Adele Bonné, geborene Goldmann und ihre Schwägerin Recha Abraham, geborene Bonné


Kaiser-Friedrich-Ring 65 Wiesbaden, Judenhaus, Judenhäuser Wiesbaden, Bernhard Scheidt, Rosa Scheidt Fechheimer, Minna Scheidt Kahn, Isaak Kahn, Luise Scheidt Kaufmann, Abraham Alfred Kaufmann, Frieda Wolf, Sally Wolf, Paula Helene Wolf Kassel, Julius Kassel, Ilse Betty Kassel, Friedel Scheidt Oppenheimer, Louis Oppenheimer, Eleanor Morris, Hugo Kaufmann, Helga Simon Kaufmann, Emma Scheidt Essinger, Julius Essinger, Rolf Essinger, Otto Essinger, Anna Essinger, Siegmund Scheidt, Anna Scheidt Frank, Otto Frank, Helmuth Friedrich Frank, Edith Margot Frank,Bertha Berta Scheid Blütenthal, Davis Blütenthal, Simon Frank, Therese Frank Müller, Moses Max Frank, Anna Simon Frank, Leonie Frank Landsberg, Peter Kurt Frank, Judith Eva Landsberg, Lea Landsberg, Jenny Johanna Scheidt, Felix Kaufmann, Juden Wiesbaden, Klaus Flick
Das ehe­ma­li­ge Juden­haus Kai­ser-Fried­rich-Ring 65 heu­te
Eige­ne Aufnahme
Kaiser-Friedrich-Ring 65 Wiesbaden, Judenhaus, Judenhäuser Wiesbaden, Bernhard Scheidt, Rosa Scheidt Fechheimer, Minna Scheidt Kahn, Isaak Kahn, Luise Scheidt Kaufmann, Abraham Alfred Kaufmann, Frieda Wolf, Sally Wolf, Paula Helene Wolf Kassel, Julius Kassel, Ilse Betty Kassel, Friedel Scheidt Oppenheimer, Louis Oppenheimer, Eleanor Morris, Hugo Kaufmann, Helga Simon Kaufmann, Emma Scheidt Essinger, Julius Essinger, Rolf Essinger, Otto Essinger, Anna Essinger, Siegmund Scheidt, Anna Scheidt Frank, Otto Frank, Helmuth Friedrich Frank, Edith Margot Frank,Bertha Berta Scheid Blütenthal, Davis Blütenthal, Simon Frank, Therese Frank Müller, Moses Max Frank, Anna Simon Frank, Leonie Frank Landsberg, Peter Kurt Frank, Judith Eva Landsberg, Lea Landsberg, Jenny Johanna Scheidt, Felix Kaufmann, Juden Wiesbaden, Klaus Flick
Lage des ehe­ma­li­gen Juden­hau­ses
Bele­gung des Juden­hau­ses Kai­ser-Fried­rich-Ring 65

 

 

 

 

 

 


Ade­le Bon­né und ihre Schwä­ge­rin Recha Abra­ham hat­ten in das Juden­haus Kai­ser-Fried­rich-Ring 65 ein­zie­hen müs­sen, nach­dem das Juden­haus von Sebald und Hed­wig Strauss in der Bahn­hofstr. 46 nach der gro­ßen Depor­ta­ti­on im Juni 1942 geräumt wor­den war. Die­je­ni­gen, die damals nicht depor­tiert wur­den – das waren weit­ge­hend die älte­ren Jüdin­nen und Juden –, hat­te man auf ande­re Häu­ser ver­teilt, so auch auf das Juden­haus am Ring, das dem Ehe­paar Otto und Anna Frank gehör­te. Auch das Ehe­paar Klee­berg hat­te damals umzie­hen müs­sen. Das Juden­haus in der Bahn­hofstr. 46 war bereits die zwei­te Unter­kunft, die die bei­den ver­wit­we­ten Frau­en in Wies­ba­den erhiel­ten, nach­dem sie sich im Novem­ber 1938 in der Stadt ange­mel­det hatten.

Stammbaum der Familien Goldmann Bonné - Abraham
Stamm­baum der Fami­li­en Gold­mann Bon­né — Abra­ham
GDB

Bis zu die­sem Zeit­punkt stell­te für bei­de die rhein­hes­si­sche Gemein­de Ingel­heim, genau­er: das damals noch selbst­stän­di­ge Ober Ingel­heim, ihren Lebens­mit­tel­punkt dar, obgleich sie bei­de dort nicht gebo­ren wor­den waren, son­dern zu den Zuge­zo­ge­nen gehör­ten. Ursprüng­lich stamm­te die Fami­lie Bon­né aus der mit­tel­frän­ki­schen Gemein­de Cron­heim, die heu­te ein Orts­teil der Stadt Gun­zen­hau­sen ist. Wie über­all war auch die Geschich­te der Juden in die­sem Ort seit den ers­ten Ansied­lun­gen geprägt durch sich abwech­seln­de Pha­sen der Ver­fol­gung, Ver­trei­bung und Dul­dung. Im 17. Jahr­hun­dert wur­de der Ort vom dama­li­gen Bischof – der Ort gehör­te zum Bis­tum Eich­stätt – sogar zum bevor­zug­ten Sied­lungs­ort der Regi­on für Juden aus­er­se­hen. Sitz des Rab­bi­nats war Ende des Jahr­hun­derts aller­dings das benach­bar­te Gun­zen­hau­sen. Die alte Syn­ago­ge wur­de zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts durch einen neu­en Bau ersetzt, in dem auch die Mik­we und eine Schu­le ange­sie­delt waren. Der Anteil der jüdi­schen Bewoh­ner in der Gemein­de lag zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts bei mehr als 40 Pro­zent, ging aber dann bis zum Ende der Wei­ma­rer Zeit auf weni­ger als 10 Pro­zent zurück.[1]

Synagoge Cronheim
Die Syn­ago­ge in Cron­heim
https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2086/Cronheim%20Synagoge%20170.jpg

Auch die Fami­lie Bon­né gehör­te zu den­je­ni­gen, die sich spä­tes­tens im 19. Jahr­hun­dert in die­ser Regi­on, ver­mut­lich zunächst in Gun­zen­hau­sen, nie­der­ge­las­sen hat­te. Isra­el Samu­el Bon­né, von dem immer­hin der Name sei­nes Vaters Judas Bon­né bekannt ist, war um 1795 dort gebo­ren wor­den und 1852 auch dort ver­stor­ben.[2] Mit sei­ner Frau Thei­le, gebo­re­ne Mohr, hat­te er zumin­dest einen Sohn namens Salo­mon, von dem aber weder Geburts- noch Todes­tag bekannt sind. Statt­des­sen kennt man die ent­spre­chen­den Daten sei­ner Frau Johan­na, die eben­falls aus Cron­heim stamm­te. Sie war am 5. Juli 1832 als Toch­ter von Moses und The­re­se Rie­gel, gebo­re­ne Asch, zur Welt gekom­men .[3]

Aus die­ser Ehe waren in Cron­heim fünf Kin­der her­vor­ge­gan­gen, deren wei­te­rer Lebens­weg mit dem Rhein-Main-Gebiet ver­wo­ben ist.[4] Zunächst wur­den drei Söh­ne gebo­ren, von denen Juli­us, gebo­ren am 27. Sep­tem­ber 1855, der ältes­te war. Auf ihn folg­te Moritz, gebo­ren am 5. Novem­ber 1836. Mit Sieg­mund war zugleich die ers­te Toch­ter des Paa­res, Thek­la, am 3. Juli 1858 zur Welt gekom­men. Nach den Zwil­lin­gen wur­de am 9. Febru­ar 1863 noch eine wei­te­re Toch­ter gebo­ren, die den Namen Recha erhielt.

Alle drei Söh­ne waren zu einem nicht bekann­ten Datum nach Ober-Ingel­heim gezo­gen und hat­ten dort im Jahr 1879 ein Wein­han­dels­ge­schäft und eine Wein­kom­mis­si­on gegrün­det.[5]

Anzeige der Weinhandlung Gebr. Bonnè
Brief­kopf der Wein­hand­lung Gebr. Bon­nè
Mit Geneh­mi­gung des dif-Ingelheim

Die Idee, nach Rhein­hes­sen zu zie­hen, war sicher kein spon­ta­ner Akt, son­dern war vor­be­rei­tet durch ihre Tan­te Doris, die Schwes­ter von Johan­na Bon­né. Doris Rie­gel, gebo­ren am 1. Mai 1834 eben­falls in Cron­heim, hat­te am 30. Juli 1855 in Ober Ingel­heim Moses Baum aus Schorn­s­heim gehei­ra­tet. Für den am 12. oder 13. Dezem­ber 1827 gebo­re­nen Sohn von Adam und Eli­sa­beth Baum, gebo­re­ne Schlös­ser, war es bereits die zwei­te Ehe, nach­dem sei­ne ers­te Frau Mar­tha Haas, genannt Ama­lie, am 25. Sep­tem­ber 1856 ver­stor­ben war. Ursprüng­lich war er als Lehr­ling in das Manu­fak­tur­wa­ren­ge­schäft Frank ein­ge­tre­ten, um dort eine Leh­re als Kauf­mann zu absol­vie­ren. Als sein Lehr­meis­ter spä­ter nach Mainz ver­zog, konn­te Moses Baum das Geschäft und das Haus am Markt 12 käuf­lich erwer­ben, um dar­in spä­ter eine gut gehen­de Wein­hand­lung zu eta­blie­ren.[6]
Moses Baum war aber nicht nur ein ange­se­he­ner Geschäfts­mann, son­dern über vie­le Jah­re auch Vor­ste­her der Jüdi­schen Gemein­de. Erst in sei­ner zwei­ten Ehe waren ihm dann Kin­der gebo­ren wor­den, die aber zum gro­ßen Teil Ingel­heim spä­ter ver­lie­ßen. Sie hat­ten zunächst das Geschäft nach dem Tod der Eltern noch wei­ter­ge­führt, es dann aber 1918 an eine kon­kur­rie­ren­de Wein­hand­lung ver­äu­ßert.[7]
Es gab somit schon eine etwa 20 Jah­re wäh­ren­de Ver­bin­dung zwi­schen Cron­heim und Ingel­heim, bevor sich die Söh­ne von Salo­mon Bon­né mit der damals ver­mut­lich schon ver­wit­we­ten Mut­ter dort nie­der­lie­ßen und in der glei­chen Bran­che wie Onkel und Tan­te ihr Glück versuchten.
Juden waren seit dem Mit­tel­al­ter, beson­ders aber seit der frü­hen Neu­zeit in Ingel­heim ansäs­sig und zunächst pri­mär im Vieh- und Klein­han­del, spä­ter dann aber auch im Wein­han­del aktiv.[8] Wein war dort mit­un­ter sogar als all­ge­mei­nes Zah­lungs­mit­tel akzep­tiert, sodass die Brü­der sicher lukra­ti­ve Geschäf­te erwar­te­ten. Aller­dings gab es in Ober- bzw. Nie­der-Ingel­heim auch eini­ge alt­ein­ge­ses­se­ne Fami­li­en, wie die May­ers, Oppen­hei­mer und Kahns, die eine beträcht­li­che Kon­kur­renz für die neu Hin­zu­ge­zo­ge­nen dar­stell­ten.[9] Das Geschäft war in der Rin­der­bach­str. 9 ange­sie­delt und Juli­us Bon­né, der ältes­te der Brü­der, war zumin­dest für die Kel­le­rei als Eigen­tü­mer im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen.[10]

Sieg­mund stieg schon nach einem Jahr wie­der aus dem gemein­sa­men Unter­neh­men aus und zog laut Ein­woh­ner­mel­de­amt 1886 nach Würz­burg.[11] Dort ver­lie­ren sich sei­ne Spu­ren für die fol­gen­den Jah­re. Erst mit sei­ner Ein­lie­fe­rung in die „Städ­ti­sche Irren­an­stalt“ in Frank­furt am Main am 23. Juni 1901 tritt er wie­der in Erschei­nung. Wo er all die Jah­re zuvor ver­bracht hat­te, ist der Kran­ken­ak­te nicht zu ent­neh­men. Sie ent­hält dies­be­züg­lich nur vage Hin­wei­se. Vor sei­ner Ein­lie­fe­rung scheint er aber zuletzt wie­der in Ober Ingel­heim bei sei­nen Geschwis­tern gelebt zu haben. Aller­dings muss er damals bereits von sei­ner Krank­heit stark gezeich­net gewe­sen sein. Am 23. Juni 1901 tele­gra­fier­te Juli­us Bon­né nach Frank­furt: „Kön­nen wir heu­te gen zwölf Mit­tags ein­tref­fen. Abrei­se drin­gend nötig. Bon­né“[12] Noch am sel­ben Tag wur­de er dort aufgenommen.

Die von Hein­rich Hoff­mann, dem Stru­wel­pe­ter-Autor, gegrün­de­te ‘Irren­an­stalt’ in Frank­furt, im Volks­mund ‘Irren­schloss’ genannt, in der Sieg­mund Bon­né sei­ne letz­ten Lebens­mo­na­te ver­brach­te
https://de.wikipedia.org/wiki/Anstalt_f%C3%BCr_Irre_und_Epileptische#/media/Datei:Irrenschloss_am_Affenstein,_Frankfurt.jpg

Dem Ana­mne­se­pro­to­koll ist zu ent­neh­men, dass die Krank­heit seit etwa einem Jahr in einen mani­fes­ten Zustand umge­schla­gen war und der Pati­ent, etwa durch einen per­ma­nen­ten, aber sinn­lo­sen Rede­fluss, und auch durch ein zuneh­mend aggres­si­ves Ver­hal­ten, immer auf­fäl­li­ger gewor­den war. Eine Kur in einer Kalt­was­ser­heil­an­stalt, ein damals gän­gi­ges the­ra­peu­ti­sches Ver­fah­ren, hat­te kei­nen Erfolg gebracht, sodass sich die Brü­der Bon­né zur Unter­brin­gung von Sieg­mund in der Frank­fur­ter Anstalt ent­schlos­sen. Er muss sei­ne Erkran­kung selbst auch wahr­ge­nom­men haben: „Mein Kopf geht zurück, ich kann nicht mehr arbei­ten. Ich habs noch im Kopf, aber ich brings nicht mehr in die Feder.“[13] Sein eige­nes Alter konn­te er nicht mehr mit Sicher­heit ange­ben und auf die Fra­ge des Psych­ia­ters nach der aktu­el­len Jah­res­zahl, gab er die gera­de­zu phi­lo­so­phi­sche Ant­wort: „Alle Jah­re ist es jetzt.“[14]
Über sein vor­aus­ge­gan­ge­nes Leben mach­te er sehr dif­fu­se Anga­ben: „… ich bin aus Mün­chen, mei­ne Frau geht fort, ich will mit ihr , ich muss mit an den Rhein, bei Mün­chen, ich komm schon wie­der an den Rhein bei Nürn­berg, jawohl, da wohn ich. Las­sen Sie mich fort. (…) Ich habe eine Mas­se schö­ner Papie­re [gemeint ist ein Pass – K.F.], ich war über­all, in Ungarn, viel­mal.“[15] Was dar­an stimmt, ist unge­wiss. Ver­hei­ra­tet war er nie. Ob er auch eine Zeit in Mün­chen leb­te, ist nicht bekannt, aber nicht unmög­lich. Aber in Nürn­berg war er mit Sicher­heit eine Zeit lang behei­ma­tet, hat­te dort ver­mut­lich vor sei­ner Rück­kehr nach Ingel­heim sogar sei­ne letz­te beruf­li­che Tätig­keit aus­ge­übt. Die­se Ver­mu­tung grün­det auf dem Schrei­ben eines Nürn­ber­ger Anwalts, dem Bevoll­mäch­tig­ten der Fir­ma „N. Bon­ne“, die eine Zivil­kla­ge gegen Sieg­mund Bon­né erho­ben hat­te. Der Anwalt woll­te wis­sen, ob der Beklag­te nur kurz­fris­tig oder auf Dau­er in der Anstalt unter­ge­bracht sei, somit, ob die Kla­ge über­haupt noch Sinn machen wür­de. Bei der Nürn­ber­ger Fir­ma „N. Bon­ne“ han­del­te es sich um ein Han­dels­un­ter­neh­men für Häu­te und Fel­le, ange­sie­delt in der Schanz­äcker­str. 24.[16] Der Name lässt ver­mu­ten, dass es sich um einen Betrieb han­delt, der im Eigen­tum des wei­te­ren Fami­li­en­ver­ban­des der Bon­nés war. Wahr­schein­lich war Sieg­fried Bon­né auf­grund sei­ner Erkran­kung im Streit aus der Fir­ma ausgeschieden.
Erstaun­lich ist ande­rer­seits die in der Akte ent­hal­te­ne Geburts­tags­kar­te an sei­ne Mut­ter vom 5. Juli 1901, die nahe­zu feh­ler­frei for­mu­liert ist:
“Lie­be Mama,
Zu Dei­nem mor­gi­gen Geburts­ta­ge sen­de Dir hier­mit mei­nen herz­li­chen Glück­wunsch und wün­sche Dir von Her­zen, dass der lie­be Gott Dir noch vie­le gute Jah­re besche­ren möge.
Unter herz­li­chen Grü­ßen an alle unse­re Lie­ben ver­blei­be Dein treu­er, Dich lie­ben­der Sohn,
Siegmund“

Wes­halb die Kar­te aber in der Akte liegt, somit wohl nicht abge­schickt wur­de, bleibt rätselhaft.
Die „Lie­ben“ in Ingel­heim küm­mer­ten sich tat­säch­lich hin­ge­bungs­voll um den erkrank­ten Bru­der, wie vie­le Brie­fe an die Anstalts­lei­tung bezeu­gen. Es war Juli­us Bon­né, der die Kor­re­spon­denz führ­te und sich immer wie­der nach des­sen Befin­den erkun­dig­te. Ein kur­zer Brief von Moritz Bon­né ist eben­falls erhal­ten geblieben.
Auch war schon bei der Ein­lie­fe­rung ver­ein­bart wor­den, dass Sieg­mund als 1.-Klasse-Patient unter­ge­bracht wer­den soll­te. Aber auch das konn­te den all­mäh­li­chen Ver­fall des Pati­en­ten, der schon zu Beginn als „schlecht genährt“, „sehr hin­fäl­lig“ und „ängst­lich“ beschrie­ben wor­den war, nicht auf­hal­ten. Ein Foto, das lei­der nicht datiert ist, zeugt von die­sem Zustand, aller­dings mehr noch von den Ver­hält­nis­sen in den dama­li­gen „Irren­an­stal­ten“: Man sieht dar­auf einen Mann mitt­le­ren Alters mit vol­lem Haar, Bart, geschlos­se­nen Augen auf einem ein­fa­chen Holz­bett in einem Mehr­zim­mer­schlaf­saal kau­ernd, des­sen Unter­kör­per weit­ge­hend ent­blößt ist, wäh­rend der Ober­kör­per von einem wei­ßen Nacht­hemd bedeckt ist, das eher an ein Toten­hemd erin­nert – ein sehr berüh­ren­des Bild.
Am 9. Juli 1902 ver­starb Sieg­mund Bon­né. Sein Able­ben war dem Stan­des­amt Frank­furt von der „Ver­wal­tung der städ­ti­schen Irren­an­stalt“ über­mit­telt wor­den.[17]

Heil­an­stalt Fal­ken­stein 1875, Holz­stich J. J. Kirch­ner
https://​blau​er​hein​rich​.jim​do​free​.com/​p​e​t​e​r​-​d​e​t​t​w​e​i​l​er/

Noch frü­her, am 18. März 1880, war sei­ne Zwil­lings­schwes­ter Thek­la im Alter von nur 19 Jah­ren ver­mut­lich an TBC ver­stor­ben.[18] Ihr Tod ist im Stan­des­amt König­stein im Tau­nus fest­ge­hal­ten, zustän­dig für das benach­bar­te Fal­ken­stein, wo sich Thek­la damals zur Kur in der Lun­gen­heil­an­stalt des Dr. Peter Dett­wei­ler befand, einer Kli­nik mit inter­na­tio­na­lem Ruf, in der ver­schie­de­ne neue The­ra­pie­for­men ange­wen­det wur­den und die beson­ders eher betuch­ten Pati­en­ten Lin­de­rung ihrer Beschwer­den ver­sprach. [19]

Dem Ster­be­ein­trag ist dar­über hin­aus zu ent­neh­men, dass The­klas Vater Salo­mon Bon­né zu die­sem Zeit­punkt bereits ver­stor­ben und die ver­wit­we­te Mut­ter inzwi­schen auch zu den Söh­nen bzw. der Schwes­ter nach Ober Ingel­heim gezo­gen war.

Moritz war das ers­te der Kin­der, das eine Ehe ein­ging. Er hei­ra­te­te am 24. Febru­ar 1890 im würt­tem­ber­gi­schen Bai­sin­gen Cil­ly Hilb, die dort am 29. Dezem­ber 1868 als Toch­ter von Joseph und Fan­ny Hilb, gebo­re­ne Kie­fe, zur Welt gekom­men war.[20] Dem Paar, das in der Rin­der­bach­str. 13 wohn­te, wur­den in den fol­gen­den Jah­ren drei Söh­ne geschenkt, zunächst Paul, gebo­ren am 17. April 1892, dann Erwin am 22. Mai 1895 und zuletzt Wal­ter am 20. Mai 1901.[21]

Die jüngs­te Toch­ter von Salo­mon und Johan­na Bon­né, Recha, hei­ra­te­te am 16. Novem­ber 1895 in Ober Ingel­heim Moritz Abra­ham, einen Kauf­mann aus dem Wes­ter­wald­städt­chen Alten­kir­chen.[22] Der am 13. Mai 1862 gebo­re­ne Moritz war das ältes­te von ins­ge­samt sie­ben Kin­dern von Dani­el und Hen­ri­et­ta /​ Jet­te Abra­ham, gebo­re­ne Hirsch. Sowohl die Vor­fah­ren väter­li­cher- als auch müt­ter­li­cher­seits las­sen sich bis in die Mit­te des 18. Jahr­hun­derts zurück­ver­fol­gen, aber erst der Vater von Moritz hat­te sich in Alten­kir­chen nie­der­ge­las­sen.[23] Kin­der waren aus der Ehe von Recha und Moritz Abra­ham nicht her­vor­ge­gan­gen. Aber auch Moritz Abra­ham blieb mit sei­ner Frau in Ober Ingel­heim in der Rin­der­bach­stra­ße woh­nen. Ob auch er sich im Wein­han­dels­ge­schäft sei­ner Schwä­ger betä­tig­te, ist nicht bekannt, aber sehr wahr­schein­lich. Er erlag aber noch wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs im Alter von 54 Jah­ren einem Herz­schlag. Nach sei­nem Tod war im ‚Rhein­hes­si­schen Beob­ach­ter’ ein Nach­ruf erschie­nen, in dem es hieß: „Der Ver­stor­be­ne war sei­ner Lie­bens­wür­dig­keit wegen über­all ger­ne gese­hen.“[24]

Als Letz­ter ging Juli­us, der ältes­te Sohn von Salo­mon und Johan­na Bon­né, eine Ehe ein. Als er am 5. Janu­ar 1910 in Frank­furt die ursprüng­lich aus Fried­berg stam­men­de Ade­le Gold­mann hei­ra­te­te, war er bereits 55 Jah­re alt, sei­ne Frau immer­hin schon 47. Inso­fern ist es nicht ver­wun­der­lich, dass auch die­se Ehe kin­der­los blieb.

Die Ehe­schlie­ßung hat­te in Frank­furt statt­ge­fun­den, wo Ade­le mit ihrem Bru­der Otto im Haus ihres Onkels David Gold­mann in der Söm­me­rings­str. 27 wohn­te. Onkel und Bru­der sind als Trau­zeu­gen in der Urkun­de auf­ge­führt.[25] Der Vater Laza­rus Gold­mann war bereits am 5. Juni 1905 in Frank­furt im Alter von 80 Jah­ren ver­stor­ben[26] und auch die Mut­ter, Jet­t­chen /​ Hen­ri­et­te, gebo­re­ne Mey­er, leb­te nicht mehr.[27]

Nach dem Aus­schei­den von Sieg­mund Bon­né und nach dem frü­hen Tod von Moritz Abra­ham lag die unter­neh­me­ri­sche Lei­tung der Wein­hand­lung seit 1880 allein in den Hän­den von Moritz und Juli­us Bon­né, wobei letz­te­rer als die eigent­li­che „See­le des Geschäfts“ bezeich­net wur­de.[28] In den Jah­ren des Kai­ser­reichs müs­sen die Geschäf­te der Bon­nés, wie auch die der ande­ren jüdi­schen Wein­hand­lun­gen Ingel­heims, ins­ge­samt gut gelau­fen sein. Der Ein­bruch kam mit dem Ers­ten Welt­krieg und den dar­aus resul­tie­ren­den poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Folgen.

Am 5. Okto­ber 1923 reich­te Juli­us Bon­né bei der Erwerbs­lo­sen-Com­mis­si­on der Gemein­de Ober Ingel­heim einen Antrag auf Unter­stüt­zung mit öffent­li­chen Gel­dern ein: „Um uns mit Fami­li­en wei­ter­hin behaup­ten & not­wen­di­ger­wei­se exis­tie­ren zu kön­nen, bit­ten wir um Unter­stüt­zung aus Reichs­mit­teln, wobei wir uns auf die sei­tens des Rei­ches ein­ge­führ­te Ein­rich­tung der Exis­tenz­si­che­rung für uns & Fami­li­en beru­fen (…).“[29]
Aber anders als Mey­er /​ Ment­gen ver­mu­ten, war weni­ger die damals gras­sie­ren­de Hyper­in­fla­ti­on die Ursa­che für den Nie­der­gang des Geschäfts, als viel­mehr der Streit um die Repa­ra­ti­ons­leis­tun­gen und die mit dem Ruhr­kampf begon­ne­ne Abtren­nung der links­rhei­ni­schen Gebie­te durch die fran­zö­si­sche Besat­zung, die einen frei­en Han­del mit dem rest­li­chen Deutsch­land ver­hin­der­te. Genau auf die­ses Pro­blem mach­te auch Juli­us Bon­né in sei­nem Schrei­ben auf­merk­sam: „Seit der Still­le­gung des links­rhei­ni­schen Verkehr’s (sic) ist auch unser Betrieb voll­kom­men unter­bun­den. Lager­be­stän­de, von denen wir zeh­ren könn­ten, besit­zen wir nicht, abge­se­hen davon, dass von einem Geschäfts­ver­kehr über­all kei­ne Rede mehr ist.“[30] Aus wel­chen Grün­den der Antrag abge­lehnt wur­de – zumin­dest ist das aus der hand­schrift­li­chen Notiz „abge­lehnt“ auf dem Schrei­ben zu schlie­ßen –, ist nicht bekannt.

Grab Julius Bonne
Grab von Juli­us Bon­né in Ingel­heim
http://​www​.stein​heim​-insti​tut​.de:50580/​d​a​t​e​n​/​p​i​c​s​i​h​l​/​x​l​/​0​1​3​8​_​i​h​l​_​K​D​_​2​0​1​6​0​5​1​4​.​png

Lei­der lie­gen kei­ne Daten und Zah­len über die wei­te­re Geschäfts­ent­wick­lung wäh­rend der Wei­ma­rer Repu­blik vor, nach­dem mit dem Abbruch des Ruhr­kampfs und der Ein­füh­rung der Ren­ten­mark, wenn auch nicht poli­tisch, so doch eine gewis­se Sta­bi­li­sie­rung der wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se ein­ge­tre­ten war. Nach dem Tod von Juli­us Bon­né am Neu­jahrs­tag des Jah­res 1929, dem Jahr, in dem die nächs­te wirt­schaft­li­che Kri­se Deutsch­land erreicht hat­te, sol­len die Umsät­ze noch wei­ter zurück­ge­gan­gen sein.[31] Sei­ne Frau Ade­le konn­te zwar sei­ne Stel­le als Mit­ei­gen­tü­me­rin ein­neh­men, die Geschäfts­füh­rung über­nahm aber jetzt der ein­zig noch leben­de Bru­der Moritz. Er soll „ein sehr reel­ler, ein­fach leben­der Geschäfts­mann in gut­bür­ger­li­chen Ver­hält­nis­sen“ gewe­sen sein.[32] Der Han­del wur­de ver­mut­lich jetzt pri­mär als Kom­mis­si­ons­ge­schäft geführt, d. h., es wur­de nicht mehr auf eige­ne Rech­nung ein- und ver­kauft. Unter­stützt wur­de Moritz Bon­né von sei­nem jüngs­ten Sohn Wal­ter, dem, wie auch sei­nen Brü­dern, zunächst eine höhe­re Schul­bil­dung zuteil gewor­den war.

Erwin Bonné
Erin­ne­rung an Erwin Bon­né auf dem Obe­lisk in Oberingel­heim
Foto: K.Dürsch

Von Erwin weiß man, dass er im Ers­ten Welt­krieg als Sol­dat gedient hat­te und dabei ver­letzt wor­den war. Nach dem Ende des Krie­ges war er zu sei­nen Eltern nach Ingel­heim in die Schil­ler­str. 2 zurück­ge­kehrt. An den Spät­fol­gen sei­ner Ver­wun­dung starb er am 22. Juli 1921 in Spa­ni­en, wohin er etwa ein Vier­tel­jahr zuvor — am 3. März 1921 hat­te er sich in sei­ner Hei­mat­stadt mit dem Ziel Madrid abge­mel­det — aus­ge­wan­dert war.[33]
Zuvor war auch schon sein Bru­der Paul am 7. Juni 1920 in die spa­ni­sche Haupt­stadt Madrid gezo­gen.[34] Kurz vor Hit­lers Macht­er­grei­fung folg­te am 15. Dezem­ber 1932 auch noch der jüngs­te Sohn Wal­ter. Offen­sicht­lich sah er in der Über­nah­me des Fami­li­en­be­triebs, der nun allein in den Hän­den des Vaters lag, schon damals kei­ne Zukunfts­per­spek­ti­ve für sich, ob aus wirt­schaft­li­chen oder poli­ti­schen Grün­den, muss offen blei­ben. Er ließ sich aller­dings in Sevil­la nie­der. Was die drei nach Spa­ni­en gezo­gen hat­te, ein Land, das auch schon vor dem Bür­ger­krieg und der faschis­ti­schen Macht­über­nah­me sehr kon­ser­va­tiv und auto­ri­tär geprägt war, lässt sich nicht mehr ergrün­den. Mög­li­cher­wei­se gab es aber Ver­bin­dun­gen dort­hin, die aus dem Wein­han­dels­ge­schäft her­vor­ge­gan­gen waren.

Todes­an­zei­ge für Cil­ly Bon­né, geb. Hilb
Mit Geneh­mi­gung des dif-Ingelheim

Da bereits am 2. Novem­ber 1930 Cil­ly, die Frau von Moritz Bon­né, kurz vor Voll­endung des 62. Lebens­jahrs in Ober Ingel­heim ver­stor­ben war,[35] leb­ten zu Beginn der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ära von der einst recht gro­ßen Fami­lie nur noch ein Wit­wer, Moritz Bon­ne, und sei­ne zwei eben­falls ver­wit­we­ten Schwä­ge­rin­nen, Recha und Ade­le Bon­ne, in Ingelheim.

In dem rhein­hes­si­schen Städt­chen gab es schon seit 1920 Ein­zel­ne, die mit den Ideen des Natio­nal­so­zia­lis­mus sym­pa­thi­sier­ten und sich aktiv dafür ein­setz­ten. Noch war es nur ein Stamm­tisch in der als „Nazi­lo­kal“ ver­schrie­nen Wirt­schaft, in der sich die­se tra­fen, bald aber kleb­ten die ers­ten Haken­kreuz­pla­ka­te in der Stadt und immer mehr, gera­de auch hono­ri­ge Bür­ger unter­stütz­ten die Akti­vis­ten. Bei den Reichs­tags­wah­len im Novem­ber 1932 und im März 1933 erhielt die Par­tei schon die meis­ten Stim­men, sowohl in Ober- als auch in Niederingelheim.

Frü­he Akti­vi­tä­ten der NSDAP in Ingelheim
Ingel­hei­mer Zei­tung vom 27. 7. und 22. 6. 1933

Der 30. Janu­ar war auch in Ingel­heim mit Fackel­um­zü­gen und dem His­sen der Haken­kreuz­fah­ne gefei­ert wor­den. Im Gemein­de­par­la­ment, zu dem den Mit­glie­dern der KPD der Zutritt ver­wehrt wur­de, erlang­te die NSDAP die Mehr­heit. Der gewähl­te Bür­ger­meis­ter von Ober Ingel­heim, auf des­sen Haus mehr­fach Schüs­se abge­ge­ben wor­den waren, konn­te, nach­dem er abge­setzt war, aus der Stadt flie­hen und sich so der Inhaf­tie­rung ent­zie­hen. Das KZ Ost­ho­fen lag nur weni­ge Kilo­me­ter ent­fernt. Dort waren in den ers­ten Jah­ren nach der „Macht­er­grei­fung“ etwa 20 bis 30 Ingel­hei­mer Oppo­si­tio­nel­le inhaf­tiert wor­den, auch schon die ers­ten Juden.[36] Der „Boy­kott­tag“ am 1. April 1933 scheint – so Mey­er /​ Ment­gen – „rela­tiv ruhig“ ver­lau­fen zu sein, wenn­gleich auch in Ingel­heim die Het­ze in Zei­tun­gen und durch Pla­ka­te all­ge­gen­wär­tig war. Und die Het­ze trug Früch­te: Bereits 1933 kam es in Ingel­heim zu einer gan­zen Rei­he von Anschlä­gen auf jüdi­sche Bewoh­ner bzw. deren Häu­ser. Schüs­se, blind abge­ge­ben durch die Fens­ter, hät­ten schon damals Leben kos­ten kön­nen. Zur Rechen­schaft sind die Täter selbst­ver­ständ­lich nicht gezo­gen wor­den.[37] Die Fami­lie Bon­né scheint aber von die­sen unmit­tel­bar tät­li­chen Angrif­fen ver­schont geblie­ben zu sein.

Aber auch ihre Mit­glie­der waren betrof­fen von den Maß­nah­men, die im Sep­tem­ber 1935 vom Ingel­hei­mer Gemein­de­rat als „Abwehr­maß­nah­men gegen den jüdi­schen Ein­fluß in Ober Ingel­heim“ ver­ab­schie­det wur­den. Kon­kret beschloss man damals ein Zuzugs­ver­bot für Juden und ein Ver­bot für Juden, „gemeind­li­che Ein­rich­tun­gen“, etwa die öffent­li­che Waa­ge, zu nut­zen. Wer mit Juden Geschäf­te mach­te, erhielt kei­ne öffent­li­chen Auf­trä­ge mehr. Beam­ten, Ange­stell­ten und Arbei­tern der Stadt wur­de für die­sen Fall die Ent­las­sung ange­droht, alle ande­ren soll­ten per Pla­ka­te und Zei­tungs­an­zei­gen an den Pran­ger gestellt wer­den.[38]

Auch in Ingel­heim ver­lie­ßen immer mehr Jüdin­nen und Juden den Ort, der oft über Jahr­hun­der­te für sie Hei­mat bedeu­tet hat­te, zuneh­mend aber zu einem bedroh­li­chen Umfeld gewor­den war. Bei einer Erhe­bung aus dem August 1937 zähl­te man in Ober Ingel­heim noch sech­zehn jüdi­sche Bewoh­ner, dar­un­ter auch Recha Abra­ham und fälsch­li­cher­wei­se Juli­us Bon­né.[39] Gemeint war sicher sei­ne Frau Ade­le, denn Juli­us war zu die­sem Zeit­punkt bereits seit fast zehn Jah­ren ver­stor­ben. Moritz Bon­né fehlt in der Auf­lis­tung, obwohl er sich erst am 29. Okto­ber 1937 offi­zi­ell abge­mel­det hat­te. Mög­li­cher­wei­se hat­te er aber zu die­sem Zeit­punkt die Stadt bereits ver­las­sen und war­te­te irgend­wo in Euro­pa auf einen Trans­fer nach Portugal.

Die wei­te­re Ver­schär­fung der Lage für die Ingel­hei­mer Juden kul­mi­nier­te wie über­all in Deutsch­land im Novem­ber 1938, als über­all die Syn­ago­gen brann­ten und die Wohn- und Geschäfts­räu­me der noch geblie­be­nen Juden ange­grif­fen und oft auch zer­stört wur­den. Die Ingel­hei­mer Syn­ago­ge blieb wegen der Gefähr­dung der Nach­bar­häu­ser zumin­dest von der Inbrand­set­zung ver­schont. Ansons­ten unter­schied sich die Gewalt des Pogroms nicht von der in den ande­ren Gemein­den des Reichs.[40]

Die bei­den Schwä­ge­rin­nen erleb­ten die Gewalt­or­gie in Ingel­heim ver­mut­lich nicht mehr, zumin­dest hat­ten sie sich bei­de genau eine Woche zuvor in Ingel­heim ab- und in Wies­ba­den ange­mel­det.[41] Aber ob sie auch schon tat­säch­lich umge­zo­gen waren, ist nicht sicher zu sagen. Aber die Ereig­nis­se an die­sem Tag waren in Wies­ba­den ohne­hin nicht weni­ger bedrü­ckend. Ihr Haus in der Rin­der­bach­str. 11 hat­te Ade­le Bon­né bereits am 5. Juli 1938 für 13.000 RM an einen Ingel­hei­mer Mit­bür­ger, den Rechts­an­walt Adolf Lud­wig, ver­kauft – 1.500 RM unter dem zuletzt fest­ge­stell­ten Ein­heits­wert.[42]

Wellritzstr. 45
Das Haus Well­ritz­str. 45 heu­te
Eige­ne Aufnahme

Die Mit­tei­lung des Ver­kaufs war am 7. Dezem­ber 1938 vom Finanz­amt Ingel­heim an das Amt in Wies­ba­den mit dem Ver­merk „zu den am 3.12.38 nach dort über­wie­se­nen Akten zu neh­men“ geschickt wor­den. Bei­de Frau­en bewohn­ten nach ihrem Umzug eine gemein­sa­me Woh­nung in der Wies­ba­de­ner Well­ritz­str. 45.[43] Das Haus gehör­te dem Metz­ger­ehe­paar Gus­tav und Frie­da Kahn, die wie­der­um Ange­hö­ri­ge der gro­ßen jüdi­schen Metz­gers­dy­nas­tie Kahn in Wies­ba­den waren. Gus­tav Kahn hat­te sein Geschäft aber bereits 1935 auf­ge­ben müs­sen und bald danach war er ver­stor­ben, sodass die Wit­we sicher auch froh war, die leer gewor­de­ne Woh­nung ver­mie­ten zu kön­nen, zumal wenn es sich um Frau­en han­del­te, die in mehr­fa­cher Hin­sicht ein ähn­li­ches Schick­sal zu tra­gen hatten.

Zwar bot Wies­ba­den für die bei­den ver­wit­we­ten Frau­en mehr Anony­mi­tät und damit eine gerin­ge­re Bedro­hung im all­täg­li­chen Leben, der Ver­fol­gung durch den staat­li­chen Repres­si­ons­ap­pa­rat konn­ten sie sich auf die­se Wei­se frei­lich nicht ent­zie­hen. Es sind aller­dings nur weni­ge Doku­men­te in den dün­nen Finanz­ak­ten erhal­ten geblie­ben, die dar­über – aber nur unzu­rei­chend – Aus­kunft geben können.

Anla­ge der Devi­sen­ak­te für Ade­le Bon­né
HHStAW 519/​3 2366 (1)

Am 30. Janu­ar 1940 hat­te die Devi­sen­stel­le in Frank­furt für Ade­le Bon­né eine soge­nann­te „JS-Map­pe“ mit der Nr. 1537 zur Über­wa­chung ihrer Finan­zen ange­legt. Etwa eine Woche spä­ter, am 9. Febru­ar, folg­te die für Recha Bon­né mit der Num­mer 399. Wäh­rend Ade­le Bon­né zunächst bis zur Abga­be der obli­ga­to­ri­schen Ver­mö­gens­er­klä­rung ein monat­li­cher Frei­be­trag von 300 RM gewährt wur­de, soll­te ihre Schwä­ge­rin nur über 200 RM frei ver­fü­gen kön­nen.[44] Am 12. Febru­ar reich­te Ade­le Bon­né die gefor­der­te Aus­kunft zu ihrem Ver­mö­gen, zu ihrem Ein­kom­men und ihrem monat­li­chen Bedarf bei der Frank­fur­ter Behör­de ein. Neben ihrem Bank­kon­to, auf dem knapp 3.000 RM lagen, besaß sie noch ein Depot in einem nur wenig höhe­ren Wert, ins­ge­samt 6.000 RM. Ihren Bedarf bezif­fer­te sie auf knapp 300 RM, 55 RM für Mie­te und 240 RM für den übri­gen Lebens­un­ter­halt samt Klei­dung. Das gesi­cher­te Kon­to hat­te sie zwei Tage zuvor bei der Deut­schen Bank ein­ge­rich­tet. Der Frei­be­trag wur­de zwei Wochen spä­ter in der bis­he­ri­gen Höhe bestä­tigt.[45] Recha besaß dage­gen nur weni­ge Wert­pa­pie­re, mit einem Kurs­wert von damals 505 RM. Über ihr Ein­kom­men mach­te sie in dem For­mu­lar kei­ne Anga­ben, schrieb aber in einem Begleit­schrei­ben, dass sie eine halb­jähr­li­che Ren­te 105 RM vom deut­schen Staat bezie­he, was auch für eine noch so beschei­de­ne Lebens­füh­rung nicht aus­rei­chend sein konn­te. Sie lebe, so führ­te sie wei­ter aus, mit ihrer Schwä­ge­rin und auf deren Kos­ten in einem gemein­sa­men Haus­halt. Ihr Frei­be­trag wur­de dar­auf­hin auf 160 RM her­ab­ge­setzt.[46]

Auf den fol­gen­den, an die Devi­sen­stel­le gerich­te­ten Brie­fen der bei­den Frau­en, kann man dann eine neue Adres­se lesen: Nicht mehr die Well­ritz­str. 45, son­dern die des Juden­hau­ses Bahn­hofstr. 46, das dem jüdi­schen Wein­händ­ler Sebald Strauss und sei­ner Frau Hed­wig gehör­te. Am 17. Sep­tem­ber 1941 hat­ten Recha Abra­ham und Ade­le Bon­né dort­hin umzie­hen müs­sen, wie man dem Ein­trag auf ihren jewei­li­gen Gestapo­kar­tei­kar­ten ent­neh­men kann.
Sie waren damals nicht die ein­zi­gen, die zu die­sem Umzug gezwun­gen waren. Auch ihre bis­he­ri­ge Ver­mie­te­rin Lina Strauss und deren Tan­te Frie­da Kahn, hat­ten das Haus in der Well­ritz­stra­ße ver­las­sen müs­sen und waren in der Bahn­hof­stra­ße ein­quar­tiert worden.

Die Bit­te von Ade­le Bon­né um Win­ter­brand lan­det beim NSDAP-Kreis­wirt­schafts­be­ra­ter
HHStAW 483 10127 (20)

Da der Herbst schon ange­bro­chen war und der Win­ter vor der Tür stand, stell­ten die neu ein­ge­zo­ge­nen Lina Strauss und Ade­le Bon­né beim NSDAP-Kreis­wirt­schafts­be­ra­ter Ende Sep­tem­ber den Antrag, sie mit dem nöti­gen Haus­brand zu belie­fern. Der wie­der­um hol­te Infor­ma­tio­nen über die bei­den beim Orts­grup­pen­lei­ter Wies­ba­den-Ost ein, woll­te auch wis­sen, wer bis­her die Koh­len gelie­fert hat­te. Das Schrei­ben ging wei­ter an den Zel­len­wart der Zel­le 03 mit den Ver­mer­ken „Eilt sehr!“ und „Streng ver­trau­lich!“ [47] Am 6. Okto­ber berich­te­te der Orts­grup­pen­lei­ter dem Wirt­schafts­be­ra­ter, dass er „über das poli­ti­sche Ver­hal­ten von hier nichts berich­ten (kön­ne), da die bei­den Genann­ten  — wie erwähnt – erst seit fünf Wochen zuge­zo­gen sind.
Über deren Gesund­heits­zu­stand ist Ungüns­ti­ges hier gleich­falls nicht bekannt. Eine Belie­fe­rung außer der Rei­he kommt m. E. nicht in Betracht.“
[48]
Man kann sicher davon aus­ge­hen, dass das Votum des Orts­grup­pen­lei­ters Gehör fand und die Frau­en zumin­dest zu die­sem Zeit­punkt kei­ne Koh­len erhiel­ten. Viel­leicht erhiel­ten sie spä­ter – in der Rei­he – doch noch etwas oder konn­ten mit den übri­gen Mit­be­woh­nern das vor­han­de­ne Brenn­ma­te­ri­al tei­len. Es soll­te ohne­hin der letz­te Win­ter sein, den sie in Wies­ba­den verbrachten.

Recha Abra­ham und Ade­le Bon­né schei­nen in dem Juden­haus ein weit­ge­hend zurück­ge­zo­ge­nes Leben geführt zu haben. In den vie­len Brie­fen, die Sebald und Hed­wig Strauss an ihren Sohn im boli­via­ni­schen Exil schrie­ben, in denen sie auch immer wie­der über das Leben ihrer Mit­be­woh­ner berich­te­ten, wer­den die bei­den Frau­en nie erwähnt. Auch sind nur weni­ge Brie­fe aus dem Schrift­wech­sel mit der Devi­sen­stel­le erhal­ten geblie­ben. Wie schlecht es ihnen ging, kann man aber zwi­schen den Zei­len lesen und erah­nen. Am 30. Janu­ar 1942 hat­te die Behör­de in einem Brief an die alte Adres­se Ade­le Bon­né auf­ge­for­dert, eine aktu­el­le Auf­stel­lung ihrer Lebens­hal­tungs­kos­ten zu über­mit­teln. In ihrer weni­ge Tage danach über­mit­tel­ten Ant­wort gab sie an, wöchent­lich 30 RM zu benö­ti­gen. „Lau­fen­de Aus­ga­ben an Unter­stüt­zun­gen an mit­tel­lo­se Ver­wand­te sind hier­in nicht mit­be­rech­net. Ich möch­te aus­drück­lich beto­nen, dass ich nicht nur für mich son­dern auch für mei­ne mit­tel­lo­se Schwä­ge­rin den Lebens­un­ter­halt bestrei­ten muß. Ich bin 75 Jah­re und mei­ne Schwä­ge­rin 79 Jah­re alt.“[49]
Mit­leid war von der Devi­sen­stel­le nicht zu erwar­ten. Was die­se zu einer schnel­len Ant­wort ver­an­lass­te, war viel­mehr die Tat­sa­che, dass bei­de Frau­en umge­zo­gen waren, ohne die Behör­de, wie vor­ge­schrie­ben, davon in Kennt­nis zu set­zen. Bei einem erneu­ten Ver­stoß gegen die Vor­schrif­ten habe sie mit einer Stra­fe zu rech­nen, teil­te man ihr mit. Zudem for­der­te man wei­te­re Aus­künf­te über die Auf­tei­lung des zuge­stan­de­nen Frei­be­trags. Schnell ent­schul­dig­te sich die wohl ver­ängs­tig­te Ade­le Bon­né für ihr Ver­säum­nis und gab an, dass sie mit Recha Abra­ham in einem Haus­halt lebe und hof­fe, dass sie bei­de mit 200 RM im Monat zurecht­kom­men wür­den – „vor­aus­ge­setzt, daß die Ver­hält­nis­se kei­ne Ände­rung erfah­ren“. Es waren dann sogar 250 RM, die die Devi­sen­stel­le als Frei­be­trag gewähr­te,[50] aber auch die Ver­hält­nis­se änder­ten sich bald.

Adele Bonné
Ade­le Bon­né legt gegen­über der Devi­sen­stel­le ihre finan­zi­el­le Situa­ti­on dar
HHStAW 519/​3 2366 (7)
Recha Bonne, Adele Bonne
Straf­an­dro­hung der Devi­sen­stel­le wegen des nicht gemel­de­ten Umzugs in das Juden­haus Bahn­hofstr. 46
HHStAW 519/​3 2366 (7)

Ihren erneu­ten Umzug in das Juden­haus Kai­ser-Fried­rich-Ring 65, der am 13. Juni 1942 statt­ge­fun­den hat­te, teil­ten die bei­den Frau­en der Devi­sen­stel­le dies­mal recht­zei­tig, näm­lich am 22. Juni mit.[51] Die bei­den Schrei­ben sind die letz­ten doku­men­ta­ri­schen Spu­ren, die die bei­den in Wies­ba­den hin­ter­las­sen haben. Das Juden­haus in der Bahn­hofstr. 46 war für Zwe­cke der SS geräumt wor­den und aus dem am Kai­ser-Fried­rich-Ring war am 10. Juni das noch rela­tiv jun­ge Ehe­paar Roth­schild „eva­ku­iert“ wor­den, sodass dort Platz für die Alten geschaf­fen wor­den war, die für einen „Arbeits­ein­satz“ – so die gän­gi­ge Umschrei­bung der Depor­ta­tio­nen in den bal­di­gen Tod – nicht mehr infra­ge kamen. Auf den jewei­li­gen Gestapo­kar­tei­kar­ten von Recha und Ade­le ist unter Bemer­kun­gen zu lesen: „Arbeits­un­fä­hig Alter“.

Die alten Men­schen blie­ben zumeist noch über den Som­mer in Wies­ba­den. Dann, am 1. Sep­tem­ber 1942, brach­te auch sie ein Zug in den Osten, dies­mal in das soge­nann­te Alters­ghet­to The­re­si­en­stadt. Anders als bei Ade­le Bon­né steht auf der Depor­ta­ti­ons­lis­te als Adres­se von Recha Abra­ham nicht der Kai­ser-Fried­rich-Ring 65, son­dern die des jüdi­schen Alters­heims Geis­berg­str. 24, das auch als Sam­mel­stel­le vor den Depor­ta­tio­nen genutzt wur­de. Ver­mut­lich war die schwäch­li­che Frau noch weni­ge Tage vor dem anbe­raum­ten Depor­ta­ti­ons­ter­min dort­hin ver­legt wor­den. Eine Adres­sens­än­de­rung ist ansons­ten weder auf der Gestapo­kar­tei­kar­te noch in der Devi­sen­ak­te ver­merkt worden.

Recha Abra­ham gehör­te dann zu den­je­ni­gen, die am Mor­gen des 1. Sep­tem­ber das „Pri­vi­leg genos­sen“, mit einem Last­wa­gen zur Vieh­ver­la­de­sta­ti­on des Haupt­bahn­hofs gebracht zu wer­den, und nicht, wie die übri­gen, vor aller Augen durch den kal­ten, nas­sen Mor­gen von der Sam­mel­stel­le Fried­rich­stra­ße 33, dem Hof der ent­weih­ten Syn­ago­ge, zum Bahn­hof lau­fen muss­ten. Der Zug brach­te die 514 Wies­ba­de­ner Jüdin­nen und Juden zunächst in die Groß­markt­hal­le nach Frank­furt, wo der Trans­port end­gül­tig zusam­men­ge­stellt wur­de. Am 2. Sep­tem­ber erreich­te er die ehe­ma­li­ge K.u.K.-Garnisonsstadt Theresienstadt.

Theresienstadt Recha Abraham
Todes­fall­an­zei­ge für Recha Abra­ham, geb. Bon­né
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Recha Abra­ham hat­te die Beschwer­nis­se der Fahrt noch über­stan­den, aber dann nur noch weni­ge Tage im Ghet­to über­lebt. Schon am 11. des Monats ver­starb sie dort angeb­lich an einem Darm­ka­tarrh.[52] Ihre Schwä­ge­rin Ade­le Bon­né gelang es, sich noch ein­ein­halb Jah­re am Leben zu hal­ten. Der Tag, an dem sie zu Tode kam, war der 5. April 1944.[53] Von den 1111 Depor­tier­ten des Sep­tem­ber-Trans­ports mit der Bezeich­nung XII/​2 konn­ten spä­ter nur 32 befreit wer­den.[54]

Am 5. Okto­ber 1942 wur­de ihr rest­li­ches Ver­mö­gen zuguns­ten des Deut­schen Rei­ches vom Ober­fi­nanz­prä­si­den­ten in Kas­sel ein­ge­zo­gen.[55] 1951 stell­te Kurt Gold­mann, nach dem Krieg Bank­kauf­mann in Frank­furt a. M., einen Antrag auf Ent­schä­di­gung für die von sei­ner Tan­te Ade­le erlit­te­nen mate­ri­el­len Ver­lus­te. Für das zuge­füg­te kör­per­li­che und see­li­sche Leid, sahen die Bestim­mun­gen bei Ver­wand­ten kei­ne Ent­schä­di­gung vor.
Der am 18. März 1902 in Ber­lin Char­lot­ten­burg gebo­re­ne Sohn von Ernst und Johan­na Lui­se Maria Gold­mann, gebo­re­ne Majun­t­ke,[56] hat­te offen­sicht­lich in Ber­lin die Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus über­lebt, da sei­ne Mut­ter kei­ne Jüdin war und er somit nur als Halb­ju­de galt.[57] Im Zuge des Ver­fah­rens tra­ten auch ande­re Nef­fen und Nich­ten der Ermor­de­ten auf, die eben­falls Ansprü­che gel­tend mach­ten. Melit­ta Von­dran war die Toch­ter von Mat­hil­de Gold­mann, dem sieb­ten Kind von Laza­rus Gold­mann, und die Zwil­lings­schwes­ter von Hugo Gold­mann, bei­de gebo­ren am 9. Sep­tem­ber 1864 in Fried­berg. Melit­ta Gold­mann hat­te am 14. Dezem­ber 1896 in Frank­furt den aus dem rhein­hes­si­schen Flons­heim stam­men­den jüdi­schen Kauf­mann Richard Otto Stein­hard gehei­ra­tet.[58] Wann Melit­ta gebo­ren wur­de, wann sie hei­ra­te­te und wie sie die NS-Zeit über­leb­te, konn­te nicht ermit­telt wer­den. Sie leb­te in den Nach­kriegs­jah­ren in Köln-Ehren­feld. Auch die Kin­der von Ade­les älte­rem Bru­der Otto, gebo­ren am 21. Sep­tem­ber 1863 in Fried­berg, gehör­ten zu den Berech­tig­ten. Der Kauf­mann Otto Gold­mann hat­te am 13. August 1897 in Frank­furt Elsa Johan­na Gumpf, wie er jüdi­schen Glau­bens, gehei­ra­tet.[59] Aus die­ser Ehe waren, soweit bekannt, zwei Kin­der her­vor­ge­gan­gen, denen bei­den die Flucht aus Deutsch­land gelun­gen war. Der älte­re, 1898 gebo­re­ne Fritz war bereits im April 1934 von Genua aus in die USA aus­ge­wan­dert und hat­te sich dort in Oran­ge im Staat New York nie­der­ge­las­sen.[60] Nach­dem er 1935 ame­ri­ka­ni­scher Staats­bür­ger gewor­den war, hat­te er am 25. Mai 1937 in New York Ger­da Hal­ber­stadt aus Hal­ber­stadt gehei­ra­tet, die 1934 in die USA emi­griert war.[61]
Die Toch­ter Lil­ly Hen­ri­et­te war am 11. Juni 1898 eben­falls in Frank­furt zur Welt gekom­men.[62] Am 8. Juni 1925 hat­te sie in Frank­furt den dort woh­nen­den, aber am 12. Sep­tem­ber 1899 in Ber­lin gebo­re­nen Kauf­mann Edgar Diet­rich Wolff gehei­ra­tet.[63] Der wei­te­re Lebens­weg des Paa­res konn­te nicht rekon­stru­iert wer­den. Zum Zeit­punkt des Ent­schä­di­gungs­ver­fah­rens leb­te zumin­dest Lil­ly Wolff im bra­si­lia­ni­schen Sao Pau­lo.[64]

Die Erben­ge­mein­schaft bestand somit aus vier Per­so­nen – ob es wei­te­re Über­le­ben­de oder Nach­kom­men der ins­ge­samt neun Geschwis­ter von Ade­le Bon­né gab, war damals nicht erforscht wor­den –, denen am 25. Febru­ar 1955 ein Bescheid zuge­stellt wur­de, laut dem sie ins­ge­samt einen Anspruch auf eine Ent­schä­di­gung in Höhe von 440 DM hät­ten. Die Ent­schä­di­gungs­be­hör­de hat­te fest­ge­stellt, dass Ade­le Bon­né eine Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be von ins­ge­samt 2.750 RM auf­er­legt wor­den war. Davon waren aber nur 2.200 RM gezahlt wor­den, weil ihr die 5. Rate erlas­sen wor­den war, da ihr Ver­mö­gen durch die vor­he­ri­gen Zah­lun­gen unter das Limit von 5.000 RM Ver­mö­gen gefal­len war. Auf dem Kon­to bei der Deut­schen Bank hat­ten am Tag der Depor­ta­ti­on noch 1.603,34 RM gele­gen, die sich der Fis­kus durch Ver­mö­gens­ein­zug ange­eig­net hat­te.[65]

Für ihre Schwä­ge­rin Recha Abra­ham, gebo­re­ne Bon­né, war kein Ent­schä­di­gungs­an­trag gestellt wor­den. Es kann auch nur ein sehr klei­ner Betrag gewe­sen sein, den der Staat nach ihrem Abtrans­port ver­ein­nahmt hatte.

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Ingel­hei­mer Car­ne­val Ver­eins — Aus der Fest­schrift zum 100jährigen Ver­eins­ju­bi­lä­um im Jahr 1998

Ein Mit­glied der Fami­lie Bon­né, Wal­ter Bon­né, der jüngs­te Sohn von Moritz und Cil­ly Bon­né, war nach dem Ende des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ter­ror­re­gimes aus Spa­ni­en wie­der nach Deutsch­land zurück­ge­kehrt. Im Dezem­ber 1949 hat­te er sich von Mainz kom­mend, wo er wohl zunächst gewohnt hat­te, wie­der in Ingel­heim gemel­det. Es ist schon ein etwas ver­stö­ren­des Foto, das Wal­ter Bon­né als Ring­rich­ter der „Nar­ren­sta­ti­on“ bei einer Kar­ne­vals­ver­an­stal­tung am 27. Febru­ar 1949 in Ingel­heim zeigt.[66] War es ein hilf­lo­ser, gera­de­zu pein­li­cher Ver­such, den Rück­keh­rer wie­der in die Gemein­schaft auf­zu­neh­men? Man möch­te nicht wis­sen, wie sich Wal­ter in sei­nem Nar­ren­kos­tüm damals fühl­te. Lan­ge ist er nicht in Ingel­heim geblie­ben. Bereits 1952 ver­ließ er sei­ne Hei­mat­stadt wie­der, ohne sich poli­zei­lich abzu­mel­den. Spä­ter stell­te sich her­aus, dass er sich zunächst in Lud­wigs­ha­fen, dann in Neu­stadt an der Wein­stra­ße nie­der­ge­las­sen hat­te.[67] Dort ver­starb er am 30. März 1984 im Jüdi­schen Alters­heim.[68]

Wal­ter Bon­né (ganz rechts) im Kreis Ingel­hei­mer Mit­bür­ger nach sei­ner Rück­kehr in sei­ne Hei­mat­stadt
Foto: M.Schlotterbeck /​ dif-Ingel­heim

Auch wenn ver­mut­lich durch den frü­hen Tod von Moritz Abra­ham die Ver­bin­dung von Recha zur Fami­lie ihres Ehe­manns nicht all­zu eng gewe­sen sein wird, so soll doch auch wenigs­tens knapp auf deren Schick­sal ein­ge­gan­gen wer­den.[69] Recha Abra­ham, gebo­re­ne Bon­né, war nicht die ein­zi­ge aus der Fami­lie Abra­ham, die dem Holo­caust zu Opfer fiel. Im Gegen­teil. Nur weni­gen der Geschwis­ter ihres Man­nes, soweit sie nicht ver­stor­ben waren, bevor die Nazis mit ihrem „End­lö­sungs­pro­gramm“ began­nen, gelang es, mit ihren Fami­li­en der Ver­nich­tung zu entkommen.

Her­mann, der am 6. August 1873 gebo­re­ne nächst­jün­ge­re Bru­der von Moritz, ver­starb bereits 1936 und blieb somit von den Depor­ta­tio­nen ver­schont. Ver­hei­ra­tet war der Vieh­händ­ler mit Ber­ta Bär, die am 16. August 1866 in Hamm, der Hei­mat­stadt ihrer Schwie­ger­mut­ter, gebo­ren wor­den war. Auch sie starb noch in der Zeit der Wei­ma­rer Repu­blik, aller­dings im April 1929 und damit zu Beginn der Pha­se, in der die schwers­te Kri­se der Repu­blik gera­de begann. Aus der Ehe waren die bei­den Kin­der Sieg­fried, gebo­ren am 13. August 1891, und Else, gebo­ren am 5. Febru­ar 1893, her­vor­ge­gan­gen. Der Sohn, der den Vieh­han­del des Vaters über­nom­men hat­te, wur­de mit sei­ner Frau Else, gebo­re­ne Wal­ler­stein, am 19. Sep­tem­ber 1942 von Köln aus mit ihrer damals 15-jäh­ri­gen Toch­ter Lie­sel nach The­re­si­en­stadt depor­tiert. Mehr als zwei Jah­re konn­te die Fami­lie dort über­le­ben. Dann brach­te man alle drei am 9. Okto­ber 1944 nach Ausch­witz, wo sie wohl alle unmit­tel­bar nach der Ankunft ermor­det wurden.

Else, die mit dem Duis­bur­ger Rechts­an­walt Hugo Ruben ver­hei­ra­tet war und selbst als Vor­sit­zen­de des Jüdi­schen Frau­en­bun­des dort aktiv war, konn­te, wie auch ihre bei­den Söh­ne Klaus und Bern­hard, aller­dings auf getrenn­ten Wegen, recht­zei­tig das ame­ri­ka­ni­sche Exil errei­chen. Ihr Mann war bereits 1933 verstorben.

Moritz’ jün­ge­rer Bru­der Albert, gebo­ren am 12. März 1870, von Beruf Vieh­händ­ler, war ver­hei­ra­tet mit Jea­nette Horn aus Köln, gebo­ren am 3. März 1877. Das Ehe­paar hat­te nur ein Kind, die am 9. Novem­ber 1900 gebo­re­ne Toch­ter Margarethe.
Ihr Haus in der Köl­ner Str. 17 war nach 1938 zum Juden­haus erklärt wor­den, in das dann auch wei­te­re jüdi­sche Bewoh­ner ein­quar­tiert wur­den. Am 28. April 1942 wur­den sie zunächst nach Köln ver­bracht und von dort drei Mona­te spä­ter am 27. Juli mit dem Trans­port III/​2 nach The­re­si­en­stadt depor­tiert. 1165 Jüdin­nen und Juden, zumeist aus den links­rhei­ni­schen Gebie­ten, befan­den sich neben den 512 aus der Stadt Köln in dem Zug, 275 davon wur­den im Herbst nach Treb­linka über­stellt. Dar­un­ter befand sich auch Albert Abra­ham. Als sein Todes­tag gilt der 19. Sep­tem­ber 1942. Sei­ne Frau Jea­nette war bereits am 9. August 1942, also nur weni­ge Tage nach ihrer Ankunft in The­re­si­en­stadt, ums Leben gekommen.

Auch ihre Toch­ter, die mit Albert Cohen aus Dins­la­ken ver­hei­ra­tet war, ent­kam mit ihrem Mann und den bei­den Kin­dern Rosel und Fritz der Gas­kam­mer nicht, obwohl es ihnen zunächst gelun­gen war, sich nach Hol­land abzu­set­zen. Nach dem Über­fall der deut­schen Trup­pen auf die Nie­der­lan­de wur­de die Fami­lie gefasst und in Wes­ter­borg inter­niert. Am 28. August 1942 brach­te sie der Zug nach zwei Tagen Fahrt auf die Ram­pe von Ausch­witz, von wo aus der Vater, die Mut­ter und ihr 13-jäh­ri­ger Sohn sowie die 17-jäh­ri­ge Toch­ter der soge­nann­ten „Son­der­be­hand­lung“, sprich: dem Tod in der Gas­kam­mer, zuge­führt wurden.

Ein ähn­li­ches Schick­sal erlitt die Fami­lie des Bru­ders Sal­ly. Der am 30. Janu­ar 1874 eben­falls in Alten­kir­chen gebo­re­ne Sal­ly erleb­te selbst die Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus nicht mehr. Er war bereits am 2. August 1919 an den Fol­gen einer Kriegs­ver­let­zung aus dem Ers­ten Welt­krieg ver­stor­ben. Ver­hei­ra­tet war er mit Maria Königs­ber­ger aus dem pol­ni­schen Biel­scho­witz. Die Wit­we war ver­mut­lich mit ihrem Sohn Kurt Abra­ham und sei­ner Frau Ruth, gebo­re­ne Nuss­baum, eben­falls nach Hol­land emi­griert. Wäh­rend Maria Abra­ham gefasst und auch in Wes­ter­bork inhaf­tiert wur­de, konn­ten ihr Sohn und sei­ne Frau sich in Ams­ter­dam ver­ste­cken und die Zeit bis zum Ende der Besat­zung über­le­ben. Dage­gen war es Erna, der Toch­ter von Sal­ly und Maria Abra­ham, die mit Alfred Cohn in Bot­trop ver­hei­ra­tet war, nicht gelun­gen, den Ver­fol­gern zu ent­kom­men. Bei­de waren bereits am 10. Novem­ber 1941 nach Minsk depor­tiert wor­den und blie­ben ver­schol­len. Die Kin­der der bei­den, die Toch­ter Ger­da und der Sohn Her­bert, konn­ten aber zunächst, ver­mut­lich mit der Groß­mutter und dem Onkel, nach Hol­land flie­hen. Zumin­dest wohn­ten die bei­den mit ihrer Groß­mutter zusam­men in Ams­ter­dam. Aber sowohl die Groß­mutter wie die bei­den Enkel­kin­der wur­den nach der Beset­zung des Lan­des gefasst. Am 19. August 1942 wur­den zunächst die 18-jäh­ri­ge Ger­da und der 16-jäh­ri­ge Her­bert über Wes­ter­bork nach Ausch­witz gebracht und ermor­det. Ihre Groß­mutter Maria Abra­ham wur­de etwa ein hal­bes Jahr spä­ter, am 10. März 1943, von dem glei­chen Lager aus nach Sobi­bor in den Tod geschickt.

Pau­li­ne, die ein­zi­ge Schwes­ter von Moritz Abra­ham, war am 29. Mai 1876 gebo­ren wor­den. Sie war zwei­mal ver­hei­ra­tet, aber bei­de Ehe­män­ner erleb­ten die Zeit der Mas­sen­de­por­ta­tio­nen nicht mehr. Den ins­ge­samt vier Kin­dern aus den bei­den Ehen gelang es, mit ihren Fami­li­en recht­zei­tig in die USA bzw. nach Süd­afri­ka aus­zu­wan­dern. Die Mut­ter selbst wur­de am 22. Okto­ber 1941 von Köln aus in das Ghet­to Łódź/​ Litz­mann­stadt ver­bracht, wo sich ihre Spu­ren verlieren.

Von dem jüngs­ten Bru­der von Moritz, dem am 16. Okto­ber 1879 gebo­re­nen Max, ist nicht bekannt, wann er ver­stor­ben ist. Sei­ne Frau Eva, gebo­re­ne Bähr, wur­de am 24. Sep­tem­ber 1942 in Treb­linka ermor­det, nach­dem sie etwa zwei Mona­te zuvor zunächst nach The­re­si­en­stadt depor­tiert wor­den war. Ihre drei Töch­ter Hil­de­gard, Pau­la und Ruth konn­ten aber nach Paläs­ti­na emigrieren.

Über das Schick­sal des 1867 gebo­re­nen Juli­us lie­gen kei­ne Infor­ma­tio­nen vor.

 

 

Ver­öf­fent­licht: 18. 05. 2022

Letz­te Revi­si­on: 06. 07. 2022

 

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Anmer­kun­gen:

[1] https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/c‑d/96-cronheim-bayern. (Zugriff: 15.5.2022).

[2] Laut der Kran­ken­ak­te sei­nes Soh­nes Sieg­mund war er an Typhus ver­stor­ben, sie­he die Akte im Insti­tut für Stadt­ge­schich­te Frank­furt, Ner­ven­kli­nik 1401 (o.P.).

[3] http://​www​.stein​heim​-insti​tut​.de:50580/​c​g​i​-​b​i​n​/​e​p​i​d​a​t​?​i​d​=​i​h​l​-​1​0​3​&​l​a​n​g​=de. (Zugriff: 15.5.2022).

[4] Zu den fol­gen­den Geburts­da­ten sie­he Mey­er /​ Ment­gen, Sie sind mit­ten unter uns, S. 90.

[5] Ebd. S. 229. Da laut Aus­kunft des Stadt­ar­chivs Ingel­heim vor dem Jahr 1900 kei­ne Anmel­dbü­cher geführt wur­den, wird sich die Fra­ge nach ihrer exak­ten Ankunft auch kaum mehr klä­ren las­sen. Es hat wohl damals eine klei­ne Wan­de­rungs­wel­le aus die­ser süd­deut­schen Regi­on nach Ingel­heim gege­ben, zu der sich auch der spä­te­re Kan­tor und Leh­rer Lou­is Lang­städ­ter gesellte.

[6] Der ‚Rhein­hes­si­sche Beob­ach­ter’ schrieb am 5.12.1900 anläss­lich sei­nes Todes über ihn Fol­gen­des: „Seit Jah­ren zählt die Wein­hand­lung des M. Baum mit zu den ers­ten Ober Ingel­heims und in wei­ten Krei­sen unse­res Vater­lan­des besitzt das Baum’sche Geschäft einen guten Ruf. Der Ver­stor­be­ne war ein Self made man, d.i. ein Mann, der durch eige­ne Kraft, durch eige­nen Fleiß von kleins­ten Anfän­gen sich empor gear­bei­tet hat.“ Zit. nach Mey­er /​ Ment­gen, Sie sind mit­ten unter uns, S. 232.

[7] Ebd. S. 88, 232. Moses Baum ver­starb am 3.12.1900, sei­ne Frau Doris am 8.10.1902

[8] Ebd. S. 36 ff.

[9] Ebd. S. 219–229.

[10] Ebd. S. 219.

[11] Ebd. S. 90.

[12] Insti­tut für Stadt­ge­schich­te Frank­furt, Ner­ven­kli­nik 1401 (o.P.).

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] http://www.rijo.homepage.t‑online.de/pdf/DE_NU_JU_gewerbe.pdf. (Zugriff: 5.7.2022).

[17] Ster­be­re­gis­ter Frank­furt 2052 /​ 1902.

[18] Ster­be­re­gis­ter König­stein 10 /​ 1880.

[19] https://​blau​er​hein​rich​.jim​do​free​.com/​p​e​t​e​r​-​d​e​t​t​w​e​i​l​er/. (Zugriff: 15.5.2022).

[20] http://​www​.stein​heim​-insti​tut​.de/​c​g​i​-​b​i​n​/​e​p​i​d​a​t​?​i​d​=​i​h​l​-​0​140. (Zugriff: 15.5.2022).

[21] Mey­er /​ Ment­gen, Sie sind mit­ten unter uns, S. 91.

[22] Ebd. S. 85.

[23] Alle Fami­li­en Abra­ham aus Alten­kir­chen – und davon gab es eini­ge – gehen nach Blohm, auf Dani­els Eltern Mord­gen Abra­ham, gebo­ren 1790, gestor­ben am 11.1.1853, und sei­ne Frau Ber­tha Bel­la, gebo­re­ne Hirsch aus Hamm /​Sieg zurück. Die bei­den hat­ten ins­ge­samt sie­ben Kin­der, von denen Dani­el das zweit­äl­tes­te war. Er war am 13.9.1827 in Alten­kir­chen gebo­ren wor­den und ver­starb dort am 2.4.1898. Sei­ne Frau Hen­ri­et­te, wie ihre Schwie­ger­mut­ter eine gebo­re­ne Hirsch aus Hamm, wur­de am 29.5.1839 gebo­ren und ver­starb am 21.9.1901 in Alten­kir­chen. Sie­he Blohm, Jüdi­sche Fami­li­en Alten­kir­chen, S. 19. f. In sei­nem Buch ist Moritz nicht als Sohn des Paa­res auf­ge­führt, da sei­ne Geburt vor 1874 lag. Ers­te seit die­sem Jahr wur­de in Alten­kir­chen mit der behörd­li­chen Regis­trie­rung der Gebur­ten begon­nen. Dazu  https://​www​.ancestry​.de/​f​a​m​i​l​y​-​t​r​e​e​/​t​r​e​e​/​1​7​0​1​3​2​2​7​8​/​f​a​m​i​l​y​/​f​a​m​i​l​y​v​i​e​w​?​c​f​p​i​d​=​2​8​2​2​0​8​3​2​6​0​9​0​&​f​p​i​d​=​2​8​2​2​0​8​3​2​6​0​9​0​&​u​s​e​P​U​B​J​s​=​t​rue. (Zugriff: 15.5.2022).

[24] http://​www​.stein​heim​-insti​tut​.de/​c​g​i​-​b​i​n​/​e​p​i​d​a​t​?​i​d​=​i​h​l​-​1​2​8​&​l​a​n​g​=de. (Zugriff: 15.5.2022).

[25] Hei­rats­re­gis­ter Frank­furt 5 /​ 1910

[26] Ster­be­re­gis­ter Frank­furt V 767 /​ 1905.

[27] Jet­t­chen Mey­er war die zwei­te Frau von Laza­rus Gold­mann, die ihm ins­ge­samt 8 Kin­der gebar. Sei­ne ers­te Frau, Roset­ta Levy, gebo­ren am 11.1.1828 in Offen­bach, war am 13.4.1855 ver­stor­ben. Aus die­ser Ehe waren zunächst zwei Kin­der her­vor­ge­gan­gen. Sie­he Mül­ler Juden Fried­berg, Ein­trag 461.

[28] Mey­er /​ Ment­gen, Sie sind mit­ten unter uns, S. 229.

[29] Zit. ebd. S. 230.

[30] Ebd.

[31] Ebd., S. 229.

[32] Ebd.

[33] Infor­ma­ti­on Stadt­ar­chiv Ingel­heim, Mel­de­kar­te Erwin Bon­né, dazu http://​www​.stein​heim​-insti​tut​.de/​c​g​i​-​b​i​n​/​e​p​i​d​a​t​?​i​d​=​i​h​l​-​0​140. (Zugriff: 15.5.2022). Sein Name ist neben den ande­ren, nicht­jü­di­schen Opfern des Ers­ten Welt­kriegs auf dem Obe­lisk ein­gra­viert, der zu ihrer Ehre vor der Burg­kir­che in Ober Ingel­heim auf­ge­stellt wurde.

[34] Mey­er /​ Ment­gen, Sie sind mit­ten unter uns, S. 91. Offen­bar war er aber bereits zuvor in Spa­ni­en gewe­sen, ver­mut­lich bei sei­nem Bru­der, denn in den Mel­de­un­ter­la­gen heißt es, dass er sich am 16.2.1920 von Madrid wie­der in der Schil­ler­str. 7 in Ober Ingel­heim ange­mel­det habe. Stadt­ar­chiv Ingel­heim Rep. IV/363.32.

[35] Ebd.

[36] Ebd. S. 438.

[37] Ebd. S. 445–450.

[38] Ebd. S. 461

[39] Ebd. S. 471. 1933 hat­te es in Gesamt-Ingel­heim noch 115 jüdi­sche Bür­ger und Bür­ge­rin­nen gege­ben, 1939 waren es nur noch 30, sie­he http://​www​.ingel​hei​mer​-geschich​te​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​i​d​=​236. (Zugriff: 15.5.2022).

[40] Ebd. 480 ff.

[41] Stadt­ar­chiv Ingel­heim Abmel­de­buch Ober Ingel­heim, Rep. IV/363.9 und Mel­de­kar­te von Juli­us Bon­né des Einwohnermeldeamts.

[42] HHStAW 685 91 (1, 6, 7). Herr Dürsch vom ‚Deutsch-Israe­li­schen Freun­des­kreis’ in Ingel­heim mach­te dar­auf auf­merk­sam, dass bei einem ande­ren Ver­kauf eines Hau­ses aus jüdi­schem Besitz der Käu­fer bereit war, sich am Ein­heits­wert zu ori­en­tie­ren, dann aber auf Druck des Finanz­amts gezwun­gen wur­de, nur einen nied­ri­ge­ren Preis zu zah­len. Ob es eine sol­che Inter­ven­ti­on bei Ade­le Bon­né auch gege­ben hat, ist nicht bekannt.

[43] In der fol­gen­den Zeit ver­such­te die Stadt sich auch der noch ver­blie­be­nen Bewoh­ner zu ent­le­di­gen. Am 22. Mai 1940 rich­te­te die Stadt­ver­wal­tung ein Schrei­ben an die Ober­bür­ger­meis­ter von Mainz und Wies­ba­den mit dem fol­gen­den Wortlaut:
“Ich beab­sich­ti­ge die Ent­ju­dung des Grund­be­sit­zes mit allem Nach­druck durch­zu­füh­ren, um damit im Hin­blick auf die hier herr­schen­de gro­ße Woh­nungs­not die­se Woh­nun­gen unse­ren Volks­ge­nos­sen zuzu­füh­ren. (…) Im Bereich der Stadt Ingel­heim woh­nen zur Zeit noch eine Anzahl Juden, die sich bereit erklärt haben, ihre Wohn­häu­ser zu ver­kau­fen, wenn ihnen die Mög­lich­keit  eines Weg­zugs von hier gege­ben ist.“  Zit. nach Mey­er /​ Ment­gen, Sie sind mit­ten unter uns, S. 496.
Man fragt sich wie naiv der Bür­ger­meis­ter gewe­sen sein muss, eine sol­che Anfra­ge zu stel­len, waren doch die Städ­te Mainz und Wies­ba­den nicht min­der inter­es­siert, „ihre“ Juden los­zu­wer­den, zumal auch sie sie von der Wohn­raum­knapp­heit betrof­fen waren. Von bei­den Städ­ten wur­de die Anfra­ge ent­spre­chend nega­tiv beschieden.

[44] HHStAW 519/​3 2366 (1) und HHStAW 519/​3 388 (1).

[45] HHStAW 519/​3 2366. (3, 5)

[46] HHStAW 519/​3 388 (3,5, 6).

[47] HHStAW 483 10127 (20).

[48] Ebd. (23).

[49] HHStAW 519/​3 2366 (7).

[50] Ebd. (7, 8, 9)

[51] Ebd. (19 und HHStAW 519/​3 388 (9).

[52] https://​www​.holo​caust​.cz/​d​e​/​d​a​t​e​n​b​a​n​k​-​d​e​r​-​d​i​g​i​t​a​l​i​s​i​e​r​t​e​n​-​d​o​k​u​m​e​n​t​e​n​/​d​o​k​u​m​e​n​t​/​8​2​3​7​0​-​a​b​r​a​h​a​m​-​r​e​c​h​a​-​t​o​d​e​s​f​a​l​l​a​n​z​e​i​g​e​-​g​h​e​t​t​o​-​t​h​e​r​e​s​i​e​n​s​t​a​dt/. (Zugriff: 15.5.2022).

[53] Ster­be­ur­kun­de Son­der­stan­des­amt Arol­sen Abt. I, 130 /​ 1951. Zunächst war der Todes­tag fälsch­li­cher­wei­se vom Amts­ge­richt Wies­ba­den auf den 1.9.1942 fest­ge­legt wor­den, wur­de aber dann kor­ri­giert, sie­he HHStAW 469/​33 2651 (20).

[54] https://​www​.holo​caust​.cz/​d​e​/​d​a​t​e​n​b​a​n​k​-​d​e​r​-​d​i​g​i​t​a​l​i​s​i​e​r​t​e​n​-​d​o​k​u​m​e​n​t​e​n​/​d​o​k​u​m​e​n​t​/​8​2​3​7​0​-​a​b​r​a​h​a​m​-​r​e​c​h​a​-​t​o​d​e​s​f​a​l​l​a​n​z​e​i​g​e​-​g​h​e​t​t​o​-​t​h​e​r​e​s​i​e​n​s​t​a​dt/. (Zugriff: 15.5.2022).

[55] HHStAW 519/​3 2366 (12).

[56] Geburts­re­gis­ter Ber­lin Char­lot­ten­burg 280 /​ 1902. Er hat­te 1934 in Ber­lin Schö­ne­berg Eli­sa­beth Mar­tha Aue, gebo­ren am 7.1.1907 in Ber­lin, gehei­ra­tet, sie­he Hei­rats­re­gis­ter Ber­lin Schö­ne­berg 1203 /​ 1934.

[57] Ernst Gold­mann war am 25.4.1862 in Fried­berg gebo­ren wor­den und am 8.2.1932 in Ber­lin ver­stor­ben, sie­he Ster­be­re­gis­ter Ber­lin Wil­mers­dorf 148 /​ 1932. Gehei­ra­tet hat­te er Johan­na Majun­t­ke, gebo­ren am 5.12.1875 in Ber­lin, am 30.8.1897 in Ber­lin, sie­he Hei­rats­re­gis­ter Ber­lin VIIb 699 /​ 1897.

[58] Hei­rats­re­gis­ter Frank­furt 2266 /​ 1896. In den Akten wird der Name auch am Ende auch

mit ‚dt’ geschrieben.

[59] Hei­rats­re­gis­ter Frank­furt 1541 /​ 1897. Sie­he hier auch die Geburts­da­ten des Paa­res. Otto Gold­mann war am 25.6.1936, sei­ne Frau bereits am 26.4.1930 in Frank­furt ver­stor­ben. Sie­he Ster­be­re­gis­ter Frank­furt 796 /​ 1936 und 425 /​1930

[60] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​7​4​8​8​/​i​m​a​g​e​s​/​N​Y​T​7​1​5​_​5​4​7​9​-​0​5​0​9​?​p​I​d​=​2​0​1​7​0​8​1​608. (Zugriff: 15.5.2022).

[61] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​2​4​9​9​/​i​m​a​g​e​s​/​3​1​3​0​1​_​1​6​8​5​3​5​-​0​0​1​6​4​?​p​I​d​=​4​1​9​9​213. (Zugriff: 15.5.2022).

[62] Geburts­re­gis­ter Frank­furt 2999 /​ 1898.

[63] Hei­rats­re­gis­ter Frank­furt 456 /​ 1925.

[64] HHStAW 518 50980 (15).

[65] Ebd. (60–62).

[66] Das Foto ist abge­bil­det in Mey­er /​ Ment­gen, Sie sind mit­ten unter uns, S. 304. Etwas irri­tie­rend ist die zeit­li­che Ein­ord­nung. Zum Zeit­punkt der Auf­nah­me war Wal­ter zumin­dest offi­zi­ell noch nicht in Ingel­heim gemeldet.

[67] Stadt­ar­chiv Ingel­heim, Anmel­de­buch Ober-Ingel­heim, Rep. IV/363.32

[68] Mey­er /​ Ment­gen, Sie sind mit­ten unter uns, S. 91.

[69] Die fol­gen­de knap­pe Zusam­men­fas­sung der ver­schie­de­nen Schick­sa­le der Alten­kir­che­ner Fami­lie Abra­ham hat die Dar­stel­lung von Blohm, Jüdi­sche Fami­li­en in Alten­kir­chen, S. 20–28. zur Grund­la­ge. Hier sind auch die ent­spre­chen­den Beleg­stel­len zu finden.