Emma Terhoch, geborene Obermeyer, und ihre Töchter Hedwig, Hilde und Irma


Das ehemalige Judenhaus Kaiser-Friedrich-Ring 80 heute Eigene Aufnahme
Das ehe­ma­li­ge Juden­haus Kai­ser-Fried­rich-Ring 80 heu­te
Eige­ne Aufnahme
Lage
Lage der bei­den Juden­häu­ser der Brü­der Selig am Ring und in der Oranienstraße
Belegung des Judenhauses Kaiser-Friedrich-Ring 80
Bele­gung des Juden­hau­ses Kai­ser-Fried­rich-Ring 80

 

 

 

 

 

 

 


Als Emma Ter­hoch 1938 mit zwei ihrer Töch­ter nach Wies­ba­den kam, war sie bereits ver­wit­wet. Sie stamm­te aus dem 1914 zum Staats­bad erho­be­nen Bad Sal­zu­flen im heu­ti­gen Land­kreis Lip­pe. Am 21. Dezem­ber 1879 war sie als eines von ins­ge­samt acht Kin­dern des Geschäfts­manns Salo­mon Ober­mey­er und sei­ner Frau Rosa­lie, gebo­re­ne Schei­berg, in der damals knapp 5000 Ein­woh­ner zäh­len­den und etwa 20 km nord­öst­lich von Bie­le­feld gele­ge­nen Klein­stadt gebo­ren wor­den.[1]

Salomon Obermeyer, Rosalie Obermeyer Scheiberg, Julius Obermeyer, Robert Obermeyer Olney, Emma Obermeyer Terhoch, Abraham Terhoch, Erich Terhoch, Edith Zita Obermeyer Goldfarb, Walter Terhoch, Hedwig Terhoch, Hilde Terhoch, Irma Terhoch, Adolf Obermeyer, Elsa Blankenburg Obermeyer, Ruth Senta Obermeyer Rothe, Heinz Rothe, Inge Obermeyer Wolff, William Wolff, Harry Rothe, Beatrice Rothe, Sizie Wolff, Ernst Obermeyer, Hans Obermeyer, Isaak Terhoch, Rosa Terhoch Humberg, Johanna Terhoch Rosenbaum, Moses Rosenbaum, Walter Moses Rosenbaum, Elisabeth Winter Rosenbaum, Siegfried Terhoch, Betty Terhoch Reinhaus, Hans Terhoch, Ernst Terhoch, Hildegard Terhoch Landauer, Hans Landauer, Simon Terhoch, Sophie Terhoch Gumprich, Inge Terhoch, Werner Terhoch,Alex Terhoch, Selma Terhoch Schwarz, Adolf Terhoch Frieda Terhoch Humberg, Rosalie Terhoch Katz, Jakob Katz, Hubert Terhoch, Lieselotte Terhoch Goldschmidt, Judenhäuser Wiesbaden, Kaiser-Friedrich-Ring 80, Klaus Flick
Stamm­baum der Fami­li­en Ober­mey­er und Ter­hoch
GDB

Etwa seit dem 16. Jahr­hun­dert waren Juden in der Ort­schaft nach­weis­lich ansäs­sig, aber erst 1858 erhiel­ten sie eine zumin­dest weit­ge­hen­de recht­li­che Gleich­stel­lung mit ihren christ­li­chen Mit­bür­gern.[2] Schon 1809, als die Bür­ger mosai­schen Glau­bens zur Annah­me fes­ter Fami­li­en­na­men gezwun­gen wur­den, fin­det man zum ers­ten Mal einen Salo­mo Levi Ober­mey­er in den ört­li­chen Akten. Die­ser als arm ein­ge­stuf­te Bür­ger ver­dien­te sei­nen Lebens­un­ter­halt mit dem Set­zen von Schröpf­köp­fen.[3] Es han­delt sich dabei um den Urgroß­va­ter der spä­ter nach Wies­ba­den gezo­ge­nen Emma Ter­hoch, gebo­re­ne Ober­mey­er.[4] Inner­halb von nur drei Gene­ra­tio­nen war die Fami­lie zu einer der bedeu­tends­ten der Stadt aufgestiegen.

 

 

 

 

Anzei­gen der Fir­ma ‘S. Ober­mey­er’ in Salzuflen

Der Wohl­stand und auch das sozia­le Anse­hen beruh­ten wesent­lich auf dem bereits 1858 ver­mut­lich schon von Salo­mons Vater Joseph Salo­mon gegrün­de­ten Geschäft für Haus­halts- und Eisen­wa­ren. Um 1900 wur­de es von Salo­mon Ober­mey­er in das Haus in der Lan­ge­str. 39 /​ 41 ver­legt, ein im Weser­re­nais­sance­stil errich­te­tes Fach­werk­haus aus dem frü­hen 17. Jahr­hun­dert im Zen­trum der Alt­stadt.[5]

Rosalie Obermeier
Rosa­lie Ober­mey­er, geb. Schei­berg
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Wann Salo­mon Ober­mey­er Rosa­lie Schei­berg, gebo­ren am 15. Juli 1855 in Müns­ter /​ West­fa­len, hei­ra­te­te,[6] konn­te nicht ermit­telt wer­den, aber ihr ers­tes von ins­ge­samt acht Kin­dern, wur­de am 21. Juli 1878 gebo­ren. Es erhielt den Namen Juli­us Joseph.[7] Nach Emma, der Wies­ba­de­ner Juden­haus­be­woh­ne­rin, die gut ein Jahr spä­ter zur Welt kam, wur­den im Fol­gen­den drei wei­te­re Söh­ne gebo­ren. Am 10. Janu­ar 1882 Abra­ham Adolf Alex,[8] dann Sieg­fried am 22. Juni 1883[9] und Robert am 19. Okto­ber 1885.[10] Am 6. April 1889 wur­de dem Paar dann wie­der eine Toch­ter geschenkt, die den Namen Hed­wig erhielt.[11] Sie erreich­te aber nicht ein­mal das Jugend­al­ter und ver­starb als Fünf­jäh­ri­ge am 1. Sep­tem­ber 1894.[12] Wil­ly, gebo­ren am 20. Febru­ar 1892, wur­de sogar nur ein Jahr alt. Er ver­lor sein Leben bereits vier Tage nach sei­nem ers­ten Geburts­tag.[13] Zuletzt kam mit Wal­ter noch ein­mal ein Sohn zur Welt, der aber eben­falls früh zu Tode kam. Er fiel am 29. März 1916 im Ers­ten Welt­krieg an der Front in Flan­dern. Auf dem Grab­stein sei­ner Eltern auf dem jüdi­schen Fried­hof von Bad Sal­zu­flen wird sei­ner gedacht.[14] Die­se waren bei­de noch in der Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik ver­stor­ben, zunächst die Mut­ter am 30. Juli 1922, dann der Vater am 9. Okto­ber 1927.[15] Auch Robert erleb­te die Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus nicht mehr. Er ver­starb am 29. Janu­ar 1931.[16] Nur Juli­us Joseph, dem ältes­ten Sohn von Salo­mon und Rosa­lie Ober­mey­er, gelang die Flucht ins ret­ten­de Aus­land. Alle übri­gen drei Kin­der, die die Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus noch erleb­ten, Emma, Adolf und Sieg­fried, fie­len mit ihren jewei­li­gen Ange­hö­ri­gen dem Holo­caust zum Opfer oder ver­star­ben noch vor der Deportation.

Grab Obermeyer
Grab­stein von Salo­mon Ober­mey­er und sei­ner Frau Rosa­lie, geb. Schei­berg, mit Erinn­rungs­gra­vur an ihren Sohn Wal­ter
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Die Fami­lie Terhoch

Emma Ober­mey­er hei­ra­te­te am 31. Janu­ar 1901 in ihrem Hei­mat­ort in eine Fami­lie ein,[17] deren gesell­schaft­li­cher Sta­tus und deren sozia­les Milieu exakt dem ihrer eige­nen Her­kunft ent­spra­chen. Die Fami­lie Ter­hoch gehör­te in dem etwa 100 km ent­fern­ten, süd­lich von Müns­ter gele­ge­nen, klei­nen Städt­chen Dren­stein­furt zu den alt­ein­ge­ses­se­nen jüdi­schen Fami­li­en, die dort als Metz­ger und Vieh­händ­ler seit vie­len Jah­ren eine wich­ti­ge Funk­ti­on in der bäu­er­lich gepräg­ten Regi­on ein­nah­men.[18]

Familie TerhochDie Fami­lie Ter­hoch anläss­lich des 60. Geburts­tags von Rosa Ter­hoch, geb. Hum­berg im Jahr 1907 in Drensteinfurt
Hin­te­re Rei­he von links: Simon oder Alex­an­der Ter­hoch, Sieg­fried Ter­hoch, sei­ne Frau Bet­ty, geb. Rein­haus, Rosa­lie Ter­hoch, Hubert Ter­hoch, Simon oder Alex­an­der Ter­hoch, Johan­na Rosen­baum, geb. Ter­hoch, ihr Mann Moses Rosen­baum, Abra­ham Ter­hoch und Adolf Terhoch.
Vor­ne von links: Rosa Ter­hoch, geb. Hum­berg, Wal­ter Ter­hoch, Emma Ter­hoch, geb. Ober­mey­er, und Erich Terhoch.
Mit Dank an den Hei­mat­ver­ein Dingden

Jüdi­sche Bewoh­ner in Dren­stein­furt las­sen sich sogar bereits im 16. Jahr­hun­dert bele­gen, aber dabei han­del­te es sich zunächst nur um eine kur­ze Epi­so­de. Erst ab dem frü­hen 19. Jahr­hun­dert ist eine kon­ti­nu­ier­li­che jüdi­sche Besied­lung, sogar die Anla­ge eines eige­nen Fried­hofs nach­weis­bar.[19] Mit der 1845 auf­er­leg­ten Pflicht, fes­te Fami­li­en­na­men anzu­neh­men, lässt sich auch die Fami­lie Ter­hoch dort nach­wei­sen. Bei den bei­den in einer ers­ten Namens­lis­te genann­ten Abra­ham und Ben­ja­min Ter­hogt han­delt es sich um Vor­fah­ren der dort sess­haft gewor­de­nen Fami­lie Ter­hoch.[20] Letz­te­rer muss sogar als Stamm­va­ter des Fami­li­en­zwei­ges ange­se­hen wer­den, der zuletzt auch bis nach Wies­ba­den reich­te. Wann Ben­ja­min Ter­hoch gebo­ren wur­de, ist nicht bekannt, aber ver­hei­ra­tet war er in sei­ner zwei­ten Ehe seit 1838 mit einer Fina Vögel­chen Spie­gel.[21]
Eine eigen­stän­di­ge jüdi­sche Gemein­de gab es man­gels Mit­glie­dern in die­ser Zeit in Dren­stein­furt noch nicht. 1854 konn­te dann durch Zusam­men­le­gun­gen die Syn­ago­gen­ge­mein­de Wer­ne gebil­det wer­den, der die Juden von Dren­stein­furt zuge­ord­net waren. Als einer ihrer Reprä­sen­tan­ten war 1861 der genann­te Ben­ja­min Ter­hoch gewählt wor­den.[22] 1870 begann man mit dem Bau einer klei­nen, eige­nen Syn­ago­ge. Aber trotz die­ser Akti­vi­tä­ten sta­gnier­te das Wachs­tum der Gemein­de – nach einer zwi­schen­zeit­li­chen Blü­te – in den fol­gen­den Jah­ren. Die 1890 selbst­stän­dig gewor­de­ne jüdi­sche Gemein­de ver­lor zumin­dest for­mal die­sen Sta­tus wie­der und muss­te mit der Gemein­de Ahlen zusam­men­ge­legt wer­den. Als ihr Vor­ste­her fun­gier­te von 1902 bis zu sei­nem Tod im Jahr 1922 Moses, ein Sohn von Ben­ja­min Ter­hoch. Ihm folg­te spä­ter sein Nef­fe Simon Ter­hoch, der Sohn von Isaak Ter­hoch. Ihre Aner­ken­nung in der jüdi­schen Gemein­de ver­dank­te die Fami­lie Ter­hoch auch ihrer bür­ger­li­chen Exis­tenz als erfolg­rei­che Kauf­leu­te, die ihr Geld zumeist als Vieh­händ­ler und Metz­ger verdienten.

Aus Ben­ja­min Ter­hochs Ehe mit Fina Spie­gel waren min­des­tens drei, ver­mut­lich aber mehr Kin­der her­vor­ge­gan­gen, dar­un­ter auch der bereits erwähn­te, am 26. Mai 1839 gebo­re­ne Isaak, der am 6. März 1872 die am 1. Dezem­ber 1847 gebo­re­ne Rosa Hum­berg hei­ra­te­te.[23] In die­ser Ehe wur­den ver­mut­lich acht Kin­der gebo­ren, von denen der 1873 gebo­re­ne Abra­ham, der spä­te­re Ehe­mann von Emma Ober­mey­er, der ältes­te war.

Für die­se gro­ße Kin­der­zahl, dar­un­ter allein sechs Söh­ne, gab es in dem ver­gleichs­wei­se klei­nen Dren­stein­furt auf Dau­er kei­ne wirt­schaft­lich erfolg­rei­che Per­spek­ti­ve, wes­halb eini­ge der Kin­der ihren Hei­mat­ort ver­lie­ßen, hei­ra­te­ten und anders­wo zu erfolg­rei­chen Geschäfts­leu­ten auf­stei­gen konnten.

Moses Max Rosen­baum
https://​www​.hei​mat​ver​ein​-raes​feld​.de/​g​a​l​l​e​r​y​/​R​o​s​e​n​b​a​u​m​_​M​o​s​e​s​_​B​o​r​k​e​n​e​r​_​S​t​r​_​1​0​.​jpg

Dren­stein­furt ver­las­sen hat­ten neben Abra­ham und Adolf Ter­hoch auch die zwei Töch­ter Johan­na und Rosa­lie. Johan­na, gebo­ren am 21. Dezem­ber 1874, hei­ra­te­te 1907 den Vieh­händ­ler Moses Rosen­baum, genannt Max, aus Raes­feld bei Bor­ken.[24] In ihrem Haus, das das Paar 1913 dort erwer­ben konn­te, kamen auch die drei Kin­der, Wal­ter, Max und Ernst zur Welt.[25] Nach dem frü­hen Tod der Mut­ter am 31. Janu­ar 1930 hei­ra­te­te Max in zwei­ter Ehe am 5. Juni 1931 Frie­da Hum­berg aus Klein-Reken.[26] 1932 zogen sie mit den erwach­se­nen Kin­dern nach Dors­ten, wo sie gemein­sam das Vieh­han­dels­ge­schäft wei­ter­führ­ten. Nach­dem auch Moses Max Rosen­baum am 21. Novem­ber 1935 ver­stor­ben war und das Leben in Deutsch­land für Juden immer bedroh­li­cher wur­de, flüch­te­ten die Söh­ne 1937 nach Hol­land, wohin sie im fol­gen­den Jahr auch ihre Stief­mut­ter holen konn­ten. Auf dem Dach­bo­den eines Bau­ern­hau­ses wur­de die Fami­lie ver­steckt und konn­te so – abge­se­hen von Wal­ter – die Jah­re bis zur Befrei­ung über­le­ben. Die bei­den Söh­ne von Johan­na und Max Rosen­baum blie­ben in Hol­land und eröff­ne­ten nach dem Ende des Krie­ges gemäß der Fami­li­en­tra­di­ti­on dort einen eige­nen Vieh­han­dels­be­trieb.[27] Die Stief­mut­ter ver­starb erst im hohen Alter von 104 Jah­ren im hol­län­di­schen Arn­heim.[28]
Ermor­det wur­den Wal­ter Rosen­baum und sei­ne Frau Eli­sa­beth, gebo­re­ne Win­ter. Das Ehe­paar – gehei­ra­tet hat­ten die bei­den noch am 5. August 1942 in Arn­heim [29] – wur­de Anfang Okto­ber 1942 gemein­sam im Lager Wes­ter­bork inter­niert und von dort am 16. Okto­ber 1942 nach Ausch­witz depor­tiert. Von den ins­ge­samt 1710 Insas­sen des Zuges wur­den in dem etwa 80 km vor Ausch­witz gele­ge­nen Kozel 570 Män­ner aus dem Zug geholt und zur Zwangs­ar­beit in das Außen­la­ger Bob­rek gebracht, wo der Sie­mens­kon­zern eine Fabrik unter­hielt. Wal­ter Rosen­baum war einer von ihnen. Am 20. März 1943 kam er dort zu Tode. Sei­ne Frau hat­te man in Ausch­witz direkt vom Zug ins Gas geschickt. Ihr Todes­tag ist der 19. Okto­ber 1942.[30]

Nur etwa 20 km von Raes­feld ent­fernt liegt Rams­dorf, wohin Adolf, einer der jün­ge­ren Brü­der von Abra­ham und Johan­na, gehei­ra­tet hat­te. Sei­ne Frau, Frie­da, gebo­re­ne Hum­berg, hat­te exakt den glei­chen Namen, wie die zwei­te Frau sei­nes Schwa­gers Max Rosen­baum und stamm­te selbst­ver­ständ­lich auch aus der glei­chen Fami­lie. Sie war die Toch­ter von Abra­ham Hum­berg und sei­ner Frau Rosa­lie, gebo­re­ne Land­au, Adolf war der Sohn von Isaak Ter­hoch und sei­ner Frau Rosa, gebo­re­ne Hum­berg, der Schwes­ter von Abra­ham. Somit han­del­te es sich bei der Ehe von Adolf und Frie­da um eine Ehe zwi­schen Cou­sin und Cousine.
Adolfs Frau war am 17. Dezem­ber 1889 in dem eben­falls etwa 20 km von Raes­feld ent­fern­ten Ding­den zur Welt gekom­men.[31] Das fünf­te von ins­ge­samt neun Kin­dern des Ehe­paars Abra­ham und Rosa­lia Hum­berg, eben­falls Vieh­händ­ler und Metz­ger, hat­te das Eltern­haus 1917 ver­las­sen, um ihrer ver­wit­we­ten Tan­te Sophie Gott­schalk in Rams­dorf zu hel­fen. Auch die­se Fami­lie betrieb einen Vieh­han­del, den dann die Nich­te, nach­dem sie am 27. Juni 1920 die Ehe mit Adolf Ter­hoch ein­ge­gan­gen war, mit ihrem Mann über­nahm. Am 21. April 1921 wur­den ihnen die Zwil­lin­ge Kurt und Rudolf geschenkt.[32]
Goldene Hochzeit Humberg

Gol­de­ne Hoch­zeit von Abra­ham und Rosa­lie Hum­berg, geb. Landau
Links und rechts der Jubi­la­re die Zwil­lin­ge Kurt und Rudolf Ter­hoch. Hin­ter Rosa­lie Hum­berg ste­hen deren Eltern Adolf und Rosa­lie Ter­hoch, geb. Humberg.
Mit Dank an den Hei­mat­ver­ein Dingden

Wie ihre Mut­ter und auch ihre Schwä­ge­rin Bet­ty, die Frau von Sieg­fried Ter­hoch, betrieb Frie­da neben dem Vieh­han­del ihres Man­nes in ihrem Wohn­haus ein auf Aus­steu­er­wa­ren spe­zia­li­sier­tes Tex­til­ge­schäft. Bereits 1937 ver­ließ die Fami­lie Deutsch­land und flüch­te­te eben­falls nach Hol­land, nach Wes­ten­dorp. Noch recht­zei­tig vor Kriegs­aus­bruch erkann­ten sie, wie wenig sicher sie dort waren. Am 28. Juli 1939, nur weni­ge Wochen vor dem deut­schen Über­fall, konn­ten sie über Eng­land nach Kana­da aus­wan­dern, wo die Nach­kom­men der Fami­lie noch heu­te leben.[33]

Kurt Terhoch
Kurt Ter­hoch
Frie­da Ter­hoch, geb. Humberg
Rudolf Terhoch
Rudolf Ter­hoch

 

Der in Ding­den auf­ge­wach­se­ne Maler Ulrich Röl­fing hat die gesam­te Fami­lie Hum­berg nach alten Foto­gra­fien portraitiert.
Sie­he http://www.humberghaus.de/uploads/images/news_img/Katalogbuch%2021x24%20Humberghaus%20final.pdf
Die Ver­öf­fent­li­chung der obi­gen Bil­der erfolg­te mit sei­ner freund­li­chen Genehmigung

Vier der Söh­ne von Isaak und Rosa Ter­hoch — Sieg­fried, gebo­ren am 2. April 1877, Simon, gebo­ren am 7. April 1879, Alex, gebo­ren am 23. April 1882 und Hubert, gebo­ren am 9. Novem­ber 1889 — waren in Dren­stein­furt geblie­ben und hat­ten dort mit gro­ßem Erfolg gemein­sam ihren Vieh­han­del aus­ge­baut, indem sie neue Märk­te weit über den loka­len Raum hin­aus erschlie­ßen konn­ten.[34]

Simon Ter­hoch hat­te sich dabei auf den Han­del mit Rin­dern spe­zia­li­siert. Ver­hei­ra­tet war er mit Sophie Gum­prich, gebo­ren am 9. Sep­tem­ber 1893 in Borg­horst. Ver­mut­lich wur­de dort auch die Ehe geschlos­sen, das Datum der Hei­rat konn­te bis­her aller­dings nicht ermit­telt wer­den.[35] Am 4. Sep­tem­ber 1921 wur­de zunächst die Toch­ter Inge, dann am 6. Okto­ber 1923 der Sohn Wer­ner gebo­ren.[36]

Manufakturwarengeschäft von Siegfried und Betty Terhoch
Das Manu­fak­tur­wa­ren­ge­schäft von Sieg­fried und Bet­ty Ter­hoch in der Müh­len­str. 29 in Dren­stein­furt (rechts)
Mit Geneh­mi­gung des Kreis­ar­chivs Warendorf

Durch die am 11. Juni 1907 geschlos­se­ne Ehe von Sieg­fried Ter­hoch mit Bet­ty Rein­haus war die Fami­lie auch mit einer wei­te­ren füh­ren­den jüdi­schen Fami­lie in Dren­stein­furt ver­bun­den, deren öko­no­mi­sche Basis der Tex­til­han­del war. Bet­ty war am 21. Janu­ar 1883 als Toch­ter von Lee­zer und Jea­nette Rein­haus gebo­ren wor­den.[37] Nach dem Tod des Vaters über­nahm das Paar das elter­li­che Geschäft. Es gelang ihnen, den Kun­den­kreis mehr als zu ver­dop­peln, indem Sieg­fried Ter­hoch als Vieh­händ­ler die Bau­ern der Umge­bung besuch­te und dabei als ver­trau­ens­wür­di­ger Kauf­mann auch Tex­til­ge­schäf­te anbah­nen konn­te, die dann im Laden vor Ort von sei­ner Frau Bet­ty zum Abschluss gebracht wur­den.[38]

Aus Raes­feld stamm­te auch Sel­ma Bier­hoff, die Ehe­frau von Alex Ter­hoch, dem fünf­ten Kind von Isaak und Rosa Ter­hoch.[39] Sei­ne Frau war am 14. März 1894 als Sel­ma Schwarz zur Welt gekom­men. Die Ehe mit Alex Ter­hoch war für sie die zwei­te, nach­dem ihr ers­ter Mann, Sieg­mund Bier­hoff, Eigen­tü­mer einer Fabrik in Essen, in der Berufs­klei­dung her­ge­stellt wur­de, 1936 in Fol­ge einer miss­glück­ten Ope­ra­ti­on ver­stor­ben war.[40] Sei­ne Wit­we hat­te zunächst bis zur Ari­sie­rung im Jahr 1938 das Unter­neh­men allei­ne wei­ter­ge­führt, war danach mit ihren bei­den Kin­dern und mit der gro­ßen Fami­lie Ter­hoch aus Deutsch­land nach Süd­ame­ri­ka emi­griert. Die Ehe mit Alex­an­der Ter­hoch wur­de erst wäh­rend der Aus­rei­se auf dem Schiff voll­zo­gen, so Alex­an­ders Nef­fe Erich in sei­nem Bericht über die Aus­wan­de­rung.[41] Daher war sie bei der Volks­zäh­lung im Mai 1939 noch unter dem Namen Sel­ma Bier­hoff und als deut­sche Staats­bür­ge­rin regis­triert wor­den, ihre dama­li­ge Wohn­an­schrift konn­te aller­dings schon nicht mehr ange­ge­ben wer­den.[42]

Salomon Obermeyer, Rosalie Obermeyer Scheiberg, Julius Obermeyer, Robert Obermeyer Olney, Emma Obermeyer Terhoch, Abraham Terhoch, Erich Terhoch, Edith Zita Obermeyer Goldfarb, Walter Terhoch, Hedwig Terhoch, Hilde Terhoch, Irma Terhoch, Adolf Obermeyer, Elsa Blankenburg Obermeyer, Ruth Senta Obermeyer Rothe, Heinz Rothe, Inge Obermeyer Wolff, William Wolff, Harry Rothe, Beatrice Rothe, Sizie Wolff, Ernst Obermeyer, Hans Obermeyer, Isaak Terhoch, Rosa Terhoch Humberg, Johanna Terhoch Rosenbaum, Moses Rosenbaum, Walter Moses Rosenbaum, Elisabeth Winter Rosenbaum,Siegfried Terhoch, Betty Terhoch Reinhaus, Hans Terhoch, Ernst Terhoch, Hildegard Terhoch Landauer, Hans Landauer, Simon Terhoch, Sophie Terhoch Gumprich, Inge Terhoch, Werner Terhoch,Alex Terhoch, Selma Terhoch Schwarz, Adolf Terhoch Frieda Terhoch Humberg, Rosalie Terhoch Katz, Jakob Katz, Hubert Terhoch, Lieselotte Terhoch Goldschmidt, Judenhäuser Wiesbaden, Kaiser-Friedrich-Ring 80, Klaus Flick
Hubert und Lie­se­lot­te Ter­hoch, geb. Gold­schmidt mit den bei­den Kin­dern Her­bert (3. J.) und Gün­ther (5. J.)
Ver­wen­det mit Zustim­mung des Ver­eins zur Erhal­tung und Nut­zung der Syn­ago­ge Dren­stein­furt e.V., Email-Nach­richt von Dr. Ralf Klöt­zer vom 30.01.2023

Der bis zu sei­ner Emi­gra­ti­on noch ledi­ge Alex Ter­hoch wohn­te frü­her zusam­men mit sei­nem jün­ge­ren Bru­der Hubert. Auch hier konn­te das Datum der Ehe­schlie­ßung mit sei­ner Frau Lie­se­lot­te Gold­schmidt, gebo­ren am 6.Februar 1910 in Horst bei Reck­ling­hau­sen, nicht ermit­telt wer­den, aber sie wur­de beim Zen­sus 1939 bereits als Lie­se­lot­te Ter­hoch regis­triert.[43] Auch bei den schreck­li­chen Ereig­nis­sen im Novem­ber 1938 müs­sen sie schon ver­hei­ra­tet gewe­sen sein, denn an die­sem Tag – der 9. Novem­ber war der Geburts­tag von Hubert Ter­hoch – hat­te ihn auch sein – wie es in den Berich­ten über den Tag expli­zit heißt – Schwie­ger­va­ter Hugo Gold­schmidt besucht, der dadurch selbst zum Opfer des dor­ti­gen Pogroms gewor­den war.
Die bei­den Brü­der wohn­ten nicht nur zusam­men, sie betrie­ben auch gemein­sam mit sehr gro­ßem Erfolg einen über­re­gio­na­len Vieh­groß­han­del, bei dem sie, ermög­licht durch die Anbin­dung des Ortes an die Eisen­bahn, soge­nann­tes Mager­vieh aus dem Osten Deutsch­lands hol­ten und es an die Bau­ern der Umge­bung zur Fett­füt­te­rung ver­kauf­ten, um es anschlie­ßend wie­der auf­zu­kau­fen und es bei den Metz­ge­rei­en im Ruhr­ge­biet abzu­set­zen.[44] Ihr beruf­li­ches Enga­ge­ment und nicht angeb­li­che „jüdi­sche Schache­rei und Betrü­ge­rei“ brach­ten ihnen ihren gro­ßen wirt­schaft­li­chen Erfolg, von dem auch die ört­li­che Bau­ern­schaft erheb­lich pro­fi­tier­te. Waren sie zunächst mit dem Fahr­rad über Land gefah­ren, um Han­dels­ver­trä­ge mit den Bau­ern zu akqui­rie­ren, so taten sie das bald mit einer Kut­sche und zuletzt mit einem Auto. Sie waren die ers­ten im Ort, die ein sol­ches Staus­sym­bol besa­ßen. Natür­lich wird es Nei­der gege­ben haben, und es ist gut vor­stell­bar, dass gera­de die­ser wirt­schaft­li­che Erfolg der Brü­der Ter­hoch man­chen ört­li­chen Land­wir­ten und beson­ders den nicht­jü­di­schen Vieh­händ­lern ein Dorn im Auge war. Aber Anti­se­mi­ten fan­den schon immer Schein­ar­gu­men­te, um ihre zutiefst irra­tio­na­le Ein­stel­lung zu begrün­den. Dass die Brü­der wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs die deut­sche Armee mit Pfer­den ver­sorg­ten, war dann auch kein Zei­chen für Patrio­tis­mus, son­dern ein wei­te­rer Beleg für den „jüdi­schen Geschäfts­sinn“. Ganz abge­se­hen davon, dass Moses Ter­hoch, der Bru­der von Isaak, in den drei Eini­gungs­krie­gen des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts auf deut­scher Sei­te gekämpft hat­te, dass Hubert Ter­hoch als schwer Kriegs­ver­letz­ter des Ers­ten Welt­kriegs eine Kriegs­be­schä­dig­ten­ren­te bezog und Simon Ter­hoch nicht nur mit dem EK I aus­ge­zeich­net wor­den war, son­dern noch 1934 eine von Hit­ler unter­schrie­be­ne Aus­zeich­nung mit dem ‚Ehren­kreuz für Front­kämp­fer’ erhal­ten hat­te,[45] blieb es gemäß der anti­se­mi­ti­schen Het­ze bei dem Ver­dikt: Juden besit­zen weder Ehre, noch kön­nen sie ein pro­duk­ti­ver Teil des Staats- und Gemein­we­sens sein. „Immer ist der Jude dein Feind!“ – heißt der zig­fach wie­der­hol­te Slo­gan im Jüdi­schen Adress­buch Wies­ba­dens von 1935.[46]
Ein laten­ter, aber auch offe­ner Anti­se­mi­tis­mus war in Dren­stein­furt nicht neu.[47] Schon 1913 war ihrem Bru­der Sieg­fried die Mit­glied­schaft im ört­li­chen Schüt­zen­ver­ein mit dem Argu­ment ver­wei­gert wor­den, nur Chris­ten und „unbe­schol­te­ne“ Bür­ger könn­ten auf­ge­nom­men wer­den.[48] Nach 1933 wur­de auch den ande­ren Brü­dern die Mit­glied­schaft in den ört­li­chen Ver­ei­nen, die sie zum Teil sogar selbst mit­be­grün­det hat­ten, ent­zo­gen.[49] Beim Boy­kott im glei­chen Jahr ver­wehr­ten SA-Leu­te poten­ti­el­len Kun­den den Zutritt zum Tex­til­ge­schäft von Sieg­fried und Bet­ty Ter­hoch und auch Simon, Alex und Hubert Ter­hoch waren von sol­chen Aktio­nen betrof­fen.[50] Nicht­jü­di­sche Bediens­te, die zumeist anfangs noch zu ihren jüdi­schen Arbeit­ge­bern stan­den, wur­den als „Juden­freun­de“ beschimpft, ver­prü­gelt und muss­ten dann irgend­wann auch ent­las­sen wer­den. Freund­schaft­li­che Ver­bin­dun­gen zwi­schen jüdi­schen und nicht­jü­di­schen Fami­li­en wur­den all­mäh­lich unter dem Druck der ört­li­chen Nazis ver­nach­läs­sigt und auf­ge­ge­ben. Schon etwa zwei Jah­re vor der „Kris­tall­nacht“ war der jüdi­sche Fried­hof geschän­det wor­den. Grab­stei­ne waren, wie etwa auch in Wies­ba­den Bier­stadt, von den Mit­bür­gern geholt wor­den, um sie als Mate­ri­al für den Wege­bau oder ande­re Zwe­cke zu nut­zen. Wer­ner, der Sohn von Simon und Sophie Ter­hoch, hat­te all­täg­lich in der Schu­le erfah­ren müs­sen, was jüdisch sein bedeu­te­te, hat­te die glei­chen Schi­ka­nen ertra­gen müs­sen, wie jüdi­sche Schü­ler und Schü­le­rin­nen damals in ganz Deutsch­land.[51]
Aber bei den Ereig­nis­sen am 9. Novem­ber 1938 erreich­te auch in Dren­stein­furt die Aggres­si­on und Gewalt gegen­über den Juden eine völ­lig neue Dimen­si­on, die neben der Fami­lie Salo­mon, eben­falls Vieh­händ­ler und Metz­ger, beson­ders die Fami­lie Ter­hoch tra­fen.[52]

Nach­dem die SA-Hor­den zunächst im benach­bar­ten Wer­ne die dor­ti­gen Juden drang­sa­liert hat­ten, fuh­ren sie nachts um 2 Uhr nach Dren­stein­furt. Sabi­ne Omland hat auf der Basis von Zeit­zeu­gen­aus­sa­gen, Poli­zei­be­rich­ten und ande­ren Doku­men­ten umfas­send recher­chiert, was sich in die­ser Nacht zuge­tra­gen hat­te.[53]

Etwa zwan­zig SA- und SS-Män­ner ver­sam­mel­ten sich zunächst vor dem Geschäfts­haus von Sieg­fried und Bet­ty Ter­hoch in der Müh­len­stra­ße und ver­schaff­ten sich mit Gewalt Zugang. Die männ­li­chen Mit­glie­der der aus dem Schlaf auf­ge­schreck­ten Fami­lie wur­den mit Knüp­peln und Eisen­stan­gen geprü­gelt, Hil­de­gard, die 24-jäh­ri­ge Toch­ter, wur­de Opfer sexua­li­sier­ter Gewalt. Sie muss­te sich aus­zie­hen und wur­de nackt durch die Stra­ße getrie­ben. Auch die Fami­li­en von Simon und Hubert Ter­hoch, der an die­sem Tag bis spät in die Nacht sei­nen 48. Geburts­tag gefei­ert hat­te, wur­den in der Mari­en­stra­ße bezie­hungs­wei­se der Bahn­hof­stra­ße über­fal­len. Bei Simon und Sophie Ter­hoch wur­de eben­falls die Tür auf­ge­bro­chen und die Meu­te drang sogar bis ins Schlaf­zim­mer der Ehe­leu­te vor. Der Ver­such von Simon Ter­hoch, durch Vor­zei­gen sei­ner Kriegs­aus­zeich­nun­gen die Gewalt­tä­ter von ihrem Vor­ha­ben abzu­brin­gen, wur­de mit einem Schlag mit dem Gum­mi­knüp­pel beant­wor­tet, der eine schwe­re Kopf­ver­let­zung zur Fol­ge hat­te. Mit vor­ge­hal­te­nem Revol­ver muss­te er unter der Andro­hung, ihn zu erschie­ßen, „Ich bin ein Jude“ und in Anspie­lung auf das Atten­tat Her­schel Grynszpans „Ich bin ein Mör­der“ sagen. Anschlie­ßend wur­de vor aller Augen das Inven­tar des Hau­ses kurz und klein geschla­gen, die gro­ße Biblio­thek mit vie­len deut­schen Klas­si­kern zer­stört und die Feder­bet­ten zer­schnit­ten. Die bei­den damals 15- und 17-jäh­ri­gen Kin­der Wer­ner und Inge ver­such­ten zu ihrem Onkel Hubert zu flie­hen, muss­ten aber sehen, dass der Mob auch dort in glei­cher Wei­se sein Zer­stö­rungs­werk ver­rich­te­te, wäh­rend die Fami­lie in Nacht­klei­dung, dar­un­ter auch der drei­jäh­ri­ge Her­bert und der fünf­jäh­ri­ge Gün­ther, sich in den Haus­ein­gang des Nach­barn Dr. Metz­ger geflüch­tet hat­te. Wer­ner und Inge gelang es noch, sich in einer nahen Dün­ger­gru­be vor wei­te­ren tät­li­chen Angrif­fen zu verbergen.

Die alte und 1938 geschän­de­te Syn­ago­ge in Dren­stein­furt (roter Pfeil) um 1930
Mit Geneh­mi­gung des Kreis­ar­chivs Warendorf

Beson­ders hat­te man es auf Alex Ter­hoch abge­se­hen, der damals eine Bezie­hung zu einer nicht­jü­di­schen Frau unter­hielt, sich somit angeb­lich der „Blut­schan­de“ schul­dig gemacht hat­te. Im letz­ten Moment konn­te er durch den Gar­ten flie­hen und sich am Bahn­hof in dem Brem­ser­häus­chen eines Güter­wa­gens verstecken.

Damit war die Tor­tur noch nicht zu Ende. Anschlie­ßend wur­den Ter­hochs und ande­re Juden in die Syn­ago­ge getrie­ben, wo Simon Ter­hoch zu einem maka­bren und ent­wür­di­gen­den Schau­spiel gezwun­gen wur­de, das zur Ver­höh­nung des jüdi­schen Glau­bens gedacht war: „Nach­dem die SA- und SS-Leu­te die Fami­li­en von Sieg­fried, Hubert und Simon Ter­hoch in die Syn­ago­ge getrie­ben hat­ten, insze­nier­ten sie dort das blas­phe­mi­sche Schau­spiel eines Syn­ago­gen­got­tes­diens­tes. Die jüdi­schen Män­ner muss­ten sich set­zen und der ‚Lesung’ in hebräi­scher Spra­che durch Simon Ter­hoch, Vor­ste­her der Syn­ago­gen­ge­mein­de, zuhö­ren. Danach began­nen die Täter, die Kult­ge­gen­stän­de und die Innen­ein­rich­tung des jüdi­schen Bet­hau­ses zu zer­stö­ren. Schließ­lich war­fen sie die Tho­ra­rol­le auf den Boden und roll­ten sie bis auf die Gas­se, um sie zu ent­wei­hen. Die Syn­ago­ge wur­de nicht wie in ande­ren Städ­ten in Brand gesetzt, da das Feu­er leicht auf die benach­bar­ten Häu­ser hät­te über­grei­fen kön­nen.“[54]

Es gab aber in Dren­stein­furt auch Men­schen, die den Juden bei­stan­den. Der Arzt Dr. Metz­ger, Nach­bar von Hubert Ter­hoch, brach­te die viel­fach ver­letz­ten und ver­wun­de­ten Opfer, dar­un­ter auch Hugo Gold­schmidt, ins Kran­ken­haus, um sie zu behan­deln. Ihren sofor­ti­gen Abtrans­port in eines der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger ver­hin­der­te er, mit Ver­weis auf sei­nen hip­po­kra­ti­schen Eid.

Pass­port von Hubert Ter­hoch aus dem Jahr 1952
https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​1​2​2​9​8​1​9​:​9​8​0​0​?​l​a​n​g​=​d​e​-DE

Waren sie so zwar der Lager­haft ent­kom­men, so hat­te der NS-Staat den­noch sein Ziel erreicht, denn die bis­her in Dren­stein­furt geblie­be­nen Brü­der ent­schlos­sen sich end­gül­tig und mög­lichst schnell, Deutsch­land zu ver­las­sen. Die Vor­be­rei­tun­gen dazu hat­ten schon zuvor, spä­tes­tens im Früh­jahr 1938, begon­nen. Jetzt, unter dem Druck der jüngs­ten Ereig­nis­se, waren sie gezwun­gen, ihr Haus, Lager­stät­ten, Acker­land und Wie­sen zu ver­kau­fen und ihr Geschäft zu liqui­die­ren.[55] Das Wohn­haus von Alex und Hubert Ter­hoch eig­ne­te sich die Gemein­de an und zwei Mor­gen Wei­de­land gelang­ten in die Hän­de des Kreis­bau­ern­füh­rers. Der viel zu gerin­ge Erlös muss­te auf Siche­rungs­kon­ten ein­ge­zahlt wer­den und die Kis­ten mit dem Umzugs­gut blie­ben in Deutsch­land zurück und wur­den zuguns­ten des Fis­kus versteigert.

Salomon Obermeyer, Rosalie Obermeyer Scheiberg, Julius Obermeyer, Robert Obermeyer Olney, Emma Obermeyer Terhoch, Abraham Terhoch, Erich Terhoch, Edith Zita Obermeyer Goldfarb, Walter Terhoch, Hedwig Terhoch, Hilde Terhoch, Irma Terhoch, Adolf Obermeyer, Elsa Blankenburg Obermeyer, Ruth Senta Obermeyer Rothe, Heinz Rothe, Inge Obermeyer Wolff, William Wolff, Harry Rothe, Beatrice Rothe, Sizie Wolff, Ernst Obermeyer, Hans Obermeyer, Isaak Terhoch, Rosa Terhoch Humberg, Johanna Terhoch Rosenbaum, Moses Rosenbaum, Walter Moses Rosenbaum, Elisabeth Winter Rosenbaum,Siegfried Terhoch, Betty Terhoch Reinhaus, Hans Terhoch, Ernst Terhoch, Hildegard Terhoch Landauer, Hans Landauer, Simon Terhoch, Sophie Terhoch Gumprich, Inge Terhoch, Werner Terhoch,Alex Terhoch, Selma Terhoch Schwarz, Adolf Terhoch Frieda Terhoch Humberg, Rosalie Terhoch Katz, Jakob Katz, Hubert Terhoch, Lieselotte Terhoch Goldschmidt, Judenhäuser Wiesbaden, Kaiser-Friedrich-Ring 80, Klaus Flick
Ver­wen­det mit Zustim­mung des Ver­eins zur Erhal­tung und Nut­zung der Syn­ago­ge Dren­stein­furt e.V., Email-Nach­richt von Dr. Ralf Klöt­zer vom 30.01.2023

Als die Brü­der Sieg­fried, Simon, Alex und Hubert mit ihren Fami­li­en, ins­ge­samt 17 Per­so­nen, am 29. Novem­ber 1939 Deutsch­land mit dem Ziel Para­gu­ay ver­lie­ßen, konn­ten sie nicht viel mehr mit­neh­men, als das, was sie auf dem Leib tru­gen. Nach­dem ihr Schiff, die ‚San Mar­tin’, auf sei­ner Fahrt Zwi­schen­sta­ti­on in Mon­te­vi­deo mach­te, sie dort von Freun­den und Bekann­ten in Emp­fang genom­men wur­den, ent­schlos­sen sie sich, dort zu blei­ben und nicht mehr wei­ter nach Para­gu­ay, dem Land, für das sie eigent­lich ein Visum besa­ßen, zu fah­ren. Trotz aller Wid­rig­kei­ten gelang es ihnen, in Uru­gu­ay Fuß zu fas­sen und ein neu­es Leben zu begin­nen.[56]

Julius Katz
Das Haus von Juli­us und Hele­ne Katz in Beckum
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Aber nicht allen Kin­dern von Isaak und Rosa Ter­hoch gelang es, wenigs­tens das nack­te Leben zu ret­ten. Rosa­lie Ter­hoch, genannt Hele­ne, die mit dem aus dem nord­hes­si­schen Die­mero­de stam­men­den Juli­us Katz, gebo­ren am 21. Juni 1889, ver­hei­ra­tet war,[57] wur­de zusam­men mit ihrem Ehe­mann im Osten ermor­det. Ursprüng­lich hat­te sich das kin­der­los geblie­be­ne Paar nach der Ehe­schlie­ßung 1919 in Beckum nie­der­ge­las­sen. Ihr Haus in der Allee­str. 35, wo seit 2008 zwei Stol­per­stei­ne an sie erin­nern, hat­ten sie zwangs­wei­se ver­kau­fen müs­sen. Die jüdi­sche Fami­lie Leo­pold Wind­mül­ler gewähr­te ihnen bis zu ihrem Umzug 1937 nach Bil­ler­beck eine Unter­kunft.[58]

Das Jüdi­sche Alters­heim in Unna
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Bei­de waren zuletzt in dem jüdi­schen Alters­heim in Unna /​ West­fa­len in der Düp­pel­str. 7 unter­ge­bracht, wo sie wegen einer Erkran­kung von Juli­us Katz 1940 auf­ge­nom­men wor­den waren. Zunächst hat­ten die Bewoh­ner sich noch der Illu­si­on hin­ge­ge­ben, in der dor­ti­gen Abge­schie­den­heit vor wei­te­rer Ver­fol­gung in Sicher­heit zu sein. Spä­tes­tens nach der Über­nah­me des Wohn­heims durch die städ­ti­schen Behör­den im Jahr 1941 änder­te sich das grund­le­gend. Ange­sichts der per­ma­nen­ten Repres­sa­li­en und der durch Über­fül­lung her­vor­ge­ru­fe­nen Enge nahm das Alters­heim immer mehr den Cha­rak­ter eines Juden­hau­ses an. Der Trans­port, der sie von dort in den Tod brach­te, ging am 30. April 1942 über Dort­mund in das im Früh­jahr 1941 errich­te­te Ghet­to von Zamosc im Bezirk Lub­lin.[59] Wann und unter wel­chen Umstän­den sie dort ihr Leben ver­lo­ren, ist nicht bekannt.

 

Abra­ham und Emma Terhoch 

Das Kauf­haus von Abra­ham und Emma Ter­hoch in Beckum
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Abra­ham Ter­hoch, der ältes­te Sohn von Isaak und Rosa Ter­hoch, hat­te Dren­stein­furt ver­las­sen und war nach dem etwa 20 km süd­west­lich gele­ge­nen Beckum gezo­gen, um sich dort eine eige­ne Exis­tenz auf­zu­bau­en. Wel­che Grün­de ihn dazu bewo­gen hat­ten, aus dem Vieh­han­dels­ge­schäft der Fami­lie aus­zu­stei­gen und in der Tex­til­bran­che sein Glück zu ver­su­chen, ist nicht mehr nach­zu­voll­zie­hen. Mög­li­cher­wei­se war er zumin­dest mit Kapi­tal auch wei­ter­hin an dem Fami­li­en­un­ter­neh­men, das den Namen ‚O.H.G. Gebr. Ter­hoch’ führ­te, betei­ligt. Wie dem auch sei, es war in jedem Fall eine glück­li­che Ent­schei­dung, denn sein pro­spe­rie­ren­des Manu­fak­tur­wa­ren­ge­schäft ent­wi­ckel­te sich bald zum größ­ten Kauf­haus von Beckum über­haupt. Die Inha­ber, so das dor­ti­ge Finanz­amt in einem Schrei­ben an die Ent­schä­di­gungs­be­hör­de 1961, sei­en „zumin­dest vor dem Boy­kott gut situ­ier­te Bür­ger der Stadt Beckum“ gewe­sen.[60] In dem „bes­ten Geschäft am Plat­ze“, ein in der Nord­str. 34 gele­ge­nes, mit Jugend­stil­ele­men­ten ver­zier­tes und mit fünf gro­ßen Schau­fens­tern aus­ge­stat­te­tes Geschäfts­haus, in denen das brei­te Waren­an­ge­bot prä­sen­tiert wer­den konn­te, hät­ten immer drei Ange­stell­te und bis zu zwei Lehr­mäd­chen die Kun­den bedient. Man habe in den guten Jah­ren vor der Nazi­zeit monat­lich immer über ein Net­to­ein­kom­men von etwa 2 – 3.000 RM ver­fü­gen kön­nen, so der Sohn Erich Ter­hoch im spä­te­ren Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren.[61]

Erich, gebo­ren am 15. Novem­ber 1901, war das ers­te Kind, das in der im glei­chen Jahr geschlos­se­nen Ehe von Abra­ham und Emma Ter­hoch gebo­ren wur­de.[62] Ihm folg­ten im Lau­fe der nächs­ten Jah­re noch fünf wei­te­re Kin­der, die alle in Beckum zur Welt kamen. Zunächst Wal­ter am 21. Juli 1904,[63] dann Hed­wig am 2. März 1909 [64] und am 15. Janu­ar 1911 eine wei­te­re Toch­ter namens Hil­de.[65] Ein Jahr spä­ter kam am 30. Novem­ber 1912 Irma zur Welt [66] und am 29.September 1914 wur­de als letz­tes Kind noch ein­mal ein Sohn gebo­ren, der den Namen Paul erhielt.[67]

Zumin­dest von Hil­de weiß man, dass sie, obwohl jüdi­schen Glau­bens, in Beckum zunächst eine katho­li­sche höhe­re Mäd­chen­schu­le besuch­te und dann bis 1927, bis zu ihrem 16. Lebens­jahr, in einem Mäd­chen­pen­sio­nat in Kon­stanz unter­ge­bracht war. Anschlie­ßend, nach­dem sie im elter­li­chen Betrieb eine Leh­re absol­viert hat­te, blieb sie dort als Ver­käu­fe­rin ange­stellt.[68]
Abge­se­hen von Hed­wig besuch­ten alle Kin­der, auch Irma, nach Aus­sa­ge der lang­jäh­ri­gen Ange­stell­ten Frie­da Lewald eine höhe­re Schu­le.[69]
Hed­wig, die ältes­te der Töch­ter, war seit dem Klein­kind­al­ter stark behin­dert, war taub und auf­grund einer Polio-Erkran­kung zumin­dest par­ti­ell gelähmt. Auch litt sie unter epi­lep­ti­schen Anfäl­len, sodass sie zeit­le­bens als arbeits­un­fä­hig ein­ge­stuft wur­de.[70] Die Eltern hat­ten sie über einen län­ge­ren Zeit­raum in der teu­ren Pri­vat­schu­le eines Dr. Brauk­mann in Jena unter­ge­bracht.[71]
Als dann Abra­ham Ter­hoch im Herbst 1932 an Krebs erkrank­te und am 25. März 1933 ver­starb, war die Mut­ter mit dem gro­ßen Geschäft und den zum Teil noch unselbst­stän­di­gen Kin­dern auf sich allein gestellt – dies zu einem Zeit­punkt, als die Angrif­fe der Nazis auf jüdi­sche Geschäf­te began­nen. Die gera­de für die Tex­til­bran­che schwie­ri­gen Jah­re der Welt­wirt­schafts­kri­se hat­te man gera­de über­stan­den und Emma Ter­hoch war mit einer Situa­ti­on kon­fron­tiert, die sie allei­ne nicht zu bewäl­ti­gen wusste.
Der ältes­te Sohn Erich absol­vier­te nach sei­ner Schul­aus­bil­dung in Beckum und See­sen, die er mit der Mitt­le­ren Rei­fe abschloss, ab 1918 eine Leh­re bei der Min­de­ner Fir­ma ‚S. Salo­mon‘.[72] 1925 zog er nach Han­no­ver, wo er eine Anstel­lung bei der Roh­pro­duk­ten­fir­ma ‚B. Hol­län­der‘ fand. Anschlie­ßend ging er ins Aus­land, zunächst nach Hol­land, dann ab 1927 nach Frank­reich, um sei­ne beruf­li­chen Kennt­nis­se zu erwei­tern. In Paris grün­de­te er im Juli 1928 mit zwei wei­te­ren Kom­pa­gnons eine eige­ne Fir­ma, die eben­falls mit Roh­stof­fen han­del­te und in der er die Geschäfts­füh­rung über­nahm.[73]
Auf­grund sei­ner Kennt­nis­se war er als ein­zi­ger der Fami­li­en­mit­glie­der damals in der Lage, sei­ner Mut­ter in ihrer schwie­ri­gen Situa­ti­on zu hel­fen. Er gab daher sei­ne Stel­lung in Frank­reich auf und kehr­te noch vor dem Tod des Vaters im Janu­ar 1933 nach Beckum zurück, um sich um das elter­li­che Geschäft zu kümmern.
Er blieb aller­dings nur ein hal­bes Jahr, denn im Dezem­ber 1933 wur­de er ver­haf­tet und stun­den­lang von der Poli­zei ver­hört. Eine anony­me Anzei­ge, in der Ter­hochs bezich­tigt wur­den, anti­na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Pro­pa­gan­da zu ver­brei­ten, hat­te eine Haus­durch­su­chung zur Fol­ge gehabt. Zwar wur­de Erich wie­der frei­ge­las­sen, aber sein Pass war zunächst ein­be­hal­ten wor­den. Erst eini­ge Tage spä­ter wur­de ihm die­ser wie­der aus­ge­hän­digt. Flucht­ar­tig ver­ließ er danach die Stadt und kehr­te wie­der zurück nach Paris.[74]
Somit war Emma Ter­hoch, die zwar immer auch im Laden mit­ge­ar­bei­tet hat­te, aber nicht über die not­wen­di­gen Erfah­run­gen als Geschäfts­füh­re­rin ver­füg­te, gezwun­gen, das Geschäft in eige­ner Regie wei­ter­zu­füh­ren.[75] Unter­stützt wur­de sie dabei von Frie­da Lewald, die schon als Lehr­mäd­chen bei Ter­hochs ange­fan­gen hat­te und zu einer Ver­trau­ens­per­son für alle Fami­li­en­mit­glie­der gewor­den war. Erich kam noch eini­ge Male kurz­zei­tig zurück, um sich der Buch­hal­tung anzu­neh­men. Allen übri­gen Ange­stell­ten muss­te im Lauf der Zeit gekün­digt wer­den, weil ange­sichts der nega­ti­ven Umsatz­ent­wick­lung die Löh­ne nicht mehr zu bezah­len waren. Zuletzt ver­ließ auch Frau Lewald das Unternehmen.
Hat­te bei der Beer­di­gung von Abra­ham Ter­hoch im März 1933 noch eine gro­ße Zahl der Bür­ger den Trau­er­zug des damals bei vie­len noch immer hoch­ge­ach­te­ten Toten beglei­tet, so dau­er­te es nur eine kur­ze Zeit und auch Ter­hochs gehör­ten als Juden zu den Pari­as der ört­li­chen „Volks­ge­mein­schaft“. Zwar konn­ten schon im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren kei­ne Umsatz­zah­len des Geschäfts mehr vor­ge­legt wer­den, aber wie von meh­re­ren Zeu­gen in eides­statt­li­chen Erklä­run­gen ver­si­chert wur­de, gin­gen die Ein­nah­men erheb­lich zurück, die Ent­schä­di­gungs­be­hör­de schätz­te um min­des­tens 50 Pro­zent, Erich Ter­hoch sogar auf 70–80 Pro­zent.[76]

Trotz des wirt­schaft­li­chen Nie­der­gangs belief sich das Ver­mö­gen der Wit­we 1935 noch auf 56.500 RM. Da aber die ent­spre­chen­den Steu­er­un­ter­la­gen feh­len, ist nicht mehr fest­stell­bar, in wel­cher Form die­ses Ver­mö­gen vor­lag. Ver­mut­lich bestand es zu einem gro­ßen Teil aus dem Wert des Hau­ses, viel­leicht noch aus Betriebs­ver­mö­gen, das noch nicht abge­schrie­ben war, und eini­gen Wert­pa­pie­ren, ver­mut­lich aber aus nur wenig liqui­den Mit­teln.[77]

Wohl schon im Herbst/​Winter 1937/​38 waren Emma Ter­hoch und ihre noch in Beckum leben­den Kin­der zu dem Ent­schluss gekom­men, das Geschäft auf­zu­ge­ben und die Stadt zu ver­las­sen. Was sie dazu bewo­gen hat­te, gera­de Wies­ba­den als Zufluchts­ort zu wäh­len, ist aller­dings nicht mehr im Detail nach­voll­zieh­bar. Der unmit­tel­ba­re Grund wird jedoch der gewe­sen sein, dass Irma sich bereits am 12. Janu­ar 1935 von Beckum nach Wies­ba­den abge­mel­det hatte.

Umzug Irma Terhoch
Umzug von Irma Ter­hoch nach Wies­ba­den
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Krick schreibt, dass sie dort eine Stel­lung ange­nom­men habe.[78] Wel­cher Art die­se Anstel­lung war und wie­so sie damals gera­de in die doch recht weit ent­fern­te Kur­stadt am Rhein zog, bleibt aber völ­lig unklar. Da die Mel­de­un­ter­la­gen in Wies­ba­den im Krieg zer­stört wur­den, ist auch nicht mehr nach­voll­zieh­bar, wo sie damals wohn­te. In den Adress­bü­chern der Stadt ist sie nicht notiert, was dar­auf schlie­ßen lässt, dass sie sich ver­mut­lich irgend­wo als Unter­mie­te­rin ein­quar­tiert hat­te. Ver­wun­der­lich ist aber, dass selbst im Jüdi­schen Adress­buch von 1935 ihr Name nicht auf­ge­führt ist. Viel­leicht hat­te sie in Wies­ba­den eine Anstel­lung als Haus­an­ge­stell­te oder auch in einem jüdi­schen Geschäft gefun­den, aber auch das wür­de eigent­lich einen bereits zuvor vor­han­de­nen Kon­takt vor­aus­set­zen.[79]

Umzug Emma TerhochUmzug Hedwig TerhochUMzug Hilde

 

 

Umzugs­mel­dung von Emma, Hed­wig und Hil­de Ter­hoch nach Wiesbaden
Arol­sen-Archiv

Es ist auch nicht bekannt, ob sie bereits in dem Haus Kai­ser-Fried­rich-Ring 80 wohn­te, als ihre Mut­ter und ihre bei­den Schwes­tern sich im Febru­ar 1938 eben­falls nach Wies­ba­den abmel­de­ten und dort ein­zo­gen. Noch war das Haus nicht zum Juden­haus erklärt wor­den und die vier Ter­hoch-Frau­en konn­ten damals noch eine kom­plet­te 4‑Zim­mer-Woh­nung im Par­terre des Hau­ses anmie­ten. Auch hat­ten sie noch ihr gesam­tes Mobi­li­ar, bestehend aus einem Her­ren­zim­mer, einem Spei­se­zim­mer, zwei Schlaf­zim­mern, einem Näh­zim­mer und der Küchen­ein­rich­tung, mit­brin­gen kön­nen.[80]

Ihr Haus in Beckum, das seit 1903 for­mal der Fir­ma gehört hat­te, ver­kauf­ten sie laut einem Ver­trag vom 10. Febru­ar 1938 an den Becku­mer Kauf­mann Franz Scham­be­cker für 44.000 RM. Da die Immo­bi­lie mit einer Hypo­thek von knapp 6.000 RM belas­tet war, erhielt die Fami­lie etwas mehr als 38.000 RM, die zunächst in Wert­pa­pie­ren ange­legt wur­den.[81] Weil die Frau­en, abge­se­hen von den Zins­er­trä­gen der Wert­pa­pie­re, über kein Ein­kom­men mehr ver­füg­ten, benö­tig­ten sie die­ses Kapi­tal, um ihren Lebens­un­ter­halt zu bestrei­ten. Der NS-Staat sorg­te mit sei­ner Ras­sen­po­li­tik dafür, so könn­te man mit eini­gem Zynis­mus sagen, dass das Geld letzt­lich für die ihnen noch ver­blei­ben­de Lebens­zeit aus­reich­te und ihm selbst sogar noch ein gan­zer Bat­zen blieb.
Der ers­te Griff nach dem Ver­mö­gen von Emma Ter­hoch erfolg­te bereits Anfang 1935, indem von ihr eine Sicher­heit für eine mög­li­cher­wei­se fäl­li­ge Reichs­flucht­steu­er in Höhe von 14.200 RM ver­langt wur­de.[82] Die­se Maß­nah­me erle­dig­te sich aber von selbst, weil nach dem Ver­kauf des Hau­ses am 17. Novem­ber 1938 – immer­hin erst rela­tiv spät, aber das Zusam­men­spiel der Behör­den funk­tio­nier­te in die­sem z. T. chao­ti­schen Macht­staat nicht immer so, wie man es von einer Dik­ta­tur erwar­ten wür­de – eine gene­rel­le Siche­rungs­an­ord­nung für ihr Depot bei der Deut­schen Bank in Her­ford erlas­sen wur­de. Wegen der ordent­li­chen Buch­füh­rung blieb selbst­ver­ständ­lich der mög­li­che Anspruch auf die Reichs­flucht­steu­er bestehen. Er war aller­dings, weil sich das Ver­mö­gen inzwi­schen gegen­über dem von 1935 ver­min­dert hat­te, auf 10.000 Mark her­ab­ge­setzt wor­den. 1940 war das Ver­mö­gen wei­ter auf jetzt 25.600 RM geschrumpft, sodass sich auch die Siche­rung für die Son­der­steu­er auf 7.700 RM redu­zier­te.[83]

Wesent­li­cher Grund für den rapi­den Ver­mö­gens­ver­lust war die Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be, die nach der Reichs­po­grom­nacht auch von Emma Ter­hoch ver­langt wur­de. Sie hat­te die­se Nacht in Wies­ba­den und nicht mehr in Beckum erlebt, wo die SA-Leu­te und ihre Gefolg­schaft ganz schreck­lich gewü­tet hat­ten, wie sich Hugo Krick, selbst Zeu­ge der dama­li­gen Ereig­nis­se, erin­ner­te.[84] Sogar ein Todes­op­fer hat es damals in dem klei­nen Städt­chen gege­ben. Das ehe­ma­li­ge Haus der Ter­hochs blieb, da es inzwi­schen ari­siert war, aller­dings von den Zer­stö­run­gen verschont.

Der Berech­nungs­bo­gen des Finanz­amts Wies­ba­den für die fäl­li­ge „Süh­ne­leis­tung“ von Emma Ter­hoch, ist in den Akten zwar nicht mehr im Ori­gi­nal vor­han­den, aber ein Akten­ver­merk hat im Dezem­ber 1962 fest­ge­hal­ten, dass am 20. Janu­ar 1939 eine Sum­me von 8.400 RM gefor­dert wur­de. In die­sem Ver­merk ist nicht nur fest­ge­hal­ten, dass die ent­spre­chen­den vier Raten­zah­lun­gen über jeweils 2.100 RM an den Fis­kus über­wie­sen wur­den, son­dern auch, dass ihr Antrag, die zusätz­li­che fünf­te Rate über wei­te­re 2.100 RM nicht zah­len zu müs­sen, abge­lehnt wur­de. Dar­aus ist zu schlie­ßen, dass ihr ins­ge­samt 10.500 RM ent­zo­gen wur­den. Weil ihr ent­spre­chen­de Gel­der nicht zur Ver­fü­gung stan­den, muss­te sie die Sum­men jeweils durch Über­tra­gung von Wert­pa­pie­ren an die Reichs­bank bestrei­ten.[85]

Selbst­ver­ständ­lich wur­de von ihr im Früh­jahr 1939 auch die Abga­be ihres Schmucks ver­langt, nach Anga­be von Hil­de Baer befan­den sich dar­un­ter zwei Bril­lant­rin­ge, eine Bril­lant­na­del sowie eine mit Bril­lan­ten besetz­te Uhr. Auch ihre Pel­ze und eine wert­vol­le Brief­mar­ken­samm­lung hat­te sie abzu­ge­ben.[86] Von der städ­ti­schen Annah­me­stel­le waren damals 20,10 RM für die abge­lie­fer­ten Edel­me­tall­ge­gen­stän­de aus­ge­zahlt wor­den.[87]

Wie lei­der so oft sind auch von Emma Ter­hoch und ihren Töch­tern außer den Doku­men­ten aus den Ent­schä­di­gungs­ak­ten, die nur wenig über die tat­säch­li­chen und all­täg­li­chen Lebens­um­stän­de ver­mit­teln kön­nen, kei­ne wei­te­ren Quel­len über­lie­fert. Man weiß nicht, wel­che Kon­tak­te im Haus gepflegt wur­den, ob es für sie, die doch spät nach Wies­ba­den gekom­men waren, einen Aus­tausch mit der alt­ein­ge­ses­se­nen jüdi­schen Gemein­schaft gab, ob sie im Glau­ben eine Stüt­ze fan­den oder sie sich ange­sichts ihres Loses end­gül­tig von den reli­giö­sen Tra­di­tio­nen und Über­zeu­gun­gen abge­wandt hat­ten. Brief­li­cher Kon­takt bestand wei­ter­hin zu Frie­da Lewald, der lang­jäh­ri­gen Mit­ar­bei­te­rin im Becku­mer Geschäft. Ein Tref­fen in Wies­ba­den, zu dem Emma Ter­hoch sie ein­ge­la­den hat­te, kam aber nicht mehr zustan­de.[88] Bei einer eher zufäl­li­gen Begeg­nung traf Emma Ter­hoch auf der Stra­ße aber mit einem ehe­ma­li­gen, nicht­jü­di­schen Nach­barn aus Beckum zusam­men, der eben­falls nach Wies­ba­den ver­zo­gen war. Der Mann gab spä­ter im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren an, die Fami­lie in der Fol­ge­zeit immer wie­der mit Lebens­mit­teln ver­sorgt zu haben, in deren Woh­nung sei er aber selbst nie gewe­sen.[89]
Auch ist nicht bekannt, ob sie die­se spä­ter mit ande­ren Mie­tern tei­len muss­ten, nach­dem das Haus den Cha­rak­ter eines Juden­hau­ses ange­nom­men hat­te. Die­se Ver­mu­tung wur­de im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren vom Lan­des­amt für Ver­mö­gens­kon­trol­le ange­stellt, da sie in einer Ver­mö­gens­er­klä­rung vom März 1940 noch eine Miet­zah­lung von 140 RM, in der vom März 1942 aber nur noch 85 RM ange­ge­ben hat­te.[90]
Wahr­schein­lich war dies tat­säch­lich der Fall, aller­dings ver­fü­gen wir über kei­ne Lis­te, die eine nach Zim­mern auf­ge­schlüs­sel­te Beset­zung der Räum­lich­kei­ten zulas­sen wür­de. Allein die Anga­ben der Depor­ta­ti­ons­lis­ten las­sen gewis­se Rück­schlüs­se zu. So wur­den am 10. Juni 1942 aus dem Erd­ge­schoss, wo Mut­ter und Töch­ter Ter­hoch wohn­ten, auch Cla­ra Mer­ten und am 1. Sep­tem­ber 1942 Emil und Johan­na Neu­man depor­tiert. Dem­nach hat­ten zuletzt wei­te­re Per­so­nen im Erd­ge­schoss gewohnt.

Die 4‑Zimmerwohnung wur­de damals auch schon seit Lan­gem nicht mehr von Emma Ter­hoch und ihren drei Töch­tern bewohnt, son­dern nur noch von der Mut­ter mit der behin­der­ten Hed­wig und der jün­ge­ren Toch­ter Irma. Ange­sichts der Erkran­kung von Hed­wig war es trotz hin­rei­chen­der finan­zi­el­ler Mit­tel und viel­leicht auch trotz guter Kon­tak­te nach Süd­ame­ri­ka aus­sichts­los, gemein­sam Deutsch­land zu ver­las­sen. Wie immer wie­der zu beob­ach­ten, waren die Söh­ne meist die­je­ni­gen, die einen sol­chen Schritt zuerst wag­ten, wäh­rend die Töch­ter in ihrer tra­di­tio­nel­len Rol­le als care-taker eher bei den Eltern, in die­sem Fall der Mut­ter und der pfle­ge­be­dürf­ti­gen Schwes­ter, aus­harr­ten, zumin­dest solan­ge sie noch ledig waren.
Als Hil­de sich 1938 in Wies­ba­den ver­lob­te, war das sicher schon im Hin­blick auf ihre geplan­te Aus­wan­de­rung gesche­hen. Unklar ist, wann und wo die Ehe­schlie­ßung dann tat­säch­lich statt­fand. Im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren wur­de fälsch­li­cher­wei­se ange­ge­ben, dies sei noch in Wies­ba­den von­stat­ten­ge­gan­gen,[91] aber ein ent­spre­chen­der Ein­trag ist beim dor­ti­gen Stan­des­amt nicht vor­han­den. Aller­dings soll sie nach ihren eige­nen Anga­ben noch 1938 statt­ge­fun­den haben. Da aber auch nicht das exak­te Datum ihrer Ankunft in Süd­ame­ri­ka bekannt ist, könn­te die Ehe auch erst dort in ihrem boli­via­ni­schen Exil, viel­leicht aber auch – wie bei ihrem Onkel Alex – unter­wegs auf dem Schiff geschlos­sen wor­den sein. Hil­des Ehe­mann war der am 1. Juni 1896 in Müns­ter /​ West­fa­len gebo­re­ne Ber­nard Baer, den sie ver­mut­lich schon vor ihrem Umzug nach Wies­ba­den ken­nen­ge­lernt hat­te.[92] Auch dies­mal war die Devi­sen­stel­le nicht von der Aus­wan­de­rung des Paa­res unter­rich­tet. Am 15. August 1940, also etwa ein­ein­halb Jah­re nach ihrer Emi­gra­ti­on, hat­te die Behör­de noch eine JS-Akte mit der Num­mer 9761 ange­legt, um das Kon­to von Hil­de Ter­hoch zu sichern. Sogar einen vor­läu­fi­gen Frei­be­trag in Höhe von 200 RM hat­te man schon fest­ge­legt, aber das Schrei­ben erreich­te die Adres­sa­tin nicht mehr. Der Brief ging zurück mit dem Ver­merk „aus­ge­wan­dert“.[93] Immer­hin war auf der Kar­tei­kar­te ihrer Mut­ter bei der Gesta­po Wies­ba­den noch „nach Boli­vi­en“ ein­ge­tra­gen wor­den, aller­dings lei­der ohne Datum.

Kaiser Friedrich Ring 80
Das Haus Kai­ser-Fried­rich-Ring 80 in einer zeit­ge­nös­si­schen Foto­gra­phie
Mit Geneh­mi­gung des Stadt­ar­chivs Wiesbaden

Somit blie­ben Emma Ter­hoch und ihre bei­den Töch­ter Hed­wig und Irma die letz­ten zwei­ein­halb Jah­re bis zu ihrer Depor­ta­ti­on allei­ne im Juden­haus in Wies­ba­den zurück.
Auch Irma erhielt am sel­ben Tag wie ihre geflo­he­ne Schwes­ter noch eine Siche­rungs­an­ord­nung, eben­falls ver­bun­den mit einem vor­läu­fi­gen Frei­be­trag von 200 RM. Auf das bei­gefüg­te For­mu­lar, auf dem sie ihr Ver­mö­gen und ihr der­zei­ti­ges Ein­kom­men ein­tra­gen soll­te, schrieb sie: „Besit­ze kei­ner­lei eige­nes Ver­mö­gen u. lebe in gemein­schaft­li­chem Haus­halt bei mei­ner Mut­ter Emma Sara Ter­hoch, Kais.Fr.Ring 80.“ [94]

Ganz ohne Ein­kom­men blieb sie dann doch nicht. Wie einer Abschrift eines Schrei­bens aus der Devi­sen­ak­te ihrer Mut­ter vom 5. März 1942 zu ent­neh­men ist, wur­de sie spä­ter – ein Ter­min oder die Dau­er ist dar­in nicht ange­ge­ben – zur Zwangs­ar­beit bei der Fir­ma ‚Söhn­gen u. Co.’ ver­pflich­tet.[95] Laut die­ser Abschrift belie­fen sich die dama­li­gen Aus­ga­ben der drei Frau­en inklu­si­ve Mie­te auf ins­ge­samt 420 RM.

Als sie die­se Erklä­rung abgab, blie­ben Emma Ter­hoch und den bei­den Töch­tern noch eine Lebens­zeit von einem Vier­tel­jahr. Mit dem ers­ten gro­ßen Trans­port, der den Wies­ba­de­ner Bahn­hof am 10. Juni 1942 mit 371 Per­so­nen ver­ließ, dar­un­ter befan­den sich auch Emma – ihren Mäd­chen­na­men hat­te man fälsch­li­cher­wei­se mit Rödes­hei­mer ange­ge­ben –, Hed­wig und Irma Ter­hoch.[96] In Frank­furt mach­te er noch ein­mal Halt. Dort wur­de der Zug, der die Bezeich­nung ‚Da 18’ erhal­ten hat­te, mit wei­te­ren etwa 900 Depor­ta­ti­ons­op­fern aus dem gesam­ten Regie­rungs­be­zirk Wies­ba­den auf­ge­füllt. Am frü­hen Mor­gen des fol­gen­den Tages ver­ließ er Frank­furt, um über Kas­sel, Leip­zig und Lodz sein Ziel Lub­lin im soge­nann­ten Gene­ral­gou­ver­ne­ment anzu­steu­ern. Etwa 150 bis 200 Män­ner, die genaue Zahl ist nicht bekannt, wur­den dort zum Auf­bau des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers Maj­da­nek abkom­man­diert. Weder über­leb­te einer von die­sen, noch einer der übri­gen, die ihren Weg wei­ter nach Sobi­bor fort­set­zen muss­ten. Wie alle ande­ren wur­den die drei Frau­en aus Wies­ba­den ver­mut­lich unmit­tel­bar nach ihrer Ankunft in den Gas­kam­mern des Ver­nich­tungs­la­gers ermor­det.[97]

Grabstein Abraham Terhoch
Grab­stein von Abra­ham Ter­hoch mit Erin­ne­rung an sei­ne depor­tier­te Frau und Kin­der
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Nicht in Wies­ba­den, aber immer­hin in Beckum lie­gen seit 2007 vier Stol­per­stei­ne vor dem Wohn­haus der Fami­lie Ter­hoch in der Nord­str. 34.

Stolperstein Emma Terhoch
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Stolperstein Hedwig Terhoch
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Stolperstein Irma Terhoch
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Stolperstein Walter Terhoch
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Neben den drei aus Wies­ba­den depor­tier­ten Frau­en ist einer der Stei­ne Wal­ter Ter­hoch, dem Sohn von Emma, gewid­met, der eben­falls Opfer der Shoa wur­de. Er war damals, als das Haus in Beckum 1938 ver­kauft wur­de, im Mai nicht nach Wies­ba­den, son­dern nach Düs­sel­dorf ver­zo­gen. Am 30. Novem­ber, ver­mut­lich noch im Zusam­men­hang mit der Reichs­po­grom­nacht, war er ver­haf­tet und nach Dach­au ver­bracht wor­den, wo man ihn bis Anfang Febru­ar 1939 festhielt.

Walter Terhoch Dachau
Wal­ter Ter­hoch im Häft­lings­ein­gangs­buch von Dach­au, Ein­gang 30.11.1938
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Sein wei­te­rer Lebens­weg lässt sich nur bruch­stück­haft rekon­stru­ie­ren. Wie so vie­le ande­re Gefan­ge­ne ist er wahr­schein­lich mit der Auf­la­ge aus dem KZ ent­las­sen wor­den, Deutsch­land sofort zu ver­las­sen. Viel­leicht hat­te er die­se Ent­schei­dung auch unab­hän­gig davon schon zuvor getrof­fen. Die nächs­te Spur von ihm fin­det man im bel­gi­schen Flücht­lings­la­ger Mern­ef­fe, süd­lich von Lüt­tich, wo er am 24. Novem­ber 1939 auf­ge­nom­men wur­de. Als die deut­schen Trup­pen im Mai 1940 Bel­gi­en über­fie­len, wur­den die zumeist jüdi­schen Flücht­lin­ge zunächst von den dor­ti­gen Behör­den nach Frank­reich abge­scho­ben, dann von den fran­zö­si­schen in die ver­schie­de­nen Inter­nie­rungs­la­ger ein­ge­lie­fert, die ursprüng­lich für die Rück­keh­rer aus dem Spa­ni­schen Bür­ger­krieg ange­legt wor­den waren. Das Lager in Saint Cyprien, am Rand der Pyre­nä­en und unmit­tel­bar an der spa­ni­schen Gren­ze gele­gen, war das­je­ni­ge, in das Wal­ter Ter­hoch am 15. Mai 1940 ein­ge­lie­fert wur­de. Nicht bekannt ist, wie lan­ge er dort blei­ben muss­te bzw. durf­te, denn das Sam­mel­la­ger Dran­cy, sei­ne nächs­te Sta­ti­on, war ungleich inhu­ma­ner und zudem der Aus­gangs­punkt für die meis­ten Trans­por­te aus Frank­reich in die Ver­nich­tungs­la­ger im ehe­ma­li­gen Polen. Am 6. März 1943 wur­de Wal­ter Ter­hoch mit dem Trans­port Nr. 51 von Dran­cy nach Maj­da­nek gebracht. Er scheint aber von dort an einem nicht bekann­ten Datum wei­ter nach Sobi­bor ver­bracht wor­den zu sein, wo er dann ermor­det wur­de.[98]

Die drei übri­gen Geschwis­ter, die aus Deutsch­land geflo­hen waren, über­leb­ten aller­dings unter schwie­rigs­ten Bedin­gun­gen und mit Fol­gen, an denen sie ihr gesam­tes wei­te­res Leben zu tra­gen hatten.

Am wenigs­ten weiß man über den jüngs­ten Sohn Paul, der nach Frank­reich geflo­hen war und 1984 in Paris ver­starb.[99] Er ist in den Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren nicht aktiv auf­ge­tre­ten, um Ansprü­che eigen­stän­dig gel­tend zu machen.[100] Auch auf Brie­fe, die Hugo Krick nach dem Krieg an ihn rich­te­te, gab es lan­ge kei­ner­lei Reak­ti­on. Erst 1979 erhielt er erst­mals eine Ant­wort, aus der her­vor­ging, wie sehr Paul Ter­hoch noch immer unter den Gescheh­nis­sen in sei­ner Hei­mat­stadt litt, an die er aber gleich­wohl auch posi­ti­ve Erin­ne­run­gen zu haben schien: „Du kannst mir glau­ben, dass die Ver­gan­gen­heit mir weh tut! Seit 1935 bin ich hier [in Paris — K.F.] und ich den­ke oft an mei­ne Jugend.“ Und dann noch ein­mal 1980: „Es ist trau­rig, dass man nicht mit der Ver­gan­gen­heit leben kann.“[101]
Die Ent­schä­di­gungs­an­ge­le­gen­hei­ten hat­te er ganz sei­nem älte­ren Bru­der Erich über­las­sen, der nach sei­ner Flucht Ende 1933, von weni­gen kur­zen Auf­ent­hal­ten in Beckum abge­se­hen, in Frank­reich geblie­ben war. Ob er sei­ne Mut­ter und Schwes­tern noch ein­mal in Wies­ba­den besuch­te, ist nicht bekannt, aber wenig wahrscheinlich.

Er sei, so gab er spä­ter an, nach sei­ner Rück­kehr in Frank­reich als Deut­scher nicht will­kom­men gewe­sen, auch nicht als Jude, und habe Schwie­rig­kei­ten gehabt, eine Arbeits­stel­le zu fin­den, mit der er sei­nen Lebens­un­ter­halt bestrei­ten konn­te. Ein neu gegrün­de­tes eige­nes Geschäft, das aber nur wenig abwarf, wur­de dann bei Kriegs­aus­bruch von den Fran­zo­sen zwangs­wei­se geschlos­sen. Ihn selbst inter­nier­ten sie zunächst in Bourg-Las­tic, dann ab Febru­ar 1940 im Lager Hurid. Im Mai wur­de er als soge­nann­ter ‚Presta­t­är’ einem Arbeits­ba­tail­lon der bri­ti­schen Armee zuge­teilt. Nach dem Waf­fen­still­stand ging er mit sei­ner Frau nach Cham­be­ry in Savoy­en, von wo er aber dann zwangs­wei­se in das etwa 80 km ent­fern­te Mou­tiers ver­bracht wurde.

Abschrift aus der Devi­sen­ak­te von Erichs Mut­ter Emma Ter­hoch
HHStAW 518 38281 I (26)

Aus die­ser Zeit, in der sich Erich Ter­hoch in Savoy­en auf­hielt, gibt es eine etwas nebu­lö­se Infor­ma­ti­on sei­ner Mut­ter an die Devi­sen­stel­le Frank­furt. Im März 1940, als sie wie­der ein­mal eine Ver­mö­gens­er­klä­rung hat­te abge­ben müs­sen, bat sie dar­um, ihr einen Frei­be­trag von 500 RM zu gewäh­ren, da sie neben den Kos­ten für ihre pfle­ge­be­dürf­ti­ge Toch­ter, auch ihrer Schwie­ger­toch­ter und deren Kind einen monat­li­chen Bei­trag zum Lebens­un­ter­halt über­wei­sen müs­se. Von Paul Ter­hoch ist nicht bekannt, dass er über­haupt ver­hei­ra­tet war. Es müss­te sich daher bei der Ange­spro­che­nen ver­mut­lich um die Frau von Erich han­deln, die aber damals offen­sicht­lich noch in Deutsch­land leb­te – andern­falls wäre eine sol­che Geld­über­wei­sung nicht mög­lich gewe­sen –, wäh­rend ihr Ehe­mann, wie Emma Ter­hoch aus­drück­lich erwähnt, sich im Aus­land befand. In den Ent­schä­di­gungs­ak­ten gibt es allein die­sen Hin­weis auf die Ehe­frau von Erich.

Der ein­zi­ge Hin­weis auf Erichs Frau Edith Zita, geb, Gold­farb
HHStAW 518 38281 I (95)

Es han­del­te sich um Edith Zita, gebo­re­ne Gold­farb, die am 6. Juni 1911 an einem nicht bekann­ten Ort gebo­ren wur­de.[102] Auch lie­gen kei­ne Infor­ma­tio­nen dar­über vor, ob es sich bei dem genann­ten Kind um ein gemein­sa­mes oder um eines aus einer frü­he­ren Bezie­hung von Edith Ter­hoch han­del­te. Viel spricht für Letz­te­res, denn die Schwie­ger­mut­ter spricht mit Bezug auf die Schwie­ger­toch­ter expli­zit von „deren“ Kind. Auch ist die­ser Nach­kom­me im spä­te­ren Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren nicht mehr erwähnt. Wann und wo die Ehe­schlie­ßung statt­ge­fun­den hat­te, ob noch in Deutsch­land oder in Frank­reich, und wann Edith Ter­hoch selbst auch nach Frank­reich ging, ist eben­falls nicht bekannt.

Wie auch immer sie dort hin­ge­lang­te, spä­tes­tens 1942, wahr­schein­lich aber frü­her, war Erich in Beglei­tung sei­ner Frau. Als näm­lich dann 1942 die Raz­zi­en nach Juden auch in dem unbe­setz­ten Frank­reich began­nen, flüch­te­te er – wie er schreibt – zusam­men mit sei­ner Frau wei­ter in die etwa 80 km nörd­lich und nicht weit von der schwei­ze­ri­schen Gren­ze und Genf gele­ge­ne Stadt Anne­cy, eine Stadt, in der aller­dings der Kampf zwi­schen der Resis­tance und den fran­zö­si­schen Faschis­ten beson­ders hef­tig tob­te. „Unter men­schen­un­wür­di­gen Bedin­gun­gen“, wie er im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren angab, habe er dort die Zeit bis zur Befrei­ung Ende August 1944 ver­bracht. Aus­ge­stat­tet mit fal­schen Papie­ren auf die Namen Emi­le und Suzan­ne Tis­sot hat­te das Paar abwech­selnd bei den Fami­li­en Mar­co und Gamonet die Zeit der Ille­ga­li­tät über­stan­den.[103] Letz­te­re war eine selbst völ­lig ver­arm­te Fami­lie mit vier Kin­dern, die in einem klei­nen Haus mit nur drei Zim­mern wohn­te und dem Ehe­paar Ter­hoch nur nachts einen der klei­nen Räu­me zum Schla­fen zur Ver­fü­gung stel­len konnte:
Er führ­te wei­ter aus, dass sie wäh­rend des Tages „über­haupt kei­ne Moeg­lich­keit hat­ten, uns zu iso­lie­ren und immer mit die­ser armen kin­der­rei­chen Fami­lie zusam­men­sein muss­ten. Wir hat­ten kei­ne Lebens­mit­tel­kar­ten. Ich konn­te nicht arbei­ten, besass kei­ner­lei Ver­mö­gen. Mei­ne Frau und ich erhiel­ten von der Fami­lie Gamonet das Aller­not­wen­digs­te zum Leben, die selbst nicht genug hat­te, und wenn wir die Fami­lie G. ueber die mate­ri­el­len Schwie­rig­kei­ten des Lebens sowie dar­über kla­gen hoer­ten, dass sie ihren Kin­dern nicht genug zu essen zu geben haet­ten, dann erklaer­ten mei­ne Frau und ich sehr haeu­fig, kei­nen Hun­ger zu haben, nur weil wir der Fami­lie G. das Essen nicht neh­men woll­ten und wir befuerch­ten muss­ten, dass sie uns, durch eige­ne Not getrie­ben, das kaerg­li­che Obdach, das sie uns gewaehr­ten, ver­wei­gern koenn­ten. Im ueb­ri­gen leb­te ich bei die­ser Fami­lie, ohne auf die Stras­se zu gehen.
Mein Leben waeh­rend die­ser Zeit war nicht nur men­schen­un­wuer­dig, son­dern auch haft­aehn­lich. Unge­faehr im Janu­ar 44 — an das genaue Datum kann ich mich nicht mehr erin­nern — konn­te und woll­te die Fami­lie GAMONET uns nicht mehr behal­ten, da sie befuerch­te­te, dass sie denun­ziert wird. Tat­saech­lich lag auch eine Denun­zia­ti­on vor. Ich weiss, dass kur­ze Zeit, nach­dem wir unser Obdach bei der Fami­lie GAMONET ver­las­sen hat­ten, die Gesta­po dort eine Haus­su­chung vornahm.“
Ähn­lich waren die Bedin­gun­gen bei der Fami­lie Mar­co, die ihnen eben­falls nur ein klei­nes, nicht beheiz­ba­res Zim­mer zur Ver­fü­gung stel­len konn­te.[104]

Nach dem Ende des Krie­ges nah­men Ter­hochs die fran­zö­si­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit an und eröff­ne­ten wie­der ihr frü­he­res Geschäft in Paris. Im Jahr 1946 muss ihnen noch ein Kind gebo­ren wor­den sein, denn im Ent­schä­di­gungs­an­trag vom August 1955 gibt Erich Ter­hoch an, ein Kind im Alter von acht­ein­halb Jah­ren zu haben.[105] Eben­falls ist in die­sem For­mu­lar ver­merkt, dass er ver­wit­wet sei.[106] Wann und wo sei­ne Frau starb, ist nicht bekannt. Er selbst ver­starb am 20. Febru­ar 1980 an einem Herz­an­fall in Paris.[107]

Auch wenn Hil­de sich durch ihre Flucht nach Süd­ame­ri­ka dem Zugriff des Hit­ler-Regimes gänz­lich ent­zie­hen konn­te, so war der Lei­dens­weg, der dort auf sie war­te­te, nicht min­der schlimm als der ihrer Brü­der. In jedem Fall dau­er­te er länger.
Wie bereits ange­merkt, gibt es kei­ne ver­läss­li­chen Anga­ben, schon gar kei­ne offi­zi­el­len Doku­men­te über die Ehe­schlie­ßung von Hil­de Ter­hoch und Ber­nard Baer. Sie muss aber um den Jah­res­wech­sel 1938/​39 im engen zeit­li­chen Zusam­men­hang mit der Über­fahrt nach Süd­ame­ri­ka erfolgt sein. Hil­de hat­te bei der Ana­mne­se ihrer Erkran­kung ange­ge­ben, zunächst von 1939 bis 1941 in La Paz gelebt zu haben. Dann sei man in das 4000 m hoch gele­ge­ne und etwa 30 km von der Haupt­stadt ent­fern­te Viacha gezo­gen, wo ihr Mann eine Anstel­lung als Vete­ri­när bei der boli­via­ni­schen Armee erhal­ten hat­te. Es war ein kar­ges Gehalt, das er für sei­ne Arbeit erhielt, wes­halb die Ver­mu­tung nahe liegt, dass er in Deutsch­land kein Stu­di­um als Tier­arzt absol­viert hat­te, son­dern eher prak­ti­sche Fer­tig­kei­ten als Vieh­händ­ler mit­brach­te. Da Hil­de wegen feh­len­der Sprach­kennt­nis­se selbst kei­ne Arbeit fand, muss­ten sie gemein­sam von die­sem dürf­ti­gen Ein­kom­men, mit dem sie nie das steu­er­pflich­ti­ge Limit erreich­ten, leben. Auch pri­va­te Tier­be­hand­lun­gen neben­bei konn­ten das Lebens­ni­veau kaum heben, zumal auch ihr Ehe­mann, bedingt durch die dor­ti­gen Lebens­um­stän­de, stän­dig erkrank­te. 1944 wur­de er ent­las­sen und mit dem Weg­fall des fes­ten Ein­kom­mens waren sie von da an aus­schließ­lich auf sol­che spo­ra­di­schen Ein­nah­men ange­wie­sen.[108]
Abge­se­hen von den kli­ma­ti­schen Ver­hält­nis­sen und der für Mit­tel­eu­ro­pä­er kaum aus­zu­hal­ten­den Höhen­la­ge des Ortes, führ­te der Kul­tur­schock gera­de bei Hil­de Baer zu einer wach­sen­den psy­cho­so­ma­ti­schen Kri­se. Wie sehr sie unter der Situa­ti­on, der Ver­lo­ren­heit in die­sem Ort litt, wird deut­lich, wenn sie im Rah­men der Ana­mne­se schreibt: „Ich lebe seit 20 Jah­ren in Viacha, Boli­vi­en, einem India­ner­dorf auf 4000 m Höhe. Mein Mann und ich sind die ein­zi­gen Euro­pä­er im Ort. Ich hat­te und habe zu Hil­fe im Haus­halt eine Wil­de (India­ne­rin), die weder lesen noch schrei­ben kann und auch kaum spa­nisch spricht.“ Sieht man ein­mal von dem chau­vi­nis­ti­schen Blick ab, mit dem die indi­ge­ne Bevöl­ke­rung wahr­ge­nom­men wird, eine Sicht­wei­se, die man in Brie­fen latein­ame­ri­ka­ni­scher Exi­lan­ten immer wie­der fin­det, dann spie­gelt sich in die­sen weni­gen Wor­ten den­noch wider, wel­chem zer­stör­ten Leben Hil­de Baer nach­trau­er­te. Weit ab von der bis­her gewohn­ten Zivi­li­sa­ti­on, ohne Geschäf­te und kul­tu­rel­le Mög­lich­kei­ten, sah sie sich in einer unver­schul­de­ten Ver­ban­nung. Hin­zu kam dann noch, dass sie 1954 von ihrem Ehe­mann ver­las­sen wur­de. Zu einer förm­li­chen Schei­dung kam es zwar nicht, aber die fol­gen­den Jah­re war sie dann völ­lig allei­ne, zumin­dest nahm sie es so wahr. „Es blei­be ihr“, so hat­te sie es gegen­über ihrem Arzt ein­mal for­mu­liert, „bei die­sen Ver­hält­nis­sen nichts ande­res übrig, als sit­zen zu blei­ben, wo sie sei, und auf ihr Ende zu war­ten“.[109]
Den Unter­la­gen ist nicht zu ent­neh­men, seit wann sie über das Schick­sal ihrer Mut­ter und Schwes­tern Bescheid wuss­te. Einen Kon­takt mit ihren Brü­dern in Frank­reich hat­te es all die Jah­re nicht gege­ben. Des­we­gen war sie in ihrer Abge­schie­den­heit auch nicht infor­miert wor­den, dass man in Deutsch­land inzwi­schen eine Gesetz­ge­bung zur Ent­schä­di­gung für die Opfer der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gewalt­herr­schaft ver­ab­schie­det hat­te, von der auch sie hät­te pro­fi­tie­ren kön­nen. Dies erfuhr sie erst 1956, zu einem Zeit­punkt, als sie sich nach der Tren­nung von ihrem Mann weder gesund­heit­lich noch finan­zi­ell in der Lage sah, eine Rei­se nach Deutsch­land anzu­tre­ten. Was sie nach eige­nen Anga­ben nicht wuss­te, war die Rege­lung, nach der die Bean­tra­gung sol­cher Leis­tun­gen zeit­lich befris­tet war. Mit ihrem Mann, der wäh­rend der Tren­nungs­zeit nach Deutsch­land gereist war, um sei­ne Ansprü­che dort durch­zu­set­zen, und inzwi­schen eine klei­ne Berufs­un­fä­hig­keits­ren­te bezog, leb­te sie ab 1958 wie­der zusam­men. Erst im Juli 1958, als Hil­de Baer sich gesund­heit­lich wie­der eini­ger­ma­ßen sta­bi­li­siert hat­te, fuhr auch sie dann selbst nach Deutsch­land, um eben­falls die ihr zuste­hen­de Ent­schä­di­gung ein­zu­for­dern. Zu die­sem Zeit­punkt war die Frist jedoch schon um eini­ge Mona­te  über­schrit­ten. Ihre Anträ­ge wur­den daher aus for­ma­len Grün­den immer wie­der abge­lehnt. Ver­zwei­felt schrieb sie Brie­fe an die Anwäl­te, die sich enga­giert für sie ein­setz­ten. Der fol­gen­de unda­tier­te Brief ist Aus­druck die­ser Ohn­macht ange­sichts der behörd­li­chen Kälte:

Brief von Hil­de Ter­hoch an ihren Anwalt
HHStAW 467 4701 (13)

“Sehr geehr­ter Herr v. Lovenberg!
Ihren Brief mit der bei­gefüg­ten Ent­schei­dung des Regie­rungs­prä­si­den­ten habe ich erhal­ten. Ich weiß nicht, was ich machen soll & bin völ­lig ver­zwei­felt. Bit­te ver­las­sen Sie mich jetzt nicht & hel­fen Sie mir wei­ter. Viel­leicht kön­nen Sie mit der Behör­de noch ein­mal spre­chen oder etwas ande­res unter­neh­men. Seit Anfang 1957 war ich völ­lig mit den Ner­ven her­un­ter, daß ich über­haupt nichts tun konn­te. Ich litt unter stän­di­gen Depres­sio­nen, die sich erst im Früh­jahr 1958 etwas bes­ser­ten. Außer­dem war und bin ich bis zum heu­ti­gen Tag herz­krank. Im Jah­re 1957 habe ich sogar des­we­gen ein 1/​2 Jahr im Bett zubrin­gen müs­sen. Glau­ben Sie mir, daß ich in der gan­zen Zeit ein­fach nicht in der Lage war, einen kla­ren Plan zu fas­sen & einen Brief zu schrei­ben. Viel­leicht tei­len Sie das dem Herrn Regie­rungsp. mit, damit er sei­nen Stand­punkt ändert. Ich habe in mei­nem Leben als Jüdin so viel mit­ge­macht und kei­ne Wie­der­gut­ma­chung erhal­ten, sicher lässt sich das Furcht­ba­re durch Geld nicht ent­schä­di­gen. Mir geht es, wie ich Ihnen schon schrieb, nur um eine klei­ne Ren­te, damit ich eine Exis­tenz habe, wenn ich die­ses Land verlasse.
Bei Ihnen, lie­ber Herr v. Loven­berg, bin ich in guten Hän­den & ver­traue ich auf Ihre Hil­fe.“
[110]

Die psy­chi­schen Lei­den, aber auch die finan­zi­el­le Not wur­den noch ein­mal grö­ßer, als ihr Ehe­mann am 17. August 1966 einem Herz­in­farkt erlag und sie nun wie­der völ­lig allei­ne war.[111]

In einem lan­ge andau­ern­den Ver­fah­ren, das durch alle Instan­zen bis zum Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­ho­fes ging und in dem die Fra­gen, ob die Krank­heit von Hil­de Baer tat­säch­lich eine eige­ne und recht­zei­ti­ge Initia­ti­ve in ihrer Ent­schä­di­gungs­sa­che unmög­lich gemacht hat­te, ob die Krank­heit als Fol­ge der Ver­trei­bung eben­falls als ent­schä­di­gungs­re­le­vant anzu­se­hen sei und ob sie in dem elter­li­chen Geschäft frü­her nach dem Tod des Vaters eine geho­be­ne Stel­lung als Geschäfts­füh­re­rin inne gehabt habe, behan­delt wur­den, kam letzt­lich im Jahr 1970 noch ein Ver­gleich zustan­de, in dem ihr pau­schal eine Sum­me von knapp 26.000 RM zuge­spro­chen wur­de.[112]

Inzwi­schen waren mehr als 40 Jah­re nach ihrer Flucht aus Deutsch­land und rund 15 Jah­re, nach­dem sie ihren Antrag gestellt hat­te, ver­gan­gen. Man kann nur hof­fen, dass sie nach all dem erfah­re­nen Leid wenigs­tens die­se finan­zi­el­le Ent­schä­di­gung in ihrer rest­li­chen Lebens­zeit – es han­del­te sich immer­hin um 25 Jah­re — noch ein wenig genie­ßen konn­te. In einem Brief, geschrie­ben im Jahr 1967 anläss­lich eines Besuchs ihrer Hei­mat­stadt im Zusam­men­hang mit dem Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren, notier­te sie aller­dings: „… woll­te ich die Nach­barn besu­chen, aber es war mir nicht mög­lich, denn es waren sehr trau­ri­ge Erin­ne­run­gen und ganz beson­ders, als ich das Haus mei­ner Eltern sah, glau­ben Sie mir, dass mir fast das Herz zer­sprang, aber es ist gesche­hen und was man ver­lo­ren hat, ist mit gar nichts wie­der gut­zu­ma­chen.“[113]

Im Som­mer 1972 besuch­te sie noch ein­mal Deutsch­land und ihre Hei­mat­stadt Beckum, um ihre frü­he­re Ange­stell­te Frie­da Lewald vor deren Tod im Jahr 1976 noch ein­mal zu sehen. Sie selbst ver­starb in den neun­zi­ger Jah­ren in ihrem letz­ten Wohn­ort Coch­abam­ba in Boli­vi­en.[114]

 

Das Schick­sal der übri­gen Mit­glie­der der Fami­lie Obermeyer 

Emma Ter­hoch, gebo­re­ne Ober­mey­er, die mit ihren bei­den Töch­tern in Sobi­bor ermor­det wur­de, war nicht das ein­zi­ge der Kin­der von Salo­mon und Rosa­lie Ober­mey­er, das dem Holo­caust zum Opfer fiel. Ob sie in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus und beson­ders in den Jah­ren ihres Auf­ent­halts in Wies­ba­den den Kon­takt zu ihrem Hei­mat­ort Bad Sal­zu­flen und ihrer dor­ti­gen Her­kunfts­fa­mi­lie auf­recht­erhal­ten konn­te, weiß man nicht. Viel­leicht wur­de ihr aber von Ver­wand­ten berich­tet, wie auch dort seit Beginn der Drei­ßi­ger­jah­re die brau­ne Pest die Bevöl­ke­rung des Städt­chens immer stär­ker infi­zier­te. Seit 1926 gab es dort eine NSDAP-Orts­grup­pe und deren Wahl­er­fol­ge in den kom­men­den Jah­ren lagen immer im Trend des gesam­ten Rei­ches. Ver­su­che der jüdi­schen Gemein­de, deren Mit­glie­der sich als Ange­hö­ri­ge des geho­be­nen Mit­tel­stan­des weit­ge­hend dem libe­ra­len Spek­trum der Wei­ma­rer Par­tei­en­land­schaft zuge­hö­rig fühl­ten, sich gegen die Ver­leum­dun­gen der Nazis zur Wehr zu set­zen, blie­ben lang­fris­tig erfolg­los. Eine damals ange­brach­te Tafel an der Syn­ago­ge, auf der die jüdi­schen Opfer des Ers­ten Welt­kriegs nament­lich genannt wur­den, dar­un­ter auch Wal­ter Ober­mey­er,[115] wur­de von der Het­ze des „Stür­mers“ über­tönt, der von einem nahe gele­ge­nen Zei­tungs­ki­osk der NSDAP ver­brei­tet wur­de. Mit­tels meter­gro­ßer Pla­ka­te for­der­te man schon vor 1933 den Aus­schluss von Juden aus dem Bade­be­trieb und rief zum Boy­kott jüdi­scher Geschäf­te auf.

Hitler 1933 in Bad Salzuflen
Hit­ler 1933 in Bad Sal­zu­flen
Mit Geneh­mi­gung des Stadt­ar­chivs Bad Salzuflen

Die Par­tei war gera­de in die­ser Regi­on beson­ders aktiv, soll­te doch der Wahl­sieg in dem recht klei­nen Frei­staat Lip­pe als Sprung­brett zur Erobe­rung der Macht in Ber­lin die­nen. Alle Gel­der, die die Par­tei nach dem Tref­fen Görings mit den füh­ren­den Indus­tri­el­len im Bank­haus Schroe­der ein­ge­sam­melt hat­te, wur­den in die­sen Wahl­kampf gewor­fen. Hit­ler und Goeb­bels hat­ten im Schloss des Barons von Oeyn­hau­sen Quar­tier bezo­gen und hiel­ten ihre kra­wal­li­schen Reden in mög­lichst vie­len der klei­nen Dör­fer und Städt­chen des Lan­des. Hit­ler selbst war am 14. Janu­ar 1933 nach Bad Sal­zu­flen gekom­men, um im Kur­haus vor sei­nen Anhän­gern Stim­mung zu machen.

Als der „Sieg“ errun­gen war, konn­te die Par­tei dann auch in Bad Sal­zu­flen qua­si amt­lich gegen die jüdi­schen Bür­ger und ihre Geschäf­te vor­ge­hen. Abge­se­hen von den neu­en Vor­schrif­ten der Ber­li­ner Regie­rung, wie dem lan­des­weit ange­ord­ne­ten Boy­kott am 1. April, wur­de es in Bad Sal­zu­flen den Juden schon früh ver­bo­ten, das Frei­bad zu besu­chen oder Immo­bi­li­en in bestimm­ten Stadt­ge­bie­ten zu erwer­ben. Selbst das Bege­hen bestimm­ter Stra­ßen im Kur­ge­biet wur­de ihnen unter­sagt. Den Vieh­händ­lern ver­wehr­te man die Teil­nah­me am ört­li­chen Vieh­markt – all das noch vor der Ver­ab­schie­dung der Nürn­ber­ger Geset­ze.[116] Wenn den­noch nur weni­ge der in Bad Sal­zu­flen leben­den Juden in die­ser Zeit den Schritt ins Exil wag­ten, so hat­te das ver­mut­lich einen wesent­li­chen Grund in der völ­lig über­al­ter­ten jüdi­schen Bevöl­ke­rung. Bezeich­nen­der­wei­se war seit 1933 dort kein jüdi­sches Kind mehr gebo­ren wor­den und die zumeist älte­ren Men­schen wag­ten nicht, in einem frem­den Land noch ein­mal einen Neu­an­fang zu versuchen.

Synagoge Bad Salzuflen
Die Syn­ago­ge Bad Sal­zu­flen (Fach­werk­haus)
Mit Geneh­mi­gung des Stadt­ar­chivs Bad Salzuflen

Als in ganz Deutsch­land am 9. Novem­ber die Syn­ago­gen brann­ten, blieb die­se in Bad Sal­zu­flen wegen der Gefähr­dung der umlie­gen­den Häu­ser zunächst vom Feu­er ver­schont und wur­de nur im Inne­ren demo­liert und ent­weiht. Mit dem Argu­ment, sie sei nun ein­sturz­ge­fähr­det, begann man dann drei Tage spä­ter mit ihrem Abriss.

Sieg­fried Ober­mey­er,[117] Emma Ter­hochs jün­ge­rer Bru­der, der der Gemein­de mit ihren knapp 80 Mit­glie­dern seit etwa zehn Jah­ren vor­stand, hat­te kei­ne Mög­lich­keit, das zu ver­hin­dern. Sei­ne Rol­le in der Gemein­de, die ihm sicher in die­sen Jah­ren zuneh­mend zur Last wur­de, ver­dank­te er nicht zuletzt der Stel­lung, die die Kauf­manns­fa­mi­lie seit Gene­ra­tio­nen in der Stadt innehatte.
Wann er sei­ne in Müns­ter gebo­re­ne Frau Ama­lia ehe­lich­te, ist nicht bekannt. Mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit ent­stamm­te die am 18. Juni 1895 gebo­re­ne Toch­ter von Lou­is und Doro­thea Schei­berg, gebo­re­ne Kauf­mann, aus der Fami­lie von Sieg­frieds Mut­ter, eben­falls eine gebo­re­ne Schei­berg, die auch in Müns­ter gebo­ren wor­den war und zuletzt eben­falls in Bad Sal­zu­flen leb­te. Ama­lia und Sieg­fried wur­den zwei Söh­ne gebo­ren, Ernst am 30. Juni 1920, Hans im Jahr 1928.[118]

Siegfried und Amalie Obermeyer
Sieg­fried und Ama­lie Ober­mey­er, geb. Schei­berg, 1939
Mit Geneh­mi­gung des Stadt­ar­chivs Bad Salzuflen

Nach 1933 und dann noch mehr nach Ver­ab­schie­dung der Nürn­ber­ger Geset­ze war der Nie­der­gang des tra­di­ti­ons­rei­chen Fami­li­en­un­ter­neh­mens in der Lan­gen Str. 39–41 nicht mehr auf­zu­hal­ten. Im Mai 1938 wur­de zunächst das Haus mit der Num­mer 39 in der Lan­gen Stra­ße ver­kauft, damals – noch vor der Pogrom­nacht – mit der Hoff­nung ver­knüpft, das Geschäft in dem ande­ren Haus wei­ter­füh­ren zu kön­nen. Mit dem Erlös konn­te auch das geschrumpf­te Ein­kom­men fürs Ers­te kom­pen­siert wer­den. Ange­sichts der nicht zu leug­nen­den wach­sen­den Bedro­hung brach­ten sie eini­ge Wochen vor dem Pogrom wenigs­tens den älte­ren, damals 18-jäh­ri­gen Sohn Ernst nach Hol­land in die Obhut sei­nes Onkels Gus­tav Schei­berg und damit zumin­dest vor­läu­fig in Sicherheit.

Hans Obermeyer
Hans Ober­mey­er bei sei­ner Ein­schu­lung 1934
Mit Geneh­mi­gung des Stadt­ar­chivs Bad Salzuflen

In der „Kris­tall­nacht“ wur­den sowohl das Wohn­haus der Eltern in der heu­ti­gen Brü­der­str. 26, wie auch das Geschäft in der Innen­stadt, ver­wüs­tet. Letz­te­res wur­de weni­ge Tage spä­ter von Amts wegen geschlos­sen und auch der jün­ge­re Sohn Hans muss­te die Ober­schu­le, die er bis­her besucht hat­te, ver­las­sen. Noch hoff­te die Fami­lie auf eine Chan­ce, der wei­te­ren Ver­fol­gung nach Eng­land ent­flie­hen zu kön­nen. Zu spät – näm­lich drei Tage vor Aus­bruch des Zwei­ten Welt­kriegs ging die Geneh­mi­gung ein, nach Groß­bri­tan­ni­en aus­rei­sen zu dür­fen. Kurz zuvor war Hans gera­de noch recht­zei­tig dank der finan­zi­el­len Hil­fe des Onkels in Hol­land, der für die Kos­ten einer pri­va­ten Inter­nats­schu­le in Has­le­me­re bei Lon­don bürg­te, mit einem Kin­der­trans­port nach Eng­land ent­kom­men. Der eigent­li­che Plan der Eltern, ihrem Sohn sofort zu fol­gen, hat­te sich mit dem Kriegs­aus­bruch erle­digt. Sie soll­ten sich nie wiedersehen.
Weil sie im Som­mer 1939 ihr Wohn­haus an einen ört­li­chen Gast­wirt ver­kauft hat­ten – der Erlös floss selbst­ver­ständ­lich auf ein gesi­cher­tes Kon­to –, muss­ten sie ab Sep­tem­ber in ihr ehe­ma­li­ges Geschäfts­haus Lan­ge Str. 41 zie­hen, das sich aber inzwi­schen die Stadt für 36.000 RM ange­eig­net und es zu einem Juden­haus umge­wan­delt hat­te. Neun der damals noch drei­zehn in Bad Sal­zu­flen leben­den Juden wur­den vor ihrer Depor­ta­ti­on dort ein­quar­tiert. Am 10. Okto­ber 1939 ver­lie­ßen Sieg­fried und Ama­lia Ober­mey­er ihre Hei­mat­stadt und zogen nach Her­ford. Von dort gelang ihnen am 16. April 1940 noch die Flucht nach Luxem­burg. Aber auch dies­mal waren sie zu spät, denn weni­ge Tage danach erfolg­te der Ein­marsch der deut­schen Trup­pen und sie gerie­ten wie­der in die Fän­ge ihrer Ver­fol­ger. Man brach­te sie in das zum Sam­mel­la­ger umge­wan­del­te Klos­ter Fünf­brun­nen, von wo sie  am 16. Okto­ber 1941 in das Ghet­to Litz­mann­stadt /​ Lodz über­stellt wur­den. Sieg­fried Ober­mey­er fiel dort am 16. Sep­tem­ber 1942, sei­ne Frau Ama­lia am 29. April 1944 den unmensch­li­chen Lebens­be­din­gun­gen im Ghet­to zum Opfer.[119]

Ernst Obermeyer
Ernst Ober­mey­er mit Juden­stern
https://​www​.unnel​.de/​U​n​n​e​l​/​p​i​0​5​/​p​i​0​5​_​3​5​8​.​jpg
Ernst Obermeyer
Kar­tei­kar­te von Ernst Ober­mey­er mit Depor­ta­ti­ons- und Ster­be­da­tum
https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​V​/​O​u​s​_​p​a​r​t​i​t​i​o​n​s​/​3​3​/​0​1​0​2​0​4​0​2​/​a​a​/​f​r​/​a​o​/​0​0​1​.​jpg

Auch für ihren Sohn Ernst erwies sich die Flucht nach Hol­land als Sack­gas­se. Auch er wur­de ver­haf­tet und in das hol­län­di­sche Sam­mel­la­ger Wes­ter­bork über­stellt, von wo er am 28. August 1942 nach Ausch­witz depor­tiert wur­de. Im Außen­la­ger Fürs­ten­gru­be, einem der gro­ßen Arbeits­la­ger in Ober­schle­si­en, in dem die Gefan­ge­nen im Koh­le­ab­bau schuf­ten muss­ten, kam er am 2. Janu­ar 1943 ums Leben.[120]
Auch sein Beschüt­zer Gus­tav Schei­berg ent­ging den deut­schen Besat­zern nicht. Nach sei­ner Gefan­gen­nah­me durch­lief er sogar vier ver­schie­de­ne Lager, bevor er dann am 24. Janu­ar 1945 in Dach­au ermor­det wur­de. Von Wes­ter­bork hat­te man ihn zunächst nach The­re­si­en­stadt, dann wei­ter nach Ausch­witz und von dort nach Dach­au gebracht, wo sein Lei­dens­weg kurz vor der Kapi­tu­la­ti­on des Nazi-Regimes ein Ende fand.[121] Sei­ne Frau Vera ging die­sen Weg mit ihm bis Ausch­witz, wo sie am 6. Okto­ber 1944 zu Tode kam.[122]

Nur zwei Mit­glie­der der Fami­lie Ober­mey­er aus Bad Sal­zu­flen über­leb­ten den Holo­caust. Hans hat­te in dem eng­li­schen Inter­nat kurz vor dem Ende des Krie­ges sei­ne Schul­aus­bil­dung been­den kön­nen und danach noch eini­ge Mona­te in Bir­ming­ham als Lehr­ling in einem Betrieb gear­bei­tet. In die­ser Zeit erfuhr er von dem Schick­sal sei­ner Eltern und dem sei­nes Bruders.

Julius Obermeyer
Ein­bür­ge­rungs­an­trag von Juli­us Ober­mey­er /​ Olney
https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​6​7​3​8​3​5​4​:​2​2​8​0​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​2​e​c​c​8​6​e​5​9​e​f​7​a​e​d​b​e​7​5​5​d​b​3​d​2​c​e​d​0​1​c​0​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​1​0​7​3​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce

Der zwei­te Über­le­ben­de war sein Onkel Juli­us Joseph Ober­mey­er, mit des­sen Hil­fe er 1947 in die USA aus­wan­dern konnte.
Die­ser war schon eini­ge Jah­re zuvor dort ange­kom­men. Sein Ein­bür­ge­rungs­an­trag, den er am 12. März 1941 stell­te, gibt einen vagen Ein­blick in sei­ne bis­he­ri­ge Lebens- und Flucht­ge­schich­te.[123] Wann er Bad Sal­zu­flen ver­las­sen hat­te, ist nicht bekannt, aber 1924 hei­ra­te­te der Kauf­mann in Ber­lin die berufs­lo­se Lil­li Lip­per, gebo­re­ne Katz, aus Gie­ßen. Für die am 5. Mai 1883 Gebo­re­ne und jetzt in Ber­lin Leben­de war es nicht die ers­te Ehe.[124] Juli­us Joseph selbst gab als sei­nen dama­li­gen Wohn­ort Den Haag in den Nie­der­lan­den an. Offen­sicht­lich ließ sich das Paar nach der Hoch­zeit dort auch nie­der, denn am 14. Sep­tem­ber 1927 wur­de dort ihr Sohn Robert gebo­ren. Die nächs­te Spur der Fami­lie auf ihrer Flucht vor den Nazis fin­det man in Mal­lor­ca. Ver­mut­lich waren sie nach dem Über­fall der deut­schen Trup­pen aus Hol­land geflo­hen und hat­ten in Spa­ni­en Zuflucht gesucht. Von Bil­bao aus, so ist dem Ein­bür­ge­rungs­an­trag zu ent­neh­men, gelang­ten sie am 25. Sep­tem­ber 1940 auf dem Schiff ‚Mar­ques de Comil­las’ nach New York.[125] Am 18. Juni 1946 wur­de dem Ein­bür­ge­rungs­an­trag statt­ge­ge­ben.[126] Die Fami­lie, die sich in Forest Hills im Staat New York nie­der­ließ, hat­te inzwi­schen den Fami­li­en­na­men Olney ange­nom­men. Juli­us Joseph Olney ver­starb am 12. Okto­ber 1953 in Queens im Staat New York.[127] Sei­ne Frau war bereits am 7. Janu­ar 1945 in New York ver­stor­ben.[128]

Juli­us Olney und sei­ne Fami­lie im Cen­sus von 1950
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Wie wenig ver­gan­gen, wie gegen­wär­tig die Ver­gan­gen­heit ist, zeigt das Schick­sal der Fami­lie von Emmas jün­ge­rem Bru­der Adolf Abra­ham Alex Obermeyer.
Wann Adolf Ober­mey­er sei­ne Hei­mat­stadt Bad Sal­zu­flen ver­las­sen hat­te, um in einer grö­ße­ren Stadt im Umland eine beruf­li­che Kar­rie­re zu machen, wel­che Aus­bil­dung er dazu mit­brach­te, konn­te nicht in Erfah­rung gebracht wer­den. Am 1. Sep­tem­ber 1911 ehe­lich­te er Elsa Blan­ken­burg, gebo­ren am 12. April 1886 in Apler­beck bei Dort­mund, wo auch die Hoch­zeit statt­fand.[129]

Else und Adolf Ober­mey­er
https://​www​.insta​gram​.com/​p​/​C​M​S​Y​F​m​N​l​8​iX/
Adolf und Else Ober­mey­er mit ihren bei­den Töch­tern Inge und Ruth in Meran
Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung durch Bea­tri­ce Stresemann

Die ers­te Toch­ter des Paa­res, Ruth Sen­ta, wur­de am 20. Juni 1912 in Her­ford gebo­ren,[130] wo die Fami­lie sich zuvor schon nie­der­ge­las­sen hat­te. Bereits im Jahr 1910 war Adolf Ober­mey­er näm­lich als Mit­in­ha­ber in die ‚Her­for­der Süß­rahm-Mar­ga­ri­ne­fa­brik Jursch & Schwa­ke’ ein­ge­tre­ten, nach­dem der Grün­der Jursch sich im glei­chen Jahr aus dem Unter­neh­men zurück­ge­zo­gen hat­te.[131] Unter der Ägi­de von Adolf Ober­mey­er begann das Unter­neh­men, beson­ders in der Zeit nach dem Ers­ten Welt­krieg, zu flo­rie­ren. Man inves­tier­te in die neu­es­ten Maschi­nen und mehr als fünf­zig Arbei­ter und Ange­stell­te ver­dien­ten sich in die­sen Jah­ren in der Fir­ma Lohn und Brot. Nach dem Krieg wur­de dem Ehe­paar Ober­mey­er am 4. März 1920 noch eine wei­te­re Toch­ter gebo­ren, die den Namen Inge erhielt.[132]

Die Vil­la der Fami­lie Ober­mey­er am Lüb­ber­tor­wall 18 in Her­ford
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stolpersteinlage_Herford_L%C3%BCbbertorwall_18.JPG

Dass der Erfolg der Fir­ma auch im pri­va­ten Lebens­stil der Fami­lie sei­nen Nie­der­schlag fand, ist an der Vil­la am Lüb­ber­tor­wall 18 zu erken­nen, die in ihrem Besitz war und von ihr auch bewohnt wur­de. Das Haus war zugleich ein Ort der Begeg­nung, wo Fes­te gefei­ert wur­den und die Ehe­frau Else, eine aus­ge­bil­de­te Pia­nis­tin, Haus­kon­zer­te gab.
Die Kin­der besuch­ten die Höhe­re Töch­ter­schu­le der Stadt, und nach einer glück­li­chen Kind­heit, in der sie mit ihren Eltern vie­le Rei­sen unter­nah­men, hat­ten sie bei­de eigent­lich eine glän­zen­de Kar­rie­re vor Augen – wären da nicht die Nazis an die Macht gekom­men.[133]

Schon 1925 hat­te sich in Her­ford eine NSDAP-Orts­grup­pe gebil­det, die sofort mit ihrer anti­se­mi­ti­schen Agi­ta­ti­on gegen die jüdi­schen Bür­ger begann, die 1933 etwa 200 der ins­ge­samt 38000 Ein­woh­ner stell­ten. Um der übli­chen Ver­leum­dung, Juden sei­en aso­zi­al und „Blut­sauger am deut­schen Volk“, etwas ent­ge­gen­zu­set­zen, spen­de­te Adolf Ober­mey­er 1934 einen gro­ßen Geld­be­trag, um damit den Bau eines Frei­ba­des zu ermög­li­chen. Die Bedin­gung, dass die­ses auch für jüdi­sche Besu­cher offen­blei­ben müs­se, wur­de zwar zunächst zuge­sagt, blieb dann aber eben­so uner­füllt, wie die For­de­rung des Spen­ders, ihm unter die­sen Bedin­gun­gen das Geld wie­der zurück­zu­ge­ben. Die eige­nen Töch­ter durf­ten somit das Bad, das ihr Vater wesent­lich finan­ziert hat­te, nicht mehr besuchen.

Inge und ihr Vater Adolf Obermeyer
Inge und ihr Vater Adolf Ober­mey­er
Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Bea­tri­ce Stre­se­mann

Aber viel bedeut­sa­mer war, dass Inge 1936 ihre bis­he­ri­ge Schu­le ver­las­sen muss­te, was die Kon­se­quenz mit sich brach­te, dass sie ihren eigent­li­chen Berufs­wunsch, Ärz­tin zu wer­den, nicht mehr rea­li­sie­ren konn­te. Statt­des­sen ging sie im Mai 1936 an eine jüdi­sche Mäd­chen­schu­le im bay­ri­schen Wolfrats­hau­sen, die auch ihre Schwes­ter zuvor in den Jah­ren 1929/​30 besucht hat­te.[134] Ursprüng­lich bestand das Schul­ziel dar­in, jüdi­sche Mäd­chen mit den ritu­el­len Regeln einer jüdi­schen Haus­halts­füh­rung ver­traut zu machen. Nach 1933 über­nahm sie zuneh­mend die Funk­ti­on, die Mäd­chen auf ihre Aus­wan­de­rung, beson­ders nach Paläs­ti­na, die Hachs­cha­ra, vor­zu­be­rei­ten. Es gibt aber kei­ne Hin­wei­se dar­auf, dass auch Inge beab­sich­tig­te, nach Paläs­ti­na zu gehen. Sie besuch­te statt­des­sen anschlie­ßend ab Mai 1938 noch eine jüdi­sche Han­dels­schu­le in Ber­lin. Von da kam sie am 11. Dezem­ber 1938 wie­der zurück ins Elternhaus.
Ihre Schwes­ter Ruth hat­te 1933 noch einen Abschluss als staat­lich geprüf­te Diät­as­sis­ten­tin machen kön­nen. 1936 hei­ra­te­te sie den am 5. Janu­ar 1905 in Ber­lin gebo­re­nen Heinz Rothe.[135]

Inge Obermeyer
Pla­kat zu Inge Ober­mey­er aus der Aus­stel­lung ‚ Her­for­de­rin­nen aus Wolf­arts­hau­sen’ der Gedenk­stät­te Zel­len­trakt, Her­ford.
https://​www​.zel​len​trakt​.de/​d​o​w​n​l​o​a​d​s​/​m​a​t​e​r​i​a​l​i​e​n​/​A​u​s​s​t​e​l​l​u​n​g​_​O​a​s​e​_​D​o​k​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​_​_​d​e​r​_​A​u​s​s​t​e​l​l​u​n​g​s​b​a​n​n​e​r​.​pdf

Zu die­ser Zeit hat­te sich die Situa­ti­on für die Juden in Her­ford schon beträcht­lich ver­schärft. Dort war­te­te man mit dem Anzün­den der Syn­ago­ge nicht bis 1938, hier war sie schon 1934 erst­mals in Brand gesetzt wor­den. Was damals noch erhal­ten geblie­ben war, wur­de dann wäh­rend des Novem­ber­po­groms 1938 end­gül­tig zer­stört, dar­un­ter auch die Orgel, die die Got­tes­diens­te der libe­ra­len Gemein­de bis­her musi­ka­lisch beglei­tet hat­te. Als man sich kei­nen bezahl­ten Orga­nis­ten mehr leis­ten konn­te, über­nahm Elsa Ober­mey­er die­se Auf­ga­be. Sie lei­te­te auch den Chor, in dem die gan­ze Fami­lie mit­sin­gen muss­te, wie Inge Wolf sich spä­ter erin­ner­te.[136]

Wer­bung der Mar­ga­ri­ne-Fabrik ‘Jursch & Schwake’

Die Rui­ne der Syn­ago­ge muss­te die Jüdi­sche Gemein­de auf eige­ne Kos­ten besei­ti­gen und das Grund­stück völ­lig unter Wert an die Stadt ver­kau­fen. Aber auch Geschäf­te wur­den zer­stört und die Wohn­häu­ser stadt­be­kann­ter Juden, wie die Vil­la von Adolf Ober­mey­er, wur­den ange­grif­fen. Bald dar­auf muss­te er das schö­ne, gro­ße Haus ver­kau­fen und zuse­hen, wie es zu einem Juden­haus umge­wan­delt wur­de. Die davor­lie­gen­den acht Stol­per­stei­ne zeu­gen davon, zu was für einem Ort des Lei­dens die­ses ein­mal so mit Leben erfüll­te Haus unter den Nazis wur­de.[137] Adolf Ober­mey­er selbst wur­de kurz­fris­tig im Her­for­der Poli­zei­ge­fäng­nis inhaf­tiert, aber nach weni­gen Tagen wie­der frei­ge­las­sen. Sei­nen Anteil an der Mar­ga­ri­nen­fa­brik muss­te er im Gefol­ge des „Geset­zes zum Aus­schluss der Juden aus dem Wirt­schafts­le­ben“ 1938 ver­äu­ßern. Der Anteil wur­de von sei­nem bis­he­ri­gen Kom­pa­gnon übernommen.

Elsa Ober­mey­er, geb. Blan­ken­burg
Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Bea­tri­ce Stresemann

Im fol­gen­den Jahr stell­ten Adolf und Elsa Ober­mey­er einen Aus­rei­se­an­trag, aber Adolf sah sich zum Schluss wegen einer schwe­ren Erkran­kung nicht mehr in der Lage, den Plan tat­säch­lich aus­zu­füh­ren. Er ver­starb kurz bevor die Juden aus Her­ford depor­tiert wur­den, am 20. April 1942, [138] und ent­kam so der Tor­tur einer Depor­ta­ti­on. Sei­ne Frau Elsa, die nach dem Tod ihres Man­nes am 11. Mai noch in die Geh­ren­berg­str. 12 umzie­hen muss­te, wur­de von dort am 8. Juli zunächst nach Bie­le­feld gebracht. Der Gast­hof ‚Kyff­häu­ser’ am Kes­sel­ring dien­te als Sam­mel­stel­le für die min­des­tens 74 aus dem Gesta­po­be­zirk Bie­le­feld aus­ge­wähl­ten Opfer, denen dort noch vor der Abfahrt die letz­ten Hab­se­lig­kei­ten abge­presst wurden.

Am 10. Juli 1942 ver­ließ der Zug den Bahn­hof, um sei­ne Insas­sen angeb­lich zum „Arbeits­ein­satz Ost“ zu brin­gen. Lan­ge Zeit war in der For­schung nicht bekannt, wel­ches Ziel der Trans­port damals tat­säch­lich hat­te, denn den Insas­sen war weni­ge Tage vor ihrer Abfahrt mit­ge­teilt wor­den, sie wür­den nach War­schau in das dor­ti­ge Ghet­to gebracht wer­den.[139] Der wahr­schein­li­che Ver­lauf der Fahrt ließ sich inzwi­schen anhand von Post­kar­ten rekon­stru­ie­ren, die eini­ge der Mit­fah­ren­den aus dem Zug wer­fen oder in Bahn­hö­fen frem­den Pas­san­ten über­ge­ben konn­ten. Neben guten Wün­schen und Grü­ßen an ihre Lie­ben zu Hau­se, ent­hiel­ten sie auch kur­ze Infor­ma­tio­nen über den bis­he­ri­gen Rei­se­weg. Aller­dings stam­men die letz­ten Lebens­zei­chen vom 12. Juli. Eigen­ar­ti­ger­wei­se wur­den sol­che Aktio­nen die­ses Mal vom Wach­per­so­nal gedul­det, wäh­rend sie bei ande­ren Trans­por­ten mit sofor­ti­ger Erschie­ßung geahn­det wur­den. Von Elsa Ober­mey­er exis­tiert eine sol­che Nach­richt aller­dings nicht.[140]

‘Page of Tes­tim­o­ny’ für Else Ober­mey­er von ihrer Toch­ter Inge in Yad Vas­hem
https://namesfs.yadvashem.org/YADVASHEM///NEW_APP/200503131028_294_7883/278.jpg

Sicher ist, dass der Zug am 11. Juli Ham­burg erreich­te und noch wäh­rend der Nacht wei­ter nach Ber­lin fuhr. Unter­wegs wur­de er immer wie­der ange­hal­ten, um wei­te­re Depor­ta­ti­ons­op­fer auf­zu­neh­men. Auf einer der Kar­ten heißt es: „Wir hal­ten, & wie­der bestei­gen hun­der­te Gefähr­ten die­sen unend­lich lan­gen Zug.“[141] Über Reis­dorf, Bres­lau und Oppeln näher­te sich der Zug all­mäh­lich sei­nem ver­mut­lich eigent­li­chen Ziel: Ausch­witz. Das gaben nach dem Krieg dama­li­ge Bahn­be­am­te aus Ham­burg zu Pro­to­koll, und auch in Ber­lin hat­ten Ange­hö­ri­ge erfah­ren, dass ihre Ver­wand­ten dort­hin ver­bracht wor­den waren.[142] Auch konn­te dort eine Depor­ta­ti­ons­lis­te auf­ge­fun­den wer­den, die den hand­schrift­li­chen Ver­merk „Trans­port vom 11. Juli 1942 zu Ham­burg nach Ausch­witz“ ent­hält. Wann die­se Notiz geschrie­ben wur­de, ob 1942 oder erst nach dem Krieg, und wer der Urhe­ber war, ist aller­dings nicht bekannt. Auch konn­ten in Ausch­witz von kei­nem der Depor­tier­ten Unter­la­gen, etwa Regis­trie­rungs­num­mern oder Kran­ken­ak­ten, gefun­den wer­den, die als wei­te­res Indiz her­an­ge­zo­gen wer­den könn­ten. Unter dem rie­si­gen Berg von Kof­fern, die inzwi­schen im Muse­um von Ausch­witz aus­ge­stellt sind, ent­deck­te man aber einen, der dem Ham­bur­ger Arzt Bern­hard Aron­sohn gehör­te. Sein Name steht auch auf der Ham­bur­ger Depor­ta­ti­ons­lis­te vom 11. Juli 1942. Er war also in die­sem Zug, der ver­mut­lich am 14. Juli an der bekann­ten Ram­pe des Lagers ein­fuhr, auf der Men­ge­le nor­ma­ler­wei­se sei­ne Selek­ti­on vor­nahm. Eine sol­che fand in die­sem Fall aber ver­mut­lich nicht mehr statt. Die Insas­sen wur­den mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit unmit­tel­bar aus dem Zug in die Gas­kam­mern getrie­ben. Es han­del­te sich, so neh­men die Autoren der Recher­che an, um den ers­ten Fami­li­en­trans­port aus dem Kern­ge­biet des Deut­schen Rei­ches in das neue ‚Zen­trum der Mas­sen­ver­nich­tung’, bei dem alle unmit­tel­bar nach ihrer Ankunft mit Zyklon B bes­tia­lisch umge­bracht wur­den.[143] Der Todes­tag von Elas Ober­mey­er wur­de spä­ter auf den 31. Juli 1942 fest­ge­legt.[144] Eine Gedenk­ta­fel vor dem Bie­le­fel­der Bahn­hof erin­nert heu­te nament­lich an die Men­schen, die damals den Zug bestei­gen mussten.

Inge (l) und Ruth ® Ober­mey­er
Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Bea­tri­ce Stresemann

Aber wenigs­tens gelang es den bei­den Töch­tern von Adolf und Elsa Ober­mey­er, noch aus Deutsch­land aus­zu­rei­sen und sogar einen siche­ren Ort zum Über­le­ben zu finden.
Inge ver­ließ das Land am 4. Mai 1939 in Rich­tung Eng­land, wo sie sich als Haus­an­ge­stell­te ihren Lebens­un­ter­halt ver­dien­te. Mit einem Visum für die USA konn­te sie dann am 15. Janu­ar 1941 auch den unsi­che­ren euro­päi­schen Kon­ti­nent ver­las­sen. 1945 hei­ra­te­te sie Wil­liam Wolff, einen 1904 gebo­re­nen Emi­gran­ten aus Bad Oyen­hau­sen. In ihrer Ehe wur­de eine Toch­ter gebo­ren, die den Namen Susan­ne /​ Suzie erhielt. Seit 1996 leb­ten die Eltern in einem Alters­heim in Vir­gi­nia, wo Wil­liam Wolff im Jahr 1999 ver­starb. Wann Inge Wolff ihre letz­te Ruhe fand, ist nicht bekannt.[145]
Ruth war mit ihrem Ehe­mann bald nach der Hoch­zeit nach Hol­land aus­ge­wan­dert, wo sie eine klei­ne Tex­til­fa­brik besa­ßen, die u.a. für ‚C&A’ pro­du­zier­te. „Wir hat­ten ein schö­nes Leben, bis zum Ein­fall der Deut­schen in die Niederlande1942“, sag­te ihr Sohn Har­ry, der am 28 Okto­ber 1937 in Ams­ter­dam gebo­ren wor­den war, bei einer außer­ge­wöhn­li­chen Ver­an­stal­tung in einem Jugend­ge­fäng­nis, bei der die Gefan­ge­nen mit ihm als einem Über­le­ben­den des Holo­caust zusam­men­tra­fen und ihn befra­gen konn­ten.[146] Zwei Jah­re nach Har­ry kam am 29. Janu­ar 1939 sei­ne Schwes­ter Bea­tri­ce zu Welt.[147] Die Eltern hat­ten sich inzwi­schen getrennt und Ruth gab ihre bei­den Kin­der, als die Situa­ti­on für Juden auch in Hol­land immer bedroh­li­cher wur­de, in die Obhut einer jüdi­schen Orga­ni­sa­ti­on, die die­se wie­der­um an eine nie­der­län­di­schen Fami­lie ver­mit­tel­te, bei der die bei­den kos­ten­los und als jüdi­sche Kin­der uner­kannt und frei leben konn­ten. Sie selbst ver­barg sich bei einer Quä­ker­fa­mi­lie auf dem Land. Weder wuss­te die Mut­ter in die­ser Zeit, wo die Kin­der leb­ten, noch wuss­ten die­se, wo ihre Mut­ter sich ver­steckt hielt. Vor­sicht ver­bot jeg­li­chen Kon­takt miteinander.
Aber die Sicher­heit der Kin­der war trü­ge­risch. Es waren Nach­barn, die die bei­den ver­rie­ten und sie, Har­ry sie­ben und Bea­tri­ce fünf Jah­re alt, damit in das berüch­tig­te Sam­mel­la­ger Wes­ter­bork brach­ten. Die Mut­ter hat­te weder von der Ver­haf­tung ihrer Kin­der, noch von dem anschlie­ßen­den Trans­port nach Deutsch­land etwas erfah­ren. Von Wes­ter­bork beför­der­te sie ein Zug, in dem es einen beson­de­ren Wag­gon mit 51 Kin­dern gab, in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ber­gen-Bel­sen. Nur 50 kamen dort an, das jüngs­te war unter­wegs ver­stor­ben. Vier Wochen blie­ben sie dort, um dann anschlie­ßend nach The­re­si­en­stadt ver­bracht zu wer­den. Dort gab es einen spe­zi­el­len Bereich für Kin­der, in dem die­se von ande­ren, zumeist weib­li­chen jüdi­schen Gefan­ge­nen betreut und die älte­ren sogar heim­lich unter­rich­tet wur­den.[148] Natür­lich haben Bea­tri­ce und ihr Bru­der Har­ry heu­te nur noch vage Erin­ne­run­gen an die­se Zeit, die sie als klei­ne Kin­der durch­le­ben muss­ten. Was Bea­tri­ce Rothe, heu­te ver­wit­we­te Stre­se­mann, aber unver­ges­sen blieb, ist der all­täg­lich erlit­te­ne Hun­ger. Täg­lich gab es einen Blech­tel­ler mit einer dün­nen Run­kel­rü­ben­sup­pe, bei der die Rüben aber völ­lig unge­nieß­bar waren.
Nach der Befrei­ung ver­sorg­te man die bei­den Kin­der, die im Lager immer zusam­men­blei­ben konn­ten, zunächst in einem Camp der Kana­di­er und Ame­ri­ka­ner mit Lebens­mit­teln. Mit einem Jeep wur­den sie anschlie­ßend dann nach Hol­land zu ihrer Mut­ter gebracht, die die Namen ihrer Kin­der in ver­öf­fent­lich­ten Lis­ten von KZ-Über­le­ben­den gefun­den hatte.
1947 zogen sie dann gemein­sam zurück nach Her­ford. Aber es waren schwie­ri­ge Jah­re für die Kin­der, die kaum Deutsch spra­chen und schu­li­sche Defi­zi­te mit­brach­ten. Sowohl von den Mit­schü­lern, aber noch mehr von den Leh­rern, die zum gro­ßen Teil wei­ter­hin Anhän­ger des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Regimes waren, wur­den sie abge­lehnt und die jün­ge­re Bea­tri­ce auch drang­sa­liert. Dann wur­den sie wegen des Man­gels an Wohn­raum auch noch erneut von ihrer Mut­ter getrennt und in Hei­men unter­ge­bracht. Die Vil­la der Fami­lie war noch von ande­ren Bewoh­nern besetzt und wur­de erst spä­ter zurück­er­stat­tet. Am 14. Sep­tem­ber 1960 starb Ruth Rothe mit nur 48 Jah­ren bei einem Besuch im nie­der­län­di­schen Alk­maar.[149]

Wenn Har­ry Rothe, der Enkel von Adolf Ober­mey­er und – nicht zu ver­ges­sen – der Groß­nef­fe von Emma Ter­hoch, spä­ter der lang­jäh­ri­ge Vor­sit­zen­de der jüdi­schen Gemein­de Her­ford wur­de und in die­ser Funk­ti­on das Auf­blü­hen der Gemein­de beglei­te­te, den Neu­bau einer Syn­ago­ge initi­ier­te und als Zeit­zeu­ge vie­le Gesprä­che in Schu­len und an so beson­de­ren Orten wie einem Gefäng­nis führ­te, wenn man ihm dann 2012 auch noch die Bun­des­ver­dienst­me­dail­le über­reicht, dann möch­te man glau­ben, dass jüdi­sches Leben in Deutsch­land tat­säch­lich wie­der einen Platz hat und die Ver­gan­gen­heit end­lich über­wun­den ist. Wenn man aber dann in der Lau­da­tio des Land­rats Manz hören muss, dass „sei­ne“ – die von Har­ry Rothe – „Ver­läss­lich­keit, sei­ne Auf­ge­schlos­sen­heit und Tole­ranz die Vor­aus­set­zun­gen dafür gewe­sen (sei­en), dass in Her­ford und im Kreis Lip­pe wie­der jüdi­sches Leben mög­lich wur­de“,[150] dann hät­te es jedem Zuhö­rer mul­mig wer­den müs­sen, denn genau sol­ches Reden trans­por­tiert die über­kom­me­nen Schuld­zu­wei­sun­gen: Wenn Juden „ver­läss­lich“, „auf­ge­schlos­sen“ und „tole­rant“ sind, dann dür­fen sie unter „uns Deut­schen“ leben, wenn nicht, dann … ? Dass es Anti­se­mi­tis­mus gibt, ist in die­ser Logik kein Pro­blem der Mehr­heits­ge­sell­schaft, son­dern eines der Juden selbst. Es ist das alte, hin­läng­lich bekann­te Mus­ter, mit dem anti­se­mi­ti­sches Den­ken im phi­lo­se­mi­ti­schen Gewan­de daherkommt.
Offen­sicht­lich tei­len aber nicht alle Bewoh­ner von Her­ford die­se „tole­ran­te“ Hal­tung des Land­rats gegen­über den Juden, der ihnen immer­hin noch eine Chan­ce zum fried­li­chen Zusam­men­le­ben ein­räumt. Aus­ge­rech­net die Gedenk­pla­ket­te, die auf Initia­ti­ve der Zivil­ge­sell­schaft in Her­ford vor dem ehe­ma­li­gen Haus von Adolf Ober­mey­er im April 2008 ver­legt wor­den war, wur­de im März 2015 her­aus­ge­ris­sen und gestoh­len.[151] Bis heu­te ist sie nicht wie­der auf­ge­taucht und muss­te daher durch eine neue ersetzt wer­den. Gemeint war frei­lich nicht die Pla­ket­te, son­dern die Men­schen selbst woll­ten die Täter ver­schwin­den las­sen. Erschro­cken muss man immer wie­der zur Kennt­nis neh­men, wie gegen­wär­tig die Ver­gan­gen­heit noch ist, nicht nur in Herford.

 

 

Ver­öf­fent­licht: 20. 01. 2023

 

 

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Anmer­kun­gen:

[1] Geburts­re­gis­ter Bad Sal­zu­flen 1 /​ 1880. Die Schreib­wei­se des Namens Ober­mey­er ist in den ver­schie­de­nen Doku­men­ten nicht ein­heit­lich. Oft fin­det man Ober­mei­er, mit­un­ter auch Ober­may­er. Hier wird durch­gän­gig die in den Geburts­re­gis­tern ver­wen­de­te Schreib­wei­se mit „y“ ver­wen­det, wenn­gleich in zitier­ten Doku­men­ten anders ver­fah­ren wurde.
Es ist rat­sam, den fol­gen­den Stamm­baum mit der rech­ten Maus­tas­te in einem eige­nen Tab zu öff­nen, um sich so leich­ter in dem gro­ßen Fami­li­en­ver­bund ori­en­tie­ren zu können.

[2] Rau, Bei­trä­ge zur jüdi­schen Geschich­te, S. 5.

[3] His­to­ri­sches Hand­buch der jüdi­schen Gemein­schaf­ten in West­fa­len und Lip­pe, S. 202.

[4] Die fol­gen­den genea­lo­gi­schen Anga­ben zu den Lebens­da­ten der Kin­der beru­hen zum einen auf Aus­künf­ten des Stadt­ar­chivs Bad Sal­zu­flen, zum ande­ren auf einer umfas­sen­den Recher­che von Bernd Alt­hof, sie­he http://​www​.unnel​.de/, (Zugriff: 20.01.2023), die als sehr ver­läss­lich ange­se­hen wer­den muss, da die Daten mit umfang­rei­chen Quel­len­an­ga­ben fun­diert sind. (Der Name Ober­mey­er ist bei ihm durch­gän­gig mit „ei“ geschrieben.)
Salo­mo Levi Ober­mey­er, der einen Vater namens Levi Abra­ham hat­te, war am 18.7.1760 in Sal­zu­flen gebo­ren wor­den, wo er am 12.7.1842 ver­starb. Sei­ne Frau Rös­chen Joseph, gebo­ren 1774 in Hei­den, ver­starb am 21.3.1802 in Sal­zu­flen. Sein Sohn Joseph Salo­mo, gebo­ren am 2.8.1797, war der Vater von Salo­mon Ober­mey­er, dem Vater von Emma. Joseph Salo­mo war zwei­mal ver­hei­ra­tet. In der ers­ten Ehe mit Johan­ne Eit­zen­stein waren zunächst vier Kin­der gebo­ren wor­den, in der zwei­ten Ehe mit Rosi­ne Kra­mer dann noch ein­mal wei­te­re sie­ben, von denen Salo­mon, gebo­ren am 27.1.1844, das vier­te war. Joseph Salo­mon Ober­mey­er ver­starb am 20.11.1869, wann sei­ne 1807 in Hil­len­trup gebo­re­ne Frau Rosi­ne ver­starb, ist nicht bekannt.

[5] Mey­er, Wir Sal­zuf­ler Israe­li­ten, S. 23. Zur Geschich­te des Hau­ses sie­he auch https://​ilgab​bia​no​-davi​to​.de/​u​n​s​e​r​e​-​g​e​s​c​h​i​c​h​te/ (Zugriff: 20.01.2023).

[6] HHStAW 518 38281 I (34).

[7] Geburts­re­gis­ter Bad Sal­zu­flen 68 /​ 1878.

[8] Geburts­re­gis­ter Bad Sal­zu­flen 4 /​ 1882.

[9] Geburts­re­gis­ter Bad Sal­zu­flen 6 /​ 1883.

[10] Geburts­re­gis­ter Bad Sal­zu­flen 129 /​ 1885.

[11] Geburts­re­gis­ter Bad Sal­zu­flen 33 /​ 1889.

[12] Ein­trag auf ihrem Grab­stein, sie­he https://​www​.unnel​.de/​U​n​n​e​l​/​s​m​0​2​/​s​0​2​_​0​0​6​e​.​jpg. (Zugriff: 20.01.2023).

[13] Ebd.

[14] https://​www​.unnel​.de/​U​n​n​e​l​/​s​m​0​2​/​s​0​2​_​0​0​6​c​.​jpg. (Zugriff: 20.01.2023).

[15] https://​de​.fin​da​gra​ve​.com/​m​e​m​o​r​i​a​l​/​1​3​1​4​0​2​3​4​8​/​s​a​l​o​m​o​n​-​o​b​e​r​m​e​yer. (Zugriff: 20.01.2023). Inschrift des Gra­bes auf dem jüdi­schen Fried­hof von Bad Salzuflen.

[16] https://​de​.fin​da​gra​ve​.com/​m​e​m​o​r​i​a​l​/​1​3​1​2​8​6​4​6​6​/​r​o​b​e​r​t​-​o​b​e​r​m​e​yer. (Zugriff: 20.01.2023). Inschrift des Gra­bes auf dem jüdi­schen Fried­hof von Bad Salzuflen.

[17] HHStAW 518 38281 I (35).

[18] Über die Juden in Dren­stein­furt ist 1997 ein umfas­sen­des, mit Quel­len und Doku­men­ten reich­lich ver­se­he­nes Werk von Sabi­ne Omland erschie­nen, das 2015 noch ein­mal in einer über­ar­bei­te­ten zwei­ten Auf­la­ge her­aus­ge­ge­ben wur­de. Die Aus­füh­run­gen des fol­gen­den Abschnitts beru­hen wesent­lich auf ihren Recher­chen. Die sehr gro­ße Fami­lie Ter­hoch ist dar­in mit ihren wei­ten Ver­zwei­gun­gen, die hier nicht dar­ge­stellt wer­den kön­nen, umfas­send berück­sich­tigt. Omland, Sabi­ne, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt 1811–1941, Waren­dorf 2015.

[19] Zum Fried­hof umfas­send ebd. S. 95–106.

[20] Ebd. S. 33.

[21] Ebd. S. 270.

[22] https://​www​.ns​-gedenk​staet​ten​.de/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​f​i​l​e​s​/​d​s​_​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​_​d​e​r​_​j​u​d​e​n​.​pdf. (Zugriff: 20.01.2023).

[23] http://​www​.fami​li​en​buch​-eure​gio​.de/​g​e​n​i​u​s​/​p​h​p​/​s​h​o​w​.​p​h​p​?​t​a​b​=​1​&​t​i​d​=​&​s​u​b​=​P​u​b​l​i​c​A​l​l​&​d​e​t​=​4​4​0​0​0​3​&​e​w​o​r​e​c​=​0​&​b​a​r​=​&​s​s​m​=​&​s​i​d​=​b​c​1​e​e​8​e​6​3​9​d​5​a​7​4​4​c​0​6​e​d​1​9​1​0​5​f​6​a​b​e​1​&​r​i​d​=​&​m​o​d​=​&​f​i​n​d​l​i​s​t​=​&​l​i​s​=​&​t​m​=​1​6​7​3​0​8​3​7​9​8​655. (Zugriff: 20.01.2023). Die Eltern der Braut waren Sam­son und Hen­dri­na Hum­berg, gebo­re­ne Anschel. In der Hei­rats­ur­kun­de ist der Vater des Bräu­ti­gams noch in der alten Schreib­wei­se als Ben­ja­min Ter­hogt angegeben.

[24] Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 270. Sie­he zu den fol­gen­den Aus­füh­run­gen auch https://​www​.hei​mat​ver​ein​-raes​feld​.de/​j​u​e​d​i​s​c​h​e​-​o​r​t​e​.​h​tml. (Zugriff: 20.01.2023). Moses Rosen­baum war am 11.3.1880 als jüngs­tes von sie­ben Kin­dern des Ehe­paars Nathan und Eva Rosen­baum, gebo­re­ne Schwarz, gebo­ren worden.

[25] Wal­ter wur­de am 17.2.1908, Max am 19.2.1910 und Ernst am 22.9.1913 in Raes­feld gebo­ren. Infor­ma­ti­on des Hei­mat­ver­eins Dingden.

[26] Hei­rats­re­gis­ter Lipp­stadt 50 /​ 1931. Frie­da Hum­berg stamm­te aus dem gro­ßen Fami­li­en­ver­band der Hum­bergs in Klein-Recken. Sie war die Toch­ter von Anschel Hum­berg und sei­ner Frau Rosa, gebo­re­ne Schwarz. Anschel wie­der­um war der Bru­der von Rosa Hum­berg, der Ehe­frau von Isaak Ter­hoch. Die Aus­kunft ver­dan­ke ich U. Bau­haus vom Hei­mat­ver­ein Dingden.

[27] Max Rosen­baum, der mit Edith Wal­lach ver­hei­ra­tet war, ver­starb 1991 in Hol­land. Sein Bru­der Ernst ver­starb eben­falls dort am 10.1.1997. Sei­ne Frau Hen­ny, gebo­re­ne Ruesing, soll im Jahr 2023 noch immer leben. Infor­ma­ti­on Hei­mat­ver­ein Dingden.

[28] https://​www​.joodsmo​nu​ment​.nl/​e​n​/​p​a​g​e​/​5​8​9​1​9​5​/​t​h​e​-​f​a​t​e​-​o​f​-​w​a​l​t​e​r​-​r​o​s​e​n​b​aum. (Zugriff: 20.01.2023).

[29] Infor­ma­ti­on Hei­mat­ver­ein Dingden.

[30] https://​www​.joodsmo​nu​ment​.nl/​e​n​/​p​a​g​e​/​5​8​9​1​9​5​/​t​h​e​-​f​a​t​e​-​o​f​-​w​a​l​t​e​r​-​r​o​s​e​n​b​aum. (Zugriff: 20.01.2023).

[31] Sie­he den Stamm­baum der Fami­lie Hum­berg unter http://​www​.hum​berg​haus​.de/​u​p​l​o​a​d​s​/​d​o​w​n​l​o​a​d​s​/​H​u​m​b​e​r​g​h​a​u​s​_​S​t​a​m​m​b​a​u​m​.​pdf. (Zugriff: 20.01.2023).

[32] Ebd. Das ehe­ma­li­ge Wohn­haus der Hum­bergs ist inzwi­schen zu einer bedeu­ten­den Gedenk­stät­te umge­stal­tet wor­den, in der aber nicht nur die Erin­ne­rung an die Fami­lie auf­recht­erhal­ten wird, son­dern auch viel­fäl­ti­ge Begeg­nun­gen, Ver­an­stal­tun­gen und Aus­stel­lun­gen zum The­men­kom­plex Juden­tum und Holo­caust statt­fin­den. Immer wie­der kom­men auch Nach­kom­men der emi­grier­ten Fami­li­en­mit­glie­der nach Ding­den, um den Ort ken­nen­zu­ler­nen, wo die Wur­zeln ihrer Fami­lie lie­gen. Einen Ein­blick in die Arbeit, die in der Gedenk­stät­te statt­fin­det, kann man unter http://​www​.hum​berg​haus​.de/. neh­men. (Zugriff: 20.01.2023).
In einer groß­ar­ti­gen Gemäl­de­aus­stel­lung wur­den Mit­glie­der der Fami­lie von dem in Ding­den auf­ge­wach­se­nen Künst­ler Ulrich Röl­fing nach alten Fotos por­trä­tiert. Der Kata­log die­ser Aus­stel­lung ist online zu fin­den unter http://www.humberghaus.de/uploads/images/news_img/Katalogbuch%2021x24%20Humberghaus%20final.pdf. (Zugriff: 20.01.2023). Dar­un­ter ist auf S. 30 auch das Por­trait von Frie­da Ter­hoch zu finden.

[33] Inzwi­schen gibt es einen engen und frucht­ba­ren Kon­takt zwi­schen die­sen Nach­kom­men und den Initia­to­ren des Hum­berg-Hau­ses in Dingden.

[34] Die Geburts­an­ga­ben nach Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 270.

[35] Sie war die Toch­ter von Gus­tav und Ber­tha Gum­prich, sie­he https://​www​.geni​.com/​p​e​o​p​l​e​/​S​o​p​h​i​e​-​T​e​r​h​o​c​h​/​6​0​0​0​0​0​0​0​3​6​7​3​3​1​5​8​892. (Zugriff: 20.01.2023).

[36] Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 272.

[37] Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 267, auch http://​www​.fami​li​en​buch​-eure​gio​.de/​g​e​n​i​u​s​/​p​h​p​/​s​h​o​w​.​p​h​p​?​t​a​b​=​1​&​t​i​d​=​&​s​u​b​=​P​u​b​l​i​c​A​l​l​&​d​e​t​=​4​4​0​9​9​4​&​e​w​o​r​e​c​=​0​&​b​a​r​=​&​s​s​m​=​&​s​i​d​=​5​c​3​b​6​8​1​c​1​4​2​9​1​4​f​3​4​5​6​d​0​c​e​1​4​1​a​b​e​f​0​d​&​r​i​d​=​&​m​o​d​=​&​f​i​n​d​l​i​s​t​=​&​l​i​s​=​&​t​m​=​1​6​7​3​2​5​7​5​9​4​163. (Zugriff: 20.01.2023).

[38] Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 132. Omland legt im Wei­te­ren dar, dass die­se Arbeits­tei­lung kei­nes­wegs außer­ge­wöhn­lich war. Vie­le jüdi­sche Frau­en waren in irgend­ei­ner Wei­se in die gemein­sa­men Unter­neh­mun­gen inte­griert und übten neben ihrer Haus­frau­en­tä­tig­keit tat­säch­lich auch einen Beruf aus.

[39] Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 270 gibt fälsch­li­cher­wei­se Star­gard als deren Hei­mat­stadt an. Ihre Eltern waren Levi und Julia Schwarz, gebo­re­ne de Vries.

[40] Aus der ers­ten Ehe von Sel­ma Schwarz /​ Bier­hoff /​ Ter­hoch waren die bei­den Kin­der Lothar und Mari­on her­vor­ge­gan­gen, sie­he http://​www​.fami​li​en​buch​-eure​gio​.de/​g​e​n​i​u​s​/​p​h​p​/​s​h​o​w​.​p​h​p​?​t​a​b​=​1​&​t​i​d​=​&​s​u​b​=​P​u​b​l​i​c​A​l​l​&​d​e​t​=​4​4​0​9​9​5​&​e​w​o​r​e​c​=​0​&​b​a​r​=​&​s​s​m​=​&​s​i​d​=​a​2​4​a​8​3​4​1​c​4​d​c​8​c​2​6​2​5​7​0​4​5​f​6​1​6​2​4​8​5​1​8​&​r​i​d​=​&​m​o​d​=​&​f​i​n​d​l​i​s​t​=​&​l​i​s​=​&​t​m​=​1​6​7​3​1​6​9​9​9​1​231. (Zugriff: 20.01.2023).

[41] Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 194.

[42] https://​www​.map​ping​the​li​ves​.org/​b​i​o​/​e​4​b​a​6​2​c​e​-​d​6​6​6​-​4​e​e​6​-​9​4​4​0​-​d​a​a​2​e​1​5​e​c​39d. (Zugriff: 20.01.2023).

[43] https://​www​.map​ping​the​li​ves​.org/​b​i​o​/​e​b​0​e​6​3​d​1​-​2​b​1​7​-​4​5​2​d​-​b​f​5​9​-​9​f​d​d​2​6​6​c​3​b4c. (Zugriff: 20.01.2023). Lie­se­lot­tes Eltern waren Hugo und Ber­tha Gold­schmidt, gebo­re­ne Hum­berg, ein wei­te­res Mit­glied aus der Hum­berg-Fami­lie. Auch Ber­tha, gebo­ren am 20.2.1879, war eine Toch­ter von Anschel und Rosa Hum­berg, gebo­re­ne Schwartz. Auch die­se Infor­ma­ti­on ver­dan­ke ich U. Bau­haus vom Hei­mat­ver­ein Dingden.

[44] Sie­he zur gro­ßen Bedeu­tung des Vieh­han­dels der Gebrü­der Ter­hoch auch für den gesam­ten Wirt­schafts­raum umfas­send Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 124–127. Ihre Aus­füh­run­gen beru­hen auf dem 1989 ver­fass­ten Bericht von Wer­ner Ter­hoch, dem in Latein­ame­ri­ka leben­den Nach­kom­men der Familie.

[45] Ebd. S. 303, sie­he auch Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 140. Mit Begeis­te­rung und mit Gesän­gen wie „Sieg­reich wol­len wir Frank­reich schla­gen, ster­ben als ein tapf­rer Held“ waren auch die jüdi­schen Söh­ne des Ortes damals in den Krieg gezo­gen. Hier sind auch Foto­gra­fien von Simon und Hubert Ter­hoch in ihrer Sol­da­ten­uni­form abgebildet.

[46] Jüdi­sches Adress­buch 1935.

[47] Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 150 f.

[48] https://​www​.ns​-gedenk​staet​ten​.de/​n​r​w​/​d​r​e​n​s​t​e​i​n​f​u​r​t​/​f​o​r​s​c​h​u​n​g​-​u​n​d​-​p​r​o​j​e​kte. (Zugriff: 20.01.2023).

[49] Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, 154.

[50] Zum April­boy­kott in Bad Sal­zu­flen sie­he ebd. S.152.

[51] His­to­ri­sches Hand­buch der jüdi­schen Gemein­schaf­ten in West­fa­len und Lip­pe, S. 301 f.

[52] Zur Zer­stö­rung der Syn­ago­ge in die­ser Nacht sie­he Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 79 ‑81.

[53] Ebd. S. 159–168.

[54] ‚West­fä­li­sche Nach­rich­ten’ vom 7.11.2013.

[55] Sie­he dazu detail­liert Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 170–188.

[56] Zu den Details der Über­fahrt und dem Neu­an­fang im Exil sie­he ebd. S. 188–201. Die Dar­stel­lung beruht weit­ge­hend auf einem Bericht von Wer­ner Ter­hoch, dem Sohn von Simon Ter­hoch. Dazu auch Dok. 64 auf S. 344 („Ver­än­de­rungs­nach­wei­sung zur Juden­da­tei vom Janu­ar 1939“).

[57] Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 270. Die Ehe wur­de am 27.7.1919 geschlossen.

[58] https://​doc​play​er​.org/​6​3​8​3​1​6​8​0​-​S​t​a​d​t​-​b​e​c​k​u​m​-​d​e​r​-​b​u​e​r​g​e​r​m​e​i​s​t​e​r​-​d​o​k​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​-​s​t​o​l​p​e​r​s​t​e​i​n​e​-​i​n​-​b​e​c​k​u​m​-​h​e​r​a​u​s​g​e​b​e​r​-​f​a​c​h​d​i​e​n​s​t​-​p​r​e​s​s​e​-​u​n​d​-​k​u​l​t​u​r​-​s​t​a​n​d​-​n​o​v​e​m​b​e​r​-​2​0​0​8​.​h​tml. (Zugriff: 20.01.2023).

[59] Ebd. Auch https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​d​e​8​9​5​791. (Zugriff: 20.01.2023). Fälsch­li­cher­wei­se gibt Omland, Geschich­te der Juden in Dren­stein­furt, S. 270 an, das Paar sei nach The­re­si­en­stadt depor­tiert worden.

[60] HHStAW 518 38281 I (90).

[61] Ebd. (10, 89).

[62] Geburts­re­gis­ter Beckum 257 /​ 1901.

[63] Krick, Geschich­te der Juden in Beckum, S. 104.

[64] Geburts­re­gis­ter Beckum 55 /​ 1909.

[65] HHStAW 518 38281 I (17).

[66] Geburts­re­gis­ter Beckum 318 /​ 1912.

[67] HHStAW 518 38281 I (17).

[68] HHStAW 467 4701 (245).

[69] Ebd. (105).

[70] HHStAW 518 38281 I (26, 28).

[71] HHStAW 467 4701 (105).

[72] Ebd. II 125.

[73] Ebd. II (53, 60–62) Der Name der Fir­ma, eine GmbH., lau­te­te ‚Mirs­ky Com­pa­ny Ltd.’.

[74] Ebd. II (53).

[75] Ebd. I (89).

[76] Ebd. II (89, 140).

[77] Die Anga­be beruht auf einer in der Ent­schä­di­gungs­ak­te über­lie­fer­ten Abschrift aus der Devi­sen­ak­te von Emma Ter­hoch, die inzwi­schen ver­lo­ren gegan­gen ist, sie­he Ebd. I (24).

[78] Krick, Geschich­te der Juden in Beckum, S. 104.

[79] Mög­li­cher­wei­se, aber das ist nur eine vage Ver­mu­tung, könn­te der Kon­takt nach Wies­ba­den über die eben­falls in Beckum behei­ma­te­te Fami­lie Wind­mül­ler zustan­de gekom­men sein. Etwa seit 1930 wohn­te Johan­na Wind­mül­ler, die Wit­we des Arz­tes Levy Lou­is Wind­mül­ler und spä­te­re Bewoh­ne­rin des Juden­hau­ses Albrecht­str. 13 in Wies­ba­den. Johan­na und Levy Lou­is Wind­mül­ler kamen zwar selbst nicht aus Beckum, son­dern aus dem etwa 15 km ent­fern­ten Oel­de, aber Ver­bin­dun­gen zu den Wind­mül­lers in Beckum gab es gewiss.

[80] Ebd. I (50). Im Detail wur­den die Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de von Hil­de im Rah­men ihres Rück­erstat­tungs­ver­fah­rens auf­ge­führt, nicht nur Möbel, son­dern auch Gemäl­de, elek­tri­sche Gerä­te usw. Sie­he 519/​N Wi-Ffm-13 377 N (14). Die Anga­ben wur­den auch von ande­ren Zeu­gen im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren spä­ter bestä­tigt, ebd. (52 f.).

[81] HHStAW 518 38281 I (175). Dass das Haus damals unter sei­nem rea­len Wert ver­kauft wur­de, ergibt sich schon allein dar­aus, dass nach dem Krieg im Jahr 1952 der Käu­fer bei einem Ver­gleich mit den Über­le­ben­den der Fami­lie Ter­hoch bereit war, wei­te­re 25.000 DM zu zah­len, ebd. 1953 betrug der Ein­heits­wert der Immo­bi­lie 40.000 DM !

[82] Ebd. I (159).

[83] Ebd.

[84] Krick, Geschich­te der Juden in Beckum, S. 57–61.

[85] Ebd. I (148). Eine geson­der­te Ent­schä­di­gung bzw. Rück­erstat­tung für die genann­ten Wer­te erhiel­ten die Nach­kom­men von Emma Ter­hoch nicht. Die Ent­schä­di­gungs­be­hör­de ging davon aus, dass mit der Rück­erstat­tung des Hau­ses bzw. dem ent­spre­chen­den Ver­gleich auch die­se Wert­pa­pie­re ent­schä­digt wur­den, da die­se mit dem Erlös aus dem Haus­ver­kauf erwor­ben wur­den und daher andern­falls eine Dop­pel­er­stat­tung ein­ge­tre­ten wäre. Ebd. I (188 ff.).

[86] HHStAW 519/​N Wi-Ffm-13 377 (15).

[87] Ebd. (23).

[88] Ebd. (52 f.).

[89] Ebd. (76).

[90] Ebd. (60). Nach Anga­ben von Erich Ter­hoch im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren han­del­te es sich nur um eine 3‑Zim­mer-Woh­nung. Aller­dings ist unklar, auf wel­chen Zeit­raum sich die­se Anga­be bezieht, ob sie von Anbe­ginn nur aus drei und nicht – so ande­re Anga­ben – aus vier Zim­mern bestand oder ob die Woh­nung im Lau­fe der Zeit ver­klei­nert wor­den war. Sie­he HHStAW 467 4701 (246). Die Ver­mu­tung der Ent­schä­di­gungs­be­hör­de war aber nicht geäu­ßert wor­den, weil man sich die wach­sen­den Ein­schrän­kun­gen in dem Juden­haus ver­ge­gen­wär­ti­gen woll­te, son­dern um die gefor­der­te Ent­schä­di­gungs­sum­me zu drü­cken. Man ver­mu­te­te, dass bei einem redu­zier­ten Wohn­raum Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de ver­äu­ßert wer­den muss­ten, sodass die Ver­käu­fe­rin schon damals Geld für die Gegen­stän­de erhal­ten hät­te, die­se somit nicht mehr ent­schä­di­gungs­fä­hig sei­en. Die­ser zyni­sche Unter­ton beglei­te­te bis in die 60er Jah­re vie­le der Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren. Als die Antrag­stel­ler dar­auf ver­wie­sen, dass es kei­nen Hin­weis auf sol­che Ver­käu­fe gebe, Emma Ter­hoch zumin­dest for­mal noch über ein rela­tiv gro­ßes Ver­mö­gen ver­fü­ge, ent­geg­ne­te die Ofd Frank­furt im April 1962 ohne wei­te­re Argu­men­te lapi­dar: „Auch nach noch­ma­li­ger Durch­prü­fung der Devi­sen­ak­te an Amts­stel­le (…) muss die Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on bei ihrer Stel­lung­nah­me ver­blei­ben, dass in erheb­li­chem Umfang mit einem Not­ver­kauf der Habe der Ver­folg­ten zu rech­nen ist.“ Als wei­te­res, nicht weni­ger zyni­sches Argu­ment wur­de noch ange­führt, Emma Ter­hoch habe ja auch noch eine pfle­ge­be­dürf­ti­ge Toch­ter gehabt, die eben­falls hät­te unter­hal­ten wer­den müs­sen. Man kön­ne also davon aus­ge­hen, dass sie einen gro­ßen Teil ihrer Habe bereits vor der Depor­ta­ti­on zu Geld gemacht hät­te. Ebd. (99).

[91] HHStAW 467 4701 (151). In einer Zeu­gen­ver­neh­mung gab der spä­te­re Ehe­mann an, zum Zeit­punkt der Aus­wan­de­rung mit Hil­de Ter­hoch noch ver­lobt gewe­sen zu sein, HHStAW 519/​N Wi-Ffm-13 377 (15).

[92] Ebd. (13). Sei­ne Eltern waren Abra­ham und Hen­ri­et­te Baer, gebo­re­ne Hei­ne. https://​gw​.genea​net​.org/​s​t​e​v​e​n​a​?​n​=​b​a​e​r​&​o​c​=​&​p​=​b​e​r​n​h​ard. (Zugriff: 20.01.2023).

[93] HHStAW 519/​3 8036 (

1–4).

[94] HHStAW 519/​3 8037 (1). Sie wur­de unter JS-9762 ange­legt. Der Frei­be­trag wur­de dann auf 300 RM angehoben.

[95] HHStAW 518 38281 (25). Bei der Fir­ma ‚W. Söhn­gen’ han­del­te es sich um einen Wies­ba­de­ner Betrieb in der Wald­stra­ße, der Ver­bands­stof­fe für die Deut­sche Wehr­macht her­stell­te, u.a. den Ver­bands­kas­ten „Wies­ba­san“, ein noch immer belieb­ter Arti­kel bei Militariasammlern.

[96] HHStAW 519/​2 1381 (o.P.).

[97] Sie­he zu dem Trans­port Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 214, dazu King­reen, Gewalt­sam ver­schleppt, S. 369–374.Falsch ist aller­dings die Anga­be von Krick, Emma und ihre bei­den Töch­ter sei­en bereits 1939 ver­haf­tet und in ein KZ gekom­men, sie­he Krick, Geschich­te der Juden in Beckum, S. 105.

[98] https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​d​e​9​8​1​893. (Zugriff: 20.01.2023), https://www.geschichtswerkstatt-beckum.de/terhoch-walter‑s.html. (Zugriff: 20.01.2023), https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​3​2​2​5​1​3​0​&​i​n​d=1. (Zugriff: 20.01.2023).

[99] Krick, Geschich­te der Juden in Beckum, S. 106.

[100] Ein­mal, am 6.11.1957, gab er eine eides­statt­li­che Erklä­rung ab, in der er bestä­tig­te, dass sein Bru­der nach dem Tod des Vaters die Geschäf­te der Fir­ma führ­te. Damals wohn­te er in der Rue dela Gran­ge Batel­liè­re in Paris, HHStAW 518 38281 II (39).

[101] Krick, Geschich­te der Juden in Beckum, S. 106.

[102] Ebd. (95)

[103] Ebd. (13, 28, 30). Die aus­führ­li­che Dar­stel­lung sei­ner Lei­dens­ge­schich­te „ver­dan­ken“ wir einer ent­spre­chen­den For­de­rung der Ent­schä­di­gungs­be­hör­de: „Da der Antrag­stel­ler im unbe­setz­ten Frank­reich gelebt hat, könn­te er eine Ent­schä­di­gung wegen Frei­heits­be­schrän­kung erst von dem Zeit­punkt an bean­spru­chen, als dies von den deut­schen Trup­pen besetzt wur­de. Sei­ne Inter­nie­rung bis zum Aus­bruch des Krie­ges ist nicht ent­schä­di­gungs­pflich­tig, da sie eine Kriegs­maß­nah­me der fran­zö­si­schen Regie­rung war. Es bleibt daher zu prü­fen, ob der Antrag­stel­ler nach der Beset­zung Süd­frank­reichs unter men­schen­un­wür­di­gen Bedin­gun­gen in der Ille­ga­li­tät gelebt hat.“ Ebd. (50). Dass die Flucht nach Frank­reich und damit auch die dor­ti­ge Inter­nie­rung eine Fol­ge der NS-Ras­sen­po­li­tik waren, wird in die­ser ahis­to­ri­schen Welt­sicht des Juris­ten schlicht igno­riert. Die Ansprü­che wur­den dann auch abge­lehnt, weil die „Inter­nie­rungs­la­ger der fran­zö­si­schen Regie­rung nicht unter Miss­ach­tung rechts­staat­li­cher Grund­sät­ze erfolg­te“! Ebd. (70).

[104] Ebd. (54).

[105] Es kann sich vom Alter her nicht um das oben erwähn­te Kind han­deln, das zu die­sem Zeit­punkt min­des­tens 15 Jah­re alt hät­te sein müs­sen. Was aus ihm gewor­den ist, konn­te nicht ermit­telt werden.

[106] Ebd. (1).

[107] Krick, Geschich­te der Juden in Beckum, S. 104.

[108] HHStAW 467 4701 II (306–312).

[109] Ebd. (308).

[110] HHStAW 518 46608 (30).

[111] Ebd. (152).

[112] Ebd. (124–126).

[113] Zitiert nach Krick, Geschich­te der Juden in Beckum, S. 105.

[114] https://www.geschichtswerkstatt-beckum.de/terhoch-hedwig‑s.html. Zugriff: 20.01.2023) gibt als Todes­jahr 1997 an, wäh­rend bei GENI und MyHe­ri­ti­ge das Jahr 1995 nen­nen. Sie­he https://​www​.geni​.com/​p​e​o​p​l​e​/​H​i​d​e​g​a​r​d​-​B​a​e​r​/​6​0​0​0​0​0​0​0​6​5​6​2​4​6​8​4​9​8​7​?​t​h​r​o​u​g​h​=​6​0​0​0​0​0​0​0​6​5​6​0​2​1​8​1​916. und https://​www​.myhe​ri​ta​ge​.de/​n​a​m​e​s​/​h​i​l​d​e​g​a​r​d​_​t​e​r​h​och. (Zugriff: 20.01.2023).

[115] Mey­er, Wir Sal­zuf­ler Israe­li­ten, S. 12.

[116] Mey­er, Wir Sal­zuf­ler Israe­li­ten, S. 28 und Mey­er, Bad Sal­zu­flen, S. 361

[117] Die fol­gen­de Dar­stel­lung ori­en­tiert sich an den Recher­chen von Mey­er über den Lei­dens­weg der Fami­lie Ober­mey­er, sie­he Mey­er, Bad Sal­zu­flen S. 362 f.

[118] https://www.stadt-bad-salzuflen.de/stadt-und-rathaus/zahlen-daten-fakten/stolpersteine#Lange%20Stra%C3%9Fe%2026 und https://​www​.geni​.com/​p​e​o​p​l​e​/​E​r​n​s​t​-​O​b​e​r​m​e​y​e​r​/​6​0​0​0​0​0​0​1​7​6​6​2​8​8​4​0​847. (Zugriff: 20.01.2023).

[119] https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​d​e​9​3​8​225 und https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​d​e​9​3​8​218. (Zugriff: 20.01.2023).

[120] https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​d​e​9​3​8​211. (Zugriff: 20.01.2023).

[121] https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​1​1​6​2​4​3​1​2​&​i​n​d=1. (Zugriff: 20.01.2023).

[122] https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​4​2​9​0​6​7​0​&​i​n​d=1. (Zugriff: 20.01.2023).

[123] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​6​7​3​8​3​5​4​:​2​2​8​0​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​2​e​c​c​8​6​e​5​9​e​f​7​a​e​d​b​e​7​5​5​d​b​3​d​2​c​e​d​0​1​c​0​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​1​0​7​3​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 20.01.2023).

[124] Geburts­re­gis­ter Gie­ßen 249 /​ 1883. Die Braut war die Toch­ter von Aron und Fran­zis­ka Katz, gebo­re­ne Oppen­hei­mer. Am 1.8.1905 hat­te sie in Gie­ßen den Kauf­mann Oskar Salo­mon Lip­per gehei­ra­tet. Die Ehe war am 1.3.1924 in Gie­ßen rechts­kräf­tig geschie­den wor­den. Sie­he Hei­rats­re­gis­ter Gie­ßen 103 /​ 1905.

[125] Falsch ist dem­nach die Anga­be von Mey­er, Juli­us Joseph Ober­mey­er habe schon seit 1898 in den USA gelebt, sie­he Mey­er, Bad Sal­zu­flen, S, 363.

[126] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​3​4​5​4​8​4​:​1​1​9​2​?​l​a​n​g​=​d​e​-DE. (Zugriff: 20.01.2023).

[127] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​2​7​0​6​5​6​:​6​1​4​6​1​?​l​a​n​g​=​d​e​-DE. (Zugriff: 20.01.2023).

[128] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​2​5​3​3​9​0​0​:​6​1​778. (Zugriff: 20.01.2023).

[129] Hei­rats­re­gis­ter Dort­mund II 557 /​ 1911. Dazu https://​www​.unnel​.de/​U​n​n​e​l​/​w​c​0​1​/​w​c​0​1​_​1​6​1​.​h​tml. (Zugriff: 20.01.2023).

[130] https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​V​/​O​u​s​_​p​a​r​t​i​t​i​o​n​s​/​3​3​/​0​1​0​2​0​4​0​2​/​a​a​/​f​r​/​a​l​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 20.01.2023).

[131] Juden in Her­ford, S. 123. Online­fas­sung https://​www​.zel​len​trakt​.de/​d​o​w​n​l​o​a​d​s​/​m​a​t​e​r​i​a​l​i​e​n​/​P​u​b​l​i​k​a​t​i​o​n​_​J​u​d​e​n​_​i​n​_​H​e​r​f​o​r​d​.​pdf. (Zugriff: 20.01.2023)

[132] https://​www​.zel​len​trakt​.de/​d​o​w​n​l​o​a​d​s​/​m​a​t​e​r​i​a​l​i​e​n​/​A​u​s​s​t​e​l​l​u​n​g​_​O​a​s​e​_​D​o​k​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​_​_​d​e​r​_​A​u​s​s​t​e​l​l​u​n​g​s​b​a​n​n​e​r​.​pdf. (Zugriff: 20.01.2023).

[133] Sie­he zum Fol­gen­den His­to­ri­sches Hand­buch der jüdi­schen Gemein­schaf­ten in West­fa­len und Lip­pe, S. 410–414.

[134] Zu die­ser Schu­le sie­he die Aus­stel­lung, die von der Gedenk­stät­te ‚Zel­len­trakt’ unter dem bezeich­nen­den Titel “Wir leb­ten in einer Oase des Frie­dens …” 2010 in Her­ford kon­zi­piert und rea­li­siert wur­de. https://​www​.zel​len​trakt​.de/​d​o​w​n​l​o​a​d​s​/​m​a​t​e​r​i​a​l​i​e​n​/​A​u​s​s​t​e​l​l​u​n​g​_​O​a​s​e​_​D​o​k​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​_​_​d​e​r​_​A​u​s​s​t​e​l​l​u​n​g​s​b​a​n​n​e​r​.​pdf. (Zugriff: 20.01.2023).

[135] https://www.openarch.nl/saa:38d88e17-d101-4b7c-9390–7121377e2d11. (Zugriff: 20.01.2023).

[136] https://​stol​per​stei​ne​.wdr​.de/​w​e​b​/​d​e​/​s​t​o​l​p​e​r​s​t​e​i​n​/​3​921. (Zugriff: 20.01.2023).

[137] https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​L​i​s​t​e​_​d​e​r​_​S​t​o​l​p​e​r​s​t​e​i​n​e​_​i​n​_​H​e​r​f​ord. (Zugriff: 20.01.2023).

[138] https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​2​0​4​0​1​/​0​0​2​1​/​1​1​4​7​2​4​2​7​3​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 20.01.2023).

[139] Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 222 nennt War­schau als Ziel, wenn auch mit einem Fra­ge­zei­chen ver­se­hen. Umfas­send recher­chiert haben die­sen Trans­port Mar­tin Decker und Kai-Uwe von Hol­len. Ihre Ergeb­nis­se haben sie unter dem Titel „Mon­tag wer­den wir, wenn’s gut geht, am Ziel sein“ in den Ravens­ber­ger Blät­tern 1 /​ 2010, S. 1–25 ver­öf­fent­licht. Hier sind auch Fak­si­mi­les der auf­ge­fun­de­nen Post­kar­ten abgedruckt.

[140] Das wird in Juden in Her­ford, S. 123 behaup­tet, Online­fas­sung https://​www​.zel​len​trakt​.de/​d​o​w​n​l​o​a​d​s​/​m​a​t​e​r​i​a​l​i​e​n​/​P​u​b​l​i​k​a​t​i​o​n​_​J​u​d​e​n​_​i​n​_​H​e​r​f​o​r​d​.​pdf. (Zugriff: 20.01.2023). In der Recher­che von Decker und von Hol­len ist eine sol­che Kar­te nicht erwähnt.

[141] Ebd. S. 14.

[142] Ebd. S. 15, 17.

[143] Ebd. 21.

[144] https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​d​e​9​3​8​209. (Zugriff: 20.01.2023). Für das Gerücht, dass Elsa Ober­mey­er bereits auf der Fahrt nach Ausch­witz ums Leben kam, gibt es nach Aus­kunft des frü­he­ren Her­for­der Stadt­ar­chi­vars Laue kein Indiz, geschwei­ge denn einen Beleg.

[145] https://​www​.zel​len​trakt​.de/​d​o​w​n​l​o​a​d​s​/​m​a​t​e​r​i​a​l​i​e​n​/​A​u​s​s​t​e​l​l​u​n​g​_​O​a​s​e​_​D​o​k​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​_​_​d​e​r​_​A​u​s​s​t​e​l​l​u​n​g​s​b​a​n​n​e​r​.​pdf. (Zugriff: 20.01.2023).

[146] ‚Neue West­fä­li­sche’ vom 29.2.2020. Der Ein­marsch der deut­schen Trup­pen fand zwar schon 1940 statt, aber erst 1942 wur­de die Situa­ti­on für die dor­ti­gen Juden wirk­lich bedroh­lich. Sie­he zu den wei­te­ren bio­gra­phi­schen Anga­ben eben­falls den genann­ten Zeitungsartikel.

[147] https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​V​/​O​u​s​_​p​a​r​t​i​t​i​o​n​s​/​3​3​/​0​1​0​2​0​4​0​2​/​a​a​/​g​q​/​r​v​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 20.01.2023).

[148] Sie­he Opfer­mann, Remem­be­ring The­re­si­en­stadt, S. 60–83. Char­lot­te Opfer­mann, damals noch Char­lot­te Gut­h­mann, Toch­ter des Wies­ba­de­ner Rechts­an­walts und Kon­su­len­ten Bert­hold Gut­h­mann, war nach ihrer Depor­ta­ti­on nach The­re­si­en­stadt in die­sem Lager­teil tätig und hat ein­drück­lich über die Arbeit dort berichtet.

[149] Ster­be­re­gis­ter Alk­maar 526 /​ 1960.

[150] Jüdi­sche All­ge­mei­ne vom 7.2.2012.

[151] https://​www​.nw​.de/​l​o​k​a​l​/​k​r​e​i​s​_​h​e​r​f​o​r​d​/​h​e​r​f​o​r​d​/​2​0​4​1​2​9​2​9​_​G​e​d​e​n​k​t​a​f​e​l​-​j​u​e​d​i​s​c​h​e​r​-​F​a​m​i​l​i​e​-​g​e​s​t​o​h​l​e​n​.​h​tml. (Zugriff: 20.01.2023).