Marianne, Bertha und Leopold Nussbaum


Judenhaus Emser Str. 26a
An der Stel­le des im Krieg zer­stör­ten ehe­ma­li­gen Juden­hau­ses steht heu­te die­ses Gebäu­de
Eige­ne Aufnahme
Das Juden­haus in der Emser Str. 26a
Juden Wiesbaden Judenhäuser
Bele­gung des Juden­hau­ses Emser Str. 26a

 

 

 

 

 

 


Die Familie Nussbaum aus Neukirchen

Aus der klei­nen Ort­schaft Neu­kir­chen im heu­ti­gen Kreis Zie­gen­hain hat­ten die drei Geschwis­ter Mari­an­ne, Ber­tha und Leo­pold Nuss­baum zu unter­schied­li­chen Zei­ten den Weg nach Wies­ba­den gefun­den. Für die bei­den Schwes­tern wur­de die Stadt zur letz­ten Sta­ti­on auf ihrem Weg in den Tod. Die letz­ten Mona­te ver­brach­ten sie in dem Juden­haus Emser Str. 26a, in das sie ein­ge­zo­gen waren, bevor es zu einem sol­chen ernannt wur­de. Ihr jün­ge­rer Bru­der Leo­pold bewohn­te eben­falls für meh­re­re Jah­re ein Haus in der Lortzingstr. 7, das aller­dings den Sta­tus eines Juden­hauses erst erhielt, nach­dem er dort aus­ge­zo­gen und mit sei­ner Fami­lie emi­griert war. Aber auch er erleb­te das Ende der Nazi-Herr­schaft selbst nicht mehr.

Wäh­rend Leo­pold sei­nen Hei­mat­ort ver­las­sen hat­te, lan­ge bevor der anti­se­mi­ti­sche Furor das Den­ken der meis­ten Men­schen beherrsch­te, waren Mari­an­ne und Ber­tha Nuss­baum erst nach Wies­ba­den gekom­men, als das Leben in ihrer nord­hes­si­schen Hei­mat, wie in vie­len ande­ren Land­ge­mein­den auch, für Juden immer uner­träg­li­cher wurde.

Zuvor hat­te es in Neu­kir­chen seit dem 17. Jahr­hun­dert eigent­lich eine lan­ge Tra­di­ti­on jüdi­schen Lebens gege­ben. Von 1900 bis 1933 leb­ten dort etwa 100 Men­schen jüdi­schen, zumeist ortho­do­xen Glau­bens, die auch über die ört­li­chen Ver­ei­ne wie Feu­er­wehr, Schüt­zen­ver­ein oder Musik­grup­pen völ­lig in das ört­li­che Leben inte­griert waren.[1] Das belegt auch die Mit­glied­schaft jüdi­scher Män­ner im Krie­ger­ver­ein, einem der wich­tigs­ten loka­len Ver­ei­ne in jedem Ort. Sie war zugleich auch Beweis für die Opfer­be­reit­schaft der Juden für das damals noch als Vater­land ange­se­he­ne Deut­sche Reich. Durch ihre viel­fäl­ti­gen wirt­schaft­li­chen Akti­vi­tä­ten und Ver­bin­dun­gen tru­gen sie zum beschei­de­nen Wohl­stand der gesam­ten Gemein­de Neu­kir­chen bei. Zudem ver­sorg­ten sie mit ihren Waren auch das Umland, zuletzt nicht mehr zu Fuß, son­dern mit Fahr­rad, Pferd und Wagen und eini­ge sogar schon mit dem Auto. Ihre Wohn- und Geschäfts­häu­ser in der Unter- und Ober­gas­se bil­de­ten qua­si einen Ring um das ört­li­che Zen­trum mit Markt­platz und Kir­che.[2] Aber trotz aller „Schnitt­stel­len“ zwi­schen den ver­schie­de­nen sozia­len und reli­giö­sen Grup­pie­run­gen blieb man unter sich, hei­ra­te­te in der glei­chen Grup­pe und ver­brach­te auch die Frei­zeit weit­ge­hend mit­ein­an­der. „Man hat­te sich ein­ge­rich­tet in der schein­bar ‚hei­len Welt’ eines Land­städt­chens in der preu­ßi­schen Pro­vinz Hes­sen-Nas­sau.“[3]

Neu­kir­chen um 1920
Unbe­kann­ter Fotograf

Aber spä­tes­tens mit der Über­tra­gung der Macht an die Nazis änder­te sich auch in Neu­kir­chen alles – aller­dings gebro­chen durch Ungleich­zei­tig­kei­ten und Wider­sprü­che. Weni­ge hiel­ten, obwohl sie die Nazi-Uni­form tru­gen, an einer in der Jugend gewach­se­nen Freund­schaft mit einem Juden fest. Die Mehr­heit aber mach­te sich den neu­en Zeit­geist zu eigen. Die Wah­len vom März 1933 hat­ten der NSDAP einen Stim­men­an­teil von 88 Pro­zent beschert.[4] Die Geschäf­te der zumeist im Han­del täti­gen Juden gin­gen immer schlech­ter und nahe­zu alle ver­lie­ßen in den fol­gen­den Jah­ren ihre Hei­mat.[5] In der Reichs­po­grom­nacht, die kein Mit­glied des hier betrach­te­ten Fami­li­en­zweigs der Nuss­baums noch in sei­nem Hei­mat­ort erleb­te, ver­folg­ten die Nazis die bewähr­te Tak­tik, die dar­in bestand, gewalt­sa­me Über­grif­fe von einem aus ande­ren Orten zuge­führ­ten Mob aus­ge­hen zu las­sen, wodurch mög­li­che Skru­pel auf­grund von per­sön­li­chen Bezie­hun­gen gar nicht erst auf­ka­men. Auch in Neu­kir­chen kam es in die­sen Tagen zu einer regel­rech­ten Gewalt­or­gie.[6] Die auch danach bis zuletzt ver­blie­be­nen neun jüdi­schen Ein­woh­ner wur­den im Jahr 1942 depor­tiert und in den KZs ermordet.

Stammbaum Nussbaum
Stamm­baum der Fami­lie Nuss­baum
GDB

Zu einer der gro­ßen, viel­fach ver­zweig­ten und mit­ein­an­der ver­schwä­ger­ten jüdi­schen Fami­li­en gehör­ten die Nuss­baums.[7] Der ers­te bekann­te Vor­fahr des hier betrach­te­ten Zwei­ges war Dani­el Nuss­baum, der den für Juden außer­ge­wöhn­li­chen Beruf eines Kup­fer­schmieds aus­üb­te und ursprüng­lich aus Rothen­burg an der Ful­da stamm­te. Wann er sich in Neu­kir­chen nie­der­ließ, ist nicht bekannt, aber er ver­starb dort am 24. Janu­ar 1890.[8] Er war mehr­fach ver­hei­ra­tet, aber die Mut­ter sei­nes Soh­nes Feist war Mir­jam /​ Mari­an­ne Rosen­berg.[9]

Ster­be­ein­trä­ge von Feist und Regi­ne Nuss­baum, gebo­re­ne Löwenberg
Ster­be­re­gis­ter Neu­kir­chen 7 /​ 1914 und 27 /​ 1903

 

 

 

 

Wann Feist Nuss­baum, gebo­ren am 22. Juni 1836, die Ehe mit der 1842 gebo­re­nen Rahel /​ Regi­na Löwen­berg ein­ging, [10] ist eben­falls nicht bekannt, aber ihr ers­tes Kind, die Toch­ter Mari­an­ne, kam am 6. März 1868 in Neu­kir­chen zur Welt.[11] Eine wei­te­re Toch­ter namens Rös­chen, gebo­ren am 18. März 1869, wur­de nicht ein­mal vier Wochen alt. Sie ver­starb am 13. April 1869.[12] Ihr folg­te am 24. Janu­ar 1871 mit Ber­tha /​ Ber­ta zunächst eine wei­te­re Toch­ter,[13] aber danach wur­den mit Moritz am 30. Juli 1873 [14] und Leo­pold am 28. Febru­ar 1876 [15] dem Paar auch noch zwei Söh­ne geboren.

Zwar wird Feist Nuss­baum im All­ge­mei­nen nur als Han­dels­mann bezeich­net, aber mög­li­cher­wei­se han­del­te er schon mit Där­men, Fel­len, Tape­ten, Ölen und Far­ben, wie spä­ter sein ältes­ter Sohn Moritz, der nach dem Tod des Vaters am 3. April 1914 [16] das väter­li­che Geschäft über­nom­men hat­te. Ob der Haus­na­me „Feis­te“ oder „Fett-Jidd“, wie Gre­ve ver­mu­te­te,[17] von sei­nen Waren oder aber vom Namen des Vaters abge­lei­tet war, ist kaum mehr sicher zu sagen. Ver­mut­lich füg­te sich bei­des zusam­men. Auf jeden Fall blieb der Name offen­bar auch an sei­nem Sohn Moritz haf­ten, obwohl er das Geschäft in ein grö­ße­res Haus an der Ecke Ober- /​ Unter­gas­se ver­leg­te.[18] Aber auch sein Bru­der Leo­pold blieb spä­ter trotz sei­nes Weg­zugs aus Neu­kir­chen mit sei­ner Lack­fa­brik in Wies­ba­den dem Gewer­be sei­nes Vaters treu.

 

Leopold Nussbaum

Der ers­te, der den Weg nach Wies­ba­den gefun­den hat­te, war Leo­pold Nuss­baum. Schon 1906 hat­te er dort die aus dem mit­tel­hes­si­schen Her­born stam­men­de Rosa Stern­berg gehei­ra­tet.[19] Der Kauf­mann leb­te damals mit sei­ner Frau in der Goe­thestr. 17. Unge­fähr zu die­sem Zeit­punkt stieg er in die von einem Arnold Falk­ner aus Lud­wigs­ha­fen gegrün­de­te Fir­ma ein, an der er bis zu sei­ner Emi­gra­ti­on betei­ligt war. Aller­dings lie­ßen sich die anfäng­li­chen Ver­hält­nis­se nicht mehr exakt klä­ren. Erst­mals taucht die Fir­ma im Wies­ba­de­ner Adress­buch des Jah­res 1907/​08 unter dem Namen ‚Deut­sche Lack- und Far­ben — Com­pa­gnie — Nuss­baum & Kat­zen­stein’ auf und war, wie auch in den fol­gen­den Jah­ren, in der Albrecht­str. 11 gele­gen. Leo­pold Nuss­baum und Josef Kat­zen­stein waren die Gesell­schaf­ter. Im Adress­buch des glei­chen Jah­res war in der Goe­thestr. 17 im ers­ten Stock eben­falls zumin­dest für ein Jahr auch ein Theo­dor Nuss­baum gemel­det. Ganz sicher han­del­te es sich um einen Ver­wand­ten, aber wer das bei der gro­ßen Fami­lie der Nuss­baums gewe­sen sein könn­te, ist nicht bekannt, auch nicht, was aber wahr­schein­lich ist, dass er eben­falls in der Fir­ma mit­ar­bei­te­te.[20]
Sein ers­ter Kom­pa­gnon Josef Kat­zen­stein, ein weit­ver­brei­te­ter Name im ost­hes­si­schen Raum,[21] schied um 1910 aus der Fir­ma aus. Dar­auf­hin wur­de sie als O.H.G neu gegrün­det und von Leo­pold Nuss­baum kurz­zei­tig allei­ne ver­tre­ten.[22] Aber schon nach weni­gen Wochen fand man eine neue Kon­struk­ti­on, in der Leo­pold Nuss­baum allei­ni­ger Inha­ber war, aber von einem Lud­wig Lewin, der Pro­ku­ra erhielt, unter­stützt wur­de. Die bei­den ver­stan­den sich offen­bar so gut, dass sie ab Janu­ar 1913 das Unter­neh­men bis Ende 1938 wie­der gemein­sam als gleich­be­rech­tig­te Gesell­schaf­ter einer O.H.G. führten.

Falkner Nussbaum
Han­dels­re­gis­ter­ein­trag für die Fir­ma Falk­ner & Co.
HHStAW 518 924 (11)

Wie dem Fir­men­na­men schon zu ent­neh­men ist, ver­trieb man als Groß­han­dels­ge­schäft diver­se Lacke, Far­ben und auch Farb­pig­men­te.[23] Wäh­rend Leo­pold Nuss­baum pri­mär den Raum Nord­hes­sen und Thü­rin­gen bereis­te, kon­zen­trier­te sich Lud­wig Lewin auf Baden, Süd­hes­sen und den Rhein­gau. 1919 wur­de sogar ein Auto für den Besuch der Kun­den ange­schafft. Neben den vier bis fünf Ange­stell­ten, die die Büro­ar­beit erle­dig­ten, stan­den auch eini­ge Lager­ar­bei­ter und Fah­rer im Lohn der Fir­ma. Aber die belie­fer­ten nur die nähe­ren Abneh­mer. Ansons­ten bedien­te man sich der Wies­ba­de­ner Fir­ma ‚Roll­kon­tor’ oder auch der Eisen­bahn. Die Far­ben selbst wur­den von damals bekann­ten und gro­ßen Farb­wer­ken aus ganz Deutsch­land bezo­gen. Zu den Kun­den zähl­ten Fir­men wie ‚Opel’, mit­tel­stän­di­sche Bau­ge­schäf­te oder Maler, aber auch die gro­ßen Wies­ba­de­ner Hotels wie das ‚Hotel Rose’ oder der ‚Schwar­ze Bock’, die eige­ne Maler fest ange­stellt hatten.

Für all die Jah­re lie­gen Finanz­ak­ten lei­der nicht mehr vor, aber im ‚Good-Will’-Verfahren wur­de von der Ent­schä­di­gungs­be­hör­de ein­ge­räumt, dass auch ein sol­cher Scha­den zu kom­pen­sie­ren sei, weil, hät­te es die Ein­schrän­kun­gen durch den NS-Staat nicht gege­ben, auch zukünf­tig ein „Über­ge­winn“ hät­te erzielt wer­den kön­nen.[24] Die Behör­de kon­sta­tier­te somit, dass es der Fir­ma über Jah­re hin­weg gut gegan­gen sein muss und auch wei­ter­hin gut gegan­gen wäre, wenn die poli­ti­schen Ver­hält­nis­se ande­re gewe­sen wären.

Aber noch war es nicht so weit. Noch konn­te man sich des wirt­schaft­li­chen Erfolgs und des pri­va­ten Glücks erfreu­en. Nach der Ehe­schlie­ßung von Leo­pold und Rosa Nuss­baum wur­de zunächst am 23. Sep­tem­ber 1907 die Toch­ter Else Regi­na, dann am 4. Mai 1909 mit Mar­tha noch eine wei­te­re Toch­ter gebo­ren.[25]
Zumin­dest von Else ist bekannt, dass sie vom 1. April 1914 bis zum 31. Juli 1917 das Lyze­um in der Rhein­stra­ße besuch­te. Sie hei­ra­te­te am 7. Febru­ar 1928 in ihrer Hei­mat­stadt Ernst Ermann, der aus einer tra­di­ti­ons­rei­chen jüdi­schen Fami­lie aus Witt­lich stamm­te. Dort war er am 11. Okto­ber 1900 als Sohn von Juli­us und Ber­tha Ermann, gebo­re­ne Juhl, zur Welt gekom­men.[26] Das jun­ge Paar wohn­te nach der Hoch­zeit in Trier, wo am 14. August 1930 ihre Toch­ter Han­ne­lo­re gebo­ren wor­den sein soll.[27]
Über das Leben ihrer Schwes­ter Mar­tha ist bis ins Erwach­se­nen­al­ter nichts bekannt. Im Jüdi­schen Adress­buch von 1935 ist ihr Beruf mit „Pia­nis­tin“ ange­ge­ben. Am 29. Dezem­ber 1932 hei­ra­te­te sie, inzwi­schen 20 Jah­re alt, den Juris­ten Rudolf Bene­dikt Selig, den Sohn von Simon und Karo­li­ne Selig, gebo­re­ne Rosen­feld. Er hat­te inzwi­schen sein Refe­ren­da­ri­at abge­schlos­sen und war am 2. Juni 1928, nach­dem er sein zwei­tes Examen mit der Note „gut“ abge­legt hat­te, zum Gerichts­as­ses­sor ernannt wor­den.[28] Auf die Mög­lich­keit, in den Staats­dienst ein­zu­tre­ten, ver­zich­te­te er und eröff­ne­te statt­des­sen noch im sel­ben Jahr mit Leo Har­ry eine Anwalts­kanz­lei, zunächst in der Kirch­gas­se, dann in der Moritz­str. 32.
Die Ehe zwi­schen Rudolf Selig und Mar­tha Nuss­baum hielt jedoch nur weni­ge Mona­te und wur­de am 9. Okto­ber 1933 vom Land­ge­richt nicht geschie­den, son­dern für nich­tig erklärt. Sie hat­te somit recht­lich nie exis­tiert. Die Grün­de dafür sind nicht bekannt.[29]

Mar­tha wohn­te, sofern sie über­haupt aus­ge­zo­gen war, dar­auf­hin wie­der bei den Eltern. Die­se hat­ten in all den Jah­ren ihre Woh­nung nur sel­ten gewech­selt. Seit­dem Leo­pold Nuss­baum in Wies­ba­den gemel­det war, bewohn­te er mit sei­ner Frau in der Goe­thestr. 17 den ers­ten Stock. Dort waren auch die Kin­der gebo­ren wor­den. Erst Anfang der zwan­zi­ger Jah­re war die Fami­lie in die Schen­ken­dorffstr. 5 ver­zo­gen. Im Adress­buch von 1934/​35 erscheint sie dann erst­mals mit der Anschrift des spä­te­ren Juden­hau­ses Lortzingstr. 7. Nicht nur die Toch­ter Mar­tha war damals dort gemel­det, son­dern auch Leo­pold Nuss­baums Geschäfts­part­ner Lud­wig Lewin, der bis­her in der Kleist­str. 23 gewohnt hatte.

Die bei­den müs­sen ihre Fir­ma immer­hin mit Erfolg durch die ver­gan­ge­nen Kri­sen­jah­re gesteu­ert haben, wie man den weni­gen Zah­len über die Unter­neh­mens­ent­wick­lung von ‚Falk­ner & Co.’ ent­neh­men kann. Lei­der exis­tier­ten nach Aus­kunft des Finanz­amts Wies­ba­den Steu­er­ak­ten, etwa Ein­kom­men­steu­er­ak­ten, die ein genaue­res Bild über die finan­zi­el­le Lage der Fir­ma und ihrer Eigen­tü­mer auch in den Zwan­zi­ger­jah­ren und in denen wäh­rend der Wirt­schafts­kri­se ermög­li­chen wür­den, schon unmit­tel­bar nach dem Krieg nicht mehr,[30] sodass die Zah­len für die frü­hen 30er Jah­re ohne Rela­ti­on blei­ben. Die­se stam­men vom städ­ti­schen Steu­er­amt, stel­len aber nur Nähe­rungs­wer­te dar, wie die Behör­de aus­drück­lich anmerk­te.[31] Dem­nach stieg der Gewer­be­er­trag der Fir­ma von 1933 bis 1935 von knapp 15.000 RM auf rund 28.000 RM an, ver­dop­pel­te sich somit nahe­zu inner­halb von nur zwei Jah­ren. Sicher ist die­ser rapi­de Anstieg zum einen dadurch begrün­det, dass die Wirt­schaft gera­de aus der tie­fen Tal­soh­le der Welt­wirt­schafts­kri­se her­aus­kam, zum ande­ren mach­te sich wohl auch die künst­lich ange­heiz­te Kon­junk­tur­po­li­tik der Nazis posi­tiv bemerk­bar. Zudem blieb ein Geschäft, das aus­schließ­lich im Groß­han­del aktiv war, von den Wir­kun­gen der Boy­kott­auf­ru­fe zunächst weit­ge­hend ver­schont. Aber ab 1936 gin­gen die Erträ­ge deut­lich zurück und wur­den bis 1938 wie­der nahe­zu hal­biert.[32] Immer offen­sicht­li­cher wur­de, dass es für die Fir­ma der bei­den jüdi­schen Unter­neh­mer in Deutsch­land kei­ne Zukunft geben wür­de. Zu deut­lich hat­ten das die gesetz­li­chen Maß­nah­men der Regie­rung in den ver­gan­ge­nen Mona­ten, beson­ders seit 1938, gemacht. Eine der „zukunfts­wei­sen­den“ Maß­nah­men war die Anmel­de­pflicht jüdi­scher Ver­mö­gen im April gewe­sen. Ganz offen wur­de geäu­ßert, dass die­se im Inter­es­se der deut­schen Wirt­schaft sicher­ge­stellt wer­den könn­ten. Wer die Zei­chen der Zeit erkann­te, muss­te wis­sen, was über kurz oder lang bevor­stand. Leo­pold Nuss­baum und Lud­wig Lewin hat­ten sie erkannt.[33]

Falkner Nussbaum
Ari­sie­rung der Fir­ma Falk­ner
HHStAW 518 807 (28)

Am 25. August 1938 kam es zu einem Ver­trag zwi­schen den bei­den Eigen­tü­mern und den bei­den Her­ren Wil­helm und Hein­rich Hüh­ner­kopf, laut dem das Geschäfts­in­ven­tar und das Waren­la­ger für jeweils 2.000 RM, ins­ge­samt also 4.000 RM, an sie als neue Eigen­tü­mer über­tra­gen wer­den soll­ten.[34] Zwar wur­de das Geschäft als sol­ches nicht ver­kauft, dies wur­de im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren noch ein­mal aus­drück­lich bestä­tigt,[35] aber fak­tisch han­del­te es sich den­noch um eine Ari­sie­rung. Die Kun­den­kar­tei erhiel­ten die Käu­fer. Ob der Preis ange­mes­sen war, lässt sich nicht mehr sagen, Zwei­fel sind alle­mal berechtigt.
Opfer die­ser Trans­ak­ti­on waren nicht nur die ehe­ma­li­gen Eigen­tü­mer, son­dern auch die bis­he­ri­gen Mit­ar­bei­ter. Im Ver­trag ist aus­drück­lich fest­ge­hal­ten, dass nur der ein­zi­ge ari­sche Ange­stell­te über­nom­men werde.

Antrag auf Ein­bür­ge­rung in den USA von Lud­wig Lewin
https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​3​9​9​8​/​r​e​c​o​r​d​s​/​1​9​6​0​969

Schon am 15. Okto­ber 1938, die Emi­gra­ti­ons­vor­be­rei­tun­gen muss­ten bereits vor dem Ver­kauf weit­ge­hend abge­schlos­sen gewe­sen sein, erreich­te Lud­wig Lewin mit sei­ner Frau Else, gebo­re­ne Wort­mann, auf dem Schiff ‚Niew Ams­ter­dam’ von Rot­ter­dam aus die ame­ri­ka­ni­sche Küs­te in New York.[36] Spä­ter sie­del­ten sie sich dann in Kali­for­ni­en an, wo ein Cou­sin von Lud­wig Lewin schon leb­te und ihnen ver­mut­lich auch die nöti­gen Papie­re ver­schafft hat­te.[37]

Für Nuss­baums war die Sache etwas kom­pli­zier­ter, denn offen­bar hat­ten sie nicht die ent­spre­chen­den Bezie­hun­gen in die USA, wes­halb sie Süd­ame­ri­ka als Ziel ihrer Rei­se ange­ge­ben hat­ten, wohin inzwi­schen auch ihre Toch­ter Else Ermann aus­ge­wan­dert war.[38] Wann sie die­se Fahrt unter wel­chen Umstän­den ange­tre­ten hat­ten, konn­te nicht ermit­telt werden.

Aber auch die Eltern waren im Prin­zip zum Jah­res­en­de 1938 rei­se­fer­tig.[39] Noch am 29. Dezem­ber hat­ten sie der Devi­sen­stel­le die not­wen­di­gen steu­er­li­chen Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gun­gen geschickt und mit­ge­teilt, dass ihr Umzugs­gut bis zum 16. Janu­ar 1939 in der Woh­nung in der Lortzingstr. 7, danach in der Spe­di­ti­on ‚Ret­ten­may­er’ zur Kon­trol­le lagern wür­de. Die Dego-Abga­be in Höhe von 450 RM für neu­wer­ti­ge Güter, die durch die Emi­gra­ti­on nach NS-Rechts­auf­fas­sung dem deut­schen Volks­ver­mö­gen ent­zo­gen wür­den, war eben­falls schon ent­rich­tet.[40] Über die bereits bezahl­te Sum­me hin­aus for­der­te die Devi­sen­stel­le nach der Kon­trol­le wei­te­re 720 RM, die Mit­nah­me von auf­ge­lis­te­ten sil­ber­nen Gegen­stän­den wur­de sogar gänz­lich ver­wei­gert.[41]

Die letz­te Ver­mö­gens­er­klä­rung von Leo­pold Nuss­baum
HHStAW 519/​3 14475 (6)
Nach­weis für die Zah­lung der Dego-Abga­be
HHStAW 519/​3 14475 (3)

Eige­nes Ver­mö­gen besa­ßen Leo­pold und Rosa Nuss­baum bei ihrem unfrei­wil­li­gen Abschied aus Deutsch­land nicht mehr. Wie alle Exi­lier­ten muss­ten auch sie noch eine aktu­el­le Ver­mö­gens­er­klä­rung abge­ben. Es waren gera­de mal 547 RM, die Nuss­baums noch als ihr Rein­ver­mö­gen ange­ben konn­ten.[42]

Die lan­gen Umzugs­lis­ten, auf denen alles, vom Zahn­sto­cher bis zum Klei­der­schrank, genau­es­tens dekla­riert wer­den muss­te, sind im Nach­hin­ein gera­de im Hin­blick auf die Lite­ra­tur inter­es­sant, die die Flücht­lin­ge mit­neh­men woll­ten, geben sie doch Ein­bli­cke in deren Den­ken und ihren geis­ti­gen Hin­ter­grund. So fin­det man auf ihrer Lis­te neben diver­sen Gebets­bü­chern und einer zehn­bän­di­gen Jüdi­schen Geschich­te auch Wer­ke von Arnold und Ste­fan Zweig sowie von Oskar Fla­ke.[43]

Laut ihrer Gestapo­kar­tei­kar­te ver­lie­ßen Leo­pold, Rosa und Mar­tha Nuss­baum am 25. Janu­ar 1939 Deutsch­land mit dem Ziel Hol­land, Ams­ter­dam, Apol­lo­la­an 89.[44]

Martha Nussbaum
Hei­rat von Mar­tha Nuss­baum und Jozef Perl­ber­ger in Hol­land
https://​www​.wie​was​wie​.nl/​e​n​/​d​e​t​a​i​l​/​1​1​5​8​5​4​223

Dass Hol­land ihr ers­tes Ziel war, lag nicht nur des­halb nahe, weil das Land für vie­le eine ers­te, leicht zu errei­chen­de Zuflucht dar­stell­te, von wo aus man dann gege­be­nen­falls wei­ter nach Über­see konn­te, es gab auch einen sehr pri­va­ten Grund: Ihre Toch­ter Mar­tha war inzwi­schen dort­hin emi­griert. Ob die poli­ti­schen Ver­hält­nis­se in Deutsch­land oder aber pri­va­te Grün­de dafür aus­schlag­ge­bend waren, ist nicht bekannt. Am 20. Dezem­ber 1934 hat­te sie jeden­falls dort in Ams­ter­dam den aus Kra­kau in Polen stam­men­den, ver­wit­we­ten Pro­ku­ris­ten Jozef Perl­ber­ger, Sohn des Kauf­manns Cha­im Hirsch und Breindel Perl­ber­ger, gebo­re­ne Dimant, gehei­ra­tet.[45] Einen Hin­weis auf die­se Ehe fin­det man in den deut­schen Akten ver­ge­bens. Aller­dings wird von die­sem Zeit­punkt an ihr wei­te­rer Lebens­weg sehr unüber­sicht­lich. Laut dem Jüdi­schen Adress­buch von 1935 leb­te sie damals eigent­lich wei­ter­hin in Wies­ba­den bei ihren Eltern in der Lortzingstr. 7 unter ihrem bis­he­ri­gen Mäd­chen­na­men. Auch auf der Gestapo­kar­tei­kar­te ihres Vaters ist kein Hin­weis auf einen Aus­zug, geschwei­ge denn auf eine Aus­wan­de­rung und Hei­rat der Toch­ter ver­merkt.[46] Mög­li­cher­wei­se hat­ten die Eltern es aus gutem Grund unter­las­sen, ihre Toch­ter offi­zi­ell abzumelden.
Ob die­se, nach­dem sie Deutsch­land eben­falls ver­las­sen hat­ten, bei ihrer Toch­ter und ihrem Schwie­ger­sohn in Ams­ter­dam wohn­ten, ist nicht bekannt. Die ers­te Post, die am 20. Juli 1939 von dort an ihre Spe­di­ti­on nach Deutsch­land schick­ten, hat­te den Absen­der Ams­ter­dam, Enter­pestra­at 14.[47] Offen­bar saßen sie da schon seit einem hal­ben Jahr in Hol­land fest, ohne ihrem eigent­li­chen Ziel Süd­ame­ri­ka näher gekom­men zu sein.

Die Not­wen­dig­keit zu einer sol­chen Kon­takt­auf­nah­me mit der Wies­ba­de­ner Spe­di­ti­on ‚Ret­ten­may­er’ ergab sich, weil der Lift nicht wie geplant ver­schifft wor­den war. Ob das aber der Grund für das Aus­har­ren in Hol­land war, ist eher unwahrscheinlich.

Die Pro­ble­me, mit denen Nuss­baums kon­fron­tiert waren, ste­hen exem­pla­risch für vie­le Aus­wan­de­rer bzw. Flücht­lin­ge, die wegen irgend­wel­cher büro­kra­ti­scher Kom­pli­ka­tio­nen zuletzt in ihrem Exil nur mit ihrem Hand­ge­päck anka­men. Des­halb soll ihr Fall hier etwas detail­lier­ter geschil­dert wer­den.[48]
Zunächst wur­de von der Devi­sen­stel­le die noch immer nicht ein­ge­gan­ge­ne Quit­tung für die erfolg­te Zah­lung der Dego-Abga­be als Ursa­che für die Ver­zö­ge­rung genannt. Die Behör­de sei völ­lig über­las­tet, es kön­ne daher sein, dass die­se abhan­den gekom­men sei. Eine Pack­ge­neh­mi­gung für den Lift hat­te somit – ein hal­bes Jahr nach Abnah­me durch die glei­che Stel­le ! – noch immer nicht erteilt wer­den kön­nen. Wie sich aus dem fol­gen­den Schrei­ben von Ret­ten­may­er ergibt, war die Quit­tung tat­säch­lich ver­lo­ren gegan­gen und ein Ver­such der Fir­ma, die Pack­ge­neh­mi­gung unbü­ro­kra­tisch zu erhal­ten, schei­ter­te. Es muss­te erst eine Kopie der Ein­zah­lung von der Bank besorgt wer­den. Nach­dem das erle­digt war, fehl­ten auch die Inhalts­lis­ten des Lifts, von denen Ret­ten­may­er wie­der­um kei­ne Kopien besaß. Viel­leicht hät­te, so die Hoff­nung der Spe­di­ti­on, der ehe­ma­li­ge Mit­be­woh­ner Selig­mann, bei dem die Kis­ten zunächst gela­gert waren, Kopien und könn­te mit einer durch die Poli­zei beglau­big­ten Abschrift aus­hel­fen. Offen­bar war das tat­säch­lich der Fall, zumin­dest konn­te die Fir­ma am 1. August mel­den, dass am fol­gen­den Tag die Ver­pa­ckung im Lager­haus der Fir­ma statt­fin­den kön­ne. Aller­dings gab es eine neue Ver­zö­ge­rung: „Wir wer­den den Lift­van nicht über Rot­ter­dam ver­la­den, da durch den neu­en Rund­erlass vom 27.6. d.J. Erschwe­run­gen ein­ge­tre­ten sind für die Geneh­mi­gung der See­fracht­zah­lung in Reichs­mark bei Benut­zung aus­län­di­scher Lini­en und Häfen. Auf alle Fäl­le aber müs­sen die in Hol­land ent­ste­hen­den Umschlag­spe­sen in Devi­sen bezahlt wer­den und wir neh­men an, dass Ihnen die­ses nicht genehm ist.“ Des­we­gen soll­te der Lift jetzt über Bre­men oder Ham­burg nach Süd­ame­ri­ka geschickt wer­den.[49] Das soge­nann­te Kon­nos­se­ment, eine Art Beleg für die Ver­schif­fung und über die Eigen­tü­mer­schaft des Fracht­guts,[50] sol­le ihnen dann per Luft­post nach Ams­ter­dam geschickt wer­den, sobald bekannt sei, wann und mit wel­chem Schiff die Fracht auf den Weg geschickt wur­de. Am 11. August wur­de der Lift einer Fir­ma Neu­kirch in Bre­men über­ge­ben, aber noch immer war nicht bekannt, wie es wei­ter­ge­hen soll­te. Dann erhiel­ten Nuss­baums, selbst noch immer in Ams­ter­dam, am 17. August die erfreu­li­che Nach­richt, ihr Lift sei am 15. August mit der ‚La Pla­ta’ auf dem Weg nach Bue­nos Aires zu Ernsto, dem Ehe­mann ihrer Toch­ter Else, in der Cal­lao 555, 4 Pico Dep.C.[51]
Die her­be Ent­täu­schung folg­te nur weni­ge Tage spä­ter. Nuss­baums, die, noch immer in Ams­ter­dam, die Fracht selbst nicht ent­ge­gen­neh­men konn­ten, woll­ten daher das Kon­nos­se­ment auf den Namen ihres Schwie­ger­sohns umschrei­ben las­sen, was aber, weil von der argen­ti­ni­schen Bot­schaft auto­ri­siert, nur mög­lich war, wenn das alte Kon­nos­se­ment aus Süd­ame­ri­ka zurück­ge­schickt und neu aus­ge­stellt wür­de. „Da dann aller­dings die Gefahr besteht, dass bei Ein­tref­fen der Sen­dung die zwei­ten Doku­men­te nicht vor­lie­gen und dadurch Zoll­stra­fen ent­ste­hen kön­nen, emp­feh­len wir Ihnen, es bei der erfolg­ten Adres­sie­rung zu belas­sen.“[52]

Nach­richt über den ver­lo­re­nen Lift
HHStAW 518 10394 (28)

Der nächs­te Brief datiert auf den 9. Mai 1940, ist also fast ein Jahr spä­ter geschrie­ben und ist die Ant­wort auf ein Schrei­ben von Leo­pold Nuss­baum vom 3. Janu­ar 1940. Dar­in war ihm mit­ge­teilt wor­den, dass ihr Lift in Vigo gelöscht wor­den sei, aller­dings nicht in Argen­ti­ni­en, auch nicht in Süd­ame­ri­ka, son­dern in Vigo in Spa­ni­en! „Sie müs­sen nun“, hieß es, „sämt­li­che  auf­ge­lau­fe­nen Kos­ten in Vigo sowie die See­fracht nach Vigo über­wei­sen, wenn Sie in den Besitz Ihrer Sen­dung gelan­gen wol­len.“ Sobald näm­lich eine Sen­dung ver­la­den wor­den sei, gel­te sie als gelie­fert, „selbst dann, wenn eine Sen­dung, wie in die­sem Fall durch Kriegs­aus­bruch in einem Not­ha­fen gelöscht wer­den muss­te und nur bis Vigo trans­por­tiert wer­den konn­te. Es bleibt Ihnen also nichts ande­res übrig, als die See­fracht in Devi­sen in Vigo zu bezah­len.“[53]

Weder konn­ten Nuss­baums noch ein­mal etwa 800 RM – in Devi­sen ! — auf­brin­gen, um die Ladung frei­zu­kau­fen, noch hät­ten sie gewusst, wie sie die Fracht wei­ter nach Argen­ti­ni­en hät­ten trans­por­tie­ren kön­nen. Der gesam­te Lift ging zurück nach Ham­burg, wo er bei der ‚Ham­burg-Süd­ame­ri­ka­ni­schen Dampf­schiff­fahrts­ge­sell­schaft’ ein­ge­la­gert und dann am 13. April 1942 zur Ver­stei­ge­rung frei­ge­ge­ben wur­de. Die­se erbrach­te ins­ge­samt einen Betrag von ca. 4.700 RM. Nach Abzug der gesam­ten Kos­ten von etwa 2.000 RM, soll­te der Rest­be­trag – man stau­ne – auf ein von einem Anwalt geführ­tes Pfleg­schafts­kon­to der eigent­li­chen Eigen­tü­mer ein­ge­zahlt wer­den. Da sich das Kon­nos­se­ment ver­mut­lich in deren Hän­den befin­den wür­de, kön­ne man aber nicht wis­sen, wer der tat­säch­li­che Eigen­tü­mer sei. Zwei Jah­re spä­ter wur­de die Pfleg­schaft auf­ge­ho­ben, und man muss davon aus­ge­hen, dass spä­tes­tens jetzt der NS-Staat sich ermäch­tig­te, das Geld an sich zu rei­ßen.[54]

Leopold Nussbaum
Ster­be­ein­trag von Leo­pold Nuss­baum aus Bue­nos Aires
HHStAW 518 10394 (16)

Das erleb­te Leo­pold Nuss­baum selbst schon nicht mehr. Er war bereits am 12. August 1941 mit nur 65 Jah­ren in sei­nem Haus in Bue­nos Aires einem Herz­in­farkt erle­gen.[55]
Um ihre damals weit­ge­hend mit­tel­lo­se Mut­ter zu unter­stüt­zen, hat­te ihre Toch­ter Mar­tha zuvor zu deren Guns­ten auf den ihr zuste­hen­den Erb­teil ver­zich­tet.[56]

Unter­schrift von Rosa Nuss­baum
HHStAW 518 10349 (1)

Rosa Nuss­baum konn­te nach dem Ende des Krie­ges mit Hil­fe ihrer Kin­der 1954 ihre Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che noch selbst anmel­den. Mit zitt­ri­ger Schrift unter­schrieb sie damals den Antrag.[57] Am 11. Juni 1960 ver­starb auch sie in Bue­nos Aires.[58]

Ihren oben erwähn­ten Ver­zicht auf ihren Anteil am Erbe des Vaters hat­te Mar­tha im März 1956 in Zürich vor einem Anwalt erklärt, wo sie sich mit ihrem Ehe­mann, der dem Ver­zicht zustim­men muss­te, offen­bar in die­ser Zeit auf­hielt. Die Ver­zichts­er­klä­rung wirft immer­hin ein paar weni­ge Schlag­lich­ter auf ihre ins­ge­samt weit­ge­hend unbe­kann­te Lebens­ge­schich­te nach 1934. Auch sie war zu einem nicht bekann­ten Zeit­punkt eben­falls nach Süd­ame­ri­ka gelangt, war argen­ti­ni­sche Staats­bür­ge­rin gewor­den und hat­te dort das „h“ in ihrem Namen Mar­tha weg­ge­las­sen. Aber nicht nur ihren Vor­na­men hat­te sie ver­än­dert, son­dern in den Ent­schä­di­gungs­ak­ten trägt sie jetzt nach dem Krieg den neu­en Namen Fei­tel. Wann die Ehe mit dem 1902 gebo­re­nen Indus­tri­el­len Franz bzw. Fran­cis­co Wil­helm Fei­tel geschlos­sen wur­de und ob die vor­he­ri­ge geschie­den oder durch den Tod von Jozef Perl­ber­ger been­det wur­de, ist nicht bekannt. Immer­hin mar­kiert die Geburt der gemein­sa­men Toch­ter Sil­via Ana am 15. Sep­tem­ber 1947 in Bue­nos Aires, seit wann die neue Bezie­hung von Mar­ta Fei­tel unge­fähr bestan­den haben muss.[59] Mar­ta Fei­tel ver­starb mit nur 50 Jah­ren in Bue­nos Aires, ein hal­bes Jahr vor ihrer Mut­ter.[60] Siche­res über den wei­te­ren Lebens­weg ihres Man­nes konn­te nicht in Erfah­rung gebracht wer­den.[61]

Ermann Nussbaum
Grab von Ernst und Regi­na Ermann in Bue­nos Aires
https://​en​.genea​net​.org/​c​e​m​e​t​e​r​y​/​v​i​e​w​/​1​1​2​3​7​685

Sehr wenig weiß man, abge­se­hen von den Todes­da­ten, auch über das wei­te­re Schick­sal der Fami­lie ihrer Schwes­ter Else. Ernst Ermann ver­starb schon am 4. Mai 1962, Else selbst am 28. Janu­ar 1982, bei­de in Bue­nos Aires.[62] Dort fand auch ihre Toch­ter Han­ne­lo­re am 11. Dezem­ber 1986 ihre letz­te Ruhe­stät­te.[63]

Die Familie von Moritz und Natalie Nussbaum, geborene Goldschmidt

Abge­se­hen von Leo­pold waren alle ande­ren Geschwis­ter zunächst in ihrer Hei­mat geblie­ben, wo sie zunächst den frü­hen Tod des Vaters am 11. April 1924 ver­kraf­ten [64] und dann den all­mäh­li­chen Auf­stieg der Natio­nal­so­zia­lis­ten mit­er­le­ben mussten.

Am 10. Okto­ber 1901 hei­ra­te­te Moritz, der ältes­te Sohn von Feist und Regi­na Nuss­baum, in Angen­rod Nata­lie Gold­schmidt, die am 10. Dezem­ber 1873 gebo­re­ne Toch­ter von Bene­dikt und Lot­ti Gold­schmidt, gebo­re­ne Lieb­schütz. Sie stamm­te aus Sterb­fritz /​ Sinn­tal, wo ihre Eltern zuletzt noch wohn­ten, war aber inzwi­schen in das etwa 80 km nord­öst­lich von ihrem Geburts­ort ent­fern­te Angen­rod gezo­gen.[65] In den fol­gen­den Jah­ren wur­den dem Paar sechs Kin­der gebo­ren. Bert­hold, der ältes­te, kam am 26. August 1902,[66] Regi­ne /​ Regi­na am 12. Janu­ar 1904,[67] Theo­dor am 9. April 1906,[68] Mar­tin am 23. Mai 1909, [69] Lud­wig am 25. Novem­ber 1910 [70] und zuletzt Fer­di­nand am 2. Juli 1916 zur Welt.[71] Bis auf den jüngs­ten Sohn Fer­di­nand und den bereits 1932 in Achim bei Bre­men ver­stor­be­nen Sohn Lud­wig [72] war es allen übri­gen Kin­dern durch ihre recht­zei­ti­ge Emi­gra­ti­on gelun­gen, dem Holo­caust zu ent­kom­men. Aber auch an ihnen waren die Schreck­nis­se der ers­ten Jah­re der Dik­ta­tur nicht spur­los vorübergegangen.

Alle drei Brü­der hat­ten eine kauf­män­ni­sche Leh­re absol­viert und waren nach dem Tod des Vaters in die Fir­ma ein­ge­stie­gen, um ihrer Mut­ter bei­zu­ste­hen. Nur Regi­ne war nach dem Besuch der Volks­schu­le von ihren Eltern nach Kas­sel geschickt wor­den, wo sie nach dem Besuch einer pri­va­ten Fach­schu­le das Schnei­der­hand­werk erlern­te. 1922 wur­de ihr dort der Gesel­len­brief von der dor­ti­gen Schnei­der­innung über­reicht. Danach kehr­te aber auch sie wie­der nach Neu­kir­chen zurück, um im elter­li­chen Geschäft zu hel­fen.[73] Wahr­schein­lich bau­te sie damals neben dem bis­he­ri­gen Waren­an­ge­bot ein wei­te­res Stand­bein auf, indem sie auch Tex­til­wa­ren, viel­leicht sogar selbst genäh­te Klei­dung zum Ver­kauf anbot. Der Grund für die­se Ver­mu­tung ergibt sich aus den spä­te­ren Ent­schä­di­gungs­ak­ten, in denen die Fir­ma der Nuss­baums zwar zunächst wei­ter­hin als Geschäft für Öle, Fet­te usw., zuletzt aber aus­schließ­lich als Manu­fak­tur­wa­ren- oder Tex­til­ge­schäft bezeich­net wur­de. Wie lan­ge die Waren par­al­lel ange­bo­ten wur­den und ab wann man sich ganz auf Tex­ti­li­en beschränk­te, lässt sich nicht mehr sagen. Auf einem Foto des Hau­ses, das wegen der vie­len Haken­kreuz­fah­nen an den Nach­bar­häu­sern in der Zeit nach 1933 auf­ge­nom­men wor­den sein muss, kann man noch das Pla­kat „Tape­ten – Far­ben – Lacke“ lesen.[74] Mög­li­cher­wei­se muss­te man aber schon wenig spä­ter auf Grund feh­len­der Belie­fe­rung mit sol­chen damals wich­ti­gen, qua­si „stra­te­gi­schen“ Gütern, zuneh­mend auf Tex­ti­li­en aus­wei­chen. Auch gab Mar­tin im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren an, er habe nach sei­ner Schul­aus­bil­dung und sei­ner kauf­män­ni­schen Leh­re als Ver­käu­fer und Rei­sen­der für das ‚Kauf­haus Höx­ter’ in Zie­gen­hain gear­bei­tet. Da die­ses pri­mär Tex­ti­li­en, Putz- und Mode­wa­ren anbot, habe er sich eben­falls beson­ders in die­sem Bereich qua­li­fi­ziert.[75] Sei­ne Fach­kennt­nis hat­te ganz sicher zur Neu­aus­rich­tung des Ladens von Nata­lie Nuss­baum bei­getra­gen. In den Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren gaben die Kin­der an, sie hät­ten neben frei­er Unter­kunft und Ver­pfle­gung auch Geld für ihre Klei­dung und jeweils ein Taschen­geld von etwa 150 RM von der Mut­ter erhalten.

Hat­te das Geschäft in frü­he­ren Jah­ren der gesam­ten Fami­lie aus­kömm­li­che Ein­nah­men für eine geho­be­ne Lebens­füh­rung gesi­chert,[76] so bra­chen mit Beginn der Drei­ßi­ger­jah­re, zunächst bedingt durch die Welt­wirt­schafts­kri­se, die Ein­künf­te deut­lich ein. Aber schon vor 1933 kamen die ers­ten Boy­kott­auf­ru­fe gegen jüdi­sche Geschäf­te auch in Neu­kir­chen auf.[77] Die NSDAP hat­te schon bald die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung im Kreis hin­ter sich. Bei den Wah­len im März 1933 erhielt die Par­tei in Neu­kir­chen 88 Pro­zent der Stim­men [78] und die ers­ten Juden ver­lie­ßen den Ort, in dem sie seit Gene­ra­tio­nen gelebt hatten.

Klei­ne nach­bar­schaft­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die es schon immer gege­ben hat­te, wie etwa der Abtrans­port von Gül­le zur Mit­tags­zeit, wur­den jetzt zum Poli­ti­kum und konn­ten lebens­ge­fähr­li­che Fol­gen haben. Die stän­di­gen Auf­mär­sche uni­for­mier­ter Grup­pen wirk­ten als per­ma­nen­te Droh­ku­lis­se. Schil­der in Geschäf­ten und Gast­häu­sern ver­wei­ger­ten Juden den Zutritt und man­cher Volks­deut­sche ver­such­te, sich sei­ner frü­her ein­ge­gan­ge­nen finan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen gegen­über jüdi­schen Geschäfts­part­nern mit Ver­weis auf ein angeb­li­ches Wucher­ge­schäft zu entziehen.
Zwar konn­ten im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren spä­ter kei­ne genau­en Ein­kom­mens­zah­len aus den Jah­ren vor und nach 1933 ermit­telt wer­den,[79] aber schon 1933 muss­te ein Mit­ar­bei­ter aus Kos­ten­grün­den ent­las­sen werden.

Das ers­te der Kin­der, das Neu­kir­chen ver­ließ, war die Toch­ter Regi­ne. Mög­li­cher­wei­se spiel­te bei ihr auch eine Rol­le, dass sie als Kost­gän­ge­rin der übri­gen Fami­lie nicht län­ger zur Last fal­len woll­te und ihre Arbeits­kraft auch nicht län­ger benö­tigt wur­de. Wich­ti­ger war aber die stän­di­ge Bedro­hung.[80] Auch vor dem Geschäfts­haus der Fami­lie waren Schil­der mit Boy­kott­auf­ru­fen auf­ge­stellt wor­den, und als sie dann auf der Stra­ße per­sön­lich beläs­tigt wur­de und zuletzt noch die Schei­ben des Hau­ses ein­ge­schla­gen wur­den, ent­schloss sie sich zum Jah­res­wech­sel 1934/​35 nach Paläs­ti­na aus­zu­wan­dern. Am 7. Janu­ar 1936 kam sie dort an.[81] Da sie kein legi­ti­mes Ein­wan­de­rungs­zer­ti­fi­kat der Man­dats­re­gie­rung besaß, muss­te sie not­ge­drun­gen als Tou­ris­tin nach Paläs­ti­na ein­rei­sen. Die Hoff­nung, eine Arbeit als Schnei­de­rin oder Büro­an­ge­stell­te zu fin­den, zer­schlug sich ange­sichts ihrer feh­len­den Sprach­kennt­nis­se. Zudem besaß sie als Tou­ris­tin kei­ne Arbeits­er­laub­nis, sodass sie sich als Haus­halts­hil­fe für einen kar­gen Lohn durch­schla­gen muss­te. Um die­ser Situa­ti­on der Ille­ga­li­tät zu ent­kom­men, ging sie eine Schein­ehe mit einem Schlo­mo Reif ein, die aber bald wie­der geschie­den wur­de.[82] 1942 hei­ra­te­te sie dann Max Gross­mann, über den aber kei­ne wei­te­ren Infor­ma­tio­nen vor­lie­gen.[83] Im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren gab sie aber an, dass sie seit­dem in weit­ge­hend gesi­cher­ten finan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen leb­te. Aller­dings hat­te sie zeit­le­bens mit kör­per­li­chen Beschwer­den zu kämp­fen, die sie sich durch die schwe­re Arbeit in den Anfangs­jah­ren und das unge­wohn­te Kli­ma zuge­zo­gen hatte.

Etwa zur glei­chen Zeit wie sei­ne Schwes­ter ver­ließ auch Theo­dor sei­nen Hei­mat­ort Neu­kir­chen. Nach sei­ner Schul­zeit, die er mit der Mitt­le­ren Rei­fe abschloss, hat­te er eine Leh­re im Bank­ge­wer­be auf­ge­nom­men, aller­dings ist nicht klar, ob er die auch been­den konn­te, da auch er nach dem Tod des Vaters im elter­li­chen Geschäft aus­hel­fen muss­te. Am 18. März 1934 hei­ra­te­te er in Mar­burg Ida Baum. Zusam­men flo­hen sie Anfang 1935 nach Hol­land, wo auch sie sich zeit­wei­se in Ams­ter­dam auf­hiel­ten.[84] Offen­bar hat­ten sie auch kaum Mög­lich­kei­ten, ihren Lebens­un­ter­halt durch regel­mä­ßi­ge Arbeit zu sichern. Zwar gab sein Bru­der im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren an, er habe sich dort „im Groß­han­del eta­bliert“, aber nach Aus­kunft der hol­län­di­schen Finanz­be­hör­den wur­de er wäh­rend der Zeit sei­nes Auf­ent­halts zu kei­ner steu­er­li­chen Leis­tung her­an­ge­zo­gen.[85]
Kurz vor dem Ein­marsch der deut­schen Trup­pen konn­ten die bei­den nach Paläs­ti­na aus­rei­sen, wo Theo­dor den zusätz­li­chen Namen Dani­el annahm. [86] Nicht bekannt ist aller­dings, auf wel­chem Weg und unter wel­chen Bedin­gun­gen die Flucht von­stat­ten ging.

Todes­an­zei­ge für Ida Nuss­baum
https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20440/Wieseck%20Giessen%20Aufbau%2019440303%20TA%20Ida%20Nussbaum%20Baum.jpg.

In Paläs­ti­na bzw. spä­ter in Isra­el erhielt er eine Anstel­lung in der staat­li­chen Ver­wal­tung. Von 1941 bis Som­mer 1942 war er als Buch­hal­ter tätig. Die Stel­lung gab er auf sei­nen eige­nen Wunsch hin auf. Wovon er in den fol­gen­den Jah­ren leb­te, ist nicht bekannt. Von Okto­ber 1946 an bis zu sei­nem Tod am 26. Juni 1949 arbei­te­te er als Leh­rer an der Mik­veh-Isra­el Agri­cul­tu­ral School in Tel Aviv.[87]. Er war nur 43 Jah­re alt gewor­den. Sei­ne Frau Ida war am 24. Janu­ar 1944 sogar noch fünf Jah­re vor ihm nach kur­zer Krank­heit ver­stor­ben.[88] Sie wird kaum älter als ihr Mann gewe­sen sein. Zur Erin­ne­rung an sie hat­te Theo Nuss­baum im ‚Auf­bau’ vom 3. März 1944 auch im Namen ihrer Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen eine Todes­an­zei­ge auf­ge­ge­ben. Ob bei­de mit ihrem frü­hen Tod Opfer ihrer Lei­dens­ge­schich­te oder der Lebens­be­din­gun­gen in Paläs­ti­na wur­den, ist nur schwer zu sagen, ver­mut­lich auch nicht wirk­lich zu unterscheiden.

Nach dem Weg­gang von Regi­ne und Theo­dor waren in Neu­kir­chen zunächst noch die Mut­ter Nata­lie Nuss­baum mit den Söh­nen Bert­hold, Mar­tin und Fer­di­nand zurück­ge­blie­ben. Aber immer mehr Jüdin­nen und Juden ver­lie­ßen ange­sichts wach­sen­der Bedro­hun­gen und der für sie aus­sichts­lo­sen finan­zi­el­len Situa­ti­on ihre Hei­mat­or­te. Wer nicht die Mög­lich­keit oder den Mut hat­te, ins Aus­land zu gehen, ließ sich wenigs­tens in den grö­ße­ren Städ­ten nie­der. Frank­furt mit sei­ner gro­ßen jüdi­schen Gemein­de war dabei eines der begehr­tes­ten Zie­le im hes­si­schen Raum.

Nussbaum
Umzug von Nat­lie Nuss­baum mit ihren Söh­nen nach Frank­furt
HHStAW 518 11124 (18)

Am 4. August 1936, nach­dem das Geschäft völ­lig zum Erlie­gen gekom­men und samt der Immo­bi­lie 1936 für 19.000 RM an den Dro­gis­ten Mar­tin M. ver­kauft wor­den war,[89] ver­lie­ßen auch die Mut­ter und ihre Söh­ne Neu­kir­chen und zogen nach Frank­furt in die Born­hei­mer Land­str. 37.[90] Eige­nes Ein­kom­men hat­te zumin­dest Nata­lie Nuss­baum inzwi­schen nicht mehr. Leben muss­te sie von ihrem Erspar­ten und dem Geld, das sie durch den Haus­ver­kauf erzielt hatte.

Als drei Jah­re spä­ter am 10. Novem­ber 1939 gegen sie eine Siche­rungs­an­ord­nung unter dem Akten­zei­chen JS-6318 erlas­sen wur­de, [91] ver­füg­te sie noch über ein Ver­mö­gen von 830 RM. Dies geht aus ihrer Ver­mö­gens­er­klä­rung her­vor, die man damals von ihr ver­lang­te. Ein­kom­men habe sie nicht mehr zu erwar­ten, schrieb sie dar­in. Die Lebens­hal­tungs­kos­ten für sie selbst und ihren jüngs­ten Sohn Fer­di­nand bezif­fer­te sie auf monat­lich 282 RM.[92] Trotz der finan­zi­ell völ­lig deso­la­ten Situa­ti­on war sie gezwun­gen wor­den, ein Siche­rungs­kon­to ein­zu­rich­ten, das zusätz­li­che Kos­ten ver­ur­sach­te. Ihren Frei­be­trag beließ man „groß­zü­gig“ bei 300 RM im Monat, obwohl ihr so viel Geld auch zukünf­tig nie zur Ver­fü­gung ste­hen wür­de.[93]

Das Geld aus dem Haus­ver­kauf war ver­mut­lich in den drei Jah­ren für den all­täg­li­chen Bedarf ver­braucht wor­den. Auch hat­te sich zwi­schen 1936 und 1939 die Situa­ti­on der Rest­fa­mi­lie in Frank­furt grund­le­gend verändert.

Immer­hin hat­ten die Söh­ne in Frank­furt zunächst noch Arbeit gefun­den, Bert­hold sogar in sei­nem erlern­ten Beruf. Als Geschäfts­füh­rer einer Far­ben­hand­lung in der Frank­fur­ter Ber­ger­stra­ße ver­dien­te er ab Juli 1936 monat­lich 350 RM plus Pro­vi­sio­nen in der Höhe von etwa 150 RM.[94]
Mar­tin erhielt bei der Fir­ma Moritz Eden­feld, einem jüdi­schen Unter­neh­men, das aber unter Kon­trol­le der DAF stand, als ers­ter Lage­rist ein klei­ne­res Gehalt, als ihm eigent­lich zuge­stan­den hät­te. Immer­hin wur­den für ihn aber auch monat­lich Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge abge­führt.[95] Ende Okto­ber 1938 wur­de die Fir­ma ari­siert und auch er ver­lor sei­ne Arbeit. Wann genau Mar­tin sei­ne Frau Pau­la Katz gehei­ra­tet hat­te, konn­te lei­der nicht ermit­telt wer­den. Aber 1937 hat­te er sich eine kom­plet­te Woh­nungs­ein­rich­tung im Wert von mehr als 5.000 RM samt einem Dop­pel­bett ange­schafft, die aber spä­ter bei sei­ner Aus­wan­de­rung in Euro­pa zurück­blieb. Anlass für den Kauf könn­te die damals voll­zo­ge­ne oder zumin­dest geplan­te Ehe gewe­sen sein.[96] Pau­la Katz, gebo­ren am 11. Dezem­ber 1905 in Hün­feld, war die Toch­ter von Albert und Sara Katz, gebo­re­ne Hahn.[97]

Auch Fer­di­nand muss damals noch ein Gehalt bezo­gen haben, denn, so sein Bru­der Mar­tin, er ver­lor sei­ne Arbeit als Han­dels­rei­sen­der erst im Novem­ber 1938. Er war, so ist des­sen eides­statt­li­cher Erklä­rung zu ent­neh­men, damals bei einer im thü­rin­gi­schen Gotha ansäs­si­gen Fir­ma als Ver­käu­fer und Rei­sen­der ange­stellt, blieb aber ver­mut­lich wei­ter­hin in Frank­furt gemel­det. Er habe in die­ser Zeit ein fes­tes und für sein Alter außer­ge­wöhn­lich hohes monat­li­ches Gehalt von 220 RM plus Pro­vi­sio­nen bezo­gen.[98]

Die trü­ge­ri­sche Sicher­heit, die die Fami­lie in Frank­furt, damals wohn­haft in der Tier­gar­ten­str. 30 im ers­ten Stock, gefun­den zu haben glaub­te, brach mit der Reichs­po­grom­nacht zusam­men. Alle drei Brü­der wur­den als „Akti­ons­ju­den“ – so der Ter­mi­nus für die damals Inhaf­tier­ten – gefan­gen genom­men und in das KZ Buchen­wald eingeliefert.

Martin Nussbaum
Häft­lings­kar­tei­kar­te von Mar­tin Nuss­baum aus Buchen­wald
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Mar­tin erhielt in Buchen­wald zunächst die Häft­lings­num­mer 10339, nach sei­ner Ein­klei­dung dann die Num­mer 29985.[99] Im Lager muss­te er Zwangs­ar­beit im Stein­bruch und beim Bau der Kom­man­dan­ten­stra­ße ver­rich­ten.[100] Abge­se­hen von dem all­täg­li­chen Ter­ror und Leid wur­de er von einem SS-Wach­mann durch einen Stein­wurf an den Kopf so sehr ver­letzt, dass er die Jah­re sei­nes Lebens in Frei­heit unter stän­di­gen Kopf­schmer­zen zu lei­den hat­te. Am 12. Dezem­ber 1938 durf­te er das Lager mit der Auf­la­ge ver­las­sen, inner­halb der nächs­ten Wochen aus Deutsch­land zu emi­grie­ren. Die­se Absicht hat­ten er und sei­ne Frau ohne­hin. Er besaß sogar schon eine War­te­num­mer des ame­ri­ka­ni­schen Kon­su­lats in Stutt­gart mit der Num­mer 21615. Aber unter dem Druck der Ver­hält­nis­se konn­te er nicht dar­auf war­ten, bis die­se Num­mer auf­ge­ru­fen wür­de, zumal er unter Poli­zei­kon­trol­le stand und sich täg­lich dort mel­den muss­te. Mar­tin und sei­ne Frau Pau­la ergrif­fen daher eine Gele­gen­heit, um zunächst nach Kolum­bi­en aus­zu­wan­dern. Spä­ter, so hoff­ten sie, wür­den sie einen Weg fin­den, um in die USA zu gelan­gen. Im Janu­ar 1939 hat­ten sie alle not­wen­di­gen Papie­re, wie etwa die Ver­mö­gens­auf­stel­lung, Umzugs­lis­ten und diver­se steu­er­li­che Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gun­gen, zusam­men.[101] An Ver­mö­gen besa­ßen die bei­den nach eige­nen Anga­ben zusam­men noch 1.700 RM – in wel­cher Form, haben sie nicht genau­er dar­ge­legt.[102]

Am 9. Febru­ar 1939 tra­ten sie dann die Fahrt nach Kolum­bi­en an,[103] aller­dings – ähn­lich wie bei ihrem Onkel – ohne ihr in einem Lift ver­pack­tes Umzugs­gut. Die Grün­de dafür sind nicht mehr nach­voll­zieh­bar, denn die Devi­sen­stel­le hat­te die Umzugs­lis­ten kon­trol­liert und geneh­migt. Sogar ein wei­te­res Paket, das die Mut­ter ihrem Sohn im März noch nach­sen­den woll­te, durch­lief die Kon­trol­le mit einer Geneh­mi­gung.[104] Unklar ist, ob der Lift über­haupt Deutsch­land ver­las­sen hat­te, wie Mar­tin Nuss­baum in sei­nem Ent­schä­di­gungs­an­trag schrieb. Sei­ne Mut­ter habe über die Fir­ma Ret­ten­may­er die Pack­stü­cke nach Hol­land beor­dert, von wo aus sie wei­ter nach Kolum­bi­en hät­ten ver­schickt wer­den sol­len.[105] Ende Juni 1939 bat die Fir­ma auf Bit­te von Mar­tin Nuss­baum bei der Devi­sen­stel­le um Ver­län­ge­rung der Pack­ge­neh­mi­gung um drei Mona­te, da er „mit sei­nen Ein­rei­se­for­ma­li­tä­ten noch nicht soweit“ sei, was tat­säch­lich auch geneh­migt wur­de.[106] Unklar ist, ob das Ehe­paar Nuss­baum sich zu die­sem Zeit­punkt noch in Euro­pa, mög­li­cher­wei­se in Hol­land, befand und auf sei­ne Wei­ter­fahrt war­te­te, oder ob sie bereits in Kolum­bi­en waren und es nur Pro­ble­me mit dem Lift gab. Am 30. Novem­ber 1939 schick­te Ret­ten­may­er die Lis­ten über das Umzugs­gut an die Devi­sen­stel­le mit der Bemer­kung zurück: „Anlie­gend über­rei­chen wir Ihnen die geneh­mig­te Umzugs­gut­lis­te für den Juden Mar­tin Isra­el Nuss­baum, frü­her, Frank­furt /​ Main, jetzt Buen­a­ven­tura, da der Trans­port nicht mehr statt­fin­det.“[107] Inzwi­schen war der Zwei­te Welt­krieg aus­ge­bro­chen und Trans­por­te die­ser Art waren ein­ge­stellt wor­den. Ver­mut­lich wur­de der Inhalt zuguns­ten deut­scher Volks­ge­nos­sen und des Reichs­fis­kus ver­stei­gert, viel­leicht war er aber auch – so Mar­tin Nuss­baum — im Bom­ben­ha­gel beim deut­schen Angriff auf die Nie­der­lan­de zer­stört wor­den.[108]

Für Nuss­baums hat­te das zur Fol­ge, dass sie unter schwie­rigs­ten Bedin­gun­gen in ihrem frem­den Exil­land, des­sen Spra­che sie nicht ein­mal beherrsch­ten, völ­lig mit­tel­los ein neu­es Leben auf­bau­en muss­ten. Die Hoff­nung, mög­lichst bald in die USA wei­ter­rei­sen zu kön­nen, zer­schlug sich mit dem Kriegs­aus­bruch eben­falls, und die Papie­re, die sie sich zuvor für ihre Ein­rei­se in die USA besorgt hat­ten, waren inzwi­schen, wie auch ihre Rei­se­päs­se, ungül­tig geworden.
In die­ser Not­si­tua­ti­on hal­fen die Geschwis­ter in Paläs­ti­na, denen es selbst finan­zi­ell nicht gut ging, mit Geld, etwa 5.000 Dol­lar, aus, was sicher unter den gege­be­nen Umstän­den nicht ein­fach zu bewerk­stel­li­gen war.[109] Noch mehr ver­schärft wur­de die Situa­ti­on dadurch, dass am 21. Sep­tem­ber 1939 dort ihr ers­tes Kind, der Sohn Man­fred /​ Man­fre­do, gebo­ren wur­de.[110] Ihre Toch­ter Sonya kam dann fünf Jah­re spä­ter am 12. April 1944 eben­falls in Kolum­bi­en zur Welt.[111] Ab 1940 konn­te die Fami­lie dann ein eige­nes, zunächst klei­nes Ein­kom­men ver­bu­chen, das sich aber in den fol­gen­den zehn Jah­ren ver­zehn­fach­te, sodass die Not der frü­hen Jah­re weit­ge­hend über­wun­den wer­den konn­te.[112] Inzwi­schen war die Fami­lie in die kolum­bia­ni­sche Haupt­stadt Bogo­tá verzogen.

Nach dem Ende des Krie­ges und nach­dem er die nöti­gen finan­zi­el­len Mit­tel hat­te, nahm er sei­nen ursprüng­li­chen Plan, in die USA ein­zu­rei­sen, wie­der auf, und tat­säch­lich erhielt er, nach­dem er alle not­wen­di­gen Unter­la­gen beschafft hat­te, die Geneh­mi­gung, mit sei­ner Fami­lie die Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu betre­ten. Am 24. Janu­ar 1952 lief die ‚San­ta Pau­la’ mit der Fami­lie Nuss­baum vom kolum­bia­ni­schen Car­ta­ge­na kom­mend im Hafen von New York ein.[113]

Trotz aller Stra­pa­zen, trotz aller Not war es ihm gelun­gen, das Leben sei­ner Fami­lie zu ret­ten. Wenn der deut­sche Nach­kriegs­staat ihm aller­dings ver­wei­ger­te, die Rei­se­kos­ten von Kolum­bi­en in die USA zu ent­schä­di­gen, weil er ja angeb­lich in Kolum­bi­en sess­haft gewor­den sei,[114] dann zeigt das ein­mal mehr, wie wenig sen­si­bel die deut­schen Behör­den damals mit dem Leid der Über­le­ben­den umge­gan­gen sind. Mar­tin Nuss­baum ver­starb am 30. März 1962 in New York.[115]

In New York leb­te zuletzt auch sein Bru­der Bert­hold, der nach lan­ger Lei­dens­zeit dort am 27. April 1947 auf dem Schiff ‚Mari­ne Fal­con’ von Sout­hamp­ton kom­mend dort gelan­det war.[116]

Geld­ver­wal­tungs­kar­te für Bert­hold Nuss­baum aus Buchen­wald
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Auch er war zunächst nach der Reichs­po­grom­nacht ver­haf­tet und dann am 13. Novem­ber nach Buchen­wald gebracht wor­den, wo er, der Häft­ling mit der Num­mer 29813, die übli­chen Quä­le­rei­en über sich erge­hen las­sen muss­te. Ein­mal, so erin­ner­te sich sein Bru­der Mar­tin, habe Bert­hold zwei Tage und eine Nacht in eisi­ger Win­ter­käl­te ohne war­mes Getränk oder Decken mit sei­nen Lei­dens­ge­nos­sen auf dem Appell­platz aus­har­ren müs­sen, weil eini­ge Häft­lin­ge nicht auf­find­bar waren.[117] Die unmensch­li­chen Haft­be­din­gun­gen hät­ten ihn immer wie­der krank wer­den las­sen und ein Herz­lei­den hin­ter­las­sen, das ihm zuletzt das Leben gekos­tet habe. Als er dann nach etwa einem Vier­tel­jahr am 10. Febru­ar 1939 ent­las­sen wur­de, kehr­te er eben­falls auf dem schnells­ten Weg Deutsch­land den Rücken. Auch sein Ziel waren damals schon die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, aber zunächst muss­te er in Groß­bri­tan­ni­en auf die not­wen­di­gen Papie­re war­ten. Zwar durf­te er zunächst dort noch arbei­ten, er war offen­bar als Ver­käu­fer bei einem Tep­pich­händ­ler ange­stellt, aber sein gesam­tes Ein­kom­men reich­te gera­de aus, um die hor­ren­den Arzt­kos­ten zu beglei­chen, die sei­ne Erkran­kung aus Buchen­wald ver­ur­sacht hatte.

Inter­nie­rung von Bert­hold Nuss­baum in Eng­land
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Unklar sind die Anga­ben bzw. Doku­men­te zu sei­ner Inter­nie­rung in Eng­land nach dem Kriegs­aus­bruch. Sein Bru­der gab an, er sei für etwa zwei Jah­re inter­niert gewe­sen, aller­dings besagt eine Kar­tei­kar­te, dass er nach einer Über­prü­fung am 5. Okto­ber 1939 von einer sol­chen Maß­nah­me aus­ge­schlos­sen wur­de. Den­noch muss er dann inter­niert wor­den sein, ver­mut­lich am 21. Juni 1940, wie es auf einer ande­ren Kar­te heißt, denn auf bei­den Kar­ten ist auch ver­merkt, dass er am 15. Novem­ber 1940 ent­las­sen wor­den sei. Das wäre dann aller­dings höchs­tens etwa ein hal­bes Jahr gewe­sen.[118]

Berthold Nussbaum
Nach dem Krieg konn­te auch Bert­hold Nuss­baum in die USA aus­rei­sen
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Unklar ist zudem, ob er danach wie­der arbei­ten durf­te. Sein Bru­der gab an, das sei ihm erst nach dem Ende des Krie­ges mög­lich gewe­sen. Er habe damals die Erlaub­nis erhal­ten, mit dem Lohn eines ein­fa­chen Fabrik­ar­bei­ters sei­nen Lebens­un­ter­halt zu bestrei­ten.[119]
Bert­hold blie­ben nur noch weni­ge Mona­te, um nach sei­ner Ankunft in Ame­ri­ka die Frei­heit zu genie­ßen. Am 14. Okto­ber 1949 ver­starb der ledig geblie­be­ne Bert­hold Nuss­baum dort allei­ne, zwei Jah­re bevor auch sein Bru­der aus Süd­ame­ri­ka dort­hin gelangte.

Auch der jüngs­te Bru­der Fer­di­nand war im Novem­ber­po­grom nach Buchen­wald ver­bracht und dort als Häft­ling mit der Num­mer 20741 fest­ge­hal­ten wor­den.[120] Anders als Bert­hold wur­de er schon am 13. Dezem­ber wie­der ent­las­sen.[121] Aber sei­ne bis­he­ri­ge gut bezahl­te Anstel­lung hat­te er ver­lo­ren. Auch er plan­te nicht zuletzt des­halb, nach sei­ner Frei­las­sung zu emi­grie­ren, er lern­te sogar noch den Kell­ner­be­ruf, weil er glaub­te, so im Aus­land leich­ter einen Job fin­den zu kön­nen, der ihn ernäh­ren wür­de.[122]

Er hat­te sogar schon alle not­wen­di­gen For­ma­li­tä­ten erle­digt, die steu­er­li­chen Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gun­gen besorgt und sei­ne Umzug­lis­ten bei der Devi­sen­stel­le ein­ge­reicht. Ver­mut­lich plan­te er, nach Chi­le aus­zu­wan­dern, zumin­dest ist in einer Unter­la­ge Latein­ame­ri­ka als Ziel ange­ge­ben und im Arol­sen-Archiv exis­tiert sogar ein nach dem Krieg ent­stan­de­nes Schrift­stück, wonach Fer­di­nand Nuss­baum nach Chi­le aus­ge­wan­dert sein soll, was aller­dings auf einer Fehl­in­for­ma­ti­on beruht.[123]
Im April 1941 frag­te die Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on Thü­rin­gen in Frank­furt bei der Devi­sen­stel­le an, ob es Ein­wän­de dage­gen gäbe, wenn Fer­di­nand von einem Lou­is Neu­haus einen Betrag von 50 RM von des­sen Aus­wan­de­rer-Sperr­gut­ha­ben erhal­ten wür­de.[124] Bei dem Spen­der, der damals im hol­län­di­schen Appel­dorn leb­te, han­del­te es sich um einen am 20. Febru­ar 1880 in Nen­ters­hau­sen gebo­re­nen ehe­ma­li­gen Betriebs­lei­ter, der vor sei­ner Flucht 1939 in Gotha leb­te.[125] Ob es ein ver­wandt­schaft­li­ches Ver­hält­nis der Nuss­baums zu Lou­is Neu­haus gab, ist nicht bekannt, wahr­schein­li­cher ist aber, dass es sich um einen ehe­ma­li­gen Arbeits­kol­le­gen aus Fer­di­nands Zeit in Gotha han­del­te, mög­li­cher­wei­se sogar um sei­nen Arbeit­ge­ber. In jedem Fall konn­ten Fer­di­nand und sei­ne Mut­ter das Geld gut gebrauchen.
Zunächst lös­te die Anfra­ge aber erst ein­mal einen büro­kra­ti­schen Pro­zess aus, da der Beschenk­te offen­bar noch kein Siche­rungs­kon­to besaß. Des­halb muss­te erst ein­mal eine Ver­mö­gens­er­klä­rung von ihm ein­ge­reicht wer­den. Ver­mö­gen besaß er nicht, hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr 1940 auch kein Ein­kom­men gehabt, rech­ne­te aber im lau­fen­den Jahr mit Ein­künf­ten von 1.000 RM.[126] In einem Begleit­schrei­ben gab er an, 85 RM monat­li­chen Lohn zu erhal­ten – es kann sich ange­sichts des Zeit­punkts dabei eigent­lich nur um Zwangs­ar­beit gehan­delt haben –, der aber nicht aus­rei­chen wür­de, um sei­ne Wohn- und wei­te­ren Lebens­hal­tungs­kos­ten zu bestrei­ten. Des­halb lebe er zusam­men mit sei­ner Mut­ter in einem gemein­sa­men Haus­halt.[127] Die Devi­sen­stel­le erhob kei­ne Beden­ken gegen die Schen­kung der 50 RM und ver­zich­te­te sogar auf die Anla­ge eines Siche­rungs­kon­tos. Auch dür­fe er sei­nen Arbeits­lohn in bar ent­ge­gen­neh­men, wur­de ihm am 28. Mai 1941 mit­ge­teilt.[128]

Nicht ein­mal fünf Mona­te Lebens­zeit blie­ben Nata­lie Nuss­baum und ihrem Sohn Fer­di­nand noch in Frank­furt, dann began­nen die sys­te­ma­ti­schen Depor­ta­tio­nen in den Osten, damals in das Ghet­to Litz­mann­stadt, wie man das frü­her pol­ni­sche Lodz im besetz­ten Gene­ral­gou­ver­ne­ment jetzt nannte.
Der ers­te Trans­port hat­te Wien am 15. Okto­ber 1941 ver­las­sen, zwei wei­te­re folg­ten am nächs­ten Tag aus Prag und Luxem­burg. Am 18. Okto­ber ver­ließ ein wei­te­rer Ber­lin und wie­der­um einen Tag spä­ter erneut einer Wien. Inner­halb von nur vier Tagen waren knapp 5000 Men­schen in das Ghet­to ver­bracht wor­den [129] und in Frank­furt ver­brei­te­ten sich Gerüch­te, dass dem­nächst auch dort eine sol­che Depor­ta­ti­on geplant sei. Die Jüdi­sche Gemein­de hat­te eine Lis­te mit Namen erhal­ten, auf der sie ein­tra­gen soll­te, wel­che Beru­fe die Genann­ten frü­her und aktu­ell aus­üben wür­den. Dass die Lis­te im Zusam­men­hang mit einem soge­nann­ten Arbeits­ein­satz ste­hen wür­de, war nahe­lie­gend. Die Gesta­po demen­tier­te vehe­ment sol­che Absich­ten und zwang sogar Rab­bi Neu­haus, sie am 17. Okto­ber von der Kan­zel der Syn­ago­ge aus als unbe­grün­de­te Gerüch­te abzu­tun.[130]
Aber die Gerüch­te und auch die dadurch ent­fach­ten Ängs­te waren alles ande­re als unbe­grün­det. Bereits am 16. Okto­ber hat­te ein SA-Stan­dar­ten­füh­rer in einer Akten­no­tiz fest­ge­hal­ten, dass für Sonn­tag, den 19. Okto­ber, der Abtrans­port von etwa 1000 Juden nach Litz­mann­stadt geplant sei: „Hier­zu stellt die SA 250 ordent­li­che hand­fes­te Män­ner. Anzug: Uni­form mit Pis­to­le, Man­tel, Brot­beu­tel. Tages­ver­pfle­gung ist mit­zu­brin­gen. Antre­ten: Sonn­tag, den 19. 10. 1941, vor­mit­tags 5.30 Uhr vor dem Haupt­ein­gang Pal­men­gar­ten, Bocken­hei­mer Land­stra­ße. Sämt­li­che SA-Män­ner wir­ken an die­sem Tage als Hilfs­po­li­zei.“ Als Ver­hal­tens­re­gel war vor­ge­ge­ben wor­den, dass sich die SA-Män­ner weder am Eigen­tum der Juden, noch an ihnen selbst ver­grei­fen durf­ten, wenn sie jeweils zu zweit deren Woh­nun­gen früh­mor­gens auf­such­ten. „Nach bestimm­ten Bestands­auf­nah­men in den Woh­nun­gen usw. wer­den die Juden zum Sam­mel­platz, Kel­ler Markt­hal­le, trans­por­tiert. Mit­neh­men dür­fen sel­bi­ge 100 RM in bar und einen Zent­ner Sach­wer­te; Lebens­mit­tel usw. wer­den dem WHW [Win­ter­hilfs­werk – K.F.] über­ge­ben.“ Die genau­en Adres­sen wür­den, so hieß es, noch bekannt gege­ben wer­den.[131]
Über die Durch­füh­rung der Akti­on lie­gen diver­se Berich­te ein­zel­ner SA-Füh­rer vor. In einem die­ser Berich­te heißt es:
“Pünkt­lich vor 7 Uhr erschie­nen vor den ein­zel­nen Woh­nun­gen die SA-Män­ner und for­der­ten die Juden auf zu öff­nen. Als­dann wur­de die jewei­li­ge Fami­lie in einem Raum zusam­men­ge­nom­men und ihnen hier die Ver­fü­gung betreffs Eva­ku­ie­rung vor­ge­le­sen. Es zeig­te sich nun, daß in ein­zel­nen Häu­sern, die voll­kom­men eva­ku­iert wer­den soll­ten, nicht alle Unter­la­gen aus­ge­teilt waren. Ich konn­te dies Ober­sturm­bann­füh­rer Rie­ke auf sei­nem Kon­troll­gang mel­den, der mir als­dann schnells­tens von der Ver­tei­lungs­stel­le noch die feh­len­den ins­ge­samt 18 Unter­la­gen besorg­te. Es gelang mir, auch die hier­für not­wen­di­gen Män­ner zu bekom­men, sodaß nach kur­zer Zeit auch hier die Akti­on ins Rol­len kam. Die Män­ner hat­ten außer­or­dent­lich schwie­ri­ge Arbeit nun in den Woh­nun­gen bei der Ver­hand­lung bezüg­lich der Auf­nah­me einer Ver­mö­gens­er­klä­rung sowie einer Bestands­auf­nah­me über das gesam­te Inven­tar, das ja, wie befoh­len, ein­ge­hend auf­ge­nom­men wer­den muß­te. Dies zog sich natür­lich meh­re­re Stun­den hin. Als­dann pack­ten die Juden die­je­ni­gen Gegen­stän­de, die sie mit­neh­men durf­ten, unter Auf­sicht ein. Jetzt muß­te gewar­tet wer­den, bis die Beam­ten der Staats­po­li­zei in den ein­zel­nen Woh­nun­gen erschie­nen, um die Ver­mö­gens- und Bestands­auf­nah­men zu prü­fen und den jewei­li­gen SA-Män­nern Ent­las­tung zu ertei­len.“[132]
Alle Juden hat­ten den Ver­mö­gens­ver­fall ihrer letz­ten Habe zuguns­ten des Rei­ches zu unter­zeich­nen. Nicht weni­ge der Opfer star­ben schon wäh­rend der Akti­on durch die Auf­re­gung, durch Schwä­che oder auch durch ihre eige­ne Flucht in den Tod.

Ein Trupp des SA-Sturm­banns 63 wird auch für die Woh­nung von Nata­lie und Fer­di­nand Nuss­baum in der Palm­str. 10 zustän­dig gewe­sen sein, denn der Füh­rer des SA-Sturm­banns II/​63 mel­de­te am 20. Okto­ber an die SA-Stan­dar­te 63, sei­ne Leu­te hät­ten ihre „unge­wohn­te Arbeit“ u.a. in den Häu­sern Palm­str. 12 und 21, in 7 Häu­sern mit etwa 17 Woh­nun­gen und 60 Per­so­nen ver­rich­tet.[133] Ver­mut­lich waren die Trupps so auf­ge­teilt, dass die SA-Män­ner gleich­zei­tig in die Nach­bar­häu­ser ein­dran­gen, um Flucht­ver­su­che ver­hin­dern zu können.
Über die Vor­gän­ge an die­sem Mor­gen lie­gen auch ver­schie­de­ne Zeu­gen­be­rich­te aus der Sicht der Betrof­fe­nen bzw. ihrer Ver­wand­ten und Bekann­ten vor, die auch über den etwa ein­stün­di­gen Marsch der Ver­haf­te­ten quer durch die Stadt zur Groß­markt­hal­le berich­te­ten.[134] Man­che erin­ner­ten sich, dass der Zug durch ein Spa­lier stum­mer Zuschau­er führ­te, ande­re bezeug­ten, die Men­schen sei­en bespuckt und beschimpft wor­den.[135]
Man hat­te die Groß­markt­hal­le als Sam­mel­sta­ti­on gewählt, weil deren Kel­ler­räu­me Platz für die­se gro­ße Zahl der Men­schen samt ihrem Gepäck bot und zudem über einen direk­ten Gleis­an­schluss ver­füg­te: Er [der Kel­ler] – K.F.] wur­de als Sam­mel­la­ger für die Depor­ta­ti­on so ein­ge­rich­tet, dass die ver­haf­te­ten und bewach­ten sowie mit War­te­num­mern ver­se­he­nen Men­schen den Kel­ler vom Ost­flü­gel her über eine brei­te Ram­pe betra­ten, dann den etwa 300 Meter lan­gen Weg vor den Lager­räu­men im Süden ent­lang geführt wur­den, die West­sei­te pas­sier­ten und dann an auf­ge­stell­ten Tischen und ein­zel­nen Kon­troll­sta­tio­nen durch­ge­schleust wur­den’: zuerst die Annah­me­stel­le, Ein­trag in die vor­han­de­ne Lis­te, dann Gepäck­durch­su­chung mit bru­ta­ler ent­wür­di­gen­der Lei­bes­vi­si­ta­ti­on. Danach war das Finanz­amt zustän­dig: die Ver­mö­gens­lis­te sowie die Wert­ge­gen­stän­de mit einem noch in der Woh­nung erstell­ten Ver­zeich­nis und auch den Woh­nungs­schlüs­sel, an dem ein Schild mit genau­er Adres­se hing, muss­ten die Men­schen hier abge­ben. Dann wur­den ihnen die Lebens­mit­tel­kar­ten abge­nom­men, ihre Kenn­kar­ten mit ‚eva­ku­iert’ abge­stem­pelt, das Bar­geld war abzu­ge­ben, und es muss­te der Abschluss die­ser Kon­troll­sta­tio­nen bestä­tigt wer­den. Nach die­sen Abfer­ti­gun­gen, die sich weit bis in die Nacht hin­zo­gen, wur­den die Men­schen in einen Raum im Ost­flü­gel geführt, der mit Matrat­zen aus­ge­legt war. Im Kel­ler der Groß­markt­hal­le kam es zu Miss­hand­lun­gen — wohl auch zu Todes­fäl­len.“[136]

Am Mor­gen des 20. Okto­ber 1941 setz­te sich der Zug, es han­del­te sich um einen Per­so­nen­zug III. Klas­se, mit den 1100 Men­schen und dem Ziel Litz­mann­stadt /​ Lodz in Bewe­gung. Die Insas­sen selbst hat­ten aber kei­ne Kennt­nis davon, wohin sie gebracht wurden.

Das Ghet­to für 160 000 Men­schen, als „Kre­pier­win­kel Euro­pas“ bezeich­net,[137] abge­trennt von der eigent­li­chen Stadt, bestand aus her­un­ter­ge­kom­me­nen, mehr­stö­cki­gen Miets­ka­ser­nen, in die immer mehr Men­schen ein­ge­pfercht wur­den. In der Zeit der stärks­ten Bele­gung im Mai 1941 waren es fast 450 000 Men­schen, die in den Gemäu­ern mit völ­lig unzu­rei­chen­den sani­tä­ren Anla­gen hau­sen muss­ten. Die Neu­an­kömm­lin­ge, wie die aus Frank­furt, noch rela­tiv wohl­ge­nährt und noch mit halb­wegs intak­ter Klei­dung, wur­den von den­je­ni­gen, die schon eine gan­ze Wei­le die unmensch­li­chen Lebens­be­din­gun­gen hat­ten ertra­gen müs­sen, ver­ständ­li­cher­wei­se mit Neid und Miss­gunst, statt mit Empa­thie empfangen.

Brief über den Auf­ent­halt von Nata­lie Nuss­baum in Litz­mann­stadt
HHStAW 518 11124 (43)

Wie lan­ge Fer­di­nand und sei­ne Mut­ter dort über­leb­ten, ist nicht bekannt. In einem ers­ten Beschluss der Ent­schä­di­gungs­be­hör­de, bestä­tigt durch ein Urteil des Amts­ge­richts Frank­furt, hat­ten die­se den Tag der Depor­ta­ti­on, somit den 19. Okto­ber 1941, will­kür­lich auch als Todes­tag ange­nom­men, um dem Staat damit erheb­li­che Ent­schä­di­gungs­kos­ten für den Scha­den an Frei­heit zu erspa­ren.[138] Gegen die­sen Beschluss gin­gen die Erben spä­ter vor.
Mar­tin Nuss­baum hat­te nach dem Krieg einen Brief von einem Ver­wand­ten aus Leip­zig erhal­ten, in dem die­ser schrieb:
“Der vom Amts­ge­richt Frank­furt a/​M. ange­ge­be­ne Todes­tag der lie­ben Mut­ter stimmt nicht, denn ich habe weni­ge Wochen nach dem Abtrans­port, aus Litz­mann­stadt einen Brief der lie­ben Mut­ter erhal­ten, wor­in sie die Ver­hält­nis­se dort schil­der­te und der in dem Satz ende­te: ‚Gott schüt­ze Euch vor Glei­chem.’ Kurz dar­auf erhielt ich von der Lager­lei­tung eine gedruck­te Kar­te, die etwa so aussah:
Herr
Frau       Nata­lie Nussbaum
Fräulein
wohnt hier ???gas­se
und befin­det sich wohl und bit­tet um Geldsendung
Der Judenälteste
(gedruck­te Namensunterschrift)

Die glei­che Kar­te erhielt Onkel Emil in Dort­mund auch. Die Lager­in­sas­sen wur­den ein­fach auf­ge­for­dert, die Adres­sen ihrer in Deutsch­land leben­den Ange­hö­ri­gen anzu­ge­ben und an die­se wur­den als­dann sol­che Kar­ten geschickt. Onkel Emil und ich sand­ten dar­auf­hin regel­mä­ßig Geld an die ange­ge­be­ne Adres­se der lie­ben Mut­ter, aber des­sen Emp­fang wir nie eine Anzei­ge erhiel­ten. Ich bin auch fest über­zeugt, dass die lie­be Mut­ter von dem Gel­de nie einen Pfen­nig gese­hen oder bekom­men hat. – Das ging bis zum Som­mer 1942, bis ich nach The­re­si­en­stadt kam und dadurch alle Ver­bin­dun­gen abge­bro­chen wur­den. – Auf alle Fäl­le aber ist die lie­be Mut­ter in Litz­mann­stadt ange­kom­men und hat dort noch eine Zeit lang gewohnt und der Tag der Depor­ta­ti­on ist nicht ihr Todes­tag. (…).“[139]
Ein Mit­ge­fan­ge­ner von Fer­di­nand Nuss­baum bezeug­te nach dem Krieg, die­ser habe noch im Som­mer 1943 zusam­men mit ihm im Buch­hal­tungs­bü­ro der Lager­ver­wal­tung gear­bei­tet.[140]
Die Brie­fe bzw. Kar­ten, die die Ver­wand­ten von Nata­lie Nuss­baum erreicht hat­ten, waren kein Ein­zel­fall. Im Dezem­ber 1941 war die Post­sper­re im Ghet­to auf­ge­ho­ben wor­den und eine Rei­he von Brie­fen hat­te Litz­mann­stadt ver­las­sen. Ande­re, die etwa nega­ti­ve Anga­ben über das Lager­le­ben ent­hiel­ten oder die undeut­lich geschrie­ben waren, kamen nicht durch die Zen­sur. Im Archiv von Lodz befin­den sich noch heu­te bis­her nicht wei­ter bear­bei­te­te 17.000 Brie­fe und Kar­ten, die an Ver­wand­te mit Bit­ten um Geld gerich­tet waren, das Ghet­to aber nie ver­lie­ßen.[141]

Mit dem Brief des Ver­wand­ten war zumin­dest belegt, dass der bis­he­ri­ge Todes­zeit­punkt nicht rich­tig gewe­sen sein konn­te. Am 29. Dezem­ber 1959 wur­de dar­auf­hin in einem neu­en Bescheid der Ent­schä­di­gungs­zeit­raum für die Inhaf­tie­rung von Nata­lie und Fer­di­nand Nuss­baum bis zum Kriegs­en­de 1945 aus­ge­wei­tet.[142] Wann die bei­den in Litz­mann­stadt unter wel­chen Umstän­den tat­säch­lich ums Leben kamen, konn­te aber nicht geklärt wer­den. Es ist nicht ein­mal sicher, dass sie dort den Tod fan­den. Im Mai 1942 begann die Gesta­po, das Ghet­to von den nicht­ar­beits­fä­hi­gen Bewoh­nern zu „säu­bern“. Mehr als 10 000 Jüdin­nen und Juden, dar­un­ter auch vie­le aus dem Frank­fur­ter Trans­port, wur­den damals nach Chel­mo gebracht und dort ermor­det.[143] Wei­te­re sol­cher „Aus­sied­lun­gen“ folg­ten in den nächs­ten Mona­ten. Ob auch Nata­lie Nuss­baum und ihr Sohn Fer­di­nand die­sen letz­ten Weg noch gehen muss­ten, ist nicht bekannt.

 

Marianne und Bertha Nussbaum

Das Leben und auch das Ster­ben der bei­den Töch­ter von Feist und Regi­na Nuss­baum, Mari­an­ne und Ber­tha, ist, wie auch das ihres Bru­ders Leo­pold, unmit­tel­bar mit Wies­ba­den verknüpft.

Dass ihr Bru­der Leo­pold damals schon bzw. noch in Wies­ba­den leb­te, wird auch der ent­schei­den­de Grund für die bei­den Schwes­tern gewe­sen sein, im Som­mer 1937, als die Ver­hält­nis­se in Neu­kir­chen immer schlim­mer wur­den, dort­hin zu über­sie­deln. Nach Anga­ben von Gre­ve soll Mari­an­ne schon frü­her ein­mal in Wies­ba­den gear­bei­tet haben,[144] was, soll­te das zutref­fend sein, ein wei­te­rer Grund für die Wahl die­ses Ortes gewe­sen sein wird. Bereits 1934 hat­ten die Schwes­tern ver­sucht, das Eltern­haus in der Unter­gas­se, in der sie selbst auch leb­ten, zu ver­kau­fen.[145] Nach ihrem Umzug nach Wies­ba­den fan­den die bei­den ledig geblie­be­nen Frau­en in der Emser Str. 26a eine Drei­zim­mer­woh­nung. Den Miet­ver­trag hat­te der Haus­be­sit­zer Leo Kat­zen­stein am 1. Juli 1937 noch selbst mit ihnen abge­schlos­sen.[146] Mari­an­ne war damals bereits 69 und Ber­tha 66 Jah­re alt. Da Mari­an­ne leicht pfle­ge­be­dürf­tig war und ihre jün­ge­re Schwes­ter schon zuvor in Neu­kir­chen ihre Betreu­ung über­nom­men hat­te, kann man anneh­men, dass sie wohl zeit­le­bens zusam­men­ge­blie­ben waren.[147]

Bei­de waren wohl auch frü­her nicht berufs­tä­tig gewe­sen, zumin­dest ist auf der Gesta­po-Kar­tei­kar­te bei bei­den „ohne Beruf“ ein­ge­tra­gen, aber ver­mut­lich hat­ten sie frü­her im elter­li­chen Geschäft mit­ge­hol­fen.[148] Immer­hin ver­füg­ten sie über eini­ge Wert­pa­pie­re, von denen sie ihren beschei­de­nen Lebens­un­ter­halt bestrit­ten.[149]

Die geplan­te, aber noch nicht voll­zo­ge­ne Aus­wan­de­rung des Bru­ders Leo­pold hat­te die Behör­den ver­mut­lich ver­an­lasst, Mari­an­ne Nuss­baum mit einer Siche­rungs­an­ord­nung zu drang­sa­lie­ren: „Es besteht die Gefahr, dass die Mari­an­ne Nuss­baum in aller­nächs­ter Zeit aus­wan­dert und einen ille­ga­len Trans­fer ihrer Ver­mö­gens­wer­te ver­sucht. Die getrof­fe­nen Siche­rungs­maß­nah­men sind daher erfor­der­lich und gerecht­fer­tigt.“ Beschwer­de gegen die Maß­nah­me kön­ne sie beim Reichs­wirt­schafts­mi­nis­ter ein­le­gen,[150] was sie auch umge­hend tat. Ob sie tat­säch­lich an einen Erfolg die­ser Beschwer­de glaub­te oder ein­fach nur ein Zei­chen set­zen woll­te, ist unge­wiss. Aber mutig und klar argu­men­tie­rend schrieb sie – mit Schreib­ma­schi­ne – einen Brief an den Reichs­wirt­schafts­mi­nis­ter nach Ber­lin, in dem sie ihre Situa­ti­on und die Absur­di­tät der Unter­stel­lun­gen auf­zeig­te: Sie sei „mit dem 1.7.37 nach Wies­ba­den ver­zo­gen, um mit Rück­sicht auf mein hohes Alter und mei­nen lei­den­den Zustand in der Nähe mei­nes seit Jahr­zehn­ten dort ansäs­si­gen Bru­ders zu sein. Mit mir im glei­chen Haus­halt lebt mei­ne 67 Jah­re alte Schwes­ter, Ber­ta Nuss­baum, die mich betreut und den Haus­halt für mich ver­sorgt, und für deren Unter­halt ich mit­auf­kom­men muss. Wir haben hier eine Drei-Zim­mer­woh­nung im Hau­se Emser­str. 26a, 2. Stock und füh­ren eine bür­ger­lich aus­ge­rich­te­te Haus­hal­tung. Im Aus­land haben wir kei­ne nähe­ren Ver­wand­ten und kön­nen vor allem wegen mei­nes Alters und lei­den­den Zustands an eine Aus­wan­de­rung über­haupt nicht den­ken, ganz abge­se­hen davon, dass kei­ne Mög­lich­keit für uns besteht, im Aus­land das Leben zu fris­ten. … Nur der Voll­stän­dig­keit hal­ber will ich noch beto­nen, dass mir jeder Gedan­ke an irgend­ei­nen ille­ga­len Trans­fer völ­lig fern­liegt.“[151]

Bertha NussbaumBertha NussbaumBertha Nussbaum

 

 

 

 

 

 

Brief von Ber­tha Nuss­baum an den Reichs­wirt­schafts­mi­nis­ter — HHStAW 519/​3 5289 (8 f)

Genutzt hat der Pro­test letzt­lich nicht, aber immer­hin sah sich das Minis­te­ri­um genö­tigt, von der Devi­sen­stel­le Frank­furt eine genaue­re Begrün­dung für ihr Vor­ge­hen zu ver­lan­gen, und frag­te an, „ob es nicht angän­gig ist, der Beschwer­de­füh­re­rin einen monat­li­chen Frei­be­trag zu bewil­li­gen,“ — was bis­her nicht gesche­hen war.[152] Die Devi­sen­stel­le räum­te dar­auf­hin den zunächst übli­chen Frei­be­trag von 300 RM ein, ver­wies aber erneut ohne jeg­li­chen Beleg auf Ver­wand­te im Aus­land, mit deren Unter­stüt­zung sie dort dann „ein sor­gen­frei­es Leben füh­ren“ kön­ne. Die­ser Halb­satz ist im Manu­skript wie­der gestri­chen, viel­leicht erschien er sogar dem Schrei­ber als all­zu zynisch. Die Siche­rungs­an­ord­nung wur­de den­noch nicht zurück­ge­nom­men.[153]

 

Ange­sichts ihres sich ver­schlech­tern­den Gesund­heits­zu­stan­des hat­te Mari­an­ne Nuss­baum ihre Schwes­ter, die sich all die Jah­re um sie geküm­mert hat­te, durch ein Tes­ta­ment vom 24. Okto­ber 1938 zur Allein­er­bin gemacht. Die Erb­schaft war eigent­lich mit der Ver­pflich­tung ver­bun­den, dass ihr damit ein Jahr nach ihrer Beer­di­gung ein Grab­stein gesetzt wer­den soll­te.[154] Nach­dem sie am 20. Novem­ber 1941 ver­stor­ben war,[155] blieb ihre Schwes­ter in dem Haus, das inzwi­schen zum Juden­haus gewor­den war. Wie sich aus den Unter­la­gen der NSDAP ergibt, bewohn­te sie dort nur noch ein Zim­mer im zwei­ten Stock.[156] Ver­mut­lich hat­ten sie schon vor dem Tod von Mari­an­ne einen Teil ihrer Woh­nung abge­ben müssen.

Das Tes­ta­ment von Mari­an­ne Nuss­baum
HHStAW 519/​3 5829 (27)

Die Ver­mö­gens­wer­te ihrer Schwes­ter wur­den ihr nach Aus­kunft der Com­merz­bank im spä­te­ren Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren gemäß den tes­ta­men­ta­ri­schen Rege­lun­gen über­tra­gen,[157] aber der damit ver­bun­de­nen Ver­pflich­tung, einen Grab­stein set­zen zu las­sen, konn­te Ber­tha Nuss­baum nicht mehr nach­kom­men. Sie wur­de mit ihren Mit­be­woh­ne­rin­nen Ida Cohn, Julie Strauss und Hele­ne Wolff am 1. Sep­tem­ber 1942 mit ins­ge­samt 365 Jüdin­nen und Juden aus der Stadt Wies­ba­den nach The­re­si­en­stadt deportiert.

Am Schab­bat, dem 28. August, muss­ten die Men­schen sich in der ehe­ma­li­gen Syn­ago­ge in der Fried­richstr. 33 mit der weni­gen Habe, die sie mit­neh­men durf­ten, ver­sam­meln, um die büro­kra­ti­schen Aktio­nen ihrer „Eva­ku­ie­rung“ über sich erge­hen zu las­sen.[158] Die etwas Begü­ter­ten wur­den noch zu einem soge­nann­ten „Heimein­kaufs­ver­trag“ genö­tigt, der ihnen ein sor­gen­lo­ses Leben im Ghet­to The­re­si­en­stadt ver­sprach.[159] Auch Ber­tha Nuss­baum schloss gezwun­ge­ner­ma­ßen einen sol­chen Ver­trag ab. Dass dies nur ein gro­ßer Betrug war, muss­te ihr schon bei ihrer Ankunft im Ghet­to klar gewor­den sein. Nur vier Wochen nach Ankunft in The­re­si­en­stadt wur­de sie am 29. Sep­tem­ber 1942 mit wei­te­ren 2000 Juden aus dem Ghet­to wei­ter in das Ver­nich­tungs­la­ger Treb­linka ver­schleppt. Unmit­tel­bar nach der Ankunft am 1. oder 2. Okto­ber wur­den die Insas­sen alle­samt in die Gas­kam­mern getrie­ben und umge­bracht.[160]

 

 

 

Ver­öf­fent­licht: 25. 11. 2017

Letz­te Revi­si­on: 15. 08. 2025

 

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Anmer­kun­gen:

[1] Umfas­send ist das sozia­le Geflecht dar­ge­stellt von Gre­ve, Eine klei­ne Stadt in Hes­sen. Neu­kir­chen, S. 20–30. Sehr detail­liert beschreibt Gre­ve im Wei­te­ren auch den Umbruch nach 1933.

[2] Sie­he dazu die Kar­ten­skiz­ze ebd., S. 14. Dort ist auch das Haus der bei­den Schwes­tern markiert.

[3] Ebd. S. 20.

[4] Ebd. S. 36.

[5] Sie­he zur jüdi­schen Gemein­de Neu­kir­chen und zum All­tag des ört­li­chen Zusam­men­le­bens im Beson­de­ren Bis­kamp /​ Wal­per, Kul­tus­ge­mein­de Neu­kir­chen, S. 473 – 483 und Levi, Erin­ne­run­gen, S. 455–461. Der Anteil der jüdi­schen Bevöl­ke­rung betrug seit der zwei­ten Hälf­te des 19. Jh. bis 1933 etwa 6 Pro­zent. Nach 1935 gelang nur noch 8 Per­so­nen die Flucht ins Aus­land, die Übri­gen ver­such­ten, größ­ten­teils erfolg­los, in den Städ­ten zu über­le­ben. Zu den Abwan­de­run­gen in den drei­ßi­ger Jah­ren sie­he Bis­kam, Wal­per, Neu­kir­chen, S. 483.

[6] Sie­he dazu Levi, Erin­ne­run­gen, S. 455–461 und Nigal, Erin­ne­run­gen, S. 467–472. Auch abge­druckt in: Kro­pat, Kris­tall­nacht in Hes­sen, S. 228–234.

[7] Sie­he zu den ver­schie­de­nen Zwei­gen der Fami­lie Gre­ve, Jeder Mensch hat einen Namen, S. 381–419.

[8] https://​www​.ancestry​.de/​f​a​m​i​l​y​-​t​r​e​e​/​p​e​r​s​o​n​/​t​r​e​e​/​1​7​3​6​9​9​1​9​1​/​p​e​r​s​o​n​/​3​5​2​7​0​5​7​9​3​0​1​1​/​f​a​c​t​s​?​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​7​2​9​3​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.8.2025).

[9] Ster­be­re­gis­ter Neu­kir­chen 7 /​ 1914.

[10] Sie war die Toch­ter von Laib und Rös­chen Löwen­berg, sie­he Ster­be­re­gis­ter Neu­kir­chen 27 /​ 1903.

[11] HHStAW 519/​3 5829 (23), Gre­ve, Jeder Mensch hat einen Namen, S. 408. Auf der Gesta­po-Kar­tei­kar­te für Mari­an­ne Nuss­baum ist beim Geburts­jahr ein Zah­len­dre­her unter­lau­fen, statt 1868 wur­de das Geburts­jahr 1886 ange­ge­ben. Die­se fal­sche Anga­be wur­de auch in der ‚DB Jüdi­sche Bür­ger Wies­ba­dens des Stadt­ar­chivs Wies­ba­den’ und dem­entspre­chend in der Opfer­lis­te übernommen.

[12] HHStAW 365 632 (29), Ein­trag 1869 /​ 185.

[13]HHStAW 365 632 (26) der Ein­trag 1871 /​198, auch HHStAW 518 41324 (18), Gre­ve, Jeder Mensch hat einen Namen, S. 409.

[14] HHStAW 365 632 (29), Ein­trag 1873 /​ 209, Hei­rats­re­gis­ter Angen­rod 5 /​ 1901.

[15] HHStAW 365 632 (31), Ein­trag 1876 /​ 223, Geburts­re­gis­ter Neu­kir­chen 12 /​1876.

[16] Ster­be­re­gis­ter Neu­kir­chen 7 /​1914.

[17] Gre­ve, Jeder Mensch hat einen Namen, S. 410.

[18] Ein Foto des Hau­ses in der mit Haken­kreuz­fah­nen „geschmück­ten“ Gas­se wäh­rend eines Nazi-Auf­marschs ist abge­druckt in Gre­ve, Klei­ne Stadt in Hes­sen, S. 13. Nach dem jähr­li­chen Ein­kom­men gehör­te Moritz Nuss­baum zu den Spit­zen­ver­die­nern der ört­li­chen jüdi­schen Gewer­be­trei­ben­den. Ein Grund mag gewe­sen sein, dass er seit 1927 eine Tank­stel­le betrieb, sie­he ebd. S. 15 ff.

[19] Hei­rats­re­gis­ter Wies­ba­den 805 /​ 1906.

[20] Es kann sich bei ihm aber nicht um sei­nen Nef­fen glei­chen Namens gehan­delt haben, denn die­ser Theo­dor war damals gera­de erst gebo­ren worden.

[21] Es han­del­te sich um den am 17.2.1879 in Flie­dern bei Ful­da gebo­re­nen Josef Kat­zen­stein, Sohn von Löb und Sara Kat­zen­stein, gebo­re­ne Löb, aus Fil­dern. Nach sei­nem Aus­schei­den aus der Fir­ma von Leo­pold Nuss­baum grün­de­te er in Wies­ba­den eine eige­ne Lack- und Far­ben­fa­brik. Er ver­starb am 30.12.1934 in Wies­ba­den, sei­ne Frau Pau­la, gebo­re­ne Weiß, konn­te 1938 nach Argen­ti­ni­en auswandern.

[22] HHStAW 518 924 (11), auch die wei­te­ren Ent­wick­lun­gen sind in dem Han­dels­re­gis­ter­aus­zug festgehalten.

[23] Ebd. (15).

[24] Ebd. (20–22). Unter Über­ge­winn ver­steht man den Durch­schnitts­be­trag, der von einem nach­hal­ti­gen Gewinn nach Abzug des Unter­neh­mer­lohns und der ange­mes­se­nen Ver­zin­sung des ein­ge­setz­ten Kapi­tals auf Dau­er noch übrig ist.

[25] Geburts­re­gis­ter Wies­ba­den 1763 /​ 1907 und 823 /​ 1909.

[26] Hei­rats­re­gis­ter Wies­ba­den 66 /​1928.

[27] https://​www​.ancestry​.de/​f​a​m​i​l​y​-​t​r​e​e​/​p​e​r​s​o​n​/​t​r​e​e​/​1​9​8​3​8​9​9​8​3​/​p​e​r​s​o​n​/​2​7​2​5​7​8​8​8​6​2​2​2​/​f​a​cts. (Zugriff: 15.8.2025).

[28] HHStAW 467 1617 (1).

[29] Daten­bank Jüdi­sche Bür­ger Wies­ba­dens des Stadt­ar­chivs Wies­ba­den. Ein­trag Rudolf Selig. Zu sei­ner Per­son sie­he auch Faber /​ Rönsch, Wies­ba­dens jüdi­sche Juris­ten, S. 165. Er wur­de mit dem Trans­port vom 10.6.1942 nach Maj­da­nek depor­tiert und ermordet.

[30] HHStAW 518 807 (64).

[31] HHStAW 518 10394 (19).

[32] HHStAW 518 10394 (19) und HHStAW 518 807 (64).

[33] Zu den gegen die Juden gerich­te­ten wirt­schafts­po­li­ti­schen Maß­nah­men im Beson­de­ren in den Jah­ren 1937 fol­gen­de, sie­he Bar­kai, Schick­sals­jahr 1938, S. 94–117.

[34] HHStAW 518 807 (28).

[35] HHStAW 518 924 (18).

 [36] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​3​9​9​8​/​i​m​a​g​e​s​/​4​0​7​3​5​_​1​2​2​0​7​0​1​4​3​9​_​0​0​7​1​-​0​1​7​8​6​?​p​I​d​=​1​9​6​0​969. (Zugriff: 15.8.2025).

[37] Bei der Volks­zäh­lung 1940 war das Paar in Los Ange­les gemel­det, sie­he https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/2442/images/m‑t0627-00375–00469?pId=73737097. (Zugriff: 15.8.2025). Ihre Toch­ter Ger­trud, gebo­ren am 25.12.1915 in Wies­ba­den, konn­te im Dezem­ber 1938 mit ihrem Mann, dem Wies­ba­de­ner Fried­rich Ber­ger, gebo­ren am 5.3.1908, nach Kali­for­ni­en nachkommen.

[38] HHStAW 519/​3 14475 (1). Auch die Eltern von Ernst, Juli­us und Ber­tha Ermann, waren nach Latein­ame­ri­ka aus­ge­wan­dert, aller­dings leb­ten sie zuletzt in Mon­te­vi­deo, der Haupt­stadt von Uruguay.

[39] Rosa Nuss­baum hat­te im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren sogar ange­ge­ben, sie sei noch 1938 aus­ge­reist, sie­he HHStAW 518 10394 (3).

[40] HHStAW 519/​3 14475 (1, 2, 3). In der Lortzingstr. 7 hat­te sich ihr bis­he­ri­ger Mit­be­woh­ner Selig­mann bereit­erklärt, sich um das Umzugs­gut zu kümmern.

[41] Ebd. (11).

[42] Ebd. (5).

[43] Ebd. (7).

[44] Ihre bis­he­ri­ge Adres­se in Wies­ba­den ist dar­auf fälsch­li­cher­wei­se mit Loth­rin­ger­str. 7 angegeben

[45] https://​pre​ser​ve​-nha​.archie​ven​.nl/​p​r​o​x​y​/​f​o​n​c​-​n​h​a​/​3​5​8​.​6​/​3​4​6​8​/​N​L​-​H​l​m​N​H​A​_​3​5​8​.​6​_​3​4​6​8​_​0​0​5​8​.​j​p​g​?​h​=​Z​m​4​y​b​W​F​0​P​W​V​t​Y​m​V​k​J​m​t​l​e​T​0​D​N​T​I​x​R​j​U​z​Q​j​9​z​M​0​I​0​M​U​U​w​N​U​V​B​M​9​Q​1​R​k​Y​1​M​0​Z​G​Q​T​F​C​M​y​Z​t​a​W​F​k​d​E​0​y​M​z​Y​m​b​W​l​h​a​G​Q​4​M​z​Q​0​N​j​U​z​M​T​c​0​O​C​Z​t​a​X​Z​h​c​3​Q​4​N​E​Y​m​d​G​4​r​Z​W​D​4​R​E​Y​z​N​j​B​E​R​9​9​1​M​k​N​G​O​9​Y​z​N​j​B​B​M​0​R​9​Q​k​R​C​Q​0​F​F​O​T​k​z​R​T​I​m​c​m​R​0​P​T​I​w​M​j​M​x​M​j​I​z​J​n​N​l​c​3​N​p​b​2​5​f​a​W​Q​4​M​j​R​D​N​E​c​0​c​2​p​r​Y​3​R​r​b​X​h​t​d​W​Z​z​Z​m​k​0​Z​j​h​r​c​3​R​k​Z​2​1​u​a​W​8​&​p​a​r​a​m​s​=​&​t​=​1​7​5​3​0​0​6​3​6​7​117. Sei­ne ver­stor­be­ne Frau hieß Helen Schapira.

[46] In Map­ping the Lifes ist ihre Emi­gra­ti­on nach Hol­land mit dem glei­chen Datum wie das der Eltern, dem 25.1.1939, ange­ge­ben. Sie­he https://mappingthelives.org/bio/b4e5f742-7445–49d4-b256-aa6849388298?restrict_to_map_bounds=false&coordinates_show_all=false&forename=Martha&surname=Nussbaum&res_single_fd=false&birth_single_fd=false&death_single_fd=false&deportation_single_fd=false&emigration_single_fd=false&expulsion_single_fd=false&imprisonment_single_fd=false&lat=50.3061856&lon=12.3007083&zoom=6&map_agg=residence&language=de. (Zugriff: 15.8.2025).

[47] HHStAW 518 10349 (o.P.).

[48] In den Akten der Ent­schä­di­gungs­be­hör­de sind nur die Schrei­ben der deut­schen Spe­di­teu­re erhal­ten geblie­ben, nicht die von Leo­pold Nuss­baum. Sie sind zusam­men mit der Sei­ten­an­ga­be (28) in der Akte abgeheftet.

[49] HHStAW 518 10349 (28).

[50] Sie­he dazu https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​K​o​n​n​o​s​s​e​m​ent. (Zugriff: 15.8.2025).

[51] HHStAW 518 10349 (28).

[52] Ebd.

[53] Ebd.

[54] Ebd. (28).

[55] Ebd. (16).

[56] Ebd. (27).

[57] Ebd. (1).

[58] Ebd. (86).

[59] Ebd. (85).

[60] Ebd. (85).

[61] Mög­li­cher­wei­se han­delt es sich bei dem 1981 in Lau­sanne ver­stor­be­nen Fran­cis­co Fei­tel um den Wit­wer von Mar­ta Fei­tel, sie­he https://​www​.ancestry​.de/​f​a​m​i​l​y​-​t​r​e​e​/​p​e​r​s​o​n​/​t​r​e​e​/​1​1​4​7​4​7​1​9​1​/​p​e​r​s​o​n​/​2​3​2​0​4​2​9​7​3​5​7​9​/​f​a​c​t​s​?​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​7​1​3​6​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.8.2025).

[62] https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​6​3​1​6​4​/​r​e​c​o​r​d​s​/​1​2​0​9​9​643 und https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​6​3​1​6​4​/​r​e​c​o​r​d​s​/​5​7​0​9​9​643. (Zugriff: 15.8.2025).

[63] Für ihren Tod liegt kei­ne amt­li­che Bestä­ti­gung vor, die Anga­be beruht auf einem Ein­trag unter https://​www​.ancestry​.de/​f​a​m​i​l​y​-​t​r​e​e​/​p​e​r​s​o​n​/​t​r​e​e​/​1​9​8​3​8​9​9​8​3​/​p​e​r​s​o​n​/​2​7​2​5​7​8​8​8​6​2​2​2​/​f​a​c​t​s​?​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​7​1​7​3​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.8.2025). Sie soll am 14.4.1957 in Bue­nos Aires gehei­ra­tet haben und am 28.6.1961 einen Sohn namens Dani­el gebo­ren haben. Sein Nach­na­me Sad­ler, ist ver­mut­lich auch der des Ehe­manns von Han­ne­lo­re Erd­mann. Dani­el Sad­ler soll laut der glei­chen Quel­le bereits am 9.7.2000 eben­falls in Bue­nos Aires ver­stor­ben sein.

[64] Ster­be­re­gis­ter Neu­kir­chen 10 /​1924.

[65] Hei­rats­re­gis­ter Angen­rod 5 /​ 1901.

[66] Geburts­re­gis­ter Neu­kir­chen 39 /​ 1902.

[67] Geburts­re­gis­ter Neu­kir­chen 4 /​ 1904.

[68] Geburts­re­gis­ter Neu­kir­chen 26 /​ 1906.

[69] Geburts­re­gis­ter Neu­kir­chen 25 /​ 1909.

[70] Gre­ve, Jeder Mensch hat einen Namen, S. 413.

[71] Geburts­re­gis­ter Neu­kir­chen 26 /​ 1916.

[72] Gre­ve, Jeder Mensch hat einen Namen, S. 413. Über den Grund für den frü­hen Tod von Lud­wig ist nach Gre­ve nichts bekannt.

[73] HHStAW 518 58304 (6).

[74] Gre­ve, Klei­ne Stadt in Hes­sen, S. 13.

[75] HHStAW 518 66485 (71). Dazu die Anga­ben zur Fir­ma Höx­ter in Zie­gen­hain unter https://​www​.ale​man​nia​-judai​ca​.de/​z​i​e​g​e​n​h​a​i​n​_​s​y​n​a​g​o​g​e​.​htm. (Zugriff: 15.8.2025).

[76] Sie­he die Zah­len­an­ga­ben für Moritz Nuss­baum bei Gre­ve, Klei­ne Stadt in Hes­sen, S. 15, 17, 19.

[77] Gre­ve, Klei­ne Stadt in Hes­sen, S. 30 f.

[78] Ebd. S. 36.

[79] Mar­tin Nuss­baum gab an, sei­ne Mut­ter habe bis 1933 ein Ein­kom­men von 1.200 bis 1.500 RM monat­lich gehabt, sie­he HHStAW 518 11124 (30, 46, 89–92).

[80] Sie­he zu ihrer Lei­dens­ge­schich­te HHStAW 518 58304 (3, 21, 38).

[81] https://www.myheritage.de/research/collection-11018/israel-einwanderungslisten?itemId=155451-&action=showRecord&recordTitle=%D7%A8%D7%92%D7%99%D7%A0%D7%94+%D7%A0%D7%95%D7%A1%D7%91%D7%90%D7%95%D7%9D. (Zugriff: 15.8.2025).

[82] Für die Ein­wil­li­gung der Auf­he­bung der Ehe muss­te sie Schlo­mo Reif 500 Paläs­ti­nen­si­sche Pfund bezah­len, sie­he HHStAW 518 58304 (27).

[83] Gre­ve, Jeder Mensch hat einen Namen, S. 413 gibt an, dass die Ehe mit Max Gross­mann laut einem Schrei­ben des Gene­ral­kon­suls von Jeru­sa­lem am 8.11.1935 geschlos­sen wor­den sei und sie dadurch die paläs­ti­nen­si­sche Staats­bür­ger­schaft erhal­ten habe. Das stimmt nicht mit ihren eige­nen Anga­ben im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren über­ein. Die zeit­li­che Anga­be bezieht sich ver­mut­lich auf die Ehe mit Schlo­mo Reif. Max Gross­mann und – wie es in einem Schrei­ben vom 2.7.1954 heißt – lieh zusam­men mit sei­nem Schwa­ger Theo­dor Nuss­baum Mar­tin Geld, damit die­ser nach sei­ner Aus­wan­de­rung die ers­te Zeit in sei­nem kolum­bia­ni­schen Exil über­le­ben konn­te, sie­he HHStAW 518 66495 (47).

[84] Gre­ve, Jeder Mensch hat einen Namen, S. 413.

[85] HHStAW 518 58893 (5, 24).

[86] Ebd. (28).

[87] Ebd.

[88] https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20440/Wieseck%20Giessen%20Aufbau%2019440303%20TA%20Ida%20Nussbaum%20Baum.jpg. (Zugriff: 15.8.2025).

[89] Gre­ve, Klei­ne Stadt in Hes­sen, S. 106.

[90] HHStAW 518 11124 (16, 18).

[91] HHStAW 519/​3 5353 (1).

[92] Ebd. (3).

[93] Ebd. (4, 7).

[94] HHStAW 518 66378 (6).

[95] HHStAW 518 66485 (11, 81).

[96] Ebd. (45 f.).

[97] https://​www​.ancestry​.de/​f​a​m​i​l​y​-​t​r​e​e​/​p​t​/​P​e​r​s​o​n​M​a​t​c​h​.​a​s​p​x​?​t​i​d​=​1​8​3​4​1​0​9​8​4​&​p​i​d​=​3​4​2​3​9​3​8​6​2​3​9​0​&​s​r​c=m. (Zugriff: 15.8.2025).

[98] HHStAW 518 41322 (18, 42).

[99] Ebd. (8, 12).

[100] Ebd.

[101] HHStAW 519/​3 15338 (1–14).

[102] Ebd. (3).

[103] Das Datum nann­te die Mut­ter in einem Schrei­ben an die Devi­sen­stel­le in Frank­furt vom 2.3.1939, ebd. (10).

[104] Ebd. (10, 13).

[105] HHStAW 518 66485. (10).

[106] Ebd. (60).

[107] Ebd. (61).

[108] HHStAW 518 66485 (10).

[109] Ebd. (47).

[110] Ebd. (48).

[111] Ebd. (8).

[112] Ebd. (71). Er hat­te sich nach eige­nen Anga­ben im Lau­fe der 50er Jah­re an einem kei­nen Indus­trie­be­trieb betei­ligt, ebd. (27).

[113] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​7​4​8​8​/​i​m​a​g​e​s​/​N​Y​T​7​1​5​_​8​0​9​5​-​0​1​0​4​?​p​I​d​=​3​0​2​8​2​1​1​306. (Zugriff: 15.8.2025).

[114] HHStAW 518 66485 (159–161 und 179–182).

[115] Ebd. Aktendeckel.

[116] https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​2​9​9​7​/​r​e​c​o​r​d​s​/​1​4​3​8​8​7​976 und https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​6​3​3​0​3​/​r​e​c​o​r​d​s​/​4​9​7​2​9​3​7​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​9​4​f​b​0​f​e​4​-​e​3​4​7​-​4​b​c​7​-​8​4​b​b​-​4​0​2​0​6​b​8​2​7​3​3​6​&​_​p​h​s​r​c​=​s​v​o​7​2​8​3​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce

[117] HHStAW 518 66378 (5).

[118] https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​6​1​6​6​5​/​r​e​c​o​r​d​s​/​7​4​633 und https://​www​.ancestry​.de/​s​e​a​r​c​h​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​6​1​6​6​5​/​r​e​c​o​r​d​s​/​3​081. (Zugriff: 15.8.2025). Aller­dings konn­ten nicht alle Anga­ben auf der Kar­tei­kar­te ent­schlüs­selt wer­den. Im Zusam­men­hang mit dem genann­ten Ent­las­sungs­ter­min heißt es „Released Cat 17“ – was immer das heißt.

[119] HHStAW 518 66378 (29).

[120] HHStAW 518 41322 (17). Laut dem Ein­trag in Buchen­wald wohn­te er damals in der Frank­fur­ter Solms­str. 10

[121] HHStAW 518 41322 (17) und https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/6733319?s=Ferdinand%20Nussbaum&t=0&p=0. (Zugriff: 15.8.2025).

[122] HHStAW 518 41322 (3, 19).

[123] https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​w​a​r​t​i​m​e​/​0​2​0​1​0​1​0​1​/​0​5​7​4​/​1​3​3​9​0​6​8​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 15.8.2025). Dazu auch Gre­ve, Jeder Mensch hat einen Namen, S. 414.

[124] HHStAW 519/​3 30383 (1).

[125] Lou­is Neu­haus wur­de 1944 in Ams­ter­dam fest­ge­nom­men und am 18.1.1944 von Wes­ter­bork über The­re­si­en­stadt nach Ausch­witz depor­tiert und ermor­det. Sie­he https://​www​.map​ping​the​li​ves​.org/​b​i​o​/​e​a​8​5​5​5​c​6​-​f​9​b​1​-​4​4​8​d​-​9​d​c​3​-​4​b​c​7​7​e​6​3​1​b​7​b​?​r​e​s​t​r​i​c​t​_​t​o​_​m​a​p​_​b​o​u​n​d​s​=​f​a​l​s​e​&​c​o​o​r​d​i​n​a​t​e​s​_​s​h​o​w​_​a​l​l​=​f​a​l​s​e​&​f​o​r​e​n​a​m​e​=​L​o​u​i​s​&​s​u​r​n​a​m​e​=​N​e​u​h​a​u​s​&​r​e​s​_​s​i​n​g​l​e​_​f​d​=​f​a​l​s​e​&​b​i​r​t​h​_​s​i​n​g​l​e​_​f​d​=​f​a​l​s​e​&​d​e​a​t​h​_​s​i​n​g​l​e​_​f​d​=​f​a​l​s​e​&​d​e​p​o​r​t​a​t​i​o​n​_​s​i​n​g​l​e​_​f​d​=​f​a​l​s​e​&​e​m​i​g​r​a​t​i​o​n​_​s​i​n​g​l​e​_​f​d​=​f​a​l​s​e​&​e​x​p​u​l​s​i​o​n​_​s​i​n​g​l​e​_​f​d​=​f​a​l​s​e​&​i​m​p​r​i​s​o​n​m​e​n​t​_​s​i​n​g​l​e​_​f​d​=​f​a​l​s​e​&​l​a​t​=​5​0​.​3​0​6​1​8​5​6​&​l​o​n​=​1​2​.​3​0​0​7​0​8​3​&​z​o​o​m​=​6​&​m​a​p​_​a​g​g​=​r​e​s​i​d​e​n​c​e​&​l​a​n​g​u​a​g​e​=de. (Zugriff: 15.8.2025).

[126] HHStAW 519/​3 30383 (5).

[127] Ebd. (6).

[128] Ebd. (7).

[129] Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 68–72.

[130] Doku­men­te Frank­fur­ter Juden, S. 507, Dok. XIV 1.

[131] Ebd. S. 509 Dok. XIV 2 A.

[132] Ebd. S. 511 Dok- XIV 2 C. Wie sich aus den wei­te­ren Aus­füh­run­gen ver­schie­de­ner SA-Füh­rer ergibt, gab es bei der Akti­on aller­dings auch Pro­ble­me und Span­nun­gen zwi­schen SA und Gesta­po, weil die Gesta­po­leu­te mit der abschlie­ßen­den Siche­rung der Woh­nun­gen in Ver­zug gerieten.

[133] Ebd. S. 512 Dok. XIV 2 D.

[134] King­reen, Depor­ta­ti­on der Juden aus Hes­sen, S. 43–50.

[135] Ebd. S. 46.

[136] Sie­he umfas­send zu den Vor­gän­gen dort King­reen, Groß­markt­hal­le, S.157 f., eben­so King­reen, Depor­ta­ti­on der Juden aus Hes­sen, S. 50–53.

[137] Ebd. S. 58.

[138] HHStAW 518 11124 (29, 32).

[139] Ebd. (32, 43).

[140] HHStAW 518 41322 (35).

[141] King­reen, Depor­ta­ti­on der Juden aus Hes­sen, S. 62.

[142] HHStAW 518 11124 (44 f., 69 f.).

[143] Ebd. S. 62 ff.

[144] Gre­ve, Klei­ne Stadt in Hes­sen, S. 103. Wei­te­re Anga­ben macht sie dazu nicht. In einem Brief an den Reichs­wirt­schafts­mi­nis­ter vom 9.8.1938 schrieb Mari­an­ne Nuss­baum, dass sie „bis 1937, mit län­ger zurück­lie­gen­den Unter­bre­chun­gen“ in ihrem Geburts­ort gewohnt habe. Einen kon­kre­ten Hin­weis auf einen frü­he­ren Auf­ent­halt in Wies­ba­den gibt sie hier aller­dings nicht, sie­he HHStAW 519/​3 5829 (8).

[145] Gre­ve, Eine klei­ne Stadt in Hes­sen, S. 103. Gre­ve macht kei­ne Anga­ben dar­über, wie­so der Ver­kauf damals geschei­tert war und ob er vor ihrem Umzug noch gelang.

[146] HHStAW 519/​2 2221 Bd. 2.

[147] Gre­ve, Jeder Mensch hat einen Namen, S. 408.

[148] Zur Rol­le der Frau­en in den jüdi­schen Erwerbs­be­trie­ben sie­he Gre­ve, Eine klei­ne Stadt in Hes­sen, S. 20.

[149] HHStAW 518 41324 (3, 4). Bei der Ver­mö­gens­er­klä­rung, die sie am 18.5.1940 abge­ben muss­ten, besaß Mari­an­ne noch Wert­pa­pie­re über 12.385 RM.

[150] HHStAW 519/​3 5829 (2).

[151] HHStAW 519/​3 5829 (9).

[152] HHStAW 519/​3 5829 (11).

[153] HHStAW 519/​3 5829 (13, 14).

[154] HHStAW 519/​3 5829 (27).

[155] Ster­be­re­gis­ter Wies­ba­den 1814 /​ 1941.

[156] Unbe­kann­te Lis­te X 1. (Jüdi­sche Bewoh­ner nach der Depor­ta­ti­on vom 10.6.1942).

[157] HHStAW 518 41324 (3) und 519/​3 5829 (26).

[158] Zur Depor­ta­ti­on am 1.9.1942 sie­he umfas­send King­reen, Depor­ta­ti­on der Juden aus Hes­sen, S. 132–179. Da sind auch die bekann­ten Fotos vom Ablauf der Depor­ta­ti­on in Wies­ba­den abgebildet.

[159] HHStAW 518 41324. In der Auf­stel­lung über die Kon­ten­be­we­gun­gen des Depots der Com­merz­bank vom 7.6.1955 erläu­ter­te die Bank bei Über­tra­gun­gen, die an die in Ber­lin ansäs­si­ge Bank­haus Teck­len­burg & Co. gin­gen, dass die­se „vermtl. als Treu­hand­stel­le für die Juden-Ver­mö­gens­ab­ga­be u.ä.“ fun­giert habe. Die­se Ver­mu­tung ist falsch. Die Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be wur­de 1942, in die­se Zeit fal­len die Über­tra­gun­gen, nicht mehr ein­ge­zo­gen, zudem gin­gen sie unmit­tel­bar an die jeweils zustän­di­gen Finanz­äm­ter. Das Bank­haus Teck­len­burg war hin­ge­gen zustän­dig für die „Heimein­kaufs­ver­trä­ge“. Hier hat­te die Reichs­ver­ei­ni­gung das ent­spre­chen­de Kon­to ein­ge­rich­tet, auf das die abge­nö­tig­ten Gel­der flossen.

[160] Sie­he zu die­ser Depor­ta­ti­on umfas­send, King­reen, Depor­ta­ti­on der Juden aus Hes­sen, S. 132–169, auch Gott­waldt, Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 227.