Sally und Clara Reinstein, geb. Benjamin-Lury, und ihr Sohn Adolf /​ Alfred


Lortzingstraße_7_1925
Lortzingstr. 7 um 1925
Archiv D. Schaller
Lortzingstr. 7
Lage des ehe­ma­li­gen Juden­hau­ses Lortzingstr. 7
Judenhauses Lortzingstr. 7
Bele­gung des Juden­hau­ses Lortzingstr. 7

 

 

 

 

 


Als Sal­ly und Cla­ra Rein­stein sowie ihr Sohn Adolf am 16. Novem­ber 1938 in das Haus in der Lortzingstr. 7 ein­zo­gen,[1] war die­ses for­mal noch nicht zum Juden­haus dekla­riert wor­den. Und Adolf Rein­stein war zwar dort gemel­det, war aber ganz sicher an die­sem Tag nicht mit sei­nen Eltern zusam­men­ge­kom­men. Ver­mut­lich hat­te er dort über­haupt nur weni­ge Tage zuge­bracht. Hin­ter ihnen lagen mit dem Novem­ber­po­grom die wohl bis­her schlimms­ten Tage ihres Lebens, und das, was ihnen bevor­stand, soll­te noch schreck­li­cher werden.

Etwa zu Beginn des Jahr­hun­derts – der ers­te Ein­trag in einem Wies­ba­de­ner Adress­buch stammt aus dem Jahr 1905/​06 – hat­te sich Salo­mon, genannt Sal­ly, Rein­stein in Wies­ba­den nie­der­ge­las­sen und war dort im Lau­fe der Jah­re zu einem ange­se­he­nen Geschäfts­mann auf­ge­stie­gen. Sein Unter­neh­men, ein Geschäft für Her­ren­klei­dung und Acces­soires, das den etwas pom­pö­sen Namen ‚Prin­ce of Wales’ trug, war schon am 21. Novem­ber 1904 in das Wies­ba­de­ner Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wor­den,[2] sodass man davon aus­ge­hen kann, dass auch er selbst spä­tes­tens ab die­sem Jahr in der Stadt lebte.

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Stamm­baum der Fami­lie Ben­ja­min-Lury — Rein­stein
GDB

Am 20. April 1909 hei­ra­te­te er in ihrem Geburts­ort Salz­we­del im heu­ti­gen Sach­sen-Anhalt die am 11. Febru­ar 1882 gebo­re­ne Cla­ra Ben­ja­min-Lury [3] und noch im sel­ben Jahr wur­de ihnen am 23. Dezem­ber 1909 in Wies­ba­den ihr ein­zi­ges gemein­sa­mes Kind, der Sohn Adolf Sieg­mund, gebo­ren.[4]

Die fami­liä­ren Hin­ter­grün­de der jewei­li­gen Ehe­part­ner sind sehr kom­pli­ziert und beson­ders bei Salo­mon Rein­stein mehr als unsi­cher. Etwas weni­ger schwie­rig ist das bei Cla­ra Ben­ja­min-Lury, aber der Archi­var von Salz­we­del bemerk­te in einer Mail, dass es sich auch bei die­ser Fami­lie „bedau­er­li­cher­wei­se um eine ‚pro­ble­ma­ti­sche’ Fami­lie (hand­le), da man sich da anschei­nend nicht so recht eini­gen konn­te, wel­cher Name als Fami­li­en­na­me gilt“.[5]

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Pes­se Luri auf einer Lis­te jüdi­scher Haus­halts­vor­stän­de in Salz­we­del 1809
https://​lha​.sach​sen​-anhalt​.de/​o​n​l​i​n​e​a​n​g​e​b​o​t​e​/​j​u​e​d​i​s​c​h​e​s​-​l​e​b​e​n​-​i​n​-​s​a​c​h​s​e​n​-​a​n​h​a​l​t​-​e​i​n​e​-​a​r​c​h​i​v​i​s​c​h​e​-​s​p​u​r​e​n​s​u​c​h​e​/​l​a​n​d​e​s​h​e​r​r​l​i​c​h​e​-​u​n​d​-​s​t​a​a​t​l​i​c​h​e​-​r​e​g​e​l​u​n​g​e​n​/​s​t​a​t​i​s​t​i​k​-​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​-​u​n​d​-​t​o​p​o​g​r​a​p​h​i​e​/​v​e​r​z​e​i​c​h​n​i​s​-​d​e​r​-​i​n​-​d​e​r​-​k​o​m​m​u​n​e​-​s​a​l​z​w​e​d​e​l​-​w​o​h​n​e​n​d​e​n​-​i​s​r​a​e​l​i​ten

Und tat­säch­lich fin­det man in den ver­schie­de­nen Doku­men­ten die Vari­an­ten Lury (auch mit „i“ geschrie­ben), Ben­ja­min-Lury oder auch nur Ben­ja­min. In einer frü­hen Lis­te der Juden in Sal­we­del aus dem Jahr 1809 ist noch ein Pes­se Luri ohne jeden Zusatz ver­zeich­net.[6] Aber schon bei sei­nem ver­mut­li­chen Nach­kom­me, dem Pro­duk­ten­händ­ler Eli­as Lury, der am 13. Novem­ber 1886 in Salz­we­del zu Gra­be getra­gen wur­de, heißt es auf der Ster­be­ur­kun­de, die sein Sohn Her­mann Lury Ben­ja­min unter­zeich­ne­te, dass „sein Vater, der Ren­tier Eli­as Lury genannt Ben­ja­min, ver­hei­ra­tet mit Tabi­ne geb. Gold­schmidt, 78 7/​12 Jah­re alt, jüdi­scher Reli­gi­on, wohn­haft zu Salz­we­del, Loh­teich 15, geb. zu Salz­we­del am 25. März 1808, Sohn des ver­stor­be­nen Tax­ant Lury genannt Benjamin’schen Ehe­leu­te zu Salz­we­del in sei­ner Woh­nung am 13. Novem­ber 1886 nach­mit­tags um 9 Uhr ver­stor­ben ist.“[7]
Der ver­stor­be­ne Eli­as Ben­ja­min-Lury hat­te neben dem genann­ten Her­mann, der mit Ber­na­di­ne Lili­en­feld ver­hei­ra­tet war und mit ihr ver­mut­lich 12 Nach­kom­men hat­te, noch zwei wei­te­re bekann­te Söh­ne. Zum einen Gus­tav, ver­hei­ra­tet mit Emi­lie Phil­ipp, und den Pro­duk­ten­händ­ler Sieg­mund Ben­ja­min-Lury, der Vater von Cla­ra Ben­ja­min-Lury. Am 8. Janu­ar 1875 hat­te er in Salz­we­del die am 5. Okto­ber 1845 in Mar­low gebo­re­ne Johan­na Ahrendt gehei­ra­tet.[8]

Vor Cla­ra war in die­ser Ehe zunächst am 20. Dezem­ber 1875 die Toch­ter Nata­lie gebo­ren wor­den. Sie hei­ra­te­te am 10. Juli 1894 in Salz­we­del den Kauf­mann Joseph Heu­mann, gebo­ren am 5. Mai 1868 in Pop­pels­dorf bei Bonn.[9] Nata­lie soll­te in Cla­ras Leben noch eine bedeu­ten­de Rol­le spielen.
Der Cla­ra fol­gen­de Bru­der Emil wur­de am 28. Juni 1881 gebo­ren.[10] Aus sei­ner Ehe mit Rosa Löwen­thal – wann sie geschlos­sen wur­de, ist nicht bekannt – ging am 30. Sep­tem­ber 1908 der Sohn Sieg­mund Wal­ter Kurt her­vor.[11] Mit sei­ner Flucht am 18. Janu­ar 1940 nach Grie­chen­land gelang es ihm zumin­dest zunächst, sein Leben zu ret­ten. Über sein wei­te­res Schick­sal konn­ten lei­der kei­ne zusätz­li­chen Infor­ma­tio­nen gefun­den wer­den.[12] Sein Vater war eben­falls geflo­hen, aller­dings nur in das benach­bar­te Hol­land, wo er 1941 in der Ams­ter­da­mer Cour­bet­staat 21, spä­ter dann in der Hof­mey­er­stra­at 8 wohn­te. Die nähe­ren Umstän­de, unter denen er auf­ge­grif­fen und dann nach Wes­ter­bork gebracht wur­de, konn­ten nicht ermit­telt wer­den. Am 8. Febru­ar 1944 wur­de er von dort aus nach Ausch­witz depor­tiert und ermor­det.[13] Über das Schick­sal sei­ner Frau lie­gen kei­ne Infor­ma­tio­nen vor. Sie scheint bereits vor der NS-Zeit ver­stor­ben zu sein. Auf Emils Kar­tei­kar­te aus Wes­ter­bork ist eine Eva Rosen­zweig ver­merkt, mit der er offen­bar zuletzt in Hol­land zusam­men­ge­lebt hat­te.[14]

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Das Geschäft der Eltern von Erich Max Edu­ard Wolff in Neu­bran­den­burg (links)

Zuletzt kam am 23. Janu­ar 1886 noch eine wei­te­re Toch­ter mit Namen Ida zur Welt.[15] Sie war das ein­zi­ge der vier Kin­der von Sieg­mund und Johan­na Ben­ja­min-Lury, das den Holo­caust über­leb­te. Auch ihr Mann, der Tex­til­kauf­mann Erich Max Edu­ard Wolff, gebo­ren am 11. April 1881 in Neu­bran­den­burg, gehör­te zu den Über­le­ben­den. Soweit bekannt, blieb ihre Ehe kin­der­los. Wo die bei­den die Jah­re des Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­brach­ten, konn­te nicht geklärt wer­den. Nach der Reichs­po­grom­nacht war auch Erich Wolff bis zum 2. Dezem­ber 1938 in Alt-Stre­litz inhaf­tiert wor­den, hat­te aber ver­mut­lich bald danach mit sei­ner Frau Deutsch­land ver­las­sen. In der Resi­den­ten­lis­te vom Mai 1939 sind sie zwar noch erfasst wor­den, aber ihre dama­li­ge Anschrift kann­te man schon nicht mehr.[16] Nach dem Ende des Krie­ges und der Gewalt­herr­schaft kamen sie wie­der nach Deutsch­land zurück. Bei­de star­ben in Frank­furt a. M., er am 26. August 1953, Ida am 19. Juni 1969.[17]

Zwar blei­ben im Hin­blick auf das Schick­sal der ver­schie­de­nen Geschwis­ter von Cla­ra Ben­ja­min-Lury eini­ge Fra­gen offen, aber die Fami­li­en­ver­hält­nis­se selbst sind – abge­se­hen von dem wech­seln­den Nach­na­men – rela­tiv klar. Aller­dings gibt es ein Pro­blem mit einem Hans Lury, der am 26. Janu­ar 1908 gebo­ren wur­de, nach dem Ende der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schaft dann in Aschot Jaa­kow in Isra­el leb­te. Am 21. März 1958 stell­te er über die UNR, die ‚United Resti­tu­ti­on Orga­ni­sa­ti­on’, einen Antrag auf Ent­schä­di­gung als „Sohn und Allein­er­be“ von Cla­ra Rein­stein. Sei­nen eige­nen Nach­na­men gab er mit Heu­man, frü­her Lury, sei­nen Vor­na­men mit Zwi, frü­her Hans, an.[18] Als Geburts­ort ist in dem Antrag Luga­no in der Schweiz ein­ge­tra­gen, in der Resi­den­ten­lis­te von 1939 hin­ge­gen die schwei­ze­ri­sche Stadt Luzern.[19]
Laut einer Notiz in der ‚Daten­bank Jüdi­scher Bür­ger’ im Wies­ba­de­ner Stadt­ar­chiv soll die­ser Hans 1914 von Cla­ras Schwes­ter Nata­lie Heu­mann adop­tiert wor­den sein.[20] Wer der Vater von Hans gewe­sen sein könn­te, ist nicht bekannt. Auch auf eine mög­li­che frü­he­re Ehe von Cla­ra, gibt es kei­nen Hin­weis. Es liegt daher nahe, dass Hans etwa ein Jahr bevor Cla­ra die Ehe mit Sal­ly Rein­stein ein­ging, unehe­lich gebo­ren wurde.

Irri­tie­rend an der Anga­be der Infor­man­tin über Hans ist das Jahr der Adop­ti­on, denn bereits im April des­sel­ben Jah­res 1914 ver­starb Nata­lie Heu­mann in Wies­ba­den im St. Josefs-Hos­pi­tal. Sie war damals eigent­lich mit ihrem Ehe­mann Joseph Heu­mann in Mag­de­burg wohn­haft. Nicht aus­ge­schlos­sen ist natür­lich, dass sie in Wies­ba­den bei ihrem Besuch plötz­lich ver­starb, mög­li­cher­wei­se war sie aber wegen einer län­ger andau­ern­den Krank­heit zu ihrer Schwes­ter gekom­men, um sich hier behan­deln zu las­sen. Dass man in die­ser Situa­ti­on ein Kind adop­tiert, ist mehr als merkwürdig.

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Ster­be­ein­trag für Nata­lie Heu­mann, geb. Benjamin-Lury

Nicht min­der merk­wür­dig ist die Tat­sa­che, dass Hans zum Zeit­punkt der Adop­ti­on bereits etwa sechs Jah­re alt gewe­sen sein muss, die Ehe zwi­schen Sal­ly Rein­stein und Cla­ra Ben­ja­min-Lury aber schon etwa ein Jahr nach der Geburt von Hans geschlos­sen wor­den war. Es stellt sich die Fra­ge, wo und mit wem Hans die Jah­re zuvor ver­bracht hat­te. Hat­te er bis­her bei sei­ner Mut­ter und zuletzt auch bei sei­nem Stief­va­ter gelebt, was kaum vor­stell­bar ist, oder war er schon bald nach sei­ner Geburt von der Schwes­ter auf­ge­nom­men wor­den? Als sie dann mög­li­cher­wei­se auf­grund einer schwe­ren Krank­heit den bal­di­gen Tod vor Augen sah, woll­te sie viel­leicht durch die Adop­ti­on dem Pfle­ge­sohn zumin­dest den ver­trau­ten Pfle­ge­va­ter als Ver­trau­ens­per­son erhal­ten. Auf die vie­len Fra­gen gibt es lei­der kei­ne siche­ren Ant­wor­ten. Es sind nur Ver­mu­tun­gen, Mög­lich­kei­ten, die aber durch kei­ne Doku­men­te bestä­tigt wer­den können.

Wie lan­ge Joseph Heu­mann mit sei­nem Adop­tiv­sohn nach dem Tod von Nata­lie noch in Mag­de­burg wohn­te, ist nicht bekannt. Zuletzt leb­te er in Ber­lin, wo er bei der Volks­zäh­lung im Mai 1939 in der Cour­bièr­str. 16 in Schö­ne­berg gemel­det war. Ein hal­bes Jahr spä­ter hat­te er sei­nen Auf­ent­halts­ort in der Stadt wech­seln müs­sen. In der Kon­stan­zer Str. 4 in Wil­mers­dorf, einem der jüdi­schen Vier­tel von Ber­lin, fand er eine neue Unter­kunft. Wie das Nach­bar­haus mit der Num­mer 3 han­del­te es hier­bei um ein Juden­haus – bzw. um „Zwangs­räu­me“, — wie man die Ghet­to­häu­ser in Ber­lin nennt.[21]
Am 29. Novem­ber 1942 wur­de er mit fast 1000 wei­te­ren, zumeist Ber­li­ner Juden nach Ausch­witz depor­tiert. Es han­del­te sich um den ers­ten Trans­port aus dem soge­nann­ten Alt­reich, der deut­sche Juden in das dor­ti­ge Ver­nich­tungs­la­ger brach­te. Wann er ermor­det wur­de, ist nicht bekannt.[22]
Zwar wur­de sein Adop­tiv­sohn bei der Volks­zäh­lung im Mai 1939 noch erfasst, aber eine Wohn­an­schrift konn­te damals schon nicht mehr ein­ge­tra­gen wer­den. In sei­nem 1958 gestell­ten Ent­schä­di­gungs­an­trag gab er an, Deutsch­land 1936 von Ber­lin aus ver­las­sen zu haben – ob direkt nach Paläs­ti­na, ist nicht sicher.

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Brief von Cla­ra und Sal­ly Rein­stein an Hans Heu­mann
HHStAW 518 855 (30)

In der Ent­schä­di­gungs­ak­te befin­det sich noch ein an ihn gerich­te­ter Brief von Cla­ra und Joseph Rein­stein, geschrie­ben am 23. Sep­tem­ber 1938, weni­ge Wochen vor dem Pogrom, lei­der ohne Umschlag oder Adress­an­ga­be. Cla­ra schreibt darin:
„Lie­ber Hans!
Aus ver­schie­de­nen Grün­den konn­ten wir bis heu­te Dei­nen l. Brief der uns wie immer sehr erfreu­te nicht beant­wor­ten. Onkel u. mir geht es gesund­heit­lich immer noch nicht gut u Adolf ist für 8 Tage in Ber­lin um noch Kra­wat­ten
(?) zuschnei­den bei Jon­gla (?) zu ler­nen. Frl. Weil haben wir alles was Du auf der Kar­te schriebst hin­ge­schickt u. wird hof­fent­lich alles gut in dei­nen Besitz gelan­gen, schrei­be dar­über. Für Dei­ne Glück­wün­sche zum Jah­res­wech­sel herz. Dank, auch Dir alles, alles Gute u. wer­den hof­fent­lich alle guten Wün­sche in Erfül­lung gehen. Die ‚Illus­trier­te’ bekommst Du ja jetzt regel­mä­ßig u. wird Dir sicher Freu­de machen. Was hörst Du von Vater? Sonst Nichts von Bedeu­tung, sei noch herzl. gegrüsst u geküsst von Dei­ner Dichl.[liebenden] Tan­te Cla­ra.“ [23]

Nur auf den ers­ten Blick ist ver­wun­der­lich, dass man sich im Sep­tem­ber zum Neu­en Jahr beglück­wünscht, aber der Brief wur­de nach dem jüdi­schen Kalen­der am 27 Elul, dem letz­ten Monat des Jah­res 5698 geschrie­ben. Man gra­tu­lier­te sich also zum jüdi­schen Neu­jahrs­fest. Ganz sicher ist mit „Vater“ Joseph Heu­mann gemeint, wäh­rend sei­ne bio­lo­gi­sche Mut­ter sich selbst als Tan­te und ihren Mann als Onkel bezeich­net. Das wird die Sprach­re­ge­lung gewe­sen sein, auf die man sich ver­stän­digt hat­te, die zudem nahe­legt, dass Hans in sehr frü­hem Alter zu sei­ner Tan­te kam. Aber immer­hin ist offen­sicht­lich, dass die drei in einem regel­mä­ßi­gen Kon­takt zuein­an­der standen.
Aus dem Text muss man ent­neh­men, dass Hans damals noch kei­ne fes­te neue Adres­se – in wel­chem Land auch immer – hat­te und nur über ein Frl. Weil, deren Iden­ti­tät aber nicht bekannt ist, erreich­bar war. Viel­leicht befand er sich noch in einem Vor­be­rei­tungs­la­ger, einem Hachs­cha­ra-Camp, bevor er dann end­gül­tig nach Paläs­ti­na ging, wo er im Jahr, in dem er den Ent­schä­di­gungs­ak­te stell­te, als Buch­hal­ter mit sei­ner Frau und vier Kin­dern im Alter von 18, 14, 9 und 6 Jah­ren in Asch­dot Jaa­kow leb­te.[24]

 

Wenn es mit­un­ter schon schwie­rig ist, siche­re Anga­ben über die genea­lo­gi­schen Ver­bin­dun­gen jüdi­scher Bür­ger im spä­te­ren West­deutsch­land zu fin­den, so ist es ungleich schwe­rer, Infor­ma­tio­nen über den fami­liä­ren Hin­ter­grund der vie­len Jüdin­nen und Juden zu bekom­men, die, wie die Rein­steins, aus den öst­li­chen Tei­len des frü­he­ren Deut­schen Rei­ches stamm­ten. Dank der spä­ter in Wies­ba­den aus­ge­stell­ten Ster­be­ur­kun­de von Salo­mon Rein­stein weiß man zumin­dest mit Sicher­heit, dass er am 3. März 1873 im dama­li­gen Strel­no in der Pro­vinz Posen zur Welt gekom­men war. Auch sind dar­in sei­ne Eltern Abra­ham und Cäci­lie Rein­stein, gebo­re­ne Schlamm, genannt.[25] Sei­ne Groß­el­tern sol­len Jakob und Bir­di Rein­stein, gebo­re­ne Schiff, gewe­sen sein, die neben Abra­ham noch die drei Söh­ne Moritz, Wil­liam und Her­mann gehabt haben sol­len.[26] Es muss eine gro­ße Fami­lie gewe­sen sein, denn man fin­det im Inter­net eine Viel­zahl von Rein­steins, die aus Strel­no stamm­ten, aber die genea­lo­gi­schen Ver­bin­dun­gen unter­ein­an­der konn­ten bis­her nur unzu­rei­chend geklärt wer­den.[27]
Aber ganz offen­sicht­lich hat­ten ver­schie­de­ne Mit­glie­der der Fami­lie ihre Hei­mat­stadt schon früh ver­las­sen, man­che noch in der Zeit des Kai­ser­reichs, ande­re, nach­dem Strel­no nach dem Ers­ten Welt­krieg dem neu gegrün­de­ten pol­ni­schen Staat zuge­schla­gen wur­de. Mög­li­cher­wei­se war Wies­ba­den – wie in GENI geschrie­ben – tat­säch­lich ein Ziel für meh­re­re Mit­glie­der der Fami­lie, aber nach­weis­bar ist das nur für Sal­ly Reinstein.

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Sal­ly und Cla­ra Rein­stein
Archiv des Akti­ven Muse­ums Spiegelgasse

Anfangs wohn­te Salo­mon Rein­stein zunächst in ver­schie­de­nen Woh­nun­gen im Zen­trum der Stadt, nach der Ehe­schlie­ßung aber für vie­le Jah­re in der Kirch­gas­se 47 im drit­ten Stock­werk.[28] Die Geschäfts­räu­me sei­nes Her­ren­kon­fek­ti­ons­ge­schäfts waren unmit­tel­bar im Nach­bar­haus mit der Num­mer 49 im Par­terre gele­gen – dem Haus, in dem gegen­wär­tig ein Buch­han­dels­kon­zern sein Ange­bot offe­riert. Erst nach dem Ers­ten Welt­krieg, an dem Salo­mon Rein­stein selbst teil­nahm,[29] wur­de der Laden in das nicht weit ent­fernt gele­ge­ne Gebäu­de in der Lang­gas­se 7 ver­legt, das im Besitz der jüdi­schen Geschwis­ter Ali­ce Kei­les, gebo­re­ne Ham­bur­ger, und Hans Ham­bur­ger war.[30] 1931 zogen dann auch Rein­steins selbst um. Die neue Adres­se, die ‚Vil­la Dora’ in der Schüt­zen­str. 8, zeugt sicher von dem, trotz aller Kri­sen gewach­se­nen Wohl­stand der Familie.

Wie man aus den zumin­dest teil­wei­se über­lie­fer­ten Steu­er­ak­ten erse­hen kann, gehör­ten Rein­steins zwar nicht zur Ober­schicht der Stadt, aber doch zu den­je­ni­gen, die auf ein ste­tes und aus­rei­chen­des Ein­kom­men zurück­grei­fen konn­ten. Vor Kriegs­be­ginn 1914 besa­ßen sie Ver­mö­gens­wer­te in Höhe von mehr als 11.000 RM und ihr Jah­res­ein­kom­men belief sich auf knapp 6.000 RM.[31] Schon bald nach der ers­ten gro­ßen Nach­kriegs­kri­se mit der galop­pie­ren­den Infla­ti­on konn­te man geschäft­lich wie­der an die Vor­kriegs­zei­ten anknüp­fen. Und am Ende der Wei­ma­rer Jah­re stand das Geschäft eigent­lich wie­der auf siche­ren Bei­nen.[32] Der Ein­heits­wert des Unter­neh­mens wur­de 1933 mit 11.000 RM taxiert.[33] Laut Anga­ben des Finanz­amts Wies­ba­den ver­steu­er­ten Rein­steins in den schwe­ren Kri­sen­jah­ren 1932 und 1933 ein Ein­kom­men von jeweils etwa 3.600 RM.[34] Das war nicht sehr viel, aber ange­sichts der Not vie­ler Men­schen doch ein rela­tiv siche­res finan­zi­el­les Fundament.

Die Lang­gas­se um 1910
Rechts hin­ter der leich­ten Kur­ve müss­te spä­ter der ‘Prin­ce of Wales’ gele­gen haben

Im Geschäft, das laut einer Zeit­zeu­gin mit sei­nen bei­den Schau­fens­tern das zweit­größ­te und ele­gan­tes­te Her­ren­kon­fek­ti­ons­ge­schäft in Wies­ba­den gewe­sen sein soll,[35] arbei­te­ten neben Sal­ly und sei­ner Frau bis 1933 zwei zusätz­li­che Ver­käu­fe­rin­nen. Der Fir­men­chef küm­mer­te sich pri­mär um die Deko­ra­ti­on, die Kor­re­spon­denz und die Bücher, sei­ne Frau orga­ni­sier­te den Ein- und Ver­kauf.[36] Nor­ma­ler­wei­se konn­ten dar­über hin­aus noch zwei Lehr­lin­ge in die­sen Jah­ren ihre Aus­bil­dung bei Rein­steins absol­vie­ren.[37] Zur Kund­schaft gehör­ten auch vie­le Kur­gäs­te der Stadt, unter denen sich auch sehr häu­fig Aus­län­der befan­den. Cla­ra Rein­stein sprach flie­ßend Eng­lisch und Fran­zö­sisch und ver­lang­te, dass auch die ande­ren Ange­stell­ten Kun­den in die­sen Spra­chen bedie­nen konn­ten. Oft, so eine ehe­ma­li­ge Ange­stell­te in einer eides­statt­li­chen Erklä­rung, hät­ten die­se auch spä­ter aus dem Aus­land noch Waren im ‚Prin­ce of Wales’ geor­dert.[38]

‘Prin­ce of Wales’ in der Lang­gas­se 7
Mit Dank an D. Schaller

Die Miet­kos­ten für das Laden­lo­kal, zu dem auch noch eine Man­sar­de, die als Lager­raum genutzt wur­de, und ein Kel­ler gehör­ten, betrug in den Drei­ßi­ger­jah­ren 950 RM monat­lich, ein nicht unbe­trächt­li­cher Betrag, der erst ein­mal erwirt­schaf­tet sein woll­te.[39] Aber selbst die Aus­kunf­tei Blum, die häu­fig von den Ent­schä­di­gungs­be­hör­den gefragt wur­de, wenn es um die Beur­tei­lung frü­he­rer jüdi­scher Geschäf­te ging und dann in ihren Gut­ach­ten immer wie­der anti­se­mi­ti­sche Res­sen­ti­ments durch­schei­nen ließ, kam nicht umhin, Salo­mon Rein­stein zu beschei­ni­gen, dass der Geschäfts­gang bis 1933 gut war, Herr Rein­stein sich mit dem Unter­neh­men sehr viel Mühe gab und er die Bran­che sehr gut ver­stan­den habe.[40]

Aber nicht nur in der Wies­ba­de­ner Geschäfts­welt hat­te sich Sal­ly Rein­stein einen Namen gemacht, auch in der jüdi­schen Gemein­de war er in den ver­schie­dens­ten Ver­ei­nen und Initia­ti­ven aktiv oder zumin­dest als Mit­glied ein­ge­tra­gen. Inwie­weit es sich dabei um rein for­ma­le Mit­glied­schaf­ten oder aber um täti­ge Mit­ar­beit oder zumin­dest um finan­zi­el­le Unter­stüt­zung han­del­te, lässt sich aus heu­ti­ger Sicht nicht mehr beur­tei­len. Der ‚Cen­tral­ver­ein der Juden in Deutsch­land’ war dar­un­ter ver­mut­lich der größ­te, wich­ti­ger für die jüdi­sche Iden­ti­tät war aber das von Rab­bi­ner Paul Laza­rus gelei­te­te ‚Jüdi­sche Lehr­haus’. Als ehe­ma­li­ger Front­sol­dat im Ers­ten Welt­krieg gehör­te er selbst­ver­ständ­lich auch ihrer Orga­ni­sa­ti­on, dem ‚Reichs­bund’, dem RjF an. In der Sport­grup­pe der Ver­ei­ni­gung enga­gier­te sich zudem auch sein Sohn Adolf, der dort sogar eine Lei­tungs­funk­ti­on inne­hat­te. Dem ‚Ver­ein zur Errich­tung eines jüdi­schen Kran­ken­hau­ses’ anzu­ge­hö­ren, war ganz sicher für einen erfolg­rei­chen Geschäfts­mann eine genau­so unab­ding­ba­re Pflicht, wie die Unter­stüt­zung der ‚Wies­ba­de­ner Feri­en­ko­lo­nie für israe­li­ti­sche Kin­der’, in der man sich um die Für­sor­ge für erho­lungs­be­dürf­ti­ge und kran­ke jüdi­sche Kin­der küm­mer­te. Cla­ra Rein­stein gehör­te der ‚Ver­ei­ni­gung jüdi­scher Frau­en’, dem loka­len Able­ger des ‚Jüdi­schen Frau­en­bun­des’ an. Neben sei­ner Funk­ti­ons­stel­le im Sport­bund war Adolf auch Mit­glied im ‚Bund Deutsch-Jüdi­scher Jugend’, der — so die Erläu­te­rung im Jüdi­schen Adress­buch — sich die „Sor­ge um die kör­per­li­che, geis­ti­ge und kame­rad­schaft­li­che Erzie­hung der jun­gen Men­schen und zwar streng im Rah­men der gesetz­li­chen Vor­schrif­ten und unter abso­lut loya­ler Beob­ach­tung der in Deutsch­land herr­schen­den poli­ti­schen Grund­sät­ze“ zum Ziel gesetzt hat­te. Unter „Ableh­nung jeder assi­mi­la­to­ri­schen Ein­glie­de­rung in die Umwelt“ soll­te der „bewuß­te Wil­le, das Juden­tum zu erhal­ten“, geför­dert wer­den. Die Ver­ei­ni­gung galt damals noch als eine vom Reichs­ju­gend­füh­rer geneh­mig­te jüdi­sche Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on.[41]

Dass das Jahr 1933 eine Zäsur dar­stell­te, mach­te sich an der Geschäfts­ent­wick­lung zunächst noch kaum bemerk­bar. Die ein­schnei­dends­te Ver­än­de­rung für Rein­steins ergab sich 1933 aus den restrik­ti­ven Maß­nah­men, die die NSDAP unmit­tel­bar nach der Macht­über­nah­me im Beam­ten­recht durch­setz­te. Adolf Rein­stein hat­te sich nach dem Abitur für ein Stu­di­um der Recht­wis­sen­schaf­ten mit dem Ziel, Rich­ter zu wer­den, ent­schie­den. Von 1928 bis 1932 besuch­te er die Uni­ver­si­tä­ten Frei­burg und Bonn und bestand am 17. Sep­tem­ber 1932 in Köln die Ers­te juris­ti­sche Staats­prü­fung.[42]

Am 18. Okto­ber 1932 war ihm am Ober­lan­des­ge­richt in Frank­furt eine Refe­ren­dar­stel­le über­tra­gen wor­den, die er in den ers­ten sechs Mona­ten am Amts­ge­richt Linz absol­vie­ren soll­te, das wie­der­um dem Land­ge­richt Neu­wied zuge­ord­net war.[43] Am 7. April 1933 wur­de ihm von die­sem die wei­te­re Aus­übung sei­ner Dienst­ge­schäf­te unter­sagt und man „ersuch­te“ ihn, sich „des Betre­tens des Gerichts­ge­bäu­des bis auf wei­te­re Wei­sung zu ent­hal­ten“.[44] Die Anwei­sung wur­de Adolf Rein­stein am 24. April noch ein­mal mit Ver­weis auf das „Reichs­ge­setz zur Wie­der­her­stel­lung des Berufs­be­am­ten­tums“ vom über­ge­ord­ne­ten Ober­lan­des­ge­richt bestä­tigt und ihm „zur gepfl. Kennt­nis­nah­me“ zugestellt.

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Adolf Rein­stein wird aus dem Jus­tiz­dienst ent­las­sen
HHStAW 518 48924 (12)

Am 31. Mai des glei­chen Jah­res erhielt er dann die Mit­tei­lung, dass er als „nicht ari­scher Refe­ren­dar“ aus dem Vor­be­rei­tungs­dienst zu ent­fer­nen und vor dem 30. Sep­tem­ber 1933 durch den Preu­ßi­schen Jus­tiz­mi­nis­ter zu ent­las­sen sei. Bis zu die­sem Zeit­punkt sei er beur­laubt und das Betre­ten des Dienst­ge­bäu­des sei ihm wei­ter­hin nicht gestat­tet.[45] Zwar konn­te man gegen die­se Anwei­sung einen Wider­spruch ein­le­gen und um Wei­ter­be­schäf­ti­gung ersu­chen – der Schein der Rechts­staat­lich­keit soll­te noch gewahrt blei­ben -, aber das war ange­sichts zwei­er jüdi­scher Eltern fak­tisch aus­sichts­los. Den­noch scheint Adolf ein sol­ches Gesuch ein­ge­reicht zu haben.
Das end­gül­ti­ge Ent­las­sungs­schrei­ben erhielt er dann am 19. August 1933. Man habe sich „kraft zwin­gen­den Reichs­rechts nicht in der Lage gese­hen“, sei­nem am 3. Juni ein­ge­reich­ten Gesuch um Wei­ter­be­schäf­ti­gung, zu ent­spre­chen.[46]

Adolf Rein­stein blieb kei­ne ande­re Wahl, als nach Wies­ba­den zurück­zu­keh­ren und im Geschäft sei­nes Vaters mit­zu­ar­bei­ten. Er erhielt damals ein fes­tes monat­li­ches Gehalt von 250 RM, war aber auch – in wel­chem Umfang ist nicht bekannt — an dem Unter­neh­men selbst betei­ligt.[47]

Natür­lich ist nicht abzu­se­hen, wie die Geschäf­te ohne die anti­se­mi­ti­schen Boy­kott­auf­ru­fe, die ja schon vor 1933 inten­siv ein­setz­ten, sich ent­wi­ckelt hät­ten, aber deut­lich nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen gab es zunächst nicht. Die Umsät­ze des Ladens blie­ben bis 1936 auf dem bis­he­ri­gen Niveau und auch das Ein­kom­men der Fami­lie blieb rela­tiv sta­bil. Im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren leg­te das Finanz­amt Wies­ba­den die Zah­len vor, mit denen Salo­mon Rein­stein in den Jah­ren von 1932 bis 1938 zur Ein­kom­men­steu­er her­an­ge­zo­gen wur­de. Sie blie­ben in all den Jah­ren, von 1938 abge­se­hen, immer im Bereich zwi­schen 3.500 RM und rund 4.500 RM, erreich­ten 1935 mit 4.475 RM den höchs­ten Stand.[48] Zwar gab Alfred Rein­stein im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren an, der Umsatz der Fir­ma habe sich immer um etwa 100.000 RM im Jahr bewegt, eine Anga­be, die auch von einem ande­ren Geschäfts­in­ha­ber im Haus Lang­gas­se 7 als glaub­haft ange­se­hen wur­de. Ob sie aber tat­säch­lich stimmt, ist eher frag­lich.[49] Es mag sein, dass die­se Zah­len für eini­ge der zwan­zi­ger Jah­re zutref­fend waren, aber selbst da erschei­nen gewis­se Zwei­fel berech­tigt. In den Jah­ren, für die beim Finanz­amt Wies­ba­den noch Umsatz­steu­er­un­ter­la­gen vor­han­den waren, betru­gen die Umsät­ze laut den von Sal­ly Rein­stein gegen­über dem Finanz­amt gemach­ten Anga­ben immer zwi­schen 30.000 RM und etwa 40.000 RM.[50] Wie wohl so manch and­rer Geschäfts­mann, hat­te sicher auch Salo­mon Rein­stein nicht alle Ein­nah­men dem Finanz­amt gemel­det, zumin­dest lässt dar­auf eine Bemer­kung von Alfred schlie­ßen, die in einem Brief an sei­nen Schwa­ger fiel, in dem er einen Safe erwähnt, in dem „Schwarz-money“ depo­niert gewe­sen sein soll.[51] Das bezieht sich aber aller Wahr­schein­lich­keit erst auf einen Zeit­raum, in dem man sich auf noch schlim­me­re Zei­ten und mög­li­cher­wei­se auf die Flucht aus Deutsch­land vor­zu­be­rei­ten begann.
Als mög­li­ches Indiz für Plä­ne der Rein­steins, Deutsch­land in die­ser Pha­se zu ver­las­sen, kann unter Umstän­den der Antrag von Cla­ra Rein­stein vom 6. April 1937 gewer­tet wer­den, in dem sie eine Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung zur Ver­län­ge­rung ihres Rei­se­pas­ses anfor­der­te. Ver­mut­lich wur­de dem ent­spro­chen, denn immer­hin ist auf dem Schrift­stück ver­merkt, dass sie kei­ne Steu­er­rück­stän­de habe.[52]
Mög­li­cher­wei­se stand mit sol­chen Aus­wan­de­rungs­plä­nen auch der dama­li­ge Woh­nungs­wech­sel im Zusam­men­hang. Am 1. Juli 1937 ver­ließ die Fami­lie die Vil­la in der Schüt­zen­str. 8 und zog in die Blu­men­str. 3.[53] Zwar han­delt es sich auch hier um eine sehr schö­ne Dop­pel­haus-Stadt­vil­la in einer begehr­ten Gegend der Stadt, aber Rein­steins bezo­gen nur das Erd­ge­schoss, das eher dun­kel und ver­mut­lich auch rela­tiv kühl war. Viel­leicht soll­te die­se Woh­nung, die im Hin­blick auf die Miet­kos­ten sicher güns­ti­ger als die bis­he­ri­ge war, nur als Über­gangs­lö­sung bis zur Aus­wan­de­rung dienen.

Mit dem Novem­ber­po­grom ändert sich dann alles. Nach­dem am frü­hen Mor­gen des 10. Novem­ber um 4 Uhr die Syn­ago­ge am Michels­berg erst­mals ange­zün­det wor­den war, der Brand zunächst von der her­bei­ge­ru­fe­nen Feu­er­wehr gelöscht wer­den konn­te, dann zwi­schen 6 und 7 Uhr eine Grup­pe von Män­nern mit Äxten und ande­ren Werk­zeu­gen erneut in das Got­tes­haus ein­ge­drun­gen war, das Mobi­li­ar zer­trüm­mer­te und erneut einen Brand leg­te, um das Zer­stö­rungs­werk zu voll­enden, zog der Mob durch die Wies­ba­de­ner Innen­stadt, um die jüdi­schen Geschäf­te anzu­grei­fen. In der Ankla­ge­schrift der Staats­an­walt­schaft Lim­burg beim Land­ge­richt Wies­ba­den, wo nach dem Krieg der Pro­zess gegen die Haupt­rä­dels­füh­rer statt­fand, heißt es über das wei­te­re Vor­ge­hen: „Aus der Rei­he der zer­stör­ten Geschäf­te sind in die­sem Ver­fah­ren beson­ders das Hut­ge­schäft Ull­mann, die Wein­hand­lung Simon, das Juwe­lier­ge­schäft Hei­mer­din­ger, das Kon­fek­ti­ons­ge­schäft Baum, Ecke Weber­gas­se, das Par­fü­me­rie­ge­schäft Albers­heim, das Geschäft Kugel­mann im Hotel Bel­le­vue, das Schuh­ge­schäft Mesch, das Geschäft Rhein­stein, das Geschäft Marx­hei­mer und das Ver­kehrs­bü­ro Ecke Weber­gas­se her­vor­zu­he­ben. Die Durch­füh­rung der Aktio­nen in den ein­zel­nen Geschäf­ten war in allen Fäl­len im wesent­li­chen die glei­che. Fens­ter­schei­ben und Türen wur­den ein­ge­schla­gen, die Innen­ein­rich­tung der Läden demo­liert, die Ware umher­ge­streut und viel­fach auf die Stra­ße gewor­fen.“[54]

Tat­säch­lich waren auch in der Lang­gas­se 7 die Schau­fens­ter­schei­ben des ‚Prin­ce of Wales’ zer­trüm­mert wor­den, die Laden­ein­rich­tung, die nach Alfred Rein­stein einen Wert von 10.000 RM hat­te, zer­schla­gen und das bereits für das Weih­nachts­ge­schäft auf­ge­füll­te Waren­la­ger auf die Stra­ße gewor­fen wor­den. Allein das soll einen Wert von etwa 30.000 RM gehabt haben. Im Tre­sor sol­len sich wei­te­re 3.000 RM an Bar­geld und Wert­pa­pie­re sowie diver­se Ver­si­che­rungs­schei­ne befun­den haben, die alle­samt geraubt wur­den.[55] Eine Nach­ba­rin – sie gab ver­mut­lich ver­se­hent­lich als Datum den 9. Novem­ber an – hat­te gese­hen, wie ihr bekann­te städ­ti­sche Arbei­ter mit Werk­zeu­gen, die als städ­ti­sches Eigen­tum erkenn­bar waren, in den Laden ein­dran­gen, um ihr Zer­stö­rungs­werk zu ver­rich­ten. Sie bestä­tig­te zudem die übri­gen Anga­ben über die Vor­gän­ge an die­sem Tag.[56]

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Umzugs­mel­dung in die Lortzingstr. 7
HHStAW 685 650b (o.P.)

Auch schei­nen Rein­steins im Gefol­ge der Ereig­nis­se ihre bis­he­ri­ge Woh­nung ver­lo­ren zu haben. Auf dem poli­zei­li­chen Ummel­de­bo­gen ist als Umzugs­tag der 16. Novem­ber 1938 fest­ge­hal­ten, der Stem­pel der Poli­zei­be­hör­de datiert ihn auf den 18. des Monats.[57] Zu die­ser Zeit gab es noch kei­ne Zwangs­ein­wei­sun­gen von Juden und ihre neue Unter­kunft, die Lortzingstr. 7, war auch noch nicht zum Juden­haus erklärt wor­den. Ver­mut­lich hat­ten die Ver­mie­ter ihnen ihre Woh­nung in Zuge der Pogrom­wel­le frist­los gekün­digt und Sal­ly und Cla­ra Rein­stein fan­den Zuflucht im nur wenig ent­fernt gele­ge­nen Haus der Jüdin Sophie Gins­burg. Adolf war beim Umzug selbst nicht dabei, er war, wie die meis­ten jüdi­schen Män­ner, noch am 10. Novem­ber ver­haf­tet und in das KZ Buchen­wald ein­ge­lie­fert worden.

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Ster­be­ein­trag Sal­ly Reinstein
Das Grab von Sal­ly Rein­stein auf dem Jüdi­schen Fried­hof Plat­ter Stra­ße (mit fal­schem Todes­da­tum)
Eige­ne Aufnahme

Das Lebens­werk des einst erfolg­rei­chen Geschäfts­manns Salo­mon Rein­stein war mit einem Schlag zer­stört, aus sei­ner Woh­nung hat­te man ihn ver­mut­lich ver­trie­ben und der Sohn harr­te mit unge­wis­sem Schick­sal im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger. Die Hilf­lo­sig­keit, die Ver­zweif­lung, die Sor­gen um Sohn, Ehe­frau und die Zukunft über­haupt müs­sen Salo­mon Rein­stein so zuge­setzt haben, dass er nur drei Wochen nach den schreck­li­chen Ereig­nis­sen am frü­hen Mor­gen des 2. Dezem­bers 1938 um 1 Uhr in sei­ner gera­de erst bezo­ge­nen Woh­nung in der Lortzingstr. 7 ver­starb. Offi­zi­el­le Todes­ur­sa­che war eine „Herz­mus­kel­ent­ar­tung“ – aber was heißt das schon.[58] Obwohl eine unmit­tel­ba­re Gewalt­an­wen­dung an sei­ner Per­son durch die Nazis nicht vor­ge­le­gen zu haben scheint, er somit eines „natür­li­chen“ Todes gestor­ben war, hat man zur Erin­ne­rung an das ihm zuge­füg­te Leid am 1. Okto­ber 2005 zurecht einen Stol­per­stein vor sei­ner frü­he­ren Woh­nung Kirch­gas­se 47 ver­legt.[59]

Stol­per­stei­ne für das Ehe­paar Rein­stein und Dr. Albert Stahl vor dem Haus Kirch­gas­se 47
Eige­ne Aufnahme

Gemäß einer „Ver­ord­nung zur Wie­der­her­stel­lung des Stra­ßen­bil­des bei jüdi­schen Geschäfts­be­trie­ben“ vom 12. Novem­ber 1938 hat­ten die Juden für die von dem Nazi-Mob ange­rich­te­ten Schä­den selbst auf­zu­kom­men. Die Wie­der­her­stel­lung der Glas­front kos­te­te allein etwa 1.000 RM. Auch die noch offe­nen Rech­nun­gen für die zer­stör­ten Waren muss­ten Rein­steins beim ‚Kauf­män­ni­schen Ver­ein‘ in Wies­ba­den beglei­chen – etwa 3.500 RM.[60]

Noch vor sei­nem Tod hat­te sich der Inha­ber Sal­ly Rein­stein ent­schlos­sen, das zer­stör­te Geschäft auf­zu­ge­ben. Mit Datum 25. Novem­ber 1938 ist im Han­dels­re­gis­ter der Ein­trag „die Fir­ma ist erlo­schen“ zu lesen.[61] Für einen Wie­der­auf­bau fehl­ten nicht nur die finan­zi­el­len Mit­tel, es war auch klar, dass ein jüdi­sches Geschäft auf abseh­ba­re Zeit in Wies­ba­den kei­ne rea­le Per­spek­ti­ve mehr haben wür­de. Damit kam er der Zwangs­ari­sie­rung, die am 3. Dezem­ber mit der „Ver­ord­nung über den Ein­satz des jüdi­schen Ver­mö­gens“ erlas­sen wur­de,[62] um weni­ge Tage zuvor.

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Die Löschung des 1904 gegrün­de­ten ‘Prin­ce of Wales’ im Han­dels­re­gis­ter am 25.11.1938
HHStAW 518 855 (32)

Aller­dings war die Lage des Laden­lo­kals so begehrt, dass sich ver­mut­lich sehr schnell diver­se Inter­es­sen­ten fin­den lie­ßen. Den Zuschlag erhielt ein Wil­helm Schweit­zer, der bis­her an ande­rer Stel­le in Wies­ba­den ein ähn­li­ches Kon­fek­ti­ons­ge­schäft betrie­ben hat­te. Über die genau­en Umstän­de die­ses Wech­sels lie­gen wie­der­um unter­schied­li­che Aus­sa­gen vor. Wäh­rend Alfred Rein­stein angab, der Laden sei auf Kos­ten der Mut­ter wie­der instand gesetzt wor­den, sag­te die Wit­we des neu­en Laden­be­sit­zers im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren aus, es wären nur noch weni­ge brauch­ba­re Bret­ter vor­han­den gewe­sen, die ihr Mann damals käuf­lich erwor­ben habe. Auch habe er für die noch brauch­ba­ren Res­te des Lagers Geld an Frau Rein­stein gezahlt. Ihr Mann habe im Übri­gen in kei­ner Ver­bin­dung zu Salo­mon Rein­stein gestan­den, son­dern die leer ste­hen­den Räu­me erst am 15. Janu­ar 1939 ange­mie­tet und danach am 5. Febru­ar sein Geschäft eröff­net.[63]

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Die Über­res­te des Geschäfts wer­den ver­schleu­dert
HHStAW 519/​3 5692 (2)

Rich­tig ist, dass Cla­ra Rein­stein im Janu­ar 1939 einen Scheck in Höhe von 4.000 RM für die Res­te des Waren­la­gers erhielt, der nach Geneh­mi­gung der Devi­sen­stel­le ihr auf das gesi­cher­te Kon­to bei der Deut­schen Bank gut­ge­schrie­ben wur­de.[64] In einem Schrei­ben von Cla­ra Rein­stein an den Regie­rungs­prä­si­den­ten Wies­ba­den vom 15. Dezem­ber 1938 hat­te sie mit Blick auf die For­de­rung nach der auf­er­leg­ten „Süh­ne­leis­tung“ eine vor­läu­fi­ge Zusam­men­stel­lung ihrer Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se ver­sucht. Dar­in hat­te sie den Ein­kaufs­wert des Lagers mit rund 11.000 RM ange­ge­ben, den zu erwar­ten­den Gewinn bei Ver­kauf der gesam­ten Bestän­de auf etwa 4.000 RM taxiert.[65] Ganz offen­sicht­lich klafft eine erheb­li­che Dif­fe­renz zwi­schen dem Ver­kaufs­wert des Lagers und dem Betrag, den sie damals dafür von ihrem „Nach­fol­ger“ erhielt.

Genau genom­men han­del­te es sich somit hier um kei­ne Ari­sie­rung eines jüdi­schen Geschäfts, aber fak­tisch war es nichts ande­res. Ein jüdi­sches Geschäft war zugrun­de gerich­tet wor­den und ein Ari­er hat­te die Gunst der Stun­de genutzt, um am glei­chen lukra­ti­ven Ort sein eige­nes Geschäft zu eröff­nen, hat­te zudem zumin­dest Tei­le des weit­ge­hend wert­los gewor­de­nen Lagers und auch des Mobi­li­ars käuf­lich erworben.

 

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Kar­tei­kar­te aus dem KZ Buchen­wald für Adolf Rein­stein
https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​1​0​5​0​3​/​1​7​2​4​/​5​3​3​8​5​9​3​8​/​0​0​1​.​jpg

Wann Adolf mit der Häft­lings­num­mer 7575 aus Buchen­wald ent­las­sen wur­de, lässt sich nicht mehr mit Sicher­heit sagen. Auch er selbst konn­te sich spä­ter an das genaue Datum nicht mehr erin­nern, mein­te aller­dings, es sei der 18. Dezem­ber 1938 gewe­sen.[66] Das ist mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit aber nicht ganz rich­tig. Auf sei­ner Kar­tei­kar­te aus Buchen­wald ist als Ent­las­sungs­da­tum der 1. Dezem­ber ein­ge­tra­gen und auf einer Lis­te ent­las­se­ner Häft­lin­ge, die zwi­schen dem 3. und dem 9. Dezem­ber in Frei­heit kamen, ist mit der Num­mer 159 auch sein Name zu fin­den.[67] Sei­ne Geld­ver­wal­tungs­kar­te aus dem KZ, auf der am 17. Novem­ber ein Ein­gang von 60 RM ein­ge­tra­gen wur­de, wur­den am 28. Novem­ber 15 RM und am fol­gen­den Tag noch ein­mal 8 RM abge­ho­ben.[68] Wenn es stimmt, dass er am 1. Dezem­ber ent­las­sen wur­de, könn­te er das Geld für die Fahr­kar­te nach Hau­se benö­tigt haben. Es scheint sich um eine über­eil­te Ent­las­sung gehan­delt zu haben, denn den Rest­be­trag von 37 RM erhielt er erst am 9. Dezem­ber. Da sein Vater einen Tag nach dem ver­mut­li­chen Ent­las­sungs­tag ver­starb, hat­te er viel­leicht kurz­fris­tig vom Gesund­heits­zu­stand des Vaters erfah­ren und um Ent­las­sung gebe­ten, die dann auch bewil­ligt wor­den war. Aller­dings ist es ver­wun­der­lich, dass er sich spä­ter an das genaue Datum nicht mehr erin­nern konn­te, wenn es in einem unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit dem Tod sei­nes Vaters gestan­den haben sollte.

Sicher ist aller­dings, dass sei­ne Frei­las­sung mit der kla­ren Auf­la­ge ver­bun­den war, Deutsch­land so schnell wie mög­lich zu ver­las­sen. Über die Frist, die ihm gesetzt war, sind die Anga­ben wie­der­um nicht ein­deu­tig. In einem der Brie­fe, die Alfred unmit­tel­bar nach Kriegs­en­de an sei­nen Schwa­ger schrieb, heißt es: „When I came back from Buchen­wal­de I had to lea­ve the coun­try within 6 days and I wasn’t worried about any­thing but the plain life and to get out of the coun­try and so I didn’t make my own pro­vi­si­ons for my own sake.”[69] In einer eides­statt­li­chen Erklä­rung, die er am 2. Dezem­ber 1957 abgab, sag­te er dage­gen aus, es sei ihm auf­er­legt wor­den, das Land inner­halb von vier Wochen zu ver­las­sen.[70]

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Zur Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be wur­de Cla­ra Rein­stein offen­bar nicht her­an­ge­zo­gen
HHStAW 685 650b (9)

In jedem Fall gab es bis dahin eini­ges zu regeln. So schrieb Alfred in dem bereits zitier­ten Brief vom 26. Mai 1945: „I had to sign ever­y­thing over to the sta­te befo­re I left and I had to pay ‘Juden­ab­ga­be’ and Reichs­flucht­steu­er and pay­ed all taxes for my mother in order to keep her out of any trou­ble.”[71] Ob über­haupt, und falls ja, in wel­cher Höhe die Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be wann bezahlt wur­de, ist eben­falls unklar. In der Ver­mö­gens­auf­stel­lung, die Cla­ra Rein­stein im Dezem­ber 1939 für die zu erwar­ten­de Son­der­steu­er mach­te, gab sie an, nach Abzug aller Schul­den, Ver­bind­lich­kei­ten und Kos­ten für die Wie­der­her­stel­lung des Stra­ßen­bil­des noch etwas mehr als 6.000 RM zu besit­zen, wor­aus sich eine Abga­be von 300 RM pro Rate ergä­be. Am sel­ben Tag, so schrieb sie, wer­de sie die ers­te Rate über­wei­sen.[72] Der offi­zi­el­le Berech­nungs­bo­gen des Finanz­amts zur Fest­le­gung der Höhe der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be, datiert vom 2. Febru­ar 1939 dage­gen ent­hält nur einen dia­go­na­len Strich, der soviel bedeu­tet, wie: Kommt wegen eines zu gerin­gen Ver­mö­gens für die Besteue­rung nicht in Fra­ge.[73] Mög­li­cher­wei­se waren die Kos­ten für die Instand­set­zung des Ladens so hoch gewe­sen, dass sie unter das Ver­mö­gens­mi­ni­mum von 5.000 RM gera­ten und damit nicht mehr steu­er­pflich­tig war. Da die Bemes­sungs­grund­la­ge für die Reichs­flucht­steu­er zuletzt bei 10.000 RM lag,[74] ist es auch eher unwahr­schein­lich, dass Adolf bei sei­ner Aus­rei­se nach Eng­land von die­ser Abga­be betrof­fen war. Zumin­dest wur­de in den Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren von ihm eine sol­che weder für die Reichs­flucht­steu­er, noch für die Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be bean­tragt, nicht für sich selbst und auch nicht für sei­ne Mutter.

In sei­nem Brief mach­te Alfred Rein­stein im Zusam­men­hang mit den damals getä­tig­ten finan­zi­el­len Trans­ak­tio­nen noch Aus­füh­run­gen zu zwei Häu­sern, die völ­lig rät­sel­haft und nicht nach­voll­zieh­bar sind. So schrieb er zunächst in sei­nem Brief vom 13. Mai: “I had ano­ther house in the Bie­bri­cher Allee and if you should loca­te the safe in the cel­lar [in der Lortzingstr. 7 – K.F.] you will find the exact address and more par­ti­cu­lars unless my mother sold it becau­se I gave her power of att­or­ney. May­be she had to sell it or it was con­fis­ca­ted but that should be ille­gal by now.”[75] In dem knapp zwei Wochen spä­ter, am 26. Mai, geschrie­be­nen Brief heißt es dann: „The house in the Bie­bri­cher­stras­se was sold by force by me and the money was con­fis­ca­ted.”[76] Hier ist nicht nur unklar, wel­che Stra­ße und wel­ches Haus er meint, noch ver­wir­ren­der sind die Aus­sa­gen zum Ver­kauf bzw. der Kon­fis­ka­ti­on des Hau­ses. Nicht weni­ger irri­tie­rend ist sei­ne Äuße­rung zu dem in der Lortzingstr. 7:
„This house [Lortzingstr. 7 – K.F.] was bought under my name from a French woman in 1938 but I sure don’t know what hap­pen­ed during all tho­se years. I can’t know whe­ther they chan­ged the books or never ente­red it in the books”[77]. Es gibt nir­gend­wo in den Akten einen Hin­weis dar­auf, dass Alfred Rein­stein bzw. sei­ne Eltern im Besitz zwei­er Häu­ser in Wies­ba­den gewe­sen wären. Außer Fra­ge steht zudem, dass das Haus in der Lortzingstr. 7 im Besitz der damals noch in Paris leben­den Sophie Gins­burg geblie­ben war und nach ihrer Ermor­dung durch die Nazis an ihre Erben überging.

 

Zwar besaß Adolf eine War­te­num­mer für die Ein­rei­se in die USA, aber auf die hät­te er bis Ende 1939 nicht zurück­grei­fen kön­nen. Im Janu­ar 1939 konn­te Adolf dann zunächst über die Schweiz nach Eng­land aus­rei­sen. Ein Ver­wand­ter hat­te ihm eine grö­ße­re Sum­me leih­wei­se zur Ver­fü­gung gestellt, die sei­nen dor­ti­gen Auf­ent­halt sicher­te, sodass er dem bri­ti­schen Sozi­al­sys­tem nicht zur Last fal­len wür­de.[78] Die Mög­lich­keit, durch eige­ne Arbeit sei­nen Lebens­un­ter­halt zu sichern, war ihm ver­sagt. Eine bereits in Deutsch­land gekauf­te Schiffs­kar­te für die Über­fahrt in die USA ver­fiel wäh­rend der War­te­zeit, sodass er im Dezem­ber 1939, als er dann das ersehn­te Visum erhielt, sich erneut Geld lei­hen muss­te, um den Trans­fer zu bezah­len.[79]

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Straf­ak­te gegen Adolf Rein­stein u.a.
HHStAW 519/​3 35224

Wäh­rend der Zeit, in der Adolf Rein­stein sich in Eng­land auf­hielt, wur­de er in einen Pro­zess ver­wi­ckelt, den die deut­sche Staats­an­walt­schaft gegen den Wies­ba­de­ner Foto­händ­ler Lückefett eröff­net hat­te.[80] Die­ser hat­te mit Hil­fe diver­ser Mit­tels­män­ner mehr­fach über die Schweiz und Hol­land wert­vol­le Foto­ap­pa­ra­te, wie etwa Lei­cas, außer Lan­des geschafft und damit gegen die deut­schen Devi­sen­ge­set­ze ver­sto­ßen. Aber nicht nur Juden, die damals legi­ti­mer­wei­se alle sich bie­ten­den Mög­lich­kei­ten nutz­ten, um wenigs­tens Tei­le ihres Ver­mö­gens an den staat­li­chen Behör­den vor­bei ins Aus­land zu schaf­fen, gehör­ten zum Kun­den­kreis des Ange­klag­ten. Dass es ihm pri­mär um den eige­nen Nut­zen ging und kei­nes­wegs um Soli­da­ri­tät mit den Ver­folg­ten, wird allei­ne dar­an deut­lich, dass er in dem Ver­fah­ren behaup­te­te, Adolf Rein­stein und der damals eben­falls aus­ge­wan­der­te jüdi­sche Arzt Dr. Wal­ter Lom­nitz[81] hät­ten ihn zu dem Geschäft ange­stif­tet, wes­halb sie nach Auf­fas­sung der Ankla­ge auch här­ter zu bestra­fen sei­en.[82] Adolf Rein­stein hat­te Ende 1938 noch selbst eine Lei­ca im Wert von etwa 300 RM und eine wei­ter Kame­ra der Mar­ke Ikon­da im Wert von rund 100 RM erwor­ben, sie durch Lückefett in die Schweiz brin­gen las­sen, von wo aus sie ihm dann nach Eng­land geschickt wur­de. Lückefett hat­te sich gegen­über Adolf Rein­stein laut Ermitt­lungs­un­ter­la­gen ange­bo­ten, zumin­dest eine wei­te­re Lei­ca nach Groß­bri­tan­ni­en zu „ver­schie­ben“. In einem Brief von Lückefett an Adolf Rein­stein heißt es: „Im Namen Ihrer Mut­ter soll ich anfra­gen, ob es Ihnen recht ist, wenn Sie (sic!) noch eine L (Lei­ca) nach B (Basel) besor­gen läßt, damit die­sel­be bei Ihrer end­gül­ti­gen Über­fahrt nach New York mit­reist. Sie kön­nen im Fal­le Ihres Ein­ver­ständ­nis­ses Ihrer Frau Mut­ter kurz per Kar­te mit­tei­len, Lud­wig kann mit­rei­sen, ich wer­de dann ver­an­las­sen, daß Ihre (sic!) Sen­dung von Basel noch eine Lei­ca bei­gefügt wird.“[83] Die Mut­ter war somit ganz offen­sicht­lich in die­se Geschäf­te ein­ge­weiht, hat­te sich sogar bereit erklärt, auch für ande­re Aus­ge­wan­der­te aktiv zu wer­den. [84]

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
“Begna­di­gung” von Adolf Rein­stein
HHStAW 519/​3 25947 (o.P.)

In Aus­land konn­te man die­se begehr­ten Appa­ra­te dann ver­kau­fen und sich so die drin­gend benö­tig­ten Devi­sen für das Über­le­ben dort beschaf­fen. Wenn es sich wie in die­sem Fall letzt­lich um eher gerin­ge Beträ­ge han­del­te, so zeigt die Akti­on immer­hin, in wel­cher schwie­ri­gen finan­zi­el­len Lage sich die Geflüch­te­ten oft befan­den.[85] Zwar wur­de Adolf Rein­stein nicht ver­ur­teilt – ein sol­ches Urteil wäre auch nicht mehr voll­streck­bar gewe­sen –, statt­des­sen wur­de ihm aber am 7. März 1941 auch unter Bezug­nah­me auf das erle­dig­te Straf­ver­fah­ren die deut­sche Staats­bür­ger­schaft ent­zo­gen.[86]

Kurz vor der Aus­rei­se nach Ame­ri­ka hei­ra­te­te Alfred Rein­stein am 9. Novem­ber 1939, also genau ein Jahr nach dem schreck­li­chen Pogrom, in Lon­don die aus Wien stam­men­de Elsa Hele­ne Spen­na­del. Sie war dort am 7. Febru­ar 1911 gebo­ren wor­den, hat­te aber auf der Pas­sa­gier­lis­te als letz­ten fes­ten Wohn­sitz Wies­ba­den ange­ge­ben.[87] Aller­dings gibt es kei­ne Doku­men­te, die ihren Auf­ent­halt in der Kur­stadt bele­gen wür­den, was natür­lich nicht aus­schließt, dass sie – etwa als Haus­an­ge­stell­te oder Sekre­tä­rin –[88] dort zuletzt gelebt und sich das Paar auch dort schon ken­nen­ge­lernt hat­te. Zumin­dest in Lon­don wohn­ten sie dann vor der Abrei­se gemein­sam in Green­croft Gar­dens 46.

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Abrei­se von Alfred Rein­stein und sei­ner Frau Elsa aus England

Am 8. Janu­ar 1940 erreich­ten bei­de dann auf dem Schiff ‚New­found­land‘ von Liver­pool aus den Hafen von Bos­ton. Wie lan­ge sie danach noch zusam­men­blie­ben und wie das Leben von Elsa Hele­ne Rein­stein wei­ter ver­lau­fen ist, konn­te nicht ermit­telt wer­den. Aller­dings ist sie auf dem Ein­bür­ge­rungs­an­trag, den Adolf Rein­stein am 3. Mai 1940 in New York stell­te, noch als Ehe­part­ne­rin ein­ge­tra­gen.[89] Zum Zeit­punkt der Volks­zäh­lung 1940 – das genaue Datum ließ sich nicht ermit­teln – scheint er aber bereits von sei­ner Frau getrennt gewe­sen zu sein, denn er erscheint – zwar noch immer mit dem Sta­tus „ver­hei­ra­tet“ — als ein­zel­ner Mie­ter in einer der damals ange­leg­ten Lis­ten.[90] Immer­hin, so ist dem Ein­trag zu ent­neh­men, hat­te er inzwi­schen Arbeit als Kas­sie­rer in einem Restau­rant gefun­den. Es han­del­te sich um ‚Steuben’s Restau­rant‘, in dem er von Janu­ar 1940 bis März 1943 ange­stellt war. Sei­nen Jah­res­ver­dienst konn­te er in die­ser Zeit von knapp 1.000 $ auf 1.500 $ stei­gern.[91]

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Hei­rat von Adolf Rein­stein und Hil­de­gard Ehr­lich
HHStAW 518 48594 (126)

Bald nach dem Zen­sus­jahr, am 15. Mai 1941, ging Alfred, der inzwi­schen aus ver­ständ­li­chen Grün­den sei­nen eigent­li­chen Vor­na­men Adolf abge­legt und durch Alfred ersetzt hat­te, eine zwei­te Ehe mit Hil­de­gard Ehr­lich ein.[92] Sie war am 9. Febru­ar 1918 im bay­ri­schen Coburg zur Welt gekom­men.[93] 1939 waren die Eltern mit der Toch­ter in Eng­land regis­triert wor­den,[94] bevor sie dann im Sep­tem­ber 1940 von Glas­gow kom­mend eben­falls nach New York über­setz­ten. Als Kon­takt hat­ten sie damals den Sohn bzw. Bru­der Carl Ehr­lich, den Adres­sa­ten der mehr­fach zitier­ten Brie­fe von Alfred, ange­ge­ben, der schon seit August 1938 in der Metro­po­le am Hud­son-River leb­te.[95]

Befand sich somit der Sohn von Cla­ra Rein­stein 1940 end­gül­tig in Sicher­heit, begann für die zurück­ge­blie­be­ne Mut­ter die letz­te Pha­se ihres Lebens. Natür­lich war die­se Zeit auch für sie haupt­säch­lich geprägt von den Ein­schrän­kun­gen, die das Régime den Jüdin­nen und Juden im All­tag auf­ge­bür­det hat­te, von den Sor­gen um die Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen und nicht zuletzt auch von der mate­ri­el­len Not. Zwar besaß sie laut ihrer Ver­mö­gens­er­klä­rung vom 2. März 1940 noch etwa 4.350 RM, davon 3.200 RM in Form von Wert­pa­pie­ren, der Rest lag auf einem gesi­cher­ten Spar­kon­to. Ihr Jah­res­ein­kom­men bezif­fer­te sie auf etwa 300 RM bis 350 RM, die monat­li­chen Aus­ga­ben auf etwas mehr als 160 RM.[96]

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Das Ein­kom­men von Sal­ly und Cla­ra Rein­stein zwi­schen 1932 und 1941
HHStAW 518 48947 (25)

Nach 1945 konn­te das Finanz­amt Wies­ba­den prä­zi­se Anga­ben über ihr dama­li­ges zu ver­steu­ern­des Ein­kom­men machen. Seit der Schlie­ßung des Geschäfts besaß sie nur noch zwei Ein­kom­mens­quel­len, zum einen die Ver­zin­sung ihres Kapi­tals bzw. der Wert­pa­pie­re, zum ande­ren leb­te sie haupt­säch­lich von der Unter­ver­mie­tung ihrer Woh­nung in der Lortzingstr. 7.[97] Der ers­ten Unter­mie­ter, die sie auf­ge­nom­men hat­te, waren Karl und Frie­da Trief, die bereits im März 1939 ein­ge­zo­gen waren.[98] Im Febru­ar 1940 hat­te sie Karl Trief mit­tei­len müs­sen, dass er sei­ne Mie­te nur noch auf ihr gesi­cher­tes Kon­to über­wei­sen dür­fe.[99] Im Mai 1941 zog noch das Ehe­paar Dani­el und Pau­la Gal­lin­ger in die Woh­nung ein, sodass ihr zuletzt selbst nur noch ein Zim­mer in der Par­terre­woh­nung zur Ver­fü­gung stand.[100]

Mel­dung des Zel­len­lei­ters Mül­ler vom Juni 1940 über die Bele­gung der Woh­nung von Cla­ra Rein­stein
HHStAW 483 10127 (85)

Wenn die Kapi­tal­erträ­ge immer wei­ter zurück­gin­gen, so beruh­te das dar­auf, dass Cla­ra Rein­stein ange­sichts des gerin­gen Ein­kom­mens gezwun­gen war, von der Sub­stanz zu leben. Schon im Janu­ar 1939 und noch ein­mal im Febru­ar hat­te sie jeweils 1.000 RM zur Lebens­füh­rung von ihrem Kon­to abge­ho­ben. Am 16. Febru­ar 1940 war ihr mit der Anla­ge einer JS-Map­pe die  der Devi­sen­stel­le dazu dien­te, die Finan­zen der Juden zu kon­trol­lie­ren, dann ein vor­läu­fi­ger Frei­be­trag von 300 RM ein­ge­räumt wor­den.[101] Nach­dem sie der Devi­sen­stel­le ihre tat­säch­li­che finan­zi­el­le Situa­ti­on mit­ge­teilt hat­te, wur­de die­ser Frei­be­trag auf 165 RM redu­ziert.[102]

Nach Aus­sa­ge ihres Soh­nes beab­sich­tig­te sie inzwi­schen nicht mehr, Deutsch­land noch zu ver­las­sen, was zu die­ser Zeit prin­zi­pi­ell noch mög­lich gewe­sen wäre. In einem der Brie­fe an sei­nen Schwa­ger schrieb Alfred im Hin­blick auf die­se Fra­ge: „All I did was take care of my mother that she wouldn’t have to worry and have a decent living. And bes­i­des that I expec­ted to have her with me after a short while. Eng­land and the year I had to wait the­re and the cost of that year pre­ven­ted me from doing much for her and bes­i­des that she didn’t want to lea­ve the coun­try and the place whe­re my father died.”[103]

Über ihre letz­ten Mona­te im Juden­haus lie­gen kei­ne Infor­ma­tio­nen vor. Obwohl sie 1942 bereits 60 Jah­re alt war, hat­te man sie auf ihrer Gestapo­kar­tei­kar­te noch als arbeits­fä­hig ein­ge­stuft. Das war dann ver­mut­lich auch der Grund, wes­halb sie schon bei der gro­ßen Depor­ta­ti­on am 10. Juni 1942 auf der Lis­te stand, die Alten und Schwa­chen waren erst für einen spä­te­ren Trans­port vor­ge­se­hen, der dann am 1. Sep­tem­ber Wies­ba­den ver­ließ. Tat­säch­lich waren es aber nur etwa 180 bis 250 Per­so­nen, die von den ins­ge­samt 1250 Insas­sen des in Frank­furt end­gül­tig zusam­men­ge­stell­ten Zuges in Lub­lin her­aus­ge­holt und zum Arbeits­ein­satz nach Maj­da­nek geschickt wur­den. Die übri­gen etwa 1000 Men­schen wur­den wei­ter in das Ver­nich­tungs­la­ger Sobi­bor gebracht und ver­mut­lich bald nach ihrer Ankunft in den neu errich­te­ten Gas­kam­mern ermor­det.[104]

 

Nach dem Ende des Krie­ges wuss­te Alfred Rein­stein nichts Genau­es über das Schick­sal sei­ner Mut­ter – aber eine Ahnung wird er gehabt haben. Er selbst war, nach­dem er die Tätig­keit als Kas­sie­rer in einem Restau­rant auf­ge­ge­ben hat­te, im März 1943 bis Okto­ber 1945 in die US-Army ein­ge­tre­ten,[105] blieb aber in Ame­ri­ka sta­tio­niert. Im Mai hat­te er die schon mehr­fach zitier­ten Brie­fe an sei­nen Schwa­ger geschrie­ben, der als Sol­dat sei­nen Dienst in Euro­pa leis­ten muss­te und nach dem Ende der Kriegs­hand­lun­gen die Mög­lich­keit bekam, vor Ort Recher­chen über das Schick­sal der Ver­wand­ten und über deren Besitz zu betrei­ben. Von ihm hat­te Alfred Rein­stein offen­bar die aller­dings ver­mut­lich fal­sche Infor­ma­ti­on erhal­ten, sei­ne Mut­ter sei schon wäh­rend der Depor­ta­ti­on ums Leben gekom­men.[106]

Alfred Rein­stein hat­te Carl Ehr­lich auch beauf­tragt, nach Geld, Schmuck, einer wert­vol­len Brief­mar­ken­samm­lung und Wert­pa­pie­ren zu suchen, die in Safes ver­steckt gewe­sen sein sol­len. Aber auch hier­zu sind sei­ne Infor­ma­tio­nen eher dif­fus. Ein­mal ist von einem Safe im Kel­ler der Lortzingstr. 7 die Rede, dann von einem im Kel­ler des Geschäfts­hau­ses in der Lang­gas­se. Dann spricht er von 50.000 RM, die als Bün­del von 1.000 RM-Schei­nen sich dar­in befun­den hät­ten, an ande­rer Stel­le dage­gen von Devi­sen. Zudem soll die Mut­ter bei sei­ner Abrei­se noch 50.000 RM auf ihrem Bank­kon­to gehabt haben, dazu Akti­en über wei­te­re 15.000 RM. Er gab ihm zudem den Auf­trag, mit dem Geld, das er fin­den wür­de, Schmuck und Foto­ap­pa­ra­te – expli­zit Lei­cas — zu kau­fen und die­se nach Ame­ri­ka zu schi­cken. Beim Kauf der Foto­ap­pa­ra­te kön­ne ihm der bereits bekann­te Foto­händ­ler Lückefett, der auch ihm frü­her selbst schon sehr gehol­fen habe, behilf­lich sein.

„Carl, I hope ever­y­bo­dy who is respon­si­ble for things like that [die Ermor­dung sei­ner Mut­ter – K.F.] will get his punish­ment the same way as the coun­try as a who­le recei­ved it through the smas­hing vic­to­ry. I hope none will escape.”[107] Und an ande­rer Stel­le im zwei­ten Brief heißt es: “Did you meet any of my old fri­ends? To hell with them. Put them all in con­cen­tra­ti­on camps. That is the only thing they deser­ve.”[108]

Die Ver­bit­te­rung und der Hass ange­sichts des Gesche­he­nen ist nur zu ver­ständ­lich. Die inten­si­ve Suche nach irgend­wel­chen noch vor­han­de­nen Wert­ge­gen­stän­den mag in Anbe­tracht der vie­len Toten auf den ers­ten Blick befremd­lich erschei­nen, aber auch sie ist nach­voll­zieh­bar, wenn man die Situa­ti­on bedenkt, in der sich Alfred Rein­stein und sei­ne Frau damals befan­den. Es war ein nur gerin­ger Sold, den er bei der Army erhielt – zwi­schen 500 und 750 Dol­lar im Jahr –[109] und Hil­de­gard hat­te ihre Arbeit ver­lo­ren, als die Sol­da­ten aus Euro­pa zurück­kehr­ten und wie­der die Arbeits­plät­ze bean­spruch­ten, die die Frau­en in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein­ge­nom­men hat­ten. Eigent­lich hoff­te Alfred Rein­stein damals, eine der Stel­len bei der UNRRA, der ‚United Nati­ons Reli­ef and Reha­bi­li­ta­ti­on Admi­nis­tra­ti­on’,[110] zu bekom­men, die rela­tiv gut dotiert waren. Nach­dem sich die­se Hoff­nung zer­schlug, fand er nach sei­ner Ent­las­sung aus der Army Arbeit in der Lohn­buch­hal­tung einer Fir­ma. Aber es dau­er­te bis 1948, bis er dort ein Ein­kom­men erziel­te, das eine eigen­stän­di­ge, ohne auf Unter­stüt­zung ange­wie­se­ne Lebens­füh­rung ermög­lich­te. Dem Ehe­paar, das inzwi­schen in Cam­den, New Jer­sey, leb­te, waren am 13. April 1948 zunächst der Sohn Ronald, dann am 23. April des fol­gen­den Jah­res ein wei­te­rer Sohn namens Peter gebo­ren wor­den.[111]

In den fol­gen­den Jah­ren führ­te Alfred Rein­stein einen lan­gen und zer­mür­ben­den Kampf um eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung dafür, dass ihm der NS-Staat ver­wehrt hat­te, sein beruf­li­ches Ziel, Rich­ter zu wer­den, zu rea­li­sie­ren. Statt­des­sen hat­te er über lan­ge Zeit sein Leben mit wenig qua­li­fi­zier­ten und schlecht bezahl­ten Arbei­ten fris­ten müs­sen. Zwar wur­de ihm eine Ent­schä­di­gung zuge­bil­ligt, die aber nur Bezug auf sein Ein­kom­men nach der Ent­las­sung aus dem Refe­ren­da­ri­at und der Mit­ar­beit im väter­li­chen Geschäft nahm. Man gewähr­te ihm, bei Ein­ord­nung gemäß dem ein­fa­chen Dienst eines Beam­ten, 3.500 DM.[112] Eine Bemes­sung an der poten­ti­el­len Rich­t­er­lauf­bahn, blieb ihm zunächst ver­wehrt. Erst nach die­ser Ent­schei­dung bean­trag­te er am 12. August 1975 ein Ruhe­ge­halt, das dem eines Lan­des­ge­richts­rats in Deutsch­land ent­spre­chen soll­te.[113] Laut einem Bescheid vom 11. Okto­ber 1957 wur­de ihm die­ses mit dem Argu­ment ver­wei­gert, dass er wahr­schein­lich nie eine sol­che Stel­lung erreicht hät­te, weil er schon die Ers­te Staats­prü­fung erst beim zwei­ten Ver­such und auch dann nur mit der Note ‚aus­rei­chend’ bestan­den hät­te.[114] Dass schon damals vor 1933 jüdi­sche Stu­den­ten bei der Beno­tung gegen­über ihren ari­schen Kom­mi­li­to­nen häu­fig dis­kri­mi­niert wur­den, blieb unbe­ach­tet. Noch übler war aber das zwei­te Argu­ment, das acht Mona­te nach Antrag­stel­lung von dem zustän­di­gen Sach­be­ar­bei­ter vor­ge­bracht wurde:
„Die Absicht, Rich­ter zu wer­den, hät­te im Übri­gen auch dadurch demons­triert wer­den kön­nen, dass der Erb­las­ser nach Kriegs­en­de zurück­ge­kehrt wäre. Zumin­dest hät­te er im höhe­ren Ver­wal­tungs­dienst tätig und sei­ne Lauf­bahn, wie hun­der­te von Juden und jüdi­schen Misch­lin­gen in der BRD, als Regie­rungs­di­rek­tor oder Minis­te­ri­al­rat been­den kön­nen. Daß er dies nicht getan hat, weil er sei­ne hoch­do­tier­te Stel­lung in der ame­ri­ka­ni­schen Indus­trie vor­zog, ist ein Indiz gegen die­se Absicht.“[115]

Es sind nicht nur die laten­ten anti­se­mi­ti­schen Sprach- und Denk­mus­ter – „jüdi­sche Misch­lin­ge“ und Juden sei­en ohne­hin nur auf den eige­nen Vor­teil bedacht –, son­dern auch die geäu­ßer­te Zumu­tung, man hät­te doch ein­fach in das Land der Täter zurück­keh­ren kön­nen, die in ihrem Zynis­mus oder ihrer Nai­vi­tät noch heu­te erschre­cken lassen.

Elias Benjamin-Lury, Tabine Goldschmidt, Siegmund Benjamin-Lury, Johanna Ahrendt Benjamin-Lury, Clara Reinstein Benjamin-Lury, Adolf Reinstein, Natalie Benjamin-Lury Heumann, Joseph Heumann, Hans Zwi Heumann, Emil Benjamin-Lury, Rosa Löwenthal Benjamin, Siegmund Walter Kurt Benjamin-Lury, Ida Benjamin-Lury Wolff, Erich Wolff, Gustav Benjamin Lury, Hermann Benjamin Lury, Salzwedel, Judenhäuser Wiesbaden, Lortzingstr. 7, Klaus Flick
Ster­be­ein­trag für Alfred Rein­stein
https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​3​2​4​5​5​1​3​:​6​0​716

Dass die rela­tiv schlech­te Examens­no­te kei­ne Beleg für die wirk­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit von Alfred Rein­stein als Jurist war, bewies er dadurch, dass er in den USA neben sei­nem Beruf noch ein drei­jäh­ri­ges Stu­di­um bewäl­tig­te, was ihm dann auch die in dem Schrei­ben erwähn­te hohe Stel­lung als Vize­prä­si­dent in einer ame­ri­ka­ni­schen Fir­ma, der ‚Winer Manu­fac­tu­ring CO.’, eröff­ne­te.[116]
Am 17. Juli 1978 wur­de dann doch noch ein Ver­gleich geschlos­sen, laut dem Alfred Rein­stein das Ruhe­ge­halt eines Land­ge­richts­rats zuge­bil­ligt wur­de. Als Tag der fik­ti­ven Ernen­nung wur­de der 1. Mai 1940 ange­nom­men.[117]
Nur: Er selbst hat­te nichts mehr von die­ser Ent­schei­dung. Er war am 8. April 1976 nach einem lan­gen und sicher auf­rei­ben­den Kampf in Grif­fith, India­na, ver­stor­ben.[118]

 

 

Ver­öf­fent­licht: 14. 04. 2024

 

 

 

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Anmer­kun­gen:

 

1] HHStAW 685 650 d (o.P.).

2] HHStAW 518 855 (32).

[3] Ster­be­re­gis­ter Wies­ba­den 1888 /​ 1938.

[4] HHStAW 518 48947 (2). Adolf Sieg­mund hat spä­ter nach sei­ner erfolg­rei­chen Flucht in Ame­ri­ka den Namen Alfred ange­nom­men. Im den vor­lie­gen­den Aus­füh­run­gen wer­den die jewei­li­gen Namen kon­text­ab­hän­gig ver­wen­det. Zunächst wird er mit sei­nem ursprüng­li­chen Namen genannt und erst ab sei­nem Auf­ent­halt in den USA und im Zusam­men­hang mit den von dort ange­streng­ten Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren wird dann auf sei­nen selbst gewähl­ten Namen Alfred zurückgegriffen.

[5] Mail des Salz­we­de­ler Stadt­ar­chi­vars S. Lan­gusch vom 3.4.2024.

[6] https://​lha​.sach​sen​-anhalt​.de/​o​n​l​i​n​e​a​n​g​e​b​o​t​e​/​j​u​e​d​i​s​c​h​e​s​-​l​e​b​e​n​-​i​n​-​s​a​c​h​s​e​n​-​a​n​h​a​l​t​-​e​i​n​e​-​a​r​c​h​i​v​i​s​c​h​e​-​s​p​u​r​e​n​s​u​c​h​e​/​l​a​n​d​e​s​h​e​r​r​l​i​c​h​e​-​u​n​d​-​s​t​a​a​t​l​i​c​h​e​-​r​e​g​e​l​u​n​g​e​n​/​s​t​a​t​i​s​t​i​k​-​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​-​u​n​d​-​t​o​p​o​g​r​a​p​h​i​e​/​v​e​r​z​e​i​c​h​n​i​s​-​d​e​r​-​i​n​-​d​e​r​-​k​o​m​m​u​n​e​-​s​a​l​z​w​e​d​e​l​-​w​o​h​n​e​n​d​e​n​-​i​s​r​a​e​l​i​ten. (Zugriff: 14.4.2024).

[7] https://​www​.alt​mark​ge​schich​te​.de/​p​l​a​t​t​e​n​_​d​b​/​d​b​_​s​h​o​w​_​s​c​r​i​p​t​.​p​h​p​?​i​d​=​1​2​3​6​&​s​e​a​r​c​h​_​n​ame. (Zugriff: 14.4.2024).

[8] Hei­rats­re­gis­ter Salz­we­del 6 /​ 1875.

[9] Hei­rats­re­gis­ter Salz­we­del 46 /​ 1894.

[10] Geburts­re­gis­ter Salz­we­del 155 /​ 1881.

[11] Geburts­re­gis­ter Salz­we­del 225 /​ 1908.

[12] https://​www​.map​ping​the​li​ves​.org/​b​i​o​/​c​d​9​7​e​d​7​b​-​7​4​a​e​-​4​f​b​5​-​8​e​9​e​-​d​b​c​6​4​5​7​e​f​8b6. (Zugriff: 14.4.2024).

[13] https://www.mappingthelives.org/bio/84205980–29db-4f0c-8573-bf07d70d6a60, https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​1​4​6​0​1​/​0​0​0​3​/​1​2​1​2​4​0​2​3​5​/​0​0​1​.​jpg und https://​www​.joodsmo​nu​ment​.nl/​n​l​/​p​a​g​e​/​2​0​8​0​4​5​/​e​m​i​l​-​b​e​n​j​a​min. (Zugriff: 14.4.2024).

[14] https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​V​/​O​u​s​_​p​a​r​t​i​t​i​o​n​s​/​3​3​/​0​1​0​2​0​4​0​2​/​a​a​/​a​m​/​m​s​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 14.4.2024).

[15] Geburts­re­gis­ter Salz­we­del 26 /​ 1886.

[16] https://​www​.map​ping​the​li​ves​.org/​b​i​o​/​d​8​4​c​b​f​0​d​-​3​e​b​f​-​4​5​3​f​-​8​1​c​7​-​3​7​d​3​1​9​2​2​7​052. (Zugriff: 14.4.2024).

[17] Ster­be­re­gis­ter Frank­furt IV 1628 /​ 1953. Das Todes­da­tum von Ida ist auf dem Hei­rats­ein­trag in Salz­we­del eingetragen.

[18] HHStAW 518 855 (8).

[19] Ebd. und https://www.mappingthelives.org/bio/d1e9f03e-7894–4e76-a19c-c92b880f43c6. (Zugriff: 14.4.2024).

[20] Die Infor­ma­ti­on beruht auf einer Email von Frau Bar­ba­ra Pfef­fer vom 9.1.2009, die damals Hono­rar­kon­su­lin in Isra­el war und im dor­ti­gen Eilat leb­te. Das Ori­gi­nal der Mail ist lei­der im Stadt­ar­chiv Wies­ba­den nicht mehr auf­find­bar. Neben Hans ist ein wei­te­rer Sohn von Cla­ra namens Emil genannt, aller­dings mit Fra­ge­zei­chen ver­se­hen, wobei unklar ist, auf was sich die­ses Fra­ge­zei­chen bezieht — auf den Namen oder die Tat­sa­che als sol­che. Wäh­rend Hans /​ Zwi in den Ent­schä­di­gungs­ak­ten noch erwähnt wird, gibt es kei­ne wei­te­ren Hin­wei­se auf den in der Notiz genann­ten Emil.

[21] https://​zwangs​raeu​me​.ber​lin/​d​e​/​h​o​u​ses. (Zugriff: 14.4.2024), dazu: Zwangs­räu­me, Ber­lin 2024.

[22] https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​d​e​1​0​7​2​016. (Zugriff: 14.4.2024). Dazu Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 398 f.

[23] HHStAW 518 855 (30). Ob es sich bei der erwähn­ten „Illus­trier­ten“ tat­säch­lich um eine sol­che han­del­te oder um die Umschrei­bung für eine ande­re, wohl ille­ga­le Zei­tung, muss offen blei­ben. Auch der „Onkel“ grüß­te mit weni­gen Sät­zen und ver­sprach, dem­nächst einen mit der Schreib­ma­schi­ne geschrie­be­nen län­ge­ren Brief fol­gen zu lassen.

[24] Ebd. (8).

[25] Ster­be­re­gis­ter Wies­ba­den 1888 /​ 1938. Strel­no, ist heu­te die pol­ni­sche Stadt Strzelno.

[26] https://​www​.geni​.com/​f​a​m​i​l​y​-​t​r​e​e​/​i​n​d​e​x​/​6​0​0​0​0​0​0​0​0​0​2​9​2​0​2​3​695. (Zugriff: 14.4.2024).

[27] Laut der in Anm. 26 ange­ge­be­nen GENI-Sei­te soll Sal­ly Rein­stein sie­ben Geschwis­ter gehabt haben, aber bei kei­nem der dort genann­ten sind Bele­ge dafür auf­ge­führt, dass Abra­ham und Cäci­lie Rein­stein tat­säch­lich ihre Eltern waren. Inso­fern sind die fol­gen­den Aus­füh­run­gen, die absicht­lich nur als Anmer­kung for­mu­liert wur­den, unter Vor­be­halt zur Kennt­nis zu neh­men. Die genann­ten Per­so­nen wur­den wegen der gro­ßen Unsi­cher­heit auch nicht in den bei­gefüg­ten Stamm­baum aufgenommen.

Ber­tha, die ältes­te und ledig geblie­be­ne Toch­ter von Abra­ham und Cäci­lie Rein­stein, soll 1867 gebo­ren wor­den und nach dem Ers­ten Welt­krieg, nach­dem Strel­no pol­nisch gewor­den war, nach Leip­zig ver­zo­gen sein. Soll­te das Geburts­jahr stim­men, dann ist über die­se Ber­tha wei­ter nichts bekannt. Aller­dings gab es auch eine Ber­tha Rein­stein, gebo­ren am 22.11.1869 in Strel­no, die zuletzt in Lie­gnitz in Schle­si­en leb­te und von dort am 26.7.1942 von Bres­lau nach The­re­si­en­stadt depor­tiert wur­de. Mit einem wei­te­ren Trans­port wur­de die­se Ber­tha Rein­stein am 23.9.1942 von dort wei­ter in das Ver­nich­tungs­la­ger Treb­linka depor­tiert und ermor­det. Sie­he zu ihr https://​www​.map​ping​the​li​ves​.org/​b​i​o​/​2​e​b​8​e​9​4​8​-​f​6​8​b​-​4​b​d​7​-​a​4​b​b​-​b​6​b​e​f​5​5​e​d​928 und https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​4​7​4​8​4​6​6​&​i​n​d=1 (Zugriff: 14.4.2024). Ob es sich bei den bei­den Genann­ten um die iden­ti­sche Per­son han­delt, muss offen bleiben.

Auf Ber­tha folg­te laut GENI um 1870 der Sohn Simon. Der schon mit jun­gen Jah­ren in die USA aus­ge­wan­dert sein soll. Mög­li­cher­wei­se han­delt es sich hier um den Simon Robin Rein­stein, der in der ame­ri­ka­ni­schen Volks­zäh­lung von 1910 als Han­dels­mann mit einem Alter von 38 Jah­ren auf­ge­führt ist. Aller­dings ist bei ihm nur das Geburts­land Deutsch­land, nicht aber Strel­no als Geburts­ort ange­ge­ben. Sie­he https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​6​4​2​2​1​4​7​:​7​884. (Zugriff: 14.4.2024). Der hier genann­te Simon Rein­stein war seit dem 4.6.1902 mit der um 1871 gebo­re­nen Nora Aschaf­fen­burg verheiratet.

1874 soll laut GENI ein wei­te­rer Sohn namens Wil­ly gebo­ren wor­den sein. Auch er soll nach dem Ers­ten Welt­krieg, von dem er als Fol­ge des Gas­kriegs einen „shell shock“, eine Kriegs­neu­ro­se, davon­ge­tra­gen hat­te, in den Wes­ten, sogar nach Wies­ba­den gegan­gen sein, wo er angeb­lich in einer Ziga­ret­ten­fa­brik eine füh­ren­de Stel­lung inne gehabt haben soll. Spu­ren die­ses Wil­ly Rein­stein lie­ßen sich in Wies­ba­den, wo es tat­säch­lich ver­schie­de­ne Ziga­ret­ten­fa­bri­ken gab, aber nicht fin­den, auch nicht in einem der in Fra­ge kom­men­den Adressbücher.
Ein Wolf Wil­ly Rein­stein, gebo­ren am 13.4.1875 in Strel­no, von Beruf Werk­meis­ter, leb­te meh­re­re Jah­re in bzw. bei Gie­ßen, wohin er am 3.11.1921 von Hid­den im Rhein­land gekom­men war. Dass die­ser Wil­ly Rein­stein mit den Wies­ba­de­ner Rein­steins ver­wandt war, kann als gesi­chert ange­nom­men wer­den, da Cla­ra die­sem laut ihrer Ver­mö­gens­er­klä­rung aus dem Jahr 1940 monat­lich 15 RM über­wies, sie­he HHStAW 519/​3 5692 (10). Die Iden­ti­tät der Genann­ten ist durch die Adress­an­ga­be Aster­weg 53 belegt. Dort leb­te der Gie­ße­ner Wolf Wil­ly Rein­stein seit Okto­ber 1939 und das war auch die Adres­se, an die Cla­ra Rein­stein das Geld schick­te. Das Haus Aster­weg 53 in Gie­ßen gehör­te Emma Laza­rus, die dort einen Han­del mit Sei­len, Pfer­de­de­cken und Putz­tü­chern betrieb. Das Haus wur­de spä­ter zu einem Juden­haus, in dem min­des­tens acht Jüdin­nen und Juden unter­ge­bracht waren. Eini­gen gelang noch die Aus­rei­se, nicht so Wil­ly Rein­stein. Kurz vor der Depor­ta­ti­on nach The­re­si­en­stadt, die am 27.9.1942 statt­fand, hei­ra­te­te er am 11.9.1942 noch die am 26.9.1885 in Neu­lei­nin­gen gebo­re­ne Haus­be­sit­ze­rin. Bei GENI ist er fälsch­li­cher­wei­se als ledig bezeich­net. Wäh­rend Wil­ly Rein­stein am 9.5.1943 in The­re­si­en­stadt ver­starb, wur­de sei­ne Frau von dort aus am 16.5.1944 noch nach Ausch­witz gebracht und ermor­det. Sie­he Mül­ler, Juden in Gie­ßen, S. 489 und https://www.giessen.de/Erleben/%C3%9Cber-Gie%C3%9Fen/Stolpersteine/Asterweg-53-Moses-Ida-Margot-Helmut-und-Hilde-Bauer-Abraham-Bermann-Wolf-Willy-und-Emma-Reinstein.php?object=tx,2874.1320.1&ModID=7&FID=2874.62397.1&NavID=2874.396&La=1, dazu https://​www​.map​ping​the​li​ves​.org/​b​i​o​/​a​0​e​4​b​2​d​4​-​a​9​4​1​-​4​f​c​f​-​a​d​3​e​-​4​3​5​b​7​5​b​a​9​904 und https://​www​.holo​caust​.cz/​d​e​/​o​p​f​e​r​d​a​t​e​n​b​a​n​k​/​o​p​f​e​r​/​2​8​3​3​7​-​w​o​l​f​-​r​e​i​n​s​t​e​in/. (Zugriff: 14.4.2024). Obwohl es sehr wahr­schein­lich ist, dass es sich bei dem genann­ten Wil­ly Rein­stein um einen Bru­der von Sal­ly han­delt, gibt es kei­nen siche­ren Beleg.

Über die bei­den fol­gen­den bei GENI genann­ten Töch­ter Fun­ny, gebo­ren 1875, und Mar­tha, gebo­ren 1876, konn­te nichts in Erfah­rung gebracht wer­den. Aller­dings könn­te es sein, dass wegen eines Lese­feh­lers aus einer Flo­ra Rein­stein eine Mar­tha Rein­stein wur­de. Flo­ra Rein­stein taucht in dem Stamm­baum bei GENI nicht auf, sie muss aber in einem nahen ver­wandt­schaft­li­chen Ver­hält­nis zu Sal­ly Rein­stein gestan­den haben, denn sie war es, die nach sei­nem Tod die Nach­richt dem Wies­ba­de­ner Stan­des­amt über­brach­te. Sie war, so ist dem Ein­trag zu ent­neh­men, eigent­lich in Ber­lin wohn­haft und damals in Wies­ba­den nur zu Besuch. Sie­he Ster­be­re­gis­ter Wies­ba­den 1888 /​ 1938. In Ber­lin waren damals sogar zwei ver­schie­de­ne Flo­ra Rein­stein gemel­det, bei­de gebür­tig aus Strel­no, aber mit unter­schied­li­chen Geburts­da­ten. Wäh­rend die am 13.6.1870 gebo­re­ne ver­hei­ra­tet war und in The­re­si­en­stadt ermor­det wur­de, war die am 22.6.1876 gebo­re­ne ledig geblie­ben. Zumin­dest das Geburts­jahr stimmt mit dem bei GENI für Mar­tha ange­ge­be­nen über­ein. In der Todes­fall­an­zei­ge für die erst­ge­nann­te Flo­ra sind auch deren Eltern genannt, die nicht iden­tisch mit denen von Sal­ly sind. Die zwei­te Flo­ra beging am 1.4.1942 in Ber­lin unmit­tel­bar vor der für sie vor­ge­se­he­nen Depor­ta­ti­on Sui­zid. In dem nach­läs­sig aus­ge­füll­ten Ster­be­ein­trag sind lei­der weder die Eltern, noch das Geburts­da­tum noch der Geburts­ort auf­ge­führt, aber es ist sehr wahr­schein­lich, dass es sich hier­bei um die­je­ni­ge han­delt, die zuvor in Wies­ba­den war. Sie­he Ster­be­re­gis­ter Ber­lin 2302 /​ 1942, dazu https://www.mappingthelives.org/bio/cbc91e3d-3006–4b1b-87b3-04ed59250b6b und https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​1​1​6​1​2​2​3​1​&​i​n​d=1. (Zugriff: 14.4.2024).

Die laut GENI zwei jün­ge­ren Brü­der von Sal­ly, der 1877 gebo­re­ne Bert­hold und der am 7.9.1878 gebo­re­ne Jac­ques, sol­len wie ihr Bru­der Simon lan­ge vor der NS-Zeit nach Ame­ri­ka aus­ge­wan­dert sein. Bert­hold habe dort zuletzt in Sulp­hur, Loui­sia­na, gelebt, wo er 1957 ver­stor­ben sein soll. Wei­te­re Bele­ge für die­se Anga­ben konn­ten nicht gefun­den werden.

Auch der am 7.9.1878 in Strel­no gebo­re­ne Jac­ques Rein­stein soll nach sei­ner Mili­tär­zeit, in der er unter dem ers­ten Reichs­prä­si­den­ten der Wei­ma­rer Repu­blik Prinz Max von Baden gedient haben soll, sich als Kauf­mann in Wies­ba­den nie­der­ge­las­sen oder zumin­dest auf­ge­hal­ten haben. Jedoch ist in kei­nem Adress­buch der in Fra­ge kom­men­den Jah­re sein Name zu fin­den. Er soll hier als Händ­ler für Schwer­ter und Juwe­len tätig gewe­sen und anschlie­ßend durch Euro­pa und Asi­en gereist sein. Im Novem­ber 1905 ist ein Jac­ques Rein­stein, gebo­ren am 7.9.1878 in Strel­no, dann nach­weis­lich von Rot­ter­dam nach New York aus­ge­reist. 1912 bean­trag­te er die ame­ri­ka­ni­sche Staats­bür­ger­schaft, sie­he https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​2​5​0​3​7​5​:​2​500. (Zugriff: 14.4.2024). Ver­hei­ra­tet war er mit Rel­ly /​ Aure­lie Schlach­ter. Das Paar hat­te einen Sohn, der den glei­chen Namen wie der Vater erhielt. Aus sei­nen zwei Ehen gin­gen meh­re­re Nach­kom­men her­vor. Sein Vater ver­starb am 18.12.1956 in Washing­ton, sei­ne Mut­ter am 2.10.1968 in Flo­ri­da. Sie­he zu der Fami­lie von Jac­ques Rein­stein auch https://​www​.ancestry​.de/​f​a​m​i​l​y​-​t​r​e​e​/​p​e​r​s​o​n​/​t​r​e​e​/​1​8​7​4​0​6​8​0​0​/​p​e​r​s​o​n​/​3​4​2​4​5​2​5​4​9​6​8​4​/​f​a​cts. (Zugriff: 14.4.2024).

[28] In dem Haus wohn­te im 1. Stock­werk der bekann­te jüdi­sche Anwalt Dr. Albert Stahl, der spä­ter in den bei­den Juden­häu­sern Bahn­hofstr. 46 und Adel­heidstr. 94 wohn­te und in The­re­si­en­stadt ermor­det wur­de. Mög­li­cher­wei­se hat­te er Adolf zum Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaf­ten ermuntert.

[29] Dies geht aus einem Schrei­ben sei­ner Frau her­vor, in dem sie dem Finanz­amt Wies­ba­den am 12.2.1917 mit­teil­te, dass sich ihr Mann im Hee­res­dienst befän­de und des­halb z. Zt. kei­ne Steu­er­erklä­rung abge­ben kön­ne, sie­he HHStAW 685 650a (4).

[30] Ali­ce Kei­les war die Ehe­frau des Wies­ba­de­ner Ziga­ret­ten­fa­bri­kan­ten Hans Kei­les, ihr Bru­der arbei­te­te eben­falls als Pro­ku­rist in der Fir­ma. Ihnen gehör­te auch das Nach­bar­haus Lang­gas­se 5, wo sie auch zusam­men wohn­ten, nach­dem die Ehe von Ali­ce Kei­les im Febru­ar 1939 geschie­den wor­den war. Das Unter­neh­men der Kei­les war schon 1933 ari­siert wor­den, die Häu­ser in der Lang­gas­se muss­ten 1940 ver­kauft wer­den. Ali­ce und ihrem Bru­der gelang noch die Flucht aus Deutsch­land. Sie leb­ten spä­ter wie­der zusam­men in Chi­ca­go. Zur Fami­lie und zum Unter­neh­men Kei­les sie­he Mül­ler-Dann­hau­sen, Kei­les, bes. S. 58 f., wo auch ein Foto des Geschwis­ter­paa­res abge­bil­det ist. Das Miet­ver­hält­nis von Sal­ly Rein­stein bei Kei­les könn­te viel­leicht Hin­ter­grund für eine mög­li­che Anstel­lung sei­nes Bru­ders Wil­ly Rein­stein in deren Ziga­ret­ten­fa­brik gewe­sen sein.
Heu­te steht an die­ser Stel­le der leer ste­hen­de Mons­ter­bau der ehe­ma­li­gen Kaufhalle.

[31] HHStAW 685 650a (1).

[32] Genaue­re Zah­len aus den Jah­ren der Wei­ma­rer Repu­blik sind lei­der nicht über­lie­fert, die Ver­mö­gens­er­klä­run­gen aus Dezem­ber 1923 mit 5.900 RM, dem Jahr 1927 mit 8.600 RM und dem aus 1928 mit 10.000 RM spie­geln zumin­dest die auf­stei­gen­de Ten­denz wider. Sie­he Ebd. (32, 40, 43).

[33] Ebd. (48).

[34] HHStAW 518 855 (63).

[35] HHStAW 518 48924 (89).

[36] HHStAW 518 855 (34, 6), dazu 518 48924 (89). Im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren wur­de die Arbeit von Cla­ra Rein­stein nicht als ent­schä­di­gungs­wür­dig aner­kannt, da es sich um eine Tätig­keit gehan­delt habe, zu der sie durch ihre Ehe ver­pflich­tet gewe­sen sei! HHStAW 518 855 (62–64).

[37] HHStAW 685 650c (20).

[38] HHStAW 518 48947 (20).

[39] Ebd. (61).

[40] Ebd. (66).

[41] Jüdi­schen Adress­buch Wies­ba­den von 1935, S. 218. Auch die übri­gen Anga­ben zur Mit­glied­schaft der Fami­li­en­mit­glie­der in den ver­schie­de­nen Orga­ni­sa­tio­nen sind dem Adress­buch entnommen.

[42] HHStAW 518 48924 (56).

[43] Ebd. (5, 6).

[44] Ebd. (7).

[45] Ebd. (10).

[46] Ebd. (12).

[47] Ebd. ( 94, 99). Eine Zeu­gin im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren gab an, dass auch Frau Rein­stein „stil­le Teil­ha­be­rin“ gewe­sen sei, „da sie 60.000 RM mit in die Ehe gebracht und 1914 90.000 RM geerbt (habe)“. HHStAW 518 48947 (20). Ob die­se Anga­ben zutref­fend waren, konn­te nicht über­prüft werden.

[48] Ebd. (25). In einer ande­ren, eben­falls vom Finanz­amt Wies­ba­den 1937 im Zusam­men­hang mit einem Antrag auf Ver­län­ge­rung des Rei­se­pas­ses erstell­ten Ein­kom­mens­auf­stel­lung, sind ähn­li­che, aller­dings ins­ge­samt etwas nied­ri­ge­re Anga­ben gemacht. Das höchs­te Ein­kom­men wur­de dem­nach mit knapp 4.000 RM aber eben­falls im Jahr 1935 erreicht, sie­he HHStAW 685 650a (57). Bemer­kens­wert ist die dar­in ent­hal­te­ne steu­er­li­che Beur­tei­lung des Antrag­stel­lers. Über ihn, heißt es da, sei im Hin­blick auf sei­ne steu­er­li­che Zuver­läs­sig­keit nichts Nega­ti­ves bekannt und es lägen auch kei­ne Ver­dachts­grün­de vor, die Anlass für eine Steu­er­prü­fung geben wür­den – eine Beur­tei­lung, die in die­sen Zei­ten nicht vie­len jüdi­schen Geschäfts­leu­ten zuteil wurde.

[49] HHStAW 518 48947 (4, 48).

[50] Sie­he HHStAW 685 650c (pas­sim).

[51] HHStAW 519–2 2111 (o.P.).

[52] HHStAW 685 650a (56).

[53] HHStAW 685 650d (o.P.). Ummel­dung vom 5.7.1937.

[54] Kro­pat, Kris­tall­nacht in Hes­sen, S. 130. (Her­vor­he­bung K.F.)

[55] HHStAW 518 48924 (94) und HHStAW 518 48947 (34). In einem Schrei­ben des Rechts­an­walts Robert Kemp­ner – es han­delt sich um den glei­chen Anwalt, der auch bei den Nürn­ber­ger Pro­zes­sen als stell­ver­tre­ten­der Chef­an­klä­ger auf­trat – war der Wert der Ein­rich­tung sogar auf 20.000 RM taxiert wor­den, sie­he ebd. (3, 4).

[56] Ebd. (48). Im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren war dann nur noch von dem gerin­ge­ren Betrag die Rede, der aller­dings nur teil­wei­se ent­schä­digt wur­de. Ebd. (68, 71 ff.).

[57] HHStAW 685 650 d (o.P.).

[58] Ster­be­re­gis­ter Wies­ba­den 1888 /​ 1938. Wie bereits erwähnt – sie­he Anm. 25 – über­brach­te Flo­ra Rein­stein dem Stan­des­amt am glei­chen Tag die Todes­nach­richt. In wel­chem ver­wandt­schaft­li­chen Ver­hält­nis die Genann­te zu dem Ver­stor­be­nen stand, konn­te bis­her nicht sicher geklärt werden.

[59] https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​L​i​s​t​e​_​d​e​r​_​S​t​o​l​p​e​r​s​t​e​i​n​e​_​i​n​_​W​i​e​s​b​a​d​e​n​-​M​i​tte. (Zugriff: 14.4.2024). In das Namens­band der Gedenk­stät­te am Michels­berg wur­de er aller­dings nicht aufgenommen.

[60] HHStAW 518 48924 (94) und HHStAW 518 48947 (34). Alfred Rein­stein gab in sei­nem Schrei­ben den Betrag für die Rech­nun­gen in Dol­lar an, ver­mut­lich han­delt es sich dabei um einen Tippfehler.

[61] HHStAW 518 855 (32.

[62] RGBl 1938 I S. 1709.

[63] HHStAW 518 48947 (38).

[64] HHStAW 519/​3 5692 (2), auch HHStAW 685 650 (o.P.). Alfred Rein­stein schrieb am 26.5.1945 in einem Brief an den damals in Deutsch­land sta­tio­nier­ten Schwa­ger: „By the way Schweit­zer didn’t buy our busi­ness. He just bought the fur­ni­tu­re for 250 RM and Fisher bought the mer­chan­di­se for 4500 RM which had an inven­to­ry Value oft 15 times as much. Bes­i­des that was all that mer­chan­di­se which was sto­len and des­troy­ed.” HHStAW 519-VA-1231–321 (o.P.). Wer der genann­te Herr Fisher /​ Fischer war, ist nicht bekannt.

[65] HHStAW 685 650b (5).

[66] HHStAW 518 48924 (68).

[67] https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​1​0​5​0​3​/​1​7​2​4​/​5​3​3​8​5​9​3​8​/​0​0​1​.​jpg und https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​1​0​5​0​1​/​0​0​1​4​/​1​1​9​8​6​7​3​8​5​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 14.4.2024).

[68] https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​1​0​5​0​3​/​1​7​2​4​/​1​2​3​0​6​7​1​7​2​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 14.4.2024).

[69] HHStAW 519-VA-1231–321 (o.P.).

[70] HHStAW 518 48924 (69).

[71] HHStAW 519-VA-1231–321 (o.P.).

[72] HHStAW 685 650b ((5).

[73] Ebd. (9).

[74] Meinl /​ Zwil­ling, Lega­li­sier­ter Raub, S. 41.

[75] HHStAW 519-VA-1231–321 (o.P.).

[76] Ebd.

[77] Ebd.

[78] HHStAW 685 650b (104, 110).

[79] Ebd. (68), dazu die genau­en Kos­ten, die auch ent­schä­digt wur­den, unter HHStAW 518 48924 (104).

[80] Zum gesam­ten Vor­gang sie­he die umfang­rei­che Straf­ak­te HHStAW 519/​3 35224.

[81] Dr. med. Fried­rich Walt­her Lom­nitz, gebo­ren am 12.1.1889 in Diez a. d. Lahn, wohn­te in der Tau­nus­str. 3 und betrieb sei­ne Pra­xis in der Adolfstr. 10. Er konn­te mit sei­ner Frau Nata­lie Fan­ny, gebo­re­ne Wit­ten­berg, eben­falls im Novem­ber 1938 aus Deutsch­land aus­rei­sen und spä­ter in die USA emigrieren.

[82] Ebd. (19, 30). Ande­rer­seits wur­de es als „straf­ver­schär­fend“ ange­se­hen, „daß der Ange­klag­te sich (…) nicht gescheut hat, zuguns­ten von Juden gesetz­wid­ri­ge Hand­lun­gen zu bege­hen; dies zeugt von einem star­ken Cha­rak­ter­man­gel des Ange­klag­ten.“ Ebd. (57).
Der Film­wis­sen­schaft­ler Klaas Dierks hat in einer Recher­che über Lückefett her­aus­ge­fun­den, dass des­sen Schwie­ger­sohn Alfred Big­ler von 1934 bis 1936 als Ober­füh­rer der SS im Abschnitt XI in Wies­ba­den tätig war. Danach ver­ließ er die SS, um in der Wehr­macht Kar­rie­re zu machen. Dierks ver­mu­tet, dass Lückefett glaub­te, durch die­se fami­liä­re Ver­bin­dung bei sei­nen ille­ga­len Akti­vi­tä­ten geschützt zu sein, was aber offen­bar nicht der Fall war. Mail von K. Dierks vom 30.07.26.

[83] Ebd. (38).

[84] Im Zusam­men­hang mit dem Her­aus­schmug­geln eines Mikro­skops für eine ande­re Per­son konn­te die Staats­an­walt­schaft ein Schrei­ben von Lückefett vor­le­gen, in dem er dem Inter­es­sen­ten, der bereits in den USA leb­te, anbot, dass er das Gerät über die Schweiz nach Eng­land schaf­fen kön­ne, wo es von Dr. Adolf Rein­stein über­nom­men wer­de, die­ser wür­de es dann bei sei­ner eige­nen Aus­rei­se mit in die USA neh­men. Dann heißt es: „Die Beglei­chung kann in Deutsch­land in Reichs­mark erfol­gen, sei es durch die Mut­ter des Herrn Dr. Rein­stein oder durch Herrn Stein­berg in Wies­ba­den und zwar nach Emp­fangs­be­stä­ti­gung von Ihrer Sei­te aus.“ HHStAW 519/​3 35224 (38). Erstaun­li­cher­wei­se war gegen Cla­ra Rein­stein kein Ver­fah­ren wegen Devi­sen­ver­ge­hens ein­ge­lei­tet worden.

[85] Der Haupt­an­ge­klag­te Lückefett wur­de zu einer Gefäng­nis­stra­fe von zehn Mona­ten und einer Geld­stra­fe von 18.500 RM ver­ur­teilt. Am 12. April 1940 wur­de das Ver­fah­ren gegen die übri­gen Ange­klag­ten, dar­un­ter auch Adolf Rein­stein ein­ge­stellt. Sie fie­len unter den „Gna­den­er­lass des Füh­rers und Reichs­kanz­lers für die Zivil­be­völ­ke­rung vom 9.9.1939 Reichs­ge­setz­blatt“. Ebd. (59).

[86] HHStAW 519/​3 25947 (o.P.).

[87] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​3​2​8​2​1​1​2​:​8​745. (Zugriff: 14.4.2024).

[88] Auf der ‚Fema­le Ene­my Ali­en‘ – Regis­trie­rungs­kar­te, laut der sie am 24.11.1939 von einer Inter­nie­rung bewahrt blieb, ist ihr Beruf als Sekre­tä­rin ange­ge­ben. Offen­sicht­lich war sie Jüdin, denn auf die­ser Kar­te ist hin­ter ihrem eigent­li­chen Vor­na­men Else der von Deutsch­land über­nom­me­ne Zwangs­na­me Sara ein­ge­tra­gen. Auch für Adolf war eine sol­che Kar­tei­kar­te ange­legt wor­den, laut der auch er am glei­chen Tag von einer Inter­nie­rung ver­schont blieb, sie­he https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​1​8​1​2​3​:​6​1​665. (Zugriff: 14.4.2024).

[89] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​6​3​4​8​3​4​6​:​2​280. (Zugriff: 14.4.2024).

[90] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​8​4​1​8​1​3​8​:​2​442. (Zugriff: 14.4.2024).

[91] HHStAW 518 48924 (68).

[92] Ebd. (126) Jüdi­sche Heiratsurkunde.

[93] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​3​4​3​6​4​4​:​6​1​788. (Zugriff: 14.4.2024). Sie war die Toch­ter des Kauf­manns Her­mann Ehr­lich und sei­ner Frau Anna, gebo­re­ne Sichel, die aus dem süd­thü­rin­gi­schen Röm­hild stamm­ten. Sie­he dazu https://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/Datenbank/detailsinclude.php?global=;search;21739;;;1;Ehrlich;Hermann;;;;;;;;;;;;;alle;;;;;~ORDER~BY~Name,Vorname~;;;;;;1;111111111111111111;000_speziell_gesucht;ENDE;1~21739~. (Zugriff: 14.4.2024).

[94] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​1​0​8​3​3​2​3​9​:​6​1​596. (Zugriff: 14.4.2024).

[95] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​1​0​0​6​9​8​3​4​0​7​:​7​488 und https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​1​0​0​6​9​8​3​4​0​7​:​7​488. (Zugriff: 14.4.2024). Carl Ehr­lich war am 20.6.1915 eben­falls in Coburg gebo­ren worden.

[96] HHStAW 519/​3 5692 (10).

[97] HHStAW 518 855 (46, 57). Für 1939 nennt das Finanz­amt 163 RM aus Kapi­tal und 180 RM aus Ver­mie­tung, 1940 dann 148 RM aus Kapi­tal und 210 RM aus Ver­mie­tung und 1941 betrug der Zins­er­trag nur noch 99 RM, die Miet­ein­nah­men stie­gen dafür auf 540 RM an.

[98] Auf der Gestapo­kar­tei­kar­te ist der Ein­zug „bei Rhein­stein“ (sic!) mit dem 30.3.1939 datiert.

[99] HHStAW 519/​3 5692 (7).

[100] Anga­be der NSDAP-Lis­te über den frei­ge­wor­de­nen Wohn­raum nach der Depor­ta­ti­on vom 10.6.1942.

[101] Ebd. (5).

[102] Ebd. (11).

[103] HHStAW 519-VA-1231–321 (o.P.). Brief vom 13.5.1945.

[104] Zu dem Trans­port sie­he Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 214 und umfas­send King­reen, Depor­ta­ti­on der Juden aus Hes­sen, S. 117–122.

[105] HHStAW 518 48924 (62).

[106] Alfred Rein­stein schrieb in einem Brief im Rah­men des Ent­schä­di­gungs­ver­fah­rens, sei­ne „Mut­ter wur­de im Jahr 1942 im Frank­fur­ter Haupt­bahn­hof auf dem Abtrans­port ent­we­der nach Ausch­witz oder The­re­si­en­stadt von den Nazis erschla­gen, weil sie nicht schnell genug lau­fen konn­te.“ Sie­he HHStAW 518 48947 (4). Auch auf dem Erin­ne­rungs­blatt des Akti­ven Muse­ums Spie­gel­gas­se für Cla­ra Rein­stein heißt es, dass sie laut Zeu­gen­aus­sa­gen auf dem Trans­port ums Leben gekom­men sein soll. Weder stim­men aber die von Alfred Rein­stein ange­ge­be­nen Zie­le des Trans­ports, noch gibt es irgend­ei­nen Hin­weis dar­auf, dass sie bereits unter­wegs und auf die­se Wei­se zu Tode gekom­men war. Gänz­lich aus­schlie­ßen lässt sich das aller­dings auch nicht. Moni­ca King­reen hat sich inten­siv mit den 1942 von Frank­furt aus­ge­gan­ge­nen Trans­por­ten befasst und vie­le Zeit­zeu­gen befragt. Ein sol­ches Ereig­nis wäre von ihr ganz sicher auf­ge­grif­fen und in einer ihrer Publi­ka­tio­nen erwähnt wor­den. So schrieb sie im Zusam­men­hang mit der ers­ten Mai-Depor­ta­ti­on auch, dass dabei der 22-jäh­ri­ge Erich Mann­hei­mer von einem SA-Mann erschla­gen wor­den sei. King­reen, Groß­markt­hal­le, S. 169. Sie­he zu ihren ande­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen, die sich alle mit den dama­li­gen Depor­ta­tio­nen befas­sen, die Literaturliste.
Eine ande­re Ver­mu­tung, die er über das Schick­sal sei­ner Mut­ter auf Basis einer angeb­li­chen Infor­ma­ti­on vom Roten Kreuz sei­nem Schwa­ger in Wies­ba­den 1945 mit­teil­te – „she was left over in a hos­pi­tal when the big depor­ta­ti­on to The­re­si­en­stadt hap­pen­ed“ – ist eben­falls nicht rich­tig, sie­he 519-VA-1231–321 (o.P.). Dass die­se, wie auch die ers­te Infor­ma­ti­on von sei­nem Schwa­ger stamm­te, ergibt sich aus der Rück­fra­ge, die die­ser in dem zwei­ten Brief for­mu­lier­te: „Whom did you see to get that infor­ma­ti­on about the hos­pi­tal and about the slay­ing in Frank­furt and who of the Jews is still the­re [in Wies­ba­den –K.F.].“ Ebd. Brief vom 13.5.1945. Lei­der ist der Ant­wort­brief von Carl Ehr­lich nicht erhal­ten geblieben.

[107] Ebd.

[108] Ebd.

[109] HHStAW 518 48924 (68)

[110] https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​N​o​t​h​i​l​f​e​-​_​u​n​d​_​W​i​e​d​e​r​a​u​f​b​a​u​v​e​r​w​a​l​t​u​n​g​_​d​e​r​_​V​e​r​e​i​n​t​e​n​_​N​a​t​i​o​nen. (Zugriff: 14.4.2024).

[111] HHStAW 518 48924 (1). Laut Anga­be ihrer Mut­ter vom Mai 1976 waren bei­de wie ihr Vater Juris­ten gewor­den und als Staats­an­wäl­te in Phö­nix, Ari­zo­na, tätig, sie­he ebd. (137).

[112] HHStAW 518 48924 (100). Im Janu­ar 1958 erhielt er noch ein­mal einen pau­scha­li­sier­ten Betrag von 5.000 RM dafür, dass er sein Refe­rat nicht been­den durf­te. Ebd. (70 f.).

[113] Ebd. (119).

[114] Ebd. (56–59), auch (99).

[115] Ebd. (128). Her­vor­he­bung im Original.

[116] Ebd. (129, 130).

[117] Ebd. (152 f.).

[118] Ebd. (127).