Hedwig Rosa Mamsohn, geborene Neufeld


Wiesbaden, Guthmann Jakob, Berthold, Claire Paul Charlotte Opfermann
Das Juden­haus in der Bahn­hofstr. 25 heu­te
Eige­ne Aufnahme
Judenhaus Wiesbaden Guthmann Jakob Berthold Claire Paul Charlotte Opfermann Michel
Lage des Juden­hau­ses Bahn­hofstr. 25
Judenhaus Wiesbaden Juden
Bele­gung des Juden­hau­ses Bahn­hofstr. 25

 

 

 

 

 

 


 

Hed­wig Mam­sohn stamm­te aus einer jüdi­schen Fami­lie aus Ham­burg-Har­burg, wo es etwa ab dem frü­hen 17. Jahr­hun­dert eine klei­ne jüdi­sche Gemein­de gab. Nur etwa 0,3 bis 0,6 Pro­zent der Bewoh­ner gehör­ten nach den spä­te­ren NS-Kate­go­rien in der Zeit vor 1933 die­ser Glau­bens­ge­mein­schaft an.[1] Ihre Mit­glie­der nah­men aber als Kauf­leu­te und Klein­händ­ler beson­ders im Tex­til­be­reich den­noch im dor­ti­gen Wirt­schafts­le­ben eine wich­ti­ge Rol­le ein. Als Hed­wig am 19. Sep­tem­ber 1890 zur Welt kam, hat­te die jüdi­sche Gemein­de in Har­burg etwa 300 Mitglieder.

Judenhaus Bahnhofstr. 25 Wiesbaden, Hedwig Isaak, Hedwig Neufeld, Gertrud Neufeld Cohn
Stamm­baum der Fami­li­en Mam­sohn und Neu­feld
GDB

Ihr Vater, der am 4. Sep­tem­ber 1851 in Pat­ten­sen bei Han­no­ver gebo­re­ne Max Neu­feld, war vie­le Jah­re deren Vor­ste­her. Von Beruf war auch er Kauf­mann, neben­bei aber auch als Immo­bi­li­en- und Finanz­mak­ler tätig. Mit sei­ner Frau Jen­ny, gebo­re­ne Pin­tus,[2] hat­te er neben Hed­wig noch fünf wei­te­re Kin­der, die alle in dem eige­nen Haus in der Müh­len­str. 18 – heu­te Schloss­müh­len­damm 16 – auf­wuch­sen. Nur einer der Töch­ter gelang es, einem gewalt­sa­men Tod zu ent­ge­hen. Das Schick­sal des am 14. Juni 1885 gebo­re­nen Soh­nes Paul konn­te nicht ermit­telt wer­den.[3]

Als Ers­tes kam das jüngs­te Kind, der am 11. Okto­ber 1891 gebo­re­ne Sohn Erich, zu Tode. Er fiel am 11. Mai 1916 im Ers­ten Welt­krieg mit nur 24 Jah­ren an der Kanal­küs­te bei Car­vin. Ihm wird durch eine Inschrift auf dem Grab­stein sei­nes Vaters, der am 24. Sep­tem­ber 1925 starb, auf dem jüdi­schen Fried­hof in Har­burg gedacht. Hier steht auch das Ehren­mal für die gefal­le­nen jüdi­schen Sol­da­ten, auf dem sein Name eben­falls ein­gra­viert ist. Die übri­gen Mit­glie­der der Fami­lie fie­len dem Holo­caust zum Opfer.

Die ältes­te Toch­ter Anna hat­te Har­burg bereits um die Jahr­hun­dert­wen­de ver­las­sen und in Jever den Getrei­de­groß­händ­ler Joshua Wein­stein gehei­ra­tet. Am 2. August 1902 war ihnen die Toch­ter Lise­lott gebo­ren wor­den. Nach dem frü­hen Tod von Joshua Wein­stein im Jahr 1926 half sie der Mut­ter bei der Wei­ter­füh­rung der Fir­ma, die sich inzwi­schen ganz auf den Ver­trieb von Müh­len­pro­duk­ten spe­zia­li­siert hat­te, einen Unter­neh­mens­be­reich, den der Vater zuvor schon auf­ge­baut hat­te. Konn­te die Fami­lie bis­her einen recht auf­wen­di­gen Lebens­stil füh­ren, so änder­te sich das mit der „Macht­er­grei­fung“ der Nazis grund­le­gend. Müh­len, mit denen man bis­her koope­riert hat­te, wand­ten sich ab, sodass die Fir­ma zuletzt auf­ge­ge­ben wer­den muss­te und ari­siert wurde.
An Mut­ter und Toch­ter Wein­stein wur­den von den NS-Behör­den die glei­chen Maß­nah­men voll­zo­gen, wie an allen ande­ren Juden auch: „Süh­ne­leis­tung“, Siche­rungs­an­ord­nung, Raub von Schmuck und Edel­me­tal­len, sogar eine kurz­fris­ti­ge Inhaf­tie­rung muss­te Anna über sich erge­hen las­sen. Immer­hin gelang der Toch­ter 1939 die Flucht nach Eng­land. Da auch das Haus zur Finan­zie­rung der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be ver­kauft wor­den war, ging Anna Wein­stein danach zurück nach Har­burg und wohn­te wie­der in ihrem Eltern­haus. Die Mut­ter ver­starb noch, bevor die Depor­ta­tio­nen began­nen. Anna Wein­stein jedoch saß am 25. Okto­ber 1941 im ers­ten Trans­port, mit dem inner­halb weni­ger Wochen die Hälf­te der Ham­bur­ger Juden in die Ghet­tos im Osten abge­scho­ben wur­de. Im Ghet­to Lodz ver­brach­te sie ihre letz­ten Lebens­mo­na­te, viel­leicht auch nur Tage oder Wochen, in völ­li­gem Elend. Wann sie ver­starb, ist nicht bekannt. Ihr offi­zi­el­ler Todes­tag ist – wie bei so vie­len – der 8. Mai 1945.[4]

Nur knapp vier Wochen spä­ter erlitt ihre Schwes­ter Käthe das glei­che Schick­sal. Am 18. Novem­ber 1941 brach­te sie der Trans­port, der jeweils etwa zur Hälf­te aus Bre­mer und Ham­bur­ger Juden bestand, in das Ghet­to Minsk.[5] Sie trat die­se Fahrt gemein­sam mit ihrem Mann Isi­dor Hirsch­feld an, den sie am 4. August 1922 in Ham­burg gehei­ra­tet hat­te.[6] Wie sie im Ghet­to Minsk zu Tode kamen, ist nicht bekannt.

Der schreck­lichs­te Teil des Lebens der bei­den übri­gen Schwes­tern, Ger­trud[7] und Hed­wig, spiel­te sich Ende der drei­ßi­ger und zu Beginn der Vier­zi­ger­jah­re in Wies­ba­den ab.

Ger­trud, die älte­re, war am 29.März 1883 eben­falls in Har­burg gebo­ren wor­den. Hier hat­te sie zunächst die Höhe­re Mäd­chen­schu­le, dann noch eine Han­dels­schu­le besucht und war anschlie­ßend für etwa fünf Jah­re als Fremd­spra­chen­kor­re­spon­den­tin in einem Export­bü­ro beschäf­tigt. Am 18. Juli 1908 hei­ra­te­te sie in Har­burg den Kauf­mann Hein­rich Cohn.[8] Sei­ne Hei­mat war die klei­ne Stadt Eydt­kuh­nen an der ost­preu­ßisch-litaui­schen Gren­ze, wo er am 8. Febru­ar 1875 gebo­ren wor­den war. Aus der Ehe ging ein Sohn her­vor, über den aber wenig bekannt ist.[9]

Mamsohn, Judenhaus Wiesbaden
Kauf­haus Schwe­ri­ner in Kai­sers­lau­tern (Bild­mit­te)

Im Jahr 1911 über­nah­men sie gemein­sam mit dem Ehe­paar Pin­tus das 1890 gegrün­de­te ‚Kauf­haus Schwe­ri­ner’ im Zen­trum von Kai­sers­lau­tern.[10] Der wohl früh ver­stor­be­ne Ehe­mann von Emma Pin­tus, die spä­ter in den Akten als Mit­ge­sell­schaf­te­rin des Unter­neh­mens immer wie­der in Erschei­nung tritt, war der Bru­der der Mut­ter von Ger­trud Cohn und Hed­wig Mam­sohn, näm­lich von Jen­ny Pin­tus.[11] An der in eine GmbH. umge­wan­del­ten Fir­ma mit einem Stamm­ka­pi­tal von 100.000 RM besa­ßen Cohns einen Anteil von 49, Pin­tus einen von 51 Pro­zent.[12] Unter der neu­en Geschäfts­füh­rung von Hein­rich Cohn und Emma Pin­tus blüh­te das Unter­neh­men auf. Hat­te es bei der Über­nah­me etwa 30 Mit­ar­bei­ter und einen Jah­res­um­satz von 500.000 RM, so erwirt­schaf­te­te man nun bis zur Macht­über­nah­me der Nazis mit 110 Ange­stell­ten mehr als 1,5 Mil­lio­nen Reichs­mark.[13] Ger­trud Cohn war als Ein­käu­fe­rin eben­falls in einer füh­ren­den Stel­lung im Unter­neh­men tätig. Man habe damals eines sehr auf­wen­di­gen Lebens­stil gehabt, schrieb der Steu­er­be­ra­ter 1935 an das Finanz­amt: „Herr Cohn hat jah­re­lang die teu­ers­ten Sana­to­ri­en auf­ge­sucht und war oft ein Vier­tel­jahr zur Kur dort. Man wird den Ver­braus hier­für und die Urlaubs­kos­ten der Frau u. Sohn mit Mk. 3.000,– eher zu nied­rig als zu hoch ein­schät­zen dür­fen.“ Ins­ge­samt kam der Steu­er­be­ra­ter für die Zeit vor 1933 auf einen Jah­res­ver­brauch von etwa 15.000 RM, dar­in waren auch Zah­lun­gen an Ver­wand­te von 1.800 RM ent­hal­ten.[14]

Finan­zi­ell ging es Cohns so gut, dass man sich eigent­lich kei­ne Sor­gen um die Zukunft hät­te machen müs­sen; selbst die Welt­wirt­schafts­kri­se wur­de trotz deut­li­cher Ein­bu­ßen über­stan­den. Hein­rich Cohn bezog ein Gehalt von 18.000 RM als Geschäfts­füh­rer, aber auf­grund wei­te­rer Ein­nah­men, die aus wei­te­ren Betei­li­gun­gen und Wert­pa­pie­rer­trä­gen her­rühr­ten, sum­mier­te sich z. B. im Jahr 1931, also mit­ten in der Kri­se, das zu ver­steu­ern­de Ein­kom­men auf fast 50.000 RM.[15]

Als Hein­rich Cohn am 23. Sep­tem­ber 1932 ver­starb, über­nahm sei­ne Frau Ger­trud an sei­ner Stel­le die Geschäfts­füh­rung und geriet bald in den Stru­del der poli­ti­schen Ereig­nis­se. Bereits vor den offi­zi­el­len Aktio­nen gegen die aus­län­di­sche „Gräu­el­pro­pa­gan­da“ am 1. April, fan­den in Kai­sers­lau­tern im März 1933 ers­te gewalt­tä­ti­ge Boy­kott­ak­tio­nen gegen jüdi­sche Waren­häu­ser und Geschäf­te statt, bei denen Schei­ben zer­schla­gen und die Aus­la­gen auf die Stra­ße gewor­fen wur­den, so auch bei ‚Wohl­wert’ und ‚Schwe­ri­ner’.[16] Seit­dem bra­chen die Umsät­ze völ­lig ein, Erträ­ge wur­den nicht mehr erwirt­schaf­tet[17] und die Fir­ma gelang­te über meh­re­re Schrit­te in ari­sche Hän­de. Zunächst schied Ger­trud Cohn am 24. Okto­ber 1933 als Geschäfts­füh­re­rin aus dem Unter­neh­men aus,[18] blieb aber Gesell­schaf­te­rin. Im Wei­te­ren muss eine Frau Mül­ler dann die Gesell­schaf­ter­an­tei­le von Frau Pin­tus über­nom­men haben, denn Ende 1935 waren Ger­trud Cohn mit 49 Pro­zent Anteil am Grund­ka­pi­tal und Frau Mül­ler mit dem ehe­ma­li­gen 51-Pro­zent-Anteil von Emma Pin­tus die ein­zi­gen Gesell­schaf­ter. Am 16. Mai 1936 wur­de die Gesell­schaft durch Gesell­schaf­ter­be­schluss end­gül­tig auf­ge­löst. [19] Ein wei­te­res bedeu­ten­des jüdi­sches Geschäft war liqui­diert und ari­siert worden.

In wel­cher Bezie­hung die genann­te Frau Mül­ler zu den spä­te­ren Eigen­tü­mern stand, ließ sich nicht mehr klä­ren, aber in einem Aus­zug des städ­ti­schen Steu­er­am­tes Kai­sers­lau­tern wird ab 1935 die Fir­ma ‚Zeiss und Janenz’ als Eigen­tü­mer ange­ge­ben. Wel­che Aus­wir­kun­gen der vor­he­ri­ge Boy­kott gehabt hat­te, kann man dar­an able­sen, dass nun unter der neu­en ari­schen Füh­rung der rein gewerb­li­che Ertrag des Unter­neh­mens inner­halb von nur drei Jah­ren, von 1935 bis 1938, von 12.000 RM auf 127.000 RM empor­schnell­te.[20]

Noch gehör­te aber das Gebäu­de selbst und das Grund­stück in der Markt­str. 40 der Main­zer Immo­bi­li­en-AG, d.h. etwa zur Hälf­te Ger­trud Cohn. Der Ein­heits­wert war 1935 auf 405.000 RM fest­ge­legt wor­den. 1938 waren lang­wie­ri­ge Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen mit einem Inter­es­sen­ten, Chris­ti­an Rensing aus Köln, zum Abschluss gekom­men. Man hat­te sich auf einen Ver­kaufs­preis von 275.000 RM geei­nigt – ein mehr als außer­ge­wöhn­li­cher Wert­ver­lust inner­halb von nur drei Jah­ren ![21] Die­sem Ver­trag wur­de aber behörd­li­cher­seits die Zustim­mung ver­wei­gert, sodass nun mit einem ande­ren Bewer­ber, die Fir­ma ‚Zeiss und Janenz’, die bereits Eigen­tü­me­rin des Han­dels­un­ter­neh­mens war, neu ver­han­delt wer­den muss­te. Ende 1938 kam es zum Ver­trags­ab­schluss, dem nun auch der Kreis­wirt­schafts­be­ra­ter zustimm­te: Der Preis betrug jetzt nur noch 240.000 RM, aller­dings hat­ten die Käu­fer an das Reich eine „Aus­gleichs­zah­lung“ in Höhe von 20.000 RM zu zah­len.[22] Auf die­se Wei­se muss­te der Käu­fer zwar nahe­zu die glei­che Sum­me zah­len, die jüdi­schen Ver­käu­fer hat­te man so aber um die 20.000 RM geprellt.

Im sel­ben Monat hat­te die Zoll­fahn­dungs­stel­le Mainz eine Siche­rungs­an­ord­nung erwirkt, sodass die ehe­ma­li­gen Eigen­tü­mer über den Ver­kaufs­er­lös nicht frei ver­fü­gen konn­ten, nur bestehen­de „Belas­tun­gen zuguns­ten ari­scher Gläu­bi­ger“ durf­ten davon abge­gol­ten wer­den.[23] 1.000 RM soll­ten Ger­trud Cohn aber monat­lich als Frei­be­trag gewährt wer­den.[24]. Die behörd­lich ange­ord­ne­te Ent­eig­nung – man kann nur ver­mu­ten, wel­che Strip­pen da gezo­gen wor­den waren – ist heu­te des­halb nach­voll­zieh­bar, weil der „Rechts­kon­su­lent“ Gut­h­mann gegen die etwa zeit­gleich erfolg­te Berech­nung der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be Ein­spruch erhob. In der Ver­mö­gens­er­klä­rung nach Stand vom 27. April 1938, auf der die Berech­nun­gen gene­rell grün­de­ten, war der Wert des Hau­ses sogar noch mit 500.000 RM ange­ge­ben.[25] Ins­ge­samt berech­ne­te das Finanz­amt das Ver­mö­gen von Ger­trud Cohn zu die­sem Zeit­punkt auf 304.000 RM, davon allein 201.000 RM an Grund­ver­mö­gen. Die „Süh­ne­leis­tung“ hät­te danach mehr als 60.000 RM betra­gen, zahl­bar in vier Raten zu je 15.200 RM. Die Revi­si­on der Berech­nung erbrach­te immer noch einen Betrag von 59.750 RM, aller­dings jetzt inklu­si­ve der fünf­ten Rate.[26]

Ein gro­ßer Teil des Erlö­ses für den Haus­ver­kauf, über den sie selbst­ver­ständ­lich „nur im Rah­men der vor­läu­fi­gen Siche­rungs­an­ord­nung der Zoll­fahn­dungs­stel­le Mainz“ ver­fü­gen [27] – also fak­tisch — nicht ver­fü­gen durf­te, muss­te für die­se Son­der­steu­er auf­ge­bracht werden.

Zu die­sem Zeit­punkt war Ger­trud Cohn längst ent­schlos­sen, aus Deutsch­land aus­zu­wan­dern. Ihr Sohn leb­te min­des­tens seit 1935 in den USA. Ein Antrag, gestellt in die­sem Jahr, ihn dort besu­chen zu dür­fen, war abge­lehnt wor­den.[28] Im Juli 1938 war sie ver­mut­lich mit ihrer Schwes­ter von Kai­sers­lau­tern nach Wies­ba­den ver­zo­gen. Sie bezog aller­dings eine eige­ne Woh­nung im Dam­bach­tal. Ihren Haus­rat und die Möbel hat­te sie wohl zum größ­ten Teil nicht mit nach Wies­ba­den genom­men, sie waren seit Anfang 1938 bei einer Spe­di­ti­on in Mann­heim ein­ge­la­gert.[29] Die Woh­nung in Wies­ba­den war offen­sicht­lich nur als Über­brü­ckungs­un­ter­kunft gedacht. Aber die Aus­rei­se zog sich noch eine Wei­le hin. Ger­trud Cohn muss­te noch zwei­mal umzie­hen, bevor alle For­ma­li­tä­ten geklärt waren.[30] So wur­de immer wie­der die fäl­li­ge Reichs­flucht­steu­er neu berech­net, zuletzt kam man auf eine Sum­me von 33.000 RM.[31] Noch ein­mal 39.000 RM fie­len für den Kauf eines Haus­grund­stücks in den USA an, das Ger­trud Cohn zusam­men mit ihrer ehe­ma­li­gen Mit­ge­sell­schaf­te­rin Emma Pin­tus im Mai 1939 erwor­ben hat­te.[32] Die Abga­ben an die Kul­tus­ge­mein­de bzw. die Reichs­ver­ei­ni­gung belie­fen sich wei­te­re 15.000 RM.[33] Der abge­lie­fer­te Schmuck, das Tisch- und Tafel­sil­ber und auch die Fracht­kos­ten von 2.400 RM fie­len dem­ge­gen­über kaum mehr ins Gewicht.[34]

Am 20. Febru­ar 1940 konn­te sie dann über Genua in die USA aus­rei­sen, ihr Lift mit allen Möbeln blieb aller­dings in Rot­ter­dam zurück.[35] Frau Cohn leb­te seit­dem in New York, wo sie am 28.Oktober 1977 im hohen Alter von 94 Jah­ren ver­starb.[36]

Ihre Schwes­ter Hed­wig, die Bewoh­ne­rin des Juden­hau­ses, war in Wies­ba­den geblie­ben. Auch sie war in Har­burg auf­ge­wach­sen, hat­te dann ihren ers­ten Mann Moritz Isaak aus Rem­scheid ken­nen­ge­lernt. In Rem­scheid wur­de am 27. Juli 1914 unmit­tel­bar vor Kriegs­aus­bruch auch ihr Sohn Heinz Her­mann gebo­ren.[37] Moritz Isaak fiel bereits am 29. Novem­ber 1916 an der Front in den Kar­pa­ten,[38] sodass Vater und Sohn sich nie wirk­lich ken­nen­ler­nen konnten.

1920, am 16. März, ging Hed­wig eine neue Ehe mit dem am 5. April 1886 in Berent gebo­re­nen Mar­tin Mam­sohn ein.[39] Aus die­ser zwei­ten Ehe stamm­te der am 25. Juni 1921 eben­falls in Rem­scheid gebo­re­ne Erich Wil­ly.[40] 1925 zog die Fami­lie nach Elber­feld. Dort war Mar­tin Mam­sohn als Abtei­lungs­lei­ter für die Her­ren­kon­fek­ti­on im ‚Kauf­haus Tietz’ tätig, wo auch sei­ne Frau eine Anstel­lung gefun­den hat­te. Seit 1927 arbei­te­te sie hier als Ver­käu­fe­rin und Instrukt­orin. Bis zu ihrer Ent­las­sung 1933 konn­te sie ihr Gehalt um 50 Pro­zent stei­gern, was ganz sicher als Indiz dafür gewer­tet wer­den kann, wie zufrie­den der Arbeit­ge­ber mit ihrer Leis­tung war.[41]

 

Zumin­dest von dem jün­ge­ren Sohn Erich weiß man, dass er in der Schu­le in Elber­feld nach 1933 ers­ten anti­se­mi­ti­schen Anfein­dun­gen durch das Lehr­per­so­nal wie auch durch Mit­schü­ler aus­ge­setzt war. Er wur­de ver­prü­gelt oder am Betre­ten des Klas­sen­raums gehin­dert. Ein Schild an der Tür mit der Auf­schrift „Juden ist der Ein­tritt ver­bo­ten“, auf­ge­hängt von sei­nen Mit­schü­lern, war für ihn und die Eltern der letz­te Anlass, die Schu­le nicht län­ger zu besuchen.

Zwar schrieb er in einer knap­pen bio­gra­phi­schen Erklä­rung, dass er Deutsch­land 1933 ver­las­sen habe und nach Ita­li­en gegan­gen sei, aber unzwei­fel­haft war das kein eigen­stän­di­ger Schritt, nicht die Ent­schei­dung eines Zwölf­jäh­ri­gen, son­dern die der Eltern. Ver­wun­der­lich ist aller­dings der sehr frü­he Zeit­punkt die­ser so exis­ten­zi­el­len Ver­än­de­rung in sei­nem Leben. Zwar soll­te die sich nach­träg­lich als sehr weit­sich­tig erwei­sen, für den Jun­gen wird sie aber unmit­tel­bar mit viel Leid ver­bun­den gewe­sen sein. Viel­leicht irr­te Erich aber auch bei der zeit­li­chen Ein­ord­nung der Ereig­nis­se, denn er gab in sei­ner Dar­stel­lung an, dass sich die Eltern bereits 1932 schei­den lie­ßen, amt­lich wur­de die Schei­dung aber erst am 13. Juli 1937 voll­zo­gen,[42] was natür­lich nicht aus­schließt, dass bei­de schon viel län­ger getrennt leb­ten. Die­se Mög­lich­keit ist umso wahr­schein­li­cher, als Hed­wig Mam­sohn in einem Brief aus dem Jahr 1939 an die Devi­sen­stel­le Frank­furt schrieb, dass sie seit 1933 kei­nen eige­nen Haus­halt mehr füh­re, sie ihre Möbel weit­ge­hend ver­kauft und den Rest bei der Fir­ma Ret­ten­may­er ein­ge­la­gert habe.[43]

Nach­dem die Eltern im Zuge der ras­sis­ti­schen Arbeits­markt­po­li­tik bei­de ihre Anstel­lung ver­lo­ren hat­ten, muss­te auch Erich das ita­lie­ni­sche Wai­sen­haus ver­las­sen, in dem er bis­her unter­ge­kom­men war. Sie konn­ten die dafür anfal­len­den Kos­ten nicht mehr auf­brin­gen, und Erich begann sich in Ita­li­en durch die Aus­bil­dung in einer Land­wirt­schafts­schu­le in Chia­va­ri auf sei­ne Aus­rei­se nach Paläs­ti­na vor­zu­be­rei­ten.[44] 1938 gelang­te er im Alter von etwa 17 Jah­ren mit einem Jugend­trans­port in das Land, das für vie­le Juden zur neu­en Heim­statt wer­den soll­te. In den fol­gen­den drei Jah­ren arbei­te­te Uri, wie er sich jetzt nann­te, in einem Kib­buz und ver­bes­ser­te neben­bei sei­ne Sprach­kennt­nis­se. 1941 schloss er sich der bri­ti­schen Armee an. Dar­über, wo er in den fol­gen­den fünf Jah­ren ein­ge­setzt wur­de, mach­te er kei­ne Anga­ben. Nach sei­ner Ent­las­sung im Jahr 1946 ver­dien­te er sich zunächst als Taxi­fah­rer sei­nen Unter­halt, bis er dann 1951 bei der israe­li­schen Luft­fahrt­ge­sell­schaft ‚El Al’ als Ste­ward ein­ge­stellt wur­de.[45] Den­noch muss­ten er und sei­ne Fami­lie – er hat­te inzwi­schen gehei­ra­tet und zwei Kin­der – auch wei­ter­hin in sehr beschei­de­nen Ver­hält­nis­sen leben. Noch 1955 wohn­ten sie zu viert in einer Ein­zim­mer­woh­nung in Holon, süd­lich von Tel Aviv.[46]

Dass Erich Paläs­ti­na als Emi­gra­ti­ons­land wähl­te, hat­te sicher zwei Grün­de. Zum einen sah die Mut­ter in einem poli­tisch gepräg­ten Juden­tum, einem zu schaf­fen­den Staat der Juden, die lang­fris­tig ein­zi­ge Über­le­bens­chan­ce für ihr Volk. Des­halb enga­gier­te sie sich schon früh in zio­nis­ti­schen Krei­sen und woll­te auch selbst nach Paläs­ti­na aus­wan­dern. Von die­sem Enga­ge­ment für die zio­nis­ti­sche Bewe­gung, war sicher auch der älte­re Halb­bru­der Heinz beein­flusst wor­den, der bereits 1934 nach Paläs­ti­na aus­ge­wan­dert war.[47] Somit gab es hier für den noch nicht ein­mal acht­zehn Jah­re alten Erich bis zur Ankunft der Mut­ter selbst zumin­dest einen Ansprech­part­ner. Heinz war nach Abschluss sei­nes noch in Deutsch­land begon­ne­nen Stu­di­ums spä­ter in Isra­el Leh­rer für Geschich­te gewor­den. Auch er hat­te dort sei­nen deut­schen Namen abge­legt und sich fort­an Chanan Jizchaki.

Zunächst hat­te Hed­wig Mam­sohn Wup­per­tal-Elber­feld ver­las­sen und war, anders als ihr Sohn Erich erin­nert, nicht sofort nach Wies­ba­den,[48] son­dern zunächst nach Kai­sers­lau­tern zu ihrer Schwes­ter Ger­trud in die Adolf-Hit­ler-Str. 66 gezo­gen. Der Zeit­punkt die­ses Umzugs lässt sich nicht mehr sicher bestim­men, aber schon im Sep­tem­ber 1936 waren die Devi­sen­stel­le Lud­wigs­ha­fen und die Zweig­stel­le der Aus­wan­de­rer­be­ra­tungs­stel­le in Mann­heim, genau­er: das Paläs­ti­naamt, für sie zustän­dig.[49] In einer Beschei­ni­gung die­ses Amtes heißt es, „dass die in Schei­dung leben­de nicht­ari­sche Frau Hed­wig Mam­sohn, geb. Neu­feld, in Kai­sers­lau­tern, Adolf Hit­ler­str. 66, (…) hier die ernst­haf­te Absicht bekun­det hat, nach Paläs­ti­na aus­zu­wan­dern. Sie ist bis­her zeit­wei­se Lei­te­rin eines Kin­der­spiel­krei­ses gewe­sen und es sind kei­ne genü­gen­de Anzahl jüdi­scher Kin­der mehr in ihrem Wohn­ort vor­han­den. Sie will daher in Paläs­ti­na einen Kin­der­gar­ten grün­den, um sich damit eine neue Exis­tenz zu schaffen.“

Sie bat um die Frei­ga­be von 1.000 Pfund, die als „Vor­zei­ge­geld“ bei der Ein­wan­de­rung gefor­dert waren. Da sie selbst kein Bar­ver­mö­gen mehr besaß, war ihr das Geld von ihrer Schwes­ter Ger­trud, ihrer Tan­te Emma Pin­tus und einem Vet­ter namens Juli­us Schlos­ser geschenkt wor­den.[50] Ein umfas­sen­der, aus­ge­füll­ter Fra­ge­bo­gen zu ihren Aus­wan­de­rungs­ab­sich­ten lag dem Schrei­ben bei. Auf die Fra­ge nach ihrem Ver­mö­gen gab sie an, ein sol­ches nicht zu besit­zen, sie erwar­te aller­dings etwa 3.000 RM aus dem Ver­kauf ihrer Möbel.[51] Der Antrag auf die Aus­fuhr der Devi­sen wur­de zwar prin­zi­pi­ell geneh­migt, kam aber nicht mehr zustan­de, weil die Aus­wan­de­rung nicht mehr rea­li­siert wer­den konnte.

Statt der bis­he­ri­gen Tätig­keit als Kin­der­gärt­ne­rin fand Hed­wig Mam­sohn eine Anstel­lung als Haus­ge­hil­fin bei dem ver­wit­we­ten Her­mann Kös­ter, einem ehe­ma­li­gen jüdi­schen Unter­neh­mer, der in der Nach­bar­schaft, eben­falls in der Adolf Hit­ler­stra­ße, ein Haus besaß.[52]. Die­se Anstel­lung, die ursprüng­lich wohl nur als Über­brü­ckung bis zur Aus­wan­de­rung gedacht war, soll­te sich unfrei­wil­lig als Dau­er­lö­sung erweisen.

Im Som­mer 1938 war die Schwes­ter nach Wies­ba­den ver­zo­gen. Zwar lie­gen kei­ne Mel­dun­ter­la­gen mehr vor, aber ver­mut­lich zum glei­chen Zeit­punkt wer­den auch Hed­wig Mam­sohn und ihr Arbeit­ge­ber Kös­ter nach Wies­ba­den über­sie­delt sein. Mit ihm zusam­men zog sie als sei­ne Haus­häl­te­rin in das Haus in der Wies­ba­de­ner Bahn­hofstr. 25, das zu die­sem Zeit­punkt noch nicht zum Juden­haus umfunk­tio­niert wor­den war.

Hedwig Mamsohn, Judenhaus Wiesbaden, Bahnhofstr. 25, Juden
Beleg über die soge­nann­te Dego-Abga­be und Ver­bot der Mit­nah­me einer Näh­ma­schi­ne
HHStAW 519/​3 19452 (25)

Noch hat­te sie ihre Aus­wan­de­rungs­plä­ne nicht auf­ge­ge­ben. Im Juni 1939 reich­te sie eine umfas­sen­de Umzugs­lis­te bei der Devi­sen­stel­le in Frank­furt, die nun zustän­dig war und für sie eine neue Akte anleg­te, ein. Das gesam­te Mobi­li­ar stand bereits fer­tig gepackt bei der ‚Spe­di­ti­on Ret­ten­may­er’ und soll­te hier auch für den Trans­port über­prüft wer­den. Die Lis­te umfass­te ins­ge­samt 320 Pos­ten, dar­un­ter Klei­nig­kei­ten wie zwei Nuss­kna­cker oder vier Bier­glas­un­ter­set­zer. Das Wert­volls­te dar­un­ter war eine elek­tri­sche Näh­ma­schi­ne, die ihr von „einer Ver­wand­ten“ – ver­mut­lich der Schwes­ter oder Tan­te – geschenkt wor­den war, um damit in Paläs­ti­na eine eige­ne Exis­tenz auf­bau­en zu kön­nen. Deren Aus­fuhr wur­de ihr zunächst ver­wei­gert, denn Näh­ma­schi­nen von jüdi­schen Emi­gran­ten oder Depor­tier­ten waren eigent­lich gene­rell in das Ghet­to Litz­mann­stadt /​ Lodz zu schaf­fen, wo in Zwangs­ar­beit von Juden die Uni­for­men für die deut­sche Wehr­macht her­ge­stellt wur­den.[53] Ihr Bit­ten, viel­leicht auch der Ver­weis auf das Ehren­kreuz ihres gefal­le­nen Man­nes, konn­ten die oder den Bear­bei­ter der Devi­sen­stel­le letzt­lich doch umstim­men. Es gab ganz offen­sicht­lich in den Behör­den immer auch Frei­räu­me für per­sön­li­che Ent­schei­dun­gen. In die­sem Fall mach­te ein unbe­kann­ter Büro­krat posi­tiv davon Gebrauch, gab „aus­nahms­wei­se“ die Näh­ma­schi­ne frei und min­der­te sogar die zunächst auf 300 RM fest­ge­setz­te Dego-Abga­be auf 200 RM.[54]

Dass die Aus­rei­se im Som­mer 1939 nicht gelang, scheint nach Akten­la­ge dies­mal nicht an den NS-Behör­den gele­gen zu haben, son­dern eher an der restrik­ti­ven Ein­rei­se­po­li­tik der Bri­ten für Paläs­ti­na. Im Dezem­ber wur­de das Ver­fah­ren der Devi­sen­stel­le sogar noch ein­mal auf­ge­nom­men, aller­dings jetzt unter neu­en Bedin­gun­gen. Eine gan­ze Rei­he von Strei­chun­gen auf der Umzugs­lis­te macht deut­lich, wie schwie­rig die Ver­sor­gungs­la­ge in Deutsch­land inzwi­schen offen­sicht­lich gewor­den war. Nicht nur die Näh­ma­schi­ne war jetzt vom Aus­fuhr­ver­bot betrof­fen, son­dern auch Wasch‑, Putz- und Toi­let­ten­ar­ti­kel, sogar die Mit­nah­me eines Putz- und eines Abfall­ei­mers wur­de ihr jetzt verweigert:
„Nach den neu­es­ten Richt­li­ni­en dür­fen die anste­hend auf­ge­führ­ten Gegen­stän­de nicht ins Aus­land ver­bracht werden.
Ich ersu­che Sie daher die­sel­ben zu ver­äu­ßern und den Erlös mit Geneh­mi­gung der Devi­sen­stel­le Ffm. Beth­mann­str. 19 auf das Aus­wan­de­rer-Sperr­kon­to der Hed­wig Sara Mam­sohn ein­zu­zah­len. Der Nach­weis ist mir zu erbringen.“

Die­ser Bescheid war am 4. Dezem­ber 1940 ergan­gen. Am 25 Febru­ar 1941 ist mit glei­cher Hand auf dem glei­chen Blatt der Ver­merk hin­zu­ge­fügt: „Hed­wig Sara Mam­sohn ist noch nicht aus­ge­wan­dert und kann daher über ihr Umzugs­gut im Inland ver­fü­gen. Eine Ver­äu­ße­rung obi­ger Gegen­stän­de erüb­rigt sich daher.“ [55] Am Tag zuvor hat­te sie die Devi­sen­stel­le in Frank­furt dar­um gebe­ten, dass sie den bei der Fir­ma ‚Ret­ten­may­er’ ein­ge­la­ger­ten Lift wie­der ent­plom­ben dür­fe.[56] Im Mai 1941, als sie ihre Plä­ne noch aus Deutsch­land her­aus­zu­kom­men wohl end­gül­tig auf­ge­ge­ben hat­te, bean­trag­te sie die Rück­über­wei­sung des Gel­des, das als „Vor­zei­ge­geld“ bei der ‚Bank der Tem­pel­ge­sell­schaft’ hin­ter­legt war, auf ihr Kon­to bei der ‚Deut­schen Bank’ in Wies­ba­den.[57] Ein wei­te­res hal­bes Jahr spä­ter, am 23. Okto­ber 1941, wur­de dann von Himm­ler das gene­rel­le Aus­wan­de­rungs­ver­bot für Juden erlas­sen. Die „Juden­fra­ge“ soll­te nach Auf­fas­sung der Natio­nal­so­zia­lis­ten nun nicht mehr durch deren Ver­trei­bung aus Mit­tel­eu­ro­pa, son­dern durch deren sys­te­ma­ti­sche Ermor­dung einer „End­lö­sung“ zuge­führt werden.

Von den 26 Juden, die mit dem ers­ten grö­ße­ren Trans­port am 23. Mai 1942 aus Wies­ba­den nach Izbica ver­bracht wur­den, kamen vier aus dem Juden­haus in der Bahn­hofstr. 25. Eine davon war Hed­wig Rosa Mam­sohn. Der Tag, an dem sie in Sobi­bor umge­bracht wur­de, ist nicht bekannt. Am 8. Dezem­ber 1952 beschloss das Amts­ge­richt Wies­ba­den auf Antrag ihres Soh­nes Erich, sie für tot zu erklä­ren. Als Todes­tag wur­de der 8. Mai 1949 fest­ge­setzt.[58]

 

 

 

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Anmer­kun­gen:

 

[1] Heyl, Mat­thi­as, „Viel­leicht steht die Syn­ago­ge noch!“ – Jüdi­sches Leben in Har­burg 1933–1945, Nor­der­stedt 2009, S. 22–34. In der Zeit zwi­schen 1933 bis 1939 sank der Pro­zent­satz auf 0,1 Prozent.

[2] Jen­ny Pin­tus war am 4.9.1859 gebo­ren wor­den, sie ver­starb am 28.12.1940. Sie­he die Anga­ben der Stol­per­stein-Initia­ti­ve Ham­burg http://​stol​per​stei​ne​-ham​burg​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​&​L​A​N​G​U​A​G​E​=​D​E​&​M​A​I​N​_​I​D​=​7​&​p​=​2​4​4​&​B​I​O​_​I​D​=​2​511. (Zugriff: 26.5.2018).

[3] Im Gedenk­buch des Bun­des­ar­chivs Koblenz ist für ihn kein Ein­trag enthalten.

[4] Die Aus­füh­run­gen zu Anna Wein­stein ori­en­tie­ren sich im Wesent­li­chen an dem Arti­kel von Klaus Mül­ler auf der Sei­te der Stol­per­stein­in­itia­ti­ve Har­burg, sie­he http://​www​.stol​per​stei​ne​-ham​burg​.de/​?​&​M​A​I​N​_​I​D​=​7​&​B​I​O​_​I​D​=​2​511. (Zugriff: 26.5.2018).

[5] Sie­he zu den Ham­bur­ger Depor­ta­tio­nen Gott­waldt, Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 76 f., 91, 95, 125.

[6] Isi­dor Hirsch­feld ist nicht zu ver­wech­seln mit dem gleich­na­mi­gen Eigen­tü­mer des gro­ßen Tex­til­kauf­hau­ses im Zen­trum von Ham­burg. Ursprüng­lich Wein­händ­ler, hat­te der aus dem west­preu­ßi­schen Brom­berg stam­men­de Ehe­mann von Hed­wig Neu­feld nach sei­ner Über­sied­lung nach Ham­burg ein Bet­ten­ge­schäft eröff­net. Die Ehe blieb kin­der­los, aber aus einer ers­ten Ehe mit Lina Treu­herz war er Vater von zwei Kin­dern, Char­lot­te, gebo­ren 1907, und Kurt, gebo­ren 1914. Die Mut­ter ver­starb bereits 1916. Kurt, an Schi­zo­phre­nie erkrankt, starb am 3.3.1939 in der Heil­an­stalt Lan­gen­horn angeb­lich an Lun­gen­tu­ber­ku­lo­se. Der Schwes­ter gelang 1938 die Aus­wan­de­rung in die USA. Auch hier folgt die Dar­stel­lung den Anga­ben des Arti­kels von Frau­ke Stein­häu­ser von der Har­bur­ger Initia­ti­ve, sie­he http://​www​.stol​per​stei​ne​-ham​burg​.de/​?​&​M​A​I​N​_​I​D​=​7​&​r​_​n​a​m​e​=​H​i​r​s​c​h​f​e​l​d​&​r​_​s​t​r​a​s​s​e​=​&​r​_​b​e​z​i​r​k​=​&​r​_​s​t​t​e​i​l​=​&​r​_​s​o​r​t​=​N​a​c​h​n​a​m​e​_​A​U​F​&​r​e​c​h​e​r​c​h​e​=​r​e​c​h​e​r​c​h​e​&​s​u​b​m​i​t​t​e​r​=​s​u​c​h​e​n​&​B​I​O​_​I​D​=​5​223.

[7] Ger­trud Cohn, gebo­re­ne Neu­feld, wird in den Akten immer wie­der auch Ger­trude genannt, in der Geburts­ur­kun­de ist ihr Name aller­dings als Ger­trud ange­ge­ben, sie­he 518 10120 I (29).

[8] HHStAW 518 10120 I (o.P.). Die Eltern von Hein­rich waren Moses Cohn und sei­ne Frau Rahel , gebo­re­ne Glaser..

[9] Der Sohn wird in einem Schrei­ben des Wirt­schafts­prü­fers Vogel, dem Steu­er­be­ra­ter der Cohns, 1935 ein­mal erwähnt. Es heißt dar­in: „Der Sohn war von 1927 ‑1932 Volon­tär und erhielt von sei­nem Vater monat­lich einen Zuschuss von Mk. 200,– bis 250,–.“ HHStAW 685 118a (146).

[10] HHStAW 518 10120 I (88).

[11] Die­se fami­liä­re Ver­bin­dung ergibt sich aus einer für die Devi­sen­stel­le erstell­ten Beschei­ni­gung der „Gemein­nüt­zi­gen öffent­li­chen Aus­wan­de­rer­be­ra­tungs­stel­le“ Frank­furt, in der Emma Pin­tus als Tan­te von Hed­wig Mam­sohn bezeich­net wird, sie­he HHStAW 519/​3 4894 (o.P.) vom 23.9.1936.

[12] Spä­ter war das Kauf­haus – wie ein Brief­kopf aus dem Jahr nahe­legt – offen­bar in den Her­mann-Tietz-Kon­zern ein­ge­bun­den wor­den, wie und mit wel­chen Kon­di­tio­nen, konn­te nicht geklärt wer­den, sie­he HHStAW 685 118 (o.P.), Schrei­ben vom 24.2.1917. In spä­te­ren Doku­men­ten der Finanz­ak­ten taucht der Name Her­mann Tietz nicht mehr auf.

[13] Ebd.

[14] HHStAW 685 118a (145 f.)

[15] HHStAW 685 118 Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 1931. Die größ­te Betei­li­gung war dabei die an der Main­zer Immo­bi­li­en-Gesell­schaft, die eben­falls mit der Fami­lie Pin­tus im glei­chen Ver­hält­nis wie das Kauf­haus auf­ge­teilt war und Eigen­tü­mer der Immo­bi­lie war, in der das Kauf­haus betrie­ben wur­de, sie­he ebd. (o.P.).

[16] http://​www​.vvn​-bda​-kl​.de/​s​p​u​r​e​n​/​s​r​g​/​k​l​/​r​u​n​d​g​a​n​g​1​4​.​h​tml. (Zugriff: 26.5.2018).

[17] HHStAW 518 10120 I (64)

[18] Die­se Anga­be ist dem Schrei­ben eines Beam­ten des Amts­ge­richts an die Ent­schä­di­gungs­be­hör­de ent­nom­men, der sich dar­in auf einen Han­dels­re­gis­ter­aus­zug bezieht, sie­he HHStAW 518 10120 I (36). An die Stel­le von Frau Cohn sei eine Mar­ga­re­te Mül­ler aus Nord­hau­sen, Harz, getre­ten. Ger­trud Cohn gab spä­ter an, die­se Stel­lung bis 1935 inne­ge­habt zu haben, ebd. (40). So auch der Sohn der zwei­ten Gesell­schaf­te­rin, Ernest Pin­tus, ebd. 109.

[19] Ebd.

[20] HHStAW 518 10120 I (65).

[21] HHStAW 685 118b (33).

[22] Ebd. (153, 154, 163). Ernest Pin­tus gab in einer eides­statt­li­chen Erklä­rung 1957 als Datum des Ver­kaufs der Fir­ma an Zeiss und Janenz den 30.11.1935 an, sie­he 518 10120 I (109). Das muss sich um einen Irr­tum handeln.

[23] Ebd. (163), Her­vor­he­bung K. Flick.

[24] HHStAW 685 118b (149).

[25] HHStAW 685 118b (1) Ein­ge­leg­te Devisenakte.

[26] Ebd. (23, 59), ein­ge­leg­te Devisenakte.

[27] Ebd. (19), ein­ge­leg­te Devisenakte.

[28] HHStAW 518 10120 I (30).

[29] HHStAW 685 118 (3), ein­ge­leg­te Devisenakte.

[30] Nach ihrer ers­ten Woh­nung im Dam­bach­tal muss sie kurz­fris­tig in der Bier­stad­ter Str. 1 und zuletzt am Neu­berg 4 gewohnt haben. Dies lässt sich den ver­schie­de­nen Adress­an­ga­ben der Kor­re­spon­denz mit den Behör­den entnehmen.

[31] HHStAW 685 172b (176).

[32] Ebd. (169, 178).

[33] HHStAW 518 10120 I (9, 10). Im Dezem­ber 1938 war die Reichs­flucht­steu­er ursprüng­lich auf 67.000 RM fest­ge­setzt, dann auf 55.000 RM redu­ziert wor­den. Inzwi­schen hat­te sich aber durch die Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be und die übri­gen Belas­tun­gen das Ver­mö­gen erheb­lich reduziert.

[34] HHStAW Ebd. (181).

[35] HHStAW 518 10120 I (78, 182).

[36] HHStAW 518 10120 II (42).

[37] HHStAW 518 38029 (26).

[38] HHStAW 469/​33 3589 (9).

[39] Die­ses Geburts­da­tum ist in der Hei­rats­ur­kun­de ange­ge­ben, sie­he HHStAW 469/​33 3589 (7). Der Sohn Erich gab spä­ter im Ent­schä­di­gungs­an­trag eigen­ar­ti­ger­wei­se den 20.4.1887 als Geburts­da­tum an, sie­he ebd. (2).

[40] HHStAW 469/​33 3589 (8).

[41] HHStAW 518 38 29 (30).

[42] HHStAW 469/​33 3589 (7).

[43] HHStAW 519/​3 19452 (1).

[44] Erich wohn­te in die­ser Zeit in einer Pen­si­on in Rapal­lo. Die Mut­ter bat die Devi­sen­stel­le Lud­wigs­ha­fen im Okto­ber 1935 dar­um, monat­lich 100 RM zur Beglei­chung der anfal­len­den Kos­ten über­wei­sen zu dür­fen, sie­he 519/​3 4894 (o.P.).

[45] Die bio­gra­phi­schen Anga­ben fol­gen weit­ge­hend den Anga­ben von Erich Mam­sohn im spä­te­ren Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren, sie­he 518 38029 (11).

[46] Ebd. (13).

[47] Hed­wig Mam­sohn gab 1936 im Fra­ge­bo­gen zu der von ihr damals geplan­ten Aus­wan­de­rung auf die Fra­ge, ob am Ziel­ort ande­re Ver­wand­te sei­en, an, dass ein Sohn 1934 von Frank­furt aus dort­hin aus­ge­wan­dert sei. Es kann damit nur Heinz Isaak gemeint gewe­sen sein. Sie­he HHStAW 519/​3 4894 (o.P.).

[48] HHStAW 518 38029 (11).

[49] HHStAW 519/​3 4894 (o.P.). Die Stol­per­stein­in­itia­ti­ve Ham­burg gibt 1938 als dar Jahr des Umzugs von Wup­per­tal nach Kai­sers­lau­tern an, nennt aber kei­ne Quel­len für die­se Anga­be. http://​www​.stol​per​stei​ne​-ham​burg​.de/​?​&​M​A​I​N​_​I​D​=​7​&​B​I​O​_​I​D​=​5​076. (Zugriff: 26.5.2018). Man wird auf Grund der im HHStAW vor­han­de­nen Kor­re­spon­denz mit der Devi­sen­stel­le Lud­wigs­ha­fen den Umzug frü­her anset­zen müssen.

[50] Ebd.

[51] Ebd. Erich Mam­sohn hat­te spä­ter ange­ge­ben, dass die Fami­lie in Elber­feld eine sehr schön ein­ge­rich­te­te 5‑Zim­mer-Woh­nung bewohnt habe, die zu Schleu­der­prei­sen vor ihrem Umzug nach Wies­ba­den ver­kauft wor­den sei, sie­he HHStAW 518 38029 (11).

[52] Zum Schick­sal von Her­mann Kös­ter sie­he unten.

[53] Sie­he dazu oben das Kapi­tel über den Raub der übri­gen Vermögenswerte.

[54] HHStAW 519/​3 19452 (25, 25a, 26).

[55] Ebd. (39, dazu 15).

[56] Ebd. 41.

[57] Ebd. (13). Die end­gül­ti­ge Geneh­mi­gung wur­de ihr nach Rück­sen­dung der Umzugs­gut­lis­te am 11.3.1941 erteilt, sie­he ebd. (42b).

[58] HHStAW 469/​33 3589 (20).