Dr. Alfred Goldschmidt und seine Familie


Das ehemalige Judenhaus Kaiser-Friedrich-Ring 80 heute Eigene Aufnahme
Das ehe­ma­li­ge Juden­haus Kai­ser-Fried­rich-Ring 80 heu­te
Eige­ne Aufnahme
Lage
Lage der bei­den Juden­häu­ser der Brü­der Selig am Ring und in der Oranienstraße
Belegung des Judenhauses Kaiser-Friedrich-Ring 80
Bele­gung des Juden­hau­ses Kai­ser-Fried­rich-Ring 80

 

 

 

 

 

 

 


Als Alfred Gold­schmidt Anfang Juni 1938 in den Kai­ser-Fried­rich-Ring 80 ein­zog, war das Haus der Gebrü­der Selig zwar noch kein Juden­haus, aber es wur­de inzwi­schen schon von wei­te­ren jüdi­schen Mie­tern bewohnt. Anfang des Jah­res war Emma Ter­hoch mit ihren drei Töch­tern ein­ge­zo­gen, und im Wies­ba­de­ner Adress­buch von 1938 fin­det man auch einen Kauf­mann B. Oppen­hei­mer, der im vier­ten Stock wohn­te und auch jüdi­scher Abstam­mung war.

Alfred Gold­schmidt und sei­ne Frau Maria waren damals die Haupt­mie­ter einer Woh­nung, in die auch Alfred Gold­schmidts Onkel, der Arzt Dr. Adolf Lang, mit sei­ner Frau Rosa für meh­re­re Mona­te als Unter­mie­ter ein­zog. Wäh­rend letz­te­re das Haus wie­der ver­lie­ßen, bevor es den Sta­tus eines offi­zi­el­len Juden­hau­ses erhielt, blieb das Ehe­paar Gold­schmidt sogar bis Ende Febru­ar 1943. Dass sie nicht, wie alle ande­ren jüdi­schen Bewoh­ner, spä­tes­tens bei der gro­ßen Depor­ta­ti­on am 1. Sep­tem­ber 1942 abtrans­por­tiert wur­den, hat­te die Ursa­che dar­in, dass Alfred und Marie Gold­schmidt in einer soge­nann­ten Misch­ehe leb­ten. Maria Keß­ler, gebo­ren am 24. Novem­ber 1891 in Schön­berg in Sie­ben­bür­gen, war die evan­ge­lisch getauf­te Toch­ter von Mar­tin Keß­ler und sei­ner Frau Maria, gebo­re­ne Bra­isch. Ihre Eltern leb­ten zum Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung 1914 noch in ihrem Geburts­ort, wäh­rend sie selbst inzwi­schen nach Ber­lin gezo­gen war, wo damals auch ihr Ehe­mann gemel­det war.[1]

Stammbaum Alfred Goldschmidt
Stamm­baum der Fami­li­en Lang und Gold­schmidt
GDB

Nur wenig ist über den fami­liä­ren Hin­ter­grund von Alfred Gold­schmidt bekannt. Immer­hin nennt der Hei­rats­ein­trag die Namen sei­ner Eltern Gus­tav und Cla­ra Gold­schmidt, gebo­re­ne Lang. Cla­ra Gold­schmidt /​ Lang war die Schwes­ter von Dr. Adolf Lang, der mit sei­ner Frau damals eben­falls in den Kai­ser-Fried­rich-Ring ein­ge­zo­gen war. Wäh­rend die Fami­lie Lang in Maris­feld behei­ma­tet war, Cla­ra Lang kam dort am 15. Juni 1854 zur Welt, stamm­ten Gold­schmidts aus dem etwa 20 km ent­fern­ten Mei­nin­gen. Alfreds Vater, von Beruf Kauf­mann, war dort am 4. Mai 1850 gebo­ren wor­den und ist auch dort am 10. Novem­ber 1920 ver­stor­ben. Wann die Mut­ter ver­starb, ist nicht bekannt. Alfred war der ältes­te von drei Söh­nen des Paa­res. Ihm folg­te am 7. Juli 1888 Max und dann am 25. April 1890 noch Paul, der aller­dings schon am 20. April 1905 mit knapp fünf­zehn Jah­ren ver­starb.[2]

Synagoge Meiningen
Die noch unzer­stör­te Syn­ago­ge in Mei­nin­gen
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In Mei­nin­gen gab es schon im Mit­tel­al­ter jüdi­sche Bewoh­ner, aber im Gefol­ge der Pest und der Pogro­me, die in ganz Deutsch­land wäh­rend der Kreuz­zü­ge auf­flamm­ten, wur­de auch in Mei­nin­gen die gesam­te jüdi­sche Bevöl­ke­rung auf bes­tia­li­sche Wei­se aus­ge­löscht. Am Kar­frei­tag des Jah­res 1349 ließ der Würz­bur­ger Bischof die Mei­nin­ger Juden gefan­gen neh­men. Auf sein Geheiß hin wur­den sie samt Frau­en, Kin­dern und Gesin­de dem Feu­er über­ge­ben oder kur­zer­hand erschla­gen. Zwar gab es in den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten ver­ein­zelt jüdi­sche Bewoh­ner, denen aus unter­schied­li­chen Grün­den ein Wohn­recht zuge­bil­ligt wor­den war, aber erst ab dem 19. Jahr­hun­dert kann man wie­der von einer kon­ti­nu­ier­li­chen, aller­dings immer wie­der von anti­se­mi­ti­schen Aus­schrei­tun­gen beglei­te­ten  jüdi­schen Besied­lung spre­chen. 1866, inzwi­schen leb­ten in Mei­nin­gen 28 jüdi­sche Fami­li­en, wur­de dann wie­der eine Gemein­de gegrün­det, deren Mit­glie­der als Geschäfts­leu­te, Juris­ten und Ärz­te für die Stadt eine bedeu­ten­de Rol­le spiel­ten. Her­aus­ra­gend dar­un­ter war das Bank- und Han­dels­haus Strupp, das dort schon Anfang des 18. Jahr­hun­derts eine Depen­dance errich­ten durf­te, lan­ge bevor es der Fami­lie gestat­tet wor­den war, sich selbst dort niederzulassen.

Stra­ßen­bild aus Mei­nin­gen um 1920 mit einem Geschäft, das einem Mit­glied der gro­ßen Fami­lie Gold­schmidt gehör­te
https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/m‑o/1293-meiningen-thueringen

Die weit­ver­zweig­te Fami­lie Gold­schmidt gehör­te ver­mut­lich eben­falls zu den­je­ni­gen, die damals dort ansäs­sig gewor­den waren. [3] Dass die Eltern zumin­dest einen geho­be­nen sozia­len Sta­tus in der Stadt inne­hat­ten, kann man schon dar­aus schlie­ßen, dass sie ihrem ältes­ten Sohn eine aka­de­mi­sche Aus­bil­dung ermög­li­chen konn­ten. Nach dem Besuch der Volks­schu­le in Mei­nin­gen leg­te er am dor­ti­gen Bern­har­dinum-Gym­na­si­um sein Abitur ab und begann 1907 ein Stu­di­um der Medi­zin. Die ers­ten drei Semes­ter besuch­te er die Uni­ver­si­tät in Mün­chen, wo er auch sei­nen Mili­tär­dienst absol­vier­te. Anschlie­ßend ging er für zwei Semes­ter nach Hei­del­berg und zuletzt noch nach Ber­lin, wo er im Juni 1912 sein medi­zi­ni­sches Staats­examen bestand. Anschlie­ßend absol­vier­te er in Ber­lin sei­ne medi­zi­ni­schen Prak­ti­ka, zunächst im Augus­te-Vic­to­ria-Kran­ken­haus in Schö­ne­berg, dann im Kran­ken­haus Neu­kölln. Im fol­gen­den Jahr wur­de er mit der Arbeit „Ein Fall von Osteoscle­ro­sis dolo­ro­sa“ zum Dr. med. pro­mo­viert.[4]

Heirat Gustav Goldschmidt

Hei­rats­ein­trag von Alfred und Maria Gold­schmidt, gebo­re­ne Keßler
Hei­rats­re­gis­ter Ber­lin 329 /​ 1914

 

Im fol­gen­den Jahr 1914 hei­ra­te­te der inzwi­schen 28-Jäh­ri­ge am 26. Mai die 22-jäh­ri­ge Maria Keß­ler.[5] Noch im sel­ben Jahr zog das Paar in die Tau­nus­ge­mein­de Lau­fen­sel­den, wo Alfred Gold­schmidt eine eige­ne Pra­xis eröff­ne­te.[6] Dort wur­de am 30. März 1915 die Toch­ter Lie­se­lot­te gebo­ren. Ihre Schwes­ter Ilse kam am 17. April 1922 zur Welt.[7]

Zwi­schen den bei­den Gebur­ten lagen die Jah­re des Ers­ten Welt­kriegs, zu dem auch Alfred Gold­schmidt neben 14 wei­te­ren jüdi­schen Män­nern aus Lau­fen­sel­den ein­ge­zo­gen wur­de.[8] Im Dezem­ber 1934, als die Aus­gren­zung der jüdi­schen Bevöl­ke­rung längst begon­nen hat­te, wur­de ihm zyni­scher­wei­se noch das von Hin­den­burg initi­ier­te Ehren­kreuz für Front­kämp­fer über­reicht.[9] Die­se Aus­zeich­nung muss­te man eigens bean­tra­gen und vie­le Juden erhoff­ten sich, ange­sichts des wach­sen­den, durch die Dolch­stoß­le­gen­de befeu­er­ten Anti­se­mi­tis­mus, auf die­se Wei­se einen Beleg für ihre Vater­land­s­treue und damit auch einen Schutz gegen die zahl­rei­chen Anfein­dun­gen zu erhal­ten. Genutzt hat der Orden letzt­lich keinem.

Wel­che Grün­de für Alfred Gold­schmidt maß­geb­lich waren, sich in der klei­nen Tau­nus­ge­mein­de nie­der­zu­las­sen, lässt sich nicht mehr fest­stel­len. Zwar gab es in Wies­ba­den eine Rei­he von Fami­li­en mit dem glei­chen Namen, aber eine ver­wandt­schaft­li­che Bezie­hung oder wenigs­tens eine ähn­li­che regio­na­le Her­kunft lässt sich nicht nach­wei­sen. Mög­li­cher­wei­se war die Stel­le eines Arz­tes ein­fach nur aus­ge­schrie­ben und Dr. Gold­schmidt hat­te sich erfolg­reich dar­auf beworben.
Lau­fen­sel­den war in jedem Fall kein Ort, um eine bedeu­ten­de beruf­li­che Kar­rie­re zu machen. Zwar hat­te die Gemein­de, die im 13. Jahr­hun­dert erst­mals urkund­lich erwähnt wur­de, bereits ein Jahr­hun­dert spä­ter Stadt- und Markt­rech­te erhal­ten, aber die Zahl der Ein­woh­ner lag zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts wie­der unter der Eintausendermarke.
Im frü­hen 18. Jahr­hun­dert gab es sechs jüdi­sche Fami­li­en, die den Sta­tus von Schutz­ju­den hat­ten. Die wohl ältes­te dort ansäs­si­ge jüdi­sche Fami­lie waren die Oppen­hei­mers, deren Nach­kom­men auch noch zur Zeit, als Alfred Gold­schmidt nach Lau­fen­sel­den zog, eine wich­ti­ge Rol­le spiel­ten und ihm mög­li­cher­wei­se sogar den Weg nach Wies­ba­den geeb­net hat­ten. Die jüdi­schen Fami­li­en gin­gen den für sie typi­schen Beru­fen als Vieh­händ­ler, Krä­mer oder Metz­ger nach. „Die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se waren nicht beson­ders“, kon­sta­tiert Arns­berg, der auch den Arzt Dr. Alfred Gold­schmidt aus­drück­lich erwähnt.[10] Aber die­ser war selbst­ver­ständ­lich nicht nur für die etwa 70 Juden zustän­dig, die damals dort leb­ten, son­dern für die gesam­te Gemein­de und auch die Pati­en­ten umlie­gen­der Orte.

Ver­mut­lich hat­te er auch schon von Anbe­ginn an in dem kom­mu­na­len Arzt­haus, von dem spä­ter in dem 1933 geschlos­se­nen Ver­trag die Rede ist, woh­nen und auch prak­ti­zie­ren dür­fen. Über die Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se in den ers­ten Jah­ren lässt sich man­gels ent­spre­chen­der Unter­la­gen nichts sagen. Da er aber der ein­zi­ge Arzt vor Ort war, wird man davon aus­ge­hen kön­nen, dass er sich einen Lebens­stan­dard leis­ten konn­te, der dem ande­rer Land­ärz­te in die­sen Zei­ten entsprach.

Für die Jah­re ab 1926 lie­gen dann auch sei­ne Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen vor. Von die­sem Zeit­punkt an konn­te er sein zu ver­steu­ern­des Ein­kom­men in den fol­gen­den Jah­ren von ca. 10.000 RM auf 16.000 RM im Jahr 1930 stei­gern. Aller­dings ging es dann bis 1933 wie­der auf 11.000 RM zurück.[11]
Den Steu­er­erklä­run­gen ist auch zu ent­neh­men, dass die bei­den Töch­ter in Wies­ba­den zur Schu­le gin­gen und dort das Lyze­um besuch­ten. Sie wohn­ten dort wäh­rend der Woche in einer Pen­si­on und kamen nur am Wochen­en­de zu den Eltern nach Lau­fen­sel­den.[12]

Wie sehr die Gemein­de die Anwe­sen­heit des Arz­tes im Ort auch nach der „Macht­er­grei­fung“ noch wünsch­te, kann man dar­an erken­nen, dass noch im April 1933 die Gemein­de, ver­tre­ten durch den Bür­ger­meis­ter, unter Betei­li­gung der Ärz­te­kam­mer mit ihm einen Ver­trag schloss, in dem die wech­sel­sei­ti­gen Rech­te und Pflich­ten sowie die jewei­li­gen Gebüh­ren genau fest­ge­schrie­ben waren. Zwar war der Ver­trag zunächst auf ein Jahr befris­tet, konn­te aber nur aus wich­ti­gen Grün­den gekün­digt wer­den. Im Fal­le von Strei­tig­kei­ten wur­de zur Klä­rung sogar ein insti­tu­tio­nel­les Ver­fah­ren fest­ge­legt, an dem die Ver­trags­par­tei­en gleich­be­rech­tigt betei­ligt sein soll­ten. Neben den Hono­ra­ren stand ihm als „Ent­gelt das Arzt­haus zur allei­ni­gen frei­en Nut­zung zur Ver­fü­gung“, zudem ver­pflich­te­te sich die Gemein­de, ihm jähr­lich gra­tis 3 Klaf­ter Buchen­scheid­holz als Heiz­ma­te­ri­al zu lie­fern.[13]
Gleich­wohl bedeu­te­te die­ser neue Ver­trag eine deut­li­che Ver­schlech­te­rung sei­ner bis­he­ri­gen Situa­ti­on. In den Jah­ren zuvor hat­te man ihm dafür, dass er Gemein­de­mit­glie­der zu ermä­ßig­ten Sät­zen und die Orts­ar­men gegen ein noch gerin­ge­res Ent­gelt zu behan­deln hat­te, neben sei­nen nor­ma­len Gebüh­ren ein zusätz­li­ches fixes Ein­kom­men von 2.160 RM zuge­si­chert.[14] Der Ver­trag mar­kiert somit in Wirk­lich­keit die begin­nen­de Aus­gren­zung von Alfred Gold­schmidt und sei­ner Frau aus dem Gemein­de­le­ben. Auch Maria Gold­schmidt war selbst unmit­tel­bar betrof­fen. Seit 1928 gab es auch in Lau­fen­sel­den eine soge­nann­te Frau­en­fort­bil­dungs­schu­le, wo die Mäd­chen – gemäß der tra­di­tio­nel­len Frau­en­rol­le – Haus­halts­kun­de, Kochen, Nah­rungs­mit­tel­leh­re und Säug­lings­pfle­ge ler­nen soll­ten. Das letzt­ge­nann­te Fach hat­te Maria Gold­schmidt die letz­ten Jah­re unter­rich­tet. 1933 wur­de ihr die Lehr­be­rech­ti­gung entzogen.

Alfred Goldschmidt, Laufenselden
Spen­de von Alfred Gold­schmidt zur För­de­rung der natio­na­len Arbeit
HHStAW 671 7 (104)

Den­noch ver­such­te Alfred Gold­schmidt offen­bar mit den neu­en Macht­ha­bern, die im Beson­de­ren durch den Bür­ger­meis­ter einen will­fäh­ri­gen Hand­lan­ger vor Ort hat­ten, klar­zu­kom­men. So kann man eine gan­ze Rei­he von Quit­tun­gen in den Steu­er­ak­ten fin­den, die bele­gen, dass er das Pro­jekt der Nazis „zur För­de­rung der natio­na­len Arbeit“ finan­zi­ell unter­stütz­te. Es han­del­te sich um kei­ne gro­ßen Sum­men, son­dern um meh­re­re Klein­spen­den. Aller­dings ist nicht mehr fest­stell­bar, ob das Geld tat­säch­lich frei­wil­lig gege­ben oder qua­si abge­presst wur­de.[15] Wie dem auch sei, sol­che Spen­den hiel­ten die ört­li­chen Nazis nicht vor wei­te­ren Maß­nah­men gegen den Arzt ab.

Alfred Goldschmidt Laufenselden
Kün­di­gung der Arzt­woh­nung in Lau­fen­sel­den
HHStAW 518 11981 (16)

Am 25. Sep­tem­ber 1935 wur­de ihm zum Ende des Jah­res „um dem Sin­ne des Füh­rers und Reichs­kanz­lers gerecht zu wer­den“ die bis­her miet­freie Woh­nung samt Pra­xis gekün­digt. Der zwei Jah­re zuvor geschlos­se­ne Ver­trag, der eine sol­che ein­sei­ti­ge Maß­nah­me eigent­lich nicht zuließ, wur­de damit eben­falls auf­ge­ho­ben.[16]
Bereits im Mai 1935 hat­te das Ehe­paar Gold­schmidt in Lau­fen­sel­den ein eige­nes Haus in der dama­li­gen Rat­haus­stra­ße für 6.500 RM erwor­ben.[17] Es war wohl die­ses neue Haus, in das im Okto­ber 1937 ein Gefäß mit einer stin­ken­den Flüs­sig­keit durch die Fens­ter­schei­be gewor­fen wur­de.[18] Ganz offen­sicht­lich hat­te die öffent­li­che Dif­fa­mie­rung durch die kom­mu­na­len Behör­den die jüdi­schen Mit­be­woh­ner inzwi­schen zu Pari­as wer­den und die Hemm­schwel­le für direk­te tät­li­che Angrif­fe so weit absin­ken las­sen, dass sie ihres Lebens nicht mehr sicher sein konnten.

Aber nicht nur die Arzt­fa­mi­lie war betrof­fen, die Anfein­dun­gen rich­te­ten sich auch gegen die ande­ren jüdi­schen Fami­li­en, die seit Gene­ra­tio­nen dort ansäs­sig waren. So heißt es in der Schul­chro­nik vom März 1936 in gestelz­tem Deutsch: „Am 9. März fand nach jahr­zehn­te­lan­ger Pau­se wie­der zum ersten­mal ein juden­frei­er Markt in unse­rem Dorf statt. Nicht die Tat­sa­che allein, daß ein Kram- und Vieh­markt wie­der leben­dig wur­de, ist zu behaup­ten, son­dern daß die Herr­schaft der Juden, die ja in Lau­fen­sel­den bekannt­lich einen star­ken Stütz­punkt hat­ten, end­gül­tig gebro­chen ist. Und das ist uns mehr wert, als mate­ri­el­ler Vor­teil, wenn wir dies auch für unse­re Gemein­de nicht neben­säch­lich behan­deln wol­len.“[19]
Sol­che Anord­nun­gen, die auf die Aus­gren­zung der Juden aus dem Wirt­schafts­le­ben abziel­ten, bekam auch Alfred Gold­schmidt noch im sel­ben Jahr zu spü­ren. 1936 ließ der Bür­ger­meis­ter durch den „Orts­büt­tel“ öffent­lich aus­ru­fen, dass die­je­ni­gen, die im Krank­heits­fall wei­ter­hin Dr. Gold­schmidt kon­sul­tie­ren, frist­los ent­las­sen und ohne öffent­li­che Unter­stüt­zung blei­ben wür­den. Ein sol­cher Fall ist dann auch tat­säch­lich akten­kun­dig gewor­den, vie­le ande­re bis­he­ri­ge Pati­en­ten des einst­mals ange­se­he­nen Arz­tes wird allein die Andro­hung von einem wei­te­ren Besuch abge­hal­ten haben.[20] 1936 wur­de dann auf Ver­an­las­sung des Land­rats und der Ärz­te­kam­mer noch ein wei­te­rer Medi­zi­ner in Lau­fen­sel­den zuge­las­sen, obwohl ein Arzt allei­ne die Krank­heits­fäl­le ohne wei­te­res allei­ne hät­te bewäl­ti­gen kön­nen. Ent­spre­chend rück­läu­fig waren die Ein­künf­te, die sich bis 1938 hal­bier­ten.[21] Aber immer­hin hat­te trotz aller Anfein­dun­gen und Andro­hun­gen eine gan­ze Rei­he von Pati­en­ten offen­bar ihrem alten Arzt bis zuletzt die Treue gehal­ten.[22]

Die Rui­ne der Syn­ago­ge von Lau­fen­sel­den
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Die Hoff­nung, in einer der grö­ße­ren Städ­te des Rhein-Main-Gebie­tes in Frie­den leben zu kön­nen, hat­te vie­le jüdi­sche Land­be­woh­ner im Lau­fe der Jah­re zum Umzug ver­an­lasst. Und auch Fami­lie Gold­schmidt voll­zog im Som­mer 1938 die­sen Schritt, gab das Haus und die Pra­xis in Lau­fen­sel­den auf, um nach Wies­ba­den zu zie­hen. Als im Novem­ber 1938 der Mob auch die letz­ten Bewoh­ner in der Tau­nus­ge­mein­de über­fiel, deren Geschäf­te und Woh­nun­gen zer­trüm­mer­te, die unter brei­ter öffent­li­cher Anteil­nah­me 1861 ein­ge­weih­te Syn­ago­ge in Brand setz­te, da gab es nur noch weni­ge jüdi­sche Bewoh­ner im Ort.[23]

Dass die Fami­lie Gold­schmidt damals im Haus Kai­ser-Fried­rich-Ring 80 unter­kam, wel­ches den Brü­dern Otto und Luci­an Selig gehör­te, scheint kein Zufall gewe­sen zu sein. In dem Haus leb­te 1938 der ehe­ma­li­ge Pfer­de­händ­ler Ben­ny Oppen­hei­mer, der eben­falls aus Lau­fen­sel­den stamm­te und wie Alfred Gold­schmidt Kriegs­teil­neh­mer des Ers­ten Welt­kriegs war. Nach­dem er sei­nen Beruf nicht mehr aus­üben durf­te und er in Hahn­stät­ten, wohin er nach sei­ner Ver­hei­ra­tung gezo­gen war, immer mehr unter den Anfein­dun­gen der dor­ti­gen Bewoh­ner zu lei­den hat­te, ver­kauf­te er sein dor­ti­ges Haus und zog 1935 nach Wies­ba­den in den Kai­ser-Fried­rich-Ring 80. In jedem Fall müs­sen sich die bei­den Fami­li­en gekannt haben, und ver­mut­lich hat­te Ben­ny Oppen­hei­mer ein gutes Wort für Gold­schmidts bei den Ver­mie­tern ein­ge­legt. Ben­ny Oppen­hei­mer war wäh­rend des Novem­ber­po­groms 1938 ver­haf­tet und wie Alfred Gold­schmidt im städ­ti­schen Poli­zei­ge­fäng­nis für zwei Tage inhaf­tiert wor­den. Anders als Letz­te­rer wur­de er nicht nach Buchen­wald ver­bracht, son­dern frei­ge­las­sen, weil er ver­mut­lich damals schon alle Vor­be­rei­tun­gen für sei­ne Aus­rei­se getrof­fen hat­te. Unmit­tel­bar nach der Ent­las­sung ver­ließ er mit sei­ner Fami­lie, sei­ner Frau Augus­te und sei­ner Toch­ter Johan­na, das Land, um in die USA zu emi­grie­ren.[24] Das bedeu­tet aber, dass bei­de Fami­li­en noch eini­ge Mona­te gemein­sam in dem Haus ver­brach­ten. Eine gemein­sa­me Woh­nung, wer­den sie aber kaum gehabt haben, denn mit der Fami­lie Gold­schmidt zog auch die sei­nes Onkels Dr. Adolf Lang, der eben­falls Medi­zi­ner war, als Unter­mie­ter mit in die Woh­nung ein. Letz­te­re blie­ben aber nur etwa ein Drei­vier­tel­jahr. Mög­li­cher­wei­se war es die unver­meid­li­che Enge, die sie dazu ver­an­lass­te, Anfang März 1939 in die Hum­boldt­str. 9 zu ziehen.

Auch wenn wegen feh­len­der Mel­de­un­ter­la­gen nicht sicher zu sagen ist, ob die bei­den Töch­ter Lie­se­lot­te und Ilse eben­falls dort ein­zo­gen, so ist das aber sehr wahr­schein­lich, zumin­dest im Hin­blick auf die erst 16 Jah­re alte Ilse. Ostern 1938 hat­te sie die Schu­le mit der Unter­pri­ma­rei­fe abge­bro­chen, weil sie schon damals ahn­te, dass sie ihren eigent­li­chen Berufs­wunsch, Medi­zin zu stu­die­ren und Ärz­tin zu wer­den, auch als „Misch­lings­kind“ in die­sem Staat kaum mehr wür­de rea­li­sie­ren kön­nen. Auch gab Ilse an, dass die Fami­lie eigent­lich die Absicht hat­te, aus Deutsch­land aus­zu­wan­dern. Das Vor­ha­ben habe aber nicht rea­li­siert wer­den kön­nen, „weil mei­ne Eltern eine zu nied­ri­ge Aus­wan­de­rungs­quo­te zuge­teilt erhiel­ten“.[25] So wech­sel­te sie zunächst auf eine Höhe­re Han­dels­schu­le in Wies­ba­den und ging anschlie­ßend noch nach Gern­ro­de im Harz, wo sie ihren vor­he­ri­gen Abschluss mit einer Zusatz­aus­bil­dung zur kauf­män­ni­schen prak­ti­schen Arzt­hel­fe­rin ergänz­te. Aber auch nach ihrem Examen Ostern 1940 fand sie als „Misch­ling I. Gra­des“ mit die­ser Qua­li­fi­ka­ti­on nir­gend­wo eine Anstel­lung. So muss­te sie als ein­fa­che Büro­kraft Arbeit bei der Main­zer Gewürz­müh­le ‚Klein & Rindt’ anneh­men, wo sie von Juli 1940 bis August 1943 für 120 RM im Monat tätig war.[26] Abge­se­hen von der Zeit, die sie im Harz ver­brach­te, wohn­te Ilse daher mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit immer zusam­men mit den Eltern im Haus am Kaiser-Friedrich-Ring.
Unklar ist aber, ob dies auch auf ihre älte­re Schwes­ter Lise­lot­te, die in Wies­ba­den kei­ner­lei Spu­ren hin­ter­las­sen hat, zutrifft.[27]

Wann genau sich die Fami­lie Gold­schmidt in Wies­ba­den anmel­de­te, ist nicht mehr fest­stell­bar, aber es muss Anfang Juni 1938 gewe­sen sein. Am 7. Juni stell­te die Spe­di­ti­on Ret­ten­may­er die Umzugs­kos­ten von Lau­fen­sel­den nach Wies­ba­den in Rech­nung.[28]
Die Umzugs­kos­ten zu ent­schä­di­gen, wei­ger­te sich nach dem Krieg die Behör­de mit dem fol­gen­den, höchst frag­wür­di­gen Argu­ment: „Der Umzug von Lau­fen­sel­den nach Wies­ba­den geschah nicht ‚im unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang mit der Ver­fol­gung auf Ver­an­las­sung oder mit Bil­li­gung’ einer der amt­li­chen Dienst­stel­len oder Amts­trä­ger (§ 17 EG), son­dern ergab sich als mit­tel­ba­re Fol­ge des Berufs­ver­bots und der Kün­di­gung der Dienst­woh­nung (Bl. 16). Dem­nach ent­fällt die gesetz­li­che Vor­aus­set­zung für die Wie­der­gut­ma­chung des Scha­dens.“[29]

Alfred Goldschmidt, Adolf Lang
Beschei­ni­gung des “Kran­ken­be­hand­lers” Alfred Gold­schmidt — sie­he Stem­pel — für sei­nen Onkel Adolf Lang
HHStAW 685 432 B (77)

Wie in dem Zitat erwähnt, war Alfred Gold­schmidt, wie allen ande­ren jüdi­schen Ärz­ten auch, suk­zes­si­ve die Mög­lich­keit, sei­nen Beruf als Arzt aus­zu­üben, ent­zo­gen wor­den. Seit dem 1. Janu­ar 1938 war ihm zunächst die Abrech­nung von Leis­tun­gen über die Kran­ken­kas­sen gekün­digt wor­den, sodass er nur noch Pri­vat­rech­nun­gen stel­len konn­te.[30] Auf­grund der Vier­ten Ver­ord­nung zum Reichs­bür­ger­ge­setz durf­te er ab dem 1. Sep­tem­ber 1938 sei­nen Beruf zunächst über­haupt nicht mehr aus­üben. Vom 9. Dezem­ber gewähr­te man ihm dann den Sta­tus eines „Kran­ken­be­hand­lers“, der es ihm erlaub­te, wenigs­tens jüdi­sche Pati­en­ten ver­sor­gen zu dür­fen.[31] Offen­bar war der Bedarf an ärzt­li­cher Ver­sor­gung für Juden in Wies­ba­den so hoch, dass er in den fol­gen­den Jah­ren gegen­über 1938 sein Ein­kom­men wie­der ver­dop­peln konn­te. Hat­te er 1938 laut Finanz­amt Wies­ba­den etwa 4.200 RM ein­ge­nom­men, so waren es 1939 fast 8.000 und 1941 wie auch 1942 sogar mehr als 10.000 RM.[32] Aller­dings ist nicht fest­stell­bar, ob die­se Ein­künf­te allein aus der ärzt­li­chen Tätig­keit erwuch­sen; hin­zu kamen mög­li­cher­wei­se auch Zins­ein­nah­men aus Wert­pa­pie­ren oder auch eine beruf­li­che Tätig­keit sei­ner nicht­jü­di­schen Frau, die nicht glei­cher­ma­ßen ein­ge­schränkt war.

Zwar hat­te sich somit sei­ne wirt­schaft­li­che Situa­ti­on nach dem Umzug wie­der ver­bes­sert, dass aber Wies­ba­den auch kein siche­rer Ort sein wür­de, muss­te Alfred Gold­schmidt schon bald erfah­ren. Im Gefol­ge der Reichs­po­grom­nacht wur­de auch er in sei­nem neu­en Zuhau­se ver­haf­tet und zunächst für zwei Tage im städ­ti­schen Poli­zei­ge­fäng­nis fest­ge­hal­ten, dann für vier Wochen in das KZ-Buchen­wald über­stellt. Am 10. Dezem­ber 1938 durf­te er wie­der zurück­keh­ren.[33]

IUnhaftierung Alfred GoldschmidtInhaftierung Alfred Goldschmidt

 

 

 

 

 

Die nur schlecht erhal­te­ne Kopie der Inhaf­tie­rungs­be­schei­ni­gung von Alfred Goldschmidt
HHStAW 5128 11981 (5, 6).

 

Im Janu­ar 1939 erhielt er den Bescheid über die von ihm zu leis­ten­de Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be. Sie soll­te ins­ge­samt 4.800 RM betra­gen, zahl­bar in vier Raten mit jeweils 1.200 RM. Den Bescheid über die zusätz­li­che fünf­te Rate erhielt er am 11. Novem­ber 1939, sodass sich die Zah­lung ins­ge­samt auf 6.000 RM sum­mier­te.[34]

Zumin­dest grob las­sen sich aus die­ser Steu­er­for­de­rung Rück­schlüs­se auf die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se des Ehe­paars Gold­schmidt zie­hen. Weil die Juden durch die­se „Süh­ne­leis­tung“ gezwun­gen wur­den, zunächst 20, dann 25 Pro­zent ihres Ver­mö­gens an den NS-Staat abzu­tre­ten, muss die­ses damals etwa 20.000 RM betra­gen haben.

Da Gold­schmidts den gefor­der­ten Betrag etwa je zur Hälf­te durch die Über­schrei­bung von Wert­pa­pie­ren und in bar ent­rich­ten konn­ten, waren sie nicht genö­tigt, ihr Haus in Lau­fen­sel­den zu ver­kau­fen. Dazu wur­den sie nicht durch finan­zi­el­le Not, son­dern direkt gezwun­gen. Das Haus, das auf­grund der getä­tig­ten Reno­vie­rungs­ar­bei­ten nach Alfred Gold­schmidt einen Wert von etwa 10.000 RM besaß, muss­te er am 29. März 1939 an ein Wies­ba­de­ner Ehe­paar zu einem Preis von 5.900 RM abge­ben. Der Preis, der vom Lau­fen­sel­de­ner Orts­ge­richt fest­ge­legt wor­den war, lag deut­lich unter dem vom Eigen­tü­mer ange­ge­be­nen Wert, sogar noch unter dem Wert, für den Alfred Gold­schmidt es vier Jah­re zuvor erstan­den hat­te.[35]

Das waren nicht die ein­zi­gen finan­zi­el­len Ver­lus­te, die Alfred Gold­schmidt zu erlei­den hat­te. Die Weg­nah­me eines Radi­os 1939 im Wert von etwa 400 RM war da noch am ehes­ten zu ver­schmer­zen. Der erzwun­ge­ne Rück­kauf meh­re­rer Ver­si­che­run­gen schlug da schon stär­ker ins Gewicht.[36] Ohne die­sen Raub in irgend­ei­ner Wei­se beschö­ni­gen zu wol­len, so ging es der Fami­lie auf­grund des lau­fen­den Ein­kom­mens trotz aller Ein­schrän­kun­gen im Ver­gleich zu den Lebens­um­stän­den vie­ler ande­rer Juden in den Jah­ren zwi­schen 1939 und 1942 ver­mut­lich noch rela­tiv gut. Da am 1. Juni 1941 das Ehe­paar Emil und Johan­na Neu­mann, eine ehe­ma­li­ge Kauf­manns­fa­mi­lie aus Son­nen­berg, in ihre Woh­nung ein­ge­wie­sen wur­de, konn­ten sie auch zusätz­li­che Miet­ein­nah­men ver­bu­chen, deren Höhe aber nicht bekannt ist.
Aller­dings weiß man nicht, wel­che Sor­gen sie umtrie­ben, als sie mit anse­hen muss­ten, wie ihre Glau­bens­brü­der und ‑schwes­tern all­mäh­lich in den Lagern im Osten ver­schwan­den, wel­che Befürch­tun­gen sie um ihr eige­nes Leben und um das ihrer Töch­ter damals hat­ten. Es gibt kei­ne Unter­la­gen, kei­ne Brie­fe oder Akten, die Aus­kunft über die Jah­re geben wür­den, die sie im Juden­haus ver­brach­ten. Auch weiß man nicht, wie der zuletzt ein­zi­ge jüdi­sche Mie­ter von sei­nen Mit­be­woh­nern behan­delt wur­de, nach­dem am 1. Sep­tem­ber 1942 die letz­ten Jüdin­nen und Juden aus dem Haus nach The­re­si­en­stadt depor­tiert wor­den waren.
In der Mie­ter­lis­te steht von da an der Name Gold­schmidt neben denen der übri­gen Mie­ter, so als sei das ganz nor­mal. 100 RM muss­te er als Mie­te für die Woh­nung bezah­len, die, nach­dem die Eigen­tü­mer depor­tiert waren, von dem Haus­ver­wal­ter Bri­el für das Finanz­amt Wies­ba­den zur Ver­wer­tung ver­wal­tet wur­de.[37]

Ein Drei­vier­tel­jahr blie­ben Gold­schmidts noch im Kai­ser-Fried­rich-Ring 80 woh­nen, dann muss­ten sie auf Geheiß der Gesta­po nach Frank­furt über­sie­deln.[38] Auch Ilse gab damals ihre Stel­lung in Mainz auf und zog mit nach Frank­furt, wo sie bei der Fir­ma Phil­ipp Wan­del als Kon­to­ris­tin mit einem monat­li­chen Gehalt von 185 RM ein­ge­stellt wur­de.[39]

Ihre neue Woh­nung fan­den sie in der Uhland­str. 54, zumin­dest wur­de an die­se Adres­se die Rech­nung der Umzugs­fir­ma Ret­ten­may­er gerich­tet, die auch schon zuvor die Möbel aus Lau­fen­sel­den nach Wies­ba­den gebracht hat­te.[40] Sei­ne Pra­xis muss­te Alfred Gold­schmidt im Haus der Reichs­ver­ei­ni­gung der Juden im Her­mes­weg 5–7 ein­rich­ten,[41] ein Haus, das bis­her als Jüdi­sches Kran­ken­haus, als Alters­heim und auch als Sam­mel­stel­le für die Depor­ta­tio­nen fun­giert hat­te.[42] Neben den Büro­räu­men gab es dort eine Kran­ken­sta­ti­on und ein Zim­mer für „Kran­ken­be­hand­ler“.[43] Wie vie­le dort tätig waren, ist nicht bekannt, aber Alfred Gold­schmidt wird nicht der ein­zi­ge gewe­sen sein. Aller­dings war auch Frank­furt inzwi­schen weit­ge­hend “juden­frei”. Dane­ben gab es noch eine Schuh­mach­er­werk­statt und eine Haft­stät­te der Gesta­po für allein­ste­hen­de Juden, die aus einer nicht mehr bestehen­den „pri­vi­le­gier­ten Misch­ehe“ stamm­ten, aber nicht depor­tiert wer­den soll­ten. Der glü­hen­de Anti­se­mit Ernst Hol­land mit dem Titel ‚Beauf­trag­ter der Gehei­men Staats­po­li­zei bei der Jüdi­schen Wohl­fahrts­pfle­ge in Frank­furt am Main’, der eben­falls in die­sem Haus resi­dier­te, über­wach­te dort das gesam­te Gesche­hen. Er war es auch, der schon 1943 gegen den Wil­len des Sicher­heits­haupt­amts in Ber­lin damit vor­presch­te, jüdi­sche Ehe­part­ner aus Misch­ehen in den Tod zu schi­cken.[44] Alfred Gold­schmidt hat­te das Glück, ver­schont geblie­ben zu sein.

In der Nacht vom 4. auf den 5. Okto­ber wur­de das Gebäu­de im Her­mes­weg durch einen alli­ier­ten Bom­ben­an­griff völ­lig zer­stört, wobei auch die Pra­xis­ein­rich­tung von Alfred Gold­schmidt ver­nich­tet wur­de.[45] Die ver­schie­de­nen Auf­ga­ben, die bis­her im Her­mes­weg aus­ge­übt wor­den waren, wur­den danach in die ‚Gemein­schafts­un­ter­kunft’ Ost­end­str. 18 ver­legt. Ob es da auch eine Ein­rich­tung für die noch täti­gen „Kran­ken­be­hand­ler“ gab, konn­te nicht in Erfah­rung gebracht werden.

Wie Alfred Gold­schmidt die wei­te­ren ein­ein­halb Jah­re der Nazi­herr­schaft erleb­te, wo er wohn­te und wovon er leb­te, ist nicht bekannt. Laut sei­nen Steu­er­un­ter­la­gen hat­te er aber auch in den Jah­ren in Frank­furt ein rela­tiv hohes Ein­kom­men von durch­schnitt­lich etwa 10.000 RM. Aller­dings ist kaum vor­stell­bar, dass er die­ses aus der Behand­lung kran­ker Juden bezie­hen konn­te, da nahe­zu alle sei­ne poten­ti­el­len Pati­en­ten bereits depor­tiert und ermor­det wor­den waren.

Sei­ne Toch­ter Ilse blieb bis zum Febru­ar 1945 bei der Fir­ma in Frank­furt, in die sie 1943 ein­ge­tre­ten war. Dann wur­de sie auf Geheiß der Gesta­po noch als Zwangs­ar­bei­te­rin mit einem Stun­den­lohn von 50 Pfen­ni­gen bei dem auch heu­te noch exis­tie­ren­den Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler ‚Byko­ph­arm’ ein­ge­setzt. Der Ein­marsch der ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen been­de­te die bis zuletzt lebens­be­droh­li­che Situa­ti­on für die Fami­lie Goldschmidt.

Als Alfred Gold­schmidt nach dem Krieg sei­nen Ent­schä­di­gungs­an­trag stell­te, wohn­te er in Frank­furt in der Wei­her­str. 4, dem heu­ti­gen Ler­ches­berg­ring. Bereits im Jahr zuvor hat­te er einen Antrag auf eine Bei­hil­fe zur Exis­tenz­grün­dung gestellt, um wie­der eine Arzt­pra­xis eröff­nen zu kön­nen, was von der Betreu­ungs­stel­le auch befür­wor­tet wur­de.[46]
Wie lan­ge er noch prak­ti­zier­te, konn­te nicht ermit­telt wer­den. Am 21. Janu­ar 1962 ver­starb er in Frank­furt im Hei­lig Geist Hos­pi­tal mit 75 Jah­ren, sei­ne Frau folg­te ihm am 12. Dezem­ber des fol­gen­den Jah­res.[47]

Auch Ilse Gold­schmidt hat­te, als sie 1955 ihre Ent­schä­di­gung bean­trag­te, als Adres­se die Wei­her­stra­ße ange­ge­ben, aller­dings scheint sie inzwi­schen gehei­ra­tet zu haben, denn sie hieß nun mit Fami­li­en­na­me Mül­ler.[48] Wann die Ehe­schlie­ßung statt­ge­fun­den hat­te, geht aus den Akten nicht her­vor, aber im Haus in der Wei­her­str. 4 war 1955 auch ein Stu­dent namens H. J. Mül­ler gemel­det, viel­leicht ihr spä­te­rer Ehe­mann. Ilse arbei­te­te damals in ihrem gelern­ten Beruf als Arzt­hel­fe­rin, mög­li­cher­wei­se sogar bei ihrem Vater.

Der Neu­an­fang in der Bun­des­re­pu­blik wird nicht nur wegen der Ver­gan­gen­heit, son­dern auch ange­sichts der vie­len demü­ti­gen­den Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der Ent­schä­di­gungs­be­hör­de für Alfred Gold­schmidt sicher sehr belas­tend gewe­sen sein. Auch Ilse muss­te sich zumin­dest in den ers­ten Jah­ren mit der Igno­ranz und der man­geln­den Empa­thie der Behör­den her­um­schla­gen. So zwei­fel­te man ver­schie­de­ne Anga­ben in ihrem Lebens­lauf an: Ein Lyze­um am Schloss­platz sei in Wies­ba­den nicht bekannt. Der Brief, der ihre Anga­be über ihre dor­ti­ge Schul­zeit über­prü­fen soll­te, war als unzu­stell­bar zurück­ge­kom­men. Dass das Lyze­um bei einem Flie­ger­an­griff in Schutt und Asche gelegt wor­den war, hat­te man nicht wahr­ge­nom­men. Zudem bezwei­fel­te man, dass man ihr ein Medi­zin­stu­di­um ver­wehrt hät­te, da sie nach ihrem Abgang vom Gym­na­si­um doch auch ande­re Schu­len habe besu­chen kön­nen.[49] Letzt­lich gewähr­te man ihr aber dann doch ins­ge­samt 10.000 DM als Ent­schä­di­gung für die ver­hin­der­te Aus­bil­dung zur Ärz­tin,[50] was natür­lich kaum eine ange­mes­se­ne Abfin­dung dar­stellt, weder finan­zi­ell, noch im Hin­blick auf eine mög­li­che beruf­li­che Identität.

Wie bereits ange­merkt, lie­gen kaum Infor­ma­tio­nen über das Schick­sal ihrer Schwes­ter Lise­lot­te vor. In der Ent­schä­di­gungs­ak­te ihres Vaters befin­det sich aller­dings ein Schrei­ben vom 6. Dezem­ber 1956 der ent­spre­chen­den Behör­de in Tübin­gen, laut dem sie dort einen Antrag auf Ent­schä­di­gung eben­falls wegen Scha­dens in ihrer Aus­bil­dung ein­ge­reicht hat­te. Dem­nach müss­te ihr Wohn­sitz wäh­rend der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus in der Umge­bung der süd­deut­schen Stadt gewe­sen sein. Die „Antrag­stel­le­rin Lise­lot­te Mey­er, geb. Gold­schmidt, geb. 30.3.1915“ sei in Niz­za wohn­haft.[51] Wann sie nach Frank­reich geflo­hen oder aus­ge­wan­dert war, wann sie gehei­ra­tet hat­te und wer der Ehe­mann war, konn­te nicht ermit­telt wer­den, aber immer­hin gibt die­ses Schrei­ben die Gewiss­heit, dass auch sie nicht Opfer der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ras­sen­wahns gewor­den war. Am 25. Novem­ber 2002 soll sie im Alter von 87 Jah­ren in ihrer Wahl­hei­mat­stadt Niz­za ver­stor­ben sein.[52]

 

Über­lebt hat auch die Fami­lie von Max Gold­schmidt, dem jün­ge­ren Bru­der von Alfred. Zwar konn­ten über ihn bis­her nur weni­ge ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen ermit­telt wer­den und man­ches muss daher im Bereich von Mut­ma­ßun­gen blei­ben.[53] Gesi­chert ist aber, dass er mit sei­ner Fami­lie schon bald nach der „Macht­er­grei­fung“ ers­te Schrit­te unter­nahm, um Deutsch­land zu ver­las­sen. Die­ser Ent­schluss war umso leich­ter in die Tat umzu­set­zen, als er schon frü­her in den USA gelebt hat­te und zudem mit einer Ame­ri­ka­ne­rin ver­hei­ra­tet war.

Ver­mut­lich um die ent­spre­chen­den Vor­be­rei­tun­gen für eine end­gül­ti­ge Über­sied­lung zu tref­fen, war die gesam­te Fami­lie am 2. Mai 1934 mit der „Bre­men“ aus der namens­glei­chen Stadt kom­mend im Hafen von New York ange­kom­men. Als Rei­sen­de stan­den auf der Pas­sa­gier­lis­te neben Max Gold­schmidt sei­ne Frau Isa­bel­le und die drei Töch­ter Mari­on, 11 Jah­re alt, Elen­ore, 9 Jah­re alt, und Doris, 5 Jah­re alt.[54]

 

 

 

 

 

 

 

Ers­te Aus­rei­se der Fami­lie von Max Gold­schmidt in die USA im Jahr 1934
https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​7​4​8​8​/​i​m​a​g​e​s​/​N​Y​T​7​1​5​_​5​4​8​3​-​0​4​6​0​?​t​r​e​e​i​d​=​&​p​e​r​s​o​n​i​d​=​&​h​i​n​t​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​3​6​0​5​8​d​7​5​5​1​b​0​0​d​2​d​4​4​1​8​c​e​7​f​4​7​3​0​1​8​2​c​&​u​s​e​P​U​B​=​t​r​u​e​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​1​7​5​3​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​r​c​e​&​u​s​e​P​U​B​J​s​=​t​r​u​e​&​p​I​d​=​2​0​1​7​1​1​0​665

Alle drei Kin­der waren in Mei­nin­gen gebo­ren wor­den, was dar­auf schlie­ßen lässt, dass die Fami­lie min­des­tens bis in die spä­ten Zwan­zi­ger­jah­re dort wohn­te. In sei­nem am 27. April 1943 gestell­ten Antrag auf Ein­bür­ge­rung gab er als letz­ten Wohn­sitz in Deutsch­land aller­dings Ber­lin an.[55]

Als Kon­takt­per­son in der Hei­mat war in der Pas­sa­gier­lis­te sein damals noch in Lau­fen­sel­den woh­nen­der Bru­der Alfred ein­ge­tra­gen, für die USA sei­ne „mother in law“, sei­ne Schwie­ger­mut­ter L. Sick­lick, in New York, was bedeu­tet, dass sei­ne Frau eben­falls eine gebo­re­ne Sick­lick war. Aller­dings ist es schwie­rig, sie und ihre Fami­lie in den USA mit Sicher­heit zu iden­ti­fi­zie­ren, da die Anga­ben über ihr Alter in den ver­schie­de­nen Doku­men­ten nicht kohä­rent sind. So gab sie bei die­ser ers­ten Über­fahrt 1934 in die USA an, 39 Jah­re alt zu sein, was bedeu­ten wür­de, dass sie um 1895 gebo­ren sein müss­te. Bei einer erneu­ten Ein­rei­se in die USA allein mit ihrem Mann 1937 ist ihr Alter mit 45 Jah­ren ange­ge­ben, was auf ein Geburts­jahr um 1892 schlie­ßen lässt.[56] Im fol­gen­den Jahr reis­te sie erneut ein, dies­mal wie­der mit der gesam­ten Fami­lie. Wie­der ver­weist die Alters­an­ga­be von 46 Jah­ren auf das Geburts­jahr 1892.[57] In sei­nem Ein­bür­ge­rungs­an­trag, den Max Gold­schmidt am 1. Dezem­ber 1938 in New York ein­reich­te, gab er das Geburts­da­tum sei­ner Frau mit dem 6. August 1892 an.[58]

In die­sem Antrag mach­te er auch eine Anga­be, dass die Ehe am 20. März 1920 in New York geschlos­sen wor­den war, eine Anga­be, die auch durch sei­nen spä­te­ren Ster­be­ein­trag bestä­tigt wird.[59] Ein Doku­ment, eine Draft-Card vom Juni 1917, belegt, dass er sich bereits wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten auf­ge­hal­ten und in die­ser Zeit ver­mut­lich sei­ne zukünf­ti­ge Frau ken­nen­ge­lernt hat­te. Er ist ein­deu­tig am Geburts­ort und ‑tag zu iden­ti­fi­zie­ren. Seit wann er sich dort auf­hielt, ist nicht bekannt. Beschäf­tigt war er damals bei einer Fir­ma ‚Bux­baum & Co.’ in New York als Buch­hal­ter. Auf die Fra­ge, „Do you cla­im exemp­ti­on from draft ?“ anwor­te­te er mit einem deut­li­chen “Yes”.[60] Man wird sicher davon aus­ge­hen kön­nen, dass er damals nicht in die ame­ri­ka­ni­sche Armee ein­ge­zo­gen wur­de. Wann er nach Deutsch­land zurück­kehr­te, war nicht zu ermitteln.

Max Goldschmidt
Regis­trie­rung von Max Gold­schmidt 1917 in den USA
https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​9​0​1​4​9​8​8​:​1​002

Ver­wun­der­lich ist aller­dings, dass er sich zu die­ser Zeit über­haupt für einen län­ge­ren Zeit­raum außer Lan­des auf­hielt, denn Max Gold­schmidt hat­te damals gera­de eine gro­ße unter­neh­me­ri­sche Ver­ant­wor­tung über­nom­men. In der Draft-Card wird sein Beruf zwar als Buch­hal­ter bezeich­net, in den spä­te­ren Pas­sa­gier­lis­ten gab er immer an, „Manu­fac­tu­rer“, also Fabri­kant, zu sein. Und tat­säch­lich han­delt es sich bei ihm um den Max Gold­schmidt, der an der in Mei­nin­gen ansäs­si­gen, bedeu­ten­den Tex­til­fir­ma ‚Welton Mei­nin­gen’ betei­ligt war.[61] Das 1860 von einem M. Frank zunächst als Her­ren­wä­sche­fa­brik gegrün­de­te Unter­neh­men war noch vor dem Ers­ten Welt­krieg von den jüdi­schen Kom­pa­gnons Max Gold­schmidt und Juli­us Grün­stein über­nom­men wor­den. Grün­stein stieg spä­ter zu einem nicht bekann­ten Zeit­punkt aller­dings aus dem Unter­neh­men wie­der aus. 1928 trat an sei­ne Stel­le als Mit­be­tei­lig­ter Erich Deip­ser, der auch Pro­ku­ra besaß. 1937/​38 über­nahm Deip­ser dann auch die Antei­le von Max Gold­schmidt, nach­dem die­ser sich end­gül­tig zur Aus­wan­de­rung ent­schlos­sen hat­te. Das ari­sier­te Unter­neh­men fir­mier­te von da an als ‚Welton Her­ren­wä­sche­fa­brik Erich Deip­ser’. Spä­tes­tens seit 1935 wird das ope­ra­ti­ve Geschäft in den Hän­den des spä­te­ren Besit­zers gele­gen haben, denn ab die­sem Zeit­punkt hat­te die Fir­ma einen Groß­teil ihrer Umsät­ze mit der Her­stel­lung von Uni­for­men zunächst für die ver­schie­de­nen Orga­ni­sa­tio­nen der NSDAP, ab 1939 dann auch für die Wehr­macht gemacht.[62]

In sei­nem Ein­bür­ge­rungs­an­trag hat­te Max Gold­schmidt auch ange­ge­ben, dass sein letz­ter Wohn­sitz in Deutsch­land Ber­lin gewe­sen sei. Wann genau die Fami­lie dort­hin ver­zo­gen war, ist nicht bekannt, aber im Ber­li­ner Adress­buch von 1936 ist ein Fabri­kant Max Gold­schmidt als Bewoh­ner des Hau­ses in Ber­lin Char­lot­ten­burg, Kron­prin­zen­str. 40, ver­zeich­net. 1934 war er laut dem Mei­nin­ger Adress­buch noch in sei­ner Hei­mat­stadt gemel­det, wo die Fami­lie in der Hele­nen­str. 7 wohnte.

Gemein­sam tra­ten sie im Spät­som­mer 1938 die end­gül­ti­ge Aus­rei­se in die USA an. Auf der Pas­sa­gier­lis­te der „Nor­man­die“, die am 7. Sep­tem­ber 1938 dies­mal von Le Hav­re kom­mend in New York anlan­de­te, sind die drei Kin­der mit ihrem Alter ange­ge­ben. Mari­on war damals 16, Eleo­no­re 14 und Doris 10 Jah­re alt.[63]

Ein­bür­ge­rungs­an­trag von Max Gold­schmidt
https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​6​7​0​2​4​0​6​:​2​2​8​0​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​b​c​c​c​e​8​e​e​6​b​2​c​7​d​8​a​d​9​1​e​f​3​9​7​c​3​f​4​0​9​9​4​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​1​9​4​1​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce.

Bei dem auf dem noch im glei­chen Jahr ein­ge­reich­ten Antrag zur Erlan­gung der ame­ri­ka­ni­schen Staats­bür­ger­schaft gab der Vater dies­mal auch die genau­en Geburts­da­ten der Kin­der an: Mari­on war am 25. Juli 1922, Eleo­no­re /​ Eli­nor am 7. März 1924 und Doris am 29. Juni 1928 gebo­ren wor­den.[64] Als Max Gold­schmidt im April 1943 sein Ein­bür­ge­rungs­be­geh­ren in Mas­sa­chu­setts erneu­er­te, gab er nun an, der Vater von nur zwei Kin­dern zu sein.[65] Die ältes­te Toch­ter Mari­on war schon bald nach der Ankunft in Ame­ri­ka am 2. Okto­ber 1939 in einem New Yor­ker Hos­pi­tal im Alter von 17 Jah­ren ver­stor­ben.[66]
Das wei­te­re Schick­sal der Fami­lie in Ame­ri­ka konn­te lei­der nicht ermit­telt wer­den. Irgend­wann muss aber zumin­dest Max Gold­schmidt wie­der zurück nach Deutsch­land gekom­men sein, denn er ver­starb am 6. Novem­ber 1975 wie sein Bru­der in Frank­furt am Main. Zuletzt hat­te er dort in der Schön­born­str. 43 gewohnt.[67]

 

 

Ver­öf­fent­licht: 01. 08. 2023

 

 

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Anmer­kun­gen:

 

[1] Hei­rats­re­gis­ter Ber­lin 329 /​ 1914.

[2] Anga­ben laut Aus­kunft des Stadt­ar­chivs Mei­nin­gen vom 5.7.2023.

[3] Bis­her steht eine umfas­sen­de genea­lo­gi­sche Auf­ar­bei­tung der Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis­se die­ser Fami­lie noch aus, sodass eine genaue Zuord­nung aller Fami­li­en­mit­glie­der noch nicht mög­lich ist.

[4] Die Anga­ben zu sei­ner Per­son sind dem in der Pro­mo­ti­on abge­druck­ten Lebens­lauf ent­nom­men, sie­he Gold­schmidt, Alfred, Ein Fall von Osteoscle­ro­sis dolo­ro­sa, Leip­zig 1913, S. 29.

[5] Hei­rats­re­gis­ter Ber­lin 329 /​ 1914. Für Maria Keß­ler war es bereits die zwei­te Ehe, denn sie wird in der Hei­rats­ur­kun­de als geschie­de­ne Rei­ner bezeichnet.

[6] Göbel /​ Hengs­ten­berg, Syn­ago­ge in Lau­fen­sel­den, S. 23.

[7] HHStAW 671 6 (42).

[8] Göbel /​ Hengs­ten­berg, Syn­ago­ge in Lau­fen­sel­den, S. 23.

[9] Ebd. S. 24. Hier ist auch ein Fak­si­mi­le der Urkun­de abgebildet.

[10] Arns­berg, Jüdi­sche Gemein­den in Hes­sen 1, S. 480 f.

[11] HHStAW 671 7 (pas­sim).

[12] Ebd. (26, 79). Die Anga­be mach­te Alfred Gold­schmidt erst­mals 1926 für sei­ne elf­jäh­ri­ge Toch­ter, d.h. für Lie­se­lot­te. 1931 schrieb er, dass bei­de Töch­ter wäh­rend der Woche in Wies­ba­den unter­ge­bracht sei­en und er dafür jähr­lich 2.400 RM auf­brin­gen müs­se, was man bit­te bei der Steu­er­be­rech­nung berück­sich­ti­gen möge.

[13] HHStAW 518 11981 (44).

[14] Ebd. (32 f., 107). Im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren erklär­te die Gemein­de, dass auch den nach­fol­gen­den Ärz­ten das Fixum nicht mehr gezahlt wor­den sei, offen­sicht­lich in der Absicht, die ursprüng­lich wohl anti­se­mi­tisch moti­vier­te Maß­nah­me als neu­tra­le Spar­maß­nah­me zu kaschieren.

[15] Ebd. (104 ff.). Die Spen­den­sum­me bil­de­te ein Son­der­ver­mö­gen des Reichs, aus dem Dar­le­hen zur Finan­zie­rung öffent­li­cher Arbei­ten gewährt wur­den, um so die Arbeits­lo­sig­keit abzu­bau­en. Unzwei­fel­haft wur­de mit die­sem schein­bar sozia­len Pro­gramm nicht nur die Legi­ti­ma­ti­on der Dik­ta­tur geför­dert, son­dern auch schon die geplan­te Wehr­fä­hig­keit des NS-Staa­tes finanziert.

[16] Ebd. (16).

[17] Ebd. (28 f.). In dem Schrei­ben des Rechts­an­walts ist zwar ein Kauf­preis von 65.000 RM genannt, aber offen­sicht­lich han­delt es sich dabei um einen Schreib­feh­ler, denn es heißt dann wei­ter, das Haus sei mit erheb­li­chen Auf­wen­dun­gen reno­viert wor­den, wovon ca. 2.000 RM durch Rech­nun­gen nach­weis­bar sei­en. Der spä­te­re Ver­kaufs­preis habe knapp 6.000 RM betragen.

[18] Ebd. (40).

[19] Zit. nach Göbel /​ Hengs­ten­berg, Syn­ago­ge in Lau­fen­sel­den, S. 25.

[20] HHStAW 518 11981 (34, 41).

[21] Ebd. (23). Laut Aus­kunft des Finanz­amts betru­gen sie 1938 nur noch 4.200 RM. In einer ers­ten Stel­lung­nah­me der Ent­schä­di­gungs­be­hör­de auf die Ent­schä­di­gungs­for­de­run­gen von Alfred Gold­schmidt woll­te die­se ihm eine ent­spre­chen­de Kom­pen­sa­ti­on ver­wei­gern. Die Begrün­dung ist kenn­zeich­nend für die Hal­tung der Behör­de in den frü­hen 50er Jah­ren bzw. die damals gül­ti­ge Rechts­auf­fas­sung: „Die Min­de­rung Ihres Ein­kom­mens (…) dürf­te nicht auf offi­zi­el­len Boy­kott (also Rechts­vor­schrift oder im Ver­wal­tungs­we­ge ver­ord­net) (vergl. Wil­den-Klück­mann, Kom­men­tar zum Ent­schä­di­gungs­ge­setz. Sei­te 82) zurück­zu­füh­ren sein, son­dern auf ein effek­ti­ves, mehr oder weni­ger furcht­sa­mes Ver­hal­ten der Bevöl­ke­rung.“ Dass die­ses „furcht­sa­me Ver­hal­ten“ etwas mit den staat­li­chen Maß­nah­men und Ver­laut­ba­run­gen zu tun hat­te, wird schlicht geleug­net. Außer­dem behaup­te­te man, Dr. Gold­schmidt habe letzt­lich über­haupt kei­ne Ein­kom­mens­ver­lus­te erlit­ten, da sei­ne Ein­künf­te in den Jah­ren nach 1938, nach­dem er nach Wies­ba­den gezo­gen war, sich wie­der denen vor 1933 ange­nä­hert hät­ten. Sie­he ebd. (32, 53).

[22] So auch Göbel /​ Hengs­ten­berg, Syn­ago­ge in Lau­fen­sel­den, S. 25.

[23] Sie­he die Auf­lis­tung der ange­rich­te­ten Schä­den in Lau­fen­sel­den unter HHStAW 418 1564 (37–39). Der ange­rich­te­te Scha­den belief sich auf etwa 6.730 RM, ebd. (41). Auch Schü­ler­grup­pen waren dazu auf­ge­for­dert wor­den, sich an dem Pogrom zu betei­li­gen, sie­he Kro­pat, Reichs­kris­tall­nacht, S. 68.

[24] HHStAW 518 63513 (5). Das Schick­sal der Fami­lie von Ben­ny Oppen­hei­mer wird detail­lier­ter dar­ge­stellt im Kapi­tel über die Fami­lie sei­nes Bru­ders Sali Oppen­hei­mer, der Bewoh­ner des Juden­hau­ses Rhein­str. 81 war. Sali Oppen­hei­mer und sei­ne Frau Emma wur­den am 1.9.1942 von Wies­ba­den nach The­re­si­en­stadt depor­tiert, über­leb­ten aber, da sie zu der Grup­pe von Gefan­ge­nen gehör­ten, die kurz vor dem Ende der NS-Herr­schaft im Febru­ar 1945 durch einen Deal von Himm­ler mit dem IRK die Aus­rei­se in die Schweiz ermög­licht wurde.

[25] HHStAW 518 76693 (5). Gemeint ist sicher, dass die Regis­trie­rungs­num­mer, die ihnen im zustän­di­gen ame­ri­ka­ni­schen Kon­su­lat in Stutt­gart zuge­teilt wor­den war, so hoch war, sodass sie bei den bestehen­den Quo­tie­run­gen kei­ne Chan­ce für eine recht­zei­ti­ge Aus­wan­de­rung hat­ten. Aller­dings fin­den sich in allen ande­ren Unter­la­gen kei­ne wei­te­ren Indi­zi­en, die die­se Plä­ne der Eltern bestä­ti­gen würden.

[26] Ilse hat die­se Anga­ben in ihrem Lebens­lauf gemacht, den sie im Zusam­men­hang mit ihrem Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren ver­fass­te, sie­he HHStAW 518 76693 (4, 5).

[27] Bei der Regis­trie­rung der Steu­er­un­ter­la­gen von Juden nach dem Krieg durch die Ame­ri­ka­ner sind aller­dings bei­de Töch­ter als in Wies­ba­den wohn­haft notiert, sie­he https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​8​1​7​0​2​3​5​:​6​1​7​5​8​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​a​3​e​1​9​3​c​8​f​5​7​8​c​c​b​8​0​0​4​a​6​5​3​b​e​f​5​1​d​c​b​e​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​1​8​3​7​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.07.2023). Aber das ist eine zu vage Anga­be, um dar­aus wei­te­re Schlüs­se zie­hen zu können.

[28] HHStAW 518 11981(17).

[29] Ebd. (45) (Her­vor­he­bung im Original).

[30] Ebd. (42).

[31] Ebd. (34).

[32] Ebd. (23).

[33] Ebd. (6, 14). Die Haft­ent­schä­di­gung für 4 Wochen KZ betrug 150 DM, sie­he ebd. (31).

[34] Ebd. (19, 20, 47).

[35] Ebd. (29 f.). Das Haus muss­te nach dem Krieg zurück­er­stat­tet werden.

[36] Ebd. (oP). Die­se Ver­lus­te wur­den aller­dings im Juli 1959 mit 7.500 DM entschädigt.

[37] HHStAW 519/​2 2173 (o.P.).

[38] HHStAW 518 11981 (50).

[39] HHStAW 518 76693 (5).

[40] HHStAW 518 11981 (18). Die Rech­nung ist datiert mit dem 6.3.1943 und belief sich auf 552,60 RM. Immer­hin war die Ent­schä­di­gungs­be­hör­de bereit, die­se Kos­ten zu ent­schä­di­gen, weil der Umzug durch eine staat­li­che Stel­le ange­ord­net war.

[41] Seit dem 1. Janu­ar 1943 beher­berg­te das Gebäu­de die ‚Bezirks­stel­le Hes­sen/Hes­sen-Nas­sau der Reichs­ver­ei­ni­gung der Juden in Deutsch­land’, in der orga­ni­sa­to­risch die bis­he­ri­gen Bezirks­stel­len Hes­sen-Nas­sau, Hes­sen und die Jüdi­sche Gemein­de Frank­furt zusam­men­ge­fasst wor­den waren.

[42] Ein Vier­tel­jahr nach Gold­schmidts muss­ten auch die letz­ten noch in Wies­ba­den ver­blie­be­nen Mit­glie­der des ehe­ma­li­gen Gemein­de­vor­stands nach Frank­furt in den Her­mes­weg zie­hen. Es han­del­te sich um das Ehe­paar Georg und Mar­ga­re­te Gold­stein, Arthur und Anna Strauss und Bert­hold Gut­h­mann mit sei­ner Frau Clai­re und den Kin­dern Paul und Char­lot­te. Char­lot­te Gut­h­mann, ver­hei­ra­te­te Opfer­mann, hat spä­ter über ihre Tätig­keit im Her­mes­weg berich­tet, die Fami­lie Gold­schmidt bleibt aber in die­sem Bericht uner­wähnt. Sie­he Opfer­mann, Her­mes­weg, S. 403–414.

[43] Sie­he King­reen, Depor­ta­ti­on der Juden aus Hes­sen, S. 380 f.

[44] Ebd. S. 376 ff.

[45] Da Bom­ben­schä­den durch das Ent­schä­di­gungs­ge­setz nicht abge­deckt waren, erhielt er auch für die­sen Scha­den kei­ne Kom­pen­sa­ti­on, sie­he HHStAW 518 11981 (24, 25, 45).

[46] Ebd. (2).

[47] Ster­be­re­gis­ter Frank­furt 551 /​ 1961 und 7380 /​ 1962.

[48] HHStAW 519 76693 (2). In einer Beschei­ni­gung der Stadt Frank­furt heißt es, dass Ilse Mül­ler seit dem 27.11.1945 „von Lan­gen­wed­din­gen kom­mend“ in Frank­furt in der Wei­her­str. 4 woh­ne. Mög­li­cher­wei­se stamm­te ihr Ehe­mann aus die­ser Gemein­de in der Nähe von Mag­de­burg. Ebd. (14).

[49] HHStAW 518 76693 (12).die

[50] Ebd. (17, 23)

[51] HHStAW 518 11981 (91).

[52] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​1​3​9​3​5​6​6​1​:​6​2​2​0​1​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​6​6​e​3​6​d​b​f​c​f​3​6​8​9​c​9​9​5​5​b​a​1​b​a​4​0​b​3​c​2​6​a​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​1​8​2​7​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.07.2023).

[53] Erschwert wird die Rekon­struk­ti­on sei­nes Lebens auch dadurch, dass es in Mei­nin­gen einen zwei­ten Max Gold­schmidt gab, der am 7.3.1879 gebo­ren wur­de, aber in kei­ner unmit­tel­ba­ren Ver­bin­dung zu der hier in Fra­ge ste­hen­den Fami­lie Gold­schmidt stand. Zudem gab es einen Max Gold­schmidt aus Frank­furt, der eben­falls im Jahr 1888, aller­dings im Mai, gebo­ren wor­den war und schon in den ers­ten Jahr­zehn­ten des 20. Jahr­hun­derts in die USA aus­reis­te, sich dort aber in Chi­ca­go niederließ.

[54] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​7​4​8​8​/​i​m​a​g​e​s​/​N​Y​T​7​1​5​_​5​4​8​3​-​0​4​6​0​?​t​r​e​e​i​d​=​&​p​e​r​s​o​n​i​d​=​&​h​i​n​t​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​3​6​0​5​8​d​7​5​5​1​b​0​0​d​2​d​4​4​1​8​c​e​7​f​4​7​3​0​1​8​2​c​&​u​s​e​P​U​B​=​t​r​u​e​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​1​7​5​3​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​r​c​e​&​u​s​e​P​U​B​J​s​=​t​r​u​e​&​p​I​d​=​2​0​1​7​1​1​0​665 (Zugriff: 15.07.2023). Wo die Kin­der gebo­ren wur­den, ist aller­dings nicht bekannt. In Mei­nin­gen sind sie nach Aus­kunft des Stadt­ar­chivs nicht regis­triert worden.

[55] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​9​0​1​2​5​1​3​8​2​:​2​361. (Zugriff: 15.07.2023).

[56] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​2​3​8​2​1​:​9​7​3​4​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​4​5​e​4​2​b​9​9​3​8​9​e​3​a​8​4​1​3​c​5​1​8​4​f​c​e​b​4​1​5​e​9​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​1​9​3​7​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.07.2023). Sie­he den wei­ter­füh­ren­den Link auf die Bre­mer Pas­sa­gier­lis­ten unter dem Namen Goldschmidt.

[57] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​7​4​8​8​/​i​m​a​g​e​s​/​N​Y​T​7​1​5​_​6​2​1​5​-​0​0​7​3​?​t​r​e​e​i​d​=​&​p​e​r​s​o​n​i​d​=​&​h​i​n​t​i​d​=​&​u​s​e​P​U​B​=​t​r​u​e​&​u​s​e​P​U​B​J​s​=​t​r​u​e​&​p​I​d​=​2​1​0​2​0​204. (Zugriff: 15.07.2023). Dies­mal ist als Kon­takt in den USA ein Cou­sin von Isa­bel­la Gold­schmidt namens Geor­ge Sick­lick genannt. Für Deutsch­land ist erneut der inzwi­schen im Kai­ser-Fried­rich-Ring 80 woh­nen­de Bru­der Alfred angeführt.

[58] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​6​7​0​2​4​0​6​:​2​2​8​0​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​b​c​c​c​e​8​e​e​6​b​2​c​7​d​8​a​d​9​1​e​f​3​9​7​c​3​f​4​0​9​9​4​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​1​9​4​1​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.07.2023). Mög­li­cher­wei­se stamm­te sei­ne Frau aus der Fami­lie von Micha­el /​ Michel und Eliza­beth /​ Liz­zie Sick­lick, die Ende des 1900 Jahr­hun­derts aus Russ­land ein­ge­wan­dert waren. Die Fami­lie bestand laut der Volks­zäh­lung von 1910 neben den Eltern aus wei­te­ren fünf Kin­dern, einem Sohn und vier Töch­tern, von denen Isa­bel­le /​ Isa­be­la die zweit­äl­tes­te war. Wäh­rend die ältes­te Toch­ter Sophia noch in Russ­land gebo­ren wur­de, soll Isa­bel­le die ers­te gewe­sen sein, die in Ame­ri­ka das Licht der Welt erblick­te. Sie­he https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​1​4​0​2​5​1​6​4​1​:​7​8​8​4​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​4​1​b​2​9​f​9​c​8​a​6​e​6​c​4​8​8​4​3​f​b​4​1​9​2​1​0​8​d​7​e​f​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​1​8​7​8​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.07.2023). Sophia gab in der Volks­zäh­lung von 1930 aller­dings an, sie sei 1894 in die USA ein­ge­wan­dert. Wenn die Isa­bel­le die­ser Fami­lie Sick­lick die Frau von Max Gold­schmidt war, dann kann sie aller­dings kaum 1892 in New York gebo­ren wor­den sein. Abge­se­hen vom Cen­sus des Jah­res 1900, wo ihr Alter sicher fälsch­li­cher­wei­se mit 2 Jah­ren ange­ge­ben ist, kommt man bei den wei­te­ren Volks­zäh­lun­gen von 1905, 1910 und 1920 auf ein Geburts­jahr 1894/​95, was mit dem von Sophia ange­ge­be­nen Ein­wan­de­rungs­jahr über­ein­stim­men wür­de. Zwar ist bei den Alters­an­ga­ben in den Pas­sa­gier­lis­ten, in denen ein­deu­tig eine Isa­bel­le Sick­lick als Frau von Max Gold­schmidt iden­ti­fi­ziert wer­den kann, auch ein­mal das Jahr 1895 zu fin­den, aber ansons­ten sind immer abwei­chen­de Jah­re genannt.
Es könn­te sich bei der in den Volks­zäh­lun­gen genann­ten Isa­bel­le Sick­lick auch um eine ande­re Per­son han­deln, denn eine Isa­bel­le Sick­lick war im Dezem­ber 1918 bzw. Anfang 1919, in jedem Fall unmit­tel­bar nach dem Ende des Ers­ten Welt­kriegs, im Rah­men der Jüdi­schen Für­sor­ge­be­hör­de für einen Aus­lands­dienst aus­ge­wählt wor­den. Die 1917 im Zusam­men­hang mit dem Ein­tritt der USA in den Ers­ten Welt­krieg gegrün­de­te Orga­ni­sa­ti­on hat­te im Gro­ben sich zum Ziel gesetzt, die vie­len jüdi­schen Sol­da­ten bei ihrer schwie­ri­gen Mis­si­on nicht allei­ne zu las­sen, sie in ihrem Glau­ben aber zugleich auch in ihrer Iden­ti­tät als ame­ri­ka­ni­sche Staats­bür­ger zu fes­ti­gen. Sie soll­ten wis­sen, für wel­ches Ziel sie in die­sen Krieg zogen. Die­se Betreu­ungs­ar­beit fand vor­ran­gig in den Aus­bil­dungs­camps in den USA, aber dann auch hin­ter der Front in Euro­pa – aller­dings weit­ge­hend in Frank­reich – statt. Die vom Jewish Wel­fa­re Board aus­ge­wähl­te Isa­bel­le Sick­lich hat­te in einer Erklä­rung, die sie am 6. Dezem­ber 1918 unter­zeich­net hat­te, ange­ge­ben, 32 Jah­re alt zu sein, was bedeu­ten wür­de, dass sie im Jahr 1886 gebo­ren wor­den sein müss­te. Soll­te ihr Geburts­tag am Jah­res­en­de gele­gen haben, so könn­te sie iden­tisch mit der in den Volks­zäh­lun­gen genann­ten Isa­bel­le Sick­lick sein. Mög­li­cher­wei­se han­delt es sich hier aber sogar um eine drit­te Per­son glei­chen Namens, die aber viel­leicht alle drei einen gemein­sa­men fami­liä­ren Hin­ter­grund hat­ten. Die Abkunft von Max Gold­schmidts Ehe­frau muss aber wei­ter­hin als unge­si­chert ange­se­hen werden.

[59] Ster­be­re­gis­ter Frank­furt 6799 /​ 1975.

[60] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​1​5​8​6​9​9​8​2​:​6​4​8​2​?​l​a​n​g​=​d​e​-DE. (Zugriff: 15.07.2023).

[61] Es gab in Mei­nin­gen noch einen jüdi­schen Bür­ger Max Gold­schmidt, gebo­ren am 7.3.1879, der eben­falls Kauf­mann war, dann nach Erlan­gen ver­zog, um von dort aus über Eng­land in die USA zu emi­grie­ren. Er erreich­te mit sei­ner Frau Anna und den bei­den Kin­dern Hede und Thea die USA im August 1940. Sie­he https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​3​9​6​0​7​:​6​1​1​9​5​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​0​1​a​9​e​4​8​e​b​1​f​f​0​8​c​d​7​7​c​6​3​0​3​7​1​f​a​7​9​3​d​a​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​1​9​4​3​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.07.2023). Dass der 1888 und nicht der 1879 gebo­re­ne Max Gold­schmidt, der eben­falls in der Tex­til­bran­che tätig war, Eigen­tü­mer der Fir­ma war, lässt sich durch zwei Unter­schrif­ten zwei­fels­frei bele­gen. Die Unter­schrift von Max Gold­schmidt auf der Abtre­tungs­ur­kun­de eines Schuld­scheins der Stadt Mei­nin­gen auf sei­nen Nach­fol­ger aus dem Jahr 1938 ist ein­deu­tig von der­sel­ben Hand geschrie­ben, wie die auf dem Antrag zu sei­ner Ein­bür­ge­rung in die USA aus dem glei­chen Jahr.

[62] Nach dem Krieg wur­de die Fir­ma ent­eig­net und in DDR-Zei­ten pro­du­zier­ten bis zu 600 Mitarbeiter*innen in dem ‚VEB Welton Menin­gen’ Her­ren­ober­hem­den. Nach der Wen­de muss­te sie 1991 Kon­kurs anmel­den. https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​W​e​l​t​o​n​_​M​e​i​n​i​n​gen. (Zugriff: 15.07.2023). Die nicht über­prüf­ten Anga­ben bei Wiki­pe­dia beru­hen angeb­lich auf einem Arti­kel des Stadt­le­xi­kons Meiningen.

[63] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​7​4​8​8​/​i​m​a​g​e​s​/​N​Y​T​7​1​5​_​6​2​1​5​-​0​0​7​3​?​t​r​e​e​i​d​=​&​p​e​r​s​o​n​i​d​=​&​h​i​n​t​i​d​=​&​u​s​e​P​U​B​=​t​r​u​e​&​u​s​e​P​U​B​J​s​=​t​r​u​e​&​p​I​d​=​2​1​0​2​0​204. (Zugriff: 15.07.2023). Es mag Zufall sein, den­noch soll nicht uner­wähnt blei­ben, dass sich auch ein 20-jäh­ri­ger Stu­dent namens Hans Theo­dor Kess­ler auf dem Schiff befand, mög­li­cher­wei­se ein Ver­wand­ter der Wies­ba­de­ner Schwägerin.

[64] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​6​7​0​2​4​0​6​:​2​2​8​0​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​b​c​c​c​e​8​e​e​6​b​2​c​7​d​8​a​d​9​1​e​f​3​9​7​c​3​f​4​0​9​9​4​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​1​9​4​1​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.07.2023).

[65] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​9​0​1​2​5​1​3​8​2​:​2​361. (Zugriff: 15.07.2023).

[66] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​6​1​8​1​4​7​:​6​1​778. (Zugriff: 15.07.2023). Inter­es­sant ist zudem, dass er bei der Namens­an­ga­be Max Gold­schmidt als Ali­as Max Lang Golds­mith angab, also den Mäd­chen­na­me der Mut­ter mit ein­be­zog. Die­ser voll­stän­di­ge Name ist auch in sei­nem spä­te­ren Ster­be­ein­trag aufgenommen.

[67] Ster­be­re­gis­ter Frank­furt 6799 /​ 1975.