Arthur, Sophie und Eva Wertheimer


Regina Beck, Regina Sichel, Julius Beck
Das Juden­haus heute
Eigene Auf­nahme
Regina Beck, Regina Michel, Julius Beck
Lage des ehe­ma­li­gen Juden­haus­es
Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Bele­gung des Juden­haus­es Her­rn­garten­str. 11

 

 

 

 

 

 

 


Anders als bei vie­len anderen Bewohn­ern der Wies­baden­er Juden­häuser, über die man nichts oder nur sehr wenig weiß, stellt die Geschichte der Fam­i­lie Wertheimer einen beson­deren Glücks­fall dar, gehörte die Tochter Eva doch zu den drei aus Wies­baden Deportierten, die die Tor­turen eines langjähri­gen Aufen­thalts in den Konzen­tra­tionslagern über­lebte und – wenn auch spät – selb­st Zeug­nis über das eigene und das Schick­sal ihrer Ver­wandten able­gen kon­nte. In zwei aus­führlichen mündlichen Zeug­nis­sen, die im Archiv des Unit­ed States Holo­caust Muse­um hin­ter­legt sind,[1] gibt sie darüber umfassend Auskun­ft. Neben den Akten des Wies­baden­er Haupt­staat­sarchivs, stellen ihre authen­tis­chen Zeug­nisse das wesentliche Fun­da­ment der fol­gen­den Aus­führun­gen dar.

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer Maschke, Heinz Wertheimer, Amalie Wertheimer Visser, Rosa Ruth Wertheimer, Kurt Wertheimer, Ernst Günther Wertheimer, Eva Wertheimer Eva Gerstle, Eva Zwick, Aribert ZwickJulius Gerstle, Susan Gerstle, Jacqueline Gerstle, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11
Stamm­bäume der Fam­i­lien Wertheimer — Zwick — Maschke

Die Fam­i­lie Wertheimer war keine alteinge­sessene Wies­baden­er Fam­i­lie, sie war vielmehr dem Ruf der Stadt gefol­gt, dass die Kurmetro­pole der ide­ale Platz für entsprechend bemit­telte Ren­tiers sei, um einen angenehmen Lebens­abend zu ver­brin­gen. Arthur Wertheimer, eigentlich Saul Arthur Wertheimer, war am 12. Jan­u­ar 1873 nahe bei Han­nover im nord­deutschen Peine geboren wor­den,[2] ein­er Stadt mit ein­er sehr lan­gen, allerd­ings – wie über­all – auch mit ein­er sehr wech­sel­haften jüdis­chen Geschichte, die schon immer auch durch Aus­gren­zung und Diskri­m­inierung geprägt war.[3] In dieser Stadt, in der Juden über viele Jahre eine wichtige Funk­tion im Han­del und der Geschäftswelt innehat­ten, gehörte die Fam­i­lie zur eher gehobe­nen Schicht. Arthur Wertheimer war, wie auch schon sein ursprünglich aus Han­nover stam­mender Vater Her­mann Wertheimer, im Bankgewerbe tätig. Sog­ar der Groß­vater soll bere­its in diesem Meti­er aktiv gewe­sen sein. Her­mann Wertheimer, geboren um 1829, war mit Anna Michael­son ver­heiratet.[4] Nach ihrem Beruf­sleben waren die Eltern von Arthur Wertheimer wieder nach Han­nover zurück­gekehrt, wo sie auch ver­star­ben. Arthur Wertheimer selb­st machte Kar­riere als Direk­tor der Nieder­las­sung ein­er deutschen Bank in Peine.

In ein­er ersten Ehe war er ver­heiratet mit Leonie Neu­berg.[5] Die Ehe, aus der die bei­den Söhne Heinz und Kurt her­vorgin­gen, wurde später geschieden und – so Eva Ger­s­tle-Wertheimer – dann in der zweit­en Fam­i­lie völ­lig tabuisiert. Heinz, geboren am 22. Jan­u­ar in Peine, und Kurt, im April 1901 eben­falls dort geboren, hat­ten nach der Tren­nung auch keine Verbindung mehr zu ihrer Mut­ter. Sie wuch­sen im Haus des Vaters auf, der am 1. Juli 1911 in Berlin in zweit­er Ehe die aus dem vor­pom­mer­schen Bütow stam­mende Sophie Maschke heiratete.[6] Ihre Eltern, der Kauf­mann Ernst Maschke und seine Frau Amalie, geborene Wolff, hat­ten zulet­zt in dem etwa 50 km südlich von Bütow gele­ge­nen Konitz gelebt, waren aber zum Zeit­punkt der Hochzeit bere­its ver­stor­ben.[7] Sophie Maschke, geboren am 19. Novem­ber 1875,[8] hat­te zumin­d­est noch zwei Schwest­ern, Anna und Sel­ma, die sich zusam­men am 11. Sep­tem­ber 1920 aus Peine kom­mend in Kiel nieder­ließen und in der Revent­louallee 3 eine Pen­sion eröffneten. Nach dem Mach­tantritt der Nazis wur­den ihre beru­flichen Aktiv­itäten immer mehr eingeschränkt und sie kon­nten nur noch als Zim­merver­mit­t­lerin­nen tätig wer­den.[9]

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Arthur und Sophie Wertheimer um 1938
AMS-Archiv

In dieser zweit­en Ehe von Arthur Wertheimer wurde am 26. Sep­tem­ber 1912 zunächst ein weit­er­er Sohn, Ernst-Gün­ther, dann am 20. April 1914 die Tochter Eva geboren, die im Geburt­sreg­is­ter mit vollem Namen als Eva Amalie Anna einge­tra­gen ist. Die Eltern lebten damals in Peine in der Bre­ite Str. 47.[10]

In Peine, wo die bei­den let­zten Kinder während der Weimar­er Repub­lik ihre Kind­heit und Jugend ver­bracht­en, lebten damals etwa 100 bis 120 jüdis­che Fam­i­lien. Obwohl sie die einzige jüdis­che Schü­lerin in ihrer Klasse gewe­sen sei, habe sie damals nie irgendwelche anti­semi­tis­chen Ressen­ti­ments zu spüren bekom­men, erin­nerte sich Eva Ger­s­tle-Wertheimer. Sie seien alle Fre­undin­nen gewe­sen. Die Fam­i­lie habe aber auch zu den assim­i­lierten Juden gehört, die eigentlich nur an den Feierta­gen zur Syn­a­goge ging. Viel Wis­sen über ihre religiösen Wurzeln habe sie nicht gehabt, geschweige denn Ken­nt­nisse der hebräis­chen Sprache. Man ver­stand sich in erster Lin­ie als Deutsche und dann erst als Jude.

1928 fusion­ierte die Bank, bei der Arthur Wertheimer angestellt war, mit ein­er anderen großen deutschen Bank und die Zweig­stelle Peine wurde aufgegeben. Er selb­st durfte mit 52 Jahren in den Ruh­e­s­tand gehen. Die ‚Noch-Welt-Kurstadt’ Wies­baden bot für einen jun­gen Ren­tier ver­mut­lich einige Attrak­tio­nen mehr als die Kle­in­stadt Peine und auch für die bei­den noch schulpflichti­gen Kinder erhofften sich die Eltern in Wies­baden eine bessere Schu­laus­bil­dung.

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Die erste Woh­nung in der Kapel­len­str. 51
Eigene Auf­nahme

Nach ihrem Umzug am 20. März 1928 bewohnte die Fam­i­lie zunächst ein wun­der­schönes Haus in der Kapel­len­str. 51,[11] zog dann am 5. April 1932 auf die andere Seite der Stadt in die Hin­den­bur­gallee 17, die heutige Biebrich­er Allee, in ein nicht min­der schönes Haus, in dem sie im drit­ten Stock eine Eigen­tumswoh­nung erwor­ben hat­te.[12] Welche Schule Ernst-Gün­ther besuchte, ist nicht bekan­nt, aber Eva wurde an der renom­mierten Mäd­chen­schule, dem Lyzeum am Schloss­platz, aufgenom­men. Auch hier habe es nach ihren Erin­nerun­gen keinen Anti­semitismus gegeben, man habe zusam­men gespielt und sei im Win­ter im nahegele­ge­nen Taunus gemein­sam Ski­fahren gewe­sen. In ein­er Tanz­gruppe habe sie viel Zeit mit anderen Jun­gen und Mäd­chen ver­bracht. Sie habe damals ihr Leben in vollen Zügen genossen und sei auch nie gefragt wor­den, ob sie jüdisch sei. So authen­tisch und sub­jek­tiv wahr diese Erin­nerun­gen auch sein mögen, sie sind ganz sich­er getrübt von der Real­itätswahrnehmung eines jun­gen Mäd­chens, das die dun­klen Wolken am Hor­i­zont nicht wahrnehmen wollte und vielle­icht auch nicht kon­nte. Aber es gab auch schon in den Jahren vor 1933 ver­schieden­ste anti­semi­tis­che Vor­fälle in der Stadt – man denke nur an den Skan­dal bei der Ver­anstal­tung mit Kurt Tuchol­sky im Jahr 1929 oder die im ‚Nas­sauis­chen Beobachter’ ver­bre­it­ete Het­ze gegen Juden – und auch das Kli­ma im Lyzeum war keineswegs gegen solche Ein­flüsse gefeit.[13] Natür­lich machte es einen Unter­schied, ob man aus ein­er assim­i­lierten oder ein­er ostjüdis­chen Fam­i­lie stammte, aber ger­ade Let­ztere waren solchen Anfein­dun­gen schon damals ständig aus­ge­set­zt.

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Das Lyzeum für Mäd­chen am Schloss­platz
Mit Genehmi­gung des Stadtarchivs Wies­baden

Ab 1933 waren dann alle betrof­fen. Eva Wertheimer hat­te inzwis­chen ihre Schulzeit been­det und hat­te eine Aus­bil­dung zur Kindergärt­ner­in begonnen, kon­nte diese aber nicht mehr abschließen. Im let­zten drit­ten Jahr der Aus­bil­dung war Hitler an die Macht gekom­men und nach­dem auch sie durch ihren Aus­bilder immer häu­figer mit belei­di­gen­den Bemerkun­gen kon­fron­tiert wurde, ver­ließ sie – so ihre Aus­sage – die Anstalt, bevor sie davon ver­jagt wer­den würde.

Auch wenn man – wie viele andere auch – eigentlich davon aus­ging, dass Hitler sehr bald zu Fall gebracht würde, bemüht­en sich die Eltern, zumin­d­est die bei­den jün­geren Kinder möglichst früh in Sicher­heit zu brin­gen. Ernst Gün­ther ging zunächst zu Fre­un­den nach Hol­land. Bere­its 1936 emi­gri­erte er von dort nach Südafri­ka, nahm die südafrikanis­che Staat­sange­hörigkeit an und war dort als Fotograf tätig.[14]

Eva wurde nach Lugano in der Schweiz geschickt, wo die Fam­i­lie eben­falls Fre­unde hat­te. Aber sie erhielt dort keine Arbeit­ser­laub­nis als Kin­der­mäd­chen, nur als Au-pair ohne Einkom­men hätte sie dort bleiben kön­nen. Nach einem hal­ben Jahr kam sie zurück zu ihren Eltern nach Wies­baden, da diese langfristig nicht für die hohen Kosten in der Schweiz aufkom­men kon­nten.

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Umzugsmeldung von der Kapel­len­straße in die eigene Woh­nung in der Hin­den­burg Allee
HHStAW 685 847 (o.P.)

Die bei­den älteren Söhne waren nicht mehr mit nach Wies­baden gekom­men. Der älteste, der in Peine die Hum­boldtschule besucht hat­te, studierte anschließend Jura und ließ sich nach seinem Exa­m­en zunächst in Nien­burg nieder, wo er 1931 zum Notar bestellt wurde. Zuvor hat­te er am 29. Novem­ber 1927 Amalie Viss­er aus Mep­pen geheiratet. Dem Paar war ein Jahr später die Tochter Rosa Ruth geboren wor­den.[15]
Mit dem Mach­tantritt der Nazis war seine beru­fliche Kar­riere schnell zu ihrem Ende gekom­men. Im Mai erhielt er als Jude ein Berufsver­bot mit sofor­tiger Wirkung, da er aus Alters­grün­den im Ersten Weltkrieg noch nicht einge­zo­gen wor­den war und somit keinen Nutzen aus der zunächst noch gülti­gen Priv­i­legierung der Krieg­steil­nehmer ziehen kon­nte. Ver­mut­lich war der Umzug nach Han­nover im Jahr 1933 primär mit der Hoff­nung ver­bun­den, dort eher als in dem kle­in­städtis­chen Nien­burg eine Beschäf­ti­gung zu find­en, vielle­icht spielte auch die Anonymität der Großs­tadt eine Rolle, denn dort war die Fam­i­lie noch nicht als jüdisch bekan­nt und erkennbar. Nach gab es keinen gel­ben Stern, der dies jedem offen­barte. Zweimal wech­sel­ten sie dort die Woh­nung, zogen dann 1935 für etwa dreiein­halb Jahre in das west­fälis­che Wieden­brück und kamen dann am 1. August 1938 wieder nach Han­nover zurück. Möglicher­weise hiel­ten sich Heinz und Amalie Wertheimer auch für einen län­geren Zeitraum noch in Wies­baden bei den Eltern auf, denn auf der Gestapokarteikarte von Arthur Wertheimer ist unter Fam­i­lien­ange­höri­gen neben sein­er Frau nur Heinz und dessen Frau, nicht aber die anderen Kinder aufge­führt. Zu den Genan­nten heißt es da: „Am 17.1.40 nach Han­nover, Lortz­ingstr. 5“. Dort musste die Fam­i­lie noch zweimal die Woh­nung wech­seln. Ihre let­zte Sta­tion war das ger­ade erst ein­gerichtete Juden­haus in der Wuns­dor­fer Str. 16a, in das sie am 4. Sep­tem­ber 1941 ein­zo­gen.[16]

Zumin­d­est zeitweise musste Heinz Wertheimer noch eine Beschäf­ti­gung gehabt haben. In einem Schreiben des Vaters vom 9. Juni 1939 an das Wies­baden­er Finan­zamt, in dem es um eine Einkom­men­steuer­vo­rauszahlung ging, beschrieb Arthur Wertheimer seine finanzielle Sit­u­a­tion und ging darin auch auf die seines Sohnes ein: „Mein ältester Sohn, Heinz Wertheimer, früher Recht­san­walt und Notar, ver­heiratet und Vater eines Kindes, ist seit August vorigen Jahres erwerb­s­los und wird – laut den hier beige­fügten Postab­schnit­ten – von mir regelmäßig mit RM 50 – (3 mal sog­ar mit RM 70-) unter­stützt. Mein Sohn (39 Jahre alt) bemüht sich um eine Auswan­derungsmöglichkeit für sich und seine Fam­i­lie, es beste­hen aber kaum irgendwelche Aus­sicht­en, diesen Plan zu ver­wirk­lichen, sodass ich mit der Weit­erzahlung der monatlichen Unter­stützung auf nicht abse­hbare Zeit rech­nen muss.“[17]

Hermann Wertheimer, Anna Wertheimer Michaelson, Arthur Wertheimer, Sophie Maschke Wertheimer, Heinz Wertheimer, Amalie Vissler Wertheimer, Rosa Ruth Wertheimer, Judenhaus Hannover Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11
‚Israelis­che Garten­bauschule Ahlem’ bei Han­nover
https://de.wikipedia.org/wiki/Israelitische_Gartenbauschule_Ahlem#/media/Datei:Gartenbauanstalt_Ahlem_um_1900.jpg

Mit sein­er Ein­schätzung lag der Vater richtig. Eine Möglichkeit, aus Deutsch­land her­auszukom­men, fan­den Heinz und Amalie Wertheimer nicht mehr. Nur die Tochter Rosa Ruth kon­nte gerettet wer­den. Sie war noch als Kind in der jüdis­chen Aus­bil­dungsstätte ‚Israelis­che Garten­bauschule Ahlem’ bei Han­nover aufgenom­men und auch im dor­ti­gen Inter­nat unterge­bracht wor­den, eine Schule, die die Schüler primär auf ihre Aus­reise nach Palästi­na vor­bere­it­en sollte.[18] Wie lange Rosa Ruth dort war, ist nicht bekan­nt. Es wird aber nicht sehr lange gewe­sen sein, denn schon 1939, im Alter von nur elf Jahren, wurde sie mit einem Kinder­trans­port nach Eng­land gebracht. Sie sollte ihre Eltern nicht mehr wieder­se­hen. Diese wur­den am 15. Dezem­ber 1941 in das Ghet­to Riga deportiert, wo Heinz Wertheimer zu einem nicht bes­timm­baren Zeit­punkt zu Tode kam. Als seine Halb­schwest­er Eva 1944 selb­st nach Stut­thof kam, traf sie eine Mit­ge­fan­gene, die ursprünglich aus Han­nover kam und eben­falls nach Riga deportiert wor­den war, ver­mut­lich mit dem­sel­ben Trans­port wie ihr Brud­er. Sie fragte weit­er, ob sie vielle­icht einen Heinz Wertheimer und dessen Frau Amalie kenne. Sie kan­nte sie tat­säch­lich und kon­nte bericht­en, was mit ihnen geschehen war. Heinz sei in den Wäldern von Riga erschossen wor­den und Amalie hier in Stut­thof ver­gast wor­den.[19] Let­zteres geschah laut Gedenkbuch des Bun­de­sarchivs Koblenz am 6. Dezem­ber 1944. Ein genaues Todes­da­tum von Heinz gibt es nicht.

Kurt hat­te gemäß der famil­iären Tra­di­tion eine Aus­bil­dung im Bankgewerbe gemacht und war bei ein­er großen deutschen Bank in Berlin angestellt. Im Novem­ber 1937 wan­derte er, der bis zu seinem Lebensende ledig geblieben war, nach Ital­ien aus.[20] Er über­lebte den Holo­caust im apulis­chen Bari, war aber zeitweise im südi­tal­ienis­chen Fer­ra­mon­ti bei Cosen­za interniert.[21]. 1956 kehrte er nach Berlin zurück und lebte von ein­er Pen­sion, die ihm sein ehe­ma­liger Arbeit­ge­ber dort gewährte. Nach Angaben sein­er Schwest­er ver­starb er in Berlin im Jahr 1971.

Eva Wertheimer absolvierte nach ihrer Rück­kehr aus der Schweiz in Wies­baden noch einen hal­b­jähri­gen Han­delss­chulkurs und auch eine Aus­bil­dung im Tex­til­haus Bacharach.[22] Der Mode­branche galt eigentlich ihr beson­deres beru­flich­es Inter­esse, aber einen Abschluss hat­te sie damals sich­er nicht mehr machen kön­nen. Später begann sie in Berlin noch ein­mal einen Kurs in Mod­e­schnei­derei bei einem damals bekan­nten Design­er, aber auch den musste sie wegen der äußeren Umstände bald wieder abbrechen. Auch in Wies­baden hat­te sich inzwis­chen das poli­tis­che Kli­ma ganz wesentlich verän­dert. An die früheren schö­nen und glück­lichen Tage kon­nte sie nach ihrer Rück­kehr nicht mehr ein­fach anknüpfen. Die ehe­ma­li­gen Fre­undin­nen und Fre­unde mieden sie, woll­ten nicht mehr mit ihr gese­hen wer­den, sodass sie ihre Abende nicht mehr wie früher in Tanz­clubs oder im Kino ver­brin­gen kon­nte. „Anti­semitism showed his ugly face“, bemerk­te sie dazu in ihren Erin­nerun­gen. Der­maßen isoliert wollte sie in Wies­baden nicht länger bleiben. Die Eltern erlaubten ihr, zu Ver­wandten nach Berlin zu gehen, wo sie auch schon bish­er min­destens ein­mal im Jahr ihren Urlaub ver­bracht und das kul­turelle Leben der dama­li­gen Metro­pole genossen hat­te. Die Ver­wandten hat­ten drei Kinder in ihrem Alter – der Brud­er Kurt kann daher nicht die Anlauf­stelle gewe­sen sein –, mit ihnen zog sie durch die Stadt, in der damals – um 1934/35 – nach ihren Worten noch kein Anti­semitismus spür­bar gewe­sen sein soll – eine wohl eher sub­jek­tive Wahrnehmung.

Vielle­icht rührte diese Selb­st­täuschung auch daher, dass sie in dieser Zeit ihren zukün­fti­gen Ehe­mann Arib­ert oder Ave­bert, genan­nt Ari Zwick, ken­nen­lernte, den sie im Feb­ru­ar oder Mai 1935 in Berlin heiratete.[23] Getraut wur­den die bei­den von dem­sel­ben Rab­bi, der schon etwa 25 Jahre zuvor ihre Eltern getraut hat­te.

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Die Fam­i­lie Zwick — von links: Ali­ca, Isadore, Arib­ert, Julia und Edith
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Die Großel­tern des Bräutigams, Samuel und Ros­alie Zwick, geborene Schmuel, stammten aus dem damals ost­preußis­chen Allen­stein, dem heute pol­nis­chen Olsz­tyn.[24] Zwei Geschwis­ter des Groß­vaters waren bere­its im 19. Jahrhun­dert nach Ameri­ka aus­ge­wan­dert,[25] Samuel Zwick dage­gen war in Allen­stein geblieben und hat­te dort mit sein­er Frau min­destens acht Kinder aufge­zo­gen, von denen der Vater von Arib­ert, Isadore Zwick, der älteste war.[26] Er, geboren am 13. Juni 1872 in Briesen, hat­te 1897 die um 1878 geborene Julia Levin geheiratet. Aus der Ehe waren drei Kinder her­vorge­gan­gen, die alle in Gne­sen geboren wur­den, wo die Eltern um die Jahrhun­der­twende offen­sichtlich gelebt hat­ten. Die älteste Tochter Edith war am 24. Juli 1899, die jüng­ste Ali­cia Regi­na am 22. Novem­ber 1908 zur Welt gekom­men.[27] Später müssen die Eltern nach Berlin ver­zo­gen sein, wo sie ein Tex­tilgeschäft besaßen, das haupt­säch­lich Beruf­sklei­dung im Ange­bot hat­te. Arib­ert war in das väter­liche Geschäft eingestiegen, hat­te selb­st ein zweites Ladengeschäft geführt, das aber von dem des Vaters mit Waren beliefert wurde und auch rechtlich nicht eigen­ständig war. 1937 soll es immer­hin dem Ehep­aar Eva und Ari Zwick noch ein Einkom­men von etwa 4.500 RM abge­wor­fen haben,[28] obwohl das Geschäft damals schon durch ein Schild im Schaufen­ster als jüdisch aus­gewiesen war. Sie hät­ten den­noch für ein paar Jahre ein sehr schönes Leben gehabt, seien ins The­ater und in die Oper und – was sie am meis­ten geliebt habe – oft zum Tanzen aus­ge­gan­gen, erin­nerte sich Eva Ger­s­tle-Wertheimer später an diese kurze Leben­sphase.

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden, Isadore Zwick
Isadore und Edith Zwick 1904 in Berlin
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Auch für sie bedeutete die Reich­s­pogrom­nacht 1938 eine Zäsur, mit der sich alles änderte. In ihren biographis­chen Erin­nerun­gen berichtete Eva Ger­s­tle-Wertheimer aus­führlich über die Ereignisse dieses Tages:
“Wie an jedem Mor­gen fuhr ich an diesem Tag mit der U‑Bahn zu unserem Geschäft, nicht ahnend, was in der ver­gan­genen Nacht mit unser­er Syn­a­goge geschehen war. Auf dem kurzen Weg zu unserem Laden bemerk­te ich noch nichts. Wir hat­ten Kun­den im Geschäft. Doch plöt­zlich hörten wir Geschrei in der Straße und sahen einen Mob von Män­nern, die mit Stöck­en und Knüp­peln auf unseren Laden zu marschierten und die schreck­lich­sten Sachen über Juden riefen. Unsere Kun­den flüchteten. Der Mob warf die Laden­fen­ster ein und zer­störte alles im Geschäft. Sie war­fen die Deko­ra­tion, die Aus­la­gen, alles auf die Straße. Mein Mann und ich fürchteten um unser Leben. Wir ran­nten durch die Hin­tertür, stiegen die Treppe hin­auf und ver­steck­ten uns auf dem Dachbo­den. Als es wieder ruhiger wurde, gin­gen wir nach unten. Wir kon­nten nicht glauben, was wir sahen. Es war alles ein riesiges Chaos. Unser ganzen Lebenswerk war zer­stört, alles kaputt. Und dann kam die Polizei, aber nicht um uns zu helfen, nein, sie befahlen uns, die Fen­ster und die Türen sofort dicht zu machen, um jede Plün­derung zu ver­hin­dern. Was für ein Scherz! Der Mob hat­te alle Waren mit­ge­hen lassen und nur die Glass­cher­ben und die kaputte Deko­ra­tion zurück­ge­lassen. Wir waren völ­lig danieder, war doch unser gesamtes Leben zer­stört. Es gab nichts, was wir noch hät­ten tun kön­nen.
Wir gin­gen zu unserem anderen Geschäft, wo Aris Vater war. Auf dem Weg kamen wir an eini­gen jüdis­chen Läden vor­bei. Alle waren so zer­stört, wie das unsere. Genau­so sah auch der Laden von Aris Vater aus. Der arme, alte Mann war völ­lig aufge­bracht. Wir ver­sucht­en ihn zu beruhi­gen und blieben eine Weile bei ihm, aber wir kon­nten nichts tun.
Wir fuhren mit der Straßen­bahn zurück zu unser­er Woh­nung, wo uns unser Ver­mi­eter eröffnete, dass wir diese sobald wie möglich frei machen müssten. Hier erfuhren wir auch, dass die SS dabei war, alle jüdis­chen Män­ner zu ver­haften. Wir wussten noch nicht, dass das Konzen­tra­tionslager bedeuten würde. Wir entsch­ieden uns mit dem Zug nach Steglitz, einem Vorort von Berlin, zu fahren, weit genug von unser­er Woh­nung in Licht­en­berg ent­fer­nt. Eine Schwest­er meines Mannes lebte dort mit ihrem nichtjüdis­chen Ehe­mann. Dort hofften wir in Sicher­heit zu sein. Nach eini­gen Tagen fuhren wir zurück in unsere Woh­nung, um dort ein Schild mit der Auf­schrift „Möbel zu verkaufen“ anzubrin­gen. Es hat mir das Herz gebrochen, all die schö­nen Möbel, das Schlafz­im­mer, das Wohnz­im­mer und das Essz­im­mer, in kürzester Zeit prak­tisch für nichts weggeben zu müssen. Die Men­schen nutzten unsere verzweifelte Sit­u­a­tion aus, aber uns blieb keine Wahl.
Wir fan­den ein kleines möbliertes Zim­mer in Steglitz. Tagsüber blieben wir bei der Schwest­er meines Mannes, die uns auch mit Essen ver­sorgte, da unser Zim­mer keine Kochmöglichkeit hat­te. Mehr als je zuvor sucht­en wir nach ein­er Möglichkeit, aus Deutsch­land her­auszukom­men.“[29]

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer Maschke, Heinz Wertheimer, Amalie Wertheimer Visser, Rosa Ruth Wertheimer, Kurt Wertheimer, Ernst Günther Wertheimer, Eva Wertheimer Eva Gerstle, Eva Zwick, Aribert ZwickJulius Gerstle, Susan Gerstle, Jacqueline Gerstle, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11
Die gescheit­erte Auswan­derung
HHStAW 519/3 6923 (4)

Aber das war schwierig, da Ari Zwick zwar im Deutschen Reich geboren wor­den war, aber in ein­er Stadt, die inzwis­chen auf pol­nis­chem Staats­ge­bi­et lag. Er hat­te laut Eva Ger­s­tle-Wertheimer keine Chance, ein Visum zu erhal­ten. Die bere­its beim „Wel­treise­büro Ret­ten­may­er“ georderten Tick­ets für die Über­fahrt nach Ameri­ka mussten im Sep­tem­ber 1940 wieder zurück­gegeben wer­den.[30] Arthur Wertheimer schrieb im Juni 1939 dem Wies­baden­er Finan­zamt, als dieses auf­grund der Schlechter­stel­lung jüdis­ch­er Steuerzahler eine erhe­blich höhere Einkom­men­steuer­vo­rauszahlung ein­forderte, dass er die zurzeit nicht auf­brin­gen könne, da nicht nur der älteste Sohn, son­dern nun durch die Zer­störung ihres Geschäfts auch der Tochter jegliche Erwerb­smöglichkeit genom­men sei. „Auch hier habe ich unter­stützend ein­greifen müssen und für meine Ver­hält­nisse erhe­bliche Beträge beiges­teuert. Da auch die Aus­sicht­en für eine baldige Auswan­derung für meine Tochter und deren Gat­ten noch in weit­er Ferne liegen, so muss ich auch bei diesen Kindern mit der vor­läu­fi­gen Fort­dauer mein­er finanziellen Hil­fe rech­nen“.[31]

Aber nicht nur die erhöhte Einkom­men­steuer und die Kosten für die Unter­stützung der Kinder zehrten allmäh­lich die finanziellen Mit­tel der Eltern auf. Auch sie wur­den selb­stver­ständlich mit der Juden­ver­mö­gens­ab­gabe, der „Süh­neleis­tung“ für die während der Pogrome ent­stande­nen Schä­den am „deutschen Volksver­mö­gen“, belastet. Von der am 12. Novem­ber 1938 erlasse­nen Verord­nung waren alle Juden betrof­fen, die bere­its im April 1938 zur Anmel­dung ihres Ver­mö­gens verpflichtet wor­den waren, somit alle, deren Ver­mö­gen zu diesem Zeit­punkt mehr als 5.000 RM betrug. Wertheimers besaßen damals etwas mehr als 50.000 RM, allerd­ings darunter auch ein Haus aus dem Fam­i­lienbe­sitz der Mut­ter in Kiel mit einem Ein­heitswert von 28.000 RM. Die übri­gen Werte bestanden aus Papieren und Bankguthaben. Zudem bezog Arthur Wertheimer auch eine jährliche Pen­sion von sein­er ehe­ma­li­gen Direk­toren­stelle in Höhe von 5.500 RM. Demge­genüber standen aber auch Schulden und Belas­tun­gen auf dem Haus in Höhe von mehr als 20.000 RM. Die Abgabe dieser Ver­mö­genserk­lärung hat­te schon im Som­mer 1938 die Zoll­fah­n­dungsstelle Mainz ver­an­lasst, eine Sicherungsanord­nung gegen Wertheimers bei der Devisen­stelle zu fordern, zumal sich zu diesem Zeit­punkt zwei Söhne bere­its im Aus­land befan­den und man dem Paar unter­stellte, es wolle „Ver­möges­nwerte ent­ge­gen den Devisenbes­tim­mungen ins Aus­land“ ver­brin­gen – so die übliche For­mulierung.[32]

Am 23. Jan­u­ar 1939 war auf dieser Basis der Bescheid über die fäl­lige „Süh­neleis­tung“ für Arthur Wertheimer in ein­er Höhe von 2.000 RM, zahlbar in vier Rat­en, erteilt wor­den. Seine Frau Sophie, die ver­mut­lich wegen des Haus­es getren­nt ver­an­lagt wor­den war, sollte sog­ar vier Rat­en à 600 RM bezahlen. Die fün­fte Rate mit einem weit­eren Betrag von 500 RM bzw. 600 RM wurde am 9. Novem­ber 1939 erlassen.[33]

Die erste Rate wurde von bei­den nach­weis­bar gezahlt, für die fol­gen­den ver­suchte Arthur Wertheimer beim Finan­zamt Wies­baden immer wieder, unter Ver­weis auf seine schwierige finanzielle Lage, Auf­schub zu erhal­ten. Er ver­wies in ver­schiede­nen Schrift­sätzen und auch bei mehreren Besuchen im Finan­zamt darauf, dass er aus der Ver­mit­tlung eines allerd­ings noch nicht abgeschlosse­nen Immo­bilien­verkaufs eine größere Summe zu erwarten habe. Mit dieser wolle er die gesamte Steuer­schuld, die Juden­ver­mö­gens­ab­gabe und die noch nicht gezahlte Einkom­men­steuer, tilgen.[34] Der Finanzbeamte ver­hielt sich uner­wartet kulant und willigte immer wieder in einen Auf­schub ein.[35] Im Feb­ru­ar 1940 schien damit allerd­ings Schluss zu sein: „Die rück­ständi­gen II. III. IV. u. V. Rate für Sie und Ihre Ehe­frau sind nun­mehr bin­nen zwei Wochen an die F.[inanz] Kasse zu entricht­en, andern­falls zwangsweise Betrei­bung erfol­gen muss,“ schrieb der Sach­bear­beit­er an Arthur Wertheimer.[36] Aber dieser gab nicht auf, bat erneut um Auf­schub und erhielt ihn tat­säch­lich. Dies­mal wurde die Frist auf den 30. April 1940 ver­längert, dann noch ein­mal bis zum 31. August und ein weit­eres Mal bis zum 30. Novem­ber. Auch dann kon­nte Arthur Wertheimer den Einzug ver­hin­dern und erwirk­te zunächst eine weit­ere Frist von vier Wochen, um dann im Jan­u­ar erneut um Auf­schub zu bit­ten.[37] Im Feb­ru­ar 1941 war das Haus dann tat­säch­lich verkauft. Da aber das Genehmi­gungsver­fahren noch nicht abgeschlossen war, hat­te Arthur Wertheimer auch seine Pro­vi­sion noch nicht erhal­ten und die „Steuer­schuld“ blieb weit­er­hin offen.[38] Er wolle – so schrieb er im März 1941 – seine Rück­stände bis Ende Juni zahlen, bot sog­ar an, einen Teil­be­trag von 1.500 RM sofort zu über­weisen. Dies­mal scheint das Finan­zamt endgültig nicht mehr bere­it gewe­sen zu sein, auf sein Ersuchen einzuge­hen. Noch immer außergewöhn­lich mod­er­at im Ton forderte der dor­tige Beamte nun die Zahlung: „Bei gutem Willen wäre es Ihnen ohne Schwierigkeit­en möglich gewe­sen, den schon 1939 fäl­lig gewe­se­nen Betrag durch Belas­tung Ihrer Haus­grund­stücke oder aus Ihren laufend­en Ein­nah­men abzuleis­ten. Nach Ihrem Schreiben vom 16.4.41 haben Sie erst einen Teil­be­trag von 1500 RM über­wiesen, Sie haben aber keine Schritte unter­nom­men, den Rest­be­trag in irgen­dein­er Form sicherzustellen.“[39]

Es han­delt sich tat­säch­lich um eine in dieser Zeit außergewöhn­liche, unter den gegebe­nen Umstän­den sog­ar ger­adezu fre­undliche Behand­lung eines Juden, der wed­er zu den beson­ders Reichen noch zu den völ­lig Ver­armten gehörte. Allein die Tat­sache, dass man in Betra­cht zog, ein Jude könne „einen guten Willen“ haben, ist schon bemerkenswert. Wenn dann aber auch noch per­ma­nent zuge­wartet wird, obgle­ich er diesen „guten Willen“ offen­bar nicht zeigt und nicht zahlt, obwohl er nach Ein­schätzung der Behörde die Möglichkeit dazu hätte, dann muss das noch mehr erstaunen. Eine überzeu­gende Erk­lärung für dieses außergewöhn­liche Ver­hal­ten der NS-Finanzbe­hörde, vielle­icht auch nur des zuständi­gen Beamten, lässt sich auf Basis der vor­liegen­den Akten nicht find­en. Der Vor­gang zeigt aber in jedem Fall, welche Spiel­räume die Akteure in diesem Mach­tap­pa­rat immer auch hat­ten und auch hät­ten nutzen kön­nen, wenn sie denn woll­ten.

Ob Arthur Wertheimer tat­säch­lich ohne Weit­eres in der Lage gewe­sen wäre, die Forderung zu bezahlen, sei dahingestellt, denn ein großer Teil des gemein­samen Ver­mö­gens bestand in dem Wohn­grund­stück in Kiel, dessen Wert nach Angaben von Arthur Wertheimer viel zu hoch ange­set­zt war. Auch waren Wertheimers inzwis­chen manch ander­er Ver­mö­genswerte beraubt wor­den. Wie der Mag­is­trat der Stadt Wies­baden im Entschädi­gungsver­fahren mit­teilte, waren im Früh­jahr 1939 in zwei Liefer­un­gen die Schmuck­sachen und die Edel­met­alle zu einem Preis von 1.314,55 RM der städtis­chen Abgabestelle übergeben wor­den, darunter Bril­lantringe, ‑broschen und ein Col­lier. Wie hoch ihr tat­säch­lich­er Wert war, völ­lig unab­hängig von ihrem ideellen Wert, ist der Auf­stel­lung nicht zu ent­nehmen.[40]

Aber es waren ganz sich­er nicht die materiellen und finanziellen Kosten, die nach den Ereignis­sen vom Novem­ber die Fam­i­lie am stärk­sten belasteten. Auch Arthur Wertheimer war, wie die meis­ten Män­ner, damals ver­haftet und nach Buchen­wald geschickt wor­den, dann aber – so die Tochter – zusam­men mit dem Wies­baden­er Rab­bin­er Paul Lazarus bald wieder ent­lassen wor­den.

Die Ver­haf­tung ihres Vaters war neben der Zer­störung ihrer eige­nen Lebens­grund­lage in Berlin für Eva Zwick einen weit­eren Grund, noch Ende Dezem­ber 1938 zu ihren Eltern nach Wies­baden zurück­zukom­men, zumal die Stadt trotz allem sicher­er als Berlin zu sein schien. Zunächst war Eva zusam­men mit ihrem Ehe­mann Ari gekom­men, aber schon Anfang 1939 ging dieser wieder nach Berlin zurück, während sie wohl blieb. Er wurde in Berlin zur Zwangsar­beit bei der Deutschen Reichs­bahn verpflichtet, eine Arbeit, der er kör­per­lich kaum gewach­sen war. Ob Eva Zwick ihren Ehe­mann noch ein­mal in Berlin besuchte, ist nicht sich­er, aber auf der Basis der vagen Angaben auf der Gestapokarteikarte wahrschein­lich. Es heißt dort, dass sie am 11. Okto­ber 1939 von Berlin nach Wies­baden gekom­men sei. Ihr vorheriger, wohl län­ger­er Besuch bei den Eltern ist nicht einge­tra­gen, was insofern erstaunt, als üblicher­weise für auswär­tige Besuch­er auch für kurze Zeit eigens eine solche Karte angelegt wurde. Möglicher­weise war ihr Besuch unbe­merkt geblieben und sie war 1939 noch ein­mal nach Berlin zurück­gekehrt, im Okto­ber 1939 dann endgültig nach Wies­baden gekom­men und hat­te nun auch den Wies­baden­er Polizeibehör­den ihre Anwe­sen­heit mit­geteilt. Ari Zwick war kurz danach, so ist den Ein­tra­gun­gen ihrer Gestapokarteikarte zu ent­nehmen, vom 3. Novem­ber bis zum 11. Dezem­ber 1939 noch ein­mal für einige Wochen in Wies­baden, aber zu diesem Zeit­punkt war die Beziehung der bei­den fak­tisch bere­its been­det. Am 2. Okto­ber 1940 teilte Eva Zwick der Devisen­stelle in Frank­furt mit, dass sie zwar noch ver­heiratet sei, „aber seit Okto­ber vorigen Jahres von (ihrem) Ehe­mann getren­nt lebe. Seit dieser Zeit lebe ich hier bei meinen Eltern.“[41] Wom­öglich verur­sacht durch die lange Tren­nung, noch dazu unter widrig­sten Umstän­den, scheint sich das Paar allmäh­lich auseinan­dergelebt zu haben. Am 28. Feb­ru­ar 1942 wurde die Ehe durch einen Beschluss des Landgerichts Berlin geschieden.[42] Etwa ein Jahr später wurde Ari Zwick am 12. Jan­u­ar von Berlin aus in das Ver­nich­tungslager Auschwitz ver­bracht, wo er am 8. Feb­ru­ar 1943 ermordet wurde.[43]

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Das Haus in der Hin­den­burgstr. 17, der heuti­gen Biebrich­er Allee
Eigene Auf­nahme

Eva Zwick äußerte später über die Zeit zu Hause, dass sie mit ihren Eltern einige fried­volle Monate ver­bracht habe. Noch wohn­ten sie in ihrer schö­nen Woh­nung in der Hin­den­bur­gallee, hat­ten zwar kein Radio[44] und seien auch durch das Aus­ge­hver­bot völ­lig isoliert gewe­sen, man habe sich die Zeit mit Karten­spie­len ver­trieben. Arthur Wertheimer musste sich aber monatlich bei der Gestapo melden, um den Aufen­thalt sein­er Tochter, die offiziell wohl damals noch immer in Berlin gemeldet war, genehmi­gen zu lassen.

Finanziell stand sich die Fam­i­lie noch immer deut­lich bess­er als viele andere Juden. War nach der Sicher­heit­sanord­nung der Frei­be­trag zunächst auf 300 RM fest­ge­set­zt wor­den, so wurde er bald nach der Über­mit­tlung des For­mu­la­rs über die Einkün­fte, die Aus­gaben und die vorhan­de­nen Ver­mö­genswerte zunächst im Mai 1940 auf 450 RM, dann – obwohl nur 700 RM von Arthur Wertheimer erbeten wor­den waren – im Juni 1940 sog­ar auf 900 RM her­aufge­set­zt.[45] Er hat­te in sein­er Ver­mö­genserk­lärung vom Juni 1940 angegeben, noch ein Ver­mö­gen von 22.253 RM zu besitzen, davon waren aber fast 19.000 RM im Haus in Kiel fest­gelegt, zudem hat­te er auch noch Schulden von fast 9.000 RM. Sein jährlich­es Einkom­men bez­if­ferte er in diesem und dem kom­menden Jahr auf etwa 7.000 RM, seine monatlichen Aus­gaben mit 700 RM, davon 180 RM für die Miete.[46]

Auch Eva Zwick war während ihres Aufen­thalts in Wies­baden zur Zwangsar­beit verpflichtet wor­den. In einem chemis­chen Betrieb musste sie wohl zumeist in der Nachtschicht eine Presse bedi­enen, mit der Seife hergestellt wurde. Die außergewöhn­liche und ein­seit­ige Belas­tung hat­te zur Folge, dass sie sich einen sehr schmerzhaften Bruch zuzog, der eigentlich hätte operiert wer­den müssen. Um möglichst lange krankgeschrieben zu sein, schob sie diesen Ein­griff aber immer wieder hin­aus.

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Arthur Wertheimer bit­tet um einen höheren Frei­be­trag, um seine Tochter unter­stützen zu kön­nen
HHStAW 519/3 6659 (24)

Inzwis­chen war in Wies­baden begonnen wor­den, die Juden in soge­nan­nten Juden­häusern zusam­men­zuziehen. Auch die Fam­i­lie Wertheimer war über ihren anste­hen­den Umzug unter­richtet wor­den. Am 2. Sep­tem­ber 1940 begrün­dete Arthur Wertheimer beim Finan­zamt Wies­baden seine Bitte, den Ter­min für die Begle­ichung der Einkom­men­steuer­schuld aus 1939 auszuset­zen u. a. damit, dass ihm „in der näch­sten Zeit infolge unfrei­willi­gen Woh­nungswech­sels sehr erhe­bliche Aus­gaben für den Umzug“ bevorste­hen wür­den. Auch ver­wies er in diesem Zusam­men­hang noch ein­mal darauf, dass seine „in Berlin ver­heiratete Tochter, die von ihrem Mann getren­nt lebt“, sich bei ihm aufhalte und er für sie zu sor­gen habe.[47] Am 7. Novem­ber 1940 wurde der Umzug in die Her­rn­garten­str. 11 bei der Melde­be­hörde offiziell vol­l­zo­gen.[48] Eige­nar­tiger­weise ist die Tochter Eva auf dem Ummelde­for­mu­lar nicht aufge­führt, obgle­ich der Woh­nungswech­sel auf ihrer, wie auch auf der Gestapokarteikarte des Vaters, mit eben diesem Datum notiert ist. Nach­dem am 26. Jan­u­ar 1942 von der Devisen­stelle die Mit­teilung über die Reduzierung von Arthur Wertheimers Frei­be­trag an die alte Adresse Hin­den­bur­gallee 33 geschickt wor­den war, teilte er zwar unmit­tel­bar danach, aber immer­hin mehr als ein Jahr ver­spätet auch der Devisen­stelle in Frank­furt seine neue Anschrift mit.[49]

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Der Umzug in das Juden­haus Her­rn­garten­str. 11
HHStAW 685 847 (o.P.)

Die Wohn­ver­hält­nisse im Juden­haus scheinen für Wertheimers noch einiger­maßen erträglich gewe­sen zu sein. Sie ver­fügten im zweit­en Stock­w­erk über ins­ge­samt drei Zim­mer, hinzu kamen Küche und Toi­lette, gemein­sam mit anderen Haus­be­wohn­ern. Die Eltern seien glück­lich gewe­sen, so Eva Zwick, keinen ihrer Räume unter­ver­mi­eten zu müssen. Aber der All­t­ag wurde immer beschw­er­lich­er, da Lebens­mit­tel nur noch auf Karte und nur in bes­timmten Geschäften zu bes­timmten Uhrzeit­en gekauft wer­den durften, oft dann, wenn schon fast nichts mehr übrig war. Aber es gab wohl eine Rei­he nichtjüdis­ch­er Fre­unde, die sie auch in dieser Zeit mit dem Notwendig­sten ver­sorgten. Die Sachen mussten allerd­ings ins Haus geschmuggelt wer­den, denn nach der Erin­nerung von Eva Zwick wohnte in der Parter­re­woh­nung neben dem Hau­sein­gang ein SS-Mann, der alle kon­trol­lierte, die in das Haus kamen oder es ver­ließen.[50]

Als ab Herb­st 1941 die Massende­por­ta­tio­nen auch in Deutsch­land began­nen, im Novem­ber der erste große Trans­port vom nahen Frank­furt aus stat­tfand, war allen klar, dass bald auch die Wies­baden­er Juden nach dem Osten ver­schleppt wer­den wür­den. Ob aber tat­säch­lich im Vorhinein schon bekan­nt war, dass es zwei große Trans­porte geben würde, einen für die Jün­geren und Arbeits­fähi­gen, einen zweit­en mit den Alten und Kranken – so Eva Ger­s­tle-Wertheimer –, muss bezweifelt wer­den. Das wird sich­er ein Schluss gewe­sen sein, den man nach dem 10. Juni aus der Zusam­menset­zung des ersten Trans­ports ziehen kon­nte, aber es ist eher unwahrschein­lich, dass diese Pla­nung zuvor offen kom­mu­niziert wurde.

Eva Ger­s­tle-Wertheimer sagte in ihrem biographis­chen Selb­stzeug­nis, sie habe sich unmit­tel­bar vor der Depor­ta­tion auf Rat eines Fre­un­des ins Städtis­che Kranken­haus begeben, um die bere­its seit Langem anste­hende Oper­a­tion durch­führen zu lassen, habe dies auch mit dem Che­farzt Dr. Klein­schmidt, der zwar in der SS war, aber auch mit Wertheimers befre­un­det gewe­sen sein soll, zuvor abge­sprochen. Allerd­ings sind auch hier ihre Erin­nerun­gen nicht kon­sis­tent, denn die Oper­a­tion soll bere­its im Mai stattge­fun­den haben  und am Tag danach sei die Gestapo mit ein­er Bahre im Kranken­haus erschienen, um sie für die Depor­ta­tion abzu­holen. Der Arzt habe vehe­ment dage­gen Ein­spruch erhoben und ihr dadurch das Leben gerettet, denn kein­er, der auf diesem Trans­port war, sollte über­leben. Das Prob­lem beste­ht darin, dass die Depor­ta­tion, von der sie spricht, erst am 10. Juni stat­tfand. Es gab zwar bere­its eine am 23. Mai 1942, eine eher kleine mit etwa 25 Per­so­n­en, aber die kann sie kaum gemeint haben. Ver­mut­lich hat­te ihre Oper­a­tion also nicht im Mai, son­dern im Juni kurz vor dem 10. stattge­fun­den. Auf der Depor­ta­tion­sliste vom 10. Juni ist ihr Name allerd­ings nicht aufge­führt,[51] was entwed­er bedeutet, dass sie doch nicht vorge­se­hen war oder aber die über­lieferte Liste nicht die Pla­nung, son­dern die Real­isierung wider­spiegelt.

Auf jeden Fall blieb die Fam­i­lie Wertheimer bei dieser Depor­ta­tion noch ver­schont. Nach ihrer Gene­sung wurde Eva erneut zur Zwangsar­beit herange­zo­gen, allerd­ings dies­mal in ein­er Fab­rik, in der Papp­schachteln hergestellt wur­den – eine weitaus leichtere Arbeit als die vorherige. Aber die Frist währte nur wenige Wochen.

Am 28. August erhiel­ten die bish­er Ver­schon­ten, von weni­gen Aus­nah­men abge­se­hen, die Auf­forderung, sich für den Trans­port nach There­sien­stadt bere­itzu­machen und sich in der Syn­a­goge in der Friedrich­straße einzufind­en. Hier wur­den die gesamten For­mal­itäten abgewick­elt, Heimeinkaufsverträge abgeschlossen und die let­zte Phase der Ent­men­schlichung ein­geleit­et. Am Mor­gen des 1. Sep­tem­ber bewegte sich bei kaltem Niesel­re­gen ein Zug von etwa 350 Men­schen zu Fuß quer durch die Stadt zum Güter­bahn­hof. Ein fremder Mann drück­te Eva, ein sym­bol­is­ch­er Akt von Empathie und Men­schlichkeit, ein paar Zigaret­ten in die Hand und ver­schwand ganz schnell. Auf ein­er der Fotografien, die von diesem Trans­port erhal­ten geblieben sind, hat sich Eva Ger­s­tle-Wertheimer später wieder­erkan­nt. Mit dem Rück­en zu den Wag­gons ste­ht sie in heller Klei­dung optisch unfrei­willig im Zen­trum des Bildes vor ein­er Gruppe dunkel gek­lei­de­ter alter Men­schen, die mit ihren Bün­deln im Regen ste­hen und darauf warten, in den Zug steigen zu „dür­fen“.

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden, Eva Zwick
Eva Zwick im hellen Man­tel vor dem Zug, den übri­gen Depor­ta­tion­sopfern auf dem Güter­bahn­hof in Wies­baden zuge­wandt
HHStAW 3008/2 16561

Der Trans­port, der erst in Frank­furt endgültig zusam­mengestellt wurde und zulet­zt etwa 1250 Men­schen umfasste, erhielt die Num­mer XII/2, Arthur Wertheimer, seine Frau Sophie und ihre Tochter Eva die Num­mern 930, 931 und 944.[52] In There­sien­stadt angekom­men, zer­brachen schnell die Illu­sio­nen, die man sich zuvor auf­grund der Pro­pa­gan­da vielle­icht noch gemacht hat­te. Arthur und Sophie Wertheimer kamen in ein altes Gebäude, mussten auf einem Stroh­sack auf dem Boden schlafen und beka­men, da sie nicht arbeit­en mussten, auch nur eine kleine tägliche Essen­sra­tion, Eva hinge­gen kam in einen Schlaf­saal mit Stock­bet­ten, wo bish­er haupt­säch­lich tsche­choslowakische Jüdin­nen unterge­bracht waren. Zwar Jüdin, aber auch Deutsche, hat­te sie zunächst einen schw­eren Stand in der Gruppe und erst allmäh­lich entwick­el­ten sich feste Fre­und­schaften, die für das Über­leben in ein­er solchen Sit­u­a­tion unab­d­ing­bar sind.

Die Eltern über­lebten nicht lange, über­haupt – so Eva – star­ben die Alten wie die Fliegen, „as flies“, an Unter­ernährung, an Durch­fall oder anderen Krankheit­en. Es gren­zt schon an ein Wun­der, dass Sophie Wertheimers Schwest­er Anna Maschke, die hier wieder auf ihre Schwest­er Sophie traf, in There­sien­stadt drei Jahre über­lebte. Am 15. April 1942 waren die Schwest­ern Anna und Sel­ma Maschke aus ihrem arisierten Haus in der Renent­louallee ver­trieben und in eines der Kiel­er Juden­häuser, das am Kuh­berg 25 / Feuer­gang 2, eingewiesen wor­den.[53] Von Kiel aus waren sie dann am 19. Juli 1942 über Ham­burg nach There­sien­stadt deportiert wor­den. Sel­ma war dort am 19. August 1942, also nur wenige Tage nach ihrer Ankun­ft, aber auch nur kurz vor der Ankun­ft des Trans­ports aus Wies­baden bzw. Frank­furt mit ihrer Schwest­er Sophie, ver­stor­ben.[54]

There­sien­stadt
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Der näch­ste, der aus der Fam­i­lie den Tor­turen zum Opfer fiel, war Arthur Wertheimer. Er sei fast völ­lig erblind­et gewe­sen und habe schon bald seine Leben­skraft ver­loren. Er starb am 12. Dezem­ber 1942 an einem Blasen­lei­den, aber eigentlich an den unmen­schlichen Umstän­den, die in dem Ghet­to herrscht­en. Seine Frau wurde ein halbes Jahr später, am 4. Juni 1943, Opfer dieser Lebens­be­din­gun­gen, medi­zinisch gese­hen ver­starb sie an einem Gal­len­durch­bruch. Ihre Schwest­er Anna hat im Ver­fahren zur Tode­serk­lärung nach dem Krieg den Tod bei­der bezeugt. „Den Gal­len­durch­bruch bei mein­er Schwest­er haben ein Pro­fes­sor und ein ander­er Arzt fest­gestellt, wie die Stubenäl­teste in dem Hause in der Lan­gen­straße, in der meine Schwest­er wohnte, mir am Ster­be­tag gesagt hat. Meine Schwest­er sollte im Kranken­haus operiert wer­den, starb aber schon auf dem Trans­port unter­wegs. Einige Tage nach den genan­nten Todesta­gen wur­den die Leichen in der Leichen­halle aufge­bahrt, die Namen­sauf­schriften an den geschlosse­nen Sär­gen habe ich selb­st gese­hen, auf den Sarg mein­er Schwest­er habe ich Blu­men gelegt. Die Leichen wur­den in das Kre­ma­to­ri­um There­sien­stadt über­führt. Hin­ter dem Roll­wa­gen, auf dem eine Anzahl von Sär­gen geladen waren, bin ich selb­st eine Strecke gegan­gen, durfte aber nicht bis in das Kre­ma­to­ri­um mit­ge­hen.“[55]

Trotz dieser bei­den Schick­salss­chläge blieb das Leben für Eva Wertheimer in den fol­gen­den Monat­en – immer gemessen an den generell schreck­lichen Zustän­den – doch rel­a­tiv erträglich, wie sie selb­st kon­sta­tierte. Sie habe meist genü­gend zum Essen gehabt – und das war wohl das entschei­dende Kri­teri­um –, weil die Frauen und Mäd­chen aus der Tsche­choslowakei oder Griechen­land, die noch Pakete von zu Hause erhal­ten durften, bere­itwillig mit ihr diese Schätze teil­ten. Aber auch sie selb­st kon­nte zur gemein­samen Verpfle­gung beitra­gen, indem sie sich ihre Schnei­der­ar­beit­en für andere Gefan­gene mit Brot bezahlen ließ. Später arbeit­ete sie in der soge­nan­nten Verteilungsstelle, wo all die Sachen zusam­menka­men, die den Neuankömm­lin­gen ger­aubt wur­den, dort sortiert und je nach Qual­ität wieder neu verteilt wur­den: Die besseren gin­gen an die SS oder wur­den nach Deutsch­land zurück­geschickt und dort an aus­ge­bombte „Volksgenossen“ verteilt, die schlechteren blieben im Ghet­to, waren aber angesichts der Not auch über­all begehrt.

Sie und ihre Mitar­bei­t­erin­nen hät­ten das Beste aus ihrer Lage gemacht – resümierte Eva Ger­s­tle-Wertheimer später – und die Zeit in There­sien­stadt wäre nicht gar so schlimm gewe­sen, wenn sie nicht immer die Angst vor einem Trans­port begleit­et hätte. Ein Trans­port, das wusste man, bedeutete Auschwitz und mit größter Wahrschein­lichkeit den baldigen Tod. Beim ersten Mal, als sie auf der Liste stand, sich schon von ihren Fre­undin­nen und der Tante Anna ver­ab­schiedet hat­te, gelang es einem Fre­und, einem Musik­er, den sie nach dem Ende des Krieges in New York wieder­traf, sie noch im let­zten Moment von der Liste stre­ichen zu lassen – wie, hat sie nicht erfahren. Der fol­gen­den Selek­tion ent­ging sie auf­grund ein­er Ver­let­zung, aber beim drit­ten Mal gab es kein Entrin­nen. Der Zug sollte sie nach ihrer Erin­nerung am 26. Mai 1944 nach Birke­nau brin­gen,[56] wobei den Insassen damals nicht bekan­nt war, dass Birke­nau ein Teil von Auschwitz war:

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Trans­portkarte für Eva Zwick von There­sien­stadt nach Auschwitz
Arolsen Archiv

„Die Zug­fahrt war schreck­lich. Große Wag­gons ohne Sitzmöglichkeit­en, ohne Wass­er und Essen. Und völ­lig über­füllt. Als Toi­lette gab es nur einen Eimer. Der Ges­tank war unbeschreib­lich. Es war schreck­lich, ein einziger Alb­traum. Und als wir anka­men, waren schon viele der älteren Men­schen gestor­ben. Der Zug hielt und wir wur­den auf den Bahn­steig gestoßen. Emp­fan­gen wur­den wir von der SS mit großen Deutschen Schäfer­hun­den. Befehle wur­den gerufen: ‚Män­ner auf die eine, Frauen und Kinder auf die andere Seite.’ Alles musste schnell gehen. Gepäck musste im Wag­gon zurück­ge­lassen wer­den. Wir gin­gen und schaut­en in unsere Unterkün­fte, schreck­liche Barack­en. Wir erfuhren, dass wir in Birke­nau im Fam­i­lien­lager waren, einem Teil von Auschwitz. Wir trafen einige der Mäd­chen aus unserem Zim­mer in There­sien­stadt und sie erzählten uns, dass fast nie­mand mehr [von den vorheri­gen Trans­porten aus There­sien­stadt- K.F.] am Leben sei. Sie waren alle ver­gast wor­den. Nun begriff ich, was der Ges­tank, der über­all in der Luft war, wirk­lich zu bedeuten hat­te. Wir sahen jet­zt die Schorn­steine und die Feuer.
Für einige Tage behiel­ten wir noch unsere bish­erige Klei­dung. Dann mussten wir uns ausziehen, eine Rei­he bilden und eine SS-Frau betra­chtete uns. Wir waren nackt. Sie rasierte uns am ganzen Kör­p­er und durch­suchte uns nach Wert­ge­gen­stän­den, selb­st in unseren Kör­peröff­nun­gen. (…)
Nun erhiel­ten wir ein Sack­leinen­kleid mit nichts darunter und Schuhe, die nicht passten. Wir arbeit­eten nicht, son­dern wur­den ganze Tage lang zum Appell gerufen. Dann wurde uns erneut befohlen, uns auszuziehen und in ein­er Rei­he vor dem wegen sein­er Selek­tio­nen bekan­nten Dr. Men­gele anzutreten. (…) Man tätowierte uns unseren Arm. Nun war ich num­meriert. Meine Num­mer war 8–2254. Dann ging es zum Duschen. Wir hat­ten gehört, dass oft statt Wass­er Gas aus den Duschköpfen kam. Wir hat­ten schreck­liche Angst bis dann das Wass­er her­auskam. Gott sei Dank, wir waren noch am Leben – wie lange noch, wussten wir nicht. Ich hörte einen SS-Mann lachend sagen, dass wir hier nur durch den Schorn­stein her­auskä­men.
Nach eini­gen Tagen mussten wir uns wieder ein­er Selek­tion bei Dr. Men­gele unterziehen. Danach wur­den wir in das Frauen­lager in Auschwitz geschickt. Da waren die Bedin­gun­gen, wenn man das über­haupt noch sagen kann, sog­ar noch schlim­mer. Unsere Schlafgele­gen­heit­en waren eine Art großer Kisten, ohne Deck­en oder Kissen. Nichts. Unbeschreib­lich. Tiere hat­ten einen besseren Schlaf­platz als wir. Ich sagte damals, dass ich lieber ein Jahr in There­sien­stadt geblieben wäre, als einen Tag in Auschwitz“.[57]

Aber es waren viele Tage, die sie dort bleiben musste. Immer wieder Appelle, immer wieder Drangsalierun­gen und Gewalt durch Kapos oder SS-Leute, ständig Hunger und die Angst vor Men­gele. Gegen Ende, die sow­jetis­chen Panz­er roll­ten schon auf die deutschen Gren­zen zu, gab es erneut eine Selek­tion. Gesucht wur­den kräftige Arbei­t­erin­nen, die in Ost­preußen Panz­er­gräben gegen den Feind ausheben soll­ten. Wieder eine schreck­liche Zug­fahrt ohne Wass­er und Essen in Güter­wa­gen von Süden nach Nor­den durch das soge­nan­nte Gen­er­al­go­u­verne­ment zum KZ Stut­thof bei Danzig. Hier erfuhr Eva Wertheimer von ein­er Mit­ge­fan­genen vom Tod ihres Halb­brud­ers Heinz und sein­er Frau Amalie.

Eine Gruppe von etwa 250 der gesün­desten und stärk­sten Frauen wurde per Schiff weit­er nach Osten gebracht und irgend­wo in der freien Land­schaft zum Arbeit­en aus­ge­set­zt. Nachts in Zel­ten unterge­bracht, die keinen Schutz gegen die Kälte eines pol­nis­chen Win­ters bieten kon­nten, und tagsüber von Son­nenauf­gang bis –unter­gang mussten sie mit dürftigem Gerät in den hart gefrore­nen Boden Gräben ziehen, um rus­sis­che Panz­er an ihrer Befreiung zu hin­dern – all das bei einem Teller Suppe und einem Kan­ten harten Brotes.

„Manche Frauen star­ben während der Nächte. Wir nah­men uns ihr Brot, gruben eine Grube und legten ihren Leich­nam hinein. Wir hat­ten keine Gefüh­le mehr, wir dacht­en nur darüber nach, wie wir über­leben kon­nten, und wir beteten, dass, bevor wir selb­st tot wären, hof­fentlich bald das Ende kom­men würde. Wir waren hun­grig, schmutzig und voller Flöhe und Wun­den. Von Tag zu Tag wur­den wir schwäch­er. Wir alle sahen aus wie Skelette.“[58]

Als die sow­jetis­chen Trup­pen näher kamen, wurde das Lager abgeris­sen und die Frauen bei eisigem Wind und Schnee auf einen Todes­marsch mit unbekan­ntem Ziel geschickt, bewacht von der SS, die jeden erschoss, der nicht mehr kon­nte. Bei ein­er gün­sti­gen Gele­gen­heit gelang es Eva und zwei weit­eren Frauen, die sie noch von There­sien­stadt kan­nte, sich in der Nacht hin­ter Büschen zu ver­steck­en und sich vom Zug abzuset­zen. In dieser win­ter­lichen, dun­klen Einöde sucht­en die drei Frauen Schutz und Hil­fe und fan­den nach einiger Zeit auch einen Bauern­hof. Aber der pol­nis­che Bauer jagte sie aus Angst vor den Deutschen weg, auch weil er selb­st nichts zu essen habe und – weil sie Juden seien! Für die Nacht fan­den sie dann doch noch einen Unter­schlupf in einem Heuschober, aber am anderen Mor­gen standen deutsche Sol­dat­en vor der Tür, die sie trotz aller Bit­ten fes­t­nah­men und sie in die eisige Zelle des Gefäng­niss­es ein­er nahegele­ge­nen Stadt sper­rten. Erneut den Tod vor Augen erwarteten sie den näch­sten Mor­gen. Aber da waren die deutschen Trup­pen weg, die Zelle war offen und sie kon­nten her­aus, waren frei – so schien es. Statt der deutschen Sol­dat­en kamen aber dann kurz darauf sow­jetis­che in die Stadt, die sie als Deutsche iden­ti­fizierten und nicht als jüdis­che KZ‑Flüchtlinge. Oft­mals ver­sucht­en damals SS-Leute und anderes Wach­per­son­al, sich im let­zten Moment mit der Klei­dung ihrer Opfer selb­st als solche zu tar­nen. Erst im let­zten Moment, die Gewehrläufe des Erschießungskom­man­dos waren schon auf sie gerichtet, stimmte eine der Frauen das tra­di­tionelle Toten­lied Schma Jis­rael an, in das die anderen bei­den ein­stimmten. Da befahl ein sow­jetis­ch­er Offizier, ein Jude, der bish­er bei­seite ges­tanden hat­te, die Erschießungsak­tion sofort abzubrechen. Das Lied oder auch Gebet hat­te ihnen die endgültige Ret­tung gebracht.

Nach­dem sie wieder zu Kräften gekom­men waren und auch der Krieg endlich zu Ende war, schlu­gen sich die drei Fre­undin­nen nach Berlin durch, wo sie im ehe­ma­li­gen Jüdis­chen Kranken­haus in der Iranis­chen Straße aufgenom­men wur­den und weit­ere Hil­fe erhiel­ten. Dort erfuhr Eva Wertheimer auch, dass ihre Tante Anna There­sien­stadt, wo inzwis­chen Typhus grassierte, über­lebt hat­te. Sie wollte sie abholen, aber wegen der Epi­demie erhielt sie keine Erlaub­nis, noch ein­mal dor­thin zu fahren. Bei­de hat­ten über­lebt, aber sich nicht mehr wieder­se­hen kön­nen. Anna Maschke hat­te sich am 9. Juli 1945 wieder in Kiel mit der Anschrift Wait­zstr. 44 angemeldet, war aber dann am 20. Feb­ru­ar 1948 nach Ham­burg ver­zo­gen.[59]

Nach­dem die Alli­ierten die Ver­wal­tung der ehe­ma­li­gen Reichshaupt­stadt über­nom­men hat­ten und die Zonen geschaf­fen wor­den waren, erhielt Eva Wertheimer die Erlaub­nis, die sow­jetis­che Zone zu ver­lassen und die britis­che zu passieren, um wieder in ihre Heimat­stadt Wies­baden zu gelan­gen. Auf ihrem Weg wurde die tätowierte Num­mer von Auschwitz qua­si zu einem Passier­schein, der sie als Opfer des NS-Sys­tems auswies. Im Juli 1945 kam sie in Wies­baden an. Auf dem Bahn­hofsvor­platz ste­hend, befiel sie eine Art Amne­sie. Sie kon­nte sich nicht erin­nern, wo sie mit ihren Eltern vor vier Jahren vor dem Einzug in das Juden­haus gewohnt hat­te und wie die nichtjüdis­chen Fre­unde der Eltern dort hießen. Ein Bekan­nter aus ihrem früheren Tanz­club, den sie zufäl­lig traf und der sie erkan­nte, kon­nte ihr die notwendi­ge Auskun­ft geben und sie fand für die ersten Wochen Auf­nahme bei befre­un­de­ten Mietern von früher in der Hin­den­bur­gallee.

Für Eva Wertheimer, die There­sien­stadt, Auschwitz und Stut­thof über­lebt hat­te, begann nun das ambiva­lente Schick­sal ein­er „DP“, ‚dis­placed per­son’, die mit dem Leben davongekom­men war, aber auch nur mit dem Leben, die nichts mehr besaß als dieses nack­te Leben. Neben Claire Guth­mann und ihrer Tochter Char­lotte war sie die einzige, die nach so langer Zeit aus einem Ver­nich­tungslager zurück nach Wies­baden gekom­men war. Möglicher­weise hat­te es sog­ar etwas Gutes, dass die Zurück­gekomme­nen völ­lig davon in Anspruch genom­men wur­den, dieses neue Leben zu organ­isieren, um nicht per­ma­nent von dem Grauen des Ver­gan­genen über­wältigt zu wer­den. Aber auch das wird oft genug geschehen sein, zumal dann, wenn man mit den Tätern des Regimes unweiger­lich kon­fron­tiert wurde und erken­nen musste, dass selb­st die Nieder­lage im Krieg deren Hal­tung gegenüber Juden kaum verän­dert hat­te. So weigerte sich die Frau des SS-Manns Nell, der jet­zt selb­st interniert wor­den war, im ehe­ma­li­gen Juden­haus die Möbel her­auszugeben, die sie aus dem Besitz­s­tand der Wertheimers bei ein­er Ver­steigerung nach ihrer Ansicht recht­mäßig erwor­ben hat­te. Erst durch ein Gericht­surteil ließ sie sich dazu zwin­gen.[60]

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer Maschke, Heinz Wertheimer, Amalie Wertheimer Visser, Rosa Ruth Wertheimer, Kurt Wertheimer, Ernst Günther Wertheimer, Eva Wertheimer Eva Gerstle, Eva Zwick, Aribert ZwickJulius Gerstle, Susan Gerstle, Jacqueline Gerstle, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11
Ausweis der Betreu­ungsstelle Wies­baden für Eva Zwick-Wertheimer
HHStAW 518 54518 (88)

Nur mit Hil­fe der Betreu­ungsstelle ließen sich die berechtigten Ansprüche an ein wenig­stens einiger­maßen angemessenes Leben real­isieren, und auch das häu­fig nur mit entsprechen­dem Druck und der Macht der amerikanis­chen Mil­itär­be­hörde im Hin­ter­grund. Noch im März 1946 musste sie einen Antrag stellen, um ein Paar Strümpfe oder ein Paar Straßen­schuhe auf Bezugss­chein zu erhal­ten.[61] Am unerträglich­sten war jedoch, dass es offen­sichtlich end­los lange dauerte, bis das städtis­che Woh­nungsamt ihr eine angemessene Unterkun­ft ver­mit­telte, obwohl es nach Aus­sage der Betreu­ungsstelle hin­re­ichend Zim­mer gab, die für eine Jüdin frei zu machen, sich die deutschen Eigen­tümer nicht bere­it fan­den. Aber, wie aus einem Brief der Betreu­ungsstelle her­vorge­ht, waren es auch die Beamten oder Angestell­ten des Woh­nungsamtes, die die Zuweisung von Woh­nun­gen an zurück­gekehrte oder auch Wies­baden zugewiesene Juden unter­minierten. So heißt es in einem Brief der Betreu­ungsstelle, in dem zum wieder­holten Mal eine Woh­nung für Eva Wertheimer gefordert wurde:
“Die Dame [Eva Wertheimer –K.F.] über­brachte Ihnen ein Schreiben von Major Schmuhl und ein weit­eres Schreiben des First-Ltnt. Mac­don­ald von der Mil­itär­regierung, mit dem Ersuchen, ihr unverzüglich einen angemesse­nen Wohn­raum zuzuweisen.
Sie haben in dankenswert­er Weise die Dame emp­fan­gen und ihr einen län­geren Vor­trag darüber gehal­ten, wie schwierig Ihre Lage sei. Prak­tisch geschehen ist jedoch nichts.
Diese Dame ist nicht die erste, die zu mir kommt und mit­teilt, dass sie von Ihnen emp­fan­gen wor­den sei und sich einen län­geren Vor­trag von Ihnen habe anhören müssen, wie schwierig Ihre Lage sei, dass Sie nicht ‚das Korn seien, das zwis­chen den Rädern zer­rieben werde’. (…) Mit Rück­sicht darauf, dass Sie somit nicht in der Lage sind, die Anord­nun­gen der Mil­itär­regierung auszuführen, trotz­dem ich bere­it bin, auf Wun­sch inner­halb ein­er Woche Ihnen durch meine Leute eine Überzahl leer ste­hen­der Wohn­räume zu ermit­teln, sehe ich mich zu meinem Bedauern gezwun­gen, eine Kopie dieses Schreibens dem Her­rn Ober­bürg­er­meis­ter zu übersenden und die bei­den amerikanis­chen Dien­st­stellen durch Übersendung je ein­er Über­set­zung dieses Briefes zu ver­ständi­gen.“
[62]

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden
Beschw­erde von Eva Wertheimer über Ihre Unter­bringung in Wies­baden nach ihrem KZ-Aufen­thalt
HHStAW 518 54518 (6)

Wie aus einem früheren Schreiben der Betreu­ungsstelle her­vorge­ht, hat­te man Eva Wertheimer zunächst völ­lig unzure­ichend unterge­bracht: „Es ist ein uner­hörter Zus­tand, dass man ein­er Konzen­tra­tionslager-Rück­kehrerin als Not­be­helf ein Zim­mer nach­weist, das über­haupt unbe­wohn­bar ist, weil wed­er Fen­ster noch Türen darin sind und der Raum selb­st mit frem­den Gepäck­stück­en voll geladen ist. Wis­sen Sie nichts besseres für meine Leute?“ Schlafen kon­nte sie darin nur „auf einem Ses­sel mit ver­längertem Stuhl“, wie sie selb­st in einem anderen Schreiben ergänzte.[63]

Aber es gab auch Men­schen, denen sie willkom­men und ein gefragter Gast war. Das waren amerikanis­che Sol­dat­en jüdis­chen Glaubens, die rechtzeit­ig aus Deutsch­land aus­ge­wan­dert und nun als Befreier zurück­gekehrt waren. Im ehe­ma­li­gen Kurhaus, eigentlich „Off Limitts“ für Deutsche, hiel­ten sie Gottes­di­en­ste, an denen Eva teil­nehmen durfte. Hier lernte sie auch ihren zukün­fti­gen Mann Julius Ger­s­tle ken­nen, der ein­er dieser Sol­dat­en war und an der Inva­sion in der Nor­mandie teilgenom­men hat­te. Aber es blieb zunächst bei ein­er Fre­und­schaft und Julius Ger­s­tle wurde von Wies­baden abkom­mandiert. Aber sich­er nicht zulet­zt auf­grund dieser Begeg­nun­gen waren die Vere­inigten Staat­en zu dem Land gewor­den, in dem Eva Wertheimer, ger­ade auch angesichts der Nachkriegser­fahrun­gen, in Wies­baden leben wollte. Aber erst im April 1947 erhielt sie ein Visum für die Ein­reise: „Das war das unglaublich­ste Ereig­nis, als ich oben von Schiff aus auf die Frei­heitsstat­ue blick­te.“.[64]

Sie blieb, zunächst völ­lig mit­tel­los angekom­men, ziem­lich auf sich gestellt zunächst in New York, wo sie dann als Haus- und Kin­der­mäd­chen ihren Unter­halt ver­di­ente. Dann kam Julius Ger­s­tle, inzwis­chen aus der Armee ent­lassen, zurück in die USA und sie nah­men ihre Beziehung wieder auf. Auch fand sie eine Stelle in der Mode­branche, die ganz ihren Vorstel­lun­gen und Wün­schen entsprach. Die Ehe mit Julius Ger­s­tle kon­nte zunächst nicht geschlossen wer­den, weil ein Rab­bi – so Eva Ger­s­tle-Wertheimer – sich weigerte, ohne Ster­beurkunde von Ari Zwick die Zer­e­monie zu vol­lziehen. Die städtis­chen Beamten hinge­gen nah­men es damit nicht so genau und vol­l­zo­gen die Eheschließung am 30. Okto­ber 1947 ohne Prob­leme.[65]

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden, Julius Gerstle
Julius Ger­s­tles Ein­tritt in die US-Army
https://www.ancestry.de/interactive/2238/44027_14_00173-01387/195338501

Julius Ger­s­tle stammte aus ein­er alten jüdis­chen Fam­i­lie, die seit Jahrhun­derten in dem heute auf bayrischen Boden gele­ge­nen schwäbis­chen Ichen­hausen wohn­haft war und – ganz gegen die jüdis­che Namen­stra­di­tion – diesen Fam­i­li­en­na­men wohl schon seit dem 16. Jahrhun­dert trug.[66] Auch in Ichen­hausen wurde das jüdis­che Leben während der NS-Dik­tatur fast völ­lig aus­gelöscht, nur Teile des Fried­hofs blieben unversehrt. Wie andere männliche Juden war auch Julius nach der Reich­s­pogrom­nacht ver­haftet und in das KZ Dachau über­führt, aber dann nach sechs Wochen freige­lassen wor­den, weil er nach­weisen kon­nte, dass er ein Visum für die USA besaß, und ver­sicherte, unmit­tel­bar nach der Freilas­sung dor­thin auswan­dern zu wollen.
Die Ger­s­tle-Fam­i­lie teilte das Schick­sal aller anderen jüdis­chen Fam­i­lien. Vie­len wur­den Opfer der Shoa, manche gerettet und über die Welt ver­streut, wo ihr Leben in den unter­schiedlich­sten Bah­nen ver­lief. In ein­er kurzen Ein­führung zur Genealo­gie ihrer Fam­i­lie schreibt die Autorin:
“Lit­tle could Ger­son Samuel Ger­s­tle [der Urvater der Fam­i­lie – K.F.] have imag­ined in the 1600’s how many his descen­dants would be and how var­ied the routes their lives would take; that many would be slaugh­tered in Nazi Ger­many and none would remain in his home town of Ichen­hausen, though a few would stay in Ger­many; that these descen­dants would live all over the world – South Africa, South Amer­i­ca, Chile, Cos­ta Rica Uruguay und Mex­i­co), Europe (Switzer­land, Eng­land, Ger­many, Spain, France and Bel­gium). Aus­tralia, the Unit­ed States, Cana­da and Israel; that some would give up their Judaism though one would become a reform rab­bi and anoth­er, a yeshi­va Stu­dent; that one would be design­ing Com­put­er Sys­tems for the Amer­i­can Space Shut­tle Pro­gram while oth­ers were to become Doc­tors, lawyers, musi­cians and pro­fes­sion­als; one would con­tin­ue the fam­i­ly ’busi­ness’ gen­er­a­tions lat­er by rais­ing hors­es; that one woman would become a judge while anoth­er woman would serve in the Israeli Air Force.
This is the sto­ry of the descen­dants of Ger­son Samuel Ger­s­tle and the Ger­s­tle fam­i­ly of Ichen­hausen: their lives in Ger­many and through­out the world.”[67]

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer Maschke, Heinz Wertheimer, Amalie Wertheimer Visser, Rosa Ruth Wertheimer, Kurt Wertheimer, Ernst Günther Wertheimer, Eva Wertheimer Eva Gerstle, Eva Zwick, Aribert ZwickJulius Gerstle, Susan Gerstle, Jacqueline Gerstle, Judenhaus Wiesbaden, Herrngartenstr. 11
Heirat­surkunde Eva Zwick-Wertheimer und Julius Ger­s­tle, New York 1947
HHStAW 518 3883

Und einge­bun­den in diese große Fam­i­liengeschichte wurde Eva Wertheimer durch die Ehe mit Julius Ger­s­tle. Seine Eltern waren der Pfer­de­händler Nathan und Sofie Ger­s­tle, geborene Schwarz. Julius war der jüng­ste von fünf Kindern, geboren am 10. Sep­tem­ber 1906.[68] Der älteste Brud­er Isak war bere­its im Ersten Weltkrieg gefall­en, David kon­nte 1940 von München aus in die USA emi­gri­eren, wohin auch die Tochter Emma, ver­heiratet mit Oscar Levi, geflüchtet war. Gus­tav wurde, wie auch die Mut­ter Sofie Ger­s­tle, im Gas von Auschwitz ermordet.[69]

Eva und Julius Ger­s­tle blieben nach ihrer Heirat in ein­er Vorstadt von New York, wo sie ihre bei­den Töchter, die bald nach der Heirat geboren wur­den, auf­zo­gen. Susan, genan­nt Susi, war am 4. Novem­ber 1948 und ihre Schwest­er Jacque­line, genan­nt Jack­ie, am 8. April 1952 geboren wor­den. Zu Hause wurde kein Deutsch gesprochen, und auch die Lei­dens­geschichte der Eltern – die Num­mer aus Auschwitz war meist mit einem Pflaster überklebt – wurde zumin­d­est im Detail nie the­ma­tisiert, obgle­ich die Fam­i­lie ins­ge­samt in einem jüdis­chen Milieu lebte und auch Mit­glied der Gemeinde war. Erst die Fernsehserie ‚Holo­caust’ ver­an­lasste die Kinder,[70] die Fra­gen zu stellen, die längst über­fäl­lig waren, und brachte auch Eva Wertheimer-Ger­s­tle zu einem neuen Umgang mit ihrer eige­nen Geschichte brachte. Sie wurde sehr aktives Mit­glied im ‚New Life Club’, ein­er Organ­i­sa­tion von Holo­caust-Über­leben­den, nahm weltweit Teil an deren Tre­f­fen und begann als Zeitzeu­g­in in Schulen und Uni­ver­sitäten über ihr Schick­sal und das ihrer Lei­densgenossen zu sprechen. „Ich fühlte, dass das sehr wichtig ist, dass wir Über­lebende sagen, was damals geschehen ist, damit die Welt niemals ver­gisst, was den Juden ange­tan wurde, damit so etwas nie mehr passieren wird.“

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden, Julius Gerstle
Artikel in der Rhein-Main-Presse anlässliche des Todes von Eva Ger­s­tle-Wertheimer 2015
Rhein-Main-Presse v. 29.10.2015

1985 kam Eva Ger­s­tle-Wertheimer erst­mals auf Ein­ladung der Stadt Wies­baden mit großen Bedenken zurück in ihre Heimat­stadt, um an einem damals von Lothar Bem­benek und Dorothee Lottmann-Kae­sel­er ini­ti­ierten Besuch­spro­gramm ehe­ma­liger jüdis­ch­er Mit­bürg­er teilzunehmen.[71] Aus dieser ersten Begeg­nung ent­stand eine enge Bindung und Fre­und­schaft zwis­chen Eva Ger­s­tle-Wertheimer und den Ini­tia­toren dieser Begeg­nung. Als eine, die das Grauen der NS-Zeit wie kaum jemand anderes am eige­nen Leib erfahren hat­te, kon­nte sie auch in den Wies­baden­er Schulen authen­tisch und ergreifend Zeug­nis über diese Jahre able­gen. 1999, sie war inzwis­chen 84 Jahre alt und musste von ihrer Tochter Susan begleit­et wer­den, wurde sie für ihr außergewöhn­lich­es Engage­ment als Zeitzeu­g­in und sich­er auch als eine Art Wiedergut­machung für all das erlit­tene Leid, das sie in ihrer Heimat­stadt erfahren musste, vom dama­li­gen Ober­bürg­er­meis­ter Diehl mit der Bürg­er­medaille in Gold aus­geze­ich­net.[72]

Am 21. Okto­ber 2015 ver­starb Eva Ger­s­tle-Wertheimer in San Diego, wohin sie mit ihrem Mann gezo­gen war, nach­dem dieser 1976 in den Ruh­e­s­tand gegan­gen war, in einem – vor dem Hin­ter­grund ihres Lebens – unfass­baren Alter von 101 Jahren.[73] Vor dem Haus in der ehe­ma­li­gen Hin­den­bur­gallee, der heuti­gen Biebrich­er Allee 33, in dem sie und ihre Eltern wohn­ten, bevor sie in das Juden­haus in der Her­rn­garten­straße ziehen mussten, liegen heute zwei Stolper­steine, zur Erin­nerung an Arthur und Sophie Wertheimer, die im Ghet­to von There­sien­stadt ihr Leben ver­loren.

Veröf­fentlicht: 20. 07. 2020

 

 

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Anmerkun­gen:

 

[1] https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn506749 und https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn520402. (Zugriff: 24.6.2020). Die Aufze­ich­nun­gen sind in englis­ch­er Sprache. Auf diese Quellen, beson­ders auf die erste, wird im Fol­gen­den durchgängig Bezug genom­men. Auf Quel­len­hin­weise in Fußnoten wird wegen der besseren Les­barkeit verzichtet, zumal es sich um Audio­pro­tokolle han­delt, die ohne­hin nicht genauer spez­i­fiziert wer­den kön­nen. Quel­len­ver­weise wer­den selb­stver­ständlich da gegeben, wo auf andere Doku­mente zurück­ge­grif­f­en wird. Da Eva Ger­s­tle-Wertheimer zweimal ver­heiratet war ist die Nen­nung ihres Namens etwas schwierig, ori­en­tiert sich am jew­eili­gen zeitlichen Kon­text. Solange sie unver­heiratet war, ist ihr Name mit Eva Wertheimer angegeben, nach ihrer ersten Eheschließung mit Eva Zwick und zulet­zt als Eva Ger­s­tle-Wertheimer. Wird aber Bezug auf Doku­mente bzw. den Ton­band­mitschnitt genom­men, die ent­standen, als sie bere­its den Namen Ger­s­tle-Wertheimer trug, dann ist dieser Name gewählt, unab­hängig von der Zeit, auf die sich die Aus­sage bezieht.

[2] Geburt­sreg­is­ter Peine 96 / 1873.

[3] https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/p‑r/1562-peine-niedersachsen und https://pogrome1938-niedersachsen.de/peine/. (Zugriff: 24.6.2020).

[4] Heirat­sreg­is­ter Berlin I, II 452 / 11.

[5] file:///C:/Users/Nutzer/AppData/Local/Temp/Infoblatt+Familie+Heinz+Wertheimer,+Waldstr.+38.pdf. (Zugriff: 24.6.2020).

[6] Heirat­sreg­is­ter Berlin I, II 452 / 11. Es liegt ein Erin­nerungs­blatt des Aktiv­en Muse­ums Spiegel­gasse für die Fam­i­lie von Arthur Wertheimer vor. Darin sind allerd­ings die erste Ehe und der Sohn Kurt nicht erwäh­nt. Auch der Heima­tort von Sophie Maschke ist hier fälschlicher­weise mit Bitow angegeben, siehe http://www.am-spiegelgasse.de/wp-content/downloads/erinnerungsblaetter/EB-Familie-Wertheimer.pdf. (Zugriff: 24.6.2020).

[7] Heirat­sreg­is­ter Berlin I, II 452 / 11.

[8] In ihren auto­bi­ografis­chen Erin­nerun­gen gibt Eva Ger­s­tle-Wertheimer eige­nar­tiger­weise das Geburt­s­jahr ihrer Mut­ter mit 1876 statt 1875 an. Es muss sich dabei um einen Ver­sprech­er han­deln, denn alle son­sti­gen Doku­mente bele­gen das Jahr 1875.

[9] In der Heirat­surkunde von Arthur und Sophie Wertheimer tritt als Trauzeuge auch ein damals 50‑jähriger Georg Maschke auf, möglicher­weise ein Brud­er von Sophie. Er wohnte damals wie Sophies Eltern in Konitz. Ver­mut­lich han­delt es sich dabei um den am 24.8.1935 in Stet­tin gestor­be­nen Jus­tizrat Georg Maschke, der wie Sophie Maschke in Bütow geboren wor­den war, siehe Ster­bereg­is­ter Stet­tin 1168 / 1935.

[10] Für Ernst Gün­ther http://www.am-spiegelgasse.de/wp-content/downloads/erinnerungsblaetter/EB-Familie-Wertheimer.pdf. (Zugriff: 24.6.2020), für Eva Geburt­sreg­is­ter Peine 108 / 1914.

[11] HHStAW 685 847 b (70).

[12] Ebd. (o.P.).

[13] Siehe dazu Juden in Wies­baden, S. 24–31. Hier ist auch ein Auzug aus den Erin­nerun­gen von Batya Boschwitz-Bil­s­ki, geborene Gold­mann, abge­druckt. Sie schreibt darin: „Im Lyzeum fühlte ich mich aus­gestoßen, dadurch, dass ich eine fromme Jüdin und auch Polin war. Ich hat­te mit Polen nie etwas zu tun gehabt. Ich hat­te Polen nie gese­hen und kon­nte kein halbes Wort Pol­nisch. Ich war in der Klasse akzep­tiert, obwohl ich nie eine gute Schü­lerin war, aber beliebt war ich nicht. Ich kon­nte nur neun Schul­jahre absolvieren, da meine Eltern sehr arm waren. Aber als Vorzugss­chü­lerin hätte ich von der Stadt Unter­stützung bekom­men müssen. Aber mein Vater war zu stolz. 1924 ver­ließ ich die Schule, neun Jahre vor Hitler.“ Ebd. S. 31.

[14] Die Angabe über den Zeit­punkt der Emi­gra­tion nach Südafri­ka machte die Zoll­fah­n­dungsstelle Mainz im Zusam­men­hang mit der Beantra­gung ein­er Sicherungsanord­nung für Arthur Wertheimer, siehe HHStAW 519/3 6659 (1). In ein­er Änderung des Tes­ta­ments ver­fügten die Eltern 1941, sofern ihre Tochter Eva das Erbe nicht annehmen könne, dass dann Ernst Gün­ther als Alleinerbe einge­set­zt wer­den solle, da er alleine eine aus­ländis­che Staat­sange­hörigkeit besäße, siehe HHStAW 518 38831 (11).

[15] file:///C:/Users/Nutzer/AppData/Local/Temp/Infoblatt+Familie+Heinz+Wertheimer,+Waldstr.+38.pdf. (Zugriff: 24.6.2020).

[16] Infor­ma­tion von Frau Berlit-Jack­stien von der Ini­tia­tive „Städtis­che Erin­nerungskul­tur Han­nover“. Dem Juden­haus Wuns­dor­fer Str. 16 bzw. 16a ist Buch­holz, Han­nover­sche Juden­häuser, S. 145 ff. ein ganzes Kapi­tel gewid­met. Allerd­ings geht der Autor hier nur auf das Schick­sal des Hau­seigen­tümers und nicht auf die Bewohn­er ein. Das Haus war im Sep­tem­ber 1941 ein­gerichtet wor­den. Bei Buch­holz heißt es: „In den Räu­men der Wuns­dor­fer Str. 16 a sollen etwa 50 bis 60 Per­so­n­en gewohnt haben, wobei den einzel­nen Fam­i­lien nur eine Schlaf- und Sitzgele­gen­heit zus­tand. Für 24 Män­ner und Frauen sollte das ehe­ma­lige Lager­haus auf dem Rüden­bergschen Grund­stück [dem Grund­stück des Eigen­tümers — K.F.] die let­zte Zwang­sun­terkun­ft vor ihrer Depor­ta­tion nach There­sien­stadt sein.“ Ebd. S. 151 f.

[17] HHStAW 685 847 b (172).

[18] Zur Israelitis­chen Garten­bauschule Ahlem siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Israelitische_Gartenbauschule_Ahlem. (Zugriff: 24.6.2020). Siehe eben­falls Buch­holz, Han­nover­sche Juden­häuser, S 155 ff. Die Schule war im Som­mer 1942 geschlossen wor­den, einzelne Gebäude hat­ten aber auch in dieser Zeit und auch zuvor schon als Juden­haus und als Sam­mel­lager für die Depor­ta­tio­nen aus Han­nover gedi­ent. Später zog die Gestapo in die Gebäude der Schule ein und unter­hielt hier auch ein Gefäng­nis.

[19] In ihrem Bericht führt Eva Ger­s­tle-Wertheimer die Sit­u­a­tion weit­er aus. Sie habe ihr erk­lärt, dass das ihr Brud­er und seine Frau gewe­sen seien. Die Frau habe dann bedauert, dass sie ihr die Wahrheit über ihren Brud­er und dessen Frau erzählt habe. Sie aber habe sie beruhigt und erk­lärt, dass sie froh darüber sei, weil sie nun nicht mehr nach ihnen suchen müsse. Eva Ger­s­tle-Wertheimer traf die Frau nach dem Krieg wieder auf ihrer Rück­fahrt nach Deutsch­land, zunächst auf ein­er Bahn­sta­tion in Polen, dann noch ein­mal in Wies­baden und zulet­zt in Long Beach, Kali­fornien, wo diese in den 90er Jahren mit ihrem Ehe­mann lebte. Von Zeit zu Zeit hät­ten sie sich noch gese­hen und dann über ihre gemein­samen, schreck­lichen Erin­nerun­gen gesprochen.

[20] HHStAW 519/3 6659 (1),

[21] HHStAW 518 38831 (10). Die Angabe stammt aus einem am 8.6.1941 unterze­ich­neten Tes­ta­ment der Eltern.

[22] HHStAW 467 5007 (14).

[23] Die Angabe Feb­ru­ar 1935 machte Eva Ger­s­tle-Wertheimer in ihrer Biogra­phie selb­st. In einem Urteil des Landgerichts Wies­baden vom 26.3.1963, in dem es um die Höhe der Entschädi­gung ging, ist hinge­gen der 2.5.1935 angegeben, siehe HHStAW 467 5007 (20).

[24] Samuel Zwick war am 2.3.1842, seine Frau Ros­alia am 29.7.1847 geboren wor­den. Sie ver­starb am 7.4.1929 in Allen­stein, er am 25.1.1928. Siehe https://www.ancestry.de/family-tree/person/tree/47034097/person/6677583336/facts und https://www.ancestry.de/family-tree/person/tree/47034097/person/6677583013/facts. (Zugriff: 24.6.2020). Geheiratet hat­ten die bei­den 1871 im preußis­chen Briesen.

[25] Sarah Han­nah ver­starb am 10.4.1925 in Ohio, der 1851 geborene Nathan Ben­jamin ver­starb am 16.3.1919 in Los Ange­les, siehe https://www.ancestry.de/family-tree/person/tree/47034097/person/6677582078/facts  (Zugriff: 24.6.2020) und https://www.ancestry.de/family-tree/person/tree/47034097/person/6677583007/facts. (Zugriff: 24.6.2020).  Der Vater der drei Geschwis­ter war Her­mann Zwick, der 1878 ver­starb.

[26] Das Schick­sal der Geschwis­ter ist nur zum Teil bekan­nt. Die im März 1874 geborene Schwest­er Jen­ny ist zu einem nicht bekan­nten Zeit­punkt in die USA aus­ge­wan­dert. Sie ver­starb 1930 in Kali­fornien. Über die Geschwis­ter Simon, geboren am 10.5.1878, die am 27.11.1882 in Briesen geborene Lina und den am 27.11.1885 eben­falls in Briesen gebore­nen Karl liegen keine weit­eren Infor­ma­tio­nen vor. Max Zwick geboren am 6.1.1889, soll 1936 unver­heiratet in Deutsch­land ver­stor­ben sein, siehe https://www.ancestry.de/family-tree/person/tree/47034097/person/6677584014/facts. (Zugriff: 24.6.2020). Der jüng­ste Brud­er Fritz, geboren am 25.4.1890 in Briesen, war am 12.2.1918 im Ersten Weltkrieg gefall­en, siehe https://www.ancestry.de/family-tree/person/tree/47034097/person/6677583014/facts. (Zugriff: 24.6.2020).

[27] Für Edith https://search.ancestry.com/cgi-bin/sse.dll?indiv=1&dbid=1385&h=17309&ssrc=pt&tid=47034097&pid=6677584221, (Zugriff: 24.6.2020), für Ali­cia Regi­na https://www.ancestry.de/family-tree/person/tree/47034097/person/6677584016/facts.  (Zugriff: 24.6.2020).

[28] HHStAW 467 5007 (23).

[29] https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn506749.  (Zugriff: 24.6.2020). Eigene Über­set­zung.

[30] HHStAW 519/3 6923 (3).

[31] HHStAW 685 847 b (o.P.).

[32] HHStAW 685 847 a (137). Man beg­nügte sich damals noch mit ein­er Sicherungsanord­nung nur für die bei­den Wert­pa­pierde­pots, die zugle­ich als Sicherung für eine gegebe­nen­falls fäl­lige Reichs­flucht­s­teuer herange­zo­gen wer­den soll­ten.

[33] HHStAW 685 847 b (o.P.).

[34] Ebd. (180). Hausverkauf

[35] HHStAW 685 847 a (14, 15, 16, 18)

[36] Ebd. (18).

[37] Ebd. (19, 20, 21, 22, 23, 24).

[38] Ebd. (29).

[39] Ebd. (31).

[40] HHStAW 518 38831 (13 f.).

[41] HHStAW 519/3 6923 (7). Die Devisen­stelle ver­langte auch von ihr eine Ver­mö­genserk­lärung. Sie gab auf dem For­mu­lar nichts zu besitzen als die 533 RM, die sie als Rück­zahlung für die ungenutzten Tick­ets der geplanten und gescheit­erten Über­fahrt in die USA zurück­er­hal­ten hat­te. Bei den Aus­gaben ste­hen auch 30 RM, die sie noch im Okto­ber 1940 für ihr Zim­mer in Berlin bezahlen musste. Ebd. (11). Die Devisen­stelle verzichtete daraufhin auf die Anlage eines Sicherungskon­tos, ebd. (12).

[42] HHStAW 467 5007 (20). Ob die Juden­ver­mö­gens­ab­gabe zulet­zt doch noch gezahlt wurde, geht aus den Steuerun­ter­la­gen nicht her­vor. Deswe­gen kam es im Entschädi­gungsver­fahren auch zu ein­er Ablehnung eines entsprechen­den Antrags. Erst in einem Gerichtsver­fahren kon­nte Eva Ger­s­tle-Wertheimer ihre Ansprüche auf Entschädi­gung durch­set­zen. Das Finan­zamt Wies­baden bestätigte in dem Ver­fahren selb­st, dass nach allen Erfahrun­gen anzunehmen sei, „dass der von den Eheleuten Wertheimer geschuldete Juden­ver­mö­gens­ab­gabe­be­trag sein­erzeit beigetrieben wurde“. HHStAW 518 38831 (55). Zum Urteil des Landgerichts Wies­baden vom 28.3.1963 siehe ebd. (57–62).

[43] Gedenkbuch des Bun­de­sarchivs Koblenz.

[44] In ein­er eidesstat­tlichen Erk­lärung hat­te Eva Ger­s­tle-Wertheimer 1951 angegeben, welche Haushalts­geräte von der Fam­i­lie abgegeben wer­den mussten, darunter auch ein Radio, ein „Elek­tro­mophon“ mit etwa 150 Schallplat­ten, aber auch andere Geräte wie Näh­mas­chine, Fotoap­pa­rat, Heizofen, Toast­er, Schreib­mas­chine und viele andere Gerätschaften. Siehe HHStAW 518 38831 (14).

[45] HHStAW 519/3 6659 (15, 19, 21, 25).

[46] Ebd. (26),

[47] HHStAW 685 847 b (181), (Her­vorhe­bung – K.F.)

[48] Ebd. (183).

[49] HHStAW 51973 6659 (34, 35).

[50] Nicht sich­er ist allerd­ings, ob diese Erin­nerung ganz zutr­e­f­fend ist. Im Haus wohnte zwar ein SS-Mann namens Nell, mit dem es später nach dem Krieg noch zu ein­er gerichtlichen Auseinan­der­set­zung kam, aber der wohnte zumin­d­est ab Sep­tem­ber 1942 im Garten­haus, also nicht am Ein­gang. Ob er zuvor eine andere Woh­nung hat­te, ist den Unter­la­gen nicht zu ent­nehmen. In den Unter­la­gen der Hausver­wal­tung sind nur die Mieter ab Sep­tem­ber 1942 verze­ich­net. Bei Nell heißt es bezüglich des ersten einge­tra­ge­nen Mietein­gangs von 68,39 RM „v. 15.9. – 31.10.42“, so als sei er erst am 15.September einge­zo­gen, während bei den anderen Mietern jew­eils der volle Monat angegeben ist. Es kann aber auch sein, dass er am 15. vom Vorder­haus in das Hin­ter­haus bzw. Garten­haus umge­zo­gen ist, was sich dann mit Eva Ger­s­tle-Wertheimers Erin­nerun­gen in Übere­in­stim­mung brin­gen ließe. Siehe zu den Mietun­ter­la­gen HHStAW 519/2 2099 II (o.P.). Dass Nell ein Nazi, sog­ar ein „alter Kämpfer“, war, ste­ht außer Frage. Er war bere­its am 1.7.1933 in die SS und am 1.2.1931 in die NSDAP einge­treten. Am 20.4.1934 war er in der SS zum Hauptschar­führer befördert wor­den. Sein­er poli­tis­chen Hal­tung ver­dank­te er auch, dass er im Novem­ber 1934 bei der Reichs­bahn eine Beamten­stel­lung erhielt. 1937 wurde er allerd­ings aus der SS und der NSDAP aus­geschlossen, weil er ver­heim­licht hat­te, dass er früher in der Franzö­sis­chen Frem­den­le­gion gedi­ent hat­te. Der DAF gehörte er allerd­ings von 1935 bis 1945 an. Unzweifel­haft blieb er auch nach seinem Her­auswurf aus Partei und SS dem Nazis­taat und sein­er Ide­olo­gie treu. Zumin­d­est wur­den im Spruchkam­merver­fahren keine gegen­teili­gen Aus­sagen gemacht, abge­se­hen von den üblichen „Persilschein“-Formeln, dass er „poli­tisch nicht her­vor­ge­treten“ und „Nachteiliges“ über ihn nicht bekan­nt sei. Wenn er später noch als SS-Mann ange­se­hen wor­den sei, so habe das seinen Grund darin gehabt, dass auch seine Uni­form der Bahn schwarz gewe­sen sei und er in sein­er Stel­lung auch eine Waffe habe tra­gen dür­fen. Offen­sichtlich gelang es ihm auch in dieser Uni­form noch, Angst und Schreck­en im Haus zu ver­bre­it­en. Siehe ins­ge­samt die Spruchkam­mer­ak­te HHStAW 520 BW 2641.

[51] HHStAW 519/2 1381 (o.P.).

[52] https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/36341-arthur-wertheimer/, https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/36371-sophie-wertheimer/,  und https://collections.arolsen-archives.org/G/SIMS/01014202/0144/132703345/001.jpg. (Zugriff: 24.6.2020).

[53] Zu diesem Juden­hauskom­plex, der im Kiel­er Gängevier­tel, dem tra­di­tionellen Wohn­vier­tel der Ostju­den lag, siehe http://www.akens.org/akens/texte/info/40/3.html. (Zugriff: 24.6.2020).

[54] https://www.kiel.de/de/kiel_zukunft/stadtgeschichte/stolpersteine/stolpersteine/_biografien/maschke_selma_stolpersteine.pdf. (Zugriff: 24.6.2020).

[55] HHStAW 469/33 2136 (10). Auch Claire Guth­mann, die mit ihrem Mann und ihren bei­den Kindern in There­sien­stadt war und über­lebte, hat in diesem Ver­fahren den Tod der bei­den bezeugt. Eva Ger­s­tle-Wertheimer eben­falls, allerd­ings stellt sie die Umstände des Todes ihrer Mut­ter etwas anders dar. Sie habe die Schw­erkranke auf die Kranken­sta­tion gebracht und sei nur kurz wegge­gan­gen, um die die Essen­sra­tio­nen für sie bei­de zu holen. Als sie zurück­kam, habe die Mut­ter nicht mehr in ihrem Bett gele­gen. Auf die Frage nach ihrem Verbleib, habe eine Schwest­er ihr gesagt, dass sie ver­stor­ben sei.

[56] Ver­mut­lich hat sich Eva Ger­s­tle-Wertheimer hier in der Datum­sangabe geir­rt. Laut Gottwaldt / Schulle, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 463 hat an diesem Tag kein Trans­port There­sien­stadt mit dem Ziel Auschwitz ver­lassen, mögliche Ter­mine kön­nten der 15., 16. oder 18. Mai gewe­sen sein.

[57] https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn506749. (Zugriff: 24.6.2020). Eigene Über­set­zung.

[58] Ebd.

[59] Infor­ma­tion des Stadtarchivs Kiel vom 7.7.2020. Bevor sie sich in Kiel meldete, muss sie sich eine kurze Zeit im Vorort Kro­n­sha­gen aufge­hal­ten haben.

[60] HHStAW 518 54518 (o.P.).

[61] Ebd. (71, 76).

[62] Ebd. (o.P.).

[63] Ebd. (7).

[64] Es gibt keine Hin­weise, dass die eben­falls auf der Pas­sagierliste genan­nte Fam­i­lie von Lud­wig Wertheimer mit Eva Wertheimer in ein­er ver­wandtschaftlichen Verbindung stand, aus­geschlossen ist das aber auch nicht.

[65] HHStAW 518 38831 (o.P.). Heirat­surkunde New York. Eva Wertheimer-Ger­s­tle erwäh­nt in ihren biografis­chen Aus­führun­gen eige­nar­tiger­weise nicht, dass sie in Deutsch­land recht­mäßig von ihrem ersten Ehe­mann geschieden wurde. Es hätte daher eigentlich kein for­males Hin­der­nis für die Eheschließung geben müssen.

[66] Spiegel Franklin, Karin, Eleven Gen­er­a­tions of the Ger­s­tle Fam­i­ly, New York 1982, online veröf­fentlicht unter http://www.gutmanfamily.org/gerstle/ElevenGenerationsOfGerstle.pdf. (Zugriff: 24.6.2020).
Nach der eige­nen Fam­i­lienüber­liefer­ung war der erste Ger­s­tle zur Zeit Karls des Großen von Ital­ien kom­mend nach Deutsch­land einge­wan­dert, wo die Zuwan­der­er ganz im Sinne dama­liger „Wirtschaft­spoli­tik“ mit ihrem Han­del dem Reich Pros­per­ität und Wohl­stand brin­gen soll­ten. Ebd. S. 15.

[67] Ebd. S. II.

[68] https://www.ancestry.de/interactive/2238/44027_14_00173-01387/195338501. (Zugriff: 24.6.2020).

[69] Ebd. S. 37. Nathan Ger­s­tle lebte von 1860 bis 1939, Isaak von 1892 1914, David von 1894 bis 1958, Gus­tav von 1897 bis 1941. Von Emma ist nur das Geburt­s­jahr 1898 verze­ich­net. Ebd. S. 69. Sofie Ger­s­tle, geboren am 30.12.1871 in Oster­berg, wurde laut Gedenkbuch des Bun­de­sarchivs Koblenz am 18.5.1944 ermordet.

[70] Nach ein­er anderen Quelle — https://www.jewishsightseeing.com/dhh_weblog/2006-blog/2006–04/2006–04-02-eve_gerstle.htm — war es der Film The Pawn­bro­ker, auf Deutsch ‚Der Pfan­dlei­her, einem der ersten Filme in den USA, der sich mit dem Schick­sal von Über­leben­den der Konzen­tra­tionslager auseinan­der­set­zte. Der nicht unum­strit­tene Film kam 1964 in den USA in die Kinos, die deutsche Fas­sung stammt von 1967.

[71] Bere­its 1981 hat­te sie ihre Geburtsstadt Peine, wo sie ihre Kinder­jahre und erste Schulzeit ver­bracht hat­te, besucht. Eine Schul­fre­undin aus dieser Zeit hat­te über ihren Brud­er in Südafri­ka den Kon­takt zu ihr hergestellt und sie damals ein­ge­laden. Siehe Pein­er All­ge­meine Zeitung vom 6.9.1992.

[72] Wies­baden­er Kuri­er vom 27.1.1999, S. 7. Im Leo Baeck Insti­tut ist eine Presse-Sam­melmappe über die Ehrung von Eva Ger­s­tle-Wertheimer archiviert, siehe http://digipres.cjh.org:1801/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE6597058. Siehe zur Ehrung auch https://www.jewishsightseeing.com/germany/wiesbaden/19990212-wiesbaden-gerstle.htm. (Zugriff: 24.6.2020).

[73] Wies­baden­er Kuri­er vom 29.10.2015. Siehe auch die Würdi­gung ihres Lebens anlässlich ihres 100. Geburt­stags von Ker­stin Zehmer in der Jüdis­chen All­ge­meinen vom 17.6.2014, https://www.juedische-allgemeine.de/gemeinden/jahrhundert-freundinnen/. (Zugriff: 24.6.2020). Ihr Ehe­mann Julius soll laut Ances­try bere­its 1989 ver­stor­ben sein. Ein Beleg dafür ist nicht angegeben.