11. Januar 1937 erworben hatte, war durch Kampfhandlungen schwer beschädigt worden, sodass die Familie auf eine reale Rückgabe verzichtete und sich mit einer Ausgleichszahlung zufrieden gab. Das Haus in der Goebenstaße musste aber den Angehörigen von Siegmund Abraham wieder restituiert werden.[35]
1953 heiratete Eric in New York Bertl David Fischl, eine Emigrantin, die in Weinheim an der Bergstraße geboren worden war, aber die Ehe wurde später wieder geschieden.[36] Eric Abraham verstarb 1981 im australischen Malvern.

Eine sehr erfolgreiche Karriere als Modedesignerin und auch als Modell gelang allerdings Claire Ingeborg in Australien. Die Grundlagen dafür hatte sie schon in den USA als Designerin in einem New Yorker Kaufhaus gelegt.[37] Bereits bei ihrer Ankunft in Australien erschien ein Artikel über sie in der dortigen Presse, in dem nicht nur ihre sprachlichen Fähigkeiten – die 19-Jährige sprach neben Deutsch auch perfekt Französisch und Englisch –, sondern auch ihr Modegeschmack – perfekter Sitz, statt teure Materialien – hervorgehoben wurde.

Heinz und Inge Kaufmann
Privat
Übersiedlung des Ehepaars Kaufman von Australien in die USA
https://www.ancestry.de/search/collections/7949/records/1470594

Am 11. März 1940 heiratete sie Heinz Kaufmann, den zehn Jahre älteren Jugendfreund aus Deutschland, der sich zwischenzeitlich in Palästina aufgehalten hatte.[38] Bald darauf, im Mai 1940, verließ das Paar Australien, um sich endgültig in den USA niederzulassen. In New York wurde ihnen am 7. Februar 1943 die Tochter Susan Avia geboren.[39]

Inge Claire Kaufmann
Privat

Claire Inge konnte  in den USA ihre Karriere mit viel Erfolg fortsetzen. 1940 erschien sie sogar als „Cover-girl“ des amerikanischen „PIC“-Magazins.
Zuletzt lebte das Paar in Tucson / Arizona, wo Claire Inge schon 1965 im Alter von nur 47 Jahren viel zu früh verstarb. Ihr Ehemann überlebte sie um mehr als 30 Jahre. Auch er ist auf dem Friedhof von Tucson beigesetzt.[40]

 

 

 

Die Familie von Gustav Abraham

Heiratsurkunde von Gustav Abraham und Anna Messerschmid
Heiratsurkunde von Gustav Abraham und Anna Messerschmidt
HHStAW 518 50685 (7)

Gustav Abraham, der Eigentümer der Häuser Dotzheimer Str. 15 und Rüdesheimer Str. 26 muss spätestens nach seiner kaufmännischen Ausbildung von Wiesbaden weggezogen sein, denn am ersten Weihnachtstag des Jahres 1914 heiratete er in Köln Annie / Anna Messerschmidt. Die Hochzeit war nach jüdischem Ritus vollzogen worden, seine Frau gab als Religionszugehörigkeit auch „israelitisch“ an, war ihrer Herkunft nach aber nicht-jüdisch,[41] sodass die beiden Söhne, der ältere Bernhard war am 19. Juli 1915 noch in Köln, der jüngere Erik am 18. Juli 1917 in Brüssel geboren worden, nach NS-Terminologie als „Halbjuden“ galten.

Noch vor dem Ende des Jahrzehnts kamen Abrahams nach Wiesbaden zurück, wo Gustav Abraham 1919, ganz in der Tradition der Familie, eine eigene Textilmanufaktur gründete, die „Nassauische Wollwarenfabrik Wiesbaden oHG“, an der zeitweise auch sein jüngerer Bruder Leopold beteiligt war.

 

Die Familie hatte als Domizil für sich selbst das Haus in der Rüdesheimer Str. 16 gewählt, wo sie in der zweiten Etage wohnte. Das Haus Dotzheimer Str. 15 wurde vermietet. Neben den beiden Hausgrundstücken, besaßen Abrahams noch ein Baugrundstück in der Mainzer Straße und Gartengrundstücke bei Bierstadt.[42] Die Produktion war zunächst in der Kirchgasse 74 angesiedelt, im Jahr 1921 findet man sie im Adressbuch mit der Anschrift des ehemaligen Baugrundstücks Mainzer Str. 116. Im Januar 1932 wurde das heute noch existierende Fabrikgebäude in der Platter Str. 18, von einer Cornelia Abraham, geborene Simon, zum Preis von 42.000 RM erworben. Als Eigentümer wurde aber nicht Gustav Abraham, sondern die Firma „Nassauische Wollwarenfabrik“ eingetragen.[43]

 

Gustav Abraham war zunächst ein erfolgreicher Unternehmer gewesen, der den Erwerb der verschiedenen Immobilien vermutlich in Zeiten der Inflation als sichere Kapitalanlage angesehen hatte. Die „Nassauische Wollwarenfabrik Wiesbaden – Fabrikation von Fantasie-Wollwaren“ – wie sie sich in einer Anzeige im Wiesbadener Adressbuch von 1920 bezeichnete – soll nach Auskunft von Annie Abraham in ihren besten Jahren um die 350 Mitarbeiterinnen gehabt und deutschlandweit aktiv gewesen sein.[44]

Nassauische Wollwarenfabrik Wiesbaden Abraham
Erste finanzielle Probleme der ‚Nassauischen Wollwarenfabrik‘
HHStAW 519/2 2089 (6)

Aber lange bevor antisemitische Boykottaktionen ihre Wirkung entfalten konnten, geriet das Unternehmen in Schieflage. Ob der frühe Tod von Gustav Abraham – er verstarb schon am 19. März 1925 im Alter von nur 42 Jahren – die Ursache für den Niedergang war oder die insgesamt schwierige wirtschaftliche und politische Situation, ist nur schwer auszumachen, vermutlich spielten verschiedene Faktoren eine Rolle. Eigentlich war die Firma laut dem Gesellschaftervertrag nach dem Tod von Gustav Abraham zum Erliegen gekommen, Leopold, der nach dem Tod seines Bruders die Geschäftsführung übernahm, unterließ es aber, die entsprechenden Schritte einzuleiten, sodass das Unternehmen weiterhin aktiv blieb, gleichwohl ohne wirtschaftlichen Erfolg.[45]

1931, sechs Jahre nach dem Tod von Gustav Abraham, schied auch Leopold, unter Depressionen leidend, krank aus dem Unternehmen aus, sodass Annie Abraham selbst noch kurzzeitig die Leitung der Firma übernehmen musste. Gegenüber dem Finanzamt schilderte sie deren desolate Situation. Sie bat um Steuerstundung, weil andernfalls der Betrieb geschlossen werden müsste, wodurch – jetzt nur noch – „80 bis 100 Leute brotlos und der Stadt zur Last fallen würden. Die Erfüllung meiner steuerlichen Verpflichtungen wären mir alsdann ganz unmöglich gemacht und ausserdem hätte das Finanzamt für die Zukunft einen bisher schon enorme Beträge bezahlenden Betrieb verloren.[46]

Es gelang aber trotz des Entgegenkommens der Steuerbehörden auch in dem folgenden Jahr nicht, die Lage zu stabilisieren. Laut Bilanz der Firma aus dem Jahr 1932 waren inzwischen Verluste in der Höhe von mehr als 50.000 RM aufgelaufen, sodass am 17. August 1932 endgültig Konkurs angemeldet wurde.[47] Hypotheken mussten auf die Grundstücke aufgenommen werden, die ebenfalls fast keine Erträge abwerfen.[48] 1935 waren das Haus in der Rüdesheimer Straße mit 85.000 RM und das in der Dotzheimer Straße mit 36.000 RM belastet und damit völlig überschuldet.[49] Selbst die relativ geringen Vermögenssteuerforderungen konnten nicht mehr aufgebracht werden und wurden in den Jahren 1934 und 1936 von den Finanzbehörden sogar niedergeschlagen.[50] Am 18. Juli 1936 erteilt das Finanzamt Wiesbaden die Anweisung, Frau Annie Abraham aus der V-Liste zu streichen,[51] nachdem diese in der Steuererklärung von 1935 notiert hatte, dass sie kein Vermögen habe und von der öffentlichen Unterstützung lebe. Mit den 431 RM, die sie erhielt, musste sie sich und den Sohn Erik, der noch bei der Mutter in Wiesbaden lebte, ernähren.

 

Der ältere Sohn Bernhard hatte nach seinem Schulabschluss das Technikum in Reutlingen besucht und sollte hier eigentlich als Textiltechniker ausgebildet werden, um später die elterliche Firma zu übernehmen. Einen Abschluss hat er dort aber nicht mehr abgelegt. Er war stattdessen wieder nach Wiesbaden zurückgekehrt, wo sich die Suche nach einer Anstellung oder einem Volontariat angesichts der wirtschaftlichen Situation, aber auch wegen des wachsenden Antisemitismus als sehr schwierig erwies. Nach Aussage der Mutter hatte ein ehemaliger Geschäftspartner und Freund von Gustav Abraham die Anstellung von Bernhard schon 1933 mit der Begründung abgelehnt, „dass er es seiner Arbeiter wegen nicht wage meinen Sohn mit dem Familiennamen Abraham in seine Fabrik einzustellen“.[52]

Nicht alleine die aussichtslose berufliche Perspektive, eher die Erfahrungen, die sein Cousin Erich mit der SA gemacht hatte, aber auch eine konkrete Bedrohung seiner eigenen Person waren der Grund, dass bereits zu Beginn der NS-Herrschaft eine Auswanderung von Bernhard ins Auge gefasst wurde: „Aufgrund der abermaligen Vorladung der Gestapo, Wiesbaden, ergriff er Dezember 1933 die Flucht nach Palästina (Tel Aviv). Weil er gehört hatte, dass damals auch schon Halbarier im KZ verschwanden“, schrieb die Mutter in ihrer Begründung zum Entschädigungsantrag von Bernhard, ohne aber die Anlässe für diese Vorladungen zu präzisieren.[53] In Palästina, seinem ersten Exil, konnte Bernhard nicht wirklich Fuß fassen. Er schlug sich dort über drei Jahre mit Hilfsarbeiten durch. Als „Halbjude“ sah er sich hier nicht wirklich akzeptiert, sogar diskriminiert,[54] und litt zunehmend an Depressionen. Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt muss auch der jüngere Bruder nach Palästina ausgereist sein, denn Annie Abraham gab in einem Brief vom 14. August 1957 an die Entschädigungsbehörde an, dass sie „nach drei Jahren“, also 1936, „die Möglichkeit (hatte) Allan und Erik Tausend engl. Pfund nach Palästina zu überweisen, womit diese dann die Weiterreise nach Australien usw. finanzieren konnten.“[55]

Im Januar 1937 beantragte Annie Abraham bei den hiesigen Behörden die Passverlängerung für ihren weiterhin in Wiesbaden, Rüdesheimer Str. 14, gemeldeten Sohn Bernhard, da dieser „demnächst zu Verwandten ausreisen (möchte),“ – womit nur die Familie von Siegmund Abraham gemeint sein kann – „um sich eine Stellung zu suchen“.[56] Das Finanzamt Wiesbaden fragte bei der Steuerfahndung an, ob Gründe vorlägen, dem Ausreisewilligen die geforderte steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung zu verweigern. Schon eine Woche später wurde das verneint, Reichsfluchtsteuer falle nicht an, da der Antragsteller über keine Vermögenswerte verfüge. Gegen die Verlängerung des Passes oder die Ausstellung eines Visums bestünden somit keine Bedenken.[57]

 

Die Ausstellung eines Passes für Bernhard Abraham wird genehmigt
HHSAW 685 2a (8)

So konnte zumindest Bernhard vermutlich ‚im Nachhinein’, legal aus dem Deutschen Reich auswandern, womit der Staat sich aber auch die Zugriffsmöglichkeit auf sein Eigentum verschaffte. Im März 1939 fragte die Gestapo, die Bernhard Abraham „zur Ausbürgerung vorschlagen“ wollte, beim Wiesbadener Finanzamt an, ob der Genannte noch Vermögenswerte im Inland besäße, ob Steuerverfehlungen oder Eintragungen über „volksschädliches Verhalten“ vorlägen. Die Antwort des Finanzamts war in allen Punkten negativ. [58]

Am 15. Juli 1939 stellte dann die SS den Antrag auf Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit von „dem Juden [! – K.F.] Bernhard Abraham“. Damit verbunden war die Aufforderung an die Polizeistelle Frankfurt, das Vermögen unter Mithilfe des Wiesbadener Finanzamts zu erfassen und sicherzustellen.[59] Bereits zuvor, nämlich am 13. Dezember 1939, hatte die Gestapo Frankfurt mit dem Vermerk „Streng vertraulich“ dem Grundbuchamt in Wiesbaden die Beschlagnahmung der gesamten Vermögenswerte von Bernhard Abraham mitgeteilt und um einen entsprechenden Vermerk im Grundbuch gebeten. „Aus sicherheitspolitischen Gründen ist Abraham oder sonstigen Personen von meinen Massnahmen keine Kenntnis zu geben“, hieß es abschließend in dem Schreiben.[60]

Im Februar 1940 meldet Wiesbaden zurück, dass weder die Mutter noch der Sohn über Vermögenswerte verfügen, die Mutter sogar mittellos sei.[61] Das Haus in der Dotzheimer Str. 15, an dem Bernhard genauso wie an dem in der Rüdesheimer Str. 16 mit einem Anteil von 3/8 beteiligt war, befände sich in Zwangsverwaltung, das in der Rüdesheimer Straße, in dem die Mutter noch wohne, sei am 29. Januar 1940 zwangsversteigert worden.[62]

 

Das Finanzamt Moabit will das Haus Dotzheimer Str. 15 verwerten
HHStAW 519/3 2087d (12b)

Weil auch in diesem Fall die verschiedenen Behörden, Ämter und Institutionen – Gestapo Frankfurt, RSHA Berlin, Finanzamt Wiesbaden, Finanzamt Moabit, das Finanzamt Frankfurt, zuletzt auch noch der Hausverwalter Briel und die Kommunalverwaltung – involviert waren, brach wieder das Chaos aus: Briefe überschnitten sich, unterschiedliche Sachbearbeiter waren damit befasst und Kompetenzen waren unklar definiert. Der Wirrwarr entstand ursächlich aber dadurch, dass auf der einen Seite durch die Verschuldung privatrechtliche Ansprüche auf das Vermögen der Abrahams mit den politisch-staatsrechtlich begründeten Maßnahmen der Berliner Behörden auf der anderen Seite in Konflikt gerieten, sodass die unterschiedlichsten Ämter und Behörden damit befasst waren.

So meldete z. B. die Frankfurter Gestapo im April 1940 an das Finanzamt Moabit, dem für im Ausland lebende Staatsbürger zuständigen Finanzamt,[63] die Immobilien seien beide zwangsversteigert worden, [64] was dieser Behörde zuvor im Februar vom Finanzamt Wiesbaden gerade anders dargestellt worden war.[65] Nur das Haus in der Rüdesheimer Straße war versteigert worden, das in der Dotzheimer stand weiterhin nur unter Zwangsverwaltung. Hausverwalter Briel berichtete ebenfalls nach Berlin, dass seines Wissens nicht einmal ein Antrag auf Zwangsversteigerung für die Dotzheimer Straße vorläge.[66]

 

Ausbürgerung von Bernhard Abraham
HHStAW 519/2 2087 d 30b (22)

Am 25. Mai 1940 wurde die Ausbürgerung von Bernhard Abraham vorschriftsmäßig vom Reichsinnenminister im „Deutschen Reichsanzeiger“ Nr. 120 öffentlich bekannt gegeben, womit die formale Voraussetzung eines Vermögenseinzugs gegeben war, der sich aber zum einen nur auf 3/8 des Hauses Dotzheimer Straße beziehen konnte, zum anderen auch dieser 3/8-Anteil wegen der hohen Schuldenlast faktisch keinen Vermögenswert mehr darstellte.

Ungeachtet dessen fragte das jetzt durch die Ausbürgerung zuständige Finanzamt Berlin Moabit am 25. April 1940, bereits vier Monate vor der im Reichsanzeiger Nr. 179 vom 4. August 1941 öffentlich bekannt gegebenen Beschlagnahmung seines Vermögens, an, ob die Grundstücke für „reichseigene Zwecke“ in Betracht kommen würden.[67] In einem dezidierten Bericht nach Moabit wurde das von Trommershausen, dem Vorsitzenden des Wiesbadener Finanzamts, in Anbetracht des Zustands des Gebäudekomplexes verneint.

„Beide Häuser [Vorder- u. Hinterhaus – K.F.] sind mehr als verwahrlost … Nur eine 5 Zimmer-Whg. im Vorderhaus, die an einen Beamten der Luftwaffe vermietet ist, wurde wohnlich eingerichtet. …
Ich halte das Grundstück für reichseigene Zwecke … dauernd nur für beschränkt geeignet, soweit es sich um die drei Wohnungen des Vorderhauses handelt. …
Die 3 Wohnungen des Hinterhauses mit je 3 Zimmern scheiden wegen ihrer Lage und Bauart und des verwahrlosten Zustands als Wohnung für Reichsbedienstete ganz aus.“
Gegen die Übernahme der Wohnungen im Vorderhaus, die bewohnt seien, sprächen die hohen aufzuwendenden Instandsetzungskosten. „Auch vorübergehend können die Räume nicht benutzt werden, etwa zur Unterbringung von Behörden. Sie sind zu klein, mangelhaft und nicht überall heizbar.[68]

 

Offensichtlich hatte sich auch in Berlin inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Haus in der Dotzheimer Straße noch nicht zwangsversteigert worden war, denn man war jetzt geneigt, auf einen Verkauf des Hauses hinzuwirken. Man wandte sich deshalb zum einen wegen eines angemessenen Verkaufspreises an den Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden, zum anderen wollte man vom Hausverwalter wissen, ob die Erben, deren Vermögen durch die Beschlagnahmung von Bernhards Anteil unberührt blieben, einem Verkauf zustimmen würden und wer über eine entsprechende Verkaufsvollmacht verfüge. Das Haus war bisher – so die Meldung von Briel am 13. Februar 1942 nach Berlin – steuerlich wie wirtschaftlich als „arisch“ betrachtet worden, war deswegen sogar steuerlich begünstigt behandelt worden.[69] Auch hatte sich die Mutter, die bisher nichts von der Ausbürgerung ihres Sohnes erfahren hatte, gegen diese zur Wehr gesetzt und dem Oberfinanzpräsidenten mitgeteilt, dass dieser in Deutschland nur vorübergehend abgemeldet sei und sich beim deutschen Konsulat in Australien vorschriftsmäßig angemeldet habe. Außerdem bemerkte sie empört, dass ihr „Sohn nicht Bernhard Israel heisst, da er Halbarier ist“.[70]

 

Wohl wegen der Komplexität der Lage kam es im Weiteren weder zur Zwangsversteigerung, noch zu einem Verkauf des Hauses. Da aber ein Versteigerungsverfahren inzwischen eingeleitet worden war, sei ein Verkauf oder auch eine Umschreibung des Besitzes auf das Reich bis auf Weiteres nicht mehr möglich, so der Zwangsverwalter Briel in einem Schreiben aus dem August 1942 an das Finanzamt Wiesbaden. Zudem könne das Reich nach seiner Meinung an der Übernahme des Hauses kein Interesse haben, weil es dann letztlich nur die Restschulden übernehmen würde.[71]

 

Darüber, was dann weiter mit dem Haus geschah, geben die Akten keine Auskunft mehr. Man hat den Eindruck, die Behörden selbst wussten es zuletzt nicht, denn nach Kriegsende am 5. Mai 1944 fragte das Amtsgericht beim Finanzamt Wiesbaden an, ob das Grundstück Dotzheimer Str. 15 und die Äcker bei Bierstadt vom Oberfinanzpräsidenten in Berlin Brandenburg, sprich vom Deutschen Reich, übernommen worden seien.

Das war nicht der Fall. Im Grundbuch der Stadt Wiesbaden gibt es keine Eintragungen, die auf eine Übertragung der Eigentumsrechte hinweisen, auch nicht für den beschlagnahmten Anteil von Bernhard Abraham, weder durch eine Zwangsversteigerung noch durch eine formale Aneignung des NS-Staates. Ein Rückerstattungsantrag für das Haus in der Dotzheimer Str. 15, nach dem Krieg gestellt von Bernhard Abraham, der inzwischen den Namen Allen Bernard angenommen hatte, erübrigte sich aus diesem Grund.[72]. Das Haus in der Dotzheimer Str. 15 war weiterhin im Besitz der Erben, der beiden Brüder und auch der Mutter, der inzwischen neuverheirateten Anna Schmitz. Das Haus in der Rüdesheimer Str. 16, das 1939 zwangsversteigert worden war,[73] wurde nach dem Krieg durch einen Vergleich, nach dem die Neueigentümer eine Ausgleichszahlung zu leisten hatten, diesen zugesprochen.[74]

 

Der Wiedergutmachungsantrag von Bernhard Abraham für „Schaden in der Ausbildung“ wurde nach fast 5 Jahren stattgegeben. Die Zahlung von 5.000 DM erreichte Bernhard aber nicht mehr, weil er, schon lange krank und unter Depressionen leidend, am 13. Juni 1959 in Australien verstarb. Bis seine Frau das Geld tatsächlich in Empfang nehmen konnte, dauerte es wegen diverser bürokratischer Hürden fast noch einmal 10 weitere Jahre.[75]

Über den weiteren Lebensweg von Erik Abraham in Australien ist nichts bekannt. Die Mutter, Annie Abraham, blieb als Nichtjüdin während der Nazizeit in Deutschland, hatte aber wohl nach dem Krieg ihre Kinder in Australien besucht.

 

 

Leopold Abraham, der bis zu seiner Erkrankung die Firma geleitet hatte, meldete sich am 19. Mai 1933 mit unbekanntem Ziel polizeilich aus Wiesbaden ab.[76] Noch bevor die Geheime Staatspolizei auch ihm die Staatsbürgerschaft entziehen wollte, eine entsprechende Anfrage über seine Vermögenswerte ging im Finanzamt Wiesbaden am 29. März 1939 ein, hatte sich das bei der Verwaltung und Verwertung jüdischen Vermögens überaus rührige Bankhaus Krier die Beute angeeignet. Bei einer am 20. Oktober 1938 angesetzten Zwangsversteigerung des Hauses Römerberg 14, das Leopold Abraham zur Hälfte gehörte, hatte Hubert Krier mit seinem Gebot von 6.000 RM den Zuschlag erhalten. Leopold Abraham hatte das Haus 1924 zum Preis von 10.000 RM erworben, sein Einheitswert wurde 1935 mit 27.800 RM taxiert – eine fürwahr gelungene Arisierung.[77]

Wo und unter welchen Umständen Leopold Abraham die restlichen Jahre seines Lebens verbrachte, ist nicht bekannt. 1940 hatte die Devisenstelle Frankfurt noch einmal eine Überprüfung der „Nassauischen Wollwarenfabrik“ anberaumt, obwohl die Firma längst nicht mehr existierte. In einem Vermerk heißt es allerdings, dass das Verfahren eingestellt worden sei, weil die beiden Inhaber, Gustav und Leopold, nach Recherchen des Gewerbesteueramts und der Polizei inzwischen verstorben seien.[78] Man wird also vom Tod Leopold Abrahams vor 1940 ausgehen müssen.

 

Veröffentlicht: 23. 11. 2017

Letzte Revision: 06.06. 2026

 

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Anmerkungen:

 

 

[1] Grundbuch der Stadt Wiesbaden Bd. 78 Bl. 1167 Innen.

[2] Im Wiesbadener Adressbuch von 1920 ist Gustav Abraham erstmals als Eigentümer des Hauses eingetragen. Im Adressbuch 1918 ist als Voreigentümer Hanson angegeben.

[3] Am 22.4.1878 war in Langenhain, dem Geburtsort der Ehefrau, die Ehe geschlossen worden, Heiratsregister Langenhain 3 /1878.

[4] Zum Gründungsdatum siehe die Angabe  in HHStAW 518 695 I (85).

[5] Julius wurde am 17.1.1879, , Geburtsregister Bierstadt 5 / 1879; Daniel Theodor am 13.9.1880, Geburtsregister Bierstadt 40 / 1880; Gustav am 21.6.1882, , Geburtsregister Bierstadt 28 / 1882; Siegmund am 23.3.1884, Geburtsregister Bierstadt 17 / 1884 und Leopold Fritz am 21.5.1889, Geburtsregister Bierstadt 29 / 1889, geboren.

[6] Heiratsregister Berlin 1393 / 1905. Die Eltern der Braut waren der Gärtner Hermann Puls und seine Frau Augusta, geborene Schwarz.

[7] Geburtsregister Berlin 103 / 1906.

[8] Sterberegister Berlin 574 / 1907

[9] Sterberegister Berlin-Neukölln I 13 / 1920.

[10] HHStAW 430/1 8035.

[11] Viele Informationen über das Schicksal der Familie von Siegmund Abraham beruhen auf dem beeindruckenden Erinnerungsbuch, dass seine Enkelin angefertigt hat und dem Autor des vorliegenden Textes freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

[12] Nach den Bilanzen der Jahre 1929 bis 1933 wurden trotz Weltwirtschaftskrise Bruttogewinne zwischen 20 und 30 000 RM erwirtschaftet, das jährliche Einkommen lag bei etwa 10.000 bis 15.000 RM und das Vermögen von Siegmund Abraham betrug 1935 63.000 RM. Siehe 518 695 I (26) und (85). Das Haus in der Goebenstraße wurde 1937 verkauft, nach dem Krieg wieder zurückerstattet, das Haus in Bierstadt wurde gegen eine Ausgleichszahlung dem neuen Eigentümer überlassen, siehe ebd. (39).

[13] Die Eltern von Rose Sommer waren Mordochäus und Klara Sommer, geb. Kander, die zum Zeitpunkt der Hochzeit, dem 21.3.1912, in Würzburg, dem Ort der Eheschließung, lebten, siehe Heiratsregister Würzburg 129 / 1912.

[14] Geburtsregister Bierstadt 17 / 1913 und 27 / 1918.

[15] HHStAW 518 695 I 86.

[16] Ebd. (85).

[17] Ebd.

[18] Siehe zu dem gesamten Vorgang, der auch in einem Polizeiprotokoll festgehalten wurde, HHStAW 518 5291, i. B. (4, 10-12, 45, 113).

[19] HHStAW 518 695 I (85). In einer Anmerkung in der Genealogischen Datenbank der Paul-Lazarus-Stiftung unter Therese Sommer, der Frau von Siegfried Abraham, ist die Arisierung des Betriebes allerdings erst auf das Jahr 1935 datiert. Es heißt hier ergänzend, dass der Käufer die vereinbarte Kaufsumme nicht zahlen konnte, die Nazis hätten daraufhin Abrahams, die zuvor nach Frankfurt verzogen seien, wieder nach Bierstadt zurückbeordert. Eine Quellenangabe für diese Information ist allerdings nicht vorhanden. Die Entschädigung für Schaden am wirtschaftlichen Fortkommen wurde aber tatsächlich vom 1.4.1933 an gewährt, siehe ebd. (112 f).
Zu den Einreisebedingungen nach Australien siehe Hdb. der deutschsprachigen Emigration 1933 – 1945, S. 162 f. Bis 1937 hatte Australien eine sehr restriktive Einwanderungspolitik verfolgt, die nur wenigen hundert zahlungskräftigen Emigranten die Einreise ermöglichte. Nach gewissen Erleichterungen ab 1937 waren es dann zunächst ca. 500, die aufgenommen wurden. Obwohl auch weiterhin die Einreisebewilligung an finanzielle Bedingungen geknüpft wurde, schnellten die Zahlen in den folgenden Jahren hoch, sodass insgesamt etwa 7 000 Flüchtlinge dorthin gelangten.

[20] HHStAW 518 695 I (21).

[21] https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/7488/images/NYT715_5711-0081?pId=22013553. (Zugriff 31.05.2026).

[22] https://www.ancestry.de/search/collections/7488/records/21266032?tid=&pid=&queryId=40419d38-a110-419d-b9d2-e7cd0057c854&_phsrc=SbT2346&_phstart=successSource. (Zugriff 31.05.2026).

[23]

[24] HHStAW 518 695 I (22). Unter den Ausgaben sind hier neben den allgemeinen Lebenshaltungskosten für die Familie von insgesamt 16.000 RM auch die Kosten für die Informationsreise in die USA mit 1.200 RM und die Ausstattung der Tochter anlässlich ihrer geplanten Auswanderung in Höhe von 7.000 RM angeführt.

[25] Ebd. (57).

[26] HHStAW 474/11 36 (passim).

[27] Ebd. Falsch ist allerdings seine Vermutung, die Judenvermögensabgabe habe sich etwa in gleicher Höhe belaufen müssen. Diese Sondersteuer für Juden wurde erst nach dem Pogrom von 1938 erhoben, konnte also nicht mehr von Siegmund Abraham, der bereits 1937 das Land verließ, gefordert werden.

[28] Stadtarchiv Wiesbaden WI/3 983, dazu HHStAW 518 695 I (39).

[29] Ebd. (101 f.).

[30] Allein die Kosten für die Auswanderung der vierköpfigen Familie beliefen sich auf  3.000 £ und wurden mit 7.000 DM entschädigt, ebd. (137).

[31] Ebd.(35 f.).

[32] Ebd. (30b). Bei einer späteren Einreise in die USA gab Claire Ingeborg an, die USA am 9.5.1937, also unmittelbar vor der Ausreise nach Australien, verlassen zu haben, siehe https://www.ancestry.de/search/collections/7949/records/1470594. (Zugriff 31.05.2026).

[33] Die polizeiliche Abmeldung aus Frankfurt, wo die Eltern zuletzt in Untermiete in der Bockenheimer Landstr. 93 gewohnt hatten, siehe HHStAW 518 695 I (21). Die Tochter Kläre Ingeborg hat zu dieser Zeit demnach nicht mehr bei den Eltern gewohnt. Aber auch sie ist auf der Passagierliste als „Miss I. Abraham“ eingetragen, siehe ebd. (130b). Zur Reichsfluchtsteuer siehe HHStAW 518 695 I (26). Frappierend in der Argumentation des mit dem Entschädigungsverfahren befassten Juristen, immerhin Justizrat und Notar, ist allerdings die völlige Unkenntnis des historischen Hintergrunds der Judenvermögensabgabe, von der er annimmt, dass auch sie in etwa gleicher Höhe von den Abrahams gezahlt worden sein müsse. Zum Zeitpunkt der Ausreise 1937 war diese Sondersteuer im Gefolge der „Reichskristallnacht“ noch überhaupt nicht erlassen worden.

[34] HHStAW 518 695 I (137, 169).

[35] HHStAW 518 695 I (133).

[36] Bertl David Fischl Abraham verstarb am 14.8.1994 in New York.

[37] Es handelte sich um das Kaufhaus ‚Bonwit Teller‘ in der 5th Avenue, das inzwischen abgerissen wurde, um Platz für den protzigen Trump-Tower zu machen.

[38] Die Eltern des Bräutigams waren Sali und Irma, geborene Gideon, denen zuvor die Flucht in die USA gelungen war.

[39] https://www.ancestry.de/search/collections/60614/records/23512. (Zugriff 31.05.2026).

[40] https://images.findagrave.com/photos/2011/57/66192150_129886811243.jpg und https://images.findagrave.com/photos/2011/57/66192149_129886801084.jpg. (Zugriff 31.05.2026).

[41] HHStAW 518 50685 (7). Die Eltern von der am 3.2.1889 in Yerres / Paris geborenen Anna Abraham (genannt Annie) waren Joseph Messerschmidt und Anna Maria, geb. Melsheimer.

[42] HHStAW 685 2 a (2, 4).

[43] HHStAW 685 2 a (20). Es handelt sich um die Ehefrau von Julius Abraham, der allerdings nicht identisch mit dem Schwager von Anna Abraham war. Der Ehemann von Cornelia Abraham war am 12.9.1886 in Schlochau in Westpreußen geboren worden. Ob es eine verwandtschaftliche Beziehung zwischen den beiden Abraham-Familien gab, ist nicht bekannt.

[44] HHStAW 518 50685 (13).

[45] Siehe dazu den Prozess um die Sicherungseintragungen im Grundbuch, Grundbuch der Stadt Wiesbaden Bd. 78 Bl. 1167 Innen (153 ff).

[46] HHStAW 519/2 2089 (6). Hatte der erwirtschaftete Gewinn 1928 noch 18.100 RM betragen, so hatte er sich im folgenden Jahr um mehr als die Hälfte auf rund 7.000 RM reduziert, siehe Einkommensteuermeldungen HHStAW 519/2 2088.

[47] HHStAW 685 5a (17).

[48] Für die Dotzheimer Str. 15 stehen in der Bilanz von 1933 den Mieteinnahmen von 4.247 RM Ausgaben von 4.438 RM entgegen, sodass 191 RM als Ertrag des gesamten Jahres blieben, siehe HHStAW 685 2 (85). In den Jahren zuvor war das nur geringfügig mehr.

[49] Der Einheitswert der beiden Wohngebäude war im Jahr 1932 auf 79.800 RM bzw. 43.300 festgelegt worden, 1935 aber neu berechnet und auf 55.800 RM bzw. 34.600 RM herabgesetzt worden, siehe HHStAW 519/2 2089 (7,8) und HHStAW 685 2 (48, 49).

[50] HHStAW 685 2 c.

[51] HHStAW 685 2 a (101) Die V-Liste ist die beim Finanzamt geführte Vermögensteuerkontroll-Liste.

[52] HHStAW 518 50685 (9).

[53] HHStAW 518 50685 (11). Es handelte sich bei dieser Ausreise um keine offizielle Auswanderung, Bernhard war weiterhin deutscher Steuerbürger, der bis 1936 eine Einkommensteuererklärung, allerdings ohne ein Einkommen erzielt zu haben, abgab.

[54] HHStAW 518 50685 (11, 13).

[55] HHStAW 518 50685 (9) In einem Brief des Hausverwalters Briel an den Oberfinanzpräsidenten von Berlin-Brandenburg vom 27.3.42 erwähnt dieser, Erik sei 34 oder 35 nach Australien ausgewandert, siehe HHStAW 519/2 2087 (29).

[56] HHStAW 685 2 a (1, 6).

[57] HHStAW 519/2 2087 (d2, d3) und HHStAW 685 2 (6).

[58] HHStAW 519/2 2087 (d4) Schreiben vom 8. bzw. 13.3.1939.

[59] HHStAW 519/2 2087 (d75, d76) Ein gleicher Auftrag erging vom Finanzamt Moabit, dem bei Vermögensentzug auf der Basis des Entzugs der Staatsangehörigkeit zuständigen Finanzamt. Bernhard Abraham war nach NS-Definition nur Halbjude.

[60] Grundbuch der Stadt Wiesbaden Bd. 78 Bl. 1167 Innen (152).

[61] In diesem Schreiben des Finanzamts Wiesbaden vom 16.2.1940 heißt es weiterhin: „Bernhard Abraham ist am 13. Juli 1937 nach Brüssel ausgewandert.“ Er habe zuletzt in der Rüdesheimer Straße bei seiner Mutter gewohnt, HHStAW 519/2 2087 (d8). Es kann also nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass Bernhard von Palästina noch einmal nach Deutschland zurückgekehrt war, bevor er dann über Brüssel nach Australien auswanderte. Allerdings gibt es sonst keine Hinweise auf eine solche Rückkehr.

[62] HHStAW 519/2 2087 (4).

[63] Siehe i.B. zur Rolle des Finanzamts Moabit, Meinl / Zwilling, Legalisierter Raub, S. 243 f.

[64] HHStAW 519/2 2087 (d84).

[65] HHStAW 519/2 2087 (d8).

[66] HHStAW 519/2 2087 (d83).

[67] HHStAW 519/2 2087 (d12).

[68] HHStAW 519/2 2087 (26)

[69] HHStAW 519/2 2087, darin auch der vom Finanzamt Wiesbaden am 20.5.41 angeforderte Grundbuchauszug vom Amtsgericht, der diese Eigentumsverhältnisse und die seit dem 12.6. 34 bestehende Zwangsverwaltung des Grundstücks bestätigt.

[70] HHStAW 519/2 2087 (d46). Hervorhebung im Original.

[71] HHStAW 519/2 2087 (d66).

[72] HHStAW 519/2 2087 (d90).

[73] Grundbuch der Stadt Wiesbaden Bd. 109 Bl. 1643 Innen (157, 159).

[74] Grundbuch der Stadt Wiesbaden Bd. 109 Bl. 1643 Innen (193).

[75] HHStAW 518 50685 (38). Der Name seiner Frau war Edna May, geborene Stanley. Das Paar hatte eine Tochter.

[76] HHStAW 685 5a (14).

[77] HHStAW 685 5b (o.P.) Als Besitzerin der anderen Hälfte des Hauses ist wird genannt: „Die Ehefrau des Edward H. Lewis Lucie geb. Abraham in Bierstadt“. Es konnte nicht ermittelt werden, wer diese Lucie Abraham war und in welchem verwandtschaftlichen Verhältnis sie zu Leopold stand.

[78] HHStAW 519/3 23661 (2).