Claire Freudmann


Juden Judenhaus Wiesbaden Adelheidstr. 94
Die Adel­heidstr. 94 heu­te
Eige­ne Aufnahme
Adelheidstr 94, Judenhaus, Wiesbaden
Lage des Hauses
Adelheidstr. 94, Judenhaus Wiesbaden
Bele­gung des Juden­hau­ses

 

 

 

 

 


Claire Klara Freudman, Alfons Freudmann, Irma Freudmann, Oskar Freudmann, Regina Freudmann Hanau, Judenhaus Adelheidstr. 94, Wiesbaden
Gesta­po-Kar­tei­kar­te von Clai­re Freud­mann
Stadt­ar­chiv Wiesbaden

Clai­re Freud­mann war im eigent­li­chen Sin­ne kei­ne Bewoh­ne­rin der Adel­heidstr. 94. Gleich­wohl hat­te die Gesta­po in Wies­ba­den auch für sie eine Kar­tei­kar­te ange­legt, aber unter ‚Ver­mer­ke’ „zu Besuch“ eingetragen.

Claire Freudmann, Alfons Freudmann, Irma Freudmann, Richard Rothschild, Gert Freudmann, Colette Myriam Freudmann, Jakob Oskar Freudmann, Regina Freudmann Hanauu, Judenhaus Wiesbaden, Adelheidstr. 94
Stamm­baum der Fami­lie Freud­mann
GDB

Sie war am 7. Febru­ar 1941 aus Gotha gekom­men, wo sie wohl – so ist der Kar­te noch zu ent­neh­men – als Haus­ge­hil­fin tätig war, und hat­te bei der Fami­lie Simon und Sofie Mor­genthau im zwei­ten Stock­werk des Hau­ses eine Unter­kunft gefun­den. Ob es sich um einen per­sön­li­chen Besuch han­del­te oder ob sie mög­li­cher­wei­se eine beruf­li­che Anstel­lung bei Mor­genthaus such­te, ist den Unter­la­gen nicht zu ent­neh­men. Außer der Gestapo­kar­tei­kar­te gibt es nur eine sehr dün­ne Devi­sen­ak­te, der aber nur zu ent­neh­men ist, dass sie sich min­des­tens bis August 1941 in Wies­ba­den auf­hielt.[1] Es han­del­te sich somit nicht nur um einen kur­zen Besuch, son­dern um einen doch län­ge­ren Auf­ent­halt in Wies­ba­den. Mög­li­cher­wei­se gab es auch kei­nen bereits bestehen­den per­sön­li­chen Kon­takt zur Fami­lie Mor­genthau, viel­leicht war ihr dort sogar nur ein Zim­mer zuge­wie­sen wor­den. Wann und unter wel­chen Umstän­den Clai­re Freud­mann das Juden­haus  in der Adel­heids­tra­ße wie­der ver­las­sen hat, ließ sich nicht mehr rekonstruieren.

Claire Klara Freudmann, Judenhaus Adelheidstr.94, Wiesbaden, Pirmasens
Das Haus der Freud­manns in Pir­ma­sens in der Frö­bel­gas­se um 1920 (rechts mit Schild eines Schirm­ma­chers)
Mit Geneh­mi­gung des Stadt­ar­chivs Pirmasens

Es ist der Pir­ma­sen­ser Initia­ti­ve zum Geden­ken an die ehe­ma­li­gen jüdi­schen Mit­bür­ger zu ver­dan­ken, dass das Schick­sal der Fami­lie Freud­mann inzwi­schen zumin­dest teil­wei­se auf­ge­ar­bei­tet wer­den konn­te.[2] Marie Kla­ra Freud­mann, die aber auch in amt­li­chen Schrei­ben immer nur Clai­re genannt wur­de, war am 11. Okto­ber 1908 in Pir­ma­sens gebo­ren wor­den. Obwohl also in Deutsch­land gebo­ren, trug die Gestapo­kar­tei­kar­te von Clai­re Freud­mann den Ver­merk „Staat­los“, womit auf ihren fami­liä­ren Hin­ter­grund ver­wie­sen wird. Ihr Vater Jakob Oskar Freud­mann stamm­te aus dem ost­ga­li­zi­schen Städt­chen Bre­schan, wo er am 8. Okto­ber 1873 gebo­ren wur­de.[3] Sei­ne Frau Regi­na, gebo­re­ne Hanau, war aller­dings am 26. August 1874 in Beau­ma­rais bei Saar­lou­is zur Welt gekom­men. Etwa seit der Jahr­hun­dert­wen­de leb­te das Paar in Pir­ma­sens, wo es in der Frö­bel­gas­se 7 ein Haus erwor­ben hat­te, in dem sich auch eine klei­ne Fabri­ka­ti­on für Schir­me, eine Repa­ra­tur­werk­statt und ein Laden­ge­schäft zum Ver­kauf der Pro­duk­te befanden.

In Pir­ma­sens waren auch die drei Kin­der von Oskar und Regi­na Freud­mann zur Welt gekom­men. Noch vor Clai­re war am 11. Dezem­ber 1905 der Sohn Maxi­mi­li­an Alfons gebo­ren wor­den. Die jün­ge­re Schwes­ter der bei­den, Ste­fa­nie Irma, kam am 27. April 1910 zur Welt.

Oskar Freudmann, Claire Freudmann, Judenhaus Wiesbaden, Adelheidstr. 94
Lis­te der pol­nisch-stäm­mi­gen Juden in Pir­ma­sens 1938
Mit Geneh­mi­gung des Stadt­ar­chis Pirmasens

Sicher wird auch die Fami­lie Freud­mann unter den wirt­schaft­li­chen Kri­sen der Wei­ma­rer Repu­blik und unter dem wach­sen­den Anti­se­mi­tis­mus in den Jah­ren nach der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen „Macht­er­grei­fung“ gelit­ten haben, den ent­schei­den­den Ein­schnitt brach­te dann aber die Aus­ein­an­der­set­zung um die in Deutsch­land leben­den, aber aus Polen stam­men­den Juden, die das Deut­sche Reich im Herbst 1938 abschie­ben, Polen aber nicht auf­neh­men woll­te. Auch Oskar, Regi­na und Alfons Freud­mann waren unter den etwa 40 Per­so­nen, die am 10. Okto­ber 1938 aus Pir­ma­sens nach Polen ver­bracht wur­den. Ema­nu­el Bau­möhl, ein Über­le­ben­der der soge­nann­ten „Polen­ak­ti­on“, in deren Gefol­ge es am 9. Novem­ber zur Reichs­po­grom­nacht kam, leg­te spä­ter Zeug­nis über das dama­li­ge Gesche­hen ab:
„Auf dem Gerichts­ge­bäu­de (gemeint Amts­ge­richt Pir­ma­sens) teil­te man uns mit, dass alle Ver­haf­te­ten pol­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge sei­en und infol­ge­des­sen als staa­ten­lo­se Ost­ju­den abge­scho­ben wür­den. Wir ver­brach­ten die Nacht im Gerichts­ge­bäu­de und wur­den am nächs­ten Mor­gen, 11.10.1938, auf Last­wa­gen nach Kai­sers­lau­tern ins Gefäng­nis gebracht. Mei­ne Eltern und die übri­gen Juden muss­ten hier alle Wert­ge­gen­stän­de, die sie bei sich tru­gen, abge­ben. Anschlie­ßend ging es vom Gericht zum Haupt­bahn­hof, wo wir unter Poli­zei­schutz in Per­so­nen­wag­gons ver­la­den wur­den. Pro Wag­gon bewach­ten uns zwei Poli­zis­ten bis zur pol­ni­schen Gren­ze. Von Kai­sers­lau­tern aus ging der Trans­port über Lud­wigs­ha­fen, Mann­heim, Ber­lin nach Frank­furt /​ Oder. Über­all, wo der Trans­port hielt, wur­den wei­te­re Wag­gons mit Juden ange­hängt oder die Juden in die vor­han­de­nen Wag­gons gepfercht. So ging es von Stadt zu Stadt. Nach eini­gen Tagen erreich­ten wir an der dama­li­gen deutsch-pol­ni­schen Gren­ze Neu-Bentschin.
Bei strö­men­dem Regen und furcht­ba­rer Käl­te muss­ten wir die Wag­gons ver­las­sen. Ent­lang der Glei­se wur­den wir über das soge­nann­te Nie­mands­land auf die pol­ni­sche Sei­te getrie­ben. Doch die Polen lie­ßen die Men­schen nicht in ihr Land, so dass wir eini­ge Tage unter frei­em Him­mel auf den Glei­sen ver­brin­gen muss­ten. Nach drei Tagen wur­den wir von den Polen in eine nahe­ge­le­ge­ne leer­ste­hen­de Müh­le ver­frach­tet, die wir nicht ver­las­sen durf­ten. In die­ser Müh­le, die eine Rui­ne ohne jeg­li­ches Mobi­li­ar war, ver­brach­ten wir fast ein Jahr. Wir schlie­fen auf Stroh. Ein­mal täg­lich erhiel­ten wir vom pol­ni­schen Roten Kreuz unse­re Ver­pfle­gung.
“[4]

Es müs­sen chao­ti­sche Zustän­de geherrscht haben, da die pol­ni­schen Behör­den mit die­sem Zustrom von ins­ge­samt etwa 4.800 Men­schen allein in Bent­schen völ­lig unvor­be­rei­tet kon­fron­tiert waren. „Meh­re­re tau­send Men­schen irr­ten im Nie­mands­land umher, dräng­ten sich auf dem Bahn­ge­län­de, haus­ten im Sta­ti­ons­ge­bäu­de oder auf nahe gele­ge­nen Plät­zen in der pol­ni­schen Grenz­stadt Bent­schen sowie auf den die Stadt umge­ben­den Wie­sen. (…) Nach­dem sich die pol­ni­schen Grenz­pos­ten dar­um bemüht hat­ten, die Aus­ge­wie­se­nen zu regis­trie­ren bzw. ihre Päs­se zu kon­trol­lie­ren, konn­ten vie­le von ihnen inner­halb der ers­ten zwei Tage in das Lan­des­in­ne­re wei­ter­rei­sen. Die­je­ni­gen aller­dings, die nicht wuss­ten wohin und denen man die Ein­rei­se ver­wei­ger­te, wur­den in Bent­schen inter­niert.“[5]

Oskar Freudmann, Claire Freudmann, Judenhaus Wiesbaden, Adelheidstr. 94
Ein Ziel der Ver­trei­bung: Schaf­fung von frei­em Wohn­raum
-Mit Geneh­mi­gung des Stadt­ar­chis Pirmasens

Die bei­den Töch­ter Clai­re und Irma schei­nen von die­ser Akti­on nicht betrof­fen gewe­sen zu sein, ver­mut­lich hat­ten bei­de zu die­ser Zeit ihre Hei­mat­stadt bereits ver­las­sen. Das wei­te­re Schick­sal der drei abge­scho­be­nen Fami­li­en­mit­glie­der ist nur bruch­stück­haft rekon­stru­ier­bar. Völ­lig unbe­kannt ist, was mit Regi­na Freud­mann nach ihrer Regis­trie­rung in Bent­schen wei­ter geschah. Obwohl ihr Name im Gedenk­buch des Bun­des­ar­chivs Koblenz nicht auf­ge­nom­men ist, muss man davon aus­ge­hen, dass auch sie spä­ter der Shoa zum Opfer fiel.[6]

Claire Klara Freudman, Alfons Freudmann, Irma Freudmann, Oskar Freudmann, Regina Freudmann Hanau, Judenhaus Adelheidstr. 94, Wiesbaden
Beleg für die Ermor­dung von Alfons Freud­mann
https://collections.arolsen-archives.org/archive/4117855/?p=1&s=Alfons%20Freudmann&doc_id=4117855

Für den Sohn Alfons ist das gewiss. Er leb­te bis zur Beset­zung Polens durch die deut­schen Trup­pen in Polen, wur­de dann aber am 16. Novem­ber 1939 inhaf­tiert und in das KZ Sach­sen­hau­sen über­stellt. Schon am 20. März des fol­gen­den Jah­res wur­de er dort ermor­det.  Von den Drei­en hat allein der Vater über­lebt. Aller­dings gibt es kei­ne Infor­ma­tio­nen dar­über, wie es ihm gelin­gen konn­te, nach der Abschie­bung von Polen nach Bel­gi­en zu gelan­gen, wo er defi­ni­tiv seit 1940 leb­te. Mög­li­cher­wei­se hat­te man ihm erlaubt, was auch in vie­len ande­ren Fäl­len ermög­licht wur­de, noch ein­mal nach Deutsch­land zurück­zu­kom­men, um das Geschäft und einen Ver­kauf des Hau­ses in Pir­ma­sens abzu­wi­ckeln. Zwar kam es zu einem sol­chen Ver­kauf nicht mehr, aber an den Immo­bi­li­en der Juden bestand über­all ein gro­ßes Inter­es­se, so auch in Pir­ma­sens, wie ein Schrei­ben des Ober­bür­ger­meis­ters an die Bezirks­re­gie­rung der Pfalz vom Dezem­ber deut­lich macht.[7]

Aller­dings war ein erzwun­ge­ner Eigen­tums­wech­sel nicht so ohne Wei­te­res mög­lich, denn der Raub war auch im natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unrechts­staat nach „Recht und Gesetz“ zu voll­zie­hen. Eine Ver­mö­gens­ver­fall war auch bei Juden so lan­ge aus­ge­schlos­sen, bis auch die bei­den Töch­ter aus Deutsch­land aus­ge­wie­sen bzw. depor­tiert waren oder sie das Staats­ge­biet frei­wil­lig ver­las­sen hat­ten. Sie waren, obwohl ver­mut­lich nicht mehr in Pir­ma­sens wohn­haft, den­noch offen­sicht­lich noch dort gemel­det. In einem Ver­zeich­nis über den Wohn­be­sitz der im Okto­ber abge­scho­be­nen Juden aus Pir­ma­sens vom 29. Novem­ber 1938 heißt es, dass das Haus in der Frö­bel­str. 7 noch von den bei­den Töch­tern bewohnt wür­de. Mög­li­cher­wei­se waren sie aber auch nach den Ereig­nis­sen vom Okto­ber zurück­ge­kom­men, um das Haus und die dar­in befind­li­che Ein­rich­tung zu bewa­chen und ihre Besitz­an­sprü­che gel­tend zu machen.[8]

Johanna Wolf, Judenhäuser Wiesbaden
Das Heim des Jüdi­schen Frau­en­bun­des in Neu Isen­burg
Mit Geneh­mi­gung des Jüdi­schen Muse­ums Frankfurt

Zumin­dest von Irma ist bekannt, dass sie vom 18. Novem­ber 1936 bis zum 25. März 1937 in Neu-Isen­burg im Heim des ‚Jüdi­schen Frau­en­bun­des’ wohn­te. Die­ses von der Sozi­al­re­for­me­rin und Frau­en­recht­le­rin Ber­tha Pap­pen­heim gegrün­de­te Haus dien­te ledi­gen Müt­tern als Schutz­raum wäh­rend und nach der Geburt ihrer unehe­li­chen Kin­der.[9] Auch Irma Freud­mann brach­te am 24. Dezem­ber 1936 dort ihren unehe­li­chen Sohn Baruch Gerd, auch Gert, zur Welt. Im Früh­jahr 1937 war sie mit ihrem Sohn noch ein­mal in Pir­ma­sens gemel­det. Gert wur­de danach wie­der in einem Haus des ‚Jüdi­schen Frau­en­bun­des’, dem ‚Frank­fur­ter Kin­der­haus der Weib­li­chen Für­sor­ge’, eben­falls von Ber­tha Pap­pen­heim gegrün­det, unter­ge­bracht.[10] In die­sem Haus, das seit 1939 nomi­nell von der ‚Reichs­ver­ei­ni­gung der Juden in Deutsch­land’ betrie­ben wur­de, ver­brach­te Gert die weni­gen Lebens­jah­re, die ihm blei­ben soll­ten. Vom 1. Sep­tem­ber bis zum 7. Sep­tem­ber 1939, so ist den Unter­la­gen aus Arol­sen zu ent­neh­men, weil­ten Clai­re und Irma Freud­mann für eine Woche in Frank­furt.[11]

Claire Klara Freudman, Alfons Freudmann, Irma Freudmann, Oskar Freudmann, Regina Freudmann Hanau, Judenhaus Adelheidstr. 94, Wiesbaden
Der Trans­port­schein für Gert Freud­mann in das Gas von Ausch­witz
https://​coll​ec​tions​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​1​4​2​0​2​/​0​0​2​5​/​1​3​1​0​7​6​7​0​2​/​0​0​1​.​jpg
Claire Freudmann, Irma Freudmann, Gert Freudmann
Der klei­ne Gert Freud­mann, ermor­det in Ausch­witz
Mit Geneh­mi­gung des Stadt­ar­chivs Pirmasens

Ob er erst zu die­sem Zeit­punkt in das Heim gebracht wur­de oder ob es sich um einen viel­leicht letz­ten Besuch von Mut­ter und Tan­te han­del­te, ließ sich nicht klä­ren. Am 14. Sep­tem­ber 1942, nach­dem das Heim in Frank­furt auch for­mal von der NSDAP über­nom­men wor­den war, wur­den die Pfle­ge­kräf­te mit allen Kin­dern mit dem Trans­port XII/​3, der ins­ge­samt 1372 Men­schen umfass­te, nach The­re­si­en­stadt ver­bracht. Gert hat­te zuletzt mit sechs ande­ren Jun­gen in einem Zim­mer im zwei­ten Stock des Hau­ses gewohnt. Er war mit fünf Jah­ren sozu­sa­gen der Stu­ben­äl­tes­te; die ande­ren Kin­der im Zim­mer waren alle erst vier Jah­re alt.[12] Zwei wei­te­re Jah­re hat Gert im Ghet­to­la­ger The­re­si­en­stadt ver­bracht,[13] bevor man ihn am 23. Okto­ber 1944 in das Gas von Ausch­witz schickte.

Gerts Mut­ter Irma Freud­mann war zu einem nicht bekann­ten Zeit­punkt nach Bel­gi­en gegan­gen. Ob sie bereits vor ihrem Besuch im Sep­tem­ber 1939 dort leb­te und bei Kriegs­aus­bruch noch ein­mal zu ihrem Sohn nach Frank­furt zurück­kehr­te, konn­te bis­her nicht ermit­telt wer­den. Wahr­schein­li­cher ist aber, dass sie erst nach Kriegs­aus­bruch und einem letz­ten Abschied von Gert in das bel­gi­sche Exil ging, sicher noch immer in der Hoff­nung, ihren Sohn spä­ter holen zu kön­nen. Sie hat­te inzwi­schen – wann und wo, ist nicht bekannt — den aus Mann­heim stam­men­den Richard Roth­schild gehei­ra­tet. Er war am 29. Febru­ar 1940 eben­falls nach Bel­gi­en geflo­hen, wur­de bald aber ver­haf­tet und am 31. Okto­ber 1942 von Mechelen aus auch nach Ausch­witz depor­tiert und ermor­det.[14] Ver­mut­lich war er der Vater von Colet­te Myri­am, die am 20. August 1940 im Lager Gurs gebo­ren wur­de. In die­ses Lager am Rand der Pyre­nä­en hat­te man die schwan­ge­re Irma Roth­schild-Freud­mann ver­bracht. Im Febru­ar 1942 war sie, ver­mut­lich mit ihrer klei­nen Toch­ter, noch in das Neben­la­ger Noe in der Nähe von Tou­lou­se ver­legt wor­den.[15] Bei­de über­leb­ten die Grau­en die­ses Lager­le­bens auf wun­der­sa­me Wei­se. Vom Schick­sal ihres Soh­nes hat­te sie kei­ne Kennt­nis erhalten.

Bel­gi­en scheint der gemein­sa­me Zufluchts­ort zumin­dest für die Fami­li­en­mit­glie­der gewe­sen zu sein, denen es zunächst gelun­gen war, Deutsch­land zu ver­las­sen. Auch Oskar Freud­mann war auf unbe­kann­tem Weg 1940 dort­hin gelangt, nach­dem er 1938 zunächst nach Polen abge­scho­ben wor­den war.[16] 1941 lag er in Brüs­sel bzw. Lin­ken­beck bei Brüs­sel in einem „Hos­pi­tal des recon­va­les“. In die­ser Zeit stand er in Kon­takt mit sei­ner Toch­ter Clai­re, die seit Febru­ar 1941 in Wies­ba­den weil­te. Pri­va­te Kor­re­spon­den­zen lie­gen nicht vor, aber im Juni 1941 hat­te sie von ihrer Adres­se im Juden­haus Adel­heidstr. 94 für ihren Vater bei der Devi­sen­stel­le in Frank­furt einen Antrag auf Mit­nah­me von Umzugs­gut gestellt. Die­se Bit­te war offen­sicht­lich abge­lehnt oder unbe­ant­wor­tet geblie­ben, sodass sie die Lis­te erneut am 25. August 1941 bei der Behör­de einreichte.

Claire Klara Freudman, Alfons Freudmann, Irma Freudmann, Oskar Freudmann, Regina Freudmann Hanau, Judenhaus Adelheidstr. 94, Wiesbaden
Brief von Clai­re Freud­mann an die Devi­sen­stel­le in Frank­furt
HHStAW 519/​3 27837 (1)

In dem Begleit­brief bat sie dar­um, ihrem Vater Klei­dung in die Kli­nik sen­den zu dür­fen, da die­ser „so gut wie gar nichts mehr zum Anzie­hen“ habe. Man möge wenigs­tens das Wich­tigs­te aus der bei­lie­gen­den Lis­te geneh­mi­gen.[17] Die Lis­te ent­hält ins­ge­samt 28 Arti­kel, dar­un­ter Unter­wä­sche, Hem­den, einen Man­tel, Kra­wat­ten und eini­ge klei­ne Gebrauchs­ge­gen­stän­de wie Feu­er­zeug oder Füll­fe­der­hal­ter – „alles gebrauch­te Sachen“, wie Clai­re notiert. Der Vater hat­te sei­ne Toch­ter gebe­ten, sein Gesuch an die „zustän­di­ge Stel­le“ wei­ter­zu­lei­ten. Wenn das die Devi­sen­stel­le in Frank­furt war, so muss man dar­aus schlie­ßen, dass auch der Vater zuvor im Amts­be­reich die­ser Behör­de gewohnt haben muss.

Wel­che über­bor­den­de Büro­kra­tie aber die­se klei­ne Bit­te aus­lös­te, zeigt der Akten­ver­merk der Devi­sen­stel­le in die­ser Angelegenheit:

„1.    In A‑Liste ein­tra­gen unter (Akten­zei­chen)
Ver­sand von Kleidungsstücken
2.      AU-Map­pe anlegen:
Jakob Oscar Freud­mann – Brüssel
3.      Kar­tei­kar­te anlegen
4.      Ver­merk auf Kar­tei­kar­te: Ver­sand von Klei­dungs­stü­cken durch Clai­re Sara Freud­mann,   Wies­ba­den, Adel­heidstr. 94
5.      Kar­tei­kar­te anle­gen für Clai­re Sara Freud­mann, Wies­ba­den, Adel­heidstr. 94
6.      Kar­tei­ver­merk: Ver­sand von Klei­dungs­stü­cken an Jakob Oscar Freud­mann, z.Zt. Brüssel
7.      W.V
. [Wie­der­vor­la­ge — K.F.] Herrn Ullrich
8.      Nach Wie­der­vor­la­ge der Akten ist die Umzugs­guts­lis­te mit Geneh­mi­gungs­ver­merk an Clai­re Sara Freud­mann, Wies­ba­den, zu senden.
(erl. Ul 29.8.41)
9.      Das Ver­fah­ren wird eingestellt
10.    Ver­merk auf Karteikarte
11.    Ver­merk A‑Liste
12     Akten weglegen
I.A. Ul“
[18]

Es muss immer wie­der ver­wun­dern, dass die­ses Régime, des­sen Ver­wal­tungs­auf­wand, bei aller Will­kür, selbst vor den Toren der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger nicht Halt mach­te, nicht an sei­ner eige­nen Büro­kra­tie erstick­te. Bei­de Aspek­te die­ses Herr­schafts­sys­tems, Will­kür und Büro­kra­tis­mus, tre­ten in die­ser klei­nen Epi­so­de um den Kof­fer mit alten Klei­dungs­stü­cken deut­lich zuta­ge. Dass der gera­de zuvor abge­lehn­te Antrag die­ses Mal geneh­migt wur­de, obwohl es dazu kei­ne neu­en Erkennt­nis­se oder Akten gab, muss trotz des erfreu­li­chen Aus­gangs für die Freud­manns, eben­falls als ein Akt der Will­kür bezeich­net werden.

Claire Klara Freudman, Alfons Freudmann, Irma Freudmann, Oskar Freudmann, Regina Freudmann Hanau, Judenhaus Adelheidstr. 94, Wiesbaden
Aus­zug aus der Depor­ta­ti­ons­lis­te vom 10.6.1942
HHStAW 519/​2 1381

Die­ser Brief­wech­sel ist bis zum Ende des Nazi-Regimes das letz­te Lebens­zei­chen sowohl von Oskar als auch von Clai­re Freud­mann. Ihr wei­te­res Schick­sal bleibt bis­her weit­ge­hend im Dun­keln. Zwar steht Clai­res Name auf der Depor­ta­ti­ons­lis­te vom 10. Juni 1942 und auch ihre Gestapo­kar­tei­kar­te ent­hält den übli­chen Ver­merk „10.6. 42 — nach dem Osten eva­ku­iert“, inzwi­schen ist aber klar, dass es sich hier mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit um fal­sche bzw. irr­tüm­li­che Ein­trä­ge han­delt. Wenn sie tat­säch­lich damals in Wies­ba­den den Zug bestie­gen haben soll­te, dann hät­te es ihr gelin­gen müs­sen, vor Ankunft in Sobi­bor – etwa in Izbica, Lub­lin oder an einem ande­ren kur­zen Hal­te­punkt – den Zug unbe­merkt zu ver­las­sen, ein Wun­der, an das man nicht glau­ben mag, das auch sicher schon frü­her publik gewor­den wäre. Nach bis­he­ri­gen Erkennt­nis­sen hat es von die­sem Trans­port kei­ne Über­le­ben­den gege­ben. Es ist daher eher unwahr­schein­lich, dass sie in die­sem Zug befand.[19]

Auf der nach dem 10. Juni erstell­ten Lis­te, in der die von Juden beleg­ten Woh­nun­gen fest­ge­hal­ten wor­den waren, ist Clai­re Freud­mann nicht mehr auf­ge­führt, was wie­der­um bedeu­ten wür­de, dass sie zumin­dest nach dem 10. Juni, womög­lich aber auch schon viel frü­her nicht mehr in Wies­ba­den leb­te. Eine mög­li­che Ant­wort auf die Fra­ge, wes­halb sie bei der Depor­ta­ti­on „ver­schont“ blieb, gibt Clai­re Freud­mann in einem nach dem Krieg abge­sen­de­ten Brief an den Ober­bür­ger­meis­ter von Pir­ma­sens, in dem sie ihre Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che anmel­de­te. Es heißt darin:
“Seit die­ser Zeit (seit der Eva­ku­ie­rung der soge­nann­ten ‚Roten Zone’, dem Grenz­ge­biet zu Frank­reich nach dem Kriegs­aus­bruch 1939 – K.F.) bin ich nicht mehr in Pir­ma­sens gewe­sen. Mein lie­ber Vater lebt in Brüs­sel. Ich selbst bin das ein­zi­ge Fami­li­en­mit­glied, das in Deutsch­land lebt und obliegt mir dem­ge­mäss die Sor­ge um unse­re Rech­te. Bis zu mei­ner Befrei­ung durch die Ame­ri­ka­ner bin ich poli­ti­scher Häft­ling gewe­sen.“[20] Mög­li­cher­wei­se hat­te somit eine Ver­haf­tung durch die Gesta­po sie vor dem siche­ren Tod in den Gas­kam­mern von Sobi­bor bewahrt und ihr das Über­le­ben in einem ande­ren Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger ermög­licht. Weder lie­gen aber Infor­ma­tio­nen dar­über vor, wo sie in die­ser Zeit inhaf­tiert war, noch dar­über, wegen wel­cher Akti­vi­tä­ten dies geschah.

Pas­sa­gier­lis­te der ‘Gene­ral Suart’ mit der Clai­re Freud­mann 1951 in die USA aus­wan­der­te
https://www.ancestry.de/interactive/7488/NYT715_7946-0643?pid=3026655507&backurl=https://search.ancestry.de/cgi-bin/sse.dll?indiv%3D1%26dbid%3D7488%26h%3D3026655507%26tid%3D%26pid%3D%26usePUB%3Dtrue&treeid=&personid=&hintid=&usePUB=true&usePUBJs=true.

Nur eine Woche nach dem Ende des Krie­ges, am 15. Mai 1945, mel­de­te sich Clai­re Freud­mann in Mün­chen in der Grim­mes­tr. 2 an.[21] 1951 ver­ließ sie Deutsch­land, um in den USA ein neu­es Leben zu begin­nen. In den Unter­la­gen ist ihr Beruf mit Sekre­tä­rin ange­ge­ben. Den ver­schie­de­nen Lis­ten ist zudem zu ent­neh­men, dass sie für ver­schie­de­ne Aus­schif­fun­gen aus Deutsch­land regis­triert war, dann aber aus unbe­kann­ten Grün­den dort wie­der gestri­chen wur­de. Nicht gestri­chen ist sie auf der Lis­te, die in Bre­men-Grohn ent­stan­den war und die Pas­sa­gie­re des Schiffs ‚US Gene­ral Ste­wart’ ent­hält. Das Schiff war am 31. Janu­ar 1951 in Bre­mer­ha­ven aus­ge­lau­fen und hat­te New York am 23. Febru­ar 1951 erreicht. Von dort — so hat­te sie ange­ge­ben — beab­sich­tig­te sie wei­ter nach Cleve­land in Ohio zu rei­sen.[22] Ihre letz­te bekann­te Adres­se – sie war inzwi­schen ver­hei­ra­tet und trug den Nach­na­men Jäger – war in Newark im Staat New Jer­sey, von wo aus sie 1958 letzt­ma­lig wegen des Ent­schä­di­gungs­ver­fah­rens Kon­takt mit ihrer Hei­mat­stadt auf­ge­nom­men hatte.

Auch Oskar Freud­mann war nach Kriegs­en­de aus Bel­gi­en, wo man ihm am 28. Juni 1948 noch eine Frem­den­kar­te aus­ge­stellt hat­te, nach Mün­chen zu sei­ner Toch­ter gezo­gen. Nach deren Aus­wan­de­rung kam er in den bei­den fol­gen­den Jah­ren zunächst im Jüdi­schen Alters­heim in der Kaul­str. 65 unter, dann für einen kur­zen Zeit­raum bis zu sei­ner eige­nen Aus­rei­se in die USA, in der Funk­ka­ser­ne im Münch­ner Stadt­teil Frei­mann, die damals als Lager für jüdi­sche „Dis­pla­ced Per­sons“ dien­te. Am 16. Juni 1953 mel­de­te er sich in Mün­chen ab und emi­grier­te nach Ame­ri­ka zu sei­ner Tochter.

Dort­hin war zu einem nicht bekann­ten Zeit­punkt auch Irma gelangt, die inzwi­schen erneut ver­hei­ra­tet war und nun den Nach­na­men Lein­wand trug. Sie ver­such­te von New York aus 1962 über den Inter­na­tio­na­len Such­dienst in Arol­sen etwas über das Schick­sal ihres zurück­ge­las­se­nen Soh­nes Gert in Erfah­rung zu brin­gen. Acht Jah­re spä­ter erhielt sie die Nach­richt, dass er in Ausch­witz ermor­det wor­den war.

 

Ver­öf­fent­licht: 13. 11. 2017

Letz­te Ände­rung: 19. 04. 2020

 

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Anmer­kun­gen:

[1] HHStAW 519/​3 27837 (1). Inzwi­schen sind aller­dings auch diver­se Ein­trä­ge auf Lis­ten aus der unmit­tel­ba­ren Nach­kriegs­zeit vom Arol­sen-Archiv online gestellt, aus denen sich wei­te­re Daten ihrer Lebens­ge­schich­te erschlie­ßen las­sen. Sie­he zu ihrer Ankunft in Wies­ba­den sie­he https://collections.arolsen-archives.org/archive/70479707/?p=1&s=claire%20freudmann&doc_id=70479707. (Zugriff: 17.4.2020).

[2] Sie­he dazu gene­rell https://​www​.pir​ma​sens​.de/​l​e​b​e​n​-​i​n​-​p​s​/​k​u​l​t​u​r​/​g​e​d​e​n​k​p​r​o​j​e​kt/. (Zugriff: 16.9.2020). Zur Fami­lie Freud­mann sie­he https://www.pirmasens.de/bilder/kultur/gedenkprojekt/froebelgasse‑7/schirmgeschaeft/internettext-freudmann-st19062020.pdf?cid=13j.  (Zugriff: 6.9.2020). Autor des Arti­kels über die Fami­lie Freud­mann ist Frank Esch­rich vom AK Geschich­te der Juden in Pirmasens/​StA PS. Dank die­ser umfas­sen­den Recher­chen wur­de die ursprüng­lich am 17.11.2017 von mir publi­zier­te Sei­te über Clai­re Freud­mann völ­lig neu über­ar­bei­tet. Die jet­zi­gen Aus­füh­run­gen beru­hen somit zu einem gro­ßen Teil nicht auf eige­ner For­schungs­ar­beit, son­dern auf der von Frank Esch­rich. Ihm sei an die­ser Stel­le beson­ders gedankt.

[3] Bre­schan, der deut­sche Name der Stadt, hat­te eine wech­sel­vol­le Geschich­te. Nach dem Zer­fall der KuK-Mon­ar­chie gehör­te es als Brzeża­ny zunächst zu Polen, dann zur Sowjet­uni­on, heu­te liegt der Ort als Ber­escha­ny auf ukrai­ni­schem Staatsgebiet.

[4] Juden in Pir­ma­sens – Spu­ren ihrer Geschich­te, 2004, S. 444 f., zit. nach https://www.pirmasens.de/bilder/kultur/gedenkprojekt/froebelgasse‑7/schirmgeschaeft/internettext-freudmann-st19062020.pdf?cid=13j. S. 18. (Zugriff: 6.9.2020).

[5] https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​z​w​a​n​g​s​a​u​s​w​e​i​s​u​n​g​.​h​t​m​l​.​d​e​?​p​a​g​e=2. (Zugriff: 17.4.2020).

[6] Im Gedenk­buch des Bun­des­ar­chivs Koblenz sind aller­dings zwei Per­so­nen mit dem Namen Hanau aus Beau­ma­rais als Opfer gelis­tet: Simon Hanau, gebo­ren am 31.12.1878, und Marx Hanau, gebo­ren am 19.12.1875. Mög­li­cher­wei­se han­delt es sich um Brü­der von Regi­na Freud­mann, gebo­re­ne Hanau.

[7] Das Schrei­ben ist auf der Inter­net­sei­te der Geden­kinitia­ti­ve ver­öf­fent­licht. Es heißt dar­in u.a.: „Die gro­ße Woh­nungs­not im Stadt­ge­biet macht im Übri­gen die sofor­ti­ge Maß­nah­me not­wen­dig, die nun seit Wochen unbe­nutz­ten Woh­nun­gen zu räu­men und sie dem Woh­nungs­markt zur Ver­fü­gung zu stellen.“

[8] Das Haus wur­de offen­sicht­lich nicht ver­kauft, obwohl es nach­weis­lich zumin­dest eine Inter­es­sen­tin gab, die dort eine Heiß­man­gel ein­rich­ten woll­te. Inzwi­schen war aller­dings der Ver­kaufs­stopp für jüdi­sche Immo­bi­li­en erlas­sen wor­den, sodass die Begehr­lich­kei­ten der ari­schen Volks­ge­nos­sen uner­füllt blie­ben. Zwar wur­de das Haus vom Deut­schen Reich beschlag­nahmt, ein Beleg für einen Ver­kauf oder Ver­fall der Immo­bi­lie an das Reich gibt es aller­dings nicht. Das Anwe­sen wur­de im Krieg zum gro­ßen Teil zer­stört. Ein begon­ne­nes Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren, das sowohl vom Vater als auch von der Toch­ter Clai­re nach dem Krieg initi­iert wur­de, scheint nicht zu Ende geführt wor­den zu sein. Sie­he zu dem Vor­gang eben­falls die Sei­te der Gedenk-Initia­ti­ve Pir­ma­sens. Sie­he zur Aneig­nung jüdi­scher Immo­bi­li­en auch gene­rell oben das Kapi­tel über den Raub der jüdi­schen Immo­bi­li­en.

[9] Sie­he zu Ber­tha Pap­pen­heim unten.

[10] https://​www​.platz​-der​-ver​ges​se​nen​-kin​der​.de/​?​p​a​g​e=3. (Zugriff: 17.4.2020). In dem 1911 gegrün­de­ten Haus waren jüdi­sche Wai­sen­kin­der, unehe­li­che oder auch nur sol­che Kin­der unter­ge­bracht, die in sozi­al sehr schwie­ri­ge Ver­hält­nis­se hin­ein­ge­bo­ren waren. Es waren ins­ge­samt etwa 50 Kin­der, vom Säug­lings­al­ter bis zum 6. Lebensjahr.

[11] https://collections.arolsen-archives.org/archive/70339811/?p=1&s=Claire%20Freudmann&doc_id=70339811. (Zugriff 17.4.2020).

[12] Sie­he die Lis­te der Depor­tier­ten unter https://​www​.platz​-der​-ver​ges​se​nen​-kin​der​.de/​?​p​a​g​e​=22. (Zugriff: 17.4.2020).

[13] Unwei­ger­lich ist man an den Bericht von Char­lot­te Opfer­mann über ihre Zeit in The­re­si­en­stadt und ihre Arbeit in der Bara­cke der Kin­der erin­nert. Sie­he Opfer­mann, Remem­be­ring The­re­si­en­stadt, S. 69 ff.

[14] Sein Geburts­da­tum ist laut Gedenk­buch des Bun­des­ar­chivs Koblenz der 3.2.1911.

[15] Zu die­sem Lager sie­he https://​www​.gedenk​or​te​-euro​pa​.eu/​c​o​n​t​e​n​t​/​l​i​s​t​/​3​76/. (Zugriff: 17.4.2020).

[16] Dass er 1940 nach Bel­gi­en kam, ergibt sich aus einem Schrei­ben von 1948, das im Arol­sen-Archiv depo­niert ist, sie­he https://​coll​ec​tions​.arol​sen​-archi​ves​.org/​H​/​S​I​M​S​5​/​0​3​0​2​0​1​0​4​/​0​0​7​6​/​1​6​3​5​9​7​7​7​2​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 17.4.2020). Ob sei­ne Toch­ter zu die­sem Zeit­punkt schon ver­haf­tet und nach Gurs depor­tiert wor­den war, ist nicht bekannt.

[17] Sie­he https://​www​.gedenk​or​te​-euro​pa​.eu/​c​o​n​t​e​n​t​/​l​i​s​t​/​3​76/. (Zugriff: 17.4.2020).

[18] HHStAW 519/​3 (4).

[19] Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 214. Die mit Ver­weis auf die ent­spre­chen­de Wies­ba­de­ner Depor­ta­ti­ons­lis­te gemach­te Aus­sa­ge der Geden­kinitia­ti­ve Pir­ma­sens, es sei „sicher“, dass Clai­re Freud­mann, am 10. bzw. 11. Juni 1942 „an einen unbe­kann­ten Ort depor­tiert wur­de“, ist m. E. eher gewagt.

[20] Zit. nach https://www.pirmasens.de/bilder/kultur/gedenkprojekt/froebelgasse‑7/schirmgeschaeft/internettext-freudmann-st19062020.pdf?cid=13j. (Zugriff: 6.9.2020). (Her­vor­he­bung K.F.) Der Brief, hand­schrift­lich ver­fasst, liegt im Stadt­ar­chiv Pir­ma­sens. Im Archiv von Arol­sen liegt eine nach dem Krieg erstell­te Lis­te, laut der Clai­re Freud­mann am 31.10.1944 in das Kran­ken­haus von Mün­chen-Schwa­bing ein­ge­lie­fert wur­de. Der Grund und die Dau­er des Auf­ent­halts sind aller­dings nicht ange­ge­ben. Bei der in der Lis­te auf­ge­führ­ten Per­so­nen han­delt es sich aus­nahms­los um Polen, mög­li­cher­wei­se Zwangs­ar­bei­ter, von denen eine Kran­ken­ak­te ange­legt wor­den war, siehe

https://​coll​ec​tions​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​w​a​r​t​i​m​e​/​0​2​0​1​0​1​0​1​/​0​2​9​8​/​1​4​1​4​6​7​2​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 17.4.2020).

[21] Die Anga­be macht die Geden­kinitia­ti­ve Pir­ma­sens mit Ver­weis auf das Stadt­ar­chiv Mün­chen, AZ 3029/3231.0). Es gibt aller­dings in den Unter­la­gen vom Archiv Arol­sen auch einen Ein­trag, wonach sie in Mün­chen im Lager für Dis­pla­ced Per­sons in der War­ner­ka­ser­ne unter­ge­bracht wor­den war. Ein Zeit­raum ist hier aber nicht genannt, mög­li­cher­wei­se war sie hier nur regis­triert wor­den, sie­he https://collections.arolsen-archives.org/H/Child%20Tracing%20Branch%20General%20Documents/03010302/aa/gc/ba/001.jpg. (Zugriff: 17.4.2020).

[22]  https://www.ancestry.de/interactive/7488/NYT715_7946-0643?pid=3026655507&backurl=https://search.ancestry.de/cgi-bin/sse.dll?indiv%3D1%26dbid%3D7488%26h%3D3026655507%26tid%3D%26pid%3D%26usePUB%3Dtrue&treeid=&personid=&hintid=&usePUB=true&usePUBJs=true. Zu ande­ren Lis­ten sie­he die ver­schie­de­nen Doku­men­te im Arol­sen-Archiv unter ihrem Namen.