Alfred Marx

Es ist nicht bekannt, was Alfred Marx veranlasst hatte, im Herbst 1938 seine Heimatstadt Schweinfurt zu verlassen und in Wiesbaden seinen Lebensabend zu verbringen. Man kann darüber nur Mutmaßungen anstellen. Bereits 1933 hatte er das Haus Adelheidstr. 17 vermutlich als Kapitalanlage erworden, denn er selbst war dort nie eingezogen. Zudem besaß er bei Rüdesheim einen Weinberg, war als Weinhändler sicher mit der schönen Landschaft des Rheingaus vertraut und kam möglicherweise deshalb in diese Region.[1] Da diese letzten Jahre ohnehin ganz anders als erhofft verliefen, blieb es letztlich egal, wo er dem Terror der Nationalsozialisten ausgeliefert war, ob in Schweinfurt oder Wiesbaden.

Schweinfurt war all die Jahre zuvor sein Lebensmittelpunkt gewesen. Hier war er als erfolgreicher Unternehmer zu einem ansehnlichen Vermögen gekommen. Seine Eltern, Marcus Marx und dessen erste Frau Eva, geborene Levison, beide aus Edelfingen bei Bad Mergentheim,[2] hatten dort ein Weinhandelsunternehmen aufgebaut, dem, wie auch dem dort ebenfalls ansässigen jüdischen Konkurrenten Mohrenwitz, der Titel eines Hoflieferanten verliehen worden war.[3]

Alfred hatte noch zwei Geschwister, die ältere am 2. Februar 1869 geborene Schwester Klara und den jüngeren Bruder Emil, geboren am 21. März 1880, über deren weiteres Schicksal allerdings fast nichts bekannt ist. Sie waren beide nicht Teilhaber an der als OHG konzipierten Firma ‚Marcus Marx’. Die jeweils gleichen Anteile daran besaßen neben Alfred, Max und Sigmund Marx.[4] Die verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen diesen Dreien konnten nicht geklärt werden, aber es spricht einiges dafür, dass es sich um Cousins handelte, denn beide stammten, wie die Eltern von Alfred, aus Edelfingen. 1939, aber vermutlich nicht erst seit diesem Jahr, wohnten sie im Nachbarhaus von Alfred, in der Rückertstr. 19, er selbst in der Nr. 17, wo auch das Geschäft lokalisiert war.[5]

Alfred Marx fungierte aber offensichtlich als Geschäftsführer, denn er erhielt neben den Kapitalausschüttungen jeweils noch ein zusätzliches Gehalt von jährlich 3.000 RM.[6] Das Unternehmen muss recht erfolgreich gewesen sein, denn sein jährliche Einkommen betrug im Schnitt zwischen 15.000 und 20.000 RM. Selbst im Jahr 1936 erzielte er noch ein Einkommen von mehr als 18.000 RM.[7]

Aber 1938 trafen die Maßnahmen zur „Lösung der Judenfrage auf wirtschaftlichem Gebiet“, wie Innenminister Frick im Juni 1938 formuliert hatte,[8] auch die Firma ‚Marcus Marx’. In einem „Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe in Schweinfurt“ ist sie mit dem handschriftlichen Vermerk „ab 24.9.38 abgemeldet“ aufgeführt.“ [9] Die Firma existierte aber noch einige Zeit als eine Art Torso, geführt von Sigmund Marx, der zum Liquidator bestellt worden. Noch im Januar 1941 fragte das Finanzamt Wiesbaden an, wie hoch der Gewinn der „Firma in Liquidation“ im vergangenen Jahr gewesen sei.[10]

Neben der Weinhandlung „Marcus Marx“ muss noch eine weitere gemeinsame Firma der Familie Marx existiert haben, die offensichtlich vom Bruder Emil geführt wurde und ihren Sitz in Hamburg hatte. In welcher Branche das Unternehmen tätig war, ob es möglicherweise nur eine Art – wie man heute sagen wird -Subunternehmen war, ließ sich nicht mehr ermitteln. Aber Alfred Marx war in jedem Fall auch an diesem als Gmbh. organisierten Unternehmen mit Kapital beteiligt, war zuletzt sogar alleiniger Gesellschafter, bevor es im April 1938 zum Einzelunternehmen in seinem Besitz wurde.[11] Am 30. September 1938 teilte die Zollfahndungsstelle Hamburg den Würzburger Kollegen den Verkauf der Firma Emil Marx durch Alfred Marx mit:„Da angenommen werden muss, dass Marx auszuwandern beabsichtigt, bitte ich, ggf. gem. § 37a des Dev.Ges. sein Vermögen zu sichern.“ Alfred Marx habe angesichts seines Alters von 66 Jahren keine Auswanderungsabsichten, wurde auf dem Schreiben nach Rücksprache mit ihm am 6. Oktober 1938 in Schweinfurt notiert. [12] Das Vermögen, um das die NS-Finanzbehörden bangten, war beträchtlich. 1935/36 belief es sich auf insgesamt 300.00 RM, bestehend aus Immobilien, Weinbergen und Wertpapieren.[13]

Bis zum Sommer 1938 war mit dem Ende seiner Unternehmen zwar bereits ein Großteil seines Lebenswerks zerstört, aber noch verfügte er über hinreichende finanzielle Mittel und auch die Finanzbehörden in Würzburg ordneten noch nicht die von Hamburg geforderte Sicherung an.

Der völlige Bruch in seinem bisher trotz allem so erfolgreichen Leben kam für Alfred Marx mit dem 9. November 1938 und den darauf folgenden Tagen. Auch in Schweinfurt marschierten an diesem Abend 2.800 Angehörige der diversen NS-Organisationen auf. Schon zuvor waren die SA unter der Parole „Heut’ geht’s drauf, heut’ zeigen wir’s den Juden“ aus den Betrieben zusammen gerufen, in einzelne Gruppen aufgeteilt worden, die dann mit brutalster Gewalt die Juden, auch Alte und Kranke, aus den Häusern zerrten und unter Beschimpfungen und Steinwürfen durch die Straßen trieben. 45 Männer wurden in sogenannte Schutzhaft genommen und dem Rabbi drohte man, ihn an einem Baum neben der Synagoge aufzuhängen. Die Synagoge selbst wurde demoliert, die Thorarollen verbrannt und die Kultgegenstände entweiht. Am folgenden Tag setzte der Mob sein Zerstörungswerk fort, jetzt wurden die Wohnungen und Geschäfte der Juden geplündert und zerstört. Auch die Weinhandlung von AlfredMarx war eines der vielen Ziele. Die Weinfässer wurden zerschlagen und ihr Inhalt ergoss sich über den gesamten Keller.[14]

Alfred Marx hatte die Ereignisse nicht unmittelbar erlebt, denn er war an diesem Tag nicht in Schweinfurt. Auf seiner Gestapo-Karteikarte ist als Zugangsdatum in Wiesbaden der 1.November 1938 eingetragen. Möglicherweise hatte er schon hier Quartier bezogen und die Pogromnacht und die Zerstörung der Synagoge hier erlebt. Allerdings war er weiterhin in Scheinfurt gemeldet, denn noch gingen amtliche Schreiben an seine dortige Adresse in der Rückertstr. 17.[15] Erst am 4. Oktober des folgenden Jahres teilte er dem Finanzamt Wiesbaden seinen Umzug in die Albrechtstr. 13 I mit.[16] Um eine Zwangseinweisung kann es sich bei Alfred Marx somit nicht gehandelt haben.

Die Zerstörungen im Zusammenhang mit der Reichspogromnacht waren wohl nicht die einzigen Angriffe auf sein Haus und sein Eigentum. In einem Schreiben an den Regierungspräsidenten Mainfranken vom 6. Dezember 1938 korrigiert er die zuvor gemachten Angaben zu seinem Vermögen, die zur Berechnung der „Sühneleistung“ zuvor gefordert worden waren: „Ich beehre mich Ihnen Folgendes mitzuteilen: Bei meiner Rückkehr aus Würzburg in der vorigen Woche fand ich meine Wohnung in Schweinfurt, Rückertstrasse 17, zum grössten Teil demoliert vor.“ Der in dem vorgelegten Verzeichnis mit 9.256,- RM taxierte Wert der Gegenstände müsse auf Grund der Demolierungen um mindestens 5.000 RM gemindert werden.[17] Aus einem anderen Brief vom Oktober 1939 an den Regierungspräsidenten Würzburg geht hervor, dass die Schadenssumme noch weitaus höher war, allerdings ist nicht klar, auf welchen Überfall Alfred Marx sich hier bezieht: „Für die Wiederherstellung meiner beschädigten und zerstörten Einrichtungsgegenstände, sowie Wäsche und Kleidungsstücke habe ich einen Betrag von Rm. 9.000,– aufwenden müssen.[18]

Gleichwohl wurde ihm bei einem Gesamtvermögen von 330.000 RM eine Judenvermögensabgabe in der Höhe von 66.000 RM, zahlbar in vier Raten á 16.000 RM auferlegt.[19] Mit der später verlangten 5. Rate betrug die Summe sogar. 82.000 RM.

Diesem Raub seines Vermögens wollte Alfred Marx nicht tatenlos zusehen und zumindest einen Teil vor der der Raffgier der Nazis in Sicherheit bringen. Am 8. März 1939 schenkt er seinem Großneffen Wolf Rousselle, der in Portugisisch Angola lebte und dort eine Plantage betrieb, sein Haus in der Adelheidstr. 17. Da der Beschenkte „Reichsbürger im Sinne des Reichsbürgergesetzes“ war, machte Alfred Marx, der selbst keine eigenen Kinder hatte, diesen auch zum Erben seines gesamten Vermögens.[20]

Da eine solche Schenkung genehmigungspflichtig, andererseits aber auch steuerpflichtig war, weigerte sich Alfred Marx vor der erteilten Genehmigung die Abgabe an das Finanzamt zu zahlen. Das veranlasste die zuständige Behörde in Schweinfurt sofort zu weiteren Aktivitäten, um wenigstens einen Teil der Beute zu sichern:
„Es scheint, dass Alfred Marx demnächst auswandern will. Für diesen Fall bitte ich vorzumerken, dass ich gegen die Erteilung der Unbedenklichkeitsbescheinigung vorläufig  Bedenken erhebe, weil der Schenker für die wahrscheinlich mehrere Tausend RM betragende Schenkungssteuer haftet.“

Die Schenkung wurde genehmigt. Aus einer späteren Notiz des Finanzamts Wiesbaden vom 17. Oktober 1940 geht hervor, dass Alfred Marx aber Wertpapiere in Höhe von mehr als 44.000 RM zur Sicherung der Reichsfluchtsteuer verpfänden musste.[21]

Neben seinem Großneffen bedachte er auch seinen beiden langjährigen Hausangestellten in Schweinfurt. Auch ihnen schenkte er im Juni 1939 jeweils 3.000 RM in Form von Wertpapieren. Auch diese Schenkungen wurden genehmigt. Obwohl er im Laufe des Jahres nach Wiesbaden umgezogen war, hatte er den beiden zudem bis zum Jahresende das Gehalt weiter gezahlt, wofür die Deutsche Bank die Zustimmung der inzwischen zuständigen Devisenstelle Frankfurt einholen musste. [22]

Die Bank teilte der Stelle in Frankfurt auch mit, dass eine größere Summe, ca. 100.000 RM in bar und in Wertpapieren, nach Wiesbaden transferiert würden, sofern die zuständige Devisenstelle dazu die Genehmigung erteilen würde. Aus diesen ganzen Mitteilungen ergibt sich, dass Alfred Marx vermutlich erst in der zweiten Jahreshälfte 1939 auch formal nach Wiesbaden umsiedelte, aber bereits zuvor sein Zimmer in der Albrechtstr. 13 bezogen hatte.

In der am 14. Dezember 1939 von seiner neuen Adresse abgesendeten Vermögensaufstellung gab er jetzt noch ein Gesamtvermögen von 133.000 RM und ein daraus resultierendes Jahreseinkommen von ca. 9.000 RM an. Seinen Lebensbedarf bezifferte er auf 815 RM. [23] Der zunächst gewährte Freibetrag wurde tatsächlich auf 800 RM angehoben.

Dass man auch in der Albrechtstr. 13 angesichts der immer prekäreren Lage enger zusammenrückte und sich gegenseitig unterstützte ergibt sich aus einem Schreiben, das Alfred Marx am 30. April 1941 an die Devisenstelle Frankfurt richtete. Der Hauseigentümer und Mitbewohner war nicht mehr in der Lage die fälligen bzw. noch nicht getilgten Raten für die „Sühneleistung“ zu zahlen. „Das Finanzamt“, so schrieb er, „verlangt nun die Abtretung dieses Restes, evtl., durch monatliche Einbehaltung von Mietbeträgen, was Herrn Liebmann sehr schwer fallen würde, da er von den eingehenden Mieten, jeden Monat die Grund & Hauszinssteuern, Hypothekenzinsen, u.s.w. bezahlen muss, sowie seinen Lebensunterhalt zu bestreiten hat.
Ich habe mich nun dem Finanzamt gegenüber bereit erklärt, dass ich Herrn Liebmann den Betrag von Mk: 1500,– als Darlehen zur Verfügung stelle, bezw., dem Finanzamt überweisen werde, nach Vorlage der Bewilligung durch die zuständige Devisenstelle.“[24]
Es ist kaum zu bezweifeln, dass dieses Geld, formal ein Darlehen, im Bewusstsein der Beteiligten eine Schenkung war.

Alfred Marx war inzwischen 67 Jahre alt und schon seit längerer Zeit erkrankt. Schon 1939 hatte er bei der Darlegung seiner Lebenshaltungskosten auf hohen Ausgaben für ärztliche Behandlungen hingewiesen und damit auch die Bitte um einen höheren Freibetrag begründet.[25]

Am 12. Dezember 1941 verstarb er in seinem Zimmer in der Albrechtstr. 13 eines natürlichen Todes.[26] Das Martyrium, das seine Mitbewohner im folgenden Jahr erleiden mussten, blieb ihm somit erspart.

 

 

<< zurück                              weiter >>


 

Anmerkungen:

 

[1] Es gab in Wiesbaden zwar eine große Zahl an Familien mit dem Namen Marx, eine verwandtschaftliche Beziehung zu einer dieser Familien konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

[2] Marcus Marx war am 23.12.1841 geboren worden und verstarb am 21.3.1915 in München. Das Geburtsdatum seiner ersten Frau Eva Levison war  der 5.7.1846. Sie starb am 6.9.1891 in Schweinfurt. In zweiter Ehe war Marcus Marx mit der am 22.4.1860 in Mühlhausen/Baden geborenen Emma Brandis verheiratet. Sie starb am 27.8.1935 in München. Diese zweite Ehe blieb kinderlos. Angaben nach Genealogischer Datenbank der Paul-Lazarus-Stiftung Wiesbaden.

[3] Der volle Titel, den der Briefkopf der Firma zierte, lautete „Marcus Marx, Kgl. Bayr. Hoflieferant und Hoflieferant S. K. H. des Kronprinzen von Schweden – Weinbergsbesitzer.“, siehe z.B. 685 531c (16).

[4] Die Anteile lassen sich daraus ableiten, dass die auf den gewerblichen Gewinn anfallenden Einkommensteuer jeweils gedrittelt wurde, siehe z.B. HHStAW 685 531a (33, 44).

[5] In diesem Haus Nr. 19 wohnten auch Herta Marx, geb. Grünbaum, und Lilli Marx, geb. Buxbaum, vermutlich die Ehefrauen der beiden. Die Angaben beruhen auf den Daten von ‚Tracing the Past’, wo die Daten der Volkszählung von 1939 im Hinblick auf die jüdischen Mitbürger ausgewertet wurden. https://www.census.tracingthepast.org/index.php/en/minority-census/census-database. (Zugriff: 15.11.2017).

[6] Siehe exemplarisch die Einkommensteuerbescheide von 1935 und 1936, HHStAW 685 531a (33, 44).

[7] Siehe dazu die Steuerakten HHStAW 685 531 (passim).

[8] Zit. nach Barkai, „Entjudung“, a.a.O. S. 130.

[9] Dokumente jüdischen Lebens in Schweinfurt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Schweinfurt Nr. 4, 1990, S. 70 f. , hier ist ein Faksimile des Verzeichnisses vom 14.7.1938 abgedruckt, dazu ein weiteres Schriftstück in dem der Oberbürgermeister Pösl dem Regierungspräsidenten Würzburg am 23.8.40 mitteilt, dass sämtliche jüdischen Gewerbebetriebe Würzburgs arisiert seien.

[10] HHStAW 685 531a (82). Es waren 942 RM.

[11] HHStAW 685 531a (62).

[12] HHStAW 685 531a (60).

[13] HHStAW 685 531b (13, 33). Allein die beiden Häuser in Schweinfurt und Wiesbaden hatten jeweils einen Einheitswert von mehr als 40.000 RM.

[14] Die knappe Darstellung der Ereignisse folgt der Broschüre „Verschickt und verschollen – 1942. Reichspogromnacht 1938 und Judenverfolgung in Schweinfurt“, hg. DGB-Bildungswerk e.V. Kreis Schweinfurt, Schweinfurt 1989, S. 7-14. Nicht verschwiegen werden soll, dass es aber auch Menschen gab, die den Verfolgten beisprangen, sie in ihren Wohnungen aufnahmen und sie mit Nahrung versorgten. Siehe dazu auch Dokumente jüdischen Lebens in Schweinfurt, a.a.O. S.98. Der Oberbürgermeister von Schweinfurt Pösl bestritt trotz hinreichender Zeugenaussagen  in einem Schreiben vom 7.12.1938 an die Gestapo Würzburg zwar die Vorgänge auch bezüglich der Zerstörungen im Haus Marx: „Neben diesem Geschäft lief angeblich im Keller einer jüdischen Wohnung ein Weinfass aus. Näheres wurde jedoch hierüber nicht bekannt und es ist dies auch von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen worden“ Ebd. S. 58.

[15] Die Rückerstr. 17 wurde später zu einem Judenhaus, in das 1941/42 insgesamt etwa 30 jüdische Menschen eingepfercht worden waren,  nur bei wenigen ist unter verzogen „unbekannt“ vermerkt, alle übrigen wurden in zwei Transporten im April und September 1942 deportiert. Hinter dem letzten Namen, offensichtlich jemand, der vor der Deportation verstorben war, hatte der Buchhalter des Todes handschriftlich notiert „in die Hölle abkommandiert“. Dokumente jüdischen Lebens in Schweinfurt, a.a.O. S. 76.

[16] HHStAW 685 531a (71).

[17] HHStAW 685 531c (16).

[18] HHStAW 685 531b (69). Aus diesem Brief datiert mit „Wiesbaden, den 31. 10. 1939“ geht hervor, dass zu diesem Zeitpunkt noch immer das Finanzamt Schweinfurt für ihn zuständig war, obwohl er ganz offensichtlich bereits in Wiesbaden wohnte.

[19] HHStAW 685 531c (23,24).

[20] HHStAW 685 531b (43, 44). Leider konnten die genauen verwandtschaftlichen Beziehungen zu Wolf Rousselle nicht ermittelt werden. In einem Schreiben des Amtsgerichts Schweinfurt an die Devisenstelle Frankfurt vom 4.8.42, also nach dem Tod von Alfred Marx, heißt es, dass als Eigentümer der Häuser Rückerstr. 17 und Hellergasse 10, beide in Schweinfurt ein Oskar Rousselle eingetragen worden sei. Aus dem Schreiben geht nicht hervor, ob Oskar der zweite Vorname von Wolf Rousselle oder ob dieser inzwischen verstorben war und Oskar wiederum sein Erbe war. HHStAW 519/3 4330 (30).

[21] HHStAW 685 531b (o.P.).

[22] HHStAW 685 531b (47f.) und 519/3 4330 (4).

[23] HHStAW 519/3 4330 (6) Bei den Ausgaben sind weitere monatliche Zuwendungen benannt, u.a. an ein Frl. Marie Brandis in Bamberg, vermutlich eine nahe Verwandte der zweiten Frau seines Vaters, Emma Brandis.

[24] Zwar wurde die Anfrage zunächst mit dem Hinweis, solche Anträge müssten über die das Sicherungskonto führende Bank eingereicht werden, unbearbeitet zurückgeschickt, wurde aber dann am 7.5.1941, wahrscheinlich nachdem dem man den vorgeschriebenen  Weg gegangen war, doch noch genehmigt. HHStAW 519/3 4330 (17, 18).

[25] HHStAW 519/3 4330 (5). Er verweist hier ausdrücklich auf „Mineralwasserkuren“, unsicher ist allerdings, ob er damit auf das Wiesbadener Brunnenwasser abhebt. Wenn das der Fall gewesen sein sollte, dann könnte darin auch ein Grund für die Wahl Wiesbadens als Alterswohnsitz gesehen werden.

[26] Sterberegister der Stadt Wiesbaden 1941 / 2129. Die Mitteilung bei Standesamt machte Helene Schwarz, geb. Birnzweig. Möglicherweise erledigte sie diese Aufgabe im Auftrag der Jüdischen Gemeinde, denn als ihre Adresse ist die Friedrichstr. 33 angegeben. Ihr Mann Rudolf Schwarz war dort bei der Jüdischen Gemeinde in den letzten Jahren für die Buchführung zuständig. Auch andere Todesmitteilungen jüdischer Gemeindemitglieder wurden von ihr der Stadtgemeinde überbracht, so z. Bsp. die von Leo Goldstein im Jahr 1942, ebenfalls mit der Adressangabe Friedrichstr. 33.
Nach dem Tod von Alfred Marx wurde Sicherungsanordnung  aufgehoben und Oskar Rousselle konnte sein Erbe antreten. „Der ausländische Erbe des Marx unterliegt daher mit seinem inländischen Vermögen nur noch den allgemeinen für Devisenländer geltenden Bestimmungen.“ So die Devisenstelle Frankfurt auf Anfrage des Amtsgerichts Schweinfurt am 10.8.1942, HHStAW 519/3 4330 (23).