Clara Rose, geborene Fraenkel


Juden Wiesbaden, Judenhäuser
Das ehe­ma­li­ge Juden­haus in der Hall­gar­ter Str. 6
Eige­ne Auf­nahme
Judenverfolgung Wiesbaden
Lage des ehe­ma­li­gen Juden­hau­ses Hall­gar­ter Str. 6
Judenhaus Wiesbadaen, Judenäuser Wiesbaden, Juden Wiesbaden
Bele­gung des Juden­hau­ses Hall­gar­ter Str. 6
Das Juden­haus Hall­gar­ter Str. 6 frü­her
Mit Geneh­mi­gung M. Sauber

 

 

 

 

 


Eine wei­te­re Bewoh­ne­rin des Hau­ses Hall­gar­ter Str. 6, die am 1. Sep­tem­ber 1942 depor­tiert wur­de, war Cla­ra Rose. Bevor Cla­ra Rose nach Wies­ba­den kam, hat­te sie zuvor in ver­schie­de­nen Städ­ten Deutsch­lands gelebt. Das ist sicher ein Grund dafür, dass über ihr Leben eher wenig bekannt ist. Gebo­ren wur­de sie am 7. Janu­ar 1869 in Stutt­gart, soweit bekannt, als ältes­te Toch­ter von Adolph und Johan­na Fraen­kel, gebo­re­ne War­ten­berg. Sie hat­te noch zwei wei­te­re Schwes­tern, die eben­falls in Stutt­gart gebo­ren wur­den. Zunächst kam Ger­trud am 18. Okto­ber 1870 zur Welt, anschlie­ßend Doro­thea Lydia, die am 25. April 1876 gebo­ren wur­de und spä­ter auch in Wies­ba­den leb­te.[1] Der am 14. April 1879 eben­falls in Stutt­gart gebo­re­ne Bru­der Erwin wohn­te zuletzt in Ber­lin, von wo er im Novem­ber 1941 depor­tiert wur­de. Ger­trud, ver­hei­ra­te­te Schwa­be, hat mit ihrer Fami­lie in Frank­reich den Holo­caust als ein­zi­ge der bekann­ten Geschwis­ter über­lebt.[2]

Clara Rose, Clara Fraenkel, Fränkel
Stamm­baum von Cla­ra Rose
(GDB-PLS)

Über den Ehe­mann von Cla­ra, Gus­tav Rose, ist durch eine knap­pe Notiz in der Steu­er­erklä­rung von 1940 bekannt, dass er bereits am 17. Sep­tem­ber 1917 ver­starb.[3] Seit­dem war sie ver­wit­wet und leb­te als Pri­va­tie­re. Kin­der waren nach ihren eige­nen Anga­ben aus der Ehe nicht her­vor­ge­gan­gen.[4] Zum Zeit­punkt sei­nes Able­bens waren Gus­tav Rose und sei­ne Frau in Braun­schweig gemel­det.[5]

Klara FRaenkel, Clara Fränkel, Judenhäuser Wiesbaden
Mel­de­kar­te von Cla­ra Rose in Bad Ems
Stadt­ar­chiv Bad Ems

Über das Leben der Wit­we in den fol­gen­den knapp zwan­zig Jah­ren lie­gen kei­ne Infor­ma­tio­nen vor. Am 15. Janu­ar 1935 war sie aus Ber­lin kom­mend – viel­leicht hat­te sie dort bei ihrem Bru­der gelebt – nach Bad Ems gezo­gen und hat­te eine Woh­nung bzw. ver­mut­lich ein Zim­mer in der Adolf-Hit­ler-Str. 23 in der Pen­si­on „Stadt Algier“ ange­mie­tet. Die klei­ne Kur­stadt an der Lahn war im 19. Jahr­hun­dert nicht nur ein bevor­zug­ter Treff­punkt für den euro­päi­schen Hoch­adel gewor­den,[6] auch vie­le betuch­te Juden wähl­ten den Ort, um dort ihre kör­per­li­chen Lei­den behan­deln zu las­sen, oder auch nur, um auf der Pro­me­na­de oder im Casi­no am gesell­schaft­li­chen Leben teil­zu­neh­men, qua­si als wahr­nehm­ba­rer Beweis für eine gelun­ge­ne Eman­zi­pa­ti­on und Inte­gra­ti­on.[7] Cla­ra Rose gehör­te sicher nicht zu den wohl­ha­ben­den Juden, aber noch reich­te ihr Ver­mö­gen aus, um sich dort auch auf Dau­er als Pen­si­ons­gast ein­quar­tie­ren zu kön­nen.[8]

Aber neben den Gäs­ten gab es in Bad Ems auch eine beacht­li­che Zahl jüdi­scher Bür­ger. Die etwa 100 Per­so­nen stell­ten in der Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik rund 1,5 Pro­zent der Bevöl­ke­rung. Mit ihren Akti­vi­tä­ten im Han­del, im Hand­werk wie auch im Tou­ris­mus­ge­wer­be tru­gen sie zur Pro­spe­ri­tät der Stadt bei, über vie­le Jah­re geach­tet und weit­ge­hend inte­griert. Aber schon Ende der Zwan­zi­ger­jah­re ver­schaff­ten sich auch in Bad Ems zuneh­mend Grup­pie­run­gen und Ein­zel­per­so­nen Gehör, die mit ihren anti­se­mi­ti­schen Kli­schees die Juden aus der Stadt und auch aus Deutsch­land her­aus­drän­gen woll­ten, u.a. der spä­te­re Gau­lei­ter Spren­ger. Und sehr schnell nach dem 30. Janu­ar 1933 wan­del­ten sich die poli­ti­schen Macht­ver­hält­nis­se in der Kom­mu­ne und damit auch das Bild der Stadt selbst.[9]Die NSDAP über­nahm das Bür­ger­meis­ter­amt und oppo­si­tio­nel­le Kom­mu­nal­po­li­ti­ker wur­den ver­folgt, ver­haf­tet oder zum Rück­zug gezwun­gen. Am Rat­haus wur­de die Haken­kreuz­flag­ge gehisst und die Lahn­stra­ße, in der Cla­ra Rose spä­ter ihre Unter­kunft fand, wur­de zu Ehren des „Füh­rers“ in Adolf Hit­ler Stra­ße umbe­nannt. Im Jahr 1935, als Cla­ra Rose nach Bad Ems kam, wand­te sich der dama­li­ge Bür­ger­meis­ter Mes­ser­schmidt an die orts­an­säs­si­gen Fir­men und for­der­te sie in vor­aus­ei­len­dem Gehor­sam auf, die Juden aus dem Wirt­schafts­le­ben und dem sozia­len Leben über­haupt her­aus­zu­drän­gen: „Die Juden­fra­ge in Deutsch­land kann grund­sätz­lich nur gelöst wer­den, wenn jeg­li­che Bezie­hun­gen zu Juden auf­hö­ren; dazu gehört auch, dass die Stadt und ihre sämt­li­chen Betriebs­wer­ke und Ein­rich­tun­gen grund­sätz­lich nur Geschäfts­ver­bin­dun­gen unter­hal­ten und Lie­fe­run­gen und Arbeits­kräf­te nur an sol­che Volks­ge­nos­sen ver­ge­ben, die grund­sätz­lich kei­ner­lei Bezie­hun­gen geschäft­li­cher und pri­va­ter Art zu Juden haben.“[10] Zwar konn­te die­ser Beschluss wegen des Wider­stands der Emser Geschäfts­leu­te damals nicht durch­ge­setzt wer­den, aber der Beschluss zeigt klar, dass eine Cla­ra Rose dort nicht mehr will­kom­men war. Noch ran­gier­ten aber geschäft­li­che Inter­es­sen vor ideo­lo­gi­schen Über­zeu­gun­gen, denn noch immer kamen eini­ge jüdi­sche Kur­gäs­te in die Stadt.[11] Im Mai 1938 konn­te dann die Lahn­zei­tung mel­den, dass sich die Stadt gemein­sam mit der NSDAP-Orts­grup­pen­lei­tung und den Inha­bern der Hotels, Pen­sio­nen und Gast­stät­ten dar­auf geei­nigt hat­te, Juden künf­tig nicht mehr zu bedie­nen und dies durch eine deut­li­che Beschil­de­rung auch anzu­zei­gen.[12]

Auch in Bad Ems wur­de dann das Jahr 1938 zum ent­schei­den­den Wen­de­punkt. Im Mai 1938 beschlos­sen die Hotel- und Gast­stät­ten­be­trei­ber, dass ab sofort kei­ne Juden mehr bedient wür­den und man kein Inter­es­se mehr an jüdi­schen Gäs­ten habe. Zu einem regel­rech­ten Gewalt­ex­zess kam es am 10. Novem­ber 1938. Waren in ande­ren Orten Deutsch­lands schon in der Nacht zuvor die Syn­ago­gen in Brand gesetzt und die jüdi­schen Bür­ger ver­folgt wor­den, so began­nen die Aus­schrei­tun­gen in Bad Ems sozu­sa­gen „ver­spä­tet“ erst am Nach­mit­tag des 10. Novem­ber. Dafür waren sie dann aber auch umso bru­ta­ler. Mit der Paro­le „Kein Jude soll in die­ser Nacht wis­sen, wo er schla­fen kann!“ begann der zum Teil auch von aus­wär­ti­gen SA-Leu­ten ange­führ­te Mob, der sich aus drei Trupps zusam­men­setz­te, sein teuf­li­sches Werk. Vie­le Ein­hei­mi­sche unter­stütz­ten die Aktio­nen, wenn nicht hand­greif­lich, dann wenigs­tens mit zustim­men­dem Applaus. Huber­tus Sei­bert hat in einem spä­te­ren Vor­trag zum Geden­ken an die­sen Tag die wesent­li­che Ereig­nis­ab­fol­ge zusammengefasst:
„Eine ers­te Grup­pe drang zunächst in das neben dem Wie­ner Hof lie­gen­de jüdi­sche Alters­heim ein. Hier wur­de in bru­ta­ler Wei­se das gan­ze Inven­tar zer­stört und zum Teil auf die Stra­ße gewor­fen; dabei ent­stand solch eine Unord­nung, daß die Emser Poli­zei erst nach tage­lan­gem Suchen in den Räu­men zwi­schen den Möbel­trüm­mern und Scher­ben Schmuck­ge­gen­stän­de und Andenken der Insas­sen wie­der­fin­den konn­te. Außer­dem wur­den die Plu­meaus und Kis­sen der Bet­ten auf­ge­schlitzt und ihr Inhalt zum Teil auf die Römer­stra­ße ent­leert, die nach­her mit einer dicken Feder­schicht bedeckt war. Die Insas­sen des Alters­heims, rund 80 alte und hilf­lo­se Men­schen, wur­den teil­wei­se unter Schlä­gen in den Kel­ler getrie­ben und dort ein­ge­sperrt. Auch an ande­ren Stel­len der Stadt trie­ben die Roll­kom­man­dos ihr ver­bre­che­ri­sches Unwe­sen. In der Gra­ben­stra­ße, bei dem jüdi­schen Ban­kier Kirch­ber­ger, wur­den wert­vol­le Möbel­stü­cke, Ein­rich­tungs- und Kunst­ge­gen­stän­de sowie sel­te­ne Sti­che und Dru­cke mit Äxten und Bei­len in Stü­cke gehauen.
Auf der ande­ren Lahn­sei­te, im Kur­lo­gier­be­trieb der Geschwis­ter Kauf­mann, im Hotel Pfäl­zer Hof in der Main­zer Stra­ße, zer­schlu­gen die brau­nen Hor­den Schei­ben, eine Klo­sett­schüs­sel, zwei Fens­ter­flü­gel, drei Türen mit Fas­sun­gen und 24 Wasch­be­cken mit Spie­gel. Neben­an bei dem jüdi­schen Arzt Dr. Cohn, ein paar Häu­ser wei­ter bei dem Rab­bi­ner Dr. Laup­hei­mer und in der jüdi­schen Metz­ge­rei Levi zer­trüm­mer­te man die Ein­rich­tung mit einem sol­chen Élan, daß der Schutt und die Scher­ben auf die Stra­ße kullerten.
Ein drit­ter Zer­stö­rungs­trupp drang in das Anwe­sen Bern­stein in der Römer­stra­ße ein. Wäh­rend sich eini­ge in der Woh­nung im 1. Stock zu schaf­fen mach­ten, räum­ten ande­re das im Par­terre gele­ge­ne Hut­ge­schäft aus. Neben der SA waren hier vie­le Jugend­li­che und Zivi­lis­ten am Werk. Aus dem Laden des jüdi­schen Uhren­ge­schäfts Sund­hei­mer flo­gen die Wecker auf die Stra­ße. So wur­den nach und nach die Ein­rich­tun­gen von rund 30 jüdi­schen Woh­nun­gen und Geschäf­ten in gründ­li­cher Wei­se demo­liert. Kei­ner wur­de ver­ges­sen. Selbst den armen Ren­ten­emp­fän­ger Grün­baum, des­sen Ehe­frau zudem eine Chris­tin war, such­te ein Trupp noch um 22 Uhr heim. Ein Täter klet­ter­te den Dachk­än­del hoch, zer­schlug ein Fens­ter, drang in die Woh­nung ein und öff­ne­te sei­nen Kom­pli­zen die Tür, die als­dann auch hier ‚rei­nen Tisch’ machten.
Die Syn­ago­ge war den Nazis ein beson­de­rer Dorn im Auge. Gegen 19 Uhr fuh­ren hier meh­re­re (ver­mut­lich aus­wär­ti­ge) Autos vor, die Insas­sen for­der­ten zunächst den Syn­ago­gen­die­ner Neu­mann auf, den Schlüs­sel her­aus­zu­ge­ben. Als die­ser sich wei­ger­te, dran­gen sie mit Gewalt in die Syn­ago­ge ein, zer­schlu­gen das Mobi­li­ar und war­fen Tei­le der ver­wüs­te­ten Ein­rich­tung und kul­ti­schen Gegen­stän­de sowie Gebets­bü­cher auf die Stra­ße. Die Inbrand­set­zung schei­ter­te dar­an, daß man befürch­te­te, daß das Feu­er auf die Nach­bar­häu­ser über­grei­fen würde.
Auch dem Rab­bi­ner Dr. Fried­rich Laup­hei­mer und sei­ner Fami­lie wur­de bös mit­ge­spielt. Nach den Anga­ben sei­nes Soh­nes Hana­ni­ja dran­gen drei Nazis in die Woh­nung ein und ver­wüs­te­ten sie völ­lig. Einer der Täter war der Mann, den Mut­ter und Sohn Laup­hei­mer am Vor­mit­tag des 10. Novem­ber auf dem Emser Rat­haus wegen der Emi­gra­ti­on der Fami­lie auf­ge­sucht hat­ten. Die ver­zwei­fel­ten Ver­su­che des Rab­bi­ners, die Zer­stö­run­gen zu ver­hin­dern, indem er sei­ne Kriegs­aus­zeich­nun­gen aus dem Ers­ten Welt­krieg vor­zeig­te, blie­ben ohne jede Wir­kung. Unter Schlä­gen wur­de er schließ­lich auf die Stra­ße gezerrt; umringt von einer ihn ver­höh­nen­den Men­schen­men­ge scher­te ihm einer der SA-Män­ner den Bart.“
[13]

Judenhaus Hallgarter Str. 6, Wiesbaden, Clara Fränkel, Fraenkel, Clara Rose
Brief von Cla­ra Rose an das Finanz­amt Diez nach dem Novem­ber­po­grom 1938
HHStAW 685 658 (6)

Die­ser Pogrom mach­te auch dem Letz­ten klar, dass Bad Ems kein Ort mehr war, wo man als Jude leben und über­le­ben konn­te. Hat­te es im Sep­tem­ber 1938 noch 105 jüdi­sche Bewoh­ner gege­ben, so hat­te sich die­se Zahl inner­halb von zwei Jah­ren auf acht­zehn ver­min­dert. Im Sep­tem­ber des fol­gen­den Jah­res 1941 war Bad Ems „juden­frei“.[14] Die Ereig­nis­se im Novem­ber 1938 hat­ten auch Cla­ra Rose ver­an­lasst, die Stadt zu ver­las­sen und in das ver­meint­lich siche­re Wies­ba­den zu zie­hen. Auch sie war unmit­tel­bar betrof­fen gewe­sen und – wie sich aus einem Brief­wech­sel mit dem Finanz­amt Diez ergibt – zum Ziel der Gewalt­ak­ti­on gewor­den. Das Finanz­amt hat­te ihr im Dezem­ber 1938 als Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be die Sum­me von 1.800 RM abver­langt, zu zah­len in vier Raten. Die­ser Rech­nung war mit Stich­tag 27. April 1938 ein Ver­mö­gen von 9.000 RM zugrun­de gelegt wor­den.[15] In einem Brief vom 12. Dezem­ber bat sie dar­um, bei der Berech­nung der Abga­be ihre inzwi­schen erfolg­te Ver­mö­gens­än­de­rung zu berück­sich­ti­gen. Durch die „Demo­lie­rung“ ihres Haus­stan­des am 10. Novem­ber sei ihr ein Teil – fak­tisch die Hälf­te – ihres Ver­mö­gens ver­lo­ren gegan­gen. Auch sei­en ihr Spar­kas­sen­buch und Schmuck von den Ein­dring­lin­gen mit­ge­nom­men wor­den. Sie habe den Ver­lust unmit­tel­bar danach der Poli­zei gemel­det, aller­dings ohne Erfolg. Nur 4.600 RM sei­en ihr noch geblie­ben und sie befän­de sich dadurch jetzt in einer „Not­la­ge“.[16] Tat­säch­lich wur­de eine Neu­be­rech­nung durch­ge­führt, nach der sie jetzt „nur“ noch ins­ge­samt 1.000 RM zah­len soll­te.[17] Um den For­de­run­gen nach­kom­men zu kön­nen, muss­te Cla­ra Rose ihre noch vor­han­de­nen Wert­pa­pie­re ver­kau­fen.[18] 1.000 RM Stra­fe dafür, dass der Nazim­ob die Hälf­te ihrer Habe geraubt oder zer­stört hatte!

In der Ver­mö­gens­auf­stel­lung, die von den Finanz­äm­tern im Zusam­men­hang mit der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be gefor­dert wur­de, wird noch eine inter­es­san­te Ver­bin­dung zu einer ande­ren ehe­ma­li­gen jüdi­schen Fami­lie von Bad Ems erkenn­bar. Eugen Gold­fisch, sei­ne Frau Lina und der Sohn Man­fred hat­ten die Stadt, in der sie seit etwa 1910 das kosche­re Hotel und Restau­rant „Löwen­stein“ führ­ten, bereits 1936 ver­las­sen. Bis­her ist nicht bekannt, ob Cla­ra Rose in die­sem Hotel, das in der Adolf-Hit­ler-Str. 22 in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zum ‚Haus Algier’ gele­gen war, ein­mal selbst gewohnt hat­te. Es muss aber in jedem Fall eine enge­re Ver­bin­dung zu dem aus Süd­deutsch­land stam­men­den jüdi­schen Hote­lier gege­ben haben, denn – so ist ihrer Ver­mö­gens­er­klä­rung zu ent­neh­men – sie hat­te ihm an einem nicht bekann­ten Zeit­punkt ein grö­ße­res Dar­le­hen gewährt.[19] Es mag Zufall sein, aber die Eltern von Eugen Gold­fisch, wohn­ten frü­her zumin­dest zeit­wei­se in Stutt­gart, der Hei­mat­stadt von Cla­ra Rose. Dort war der älte­re Bru­der von Eugen, Alfred Gold­fisch, gebo­ren wor­den. Eugen Gold­fisch selbst war in Ulm zur Welt gekom­men. Es ist daher nicht aus­zu­schlie­ßen, dass die Fami­li­en Fraen­kel und Gold­fisch sich von Stutt­gart her kann­ten oder zumin­dest die gemein­sa­me Her­kunft zum Anknüp­fungs­punkt für eine spä­te­re Freund­schaft wur­de.[20] Viel­leicht war die­se Ver­bin­dung sogar der Grund gewe­sen, wes­halb sie über­haupt nach Bad Ems gekom­men war.

Nach ihrem Umzug nach Wies­ba­den war Cla­ra Rose bei ihrer Schwes­ter Lydia und ihrem Schwa­ger Her­mann Aron in der Vik­to­ria­str. 39 unter­ge­kom­men. Die­se waren ver­mut­lich bereits 1937 aus Reck­ling­hau­sen zuge­zo­gen.[21] Das schö­ne, aber nicht mon­dä­ne Haus lag im öst­li­chen Vil­len­vier­tel am Bier­stad­ter Hang und gehör­te ein­mal jüdi­schen Geschwis­tern Weis, die bis­her dort noch gewohnt hat­ten, inzwi­schen aber aus­ge­wan­dert waren.[22]

Judenhaus Hallgarter Str. 6 Wiesbaden
Gesta­po-Kar­tei­kar­te von Cla­ra Rose, geb. Fraen­kel, mit den ver­schie­de­nen Juden­haus­adres­sen
Stadt­ar­chiv Wiesbaden

Anfang Juli 1940 wur­de die Wohn­ge­mein­schaft mit ihrer Schwes­ter und dem Schwa­ger auf­ge­löst. Die Grün­de dafür sind nicht bekannt, kön­nen aber ver­mu­tet wer­den. 1939 war das Haus, das nach einer Taxie­rung 1940 einen Wert von 33.000 RM hat­te, ver­stei­gert wor­den und hat­te für 28.000 DM den Besit­zer gewech­selt.[23] Man kann mit Sicher­heit davon aus­ge­hen, dass der neue Eigen­tü­mer kei­ne Juden mehr in sei­nem Haus dul­de­te und ihnen die Miet­ver­trä­ge gekün­digt hat­te. Lydia und Her­mann Aron zogen am 3. Juli 1940 in das Juden­haus Ora­ni­en­str. 60, wo sie bis zu ihrer Depor­ta­ti­on blie­ben. Cla­ra Rose fand kei­nen Ort mehr, an dem sie in all der Bedräng­nis wenigs­tens Ruhe hät­te fin­den kön­nen. Es begann für sie eine zwei­jäh­ri­ge Odys­see durch drei ver­schie­de­ne Juden­häu­ser. Zunächst fand sie aller­dings noch ein­mal für kur­ze Zeit eine Unter­kunft in einem Nicht­ju­den­haus. Nach ihrem Aus­zug aus der Vik­to­ria­stra­ße am 1. Juli 1940 konn­te sie für zwei Mona­te am Sedan­platz 5 als Unter­mie­te­rin bei den Geschwis­tern Adel­heid und Hen­ri­et­te Kneip im zwei­ten Stock ein­zie­hen.[24] Im Juni hat­te ihr die Devi­sen­stel­le noch in die Vic­to­ria­str. 39 die Auf­for­de­rung geschickt, eine Ver­mö­gens­er­klä­rung und eine Auf­stel­lung ihrer Lebens­hal­tungs­kos­ten abzu­lie­fern. Mög­li­cher­wei­se hat­te sie die Auf­for­de­rung nicht mehr ereicht oder sie war beim Umzug ver­legt wor­den. Auf jeden Fall droh­te man ihr Haft an, soll­ten die gefor­der­ten Unter­la­gen nicht umge­hend zurück­ge­schickt wer­den.[25] Dem aus­ge­füll­ten For­mu­lar ist zu ent­neh­men, dass sie zu die­ser Zeit noch ein Spar­kas­sen­gut­ha­ben von knapp 150 RM und Wert­pa­pie­re von 2.000 RM besaß. Dane­ben bestand noch die Dar­le­hens­for­de­rung über 600 RM an Eugen Gold­fisch. Für sich selbst benö­tig­te sie 45 RM Mie­te und 120 RM für den übri­gen Unter­halt. 25 RM schick­te sie monat­lich an ihren Bru­der in Ber­lin, der zu die­ser Zeit dort in der Jagow­str. 4 wohn­te.[26]

“Juden­lis­te” der Zel­le 3 von 1941 (Aus­schnitt)
HHStAW 483 10127 (40)

Ihre nächs­te Adres­se war das gro­ße Juden­haus in der Herrn­gar­ten­str. 11. Hier war sie am 31. August 1940 ein­quar­tiert wor­den. Als die NSDAP-Block- und Zel­len­war­te im Spät­herbst 1941 auf­ge­for­dert wor­den waren, die noch in Wies­ba­den woh­nen­den Juden auf­zu­spü­ren, mel­de­te die Zel­le 03, dass Cla­ra Rose in ihrem Bezirk in der Herrn­gar­ten­str. 11 woh­ne.[27]

Ange­sichts der gro­ßen Zahl der dort ein­quar­tier­ten Juden muss man davon aus­ge­hen, dass die Ver­hält­nis­se sehr beengt gewe­sen sein müs­sen. Wo und mit wem sie da zusam­men­wohn­te, ist nicht mehr feststellbar.

Am 25. März 1942 zog sie erneut für etwa ein Vier­tel­jahr in das ehe­ma­li­ge Jüdi­sche Schwes­ter­wohn­heim in der Geis­berg­str. 24. Das Haus fun­gier­te eher als eine Art Sam­mel­sta­ti­on vor der Depor­ta­ti­on. Fast 40 Bewoh­ner waren hier zuletzt gemel­det, bevor sie in die Züge stie­gen, die sie der Ver­nich­tung zuführ­ten. Dass Cla­ra Rose nicht auch zu die­sen gehör­te, ist nicht wirk­lich nach­zu­voll­zie­hen. Für die Depor­ta­ti­on am 10. Juni 1942 war sie schon zu alt, hier soll­ten, so war die Vor­ga­be von Eich­mann, nur jün­ge­re, mög­lichst arbeits­fä­hi­ge erfasst wer­den. Mit die­sem Trans­port war aber Platz in ande­ren Juden­häu­sern geschaf­fen wor­den. Das mag der Grund gewe­sen sein, dass man ein­zel­ne aus dem über­vol­len Haus am Geis­berg hol­te und die­se in sol­che frei­ge­wor­de­nen Juden­haus­woh­nun­gen schick­te. Cla­ra Rose muss­te am Tag nach der Juni-Depor­ta­ti­on wahr­schein­lich des­halb am 11. Juni noch in das Juden­haus in der Hall­gar­ter Str. 6 ein­zie­hen. Im Hin­ter­haus im drit­ten Stock, wo auch das Ehe­paar Bert­hold und Klot­hil­de Haas, Jakob Gott­schall und Lina Levy wohn­ten, erhielt auch sie ein Zim­mer.[28]

Judenhaus Hallgarter Str.6, Wiesbaden, Klara Fränkel, Clara Fraenkel
Todes­fall­an­zei­ge Cla­ra Rose aus The­re­si­en­stadt
https://​www​.holo​caust​.cz/​d​a​t​a​b​a​z​e​-​d​o​k​u​m​e​n​t​u​/​d​o​k​u​m​e​n​t​/​8​3​4​5​7​-​r​o​s​e​-​k​l​a​r​a​-​o​z​n​a​m​e​n​i​-​o​-​u​m​r​t​i​-​g​h​e​t​t​o​-​t​e​r​e​z​in/

An dem letz­ten Wochen­en­de des August muss­ten die Genann­ten, aber auch etwa 350 wei­te­re Wies­ba­de­ner Juden sich in der Syn­ago­ge in der Fried­rich­stra­ße ein­fin­den und die For­ma­li­tä­ten über sich erge­hen las­sen, mit denen ihnen die letz­ten Res­te ihres Eigen­tums geraubt wur­den. Am 1. Sep­tem­ber ver­ließ der Zug den Bahn­hof und brach­te Cla­ra Rose, ihre Mit­be­woh­ner, aber auch ihre Schwes­ter Lydia und ihren Schwa­ger Her­mann Aron mit vie­len ande­ren, zumeist älte­ren Juden über Frank­furt nach The­re­si­en­stadt. Im Zim­mer 4 des Gebäu­des mit der Num­mer 4320 ist sie in The­re­si­en­stadt nicht ein­mal drei Wochen spä­ter, am 19. Sep­tem­ber 1942, an einem Darm­ka­tarrh verstorben.

Stand: 22. 08. 2019

 

 

 

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Anmer­kun­gen:

 

1] Zum Schick­sal von Lydia und ihrer Fami­lie sie­he unten im Kapi­tel zum Juden­haus Ora­ni­en­str. 60.

[2] Der Name der Eltern ist in der Geburts­ur­kun­de von Lydia Fraen­kel genannt, HHStAW 518 53570 (16), der Name des Bru­ders wird von Cla­ra Rose in einem For­mu­lar an die Devi­sen­stel­le Frank­furt notiert, sie­he HHStAW 519/​3 5954 (4). Dass Cla­ra und Lydia Schwes­tern waren, bezeugt Lydi­as Toch­ter Ger­trud Schwa­be, gebo­re­ne Fraen­kel, im Ent­schä­di­gungs­an­trag für ihre Mut­ter und Tan­te, sie­he HHStAW 518 53570 (3).

[3] HHStAW 685 658 (6, 10).

[4] Ebd. (1), Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 1939.

[5] Ebd. (6), Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 1941.

[6] Sie­he Sar­holz, Hans-Jür­gen, Geschich­te der Stadt Bad Ems, Bad Ems 1994, S. 284 ff.

[7] Ebd. S. 292. Sar­holz schreibt ergän­zend dazu: „Eine recht beacht­li­che Min­der­heit unter den Bade­gäs­ten bil­de­ten die Juden. Der Zuspruch jüdi­scher Kur­gäs­te ist wohl dadurch zu erklä­ren, dass ihnen der Besuch bay­ri­scher Bäder, vor allem Kis­sin­gen, unter Lud­wig I., ver­lei­det wor­den war. All­mäh­lich fan­den sich auch Juden aus Ost- und West­eu­ro­pa ein, so dass Ems, sozu­sa­gen als Neben­ef­fekt, zu einem Treff­punkt für Ost- und West­ju­den wur­de. Begüns­tigt wur­de der Zustrom durch ent­spre­chen­de Ein­rich­tun­gen: jüdi­sche Hotels und Gast­stät­ten und gegen Ende des 19. Jahr­hun­derts das jüdi­sche Kur­heim Heil­quel­le. Ein altes jüdi­sches Gast­haus war die ‚Stadt Wies­ba­den’, spä­ter kam das Hotel Wolf hinzu.“

[8] Hotel­prei­se lagen in Bad Ems laut dem Bad Emser Woh­nungs­an­zei­ger von 1929 für ein Bett bei 2,50 bis 3,50 pro Nacht auch in bes­se­ren Hotels, mit Ver­pfle­gung bei 5 bis 9 RM. Die Unter­kunft in Pen­sio­nen wird ent­spre­chend güns­ti­ger gewe­sen sein.

[9] Bei der Kom­mu­nal­wahl am 12.3.1933 erhiel­ten die NSDAP und der mit ihr ver­bün­de­te ‚Kampf­bund Schwarz-Weiß-Rot’ 10 der ins­ge­samt 18 Sit­ze in der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung, Sar­holz, Bad Ems, S. 489.

[10] Zit. nach ebd. S. 510. Die Ver­ord­nung der Reichs­re­gie­rung zur Aus­schal­tung der Juden aus dem Wirt­schafts­le­ben, die im Prin­zip das glei­che Ziel ver­folg­te, wur­de erst am 3.12.1938 erlas­sen, sie­he RGBl I S. 1580.

[11] Nach Die­te­richs logier­ten 1937 noch 355 jüdi­sche Kur­gäs­te in Bad Ems, sie­he Die­te­richs, Wil­fried, Die Stadt. Her­ren­jah­re in der Pro­vinz. Bad Ems 1914–1964, Weil­burg 2013, S. 159.

[12] Ebd. 169. Seit August 1937 gab es bereits die natio­nal­weit gül­ti­ge „Iso­lie­rungs­richt­li­nie“, nach der Juden nur noch in jüdi­schen Hotels unter­ge­bracht wer­den durf­ten und sie in Kur­ein­rich­tun­gen, etwa Trink­hal­len, nur noch zu bestimm­ten Zei­ten Zutritt hatten.

[13] Sei­bert, Huber­tus, Ver­lauf und Aus­wir­kun­gen der ‚Reichs­kris­tall­nacht’ im Raum Bad Ems am 9./10. Novem­ber 1938, Bad Emser Hef­te 74 /​ 1988, S. 10 ff. Sie­he auch Sar­holz, Bad Ems,  S. 512 ff. Sehr umfas­send hat sich Die­te­richs die­ses Pogroms ange­nom­men. Anhand vie­ler Zeit­zeu­gen­aus­sa­gen ver­such­te er, die Ereig­nis­se die­ser Nacht zu rekon­stru­ie­ren, die in den Nach­kriegs­jah­ren weit­ge­hend tot­ge­schwie­gen wur­den. Vie­le, die damals noch als Kin­der die bru­ta­len Aus­schrei­tun­gen mit­er­leb­ten, konn­ten die Bil­der nie ver­ges­sen. Und es waren eben nicht nur – wie auch in ande­ren Städ­ten und Gemein­den im Nach­hin­ein immer kol­por­tiert – Aus­wär­ti­ge, Anfüh­rer waren die hei­mi­schen Geschäfts­leu­te, Leh­rer und städ­ti­sche Bediens­te­te. Wirk­lich gesühnt wur­den die Taten nicht, zumal – so die Ver­mu­tung von Die­te­richs – die Rich­ter, bereits zu NS-Zei­ten im Dienst, kein wirk­li­ches Inter­es­se an einer Auf­klä­rung hat­ten. Sie­he Die­te­richs, Die Stadt, S. 170–193.

[14] Sar­holz, Bad Ems, S. 516.

[15] HHStAW 685 658 (3).

[16] Ebd. (4, 6).

[17] Ebd. (7).

[18] HHStAW 519/​3 5954 (o.P.). Für die Zah­lung der zwei­ten Rate ist das belegt.

[19] HHStAW 685 658 (7). Wann die­ses Dar­le­hen ver­ein­bart wor­den war und wel­chen Umfang es ursprüng­lich hat­te, ist nicht bekannt. In den lei­der unvoll­stän­di­gen Steu­er­ak­ten taucht das Dar­le­hen erst­mals 1938 in Höhe von 1.038 RM, Ver­zin­sung 6 Pro­zent, auf, 1940 betrug die For­de­rung noch 600 RM.

[20] Eugens Bru­der Alfred Gold­fisch wie­der­um hat­te 1905 Frie­da Heu­mann, die älte­re Schwes­ter von Eugens Frau Lina, gehei­ra­tet. Zum Zeit­punkt der Hoch­zeit leb­te Alfred als Kauf­mann in Wies­ba­den. Das Paar hat­te sich aber nicht in Wies­ba­den nie­der­ge­las­sen, son­dern war nach Köln gezo­gen, wo dann auch Eugen Gold­fisch 1936 nach sei­ner Flucht vor den stän­di­gen anti­se­mi­ti­schen Anfein­dun­gen in Bad Ems in der Cäci­li­en­str. 18–22 eine ers­te Unter­kunft fand. Zur Fami­lie Heu­mann aus Laup­heim bei Ulm und ihrer Ver­bin­dung zur Fami­lie Gold­fisch sie­he http://www.gedenk-buch.de/KAPITEL/47%20HEUMANN%20Heinrich.htm. (Zugriff: 3.7.2019) Das Ehe­paar Eugen und Lina Gold­fisch wur­de am 28.7.1942 von Köln nach The­re­si­en­stadt depor­tiert und dort ermor­det, ihr Sohn Man­fred, genannt Fred­dy, über­leb­te. Er hat­te Bad Ems 1934 ver­las­sen, war zwar in der Reichs­po­grom­nacht in Königs­berg ver­haf­tet wor­den, dann aber mit der Ver­pflich­tung, Deutsch­land umge­hend zu ver­las­sen, über Tri­ni­dad nach Aus­tra­li­en aus­ge­wan­dert. Über sei­ne Kind­heits­er­in­ne­run­gen an Bad Ems hat er eine klei­ne Schrift ver­fasst: Gold­fi­sh, Man­fred, Die Schul­zeit von Fred­dy Karpf, Bad Ems 2011. Sei­ne Toch­ter Su Gold­fi­sh wie­der­um ist dabei, einen Film über das Schick­sal der Fami­lie zu erstel­len, Titel „The last Gold­fisch“, sie­he dazu https://​www​.swr​.de/​s​w​r​2​/​s​t​o​l​p​e​r​s​t​e​i​n​e​/​m​e​n​s​c​h​e​n​/​e​u​g​e​n​-​g​o​l​d​f​i​s​c​h​-​b​a​d​-​e​m​s​/​-​/​i​d​=​1​2​1​1​7​5​9​6​/​d​i​d​=​1​2​4​5​9​8​4​0​/​n​i​d​=​1​2​1​1​7​5​9​6​/​k​1​7​p​l​o​/​i​n​d​e​x​.​h​tml.  (Zugriff: 3.7.2019).
Alfred und Frie­da Gold­fisch waren bereits am 4.3.1942 eben­falls von Köln aus in das Ghet­to Lotz ver­bracht wor­den, wo sie zu einem nicht bekann­ten Zeit­punkt umge­kom­men sind.

[21] Sie sind 1938 erst­mals im letz­ten Wies­ba­de­ner Adress­buch der Vor­kriegs­zeit ein­ge­tra­gen. In einer Ver­mö­gens­er­klä­rung an die Devi­sen­stel­le Frank­furt vom 27.7.1928 geben sie die Vik­to­ria­str. 39 als Adres­se an. Aber bereits im Febru­ar 1937 hat­te das Finanz­amt Düs­sel­dorf, zustän­dig für den bis­he­ri­gen Wohn­ort Reck­ling­hau­sen, beim Finanz­amt Bad Kreuz­nach ange­fragt, ob Her­mann Aron dort woh­ne. Er soll – so heißt es in dem Schrei­ben –  „dort Vik­to­ria­str. 44“ woh­nen. Da es aber sonst kei­ne Doku­men­te des Finanz­amts Bad Kreuz­nach in der Akte gibt, wird es sich ver­mut­lich um einen Irr­läu­fer mit nur vagen Anga­ben han­deln und damals schon ihre neue Adres­se, die Vic­to­ria­str. 49 in Wies­ba­den gewe­sen sein. HHStAW 685 18a (o.P.) und HHStAW 685 85c (3 ff.),

[22] Laut jüdi­schem Adress­buch wohn­ten dort Hein­rich Weis, der dort auch ein Che­mie­la­bor betrieb, Jen­ny und Bet­ty Weis. Bet­ty Weis war 1936 nach Süd­afri­ka und Hein­rich Weis 1939 nach Groß­bri­tan­ni­en ausgewandert.

[23] In einer Ant­wort auf eine Umfra­ge des Kreis­wirt­schafts­be­ra­ters der NSDAP vom Som­mer 1941 zu Über­prü­fung soge­nann­ter „Ent­ju­dungs­ge­schäf­te“, mel­de­te die Orts­grup­pe Wies­ba­den-Ost im August 1941 27 sol­cher Immo­bi­li­en­über­tra­gun­gen seit 1933, u.a. die der „Vic­to­ria­str. 39, Besit­zer Weis“, an den Neu­ei­gen­tü­mer Böhn­ke. Gene­rell wur­de fest­ge­stellt: „Inwie­weit hier­bei evtl. unzu­läs­si­ge Gewin­ne erzielt wor­den sind, ent­zieht sich mei­ner Kennt­nis.“ HHStAW 483 10127 (16). Sie­he zum Hin­ter­grund die­ser Umfra­ge des Kreis­wirt­schafts­be­ra­ters das Kapi­tel ‚Raub und Ver­wer­tung der jüdi­schen Immo­bi­li­en‘ oben.

[24] Ein­trag auf der Gesta­po-Kar­tei­kar­te, dazu HHStAW 519/​3 5954 (4). Die Geschwis­ter Kneip wur­den am 1.9.1942 depor­tiert und in Treb­linka ermordet.

[25] Ebd. (3). Die Rück­sen­dung des For­mu­lars erfolg­te dann erst am 5. August 1940.

[26] Ebd. (4).

[27] HHStAW 483 10127 (33, 40).

[28] Lis­te X1, lau­fen­de Num­mer 92.

 

Stand: 07. 07. 2019