Klara Levy

Über eine Mitbewohnerin, die vermutlich nur sehr kurz in der Dotzheimer Str. 15 untergebracht worden war, ist fast nichts bekannt, nicht einmal eine sichere Identifizierung ist bisher möglich.[1]  Es handelt sich um die laut Gestapo-Karteikarte am 18. Februar 1872 in Dortmund geborene Klara Levy. Sie war Anfang der zwanziger Jahre nach Wiesbaden gezogen und hatte seitdem in der Wallufer Str. 6 gewohnt. In den Wiesbadener Adressbüchern wird sie zunächst als „Privatiere“, später aber auch als „Sozialangestellte“ bezeichnet, wobei unklar ist, was damit gemeint sein soll.[2]

Auf ihrer Gestapo-Karteikarte ist neben dem Geburtstag und –ort nur noch vermerkt, dass sie wegen ihres hohen Alters arbeitsunfähig sei. Die Adresse in der Wallufer Straße ist die einzige, die hier eingetragen ist. Ein Datum ist aber nicht beigefügt, sodass auch nicht bekannt ist, wann und unter welchen Umständen Klara Levy in das Judenhaus kam und wo sie dort einquartiert worden war. Einzig die Deportationsliste vom 1. September 1942 bringt sie in Verbindung mit der Dotzheimer Straße. Die Siebzigjährige gehörte zu den zumeist älteren jüdischen Bürgern, die, wie auch ihre Mitbewohner, das Ehepaar Blumenthal und Klara Stern, für diesen letzten großen Transport in die Todeslager vorgesehen waren. Von Theresienstadt aus wurde sie nach etwa vier Wochen weiter nach Treblinka gebracht, wo sie am 29 September 1942 ermordet wurde.[3]

 

 

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Anmerkungen:

[1] Nach Auskunft der Dortmunder Stolperstein-Gruppe ist in den dortigen Hausstandsbüchern tatsächlich eine Klara Levy verzeichnet, die allerdings am 27. Mai 1873 in Niederwildungen als Klara Baruch geboren worden war und den Nachnamen Levy durch Heirat mit einem Albert Levy erhalten hatte. Sie wohnten mit ihren vier Kindern in Dortmund in der Münsterstr. 114. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1909 heiratete sie 1928 einen Meyer Grünebaum in Herbede. Diese Clara Baruch / Levy / Grünebaum starb am 25.3.1939 in Berlin. Insofern kann es sich nicht um die zu dieser Zeit in Wiesbaden lebende Clara Levy handeln. Siehe http://jinh.lima-city.de/gene/baruch/Descendants_Feibel_Baruch.htm. (Zugriff: 17.12.2017).
Eine weitere Klara Levy, geb. Horn, die allerdings am 23.9.1899 aber  immerhin in Dortmund geboren worden war, wurde am 21.8.1942 von Berlin aus zunächst nach Theresienstadt, dann am 16.5.1944 weiter nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht. Auch hier kann es kaum um die gleiche Person handeln, siehe http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/2500-klara-levy/. (Zugriff: 4.11.2017).
Im Gedenkbuch für die Dortmunder Opfer der Shoa ist als einzige noch eine weitere Clara Levy aufgeführt, die dort am 19.7.1899 geboren und in Auschwitz umgebracht worden sein soll. Für diese Clara Levy existiert aber weder im Gedenkbuch des Bundesarchivs, noch in Yad Vashem ein Eintrag. Siehe Fischer, Rolf, Verfolgung und Vernichtung, Die Dortmunder Opfer der Shoa, Essen 2015, S. 337.

[2] Siehe z.B. Wiesbadener Adressbuch von 1924/25 und 1930.

[3] http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/21164-clara-levy/. (Zugriff: 4.11.2017).