Daniel und Frieda Kahn-Hut, geborene Wertheim


Kaiser-Friedrich-Ring 65 Wiesbaden, Judenhaus, Judenhäuser Wiesbaden, Bernhard Scheidt, Rosa Scheidt Fechheimer, Minna Scheidt Kahn, Isaak Kahn, Luise Scheidt Kaufmann, Abraham Alfred Kaufmann, Frieda Wolf, Sally Wolf, Paula Helene Wolf Kassel, Julius Kassel, Ilse Betty Kassel, Friedel Scheidt Oppenheimer, Louis Oppenheimer, Eleanor Morris, Hugo Kaufmann, Helga Simon Kaufmann, Emma Scheidt Essinger, Julius Essinger, Rolf Essinger, Otto Essinger, Anna Essinger, Siegmund Scheidt, Anna Scheidt Frank, Otto Frank, Helmuth Friedrich Frank, Edith Margot Frank,Bertha Berta Scheid Blütenthal, Davis Blütenthal, Simon Frank, Therese Frank Müller, Moses Max Frank, Anna Simon Frank, Leonie Frank Landsberg, Peter Kurt Frank, Judith Eva Landsberg, Lea Landsberg, Jenny Johanna Scheidt, Felix Kaufmann, Juden Wiesbaden, Klaus Flick
Das ehemalige Judenhaus Kaiser-Friedrich-Ring 65 heute
Eigene Aufnahme
Kaiser-Friedrich-Ring 65 Wiesbaden, Judenhaus, Judenhäuser Wiesbaden, Bernhard Scheidt, Rosa Scheidt Fechheimer, Minna Scheidt Kahn, Isaak Kahn, Luise Scheidt Kaufmann, Abraham Alfred Kaufmann, Frieda Wolf, Sally Wolf, Paula Helene Wolf Kassel, Julius Kassel, Ilse Betty Kassel, Friedel Scheidt Oppenheimer, Louis Oppenheimer, Eleanor Morris, Hugo Kaufmann, Helga Simon Kaufmann, Emma Scheidt Essinger, Julius Essinger, Rolf Essinger, Otto Essinger, Anna Essinger, Siegmund Scheidt, Anna Scheidt Frank, Otto Frank, Helmuth Friedrich Frank, Edith Margot Frank,Bertha Berta Scheid Blütenthal, Davis Blütenthal, Simon Frank, Therese Frank Müller, Moses Max Frank, Anna Simon Frank, Leonie Frank Landsberg, Peter Kurt Frank, Judith Eva Landsberg, Lea Landsberg, Jenny Johanna Scheidt, Felix Kaufmann, Juden Wiesbaden, Klaus Flick
Lage des ehemaligen Judenhauses

 

 

 

 

 

 

 

 


Das Ehepaar Kahn-Hut gehörte zu denjenigen, die im Zuge der Zwangseinweisungen im Jahr 1940 in das Judenhaus Kaiser-Friedrich-Ring 65 einziehen mussten.[1] Anders als andere Mitbewohner waren sie nicht seit Generationen in Wiesbaden verwurzelt, sondern erst in die Stadt gekommen, als das Leben in ihrem bisherigen Wohnort Gotha unerträglich geworden war. Dass sie damals Wiesbaden als Fluchtpunkt wählten, hatte sicher seinen Grund darin, dass ihnen die Stadt von früher dennoch vertraut war, denn die Eltern von Daniel Kahn-Hut waren Bürger der Nachbarstadt Mainz. Aber auch diese waren in Mainz nicht geboren worden, sondern kamen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands, wie man der ausschweifend formulierten Heiratsurkunde von Daniel Kahn-Huts Eltern, Joseph Simon Kahn-Hut und Friederike Sichel, entnehmen kann. Die beiden waren am 30. April 1866 in Mainz die Ehe eingegangen.[2]
Neben Informationen zu den beiden Familien enthält die Urkunde auch weiteren Details zum Ablauf der Verehelichung. Von kulturhistorischem Interesse ist die Angabe, dass die Heiratsabsicht des Paares an zwei Tagen in deren jeweiligen Heimatgemeinden öffentlich verkündet und nicht nur ausgehängt wurde, damit gegebenenfalls Einsprüche erhoben werden konnten. Auch hatten die Eltern, obwohl die Partner selbst volljährig waren, ihre Zustimmung zur Ehe schriftlich hinterlegt.

Stammbaum Kahn-Hut
Stammbaum der Familie Kahn-Hut
GDB

Der Vater von dem am 9. August 1841 geborenen Joseph Simon Kahn-Hut war der Handelsmann Abraham Kahn-Hut aus Gemmingen, der allerdings bereits am 30 März 1853 dort verstorben war. Seine Witwe Schönle, genannt Jeanette, die 57jährige Mutter des Bräutigams, eine geborene Schwarzschild, lebte damals noch in Gemmingen und hatte ihre Einwilligung bei einem dortigen Notar hinterlegt.
In dem fränkischen, bei Heilbronn gelegenen Städtchen Gemmingen gab es seit dem frühen 18. Jahrhundert eine allmählich wachsende jüdische Gemeinde, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Juden gezwungen wurden feste, erbliche Familiennamen anzunehmen, aus sechzehn Familien bestand. Eine davon wählte den Namen Kahnhut bzw. Kahn-Hut, mitunter aber auch wieder verkürzt auf Kahn.

Tod Joseph Simon Kahn-Huz
Zum Tod des Bondi-Lehrers Joseph Simon Kahn-Hut in der Zeitschrift ‚Der Israelit‘ vom 20.10.1841
Lehrer Bondi Mainz
Lehrer der Bondi-Schule in Mainz
https://ufdc.ufl.edu/AA00013434/00001/images/36

Als Joseph Simon Kahn-Hut 1866 heiratete war er – so heißt es in der Urkunde – „zu Mainz bürgerlich ansässig und daselbst seit mehreren Jahren wohnhaft“. Mit nur 18 Jahren war er 1860 in die Stadt gekommen und hatte schon damals eine Anstellung als Lehrer an der Schule der Israelitischen Religionsgesellschaft erhalten, die auch räumlich der orthodoxen Synagoge in der Flachsmarktstraße angegliedert war und als Bondi-Schule gerade bei strenggläubigen Juden einen hervorragenden Ruf genoss.[3]

Abraham Wertheim
Anzeige von Abraham Sichel in der Zeitung ‚Der Israelit‘ 1901
http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20255/Schluechtern_Israelit_20051901_small.jpg

Seine Braut Friederike Sichel kam aus dem hessischen Schlüchtern, wo sie am 3. April 1841geboren wurde.[4] Sie war das älteste von insgesamt sechs Kindern des Handelsmanns Abraham Sichel und seiner Frau Babette, geborene Klingenstein.[5] Von ihren Eltern lebte zum Zeitpunkt der Eheschließung noch der 50jährige Vater,[6] während die Mutter am 27. März 1863 in Schlüchtern verstorben war.[7] Die Familie Sichel gehörte zu den bedeutenden jüdischen Familien im nordhessischen Raum. Auch ihre Genealogie reicht zurück bis in das 17. Jahrhundert. Als Abraham Sichel 1872 verstarb war das der Zeitschrift ‚Der Israelit’ einen Artikel wert, der ihn für seine Lebenswerk in höchsten Tönen lobte.[8]

Heirat Joseph Kahn-Hut und Friedericke Michel
Heiratseintrag Joseph Simon Kahn-Hut und Friederike Sichel in Mainz
Heiratsregister Mainz 96 / 1866

Auch in der Ehe von Joseph Simon und Babette Kahn-Hut wurden in Mainz, wo die Familie in der Emmeranstr. 33 wohnte, wieder sechs Kinder geboren, von denen der drittgeborene Siegmund nur ein Jahr alt wurde und am 3. Juli 1872 bereits verstarb.[9] Abgesehen von dem zweitältesten Marcus, der 1939 eines natürlichen Todes starb, fielen alle anderen Kinder des Paares dem Rassenwahn der Nationalsozialisten zum Opfer.

Daniel Kahn-Hut
Daniel Kahn-Hut
https://namesfs.yadvashem.org//yadvashem/photos4/hon/14206555.JPG
Frieda Kahn-Hut
Frieda Kahn-Hut, geb. Wertheim
https://namesfs.yadvashem.org//yadvashem/photos4/hon/14206554.JPG

Aber daran war noch nicht zu denken, als die Kinder in der prosperierenden Zeit nach der Reichsgründung aufwuchsen und sich auf ihre berufliche Laufbahn vorbereiteten. Offensichtlich muss der Vater als Lehrer damals ein so hohes Einkommen verdient haben, um zumindest einem Teil der Kinder eine akademische Ausbildung ermöglichen zu können. Wo der am 31. März 1875 als zweitjüngstes Kind von Joseph und Friederike Kahn-Hut [10] zur Welt gekommene Daniel zur Schule ging, wo er studierte und seine Examina abgelegt hatte, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Im Jahr 1898 publizierte er als Abschluss seines Medizinstudiums in Straßburg seine Dissertation über die Operation des Grauen Stars.[11] Auch gibt es keine sicheren Erkenntnisse darüber, wo er sich in den folgenden Jahren aufhielt und als Arzt praktizierte. Als er am 17. Februar 1905 in Darmstadt, dem Wohnort seiner Braut, Frieda Wertheim heiratete,[12] gab er als eigenen Wohnsitz noch oder wieder Mainz an.

Wertheim Hofgeismar
Hofgeismar, Mühlensttraße, wo die Familie Wertheim bis 1903 wohnte
https://www.hofgeismar.de/museum-hofgeismar/download/familie-wertheim-tafel-16.pdf?cid=wo

Frieda Wertheim stammte ursprünglich aus dem nordhessischen Hofgeismar, wo sie am 25. März 1880 geboren wurde und wo ihre Eltern, der Rentner Louis Wertheim und seine Frau Rosalie, noch immer in der dortigen Mühlenstr. 9 lebten. Die Mutter war eine geborene Kleeberg und wird – so ist anzunehmen – sehr weitläufig mit den Kleebergs verwandt gewesen sein, mit denen ihre Tochter später im Judenhaus Kaiser-Friedrich-Ring 65 zusammen leben musste.[13]

Bürgeraue Gotha
Bürgeraue 4 in Gotha heute

Bald nach der Hochzeit, noch im Jahr 1905, zog das jungvermählte Paar in die thüringische Stadt Gotha, wo Daniel Kahn-Hut in der Bürgeraue 4 eine allgemeinmedizinische Praxis eröffnete. Im folgenden Jahr wurde am 6. Mai 1906 dort ihr einziges Kind, der Sohn Edgar, geboren.[14]

Über die fast dreißig Jahre, die die Familie in Gotha lebte, ist nur wenig bekannt. Ihr Sohn gab später an, dass sie dort eine große 8-Zimmerwohnung angemietet hatten und es ihnen finanziell immer gut gegangen sei. Er meinte, sich an ein Nettojahreseinkommen von knapp 20.000 RM im Jahr 1929 erinnern zu können.[15] Unterlagen des Finanzamts liegen erst seit Beginn der dreißiger Jahre vor und geben etwa die Hälfte dieses Betrages an.[16]

Vermutlich hatte aber zu diesem Zeitpunkt bereits die Praxis des Dr. Kahn-Hut die wachsende Durchdringung des öffentlichen Lebens mit der antisemitische Propaganda zu spüren bekommen. Thüringen gehörte zu den Ländern Deutschlands, in denen, von Bayern abgesehen, sich das völkische Gedankengut schon früh Bahn brechen konnte. Schon 1921 waren die ersten NSDAP-Ortsgruppen entstanden. Dort wurde auch das nach dem gescheiterten Hitler-Putsch von 1923 verhängte reichsweite NSDAP-Parteiverbot zuerst wieder aufgehoben und 1930 gab es in Thüringen die erste Regierungskoalition des bürgerlichen Lagers mit der NSDAP. Frick, der spätere Innenminister, fungierte damals schon als Innen- und Kulturminister dieser Regierung. Und 1932 hatten die Nationalsozialisten dort mit 42,5 Prozent ihr Ziel, mit einer eigenen Mehrheit regieren zu können, schon fast erreicht. In der örtlichen Presse, die sich engagiert an der Hetze gegen Juden und Andersdenkende beteiligte, erschienen Artikel, die den Arzt persönlich diffamierten und beleidigten. Auch Angriffen auf der Straße war er durch diese Kampagne ausgesetzt.[17]

Nicht verwunderlich, dass die Zahl der Patienten schon seit Ende der zwanziger Jahre kontinuierlich zurückging. 1933 wurde ihm, wie allen jüdischen Ärzten, die Kassenzulassung entzogen. 1934 entschlossen sich Daniel und Frieda Kahn-Hut die Praxis aufzugeben, Gotha zu verlassen und nach Wiesbaden zu ziehen.

Wo ihr Sohn, der eine Ausbildung als Ingenieur abgeschlossen hatte, sich damals aufhielt, ist nicht bekannt. In einem kurzen Artikel über seine Tochter Rachel, die spätere Professorin der San Francisco State University, heißt es, ihr Vater habe Anfang der dreißiger Jahre das von der Inflation gebeutelte Deutschland verlassen, um in der Sowjetunion Arbeit zu suchen.[18] Dass damals die Inflation in Deutschland schon lange besiegt und die Weltwirtschaftskrise das eigentliche Problem war, sei nur am Rande bemerkt. Man wird auch kaum annehmen können, dass die Entscheidung, in die Sowjetunion zu gehen, damals alleine von dem genannten Motiv bestimmt und keine politische Entscheidung war. Zwar gibt es keine Belege dafür, dass Edgar Kahn-Hut der kommunistischen Bewegung nahe gestanden hätte, aber das Land Stalins war eigentlich nur eine Option für diejenigen, die in der Sowjetunion das einzig wirkliche Bollwerk gegen den aufkommenden Faschismus sahen. Unklar bleibt allerdings der Zeitpunkt der Ausreise. Edgar selbst gab an, 1936 in Wiesbaden seine Eltern letztmals gesehen zu haben, bevor er Deutschland verließ.[19] In einem Schreiben der Zollfahndungsstelle Mainz, mit der 1938 eine Sicherungsanordnung gegen Dr. Kahn-Hut eingeleitet wurde, heißt es dagegen, dass sich „der einzige Sohn des Kahn-Hut seit 1931 im Ausland befindet“,[20] was wiederum die Angabe des amerikanischen Artikels bestätigen würde. Bei Frenzel liest man, allerdings ohne Quellenangabe, Edgar sei 1932 in die Sowjetunion emigriert. Es könnte natürlich sein, dass Edgar Kahn-Hut in diesen letzten Jahren der Weimarer Republik und den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft noch Wege gefunden hatte, die Grenzen zwischen Deutschland, Polen und der Sowjetunion zu überschreiten und 1936 noch einmal zu seinen Eltern nach Wiesbaden gekommen war. Möglicher Anlass für das Treffen könnte die notarielle Errichtung des gemeinsamen Testaments der Eltern am 3. August 1936 gewesen sein, in dem sie sich gegenseitig als Vor- und den gemeinsamen Sohn als Nacherben einsetzten.[21]
In der UdSSR lernte Edgar Kahn-Hut seine Frau Caroline Rosen kennen, angeblich eine russische Jüdin. Laut den Unterlagen der US-Volkszählung von 1940 stammte sie jedoch aus Polen.[22] Dem Paar war aber nur eine kurze Zeit des Zusammenseins vergönnt, denn Edgar Kahn-Hut war mit seiner Flucht aus dem deutschen Regen nur in der russischen Traufe geendet. Wie so viele andere Exilanten wurde er Opfer der stalinistischen Säuberungen, wurde verdächtigt, ein deutscher Spion zu sein und verschwand bald in einem der vielen Lager. Seine Frau und die zehn Wochen alte Tochter Rachel wurden aus der vermeintlichen Diktatur des Proletariats ausgewiesen. All das muss sich Ende 1937 zugetragen haben, denn Rachel war am 25. Januar 1938 noch in der Sowjetunion geboren worden.[23]

Der Weg der beiden in die USA führte sie über Wiesbaden, wo Mutter und Tochter eine gewisse Zeit bei ihren Schwieger- bzw. Großeltern blieben. Diese hatten sich, nach ihrem Wegzug von Gotha 1934, in der Kurstadt in der Mittelheimer Str. 11 im dritten Stock eine Wohnung gemietet, in der sie bis 1940 blieben. Praktiziert hat Dr. Kahn-Hut in Wiesbaden nicht mehr, auch nicht als „Krankenbehandler“ für Juden. Das Paar lebte im Wesentlichen von seinem Vermögen und den Erträgen, die dieses abwarf. Nach Angaben des Finanzamts Wiesbaden belief sich das Einkommen im Jahr 1934 noch auf etwa 3.000 RM, zwei Drittel weniger als zuletzt in Gotha, betrug in den ersten folgenden Jahren aber nur noch zwischen 1.000 und 2.000 RM im Jahr.[24]

Als die Zollfahndungsstelle Mainz im September 1938 die bereits erwähnte Sicherungsanordnung veranlasste, bezifferte sie das Vermögen von Dr. Kahn-Hut mit insgesamt etwa 50.000 RM, 44.500 RM in Form von Wertpapieren, 1.500 RM lagen auf einem Bankkonto der Deutschen Bank und etwa 5.500 RM betrug der Rückkaufswert von drei Lebensversicherungen.[25] Unmittelbar nach dem Erlass der Sicherungsanordnung bat er um die Genehmigung, Papiere im Wert von etwa 3.000 RM verkaufen und den Betrag auf sein Bankkonto überweisen zu dürfen, um damit seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die Zinserträge, die ihm freigestellt worden waren, würden dafür nicht ausreichen.[26] Die Genehmigung wurde im Oktober erteilt.
Zwei Jahre später, im Juni 1940, war er von der Devisenstelle erneut zur Abgabe einer aktuellen Aufstellung seines Vermögens aufgefordert worden. Dies belief sich jetzt auf rund 43.000 RM.[27] Die Lebensversicherungen hatte er inzwischen zurückgekauft, um damit die 1939 fällig gewordene Judenvermögensabgabe in Höhe von insgesamt 6.000 RM zu bezahlen.[28] Seinen monatlichen Bedarf für den Zweipersonenhaushalt gab er mit 300 RM an, was zur Folge hatte, dass ihm der bisherige Freibetrag von 500 RM am 2. Dezember auf diesen geringeren Betrag gekürzt wurde.[29]

Daniel Kahn-Hut meldet den Umzug in das Judenhaus
Daniel Kahn-Hut meldet den Umzug in das Judenhaus
HHStAW 519/3 3648 (19)

Noch am selben Tag bat er die Devisenstelle, ihm wieder den früheren Betrag freizugeben. Er begründete diese Bitte zum einen mit dem „erzwungenen Umzug in eine größere Wohnung, die (er) sich mit zwei Familien teilen“ müsse.[30] Der Umzug, den er hier anspricht ist der in das Judenhaus Kaiser-Friedrich-Ring 65, der aber laut Gestapokarteikarte bereits am 20. September 1940 stattgefunden hatte. In jedem Fall war der Wohnungswechsel nicht durch ökonomischen Druck, sondern offensichtlich explizit durch eine Anweisung des Wohnungsamtes erfolgt. Darüber, mit wem das Ehepaar damals die Wohnung teilen musste, machte er keine Angaben. Dies lässt sich aus den vorhandenen Unterlagen auch nicht sicher erschließen. Laut einer Liste, die aber erst im Vorfeld der Deportationen 1942 erstellt wurde, bewohnten Kahn-Huts zusammen ein Zimmer im ersten Stock des Hauses,[31] von dem ohnehin nur zwei Etagen als „Judenhaus“ genutzt wurden. Vermutlich konnte er in dieses Zimmer nur einen Teil seines Mobiliars aus der bisherigen Wohnung mitnehmen. Einen entsprechenden Entschädigungs- oder Rückerstattungsantrag hatte der Sohn später aber nicht gestellt.

Der weitere Grund, weshalb Dr. Kahn-Hut um einen höheren Freibetrag bat, war seine inzwischen eingetretene Erkrankung. Am 21. November hatte er – sicher nicht zuletzt wegen der mit dem Umzug verbundenen Aufregungen – einen Schlaganfall erlitten, der Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen der rechten Körperhälfte zur Folge hatte, wie der jüdische Arzt Eduard Laser am 22. November attestierte.[32] Der gewünschte Betrag wurde dann tatsächlich bewilligt.

Daniel Kahn-Hut
Daniel Kahn-Hut unterstützte die Familien seiner Brüder immer wieder mit finanziellen Zuwendungen
HHStAW 519/3 3648 (22)

Aber nicht nur für das Ehepaar Kahn-Hut wurde die Lage immer bedrückender. Die beiden hatten zumindest noch soviel finanzielle Mittel, um ihr Leben schlecht und recht fristen zu können. Wesentlich schlimmer stand es offensichtlich um die Familien der Brüder von Daniel Kahn-Hut. In einem Schreiben an die Devisenstelle im Sommer 1941 bat er darum, diesen jeweils monatlich 100 RM von seinem gesicherten Konto übertragen zu dürfen, „weil sie am Ende ihrer Mittel angelangt“ seien.[33]
Das Schreiben enthält noch eine weitere wichtige Nachricht. Wie auch das Ehepaar Rothschild waren Kahn-Huts im Sommer 1941 kurzerhand aus ihrem Zimmer vertrieben worden, um für ein halbes Jahr Platz für deutsche „Volksgenossen“ zu machen, die durch Luftkriegsschäden obdachlos geworden waren. Vom 12. Mai bis zum 20. Oktober wurden sie in der Mauergasse 10 untergebracht, dem Elternhaus von Hedwig Strauss und Paula Straus, beide geborene Rödelheimer.[34] Nicht bekannt ist, ob sie dort eingewiesen wurden oder sie sich selbst um diese Unterkunft hatten kümmern müssen. Daniel Kahn-Hut schrieb: „Ich wohne jetzt viel teurer, da möbliert mit Küchenbenutzung, Mauergasse 10.“ Das perfide war, dass sie nicht nur ihre Einrichtung im Kaiser-Friedrich-Ring den Deutschen hatten überlassen müssen, sondern auch für die Miete beider Wohnungen aufkommen mussten.
Im April 1942 sendete Dr. Kahn-Hut eine weitere Hiobsbotschaft an die Devisenstelle. Seine Frau litt inzwischen sehr unter einer Grüne-Star-Erkrankung und hatte sich zudem in diesem Monat bei einem Sturz den Oberschenkelhals gebrochen. Abgesehen von allen zusätzlichen Beeinträchtigungen bedeutete das auch zusätzliche Ausgaben. Den Freibetrag, der nach einer nochmaligen Vermögenserklärung neu festgesetzt wurde, belief sich für die restliche Zeit, die dem Ehepaar Kahn-Hut in Wiesbaden blieb, auf nun 450 RM im Monat.[35]

Todesfallanzeige aus Theresienstadt für Daniel Kahn-Hut
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Am 8. Oktober 1942 wurde die Akte mit dem obligaten Vermögenseinzug geschlossen. Es heißt in dieser Verfügung, dass die beiden zuletzt in der Friedrichstr. 33 wohnhaft gewesen seien. Ein solcher Umzug ist auf der Gestapokarteikarte nicht vermerkt. Vermutlich ging es dabei auch nur um wenige Tage, denn diese Adresse war die der nicht niedergebrannten orthodoxen Synagoge, die als Sammelquartier für die Deportation des 1. September 1942 diente. Dort hatten sich alle, die „evakuiert“ werden sollten, drei Tage zuvor, einem Shabbat, einfinden müssen, vielleicht einige sogar noch früher.[36] Dort wurden die letzten Formalitäten der Deportation erledigt, z.B. Heimeinkaufsverträge abgeschlossen, und die Betroffenen in einer Atmosphäre permanenter Erniedrigung auf das vorbereitet, was sie in Theresienstadt, dem Ziel des Transports, zu erwarten hatten. Endgültig wurde der Zug mit der Nummer ‚Da 509’ in Frankfurt zusammengestellt, wohin die etwa 350 Wiesbadener Jüdinnen und Juden zunächst gebracht wurden. Insgesamt 1100 Personen fasste der Transport, der am 2. September 1942 Theresienstadt erreichte.[37] Trotz ihres Alters und der schweren Erkrankungen, unter denen beide litten, konnte sich Daniel Kahn-Hut noch fast ein Jahr am Leben halten. Er starb laut einer im Konzentrationslager ausgestellten Todesfallanzeige am 26. Februar 1943.[38] Frieda Kahn-Hut wurde fünf Wochen nach dem Tod ihres Mannes auf einem weiteren Transport mit der Bezeichnung ‚Er-1160’ nach Auschwitz deportiert und am 16. Oktober 1944 ermordet.[39]

Als der Reichsfiskus nach ihrem Abtransport sich des verbliebenen Vermögens des Ehepaars bemächtige, blieb ihm ein Teil, von dem die Finanzbehörden nichts wussten, vorenthalten. Noch zu der Zeit, als die Familie in Gotha lebte, vielleicht unmittelbar nachdem die Nazis an die Macht kamen, hatte Dr. Kahn-Hut in der Schweiz zwei Konten eröffnet, auf die er insgesamt 13.000 RM eingezahlt hatte. Nach 1933 war nichts mehr auf dieses Konto geflossen, aber auch nichts abgehoben worden.[40] Vermutlich hatte er gehofft, später, bei dringendem Bedarf, vielleicht bei der Auswanderung, darauf zugreifen zu können. Irgendwann war es zu spät und das kleine Vermögen verschwand in den dunklen Kammern des Schweizer Bankgeheimnisses. Als solche Vermögen jüdischer Bürger, über die die Banken über Jahrzehnte ein Tuch des Schweigens gelegt hatten, in den 90er Jahren ruchbar wurden und die Schweizer Banken sich auf Druck der amerikanischen Regierung gezwungen sahen, ihr Geheimnis zu lüften und auch das Konto von Daniel Kahn-Hut gefunden wurde, stellte seine Enkelin Rachel einen Antrag auf Rückerstattung. Die 13.000 RM waren inzwischen zu der beträchtlichen Summe von 162.000 Sfr. angewachsen. Die Rückerstattung der gefundenen Vermögenswerte war eine finanzpolitisch, wie auch rechtlich höchst komplizierte Angelegenheit, die nur auf der Basis von Vergleichen befriedigend für alle Beteiligten abgeschlossen werden konnte.

Rachel Kahn-Hut
Rachel Kahn-Hut
https://chss.sfsu.edu/news-announce/memoriam-rachel-kahn-hut

Rachel Kahn-Hut erhielt im Jahr 2020 – so lange hatte es bis zur Auszahlung der Ansprüche gedauert – 65.000 Dollar.[41] Fast mit einem schlechten Gewissen – „There was a little bit of a feeling that this was benefiting from the Holocaust,“ sagte sie – nahm sie das Geld an, spendete aber einen großen Teil davon universitären Stiftungen der San Francisco State University, an der sie bis zu ihrer Emeritierung selbst zuletzt als Soziologin gelehrt hatte. Eine dieser Stiftungen ist ihrer Mutter Caroline Rosen gewidmet, die ihrer Tochter ganz sicher unter vielen eigenen Opfern eine solche Karriere ermöglicht hatte.

Caroline und Rachen Kahn-Hut
Volkszählung USA 1940 mit den beiden Familien Wishengrad und Kahn-Hut
https://www.ancestry.de/discoveryui-content/view/11405494:2442

Als Rachel Ende der 30er Jahre mit ihrer Mutter in den USA ankam, fanden sie, wie den Zensusunterlagen von 1940 zu entnehmen ist, eine Unterkunft bei der Familie der Schwester von Caroline Kahn-Hut. Anita Rosen war mit dem in den USA geborenen Max Wishengrad verheiratet, einem amerikanischen Staatsbürger, dessen Eltern aber ebenfalls aus Russland stammten. Das Paar lebte mit ihrem Sohn und den Neuankömmlingen damals in New York. Wann und wo Caroline Kahn-Hut verstarb und wann ihre Tochter an die Westküste zog, ist nicht bekannt.

Rachel Kahn-Hut im Kreise ihrer Mitschüler*innen 1955 an der Los Angeles High School
https://www.ancestry.de/discoveryui-content/view/797982105:1265?lang=de-DE

Rachel hatte als Erwachsene noch zwei Mal ihren Vater in Moskau besuchen können,[42] der – zu welchem Zeitpunkt ist nicht bekannt – im Zuge der Entstalinisierung wieder aus dem Gulag freigekommen war. 1972 verstarb er in der sowjetischen Hauptstadt. Seine Tochter, die sich zeitlebens für soziale Fragen und im Besonderen für die Frauenbewegung engagierte, verstarb schon bald nachdem ihr das Geld des ermordeten Großvaters überwiesen worden war, am 3. April 2020 in Oakland an Krebs.[43]

 

Auch einer Cousine von Edgar Kahn-Hut war es gelungen, dem Tod in einem der Konzentrationslager im Osten zu entkommen. Hilde Kahn-Hut war am 4. September 1920 in Mainz als Tochter von Daniels älterem Bruder Alphons geboren worden.[44]Alphons Kahn-Hut war derjenige der Söhne von Joseph und Friederike Kahn-Hut, der in Mainz geblieben war, während alle anderen ihre Geburtsstadt schon früh verlassen hatten. Anders als seine Tochter im Entschädigungsverfahren erinnerte, wurde er nicht 1872, sondern am 20. September 1873 geboren.[45] Nach seinem Schulabschluss, er verließ das Realgymnasium nach der zehnten Klasse, erhielt er eine Ausbildung als Kaufmann und gründete mit Berthold Abt 1901 die Firma ‚Abt & Kahn-Hut oHG.’, einen Großhandel für Polsterer- und Sattlereiartikel in der Mittleren Bleiche 9.[46] Beide waren zu dieser Zeit noch Junggesellen. Es konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, wann Alphons die 1885 in Hörstein im Kreis Aschaffenburg geborene Rosa Löwenthal, Tochter des Rabbi Joseph Matthias Löwenthal und seiner Frau Hannchen, geborene Katz, heiratete. Als sie am 11. November 1911 im Alter von nur 26 Jahren verstarb, ohne Kinder zur Welt gebracht zu haben, hinterließ sie Alphons Kahn-Hut als trauenden Ehemann.[47]

Inzwischen hatte sein Geschäftspartner Berthold Abt am 22. Juni 1904 seine Schwester Bertha, geboren am 22. März 1883,[48] geheiratet. Bertold Abt war der Sohn von Heinemann und Jettchen Abt, geborene Höchster,[49] die im der Gemeinde Angerod im Vogelsberg beheimatet waren, einem Ort, dessen Bevölkerung um das Jahr 1900 zu einem Viertel aus Juden bestand. In dieser Ehe wurde am 21. April 1905 die Tochter Marta / Meta geboren,[50] im Jahr 1908 eine weitere Tochter mit Namen Ilse [51] und zuletzt am 10. Juni 1915 der Sohn Heinz.[52]

Das Handelsunternehmen der beiden muss sehr erfolgreich gewesen sein, denn es besaß in dieser Branche eine Art Monopolsstellung für den gesamten südwestdeutschen Raum. Außerdem kam ihm zugute, dass es in einer Zeit des generellen wirtschaftlichen Aufschwungs gegründet worden war.[53] Mit seinem Einkommen unterstützte Alphons Kahn-Hut verschiedene gemeinnützige Vereine in Mainz und trug im Besonderen mit hohen freiwilligen Beiträgen zum jüdischen Gemeindeleben bei.[54] Für seine Familie erwarb er am 23. April 1923 ein großes Wohn- und Geschäftshaus in der Frauenlobstraße,[55] in dem dann im Parterre auch Büro und Lager des Großhandelsunternehmens untergebracht wurden.

Kahn-Hut Haus Mittlere Bleiche 9 Mainz
Der „Butterhof“ – das Haus von Alphons Kahn-Hut (Mittlere Bleiche 9) im Sommer 1944
Stadtarchiv Mainz BPSF 14779 A

Mehrerer Bürokräfte, oft auch mehrere Reisevertreter, dazu ein Lagerist und auch Lehrlinge kümmerten sich um die Wünsche der Kunden. Die insgesamt acht Wohnungen dort brachten Kahn-Huts zusätzliche Mieteinnahmen.[56]
Am 1. Mai 1913 hatte Alphons Kahn-Hut nach dem frühen Tod seiner ersten Frau in zweiter Ehe Emma Birnbaum aus Rotenburg an der Fulda geheiratet.[57] Die am 27. April 1889 geborene Tochter des Kaufmanns Joseph und Friedericke Birnbaum, geborene Bacharach, war sechzehn Jahre jünger als ihr verwitweter Ehemann.[58] Es dauerte weitere sieben Jahre bis dann in dieser Ehe ein Kind, die oben bereits erwähnte Tochter Hilde, am 4. September 1920 in Mainz geboren wurde.[59] Zu dieser Zeit lebten die Eltern in der Hindenburgstr. 21 in einer 4-Zimmer-Wohnung mit einer – so die Tochter später –  sehr elegant eingerichteten Wohnung: „Der ganze Lebensstil meiner Eltern war bis 1933-34 der einer in gutbürgerlichen Verhältnissen lebenden Familie.“[60] Das Einkommen bezifferte ein nach Palästina emigrierter Verwandter aus der Sichel-Familie, der die finanzielle Situation der Kahn-Huts vor 1933 privat wie auch geschäftlich gut einzuschätzen wusste, in einer eidesstattliche Erklärung auf etwa 12.000 RM im Jahr.[61] Mit diesen Geldmitteln konnte der einzigen Tochter problemlos eine angemessene Ausbildung finanziert werden. Hilde besuchte nach der Grundschule noch von 1931 bis 1934 die Höhere Mädchenschule in Mainz, musste aber dann zwangsweise auf die Jüdische Bezirksschule wechseln.[62] Am 16. April 1937 hatte ihr Vater eine steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Schülerin „behufs Auswanderung meiner Tochter Hilde, geb. am 4. Sept. 1920, nach Palästina“ beantragt, die auch gewährt wurde.[63] Als 17jährige verließ sie Deutschland per Schiff von Triest aus: „Ich habe im Alter von 12-16 Jahren unter dem Regime des Dritten Reiches gelebt, bis Anfang 1937. Ich konnte dann mit einem Jugend Zertifikat nach Palästina auswandern, einem Pionierland damals. In der Generation meiner Eltern fanden nur zwei von neun Familienzweigen (Geschwister der Eltern) eine Möglichkeit zur Auswanderung“, schrieb sie sie anlässlich eines Besuchs in Mainz im Rahmen der ersten, 1991 organisierten Begegnungswoche Mainzer Juden.[64] Auf die Auswanderung hatte sie sich zuvor in einem Lager in der Nähe von Frankfurt / Oder, in dem die Jugendlichen mit der Härte landwirtschaftlicher Arbeit konfrontiert wurden, vorbereitet. Eine solche Tätigkeit erwartete sie dann auch in einem Kibbuz, wo sie in der Nähe von Haifa die erste Zeit in Palästina verbrachte.[65]

Kahn-Hut , Abt
Briefkopf der Firma ‚Abt & Kahn-Hut‘
HHStAW 676 8068

Die wirtschaftlichen Verhältnisse für jüdische Geschäfte, so auch für das ihrer Eltern, hatten sich unter der NS-Diktatur inzwischen grundlegend verändert. Unabhängig davon war lange zuvor im Jahr 1919 der Kompagnon Berthold Abt 1919 verstorben und zunächst seine Frau Bertha, die Schwester von Alphons Kahn-Hut, an seine Stelle getreten. 1924 übernahm er dann alleine das Geschäft, das von da an nicht mehr als Personengesellschaft, sondern als Einzelunternehmen geführt wurde. Seine Frau Emma trat als Prokuristin nun ebenfalls in die Firma ein.[66]

Aber auch das konnte die negative Entwicklung des Unternehmens, die spätestens mit dem Ende der zwanziger Jahre einsetzte, nicht aufhalten. Entsprechend veränderte sich auch die finanzielle Situation des Ehepaars. Ihre Jahreseinkommen waren seit den dreißiger Jahren – erst ab 1935 liegen Daten vor – deutlich zurückgegangen. 1935 wurde dem Finanzamt nur noch ein Einkommen von 406 RM, 1936 von 663 RM gemeldet. 1937 betrug es dann noch einmal 1.141 RM, im folgenden Jahr 1938 aber nur noch 45 RM.[67]

Grundstücksverkauf Kahn-Hut
Mitteilung an das Finanzamt Mainz über den Verkauf des Hauses Mittlere Bleiche 9
HHStAW 676 8068 (37)

Das Haus, dessen Mieteinnahmen in den letzten Jahren erheblich zum Lebensunterhalt beigetragen hatten, war bereits Ende September 1936 für 35.000 Goldmark veräußert worden. Kahn-Huts durften aber bis zum 1. April 1937 noch in der Wohnung bleiben und auch die Geschäfts- und Lagerräume im Parterre blieben ihnen laut Kaufvertrag gegen eine Mietzahlung von 50 RM monatlich bis zu diesem Termin noch erhalten.[68] Offensichtlich existierte die Firma, die zuletzt an den Bonifatiusplatz verlegt worden war, aber noch über diesen Termin hinaus, denn die Löschung im Handelsregister war erst am 30. August 1938 im Rahmen der letzten großen Arisierungswelle und wenige Wochen vor der Reichspogromnacht vollzogen worden.[69] Seinen Lagerbestand habe er billig und zum Teil unter Wert verkaufen müssen, schrieb er dem Finanzamt in einer Bitte um Stornierung der Einkommensteuervorauszahlung.

Nicht völlig geklärt werden konnte, was mit der Einnahme aus dem Hausverkauf geschah. Etwa ein Drittel davon stand Bertha Abt zu, auf deren Namen eine Hypothek über 14.000 RM im Grundbuch eingetragen war und die von der Erwerberin zum Teil übernommen bzw. getilgt wurde. Rund 20.000 RM mussten aber damals am 1. Oktober 1936 an Alphons Kahn-Hut ausgezahlt worden sein. Vermutlich floss ein großer Teil davon in den überschuldeten Betrieb, der in der Bilanz von 1935 einen Verlust von 25.000 RM aufwies.[70]

Alphons und Emma Kahn-Hut gingen für kurze Zeit in Frankfurt getrennte Wege
HHStAW 676 8068 (70)

Nach dem Verkauf des Warenlagers gab Alphons Kahn-Hut im Oktober 1938 an, noch etwa 7.000 RM zu besitzen. Diesen Vermögenswert habe er nach der Auflösung des Betriebes und seines Haushalts zwischen seiner Frau und ihm aufgeteilt. Ihm selbst seien 4.000 RM geblieben, seiner Frau habe er 3.000 RM „zur selbständigen Verfügung überlassen“.[71] Das Paar hatte sich, so ist dem Schreiben an das Finanzamt zu entnehmen, nach fast dreißig Ehejahren und in einer sehr schwierigen Zeit, offenbar aber einvernehmlich getrennt. Beide waren 1938 nach Frankfurt gezogen, allerdings in verschiedene Wohnungen. Emma Kahn-Hut wohnte in der Liebigstr. 23b bei Löb, während er in der Eppsteiner Str. 35 bei Speier eine Unterkunft gefunden hatte.[72] Ihre Tochter Hilde gab im späteren Entschädigungsverfahren an, dass ihre Eltern in Frankfurt bei Verwandten untergekommen seien, nannte aber keine Namen, erwähnte auch die Trennung nicht.[73] Möglicherweise hatte sie in Palästina davon aber auch nichts erfahren.

Seine Frau wolle, so gab Alphons Kahn-Hut an, mit hauswirtschaftlichen Arbeiten eigenes Geld verdienen. Sollte dies gelungen sein, so waren die Verdienste wohl eher gering. Im Wesentlichen lebten beide von der Substanz des Kapitals, das ihnen verblieben war. Die Zinserträge gab Alphons Kahn-Hut im letzten Vierteljahr 1938 für beide zusammen mit 30,45 RM an, ein Betrag, der kaum für eine Woche reichen konnte.[74] Da das gemeinsame Vermögen – sie waren offiziell nicht geschieden – inzwischen auf weniger als 10.000 RM zusammengeschmolzen war, wurden sie nach der Reichspogromnacht auch nicht zur Judenvermögensabgabe herangezogen.

Später lebte das Paar dann wieder gemeinsam in einer Wohnung in der Friedberger Anlage 13 II, wie ihrer Devisenakte zu entnehmen ist. Zumindest gab Alphons Kahn-Hut im Dezember 1940 in einer Vermögenserklärung an, dass er über ein Vermögen von etwa 2.800 RM verfüge und einen monatlichen Bedarf für einen Zwei-Personenhaushalt von 300 RM habe. Das Formular ist von ihm wie auch von Emma Kahn-Hut unterschrieben.[75]

Obwohl sie über fast keine Mittel mehr verfügten, zwang die Devisenstelle sie dazu, ein gesichertes Konto anzulegen, was Ende Dezember auch geschah. Ihr monatlicher Freibetrag, von 300 RM entsprach ihrem angegebenen Bedarf und auch dem üblicherweise gewährten. Ob sie tatsächlich soviel ausgeben konnten, ist unwahrscheinlich, denn ihr Jahreseinkommen bezifferten sie auf nur 500 RM, und selbst da fragt man sich, wo das Geld, ohne eine Anstellung und ohne größere Zinseinnahmen, hergekommen sein soll.[76]

Auch Lina Birnbaum unterstütze ihre Schwester Emma Kahn-Hut mit Geldbeträgen
HHStAW 519/3 8478 (7)

Unterstützt wurden sie von Lina Birnbaum, der ledigen Schwester von Emma Kahn-Hut, geborene Birnbaum, die ebenfalls in Frankfurt wohnte. Auch für sie war eine Sicherungsanordnung erlassen worden, obwohl auch sie nur über ein Vermögen von weniger als 2.000 RM verfügte. Allerdings gab sie in ihrer Vermögenserklärung vom März 1940 an, ein Jahreseinkommen von 3.500 RM zu haben. Woher diese außergewöhnlich hohen Bezüge stammen könnten, sollte es sich nicht um eine fehlerhafte Angabe handeln, ist völlig unklar.[77] Wie dem auch sei, im September 1940 bat sie die Devisenstelle darum, ihren Freibetrag von 200 RM um 30 RM zu erhöhen, da sie ihre Schwester Emma unterstützen müsse, „weil sie krank und infolgedessen arbeitsunfähig sei“.[78] Ihr Freibetrag wurde daraufhin sogar auf 250 RM angehoben und die Schwester kam offensichtlich auch in den Genuss des Geldes, denn die Devisenakte von Alphons Kahn-Hut enthält ein Formularschreiben, in dem er der Schwägerin mitteilte, dass er zukünftig Geld nur noch über sein gesichertes Konto in Empfang nehmen dürfe.[79]

Uhlandstr. 54 in Frankfurt

Am 29. September 1941 meldete Alphons Kahn-Hut der Devisenstelle – es ist das letzte Aktenstück, das seine Unterschrift trägt – den Umzug in die Uhlandstr. 54 II bei Neuberger.[80] Unter dieser Adresse waren viele Juden in den letzten Jahren und Monaten vor den Deportationen in Frankfurt gemeldet und man muss davon ausgehen, dass das Haus die Funktion eines Judenhauses einnahm. So berichtete Peter Cahn, ein Überlebender, bei der Eröffnung der Ausstellung „Von der Großmarkthalle in den Tod“ im Jahr 2005, wie seine „Familie aus ihrer Westendwohnung vertrieben wurde und mit immer kleineren Domizilen vorliebnehmen mußte, zuletzt in der Uhlandstr. 54 in einer Sechszimmerwohnung, in der drei Familien, alle ‚Mischehen’ wohnten“.[81] Man muss davon ausgehen, dass auch das Ehepaar Kahn-Hut unter ähnlichen Bedingungen die letzten Wochen in diesem Haus in Frankfurt verbringen musste.

Alphons Kahn-Hut teilt der Devisenstelle den Umzug in die Uhlandstr. 5 mit
HHStAW 519/3 4006 (11)

Von der Uhlandstraße über die Großmarkthalle in den Tod war auch der Weg, den Alphons und Emma Kahn-Hut zu beschreiten hatten. Monica Kingreen hat unter Bezugnahme auf damalige Zeugenaussagen und Dokumente der Gestapo genau beschrieben, was sich am Morgen des 19. Oktober 1941 bei dem ersten großen Transport aus Frankfurt ereignete:[82] Wie die SA und einfache Parteigenossen früh am Sonntagmorgen die Wohnungen der Juden stürmte, sie in kürzester Zeit ihre Koffer packen und das Haus mit ihrer gesamten Habe der Gestapo zu übergeben hatten, wie sie anschließend in der Großmarkthalle fließbandartig für den Transport abgefertigt wurden, am nächsten Morgen den Zug besteigen mussten, der die etwa 1100 Jüdinnen und Juden nach Lodz, das Ghetto Litzmannstadt, im besetzten Polen brachte. Alphons Kahn-Hut kam dort nach nur acht Wochen am 26. Dezember 1941 ums Leben. Wann seine Frau dort durch die Umstände oder durch unmittelbare Gewalt ermordet wurde, ist nicht bekannt.

Ihre Tochter Hilde gab im Entschädigungsverfahren an, dass sie mit ihren Eltern bis zum 23. August 1941 in brieflichem Kontakt gestanden habe.[83] Ihr war es aber nicht möglich, auch aus Geldmangel, von Palästina aus, ihre Eltern zu retten. Verheiratet war sie dort später mit einem deutschen Emigranten. Die Ehe scheiterte jedoch und ihr Mann wanderte nach Kanada aus.[84] Bei Eröffnung des Entschädigungsverfahrens im Jahr 1956 trug sie allerdings noch seinen Nachnamen ‚Gerson’ und ihren Familienstand gab sie damals mit verheiratet an. Nach der Trennung wohnte sie in Haifa und als Berufsbezeichnung ist in dem Formular „Büroangestellte“ eingetragen.[85] Ihren Vornamen hatte sie ebenfalls inzwischen abgelegt und statt Hilde den Namen Noomi angenommen. Durch eine erneute Heirat im Jahr 1960 mit einem Unternehmer aus der Werbebranche war aus Hilde Kahn-Hut dann Noomi Goldschmidt geworden. Nach dem Tod ihres zweiten Ehemannes führte sie das Unternehmen alleine weiter. Nur wenige Monate, nachdem sie bei der ersten Begegnungswoche vertriebener Mainzer Jüdinnen und Juden im Herbst 1991 teilgenommen hatte, verstarb sie im Februar 1992 in Israel.[86]

 

So wenig wie ihren Eltern war es ihrer Tante Bertha Abt und ihrer Cousine Meta / Marta noch möglich, sich in Sicherheit zu bringen. Beide waren früher einmal Schülerinnen der Schule gewesen, an der ihr Vater bzw. Großvater einmal Lehrer gewesen war: der Bondi Schule. Es ist nicht bekannt, ob Bertha während der Zeit, in der sie als Mitinhaberin fungierte, auch in der Firma der Familie mitgearbeitet hatte, sicher aber zielte die Ausbildung ihrer Tochter Meta als Kontoristin, sprich: Buchhalterin, darauf ab, nach dem Tod des Vaters einmal seine Stellung einnehmen zu können. Beim Machtantritt der Nazis war sie bereits älter als 30 Jahre und sicher schon berufstätig, sofern sie in diesen Krisenjahren überhaupt noch eine Arbeit gefunden hatte.

Bertha Strauss Abt Identitätskarte
Identitätskarte für Berta Abt, geb. Strauss, ausgestellt in Mainz
https://zentralarchiv-juden.de/fileadmin/user_upload/bis2016dateien/B_5.1_Abt_IV_0239.pdf

Über die Lebensumstände von Mutter und Tochter in der Zeit der Verfolgung liegen nur wenige Informationen vor. Am 3. Januar 1939 war Berta Abt noch eine Identitätskarte ausgestellt worden. Eine Anschrift ist darauf allerdings nicht vermerkt. Vor ihrer Deportation waren beide noch zwangsweise in das Judenhaus Walpodenstr. 17 einquartiert worden.[87]

Bertha und Meta Abt
Bertha und Meta Abt auf der Deportationsliste vom 20. 3. 1942
https://collections-server.arolsen-archives.org/G/SIMS/01020101/0011/121870764/001.jpg

Mit den Nummern 544 und 545 sind die Namen von Mutter und Tochter auf der Deportationsliste vom 25. März 1942 eingetragen. 90 Jüdinnen und Juden des insgesamt etwa 1000 Menschen umfassenden Transports kamen aus Mainz, die übrigen aus dem Umland und aus der Umgebung von Darmstadt. Dort war der Transport endgültig zusammengestellt worden und von dort nahm er seine Fahrt nach Trawniki auf, der Bahnstation, von der die Opfer in das etwa 10 km entfernte Ghetto Piaski laufen mussten. Es ist nicht bekannt, wie lange Bertha und Meta dort überleben konnten. Wer das Elend dort überstand, den brachten die verschieden Transporte, die von Juni 1942 an bis in den Februar des folgenden Jahres von Piaski nach Sobibor fuhren, in die dortigen Gaskammern.[88]

Für die beiden anderen Kinder, Ilse und Heinz, wurde, wenn auch über Umwege, Palästina bzw. Israel zur rettenden Heimat. Von Ilse, die ebenfalls Bondi-Schülerin war, ist nur bekannt, dass sie Deutschland mit ihrem Mann, dem 1902 in Leipzig geborenen Oskar Zambora in den dreißiger Jahren verlassen konnte. Zu Beginn der 90er Jahre soll sie noch in einem Altersheim in Jerusalem gelebt haben.[89]

Etwas mehr weiß man über den Bruder Heinz. Nach elf Schuljahren machte er seinen Abschluss am Realgymnasium in Mainz, drei weitere Jahre absolvierte er danach an einer Wirtschaftsschule. Seine Berufstätigkeit als Angestellter in einer Firma musste er schon nach einem halben Jahr aufgeben, da das Unternehmen den Arisierungsmaßnahmen des inzwischen an die Macht gekommenen NS-Staats zum Opfer fiel. Am 1. Dezember 1935 ging er für etwa eineinhalb Jahre nach Augsburg. Ob er dort eine berufliche Tätigkeit ausübte, ist nicht bekannt, vermutlich hatte er in Augsburg aber verstärkt Kontakt mit der zionistischen Bewegung aufgenommen, die wesentlich sein zukünftiges Leben bestimmen sollte. Zunächst begegnete er hier seiner späteren Frau Johanna / Hanni Schlesinger, die am 20. April 1915 in Mönchen Gladbach geboren wurde und ein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen hatte.[90]

Am 1 August 1936 gingen sie zusammen nach Nürnberg, wo sie heirateten und bis Januar 1937 die Führung für die Hachschara-Bewegung in Bayern übernahmen. In ganz Deutschland gab es solche Kollektive, oft auf landwirtschaftlichen Gütern, die von der zionistisch geprägten jüdischen Jugendbewegung eingerichtet worden waren, um auswanderungswillige Jugendliche auf ihre Alija, die Siedlung in Palästina, vorzubereiten. Neben dem Erlernen praktischer Tätigkeiten besonders im landwirtschaftlichen Bereich, der für die zumeist bürgerlichen Mädchen und Jungen wenig vertraut war, sollten sie gerade auch in ihrer jüdischen Identität gestärkt werden. Es ging darum, Hebräisch zu lernen und mehr über die jüdische Kultur zu erfahren, sich also das Wissen anzueignen, das gerade in vielen der assimilierten jüdischen Familien verschütt gegangen war. Die Organisation dieser Bewegung ging aber weit über Deutschland hinaus, besonders in Nordeuropa gab es eine Vielzahl von ähnlichen Kollektiven, die durch eine gemeinsame, übergeordnete Organisation miteinander verbunden war und in der deutsche Emigranten eine wesentliche Rolle spielten.
Heinz Abt übernahm im Sommer 1937 zunächst eine Hachschara Gruppe in Hindenburg in Schlesien[91] Der weitere Weg des Paares ist nicht mehr genau rekonstruierbar, aber bevor sie beide kurz vor Kriegsausbruch nach Schweden flüchteten, arbeiteten sie noch in weiteren Hachschara Kollektiven in Deutschland.[92] In Schweden wurden sie in das Kollektiv in Svartingstorp aufgenommen, wo sie für die kulturelle Ausbildung zuständig waren. Svartingstorp war ein Kibbutz in Schonen, das erste 1936 gegründete in Schweden überhaupt, das allerdings von einem aktiven Antizionisten gekauft und finanziert wurde.[93] Dem Stifter Eli Heckscher ging es darum, jungen jüdischen Flüchtlingen völlig unabhängig ihrer Weltanschauung zu helfen und sie auf ein eigenständiges Leben in Palästina vorzubereiten. Konflikte mit der Hechaluz-Organisation, aber auch unter den Jugendlichen selbst, waren damit unausweichlich und Svartingstorb wurde im Februar 1940 aufgegeben. Das Ehepaar Abt übernahm daraufhin ein eigenes Kollektiv, war aber darüber hinaus im Sekretariat der Hechaluz Schweden für die kulturellen Aufgaben zuständig.[94]

Geburtseintrag für Joel Jehuda Abt in Schweden
https://www.ancestry.de/discoveryui-content/view/57884047:2262?tid=&pid=&queryId=f08f6e066f1f22edc80d0e78df08c3c3&_phsrc=Ekt5588&_phstart=successSource

Bis 1947 blieben sie in Schweden, wo ihre beiden Kinder Miriam und Joel Jehuda geboren worden, Miriam am 11. März 1942 bei Helsingborg,[95] Joel am 18. August 1945 in Malmö.[96] Erst zwei Jahre nach dem Ende des Krieges und der Niederlage des faschistischen Regimes in Deutschland gingen sie über Belgien selbst in das Land, auf das sie zuvor viele Jugendliche in Schweden vorbereitet hatten. Zuletzt lebten sie in Israel im Kibbuz Dafna, wo Heinz Abt vermutlich am 5. September 1992, seine Frau am 27. Januar 1999 verstarben.[97]

 

Die beiden ältesten Brüder von Daniel Kahn-Hut, Bertram und Marcus, hatten schon früh ihre Heimatstadt Mainz verlassen und waren als Kaufleute nach Wien gegangen, wo sie im Zentrum unweit des Stephandoms im Eckhaus Frankgasse 5 / Garnisongasse 3, in dem sie beide wohnten, gemeinsam ein Geschäft für Tapezierer-Bedarfsartikel betrieben.[98]

Die Firmen- und Privatadresse der Gebrüder Kahn-Hut im Wiener Adressbuch von 1930
Briefumschlag der Brüder Kahn-Hut aus Wien

Laut Frenzel hatten sie beide die österreichische Staatsbürgerschaft erworben, was ihnen aber spätestens nach dem „Anschluss“ von keinem Nutzen mehr war. Während Marcus Kahn-Hut bereits 1938 wohl eines natürlichen Todes verstarb und auf dem Zentralfriedhof in Wien begraben liegt,[99] wurde sein Bruder Bertram mit seiner Frau im Holocaust ermordet. Gutta Heinemann, wie Bertrams Frau mit Mädchenname hieß, war am 18. August 1876 in Fürth, wo 1901 auch die Hochzeit stattgefunden hatte, geboren worden.
Am 8. November 1905 gebar sie Ilse, ihr einziges Kind.[100] Noch in den Krisenjahren der Republik heiratete Ilse am 27. Oktober 1927 in Wien Fritz Lion, der am 25. Dezember 1897 in der österreichischen Hauptstadt zur Welt gekommen war.[101] Das Geschäft mit den Tapezierwaren, das sicher einmal eine einträgliche und sichere wirtschaftliche Basis für die gesamte Familie dargestellt hatte, war vermutlich bald nach der Vereinnahmung Österreichs liquidiert oder arisiert worden. Den Eltern ging es zumindest in den folgenden Jahren finanziell sehr schlecht, weshalb sie, wie oben bereits erwähnt, auf die monatlichen Zuwendungen von Daniel Kahn-Hut angewiesen waren.

Einbürgerungsantrag in die USA von Ilse Lion, geb. Kahn-Hut
Einbürgerungsantrag in die USA von Ilse Lion, geb. Kahn-Hut
https://www.ancestry.de/discoveryui-content/view/3714654:3998?tid=&pid=&queryId=0a70fd3f0a9fb2846c77fb8c8f65aa26&_phsrc=Ekt5602&_phstart=successSource

Aber nicht nur aus Wiesbaden kam Geld, sondern in diesen letzten Monaten vor dem Kriegseintritt der Amerikaner möglicherweise auch aus den USA, wohin Ilse mit ihrem Mann inzwischen ausgewandert war. Wann sie das „Großdeutsche Reich“ verlassen hatten, ist nicht bekannt, aber sie hielten sich wahrscheinlich zunächst eine gewisse Zeit in Frankreich auf, wo ein Cousin von Fritz Lion lebte. Bei der Einreise in die USA gaben sie an, zuletzt im westlich von Lyon gelegenen Néris-les-Bains im Inneren Frankreichs verbracht zu haben.[102] Über die Dauer ihres dortigen Aufenthalts liegen aber keine Informationen vor. Im Februar 1940 lief dann ihr Schiff ‚De Grass’ in Le Harve Richtung New York aus. Dort am 26. Februar angekommen ging die Reise weiter auf die andere Seite des Kontinents, wo in San Francisco Onkel und Tante von Fritz Lion auf sie warteten.[103]
Schon im April des gleichen Jahres beantragten sie, Bürger der Vereinigten Staaten werden zu dürfen, was ihnen auch gewährt wurde. Zwar werden keine Summen genannt, aber ein erhaltenes Dokument bezeugt, dass Fritz Lion seinen Schwiegereltern Geld aus Amerika zu übertragen versuchte. Ob sie es erhielten, ist allerdings nicht bekannt.

Deportation Bertram und Gutta Kahn-HutWien
Bertram und Gutta Kahn-Hut werden von Wien nach Kowno deportiert
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/130501146?s=Betram%20Kahn-Hut&t=532970&p=1

Im November 1941 gingen vier große Transporte mit jeweils etwa 1000 Jüdinnen und Juden innerhalb von wenigen Tagen aus vier unterschiedlichen Städten, aus Berlin, München, Frankfurt und Wien, nach Kowno / Kauen in Litauen. Diesen letzten Zug mussten auch Bertram und Gutta Kahn-Hut besteigen, nachdem sie sich mehrere Tage zuvor bereits in der Sammelstelle in der Sperlgasse hatten einfinden müssen.[104] Eigentlich war als Ziel des Zuges, der am 23. November den Wiener Aspangbahnhof verließ, ursprünglich Riga angegeben, er wurde aber dann an den neuen Zielort umgeleitet, den er am 26. erreichte. Unmittelbar nach ihrer Ankunft wurden die Insassen im Fort IX erschossen.[105]

 

 

 

Veröffentlicht: 21. 04. 2022

 

 

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Anmerkungen:

[1] Zum Ehepaar Daniel und Friederike Kahn-Hut liegt bereits ein kurz gefasstes Erinnerungsblatt des Aktiven Museums Spiegelgasse vor und ein etwas ausführlicherer Artikel von Reinhard Frenzel, Familien Kahn-Hut und Abt, in: Der Neue Jüdische Friedhof in Mainz, Sonderheft der Mainzer Geschichtsblätter, Mainz 2013, S. 143-147 vor.

[2] Heiratsregister Mainz 96 / 1866.

[3] Frenzel, Kahn-Hut und Abt, S. 143.

[4] Heiratsregister Mainz 96 / 1866.

[5] Bei den folgenden Angaben war Schlüchtern der Geburts- bzw. Sterbeort, wenn keine andere Angabe gemacht wird. Auf Friederike folgten Marcus, geboren am 21.8.1843, gestorben am 24.4.1911, Betty, geboren 4.12.1846, gestorben am 26.12.1846 in Memmingen, Leopold, geboren am 13.5.1849, gestorben 30.4.1907,  Regina, 12.10.1852, gestorben ?, und Adolph, geboren 25.8.1857, gestorben 21.1.1936 in Kassel. Siehe https://www.ancestry.de/family-tree/tree/75317093/family/familyview?cfpid=36457095834&fpid=36457095834&usePUBJs=true. (Zugriff: 15.4.2022).

[6] In der Heiratsurkunde ist diese Altersangabe gemacht, laut https://www.ancestry.de/family-tree/person/tree/75317093/person/36401095559/facts (Zugriff: 15.4.2022) war er jedoch am 18.6.1817 in Schlüchtern geboren worden und am 22.9.1872 auch dort verstorben.

[7] Babette Klingenstein war 1818 in Zündersbach im heutigen Main-Kinzig-Kreis geboren worden. Ebd.

[8] „Unsere Gemeinde hat durch einen plötzlichen Tod eines ihrer achtbarsten Mitglieder verloren. Der Kaufmann Abraham Sichel ist nicht mehr unter den lebenden. Wie tief die Trauer um den Hingeschiedenen in allen Kreisen empfunden, bekundete sich bei dem Leichenbegängnisse, welchen sich nicht allein die hiesige israelitische Gemeinde und auch viele Glaubensgenossen aus den umliegenden Ortschaften, sondern auch viele der angesehensten christlichen Mitbürger und Vertreter der Behörden beteiligten. Am Grabe hob Herr Kreisrabbiner Schwarzschild – sein Licht leuchte – die Verdienste dieses reinen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes, der von Jedermann geschätzt und geachtet war, in tief ergreifenden Worten hervor. Der Verlebte verdiente aber auch diese Anerkennung durch seinen höchst ehrenhaften, biederen Charakter, seine strenge Rechtlichkeit im geschäftlichen Verkehre, verbunden mit echter, wahrhafter Frömmigkeit. Herr Abraham Sichel war länger als 30 Jahre Rechnungsführer der hiesigen israelitischen Gemeinde; seine Kinder erzog er in echt jüdischem Sinne und war namentlich bedacht, seine Töchter an wahrhaft fromme Männer zu verheiraten, was in unserer materiellen Zeit nicht genug angeschlagen werden kann. Die ganze Umgegend verliert in dem Verlebten einen zuverlässigen Ratgeber; es gehörte nicht zu den Seltenheiten, dass selbst Juristen in schwierigen Fällen bei dem erfahrenen und biederen Kaufmann sich Rat holten. In allen Gesellschaftskreisen hatte der brave, ehrenhafte Manne Freunde und Verehrer, selbst Geistliche anderer Konfessionen standen in intimen Freundschaftsbeziehungen zu dem streng religiösen Jehudi. Ich habe schlichte Bauern gesehen, die bittere Tränen um unseren Glaubensgenossen weinten. Mögen seine Kinder einen Trost finden in der allgemeinen Teilnahme, die ein wahrhafter Kiddusch Haschem (Heiligung des Namens Gottes) genannt zu werden verdient. Mögen sie das Leben und Wirken ihres gottesfürchtigen Vaters stets zum Vorbild nehmen, und möge es uns und allen Lesern des ‚Israelit‘ in dem neuen Jahre vergönnt sein, nur erfreuliche Nachricht zu vernehmen.“ http://www.alemannia-judaica.de/schluechtern_texte.htm#Zum%20Tod%20des%20Kaufmanns%20Abraham%20Sichel,%2030%20Jahre%20Rechnungspr%C3%BCfer%20der%20Gemeinde%20(1872). (Zugriff: 15.4.2022). Dass der Kreisrabbiner Schwarzschild die Trauerrede hielt, ist insofern interessant, als die Ehefrau von Abraham Kahn-Hut eine geborene Schwarzschild war. Es gab also möglicherweise schon seit längerer Zeit Verbindungen zwischen Gemmingen und dem nordhessischen Raum.

[9] Sterberegister Mainz 860 / 1872. Geboren worden war er am 16.6.1872, Geburtsregister Mainz 1051 / 1871.

[10] Geburtsregister Mainz 563 / 1875.

[11] Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums (GV) 1700-1910, München 1983, S. 263.

[12] Heiratsregister Darmstadt 53 / 1905.

[13] Zur Familie Kleeberg siehe oben.

[14] HHStAW 518 30796 (1).

[15] Ebd. (22).

[16] Ebd. (42).

[17] Ebd. (22).

[18] https://sociology.sfsu.edu/content/memoriam-prof-rachel-kahn-hut-432020

[19] HHStAW 518 30796 (22). Möglicher Anlass für das Treffen war vielleicht die notarielle Errichtung des gemeinsamen Testaments der Eltern am 3.8.1936, in dem sie gegenseitig als Vor, den gemeinsamen Sohn als Nacherben einsetzten, ebd. (14-17).

[20] HHStAW 519/3 3648 (4).

[21] HHStAW 518 30796 (14-17).

[22] https://www.ancestry.de/discoveryui-content/view/11405489:2442. (Zugriff: 15.4.2022). Auf dem Formular ist aber auch unter Vermerken „Russen“ notiert. Es könnte sein, dass Caroline Rosen ursprünglich in Polen geboren worden war, ihr Heimatort nach der Zerschlagung Polens durch den Hitler Stalin Pakt dann auf russischem Gebiet lag.

[23] https://oakland.chapelofthechimes.com/obituaries/Rachel-Kahn-Hut/#!/Obituary. (Zugriff: 15.4.2022).

[24] HHStAW 518 30796 (27, 42).

[25] HHStAW 519/3 3648 (4).

[26] Ebd. (12).

[27] Ebd. (16).

[28] HHStAW 518 30796 (44-46).

[29] HHStAW 519/3 3648 (17).

[30] Ebd. (19).

[31] Unbekannte Liste X 1. Auf dieser Etage wohnten laut dieser Liste außer Kahn-Huts, die Ehepaare Rabinowicz, Bonné, und Kleeberg.

[32] Ebd. (20).

[33] Ebd. (23).

[34] Hedwig Strauss war mit ihrem Mann Sebald Strauss Eigentümer des Judenhauses Bahnhofstr. 46.

[35] HHStAW 519/3 3648 (26).

[36] Die Eheleute Hirschkind, die ebenfalls mit diesem Transport am 1.9.1942 deportiert wurden, hatten einen Heimeinkaufsvertrag schon am 26.8.1942 unterschrieben.

[37] Siehe zu diesem Transport Gottwaldt / Schulle, Judendeportationen, S. 317 f.

[38] https://ca.jewishmuseum.cz/media/zmarch/images/4/5/5/70426_ca_object_representations_media_45592_large.jpg. (Zugriff: 15.4.2022).

[39] https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/45648-frieda-kahn-hut/. (Zugriff: 15.4.2022), dazu HHStAW 518 18008 (47).

[40] https://crt-ii.org/_awards/_apdfs/Kahn-Hut_Daniel2.pdf. (Zugriff: 15.4.2022).

[41] https://sociology.sfsu.edu/content/memoriam-prof-rachel-kahn-hut-432020. (Zugriff: 15.4.2022).

[42] Frenzel, Kahn-Hut und Abt, S. 145.

[43] https://chss.sfsu.edu/news-announce/memoriam-rachel-kahn-hut. (Zugriff: 15.4.2022).

[44] HHStAW 518 30799 (1).

[45] Geburtsregister Mainz 1571 / 1873, dazu HHStAW 518 30799 (3).

[46]HHStAW 518 30799 (70), dazu Frenzel, Kahn-Hut und Abt, S. 145.

[47] Sterberegister Mainz 1306 / 1911.

[48] Geburtsregister Mainz 480 / 1883.Berthold Abt war am 31.10.1874  geboren worden.

[49] Heiratsregister Mainz 366 / 1904.

[50] https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=11456281&ind=1. (Zugriff: 15.4.2022).

[51] Frenzel, Kahn-Hut und Abt, S. 145.

[52] Glück, u.a., Hachschara, S. 128.

[53] HHStAW 518 30799 (6, 70).

[54] Ebd. (70).

[55] HHStAW 676 8068 (28). Seine Schwester Bertha hatte ein Darlehen dafür gewährt, die als Hypothek in der Höhe von 14.000 RM im Grundbuch eingetragen worden war.

[56] HHStAW 518 30799 (26).

[57] Die Datumsangabe der Eheschließung beruht auf seiner eigenen Angabe in seinen Steuererklärungen, siehe HHStAW 676 8068 (82), seine Tochter Hilde gab das Jahr der Eheschließung eher vage, vermutlich auch falsch mit dem Jahr 1912 an, siehe HHStAW 518 30799 (26).

[58] Geburtsregister Rotenburg 55 / 1889. Eigenartigerweise gibt die Tochter Hilde auch das Geburtsjahr ihrer Mutter im Entschädigungsverfahren statt mit 1889 falsch mit dem Jahr 1887 an und als Geburtsort nennt sie Rotenburg am Main statt an der Fulda, siehe HHStAW 518 30799 (26).

[59] HHStAW 518 30801 (1)

[60] HHStAW 518 30799 (3).

[61] Ebd. (6). Die Entschädigungsbehörde bewertete die Angabe allerdings als „stark übersetzt“, ebd. (57).

[62] Ebd. (6), dazu Frenzel, Kahn-Hut und Abt, S. 144.

[63] HHStAW 676 8068 (55, 56).

[64] Hartwig-Thürmer, Rückkehr auf Zeit, S. 128.

[65] Blick auf die Mainzer Frauengeschichte, S. 36 f.

[66] Frenzel, Kahn-Hut und Abt, S. 145.

[67] HHStAW 518 30799 (54).

[68] HHStAW 676 8068 (27-35). Der Einheitswert des Hauses war 1935 mit 32.500 RM taxiert worden, ebd. (35).

[69] Ebd. (77), auch HHStAW 518 30799 (57), dazu Frenzel, Kahn-Hut und Abt, S. 145. Es ist nicht bekannt, ob das Geschäft liquidiert oder arisiert wurde.

[70] HHStAW 676 8068 (21).

[71] Ebd. (70).

[72] Ebd.

[73] HHStAW 518 30799 (3).

[74] HHStAW 676 8068 (77).

[75] HHStAW 519/3 4006 (3).

[76] HHStAW 519/3 4006 (3).

[77] HHStAW 519/3 8478 (4).

[78] Ebd. (7).

[79] HHStAW 519/3 4006 (9). Lina Birnbaum, geboren am 25.10.1897 in Rotenburg, wohnte in Frankfurt in der Straße Am Tiergarten 28. Lina Birnbaum wurde am 8.5.1942 von Frankfurt aus deportiert und ermordet. Siehe HHStAW 519/3 8478 (10).

[80] HHStAW 519/3 4006 (11).

[81] Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15.3.2005.

[82] Kingreen, Gewaltsam verschleppt, S. 358-362.

[83] HHStAW 518 30799 (3).

[84] Blick auf die Mainzer Frauengeschichte, S. 37.

[85] HHStAW 518 30799 (1).

[86] Hartwig-Thürmer, Rückkehr auf Zeit, S. 128.

[87] Frenzel, Kahn-Hut und Abt, S. 145.

[88] Gottwaldt / Schulle, Judendeportationen, S. 186 f.

[89] Frenzel, Kahn-Hut und Abt, S. 145.

[90] Ihre Eltern waren der Kaufmann Alfred Schlesinger, geboren am 12.10.1870 im mährischen Göding und Elise, geborene Lenz, die 1878 in Köln geboren worden war. Das Paar hatte noch einen Sohn Richard, geboren 1913, in Mönchen Gladbach. Er lebte zuletzt Im Kibbuz Dafna, wo auch seine Schwester und sein Schwager bis zu ihrem Tode wohnten. Der Vater wurde am 23.10.1942 in Theresienstadt ermordet, die Mutter dagegen überlebte Theresienstadt und konnte – vermutlich nach 1945 noch nach Palästina auswandern und mit ihren beiden Kindern in Dafna ihren Lebensabend verbringen. Sie verstarb dort am 7.1.1958. https://www.ruthsfamilyhistory.org/genealogy/family.php?famid=F2460&ged=edith. (Zugriff: 15.4.2022).

[91] Bilder aus diesem Zentrum sind zu finden in Pilarcyk, u.a. Hachschara und Jugend-Alija, S. 120. Siehe ab S. 118 auch, wieso gerade in Schlesien die Bewegung eine breite Basis fand.

[92] Laut Frenzel gingen sie zunächst beide auf das Hachschara Gut Winkel bei Spreenhagen in Brandenburg, Frenzel, Kahn-Hut und Abt, S. 145, laut Glück war Heinz zunächst alleine in Havelberg, einem anderen Hachschara-Gut im heutigen Sachsen-Anhalt, siehe Glück, u.a., Hachschara, S. 128.

[93] https://www.levandehistoria.se/content/818. (Zugriff: 15.4.2022). In der Rezension einer schwedischen Dissertation über die Hachschara in Schweden, schreibt die Rezensentin Izabella Dahl allerdings, dass die Arbeit dort nach „den in Deutschland formulierten ideologischen Prinzipien“ durchgeführt und unter der Leitung des Zionisten Berthold Rotschild gestanden habe, siehe https://edoc.hu-berlin.de/bitstream/handle/18452/8521/dahl.pdf?sequence=1. (Zugriff: 15.4.2022).

[94] Glück, u.a., Hachschara, S. 123.

[95] https://www.ancestry.de/discoveryui-content/view/42568018:2262&nreg=1. (Zugriff: 15.4.2022).

[96] https://www.ancestry.de/discoveryui-content/view/57884047:2262?tid=&pid=&queryId=f08f6e066f1f22edc80d0e78df08c3c3&_phsrc=Ekt5588&_phstart=successSource. (Zugriff: 15.4.2022).

[97] https://www.ruthsfamilyhistory.org/genealogy/family.php?famid=F2460&ged=edith. (Zugriff: 15.4.2022).

[98] https://www.ancestry.de/discoveryui-content/view/88117427:60778?tid=&pid=&queryId=82a5e0c14ffdcc0946455ab974b6fa56&_phsrc=Ekt5529&_phstart=successSource, (Zugriff: 15.4.2022).

[99] Frenzel, Kahn-Hut und Abt, S. 143 schreibt zwar, dass Marcus Kahn-Hut im Jahr 1939 verstorben sei, gibt aber eine Quelle dafür nicht an. Die Datierung muss auch falsch sein, denn sein Bruder Alphons teilte bereits am 8.11.1938 dem Regierungspräsidenten in Wiesbaden mit, dass er am Vortag dem Notar Dochnahl in Frankfurt eine Verzichtserklärung „über den Nachlass (seines) verstorbenen Bruders Markus k, Kaufmann in Wien“ übermittelt habe, siehe HHStAW 676 8068 (47).

[100] https://www.ancestry.de/discoveryui-content/view/3714654:3998?tid=&pid=&queryId=0a70fd3f0a9fb2846c77fb8c8f65aa26&_phsrc=Ekt5602&_phstart=successSource. (Zugriff: 15.4.2022).

[101] Ebd.

[102] Ebd.

[103] https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/7488/images/NYT715_6446-0210?treeid=&personid=&hintid=&queryId=24abfed2b3379ec88a480d1c64dc37b3&usePUB=true&_phsrc=Ekt5645&_phstart=successSource&usePUBJs=true&pId=1006709531. (Zugriff: 15.4.2022). Laut den Reiseunterlagen handelte es sich bei den Verwandten um Alfred Hertz und Frau.

[104] https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=4922069&ind=1 und https://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=4922064&ind=1, (Zugriff: 15.4.2022).

[105] Gottwaldt / Schulle, Judendeportationen, S. 107 f.