Albert Wolf


Ackermann, Klara, Arthur, Judenhäuser Wiesbaden
Das frü­he­re Juden­haus in der Her­mann­str. 26 heu­te
Eige­ne Aufnahme
Judenhäuser Wiesbaden, Juden Wiesbaden,
Lage des ehe­ma­li­gen Juden­hau­ses Her­mann­str. 26
Judenhäuser Wiesbaden, Juden Wiesbaden
Bele­gung des Juden­hau­ses Her­mann­str. 26

 

 

 

 

 

 


 

Albert Wolf war zusam­men mit der Fami­lie Löwen­stein in das Wies­ba­de­ner Juden­haus Her­mann­str. 26 ein­ge­zo­gen. Als die­se im Som­mer 1938 ihren bis­he­ri­gen Wohn­sitz Idstein wegen der wach­sen­den anti­se­mi­ti­schen Anfein­dun­gen ver­las­sen hat­te, war er mit nach Wies­ba­den gekom­men.[1] Den Groß­teil sei­nes bis­he­ri­gen Lebens hat­te Albert Wolf in Idstein im Kal­men­hof ver­bracht, einem Heim für Men­schen mit kör­per­li­chen, aber vor allem mit geis­ti­gen Behin­de­run­gen. Der am 2. August 1892 in Mainz gebo­re­ne Sohn von Hein­rich und Rosa­lie Wolf, gebo­re­ne Weis,[2] leb­te seit frü­hes­ter Kind­heit mit einer kör­per­li­chen wie auch geis­ti­gen Behin­de­rung, die ihm ein selbst­stän­di­ges Leben erschwerte.

Flora Lore Alice Wolf Weil,Heinrich Wolf, Mainz, Rosalie Wol, Rosalie Weis, Sörgenloch, Judenhaus Wiesbaden
Stamm­baum der Fami­lie Wolf
(GDB-PLS)

Sein Vater Hein­rich Wolf stamm­te aus dem rhein­hes­si­schen Sör­gen­loch, das heu­te zur Ver­bands­ge­mein­de Nie­de­rolm gehört. Hier war er am 10. Juni 1863 als Sohn des Frucht­händ­lers Bern­hard Wolf und des­sen eben­falls aus Sör­gen­loch stam­men­den Frau Babet­te Michel zur Welt gekom­men.[3] Der Sohn, der den Betrieb des Vaters über­nom­men hat­te, wohn­te bei sei­ner Ehe­schlie­ßung noch in sei­nem Hei­mat­ort. Ver­mut­lich bald nach der Hei­rat mit sei­ner aus Mainz stam­men­den Ehe­frau Rosa­lie Weis am 18. Juni 1890 wer­den sich die bei­den in deren Hei­mat­stadt nie­der­ge­las­sen, wo sie in der Neu­thor­str. 9 eine Wein­hand­lung eröff­ne­ten.[4] Rosa­lie war die Toch­ter des Main­zer Metz­ger­paa­res Abra­ham und Bar­ba­ra Weis, gebo­re­ne Michel.[5] Vor Albert war dem Paar am 25. August 1891 zunächst eine Toch­ter gebo­ren wor­den, die den Namen Flo­ra Ali­ce erhielt.[6] In allen amt­li­chen Schrei­ben und Brie­fen gibt sie ihren Vor­na­men  aller­dings mit Lore an und wird auch von ande­ren so bezeichnet.

Sörgenloch, Judenhaus Hermannstr. 26 Wiesbaden, Juden Wiesbaden
Grab­stein von Bern­hard und Babet­te Wolf auf dem jüdi­schen Fried­hof in Sör­gen­loch
http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20337/Soergenloch_J_Friedhof_03.jpg
Mainz, Judenhaus Hermannstr. 26 Wiesbaden, Juden Wiesbaden, Rosalie Weis
Grab­stein von Hein­rich Wolf und sei­ner Frau Rosa­lie auf dem jüdi­schen Fried­hof in Mainz
https://​de​.fin​da​gra​ve​.com/​m​e​m​o​r​i​a​l​/​1​9​1​5​4​9​8​9​8​/​h​e​i​n​r​i​c​h​-​w​o​l​f​#​v​i​e​w​-​p​h​o​t​o​=​1​7​3​0​9​6​588

 

 

 

 

 

 

 

Am 23. April 1902 war Albert als Zehn­jäh­ri­ger in der Idstei­ner Anstalt auf­ge­nom­men wor­den.[7] Nach dem Ende sei­ner Kind­heit wur­de er dort in das soge­nann­te Alten­heim ver­legt, in dem aber nicht nur Alte, son­dern alle unter­ge­bracht waren, die dem Kin­des­al­ter ent­wach­sen waren. Dass die Eltern ihren Sohn dort ange­mel­det hat­ten, zeugt ver­mut­lich von deren fort­schritt­li­cher Welt­sicht, denn der Kal­men­hof nahm unter den dama­li­gen Hei­men eine ganz beson­de­re Stel­lung ein. 1888, also nur knapp 20 Jah­re vor sei­ner Geburt, war von libe­ra­len und finanz­kräf­ti­gen Bür­gern Frank­furts der „Ver­ein für die Idio­ten­an­stalt zu Idstein im Tau­nus“ mit dem Ziel gegrün­det wor­den, dort eine Ein­rich­tung zu schaf­fen, die über­kon­fes­sio­nell und staat­lich unab­hän­gig, an huma­nis­ti­schen Prin­zi­pi­en ori­en­tiert, einen päd­ago­gi­schen Ansatz ver­folgt, bei dem die „Idee der Bild­bar­keit“[8] auch von Men­schen mit geis­ti­gen Behin­de­run­gen im Vor­der­grund ste­hen soll­te. Die­ser gera­de­zu avant­gar­dis­ti­schen Kon­zep­ti­on, die in der Auf­bruchs­pha­se der Wei­ma­rer Repu­blik ihren Nie­der­schlag auch in der Kodi­fi­zie­rung des Reichs­ju­gend­wohl­fahrt­ge­set­zes fand, stand von Anbe­ginn an die ras­se­hy­gie­ni­sche Bewe­gung der Euge­nik gegen­über, die für sich das Recht bean­spruch­te, den „gesun­den Volks­kör­per“ von „kran­ken Ele­men­ten“ rei­ni­gen zu wol­len. Eine Bewe­gung, die mit Hil­fe staat­li­cher Gewalt auch auf dem Kal­men­hof obsieg­te, nach­dem die­se Anstalt über Jahr­zehn­te sehr erfolg­reich als Hei­ler­zie­hungs­an­stalt den von ihr Betreu­ten einen Schon­raum, aber zugleich auch ein Umfeld gebo­ten hat­te, in dem sie sich gemäß ihren Fähig­kei­ten als täti­ge Men­schen begrei­fen konn­ten.[9] Auch die Tat­sa­che, dass es den jüdi­schen Bewoh­nern ermög­licht wur­de, etwa durch die Ein­rich­tung einer kosche­ren Küche, ihren ritu­el­len Gebo­ten Fol­ge zu leis­ten, zeigt wie sehr sie als gleich­wer­ti­ge und gleich­wür­di­ge Men­schen ange­se­hen wurden.

Wolf, Albert
Der Kal­men­hof in Idstein um 1906
Von unbe­kannt, Foto­graf ist nicht ver­merkt. — Ste­fan Gärth, Idstein, PD-alt-100, https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​c​u​r​i​d​=​5​8​8​7​038
Albert Wolf Idstein, Judenhaus Hermannstr. 26, Wiesbaden, Löwenstein
Der Kal­men­hof in Idstein
Samm­lung A. Ott

Sehr bald nach der Macht­über­nah­me der Natio­nal­so­zia­lis­ten wur­de bereits im April 1933 die bis­he­ri­ge Anstalts­lei­tung mit Gewalt ihrer Ämter ent­ho­ben und im Som­mer trat der Ver­wal­tungs­rat geschlos­sen zurück, sodass die Anstalt in kür­zes­ter Zeit von einer frei­en zu einer gleich­ge­schal­te­ten staat­li­chen Ein­rich­tung umge­baut wur­de. Es han­del­te sich dabei aber nicht nur um einen von außen auf­ge­zwun­ge­nen Pro­zess, vie­le der Bediens­te­ten selbst waren inzwi­schen zu Anhän­gern der Ras­sen­hy­gie­ne­po­li­tik der Nazis gewor­den und wirk­ten bei Zwangs­ste­ri­li­sa­tio­nen oder sogar Tötun­gen mit. Nicht län­ger stand der Kran­ke mit sei­nen je spe­zi­fi­schen Behin­de­run­gen, aber auch Fähig­kei­ten im Fokus, es ging jetzt viel­mehr dar­um, das Heim so umzu­ge­stal­ten, dass die weit­ge­hend als „unwert“ erach­te­ten Pati­en­ten zum einen mög­lichst kos­ten­güns­tig unter­ge­bracht wur­den und zum ande­ren ihre Arbeits­kraft noch so weit wie mög­lich aus­ge­nutzt wer­den konn­te. Die Zahl der Insas­sen wur­de bei mini­ma­len Pfle­ge­sät­zen bis 1937 um etwa 50 Pro­zent erhöht und eine Aus­bil­dung erhielt jetzt nur noch ein Bruch­teil der zuvor Geför­der­ten. Im glei­chen Zeit­raum muss­ten etwa zwei Drit­tel der ursprüng­lich 150 jüdi­schen Bewoh­ner die Anstalt verlassen.

Albert Wolf wur­de am 15. Janu­ar 1938 auf­grund der gesetz­li­chen Bestim­mung, dass ari­sche von nicht­ari­schen Für­sor­ge­zög­lin­gen zu tren­nen sei­en, aus dem Heim ent­fernt. Die Pfle­ge über­nahm von da an die Fami­lie Löwen­stein, die zu die­sem Zeit­punkt noch in Idstein in der Löher­gas­se 6 wohn­te. Die Grün­de, wes­halb gera­de sie mit der Pfleg­schaft betraut wur­de, sind nicht mehr nach­zu­voll­zie­hen. Mög­li­cher­wei­se gab es weit­läu­fi­ge ver­wandt­schaft­li­che Ver­bin­dun­gen, viel­leicht war der Kon­takt aber auch durch die jüdi­sche Gemein­de Idstein zustan­de gekom­men. Even­tu­ell spiel­ten aber auch finan­zi­el­le Erwä­gun­gen eine Rol­le, da die Fami­lie Löwen­stein damals in sehr pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen leb­te und Albert Wolf über ein aus­rei­chen­des Ver­mö­gen ver­füg­te, um die Pfle­ge zu bezah­len. Wie viel Geld Löwen­steins für ihre Arbeit erhiel­ten, ist in den Akten aber nir­gends belegt.

Bernhard Wolf, Mainz, Babette Michel, Mainz, Heinrich Wolf, Rosalie Weis, Albert Wolf, Lore Wolf, Lore Weil, Berlin
Fir­men­si­gnet der Wein­hand­lung Bern­hard Wolf in Mainz
HHStAW 685 855a

Nach dem Tod der Eltern waren ver­schie­de­ne amt­lich ein­ge­setz­te Pfle­ger für die Belan­ge von Albert Wolf und auch für die Ver­wal­tung sei­nes recht beträcht­li­chen Ver­mö­gens zustän­dig. Die­se Auf­ga­be hat­te zunächst der in Mainz ansäs­si­ge jüdi­sche Rechts­an­walt Kra­mer bis zu sei­ner Emi­gra­ti­on im Früh­jahr 1939 inne. Ver­geb­lich ver­such­te er, das Kapi­tal, das dem Unter­halt sei­nes erwerbs­un­fä­hi­gen Mün­dels die­nen soll­te, vor dem Zugriff der Nazis zu schüt­zen. Juris­tisch war Albert Mit­ei­gen­tü­mer am elter­li­chen Haus in Mainz in der Leib­niz­str. 15, des­sen Wert 1931 auf mehr als 52.000 RM geschätzt wor­den war.[10] Dort war auch die Wein­hand­lung ange­sie­delt, an der Albert bereits vor dem Tod der Eltern mit einem Anteil von 3/​16 betei­ligt war.[11] Einen wei­te­ren Anteil hat­te er am groß­el­ter­li­chen Haus in Sör­gen­loch, des­sen Ein­heits­wert aller­dings unter 6.000 RM lag.[12]

Wäh­rend der ver­stor­be­ne Vater kein Tes­ta­ment hin­ter­ließ, hat­te des­sen spä­ter ver­stor­be­ne Ehe­frau tes­ta­men­ta­risch genau fest­ge­legt, wie der Auf­ent­halt des Soh­nes in Idstein bis zu sei­nem Lebens­en­de gesi­chert wer­den soll­te. Ihm war ein Ren­ten­ver­mächt­nis in einer Höhe zuge­si­chert wor­den, wodurch es ihm mög­lich sein soll­te, bei gesi­cher­ten Mit­teln für Kost und Klei­dung, einem jähr­li­chen Urlaub von drei Wochen und einem „anstän­di­gen Taschen­geld“ bis zu sei­nem Lebens­en­de im Kal­men­hof zu blei­ben. Die Ren­te, die 3.000 RM jähr­lich betra­gen soll­te,[13] wur­de durch einen Ein­trag im Grund­buch auf das Haus in Mainz abge­si­chert. Zudem war durch die Mut­ter fest­ge­legt wor­den, dass ihm wei­te­re 1.000 RM jähr­lich aus der Ver­zin­sung des väter­li­chen Erb­teils zuste­hen soll­ten. Außer­dem hat­te nach dem Tod der Eltern sei­ne Schwes­ter Flo­ra den väter­li­chen Betrieb gegen eine ver­ein­bar­te Abfin­dungs­sum­me von 10.000 RM allei­ne über­nom­men. Der Betrag war aller­dings bis zum Ver­kauf des Groß­el­tern­hau­ses in Sör­gen­loch gestun­det wor­den. Im Juni 1930 konn­te die­ses Haus für 10.000 RM ver­kauft wer­den, wovon 6.000 RM ange­zahlt und auf den Namen von Albert in Wert­pa­pie­ren ange­legt wur­den. Die Rest­sum­me wur­de als Hypo­thek eben­falls zu sei­nen Guns­ten im Grund­buch ein­ge­tra­gen. Ins­ge­samt betru­gen sei­ne zu ver­steu­ern­den Ver­mö­gens­wer­te nach der Auf­stel­lung des Pfle­gers, Rechts­an­walt Emil Kra­mer, im Jahr 1930 fast 60.000 RM.[14]

Heinrich Wolf, Albert Wolf, Rosalie Wolf
Berech­nung der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be für Albert Wolf
HHStAW 685 855a

Nach dem Umzug nach Wies­ba­den war das dor­ti­ge Finanz­amt bei einer Neu­be­rech­nung des Ver­mö­gens für das Jahr 1935 auf ein Gesamt­ver­mö­gen von ca. 75.000 RM gekom­men, was die Behör­de zu der eigent­lich absur­den Schluss­fol­ge­rung ver­an­lass­te, der hoch­gra­dig behin­der­te Albert Wolf kön­ne die Absicht haben, aus­zu­wan­dern. Die Behör­de ver­lang­te des­halb im Janu­ar 1939 von ihm, eine Siche­rung von 22.000 RM für die dann fäl­li­ge Reichs­flucht­steu­er zu hin­ter­le­gen.[15] Unab­hän­gig von sei­ner beson­de­ren Lebens­la­ge war er trotz diver­ser Ver­su­che sei­nes Pfle­gers Kra­mer, den Betrag wenigs­tens zu min­dern, auch zur Zah­lung der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be in der Höhe von 13.200 RM für die ers­ten vier Raten, dann noch ein­mal mit 3.300 RM für die fünf­te Rate, her­an­ge­zo­gen wor­den.[16]

Ver­su­che sei­nes Pfle­gers Kra­mer oder sei­ner Schwes­ter, wegen der Erkran­kung von Albert die Ver­mö­gens- oder die Ein­kom­men­steu­ern zu min­dern, wur­den von den Finanz­be­hör­den mit Ver­weis auf die gel­ten­de Geset­zes­la­ge eben­falls zurück­ge­wie­sen.[17]

Anders als von den Behör­den wur­de Albert Wolf – so die Erin­ne­run­gen von Wil­ly Rink — von den Bewoh­nern des Hau­ses in der Her­mann­str. 26 aber sehr mensch­lich behandelt:
“Albert Wolf, damals ein Mann um Mit­te vier­zig, hat­te, wie man im Hau­se ohne genau­es Wis­sen mut­maß­te, eine Ner­ven­krank­heit, die frei­lich nie­mand zu benen­nen wuss­te, zu einem kör­per­lich schwer behin­der­ten Mann gemacht. Mei­ne Mut­ter äußer­te Zwei­fel an die­sen Ver­mu­tun­gen. Nach ihrer Mei­nung konn­te die kör­per­li­che Beein­träch­ti­gung von Albert Wolf auch ange­bo­ren sein. Jeden­falls: Er konn­te nur mit gro­ßer Mühe gehen, das Gesicht war durch stän­di­ge Zuckun­gen ent­stellt, und mit sei­nen zit­tern­den Hän­den konn­te er auch klei­ne Gegen­stän­de nur unter Anstren­gung hal­ten. Ich sehe ihn, peni­bel in Anzug und Kra­wat­te geklei­det, immer noch an der Müll­ton­ne im Hof leh­nen, sei­ne ein­zi­ge, Tag für Tag genutz­te Mög­lich­keit, an die fri­sche Luft zu kom­men, von den Kin­dern umringt, die ihn ‚Albert’ nann­ten und ihm freund­li­che Fra­gen stell­ten, die er wegen sei­ner Behin­de­rung nicht ver­ständ­lich beant­wor­ten konn­te. Manch­mal brach­te eines der Kin­der Albert einen Apfel mit, den er dann ver­le­gen in sei­nen zit­tern­den Hän­den hielt. Die meis­ten Erwach­se­nen im Haus haben die­sen Mann respekt- und mit­leid­voll gegrüßt.“
[18] Dies ist umso ver­wun­der­li­cher, als in dem Haus noch ein Kind wohn­te, wel­ches eben­falls eine Behin­de­rung hat­te und, obwohl es nicht jüdi­scher Her­kunft war, von den übri­gen Kin­dern bei ihren Akti­vi­tä­ten stän­dig aus­ge­grenzt wur­de.[19] Wie­so der Haus­be­sit­zer Arthur Acker­mann, ein zuvor ange­se­he­ner Geschäfts­mann jüdi­scher Her­kunft, von Kin­dern mit den Rufen „Jud, Jud, Jud“ bewusst ver­letzt und gede­mü­tigt wur­de, ein behin­der­ter, ari­scher Jun­ge stän­dig dis­kri­mi­niert, aber ein jüdi­scher Behin­der­ter von den glei­chen Kin­dern und wohl auch von den Erwach­se­nen freund­lich und rück­sichts­voll behan­delt wur­de, gehört zu den nicht ein­fach zu erklä­ren­den Phä­no­me­nen die­ser an Wider­sprü­chen so rei­chen Zeit.

Lore Flora Alice Wolf, Albert Wolf
Mel­dung des Todes von Lore Weil, gebo­re­ne Wolf, in Ber­lin
HHStAW 685 855b

Ob es zwi­schen Albert und sei­ner in Ber­lin leben­den Schwes­ter Flo­ra in all den Jah­ren einen per­sön­li­chen Kon­takt gab, ist den amt­li­chen Quel­len nicht zu ent­neh­men. Offen­sicht­lich hat­te Flo­ra, inzwi­schen ver­hei­ra­te­te Weil, auch genü­gend eige­ne Sor­gen und Pro­ble­me, sodass der erkrank­te Bru­der nur als zusätz­li­cher Bal­last emp­fun­den wor­den sein mag. Die kin­der­los geblie­be­ne Ehe mit dem Unter­neh­mer Otto Weil, die 1915 geschlos­sen wor­den war,[20] war am 14. Juni 1933 wie­der geschie­den wor­den. Sei­nem Brief an das Finanz­amt Mainz vom 11. Okto­ber 1933 kann man ent­neh­men, dass die Tren­nung nicht güt­lich zustan­de gekom­men war. Er beton­te dar­in, dass er „mit die­sen Ange­le­gen­hei­ten“ – der Unter­brin­gung sei­nes Schwa­gers im Kal­men­hof – „nichts mehr zu tun (habe).“ [21] Auch Flo­ra Weil selbst muss durch die Schei­dung erheb­li­che finan­zi­el­le Ein­bu­ßen erlit­ten haben, wie man einem Schrei­ben von Dr. Kra­mer, dem dama­li­gen amt­li­chen Pfle­ger von Albert, vom 17. Dezem­ber 1938 an das Finanz­amt Wies­ba­den ent­neh­men kann. Es heißt dar­in, dass sie „sich selbst in wenig güns­ti­gen Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen“ befän­de, „da sie von ihrem Ehe­mann geschie­den ist und von die­sem gera­de in ver­mö­gens­recht­li­cher Hin­sicht nach der mir gewor­de­nen Mit­tei­lung (sic!) stark geschä­digt wor­den ist.“[22]

Ver­mut­lich hat die­se Aus­ein­an­der­set­zung zu ihrem Ent­schluss bei­getra­gen , dass sie sich am 5. März 1939 selbst das Leben nahm.[23] Es war sicher auch kein Zufall, dass sie einen Tag nach dem Todes­tag ihrer Mut­ter ver­starb – mög­li­cher­wei­se hat­te sie die Tat schon am vor­he­ri­gen Tag, also an deren Todes­tag, began­gen. Auch wenn eine sol­che Ent­schei­dung, frei­wil­lig aus dem Leben zu schei­den, immer auf einem sehr kom­ple­xen Ursa­chen­bün­del beruht, so wer­den neben den unmit­tel­bar per­sön­li­chen Fak­to­ren ganz sicher auch die poli­ti­schen Umstän­de und die zuneh­mend aus­sichts­lo­se Lage für Juden in Deutsch­land eine wesent­li­che Rol­le für die Tat gespielt haben. Mit ihrem Tod hat­te Albert Wolf sei­nen letz­ten nähe­ren Ange­hö­ri­gen verloren.

Judenhaus Hermannstr. 26, Wiesbaden, Albert Wolf
Kenn­kar­te von Alo­is Michel, aus­ge­stellt in Mainz 1939
https://​zen​tral​ar​chiv​-juden​.de/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​u​s​e​r​_​u​p​l​o​a​d​/​b​i​s​2​0​1​6​d​a​t​e​i​e​n​/​B​_​5​.​1​_​A​b​t​_​I​V​_​1​0​5​1​.​pdf

An die Stel­le sei­nes lang­jäh­ri­gen Pfle­gers Emil Kra­mer war nach des­sen Aus­wan­de­rung für kur­ze Zeit der Main­zer Alo­is Michel getre­ten. Er ver­starb aber schon nach weni­gen Mona­ten am 14. Novem­ber 1939.[24] Als des­sen Nach­fol­ger wur­de durch das Amts­ge­richt Mainz am 20. Novem­ber 1939 der Kon­su­lent Dr. Hein­rich Win­ter aus Mainz bestellt.[25]

Hein­rich Win­ter war es auch, der am 2. Janu­ar 1941 das Finanz­amt vom Tod sei­nes Mün­dels Albert Wolf unter­rich­te­te.[26] Die­ser war bereits am 26. Dezem­ber 1941 im Jüdi­schen Kran­ken­haus in Mainz ver­stor­ben.[27] Wie lan­ge er dort war, ist nicht bekannt. Rink schreibt, dass er bereits im Dezem­ber 1940 aus der Her­mann­str. 26 „ver­schwun­den“ sei. Rinks Mut­ter, die offen­sicht­lich damals bereits über die Behand­lung von Behin­der­ten im Drit­ten Reich bes­tens infor­miert war, hat­te ver­mu­tet, dass er einer Eutha­na­sie-Akti­on zum Opfer gefal­len sei, was sich aller­dings im Nach­hin­ein als Irr­tum herausstellte.

Albert Wolf, Mainz, Wiesbaden
Das Jüdi­schen Kran­ken­haus bzw. Alters­heim in Mainz, Gon­sen­hei­mer Str. 11–13
https://www.future-history.eu/sites/default/files/styles/ansicht_bild_portal/public/ansicht-pictures/ap-3840–3877-1532554446.png?itok=mNajs7mv

Laut Rink war er nach Mainz in das dor­ti­ge Jüdi­sche Alters­heim ver­legt wor­den, nach­dem dort ein Platz frei gewor­den war.[28] Rich­tig ist, dass er dort nicht ermor­det wur­de, son­dern wohl eines “natür­li­chen Todes” starb, sofern man zu die­ser Zeit, in der jüdi­sche Ein­rich­tun­gen kaum mehr Zugriff auf not­wen­di­ge Medi­ka­men­te hat­ten, über­haupt noch von einem natür­li­chen Tod spre­chen kann.[29] Frag­lich ist aber, ob die Ein­lie­fe­rung in Mainz tat­säch­lich zu die­sem frü­hen von Rink ange­ge­be­nen Zeit­punkt statt­fand. Auf der Gestapo­kar­tei­kar­te von Albert Wolf ist als Tag des “Umzugs” nach Mainz in die Gon­sen­hei­mer Str. 13 der 15. Dezem­ber 1941 ein­ge­tra­gen. In den vor­lie­gen­den Akten der Finanz­be­hör­den ist die Ver­le­gung nach Mainz nicht erwähnt, aller­dings war er – so ist die­sen zu ent­neh­men – offen­sicht­lich bis zuletzt in Wies­ba­den in Her­mann­str. 26 gemel­det.[30] Die Gestapo­kar­tei­kar­te ent­hält noch die knap­pe Notiz, „Soll ver­stor­ben sein“, die noch ein­mal auf sub­li­me Wei­se deut­lich macht, wie sehr der Bear­bei­ter das Leben von Albert Wolf gering schätzte.

Stand: 10. 02. 2020

 

 

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Anmer­kun­gen:

[1] Da der Ein­zug sich bereits im Som­mer 1938 ereig­ne­te, ist die For­mu­lie­rung von Rink, Juden­haus, S. 51, dass zu den „Ein­ge­wie­se­nen“ auch Albert Wolf gehört habe, sach­lich nicht ganz korrekt.

[2] Geburts­re­gis­ter der Stadt Mainz 1346 /​ 1892.

[3] Bern­hard und Babette´Wolfs Grab­stein steht auf dem Jüdi­schen Fried­hof in Sör­gen­loch. Laut den dar­auf ein­gra­vier­ten Daten wur­de Bern­hard am 4.2.1836 gebo­ren, sei­ne Frau am 1.4. des glei­chen Jah­res. Wäh­rend Bern­hard schon am 23.1.1895 ver­starb, wur­de Babet­te 88 Jah­re alt. Ihr Todes­tag war der 5.9.1922. http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20337/Soergenloch_J_Friedhof_03.jpg, (Zugriff: 3.12.2019).

Hein­rich Wolf war am 10.6.1863, sei­ne Frau Rosa­lie, gebo­re­ne Weis, am 20.9.1867 gebo­ren wor­den. Bei­de wur­den auf dem jüdi­schen Fried­hof in Mainz begra­ben. Dem Grab­stein sind die Geburts­da­ten ent­nom­men. Sie­he https://​de​.fin​da​gra​ve​.com/​m​e​m​o​r​i​a​l​/​1​9​1​5​4​9​8​9​8​/​h​e​i​n​r​i​c​h​-​w​o​l​f​#​v​i​e​w​-​p​h​o​t​o​=​1​7​3​0​9​6​588. (Zugriff: 3.12.2019).

[4] Im Hei­rats­re­gis­ter­ein­trag Mainz 262 /​ 1890 für Hein­rich Wolf ist der Vater als „Frucht­händ­ler“, der Sohn noch all­ge­mein als Kauf­mann bezeich­net, Hei­rats­re­gis­ter Mainz 262 /​ 1890. In der Geburts­ur­kun­de sei­nes Soh­nes Albert ist sein Beruf dann mit Wein­händ­ler angegeben.

[5] Hei­rats­re­gis­ter Mainz 262 /​ 1890. Es ist auf­fäl­lig, dass sowohl die Mut­ter der Braut als auch die des Bräu­ti­gams den Mäd­chen­na­men Bar­ba­ra Michel tra­gen. Es könn­te Zufall sein, viel­leicht auch eine Ver­schrei­bung, denn auf dem Grab­stein trägt Bern­hard Wolfs Frau den Vor­na­men Babet­te. Nicht aus­ge­schlos­sen ist aber ein ver­wandt­schaft­li­ches Ver­hält­nis zwi­schen den bei­den. Abra­ham Weis war am 30.9.1824 in Mainz gebo­ren wor­den. Er ist am 28.1.1891 auch dort ver­stor­ben. Sei­ne eben­falls aus Mainz stam­men­de Frau, die am 21.3.1836 zur Welt kam, ver­starb dort am 23.3.1911.

[6] Geburts­re­gis­ter der Stadt Mainz 1512 /​ 1891.

[7] Infor­ma­ti­on des LWV-Hes­sen auf Grund­la­ge des Auf­nah­me­buchs vom Kal­men­hof. In den Doku­men­ten der Finanz­ver­wal­tung ist im All­ge­mei­nen die Anga­be „von frü­hes­ter Kind­heit“ gemacht.

[8] So auch der Titel des 1988 im Juven­ta-Ver­lag erschie­ne­nen Stan­dard­werks über den Kal­men­hof von  Chris­ti­an Schrap­per und Die­ter Sengling.

[9] Sie­he zur Geschich­te und zur päd­ago­gi­schen Kon­zep­ti­on des Kal­men­hofs Ull­rich, Hei­ner, Von der ‚Idio­ten-Anstalt’ zum sozi­al­päd­ago­gi­schen Unter­neh­men für Men­schen mit Behin­de­run­gen und Unter­stüt­zungs­be­darf, in: 125 Jah­re Kal­men­hof, Facet­ten einer Geschich­te, Idstein 2013, S. 10–37. Es sei an die­ser Stel­le dar­auf hin­ge­wie­sen, dass einer der bedeu­tends­ten Geld­ge­ber des Pro­jek­tes der in Frank­furt leben­de ame­ri­ka­ni­sche Jude und Ban­kier Charles Hall­gar­ten war, der fast sein gesam­tes Ver­mö­gen für sozia­le und kul­tu­rel­le Zwe­cke zur Ver­fü­gung gestellt hat­te. Zur Geschich­te des Kal­men­hofs als Ort der Eutha­na­sie sie­he Sick, Doro­thea, ‚Eutha­na­sie’ im Natio­nal­so­zia­lis­mus am Bei­spiel des Kal­men­hofs in Idstein im Tau­nus. Mate­ria­li­en zur Sozi­al­ar­beit und Sozi­al­po­li­tik Bd. 9, Frank­furt a. M. 1983, Neu­aufl. 2015. Den geschichts­ver­ges­se­nen Umgang der heu­ti­gen Eigen­tü­mer des Kal­men­hofs, die Vitos Rhein­gau Ser­vet Dag, mit dem Ort, an dem hun­dert­fa­cher Mord began­gen wur­de, zeigt der jüngst voll­zo­ge­ne Abriss der ehe­ma­li­gen Turn­hal­le. In die­sem Gebäu­de hat­ten die Kran­ken auf dürf­ti­gen Stroh­la­gern auf die „Gekrat-Bus­se“ war­ten müs­sen, die sie der Ver­nich­tungs­an­stalt Hada­mar zuführ­ten. Sie­he Wies­ba­de­ner Kurier vom 7.2.2020, S. 16.

[10] HHStAW 685 855a (29). Das Haus­grund­stück war aller­dings 1932 mit einer Hypo­thek von 17.500 RM belas­tet, ebd. (31).

[11] Ebd. (14).

[12] Ebd. (5).

[13] Im Hin­blick auf die­se Zah­lungs­ver­pflich­tung kam es spä­ter zu einem Streit zwi­schen der Schwes­ter und dem Pfle­ger von Albert Wolf. Die Schwes­ter war nur bereit, einen Betrag zu zah­len, der die Kos­ten der Unter­brin­gung abdeck­te, nicht aber die Dif­fe­renz zu den eigent­lich fest­ge­leg­ten 3.000 RM, sie­he ebd. (36 f.). Laut Ein­kom­mens­ak­te betru­gen die Kos­ten der Unter­brin­gung im Jahr 1933 etwa 1.800 RM, sie­he HHStAW 685 855b (16).

[14] Zu den gesam­ten Ver­ein­ba­run­gen sie­he HHStAW 685 855a (27 ff., auch 31 ff.)

[15] Ebd. (50). Aus der Akte geht her­vor, dass etwa ein Jahr spä­ter eine Siche­rung durch einen Grund­buch­ein­trag in Höhe von 18.000 RM geleis­tet wur­de, ebd. (52). Ob die Dif­fe­renz von 4.000 RM auf Grund einer Neu­be­rech­nung erlas­sen oder auf ande­re Wei­se abge­gol­ten wur­de, geht aus den Unter­la­gen nicht hervor.

[16] Sie­he ebd. die ein­lie­gen­de Akte zur Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be. Ob die 5. Rate gezahlt wur­de, geht aus den Akten nicht her­vor. Es hat­te bei deren Fäl­lig­keit gera­te einen Wech­sel bei der Betreu­ung gege­ben. Die Zah­lung wur­de des­halb am 18.12.1939 vom Finanz­amt Wies­ba­den ange­mahnt, sie­he HHStAW 685 855b (29).

[17] Sei­ne Schwes­ter hat­te – sicher nicht im Ein­klang mit der ursprüng­li­chen Phi­lo­so­phie des Kal­men­hofs – in einem Brief vom Mai 1934 an das Finanz­amt argu­men­tiert: „Die bis­her erfolg­te Voll­ver­steue­rung mei­nes kran­ken Bru­ders muss ich als eine beson­de­re Här­te emp­fin­den und bit­te daher in Berück­sich­ti­gung der von mir dar­ge­leg­ten Grün­de mei­nen Bru­der, der durch sei­ne Krank­heit nie ein der Mensch­heit nüt­zen­des Glied wer­den kann, von der Last der Ein­kom­men­steu­er zu befrei­en oder die­sel­be im wesent­li­chen Aus­mass zu ermässigen.
Eben­so stel­le ich den Antrag mei­nen Bru­der auch von dem Zuschlag der Ledi­gen­steu­er zu befrei­en, denn die­se Steu­er soll eine Son­der­steu­er für Unver­hei­ra­te­te sein, um die Ehe­schlie­ßung zu för­dern, einen unheil­bar kran­ken Men­schen mit die­ser Steu­er zu belas­ten, ist eben­falls als eine beson­de­re Här­te anzu­se­hen, die der Gesetz­ge­ber gewiss nicht gewollt hat.“
HHStAW 685 855b (16).

[18] Rink, Juden­haus, S. 51.

[19] Ebd. S. 21

[20] Notiz im Geburts­ein­trag des Stan­des­amts Mainz 1512 /​ 1891.

[21] HHStAW 685 855b (9). Es ist nicht bekannt, ob es sich um eine Misch­ehe gehan­delt hat­te und ob das bei der Schei­dung eine Rol­le spiel­te. Die Fir­ma, die er besaß, war die ‚Hein­rich Stern & Co. A.G.’. Der Name deu­tet eher auf ein Unter­neh­men mit jüdi­schen Grün­dern hin. In wel­cher Spar­te das Unter­neh­men aktiv war, ging aus den vor­lie­gen­den Akten nicht hervor.

[22] HHStAW 685 855a Ein­kom­men­steu­er (13).

[23] Ebd. (16).

[24] https://​de​.fin​da​gra​ve​.com/​m​e​m​o​r​i​a​l​/​1​8​0​8​2​1​4​4​3​/​a​l​o​i​s​-​m​i​c​hel. (Zugriff: 3.12.2019). Ver­mut­lich han­del­te es sich bei dem am 4.11.1869 in Sör­gen­loch Gebo­re­nen um einen nahen Ver­wand­ten der Groß­mutter von Albert Wolf, die eben­falls eine gebo­re­ne Michel war. Es könn­te sein, dass der Vater von Alo­is Michel, der am 18.4.1831 in Sör­gen­loch gebo­re­ne Josef Michel ein Bru­der von Babet­te Wolf war. Dann wäre Alo­is Michel, der auf dem Jüdi­schen Fried­hof in Mainz begra­ben wur­de, ein Onkel zwei­ten Gra­des von Albert gewe­sen. Der Vater von Alo­is Michel war der am 18.4.1831 in Sör­gen­loch gebo­re­ne Joseph Michel, der mit Kla­ra Sau­er­bach ver­hei­ra­tet war und neben Alo­is noch die bei­den Kin­der Samu­el und Rosa hat­te. Aller­dings könn­te eine ver­wandt­schaft­li­che Ver­bin­dung auch auf der Ehe­frau von Alo­is Michel beru­hen, die wie­der­um eine gebo­re­ne Wolf war und am 30. Janu­ar 1882 eben­falls in Sör­gen­loch gebo­ren wor­den war. Wäh­rend Rosa noch im Klein­kind­al­ter ver­starb, wan­der­te Samu­el zu einem unbe­kann­ten Datum nach Ame­ri­ka aus. Die Infor­ma­tio­nen beru­hen auf den Ein­tra­gun­gen im Fami­li­en­re­gis­ter des Stadt­ar­chivs Mainz.

[25] HHStAW 685 855b (17). Hein­rich Win­ter, der in einer soge­nann­ten „pri­vi­le­gier­ten Misch­ehe“ leb­te, ist einer der weni­gen jüdi­schen Juris­ten aus Mainz, die den Holo­caust über­leb­ten. Zu sei­nem Schick­sal und zu dem sei­ner Kol­le­gen sie­he Krach, Till­mann, Die Ver­fol­gung und Ermor­dung der Main­zer Anwäl­te jüdi­scher Her­kunft, https://​www​.main​z1933​-1945​.de/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​R​h​e​i​n​h​e​s​s​e​n​p​o​r​t​a​l​/​T​e​i​l​n​e​h​m​e​r​/​m​a​i​n​z​1​9​3​3​-​1​9​4​5​/​T​e​x​t​b​e​i​t​r​a​e​g​e​/​K​r​a​c​h​_​R​e​c​h​t​s​a​n​w​a​e​l​t​e​.​pdf. (Zugriff: 3.12.2019).

[26] HHStAW 685 855b (32).

[27] Das ehe­ma­li­ge Kran­ken­haus in der Gon­sen­hei­mer Str. 11–13 war seit Herbst 1938 fak­tisch zu einem Alters­heim umfunk­tio­niert wor­den, nach­dem die Lei­tung gezwun­gen wor­den war, alle medi­zi­ni­schen Gerät­schaf­ten an das Kreis­ge­sund­heits­amt abzuliefern.

[28] Rink, Juden­haus, S. 52.

[29] Ster­be­re­gis­ter der Stadt Mainz 2199 /​ 1941​.Es heißt dar­in, er sei an einem Nie­ren­lei­den „in sei­ner Woh­nung“ (?) ver­stor­ben. Die Todes­mel­dung war von einem städ­ti­schen Ange­stell­ten über­bracht worden.

[30] HHStAW 685 855b (33). Es heißt dort in einer Notiz: “Wolf wohnt in Wies­ba­den. Kam nach Mainz in das Jüdi­sche Kran­ken­haus und ist dort im Dezem­ber 1941 verstorben.”