Selma und Max Ebbe sowie seine Kinder Johanna, Nelly, Lea, Leopold und Dora


Lortzingstraße_7_1925
Lortzingstr. 7 um 1925
Archiv D. Schaller
Lortzingstr. 7
Lage des ehe­ma­li­gen Juden­hau­ses Lortzingstr. 7
Judenhauses Lortzingstr. 7
Bele­gung des Juden­hau­ses Lortzingstr. 7

 

 

 

 

 


Mit Sel­ma Ebbe zogen Ende Okto­ber 1940 mit Ber­tha Straus, gebo­re­ne Alt­städ­ter, und Lou­is Lud­wig Stern zwei wei­te­re allein ste­hen­de bzw. ver­wit­we­te Per­so­nen in das Juden­haus Lortzingstr. 7 ein. Es war die Zeit, in der die Nazis ihr Kon­zept der räum­li­chen Aus­gren­zung von Juden mit Nach­druck zu ver­fol­gen begannen.

Auch wenn Sel­ma Ebbe am 12. Dezem­ber 1898 in Ham­burg gebo­ren wor­den war,[1] so hat­te sie den­noch einen par­ti­ell ost­eu­ro­päi­schen fami­liä­ren Hin­ter­grund, denn ihr Vater, der Schlach­ter Adolf Kreut­zer, stamm­te aus der Stadt Kaschau /​ Kosice, die heu­te im Osten der Slo­wa­kei dicht an der Gren­ze zu Ungarn liegt. Ob auch sei­ne Eltern, der Brief­trä­ger Jakob Kreut­zer und sei­ne Frau Sarah Ester, gebo­re­ne Glücks­mann, dort schon gebo­ren und auf­ge­wach­sen waren, ist nicht bekannt. Kaschau war eine Stadt, in der einst vie­le Eth­ni­en und Reli­gio­nen, dar­un­ter auch vie­le Juden, weit­ge­hend fried­lich zusam­men­leb­ten,[2] eine Stadt, in der eigent­lich jeder einer Min­der­heit ange­hör­te. Nicht zuletzt war das der Grund, wes­halb man 2013 die­sen kul­tu­rel­len Schmelz­tie­gel Koli­ce zur euro­päi­schen Kul­tur­haupt­stadt erkor.

Stammbaum Ebbe-Eiba-Kreutzer
Stamm­baum der Fami­li­en Ebbe, Eiba und Kreut­zer
GDB

Wann Adolf Kreut­zer die Stadt ver­las­sen hat­te, ist nicht bekannt. Als er am 8. Janu­ar 1890 in Ham­burg Rabel­la Levy, dort am 6. Juli 1867 gebo­ren, ehe­lich­te, waren sei­ne Eltern bereits ver­stor­ben. Auch die Eltern der Braut, der Ham­bur­ger Kauf­mann Joseph Abra­ham Levy und sei­ne Frau Zer­line, gebo­re­ne Wehl, leb­ten damals nicht mehr.[3]

Mög­li­cher­wei­se waren aus der Ehe von Adolf und Rabel­la mehr als die drei bekann­ten Kin­der, der am 28. Febru­ar 1892 gebo­re­ne Sohn Josef und die bei­den Töch­ter Sel­ma und Zer­line, her­vor­ge­gan­gen, denn die um etwa ein Jahr älte­re Zer­line kam am 5. Sep­tem­ber 1897 zur Welt, somit fünf Jah­re nach dem älte­ren Bru­der.[4]

Über das Leben von Sel­ma Kreut­zer, bevor sie nach Wies­ba­den kam, konn­te nichts Wesent­li­ches in Erfah­rung gebracht wer­den. Sie scheint aber ihre Geburts­stadt über einen län­ge­ren Zeit­raum ver­las­sen zu haben, denn in einem spä­te­ren Antrag auf Mit­nah­me von Umzugs­gut gab sie selbst an, seit 1937 – zu ergän­zen wäre: wie­der – in Ham­burg gewohnt zu haben.[5] Dort hat­te nach Anga­ben ihres spä­te­ren Ehe­manns Max Ebbe am 27. August 1937 die Hei­rat statt­ge­fun­den.[6] Wäh­rend ihr Vater damals ver­mut­lich bereits ver­stor­ben war, leb­te die Mut­ter noch in Ham­burg Rother­baum, in der Sedan­str. 23.[7]

Für sie war es die ers­te, für ihren ver­wit­we­ten Ehe­mann bereits die zwei­te Ehe. Auch brach­te er fünf Kin­der mit in die Ehe, vier Töch­ter und einen Sohn. Deren Mut­ter Hed­wig Hadas­sa Rebe­cka, gebo­re­ne Eiba, war 1935 mit 41 Jah­ren in Wies­ba­den ver­stor­ben. Sowohl sie als auch ihr Ehe­mann Max Ebbe hat­ten einen ost­eu­ro­päi­schen Hin­ter­grund und zähl­ten sich zum ortho­do­xen Judentum.

Max Ebbe
©USC Sho­ah Foundation

Max Ebbe, eigent­lich Ben­ja­min Eli­me­lach, genannt Meil­ach oder eben Max Ebbe, auch Ebe, war am 16. oder – wahr­schein­li­cher – am 24. August 1895 in War­schau zur Welt gekom­men.[8] Nicht bekannt ist, wie vie­le Kin­der sei­ne Eltern, Leo­pold Leib und Cha­na Ebbe, gebo­re­ne Kol­bi, ins­ge­samt hat­ten,[9] aber sei­ne Toch­ter Nel­ly erwähn­te in dem genann­ten Inter­view einen Bru­der ihres Vaters, der wäh­rend der Nazi­zeit bereits in den USA leb­te. Unmit­tel­bar nach dem Ers­ten Welt­krieg hat­te Max Ebbe den neu gegrün­de­ten Staat Polen, in dem die natio­na­le Eupho­rie auch den Anti­se­mi­tis­mus wie­der auf­le­ben ließ, ver­las­sen und war nach Deutsch­land, genau­er nach Mün­chen, gekom­men, wo er sei­ne zukünf­ti­ge Frau ken­nen lern­te. Am 15. Juni 1920 fand in ihrer Hei­mat­stadt die Ehe­schlie­ßung statt.[10] Der Braut­va­ter Hirsch Zwi Eiba, gebo­ren am 17. August 1853 in Gum­bin­nen in Ost­preu­ßen, war Ende 1888 in die baye­ri­sche Haupt­stadt gekom­men, wo er vom Ziga­ret­ten­ge­schäfts­in­ha­ber zum Eigen­tü­mer einer Tabak- und Ziga­ret­ten­fa­brik auf­ge­stie­gen war.[11] Im März 1925 wech­sel­te er aber offen­sicht­lich sein Métier und betä­tig­te sich seit­dem als Sil­ber­wa­ren­händ­ler in der glei­chen Bran­che wie sein Schwie­ger­sohn.[12]

Hedwig Eiba
Woh­nungs­kar­te von Hed­wig Eiba in Mün­chen
Stadt­ar­chiv Mün­chen DE-1992-PMB-E-31-Eiba-Hedwig

Sehr unüber­sicht­lich sind die fami­liä­ren Ver­hält­nis­se von Hirsch Eiba, bzw. unklar ist, wer die Müt­ter sei­ner ins­ge­samt sie­ben Kin­der waren, die bis auf die letz­ten bei­den, den Sohn Jakob und die Toch­ter Hed­wig, alle noch in Polen gebo­ren wor­den waren. Sei­ne ers­te Frau, von der er geschie­den wur­de, war eine Per­la Syer­s­ka, die spä­ter in Polen leb­te. Jakob wur­de am 28. Febru­ar 1886 in Ber­lin gebo­ren.[13] Bei ihm waren als Eltern Hirsch Eiba und sei­ne Frau Cha­na /​ Anna ein­ge­tra­gen, gebo­re­ne Salo­mon. Aller­dings wur­de die­ser Ein­trag spä­ter vom Ber­li­ner Stan­des­amt kor­ri­giert, weil die bei­den damals noch nicht ver­hei­ra­tet waren und sie noch den Nach­na­men ihres ver­stor­be­nen Ehe­manns Kron­berg trug. Bei der Geburt von Hed­wig am 8. Mai 1889 waren Hirsch Eiba und Anna dann ein Paar, müs­sen also zwi­schen 1886 und 1889 gehei­ra­tet haben.[14]

Genaue Anga­ben dar­über, wann das jung ver­mähl­te Paar Max und Hed­wig Ebbe nach Wies­ba­den kam, lie­gen wegen der Ver­nich­tung der hie­si­gen Mel­de­kar­tei im Krieg lei­der nicht vor. Einen Ein­trag für Max Ebbe im Wies­ba­de­ner Adress­buch fin­det man erst­mals in der Aus­ga­be von 1921. Ver­mut­lich war er aber schon spä­tes­tens im Jahr zuvor gekom­men, denn bereits am 4. Janu­ar 1921 wur­de in Wies­ba­den die ältes­te Toch­ter Johan­na, genannt Han­ni, gebo­ren. Am 6. August des fol­gen­den Jah­res kam die Toch­ter Nel­ly zur Welt, gefolgt von Lea am 1. April 1925 und dem ein­zi­gen Sohn Leo­pold, genannt Pol­di, am 16. August 1926. Am 7. Novem­ber 1928 wur­de mit Dora, genannt Dor­le, noch ein­mal ein Mäd­chen gebo­ren.[15]

Ver­mut­lich wegen der grö­ßer wer­den­den Fami­lie und auch der sich ver­bes­sern­den Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se wech­sel­te die Fami­lie mehr­fach die Woh­nung. Hat­te man zunächst in der Kirch­gas­se 49 im 1. Stock gewohnt, so war man Mit­te der Zwan­zi­ger Jah­re, als das drit­te Kind zur Welt gekom­men war, in die Neu­dor­fer Str. 4 gezo­gen. Spä­tes­tens ab 1929 bewohn­te man ein gro­ßes 5‑Zim­mer-Appar­te­ment im zwei­ten Stock der Ora­ni­en­str. 43. Es muss die­se Woh­nung gewe­sen sein, an die sich Nel­ly spä­ter so gut erin­ner­te. Jeweils zwei Mäd­chen hat­ten ein gemein­sa­mes Zim­mer, die Eltern und Pol­di ein eige­nes. Von dem Flur, so lang, dass man dar­in Fahr­rad fah­ren konn­te, ging es in die Stu­be, die Küche und das Bad. Dazu gehör­ten noch zwei Bal­ko­ne, einer nach vorn und ein Küchen­bal­kon zum Hof hin gerich­tet. In die­sen Räum­lich­kei­ten ver­brach­te die Fami­lie wohl bis etwa 1935 eine sehr glück­li­che Zeit. In all den Jah­ren habe der Mut­ter, die sich selbst aus­schließ­lich dem Haus­halt und den Kin­dern wid­me­te, eine Haus­an­ge­stell­te zur Sei­te gestan­den. Alle Kin­der in der Stra­ße spiel­ten unge­ach­tet ihres jewei­li­gen Glau­bens mit­ein­an­der. Man ging gemein­sam in die städ­ti­sche Schu­le, und am Sams­tag, wenn die streng ortho­dox erzo­ge­nen Kin­der von Max und Hed­wig Ebbe, ihre Schul­ran­zen nicht selbst tra­gen durf­ten, dann über­nah­men das in den Jah­ren vor 1933 die christ­li­chen Kin­der. Zwei jüdi­sche Fami­li­en, mit denen Ebbes sehr eng befreun­det waren, bewohn­ten das Haus direkt gegen­über.[16]

Ebbe
Die Geschwis­ter Ebbe (von links) Dora, Leo­pold, Lea, Nel­ly und Johan­na
©USC Sho­ah Foundation

Laut jüdi­schem Adress­buch von 1935 enga­gier­ten sich die Töch­ter Han­ni, Nel­ly und Lea in der Wies­ba­de­ner Orts­grup­pe der zio­nis­tisch aus­ge­rich­te­ten ‚Brit Cha­lu­zim Dati­im’, eine Orga­ni­sa­ti­on mit Sitz in Ber­lin, die das Ziel ver­folg­te, mehr Jugend­li­che zu reli­giö­sen Paläs­ti­na­pio­nie­ren aus­zu­bil­den. Der Vater war ein­zig im Israe­li­ti­schen Ster­be­ver­ein, der ‚Che­wra Kadi­scha’ aktiv.[17] Anga­ben dar­über, zu wel­cher reli­giö­sen Gemein­schaft sich die Fami­lie zähl­te, und wel­che Syn­ago­ge bzw. wel­ches Bet­haus, wel­ches „Schtibl“, sie besuch­te, mach­te Nel­ly nicht, aber man kann davon aus­ge­hen, dass sie sich nicht zu der Refor­ma­ti­ons­ge­mein­de mit ihrer prunk­vol­len Syn­ago­ge auf dem Michels­berg zähl­te, son­dern eher zur „Aus­tritts­ge­mein­de“ mit ihrer Syn­ago­ge in der Fried­richstr. 33.[18]

Das Geschäft von Max Ebbe, die „Uhren­kli­nik“, befand sich nicht weit von der Woh­nung ent­fernt zunächst in der Moritz­str. 40, dann ab den Drei­ßi­ger­jah­ren in der Neu­dor­fer Str. 4, die 1937 in Mar­tins­tha­ler Stra­ße umbe­nannt wur­de.[19]
Nur aus den Beschrei­bun­gen über die Lebens­um­stän­de der Fami­lie kann man im Nach­hin­ein schlie­ßen, dass die Geschäf­te des Uhr­ma­chers, der zugleich auch mit Gold- und Sil­ber­wa­ren han­del­te, in den Jah­ren seit der Geschäfts­er­öff­nung sich sehr gut ent­wi­ckelt haben müs­sen. Steu­er­un­ter­la­gen aus den 20er und frü­hen 30er Jah­ren sind nicht mehr vor­han­den. In den Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren hat­ten die Töch­ter für die Jah­re vor Hit­lers Macht­an­tritt ein Jah­res­ein­kom­men von etwa 6.000 RM ange­setzt, was der Behör­de ange­sichts der dama­li­gen Wirt­schafts­kri­se aller­dings zu hoch erschien.[20] Für die vor­aus­ge­gan­ge­nen Jah­re könn­te die­se Anga­be aller­dings ohne wei­te­res zuge­trof­fen haben.

Ver­mut­lich hat­te aber tat­säch­lich der Zusam­men­bruch des Welt­han­dels auch die Geschäf­te von Max Ebbe tan­giert, rui­niert wur­de er aber durch die Macht­über­nah­me der Natio­nal­so­zia­lis­ten. Nicht­jü­di­sche Kun­den blie­ben bald völ­lig weg. Förm­lich abge­mel­det wur­den der Gold- und Sil­ber­han­del, sowie die Uhren­kli­nik aber nicht. Nur kamen immer wei­te­re Geschäfts­an­mel­dun­gen hin­zu. Schon Ende des Jah­res 1926 hat­te sich Max Ebbe als Kom­mis­sio­när für Lebens­mit­tel im Han­dels­re­gis­ter ein­tra­gen las­sen. Ob es sich dabei um rele­van­te Akti­vi­tä­ten han­del­te, sei dahin­ge­stellt. In der Welt­wirt­schafts­kri­se kam dann im Janu­ar 1930 eine Tex­til­ver­tre­tung hin­zu, die dann 1935 dem Namen nach in eine Wäsche- und Lei­nen­ar­ti­kel-Ver­tre­tung umge­wan­delt wur­de. Noch im glei­chen Jahr, er hat­te sich zuvor zu einem nicht bekann­ten Zeit­punkt als arbeits­los gemel­det, über­nahm er ab April eine Ver­tre­tung für die ‚Vic­to­ria-Ver­si­che­rung’ mit Sitz in Mainz.[21] Allein die Viel­zahl der Ver­tre­tun­gen zeigt, dass Max Ebbe inzwi­schen ver­such­te, auf viel­fäl­tigs­te Wei­se Geld für die Ernäh­rung sei­ner gro­ßen Fami­lie zu verdienen.

Am schlimms­ten wur­den er und sei­ne Kin­der aber im Jahr 1935 vom Tod der Ehe­frau bzw. der Mut­ter getrof­fen. Am 9. April 1935 war sie in den Städ­ti­schen Kli­ni­ken ver­stor­ben.[22] In ihrem Inter­view erwähn­te Nel­ly, die damals zwölf Jah­re alt war, dass sie über die­sen Ver­lust, trotz allem, was noch auf sie zukom­men soll­te, nie wirk­lich hin­weg­ge­kom­men sei. Auch berich­te­te sie, dass jetzt alle Kin­der, jeder nach sei­nen Fähig­kei­ten, Auf­ga­ben in der Haus­halts­füh­rung über­neh­men muss­ten. Han­ni, die Ältes­te, muss­te dem Vater, der außer Pol­nisch nur Jid­disch sprach, im Geschäft bei den Kun­den­ge­sprä­chen hel­fen. Die übri­gen küm­mer­ten sich um den Haushalt.
Der Tod der Mut­ter war auch dar­um so beson­ders schlimm, weil sich seit 1933 die bis­her so glück­li­che Kin­der­zeit auch außer­halb des Hau­ses so grund­le­gend ver­än­der­te. Die christ­li­chen Kin­der zogen sich auf Geheiß ihrer Eltern zurück und spiel­ten nicht mehr mit ihnen, tru­gen sams­tags nicht mehr ihre Schul­ta­schen, schlim­mer noch, sie began­nen, sie auf wirk­lich fie­se Art und Wei­se aus­zu­gren­zen. In der Schu­le wur­den sie stän­dig gehän­selt und für Taten ange­schwärzt, die sie nie began­gen hatten.
Sie wech­sel­ten des­halb dann auch bald die Schu­le. Waren sie ver­mut­lich zunächst alle in die Heb­bel-Schu­le gegan­gen – für die bei­den jüngs­ten Leo und Dor­le wur­de das von der Schu­le im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren bestä­tigt –, so wech­sel­ten sie im Sep­tem­ber 1935 in die Volks­schu­le in der Stif­ter­stra­ße.[23] Der Grund dafür war aber nicht die Hoff­nung, dass sie dort bes­ser behan­delt wor­den wären, son­dern der Umzug des Vaters. Nach dem Tod sei­ner Frau und auch sicher ange­sichts der immer schwie­ri­ge­ren finan­zi­el­len Lage hat­te er die schö­ne Woh­nung in der Ora­ni­en­stra­ße auf­ge­ge­ben und war in die ers­te Eta­ge der Stift­str. 14 – ein spä­te­res Juden­haus – gezogen.
Auch in der neu­en Schu­le wur­de die Situa­ti­on immer uner­träg­li­cher, wes­halb zumin­dest Leo und Dor­le bis zur Ein­rich­tung der Jüdi­schen Schu­le in der Main­zer Stra­ße im Jahr 1938 ganz zu Hau­se blie­ben.[24]
Han­ni hat­te bis 1937 noch die Mit­tel­schu­le besucht und woll­te eigent­lich am Lyze­um einen Abschluss machen. Das blieb ihr ver­sagt. Aber auch der Wech­sel in die Jüdi­sche Schu­le bedeu­te­te kei­nes­wegs, jetzt in Frie­den gelas­sen zu wer­den. Wie auch ande­re jüdi­sche Kin­der, erin­ner­te sich auch Nel­ly, dass der Weg dort­hin oft zu einer Art Spieß­ru­ten­lauf wur­de. Immer wie­der wur­den die jüdi­schen Kin­der von ihren christ­li­chen Alters­ge­nos­sen nicht nur beschimpft, son­dern auch bewor­fen, mit fau­len Äpfeln, aber auch mit Steinen.

Judenhaus Emser Str. 21, Ida Cohn, Lotte Bernstein
Die Jüdi­sche Schu­le in der Main­zer Str. 6
HHStAW 3008 1 (13915)

Aber immer­hin war die Schu­le selbst dann ein siche­rer Schutz­raum, in dem sie nicht nur in den übli­chen Fächern unter­rich­tet wur­den, son­dern auch auf ein Leben außer­halb einer aka­de­mi­schen Kar­rie­re, die für sie nicht mehr infra­ge kam, viel­leicht auch auf eine mög­li­che Aus­wan­de­rung nach Paläs­ti­na vor­be­rei­tet wur­den. Man lern­te Hebrä­isch, jüdi­sche Geschich­te, aber auch Nähen, Stri­cken und erwarb wei­te­re Kennt­nis­se in der Haushaltsführung.

Der erneu­te Umzug von Max Ebbe mit sei­nen Kin­dern am 8. August 1937 in die Dotz­hei­mer Str. 36 hat­te ver­mut­lich sei­nen Grund in der oben schon erwähn­ten Wie­der­ver­hei­ra­tung des Wit­wers mit Sel­ma Kreut­zer, die bis­her in Ham­burg leb­te und auf der Ummel­dung nament­lich noch nicht auf­ge­führt ist.[25] Knapp drei Wochen spä­ter, am 27. August 1937, fand die Trau­ung statt.[26]

Max Ebbe
Umzug von Max Ebbe mit sei­nen Kin­dern in die Dotz­hei­mer Str. 36
HHStAW 685 129a (1)

Da kaum anzu­neh­men ist, dass sich die bei­den zuvor schon län­ger kann­ten, ist die im Erin­ne­rungs­blatt für Sel­ma Ebbe geäu­ßer­te Ver­mu­tung, die Hei­rat sei mög­li­cher­wei­se durch eine Hei­rats­ver­mitt­le­rin, eine Schadd­chan, zustan­de gekom­men, sehr plau­si­bel.[27] Aller­dings besa­ßen Han­dels­trei­ben­de durch ihre beruf­li­che Tätig­keit oft auch einen so gro­ßen Bekann­ten­kreis, aus dem sich eine geeig­ne­te Frau ohne wei­te­res auch ohne pro­fes­sio­nel­le Hil­fe fin­den ließ.

Ver­mut­lich mein­te Max Ebbe, dass es gera­de mit Blick auf die her­an­wach­sen­den Töch­ter unbe­dingt einer Frau im Haus bedür­fe. Ob Sel­ma die Rol­le einer Ersatz­mut­ter aber tat­säch­lich über­neh­men konn­te, muss aller­dings bezwei­felt wer­den, denn im Inter­view von Nel­ly Blum­ner bleibt die zwei­te Ehe sei­nes Vaters völ­lig uner­wähnt. Wenn Sel­ma Ebbe aber in der Erin­ne­rung von Nel­ly über­haupt kei­ne Rol­le spiel­te, nicht ein­mal der Erwäh­nung wert war, dann muss man dar­aus schlie­ßen, dass eine Bin­dung zwi­schen den Kin­dern und der Stief­mut­ter kaum zustan­de gekom­men sein konn­te, sie ver­mut­lich sogar auf deren Abwehr gesto­ßen sein wird.

Eine sol­che Bin­dung auf­zu­bau­en, war auch kaum mög­lich, da die Ehe schon nach 14 Mona­ten fak­tisch wie­der been­det wur­de. Die Tren­nung war aber nicht Kon­se­quenz einer inne­ren Kri­se, son­dern die Fol­ge poli­ti­scher Ent­wick­lun­gen, die 1938 für alle Juden in Deutsch­land eine nächs­te Stu­fe der Aus­gren­zung und Ver­fol­gung ein­lei­te­ten. Die im Okto­ber 1938 zunächst Betrof­fe­nen waren erst ein­mal die Juden mit pol­ni­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit: Am 27. und 28. Okto­ber wur­den etwa 17 000 von ihnen nach Polen abge­scho­ben bzw. zum Teil auch in das Nie­mands­land zwi­schen den Gren­zen ver­bracht, wo sie sich selbst über­las­sen blie­ben. Der his­to­ri­sche Hin­ter­grund für die­se Maß­nah­me, die in der Fol­ge zum Atten­tat von Her­schel Grynszpan und der soge­nann­ten „Reichs­kris­tall­nacht“ führ­te, kann hier nicht im Detail dar­ge­legt wer­den. Im Wesen ging es dar­um, dass sowohl der pol­ni­sche als auch der deut­sche Staat „sei­ne“ Juden los­wer­den woll­te.[28] Schon in den ver­gan­ge­nen Jah­ren waren Jüdin­nen und Juden mit pol­ni­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit von den deut­schen Behör­den immer wie­der abge­scho­ben wor­den, wofür gering­fü­gi­ge Ord­nungs­wid­rig­kei­ten, etwa im Stra­ßen­ver­kehr, schon ein hin­rei­chen­der Grund sein konn­ten. Nach dem „Anschluss“ von Öster­reich befürch­te­ten die pol­ni­schen Behör­den, dass nun mög­li­cher­wei­se eine gro­ße Zahl der dor­ti­gen pol­ni­schen Juden nach Polen strö­men könn­te, um der Nazi-Herr­schaft zu ent­kom­men. Um das zu ver­hin­dern, plan­te man eine Erleich­te­rung beim Ent­zug der pol­ni­schen Staats­bür­ger­schaft. Des­halb soll­ten bei allen im Aus­land leben­den Polen, die zum Scha­den des Hei­mat­staa­tes gehan­delt, die ihre Ver­bin­dung zum pol­ni­schen Staat ver­lo­ren hat­ten oder trotz Auf­for­de­rung nicht nach Polen zurück­ge­kehrt waren, die Päs­se, die im Aus­land von den dor­ti­gen Kon­su­la­ten aus­ge­stellt wor­den waren, über­prüft und gege­be­nen­falls für ungül­tig erklärt wer­den. Dass mit die­ser all­ge­mein for­mu­lier­ten Anord­nung in ers­ter Linie die – jetzt – in „Groß­deutsch­land“ leben­den Juden gemeint waren, war allen klar.[29] Durch den Ent­zug ihrer Staats­bür­ger­schaft wäre Polen nicht mehr zu ihrer Rück­nah­me ver­pflich­tet gewe­sen. Die Ver­ord­nung, die am 15. Okto­ber 1938 ver­öf­fent­licht wur­de, soll­te am 30. in Kraft tre­ten. Dem woll­te der NS-Staat zuvor­kom­men und ord­ne­te am 26. Okto­ber die Abschie­bung aller Juden mit pol­ni­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit in gro­ßen Sam­mel­trans­por­ten an. Nicht über­all wur­de gleich ver­fah­ren, manch­mal beließ man es bei den Haus­halts­vor­stän­den, in der Erwar­tung, der Rest wür­de frei­wil­lig nach­kom­men, meist war aber die gesam­te Fami­lie von dem „Abschub“ betroffen.
Es war das ers­te Mal, dass die Men­schen das Grau­en sol­cher Mas­sen­de­por­ta­tio­nen erle­ben muss­ten, oft ohne Was­ser, unzu­rei­chen­der Nah­rung und ohne sani­tä­re Ein­rich­tun­gen. Die Zustän­de waren oft so schlimm, dass mit­un­ter sogar die beglei­ten­de Poli­zei den Depor­tier­ten half und sie wenigs­tens mit Was­ser ver­sorg­te. Zeit, zu Hau­se noch etwas zu regeln, Geschäf­te abzu­wi­ckeln, ihre Habe in Sicher­heit zu brin­gen, blieb den meis­ten zunächst nicht.

An die­sem Okto­ber­mor­gen kam die Poli­zei auch zu Ebbes und ver­haf­te­te den ahnungs­lo­sen Vater, der von dem gan­zen Kon­flikt offen­bar nichts mit­be­kom­men hat­te. Die jüdi­schen Nach­barn klär­ten die Kin­der dar­über auf, wes­halb ihr Vater ver­haf­tet wor­den war. Sie selbst soll­ten, so die Anwei­sung der Poli­zei, ihre wich­tigs­ten Sachen zusam­men­pa­cken und am ande­ren Mor­gen wie die ande­ren ins­ge­samt knapp 100 Betrof­fe­nen, am Haupt­bahn­hof erschei­nen.[30] Die Kof­fer, die sie mit Klei­dung und Sil­ber­wa­ren voll­ge­packt hat­ten, wur­den ihnen zum Teil weg­ge­nom­men. Aber dafür erschien dann ihr Vater, der mit ande­ren ver­haf­te­ten Män­nern auf einem Lkw gefes­selt zum Bahn­hof trans­por­tiert wor­den war. Alle wur­den sie in einen Zug ver­frach­tet, der eine lan­ge Fahrt quer durch Deutsch­land star­te­te und an ver­schie­de­nen Bahn­hö­fen wei­te­re pol­ni­sche Juden auf­nahm. Sein Ziel war die Stadt Kat­to­witz im dama­li­gen Ober­schle­si­en. Anders als vie­le der ande­ren Depor­tier­ten hat­te die Fami­lie Ebbe noch Glück, denn Geschäfts­part­ner von Max nahm die Fami­lie auf und ver­sorg­te sie zunächst mit dem Nötigs­ten. Aber eini­ge der Kin­der wur­den in ande­re Fami­li­en gege­ben, weil eine allein die gan­ze Last nicht tra­gen konnte.

Das Ghet­to von Bedzin
https://en.wikipedia.org/wiki/File:B%C4%99dzin-Ghetto-1942-ul-Modrzejowska.jpg

Wegen der per­ma­nen­ten Gefahr an der deut­schen Gren­ze riet man ihnen, in das nicht weit ent­fern­te Bedzin zu gehen, wo man ihnen und einer wei­te­ren Fami­lie im jüdi­schen Wohn­vier­tel eine klei­ne Woh­nung mit Küche und zwei Zim­mern gab, die sich die Fami­li­en tei­len muss­ten. Zumin­dest Dor­le war aber bei der Gast­fa­mi­lie in Kat­to­witz geblie­ben. Arbeit hat­te der Vater aber auch in Bedzin nicht fin­den kön­nen, so leb­ten sie vom Ver­kauf der weni­gen mit­ge­brach­ten Din­ge, von klei­nen Jobs der Kin­der in ande­ren Fami­li­en. Trotz aller Not gab es, so Nel­ly, eine unglaub­li­che Hilfs­be­reit­schaft der dor­ti­gen jüdi­schen Gemein­den.[31]

Uner­wähnt blieb in dem Inter­view auch die Fra­ge, wie­so nicht auch Sel­ma Ebbe depor­tiert wur­de, wie­so sie allei­ne in Wies­ba­den blei­ben konn­te. Wenn auch man­cher­orts nur die Män­ner depor­tiert wor­den waren, in Wies­ba­den war dem nicht so. Aus den Unter­la­gen ergibt sich, dass eine gan­ze Rei­he von Frau­en den Weg gemein­sam mit ihren Ehe­män­nern antre­ten muss­te. Nel­ly erwähnt an einer Stel­le, dass die Namen aller Kin­der im Pass des Vaters stan­den. Ver­mut­lich war dar­in aber da nicht der von Sel­ma ein­ge­tra­gen, die wohl über einen eige­nen Pass ver­füg­te. Nicht rich­tig ist aber die im Erin­ne­rungs­blatt geäu­ßer­te Ver­mu­tung, sie habe viel­leicht kei­ne pol­ni­sche, son­dern die deut­sche Staats­bür­ger­schaft beses­sen. Im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren für ihre Stief­mut­ter hat­te Lea Mit­tel ange­ge­ben, sie sei staa­ten­los gewe­sen,[32] womit ihr tat­säch­lich in jedem Fall der Abtrans­port erspart geblie­ben wäre. Aber bei­des war nicht der Fall. Nicht nur im Jüdi­schen Adress­buch ist sie ein­deu­tig als Polin aus­ge­ge­ben, auch auf ihrer Gestapo­kar­tei­kar­te ist dies notiert. Man muss aller­dings fest­hal­ten, dass die­se eher über­stürz­te Abschie­be­ak­ti­on noch bei wei­tem nicht so gut orga­ni­siert war, wie dies spä­ter der Fall war. Mög­li­cher­wei­se hat­te die Poli­zei Sel­ma Ebbe, die ja erst gut ein Jahr in Wies­ba­den leb­te, schlicht über­se­hen.[33]

Was immer die Grün­de für ihr Ver­blei­ben gewe­sen sein mögen, im Som­mer 1939 ver­such­te sie selbst, ihrer Fami­lie nach Polen zu fol­gen. Am 28. Juni hat­te sie den Antrag auf Mit­nah­me von Umzugs­gut gestellt.[34] Sie wohn­te damals in der Schlich­ter­str. 10. Ver­mut­lich hat­te sie nach der Abschie­bung der übri­gen Fami­lie die Woh­nung in der Dotz­hei­mer Stra­ße bald ver­las­sen, war aber laut ihrer Gestapo­kar­tei­kar­te zunächst in die Herrn­gar­ten­str. 11 – ein spä­te­res Juden­haus – gezo­gen. Wann sie dann in ihre nächs­te Woh­nung wech­sel­te, ist auf der Kar­te nicht ver­merkt. Es waren nur weni­ge Sei­ten, auf denen das Pas­sa­gier­gut, das Sema Ebbe mit­zu­neh­men gedach­te, auf­ge­lis­tet war, zumeist Klei­dung und Haus­halts­tex­ti­li­en, die bereits vor 1933 ange­schafft wor­den waren. Ein ver­sil­ber­ter Ker­zen­leuch­ter, eine Arm­band­uhr, eine Ansteck­na­del und ein Sie­gel­ring aus Gold und ein Ring, besetzt mit Bril­lant­split­tern, waren die ein­zi­gen Wert­sa­chen im Gepäck.[35] Was mit dem Mobi­li­ar aus der gro­ßen Woh­nung inzwi­schen gesche­hen war, konn­te auch in dem spä­te­ren Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren nicht geklärt wer­den. Viel­leicht hat­te Sel­ma Ebbe das meis­te inzwi­schen ver­kauft, um von den Ein­nah­men ihr Leben fris­ten zu können.

Selma EbbeSelma EbbeSelma Ebbe

 

 

 

 

 

 

Unter­la­gen aus dem Aus­rei­se­be­geh­ren von Sel­ma Ebbe im Juli 1939 nach Polen
HHStAW 519/​3 19956 und HHStAW 519/​3 20859

In einem wei­te­ren Antrag bat sie die Devi­sen­stel­le dar­um, auch zurück­ge­las­se­ne Klei­dung ihres Man­nes, zusam­men­ge­fasst auf einer 2‑seitigen Lis­te, als Rei­se­ge­päck mit­neh­men zu dür­fen.[36] Bei­de Lis­ten wur­den ohne irgend­wel­che Strei­chun­gen geneh­migt, den­noch kam die Aus­rei­se von Sel­ma Ebbe nach Polen nicht zustan­de. Auch dies­mal kön­nen die Grün­de dafür nur ver­mu­tet wer­den. Ganz sicher spiel­te der nur weni­ge Wochen spä­ter erfolg­te Über­fall der Deut­schen auf Polen eine Rol­le, aber ob eine Aus­wan­de­rung des­halb nicht mehr mög­lich war, wie im Erin­ne­rungs­blatt für Sel­ma Ebbe ver­mu­tet, muss schon des­halb bezwei­felt wer­den, weil bereits im Okto­ber 1939 die sys­te­ma­ti­schen Ver­schlep­pun­gen von Juden nach Polen began­nen, um im soge­nann­ten „Groß­deut­schen Reich“ Platz für die „Volks­deut­schen“ zu schaf­fen, die gemäß den Beschlüs­sen des Hit­ler-Sta­lin-Pakts nun aus den rus­sisch besetz­ten Tei­len Polens nach Wes­ten ström­ten.[37] Plau­si­bler, wenn auch weni­ger hero­isch, dafür aber nur zu ver­ständ­lich, wäre es, wenn sie ihren Antrag selbst nicht wei­ter ver­folgt hät­te. Polen war nicht mehr das, was es weni­ge Wochen zuvor noch zu sein schien: ein eigen­stän­di­ger Staat, für des­sen Sicher­heit die Alli­ier­ten mit gege­be­nen Garan­tien ein­ste­hen woll­ten. Natür­lich war die Bedro­hung für das Land und die dort leben­den Men­schen, beson­ders die Juden, offen­sicht­lich, aber wel­che ande­re Mög­lich­keit blieb einem pol­ni­schen Juden, der Deutsch­land nicht mehr als sei­ne Hei­mat anse­hen konn­te. Aber nach dem 1. Sep­tem­ber war aus Polen das Gene­ral­gou­ver­ne­ment, ein für Juden noch schlim­me­res Deutsch­land, gewor­den. Dass Sel­ma Ebbe sich in die­ser Situa­ti­on ent­schied, in Wies­ba­den zu blei­ben, wäre nach­voll­zieh­bar. Aber kon­kre­te Bele­ge für die­se Ver­mu­tung gibt es nicht. Der Plan konn­te auch an ganz bana­len orga­ni­sa­to­ri­schen Pro­ble­men sei­tens der NS-Behör­den geschei­tert sein.

In Polen waren Max Ebbe und sei­ne Kin­der, abge­se­hen von Dor­le und Pol­di, wei­ter­hin zusam­men in Bedzin. Dor­les jüdi­sche Gast­el­tern waren nach dem Ein­marsch der deut­schen Trup­pen in die Sowjet­uni­on geflo­hen und hat­ten auch sie wohl ohne Wis­sen des Vaters mit­ge­nom­men. Nach zwei Wochen war es ihm gelun­gen, sie wie­der auf aben­teu­er­li­che Wei­se zurück­zu­ho­len. Es muss für die damals etwa 10-Jäh­ri­ge eine trau­ma­ti­sche Erfah­rung gewe­sen sein, über die sie nach ihrer Rück­kehr nie gespro­chen hat, nie spre­chen wollte.

Mit Kriegs­be­ginn began­nen die jüdi­schen Depor­tier­ten zuneh­mend auch den Anti­se­mi­tis­mus der Polen zu spü­ren. Sie wur­den indi­rekt für den Über­fall ver­ant­wort­lich gemacht. Hät­te es nicht so vie­le Juden in Polen gege­ben, so die Argu­men­ta­ti­on, hät­ten die Deut­schen die­sen Krieg nie begon­nen. Das Leben wur­de des­halb ins­ge­samt noch schwie­ri­ger. Etwa Ende 1940 ver­lang­ten die Deut­schen, dass die jüdi­schen Gemein­den Arbeits­kräf­te für die deut­sche Kriegs­in­dus­trie zu stel­len hät­ten. Fak­tisch muss­ten aber die Fami­li­en selbst ent­schei­den, wer von ihnen gehen soll­te. Da Han­ni als ältes­te den Haus­halt füh­ren soll­te, Dora zu jung und Leo­pold der ein­zi­ge Jun­ge war, fiel das Los auf Nel­ly und Lea, die dann in einer Mäd­chen­grup­pe von etwa 100 Jüdin­nen in eine Fabrik in Sagan, einer Stadt in Ober­schle­si­en, geschickt wur­den, wo Woll­de­cken für die Armee erzeugt wur­den. Die Arbeits­zeit betrug 12 Stun­den, sie­ben Tage die Woche, eine har­te Arbeit, bei der man sich leicht ver­let­zen konn­te. Aber alles war noch ver­gleichs­wei­se human: Früh­stück mit Kaf­fee am Mor­gen, Brot am Abend. Zwar fehl­ten aus­rei­chen­de sani­tä­re Ein­rich­tun­gen, aber im Schlaf­saal hat­te jede ihren eige­nen Platz in den drei­stö­cki­gen Bet­ten, es gab Feder­bet­ten und eige­ne Laken. Auch konn­te man noch den Brief­kon­takt mit der Fami­lie auf­recht­erhal­ten. Nel­ly hat­te zudem noch das Glück, dass sie, weil sie Deutsch und Pol­nisch sprach, im Büro ein­ge­setzt wur­de, wo sie von der har­ten kör­per­li­chen Arbeit ver­schont blieb.

Die Zwangs­ar­beits­fa­brik für Mili­tär­tex­ti­li­en in Grün­berg, Ober­schle­si­en
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Angeb­lich war der Ein­satz auf ein Jahr begrenzt, dann soll­ten die Arbeits­kräf­te aus­ge­tauscht wer­den. Dass das ein lee­res Ver­spre­chen war, wur­de klar, als die Mäd­chen Anfang 1943, also nach etwa zwei Jah­ren, in ver­schie­de­ne, den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern unmit­tel­bar zuge­ord­ne­ten Arbeits­la­ger über­stellt wur­den. Nel­ly und Lea kamen nach Grün­berg, wo vie­le Tau­send Mäd­chen eine ähn­li­che Arbeit wie zuvor in Sagan ver­rich­ten muss­ten, aller­dings unter ungleich schlim­me­ren Bedin­gun­gen. Und spä­tes­tens da wur­de zumin­dest Nel­ly auf­grund ihrer Tätig­keit im Büro klar – die Stel­le hat­te sie auch in Grün­berg erhal­ten –, dass es Ver­nich­tungs­la­ger geben muss­te, auch wenn man damals ihre Namen noch nicht kann­te. Lis­ten, auf denen die nicht mehr Arbeits­fä­hi­gen stan­den, die abtrans­por­tiert wer­den soll­ten, mach­ten das offen­sicht­lich. Und anders als zuvor, war hier der Zusam­men­halt der Mäd­chen unter­ein­an­der auf­grund des Man­gels an allem zer­stört. Jeder kämpf­te um das eige­ne Überleben.

1944, als die Ghet­tos in Polen auf­ge­löst und die Men­schen in die ver­schie­de­nen Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger und Ver­nich­tungs­la­ger ver­bracht wur­den, bat Nel­ly einen der deut­schen Auf­se­her im Büro, dafür zu sor­gen, dass ihre bei­den Schwes­tern Han­ni und Dor­le auch nach Grün­berg gebracht wür­den. Wo sie sich damals befan­den, wuss­te sie nicht. Über ihren Vater hat­te sie von Mit­ge­fan­ge­nen gehört, dass er in ein KZ ein­ge­lie­fert wor­den war, aber nicht in wel­ches. Über Leo­polds Schick­sal besaß sie zu die­sem Zeit­punkt kei­ner­lei Infor­ma­tio­nen. Natür­lich lehn­te der Deut­sche das Ansin­nen ab, aber weni­ge Wochen spä­ter tra­fen die bei­den Schwes­tern mit einem Trans­port aus dem KZ Groß-Rosen tat­säch­lich in Grün­berg ein – ob durch Zufall oder auf­grund der Inter­ven­ti­on des SS-Manns, blieb offen. Somit waren ab Mit­te 1944 zumin­dest die vier Schwes­tern wie­der vereint.

Todes­marsch nach Vola­ry
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Im Janu­ar 1945 begann mit dem Vor­drin­gen der alli­ier­ten Trup­pen für alle ohne vor­he­ri­ge Ankün­di­gung der mör­de­ri­sche Todes­marsch bei eisi­ger Käl­te, ohne aus­rei­chen­de Nah­rung, ohne wär­men­de Klei­dung. Gelau­fen wur­de nachts, am Tag blieb man in kal­ten Scheu­nen oder ande­ren ver­las­se­nen Gebäu­den. Wer nicht mehr konn­te, wur­de lie­gen gelas­sen oder erschos­sen. Kei­ner hat­te eine Ori­en­tie­rung, wohin der Marsch sich beweg­te. Irgend­wann, ver­mut­lich im März 1945 – das Datum konn­te Nel­ly nicht mehr erin­nern – erreich­ten sie das KZ Ravens­brück. „It was an elec­tri­cal­ly wired camp. Bar­racks. We just slept on the beer flo­or, not even a straw sack. Peo­p­le died to your right and to your left. Peo­p­le just, we just wal­ked over the dead. (…) It was unbe­lie­va­ble. I mean, if ever­y­thing else was bad befo­re, it was worse.”[38]

Zwei Wochen blie­ben sie in die­ser Höl­le, dann zogen sie wei­ter. Noch immer waren die Schwes­tern zusam­men, aber Dor­le konn­te nicht mehr län­ger lau­fen. Um vor­an­zu­kom­men, erlaub­te man ihr, aber auch ande­ren Kran­ken, sich auf beglei­ten­de Pfer­de­wa­gen zu set­zen. Han­ni blieb bei ihr. Da der Wagen schnel­ler vor­an­kam, wur­den die Schwes­tern auf die­sem zwei­ten Todes­marsch wie­der getrennt. Der Zug, der ein­mal aus etwa 1500 Frau­en und Mäd­chen bestan­den hat­te, war inzwi­schen dezi­miert, zig­fach auf­ge­teilt, zer­fal­len, durch gelun­ge­ne Fluch­ten oder durch Erschöp­fung und Tod immer klei­ner gewor­den. Zuletzt bestand er nur noch aus einer klei­nen Grup­pe von etwa 30 bis 40 Per­so­nen. Auch Lea war inzwi­schen mit einem Wagen wei­ter­ge­fah­ren, sodass Nel­ly am Ende allei­ne in die­ser Rest­grup­pe war. Dann, mit­ten in einer der fol­gen­den Näch­te, ver­schwan­den die Bewa­cher still und heim­lich, und sie alle waren plötz­lich frei, aber völ­lig erschöpft, hung­rig, kaum mehr am Leben.

Bewoh­ner eines nahe gele­ge­nen Dor­fes, mit denen vier der Grup­pe Kon­takt auf­ge­nom­men und um Hil­fe gebe­ten hat­ten, hol­ten sie aus dem Wald und koch­ten ihnen fri­sches Essen, was natür­lich Gift in ihrer phy­si­schen Situa­ti­on war, und tat­säch­lich star­ben an den Fol­gen der gut gemein­ten Nah­rungs­zu­fuhr noch eini­ge von ihnen. Erst eine in der Nähe sta­tio­nier­te Rot-Kreuz-Grup­pe sorg­te für adäqua­te Nah­rung und all­mäh­lich kamen, die die über­lebt hat­ten, wie­der zu Kräften.

Erst jetzt erfuh­ren sie, dass sie in der Tsche­cho­slo­wa­kei gestran­det waren. Nel­ly woll­te zurück nach Bedzin, in der Hoff­nung, dort etwas über ihre Geschwis­ter und ihren Vater zu erfah­ren. Man hat­te sich noch bevor der Vater und die Kin­der von­ein­an­der getrennt wur­den, ver­spro­chen, dass jeder, der die Zeit der Ver­fol­gung über­le­ben wür­de, nach Bedzin zurück­keh­ren soll­te. Auf dem Weg dort­hin, auf dem sie durch Prag muss­te, erkrank­te sie an einer Lun­gen­ent­zün­dung und muss­te in ein Kran­ken­haus ein­ge­lie­fert. Halb­wegs gene­sen setz­te sie ihren Marsch fort. In Bedzin wur­de ihr in der Jüdi­schen Gemein­de mit­ge­teilt, dass wohl kei­ner der Fami­lie über­lebt habe. Sie ließ sich beim Roten Kreuz regis­trie­ren, in der vagen Hoff­nung, doch noch etwas Posi­ti­ves zu hören, und begab sich zu Freun­den im nahen Kat­to­witz, wo sie zunächst ihre Erkran­kung aus­ku­rie­ren konnte.

Dora Ebbe
Bericht über die Lei­chen­be­schau von Dora in Vola­ry /​ CSSR 1945
HHStAW 518 55751 (9)

Bald danach erhielt sie die Nach­richt von Han­ni, dass alle drei Schwes­tern in Vola­ry in der Tsche­cho­slo­wa­kei sei­en. So schnell sie konn­te, kehr­te sie dort­hin zurück und fand die drei in einem ame­ri­ka­ni­schen Armee­la­za­rett. Den bei­den älte­ren Schwes­tern ging es gut, aber Dor­le war schwer an TBC erkrankt und sprach auch nicht mehr auf das ihr ver­ab­reich­te Peni­cil­lin an. Sie ver­starb am 14. Novem­ber 1945 in Vola­ry, eine Woche nach ihrem 17. Geburtstag.

Inzwi­schen hat­ten sie auch erfah­ren, dass ihr Vater nach Ausch­witz gebracht und ermor­det wor­den war. Wann sie über das schreck­li­che Schick­sal ihres klei­nen Bru­ders infor­miert wur­de, erwähn­te sie nicht, ver­mut­lich geschah das aber bei ihrem kur­zen Auf­ent­halt in Bedzin, denn er war dort bei der Fami­lie geblie­ben, in der er die meis­te Zeit unter­ge­bracht war. Die­se jüdi­sche Fami­lie hat­te sich in dem dor­ti­gen Ghet­to der Unter­grund­be­we­gung ange­schlos­sen und einen grö­ße­ren Tun­nel gebaut, in dem die Fami­lie aus­harr­te. Kurz vor der Befrei­ung wur­de der Tun­nel von den Deut­schen ent­deckt und gesprengt. Kei­ner der dar­in Ver­bor­ge­nen hat überlebt.

Als die Ame­ri­ka­ner aus der Tsche­cho­slo­wa­kei abzo­gen, um der Roten Armee das Gebiet zu über­las­sen, nah­men sie alle mit, die nach Wes­ten woll­ten. Auch Han­ni, Nel­ly und Lea fuh­ren mit einem Army-LKW nach Deutsch­land und erhiel­ten in Mün­chen, wo sie vom ‚Joint Dis­tri­bu­ti­on Com­mit­tee’, dem ‚JDC’, betreut wur­den, eine Unter­kunft. Han­ni und Lea fan­den – wohl nicht zuletzt auf­grund ihrer Tätig­keit als Zwangs­ar­bei­te­rin­nen – einen Job bei einem Schnei­der, Nel­ly im Büro des ‚JDC’.
In Mün­chen lern­ten sie Eli­asz Blum­ner ken­nen, eben­falls ein pol­ni­scher Jude aus Chrza­now /​ Kren­au, der aber vor dem Krieg zuletzt in Frank­furt gelebt hat­te.[39] Auch er hat­te eine schreck­li­che Lei­dens­ge­schich­te hin­ter sich gebracht, hat­te die bei­den Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dach­au und Ausch­witz über­lebt und war als ‚DP’ in Mün­chen gestran­det.[40]
Nel­ly und ihre Schwes­tern woll­ten auf kei­nen Fall in Deutsch­land blei­ben und lie­ßen sich sowohl für eine mög­li­che Emi­gra­ti­on nach Paläs­ti­na als auch in die USA regis­trie­ren. Weil die Zusa­ge aus Ame­ri­ka zuerst kam, ent­schlos­sen sie sich 1947 dort­hin zu gehen.

Alle drei fuh­ren gemein­sam – Johan­na und Lea mit dem Nach­na­men Ebbe, Nel­ly als Frau Bul­mer – mit dem Schiff ‚Mari­ne Flas­her’ am 27. Febru­ar 1947 von Bre­men aus nach New York, das am 13. März erreicht wur­de.[41] Nel­ly hat­te noch in Deutsch­land in der Hoff­nung, die Fahrt gemein­sam antre­ten zu kön­nen, Eli­asz Blum­ner gehei­ra­tet. Das strik­te Quo­ten­sys­tem ließ dies jedoch nicht zu. Die Über­fahrt war von der ‚JDC’ bezahlt wor­den und auch nach ihrer Ankunft küm­mer­te sich die Orga­ni­sa­ti­on um die Schwes­tern, bis sie – prak­tisch ohne eng­li­sche Sprach­kennt­nis­se – auf eige­nen Bei­nen ste­hen konn­ten. Nel­ly fand wie­der als Büro­kraft eine Anstel­lung bei einer Orga­ni­sa­ti­on, die Care-Pake­te nach Deutsch­land schick­te. Die bei­den ande­ren Schwes­tern knüpf­ten – so maka­ber das klingt – an ihre Tätig­keit als Zwangs­ar­bei­te­rin­nen an und erhiel­ten Arbeit in einer Schneiderei.
Ein Jahr nach ihrer Ankunft, im März 1948, konn­te dann auch Nel­lys Ehe­mann in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten aus­wan­dern. Die bei­den grün­de­ten eine Fami­lie, in der am 15. Novem­ber 1949 zunächst die Toch­ter Hedy Lane gebo­ren wur­de, spä­ter die Toch­ter Shar­ron. Hedy, ver­hei­ra­te­te Bra­ver­man, ist inzwi­schen ver­stor­ben und hat ein Kind hin­ter­las­sen. Sharon, ver­hei­ra­te­te Kal­ker, hat vier Kin­der gebo­ren. Wer von die­ser Fami­lie wo noch lebt, konn­te nicht ermit­telt wer­den.[42]

Nel­ly war noch mehr­mals nach Wies­ba­den zurück­ge­kehrt, das ers­te Mal noch bevor sie Deutsch­land 1947 ver­ließ, um das Grab ihrer Mut­ter zu besu­chen. Aber in Deutsch­land auch nur über eine Nacht blei­ben, woll­te und konn­te sie nie.

Nel­ly Blum­ner ver­starb am 19. Mai 2005 in New York,[43] ihr Mann ein Jahr spä­ter am 20. April 2006 eben­falls dort.[44]

 

Weni­ger weiß man über das wei­te­re Schick­sal von Nel­lys Geschwis­tern. Ende der 50er Jah­re, als die Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren lie­fen, leb­ten auch sie alle noch in New York, wo sie auch bis zum Ende ihres Lebens blieben.
Seit dem 21. Okto­ber 1948 war Han­ni mit Wal­ter Sieg­fried Koch, gebo­ren am 7. Juli 1914, ver­hei­ra­tet, über den aber ansons­ten nichts bekannt ist.[45] Johan­na Koch ver­starb am 20. Janu­ar 2002 in New York,[46] ihr Ehe­mann am 13. Okto­ber 2004. Sie haben eine Toch­ter Debo­rah, ver­hei­ra­te­te Katz, hin­ter­las­sen.[47]

Lea, die jün­ge­re Schwes­ter, ver­starb am 11. März 1992 eben­falls in New York[48] und hin­ter­ließ ihren Ehe­mann Wal­ter Dani­el Mit­tel, gebo­ren am 12. Janu­ar 1920 in Uns­le­ben an der Saa­le.[49] Vie­len Mit­glie­dern der gro­ßen, in der Jüdi­schen Gemein­de von Uns­le­ben sehr enga­gier­ten Fami­lie war es gelun­gen, Deutsch­land recht­zei­tig zu ver­las­sen.[50] Selbst der Groß­va­ter von Wal­ter, der 1855 gebo­re­ne Karl Mit­tel, war mit 85 Jah­ren noch aus­ge­wan­dert und ver­starb mit 90 Jah­ren kurz vor Kriegs­en­de in New York in Frei­heit. Die meis­ten von ihnen hat­ten Kuba als Zwi­schen­sta­ti­on gewählt und waren dann wei­ter in die USA gezo­gen. So auch Wal­ter. Gesta­po­un­ter­la­gen aus Würz­burg ist zu ent­neh­men, dass er am 26. Novem­ber 1938 nach Havan­na emi­grier­te, wohin ihm sein Bru­der Josef Wil­helm zwei Mona­te spä­ter folg­te.[51] Am 12. Dezem­ber 1939 konn­ten die bei­den dann von Kuba kom­mend in Key West /​ Flo­ri­da ame­ri­ka­ni­schen Boden betre­ten.[52] Nach­dem am 8. Dezem­ber 1948 die Ehe zwi­schen Lea und Wal­ter Mit­tel geschlos­sen wor­den war,[53] leb­ten sie 1950 zusam­men mit Wal­ters Mut­ter Kuni — der Vater Max Mar­cus war 1942 in New York ver­stor­ben — und den bei­den Brü­dern Wil­helm und Sam in Queens in New York.[54]  In Queens, im Ein­wan­de­rungs­vier­tel Jack­son Heigh, wo sich die Fami­lie nie­der­ge­las­sen hat­te, ver­starb Wal­ter Dani­el Mit­tel am 7. Okto­ber 2015.[55] [Bild Gräber]

Grab von Lea Mit­tel, geb. Blum­ner
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Grab von Wal­ter Mit­tel
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Ver­mut­lich hät­te auch Sel­ma Ebbe nicht über­lebt, wenn sie im Som­mer 1939 zu ihrer Fami­lie nach Polen gegan­gen wäre. Aber ret­ten konn­te sie sich auch hier nicht mehr.

Selma Ebbe
Ver­mö­gens­er­klä­rung von Sel­ma Ebbe
Selma Ebbe
HHStAW 519/​3 1959 (3)

Es lie­gen nur weni­ge Doku­men­te vor, die Aus­kunft über ihre letz­ten, etwa drei Lebens­jah­re in Wies­ba­den geben.[56] Allein ihre Devi­sen­ak­te belegt, in welch ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen sie in die­ser Zeit gelebt haben muss. Am 22. Febru­ar 1940 hat­te die Devi­sen­stel­le eine „Juden­si­che­rungs­map­pe“, eine „JS-Map­pe“, für sie ange­legt, um ihre Finan­zen kon­trol­lie­ren zu kön­nen. Aller­dings gab es bei ihr nichts zu kon­trol­lie­ren. Den Frei­be­trag von 200 RM, den man ihr gönn­te, konn­te sie nicht aus­schöp­fen.[57] Das For­mu­lar zur Ver­mö­gens­er­klä­rung, das sie der Behör­de am 4. März 1940 zusand­te, blieb weit­ge­hend leer. Sie sei seit 1939 Wohl­fahrts­emp­fän­ge­rin, ernäh­re sich augen­blick­lich durch „Stun­den­ar­beit“, die ihr wöchent­lich etwa 8 bis 10 RM ein­brin­gen wür­de. Da sie auch kein Ver­mö­gen besä­ße, bat sie dar­um, ihr die Anla­ge eines Siche­rungs­kon­tos zu erspa­ren.[58] Das wur­de ihr gestat­tet, sie durf­te sogar den Lohn, sofern er nicht 35 RM in der Woche über­stieg, in bar ent­ge­gen­neh­men. Der monat­li­che Frei­be­trag wur­de aber auf 150 RM her­ab­ge­setzt.[59]

Als dann im Lau­fe des Jah­res 1940 die Umsied­lung der Jüdin­nen und Juden in die für sie bestimm­ten Häu­ser begann, muss­te ver­mut­lich auch Sel­ma Ebbe umzie­hen. Es liegt zwar kei­ne expli­zi­te Anwei­sung als Quel­le vor, aber man wird den­noch davon aus­ge­hen kön­nen, dass der Umzug am 31. Okto­ber 1940 in die Lortzingstr. 7 erzwun­gen wur­de.[60] Sie bewohn­te dort zusam­men mit Ber­ta Straus, gebo­re­ne Aumann, eine Man­sar­den­kam­mer unter dem Dach. Auch wenn kei­ne von bei­den noch viel Mobi­li­ar beses­sen haben wird, kann man sich vor­stel­len, wie eng es dort zuge­gan­gen sein muss.

Als die NSDAP im Febru­ar 1941 ihre Block- und Zel­len­war­te auf­for­der­te, die Juden ihres jewei­li­gen Bezirks für einen anste­hen­den Arbeits­ein­satz zu mel­den, stand auch der Name von Sel­ma Ebbe auf dem Schrei­ben des Zel­len­lei­ters Göt­tert, der für das Juden­haus in der Lortzingstr. 7 zustän­dig war. Er lis­te­te die damals dort woh­nen­den Juden auf und merk­te an, dass „sämt­li­che Juden zu allen vor­kom­men­den Arbei­ten, auch zum Stra­ßen­keh­ren, ein­satz­fä­hig (sei­en)“.[61]

Noch ein­mal frag­te die Devi­sen­stel­le im Sep­tem­ber 1941 bei Sel­ma Ebbe nach ihrer Anschrift an. Sie bestä­tigt dar­auf­hin, dass sie noch immer in dem Juden­haus woh­ne.[62]

Selma Ebbe
Das Poli­zei­prä­si­di­um mel­det der Devi­sen­stel­le den Umzug von Sel­ma Ebbe in das Juden­haus Lortzingstr. 7
HHStAW 519/​3 1959 (6)

Das blieb auch im fol­gen­den Drei­vier­tel­jahr so, denn unter die­ser Adres­se wur­de ihr auch die Auf­for­de­rung zuge­stellt, sich für ihre Depor­ta­ti­on am 10. Juni 1942 bereit­zu­hal­ten. Der Trans­port mit den 371 Jüdin­nen und Juden aus Wies­ba­den brach­te Sel­ma Ebbe über Frank­furt und Lub­lin in das Ver­nich­tungs­la­ger Sobi­bor. Weil man dort den Mas­sen­mord im Gas ohne büro­kra­ti­schen Auf­wand erle­dig­te, gibt es auch für sie kein exak­tes Todes­da­tum. Des­we­gen muss­te ihr Todes­tag amt­lich auf den Tag des Kriegs­en­des, den 8. Mai 1945, fest­ge­legt werden.

 

Auch Sel­mas Schwes­ter Zer­line fiel mit ihrer Fami­lie der Shoa zum Opfer. Sie war mit dem Hol­län­der Arthur Coop­man ver­hei­ra­tet, der am 4. März 1896 in dor­ti­gen Eijs­den gebo­ren wur­de.[63] Das Paar hat­te aber in Köln eine Fami­lie gegrün­det. Aus der Ehe waren die bei­den Kin­der Hen­ry und Lui­se Lie­se­lot­te her­vor­ge­gan­gen. Da Hen­ry am 22. Sep­tem­ber 1923 in Köln zur Welt kam,[64] wird die Ehe in nicht all­zu lan­ger Zeit davor geschlos­sen wor­den sein. Lui­se Lie­se­lot­te wur­de am 13. Mai 1929 eben­falls noch in der Dom­stadt am Rhein gebo­ren. Wann die Fami­lie Deutsch­land ver­ließ, ist nicht bekannt, aber vor ihrer Depor­ta­ti­on wohn­te sie in ’s‑Hertogenbosch in Nord-Bra­bant. Die genau­en Umstän­de ihrer Ver­haf­tung und Depor­ta­ti­on konn­ten im gege­be­nen Rah­men nicht umfas­send recher­chiert wer­den, aber sowohl sie selbst, als auch die Eltern von Arthur Coop­man und sei­ne Schwes­ter Jose­phi­ne wur­den von Wes­ter­bork in die Ver­nich­tungs­la­ger in Polen geschickt. Ver­mut­lich hat­te man sie aber unter­schied­li­chen Trans­por­ten zuge­teilt. Arthurs Eltern wur­den schon am 14. Mai 1943 in Sobi­bor ermor­det. Zer­line, ihre 14-jäh­ri­ge Toch­ter Lui­se Lie­se­lot­te und die Schwä­ge­rin Jose­phi­ne wur­den am 11. Juni 1943 in das Gas von Sobi­bor getrie­ben. Arthur Coop­man folg­te am 9. Juli 1943. Nur Hen­ry, zwan­zig Jah­re alt, fand sei­nen Tod am 31. März 1944 in Ausch­witz.[65]

 

Ver­öf­fent­licht: 08. 06. 2024

 

 

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Anmer­kun­gen:

 

[1] Geburts­re­gis­ter Ham­burg 2669 /​ 1898.

[2] Wie über­all in Euro­pa war es aller­dings auch in die­ser Regi­on und auch in Kaschau, das damals zum unga­ri­schen Teil der K.u.K.-Monarchie gehör­te, im Zusam­men­hang mit den Erhe­bun­gen der jewei­li­gen natio­na­len Bewe­gun­gen um das Jahr 1848 zu anti­jü­di­schen Aus­schrei­tun­gen gekom­men. Man woll­te, dass die dor­ti­gen Juden inner­halb weni­ger Tage die Stadt ver­las­sen soll­ten. Sie­he Berg­mann, Tumul­te-Exces­se-Pogro­me, S. 318 f.

[3] Hei­rats­re­gis­ter Ham­burg 20 /​ 1890.

[4] Geburts­re­gis­ter Ham­burg 852 /​ 1892 und 1869 /​ 1897. Josef wur­de nur etwa ein hal­bes Jahr alt. Er ver­starb am 21.9. 1892, sie­he Ster­be­re­gis­ter Ham­burg 4021 /​ 1892.

[5] Einen Ein­trag mit ihrem Namen im Ham­bur­ger Adress­buch sucht man daher auch in den vor­he­ri­gen Aus­ga­ben vergebens.

[6] HHStAW 685 129a (2). Es han­delt sich um einen Ein­trag in den Steu­er­un­ter­la­gen des Jah­res 1937.

[7] https://​www​.map​ping​the​li​ves​.org/​b​i​o​/​9​8​a​0​5​2​b​c​-​f​9​d​c​-​4​9​8​2​-​b​3​2​f​-​d​f​9​e​1​7​2​7​9​849. (Zugriff: 8.6.2024).

[8] Das ers­te Geburts­da­tum ist der Todes­er­klä­rungs­ak­te HHStAW 469/​33 4943 (20), das zwei­te dem poli­zei­li­chen Mel­de­bo­gen von Hed­wig Eiba Stadt­ar­chiv Mün­chen DE-1992-PMB-E-31 entnommen.
Wesent­li­che Infor­ma­tio­nen über die Fami­lie Ebbe, über Max und sei­ne ers­te Frau Hed­wig sowie das Schick­sal der fünf Kin­der, beru­hen auf einem Inter­view, das die Toch­ter Nel­ly Blum­ner am 31.1.1995 der USC-Sho­ah-Foun­da­ti­on gab. Sie­he https://vha-1usc-1edu-1vd5a2v8602a9.proxy.fid-lizenzen.de/testimony/1059?from=%2Fdashboard. (Zugriff: 8.6.2024). Um das Inter­view zu hören und zu sehen, bedarf es einer geson­der­ten Lizenz.
Im Akti­ven Muse­um Spie­gel­gas­se liegt aller­dings ein von den Töch­tern, die die Zeit über­leb­ten, im Mai 1981 ver­fass­tes Memoir vor, das die wesent­li­chen Ereig­nis­se ihrer Lebens­ge­schich­te zusam­men­fasst. Aller­dings bleibt auch dar­in, wie in dem oben erwähn­ten Inter­view, ihre Stief­mut­ter Sel­ma Ebbe unerwähnt.

[9] HHStAW 518 734 (14).

[10] Poli­zei­li­cher Mel­de­bo­gen von Hed­wig Eiba, Stadt­ar­chiv Mün­chen, DE-1992-PMB-E-31. Dem­nach ist die im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren gemach­te Anga­be von Lea Mit­tel, geb. Ebbe, die Ehe sei 1919 geschlos­sen wor­den, unzu­tref­fend, sie­he HHStAW 518 734 (14).

[11] Ebd.

[12] Sie­he Adress­buch Mün­chen 1930 und 1935.

[13] Poli­zei­li­cher Mel­de­bo­gen von Jakob Eiba, Stadt­ar­chiv Mün­chen, DE-1992-PMB-E-31. Jakob Eiba wur­de am 15.9.1942 von Frank­furt aus nach The­re­si­en­stadt depor­tiert. Ermor­det wur­de er am 23.1.1943 in Ausch­witz. Sie­he https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​d​e​8​5​4​043. (Zugriff: 8.6.2024).

[14] Geburts­re­gis­ter Mün­chen 3863 /​ 1889. Dazu Infor­ma­tio­nen des Stadt­ar­chivs Mün­chen vom 5.6.2024. Wann und wo Anna Eiba ver­starb, ist nicht bekannt.

[15] Die Geburts­da­ten für die drei über­le­ben­den Kin­der sind mehr­fach amt­lich im Zuge der Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren fest­ge­stellt wor­den, sie­he z.b. für die der bei­den umge­kom­me­nen wur­den die Geburts­ur­kun­den vor­ge­legt, für Leo­pold Geburts­re­gis­ter Wies­ba­den 995 /​ 1926, für Dora Geburts­re­gis­ter Wies­ba­den 1376 /​ 1928.

[16] Ver­mut­lich han­del­te es sich um die eben­falls aus Polen stam­men­den Fami­li­en Botie und Stein­bre­cher, die laut Jüdi­schem Adress­buch von 1935 in der Ora­ni­en­str. 44 wohn­ten. dann ab den drei­ßi­ger Jah­ren in der Neu­dorf­str. 4.

[17] Jüdi­schen Adress­buch 1935 S. 218, 229.

[18] Sie­he zu den reli­giö­sen Grup­pie­run­gen der Juden in Wies­ba­den, die sich gera­de bei den soge­nann­ten Ost­ju­den noch ein­mal aus­dif­fe­ren­zier­ten, Schnei­der, Tie­fen­brun­ner, S. 125–149. Für die „Aus­tritts­ge­mein­de“ spricht auch, dass die ‚Brit Cha­lu­zim Dati­im’ dort in der Fried­rich­stra­ße ihren Treff­punkt hatte.

[19] Seit 1973 heißt die seit­lich der Bie­bri­cher gele­ge­ne Stra­ße Carl-Schuricht-Straße.

[20] HHStAW 518 734 (16, 54).

[21] HHStAW 685 129a (o.P.), dazu HHStAW 518 734 (27).

[22] Ster­be­re­gis­ter Wies­ba­den 630 /​ 1935. In Lagis ist ihr Ster­be­tag lei­der falsch mit dem 10. April, dem Tag der Beer­di­gung, ange­ge­ben. Nel­ly Blum­ner ver­leg­te in ihrem Inter­view das Todes­jahr der Mut­ter in das Jahr 1937. Ob es sich dabei um einen Ver­spre­cher oder um eine fal­sche Erin­ne­rung han­del­te, ist nicht klar. Begra­ben wur­de sie auf dem Jüdi­schen Fried­hof Hell­kund­weg in Wies­ba­den, nicht auf dem an der Plat­ter Stra­ße, wie es fälsch­li­cher­wei­se auf dem Erin­ne­rungs­blatt des AMS für sie heißt.

[23] HHStAW 518 55751 (7) und HHStAW 518 55750 (5).

[24] Der Aus­bil­dungs­scha­den bzw. der Scha­den am beruf­li­chen Fort­kom­men wur­de aner­kannt, sie­he ebd. Passim.

[25] HHStAW 685 129a (1).

[26] Wo die Trau­ung statt­fand, ist nicht bekannt, auch liegt kein amt­li­ches Doku­ment vor, das das von Max Ebbe in sei­ner Steu­er­erklä­rung von 1937 ange­ge­be­ne Hei­rats­da­tum bele­gen wür­de. Sie­he ebd. (2).

[27] Erin­ne­rungs­blatt Sel­ma Ebbe, xxx

[28] Sie­he dazu Mau­rer, Abschie­bung und Atten­tat, S. 52–73, und Benz, Novem­ber­po­grom, S. 499–505.

[29] 1933 betrug nach Mau­rer, Abschie­bung und Atten­tat, S. 56, die Anzahl pol­ni­scher Juden in Deutsch­land etwa 56 000.

[30] Laut G. Schnei­der ergab eine Abfra­ge in der Daten­bank Jüdi­sche Bür­ger Wies­ba­dens des Stadt­ar­chivs die Zahl von 92, aber eine Lis­te der Depor­tier­ten exis­tiert nicht und es ist nicht gewiss, ob spä­ter alle in der Daten­bank erfasst wur­den. Sie­he Schnei­der, Fami­lie Tie­fen­brun­ner, S. 163.

[31] Noch erschei­nen Max Ebbe und sei­ne Kin­der gemein­sam auf einer Lis­te des dor­ti­gen Juden­rats, die im Zeit­raum zwi­schen 1939 und 1941 ange­legt wurde.

[32] HHStAW 518 37959 (1).

[33] Mau­rer schreibt, dass in man­chen Städ­ten wie in Leip­zig nur 50 Pro­zent, in Dres­den dage­gen 90 Pro­zent der pol­ni­schen Juden abge­scho­ben wur­den. Vie­ler­orts gelang es, die Men­schen zu war­nen, und wer an dem Tag  nicht ange­trof­fen wur­de, sei auch unbe­hel­ligt geblie­ben. Mau­rer, Abschie­bung und Atten­tat, S. 62 f.

[34] HHStAW 519/​3 19956 (o.P.). Auch in die­sem Antrag hat sie ihre Staats­ang­erhö­rig­keit selbst mit „Polen“ angegeben.

[35] Ebd. (pas­sim).

[36] HHStAW 519/​3 20859 (pas­sim)

[37] Reit­lin­ger, End­lö­sung, S. 45.

[38] Tape 3

[39] Er war am 5.2.1912 in Chrza­now /​ Kren­au, etwa 30 km öst­lich von Kat­to­witz gele­gen, gebo­ren wor­den, sie­he HHStAW 518 734 (30). Sei­ne Eltern waren Scha­ja und Taja Blum­ner, geb. Stain­au­rer. Sie­he https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​I​T​S​_​D​A​T​A​_​E​X​P​O​R​T​_​D​P​/​0​3​0​1​0​1​0​1​/​0​2​5​9​/​2​7​1​2​1​0​7​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 8.6.2024).

[40] Sie­he https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/66633743?s=Blumner,%20Elias&t=2736166&p=0. (Zugriff: 8.6.2024).

[41] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​7​9​8​8​0​:​6​1​7​0​4​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​f​a​a​3​f​c​3​a​-​c​7​0​2​-​4​2​1​a​-​9​7​3​0​-​f​0​0​5​e​8​9​c​c​b​2​6​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​4​0​4​9​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. und https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​3​0​3​7​6​9​7​9​2​8​:​7​488. (Zugriff: 8.6.2024).

[42] https://​www​.geni​.com/​f​a​m​i​l​y​-​t​r​e​e​/​i​n​d​e​x​/​6​0​0​0​0​0​0​0​0​2​8​6​7​8​9​9​824. (Zugriff: 8.6.2024).

[43] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​7​5​6​0​5​9​7​7​:​3​6​9​3​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​6​d​6​5​4​4​0​8​-​f​e​7​4​-​4​8​b​6​-​b​3​f​8​-​8​3​3​8​2​2​b​d​d​b​7​f​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​4​1​7​0​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 8.6.2024).

[44] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​7​7​6​0​8​4​8​4​:​3​6​9​3​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​3​3​5​9​5​e​e​3​-​e​e​b​3​-​4​d​e​1​-​8​d​8​1​-​f​1​8​0​b​7​1​a​d​b​b​9​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​4​1​7​3​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 8.6.2024).

[45] HHStAW 518 734 (1).

[46] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​3​0​1​9​9​6​6​9​:​6​0​901. (Zugriff: 8.6.2024).

[47] https://​www​.geni​.com/​p​e​o​p​l​e​/​W​a​l​t​e​r​-​K​o​c​h​/​6​0​0​0​0​0​0​0​0​2​4​2​8​6​6​4​099. (Zugriff: 8.6.2024).

[48] https://​images​.fin​da​gra​ve​.com/​p​h​o​t​o​s​/​2​0​1​9​/​1​2​8​/​7​8​0​4​6​4​7​8​_​7​f​4​d​1​c​c​a​-​c​d​4​3​-​4​1​0​2​-​b​4​2​3​-​b​f​e​c​4​f​6​2​0​9​4​d​.​j​peg. (Zugriff: 8.6.2024).

[49] https://​images​.fin​da​gra​ve​.com/​p​h​o​t​o​s​/​2​0​1​9​/​1​2​8​/​1​5​6​0​2​0​9​8​3​_​5​c​f​a​d​2​9​a​-​4​b​a​a​-​4​c​4​c​-​b​a​3​a​-​e​7​7​5​4​e​a​3​7​c​3​5​.​j​peg. (Zugriff: 8.6.2024).

[50] Zur Fami­lie sie­he https://​www​.geni​.com/​f​a​m​i​l​y​-​t​r​e​e​/​i​n​d​e​x​/​6​0​0​0​0​0​0​0​0​2​5​1​9​2​4​5​225 und https://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/Datenbank/detailsinclude.php?global=;search;36187;;;1;Mittel;;;;;;;;;;;;;;alle;;;;;~ORDER~BY~Name,Vorname~;;;;;;1;111111111111111111;000_speziell_gesucht;ENDE;15~44009~36188~44010~36187~37467~27346~27347~44011~36492~36493~35620~36858~36857~6627~6626~. und https://​www​.ale​man​nia​-judai​ca​.de/​u​n​s​l​e​b​e​n​_​s​y​n​a​g​o​g​e​.​htm. (Zugriff: 8.6.2024).

[51] https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​2​0​1​0​1​/​0​0​0​5​/​1​2​1​8​3​9​7​0​6​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 8.6.2024).

[52] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​2​0​2​3​2​1​8​:​8​842. (Zugriff: 8.6.2024).

[53] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​2​1​3​7​3​8​6​:​6​1​406. (Zugriff: 8.6.2024).

[54] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​2​7​9​7​8​0​4​1​9​:​6​2​308. (Zugriff: 8.6.2024). Aus der Ehe waren vier Kin­der her­vor­ge­gan­gen. Nach dem Tod von Lea hei­ra­te­te Wal­ter Mit­tel spä­ter Lie­se­lot­te Stern.

[55] https://​images​.fin​da​gra​ve​.com/​p​h​o​t​o​s​/​2​0​1​9​/​1​2​8​/​7​8​0​4​6​4​7​8​_​7​f​4​d​1​c​c​a​-​c​d​4​3​-​4​1​0​2​-​b​4​2​3​-​b​f​e​c​4​f​6​2​0​9​4​d​.​j​peg und https://​images​.fin​da​gra​ve​.com/​p​h​o​t​o​s​/​2​0​1​9​/​1​2​8​/​1​5​6​0​2​0​9​8​3​_​5​c​f​a​d​2​9​a​-​4​b​a​a​-​4​c​4​c​-​b​a​3​a​-​e​7​7​5​4​e​a​3​7​c​3​5​.​j​peg (Zugriff: 8.6.2024).

[56] Eine Ent­schä­di­gungs­ak­te, die zwar unter HHStAW 518 37959 ange­legt wur­de, ent­hält im Wesent­li­chen nur den Antrag. Da aber ihre Stief­kin­der nicht erb­be­rech­tigt waren, wur­de der Antrag nicht wei­ter verfolgt.

[57] HHStAW 519 /​3 1959 (1).

[58] Ebd. (3).

[59] Ebd. (4).

[60] Die­ses Datum ist auf ihrer Gestapo­kar­tei­kar­te ein­ge­tra­gen. In einem Schrei­ben der Wies­ba­de­ner Poli­zei auf eine Anfra­ge der Devi­sen­stel­le, die offen­sicht­lich von dem Umzug nicht unter­rich­tet wor­den war, ist das Datum des Umzugs mit dem 29.10.1940 ange­ge­ben, ebd. (6). In jedem Fall fand er offen­sicht­lich Ende Okto­ber statt.

[61] HHStAW 483 10127 (136).

[62] HHStAW 519/​3 1959 (8).

[63] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​7​2​0​4​9​2​5​7​9​5​:​6​2​476. (Zugriff: 8.6.2024). Sei­ne Eltern waren Charles und Fan­ny Coop­man, gebo­re­ne Eisenmann.

[64] https://​www​.joodsmo​nu​ment​.nl/​e​n​/​p​a​g​e​/​1​4​9​5​6​1​/​h​e​n​r​y​-​c​o​o​p​man. (Zugriff: 8.6.2024).

[65] https://​www​.joodsmo​nu​ment​.nl/​e​n​/​p​a​g​e​/​1​4​9​5​6​1​/​h​e​n​r​y​-​c​o​o​p​man. (Zugriff: 8.6.2024). Unter dem Punkt ‘Fami­lie’ kön­nen die Lebens­da­ten aller Fami­li­en­mit­glie­der gefun­den werden.