Siegfried und Henriette Seligmann, geborene Scheier


Lortzingstraße_7_1925
Lortzingstr. 7 um 1925
Archiv D. Schaller
Lortzingstr. 7
Lage des ehe­ma­li­gen Juden­hau­ses Lortzingstr. 7
Judenhauses Lortzingstr. 7
Bele­gung des Juden­hau­ses Lortzingstr. 7

 

 

 

 

 


Als Sieg­fried und Hen­ri­et­te Selig­mann sich am 3. Febru­ar 1939 mit ihrem Sohn Hans bei der Poli­zei­be­hör­de in Wies­ba­den mit der Adres­se Lortzingstr. 7 anmel­de­ten,[1] war die Vil­la am Bier­stad­ter Hang, die der Wit­we Sophie Gins­burg gehör­te, noch nicht zu einem Ghet­to­haus für Juden umfunk­tio­niert wor­den. Den­noch war der Ein­zug schon damals aus der Not gebo­ren. Auch das aus dem Wes­ter­wäl­der Dier­dorf stam­men­de Kauf­mann­s­ehe­paar war inzwi­schen Opfer des Raub­zugs der Nazis an den Juden gewor­den. So täuscht auch die Berufs­an­ga­be „Pri­va­tier“, die gera­de in Wies­ba­den frü­her mit Wohl­stand und einem geho­be­nen Lebens­wan­del asso­zi­iert wur­de, über die tat­säch­li­che Lebens­si­tua­ti­on der bei­den hinweg.

Nur drei Jah­re zuvor waren sie nach üblen Erfah­run­gen aus ihrer bis­he­ri­gen Hei­mat­stadt in die tra­di­ti­ons­rei­che Kur­stadt gekom­men, wohl in der Hoff­nung, hier in der Anony­mi­tät als Juden ihren Lebens­abend in Ruhe ver­brin­gen zu kön­nen. Inzwi­schen hat­ten die Nazis ihren Ter­ror und auch die Kon­trol­le aber über das gesam­te Land aus­ge­dehnt und sys­te­ma­ti­siert, sodass es auch für Selig­manns kein Ent­kom­men mehr gab, wenn­gleich sie es bei­na­he noch geschafft hät­ten, aus Deutsch­land herauszukommen.

Stammbaum Seligmann
Stamm­baum der Fami­li­en Selig­mann und Schei­er
GDB

Sieg­fried Selig­mann, der wohl auch oft Fried­rich geru­fen wur­de, stamm­te, anders als sei­ne Frau, ursprüng­lich nicht aus Dier­dorf im Wes­ter­wald, son­dern aus Rohr­bach. Dass es sich dabei um das Roh­bach in Baden han­delt, ergibt sich aus einem Ein­trag im Gesin­de­ver­zeich­nis von Spey­er aus dem Jahr 1900.[2] Dort ist er mit den Geburts­an­ga­ben 13. Sep­tem­ber 1881 in Rohr­bach, Ver­wal­tungs­be­zirk Sins­heim /​ Baden, ein­ge­tra­gen. Aus­ge­wie­sen hat­te er sich mit einem Abmel­de­schein aus Gröt­zin­gen bei Dur­lach. Vom 15. Juli 1900 bis zum 1. Juli des fol­gen­den Jah­res war er in Spey­er bei der Fir­ma Emil May­er in der Worm­ser Str. 44 als Com­mis­sio­när ange­stellt, gewohnt hat er aller­dings in der Kai­ser-Fried­rich-Str. 15. Nach einem Jahr ver­ließ er die Stadt und ging – wie es in dem Ein­trag heißt – „fort nach Hanau“. Damit ver­lie­ren sich sei­ne Spu­ren zunächst wieder.

Siegfried Seligmann
Sieg­fried Selig­mann im Gesin­de­ver­zeich­nis von Spey­er im Jahr 1900
https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​9​1​3​6​/​r​e​c​o​r​d​s​/​4​7​4​0​9​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​8​9​3​2​b​7​8​0​-​c​8​e​8​-​4​2​7​b​-​8​3​c​b​-​1​c​2​e​b​f​1​7​e​4​c​6​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​6​9​3​4​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce

Etwa fünf Jah­re spä­ter tritt er dann wie­der in dem nord­west­lich von Mon­ta­baur und heu­te zum Kreis Neu­wied gehö­ren­den Dier­dorf in Erschei­nung. Dort ist erst­mals im spä­ten 17. Jahr­hun­dert ein jüdi­scher Ein­woh­ner nach­weis­bar, aber schon im fol­gen­den Jahr­hun­dert hat­ten sich ver­schie­de­ne jüdi­sche Fami­li­en dort ange­sie­delt, dar­un­ter auch eine Fami­lie Selig­mann, die im Ort und der jüdi­schen Gemein­de eine bedeu­ten­de Rol­le ein­nahm.[3] Schon 1829 konn­te die Gemein­de, die am Ende des Jahr­hun­derts aus 34 Fami­li­en mit ins­ge­samt 135 Mit­glie­dern bestand, eine eige­ne Syn­ago­ge errich­ten. Wie auch sonst leb­ten die jüdi­schen Bewoh­ner weit­ge­hend vom Han­del, zumeist mit Vieh oder mit Tex­til­wa­ren, der wohl ursprüng­lich ambu­lant betrie­ben wur­de. Erst seit der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts, nach­dem die Stadt unter preu­ßi­sche Ver­wal­tung gera­ten war und sich die Rechts­stel­lung der Juden all­mäh­lich ver­bes­ser­te, konn­ten sie in der Stadt auch fes­te Laden­ge­schäf­te eröffnen.

Alte Ansicht von Dierdorf

Laut Mel­de­re­gis­ter war der Rei­sen­de und Kauf­mann Sieg­fried Selig­mann aus Sins­heim von Weil­burg kom­mend am 5. Janu­ar 1907 dort offi­zi­ell regis­triert wor­den. Er hat­te aller­dings schon weni­ge Tage zuvor am 31. Dezem­ber 1906 Hen­ri­et­te Schei­er, genannt Hen­ny, gehei­ra­tet,[4] die Toch­ter des Dier­dor­fer Kauf­manns Samu­el Schei­er und sei­ner zwei­ten Frau Caro­li­ne, gebo­re­ne Jonas.[5]

Es liegt die Ver­mu­tung nahe, dass Sieg­fried Selig­mann sich nicht zufäl­lig in einem Ort eine Fami­lie grün­de­te, wo es seit Lan­gem eine bedeu­ten­de jüdi­sche Fami­lie glei­chen Namens gab.[6] aber eine ver­wandt­schaft­li­che Ver­bin­dung der bei­den Fami­li­en lässt sich bis­her nicht nach­wei­sen. Sieg­frieds Eltern und auch die Groß­el­tern väter­li­cher­seits stamm­ten bei­de aus dem badi­schen Gebiet um Sins­heim, wo er auch selbst gebo­ren wor­den war. Sein Vater Selig­mann Selig­mann und auch des­sen Vater Sam­son Selig­mann kamen bei­de aus Rohr­bach bzw. dem benach­bar­ten Ehr­städt, bei­de Orte heu­te zu Sins­heim gehö­rig. Selig­mann Selig­mann war am 1. Okto­ber 1832 als Sohn von Sam­son Selig­mann und sei­ner Frau Rosi­ne, gebo­re­ne Elsas­ser, in Rohr­bach, zur Welt gekom­men. Auch sei­ne Frau Babet­te Mün­zes­hei­mer, gebo­ren am 30. Juni 1840, war in Rohr­bach ver­wur­zelt. Ihr Vater Jacob Mün­zes­hei­mer stamm­te eben­falls aus die­ser Gemein­de, wäh­rend sei­ne Frau Regi­ne aus dem süd­li­cher gele­ge­nen Bühl kam. Sieg­fried war das drei­zehn­te von ins­ge­samt fünf­zehn Kin­dern von Selig­mann und Babet­te Selig­mann, die am 21. Novem­ber 1860 in Sins­heim gehei­ra­tet hat­ten.[7]
In der Ehe von Sieg­fried und Hen­ny wur­den ins­ge­samt fünf Kin­der gebo­ren. Ire­ne kam am 11. Novem­ber 1907 bald nach der Ehe­schlie­ßung als ers­te zur Welt.[8] Ihr folg­te am 5. Okto­ber des nächs­ten Jah­res mit Ilse eine wei­te­re Toch­ter.[9] Mit Eugen Sieg­mund am 31. August 1909 [10] und Erwin am 13. Febru­ar 1911 kamen dann zwei Söh­ne zur Welt. Erwin über­leb­te aber das Klein­kind­al­ter nicht und ver­starb am 11. August, bevor er das ers­te Lebens­jahr voll­ende­te.[11] Ein Jahr spä­ter kam mit Hans am 11. Juli 1912 noch ein wei­te­rer Sohn in die Fami­lie.[12]

Siegfried Seligmann
Sieg­fried Selig­mann
https://​assets​.yad​vas​hem​.org/​i​m​a​g​e​/​u​p​l​o​a​d​/​t​_​f​_​i​m​a​g​e​/​f​_​a​u​t​o​/​v​1​/​r​e​m​o​t​e​_​m​e​d​i​a​/​p​h​o​t​o​s​4​/​h​o​n​/​1​4​1​0​4​2​5​5​.​J​P​G​?​_​a​=​B​A​K​A​A​C​DY0
Henriette Seligmann
Hen­ri­et­te Selig­mann
https://​assets​.yad​vas​hem​.org/​i​m​a​g​e​/​u​p​l​o​a​d​/​t​_​f​_​i​m​a​g​e​/​f​_​a​u​t​o​/​v​1​/​r​e​m​o​t​e​_​m​e​d​i​a​/​p​h​o​t​o​s​4​/​h​o​n​/​1​4​1​0​4​2​5​4​.​J​P​G​?​_​a​=​B​A​K​A​A​C​DY0

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie sich das Manu­fak­tur­wa­ren­ge­schäft von Sieg­fried Selig­mann in den Jah­ren, nach­dem er sich in Dier­dorf nie­der­ge­las­sen hat­te, ent­wi­ckel­te, lässt sich auf­grund feh­len­der Unter­la­gen nicht mehr mit Zah­len rekon­stru­ie­ren, aber die glaub­haf­ten Anga­ben des Soh­nes Hans, die der städ­ti­schen Behör­den und auch die der Toch­ter des Nach­fol­gers von Sieg­fried Selig­mann, Elly Blan­ken­stein, las­sen kei­nen Zwei­fel dar­an, dass es sich um ein einst sehr gut gehen­des Geschäft gehan­delt haben muss.
Seit etwa 1911, so Hans Selig­mann, hät­ten die Eltern das Geschäft im eige­nen Haus in der dama­li­gen Vor­der­gas­se 94 betrie­ben.[13] In dem Laden­lo­kal, mit vier gro­ßen Schau­fens­tern direkt am Markt­platz gele­gen, sei­en von den Eltern und den zwei bis vier Ver­käu­fe­rin­nen Kon­fek­ti­ons­wa­ren, Arbeits­klei­dung, Wäsche und ande­re Tex­ti­li­en ange­bo­ten wor­den. Auch die Mut­ter, von Beruf Modis­tin, habe im Laden mitgearbeitet.

Seligmann
Eine der vie­len Such­an­zei­gen nach Arbeits­kräf­ten (2.6.1921)
Aus: M. Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf III, S. 107

In dem Band über das jüdi­sche Leben in Dier­dorf, in dem M. Mey­er die Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten nach Anzei­gen und Arti­keln über die dor­ti­gen Juden durch­fors­tet hat, sind unzäh­li­ge Anzei­gen von Sieg­fried Selig­mann zitiert, in denen nach tüch­ti­gen „Putz­ar­bei­te­rin­nen“, nach Lehr­mäd­chen oder auch nach Haus­per­so­nal gesucht wur­de. Natür­lich erwar­te­te man, dass die Aspi­ran­ten aus „gutem Hau­se“ kamen. Mit­un­ter soll­ten sie auch ein Foto und Zeug­nis­se mit­schi­cken. Gebo­ten wur­de dafür „freie Sta­ti­on mit guter Ver­pfle­gung“. Dass sie jüdi­schen Glau­bens sein muss­ten, wur­de nicht expli­zit ver­langt, aber da die Anzei­gen in jüdi­schen Blät­tern erschie­nen, wur­de das ver­mut­lich als selbst­ver­ständ­lich vor­aus­ge­setzt. [14]

Für den Haus­halt und die Kin­der war eben­falls eige­nes Per­so­nal ver­ant­wort­lich.[15] Auch hier­zu hat Mey­er eine Rei­he von Anzei­gen gesam­melt, in denen Sieg­fried Selig­mann nach sol­chen Bewer­bern such­te. Sogar noch am 12. Dezem­ber 1935, als das Geschäft schon unter den Maß­nah­men der Nazis lei­den muss­te, gab er eine Anzei­ge auf, in der er neben einer Ver­käu­fe­rin noch eine Ange­stell­te für einen „neu­ko­sche­ren“ Haus­halt such­te. Hei­zung, Warm­was­ser und Wasch­frau sei­en vor­han­den.[16]

Anzei­ge von Sieg­fried Selig­mann in einer Zei­tung
Aus: M. Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf III, S. 214

Aber auch die Kin­der hat­ten spä­ter, wie aus dem Schrei­ben von Frau Blan­ken­stein her­vor­geht, Auf­ga­ben im Geschäft über­nom­men. Obwohl es nach dem Krieg zu einem Rück­erstat­tungs­ver­fah­ren gekom­men war, äußer­te sich Frau Blan­ken­stein, deren Eltern vor der Ari­sie­rung selbst Kun­den im Laden der Selig­manns gewe­sen sei­en, sehr posi­tiv über das Tex­til­haus: „Das Waren­la­ger war grö­ßer als in den Städ­ten, die Prei­se lagen güns­ti­ger und die Bedie­nung war sehr gut geschult. So viel ich von der Kund­schaft hör­te, waren Herr Sieg­fried Selig­mann, sei­ne Toch­ter Rena [gemeint ist Ire­ne – K.F.] und ganz beson­ders sein Sohn Eugen sehr beliebt. Man hielt Herrn Sieg­fried Selig­mann für einen über den Durch­schnitt weit über­ra­gen­den Kauf­mann, der es ver­stand die Kund­schaft zu wer­ben und zu erhal­ten. Wenn ich bei mei­nen Besu­chen (…) nach Dier­dorf kam, war im Tex­til­haus Sieg­fried Selig­mann selbst im Som­mer, wenn in ande­ren Geschäf­ten stun­den­lang kein Kun­de kam, immer solch leb­haf­ter Betrieb, dass man trotz reich­li­cher Bedie­nung immer war­ten muss­te. Heu­te noch zei­gen mir Leu­te Sachen, die sie damals dort kauf­ten. Die Qua­li­tät muss also trotz der bil­li­gen Prei­se außer­ge­wöhn­lich gut gewe­sen sein.“[17]

Rena Seligmann
Todes­an­zei­ge für Ire­ne Selig­mann vom 19.9.1929
Aus: M. Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf III, S. 95

Nicht nur für die Fami­lie, son­dern auch für das Geschäft muss der frü­he Tod von Ire­ne am 12. Sep­tem­ber 1929 ein gro­ßer Ver­lust gewe­sen sein. Sie starb, wie es in der Todes­an­zei­ge hieß, „nach lan­gem, mit gro­ßer Geduld ertra­ge­nem Lei­den“.[18]

Die Stadt äußer­te sich in zwei Schrei­ben im Rah­men des Ent­schä­di­gungs­ver­fah­rens. Dar­in heißt es u.a.: „Nach glaub­wür­di­ger Aus­kunft älte­rer Ein­woh­ner von Dier­dorf muß das Geschäft Selig­mann als das größ­te am Plat­ze bezeich­net wer­den.[19] (…) Selig­mann muß als sehr kor­rekt bezeich­net wer­den. Außer­dem wur­de er bei der ärme­ren Bevöl­ke­rung als stets hilfs­be­reit dar­ge­stellt. Es ist amts­be­kannt, dass die Fami­lie Selig­mann in der Zeit ihres Hier­seins sehr viel Gutes getan hat. Es spricht für sei­ne Anstän­dig­keit, wenn er von sei­nen Unter­stüt­zun­gen an Bedürf­ti­ge kein Auf­he­bens mach­te.“[20] Genaue Anga­ben zu den Geschäfts­zah­len konn­te aber auch die Gemein­de nicht lie­fern, hielt aller­dings die Anga­be von Hans Selig­mann, man habe bis zum Jahr 1933 jähr­lich etwa 250.000 bis 300.000 RM umge­setzt und ein monat­li­ches Ein­kom­men von min­des­tens 1.500 RM erzielt, für zu hoch.[21]
Die­se Ver­mu­tung wird schein­bar auch durch die Zah­len bestä­tigt, die für die Jah­re 1932 und fol­gen­de noch vor­lie­gen. Zu beden­ken ist aller­dings, dass die in den schlimms­ten Kri­sen­jah­ren erho­be­nen Wer­te kaum Rück­schlüs­se auf die ver­gan­ge­nen Jah­re oder Jahr­zehn­te erlau­ben, über die sich beson­ders Frau Blan­ken­stein geäu­ßert hatte.

Brief­kopf der Fir­ma Selig­mann in Dier­dorf
HHStAW 685 705a (25)

Hin­zu kommt, dass Sieg­fried Selig­mann offen­bar 1931 so schwer erkrank­te, dass er sei­nen Sohn Hans weit­ge­hend mit der Füh­rung des Geschäfts beauf­tra­gen muss­te. Die­ser war durch sei­ne Aus­bil­dung grund­sätz­lich auf die spä­te­re Über­nah­me der Fir­ma vor­be­rei­tet wor­den. Am 9. Febru­ar 1928 hat­te sein Vater eine Anzei­ge geschal­tet, in der er für sei­nen „Sohn, 15 ½ Jah­re alt, wel­cher ein Jahr in mei­nem Geschäft tätig und mit­hin Vor­kennt­nis­se besitz, eine Lehr­stel­le in einem Tex­til­wa­ren­ge­schäft, detail“.[22] Offen­bar war die Suche erfolg­reich. Nach dem Besuch der Volks­schu­le in Dier­dorf und einer Höhe­ren Schu­le, die er mit der Mitt­le­ren Rei­fe abge­schlos­sen hat­te, absol­vier­te er eine Leh­re zum Tex­til­kauf­mann bei der Fir­ma ‚A. Weyl’ in Cle­ve.[23]
Als er in die Fir­ma der Eltern ein­stieg, war er noch nicht ein­mal voll­jäh­rig, und obwohl er sei­ne Lehr­zeit zu die­sem Zeit­punkt bereits erfolg­reich been­det hat­te, ver­füg­te er ganz sicher nicht über die Erfah­run­gen, um ein Unter­neh­men durch die all­ge­gen­wär­ti­ge Kri­se zu füh­ren. Wie weit der Vater ihm damals noch zur Sei­te ste­hen konn­te, ist nicht bekannt, weil kei­ne Infor­ma­tio­nen über sei­ne dama­li­ge Erkran­kung vor­lie­gen. Bekannt ist, dass er ein ver­kürz­tes Bein hat­te, aber das wird sicher nicht der Grund für sei­nen Rück­zug gewe­sen sein. Zwar erhielt Hans offi­zi­ell nur einen Monats­ver­dienst von 50 RM, aller­dings konn­te er dar­über hin­aus selbst­ver­ständ­lich für sei­nen per­sön­li­chen Bedarf Ent­nah­men aus der Fir­ma täti­gen.[24]

Im März 1936 war vom Finanz­amt Neu­wied noch ein­mal eine Betriebs­prü­fung ange­setzt wor­den, bei der die Anga­ben der Jah­re 1932 bis 1934 geprüft wur­den. Die Prü­fer kamen zu dem Ergeb­nis, dass „die Buch­füh­rung im gros­sen und gan­zen als ordungs­mäs­sig bezeich­net wer­den kann, (…) die aus­ge­wie­se­nen Ergeb­nis­se doch so sehr von den bran­chen übli­chen abwei­chen, dass die Buch­füh­rung unbe­dingt Feh­ler ent­hal­ten muss bezw. nicht voll­stän­dig sein kann.“.[25]
Ver­ant­wort­lich für die Buch­füh­rung, so heißt es in dem Bericht, sei die Toch­ter des Eigen­tü­mers gewe­sen. Da Ire­ne bereits ver­stor­ben war, kann eigent­lich nur die älte­re Toch­ter Ilse gemeint sein, die dem­nach damals eben­falls im Fami­li­en­un­ter­neh­men enga­giert war.
Es waren eher Klei­nig­kei­ten, die man bemän­gel­te, über die man bei einem nicht­jü­di­schen Kauf­mann viel­leicht sogar groß­zü­gig hin­weg­ge­se­hen hät­te. Im Wesent­li­chen wur­de ange­zwei­felt, dass die erwirt­schaf­te­ten Gewin­ne bei den Umsät­zen zu nied­rig ange­setzt wor­den sei­en. „Wenn auch zuzu­ge­ben ist, dass das Unter­neh­men – es han­delt sich um ein nicht­ari­sches Geschäft – in den letz­ten Jah­ren unter erschwer­ten Bedin­gun­gen arbei­ten muss­te und, um den Umsatz zu hal­ten, bil­li­ger ver­kauf­te, so scheint mir das Miss­ver­hält­nis doch zu groß.“ Der Prü­fer schlug vor, die Gewin­ne für die Jah­re von 1932 bis 1934 zu schät­zen und einen gene­rel­len Brut­to­ge­winn­auf­schlag von 30 Pro­zent auf die Ein­käu­fe anzu­neh­men. Die Zah­len im Bericht wei­chen zwar gering­fü­gig von denen ab, die spä­ter im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren vom Finanz­amt Wies­ba­den für die genann­ten Jah­re vor­ge­legt wur­den, aber die Ent­wick­lung des Geschäfts lässt sich den­noch dar­aus ablesen.

Dem­nach konn­te 1932 zwar ein Umsatz von etwas mehr als 90.000 RM erreicht wer­den, Gewin­ne und somit auch ein Ein­kom­men konn­ten damit aber nicht erwirt­schaf­tet wer­den. Ver­mut­lich muss­te man ange­sichts des all­ge­mei­nen Kauf­kraft­ver­lusts schon damals die Waren zu Prei­sen ver­kau­fen, die gera­de ein­mal die lau­fen­den Kos­ten abdeck­ten. Erst 1933, trotz Boy­kott und sin­ken­dem Umsatz, erziel­te man wie­der ein Ein­kom­men aus dem Betrieb von etwas mehr als 5.000 RM, also monat­lich etwa 400 RM. Im fol­gen­den Jahr 1934 kehr­ten sich die Ver­hält­nis­se um. Trotz einer Umsatz­stei­ge­rung um etwa 20.000 RM auf nun 107.000 RM sank das Ein­kom­men unter 5.000 RM. [26] Man gewinnt den Ein­druck, Sieg­fried Selig­mann habe ange­sichts der düs­te­ren Aus­sich­ten unter Ver­zicht auf ange­mes­se­ne Gewinn­mar­gen noch mög­lichst viel sei­nes Waren­la­gers absto­ßen wol­len. Im fol­gen­den Jahr ver­rin­ger­te sich der Umsatz auf etwa 70 Pro­zent des Vor­jahrs. Wenn den­noch der Gewinn auf 7.000 RM gestei­gert wer­den konn­te, dann hat­te das ver­mut­lich sei­nen Grund dar­in, dass Sieg­fried Selig­mann sei­ne Kos­ten erheb­lich redu­zier­te, etwa durch die Ent­las­sung von Mit­ar­bei­tern. Genau wird man das aber nicht mehr rekon­stru­ie­ren können.

In jedem Fall war er inzwi­schen ent­schlos­sen, sein Geschäft auf­zu­ge­ben und Dier­dorf zu ver­las­sen. 1936 hat­te er mit Wal­ter Blan­ken­stein und Bern­hard Kion­ka aus Rau­bach im Wes­ter­wald auch Kauf­leu­te gefun­den, die bereit waren, in das Geschäft ein­zu­tre­ten. Die Über­ga­be erfolg­te am 1. Okto­ber und umfass­te die Waren­be­stän­de, die für einen Betrag von knapp 30.000 RM über­nom­men wur­den. Das Inven­tar sowie das Haus selbst, die für monat­lich 350 RM auch als Wohn­sitz nur gepach­tet wur­den, waren nicht Gegen­stand des Kauf­ver­trags.[27]

Für die­se Ent­schei­dung war aber nicht allein der wirt­schaft­li­che Nie­der­gang des Geschäfts aus­schlag­ge­bend. Zum einen hat­te sich das poli­ti­sche Kli­ma in der Stadt inzwi­schen grund­le­gend ver­än­dert.[28] Bei den Wah­len im Sep­tem­ber 1930 hat­ten die Nazis auch in Dier­dorf erst­mals rele­van­te Stim­men­ge­win­ne ver­bu­chen kön­nen, bei öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen wur­de offen gegen Juden und „Juden­knech­te“ gehetzt und es kam zu gewalt­sa­men Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den Geg­nern und den Ver­tei­di­gern der Repu­blik. Anläss­lich einer Geburts­tags­fei­er, an der auch diver­se Nazi­freun­de teil­nah­men, wur­de das gegen­über­lie­gen­de Haus der Fami­lie Selig­mann mit Stei­nen bewor­fen. „Das Juden­pack muß aus dem Haus her­aus!“, ant­wor­te­te der Mob den­je­ni­gen, die es damals noch wag­ten, sich schüt­zend vor die Ver­folg­ten zu stel­len. Ob es sich bei der bedroh­ten Fami­lie um die von Sieg­fried Selig­mann han­del­te, ist aller­dings nicht bekannt, letzt­lich auch egal, denn gemeint waren alle Fami­li­en­mit­glie­der der Seligmanns.
Ein Jahr vor die­sem Ereig­nis hat­te sich 1930 in Dier­dorf eine NSDAP-Orts­grup­pe gebil­det. Bei den Reichs­tags­wah­len im Novem­ber 1932 erreich­te die NSDAP dann 45,4 Pro­zent, bei den nicht mehr frei­en Wah­len am 5. März 1933 sogar 53,33 Pro­zent. Als am 12. März 1933 der neu gewähl­te Gemein­de­rat zusam­men­traf, in dem sich außer der SPD alle Frak­tio­nen auf die Sei­te der NSDAP schlu­gen, ernann­te die neue Mehr­heit erst ein­mal Hit­ler zum Ehren­bür­ger und die Vor­der­gas­se, die Stra­ße, in der das Wohn- und Geschäfts­haus von Sieg­fried Selig­mann lag, wur­de in Adolf-Hit­ler-Stra­ße umbenannt.
1935, noch vor Ver­ab­schie­dung der Nürn­ber­ger Geset­ze, beschloss der Gemein­de­rat, Juden den Zuzug nach Dier­dorf gene­rell zu unter­sa­gen. Vom Erwerb von Grund­stü­cken, durch Kauf, Pacht oder Erstei­ge­rung wur­den sie eben­falls aus­ge­schlos­sen. Beam­te und kom­mu­na­le Ange­stell­te durf­ten bei Juden nicht mehr ein­kau­fen und Men­schen, die auf öffent­li­che Unter­stüt­zung ange­wie­sen waren, droh­te man mit dem Ent­zug der Gel­der. Hand­wer­ker und Geschäfts­leu­te soll­ten kei­ne öffent­li­chen Auf­trä­ge mehr erhal­ten, wenn sie selbst oder ihre Ange­hö­ri­gen irgend­wel­che Geschäf­te mit Juden machen wür­den. Dass Sieg­fried Selig­mann und sei­ne Frau nicht län­ger in die­ser Stadt blei­ben woll­ten, ist nur all­zu ver­ständ­lich.[29]

Zum ande­ren hat­ten inzwi­schen auch zwei der Kin­der Dier­dorf ver­las­sen. Eugen war schon im Rah­men sei­ner beruf­li­chen Aus­bil­dung 1925 nach Reck­ling­hau­sen gegan­gen, wo er ver­mut­lich bei den ‚Gebr. Als­berg’ eine Aus­bil­dungs­stel­le gefun­den hat­te.[30] 1932 leb­te Eugen in Aachen, von wo er sich für weni­ge Wochen zurück nach Dier­dorf abmel­de­te. Dort blieb er aber nur kurz, um Ende des Monats nach Düs­sel­dorf zu gehen. Wann er von dort nach Hol­land emi­grier­te, ist nicht bekannt. Am 23. April 1936 stell­te sein Vater den Antrag, sei­nem Sohn die Rück­kehr nach Deutsch­land zu erlau­ben, was aber am 12. Juni von der Gesta­po abge­lehnt wur­de.[31]

Eugen Seligmann
Gesta­po-Kar­tei­kar­te aus Koblenz für Eugen Selig­mann
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Statt­des­sen wur­de Sieg­fried Selig­mann am 30. April 1936 von der Devi­sen­stel­le erlaubt, sei­nem Sohn „ohne mei­ne beson­de­re Geneh­mi­gung“ monat­lich 10 RM nach Hol­land zu über­wei­sen. Wo genau die­ser sich damals befand, geht aus der Beschei­ni­gung des Finanz­amts Neu­wied vom 22. August 1936, laut der der „in Hol­land als Land­hel­fer täti­ge Eugen Selig­mann“ kei­ne Steu­er­rück­stän­de habe, nicht her­vor. Auch wenn es dafür kei­nen Beleg gibt, so liegt doch die Ver­mu­tung nahe, dass sich Eugen damals in einem hol­län­di­schen Camp der zio­nis­ti­schen Bewe­gung auf sei­ne spä­ter auch rea­li­sier­te Ali­ja nach Paläs­ti­na vorbereitete.

Joseph Liberles
Dr. Joseph Liber­les
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Ver­lo­bungs- und Hei­rats­an­zei­ge von Ilse Selig­mann und Joseph Liber­les
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Eben­so war die Toch­ter Ilse inzwi­schen von Dier­dorf weg­ge­zo­gen und hat­te sich am 30. Dezem­ber 1934 in Lud­wigs­ha­fen mit Joseph Liber­les ver­lobt.[32] Die Trau­ungs­fei­er fand ein hal­bes Jahr spä­ter, am 14. Juli 1935, in Mann­heim in den Räu­men der Lamay Loge statt.[33] Ihr Ehe­mann stamm­te ursprüng­lich aus dem bei Karls­ru­he gele­ge­nen Gröt­zin­gen, wo er am 8. Janu­ar 1903 gebo­ren wor­den war. Sein 1918 ver­stor­be­ner Vater Abra­ham Liber­les, Sohn des frü­he­ren Bezirks­rab­bi­ners S. Liber­les, war in der Gemein­de ein hoch­ge­ach­te­ter Leh­rer, der auch als Vor­be­ter und Scho­ch­et über 32 Jah­re sei­nen Dienst getan hat­te.[34] Josephs Mut­ter Hele­ne Liber­les, gebo­re­ne Kahn, die am 3. Juni 1868 in Main­stock­heim zur Welt gekom­men war und zuletzt als Wit­we in Frank­furt leb­te, gehört zu den Opfern des Holocaust.
Joseph Liber­les war damals, ganz in der Tra­di­ti­on der Fami­lie, seit 1931 als Kan­tor und Pre­di­ger der jüdi­schen Gemein­de von Lud­wigs­ha­fen tätig. In einer Mel­dung der ‚Bay­ri­schen Israe­li­ti­schen Gemein­de­zei­tung’ vom 15. August 1936 heißt es dann: „Nach nahe­zu fünf­jäh­ri­ger Amts­tä­tig­keit in unse­rer Gemein­de nahm Ober­kan­tor Liber­les in stark besuch­tem Frei­tag-Abend­got­tes­dienst Abschied, um nach Ame­ri­ka aus­zu­wan­dern. Prof. Kobur­ger als Vor­sit­zen­der des Syn­ago­gen­rats, Dr. Ste­ckel­ma­cher als Rab­bi­ner der Gemein­de und der Schei­den­de spra­chen ein­drucks­vol­le Wor­te des Abschieds. Möge Herrn Liber­les eine ihn befrie­di­gen­de Zukunft beschie­den sein!“[35]

Bis sich dann für das Paar tat­säch­lich die Mög­lich­keit ergab, nach Ame­ri­ka zu emi­grie­ren, ver­gin­gen noch zwei Jah­re. Am 6. August 1938 wur­den Joseph und Ilse Liber­les auf dem Schiff ‚Sta­ten­dam’ als Pas­sa­gie­re für die Über­fahrt von Rot­ter­dam nach New York regis­triert.[36] Ver­mut­lich hat­ten sie die War­te­zeit noch in Lud­wigs­ha­fen ver­bracht, denn die Stadt ist als ihr letz­ter Wohn­ort auf der Pas­sa­gier­lis­te ange­ge­ben. Dort leb­te damals auch noch die ver­wit­we­te Mut­ter bzw. Schwie­ger­mut­ter Hele­ne Liber­les.[37]

Liberles
Über­fahrt des Ehe­paars Liber­les in die USA im Som­mer 1938
https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​7​4​8​8​/​r​e​c​o​r​d​s​/​2​2​8​3​7​962

Nach der Geschäfts­auf­ga­be waren Sieg­fried und Hen­ny Selig­mann noch im Novem­ber nach Wies­ba­den gezo­gen, wo sie zunächst kurz­fris­tig eine Woh­nung in der Gus­tav-Frey­tag-Str. 4 fan­den,[38] einem Haus, das dem jüdi­schen Kauf­mann Gold­schmidt gehör­te und in dem 1935 laut Jüdi­schem Adress­buch schon drei jüdi­sche Miet­par­tei­en wohnten.

Fritz-Kalle-Str. 14
Das Dop­pel­haus Fritz-Kal­le-Str. 12–14. Die rech­ten Hälf­te, die Selig­manns gehör­te, zeigt noch die Spu­ren der Kriegs­be­schä­di­gung
Eige­ne Aufnahme

Aber schon mit Datum 1. Novem­ber 1936 hat­ten sie ein eige­nes Haus in der Fritz-Kal­le-Str. 14, Bau­jahr 1912, erwor­ben, das aber vor dem Ein­zug zunächst hat­te reno­viert wer­den muss­te. Eigent­lich han­del­te es sich um ein mehr­stö­cki­ges Dop­pel­haus, des­sen rech­te Hälf­te Selig­manns gehör­te. Im ers­ten Stock bewohn­te das Paar dort selbst eine 3‑Zim­mer-Woh­nung, ande­re Woh­nun­gen waren ver­mie­tet und erbrach­ten Ein­nah­men von rund 2.500 RM  im Jahr.[39] Zusam­men mit den Ein­nah­men aus dem ver­pach­te­ten Wohn- und Geschäfts­haus in Dier­dorf konn­te das Ehe­paar so zwar im Jahr 6.000 RM an Mie­ten bzw. Pacht ein­zie­hen, hat­te aber auch Kos­ten, die mehr als die Hälf­te der Ein­nah­men aus­mach­ten. Das Haus in Wies­ba­den war offen­bar mit noch vor­han­de­nen Ver­mö­gens­wer­ten bezahlt wor­den, denn Schuld­zin­sen sind in der Kos­ten­auf­stel­lung des Jah­res 1937 nicht aufgeführt.
Wenn Selig­manns 1936 in Wies­ba­den noch ein Haus kauf­ten, dann müs­sen sie trotz aller gegen­tei­li­gen Erfah­run­gen davon aus­ge­gan­gen sein, dass es nicht noch schlim­mer kom­men wür­de und sie in der Stadt einen zumin­dest rela­ti­ven Schutz wür­den genie­ßen kön­nen. Es war auch die Zeit, in der sich Deutsch­land auf die Olym­pia­de vor­be­rei­te­te und die Angrif­fe auf die jüdi­sche Bevöl­ke­rung kurz­fris­tig zumin­dest teil­wei­se ein­ge­stellt wur­den, um sich das Image einer fried­lie­ben­den und gast­freund­li­chen Nati­on zu geben. Die­se Pha­se währ­te jedoch nur kurz.

Bald nach­dem Eugens Schwes­ter Ilse mit ihrem Mann Joseph in Ame­ri­ka ange­kom­men war, konn­te auch Hans, der jüngs­te der Geschwis­ter, sei­ne Emi­gra­ti­on aus Deutsch­land betrei­ben. Er war das ein­zi­ge der Kin­der, das mit den Eltern nach Wies­ba­den gekom­men war und laut Mel­de­bo­gen vom 28. Novem­ber 1936 zunächst mit ihnen im Haus in der Fritz-Kal­le-Stra­ße wohn­te.[40] Sogar auf der Ummel­dung der Eltern im Febru­ar 1939 in die Lortzingstr. 7 ist er noch auf­ge­führt.[41] Nach eige­nen Anga­ben hat­te er, nach­dem die Eltern das Geschäft in Dier­dorf ver­pach­tet hat­ten, kei­ne Arbeit mehr gefun­den. Allein die­se per­spek­tiv­lo­se Situa­ti­on wird ihn ver­an­lasst haben, sich um ein Visum für die USA zu küm­mern. Am 15. März 1939 erhielt er vom ame­ri­ka­ni­schen Kon­su­lat den ersehn­ten Stem­pel, der ihm die Ein­rei­se in die USA ermög­lich­te.[42]

Hans SeligmannHans Seligmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Rei­se­pass von Hans Selig­mann mit dem ersehn­ten Stem­pel der ame­ri­ka­ni­schen Botschaft
HHStAW 518 59831 (18)

Hans Seligmann
Ein­bür­ge­rungs­an­trag von Hans Selig­mann mit Anga­ben zu sei­ner Frau
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Der inzwi­schen 26-Jäh­ri­ge konn­te schon am 1. April des Jah­res in Rot­ter­dam die „Zaan­dam“ der ‚Hol­land – Ame­ri­ka – Linie’ bestei­gen, um die Fahrt in die Frei­heit anzu­tre­ten.[43] Ein Lift mit sei­nem Umzugs­gut, haupt­säch­lich Möbel und Klei­dung, wur­de jedoch erst wesent­lich spä­ter von Wies­ba­den zur Ver­schif­fung nach Hol­land gebracht. Wegen des inzwi­schen aus­ge­bro­che­nen Krie­ges muss­te er mit einer ande­ren Fracht­ge­sell­schaft als ursprüng­lich geplant nach Ame­ri­ka trans­por­tiert wer­den, was einen neu­en Ver­trag und zusätz­li­che Kos­ten ver­ur­sach­te. Immer­hin fand Hans nach etwa einem hal­ben Jahr in den USA Arbeit. Auch wenn der Ver­dienst als Sales­man in einem Depart­ment­sto­re mit 15 Dol­lar in der Woche zunächst rela­tiv beschei­den war, konn­te er sich selbst ernäh­ren, zumal sich sein Ein­kom­men in den fol­gen­den Jah­ren all­mäh­lich stei­ger­te.[44] Woh­nen konn­te er bei der Fami­lie sei­ner Schwes­ter in Lynn in Mas­sa­chu­setts.[45] Dort muss er auch sei­ne dort am 22. Sep­tem­ber 1915 gebo­re­ne zukünf­ti­ge Frau Sel­ma Green­berg ken­nen­ge­lernt haben, die er dort am 16. Juni 1944 hei­ra­te­te.[46] Am Ende des Jahr­zehnts wur­de ihnen der Sohn Ste­phen gebo­ren, wie dem Zen­sus von 1950 zu ent­neh­men ist.[47]

 

Zuletzt hat­ten sich auch die Eltern von Hans, Eugen und Ilse ent­schlos­sen, Deutsch­land zu ver­las­sen. Als sie die­se Ent­schei­dung 1938 ver­mut­lich im Zusam­men­hang mit den Novem­ber­er­eig­nis­sen tra­fen, war es ver­mut­lich wegen der vie­len büro­kra­ti­schen Hür­den aller­dings bereits zu spät und sie konn­ten dem Tod nicht mehr ent­kom­men. Nicht völ­lig klar ist zudem, ob die Ent­schei­dung frei­wil­lig oder unter Druck geschah. Grund für die­se Unklar­heit ist die Fra­ge, ob Sieg­fried Selig­mann im Rah­men der Reichs­po­grom­nacht auch selbst in Buchen­wald, wie vie­le ande­re Wies­ba­de­ner Juden, inhaf­tiert wurde.

Im dor­ti­gen Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger wur­den damals meh­re­re Häft­lin­ge mit dem Namen Sieg­fried Selig­mann fest­ge­hal­ten. Bei kei­nem von ihnen stim­men aber Geburts­ort oder Geburts­tag mit dem aus Wies­ba­den gekom­me­nen Sieg­fried Selig­mann über­ein. Aller­dings gibt es noch einen wei­te­ren Sieg­fried Selig­mann, von dem aber nur die Häft­lings­num­mer 23583 auf sei­ner Kar­tei­kar­te notiert ist. Auf die Nach­fra­ge im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren über mög­li­che Haft­zei­ten von Sieg­fried Selig­mann ver­wies das ITS /​ Rote Kreuz auf die­sen Gefan­ge­nen. Und schrieb, dass die­ser vom 11. Novem­ber bis zum 2. Dezem­ber 1938 in Buchen­wald inhaf­tiert war. Wei­te­re Daten zur Iden­ti­fi­zie­rung konn­te aber das Rote Kreuz nicht lie­fern, wes­halb aus­drück­lich ange­merkt wur­de, dass man „infol­ge unvoll­stän­di­ger Per­so­nal­an­ga­ben lei­der nicht ent­schei­den kön­ne, ob unse­re letz­tan­ge­führ­te Infor­ma­ti­on den von Ihnen genann­ten Herrn Sieg­fried Selig­mann betrifft.“[48]

Zwei wei­te­re Doku­men­te des Gefan­ge­nen mit die­ser Häft­lings­num­mer sind in Arol­sen archi­viert. Zum einen eine Lis­te der Ver­än­de­rungs­mel­dun­gen für den Zeit­raum zwi­schen dem 26. Novem­ber und dem 2. Dezem­ber 1938. Dem­nach war der besag­te Gefan­ge­ne am 2. Dezem­ber aus Buchen­wald wie­der ent­las­sen wor­den. Genau an die­sem Tag waren laut Geld­ver­wal­tungs­bo­gen 15 RM auf das Kon­to die­ses Gefan­ge­nen ein­ge­trof­fen, ver­mut­lich von sei­ner Frau für die Kos­ten der Rück­fahrt. Aus­ge­bucht wur­de das Geld aber erst am 15. Okto­ber 1940, nor­ma­ler­wei­se bei der Ent­las­sung. In die­sem Fall wird das Geld aber, viel­leicht weil es erst ein­traf, als Sieg­fried Selig­mann das Lager bereits kurz zuvor ver­las­sen hat­te, nach dem lan­gen Zeit­raum ver­mut­lich von der SS selbst ver­ein­nahmt. Auch wenn nicht mit letz­ter Sicher­heit gesagt wer­den kann, ob es sich bei dem Gefan­ge­nen mit der Num­mer 23583 um Sieg­fried Selig­mann han­del­te, so ist die Wahr­schein­lich­keit den­noch sehr groß. Im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren wur­de jeden­falls die Iden­ti­tät ange­nom­men und die Haft­zeit in Buchen­wald ent­schä­digt.[49]
Wie auch sonst häu­fig gesche­hen, könn­te sei­ne Ent­las­sung mit der Auf­la­ge ver­bun­den gewe­sen sein, Deutsch­land so schnell wie mög­lich zu ver­las­sen. Das wür­de erklä­ren, wie­so es schon in der ers­ten Dezem­ber­hälf­te 1939 zu Ver­kaufs­ver­hand­lun­gen über die Immo­bi­li­en der Selig­manns kam. Unab­hän­gig von einer sol­chen Auf­la­ge wer­den die Ereig­nis­se in die­sen Novem­ber­ta­gen ohne­hin aus­ge­reicht haben, um die Emi­gra­ti­on in die USA zu ihren Kin­dern durch kon­kre­te Beschlüs­se und Hand­lun­gen vor­an­zu­trei­ben.[50]

Die bei­den Häu­ser waren für die Aus­rei­se­wil­li­gen zum Bal­last gewor­den, von dem man sich mög­lichst schnell tren­nen woll­te. Hin­zu kam ein wei­te­rer Aspekt: Zwar konn­te man zu die­sem Zeit­punkt noch nicht wis­sen, wel­chen Anteil jeder Ein­zel­ne an der „Kon­tri­bu­ti­on von 1 000 000 RM Süh­ne­leis­tung“, die Göring am 12. Novem­ber 1938 im Reichs­tag den deut­schen Juden auf­er­leg­te, zu tra­gen haben wür­de, aber klar war, dass Selig­manns für die­se Son­der­steu­er zumin­dest einen Teil ihres in Immo­bi­li­en fest­ge­leg­ten Ver­mö­gens wür­den flüs­sig machen müssen.

Schon am 8. und am 12. Dezem­ber 1938 kam es daher durch den Notar Muge­le zu Ver­trä­gen über den Ver­kauf der bei­den Häu­ser in der Wies­ba­de­ner Fritz-Kal­le-Str. 14 und in der Dier­dor­fer Adolf-Hit­ler-Str. 94.[51]

Das Haus in Dier­dorf woll­te der bis­he­ri­ge Päch­ter Blan­ken­stein laut Ver­trag für 16.000 RM erwer­ben. Aller­dings hat­te das Finanz­amt Neu­wied am 3. Dezem­ber 1938 den bis­he­ri­gen Ein­heits­wert des Haus­grund­stücks aus dem Jahr 1935 über­prüft und von 17.200 RM auf 38.500 RM ange­ho­ben.[52] Der Ver­kaufs­preis lag somit um mehr als die Hälf­te unter dem Ein­heits­wert, was eigent­lich nicht den Vor­schrif­ten ent­sprach. Den­noch wur­de die­ser Ver­trag offen­bar ohne Ein­wen­dun­gen geneh­migt. Hans Selig­mann gab im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren spä­ter zu Pro­to­koll, sei­ne Eltern sei­en von Wal­ter Blan­ken­stein zu dem Ver­kauf gezwun­gen wor­den.[53] Im Rück­erstat­tungs­ver­fah­ren kam es zu einem Ver­gleich, laut dem die Fir­ma ‚Wal­ter Blan­ken­stein u. Co. KG’ den Erben von Sieg­fried und Hen­ny Selig­mann 1.600 DM zu zah­len habe.[54]

Pro­ble­me berei­te­te aber der Ver­kauf des Wies­ba­de­ner Hau­ses, des­sen Ein­heits­wert 1935 mit 18.000 RM ange­setzt wor­den war. 1939 wur­de er dann auf 22.000 RM ange­ho­ben.[55] Im Kauf­ver­trag mit dem Wies­ba­de­ner Kauf­mann­s­ehe­paar Erich und Augus­te Lopau hat­te man sich unter Vor­be­halt der behörd­li­chen Geneh­mi­gung aber auf einen Kauf­preis von 27.000 RM geei­nigt.[56] Der Ver­trag wur­de jedoch vom Regie­rungs­prä­si­den­ten erst geneh­migt, nach­dem der Kauf­preis auf 23.000 RM her­un­ter­ge­setzt wor­den war.[57] Wer hier inter­ve­niert hat­te, ist nicht bekannt. Die Sum­me muss­te wie üblich auf ein gesi­cher­tes Kon­to bei einer Devi­sen­bank ein­ge­zahlt wer­den, stand Selig­manns somit nur mit Zustim­mung der Devi­sen­stel­le in Frank­furt im Rah­men ihres Frei­be­trags zur Ver­fü­gung.[58]

Der Ver­kauf zu den neu­en Bedin­gun­gen muss Anfang März 1939 geneh­migt wor­den sein, denn in einem Schrei­ben von Sieg­fried Selig­mann an das Finanz­amt Wies­ba­den vom 11. März 1939 bat die­ser um eine kurz­fris­ti­ge Stun­dung der fäl­li­gen Ein­kom­men­steu­er. Der Ver­kauf sei­nes Hau­ses sei geneh­migt wor­den und er wer­de „als­dann sofort (sei­ne) Steu­er­rück­stän­de zah­len.“[59]

Nur weni­ge Tage spä­ter stell­te der Haus­ver­wal­ter Heinz­mann bei der Devi­sen­stel­le den Antrag, man möge Sieg­fried Selig­mann 4.000 RM des Ver­kaufs­be­trags für Aus­wan­de­rungs­zwe­cke – Zah­lung der Dego-Abga­be, Schiffs­kar­ten, Lift usw. – frei­ge­ben, was auch geneh­migt wur­de.[60] Offen­bar waren die Pla­nun­gen für die Aus­rei­se damals schon recht weit gediehen.
Aber noch galt es, die War­te­zeit zu über­brü­cken. Über die Dresd­ner Bank bat er des­halb im Mai um einen monat­li­chen Frei­be­trag von 1.000 RM für sei­nen Lebens­un­ter­halt. Auch die­se Bit­te wur­de posi­tiv beschie­den. [61]

Die Über­ga­be der Immo­bi­lie soll­te ursprüng­lich zum 1. Janu­ar 1939 erfol­gen, hat­te sich aber offen­bar durch das Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren ver­zö­gert. Aller­dings noch vor des­sen Abschluss war die damals noch drei­köp­fi­ge Fami­lie Selig­mann am 3. Febru­ar in das Haus Lortzingstr. 7 ver­zo­gen, das zu die­sem Zeit­punkt noch kein Juden­haus war.[62] Und Hans ver­ließ das Haus schon nach weni­gen Wochen, bevor es zu einem sol­chen wur­de. Um eine Zwangs­ein­wei­sung han­del­te es sich in jedem Fall damals noch nicht, wenn­gleich nicht aus­ge­schlos­sen ist, dass die Ver­mitt­lung der Woh­nung durch das städ­ti­sche Woh­nungs­amt oder die Jüdi­sche Gemein­de zustan­de gekom­men war. Viel­leicht hat­te Sieg­fried Selig­mann aber die Miet­ver­ein­ba­rung noch mit der jüdi­schen Eigen­tü­me­rin Sophia Gins­burg, die seit etwa 1935 nach Frank­reich geflüch­tet war, selbst tref­fen kön­nen. Spä­ter konn­te der Ver­wal­ter Th. Beck­haus über das schö­ne Haus rela­tiv frei ver­fü­gen, da deren dor­ti­ge Adres­se den Behör­den in Wies­ba­den nicht bekannt war und es auch kei­nen Hin­weis dar­auf gibt, dass der Haus­ver­wal­ter noch län­ger mit ihr in Kon­takt stand. Zumin­dest sind die ver­schie­de­nen Auf­ent­halts­or­te der in Frank­reich ver­streu­ten Fami­lie Gins­burg nur noch punk­tu­ell zu rekonstruieren.

Seligmann
Umzug der Fami­lie Selig­mann in das spä­te­re Juden­haus Lortzingstr. 7
HHStAW 685 705a (60)

Ver­mut­lich hat­ten Selig­manns sogar die frü­he­re Woh­nung der Eigen­tü­me­rin bezie­hen kön­nen. Die­se lag im ers­ten Stock und ihre Grö­ße betrug etwa 160 qm, wie aus spä­te­ren Kos­ten­auf­stel­lun­gen der Mie­ter her­vor­geht.[63] Ange­sichts der Aus­wan­de­rungs­plä­ne han­del­te es sich somit um eine recht kom­for­ta­ble Zwi­schen­lö­sung. Aber eine sol­che blieb es nicht. Bis in den Juni 1942 bewohn­ten sie die Räu­me, aller­dings muss­ten sie spä­ter einen gro­ßen Teil davon abtreten.

Zunächst wur­den Selig­manns von den Nazis zur soge­nann­ten Süh­ne­leis­tung für die in der Pogrom­nacht ange­rich­te­ten Schä­den her­an­ge­zo­gen. In der im Som­mer 1938 von allen Juden gefor­der­ten Ver­mö­gens­auf­stel­lung zum Stand 27. April 1938 besaß das Ehe­paar neben einer Wie­se in Dier­dorf im Wert von 320 RM noch die bei­den Immo­bi­li­en, für die noch der dama­li­ge Ein­heits­wert von 26.000 bzw. 28.000 RM ange­ge­ben war. Zwei Hypo­the­ken über rund 2.000 RM, jeweils mit 4 Pro­zent ver­zinst, waren zum einen an einen Schuld­ner in Stutt­gart und zum ande­ren an die Käu­fer Blan­ken­steins des Geschäfts­hau­ses in Dier­dorf ver­ge­ben. Einen klei­nen Betrag von 200 RM hat­ten sie dem Ver­wand­ten Adolf Selig­mann in Bocken­heim bei Worms gelie­hen.[64] Etwa 3.500 RM lagen auf dem Kon­to, sodass sich dar­aus ins­ge­samt ein Ver­mö­gen von etwa 62.000 RM ergab.[65]
Die Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be soll­te, so die For­de­rung des Finanz­amts, von jedem Ehe­part­ner getrennt nach dem Anteil am gemein­sa­men Ver­mö­gen, das sich inzwi­schen bereits ver­min­dert hat­te, gezahlt wer­den. Sieg­fried Selig­mann soll­te bei einem Anteil von 31.000 RM ins­ge­samt 6.200 RM, sei­ne Frau mit 26.000 RM  betei­ligt 5.200 RM auf­brin­gen, jeweils zu zah­len in vier Raten.[66] Bei­de leg­ten gegen die For­de­rung Wider­spruch ein, weil zum einen ihr Ver­mö­gen inzwi­schen wei­ter geschrumpft und zum ande­ren der im Kauf­ver­trag ver­ein­bar­te Betrag für das Haus in Wies­ba­den bis­her nicht geneh­migt war.[67]
Im Mai 1939 kam es dann zu einer Neu­be­rech­nung der „Süh­ne­leis­tung“, durch die sich die Abga­be­pflicht zumin­dest ein wenig redu­zier­te. Sieg­fried Selig­mann soll­te jetzt statt der 6.200 RM „nur“ noch 5.800 RM, sei­ne Frau Hen­ny 4.800 RM zah­len.[68] Im Novem­ber 1939 wur­de dann noch die zusätz­li­che 5. Rate über 1.450 RM bzw. 1.200 RM fäl­lig.[69] Ins­ge­samt hat­te der Fis­kus die Selig­manns auf die­se Wei­se um 26.500 RM gebracht. Im Dezem­ber 1940 bat er die Finanz­be­hör­de dar­um, sei­ne fäl­li­ge Ver­mö­gens­steu­er neu zu berech­nen, da er seit Anfang des Jah­res mehr als ein Fünf­tel sei­nes Ver­mö­gens ver­lo­ren habe: Statt 17.700 RM besä­ße er nur noch knapp 11.000 RM. In der Auf­stel­lung ist auch ein Betrag von 98 RM für Aus­wan­de­rungs­kos­ten ange­führt.[70] Noch immer war es nicht gelun­gen, die Aus­wan­de­rungs­plä­ne zu rea­li­sie­ren, und die Chan­cen dazu schwan­den mit dem Aus­bruch des Krie­ges erheblich.

Am 8. Mai 1940 frag­te dann die Devi­sen­stel­le an, die mit den Aus­wan­de­run­gen befasst war, ob die Ehe­leu­te noch immer in der Lortzingstr. 7 gemel­det oder wohin sie zur Abmel­dung gelangt sei­en? Die Wies­ba­de­ner Poli­zei­be­hör­de bestä­tig­te, dass sie noch immer dort woh­nen wür­den, wor­auf­hin die Behör­de den bis­her gewähr­ten Frei­be­trag auf die übli­chen 300 RM redu­zier­te. Die Bit­te, den Betrag wenigs­tens wie­der auf 410 RM zu erhö­hen, beant­wor­te­te sie im Juni 1940 mit der For­de­rung, eine aktu­el­le Ver­mö­gens­er­klä­rung und eine Auf­stel­lung über die aktu­el­len Lebens­hal­tungs­kos­ten abzu­ge­ben. Das Ver­mö­gen der Selig­manns betrug damals noch 13.000 RM und die Kos­ten­auf­stel­lung ergab exakt die gefor­der­te Sum­me von 410 RM.[71]
Auch stell­te Sieg­fried Selig­mann mehr­fach Anträ­ge, um Ver­wand­te und Bekann­te mit klei­nen Beträ­gen finan­zi­ell zu unter­stüt­zen, dar­un­ter auch Frau Hele­ne Liber­les, die Schwie­ger­mut­ter sei­ner Toch­ter Ilse, die inzwi­schen in Frank­furt im Jüdi­schen Alters­heim in der Gagern­stra­ße unter­ge­bracht war.[72] Sie wur­de von dort aus am 3. Juni 1942 nach The­re­si­en­stadt depor­tiert, wo sie nach Aus­sa­ge eines Rab­bi­ner Neu­haus, der selbst über­leb­te, am 22. Juli 1944 ver­hun­gert sein soll. Er selbst will die Beer­di­gungs­ze­re­mo­nie voll­zo­gen haben. In der Opfer­da­ten­bank von The­re­si­en­stadt ist aller­dings fest­ge­hal­ten, dass sie am 26. Sep­tem­ber 1942 von The­re­si­en­stadt mit dem Trans­port ‚Br’ nach Treb­linka ver­bracht und dort ermor­det wur­de.[73]

Seligmann
Fest­le­gung der Reichs­flucht­steu­er
HHStAW 519/​3 6658 (18)

Wie sehr sich Sieg­fried Selig­mann wei­ter­hin um die Aus­rei­se bemüh­te, bele­gen die Bit­ten um wei­te­re 300 RM bzw. 500 RM zur Zah­lung von Hotel­kos­ten und Kon­su­lats­ge­büh­ren im Juli 1940 und dann erneut im Janu­ar und Febru­ar 1941.[74] Und tat­säch­lich schie­nen im Febru­ar 1941 zumin­dest auf deut­scher Sei­te kei­ne wei­te­ren Hemm­nis­se für die Aus­rei­se mehr zu bestehen. Am 22. Febru­ar 1941 setz­te das Finanz­amt Wies­ba­den die fäl­li­ge Reichs­flucht­steu­er auf rund 2.500 RM fest.[75] Zwei Tage spä­ter, am 24. Febru­ar, war die Sum­me gezahlt und die steu­er­li­che Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung erteilt wor­den. Am 27. Febru­ar reich­ten Selig­manns bei der Devi­sen­stel­le ihren Antrag auf Mit­nah­me des Umzugs­guts ein. Auf dem Antrag ist ver­merkt, dass sie beab­sich­tig­ten, zu ihren Kin­dern nach Lynn in Mas­sa­chu­setts zu gehen, wo Sieg­fried Selig­mann sei­nen Lebens­un­ter­halt als Deko­ra­teur ver­die­nen woll­te.[76]

Seligmann
Sieg­fried Selig­mann bit­tet um die Frei­ga­be von 300 RM für Aus­wan­de­rungs­kos­ten
HHStAW 519/​3 6658 (25)

Dann schei­ter­te die für den 15. März geplan­te Emi­gra­ti­on jedoch noch in der letz­ten Minu­te, wie aus einem Schrei­ben von Sieg­fried Selig­mann vom 5. April 1941 an die Devi­sen­stel­le hervorgeht:
“Hier­mit bit­te ich höfl. um Geneh­mi­gung von RM 300,- zu Aus­wan­de­rungs­kos­ten, da ich am 4. März d. J. mein Visum ver­wei­gert bekam, habe beson­ders gro­ße Aus­ga­ben für Tele­gram­me etc..“[77]

Am 26. Juli 1941, also ein Vier­tel­jahr nach der geplan­ten Aus­rei­se, wur­de Sieg­fried Selig­manns mit­ge­teilt, dass die Lis­ten mit dem Umzugs­gut ungül­tig gewor­den sei­en. Zum einen sei die gefor­der­te Dego-Abga­be für neu­wer­ti­ge Güter nicht gezahlt wor­den, zum ande­ren hät­ten sich inzwi­schen die Bestim­mun­gen über den Umfang des Umzugs­guts geän­dert.[78]

Noch im sel­ben Monat unter­nahm Sieg­fried Selig­mann einen wei­te­ren, aber wie­der­um ver­geb­li­chen Ver­such, noch aus Deutsch­land her­aus­zu­kom­men. Erneut reich­te er am 2. Novem­ber eine Lis­te mit den Gütern ein, die er mit­zu­neh­men gedach­te. Weil nur noch Umzugs­gut von einer Ton­ne erlaubt war, muss­te die gesam­te Lis­te neu geneh­migt wer­den. Beson­ders bat er dar­um, sei­ne eigens ange­fer­tig­ten ortho­pä­di­schen Schu­he mit­neh­men zu dür­fen, auf die er wegen sei­nes ver­kürz­ten Bei­nes unbe­dingt ange­wie­sen sei.[79] Bei die­sem neu­en Ver­such hat­te er Kuba und nicht mehr die USA als Ziel ange­ge­ben.[80] Ob er dafür die not­wen­di­gen Ein­rei­se­ge­neh­mi­gun­gen bzw. Tran­sit­vi­sa besaß, ist nicht bekannt. In jedem Fall haben Sieg­fried und Hen­ny Selig­mann die Rei­se nie antre­ten kön­nen.[81]

Seligmann
Die geschei­ter­te Flucht
HHStAW 519/​3 25966 (40)

In einem Ver­merk der Devi­sen­stel­le vom 4. Febru­ar 1942, zu einem Zeit­punkt, als die Züge schon in den Osten roll­ten, heißt es dann:
„Wegen der Unge­wiß­heit für jüd. Antrag­stel­ler, in abseh­ba­rer Zeit ein Aus­rei­se­sicht­ver­merk zu erhal­ten, habe ich den A’stellern ihren Antrag vom 2.11.41 durch die Jüd. Gem. zurück­ge­ben las­sen.“[82]
Damit war das Schick­sal von Sieg­fried und Hen­ny Selig­mann end­gül­tig besiegelt.

Zuvor, am 26. Janu­ar 1942, war der Frei­be­trag für das Ehe­paar auf 360 RM her­ab­ge­setzt wor­den.[83] Auf ihrem letz­ten Aus­rei­se­an­trag hat­ten sie ange­ge­ben, dass sie noch über ein Ver­mö­gen von 3.400 RM ver­fü­gen wür­den.[84] Das Geld hät­te somit für nicht ein­mal ein Jahr mehr gereicht.

Sieg­fried Selig­mann als Unter­ver­mie­ter im Juden­haus Lortzingstr. 7
HHStAW 685 705a (80)

Schon frü­her hat­ten Selig­manns einen Teil, genau­er 88 qm, d.h. die Hälf­te ihrer gro­ßen Woh­nung, wohl aus Kos­ten­grün­den unter­ver­mie­tet bzw. waren dazu gezwun­gen wor­den, wei­te­re jüdi­sche Bewoh­ner auf­zu­neh­men.[85] Bei den Unter­mie­tern, die laut ihrer Gestapo­kar­tei­kar­te am 8. Okto­ber 1941 im ers­ten Stock bei Selig­manns ein­ge­zo­gen waren, han­del­te es sich um das Ehe­paar Lil­ly und Theo­bald Hirsch­kind.[86] Am 2. Febru­ar 1942 hat­te Sieg­fried Selig­mann die­sen mit­ge­teilt, dass er die Mie­te nur noch über das gesi­cher­te Kon­to ein­zie­hen dür­fe, was er bis­her ver­mut­lich nicht gemacht hat­te. Am 21. Febru­ar 1942 bat er dann die Devi­sen­stel­le um Erhö­hung sei­nes Frei­be­trags um 160 RM, weil er ein Zim­mer, möbliert, an zwei Per­so­nen unter­ver­mie­tet habe – ver­mut­lich zu die­sem Betrag. Die Behör­de lehn­te die Erhö­hung des Frei­be­trags ab, erlaub­te aber, die Mie­te in bar ent­ge­gen­zu­neh­men. Zugleich for­der­te sie von Sieg­fried Selig­mann erneut eine Auf­stel­lung sei­ner Lebens­hal­tungs­kos­ten.[87] Die auf­ge­führ­ten Kos­ten belie­fen sich zwar auf 360 RM, wur­den aber von der Devi­sen­stel­le zusam­men­ge­stri­chen und der Frei­be­trag auf 270 RM neu fest­ge­legt.[88]
Das Ehe­paar Hirsch­kind waren nicht die ein­zi­gen Mie­ter in der ers­ten Eta­ge des Hau­ses. Schon ein hal­bes Jahr nach dem Ein­zug der Selig­manns im Febru­ar 1939 war am 5. Sep­tem­ber der frü­he­re Zahn­arzt Wil­helm Ham­mer­schmidt dort ein­ge­zo­gen. Unbe­kannt ist aber, ob er dort eine eige­ne, abge­schlos­se­ne Woh­nung hat­te oder schon damals in Unter­mie­te bei Selig­manns leb­te. Für Letz­te­res gibt es aller­dings kei­nen Hin­weis.[89] Er blieb in dem Haus bis in den Juli 1942. Erst dann zog er, für die weni­gen Wochen, die ihm noch in Wies­ba­den blie­ben, in das Juden­haus Kai­ser-Fried­rich-Ring 43 zu sei­nen Geschwis­tern, von wo er am 1. Sep­tem­ber 1942 nach The­re­si­en­stadt depor­tiert und ein hal­bes Jahr spä­ter ermor­det wur­de. In sei­ne Woh­nung waren dann am 1. Juli 1942 die bei­den ver­wit­we­ten Schwes­tern Johan­na Herz und Ama­lie Hirsch, bei­de gebo­re­ne Bal­lin, in den ers­ten Stock eingezogen.
Sieg­fried und Hen­ny Selig­mann wur­den bereits am 10. Juni 1942 mit dem Trans­port, der eigent­lich pri­mär jün­ge­re und arbeits­fä­hi­ge Jüdin­nen und Juden in den Osten brin­gen soll­te, depor­tiert. Der Zug mit der Bezeich­nung „Da 18“, der end­gül­tig erst in Frank­furt zusam­men­ge­stellt wur­de, brach­te am fol­gen­den Mor­gen von der Sam­mel­stel­le in der Groß­markt­hal­le etwa 1250 Men­schen aus dem gesam­ten Regie­rungs­be­zirk Wies­ba­den, dar­un­ter 371 aus Wies­ba­den selbst, zunächst nach Lub­lin, wo tat­säch­lich eine grö­ße­re Grup­pe Män­ner nach Maj­da­nek geschickt wur­de, um dort beim Auf­bau des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers zu hel­fen. Kei­ner der nach Maj­da­nek abge­ord­ne­ten Gefan­ge­nen über­leb­te den dor­ti­gen Ein­satz. Laut Gedenk­buch des Bun­des­ar­chivs Koblenz gehör­te auch Sieg­fried Selig­mann zu den damals selek­tier­ten Arbeits­kräf­ten, was umso erstaun­li­cher ist, als er durch sein ver­kürz­tes Bein beein­träch­tigt und auch schon älter als sech­zig Jah­re alt war.[90] Völ­lig unwahr­schein­lich ist aber, dass auch sei­ne noch älte­re Frau Hen­ny laut Bun­des­ar­chiv dort umge­kom­men sein könn­te. Immer­hin wird bei ihr auch Sobi­bor als mög­li­cher Ster­be­ort genannt. In der Daten­bank der Gefan­ge­nen und Opfer des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers Maj­da­nek und im Gedenk­buch für die Opfer von Maj­da­nek sind bei­de nicht auf­ge­führt,[91] und es spricht daher sehr viel dafür, dass sie gemein­sam von Lub­lin wei­ter in das Ver­nich­tungs­la­ger Sobi­bor fuh­ren, wo alle Insas­sen des Zuges bald nach der Ankunft in den von Die­sel­mo­to­ren begas­ten Kam­mern einen bar­ba­ri­schen Ersti­ckungs­tod erlei­den muss­ten.[92]

In Wies­ba­den wur­den vor ihrem ehe­ma­li­gen Haus in der Fritz-Kal­le-Str. 14 .im Jahr 2015 zwei Stol­per­stei­ne zu ihrem Andenken ver­legt. Auf bei­den ist als Ort ihres Todes Sobi­bor ein­gra­viert. Auf dem Namens­band der Wies­ba­de­ner Gedenk­stät­te am Michels­berg ist für bei­de dage­gen – ver­mut­lich falsch – Maj­da­nek als Ort ihres Todes angegeben.

Seligmann
‘Page of Tes­tim­o­ny’ für Sieg­fried Selig­mann
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Seligmann
‘Page of Tes­tim­o­ny’ für Hen­ri­et­te Selig­mann
https://​assets​.yad​vas​hem​.org/​i​m​a​g​e​/​u​p​l​o​a​d​/​t​_​f​_​i​m​a​g​e​/​f​_​a​u​t​o​/​v​1​/​r​e​m​o​t​e​_​m​e​d​i​a​/​a​r​c​h​1​_​y​a​d​v​a​s​h​e​m​/​2​8​0​3​0​8​2​7​_​2​5​7​_​5​9​2​0​/​1​1​1​.​j​p​g​?​_​a​=​B​A​K​A​A​C​DY0

Ihre Kin­der Hans und Ilse haben für ihre ermor­de­ten Eltern in Yad Vas­hem ‚Pages of Tes­tim­o­ny’ hin­ter­legt. Bei­de Fami­li­en leb­ten auch nach dem Ende des Krie­ges im ame­ri­ka-nischen Bun­des­staat Mas­sa­chu­setts. Hans Selig­mann ver­starb dort am 23. Mai 1997 in der Stadt Pea­bo­dy nörd­lich von Bos­ton, sei­ne Frau eben­falls dort am 2. Febru­ar 2005.[93]

In der Fami­lie von Ilse und Joseph Liber­les waren zwei Söh­ne gebo­ren wor­den, um 1939 Max und etwa zwei Jah­re spä­ter Micha­el.[94] Sie waren noch in Lynn in Mas­sa­chu­setts zur Welt gekom­men, wo die Fami­lie nach ihrer Emi­gra­ti­on sich zunächst nie­der­ge­las­sen hat­te.[95] 1951 war sie nach Chi­ca­go gezo­gen, wo Joseph seit 1955 eine Anstel­lung als Rab­bi im Tem­pel Ezra inne­hat­te. Er war damit zum 32sten Rab­bi in sei­ner Fami­lie gewor­den. Die not­wen­di­ge theo­lo­gi­sche Aus­bil­dung hat­te er bereits aus Deutsch­land mit­ge­bracht, wo er an einem hebräi­schen Semi­nar zum Leh­rer aus­ge­bil­det wor­den war. In den USA nahm er an der Uni­ver­si­tät in Bos­ton sei­ne frü­hen Stu­di­en wie­der auf und schloss sei­ne Aus­bil­dung 1945 mit einer Pro­mo­ti­on ab. Anschlie­ßend beklei­de­te er ver­schie­de­ne füh­ren­de Posi­tio­nen im Erzie­hungs­sek­tor der jüdi­schen Gemein­de von Salem, Mass., bis er 1951 einen Ruf nach Flo­ri­da erhielt, wo er vie­le Jah­re als Rab­bi in der Gemein­de Cape Coral tätig war. Am 24. Mai 1964 starb er plötz­lich wäh­rend einer von ihm zele­brier­ten Hoch­zeits­fei­er. Sei­ne Frau über­leb­te ihn um mehr als zwei Jahr­zehn­te. Sie ver­starb am 19. Janu­ar 1986.[96]

Wie bereits gesagt, ist nicht bekannt, wann Eugen Selig­mann sich von Hol­land aus nach Paläs­ti­na auf­mach­te, um dort in einem der Kib­bu­ze zu leben. Als er 1955 den Ent­schä­di­gungs­an­trag für sei­ne Mut­ter stell­te, leb­te er als Land­ar­bei­ter im Kib­buz Ain Harod /​ Ein Cha­rod, war ver­hei­ra­tet mit Char­lot­te Böhm, die am 5. August 1918 in Bres­lau gebo­ren wor­den war, und hat­te drei Kin­der im Alter von 16, 13 und 8 Jah­ren.[97]
Lei­der konn­te über das wei­te­re Schick­sal der Fami­lie nicht mehr in Erfah­rung gebracht werden.

 

Ver­öf­fent­licht: 11. 06. 2025

 

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Anmer­kun­gen:

[1] HHStAW 685 705a (60).

[2] https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​9​1​3​6​/​r​e​c​o​r​d​s​/​4​7​409. (Zugriff: 15.7.2025). Fälsch­li­cher­wei­se ist in einer nach dem Krieg von den Alli­ier­ten erstell­ten Lis­te sein Geburts­ort mit Ross­bach ange­ge­ben, sie­he https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​w​a​r​t​i​m​e​/​0​2​0​1​0​1​0​1​/​0​6​9​2​/​1​2​2​1​3​2​7​/​0​0​1​.​jpg, in einer ande­ren Lis­te ist dage­gen eben­falls falsch Ram­bach genannt, sie­he https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​w​a​r​t​i​m​e​/​0​2​0​1​0​1​0​1​/​0​6​9​2​/​1​2​2​1​2​4​5​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 15.7.2025).

[3] https://​www​.ale​man​nia​-judai​ca​.de/​d​i​e​r​d​o​r​f​_​s​y​n​a​g​o​g​e​.​htm. (Zugriff: 15.7.2025).

[4] Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf II, ID 0958 und 0912. Da die Anga­ben zu den Per­so­nen mit­tels einer Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer über ver­schie­de­ne Sei­ten erschlos­sen wer­den müs­sen, wird auch im Fol­gen­den statt einer Sei­ten­an­ga­be auf die Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer verwiesen.

[5] Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf II, ID 0915 und 0917.

[6] Bei Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf II sind ins­ge­samt 112 Per­so­nen mit die­sem Namen aufgeführt.

[7]

Sieg­fried Selig­mann ver­starb am 24.4.1908 in Rohr­bach, sei­ne Frau Babet­te am 7.7.1919 in Sins­heim im dor­ti­gen Pfle­ge­heim. Sein Vater Sam­son Selig­mann wur­de am 12.10.1806 in Ehr­städt gebo­ren. Er ver­starb am 18.11.1875 in Rohr­bach. Sam­sons  Frau Rosi­ne wur­de am 4.10.1799 in Rohr­bach gebo­ren, wo sie am 7.1.1855 auch ver­starb. Auch der Vater von Selig­mann Selig­manns Frau Babet­te, Jacob Mün­zes­hei­mer, kam am 2.6.1807 in Rohr­bach zur Welt. Er leb­te noch als sei­ne Frau Regi­ne Büh­ler, gebo­ren um 1807 in Bühl, am 31.7.1864 ver­starb. Wann er selbst zu Gra­be getra­gen wur­de, ist nicht bekannt.
Die Infor­ma­tio­nen über die Fami­lie Selig­mann in Sins­heim ver­dan­ken wir Herrn Dr. Neu­mai­er und Herrn Dr. Flo­thow vom Stadt­ar­chiv Sins­heim. Zur Zeit ent­steht dort eine Online-Doku­men­ta­ti­on ‚Digi­ta­le Erin­ne­rungs­or­te’, in der sowohl Infor­ma­tio­nen über die Opfer der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­fol­gung als auch mit­tels einer Kar­te von Sins­heim rele­van­te Erin­ne­rungs­or­te zu fin­den sind bzw. sein wer­den, sie­he https://​www​.erin​ne​rungs​or​te​-sins​heim​.de/​s​t​a​r​t​s​e​ite. (Zugriff: 21.8.2025). Hier wer­den im Lau­fe der Zeit auch Infor­ma­tio­nen über die jewei­li­gen Schick­sa­le der Geschwis­ter von Sieg­fried Selig­mann ein­ge­stellt wer­den, die im gege­be­nen Zusam­men­hang nicht recher­chiert wer­den konn­ten. So ist dort über Sieg­frieds ältes­ten Bru­der Abra­ham Selig­mann bereits zu erfah­ren, dass er in Sins­heim seit 1900 in der Haupt­str. 88 ein Geschäft für Tex­ti­li­en und zeit­wei­se auch für Möbel betrieb. 1937 muss­te sei­ne Toch­ter Fan­ny unter dem Druck der NS-Boy­kott­maß­nah­men zunächst das Geschäft auf­ge­ben und dann auch das Haus ver­kau­fen. Sie­he ebd.

[8] Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf II ID 0953.

[9] Ebd. ID 954.

[10] Ebd. ID 955.

[11] Ebd. ID 956.

[12] Ebd. ID 957.

[13] Sie­he zur exak­ten Lage Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf I, S. 16. Es heißt hier, dass 1912 der Abbruch des Hau­ses bean­tragt wor­den sei. Ver­mut­lich wur­de es danach neu auf­ge­baut und moder­ni­siert. In dem Arti­kel im Wies­ba­de­ner Kurier vom 14.3.2015 anläss­lich der Ver­le­gung der Stol­per­stei­ne für das Ehe­paar Selig­mann heißt es fälsch­li­cher­wei­se, die bei­den hät­ten in Dier­dorf ein Kolo­ni­al­wa­ren­ge­schäft betrie­ben. Stol­per­stei­ne in Wies­ba­den – 2013–2016, S. 34.

[14] Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf III, passim.

[15] HHStAW 518 876 (27).

[16] Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf III, S. 104. Mit „neu­ko­scher“ ist gemeint, dass das Fleisch zwar vom Metz­ger stammt, aber wegen des von den Nazis erlas­se­nen Schäch­tungs­ver­bots nicht nach den jüdi­schen Spei­se­vor­schrif­ten ritu­ell geschlach­tet wor­den war.

[17] HHStAW 518 876 (43).

[18] Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf III, S. 95. In einem Nach­ruf des Jüdi­schen Jugend­bun­des Dier­dorf hieß es: „Am 12. Sep­tem­ber 1929 wur­de unse­re lie­be Freun­din Rena Selig­mann im hoff­nungs­vol­len Alter von 21 Jah­ren durch den Tod von einem heim­tü­cki­schen Lei­den erlöst. Wir haben eine gute Kame­ra­din ver­lo­ren, die jeder­zeit bereit war, für die Sache der jüdi­schen Jugend mit aller Kraft ein­zu­tre­ten. Wir wer­den ihr Andenken stets in Ehren hal­ten.“ Ebd., S. 53.

[19] In Dier­dorf, das 1933 etwa 1500 Ein­woh­ner hat­te, gab es damals vier Kon­fek­ti­ons­ge­schäf­te, HHStAW 518 876 (40).

[20] Ebd. (28).

[21] Ebd. (27, 40).

[22] Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf III, S. 91. Zuvor hat­te Sieg­fried Selig­mann auch schon für sei­nen älte­ren Sohn Eugen, „sehr groß und kräf­tig“, ent­spre­chen­de Anzei­gen auf­ge­ge­ben, sie­he ebd. S. 26 und S. 87.

[23] HHStAW 518 5931 (12).

[24] Der gerin­ge offi­zi­el­le Ver­dienst, der der Sozi­al­ver­si­che­rung gemel­det war, bedeu­te­te im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren, dass man sich zunächst wei­ger­te, Hans Selig­mann eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung für den Scha­den im beruf­li­chen Fort­kom­men zu gewäh­ren. Erst in einem gericht­li­chen Ver­fah­ren wur­de sei­ne Tätig­keit einem Beam­ten im mitt­le­ren Dienst gleich­ge­stellt. Sie­he ebd. (24–27, 45–47, 66–71).

[25] HHStAW 685 705c (6). Die Recht­schrei­bung folgt dem Original.

[26] HHStAW 518 876 (42).

[27] HHStAW 685 705a (31, 59).

[28] Sie­he im Fol­gen­den die Aus­füh­run­gen von Jung­bluth, Juden in Dier­dorf, S. 26–30.

[29] Die Ereig­nis­se wäh­rend des Novem­ber­po­groms erleb­ten sie schon nicht mehr in Dier­dorf. Sie­he dazu Ebd. S. 30 f.

[30] Die Ver­mu­tung von Witt­stamm grün­det dar­auf, dass der Dier­dor­fer Wil­ly Hirsch­berg dort die Funk­ti­on eines Geschäfts­füh­rers inne­hat­te. Sie­he https://​spu​ren​im​vest​.de/​2​0​2​1​/​1​0​/​0​6​/​s​e​l​i​g​m​a​n​n​-​e​u​g​en/, (Zugriff: 15.7.2025).

[31] Ebd.

[32] https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20465/Dierdorf%20Israelit%20Famblatt%2019341227.jpg. (Zugriff: 15.7.2025).

[33] https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20465/Dierdorf%20Israelit%20Famblatt%2019350711.jpg. (Zugriff: 15.7.2025). Die eben­falls jüdi­sche Loge war eng mit der bekann­ten jüdi­schen B’nai B’rith-Loge ver­bun­den. Bei­de stan­den in der Tra­di­ti­on des poli­ti­schen Liberalismus.
Die amt­li­che Trau­ung fand in Dier­dorf statt, Hei­rats­re­gis­ter Dier­dorf 27 /​ 1935.

[34] https://​www​.ale​man​nia​-judai​ca​.de/​g​r​o​e​t​z​i​n​g​e​n​_​s​y​n​a​g​o​g​e​.​htm. (Zugriff: 15.7.2025).

[35] https://www.alemannia-judaica.de/ludwigshafen_texte.htm#Oberkantor%20Liberles%20nimmt%20Abschied%20von%20der%20Gemeinde%20(1936). (Zugriff: 15.7.2025).

[36] https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​7​4​8​8​/​r​e​c​o​r​d​s​/​2​2​8​3​7​962. (Zugriff: 15.7.2025).

[37] Als Kon­takt in New York gaben sie eine Tan­te namens E. Fischel an, über deren ver­wandt­schaft­li­che Ver­bin­dung zur Fami­lie Liber­les aber nichts bekannt ist.

[38] HHStAW 685 705a (31).

[39] Ebd. (41, 64–67).

[40] HHStAW 685 705b (o.P.).

[41] HHStAW 685 705a (60).

[42] HHStAW 518 59831 (18).

[43] Ebd. (16). Die Kos­ten betru­gen etwas mehr als 150 Dol­lar, die im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren erstat­tet wur­den, sie­he ebd. (29 ff.).

[44] Ebd. (25).

[45] Das ergibt sich aus den Unter­la­gen zur Volks­zäh­lung von 1940, sie­he https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​2​4​4​2​/​r​e​c​o​r​d​s​/​9​2​9​6​2​993. (Zugriff: 15.7.2025).

[46] https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​2​3​6​1​/​r​e​c​o​r​d​s​/​1​7​2​9​2​3​3​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​e​9​2​a​9​5​5​9​-​9​3​f​2​-​4​3​a​8​-​a​1​1​0​-​9​f​4​b​d​8​5​7​a​8​0​1​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​6​9​4​6​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.7.2025).

[47] https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​6​2​3​0​8​/​r​e​c​o​r​d​s​/​1​5​4​6​7​0​732. (Zugriff: 15.7.2025).

[48] HHStAW 518 876 (5).

[49] Ebd. (8 ff.).

[50] In einem Arti­kel über Sieg­fried und Hen­ny Selig­mann in einem Begleit­buch zu den Stol­per­stein­ver­le­gun­gen in Wies­ba­den wur­de geschrie­ben, dass er nur unter der Auf­la­ge, sei­nen gesam­ten Besitz dem Reich zu über­tra­gen, ent­las­sen wor­den sei. Dass das so nicht rich­tig ist, zei­gen die Abläu­fe in den Wochen nach der Pogromnacht.

Noch feh­ler­haf­ter ist dies­be­züg­lich der bereits erwähn­te Arti­kel im Wies­ba­de­ner Kurier vom 14.3.2015. Dort heißt es: „Sie zogen (nach der Geschäfts­auf­ga­be in Dier­dorf) nach Wies­ba­den in die Fritz-Kal­le-Stra­ße 14. Dort leb­ten sie – nach der Inter­nie­rung von Sieg­fried Selig­mann im Novem­ber und Dezem­ber 1938 im KZ Buchen­wald — bis zur Zwangs­um­sied­lung Anfang 1939 in ein Juden­haus in der Lortzingstr. 7 unter kaum zumut­ba­ren Bedin­gun­gen.“ Wenn schon, aber auch das ist so nicht ganz rich­tig, dann waren die Zustän­de im Juden­haus, aber nicht in der Fritz-Kal­le-Stra­ße „unzu­mut­bar“.

[51] HHStAW 685 705c (14–18, 20–24).

[52] Ebd. (12). Eine Erklä­rung für die­se enor­me Anhe­bung liegt nicht vor.

[53] HHStAW 518 876 (27).

[54] Ebd. (34 f.). Wal­ter Blan­ken­stein war inzwi­schen ver­stor­ben und die Fir­ma von sei­ner Ehe­frau, die selbst in ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen leb­te, auf­ge­ge­ben worden.

[55] Stadt­ar­chiv Wies­ba­den WI /​ 3 983.

[56] HHStAW 685 705c (15).

[57] HHStAW 685 705c II (17, 18).

[58] Bei­de Käu­fer hat­ten kein Glück mit dem Erwerb der Häu­ser. Das Haus in Dier­dorf wur­de im Krieg völ­lig zer­stört, sie­he HHStAW 518 876 (41), und das in Wies­ba­den zumin­dest durch einen Flie­ger­an­griff erheb­lich beschä­digt, sie­he Stadt­ar­chiv Wies­ba­den  WI /​ 3 983.

[59] HHStAW 685 705a (62).

[60] HHStAW 519/​3 6658 (1).

[61] Ebd. (2).

[62] HHStAW 685 705a (60). Auf der Gestapo­kar­tei­kar­te von Sieg­fried Selig­mann ist der Umzug ohne Datums­an­ga­be eingetragen.

[63] HHStAW 685 705a (80).

[64] Ver­mut­lich han­del­te es sich um Adolf sm, gebo­ren am 14.4.1882 in Dier­dorf, sie­he Mey­er, Jüdi­sches Leben in Dier­dorf II, ID 0920.

[65] HHStAW 685 705c II (1–4).

[66] Ebd. (6, 7).

[67] Ebd. (11, 14).

[68] Ebd. (20).

[69] Ebd. (21, 22).

[70] HHStAW 685 705c I (44).

[71] HHStAW 519/​3 6658 (11, 12, 17). Der Frei­be­trag von 410 RM wur­de am 3.6.1940 genehmigt.

[72] Ebd. (1, 19, 22

[73] HHStAW 518 22313 (1, 28). Ein siche­rer Beweis für die­se Anga­be liegt aber nicht vor, da der Rab­bi­ner vor Auf­nah­me des Ent­schä­di­gungs­ver­fah­rens selbst auch ver­stor­ben war und nicht mehr als Zeu­ge gehört wer­den konn­te. Offi­zi­ell gilt daher der 8. Mai 1945 als ihr Todes­tag. Dazu https://​www​.holo​caust​.cz/​d​e​/​o​p​f​e​r​d​a​t​e​n​b​a​n​k​/​o​p​f​e​r​/​2​1​8​5​3​-​h​e​l​e​n​e​-​l​i​b​e​r​l​es/. (Zugriff: 15.7.2025).

[74] Ebd. (14, 16). Auch die­se Beträ­ge wur­den genehmigt.

[75] Ebd. (46). Auch hier ist der gro­ße Ver­mö­gens­ver­lust nach­voll­zieh­bar, den Selig­manns in nur weni­gen Jah­ren erlit­ten hat­ten. In der Berech­nung ist von einem Ver­mö­gen im Jahr 1935 von 65.000 RM aus­ge­gan­gen, das sich aber bis zum 1.1.1941 auf 10.000 RM redu­ziert hat­te. Davon fie­len dann 25 Pro­zent als Reichs­flucht­steu­er an.

[76] HHStAW 519/​3 25966 (2). Die Akte ent­hält u.a. ein For­mu­lar (3), das nicht zu klä­ren­de Fra­gen auf­wirft. Auf die Fra­ge, unter wel­chen Anschrif­ten die Aus­rei­se­wil­li­gen bis­her gewohnt haben, heißt es, sie hät­ten vom 1.7.1937 bis zum 31.12.1938 in der Kei­tel­str. 5 gelebt und sei­en erst danach bis zuletzt in der Lortzingstr. 7 wohn­haft gewe­sen. Eine Stra­ße mit die­sem Namen war und ist in Wies­ba­den aber nicht bekannt. Das For­mu­lar wur­de auch „i. A.“ von dem Kauf­mann Moritz Liff­mann aus­ge­füllt und unter­schrie­ben und nicht von Sieg­fried Selig­mann. Die Grün­de dafür sind nicht bekannt, aber es kann kaum bezwei­felt wer­den, dass Selig­manns nach ihrem Aus­zug aus der Fritz-Kal­le-Stra­ße immer in der Lortzingstr. 7 gewohnt hatten.

[77] HHStAW 519/​3 6658 (25). Die Anga­be im Stol­per­stein­buch, die Aus­rei­se sei von der Devi­sen­stel­le in Frank­furt abge­lehnt wor­den, ist dem­nach nicht rich­tig, zumal die­se kei­ne Visa ertei­len konn­te. Die Visa wur­den ganz offen­sicht­lich von den ame­ri­ka­ni­schen Behör­den ver­wei­gert. Sie­he Stol­per­stei­ne in Wies­ba­den – 2013–2016, S. 34.

[78] HHStAW 519/​3 25966 (36).

[79] Ebd. (37).

[80] Ebd. (39).

[81] Laut einer nach dem Krieg ent­stan­de­nen Lis­te der Poli­zei­be­hör­de ist fälsch­li­cher­wei­se ange­ge­ben, Sieg­fried und Hen­ny Selig­mann sei die Aus­rei­se nach Kuba tat­säch­lich gelun­gen. Sie­he https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​w​a​r​t​i​m​e​/​0​2​0​1​0​1​0​1​/​0​5​7​9​/​1​3​3​4​5​3​5​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 15.7.2025).

[82] Ebd. (40).

[83] HHStAW 519/​3 6658 (27).

[84] HHStAW 519/​3 25966 (39).

[85] HHStAW 685 705a (76, 80). Von der Jah­res­mie­te für die gesam­te Woh­nung, die sich auf 1.472 RM belief, ent­fie­len auf die Unter­mie­ter 862 RM.

[86] Das Schick­sal von Lil­ly und Theo­bald Hirsch­kind ist zusam­men mit dem von Lil­lys Schwes­ter Dora Hirsch­kind, Bewoh­ne­rin des Juden­haus Bahn­hofstr. 25, deren Bewoh­ne­rin sie war, im Kapi­tel zu die­sem Juden­haus behandelt.

[87] HHStAW 519/​3 6658 (29).

[88] Ebd. (30, 31).

[89] In den Lis­ten über die durch die Depor­ta­ti­on frei gewor­de­nen Woh­nun­gen ist aller­dings fest­ge­hal­ten, dass Hirsch­kinds nur ein Zim­mer gemie­tet hatten,

[90] https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​d​e​9​6​0​173. (Zugriff: 15.7.2025).

[91] https://​www​.maj​da​nek​.eu/​e​n​/​p​r​i​s​o​n​ers. (Zugriff: 15.7.2025), dazu  auch Maj­da­nek 1942, The Book of Pri­soners Death.

[92] Zu die­sem Trans­port sie­he Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 214 und umfas­send bei King­reen, Gewalt­sam ver­schleppt, S. 117–122. In bei­den Doku­men­ta­tio­nen wird im Hin­blick auf Maj­da­nek gesagt, dass etwa 188–260 Män­ner (!) im Alter von 15 bis 50 Jah­ren für den Arbeits­ein­satz selek­tiert wor­den waren.

[93] https://​www​.fin​da​gra​ve​.com/​m​e​m​o​r​i​a​l​/​1​8​1​5​9​3​3​2​4​/​h​a​n​s​-​j​-​s​e​l​i​g​man und https://​www​.fin​da​gra​ve​.com/​m​e​m​o​r​i​a​l​/​1​8​1​5​9​3​4​4​4​/​s​e​l​m​a​-​s​e​l​i​g​man. (Zugriff: 15.7.2025).

[94] https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​6​2​3​0​8​/​r​e​c​o​r​d​s​/​1​5​4​6​7​0​881. (Zugriff: 15.7.2025).

[95] Die fol­gen­den bio­gra­fi­schen Anga­ben sind einem Zei­tungs­ar­ti­kel anläss­lich sei­nes Todes ent­nom­men, sie­he https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​6​2​0​1​7​/​r​e​c​o​r​d​s​/​2​7​7​1​9​5​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​b​6​b​7​4​a​5​0​-​e​1​d​4​-​4​c​8​2​-​8​d​6​5​-​2​3​b​1​b​7​c​c​a​0​3​e​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​7​0​7​5​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.7.2025).

[96] https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​7​3​3​8​/​r​e​c​o​r​d​s​/​2​8​9​3​609. (Zugriff: 15.7.2025).

[97] HHStAW 518 38351 (1). Der Kib­buz war eine der ers­ten gro­ßen Grün­dun­gen im Nor­den Paläs­ti­nas zu Beginn der 20er Jah­re durch die zio­nis­ti­sche Bewe­gung. Sie­he dazu https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​E​n​_​C​h​a​rod (Zugriff: 15.7.2025) mit wei­ter­füh­ren­der Lite­ra­tur. Sie­he im Beson­de­ren die Bil­der­samm­lung aus der frü­hen Zeit unter https://​com​mons​.wiki​me​dia​.org/​w​i​k​i​/​C​a​t​e​g​o​r​y​:​H​i​s​t​o​r​i​c​a​l​_​i​m​a​g​e​s​_​o​f​_​E​i​n​_​H​a​r​o​d​?​u​s​e​l​a​n​g​=de. (Zugriff: 15.7.2025).
Char­lot­te Böhm-Selig­mann hat eben­falls für ihre Schwie­ger­el­tern 1999 in Yad Vas­hem eine ‚Page of Tes­tim­o­ny’ hin­ter­las­sen. Zu ihren Lebens­da­ten sie­he https://www.mappingthelives.org/bio/e4d251f8-eabf-4e4b-8730–30e784ff3e82?forename=Charlotte&surname=Seligmann&res_single_fd=false&birth_single_fd=false&death_single_fd=false&deportation_single_fd=false&emigration_single_fd=false&expulsion_single_fd=false&imprisonment_single_fd=false&lat=50.3061856&lon=12.3007083&zoom=6&map_agg=residence&language=de. (Zugriff: 15.7.2025).