Martha und Albert Kleeberg sowie seine Geschwister


Kaiser-Friedrich-Ring 65 Wiesbaden, Judenhaus, Judenhäuser Wiesbaden, Bernhard Scheidt, Rosa Scheidt Fechheimer, Minna Scheidt Kahn, Isaak Kahn, Luise Scheidt Kaufmann, Abraham Alfred Kaufmann, Frieda Wolf, Sally Wolf, Paula Helene Wolf Kassel, Julius Kassel, Ilse Betty Kassel, Friedel Scheidt Oppenheimer, Louis Oppenheimer, Eleanor Morris, Hugo Kaufmann, Helga Simon Kaufmann, Emma Scheidt Essinger, Julius Essinger, Rolf Essinger, Otto Essinger, Anna Essinger, Siegmund Scheidt, Anna Scheidt Frank, Otto Frank, Helmuth Friedrich Frank, Edith Margot Frank,Bertha Berta Scheid Blütenthal, Davis Blütenthal, Simon Frank, Therese Frank Müller, Moses Max Frank, Anna Simon Frank, Leonie Frank Landsberg, Peter Kurt Frank, Judith Eva Landsberg, Lea Landsberg, Jenny Johanna Scheidt, Felix Kaufmann, Juden Wiesbaden, Klaus Flick
Das ehe­ma­li­ge Juden­haus Kai­ser-Fried­rich-Ring 65 heu­te
Eige­ne Aufnahme
Kaiser-Friedrich-Ring 65 Wiesbaden, Judenhaus, Judenhäuser Wiesbaden, Bernhard Scheidt, Rosa Scheidt Fechheimer, Minna Scheidt Kahn, Isaak Kahn, Luise Scheidt Kaufmann, Abraham Alfred Kaufmann, Frieda Wolf, Sally Wolf, Paula Helene Wolf Kassel, Julius Kassel, Ilse Betty Kassel, Friedel Scheidt Oppenheimer, Louis Oppenheimer, Eleanor Morris, Hugo Kaufmann, Helga Simon Kaufmann, Emma Scheidt Essinger, Julius Essinger, Rolf Essinger, Otto Essinger, Anna Essinger, Siegmund Scheidt, Anna Scheidt Frank, Otto Frank, Helmuth Friedrich Frank, Edith Margot Frank,Bertha Berta Scheid Blütenthal, Davis Blütenthal, Simon Frank, Therese Frank Müller, Moses Max Frank, Anna Simon Frank, Leonie Frank Landsberg, Peter Kurt Frank, Judith Eva Landsberg, Lea Landsberg, Jenny Johanna Scheidt, Felix Kaufmann, Juden Wiesbaden, Klaus Flick
Lage des ehe­ma­li­gen Juden­hau­ses
Bele­gung des Juden­hau­ses Kai­ser-Fried­rich-Ring 65

 

 

 

 

 


Als Albert und Mar­tha Klee­berg sich am 11. März 1935 in dem Ruhr­ge­biets­städt­chen Cas­trop ab- und in Wies­ba­den anmel­de­ten, kamen sie nicht in eine für sie gänz­lich frem­de Stadt ohne jeg­li­che Anlauf­stel­le. Aus dem enge­ren Fami­li­en­kreis leb­te dort seit etwa vier Jah­ren Juli­us Roth­schild mit sei­ner Frau Alma. Mar­tha Klee­berg, gebo­re­ne Roth­schild, war die älte­re Schwes­ter von Juli­us Roth­schild, der somit der Schwa­ger von Albert Klee­berg war.[1] Bei­de Fami­li­en stamm­ten aus dem heu­ti­gen Nord­rhein-West­fa­len, dem Sau­er­land und Ruhr­ge­biet, die damals bei­de noch zu Preu­ßen gehör­ten. Mar­tha Klee­berg war am 10. Juli 1881 als Toch­ter von Moses und Lina Roth­schild in Bri­lon gebo­ren wor­den,[2] ihr Mann kam in dem damals noch selbst­stän­di­gen Cas­trop, dem heu­ti­gen Cas­trop-Rau­xel, zur Welt.

Stammbaum Kleeberg
Stamm­baum der Fami­lie Klee­berg
GDB

Laut einer Abschrift des Fami­li­en­re­gis­ter­ein­trags war er am 10. Novem­ber 1873 in Cas­trop als Sohn von Simon Klee­berg und sei­ner Frau Julie gebo­ren wor­den.[3] Julies Mäd­chen­na­me ist hier mit Kos­mann ange­ge­ben, aber in den Akten las­sen sich auch ver­schie­de­ne ande­re Schreib­wei­sen des Namens fin­den, etwa Cos­mann oder Coss­mann. Auch ist ihr Vor­na­me mit­un­ter in der Vari­an­te Julia ange­ge­ben.[4] Sie selbst war im Jahr 1836 in dem weni­ge Kilo­me­ter nörd­lich von Cas­trop gele­ge­nen Hor­ne­burg gebo­ren wor­den. Auf dem Grab­stein ihres Ehe­manns, der auf dem Jüdi­schen Fried­hof in Cas­trop-Rau­xel beer­digt wur­de, kann man lesen: „Simon Klee­berg zu Cas­trop, geb. am 9. Juni 1938, gest. am 13. Novem­ber 1904“.[5]

Sei­ner Ster­be­ur­kun­de kön­nen wei­te­re Anga­ben zum fami­liä­ren Hin­ter­grund der Fami­lie Klee­berg ent­nom­men wer­den. Simon Klee­berg stamm­te aus der klei­nen Ort­schaft Boff­zen bei Holz­min­den und war der Sohn von Abra­ham und Cae­ci­lie Klee­berg, gebo­re­ne Katz.[6] In Boff­zen gab es im 18. und 19. Jahr­hun­dert nur eine sehr klei­ne jüdi­sche Gemein­de, die anfangs nur aus vier Fami­li­en bestand. Einer die­ser frü­hen jüdi­schen Bür­ger war ein Cohen Cha­jim, sozu­sa­gen der Stamm­va­ter der Klee­bergs. Vier sei­ner Söh­ne sind nament­lich bekannt. Neben Mord­e­chai, gebo­ren 1793, Simon, gebo­ren 1794, Jehu­da, genannt Levi, gebo­ren 1801, gab es auch einen Abra­ham, der 1799 gebo­ren wur­de und 1856 ver­starb.[7] Er soll drei Frau­en und mit die­sen ins­ge­samt acht Kin­der gehabt haben. Zwar kann es nicht als gesi­chert, aber den­noch als wahr­schein­lich ange­se­hen wer­den, dass die­ser Abra­ham der im Ster­be­ein­trag genann­te Vater von Simon war. Er wäre bei der Geburt des Soh­nes noch kei­ne 40 Jah­re alt gewe­sen, und es ist eher unwahr­schein­lich, dass es inner­halb der Fami­lie in der ers­ten Gene­ra­ti­on nach Cohen Cha­jim meh­re­re Söh­ne mit die­sem Namen gege­ben haben wird. Abra­ham war als Schlach­ter in Boff­zen geblie­ben, hat­te die Metz­ge­rei aber sei­nem älte­ren Sohn Moses über­schrie­ben. Von Hen­ri­et­te Klee­berg, eine Schwes­ter der bei­den, ist bekannt, dass sie in Cas­trop ver­hei­ra­tet war.[8] Ob die Schwes­ter oder er selbst als Ers­ter den Weg nach Cas­trop gefun­den hat­te, ließ sich nicht mehr klären.

Auch wenn nicht sicher ist, wann Simon Klee­berg nach Cas­trop kam, so gehör­te er in jedem Fall nicht zu den jüdi­schen Bewoh­nern, die sich schon vor vie­len Gene­ra­tio­nen in der seit der Indus­tria­li­sie­rung auf­stre­ben­den Stadt nie­der­ge­las­sen hat­ten. Seit 1902 waren die klei­ne­ren Ort­schaf­ten der Umge­bung ein­ge­mein­det und seit 1926 war durch die Zusam­men­le­gung von Cas­trop und Rau­xel eine Stadt geschaf­fen wor­den, die um die Jahr­hun­dert­wen­de fast 10000 Ein­woh­ner hat­te. Zwar war durch den Zuzug auch die abso­lu­te Zahl der jüdi­schen Bür­ger gestie­gen, aber ihr Anteil war von mehr als 5 Pro­zent auf knapp 1,5 Pro­zent zurück­ge­gan­gen.[9] Es waren pri­mär ande­re Beru­fe gefragt, als die­je­ni­gen, die Juden tra­di­tio­nell besetz­ten. Aber vor dem Hin­ter­grund der hohen wirt­schaft­li­chen Dyna­mik konn­ten auch die jüdi­schen Gewer­be­trei­ben­den mit ihren alt­her­ge­brach­ten Beru­fen als Händ­ler und Metz­ger erfolg­reich am Wirt­schafts­le­ben teil­ha­ben, sich sogar zuneh­mend in ihrer Erwerbs­struk­tur aus­dif­fe­ren­zie­ren.[10] Der Stadt­teil Cas­trop blieb trotz der star­ken Bevöl­ke­rungs­fluk­tua­ti­on das eigent­li­che Zen­trum jüdi­schen Lebens, wo sie weit­ge­hend auch in den ver­trau­ten Stra­ßen woh­nen blieben.

In den Lis­ten jüdi­scher Bür­ger von 1849 und von 1890 taucht der Name Klee­berg noch nicht auf.[11] Bei der zwei­ten Lis­te han­delt es sich aller­dings um die Lis­te der wahl­be­rech­tig­ten Gemein­de­mit­glie­der für den Syn­ago­gen­vor­stand, ver­mut­lich sind dar­in aber nur die Namen der­je­ni­gen mit pas­si­vem Wahl­recht auf­ge­führt. Denn zu die­sem Zeit­punkt muss Simon Klee­berg mit sei­ner Frau längst in Cas­trop wohn­haft gewe­sen sein. Hier war schon am 20. Febru­ar 1865 als ers­tes Kind des Paa­res die Toch­ter Cäci­lie gebo­ren wor­den.[12] Ein Jahr spä­ter, am 12. Mai 1866 folg­te eine wei­te­re Toch­ter mit Namen Bel­la, die aber fast aus­schließ­lich mit ihrem Ruf­na­men Ber­tha in den Akten erscheint.[13] Am 22. März 1871 kam eine wei­te­re Toch­ter zur Welt, die den Namen Sophie erhielt.[14] Mög­li­cher­wei­se war Julie Klee­berg – der zeit­li­che Abstand legt das nahe – zwi­schen der Geburt von Bel­la und Sophie von einem wei­te­ren Kind ent­bun­den wor­den, das aber sehr bald nach der Geburt ver­stor­ben sein muss. In der Geburts­ur­kun­de von Albert, gebo­ren am 10. Novem­ber 1873, heißt es näm­lich aus­drück­lich, er sei das fünf­te Kind des Paa­res gewe­sen.[15] Albert blieb auch der ein­zi­ge männ­li­che Nach­kom­me, denn die letz­ten bei­den Kin­der waren wie­der zwei Mäd­chen. Am 20. April 1877 kam Hele­ne,[16] dann am 29. Juni 1880 Jean­nette, genannt Jen­ny, zur Welt.[17]

Über die meis­ten der Kin­der lie­gen bis­her nur weni­ge Infor­ma­tio­nen vor. Abge­se­hen von den Eck­da­ten, Geburt und Tod, ist auch über deren Vater Simon Klee­berg fast nichts bekannt. Die Wahr­schein­lich­keit ist groß, dass auch er ein Kauf­mann war, der viel­leicht sogar schon das Geschäft gegrün­det hat­te, das sein Sohn Albert spä­ter in Cas­trop noch über eine Rei­he von Jah­ren führ­te. Auch über ihn selbst, über sei­ne Kind­heit, Jugend und sei­nen beruf­li­chen Wer­de­gang, weiß man wenig, obwohl sogar zwei dicke Ent­schä­di­gungs­ak­ten über ihn vor­lie­gen. Der größ­te Teil befasst sich aber mit einer Erb­schafts­aus­ein­an­der­set­zung, in der es um die Rech­te an dem ehe­ma­li­gen elter­li­chen Haus in ihrer Hei­mat­stadt ging. Über das Leben der Fami­lie in Cas­trop oder Wies­ba­den las­sen sich dar­in nur spo­ra­di­sche Hin­wei­se fin­den.[18]

Albert Klee­berg scheint nach sei­ner Geburt aber nicht immer in Cas­trop-Rau­xel gewohnt zu haben, denn sei­ne Mel­de­kar­te von Cas­trop ent­hält den Ver­merk „Am 13.4.1893 von Hagen zuge­zo­gen“.[19] Ver­mut­lich hat­te der damals knapp 20-Jäh­ri­ge zuvor sei­ne Berufs­aus­bil­dung als Kauf­mann in einer frem­den Stadt abge­schlos­sen und war dann in den elter­li­chen Betrieb ein­ge­tre­ten. Zwei Jah­re nach dem Tod des Vaters – wann die Mut­ter ver­starb, ist nicht bekannt – grün­de­te er am 15. Janu­ar 1906 mit Mar­tha Roth­schild eine eige­ne Fami­lie in Cas­trop-Rau­xel.[20] Ernst, gebo­ren am 25. Novem­ber 1908, soll­te ihr ein­zi­ges Kind blei­ben.[21]

Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
Mel­de­kar­te der Fami­lie Klee­berg in Castrop
Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Stadt­ar­chivs Castrop-Rauxel

Im Todes­ein­trag von Simon Klee­berg ist als Anschrift des Ver­stor­be­nen noch die Müns­ter­str. 17 ange­ge­ben. Das Haus, das spä­ter im Besitz des Soh­nes Albert war, lag dage­gen in der­sel­ben Stra­ße, hat­te aber die Num­mer 21. Ob dies einer Neu­num­me­rie­rung der Stra­ße oder einem rea­len Umzug geschul­det ist, war nicht mehr fest­stell­bar. In jedem Fall beher­berg­te das Haus neben der Woh­nung für die Fami­lie auch ein Laden­ge­schäft für Herrenbekleidung.

Die ers­ten über­lie­fer­ten Zah­len über die Geschäfts­tä­tig­keit stam­men aus den Jah­ren unmit­tel­bar nach der gro­ßen Infla­ti­on zu Beginn der Wei­ma­rer Repu­blik. Das Haus ist in einer Auf­stel­lung des Ver­mö­gens mit einem Wert von etwa 35.000 Gold­mark ange­ge­ben, der des Betriebs sogar mit 44.000 Gold­mark. Ob die­ser Wert aber tat­säch­lich ein fluk­tu­ie­ren­des Gewer­be oder nur einen hohen unver­käuf­li­chen Lager­be­stand indi­ziert, lässt sich nicht sagen. Eini­ges spricht eher für eine eher nega­ti­ve Sicht, denn das pri­va­te Ver­mö­gen in Form von Wert­pa­pie­ren betrug nur wenig mehr als 6.000 Gold­mark.[22] Schon im Febru­ar 1926, zu Beginn der eigent­lich stärks­ten Kon­junk­tur­pha­se der Repu­blik, bat Albert Klee­berg um Stun­dung fäl­li­ger Steu­ern: „Das Geschäft ist der­ar­tig schlecht, dass ich vor­läu­fig nicht in der Lage bin, die obi­ge Steu­er zu bezah­len“, schrieb er dem zustän­di­gen Finanz­amt in Dort­mund.[23]

Albert Klee­berg bit­tet das Finanz­amt 1929 um Stun­dung von Steu­er­schul­den
HHStAW 685 403a (76)

Die Lage scheint sich auch in den fol­gen­den Jah­ren nicht wesent­lich ver­bes­sert zu haben, denn noch bevor die Welt­wirt­schafts­kri­se Deutsch­land mit vol­ler Macht ergriff, muss­te Albert Klee­berg das Finanz­amt erneut um Steu­er­stun­dung bit­ten. Er habe „im letz­ten Vier­tel­jahr 3762 Mk umge­setzt, also kaum 42,- Mk Tages­um­satz“ gehabt, erläu­ter­te er sei­ne Bit­te. Ob der Antrag damals abge­lehnt wor­den war, ist nicht klar erkenn­bar,[24] aber ein Jahr spä­ter bean­trag­te der Magis­trat von Cas­trop-Rau­xel am 20. Sep­tem­ber, man möge Albert Klee­berg die fäl­li­gen Steu­ern erlas­sen, weil „die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se“ bei Klee­bergs „nicht beson­ders“ sei­en. Er habe nur noch zwei Lehr­mäd­chen als Ange­stell­te und habe auch die ers­te Eta­ge sei­nes Hau­ses inzwi­schen ver­mie­ten müs­sen.[25]

Es ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass der Nie­der­gang des Geschäfts auch Fol­ge der poli­ti­schen Ent­wick­lung war, aber kon­kre­te Anhalts­punk­te gibt es dafür nicht. Sicher ist aber, dass die Wel­le des Anti­se­mi­tis­mus im Gefol­ge der Dolch­stoß-Legen­de auch in Cas­trop-Rau­xel vie­le Anhän­ger fand und sich diver­se Orga­ni­sa­tio­nen und Ver­bän­de mit natio­na­lis­tisch-ras­sis­ti­schen Zie­len bil­de­ten.[26] Ein wei­te­rer Grund mag Albert Klee­berg dazu bewo­gen haben, mit nicht ein­mal 60 Jah­ren sei­ne beruf­li­che Tätig­keit und das Geschäft auf­zu­ge­ben. Sein Sohn Ernst scheint kein Inter­es­se an einem kauf­män­ni­schen Beruf gehabt zu haben, er war viel­mehr künst­le­risch aktiv. Sein Beruf ist auf der Mel­de­kar­te mit „Musi­ker“ ange­ge­ben. Wel­che Art von Musik er mach­te, wel­ches Instru­ment er spiel­te und wel­che Aus­bil­dung er absol­viert hat­te, ist nicht bekannt. Aber die Lis­te der Woh­nungs­wech­sel, die auf sei­ner Mel­de­kar­tei ein­ge­tra­gen sind, lässt dar­auf schlie­ßen, dass er immer wie­der über meh­re­re Wochen oder sogar Mona­te Enga­ge­ments in ver­schie­de­nen Städ­ten Deutsch­lands hat­te. So leb­te er zwi­schen 1928 und 1929 zwei Mona­te in Bri­lon, dann in Gel­sen­kir­chen, Müns­ter, Lübeck und Essen. Zwi­schen­durch kam er immer wie­der in das Haus sei­ner Eltern nach Cas­trop-Rau­xel zurück. Als letz­te Sta­ti­on ist im Jahr 1932 Ham­burg Alto­na ein­ge­tra­gen.[27]

Bald dar­auf, noch vor Hit­lers „Macht­er­grei­fung“, ver­lie­ßen Klee­bergs mit ihrem Sohn das Ruhr­ge­biet und zogen nach Wies­ba­den. Für das Haus und das Geschäft fan­den sie damals noch einen nicht­jü­di­schen Päch­ter, der es gut mit ihnen mein­te und allem Anschein nach sogar mit der Fami­lie befreun­det war. Am 28. März 1932 war zwi­schen Albert Klee­berg und Ernst Kirsch ein Pacht­ver­trag über das Geschäft ver­ein­bart wor­den, der eigent­lich auch schon den Ver­kauf des Hau­ses vor­ge­se­hen hat­te. Einem Schrei­ben ist zu ent­neh­men, dass bereits 1931 ein sol­ches Vor­kaufs­recht für den Päch­ter ver­ein­bart wur­de, ein unmit­tel­ba­rer Ver­kauf nur des­halb nicht schon damals zustan­de kam, weil Ernst Kirsch zu die­ser Zeit noch nicht über die dafür nöti­gen finan­zi­el­len Mit­tel ver­füg­te.[28]

Das Haus in der Tau­nus­stra­ße, in dem Klee­bergs nach ihrem Umzug nach Wies­ba­den wohn­ten
Eige­ne Aufnahme

Die ers­te Woh­nung, die Klee­bergs in Wies­ba­den bezo­gen, lag im ers­ten Stock des wun­der­schö­nen Hau­ses Tau­nus­str. 37,[29] das inzwi­schen Mar­tha Rudol­fi­ne Hay­mann gehör­te, nach­dem ihr Mann, der jüdi­sche Arzt Dr. Alfred Hay­mann, 1927 ver­stor­ben war. In Wies­ba­den nahm Albert Klee­berg kei­ne beruf­li­che Tätig­keit mehr auf, son­dern leb­te als Pri­va­tier von sei­nem Erspar­ten und den Pacht­erträ­gen. Aber sehr viel war das nicht. In den Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen für die Jah­re 1935 und 1936 gab er ein Ein­kom­men von jeweils 2.600 RM an, d. h., es waren nicht viel mehr als 200 RM, mit denen die Fami­lie aus­kom­men muss­te.[30] Gegen den Steu­er­be­scheid des Jah­res 1936 hat­te Albert Klee­berg „Beru­fung“, eigent­lich wohl Wider­spruch, ein­ge­legt, weil unbe­rück­sich­tigt geblie­ben war, dass sein Sohn seit Janu­ar 1936 arbeits­los sei und mit sei­ner Frau im gemein­sa­men Haus­halt lebe.[31]

Wann und wo Ernst Klee­berg sei­ne Frau Ilse Osten ken­nen­ge­lernt und gehei­ra­tet hat­te, ist nicht bekannt. Sie stamm­te aus Wis­mar – aus wel­chem der ver­schie­de­nen Orte mit die­sem Namen, konn­te eben­falls nicht ermit­telt wer­den –, wo sie am 23. März 1914 gebo­ren wor­den war.[32] Wenn sie im Unter­schied zu den übri­gen Fami­li­en­mit­glie­dern im Jüdi­schen Adress­buch von 1935 nicht zu fin­den ist, dann bedeu­tet das nicht not­wen­di­ger­wei­se, dass die Ehe erst danach geschlos­sen wor­den sein muss. Sie wur­de in das Ver­zeich­nis schon des­we­gen nicht auf­ge­nom­men, weil sie kei­ne Jüdin, son­dern eine evan­ge­lisch getauf­te Chris­tin war.

Erneu­te Bit­te um Steu­er­re­du­zie­rung
HHStAW 685 403b (97)

Im Febru­ar 1938 bat Albert Klee­berg das Finanz­amt Wies­ba­den erneut um eine Steu­er­re­du­zie­rung, wie­der mit dem Ver­weis auf den arbeits­lo­sen Sohn und des­sen Frau, die wei­ter­hin im gemein­sa­men Haus­halt leben wür­den. Wei­ter­hin gab er an, dass er seit mehr als zwei Jah­ren krank sei, zu wenig rote Blut­kör­per­chen habe und sich des­halb auf Dau­er einer kos­ten­in­ten­si­ven Behand­lung unter­zie­hen müs­se.[33]

Einen Monat, nach­dem er ver­mut­lich erfolg­los sei­nen Brief abge­schickt hat­te, muss­te die Fami­lie zum ers­ten Mal in Wies­ba­den selbst umzie­hen. Alle vier, Albert und Mar­tha sowie Ernst und Ilse, bezo­gen am 2. März 1938 eine Woh­nung im zwei­ten Stock des Hau­ses Fried­richstr. 51, Ecke Kirch­gas­se, das der Schwä­ge­rin ihrer bis­he­ri­gen Ver­mie­te­rin gehör­te.[34] Von daher kommt eine Kün­di­gung aus anti­se­mi­ti­schen Moti­ven nicht in Betracht, aber ein erzwun­ge­ner Umzug durch die kom­mu­na­len Behör­den ist zu die­sem Zeit­punkt eben­falls wenig wahr­schein­lich. Die Woh­nung in der Fried­rich­stra­ße wird auch kaum kos­ten­güns­ti­ger gewe­sen sein, sodass die Hin­ter­grün­de offen blei­ben müssen.

In der neu­en Unter­kunft erleb­ten Klee­bergs die Novem­ber­er­eig­nis­se, die, obwohl selbst nicht unmit­tel­bar von roher Gewalt bedroht, auch für ihr Leben eine Zäsur bedeu­te­ten: Ange­sichts der finan­zi­el­len For­de­run­gen, die der NS-Staat zyni­scher­wei­se von sei­nen Opfern for­der­te, waren auch Klee­bergs genö­tigt, ihr noch vor­han­de­nes Ver­mö­gen flüs­sig zu machen, sprich ihr Haus in Cas­trop-Rau­xel zu ver­kau­fen. Als Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be wur­de den Ehe­leu­ten ins­ge­samt ein Betrag von 10.250 RM abver­langt, zahl­bar in fünf Raten.[35] Da es sich bei die­sem Betrag um ein Vier­tel des Gesamt­ver­mö­gens han­del­te, muss das damals etwa 41.100 RM betra­gen haben, was so ziem­lich dem Ein­heits­wert des Hau­ses ent­sprach.[36]

Es blieb ihnen somit gar nichts ande­res übrig, als sich von dem Haus zu tren­nen, von des­sen Pacht­ein­künf­ten sie bis­her aber weit­ge­hend gelebt hat­ten. Das Päch­ter­ehe­paar Kirsch war aber finan­zi­ell nicht so gestellt, dass es den gesam­ten, am Ein­heits­wert ori­en­tier­ten Kauf­preis von 45.000 RM hät­te mit einem Mal zah­len kön­nen. Am 17. Novem­ber 1938 wur­de ein Ver­trag geschlos­sen, der die Inter­es­sen bei­der Part­ner berück­sich­tig­te. Nach Über­nah­me einer auf dem Grund­stück las­ten­den Hypo­thek von 4.500 RM, soll­te bei Ver­trags­ab­schluss der Ver­käu­fer 500 RM erhal­ten, die übri­gen 40.000 RM wur­den als ver­zins­li­che Hypo­thek neu im Grund­buch ein­ge­tra­gen. Die­se soll­te dann in monat­li­chen Raten von jeweils 400 RM an Albert und Mar­tha Klee­berg abge­zahlt wer­den. Auf die­se Wei­se war, so glaub­ten sie wohl, ihr Lebens­un­ter­halt auf eine abseh­ba­re Zeit gesi­chert und auch Kirschs konn­ten das Geschäft wei­ter betrei­ben. Obwohl der Ver­trag noch nicht von den Behör­den geneh­migt wor­den war, war Kirsch sofort sei­nen Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen nach­ge­kom­men, hat­te sogar im Dezem­ber 1938 und im Febru­ar 1939 ins­ge­samt 3.000 RM zu Beglei­chung der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be bereit­ge­stellt. Danach konn­te Albert Klee­berg die gefor­der­te Abga­be aber nicht mehr in vol­ler Höhe auf­brin­gen, wes­halb die Hälf­te der jeweils monat­lich über­wie­se­ne Betrag von 400 RM behörd­li­cher­seits gepfän­det wur­de und Klee­bergs somit für ihren monat­li­chen Lebens­be­darf nur noch 200 RM zur Ver­fü­gung stan­den.[37] Albert Klee­berg hat­te sei­ne Situa­ti­on gegen­über der Devi­sen­stel­le in Frank­furt beschrie­ben, um zu ver­hin­dern, dass ihm auf­grund des for­mal recht gro­ßen Ver­mö­gens – die Hypo­the­ken­for­de­rung an Kirsch – die Füh­rung eines Kos­ten ver­ur­sa­chen­den Siche­rungs­kon­tos auf­er­legt wür­de. Die Stel­le konn­te tat­säch­lich davon über­zeugt wer­den, dass Albert Klee­berg kaum die Mög­lich­keit hat­te, sich eines sol­chen Ver­ge­hens „schul­dig“ zu machen.

Der Brief, datiert auf den 8. März 1940, wur­de geschrie­ben in der Bahn­hofstr. 46, einem spä­te­ren Juden­haus, wo Mar­tha und Albert Klee­berg mit ihrem Sohn laut Gestapo­kar­tei­kar­te seit dem 1. April 1939 wohn­ten. Die nähe­ren Umstän­de las­sen ver­mu­ten, dass es sich damals noch um kei­nen erzwun­ge­nen Umzug han­del­te, denn das neue, für Juden dis­kri­mi­nie­ren­de Miet­ge­setz war erst Ende April 1939 ver­ab­schie­det wor­den und das Haus war zu die­sem Zeit­punkt noch nicht offi­zi­ell als Juden­haus aus­ge­wie­sen. Den­noch muss es auch damals in der Stadt schon eine star­ke Fluk­tua­ti­on unter den jüdi­schen Mie­tern gege­ben haben und vie­le befan­den sich damals bereits auf der Suche nach einer neu­en Bleibe.

Judenhaus Wiesbaden Bahnhofstr. 46
Die Bahn­hofstr. 46, damals noch Niko­las­str. 16, in den zwan­zi­ger Jah­ren
HHStAW 1183 20

Das Haus gehör­te Sebald und Hed­wig Strauss, einem ehe­ma­li­gen Wein­händ­ler. In einem der vie­len erhal­te­nen Brie­fe zwi­schen den Eltern und ihrem nach Boli­vi­en aus­ge­wan­der­ten Sohn Alfred, dem spä­te­ren Land­ge­richts­di­rek­tor Dr. Alfred Strauss, wird der Ein­zug der Fami­lie Klee­berg kurz erwähnt. Es heißt im Brief von 9. Mai 1939: „Habe ich dir schon geschrie­ben, dass der Reichs­kraft­wa­gen-Betrieb aus­ge­zo­gen ist. Die Woh­nung ist aber gleich wie­der an einen Herrn Klee­berg, anschei­nend net­te Leu­te, ver­mie­tet wor­den. Kaum war sie ver­mie­tet, als sich das Finanz­amt als Reflec­tant anstell­te. Es kam lei­der zu spät.“[38] Wenn­gleich nicht nach­voll­zieh­bar ist, wie­so Sebald Strauss trotz des posi­ti­ven ers­ten Ein­drucks das Finanz­amt als Mie­ter bevor­zugt hät­te, so wird doch deut­lich, dass zu die­sem Zeit­punkt bei­de Miet­par­tei­en noch sehr eigen­stän­dig in ihren Ent­schei­dun­gen waren. Und als sich in der fol­gen­den Zeit, in der das Haus zu einem tat­säch­li­chen Juden­haus wur­de, immer mehr jüdi­sche Mie­ter dort ein­fan­den, ent­wi­ckel­te sich trotz man­cher Kon­flik­te unter­ein­an­der doch so etwas wie eine Haus­ge­mein­schaft, mit der man das gemein­sa­me Leid, aber auch die weni­gen Freu­den des All­tags teil­te. Mehr­fach berich­ten Sebald oder Hed­wig Strauss, dass die Män­ner, dar­un­ter auch Albert Klee­berg, abends zusam­men geses­sen und Skat gespielt, die Frau­en Musik gehört hät­ten.[39] Klee­bergs teil­ten sich den zwei­ten Stock mit Her­tha und  Bern­hard Eis, die nur weni­ge Tage spä­ter ein­ge­zo­gen waren.[40] Auch erfährt man aus die­sen Brie­fen ein wei­te­res Detail aus dem Leben von Ernst Klee­berg. Hed­wig Strauss infor­mier­te ihren Sohn immer sehr genau über die gesell­schaft­li­chen Ereig­nis­se in ihrem jüdi­schen Bekann­ten- und Fami­li­en­kreis, wer jeweils gera­de sei­ne Aus­rei­se vor­be­rei­te­te, wer krank oder sogar ver­stor­ben war, aber auch wel­che Men­schen zuein­an­der gefun­den oder sich gera­de getrennt hat­ten. So ließ sie am 26. Dezem­ber 1940 unter Bezug­nah­me auf einen Brief, den sie zwar geschrie­ben, aber dann doch nicht abge­schickt hat­te, ver­lau­ten: „Das wesent­li­che (sic), was Dich dar­in inter­es­siert haben könn­te, ist die Ver­hei­ra­tung von Dr. Herr­mann Wolffs Gat­tin mit dem Nachf. von Rosen­thal & David, Blu­men­ar­ti­kel­ge­schäft Wil­helm­stra­ße & die Schei­dung von Dr. Ernst Hirsch & Ruth Gut­h­mann. Er sei in Hol­land, sie in Ber­lin, um von da nach Shang­hai zu wan­dern, zu einem ande­ren. Die Treue, sie ist doch kein lee­rer Wahn! [Wahr­schein­lich eher iro­nisch gemeint – K.F.]
In unse­rem Hau­se wohnt ein 31 jähr. Herr, des­sen klei­ne christ­li­che Frau aus Wiss­mar hat sich auch nach 3 oder 5 jähr. ‚glück­li­cher’ Ehe schei­den las­sen.“
[41] Wann die Ehe geschie­den wur­de, ist nicht bekannt.[42] Wie man der Ummel­dung von der Fried­rich­stra­ße in die Bahn­hof­stra­ße ent­neh­men kann, war Ilse Klee­berg noch mit umge­zo­gen. Mög­li­cher­wei­se war die Umwand­lung des Hau­ses in ein Juden­haus für sie der Anlass zur Tren­nung von ihrem Ehe­mann und den anschlie­ßen­den Aus­zug gewe­sen. Die for­ma­le Schei­dung wur­de ja bereits ein hal­bes Jahr nach dem Ein­zug – so kann man aus dem Brief von Hed­wig Strauss schlie­ßen — in die Wege geleitet.

Der Umzug der Fami­lie Klee­berg in das Juden­haus Bahn­hofstr. 46
HHStAW 685 403b (104)

Wäh­rend der Zeit, die die Fami­lie im Juden­haus Bahn­hofstr. 46 leb­te, war ihr Ein­kom­men kon­ti­nu­ier­lich zurück­ge­gan­gen. Hat­ten sie 1938 noch über ein steu­er­pflich­ti­ges Ein­kom­men von mehr als 3.000 RM ver­fü­gen kön­nen, so war das bis 1941 auf weni­ger als die Hälf­te geschrumpft. Laut Aus­kunft des Finanz­amts Wies­ba­den vom März 1958 betrug es 1940 noch 1.500 RM, im fol­gen­den Jahr 1941 dann nur noch 1.200 RM.[43] Die ein­zi­ge Ver­mö­gens­er­klä­rung, die aus die­ser Zeit erhal­ten geblie­ben ist, stammt vom März 1940. Albert Klee­berg gab dar­in sein Ver­mö­gen mit 33.700 RM an — der Betrag, der noch nicht zurück­ge­zahl­ten Hypo­thek aus dem Haus­ver­kauf. Offen war aber damals auch die noch nicht voll­stän­dig gezahl­te „Süh­ne­leis­tung“ in Höhe von 5.368 RM, sodass er ein nomi­na­les Ver­mö­gen von 28.332 RM besaß. Die von ihm ange­ge­ben monat­li­chen Aus­ga­ben in Höhe von knapp 360 RM, 73 für die Woh­nung, 285 RM für den Lebens­un­ter­halt der drei­köp­fi­gen Fami­lie, waren mit den genann­ten Ein­künf­ten in jedem Fall nicht zu bezah­len.[44] Man wird sich wei­ter ein­ge­schränkt haben müssen.

Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
Hei­rats­ein­trag von Ernst und Flo­ra Klee­berg, geb. Schad vom 3.1.1942
Hei­rats­re­gis­ter Wies­ba­den 3 /​1942

Noch in der Bahn­hofstr. 46 kam es zu einer erneu­ten Ehe­schlie­ßung von Ernst. Am 3. Janu­ar 1942 ging er in Wies­ba­den eine Ehe mit der in Mainz gebo­re­nen Flo­ra Schad ein. Sie war am 18. Juli 1917 als Toch­ter von Phil­ipp Jakob und Fri­da Schad, gebo­re­ne Kai­ser, zur Welt gekom­men.[45] In einem Brief von Albert Klee­berg kurz vor sei­ner eige­nen Depor­ta­ti­on erwähn­te die­ser, dass Flo­ra einer Misch­ehe ent­stam­me, somit nach Nazi-Jar­gon ein „Misch­ling ers­ten Gra­des“ war.[46] Es waren erstaun­lich vie­le Ehen, die in die­sen für Juden schon völ­lig per­spek­tiv­lo­sen Jah­ren 1941 und 1942 noch geschlos­sen wur­den. Sicher ging es den Part­nern kaum mehr um eine gemein­sa­me Zukunft, son­dern pri­mär dar­um, das erwar­te­te oder zumin­dest erahn­te kom­men­de Leid gemein­sam durch­ste­hen zu können.

Der tat­säch­li­che Auf­ent­halts­ort von Ernst Klee­berg in die­ser Zeit ist nicht sicher. In dem Hei­rats­ein­trag ist als sein Wohn­sitz zwar noch das Juden­haus in der Bahn­hof­stra­ße ange­ge­ben, laut einer nach dem Krieg erstell­ten Lis­te, die sich im Arol­sen-Archiv befin­det, hielt er sich aber vom 27. Okto­ber 1941 bis zum 10. März 1942 in Idstein auf. Anders als bei ande­ren dort gelis­te­ten jüdi­schen Bür­gern aus Wies­ba­den, ist bei ihm bei Hei­mat­ort „unbe­kannt“ ange­ge­ben. Ganz sicher leis­te­te er damals Zwangs­ar­beit in Idstein, ver­mut­lich im Rah­men einer kom­mu­na­len Arbeit, wie man aus der Zuord­nung „Art der Arbeit: Ziv.Arb.“ schluss­fol­gern kann.[47] Es kann sein, dass er damals in Idstein kaser­niert war und viel­leicht nur an den Wochen­en­den nach Hau­se kam, es kann aber auch sein, dass er, wie ande­re auch, die Fahrt dort­hin täg­lich machen muss­te. In jedem Fall wird er mit sei­ner Frau nur noch wenig gemein­sa­me Zeit ver­bracht haben kön­nen, bevor bei­de zusam­men den Zug „nach dem Osten“ bestei­gen mussten.

Die Pla­nung für die­sen und wei­te­re Trans­por­te im März 1942 war unmit­tel­bar nach der Wann­see-Kon­fe­renz auf­ge­nom­men wor­den, waren somit die ers­ten Trans­por­te, die, im Unter­schied zu denen von 1941, als Teil der sys­te­ma­ti­schen Ermor­dung des euro­päi­schen Juden­tums, der End­lö­sung, ange­se­hen wer­den müs­sen.[48] Im Hin­blick auf das Alt­reich ging man von etwa 132000 Jüdin­nen und Juden aus, in der Ost­mark soll­ten knapp 44000 und im Pro­tek­to­rat Böh­men-Mäh­ren wei­te­re rund 75.000 leben. Mit dem Rund­erlass vom 31. Janu­ar 1942 aus dem RSHA, unter­zeich­net von Adolf Eich­mann, wur­den die grund­le­gen­den Bestim­mun­gen über das orga­ni­sa­to­ri­sche Ver­fah­ren der Akti­on an die unte­ren Staats­po­li­zei­leit­stel­len und deren unter­ge­ord­ne­te Dienst­stel­len wei­ter­ge­ge­ben. Es galt in die­sem Rah­men auch den aktu­el­len „Bestand“ der Jüdin­nen und Juden zu erfas­sen, um die ent­spre­chen­den Kapa­zi­tä­ten für die Trans­por­te und natür­lich für Unter­brin­gung im Osten bereit­stel­len zu kön­nen. In die­sem Zusam­men­hang wur­de auch in Wies­ba­den schon am sel­ben Tag, dem 31. Janu­ar, eine Art Bilanz eröff­net, in der Ist-Zustand, die Zu- und Abgän­ge von Juden sys­te­ma­tisch erfasst wur­den. Zu die­sem Zeit­punkt leb­ten in Wies­ba­den dem­nach ins­ge­samt noch 1006 Jüdin­nen und Juden, 360 waren männ­li­chen Geschlechts, 646 weib­lich.[49] Die ers­te Ver­än­de­rung ergab sich durch den Zuzug von zwei Jüdin­nen, dann folg­ten im Febru­ar und März acht Todes­fäl­le natür­li­cher Art. Der ers­te Name die­ser Lis­te, hin­ter dem „eva­ku­iert“ zu lesen ist, ist der von Ernst Klee­berg. Man kann somit sagen, dass er tat­säch­lich das ers­te Wies­ba­de­ner Opfer der soge­nann­ten „End­lö­sung“ war.

Er wur­de aller­dings nicht von Wies­ba­den, son­dern von Mainz aus depor­tiert. Es lässt sich nicht mehr fest­stel­len, ob er, der zu die­sem Zeit­punkt noch in Idstein arbei­te­te, von dort oder von Wies­ba­den nach Mainz geeilt war, als er von der anste­hen­den Depor­ta­ti­on sei­ner Frau hör­te oder ob er damals zumin­dest zeit­wei­se bei ihr wohnte.

Die Deportation von Ernst Kleeberg Stadtarchiv Wiesbaden WI/2 2225
Die Depor­ta­ti­on von Ernst Klee­berg
Stadt­ar­chiv Wies­ba­den WI/​2 2225

Wie die ande­ren Trans­por­te in die­ser Pha­se, soll­te auch der „Gesell­schafts­son­der­zug zu Beför­de­rung von Arbei­tern“ mit der Num­mer ‚Da 14’ in den Raum Lub­lin gehen. Es han­del­te sich um Züge, die aus dem Osten Zwangs­ar­bei­ter in das Alt­reich und auf der Rück­fahrt Juden in die dor­ti­gen Ghet­tos brach­ten. Für etwa 700 Arbeits­kräf­te waren die Güter­zü­ge, in die pro­vi­so­risch Bän­ke ein­ge­baut wor­den waren, kon­zi­piert, Juden soll­ten aber zu etwa 1000 hin­ein­ge­pfercht wer­den. Offi­zi­el­ler Abfahrts- und Sam­mel­ort war Darm­stadt, Ziel das Ghet­to von Pia­ski, das man zur Auf­nah­me der deut­schen Juden extra „frei­ge­macht“ hat­te, d.h. man hat­te die bis­her dort leben­den jüdi­schen Bewoh­ner am 16. März in das nahe gele­ge­ne Bel­zec ver­bracht und ermor­det. Vor­ge­se­hen waren für den Trans­port Jüdin­nen und Juden aus dem ehe­ma­li­gen Volks­staat Hes­sen, Rhein­hes­sen und den Land­krei­sen Worms und Star­ken­burg. Am 17. März waren die Betrof­fe­nen davon unter­rich­tet wor­den, dass sie sich mit einem gepack­ten Hand­kof­fer für die Eva­ku­ie­rung bereit­ma­chen soll­ten.[50] Am 19. wur­de ein Aus­geh­ver­bot erlas­sen und am fol­gen­den Mor­gen wur­den die zu Depor­tie­ren­den von Gesta­po­be­am­ten in ihren Woh­nun­gen abge­holt und zunächst in die loka­le Sam­mel­stel­le, die Turn­hal­le der Main­zer Feld­berg­schu­le, geführt. In der fol­gen­den Nacht brach­ten Last­wa­gen die Men­schen an den Güter­bahn­hof in der Mom­ba­cher Stra­ße, von wo sie dann zunächst per Zug nach Darm­stadt, dann am 25. von dort wei­ter über Frank­furt, Leip­zig, Lodz und Lub­lin zur Bahn­sta­ti­on Traw­ni­ki gebracht wur­den, was am 27. erreicht wur­de. Unter­wegs sol­len vie­le der ver­mut­lich 411 Män­ner und 589 Frau­en, dar­un­ter auch vie­le Kin­der – das jüngs­te war nicht ein­mal ein Jahr alt –, bereits umge­kom­men sein. Pia­ski, das ein­zi­ge Ghet­to in die­sem Gebiet, besaß aller­dings kei­ne Bahn­sta­ti­on, sodass die völ­lig Erschöpf­ten die letz­ten zwölf Kilo­me­ter auf der Land­stra­ße zu Fuß bewäl­ti­gen muss­ten. Aus dem Ghet­to gelang­ten noch eini­ge Brie­fe und Post­kar­ten in die Hei­mat, in denen über die dor­ti­gen Lebens­um­stän­de knapp berich­tet wur­de. Auch völ­lig ver­zwei­fel­te, gleich­wohl illu­sio­nä­re Hil­fe­ru­fe erreich­ten die Zurück­ge­blie­be­nen: „Sorgt für die Rück­fahrt, wenn’s geht schnell!“ Eine sol­che gab es nicht mehr. Wer die Zeit im Ghet­to über­leb­te, wur­de spä­tes­tens im Febru­ar 1943 bei sei­ner Auf­lö­sung in eines der umlie­gen­den Ver­nich­tungs­la­ger, ver­mut­lich Bezec, gebracht und ermordet.

Stra­ße im Ghet­to von Pia­ski
https://​ency​clo​pe​dia​.ushmm​.org/​c​o​n​t​e​n​t​/​e​n​/​p​h​o​t​o​/​d​e​s​e​r​t​e​d​-​s​t​r​e​e​t​-​i​n​-​s​i​g​h​e​t​-​m​a​r​m​a​t​iei

Wie lan­ge Ernst Klee­berg und sei­ne Frau Flo­ra sich noch am Leben hal­ten konn­ten, ist unbe­kannt, eben­so, ob sein Vater noch eine Nach­richt von ihm erhal­ten hat­te. Man könn­te fast die­sen Ein­druck haben, denn Albert Klee­berg schrieb kurz vor sei­ner eige­nen Depor­ta­ti­on noch an den Käu­fer sei­nes Hau­ses und Geschäfts in Cas­trop, zu dem offen­bar ein Ver­trau­ens­ver­hält­nis vor­han­den war:
„Wer­ter Herr Kirsch.
In letz­ter Stun­de möch­ten wir nicht ver­säu­men uns von Ihnen und Ihrer wer­ten Fami­lie zu ver­ab­schie­den. Wir kom­men Diens­tag den 1. Sep­tem­ber nach Joseph­stadt-The­re­si­en­stadt in Böh­men. Sams­tag sam­meln wir uns und blei­ben erst drei Tage in einem Bet­saal. Soll­ten wir die­se schwe­re Zeit nicht über­le­ben, so den­ken Sie, wer­ter Herr Kirsch, an unse­ren Ernst, der seit 20. März mit sei­ner Frau (=Misch­ling) in Pia­ski Kr. Lub­lin deut­sche Post als Schwer­ar­bei­ter sein Leben fris­tet. Hof­fent­lich lässt der Frie­de nicht all­zu lan­ge auf sich war­ten. Grü­ßen Sie Ihre Gat­tin, sowie Fami­lie Asses­sor Leis­ten und blei­ben Sie alle gesund.
Albert Klee­berg und Frau“
[51]

Der Brief war etwa ein hal­bes Jahr nach der Depor­ta­ti­on von Ernst und Flo­ra geschrie­ben wor­den. Bevor dann auch Albert und Mar­tha Klee­berg im Sep­tem­ber die­sen schwe­ren Weg gehen muss­ten, waren bereits zwei Depor­ta­ti­ons­zü­ge von Wies­ba­den aus gestar­tet wor­den, ein klei­ne­rer im Mai, ein wei­te­rer im Juni 1942. Von bei­den waren auch Klee­bergs inso­fern betrof­fen, als durch sie die bis­he­ri­ge Gemein­schaft in der Bahn­hof­stra­ße zer­stör­ten. Bei der Depor­ta­ti­on vom 23. Mai waren mit Bern­hard Boden­hei­mer, Frie­da Kahn, Hele­ne Schrei­ber und Suse Vyth die ers­ten vier Mit­be­woh­ner „eva­ku­iert“ wor­den, Babet­te Weil und ihre Toch­ter Frie­da folg­ten bei der Depor­ta­ti­on am 10. Juni. Danach wur­de das Juden­haus geräumt und die noch vor­han­de­nen jüdi­schen Bewoh­ner wur­den auf ande­re Juden­häu­ser ver­teilt bzw. waren bereits kurz zuvor umquar­tiert wor­den. So auch Albert und Mar­tha Klee­berg, die einen Tag vor der zwei­ten Depor­ta­ti­on, also am 9. Juni, in das Juden­haus Kai­ser-Fried­rich-Ring 65 umzie­hen muss­ten. Weni­ge Tage spä­ter folg­ten ihre bis­he­ri­gen Mit­be­woh­ner Ade­le Bon­né und Recha Abra­ham, die alle im ers­ten Stock des Hau­ses ein­quar­tiert wur­den. Albert und Mar­tha Klee­berg stand dort ein Zim­mer zur Ver­fü­gung.[52]

Über die letz­ten drei Mona­te in dem Juden­haus Kai­ser-Fried­rich-Ring 65 lie­gen kei­ne wei­te­ren Doku­men­te oder ander­wei­ti­ge Infor­ma­tio­nen mehr vor. Sicher hat­ten sie all die Jah­re engen Kon­takt mit ihren Ver­wand­ten, der Fami­lie Roth­schild gehabt, die, von einer kur­zen Unter­bre­chung abge­se­hen, seit Febru­ar 1940 eben­falls im Kai­ser-Fried­rich-Ring gewohnt hat­te. Roth­schilds waren aber genau zu dem Zeit­punkt, als Klee­bergs ein­zo­gen, mit dem Trans­port vom 10. Juni in das Ver­nich­tungs­la­ger Sobi­bor depor­tiert worden.

Todes­er­klä­rung für Albert und Mar­tha Klee­berg
HHStAW 469/​33 4348 (29)

Der Trans­port, der am 1. Sep­tem­ber 1942 ver­ließ, brach­te die Depor­tier­ten nach The­re­si­en­stadt. Albert Klee­berg hat­te man für die­sen Trans­port XII/​2 die Num­mer 748 zuge­teilt, sei­ner Frau die 749. Nur knapp vier Wochen blie­ben sie in dem dor­ti­gen Ghet­to, dann brach­te sie der Trans­port ‚Bs’ am 29. Sep­tem­ber nach Treb­linka. Ver­mut­lich wur­den sie bald nach ihrer Ankunft im Gas ermor­det, den­noch wur­de der Todes­tag am 2. März 1957 nach dem Ver­schol­len­en­ge­setz amt­lich auf den 31. Mai 1945 fest­ge­setzt.[53] Dies hat­te unter erb­recht­li­chen Gesichts­punk­ten sei­nen Grund auch dar­in, dass zuvor bereits der Todes­tag von Ernst und Flo­ra Klee­berg eben­falls auf die­ses Datum fest­ge­legt wor­den war.[54] Da somit alle vier am glei­chen Tag ver­stor­ben waren, konn­ten die über­le­ben­den Geschwis­ter von Albert und Mar­tha Klee­berg bzw. deren Nach­kom­men Erb­an­sprü­che gel­tend machen, nicht aber die Nach­kom­men der Groß­el­tern von Ernst Klee­berg, was lang­wie­ri­ge Nach­for­schun­gen zur Fol­ge gehabt hät­te.[55] Einen, vor dem Hin­ter­grund des Schick­sals der Fami­lie Klee­berg unwür­di­gen Erb­streit, konn­te die­se Lösung aber nicht verhindern.

Die Familie von Sophie Cahen, geborene Kleeberg

Zwar gab es auch in den Fami­li­en der Geschwis­ter von Albert Klee­berg eine gro­ße Zahl von Opfern zu bekla­gen, aber anders als bei ihm, wur­de kei­ne von ihnen völ­lig aus­ge­löscht. Nicht alle Schick­sa­le der Ver­wand­ten kön­nen hier umfas­send dar­ge­stellt wer­den, aber das sei­ner älte­ren Schwes­ter Sophie ist allein des­we­gen von beson­de­rem Inter­es­se, weil auch sie zuletzt mit ihrer Fami­lie in Wies­ba­den wohn­te, ihre Toch­ter sogar noch in einem der dor­ti­gen Juden­häu­ser.[56]

Sophie, gebo­ren am 27. März 1871 in Cas­trop,[57] hat­te 1896 den aus Preu­ßisch Olden­dorf stam­men­den Kauf­mann Juli­us Cahen gehei­ra­tet.[58] Sie hat­te damit in eine der bedeu­tends­ten und auch ver­mö­gends­ten Fami­li­en der Stadt ein­ge­hei­ra­tet. Sie gehör­te schon in der Mit­te des 18. Jahr­hun­derts zu den Ordi­na­rii, die im Gegen­satz zu den Extra­or­di­na­rii zu den weni­gen „ordent­li­chen Schutz­ju­den“ der Stadt gehör­ten.[59] Eine her­vor­ra­gen­de Rol­le spiel­ten sie tra­di­tio­nell auch als Mit­glie­der des Vor­stands im jüdi­schen Gemein­de­le­ben. Es war Jakob Levi im Haus Nr. 45, der, gebo­ren noch in der Mit­te des 18. Jahr­hun­derts, ab 1808 den Nach­na­men Cahen ange­nom­men und des­halb von Bes­se­rer als der Stamm­va­ter der Cahens bezeich­net wird. Von sei­nen ins­ge­samt acht Kin­dern ist im gege­be­nen Zusam­men­hang der am 23. Janu­ar 1784 gebo­re­ne Hei­ne­mann Cahen von Belang. Wäh­rend sein Vater noch als Tabak­fa­bri­kant bezeich­net wur­de, hat­te sein Sohn Hei­ne­mann das Fär­ber­hand­werk erlernt und damit den Grund­stein dafür gelegt, dass die Fami­lie in der Tex­til­bran­che zu wach­sen­dem Reich­tum gelang­te und 1820 der höchs­ten Ver­mö­gen­s­klas­se der Stadt ange­hör­te. Von sei­ner Frau Hen­ri­et­te, gebo­re­ne Wol­fers, die er im glei­chen Jahr gehei­ra­tet hat­te, waren ihm elf Kin­der geschenkt wor­den, von denen eini­ge aus­wan­der­ten, ande­re wohl bereits früh ver­star­ben.[60]

Wil­helm, das am 7. oder 3. Juni 1825 gebo­re­ne fünf­te Kind aus die­ser Ehe, war das­je­ni­ge, das das väter­li­che Gewer­be und auch das nach einem Brand 1847 neu erbau­te Haus über­nahm. Offen­bar ver­füg­te er nicht nur über so viel Kapi­tal, dass er sei­ne noch leben­den Geschwis­ter aus­zah­len konn­te, er schien auch dem Ban­kiers­paar Nathan und Julie Mey­er aus Bücke­burg ein stan­des­ge­mä­ßer Ehe­mann für deren Toch­ter Johan­ne, gebo­ren am 6. Dezem­ber 1828, gewe­sen zu sein. Am 20. April 1856 fand in der Geburts­stadt von Johan­ne die Ver­mäh­lung statt. Zwei Jah­re spä­ter fir­mier­te die ehe­ma­li­ge Fär­be­rei unter dem Namen ‚Wilh. Cahen, Pr. Olden­dorf, Manu­fac­tur- und Konfektion’.

Juli­us Cahen, der am 31. Juli 1861 gebo­re­ne Ehe­mann von Sophie Cahen, war eines von sie­ben Kin­dern von Wil­helm und sei­ner Frau Johan­ne.[61] Vier der Kin­der über­leb­ten das Kin­des­al­ter nicht,[62] sei­ne bei­den Schwes­tern Julie und Lui­se wur­den in der Shoa ermordet.

Julie Goldstein
Julie Gold­stein

Die ältes­te Schwes­ter Julie, gebo­ren am 15. Juni 1864, war auch nach ihrer Ehe­schlie­ßung mit Laza­rus Gold­stein nach Gre­ven­broich ver­zo­gen. Nach der Reichs­po­grom­nacht, in der auch das Haus der Gold­steins ange­grif­fen und demo­liert wor­den war, ver­lie­ßen die Kin­der Deutsch­land. Laza­rus und Julie Gold­stein blie­ben mit dem Argu­ment, dass man einen alten Baum nicht mehr ver­pflan­zen kön­ne. Dar­auf nah­men die Nazis aber kei­ne Rück­sicht. Als letz­te Juden aus Gre­ven­broich wur­den sie mit einem Trans­port, der von Düs­sel­dorf aus­ging, am 25. Juli 1942 nach The­re­si­en­stadt depor­tiert. Ermor­det wur­de sie in Treb­linka am 26. Sep­tem­ber des glei­chen Jah­res, einen Tag nach­dem sie in einem wei­te­ren Trans­port von The­re­si­en­stadt dort­hin gebracht wor­den war.[63]
Die mit dem Kauf­mann Emil Frank ver­hei­ra­te­te, aber schon früh ver­wit­we­te Lui­se, gebo­ren am 23. Juli 1865, leb­te in Braun­schweig und Han­no­ver. Zwei Tage vor ihrer Schwes­ter war auch sie mit dem Trans­port VIII/​1 am 23. Juli 1942 von Han­no­ver in die zum Ghet­to umge­bau­te Fes­tung in Böh­men depor­tiert wor­den. Sie kam am 27. Janu­ar 1943 dort ums Leben.[64]

Ihr Bru­der Juli­us war nicht nur der Erst­ge­bo­re­ne, son­dern auch der ein­zi­ge männ­li­che Nach­kom­me von Wil­helm und Johan­ne Cahen, der die Kin­der­jah­re über­lebt hat­te. Somit war ent­spre­chend den Tra­di­tio­nen klar, dass er das Geschäft des Vaters nach des­sen Tod im Jahr 1913 über­neh­men wür­de. Die Fami­lie Cahen war nicht nur in das wirt­schaft­li­che Leben des Städt­chens inte­griert, son­dern sie spiel­te sowohl im Vor­stand der jüdi­schen Gemein­de, als auch im kul­tu­rel­len und sozia­len Leben der bür­ger­li­chen Gemein­de von Preu­ßisch Olden­dorf eine Rol­le. Juli­us gehör­te zu den Grün­dungs­mit­glie­dern sowohl der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr als auch zu denen des ört­li­chen Gesang­ver­eins, in dem auch sei­ne bei­den, spä­ter depor­tier­ten Schwes­tern im gemisch­ten Chor mit­san­gen. Als 1909 ein Kegel­club ins Leben geru­fen wur­de, eigent­lich ein Gesell­schafts­ver­ein für die Hono­ra­tio­ren der Stadt, gehör­te auch da Juli­us Cahen zu den Grün­dungs­mit­glie­dern.[65]

Das Grab von Wil­helm Cahen in Preu­ßisch Oldendorf

Etwa ein Jahr nach der Ehe­schlie­ßung, das genaue Datum ist nicht bekannt, wur­de Sophie und Juli­us Cahen das ers­te Kind gebo­ren: Am 18. Novem­ber 1897 kam in Preu­ßisch Olden­dorf die Toch­ter Hil­de Agnes zur Welt.[66] Die zwei­te Toch­ter Gre­the, folg­te am 16. Mai 1899.[67] Der ein­zi­ge Sohn Hugo, der im Dezem­ber 1901 gebo­ren wur­de, starb schon kurz nach der Geburt. Mit Johan­na Lui­se, genannt Han­na, wur­de dem Paar zuletzt am 10. Okto­ber 1906 noch ein­mal eine Toch­ter geschenkt.[68] Zumin­dest von Gre­te ist belegt, dass sie in Preu­ßisch Olden­dorf eine Pri­vat­schu­le besuch­te, aber ver­mut­lich waren auch die ande­ren Töch­ter in den Genuss einer ordent­li­chen Bil­dung gekommen.

Noch kurz vor dem Ers­ten Welt­krieg hat­te man mit dem Bau eines neu­en Wohn- und Geschäfts­hau­ses auf dem bis­he­ri­gen Grund­stück begon­nen, nicht ahnend, mit wel­chen öko­no­mi­schen Ver­wer­fun­gen man bald kon­fron­tiert sein wür­de. Denn mit dem Krieg und den dar­auf­fol­gen­den Kri­sen der Repu­blik geriet all­mäh­lich auch das Tex­til­kauf­haus zuneh­mend in wirt­schaft­li­che Pro­ble­me. Im Jahr 1925 konn­te das Paar noch rund 4.500 RM an Ein­kom­men ver­steu­ern, davon stamm­ten aber 1.000 RM schon aus Miet­ein­nah­men und Zins­er­trä­gen. In den fol­gen­den Jah­ren vor der Welt­wirt­schafts­kri­se gin­gen die­se dann noch wei­ter zurück.[69] Das Ver­mö­gen belief sich 1925 auf etwa 36.000 RM. Betrach­tet man die­ses Ver­mö­gen aber genau­er, dann muss man erken­nen, dass ein luxu­riö­ses Leben damit kaum mehr mög­lich war. Mit etwa 11.000 RM hat­te Juli­us Cahen den Waren­be­stand bezif­fert, der Wert des Hau­ses betrug 15.600 RM und der einer Scheu­ne wei­te­re 3.000 RM. Dane­ben gab es noch land­wirt­schaft­li­che Grund­stü­cke in der Umge­bung im Wert von knapp 4.000 RM. Nicht mehr als 2.000 RM waren rela­tiv fle­xi­bel nutz­bar, wobei unklar ist, ob das auch für einen Schuld­schein über 1.000 RM zutrifft.[70]

Als Juli­us Cahen am 27. Febru­ar 1931 mit knapp 70 Jah­ren nach schwe­rer Krank­heit stirbt, ist die Wirt­schafts­kri­se schon in vol­lem Gan­ge. Sei­ne Wit­we, die zunächst ver­such­te, das Geschäft allei­ne wei­ter­zu­füh­ren, schrieb 1932 mit Bezug auf das Steu­er­jahr 1931 an das Finanz­amt Preu­ßisch Oldendorf:
“Infol­ge der all­ge­mei­nen Wirt­schafts­kri­se und der mir durch den Preis­rück­gang der von mir geführ­ten Waren ent­stan­de­nen Ver­lus­te ist mein Ein­kom­men seit­her erheb­lich zurück­ge­gan­gen und hat für das gesam­te Jahr 1931, aus­weis­lich mei­ner bereits abge­ge­be­nen Steu­er­erklä­rung, nur noch einen so gerin­gen Betrag erbracht, dass ich für 1931 kei­ne Ein­kom­men­steu­er zu zah­len haben wer­de. In den ers­ten bei­den Mona­ten 1932 ist eine wei­te­re Ein­kom­mens­ver­rin­ge­rung ein­ge­tre­ten.“[71]

Das Ein­kom­men 1931 betrug tat­säch­lich nur noch etwas mehr als 2.000 RM und im fol­gen­den Jahr sogar nur noch etwa 1.000 RM.[72] In die­sem Jahr gab sie die Füh­rung des Geschäfts an ihren Schwie­ger­sohn Paul Erich Dal­berg ab, der am 29. März 1932 Johan­na Lui­se, die jüngs­te Toch­ter von Sophie und Juli­us Cahen, gehei­ra­tet hat­te.[73] Dem Paar war am 27. Mai 1933 ihr ein­zi­ges Kind, die Toch­ter Hel­la, gebo­ren wor­den.[74] Sophie Cahen leb­te im Wei­te­ren von einer klei­nen Ren­te und den Miet- bzw. Pacht­ein­nah­men ihres Hau­ses. Aber auch unter der Lei­tung des Schwie­ger­sohns war der Nie­der­gang des tra­di­ti­ons­rei­chen Geschäfts, das noch immer unter dem Namen des Groß­va­ters von Johan­na Dal­berg fir­mier­te, nicht mehr auf­zu­hal­ten. Erich Dal­berg hat­te zwar noch ein­mal nahe­zu sei­ne gesam­ten Erspar­nis­se in eine Neu­aus­stat­tung des Ladens inves­tiert, muss­te aber dann dem Finanz­amt mel­den, dass sei­ne Ein­nah­men so gering sei­en, dass er nicht ein­mal mehr die Mie­te und die Gehäl­ter bezah­len kön­ne.[75]
Wann genau er das Geschäft dann end­gül­tig auf­gab, konn­te nicht ermit­telt wer­den, aber im Herbst 1933 und im Janu­ar 1934 waren in der loka­len Pres­se Anzei­gen auf­ge­ge­ben wor­den, in denen ein Aus­ver­kauf der noch vor­han­de­nen Waren ange­kün­digt wur­de. Bes­se­rer ver­mu­tet, dass das Geschäft im Mai 1934 ver­kauft wur­de.[76]
Am 30. Juli 1934 emi­grier­te die Fami­lie nach Paläs­ti­na und ließ sich in dem nörd­lich von Hai­fa gele­ge­nen Naha­ri­ja nie­der.[77] Über ihr wei­te­res Schick­sal dort ist nur wenig bekannt. Zwar war auch sie nach dem Krieg in das Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren Klee­berg invol­viert, aber zu die­ser Zeit war Johan­na Lui­se Dal­berg psy­chisch schon so schwer erkrankt, dass sie in einem Pfle­ge­heim bei Jeru­sa­lem unter­ge­bracht wer­den muss­te. Ihr Mann war zu ihrem Vor­mund bestellt wor­den.[78] Wann und wo Han­na und Erich Dal­berg ver­star­ben, ist nicht bekannt.

Kirch­gas­se 52 heu­te
Eige­ne Aufnahme

Sophie Cahen war nach der Auf­ga­be des Geschäfts von Preu­ßisch Olden­dorf nach Wies­ba­den ver­zo­gen, wo ihr Bru­der Albert mit sei­ner Fami­lie bereits seit 1932 leb­te. Sie selbst bezog am 1. Sep­tem­ber 1934 zunächst eine Woh­nung in der Saal­gas­se 30, mie­te­te sich aber ein hal­bes Jahr spä­ter, am 28. Febru­ar 1935, im Haus Kirch­gas­se 52 im zwei­ten Stock ein.[79] Das Haus im Geschäfts­zen­trum Wies­ba­dens – heu­te unmit­tel­bar gegen­über dem Kauf­haus Kar­stadt gele­gen – gehör­te einer Grund­stücks­ge­sell­schaft und beher­berg­te meh­re­re jüdi­sche Mie­ter. Sophie Cahen teil­te sich die zwei­te Eta­ge mit Hein­rich und Pau­la Fried, die außer­dem im Par­terre ein Geschäft für Putz- und Mode­wa­ren, also einen Laden für Damen­hü­te, führ­ten.[80]

Die fol­gen­den Jah­re bis 1938 wer­den auch für Sophie Cahen, wie für alle ande­ren Jüdin­nen und Juden, durch zuneh­men­de Aus­gren­zung und Ein­schrän­kun­gen in ihrer Lebens­ge­stal­tung gekenn­zeich­net gewe­sen sein, aber detail­lier­te Infor­ma­tio­nen lie­gen dazu nicht vor. 1938 wur­de auch für sie zu einem in mehr­fa­cher Hin­sicht ent­schei­den­den Jahr. In Deutsch­land leb­ten zu die­sem Zeit­punkt noch ihre bei­den älte­ren Töch­ter Hil­de und Gre­te, die bei­de inzwi­schen eben­falls ver­ehe­licht waren.

Hil­de hat­te am 4. Janu­ar 1921 in Preu­ßisch Olden­dorf den Kauf­mann Joseph Bach­mann, gebo­ren am 8. April 1890, aus War­burg bei Höx­ter gehei­ra­tet.[81] In der Ehe war am 21. Okto­ber 1921 in War­burg , wo das Paar sich ver­mut­lich nie­der­ge­las­sen hat­te, die Toch­ter Mari­an­ne Loui­se gebo­ren wor­den.[82] Am 13. Febru­ar 1938 wur­de die Ehe wie­der geschie­den [83] und Joseph Bach­mann wan­der­te mit der gemein­sa­men Toch­ter Mari­an­ne, die damals noch Schü­le­rin war, in die USA aus. Die Hin­ter­grün­de für die­sen Schritt sind nicht mehr nach­voll­zieh­bar, es wer­den sicher ver­schie­de­ne Moti­ve eine Rol­le gespielt haben. Ganz offen­sicht­lich gab es aber kein tie­fe­res Zer­würf­nis zwi­schen den ehe­ma­li­gen Part­nern und der Toch­ter, denn sie blie­ben auch wei­ter­hin in Kon­takt mit­ein­an­der, und Hil­de gab noch Anfang der 40er Jah­re ihrem geschie­de­nen Mann brief­lich gute Rat­schlä­ge, wie er eine Erkäl­tung am bes­ten über­win­den kön­ne.[84] Ande­rer­seits ging Joseph Bach­mann bald nach sei­ner Aus­wan­de­rung eine neue Ehe ein. Sei­ne zwei­te Frau, Ilse Heil­brunn aus Hof­geis­mar, war im Sep­tem­ber 1938 eben­falls in die USA aus­ge­wan­dert. Auf der Pas­sa­gier­lis­te ist ver­merkt, dass Josef Bach­mann der „Finan­cier“ der Über­fahrt gewe­sen sei,[85] sie sich dem­nach wohl schon zuvor in Deutsch­land ken­nen­ge­lernt hat­ten. Bei der Volks­zäh­lung 1940 wohn­ten Joseph, Ilse und auch Mari­an­ne zusam­men in Spring­field, Mas­sa­chu­setts.[86]

Ganz sicher hat­ten die Eltern auch ent­schie­den, dass Mari­an­ne mit ihrem Vater in die USA gehen soll­te, damit sie Sicher­heit sein wür­de. Als ältes­te Toch­ter sah Hil­de Bach­mann es wahr­schein­lich als ihre Pflicht an, bei ihrer Mut­ter Sophie zu blei­ben. In einem Brief an die Devi­sen­stel­le aus dem Jahr 1940 erwähnt sie, dass sie seit 1936 bei ihrer kran­ken, fast sieb­zig­jäh­ri­gen Mut­ter in Wies­ba­den lebe, von ihr finan­zi­ell unter­hal­ten wer­de und ihr dafür den Haus­halt füh­re.[87]. Inzwi­schen wohn­ten bei­de seit Mai 1938 zusam­men in der Mar­tins­tha­ler Str. 4, wobei nicht bekannt ist, was der Anlass für die­sen Umzug war.

Noch bevor der NS-Staat nach der Reichs­po­grom­nacht begann, sich sys­te­ma­tisch der Ver­mö­gens­wer­te der jüdi­schen Bür­ger zu bemäch­ti­gen, begann man in Preu­ßisch Olden­dorf mit der „Ent­ju­dung“ des noch vor­han­de­nen Grund­be­sit­zes jüdi­scher Eigen­tü­mer. Zunächst im Juli 1938 wur­de das Geschäfts­haus des Metz­gers Georg Ehr­lich ari­siert, und einen Monat spä­ter trenn­te sich auch Sophie Cahen auf star­ken Druck von­sei­ten der kom­mu­na­len Behör­den bzw. Par­tei­stel­len in Preu­ßisch Olden­dorf von ihrem dor­ti­gen Besitz.
In der Zei­tung ‚West­fä­li­sche Neu­es­te Nach­rich­ten’ vom 24. August 1938 konn­te man damals fol­gen­de Mel­dung lesen:
“In ari­schen Besitz übergegangen.
Das Wohn- und Geschäfts­haus, das im Besitz des Juden Cahen war, nebst dem Neben­haus und Gar­ten wur­de durch Kauf Eigen­tum des Olden­dor­fer Spar- und Dar­le­hens­kas­sen­ver­eins e.G.m.b.H. zu Pr. Olden­dorf. Hier­mit ist seit der Macht­über­nah­me durch unse­ren Füh­rer das drit­te und letz­te jüdi­sche Geschäfts­haus in unse­rer Stadt in ari­schen Besitz über­ge­gan­gen.“
[88]

Der erzwun­ge­ne Ver­kauf des Hau­ses mit mehr als elf Zim­mern, mit des­sen Miet­ein­nah­men Sophie Cahen und ihre Toch­ter Hil­de bis­her den gemein­sa­men Lebens­un­ter­halt bestrit­ten hat­ten, bedeu­te­te, dass sie fort­an von der Sub­stanz ihres übrig geblie­be­nen Kapi­tals leben muss­ten. Der Erwer­ber, die Spar- und Dar­le­hens­kas­se, hat­te 31.500 RM für die Immo­bi­lie gezahlt.[89] Das Geld wur­de von Sophie Cahen auch drin­gend benö­tigt, um die im Janu­ar 1939 berech­ne­te Süh­ne­leis­tung zu beglei­chen. Bei einem Gesamt­ver­mö­gen von rund 37.000 RM soll­te sie ins­ge­samt 7.400 RM in vier Raten je 1.850 RM zah­len.[90] Um die­sen For­de­run­gen nach­kom­men zu kön­nen, aber auch hier war mit Sicher­heit Druck auf sie aus­ge­übt wor­den, trenn­te sie sich auch von wei­te­ren land­wirt­schaft­lich genutz­ten Grund­stü­cken, die von ört­li­chen Bau­ern erwor­ben wur­den.[91]
Aber die ver­schie­de­nen Trans­ak­tio­nen bedurf­ten wie immer der Geneh­mi­gung der über­ge­ord­ne­ten Finanz­be­hör­den und des Regie­rungs­prä­si­den­ten. Weil das aber dau­er­te, kam Sophie Cahen in Ver­zug mit den ihr auf­er­leg­ten Zah­lun­gen zur Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be, wes­halb sie das Finanz­amt immer wie­der um Stun­dung bit­ten muss­te. Natür­lich wur­de ihr zur Auf­la­ge gemacht, das ein­ge­nom­me­ne Geld auf ein gesi­cher­tes Kon­to ein­zu­zah­len bzw. die mit dem Geld erwor­be­nen Wert­pa­pie­re in einem gesi­cher­ten Depot zu hin­ter­le­gen. Die ent­spre­chen­de Siche­rungs­an­ord­nung war am 23. August 1939 ergan­gen.[92] Aber damit nicht genug. Der Ver­kauf eines Ackers an einen Preu­ßisch Olden­dor­fer Bau­ern, der viel­leicht sogar sei­nen ehe­ma­li­gen jüdi­schen Mit­bür­gern ent­ge­gen­kom­men woll­te, wur­de vom Ober­prä­si­den­ten in Müns­ter nicht geneh­migt: „Der im Ver­trag ver­ein­bar­te Kauf­preis von 3146 RM ent­spricht dem Ver­kehrs­wert. Da jedoch die land­wirt­schaft­lich nutz­ba­ren jüdi­schen Grund­stü­cke nur zum Sied­lungs­ver­wer­tungs­wer­te [Was für ein Wort­un­ge­tüm ! – K.F.] ver­äu­ßert wer­den sol­len, der nach ange­stell­ten Ermitt­lun­gen im vor­lie­gen­den Fall 2272.- RM beträgt, war der Kauf­preis ent­spre­chend her­ab­zu­set­zen. Der Unter­schieds­be­trag zwi­schen Sied­lungs­ver­wer­tungs- und Ver­kehrs­wert ist von dem Käu­fer an das Reich zu zah­len.“[93] Auch wenn die For­mu­lie­rung das ver­birgt, fak­tisch hat­ten die jüdi­schen Ver­käu­fer die­se zusätz­li­che Abga­be zu leisten.

Im Novem­ber 1939 war auch ihr die zusätz­li­che 5. Rate mit noch ein­mal 1.850 RM auf­ge­bür­det wor­den.[94] In einem Brief an das Finanz­amt ver­such­te Sophie Cahen mit ein­dring­li­chen Wor­ten, aber ver­geb­lich, die Beam­ten zum Ver­zicht auf die zusätz­li­che Abga­be zu bewegen:
“Ich bin Jüdin im 69. Lebens­jahr, und da ich einen gro­ßen Betrag abge­ben muß­te, ist mein Ver­mö­gen heu­te unge­fähr RM 25.800‑, so daß ich vor­aus­sicht­lich ein Ein­kom­men von cir­ca 1000 RM fürs gan­ze Jahr haben wer­de. Außer­dem habe ich mei­ne bei­den noch hier leben­den Töch­ter ernäh­ren müs­sen. Die Ältes­te ist von ihrem im Aus­lan­de leben­den Mann geschie­den und wohnt jetzt bei mir. Der Ehe­mann mei­ner 2. Toch­ter ist Ende Novem­ber 1938 in Buchen­wald gestor­ben, ihr ein­zi­ges Töch­ter­chen starb im Febr. D. J. im Kran­ken­haus, und nun ist mei­ne zwei­te seit Anfang Juni aus­ge­wan­dert.“[95]

Gre­tes Ehe­mann, von dem hier die Rede ist, war der am 23. Novem­ber 1884 in Nie­heim bei Pader­born gebo­re­ne Vieh­händ­ler und Land­wirt Leo­pold Kirch­hei­mer. Der Sohn von Nathan und Emma Kirch­hei­mer, gebo­re­ne Eisen­stein, ent­stamm­te dem wei­te­ren Ver­wandt­schafts­kreis der Cahens bzw. Klee­bergs. Leo­pold Kirch­hei­mers Schwes­ter Pau­la war die Ehe­frau von Juli­us Roth­schild, des­sen Schwes­ter Mar­tha wie­der­um mit Albert Klee­berg ver­hei­ra­tet war, den Groß­el­tern von Grete.

Tod Leo Kirchheimer Buchenwald
Buchen­wald mel­det den Tod von Leo Kirch­hei­mer
https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​1​0​5​0​3​/​0​9​5​7​/​5​2​6​3​3​6​8​4​/​0​0​1​.​jpg

Leo­pold Kirch­hei­mer und Gre­te Cahen hat­ten am 23. Juli 1923 in Preu­ßisch Olden­dorf gehei­ra­tet. Gelebt hat­ten sie zuletzt in Braun­schweig in der Roonstr. 6. Ihre Toch­ter Lora war im Febru­ar 1927 gebo­ren wor­den, bei ihrem Tod, den die Groß­mutter in ihrem Brief erwähnt, war sie also etwa zwölf Jah­re alt gewe­sen. Im Zuge der Ver­haf­tun­gen wäh­rend der Reichs­po­grom­nacht war dann ihr Vater nach Buchen­wald ein­ge­lie­fert wor­den. Dort hat­te man ihn unter der Häft­lings­num­mer 24110 geführt. Die genaue­ren Umstän­de sei­nes Todes sind nicht bekannt. Dem Ein­trag in sei­ner Häft­lings­ak­te, er sei um 15.25 Uhr am 29. Novem­ber 1938 nach einem Schlag­an­fall ver­stor­ben, wird man zumin­dest in Zwei­fel zie­hen dür­fen,[96] wahr­schein­li­cher ist doch eher ein gewalt­sa­mer Tod.

Margarete / Grete Kirchheimer
Mar­ga­re­te /​ Gre­te Kirchheimer

Gre­te war nach dem Tod ihrer Toch­ter und dem ihres Man­nes im Früh­som­mer 1939 zunächst nach Eng­land aus­ge­wan­dert. Dies belegt ein Ein­trag, laut dem sie am 14. Okto­ber 1939 im bri­ti­schen Brais­wick in der Regi­on Col­ches­ter eine Arbeits­stel­le hat­te. Sie war in Eng­land vor einer Inter­nie­rung ver­schont wor­den.[97] Im April 1949 emi­grier­te sie dann in die USA, wo sie seit 1952 in Kali­for­ni­en leb­te. Dort bean­trag­te sie im August die Ein­bür­ge­rung.[98] Ihren Namen änder­te sie, die in Ame­ri­ka als Kran­ken­schwes­ter tätig war, in Gre­te Kirk. Gre­te Kirk ver­starb am 22. Sep­tem­ber 1980 in San Fran­cis­co.[99]

Offen­bar hat­te zuletzt auch ihre Schwes­ter Hil­de noch gehofft, Deutsch­land ver­las­sen zu kön­nen, denn am 16. August 1939 hat­te sie beim Finanz­amt Wies­ba­den eine Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung bean­tragt und die­sen Antrag mit ihrem Wunsch, nach Eng­land aus­wan­dern zu wol­len, begrün­det. Abge­se­hen von einem klei­nen Spar­buch habe sie kein Ver­mö­gen. Als Rei­se­ge­päck wol­le sie nur eine Näh­ma­schi­ne, einen Klei­der­schrank und ein wenig Wäsche mit­neh­men. Offen­sicht­lich war sie bemüht, die Behör­de davon zu über­zeu­gen, dass mit ihrer Aus­wan­de­rung dem Reich kei­ne Ver­mö­gens­wer­te ver­lo­ren gehen wür­den.[100] Sie plan­te, in Eng­land als Haus­an­ge­stell­te zu arbei­ten, und woll­te ver­mut­lich auch ihre Schwes­ter tref­fen. Wes­halb die­ser Plan nicht wei­ter ver­folgt wur­de, ist nicht klar. Es gibt zumin­dest kei­ne Akten­in­hal­te, die einen Hin­weis dar­auf geben, dass Hil­de Bach­mann dies­be­züg­lich wei­te­re Schrit­te unter­nahm. Mög­li­cher­wei­se hielt sie die Ver­ant­wor­tung für die Mut­ter von einem kon­se­quen­te­ren Vor­ge­hen ab. Ver­mut­lich hat aber auch die Mut­ter gespürt, dass sie ihre Toch­ter unfrei­wil­lig, allein durch ihr Dasein, vor der Flucht in die Frei­heit abhielt.

Neben allem ande­ren Leid, das Sophie Cahen in den letz­ten Jah­ren hat­te ertra­gen müs­sen – die Aus­wan­de­rung der Töch­ter, der Ver­lust von Schwie­ger­sohn und Enkel durch Tod und Ver­trei­bung, die eige­ne Krank­heit und die wach­sen­de finan­zi­el­le Not – war das viel­leicht auch ein Grund, wes­halb sie zuletzt, zer­mürbt und hoff­nungs­los, einen eige­nen Flucht­weg ein­schlug: die Flucht in den Tod. Am 17. Okto­ber 1940 nahm sie sich nachts um 3 Uhr in ihrer Woh­nung in der Mar­tins­tha­ler Stra­ße mit Gas das Leben.[101] Ihre letz­te Ruhe fand sie auf dem Jüdi­schen Fried­hof an der Plat­ter Straße.

Vor ihrem Tod hat­te sie per Tes­ta­ment ihre bis­her ver­mö­gens­lo­se Toch­ter Hil­de zur Allein­er­bin gemacht.[102] Ende des Jah­res 1940, nach­dem die Devi­sen­stel­le die Über­tra­gung der Erb­schaft auf ihr Kon­to geneh­migt hat­te, besaß Hil­de Bach­mann nomi­nal ein Ver­mö­gen von knapp 24.000 RM.[103] 300 RM stan­den ihr davon monat­lich zur frei­en Ver­fü­gung. Die­ses Geld benö­tig­te sie, um die Mie­te in Höhe von 100 RM und den übri­gen Lebens­un­ter­halt bestrei­ten zu kön­nen. Um die noch fäl­li­gen Arzt­rech­nun­gen und die Beer­di­gungs­kos­ten für ihre Mut­ter zah­len zu kön­nen, muss­te sie die Devi­sen­stel­le bit­ten, ihr den Ver­kauf von Wert­pa­pie­ren in Höhe von 1.000 RM zu geneh­mi­gen.[104] Trotz­dem wur­den ihr im Jahr 1941 noch 984 RM als Zins­er­trag ihrer Wert­pa­pie­re gut­ge­schrie­ben. Aus der Ein­kom­mens­er­klä­rung erfährt man, dass sie zudem seit Okto­ber 1941 zu einem „Arbeits­ein­satz“, sprich: zur Zwangs­ar­beit, bei der Fir­ma ‚Bon­ner Kera­mik A.G.’ in Bad Schwal­bach ver­pflich­tet wor­den war. Für die drei Mona­te, die sie dort gear­bei­tet hat­te, waren ihr 106 RM aus­ge­zahlt wor­den.[105] Ob sie dort noch län­ger tätig sein muss­te, ist nicht bekannt. Aber sie ver­such­te auch durch Hilfs­tä­tig­kei­ten in ver­schie­de­nen Haus­hal­ten, so auch bei Roth­schilds, sich zusätz­li­ches Geld zu verdienen.

Den Kon­takt zu ihrer Toch­ter Mari­an­ne und auch zu ihrem ehe­ma­li­gen Ehe­mann in den USA konn­te sie trotz eini­ger Schwie­rig­kei­ten auf­recht­erhal­ten, wie man zwei über­lie­fer­ten Brie­fen ent­neh­men kann, die Mari­an­ne Bach­mann als Beleg dafür, dass ihre Mut­ter 1941 noch leb­te, im spä­te­ren Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren vor­leg­te. Die bei­den Brie­fe sol­len hier voll­stän­dig wie­der­ge­ge­ben wer­den, zeu­gen sie doch, zumin­dest in Andeu­tun­gen, von den Ängs­ten und Nöten, die Hil­de Bach­mann in die­sen letz­ten Mona­ten beweg­ten.[106] Wie lan­ge der Kon­takt mög­lich war, ob auch noch nach dem Kriegs­ein­tritt der USA im Dezem­ber 1941, ist nicht bekannt.
Der ers­te Brief wur­de am 2. Febru­ar 1941 geschrieben:

Mei­ne lie­be Marianne,
die­se Woche schrieb mir Frau Heil­brunn, dass du so lan­ge kei­ne Post von mir erhal­ten habest und besorgt seist. Zwar schrieb ich in den letz­ten Mona­ten nicht mehr wöchent­lich, aber min­des­tens 2x im Monat und ich hof­fe und wün­sche von Her­zen dass rück­stän­di­ge Brie­fe inzwi­schen ange­kom­men sind. In mei­nem letz­ten Schrei­ben v. 20. I. 41 konn­te ich dir end­lich nach lan­gem War­ten Dei­ne und Vaters Zei­len vom 5. 12. 40 bestä­ti­gen und freu­te mich herz­lich, dass Ihr alle guter Din­ge seid. – Mir geht es so weit auch ganz gut, d.h. ich raf­fe mich immer arg zu allem auf. Es gibt vie­les, was mir Sor­ge und Kopf­zer­bre­chen macht, beson­ders, wie sich die Wohn­ver­hält­nis­se in Zukunft haus­häl­te­risch und doch eini­ger­ma­ßen mensch­lich zu gestal­ten ver­mö­gen. Es ist alles nicht ein­fach und all­zu vie­les Nach­den­ken hat auch kei­nen Zweck, weil meis­tens alles anders kommt, als man denkt. – Von nächs­ter Woche ab will ich erst ein­mal einen Teil mei­ner Frei­zeit wie­der mit mei­ner Stun­den­stel­le aus­fül­len, um etwas neben­her zu ver­die­nen. – Übri­gens hast Du im letz­ten Brief gar nichts von dir u. Dei­ner Beschäf­ti­gung geschrie­ben, was ich sehr ver­miss­te. – Ist es dort auch kalt ? Nach eini­gen mil­de­ren Tagen hat hier die Käl­te wie­der hef­tig ein­ge­setzt, lei­der. Ich emp­fin­de sie so unan­ge­nehm und das gro­ße Zim­mer lässt sich schwer hei­zen. Heu­te habe ich mir beim Schrei­ben mein klei­nes Roll­tisch­chen ganz nahe an den Ofen gestellt und sit­ze im Ses­sel wie eine Omama. So sind mei­ne dum­men Käl­te emp­find­li­chen Bei­ne zufrieden.
Die­se Woche hat­te ich wie­der einen ganz lan­gen Brief von der klei­nen Tan­te Lui­se aus Cöln. Freu­de­strah­lend sen­det sie mir immer stets die Abschrif­ten der Brie­fe aus For­ta­li­za (?). Lot­te G. ist mit Kin­dern und 3 Mäd­chen auf einem Gut im Gebir­ge u. berich­tet ganz begeis­tert  von dem idea­len Auf­ent­halt und ent­spre­chen­der Erho­lung. Ernst u ?? waren auch eini­ge Tage mit dort. -
d. 4. II Es wur­de dun­kel und ich hal­te heu­te Fort­set­zung, d.h. indem ich schnell schlie­ße, denn ich will den Brief zur Post tra­gen, wo ich ger­ne zur bestimm­ten Stun­de bin. Heu­te früh hab’ ich ers­ten Mal bei Rothsch[ilds]. put­zen hel­fen. Alma R. hat viel Arbeit und Pflich­ten, da ihr immer noch sehr kran­ker Mann nach vier­mo­nat­li­chem Kran­ken­haus­auf­ent­halt vor 8 Tagen nach Hau­se kam. – Nächs­tens mehr. Ich hof­fe Dei­ne Nach­richt. Grü­ße alle, die nach mir fra­gen. Dir einen Gruss u. Kuss mein fei­nes Kind

Dei­ne Mutter

Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
Brief von Hil­de Bach­mann an ihre Toch­ter Mari­an­ne in den USA
Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
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Der zwei­te Brief stammt vom 9. März des Jah­res 1941

Lie­be Mari­an­ne, lie­ber Klaus,[107]
ich erhielt dei­nen letz­ten Brief vom 26. I. nach einer 4wöchentlichen Lauf­zeit also vor unge­fähr 14 Tagen und war herz­lich froh, end­lich mal wie­der Post von Dir zu haben. Ich hat­te wie­der sehn­süch­tig dar­auf gewar­tet, da der vor­he­ri­ge Brief von Anfang Dezem­ber war. Wo mögen all die Brie­fe ste­cken, o. gesandt wer­den, denn aus Dei­nen Zei­len geht her­vor, dass Du so ziem­lich jede Woche schreibst- Ich hat­te mich mal wie­der an Klaus Mut­ter gewandt, um zu erfah­ren, ob sie glück­li­che Post­emp­fän­ge­rin war, aber es ging ihr damals nicht bes­ser als mir, und ich habe ihr dann gleich die Ankunft Dei­nes Brie­fes mit­ge­teilt. Und nun muss­te ich gar erfah­ren, dass auch Du dort auf mei­ne Post ver­ge­bens war­te­test und Du unnüt­ze Sor­gen um mich mach­test. Zwar muß ich Dir sagen, dass die letz­ten Brie­fe nur jede zwei­te Woche her­aus­gin­gen, trotz­dem müss­test du aber eini­ger erhal­ten haben und ich hof­fe auch, dass das der Fall inzwi­schen ist. Ja ?
Ich freue mich, dass, ihr alle gesund seid, denn ich neh­me an, dass Vaters Erkäl­tung inzwi­schen auch ganz ver­schwun­den ist. Bei ihm waren die Schnup­fen schon frü­her immer hart­nä­cki­ger u. er soll sich gut in acht neh­men und ordent­lich Alko­hol trin­ken. Hof­fent­lich braucht Ihr zwei nicht zu ‚fei­ern’. Fabel­haft wie flei­ßig Ille schafft, man hört immer wie­der, wie gesucht dort Pfle­ge­rin­nen sind. Sicher wer­den auch gro­ße Autos gestellt, denen lei­der nicht jeder gewach­sen ist. Ich glau­be, ich könn­te es kaum. Inzwi­schen wird die ehe­ma­li­ge Käl­te auch in mil­de­res Wet­ter umge­schla­gen sein. Hier wird es lang­sam Früh­ling. Schnee­glöck­chen sol­len blü­hen, ich sehe nur die ers­ten Cro­cus­se u. Nuß­kätz­chen und höre mor­gens die zag­haf­ten Stim­men der Amseln und Mei­sen in den Gär­ten hier drau­ßen. Sie tra­gen ein wenig Freu­de u. neu­en Mut in das oft so schwe­re Herz und rüt­teln trau­ri­ge Wel­len auf. –

What are you doing now? You didn’t wri­te any­thing of your Job. Ich hel­fe mor­gens in zwei Haus­hal­tun­gen, nach­mit­tags nähe ich, mache Besor­gun­gen u. hal­te die Woh­nung in Schwung. Die Tage ver­ge­hen rasch und das ist gut. Lei­der hat sich in mei­nen Wohn­ver­hält­nis­sen noch nichts geän­dert, wie ich dir bereits schrieb, hät­te ich ger­ne ein Zim­mer (??), aber es klappt nicht.

Von den hie­si­gen, d.h. den noch im Lan­de leben­den Ver­wand­ten höre ich von Zeit zu Zeit, d.h. von Tan­te Lies­chen sel­ten. Die diver­sen Bekann­ten besu­che ich, wenn ich Zeit habe. Augen­blick­lich sind vie­le krank. Von Tan­te Gre­te habe ich seit Mona­ten kei­ne Post. Über Gre­ven­broich erfah­re ich, dass sie mit Wer­ner in regel­mä­ßi­gem Brief­wech­sel steht und ger­ne her­über möch­te. Mein Schluß für heu­te. Ich will noch mei­nen klei­nen Sonn­tags­spa­zier­gang machen und den­ken Du wärst dabei.
Bleib gesund mein Kind, grü­ße die Lie­ben mit herzl. Kuss
Dei­ne Mutter

Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
Brief von Hil­de Bach­mann an ihre Toch­ter Mari­an­ne in den US
Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
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Am 7. Mai 1942 teil­te Hil­de Bach­mann der Devi­sen­stel­le mit, dass sie in die Rhein­gau­er Str. 5 in das ers­te Stock­werk gezo­gen sei.[108] Das war die Adres­se eines wei­te­ren Wies­ba­de­ner Juden­hau­ses. Etwa vier Wochen blieb sie noch dort. Am 10. Juni 1942 wur­de sie mit sechs wei­te­ren Bewoh­nern des Hau­ses zum Wies­ba­de­ner Bahn­hof getrie­ben und an der Vieh­ver­la­de­sta­ti­on in den Zug ver­frach­tet, der ins­ge­samt 371 Jüdin­nen und Juden zunächst nach Frank­furt und dann wei­ter nach Lub­lin brach­te. Von dort wur­den die­je­ni­gen, die nicht nach Maj­da­nek für den Auf­bau des dor­ti­gen KZs aus­ge­son­dert wur­den, in das nahe gele­ge­ne Ver­nich­tungs­la­ger Sobi­bor gebracht und bald nach ihrer Ankunft ermor­det.[109]

Josef Bach­mann soll 1970 im Alter von 80 Jah­ren in den USA ver­stor­ben sein, sei­ne und Hil­des Toch­ter Mari­an­ne nur neun Jah­re spä­ter im Sep­tem­ber 1979.[110]

Die Familie von Caecilie Grünewald, geborene Kleeberg

Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
Cae­ci­lie Grü­ne­wald, geb. Kleeberg

Auch das Schick­sal der ältes­ten Schwes­ter von Albert Klee­berg, das von Cae­ci­lie, ist gekenn­zeich­net von den Schre­cken die­ser Zeit.[111] Sie hat­te am 24. Mai 1893 in Cas­trop den Kauf­mann Sieg­mund Grü­ne­wald gehei­ra­tet,[112] mit dem sie nach Essen Katern­berg zog. In der Mit­tel­stra­ße, spä­ter am Markt, besa­ßen sie ein Geschäft für Weiß­wa­ren­ar­ti­kel. Am 15. Mai 1894 wur­de ihnen zunächst ein Sohn namens Erich gebo­ren, am 4. August 1898 noch die Toch­ter Karo­la.[113]
Wann deren Vater ver­starb, ist nicht bekannt, aber die Wit­we gab damals das Geschäft auf und zog zunächst nach Köln, dann nach Gin­dorf bei Gre­ven­broich. Dort­hin war ihre am 4. August 1898 in Essen gebo­re­ne Toch­ter Karo­la gezo­gen,[114] nach­dem sie Gus­tav Kauf­mann, ein Han­dels­mann, der eben­falls im Tex­til­ge­wer­be tätig war, gehei­ra­tet hat­te.[115] Gus­tav Kauf­mann, gebo­ren am 16. Janu­ar 1887 als Sohn von Joseph und Bru­net­ta Kauf­mann, gebo­re­ne Behr, ent­stamm­te einer dort seit Gene­ra­tio­nen ansäs­si­gen Fami­lie, die auch auf ande­re Wei­se mit der Fami­lie Klee­berg ver­bun­den war.[116]
Unter dem Druck der Nazis hat­ten Grü­ne­walds ihr dor­ti­ges Haus ver­kau­fen müs­sen, sodass weder Karo­la und Gus­tav Kauf­mann, noch die Mut­ter dort blei­ben konn­ten. Letz­te­re fand dann eine Unter­kunft in einer Pen­si­on in Rhein­dah­len in der Stadt­wald­str. 23. Von dort wur­de sie mit drei wei­te­ren Per­so­nen als letz­te jüdi­sche Bewoh­ner des Ortes am 26. Juli 1942 „nach dem Osten eva­ku­iert“. Am Tag zuvor hat­ten die­se sich mit einem Kof­fer, nicht schwe­rer als 15 kg, am Glad­ba­cher Bahn­hof ein­fin­den müs­sen, von wo aus sie zur eigent­li­chen Sam­mel­stel­le nach Düs­sel­dorf gebracht wur­den. Es han­del­te sich dabei um den zwei­ten gro­ßen Trans­port aus Düs­sel­dorf,[117] der dort mit einem aus Aachen kom­men­den Zug ver­kop­pelt wur­de. In ihm befan­den sich knapp 1000 Jüdin­nen und Juden aus Aachen und dem gesam­ten Bezirk der Gesta­po-Leit­stel­le Düs­sel­dorf, zu der auch Gin­dorf gehör­te. Sein Ziel war The­re­si­en­stadt, das am 25. Juli erreicht wur­de. Die Fahrt­kos­ten für die 827 km in Höhe von 16,60 RM hat­ten die Opfer selbst auf­brin­gen müs­sen, aber das war ange­sichts des­sen, was ihnen bevor­stand, letzt­lich egal.[118]

Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
Todes­fall­an­zei­ge für Cäci­lie Grü­ne­wald, geb. Klee­berg aus The­re­si­en­stadt
https://​www​.holo​caust​.cz/​d​e​/​d​a​t​e​n​b​a​n​k​-​d​e​r​-​d​i​g​i​t​a​l​i​s​i​e​r​t​e​n​-​d​o​k​u​m​e​n​t​e​n​/​d​o​k​u​m​e​n​t​/​8​3​5​3​1​-​g​r​-​n​e​w​a​l​d​-​c​-​c​i​l​i​e​-​t​o​d​e​s​f​a​l​l​a​n​z​e​i​g​e​-​g​h​e​t​t​o​-​t​h​e​r​e​s​i​e​n​s​t​a​dt/

Im Sep­tem­ber und Okto­ber 1942 wur­den 357 Per­so­nen aus die­sem Trans­port in das Ver­nich­tungs­la­ger Treb­linka ver­bracht. Ob Cae­ci­lie Grü­ne­wald eben­falls dafür vor­ge­se­hen war, ist nicht bekannt. Sie ver­starb am 20. Sep­tem­ber 1942 im Alter von 77 Jah­ren noch im Ghet­to an Herz­schwä­che und einem Darm­ka­tarrh, so zumin­dest die dort aus­ge­stell­te Todes­fall­an­zei­ge.[119]

Ihrer Toch­ter Karo­la gelang es mit ihrem Mann und ihrer am 11. Juni 1925 in Gin­dorf gebo­re­nen Toch­ter Inge [120] sowie ande­ren Mit­glie­dern der Fami­lie Kauf­mann, 1939 nach Shang­hai zu ent­kom­men. Ver­mut­lich hat­te Inge in Shang­hai ihren Ehe­mann Heinz Fran­ken­stein ken­nen­ge­lernt und gehei­ra­tet. Nach dem Ende des Krie­ges konn­ten zuerst die Eltern Karo­la und Gus­tav Kauf­mann im Dezem­ber 1947 in die USA aus­rei­sen und sich in Kali­for­ni­en nie­der­las­sen.[121]

Passage Kaufmann
Über­fahrt von Karo­la und Gus­tav Kauf­mann von Shang­hai nach San Fran­cis­co
https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​1​0​1​7​4​4​8​:​7​9​4​9​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​3​1​1​d​c​d​e​0​1​b​1​9​8​d​2​b​7​c​1​a​a​2​a​d​2​9​9​e​7​b​1​e​&​_​p​h​s​r​c​=​E​k​t​5​2​5​8​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce
Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
Der Auf­bau mel­det die Ankunft der Kauf­manns in den USA
’Auf­bau’ vom 13.8.1948
Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
Glück­wün­sche zur Sil­ber­hoch­zeit für Gus­tav und Karo­la Kauf­mann im ‘Auf­bau’

Ihre Toch­ter Inge blieb damals zunächst noch in Chi­na zurück. Ihr Name mit dem Nach­na­me Fran­ken­stein – sie war dem­nach bereits ver­hei­ra­tet — ist auf der Pas­sa­gier­lis­te als Kon­takt der Eltern in dem Land ange­ben, von dem das Schiff kam.[122] Inge Fran­ken­stein folg­te den bei­den dann mit ihrem Mann und den Schwie­ger­el­tern Juli­us und Mar­tha im Juli 1948,[123] gera­de noch recht­zei­tig, um am 22. August 1948 ihren Eltern über eine Anzei­ge im ‚Auf­bau’ zur Sil­ber­nen Hoch­zeit gra­tu­lie­ren zu kön­nen – sicher ein freu­di­ges Ereig­nis, gehör­ten doch wenigs­tens sie zu den Über­le­ben­den der Familie.

Caecilie Grünewald, Karola Grünewald Kaufmann, Gustav Kaufmann
Gus­tav und Karo­la Kauf­mann ver­su­chen auf der Suche nach Cae­ci­lia Grü­ne­wald
http://​view​er​.yad​vas​hem​.org/​v​i​e​w​e​r​/​r​e​m​o​t​e​/​2​0​7​.​2​3​2​.​2​6​.​1​5​0​/​d​o​c​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​2​/​5​/​9​8​0​7​1​9​0​_​0​3​2​7​0​1​3​2​/​0​0​0​5​5​.​J​P​G​?​w​i​d​t​h​=​700.

1946 hat­te Gus­tav Kauf­mann in Yad Vas­hem noch ver­sucht, etwas über das Schick­sal von Cae­ci­lie Grü­ne­wald zu erfah­ren – damals sicher noch nicht ganz ohne Hoff­nung, die sich aber bald zer­schla­gen soll­te.[124] Ihm selbst blie­ben auch nicht mehr vie­le Jah­re im ame­ri­ka­ni­schen Exil. Er ver­starb am 13. März 1953 in San Fran­cis­co,[125] Karo­la Kauf­mann selbst eben­falls dort am 21. Febru­ar 1974.[126] Ihre Toch­ter Inge konn­te auf ein lan­ges Leben zurück­bli­cken, als sie am 26. Juli 2006 im Alter von 81 Jah­ren eben­falls in der kali­for­ni­schen Stadt ver­starb.[127]
Inges Groß­mutter Cäci­lie Grü­ne­wald blieb aber nicht das ein­zi­ge Opfer in die­sem Fami­li­en­zweig der Klee­bergs. Anders als der Fami­lie von Karo­la Kauf­mann gelang es auch der Fami­lie ihres Bru­ders Erich nicht, den Nazi-Scher­gen zu ent­kom­men, obwohl die­se ver­mut­lich bereits 1938 in die Nie­der­lan­de aus­ge­wan­dert war und zuletzt in Ams­ter­dam in der Roer­stra­at wohn­te, wo die Kin­der sogar in die Schu­le gegan­gen zu sein scheinen.

Erich Grünewald Caecilie Vyth
Erich Grü­ne­wald und sei­ne Fami­lie im hol­län­di­schen Exil
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Mit sei­ner Frau Cäci­lie Vyth, gebo­ren am 22. Novem­ber 1909 in Kal­kar,[128] hat­te er die bei­den Kin­der Lie­se­lot­te und Ani­ta Marie, die bei­de noch vor der Macht­über­nah­me der Nazis und vor der Flucht nach Hol­land gebo­ren wor­den waren.[129] Die genau­en Abläu­fe der Inhaf­tie­rung und Depor­ta­ti­on der Fami­lie konn­ten nicht mehr exakt rekon­stru­iert wer­den, aber es scheint so, als ob Erich Grü­ne­wald zunächst allei­ne gefasst und zunächst in das KZ Ora­ni­en­burg ver­bracht wor­den sei.[130] Seit wann er dort inhaf­tiert war, konn­te nicht fest­ge­stellt wer­den, aber am 20. Juni 1941 ist er beim Abend­ap­pell im dor­ti­gen Kran­ken­bau erst­mals regis­triert, am 5. Juli dann wie­der unter den Abgän­gen ver­zeich­net wor­den. Ver­mut­lich blieb er dann noch bis zum 7. August im Lager, denn er erscheint mit die­sem Datum auf einer Trans­port­lis­te, bei der aller­dings kein Ziel genannt ist. Ver­mut­lich ging die­ser Trans­port aber nach Ravens­brück, denn in einer Todes­lis­te die­ses Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers ist er, der Häft­ling mit der Num­mer 670, mit dem Todes­da­tum 20. Okto­ber 1941 aufgeführt.

Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
Todes­lis­te ds KZs Ravens­brück mit dem Ein­trag von Erich Grü­ne­wald
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Man hat­te damals auch eine Ster­be­ur­kun­de aus­ge­fer­tigt, in der als Todes­ur­sa­che die übli­chen Grün­de wie Herz­mus­kel­ent­zün­dung und Kreis­lauf­schä­den genannt wer­den.[131] Die Urkun­de ent­hält zudem in nach­träg­lich ein­ge­füg­ten Rand­be­mer­kun­gen zum einen Kor­rek­tu­ren eini­ger fal­scher Anga­ben der Urkun­de, aber auch wei­te­re Infor­ma­tio­nen. So wird sein frü­he­rer Beruf mit Bücher­re­vi­sor und Steu­er­be­ra­ter ange­ge­ben. Inter­es­san­ter ist aber, dass Erich am 18. Janu­ar 1936 vom jüdi­schen zum katho­li­schen Glau­ben über­ge­tre­ten war. Ob die gan­ze Fami­lie die­sen Schritt mach­te oder ob es sich um sei­ne indi­vi­du­el­le Ent­schei­dung han­del­te, ist so wenig bekannt, wie die Moti­ve, die ihn zu die­sem Schritt bewo­gen hat­ten: Han­del­te es sich um einen letzt­lich wir­kungs­lo­sen Ver­such der Tar­nung oder geschah die Kon­ver­si­on aus Über­zeu­gung? Man wird es nicht mehr erfah­ren können.
Sei­ne Frau und die bei­den Kin­der waren – das genaue Datum ist nicht bekannt – in Wes­ter­bork inter­niert wor­den. Von dort wur­den sie am 8. Juni 1943 in das Ver­nich­tungs­la­ger Sobi­bor gebracht und nach ihrer Ankunft am 11. Juni sofort in den dor­ti­gen Gas­kam­mern ermor­det.[132] Lie­se­lot­te ging mit vier­zehn, Ani­ta Maria mit elf Jah­ren in den Tod.

Anita Maria Grünewald in ihrer holländischen Schulklasse
Ani­ta Maria Grü­ne­wald in ihrer hol­län­di­schen Schul­klas­se
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Die Familie von Bertha Gumprich, geborene Kleeberg

Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
Ber­tha Gum­prich, geb. Kleeberg

Auch Albert Klee­bergs Schwes­ter Bel­la, genannt Ber­tha, konn­te dem Holo­caust ent­kom­men und in ihrem latein­ame­ri­ka­ni­schen Exil­land Uru­gu­ay über­le­ben.[133] Sie war mit Gus­tav Gum­prich ver­hei­ra­tet, dem am 10. Juni 1861 gebo­re­nen Spross einer in Borg­horst in West­fa­len alt­ein­ge­ses­se­nen jüdi­schen Fami­lie. Der Vieh­händ­ler und Metz­ger hat­te neben die­sem, sei­nem eigent­li­chen Beruf auch ein Geschäft für Tex­til­wa­ren eröff­net. Sein Vater Sel­le Salo­mon Gum­prich war der Vor­ste­her der dor­ti­gen Gemein­de und Gus­tav selbst lei­te­te über vie­le Jah­re bis zu sei­nem Tod am 11. März 1932 die Got­tes­diens­te in der Borg­hors­ter Syn­ago­ge.[134] Durch sei­nen Tod unmit­tel­bar vor der „Macht­er­grei­fung“ der Nazis, blie­ben ihm die Lei­den erspart, von denen sei­ne Fami­lie bald dar­auf betrof­fen wur­de. Und die Fami­lie war recht groß. Sechs Kin­der wur­den in der Ehe gebo­ren, deren Schick­sal hier nur in gro­ben Zügen reka­pi­tu­liert wer­den kann.
Ihr ältes­ter Sohn war der am 9. Janu­ar 1891 gebo­re­ne Emil, der mit der aus Duis­burg-Ham­born stam­men­den Else Lub­lin­ski ver­hei­ra­tet war. Auch er war als Tex­til­kauf­mann tätig, sei­ne Frau als Orga­nis­tin in der Syn­ago­ge in Müns­ter. Nach Müns­ter, wo auch ihre bei­den Kin­der Gise­la und Man­fred 1928 bzw. 1930 zur Welt gekom­men waren, zog 1937 auch Ber­tha Gum­prich, nach­dem sie sich in Vor­be­rei­tung auf eine gemein­sa­me Aus­rei­se mit der Fami­lie ihres Soh­nes Emil von ihren Grund­stü­cken in Borg­horst getrennt hat­te. Am 8. Dezem­ber 1939 tra­ten sie alle die gemein­sa­me Fahrt nach Süd­ame­ri­ka an. Ber­tha Gum­prich ver­starb bald nach dem Ende des Kriegs am 31. Dezem­ber 1953 in Mon­te­vi­deo.[135] Ihr Sohn, ver­mut­lich samt der Fami­lie, war zu einem nicht bekann­ten Zeit­punkt in das Nach­bar­land Argen­ti­ni­en wei­ter­ge­wan­dert, wo er am 17. Okto­ber 1956 ver­starb.[136]

Albert Gum­prich und sei­ne Fami­lie, die eben­falls in Müns­ter leb­ten,[137] betrie­ben dort eine Vieh­hand­lung, die ursprüng­lich sei­nem Schwie­ger­va­ter Levy Nathan gehört hat­te. Des­sen Toch­ter Irma, gebo­ren am 1. Mai 1898, gebar nach der Hoch­zeit im Jahr 1922 ins­ge­samt fünf Kin­der: Rudolf, Ruth-Mari­an­ne, Son­ja-Emma und die Zwil­lin­ge Uri und Dan.[138] Durch Boy­kott, Inhaf­tie­rung und ande­re Schi­ka­nen, wie etwa den Ent­zug des Wan­der­ge­wer­be­scheins, wur­den die Lebens­grund­la­gen der Fami­lie weit­ge­hend zer­stört und sie ver­arm­te zuse­hends. Zuletzt wur­de die Fami­lie im Juden­haus in der Her­mann­str. 44 unter­ge­bracht und Albert muss­te sich als Arbei­ter im Tief­bau verdingen.
Am 27. Janu­ar 1942 wur­de die gesam­te Fami­lie nach Riga depor­tiert, wo Albert Gum­prich nach nur einem hal­ben Jahr an Unter­ernäh­rung und einer Lun­gen­ent­zün­dung ver­starb. Als das Ghet­to im Novem­ber 1943 liqui­diert wur­de, brach­te man Irma Gum­prich mit den jün­ge­ren Kin­dern nach Ausch­witz, wo sie am 15. Novem­ber ermor­det wur­den. Nur ihr Sohn Rudolf, der in Riga ver­blie­ben war, wur­de am 10. August 1944 zunächst in das KZ Stutt­hof, dann eine Woche spä­ter nach Buchen­wald ver­legt. Hier setz­te man ihn im Außen­la­ger Bochum als Zwangs­ar­bei­ter in der Kriegs­in­dus­trie ein. Anfang März kam er zurück nach Buchen­wald, wur­de dort sofort in den Kran­ken­bau ein­ge­lie­fert, wo er vier Wochen spä­ter, somit noch kurz vor der deut­schen Kapi­tu­la­ti­on, am 11. April 1945 ver­starb. Mit sei­nem Tod war eine wei­te­re jüdi­sche Fami­lie voll­stän­dig aus­ge­löscht wor­den. Heu­te erin­nert in Borg­horst neben den dort ver­leg­ten Stol­per­stei­nen auch die Benen­nung einer Stra­ße mit ihrem Namen an das Schick­sal die­ser Fami­lie.[139]

Stolpersteine Gumprich
Stol­per­stei­ne für die Fami­lie Gum­prich in Borg­horst
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Die ein­ein­halb Jah­re jün­ge­re Schwes­ter von Albert Gum­prich, die am 9. Sep­tem­ber 1893 gebo­re­ne Sophie, konn­te, wie ihre Mut­ter und ihr ältes­ter Bru­der nach der Reichs­po­grom­nacht mit ihrem Mann Simon Ter­hoch und ihren bei­den Kin­dern Inge und Wer­ner noch recht­zei­tig nach Uru­gu­ay aus­wan­dern. Sie hat­ten ihren Hei­mat­ort Dren­stein­furt bei Müns­ter ver­las­sen müs­sen, in dem die Fami­lie Ter­hoch frü­her einen sehr gut gehen­den Vieh­han­del betrie­ben hat­te.[140] Aber das schütz­te sie nicht vor zuneh­men­der Dis­kri­mi­nie­rung, wor­un­ter aber im Beson­de­ren die Kin­der lit­ten. Schon im Früh­jahr 1938 hat­te die Fami­lie mit der Vor­be­rei­tung für die Emi­gra­ti­on begon­nen. Nach den schreck­li­chen Ereig­nis­sen wäh­rend des Novem­ber­po­groms, wo die Hor­den auch in die­ser Klein­stadt wüte­ten und Geschäf­te und Pri­vat­woh­nun­gen der jüdi­schen Mit­bür­ger demo­lier­ten, konn­ten Simon und Sophia Ter­hoch und die 15 bzw. 17 Jah­re alten Kin­der dann noch im Dezem­ber 1938 unter Zurück­las­sung nahe­zu ihrer gesam­ten Habe die Aus­rei­se antreten.

Simon Kleeberg, Julie Kosmann, Cosmann Kleeberg, Caecilie Grünewald Kleeberg, Siegmund Grünewald, Bertha Bella Kleeberg Gumprich, Gustav Gumprich, Sophie Sofie Kleeberg Cahen, Julius Cahen, Albert Kleeberg, Martha Rothschild Kleeberg, Helene Kleeberg Herz, Gustav Herz, Jenny Johannette Kleeberg Elkan, Max Elkan, Heinz Elkan, Trude Elkan, Josef Elkan, Oskar Herz, Martha Herz Vasen, Emil Philipp Vasen, Friedericke van der Weyden, Ernst Kleeberg, Flora Schad Kleeberg, Hilde Agnes Cahen Bachmann, Josef Bachmann, Grete Cahen, Hugo Cahen, Johanne Luise Cahen Dalberg, Sophie Sofie Gumprich Terhoch, Simon Terhoch, Erna Gumprich Simon, Leopold Simon, Julius Gumprich, Gertud Gumprich Strauß, Inge Terhoch, Werner Terhoch, Hella Simon, Ursula Simon Rosenfeld, Peter Rosenfeld, Marianne Luise Bachmann, Albert Gumprich, Irma Nathan Gumprich, Rudolf Gumprich, Ruth Gumprich, Sonja Emma Gumprich, Uri Gumprich, Emil Gumprich, Else Lublinski Gumprich, Gisela Gumprich, Manfred Gumprich, Karola Carola Grünewald Kaufmann, Ingeborg Kaufmann, Caecilia Vyth Grünewald, Erich Grünewald, Anita Maria Grünewald, Lieselotte Grünewald, Klaus Flick, Judenhäuser Wiesbaden, Judenhaus, Juden Grevenbroich, Juden Castrop
Erna Simon, geb. Gum­prich
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Über das Leben der fol­gen­den Schwes­ter Erna Gum­prich lie­gen sehr vie­le Infor­ma­tio­nen vor, da deren Toch­ter Ursu­la im Rah­men der Zeit­zeu­gen­be­fra­gun­gen durch die US-Sho­ah-Foun­da­ti­on ein mehr­stün­di­ges und sehr per­sön­li­ches Inter­view gege­ben hat, in dem zwar pri­mär ihr Leben und das ihrer Schwes­ter Hel­la im Vor­der­grund stand, in dem sie aber auch sehr viel über das immer bedrü­cken­der wer­den­de Leben in ihrer Hei­mat­ge­mein­de Qua­ken­brück berich­te­te.[141] Die bei­den Schwes­tern waren Töch­ter von Erna und Leo­pold Simon, einem Zim­mer­mann, der am 18. Juli 1890 in Ber­ge bei Qua­ken­brück als Sohn von Sal­ly und Lina Simon gebo­ren wor­den war. Am 12. Novem­ber 1923 waren Erna und Leo­pold Simon zunächst die Toch­ter Hel­la, dann am 20. Febru­ar 1925 die wei­te­re Toch­ter Ursu­la gebo­ren wor­den. Bei­de erleb­ten schon bald die Aus­gren­zun­gen, mit denen jüdi­sche Kin­der pri­vat und in der Schu­le zurecht­kom­men muss­ten, etwa Geburts­tags­fei­ern, zu denen kei­ne Mit­schü­le­rin­nen kamen, oder eine Sport­leh­re­rin, die Ursu­la beim Kas­ten­sprung bewusst ohne Hil­fe­stel­lung ließ, damit die­se vor allen ande­ren zu Boden stürzte.

Kenn­kar­te von Ursu­la Simon
©USC Sho­ah Foundation

Die soge­nann­te „Kris­tall­nacht“ bedeu­te­te die end­gül­ti­ge Zäsur. Der Vater, eigent­lich sehr patrio­tisch geson­nen und im Ers­ten Welt­krieg mit dem Eiser­nen Kreuz aus­ge­zeich­net, konn­te nicht begrei­fen, wie sich die Stim­mung im Ort immer deut­li­cher gegen sei­ne und die ande­ren jüdi­schen Fami­li­en rich­te­te. Am Mor­gen des 9. Novem­ber drang der Mob in die Syn­ago­ge ein, leg­te Feu­er, warf alle Kult­ge­gen­stän­de auf die Stra­ße und SA-Leu­te trie­ben mit den Tho­ra­rol­len ihre ent­wür­di­gen­den, blas­phe­mi­schen Scher­ze. Und dann geriet Ursu­la selbst ins Visier der Hor­de: “And then they saw me, and they said, well, there’s ano­ther Jew. Let’s throw her into the fla­mes, too. And it was– it was a moment in my life I shall never for­get. It was altog­e­ther, you know, almost sort of– you could­n’t ima­gi­ne the– the atmo­sphe­re and the bur­ning and the– the– I don’t know– sort of hys­te­ria of– of– of peo­p­le.”[142]

Wie über­all an die­sem Tag wur­den die Män­ner ver­haf­tet und bald dar­auf in ein KZ ver­bracht. Ursu­la sah ihren Vater zum letz­ten Mal, als er auf einem Last­wa­gen ste­hend abtrans­por­tiert wur­de. Im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Buchen­wald wur­de er zwei Tage nach sei­ner Ein­lie­fe­rung am 14. Novem­ber 1938 erschla­gen.[143] Hel­la und Ursu­la wur­den dar­auf­hin nach Ham­burg in ein jüdi­sches Wai­sen­haus geschickt, damit sie sich dort in der Jüdi­schen Schu­le auf ihre bal­di­ge Aus­rei­se aus Deutsch­land vor­be­rei­ten konn­ten. Ein Bru­der des Vaters, der bereits über Hol­land nach Süd­afri­ka geflo­hen war, arran­gier­te die not­wen­di­gen For­ma­li­tä­ten und steu­er­te die gefor­der­ten Geld­mit­tel bei. Am 18. Juli 1939 ver­lie­ßen die Geschwis­ter mit einem Kin­der­trans­port Deutsch­land von Ham­burg aus, um in Eng­land ein neu­es Leben zu begin­nen. Bei­de mach­ten trotz aller schwie­ri­gen Situa­tio­nen, die sie durch­ste­hen muss­ten, ins­ge­samt sehr posi­ti­ve Erfah­run­gen, enga­gier­ten sich in poli­ti­schen Grup­pen und grün­de­ten spä­ter eige­ne Fami­li­en. Wäh­rend Ursu­la in Eng­land blieb, ging Hel­la nach dem Krieg nach Ost­deutsch­land, in der Hoff­nung dort beim Auf­bau eines anti­fa­schis­ti­schen Staa­tes mit­wir­ken zu können.

Hella und Ursula Simon 1941 un England
Hel­la und Ursu­la Simon 1941 un Eng­land
©USC Sho­ah Foundation

Ihre Mut­ter hat­ten sie noch zwei­mal gese­hen, bevor sie zur letz­ten Ver­ab­schie­dung ihrer Töch­ter nach Ham­burg gekom­men war. Sie blieb allei­ne in Qua­ken­brück, in einer ihr völ­lig feind­se­lig geson­ne­nen Umwelt zurück. Nur die Mut­ter ihres ermor­de­ten Man­nes, blind und pfle­ge­be­dürf­tig, war noch bei ihr. Aus Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl ihr gegen­über, woll­te sie selbst das Land nicht ver­las­sen. Als die Schwie­ger­mut­ter dann doch noch zu ihrem Sohn nach Süd­afri­ka aus­wan­dern konn­te, weni­ge Tage vor Kriegs­be­ginn, war es für Erna Simon zu spät. Sie blieb in Deutsch­land zurück. Eine gan­ze Zeit lang bestand auch noch Brief­kon­takt zwi­schen ihr und den Töch­tern. Der brach ab, spä­tes­tens als sie am 10. Novem­ber 1941 von Düs­sel­dorf aus in das Ghet­to Minsk depor­tiert wur­de. Hel­la und Ursu­la haben erahnt, was mit ihrer Mut­ter gesche­hen war, aber die Hoff­nung lan­ge nicht auf­ge­ge­ben, sie noch ein­mal wie­der zuse­hen. Erst nach dem Krieg erhiel­ten sie Gewiss­heit, dass dies nicht mehr mög­lich sein wür­de. Sie blieb ver­schol­len und muss­te auf Amts­we­gen für tot erklärt wer­den.[144]

 

Juli­us, der Jüngs­te, am 28. Novem­ber 1896 in Borg­horst gebo­re­ne Sohn von Gus­tav und Ber­tha Gum­prich, war ledig geblie­ben und damit auch rela­tiv unab­hän­gig.[145] Er hat­te wohl bis zu sei­ner Flucht im elter­li­chen Haus in Borg­horst in der Niko­me­de­str. 1 gewohnt, wo heu­te auch für ihn ein Stol­per­stein ein­ge­las­sen ist, denn trotz sei­ner Flucht über­leb­te er den Holo­caust nicht. 1939 ist er zunächst nach Bel­gi­en geflo­hen, zu einem nicht bekann­ten Datum dann wei­ter nach Frank­reich. Wo und unter wel­chen Umstän­den er die Zeit bis zu sei­ner Fest­nah­me über­stand, ist nicht bekannt. 1942 wur­de er gefasst und zunächst im Lager Gurs fest­ge­hal­ten. Am 4. Sep­tem­ber des glei­chen Jah­res wur­de er dann von Dran­cy aus nach Ausch­witz depor­tiert und ermor­det. Ein genau­es Todes­da­tum liegt nicht vor, sodass auch er vom Amts­ge­richt Müns­ter 1949 für tot erklärt wer­den musste.

Nicht viel mehr weiß man über das Schick­sal der jüngs­ten Toch­ter Ger­trud, die am 13. Janu­ar 1908 in Borg­horst gebo­ren wur­de.[146] Ver­hei­ra­tet war sie seit dem 24. Juli 1930 mit Karl Strauß aus Erkel­enz, dicht an der hol­län­di­schen und bel­gi­schen Gren­ze. Mög­li­cher­wei­se war eine Ver­bin­dung in die­se doch weit von Borg­horst ent­fernt gele­ge­ne Stadt zustan­de gekom­men, weil ihre Tan­te Hele­ne im Jahr 1900 dort in die Fami­lie Herz gehei­ra­tet hat­te. Aus der Ehe von Karl und Tru­de Strauß war 1931 eine Toch­ter her­vor­ge­gan­gen, die den Namen Ruth erhal­ten hatte.
Ger­truds Ehe­mann Karl Strauß war am 30. Juni 1899 als Sohn von Bern­hard und Lau­ra Strauß in Erkel­enz gebo­ren wor­den. In der Hin­den­burg­str. 46 besa­ßen die Eltern ein Geschäft, an dem nach dem Ers­ten Welt­krieg auch die Söh­ne Ernst und Karl betei­ligt waren. Sie waren bei­de damals nicht nur zur ver­meint­li­chen Ver­tei­di­gung Deutsch­lands in die­sen Krieg gezo­gen, son­dern enga­gier­ten sich auch viel­fach im Ver­eins­le­ben der Stadt, beson­ders in den Sport­ver­ei­nen. Die Geschäf­te der Fir­ma ‚S. Strauß & Söh­ne’ müs­sen in die­sen Jah­ren so gut gelau­fen sein, dass Ende der Zwan­zi­ger­jah­re ein gro­ßes Are­al in der Stadt erwor­ben wer­den konn­te, wel­ches heu­te, nach­dem es ari­siert wor­den war, als Teil des Stadt­parks genutzt wird. Bern­hard Strauß ver­starb 1934. Sei­ne Frau Lau­ra, die 1940 ver­schied, war ver­mut­lich die letz­te, die vor dem Ende der Nazi­herr­schaft auf dem ört­li­chen jüdi­schen Fried­hof begra­ben wurde.

Wäh­rend Ernst Strauß mit sei­ner Frau Thea, gebo­re­ne Dah­l­berg, und sei­nen zwei Kin­dern Hel­mut und Han­ne­lo­re, im März 1942 nach Izbica depor­tiert wur­de, wo alle ums Leben kamen, gelang es Karl mit sei­ner Frau Ger­trud und Toch­ter Ruth, Deutsch­land recht­zei­tig zu ver­las­sen. [147] Wann und wo sie ver­starb, ist nicht bekannt. Ihre Toch­ter Ruth hat­te in ihrem kolum­bia­ni­schen Exil in Cali den aus Ber­lin stam­men­den Emi­gran­ten Rudolf Gesund geheiratet.

 

Die Familie von Helene Herz, geborene Kleeberg 

Hele­ne, gebo­ren am 20. April 1877 in Cas­trop, war das zweit­jüngs­te der Kin­der von Simon und Julie Klee­berg.[148] Ihre Schul­zeit hat­te sie zumin­dest zum Teil in einem von Non­nen gelei­te­ten katho­li­schen Pen­sio­nat ver­bracht, was aber offen­bar kei­ne Distan­zie­rung von ihrem jüdi­schen Hin­ter­grund zur Fol­ge hat­te, denn am 5. Juni 1900 hei­ra­te­te sie in ihrem Geburts­ort den in Erkel­enz leben­den jüdi­schen Vieh­händ­ler Gus­tav Herz. Sie hat­te ihn bei einer Hoch­zeits­fei­er ken­nen­ge­lernt, bei der die­ser ein Lied zu Ehren des Kai­sers vor­ge­tra­gen hat­te. Ursprüng­lich stamm­te Gus­tav Herz aus Gram­busch /​ Schwa­nen­berg, heu­te ein Orts­teil von Erkel­enz, wo er am 15. Dezem­ber 1874 als Sohn von Mar­cus Hirtz (!) und sei­ner Frau Judith, gebo­re­ne Rosen­dahl, zur Welt gekom­men war. Die Fami­lie war schon seit Gene­ra­tio­nen in die­ser Regi­on ansäs­sig und Gus­tav Herz war als Reprä­sen­tant im dor­ti­gen jüdi­schen Gemein­de­le­ben aktiv. Obwohl bereits Vater von drei Kin­dern und über 40 Jah­re alt, hat­te er noch aktiv im Ers­ten Welt­krieg kämp­fen müs­sen. 1935, als die anti­se­mi­ti­sche Het­ze das poli­ti­sche Kli­ma schon längst ver­gif­tet hat­te, war ihm, einem Mit­glied des ört­li­chen Krie­ger­ver­eins, dafür zyni­scher­wei­se von Hin­den­burg noch das Ehren­kreuz für Front­kämp­fer ver­lie­hen wor­den. Bereits vor 1933 war Gus­tav Herz und sein Vieh­han­dels­be­trieb Angrif­fen rech­ter Gewalt­tä­ter aus­ge­setzt gewe­sen. Als danach dann der Staat sys­te­ma­tisch gegen jüdi­sche Händ­ler, beson­ders aber gegen jüdi­sche Vieh­händ­ler vor­zu­ge­hen begann, traf es auch den Betrieb der Fami­lie Herz, der mit einem Ver­fah­ren wegen Gewer­be­ver­ge­hens und Steu­er­hin­ter­zie­hung über­zo­gen wurde.

Oskar, der ältes­te Sohn von Hele­ne und Gus­tav Herz, gebo­ren am 25. August 1901, war inzwi­schen in die Fuß­stap­fen des Vaters getre­ten und eben­falls Vieh­händ­ler gewor­den.[149] Er hat­te sei­ne Schul­lauf­bahn am ört­li­chen Gym­na­si­um 1917 mit dem Ein­jäh­ri­gen abbre­chen müs­sen, da sein Vater damals ein­ge­zo­gen wor­den war.
Wäh­rend des Novem­ber­po­groms wur­de er ver­haf­tet und in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen ein­ge­lie­fert. Nach sei­ner Frei­las­sung im Dezem­ber 1938 wohn­te er vor­über­ge­hend in Köln, konn­te dann 1939 nach Shang­hai aus­rei­sen.[150] Nicht klar ist, ob er damals die Rei­se allei­ne antrat oder zusam­men mit eini­gen ande­ren Mit­glie­dern sei­ner weit­ver­zweig­ten Fami­lie. Denn auch sei­ne am 21. Sep­tem­ber 1909 gebo­re­ne Schwes­ter Mar­ga­re­te, genannt Gre­te, wohn­te nach einem ein­jäh­ri­gen Auf­ent­halt in Eng­land 1939 in Köln und war von dort aus über Ita­li­en mit dem Schiff nach Schang­hai aus­ge­wan­dert. Zuvor hat­te sie am 10. April 1939 noch den damals 30-jäh­ri­gen Vieh­händ­ler Max Kauf­mann aus Gin­dorf gehei­ra­tet.[151]. Auf­fäl­lig ist, dass es einer gro­ßen Zahl der Fami­li­en­mit­glie­der damals gelang, sich vor der Ver­fol­gung nach Shang­hai zu ret­ten, eine der weni­gen Städ­te bzw. Staa­ten, die damals über­haupt noch Flücht­lin­ge auf­nah­men. Auf die­ser Flucht, die sie wohl zum Teil per Schiff bewäl­tig­ten, bei der sie aber auch eine rie­si­ge Stre­cke durch Sibi­ri­en und Chi­na mit der Eisen­bahn zurück­le­gen muss­ten, wur­den Mar­ga­re­te und Max Kauf­mann von ihren jewei­li­gen Eltern beglei­tet. Aber in die­sem von vie­len Tau­send geflüch­te­ten Jüdin­nen und Juden bewohn­ten Ghet­to herrsch­ten kata­stro­pha­le Zustän­de. Von daher hat­te die Fami­lie Herz das Glück, dass Gre­te auf­grund ihrer in Eng­land auf­ge­bau­ten Kon­tak­te die Mög­lich­keit erhielt, außer­halb des Ghet­tos bri­ti­schen Kin­dern Unter­richt zu ertei­len, spä­ter sogar mit ihrem Mann außer­halb zu woh­nen. Sie war die­je­ni­ge, die mit ihrer Arbeit prak­tisch die gesam­te Fami­lie in Shang­hai ernährte.

Nach­dem die Herr­schaft des Natio­nal­so­zia­lis­mus über Euro­pa gebro­chen und der Krieg been­det war, kehr­ten Gus­tav und Hele­ne Herz 1947 mit ihrem Sohn Oskar wie­der nach Deutsch­land zurück, bezo­gen sogar wie­der eine Woh­nung in ihrer alten Hei­mat­ge­mein­de Erkel­enz. Nach­dem sie 1949 dort noch ihre Gol­de­ne Hoch­zeit fei­ern konn­ten, ver­star­ben die Eltern dort bei­de im Jahr 1953, Hele­ne am 1. März und Gus­tav am 2. August, Oskar 1971.

Gre­te und ihr Mann Max Kauf­mann erhiel­ten die Geneh­mi­gung zur Ein­rei­se in die USA und blie­ben in der kali­for­ni­schen Metro­po­le San Fran­cis­co. Dort ver­starb Gre­te am 21. Juni 2003 im Alter von 65 Jah­ren, ihr Mann zwei­ein­halb Jah­re spä­ter im hohen Alter von 97 Jah­ren am 23. Febru­ar 2006.

Auch die älte­re Toch­ter Mar­tha hat­te eigent­lich mit nach Shang­hai aus­rei­sen wol­len. Das erlaub­te der NS-Staat aber wegen ihrer per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se nicht, bzw. eigent­lich wegen ihrer Toch­ter Frie­de­ri­ke nicht. Hin­ter­grund für die­se Maß­nah­me war ihre 1933 geschlos­se­ne Ehe mit dem katho­li­schen Franz van der Wey­den aus Mön­chen­glad­bach,[152] die zwar bereits im fol­gen­den Jahr wie­der auf­ge­löst wur­de, aus der aber 1934 die Toch­ter Frie­de­ri­ke her­vor­ge­gan­gen war, ein katho­lisch getauf­ter Misch­ling ers­ten Gra­des mit einem ari­schen Vater. Das Gericht hat­te bei der Schei­dung der Mut­ter zwar das Sor­ge­recht zuge­spro­chen, aller­dings wur­de dem Kind auch ein Vor­mund zuge­teilt, der aber sei­ne Auf­ga­be ein­deu­tig zum Wohl des Kin­des aus­üb­te, ein Wun­der in die­ser Zeit.[153] Den­noch wur­de Frie­de­ri­ke kei­ne Aus­rei­se­er­laub­nis erteilt, sodass auch Mar­tha Herz die Flucht­mög­lich­keit ver­schlos­sen blieb. Eine Zeit lang leb­te und arbei­te­te sie in Mön­chen­glad­bach, dann in Esch­wei­ler, wo sie eine Anstel­lung bei einem jüdi­schen Metz­ger fand. In Esch­wei­ler hei­ra­te­te sie in zwei­ter Ehe den dort ansäs­si­gen jüdi­schen Schus­ter Emil Phil­ipp Vasen, mit dem sie nach Düren zog.[154] Emil Phil­ipp Vasen wur­de 1942 nach Izbica depor­tiert, wo er zu einem nicht bekann­ten Datum ums Leben kam.[155]

Mar­tha Vasen und ihre Toch­ter blie­ben zunächst von der Depor­ta­ti­on ver­schont, da nach der ver­que­ren chau­vi­nis­ti­schen Ras­sen­ideo­lo­gie der Natio­nal­so­zia­lis­ten die ras­si­sche Qua­li­tät des Man­nes gegen­über der der Frau höher gewer­tet wur­de und Frie­de­ri­ke somit als Spross einer pri­vi­le­gier­ten Misch­ehe galt. Selbst nach der Auf­lö­sung der Ehe blieb die­ses Pri­vi­leg zunächst erhal­ten, zumal die Toch­ter katho­lisch erzo­gen wor­den war und sogar eine katho­li­sche Schu­le besu­chen durf­te. Das galt aber natür­lich nicht mehr für die Mut­ter selbst. Zunächst kam Mar­tha Herz mit ihrer Toch­ter in die Gers­ten­müh­le in Düren, einer Bau­rui­ne, die zum Juden­haus umfunk­tio­niert wor­den war. Den dort ein­quar­tier­ten Jüdin­nen und Juden war es erlaubt wor­den, Mobi­li­ar für ein Zim­mer mit­zu­brin­gen, alles Übri­ge wur­de ver­stei­gert. Mit dem Geld soll­te angeb­lich ihr wei­te­rer Lebens­un­ter­halt finan­ziert wer­den.[156] Die etwa 8‑jährige Frie­de­ri­ke, die auf Anra­ten des Pfar­rers auch am Kom­mu­ni­ons­un­ter­richt teil­nahm, besaß nicht nur das Pri­vi­leg, kei­nen Juden­stern tra­gen zu müs­sen, sie durf­te das Haus auch ohne Beschrän­kun­gen ver­las­sen und hat­te daher die Mög­lich­keit, für die übri­gen Bewoh­ner ein­zu­kau­fen oder ande­re Din­ge zu erledigen.
Im April 1942 wur­den Mut­ter und Toch­ter in ein Sam­mel­la­ger bei Jülich, die Vil­la Buth, gebracht, eben­falls ein Juden­haus mit mehr als 100 Bewoh­nern.[157] Frie­de­ri­ke wur­de einen Tag vor der Depor­ta­ti­on ihrer Mut­ter nach The­re­si­en­stadt dort von ihrem Vor­mund abge­holt und in Mön­chen­glad­bach in Sicher­heit gebracht. Sie fand bei ihm und sei­ner Frau für etwa drei Jah­re eine „lie­be­vol­le Auf­nah­me“, wie Rüt­ten schreibt.[158] Als gegen Ende der Nazi-Herr­schaft auch Misch­ehe­part­ner und deren Kin­der in den Tod getrie­ben wur­den, ver­steck­te das Ehe­paar Lieck ihren Mün­del für acht Wochen in einem Wai­sen­haus.[159] Frie­de­ri­ke blieb durch die­se muti­ge Tat von der Depor­ta­ti­on und dem Tod in der Gas­kam­mer verschont.
Mar­tha Vasen selbst muss­te auf den Trans­port VII/​2, der am 25. Juli 1942 von Aachen kom­mend knapp 1000 Juden nach The­re­si­en­stadt brach­te. Zumin­dest zeit­wei­se konn­te sie von dort über das Inter­na­tio­na­le Rote Kreuz den Kon­takt zu ihrer Toch­ter in Mön­chen­glad­bach noch auf­recht­erhal­ten, wie eine Kar­te aus dem Ghet­to an Frie­de­ri­ke belegt.[160] Dass sie die fol­gen­den drei Jah­re lebend über­stand, grenzt an ein Wun­der, denn zunächst arbei­te­te sie mit einem hohen Anste­ckungs­ri­si­ko auf der dor­ti­gen Typhussta­ti­on, dann in der Pro­duk­ti­on von Glim­mer­schei­ben. Als wie­der einer der Trans­por­te von The­re­si­en­stadt nach Ausch­witz fuhr, um der dor­ti­gen Über­fül­lung Herr zu wer­den, war eigent­lich auch sie auf die Lis­te gesetzt wor­den. Es war eine tsche­chi­sche Auf­se­he­rin, die das Medail­lon an ihrem Hals mit dem Bild von Frie­de­ri­ke wahr­nahm und sie vor dem siche­ren Tod ret­te­te. Mar­tha Vasen erleb­te daher, wie die Rote Armee das Lager befrei­te, und gehör­te mit ihrem Onkel Karl Herz, den sie in The­re­si­en­stadt getrof­fen hat­te, somit glück­li­cher­wei­se zu den 61 Über­le­ben­den des Trans­ports vom 25. Juli 1942.[161] In Mars­berg, wohin das Ehe­paar Lieck inzwi­schen wegen der vie­len Luft­an­grif­fe eva­ku­iert wor­den war, tra­fen sich Mut­ter und Toch­ter wie­der. Spä­ter gin­gen sie wie­der zurück nach Erkel­enz, wo ihr Eltern­haus zwar von Bom­ben, aber nicht von den „Volks­ge­nos­sen“ ver­schont geblie­ben war. Die Woh­nung war völ­lig zer­stört und geplün­dert, und für bei­de begann der Start in ein neu­es Leben in einem ganz sicher schwie­ri­gen Umfeld.
Mar­tha Vasen, gebo­re­ne Herz, ver­starb im Jahr 1976 und liegt auf dem Jüdi­schen Fried­hof in Erkel­enz begra­ben.[162]

 

Die Familie von Jeanette /​ Jenny Elkan, geborene Kleeberg

Die wenigs­ten Infor­ma­tio­nen konn­ten zur jüngs­ten Toch­ter von Simon und Julie Klee­berg gefun­den wer­den. Jea­nette, genannt Jen­ny, war am 29. Juni 1880 in Cas­trop gebo­ren wor­den. Zumin­dest dar­über gibt die Ent­schä­di­gungs­ak­te ihrer Eltern Aus­kunft. Sie leb­te wäh­rend des Ver­fah­rens, d.h. zu Beginn der 60er Jah­re, in Bue­nos Aires in Argen­ti­ni­en.[163]

Es ist bis­her nicht bekannt, wann sie ihren am 8. Janu­ar 1873 ver­mut­lich in Brü­nen gebo­re­nen Mann Max Elkan ken­nen­ge­lernt und gehei­ra­tet hat­te. Sei­ne Vor­fah­ren waren ursprüng­lich im 18. Jahr­hun­dert aus dem Wes­ter­wald­städt­chen Alten­kir­chen in Regi­on am Nie­der­rhein gezo­gen.[164] Der Han­dels­mann Joseph Jost, gebo­ren 1808, ließ sich dann etwa 1835 mit sei­ner aus Bocholt stam­men­den Frau Johan­na Wert­heim in dem etwa zehn Kilo­me­ter nord­öst­lich von Wesel gele­ge­nen Ort Brü­nen nie­der.[165] Der am 28. Juni 1836 gebo­re­ne Joseph war das ältes­te von ins­ge­samt acht Kin­dern des Paa­res.[166] Sei­ne Ehe mit Rosa­lie Simons, gebo­ren am 18. August 1844, war sogar noch frucht­ba­rer als die sei­ner Eltern. Ins­ge­samt wur­den den bei­den sogar zehn Kin­der geschenkt, zunächst ver­mut­lich fünf in Brü­nen, dar­un­ter auch Max, dann wei­te­re fünf in Wesel, wohin die Fami­lie 1866 gezo­gen war. In Wesel besa­ßen die Eltern ein Geschäft für „Manu­fak­tur- und Mode­wa­ren“, das zen­tral in der Hohen Stra­ße 419 gele­gen war. Nach dem frü­hen Tod von Joseph Elkan am 22. Sep­tem­ber 1885 führ­te zunächst sei­ne Wit­we das Geschäft wei­ter, aber sicher schon mit Unter­stüt­zung ihrer Kin­der. In den Adress­bü­chern der Stadt Wesel sind Max und sein Bru­der Juli­us bei­de als „Hand­lungs­ge­hil­fen“ bezeich­net. Sie sind es dann auch, die 1909 bei­de als Inha­ber des Geschäfts dort ein­ge­tra­gen sind.[167] Noch bevor die Mut­ter am 16. Dezem­ber 1916 ver­starb, war das Haus in der Hohen Stra­ße, die spä­ter zur Hin­den­burg­stra­ße wur­de, an Max Elkan über­tra­gen worden.

Hohe Str 419 bzw. Hin­den­burg­str. 76 mit dem Geschäft der Elkans links vor­ne
Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Stadt­ar­chivs Wesel

Der hat­te inzwi­schen mit Jen­ny Klee­berg eine eige­ne Fami­lie gegrün­det und war damals bereits Vater von zwei Kin­dern. Wie­der erhielt der Erst­ge­bo­re­ne den Tra­di­ti­ons­na­men Joseph /​ Josef. Er war am 8. Sep­tem­ber 1904 zur Welt gekom­men, gefolgt von der Schwes­ter Ger­trud /​ Tru­de am 6. Febru­ar 1907.[168] Ein wei­te­rer Sohn namens Fritz, gebo­ren am 10. Janu­ar 1911, ver­starb schon nach etwa einem Jahr. Über den wei­te­ren Sohn Heinz liegt in Wesel kein Geburts­ein­trag vor.[169] Allen drei war es gelun­gen Deutsch­land recht­zei­tig zu ver­las­sen. Heinz war bereits um 1933 oder 1934 nach Eng­land aus­ge­wan­dert, Tru­de und Josef gelang­ten bei­de 1937 nach Argen­ti­ni­en.[170] Ihr wei­te­res Schick­sal ist nicht bekannt.

Die Eltern waren wohl schon um 1935 /​ 36 nach Wies­ba­den ver­zo­gen. Umso erstaun­li­cher ist es, dass sie außer einer dün­nen Devi­sen­ak­te fast kei­ne amt­li­chen Spu­ren in der Stadt hin­ter­las­sen haben.[171] Im Wies­ba­de­ner Adress­buch 1935 /​ 36 sind sie mit der Adres­se Nerot­al 5, in dem von 1938 mit Tau­nus­str. 75 II ein­ge­tra­gen. Die letz­te Adres­se ist auch die­je­ni­ge, von der aus sie 1938 mit der Devi­sen­stel­le in Frank­furt kor­re­spon­dier­ten. Bei bei­den Adres­sen han­delt es sich um eine bevor­zug­te Wohn­ge­gend eher betuch­ter Wies­ba­de­ner Bür­ger, zu denen die Elkans unzwei­fel­haft gehörten.

Den Wert ihres Besit­zes hat­te die Zoll­fahn­dungs­stel­le Mainz im August 1938 ermit­telt und war dabei auf ins­ge­samt etwa 150.000 RM gekom­men.[172] Ganz offen­sicht­lich muss das Geschäft in Wesel ein­mal so gut gegan­gen sein, dass es ihnen mög­lich war, im Lau­fe der Jah­re ein solch gro­ßes Ver­mö­gen anzu­häu­fen. Ein Teil davon bestand aller­dings in dem Wert der Immo­bi­li­en, dem Geschäfts­haus in der Hin­den­burg­stra­ße und einem Gar­ten­grund­stück, das aller­dings zu einem Drit­tel auch dem Bru­der Juli­us gehör­te.[173]
Inter­es­sant sind zwei Kapi­tal­ver­bin­dun­gen bzw. Kre­dit­ver­ga­ben, zum einen an Lou­is Elkan, der im Okto­ber 1938 selbst auch ein Schrei­ben an die Devi­sen­stel­le in Frank­furt rich­te­te, in dem er die­se dar­auf auf­merk­sam mach­te, dass ein Gut­ha­ben von Max Elkan bis zum 31. Dezem­ber 1941 unkünd­bar sei. Der Zusam­men­hang ist nicht ganz klar, aber ver­mut­lich ging es um eine Ein­la­ge von Max Elkan bei einer Bank, die auf das gesi­cher­te Kon­to, das Max Elkan ein­zu­rich­ten gezwun­gen war, über­tra­gen wer­den soll­te. Um wen es sich bei dem Schrei­ber des Brie­fes han­del­te, konn­te nicht mit letz­ter Sicher­heit geklärt wer­den. Am wahr­schein­lichs­ten sind zwei Mög­lich­kei­ten. Max hat­te einen Bru­der mit Namen Lou­is, der 27. April 1878 in Wesel gebo­ren wor­den war und dem, wie man aus dem Ent­zug der deut­schen Staats­bür­ger­schaft am 21. Mai 1940 fol­gern kann,[174] wohl recht­zei­tig die Emi­gra­ti­on aus Deutsch­land gelun­gen war. Es könn­te aller­dings auch sein – und das ist sogar die wahr­schein­li­che­re Mög­lich­keit –, dass es sich bei dem Absen­der um den Ban­kier Lou­is Elkan han­del­te, der am 18. Janu­ar 1879 eben­falls in Wesel gebo­ren wor­den war und als Cou­sin – er war der Sohn von Josephs Bru­der Lee­ser und Frie­de­ri­ka Elkan – eben­falls in einem ver­wandt­schaft­li­chen Ver­hält­nis zu Max Elkan stand. Er hat­te vor sei­ner Flucht zuletzt in Düs­sel­dorf gewohnt, von wo auch der Brief an die Devi­sen­stel­le abge­sen­det wor­den war. Sei­ne Flucht über Hol­land schei­ter­te jedoch. Am 17. März 1943 wur­de er mit sei­ner Frau Hen­ri­et­te, gebo­re­ne San­der, vom dor­ti­gen Inter­nie­rungs­la­ger Wes­ter­bork aus nach Sobi­bor depor­tiert, wo bei­de am 20. März ermor­det wur­den.[175]

Brief von Max Elkan an die Devi­sen­stel­le, um der sei­nen Umzug nach Köln mit­zu­tei­len
HHStAW 519/​3 12409 (8)

Die zwei­te, mit 60.000 RM noch weit grö­ße­re Inves­ti­ti­on betrifft die Fir­ma Carl Pla­at, eine damals sehr bedeu­ten­de Gum­mi­wa­ren­fa­brik in Köln-Nip­pes.[176] Auch die Fami­lie Pla­at gehör­te ursprüng­lich zu den alten jüdi­schen Fami­li­en von Brü­nen.[177] Nicht nur stamm­ten auch sie ursprüng­lich aus Alten­kir­chen im Wes­ter­wald, der Kauf­mann Moses Pla­at hat­te zudem 1841 zusam­men mit Jost Elkan eine Haus­kom­plex im Zen­trum von Brün­nen erwor­ben. Bereits sein Vater war mit einer Toch­ter aus der Fami­lie Elkan, mit Rosa Elkan, ver­hei­ra­tet gewe­sen. Es gab also seit vie­len Jahr­zehn­ten eine sehr enge Ver­bin­dung zwi­schen die­sen drei jüdi­schen Fami­li­en Wert­heim, Elkan und Pla­at und es ist daher nicht ver­wun­der­lich, dass Kapi­ta­li­en wech­sel­sei­tig zum gemein­sa­men Nut­zen inves­tiert wurden.

Das übri­ge Ver­mö­gen von Max und Jen­ny Elkan bestand aus Wert­pa­pie­ren, Hypo­the­ken­for­de­run­gen oder Spar­ein­la­gen. Da die Kin­der bereits im Aus­land waren, sah sich die Zoll­fahn­dungs­stel­le Mainz genö­tigt, von der Devi­sen­stel­le in Frank­furt eine Siche­rungs­an­ord­nung gegen Max Elkan zu erwir­ken, weil die­ser mög­li­cher­wei­se unan­ge­mel­det und unter Mit­nah­me zumin­dest eines Teils sei­ner Ver­mö­gens­wer­te aus­wan­dern kön­ne. Die­se ziel­te damals noch nicht auf das gesam­te Ver­mö­gen, son­dern zunächst nur auf die bei­den Dar­le­hen und die Depots. Es wur­de ihm auch zuge­stan­den, über die Erträ­ge des Kapi­tals frei ver­fü­gen zu kön­nen. Die Siche­rungs­an­ord­nung wur­de dann von Frank­furt aus am 6. Okto­ber 1938 erlas­sen. Inzwi­schen hat­te aber Frank­furt die Zustän­dig­keit ver­lo­ren, denn Max Elkan war am 19. Sep­tem­ber des glei­chen Jah­res nach Köln ver­zo­gen und hat­te in der Ebu­ro­nen­str. 10/​12 eine Woh­nung ange­mie­tet.[178] Sei­ne trans­fe­rier­ba­ren Kapi­ta­li­en waren auf dor­ti­ge Kon­ten bzw. in Depots über­tra­gen wor­den, sodass jetzt der Ober­fi­nanz­prä­si­dent von Köln für ihn zustän­dig war. Das Depot mit den Wert­pa­pie­ren hat­te schon damals für die mög­li­che Reichs­flucht­steu­er ver­pfän­det wer­den müs­sen. Sei­ne Bit­te, man möge ihm 3.000 RM zu frei­en Ver­fü­gung belas­sen, weil er sonst über kei­ner­lei flüs­si­ges Kapi­tal ver­fü­ge, sei­ne Frau zudem krank sei, wur­de geneh­migt mit der Ein­schrän­kung, dass es sich um ein ein­ma­li­ges Zuge­ständ­nis han­de­le.[179] Am 4. Juli 1939 wird die Akte Elkan in der Devi­sen­stel­le Frank­furt geschlos­sen, womit sich auch sei­ne Spu­ren wie auch die sei­ner Frau in Wies­ba­den ver­lie­ren. Mög­li­cher­wei­se waren sie im Juli 1939 schon auf dem Weg nach Argen­ti­ni­en und damit in ihr siche­res Exil. Sie hat­ten wenigs­tens ihr Leben ret­ten kön­nen, ver­mut­lich unter Zurück­las­sung des größ­ten Teils ihres ehe­ma­li­gen Vermögens.

Betrach­tet man aber die gesam­te Fami­lie Klee­berg, die Nach­kom­men von Simon und Julie Klee­berg, so kommt man allein im enge­ren Fami­li­en­kreis auf ins­ge­samt 22 Per­so­nen, denen das nicht gelang, die sich aus Ver­zweif­lung selbst das Leben nah­men, im Gas ende­ten, erschla­gen wur­den, in einem der Lager dem Hun­ger­tod zum Opfer fie­len oder an einer der dort gras­sie­ren­den Krank­hei­ten verendeten.

 

Ver­öf­fent­licht: 29. 03. 2022

 

 

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Anmer­kun­gen:

 

[1] Zur Fami­lie Roth­schild sie­he aus­führ­lich oben.

[2] Geburts­re­gis­ter Bri­lon 10.7.1881.

[3] HHStAW 469/​33 4348 (6).

[4] Sie­he z.B. ebd. (1).

[5] https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e4/Castrop-Rauxel_%2CBaudenkmal_37%2C_Juedischer_Friedhof_Obere_Muensterstr_2020-04–09_4137.jpg. (Zugriff: 15.3.2022).

[6] Ster­be­re­gis­ter Cas­trop 340 /​ 1904.

[7] http://​www​.jacob​-pins​.de/​?​a​r​t​i​c​l​e​_​i​d​=​3​5​0​&​c​l​a​n​g=0, (Zugriff: 15.3.2022).

[8] Ebd.

[9] Ebd. S.43 f.

[10] Scholz schreibt, dass1907 mehr als die Hälf­te der Bewoh­ner Cas­trop-Rau­xels in Indus­trie und Gewer­be, aber nur 10 Pro­zent im ter­tiä­ren Sek­tor beschäf­tigt waren. Bei den Juden war es genau umge­kehrt. 20 Pro­zent von ihnen arbei­te­ten im pro­du­zie­ren­den und 60 Pro­zent im ter­tiä­ren Sek­tor, sie­he ebd. S. 49.

[11] Ebd. S.167 f. und 173

[12] Ster­be­re­gis­ter Arol­sen 599 /​ 1952.

[13] HHStAW 518 42784 (105).

[14] Ster­be­re­gis­ter Wies­ba­den 1914 /​ 1940.

[15] HHStAW 469/​33 4348 (6).

[16] HHStAW 518 42784 (105).

[17] Ebd.

[18] HHStAW 518 42781 und 518 42784. Ein ent­fern­ter Ver­wand­ter namens von Loven­berg hat­te das Ver­trau­en und die Erb­an­sprü­che der Nach­kom­men auf höchst frag­li­che Wei­se erwor­ben, war aber damit letzt­lich geschei­tert. Er war der Ehe­mann von Toni Hele­ne Maria, gebo­re­ne Nathan, die selbst Ansprü­che gel­tend machen konn­te, da sie die Schwes­ter von Irma Nathan war, die wie­der­um die Ehe­frau von Albert Gum­prich, einem Sohn von Gus­tav Gum­prich und sei­ner Frau Ber­tha, gebo­re­ne Klee­berg, war. Ber­tha war die Toch­ter von Simon und Julie Klee­berg. Sie­he zur Fami­lie Gum­prich unten.

[19] Stadt­ar­chiv Castrop-Rauxel

[20] Hei­rats­re­gis­ter Cas­trop-Rau­xel 2 /​ 1906.

[21] Geburts­re­gis­ter Cas­trop-Rau­xel 870 /​ 1908.

[22] HHStAW 685 403 a (47).

[23] Ebd. (62). Ende des Jah­res wur­de dem Gesuch statt­ge­ge­ben, mög­li­cher­wei­se waren inzwi­schen wei­te­re Steu­ern ange­fal­len, aller­dings waren 6 % Zin­sen auf die bestehen­den For­de­run­gen auf­ge­schla­gen worden.

[24] Ebd. (76).

[25] Ebd. (83).

[26] Scholz, Wir leben in die­sem schö­nen, rei­chen Lan­de, S. 73 ff.

[27] Sie­he Mel­de­kar­te Ernst Klee­berg, Stadt­ar­chiv Castrop-Rauxel.

[28] HHStAW 518 42781 (63) und HHStAW 518 42784 (89).

[29] HHStAW 518 42781 (3).

[30] HHStAW 685 403 b (88, 92).

[31] Ebd. (3).

[32] HHStAW 469/​33 4348 (5), auch Ein­trag auf der Gestapo­kar­tei­kar­te für Ernst Kleeberg.

[33] HHStAW 685 403 b (97).

[34] Ebd. (103). In die­sem Haus hat­te frü­her ein­mal die ‚Nas­saui­sche Lei­nen­in­dus­trie’ des inzwi­schen ver­stor­be­nen Joseph Baum ihren Sitz. Die bis­he­ri­ge Ver­mie­te­rin der Klee­bergs, Mar­tha Hay­mann, war die Schwä­ge­rin von Joseph Baum, ihr ver­stor­be­ner Mann Dr. Alfred Hay­mann der Bru­der von Baums Frau Ali­ce Haymann.

[35] Die ori­gi­na­le Berech­nung der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be liegt lei­der nicht mehr vor, die hier ange­ge­be­nen Zah­len sind der Ent­schä­di­gungs­ak­te ent­nom­men und beru­hen auf Zah­len, die das Finanz­amt Wies­ba­den nach dem Krieg zur Ver­fü­gung stell­te, sie­he HHStAW 518 42781 (8).

[36] 1935 war die­ser noch mit 45.000 RM ange­ben wor­den, sie­he HHStAW 685 403 a (98),

[37] HHStAW 518 42781 (65). Laut einer Mit­tei­lung des Finanz­amts Wies­ba­den im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren nach dem Krieg war ins­ge­samt nur die Zah­lung der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be in der Höhe von 4.700 RM nach­weis­bar. Das Finanz­amt beton­te aber, dass nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne, dass die Gesamt­for­de­rung den­noch ein­ge­trie­ben wor­den sei, sie­he Ebd. (8, 9).

[38] HHStAW 1183–1.

[39] HHStAW 1183 2 (13.1.41).

[40] Das Ehe­paar Eis konn­te im August 1941 noch in die USA ausreisen.

[41] HHStAW 1183–1.

[42] Auf der Gestapo­kar­tei­kar­te von Ernst Klee­berg ist nur knapp „geschie­den“ ver­merkt.

[43] HHStAW 518 42784 (187).

[44] Ebd. (188).

[45] Hei­rats­re­gis­ter Wies­ba­den 3 /​ 1942.

[46] HHStAW 518 42784 (90). Fri­da /​ Frie­da Schad, die jüdi­sche Mut­ter von Flo­ra, wur­de noch am 10.1.1944 von Mainz zunächst nach The­re­si­en­stadt und dann von dort nach Ausch­witz gebracht und ermor­det. Sie­he Gedenk­buch des Bun­des­ar­chivs Koblenz https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​d​e​9​6​3​104. (Zugriff: 15.3.2022).

[47] https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​w​a​r​t​i​m​e​/​0​2​0​1​0​1​0​1​/​0​6​8​4​/​1​2​2​8​7​7​7​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 15.3.2022). In einer ande­ren Lis­te des Archivs ist sein Hei­mat­ort aber auch mit Wies­ba­den ange­ge­ben, sie­he https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​w​a​r​t​i​m​e​/​0​2​0​1​0​1​0​1​/​0​6​9​2​/​1​2​2​1​2​1​6​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 15.3.2022).

[48] Zu den dama­li­gen Trans­por­ten und ihrer Vor­be­rei­tung sie­he Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 137 ‑182. wo auch Fak­si­mi­les der wesent­li­chen Doku­men­te abge­druckt sind. Zum Trans­port vom 25. März sie­he ebd. S. 186 f., auch https://​www​.gedenk​staet​ten​fo​rum​.de/​n​c​/​g​e​d​e​n​k​s​t​a​e​t​t​e​n​r​u​n​d​b​r​i​e​f​/​r​u​n​d​b​r​i​e​f​/​n​e​w​s​/​d​i​e​_​d​a​r​s​t​e​l​l​u​n​g​_​d​e​r​_​d​e​p​o​r​t​a​t​i​o​n​_​i​n​_​z​e​u​g​n​i​s​s​e​n​_​d​e​u​t​s​c​h​e​r​_​j​u​e​d​i​n​n​e​n​_​u​n​d​_​j​u​d​en/. (Zugriff: 15.3.2022).

[49] Stadt­ar­chiv Wies­ba­den, Wi2 2225. Sie trägt die euphe­mis­ti­sche Bezeich­nung „Wan­de­rungs­be­we­gung der Juden in der Stadt Wies­ba­den vom 1. Janu­ar 1934 an“. Auf der Sei­te 1 beginnt die Zäh­lung aber erst mit dem 1.1.1942.

[50] Laut Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 163 waren die jewei­li­gen Sta­po-Stel­len jeweils sechs Tage vor einem anste­hen­den Trans­port unter­rich­tet worden.

[51] HHStAW 518 42784 (90).

[52] Sie­he unbe­kann­te Lis­te X1.

[53] HHStAW 469/​33 4348 (29).

[54] Ebd. (20).

[55] Dass der ange­hei­ra­te­te Ver­wand­te von Lovens­berg, der von den Nach­kom­men zunächst mit der Wahr­neh­mung der Erb­rech­te betraut wor­den war, auf die­se Lösung gedrun­gen hat­te, mag auch damit zusam­men­hän­gen, dass er wegen sei­ner eige­nen Inter­es­sen, eine sol­che schnel­le Lösung favorisierte.

[56] Zu Sophie Cahen und ihrer Toch­ter Hil­de Bach­mann hat das Akti­ve Muse­um Spie­gel­gas­se ein Erin­ne­rungs­blatt ver­öf­fent­licht, sie­he https://​www​.am​-spie​gel​gas​se​.de/​w​p​-​c​o​n​t​e​n​t​/​d​o​w​n​l​o​a​d​s​/​e​r​i​n​n​e​r​u​n​g​s​b​l​a​e​t​t​e​r​/​E​B​-​C​a​h​e​n​-​S​o​p​h​i​e​_​B​a​c​h​m​a​n​n​-​H​i​l​d​e​.​pdf. (Zugriff: 15.3.2022).

[57] Ster­be­re­gis­ter Wies­ba­den 1914 /​ 1940.

[58] Zur Geschich­te der Juden in Preu­ßisch Olden­dorf sie­he das Stan­dard­werk von Bes­se­rer, Jüdi­sches Leben in der Stadt Preu­ßisch Olden­dorf, Preu­ßisch Olden­dorf 2014. Auf die Fami­lie Cahen ist in dem Buch durch­gän­gig ein­ge­gan­gen. Die hier rele­van­te Zeit und der ent­spre­chen­de Per­so­nen­kreis wer­den im Beson­de­ren auf den Sei­ten 226–236 behan­delt. Die jewei­li­gen Lebens­da­ten sind dem Stamm­baum auf S. 84 f. entnommen.

[59] Bes­se­rer, Juden in Preu­ßisch Olden­dorf, S. 45. 1842 leb­ten dort nur 12 jüdi­sche Fami­li­en mit 54 Mit­glie­dern, ebd. S. 60.

[60] Hei­ne­mann Cahen ver­starb am 9.1.1887 im Alter von 84 Jah­ren, sei­ne Frau Hen­ri­et­te am 6.4.1868, ebd. S. 288.

[61] Wil­helm Cahen starb am 24.5.1913 in Preu­ßisch Olden­dorf kurz vor Errei­chen des 88sten Lebens­jahrs. Auf sei­nem Grab­stein ist zu lesen:
›Ein lau­te­rer und auf­rech­ter Mann‹,
›er wan­del­te in Lau­ter­keit und wirk­te Wohl‹,
got­tes­fürch­tig all sei­ne Tage,
›ein Gerech­ter, der in sei­nem Glau­ben lebte,‹,
Herr Seew, Sohn des Cha­jim Cahen,
gestor­ben ›in gutem Grei­sen­al­ter‹ am 17.
Tag des Ijar 673 der klei­nen Zählung
sei­ne See­le sei ein­ge­bun­den in das Bün­del des Lebens.“

Johan­na Cahen starb am 7.4.1900. Auf ihrem Grab­stein in Preu­ßisch Olden­dorf ist zu lesen:
Hier ist begraben
‎‏›die tüch­ti­ge Gat­tin‹, auf­recht in all ihren Taten,
Wohl­tat erwies sie all ihre Tage
es ist Frau Chan­na, Toch­ter des Herrn Natan,
Gat­tin des Seew Cahen,
gestor­ben am Tag 7, 8. Nissan,
und begra­ben 11. Nis­san 660 der klei­nen Zählung.
Ihre See­le sei ein­ge­bun­den in das Bün­del des Lebens
Sie­he http://​www​.stein​heim​-insti​tut​.de/​d​a​t​e​n​/​p​r​o​_​a​l​l​.​h​tml. (Zugriff: 15.3.2022).

[62] Max, gebo­ren am 17.10.1862 ver­starb am 25.5.1864, Her­mann, gebo­ren am 22.12.1870 wur­de zwölf Jah­re, Ida gebo­ren am 26.2.1872 wur­de zehn Jah­re alt, ebd.

[63] https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​1​1​5​0​8​1​8​0​&​i​n​d=1. (Zugriff: 15.3.2022). Auch https://​rp​-online​.de/​n​r​w​/​s​t​a​e​d​t​e​/​g​r​e​v​e​n​b​r​o​i​c​h​/​d​a​s​-​l​e​t​z​t​e​-​f​o​t​o​-​e​i​n​e​r​-​j​u​e​d​i​s​c​h​e​n​-​f​a​m​i​l​i​e​_​a​i​d​-​2​0​8​0​9​457. (Zugriff: 15.3.2022).

[64] https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​1​1​4​9​8​5​1​0​&​i​n​d=1. (Zugriff: 15.3.2022).

[65] Bes­se­rer, Juden in Preu­ßisch Olden­dorf, S. 232.

[66] Geburts­re­gis­ter Preu­ßisch Olden­dorf 86 /​ 1897.

[67] HHStAW 518 37940 (23). Der laut Stadt­ar­chiv Preu­ßisch Olden­dorf im Geburts­ein­trag fest­ge­leg­te Vor­na­me Gre­the wur­de in den spä­te­ren Akten i. A. auf Gre­te verkürzt.

[68] HHStAW 518 10032 (3).

[69] HHStAW 685 108 a (1, 7, 20).

[70] Ebd. (4).

[71] Ebd. (49).

[72] Ebd. (57, 71).

[73] Ebd. (60).

[74] Bes­se­rer, Juden in Preu­ßisch Olden­dorf, S. S. 85.

[75] HHStAW 685 108 a (61).

[76] Bes­se­rer, Juden in Preu­ßisch Olden­dorf, S. S. 234.

[77] Ebd.

[78] HHStAW 518 10032 (9, 11).

[79] HHStAW 108 a (82, 83, 84). Bei Bes­se­rer, Juden in Preu­ßisch Olden­dorf, S. 235, ist fälsch­li­cher­wei­se als ers­te Wies­ba­de­ner Adres­se die Saal­gas­se 52 statt Saal­gas­se 30 angegeben.

[80] Pau­la Fried war laut Jüdi­schem Adress­buch von 1935 eine „getauf­te Voll­jü­din“. Bei­de gehö­ren nicht zu den Opfern des Holocaust.

[81] Hei­rats­re­gis­ter Preu­ßisch Olden­dorf 1 /​ 1921.

[82] Geburts­re­gis­ter War­burg 103 /​ 1921.

[83] Hei­rats­re­gis­ter Preu­ßisch Olden­dorf 1 /​ 1921.

[84] HHStAW 469/​33 4535 (o.P.). Sie­he unten, wo die Brie­fe in vol­lem Umfang wie­der­ge­ge­ben sind.

[85] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​7​4​8​8​/​i​m​a​g​e​s​/​N​Y​T​7​1​5​_​6​2​2​5​-​0​6​3​9​?​t​r​e​e​i​d​=​&​p​e​r​s​o​n​i​d​=​&​h​i​n​t​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​1​7​0​4​a​f​7​2​9​d​8​3​4​3​a​e​3​3​c​b​7​5​f​5​5​0​f​4​2​8​4​5​&​u​s​e​P​U​B​=​t​r​u​e​&​_​p​h​s​r​c​=​E​k​t​5​2​2​4​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​r​c​e​&​u​s​e​P​U​B​J​s​=​t​r​u​e​&​p​I​d​=​2​1​0​7​7​794. (Zugriff: 15.3.2022).

[86] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​8​9​8​9​3​4​3​5​:​2​442. (Zugriff: 15.3.2022).

[87] HHStAW 519/​3 2385 (5). Ver­mut­lich hat­te sich das Paar dem­nach 1936 getrennt.

[88] Zit. nach Bes­se­rer, Juden in Preu­ßisch Olden­dorf, S. 75.

[89] Nach dem Krieg stell­ten die Nach­kom­men Klee­bergs Rück­erstat­tungs­an­sprü­che. Die Spar- und Dar­le­hens­kas­se zahl­te im Janu­ar 1953 die Ver­gleichs­sum­me von 35.000 DM, womit alle Ansprü­che abge­gol­ten wur­den. Sie­he HHStAW 518 10031 (3).

[90] HHStAW 685 109 a (11).

[91] Ebd. (3).

[92] HHStAW 685 109 a (15). 500 RM soll­ten ihr als Frei­be­trag zur Ver­fü­gung stehen.

[93] Ebd. (15 – ande­re Paginierung).

[94] HHStAW 685 109 a (17).

[95] Ebd. (16).

[96] https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​1​0​5​0​3​/​0​9​5​7​/​5​2​6​3​3​6​8​4​/​0​0​1​.​jpg. (Zugriff: 15.3.2022).

[97] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​6​1​6​6​5​/​i​m​a​g​e​s​/​4​8​7​4​1​_​b​4​2​9​0​4​4​-​0​0​1​9​6​?​p​I​d​=​9​9​803. (Zugriff: 15.3.2022).

[98] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​3​9​9​8​/​i​m​a​g​e​s​/​0​0​5​1​9​7​7​5​7​_​0​1​2​9​8​?​p​I​d​=​4​0​6​5​068. (Zugriff: 15.3.2022).

[99] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​2​1​1​8​/​i​m​a​g​e​s​/​B​0​1​9​9​1​6​-​0​0​1​1​6​?​p​I​d​=​3​9​2​721. (Zugriff: 15.3.2022).

[100] HHStAW 685 34 Ver­mö­gen­steu­er (o.P.). Die Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung wur­de erteilt.

[101] Ster­be­re­gis­ter Wies­ba­den 1914 /​ 1940.

[102] HHStAW 518 10032 (18) und HHStAW 518 37940 (29).

[103] HHStAW 518 37940 (15) und HHStAW 519/​3 2385 (8).

[104] HHStAW 519/​3 2385 (19). Der Ver­kauf wur­de gestattet.

[105] HHStAW 685 34 Ver­mö­gen­steu­er (2).

[106] Dass die Brie­fe von der Zen­sur geöff­net wur­den, ist dem Auf­kle­ber auf dem Umschlag zu ent­neh­men. Auf eine Kor­rek­tur von sprach­li­chen Feh­lern wur­de verzichtet

[107] Wer der genann­te Klaus ist, ist nicht bekannt. Ver­mut­lich han­delt es sich um Mari­an­nes dama­li­gen Freund, aber das ist unge­wiss. Wie sich aus dem Brief ergibt, müs­sen des­sen Eltern aber damals auch in Wies­ba­den gewohnt haben.

[108] HHStAW 519/​3 2385 (19). Auf ihrer Gestapo­kar­tei­kar­te ist aller­dings erst der 13. Mai als Umzugs­tag eingetragen.

[109] Ihr Todes­tag wur­de nach dem Ver­schol­len­en­ge­setz am 30. Juli 1958 auf den 31.12.1945 fest­ge­setzt, sie­he HHStAW 469/​33 4535 (24). Als falsch erwies sich der zunächst im Todes­er­klä­rungs­ver­fah­ren geäu­ßer­te Ver­mu­tung ihrer Toch­ter Mari­an­ne Bach­mann, ihre Mut­ter sei bei einem Auf­lauf vor dem Bahn­hof in Wies­ba­den erschos­sen wor­den. Sie­he ebd. (1).

[110] https://​www​.ancestry​.de/​f​a​m​i​l​y​-​t​r​e​e​/​p​e​r​s​o​n​/​t​r​e​e​/​2​8​8​1​9​5​0​2​/​p​e​r​s​o​n​/​2​4​2​1​5​7​4​3​4​7​0​9​/​f​a​c​t​s​?​_​p​h​s​r​c​=​E​k​t​5​2​2​9​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.3.2022).

[111] Zum Schick­sal der Fami­lie sie­he im Beson­de­ren http://www.geschichtsfreunde-rheindahlen.de/Personen/Juden/Gr%C3%BCnewald.pdf und https://​spu​ren​im​vest​.de/​2​0​2​1​/​0​2​/​0​7​/​k​l​e​e​b​e​r​g​-​c​a​e​c​i​l​ie/. (Zugriff: 15.3.2022).

[112] Hei­rats­re­gis­ter Cas­trop 76 /​ 1893.

[113] https://​spu​ren​im​vest​.de/​2​0​2​1​/​0​2​/​0​7​/​k​l​e​e​b​e​r​g​-​c​a​e​c​i​l​ie/. (Zugriff: 15.3.2022).

[114] HHStAW, 518 42784 (105).

[115] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​3​9​9​8​/​i​m​a​g​e​s​/​0​0​5​1​9​7​7​4​8​_​0​1​8​3​2​?​t​r​e​e​i​d​=​&​p​e​r​s​o​n​i​d​=​&​h​i​n​t​i​d​=​&​u​s​e​P​U​B​=​t​r​u​e​&​u​s​e​P​U​B​J​s​=​t​r​u​e​&​p​I​d​=​4​0​2​9​491. (Zugriff: 15.3.2022).

[116] Geburts­re­gis­ter Gus­torf 9 /​ 1887. Sei­ne Groß­el­tern waren Abra­ham Kauf­mann, gebo­ren 1793 in Gus­torf und Cuni­gun­de Schoen­feld, gebo­ren 1798 im benach­bar­ten Frim­mers­dorf. Infor­ma­ti­on des Stadt­ar­chivs Gre­ven­broich, sie­he auch http://​www​.fami​li​en​buch​-eure​gio​.de/​g​e​n​i​u​s​/​p​h​p​/​s​h​o​w​.​p​h​p​?​t​a​b​=​1​&​t​i​d​=​&​s​u​b​=​P​u​b​l​i​c​A​l​l​&​d​e​t​=​4​9​1​2​9​9​&​e​w​o​r​e​c​=​0​&​b​a​r​=​0​&​s​s​m​=​&​s​i​d​=​9​f​a​d​f​e​f​2​3​8​0​9​d​a​b​8​8​0​5​2​5​8​0​9​5​e​5​e​0​8​a​8​&​r​i​d​=​&​m​o​d​=​&​f​i​n​d​l​i​s​t​=​&​l​i​s​=​&​t​m​=​1​6​4​8​0​1​9​7​2​5​175. (Zugriff: 15.3.2022). Die Toch­ter von Cae­ci­lies Schwes­ter Hele­ne, Gre­te Herz, war mit Max Kauf­mann ver­hei­ra­tet, der eben­falls die­ser Gre­ven­broi­cher Fami­lie ent­stamm­te, wenn­gleich die genau­en ver­wandt­schaft­li­chen Bezie­hun­gen noch nicht geklärt wer­den konnten.

[117] Zum Trans­port sie­he Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 302 f.

[118] http://​www​.geschichts​freun​de​-rhein​dah​len​.de/​P​e​r​s​o​n​e​n​/​J​u​d​e​n​/​J​u​d​e​n​_​i​n​_​R​h​e​i​n​d​a​h​l​e​n​.​pdf. (Zugriff: 15.3.2022).

[119] https://​www​.holo​caust​.cz/​d​e​/​o​p​f​e​r​d​a​t​e​n​b​a​n​k​/​o​p​f​e​r​/​1​3​2​2​2​-​c​-​c​i​l​i​e​-​g​r​-​n​e​w​a​ld/. (Zugriff: 15.3.2022).

[120] https://​www​.ancestry​.de/​i​m​a​g​e​v​i​e​w​e​r​/​c​o​l​l​e​c​t​i​o​n​s​/​3​9​9​8​/​i​m​a​g​e​s​/​0​0​5​1​9​7​7​4​8​_​0​1​8​3​2​?​t​r​e​e​i​d​=​&​p​e​r​s​o​n​i​d​=​&​h​i​n​t​i​d​=​&​u​s​e​P​U​B​=​t​r​u​e​&​u​s​e​P​U​B​J​s​=​t​r​u​e​&​p​I​d​=​4​0​2​9​491. (Zugriff: 15.3.2022).

[121] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​1​0​1​7​4​6​7​:​7​9​4​9​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​f​4​b​6​a​c​b​4​1​8​b​4​5​5​3​d​c​5​9​5​9​e​5​4​c​1​6​c​9​5​8​0​&​_​p​h​s​r​c​=​i​j​1​-​1​7​2​6​7​3​2​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.3.2022).

[122] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​1​0​1​7​4​6​8​:​7​949. (Zugriff: 15.3.2022).

[123] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​1​0​1​7​4​4​8​:​7​9​4​9​?​t​i​d​=​&​p​i​d​=​&​q​u​e​r​y​I​d​=​3​1​1​d​c​d​e​0​1​b​1​9​8​d​2​b​7​c​1​a​a​2​a​d​2​9​9​e​7​b​1​e​&​_​p​h​s​r​c​=​E​k​t​5​2​5​8​&​_​p​h​s​t​a​r​t​=​s​u​c​c​e​s​s​S​o​u​rce. (Zugriff: 15.3.2022).

[124] http://​view​er​.yad​vas​hem​.org/​v​i​e​w​e​r​/​r​e​m​o​t​e​/​2​0​7​.​2​3​2​.​2​6​.​1​5​0​/​d​o​c​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​2​/​5​/​9​8​0​7​1​9​0​_​0​3​2​7​0​1​3​2​/​0​0​0​5​5​.​J​P​G​?​w​i​d​t​h​=​700. (Zugriff: 15.3.2022).

[125] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​3​8​1​6​1​5​8​:​5​180. (Zugriff: 15.3.2022).

[126] https://​www​.ancestry​.de/​d​i​s​c​o​v​e​r​y​u​i​-​c​o​n​t​e​n​t​/​v​i​e​w​/​3​8​1​6​2​1​4​:​5​180. (Zugriff: 15.3.2022).

[127] https://​de​.fin​da​gra​ve​.com/​m​e​m​o​r​i​a​l​/​1​5​0​6​4​5​3​7​/​i​n​g​e​-​f​r​a​n​k​e​n​s​t​ein. (Zugriff: 15.3.2022). Aus den Infor­ma­tio­nen zu die­ser Bestat­tung kann man auf der Sei­te erfah­ren, dass sie mit ihrem Ehe­mann 28 Jah­re lang eine Bäcke­rei in der Stadt betrie­ben hat­te, sich außer­dem in zwei Kran­ken­häu­sern ehren­amt­lich enga­giert hat­te. Sie war die Mut­ter von Sus­an und von der bereits ver­stor­be­nen Ruth und die Groß­mutter von Kim, Megan, Micha­el und Melis­sa sowie die Urgroß­mutter von Gabriel.

[128] https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/130299161?s=C%C3%A4cilie%20Vyth&t=532846&p=1. (Zugriff: 15.3.2022). In einer ‚Page of Tes­tim­o­ny’ sind ihre Eltern mit Oskar Mos­hea und Lil­ly Vyth, gebo­re­ne Bach­r­ach /​ Bacha­rach ange­ben, aber eine amt­li­che Bestä­ti­gung für die­se Anga­be konn­te nicht gefun­den wer­den, sie­he https://namesfs.yadvashem.org/YADVASHEM///28031712_460_6114/64.jpg. (Zugriff: 15.3.2022). Dem­nach wäre auch ihr Vater ermor­det wor­den, sie­he https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​1​4​8​6​5​7​9​&​i​n​d=1. (Zugriff: 15.3.2022). In Kal­kar gab es sehr vie­le Fami­li­en mit dem Namen Vyth, von denen vie­le nach Hol­land emi­griert waren und von denen es eini­gen gelun­gen war, zu über­le­ben. Auch in Mainz bzw. dann auch in Wies­ba­den gab es Able­ger die­ser Fami­lie. Auch Hugo Vyth, des­sen Frau Suse Sara, gebo­re­ne Isaac­son, die nach sei­nem Tod wie Klee­bergs Bewoh­ne­rin des Juden­hau­ses Bahn­hofstr. 46 war, gehör­te zu die­sem gro­ßen Fami­li­en­ver­band. Es ist daher nicht aus­ge­schlos­sen, dass sie und die Fami­lie Klee­berg über die­se aller­dings sehr weit­läu­fi­ge fami­liä­re Ver­bin­dung gemein­sam zu Bewoh­nern dort gewor­den waren.

[129] Lise­lot­te war am 31.3.1929 und Ani­ta Maria am 15.12.1931 gebo­ren wor­den. Geburts­an­ga­ben nach Yad Vashem.

[130] Sie­he zu Erich Grü­ne­walds Inhaf­tie­rung die Doku­men­te im Arol­sen-Archiv https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/3767069?s=Erich%20Gr%C3%BCnewald&t=1568&p=1
https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/4089449?s=Erich%20Gr%C3%BCnewald&t=1730&p=1
https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​1​3​8​0​1​/​0​0​2​7​/​1​1​8​5​8​2​6​7​2​/​0​0​1​.​jpg
https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​V​/​O​u​s​_​p​a​r​t​i​t​i​o​n​s​/​3​3​/​0​1​0​2​0​4​0​2​/​a​a​/​c​w​/​e​a​/​0​0​1​.​jpg
https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​1​3​5​0​2​/​0​0​0​5​/​1​1​3​9​5​8​9​5​5​/​0​0​1​.​jpg (Zugriff: 15.3.2022).

[131] https://​coll​ec​tions​-ser​ver​.arol​sen​-archi​ves​.org/​G​/​S​I​M​S​/​0​1​0​1​3​5​0​2​/​0​0​0​5​/​1​1​3​9​5​8​9​5​5​/​0​0​1​.​jpg. Wenn­gleich die genann­te Todes­ur­sa­che wenig über­zeu­gend erscheint, so konn­te ande­rer­seits auch für die Ver­mu­tung, Erich Grü­ne­wald habe bereits auf der Flucht nach Hol­land Selbst­mord began­gen, sie­he http://www.geschichtsfreunde-rheindahlen.de/Personen/Juden/Gr%C3%BCnewald.pdf, (Zugriff: 15.3.2022), kei­ne plau­si­blen Argu­men­te gefun­den wer­den. Dass er in Ravens­brück ums Leben kam, scheint evi­dent. Nicht aus­ge­schlos­sen ist aber, dass die Ein­lie­fe­rung auf die Kran­ken­sta­ti­on in Ora­ni­en­burg Fol­ge eines geschei­ter­ten Selbst­mord­ver­suchs war.

[132] https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​1​1​5​1​1​6​9​4​&​i​n​d=1, https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​1​1​5​1​0​8​1​8​&​i​n​d=1 und https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​1​1​5​1​1​6​7​7​&​i​n​d=1. (Zugriff: 15.3.2022).

[133] Zur Fami­lie Gum­prich sie­he http://​stol​per​stei​ne​-stein​furt​.de/​d​o​k​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​e​n​/​d​o​k​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​-​b​o​r​g​h​o​r​s​t​/3/. (Zugriff: 15.3.2022). Die hier vor­ge­tra­ge­nen Daten und Ereig­nis­se zu ihrem Schick­sal beru­hen, sofern nicht anders ver­merkt, auf den Recher­chen der Stein­fur­ter Stolperstein-Gruppe.

[134] http://​stol​per​stei​ne​-stein​furt​.de/​d​o​k​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​e​n​/​d​o​k​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​-​b​o​r​g​h​o​r​s​t​/2/. (Zugriff: 15.3.2022).

[135] HHStAW 518 42781 (26).

[136] HHStAW 518 42781 (10). In die­sem Doku­ment ist das Todes­jahr der Mut­ter fälsch­li­cher­wei­se mit 1945 angegeben.

[137] Zu die­sem Fami­li­en­zweig sie­he aus­führ­lich http://​www​.jue​di​scher​-fried​hof​-muens​ter​.de/​d​a​t​e​n​b​a​n​k​s​e​i​t​e​/​?​i​d​=​156#. (Zugriff: 15.3.2022).

[138] Rudolf wur­de 1923, Ruth-Emma 1925, Son­ja-Emma 1928 und die Zwil­lin­ge 1940 gebo­ren. Von Letz­te­ren ver­starb Dan etwa sie­ben Wochen nach der Geburt.

[139] Müns­ter­sche Zei­tung vom 13.3.2019.

[140] Sie­he ebd., dazu http://​www​.ns​-gedenk​staet​ten​.de/​n​r​w​/​d​r​e​n​s​t​e​i​n​f​u​r​t​/​f​o​r​s​c​h​u​n​g​-​u​n​d​-​p​r​o​j​e​k​t​e​.​h​tml und https://​www​.wn​.de/​m​u​e​n​s​t​e​r​l​a​n​d​/​k​r​e​i​s​-​w​a​r​e​n​d​o​r​f​/​d​r​e​n​s​t​e​i​n​f​u​r​t​/​f​l​u​c​h​t​-​n​a​c​h​-​u​r​u​g​u​a​y​-​2​0​6​6​977. (Zugriff: 15.3.2022). Sie­he zur Fami­lie Ter­hoch auch oben das Kapi­tel zu Emma Ter­hoch und ihren Töch­tern.

[141] Um das Inter­view, das im Inter­net unter https://​vha​-1usc​-1edu​-1vd5a2​vx​m00​b1​.pro​xy​.fid​-lizen​zen​.de/​v​i​e​w​i​n​g​P​a​g​e​?​t​e​s​t​i​m​o​n​y​I​D​=​4​4​3​9​7​&​r​e​t​u​r​n​I​n​d​e​x=0 ein­ge­stellt ist, (Zugriff: 15.3.2022), hören zu kön­nen, bedarf es einer geson­der­ten Lizenz. Die fol­gen­den Dar­le­gun­gen, auch die Daten, beru­hen im Wesent­li­chen auf den Anga­ben in die­sem Interview.

[142] https://​vha​-1usc​-1edu​-1vd5a2​vx​m00​b1​.pro​xy​.fid​-lizen​zen​.de/​v​i​e​w​i​n​g​P​a​g​e​?​t​e​s​t​i​m​o​n​y​I​D​=​4​4​3​9​7​&​r​e​t​u​r​n​I​n​d​e​x=0. (Zugriff: 15.3.2022).

[143] https://​www​.bun​des​ar​chiv​.de/​g​e​d​e​n​k​b​u​c​h​/​d​e​1​2​2​6​953. (Zugriff: 15.3.2022). Laut Todes­nach­richt soll er einem Herz­an­fall zum Opfer gefal­len sein, dass er erschla­gen wur­de, berich­te­ten ande­re Inhaf­tier­te nach ihrer Frei­las­sung Erna Simon. Ein Bru­der von Leo­pold war bereits zuvor von betrun­ke­nen Nazis erschla­gen worden.

[144] https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​i​n​d​e​x​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​a​d​v​a​n​c​e​d​S​e​a​r​c​h​=​t​r​u​e​&​l​n​_​v​a​l​u​e​=​S​i​m​o​n​&​l​n​_​t​y​p​e​=​s​y​n​o​n​y​m​s​&​f​n​_​v​a​l​u​e​=​E​r​n​a​&​f​n​_​t​y​p​e​=​s​y​n​o​n​y​m​s​&​m​n​_​v​a​l​u​e​=​G​u​m​p​r​i​c​h​&​m​n​_​t​y​p​e​=​s​y​n​o​n​y​m​s​&​c​l​u​s​t​e​r​=​t​rue. (Zugriff: 15.3.2022).

[145] Zu sei­nem Schick­sal sie­he http://​stol​per​stei​ne​-stein​furt​.de/​d​o​k​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​e​n​/​d​o​k​u​m​e​n​t​a​t​i​o​n​-​b​o​r​g​h​o​r​s​t​/3/. (Zugriff: 15.3.2022). Dazu https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​1​1​5​1​2​5​8​6​&​i​n​d=1 und https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​3​1​8​2​2​1​7​&​i​n​d=1. (Zugriff: 15.3.2022). Beim letz­ten Ein­trag ist aller­dings ein fal­sches Geburts­jahr ange­ge­ben, statt 1896 dort 1885.

[146] Umfas­send hat Hubert Rüt­ten das Schick­sal der Juden im ehe­ma­li­gen Land­kreis Erkel­enz auf­ge­ar­bei­tet und dabei auch das der Fami­li­en Strauß und Herz dar­ge­stellt. Vie­le der hier dar­ge­leg­ten Infor­ma­tio­nen ver­dan­ke ich sei­ner Ver­öf­fent­li­chung: Rüt­ten, Lebens­spu­ren – Spu­ren­su­che, 2008, S. 161–187 und S. 217–221. Die Anga­ben wur­den auch auf­ge­nom­men in http://​www​.fami​li​en​buch​-eure​gio​.de/​g​e​n​i​u​s​/​p​h​p​/​s​h​o​w​.​p​h​p​?​t​a​b​=​1​&​s​u​b​=​P​u​b​l​i​c​A​l​l​&​b​a​r​=​0​&​r​l​g​=​&​e​w​o​r​e​c​=​0​&​s​i​d​=​0​0​9​7​8​e​1​e​3​7​8​9​8​9​2​9​2​b​d​3​1​1​c​7​b​f​a​c​6​f​b​8​&​r​i​d​=​6​8​d​5​a​b​9​9​b​e​6​3​0​7​d​8​c​e​a​2​3​5​8​4​2​2​e​0​6​b​c​2​&​p​r​i​n​t​=​&​m​o​d​=​0​&​w​i​n​f​o​=​&​s​h​o​w​A​B​=​&​f​i​n​d​l​i​s​t​=​&​r​e​s​=​1​9​2​0​&​t​m​=​1​6​4​7​3​4​0​7​9​8​3​5​9​&​d​e​t​=​1​7​9​1​9​4#0. (Zugriff: 15.3.2022).

[147] Laut GENI, sie­he https://www.geni.com/people/Gertrud-Strau%C3%9F/6000000066451636851?through=6000000066450971821. (Zugriff: 15.3.2022).

[148] Rüt­ten, Lebens­spu­ren, S. 161–168.

[149] http://​www​.fami​li​en​buch​-eure​gio​.de/​g​e​n​i​u​s​/​p​h​p​/​s​h​o​w​.​p​h​p​?​t​a​b​=​1​&​t​i​d​=​&​s​u​b​=​P​u​b​l​i​c​A​l​l​&​d​e​t​=​1​4​3​3​1​1​&​e​w​o​r​e​c​=​0​&​b​a​r​=​0​&​s​s​m​=​&​s​i​d​=​4​d​8​7​3​4​7​d​a​1​0​e​d​a​e​9​2​6​4​f​6​4​8​7​2​e​6​c​f​a​8​e​&​r​i​d​=​&​m​o​d​=​&​f​i​n​d​l​i​s​t​=​&​l​i​s​=​&​t​m​=​1​6​4​7​4​2​9​6​2​2​791. (Zugriff: 15.3.2022). Sie­he hier auch die Anga­ben, auf die in der fol­gen­den Dar­stel­lung zurück­ge­grif­fen wird.

[150]

[151] Die bei­den Fami­li­en Klee­berg und Kauf­mann waren ver­mut­lich schon zuvor in eine ver­wandt­schaft­li­che Ver­bin­dung getre­ten, denn Mar­ga­re­tes Cou­si­ne Karo­la Grü­ne­wald hat­te 1923 Gus­tav Kauf­mann, aus Gus­torf /​ Gre­ven­broich gebür­tig, gehei­ra­tet. Aller­dings konn­ten die genau­en ver­wandt­schaft­li­chen Bezie­hun­gen bis­her nicht geklärt wer­den, da es sich bei der dor­ti­gen Fami­lie Kauf­mann um einen sehr gro­ßen und weit ver­zweig­ten Fami­li­en­ver­band han­delt. Der Max Kauf­mann, den Mar­ga­re­te Herz hei­ra­te­te, war am 20.9.1908 als Sohn von Joseph und Elka Kauf­mann, gebo­re­ne Fran­ken­tha­ler, zur Welt gekom­men. Sie­he Geburts­re­gis­ter Gin­dorf 17 /​ 1908.

[152] http://​www​.stein​heim​-insti​tut​.de/​c​g​i​-​b​i​n​/​e​p​i​d​a​t​?​i​d​=​e​r​k​-​2​5​&​l​a​n​g​=de. (Zugriff: 15.3.2022). Wie ihre Mut­ter hat­te auch sie eine katho­li­sche Schu­le, sogar eine Höhe­re Töch­ter­schu­le, besucht, die von Non­nen gelei­tet wurde.

[153] Es han­del­te sich um den Pro­ku­ris­ten einer Mön­chen­glad­ba­cher Tex­til­fir­ma, der die­se Funk­ti­on bei einer gan­zen Rei­he wei­te­rer Kin­der ausübte.

[154] Emil Vasen soll laut Gedenk­buch des Bun­des­ar­chivs Koblenz am 27.3.1905 gebo­ren wor­den sein.
Eine gewis­se Unklar­heit besteht im Hin­blick auf den Vor­na­men des Ehe­manns. Bei Rüt­ten, Lebens­spu­ren – Spu­ren­su­che, S. 164 ist der Name mit Emil Vasen ange­ge­ben, in den Ent­schä­di­gungs­ak­te des HHStAW 518 42781 (6) ist dage­gen von „Mar­ga­re­te, gebo­re­ne Herz, Wit­we Phil­ipp Vasen“ die Rede. Es ist aber von größ­ter Wahr­schein­lich­keit, dass es sich um die iden­ti­sche Per­son han­delt, die ent­we­der zwei Vor­na­men hat­te oder aber in einer der Quel­len ver­se­hent­lich ein fal­scher Vor­na­me ange­ge­ben wurde.

[155] https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​1​1​6​4​8​4​1​1​&​i​n​d=1. (Zugriff: 15.3.2022). Rüt­ten nennt als Ziel­ort der Depor­ta­ti­on von Emil Vasen das Ghet­to Lodz /​ Litz­mann­stadt, aller­dings mit einem Fra­ge­zei­chen ver­se­hen. Sie­he Rüt­ten, Lebens­spu­ren – Spu­ren­su­che, S.

[156] https://www.geschichtswerkstatt-dueren.de/dokumentation/juedisches-leben/a‑z/94-die-gerstenmuehle.

[157] Sie­he dazu https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​V​i​l​l​a​_​B​uth (Zugriff: 15.3.2022) und auch die Arbeit eines Kur­ses des ‚Hei­lig-Geist-Gym­na­si­ums’ von Wür­se­len, die sich inten­siv mit die­sem Haus und sei­nen Insas­sen beschäf­tigt haben, https://​www​.hgg​-broich​.de/​f​a​e​c​h​e​r​/​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​s​w​i​s​s​e​n​s​c​h​a​f​t​e​n​/​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​/​p​r​o​j​e​k​t​k​u​r​s​-​v​i​l​l​a​-​b​u​th/. (Zugriff: 15.3.2022).

[158] Rüt­ten, Lebens­spu­ren – Spu­ren­su­che, S. 166. Er erwähnt auch, dass in Düren es wei­te­re Fami­li­en gab, die bereit waren, das Kind bei sich aufzunehmen.

[159] Wie sehr Rosa und Hein­rich Lieck sich für das Kind ein­setz­ten, zeigt eine klei­ne Epi­so­de, die Rüt­ten wie­der­gibt: „Bei einem Bom­ben­an­griff wur­de das Wohn­haus der Fami­lie Lieck in Brand gesetzt, die drei ret­te­ten sich auf die Stra­ße. Hier bemerk­te Frie­de­ri­ke, dass ihre zwei Pup­pen noch im Haus waren. Herr Lieck lief dar­auf­hin in das bren­nen­de Haus, wo er die Pup­pe von Ani­ta Lich­ten­stein ret­ten konn­te.“ Ebd. Die­se Pup­pe hat­te eine beson­de­re Bedeu­tung für Frie­de­ri­ke, weil sie ihr von ihrer jüdi­schen Freun­din geschenkt wor­den war, bevor die­se mit ihren Eltern depor­tiert und in Maj­da­nek ermor­det wurde.

[160] Die Kar­te, in der die Mut­ter auf Infor­ma­tio­nen aus dem All­tags­le­ben ihrer Toch­ter reagiert, belegt, dass der Kon­takt wech­sel­sei­tig funk­tio­nier­te. Die Kar­te ist abge­druckt bei Rüt­ten, Lebens­spu­ren – Spu­ren­su­che, S. 167,

[161] Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 302 f.

[162] http://​www​.stein​heim​-insti​tut​.de/​d​a​t​e​n​/​p​i​c​s​e​r​k​/​x​l​/​0​0​2​5​_​e​r​k​_​2​0​1​1​_​j​m​n​.​png. (Zugriff: 15.3.2022).

[163] HHStAW 518 42781 (51, 62).

[164] Zur Fami­lie Elkan sie­he Hei­li­gen­pahl, Juden in Brü­nen, S. 130 f.

[165] Es waren drei Geschwis­ter Wert­heim, die den Kern der jüdi­schen Gemein­de in Brü­nen bil­de­ten, Johan­ne wird von Hei­li­gen­pahl als die Mut­ter der Elkan-Linie bezeich­net, ihre Schwes­ter Jet­te die der Pla­at-Linie und Isaak als Stamm­va­ter der dor­ti­gen Wert­heims. Sie­he ebd. S. 124.

[166] Ein Bru­der von Joseph war Levi Elkan, ver­hei­ra­tet mit Hen­ri­et­te Lee­ser. Deren Sohn Juli­us, ein Arzt mit einer Pra­xis in Mün­chen war mit der Wies­ba­de­ner Nel­ly Hirsch ver­hei­ra­tet, Toch­ter von Hein­rich Hirsch Hirsch und sei­ner Frau Ama­lie Loui­se, gebo­re­ne Bal­lin. Die bei­den waren Eigen­tü­mer der Vil­la Blu­men­str. 7 in Wies­ba­den, ein Haus, das spä­ter zu einem der dor­ti­gen Juden­häu­ser gemacht wur­de. Hein­rich Hirsch war bereits 1937 ver­stor­ben, sei­ne Frau wur­de am 1.9.1942 depor­tiert und kam in The­re­si­en­stadt ums Leben. Den vier Kin­dern des Paa­res gelang die recht­zei­ti­ge Flucht, sodass alle den Holo­caust über­leb­ten, auch Nel­lys Mann Juli­us Elkan. Sie­he aus­führ­lich zur Fami­lie Hirsch oben.

[167] Infor­ma­tio­nen des Stadt­ar­chivs Wesel.

[168] Geburts­re­gis­ter Wesel 430 /​ 1904 und 63 /​ 1907.

[169] Infor­ma­tio­nen des Stadt­ar­chivs Wesel. Mög­li­cher­wei­se war er woan­ders gebo­ren wor­den oder aber nach 1911. Die Mel­de­re­gis­ter nach 1911 wur­den im Zwei­ten Welt­krieg zerstört.

[170] HHStAW 519/​3 12409 (1)

[171] HHStAW 519/​3 12409.

[172] Ebd. (1 f.).

[173] Infor­ma­tio­nen des Stadt­ar­chivs Wesel.

[174] https://​www​.ushmm​.org/​o​n​l​i​n​e​/​h​s​v​/​p​e​r​s​o​n​_​v​i​e​w​.​p​h​p​?​P​e​r​s​o​n​I​d​=​1​2​9​9​9​113. (Zugriff: 15.3.2022).

[175] https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​1​1​4​9​2​7​0​5​&​i​n​d=1 und https://​yvng​.yad​vas​hem​.org/​n​a​m​e​D​e​t​a​i​l​s​.​h​t​m​l​?​l​a​n​g​u​a​g​e​=​e​n​&​i​t​e​m​I​d​=​4​2​3​4​4​5​5​&​i​n​d=1. Zugriff: 15.3.2022). In Kal­kar, wo die Fami­lie lan­ge leb­te, sind 4 Stol­per­stei­ne für die Ermor­de­ten gelegt wor­den, sie­he https://​www​.ushmm​.org/​o​n​l​i​n​e​/​h​s​v​/​p​e​r​s​o​n​_​v​i​e​w​.​p​h​p​?​P​e​r​s​o​n​I​d​=​1​2​9​9​9​113. (Zugriff: 15.3.2022). Auch die bei­den Kin­der Emma und Erich waren in Wes­ter­bork inter­niert, wur­den aber erst 4 Mona­te spä­ter in die Todes­fa­brik Sobi­bor über­führt und ermordet.

[176] http://​wiki​.archiv​-koeln​-nip​pes​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​t​i​t​l​e​=​G​u​m​m​i​-​P​l​aat. (Zugriff: 15.3.2022).

[177] Zur Fami­lie Pla­at sie­he Hei­li­gen­pahl, Juden in Brü­nen, S. 131 f.

[178] HHStAW 519/​3 12409 (8).

[179] Ebd. (9).