Edith Levy


Lanzstr. 6 heute
Das ehe­ma­li­ge Juden­haus Lanz­str. 6 heu­te
Eige­ne Aufnahme
Lage Lanzstr 6
Lage des ehe­ma­li­gen Juden­hau­ses Lanz­str. 6
Bele­gung des Jugend­hau­ses Lanz­str. 6

 

 

 

 

 


Auf der Gestapo­kar­tei­kar­te von Edith Levy fin­det man als ers­ten Adres­sen­ein­trag die Lanz­str. 6, aller­dings ohne Anga­be eines Ein­zugs­da­tums. Auch der nächs­te Ein­trag ist unda­tiert, sodass man nicht weiß, wann sie dort tat­säch­lich gewohnt hat. Obwohl die Kar­tei 1938 ange­legt wur­de,[1] also min­des­tens ein Jahr bevor es Pla­nun­gen zur Ein­rich­tung von Juden­häu­sern in Wies­ba­den gab, ist durch ande­re Doku­men­te gesi­chert, dass auch sie zu den Juden­haus­be­woh­nern zu zäh­len ist. Aller­dings ist nicht mehr fest­stell­bar, wie lan­ge sie sich tat­säch­lich dort aufhielt.

Stammbaum Levy Bierstadt
Aus­schnitt aus dem Stamm­baum der Fami­lie Levy aus Bier­stadt
GDB

Über­haupt weiß man nur wenig über die­se Frau, deren Leben in Wies­ba­den bis zu ihrem Abtrans­port nach Sobi­bor weit­ge­hend unschein­bar ver­lief. Das man so wenig über sie weiß, ist umso erstaun­li­cher, als sie aus einer der gro­ßen, alt­ein­ge­ses­se­nen jüdi­schen Fami­li­en des frü­he­ren Wies­ba­de­ner Vor­orts Bier­stadt stamm­te. Ihre Vor­fah­ren las­sen sich fünf Gene­ra­tio­nen bis ins frü­he 18. Jahr­hun­dert zurückverfolgen.

David ha-Levi
Grab­stein von David ha-Levi auf dem Alten Jüdi­schen Fried­hof Schö­ne Aus­sicht in Wies­ba­den
https://​www​.lagis​-hes​sen​.de/img​/juf​/s2​/WiesbadenAlt-106_V.jpg

Der Urur­groß­va­ter Joseph David, der den Fami­li­en­na­men Levy annahm, war am 21. Janu­ar 1775 schon in Bier­stadt als Sohn von David ha- Levi und sei­ner Frau Schön­chen gebo­ren wor­den.[2] Joseph David hat­te mit sei­ner 1799 im benach­bar­ten Klop­pen­heim geehe­lich­ten Frau Ester Moses ins­ge­samt neun Kin­der, wor­aus sich logisch die gro­ße Zahl der Nach­kom­men des Urahns ergibt.[3] Sein zweit­äl­tes­ter Sohn Jakob Joseph Levy, gebo­ren am 5. Febru­ar 1803, hei­ra­te­te am 31. März 1844 die eben­falls aus Klop­pen­heim stam­men­de Hind­le /​ Hann­chen Moses. Sie war am 8. Janu­ar 1807 gebo­ren wor­den und hat­te noch vor der Hoch­zeit den fes­ten Fami­li­en­na­men Kahn ange­nom­men. In die­ser Ehe kamen, soweit bekannt, nur drei, eigent­lich sogar nur zwei Kin­der zur Welt, was allein des­halb nicht ver­wun­der­lich ist, als die Gat­tin zum Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung bereits 37 Jah­re alt war. Ihr ers­ter Sohn Moses war näm­lich etwa einen Monat vor der offi­zi­el­len Hoch­zeit am 3. Febru­ar 1844 gebo­ren wor­den.[4] Die Hoch­zeit fand dann am 31. März in Bier­stadt statt.[5] Am 4. Okto­ber 1846 folg­ten ihm noch der Bru­der Abra­ham und am 26. Sep­tem­ber 1848 die Schwes­ter Hann­chen /​ Johan­na.[6]

Fami­li­en Levy in Bier­stadt
Wies­ba­de­ner Adress­buch 1890/​91

Offen­bar waren die Levys, wie auch die Juden sonst in den länd­li­chen Gemein­den, weit­ge­hend im Han­del aktiv. Im ers­ten Adress­buch von Bier­stadt aus dem Jahr 1890/​91 fin­det man Abra­ham als Han­dels­mann, David als Geflü­gel­händ­ler, Moses I als Vieh- und Frucht­händ­ler und Moses II, der Groß­va­ter von Edith Levy, als Manu­fak­tur­wa­ren­händ­ler. Wäh­rend die ers­ten drei Genann­ten jeweils Eigen­tü­mer ihrer Häu­ser waren, wohn­te Moses II offen­bar zur Mie­te in der Sand­bach­str. 7. Ein gro­ßes Ver­mö­gen wird er also kaum beses­sen haben. Da es auch kei­ne Steu­er­un­ter­la­gen aus die­sen Jah­ren gibt, muss auch der Umfang sei­ner Unter­neh­mun­gen im Dunk­len bleiben.

Wann Moses Levy sei­ne Ehe mit Jet­te Neu­mann, gebo­ren in Spach­brü­cken im Kreis Die­burg ein­ging, ist nicht bekannt. Sie erscheint nur als Mut­ter ihres gemein­sa­men Soh­nes Simon in des­sen Hei­rats­ur­kun­de. Simon war am 8. Febru­ar 1872 selbst auch im Geburts­ort der Mut­ter, in Spach­brü­cken, gebo­ren wor­den,[7] was die Ver­mu­tung begrün­det, dass die Geburt ver­mut­lich nicht ehe­lich war und der Sohn zunächst auch bei der Mut­ter auf­wuchs. Wann die Fami­lie dann in Bier­stadt zusam­men­kam, ließ sich nicht mehr feststellen.

Simon blieb das ein­zi­ge Kind in die­ser Bezie­hung. Jet­te Levy ver­starb am 9. Sep­tem­ber 1890 in Bier­stadt.[8]

Moses II war nach dem Tod sei­ner ers­ten Frau um das Jahr 1896 in Bier­stadt in die Honig­gas­se 12 gezo­gen und hat­te die bis­he­ri­ge Woh­nung in der Sand­bach­str. 7 sei­nem Sohn Simon über­las­sen. Wer von bei­den das Geschäft unter wel­cher Adres­se wei­ter­führ­te, lässt sich aus den Ein­tra­gun­gen der fol­gen­den Adress­bü­cher nicht sicher ent­neh­men. Zwar heißt es bei Moses II immer „Manu​fac​turw​.​-Hdl.“, aber auch bei Simon fin­det man den Zusatz „Han­dels­mann“. Ver­mut­lich lief das Geschäft wei­ter als gemein­sa­mer Fami­li­en­be­trieb, in dem die wohl eher kar­gen Erträ­ge nach dem jewei­li­gen Bedarf ver­teilt wurden.

Und der Bedarf von Simon stieg ver­mut­lich an, nach­dem er am 18. März 1895 in Hel­den­ber­gen, dem Geburts- und Wohn­ort sei­ner Braut, Lina Scheu­er, gehei­ra­tet hat­te.[9] Sie war am 7. Juni 1870 als Toch­ter des Metz­gers Selig­mann Scheu­er III und sei­ner Frau Mina, gebo­re­ne Gei­er, in der Gemein­de im heu­ti­gen Main-Kin­zig-Kreis zur Welt gekommen.

Die Ehe – so könn­te man sagen – stand unter kei­nem guten Stern. Sie­ben Kin­der wur­den gebo­ren, aber nur drei erreich­ten das Erwach­se­nen­al­ter. Juli­us Jakob, der am 26. August 1895 schon 5 Mona­te nach der Hoch­zeit zur Welt kam, wur­de nur knapp zwei Mona­te alt.[10] Mina, gebo­ren am 27. Okto­ber 1896, ver­starb nach acht Mona­ten am 22. Juni 1897.[11] Die bei­den fol­gen­den Töch­ter Jen­ny, gebo­ren am 24. April 1898,[12] und Rosa, gebo­ren am 7. April 1899,[13] gehö­ren zu den­je­ni­gen, die nicht bereits im Klein­kind­al­ter zu Tode kamen. Isi­dor, gebo­ren am 28. Juli 1901, wur­de nur etwa eine Woche alt [14] und Hil­da, gebo­ren am 22. Dezem­ber 1907, ver­starb eben­falls, bevor sie das ers­te Lebens­jahr erreich­te.[15] Die letzt­ge­bo­re­ne Edith, die spä­te­re Bewoh­ne­rin der Lanz­str. 6, kam am 8. August 1913 zur Welt.[16] Sie fiel mit 31 Jah­ren dem Ras­sen­hass der Nazis zum Opfer.

Die Todes­ur­sa­chen für die rela­tiv hohe Kin­der­sterb­lich­keit in der Fami­lie Levy zu Zei­ten, in denen Hygie­ne­män­gel kaum mehr die­se Rol­le gespielt haben kön­nen, sind selbst­ver­ständ­lich nicht bekannt. Was immer die Grün­de waren, für die Fami­lie und beson­ders die Eltern muss der wie­der­hol­te Ver­lust der Kin­der uner­träg­li­ches Leid bedeu­tet haben.

 

Sand­bach­str. 9 in Bier­stadt
Eige­ne Aufnahme

Zur Jahr­hun­dert­wen­de wech­sel­te Moses Levy II für sich und sei­ne Fami­lie noch ein­mal die Unter­kunft in Bier­stadt. Er zog in die Schwarz­gas­se 9, wo er die nächs­ten zehn Jah­re blieb. Am 15. August 1905 ging der Wit­wer im Alter von 61 Jah­ren nach dem Tod von Jet­te Levy noch eine zwei­te Ehe ein. Die Braut Karo­li­ne Dorf­zaun war am 8. Mai 1853 im unter­frän­ki­schen Rödel­mai­er bei Neu­stadt an der Saa­le gebo­ren wor­den. Zum Zeit­punkt der Ehe­schlie­ßung wohn­te sie in Frank­furt am Main, wo auch die stan­des­amt­li­che Urkun­de aus­ge­fer­tigt wor­den war.[17] Nach dem Tod ihres Vaters, des Kauf­manns und Schnei­der­meis­ters Abra­ham Dorf­zaun, war auch Karo­li­nes Mut­ter Pau­li­ne Dorf­zaun, gebo­re­ne Gold­schmidt, in die Main­me­tro­po­le gekom­men. Karo­li­ne zog aber nach der Ehe­schlie­ßung zu ihrem Mann Moses nach Bier­stadt. Die Ehe währ­te nur fünf Jah­re, denn am 29. April 1910 ver­starb Moses Levy II in sei­ner Hei­mat­ge­mein­de im Alter von 66 Jah­ren.[18]

Das Grab von Karo­li­ne Levy, geb. Dorf­zaun, auf dem Fried­hof der Heil­an­stalt Eich­berg
Mit Dank an H. Kröner

Die Wit­we blieb zunächst wei­ter in der Schwarz­gas­se 10 woh­nen. 1912 zeig­ten sich dann rela­tiv plötz­lich ers­te Sym­pto­me einer psy­chi­schen Erkran­kung, die dazu führ­ten, dass sie noch im sel­ben Jahr in die Heil- und Pfle­ge­an­stalt Eich­berg bei Kied­rich ein­ge­lie­fert wer­den muss­te.[19] Ihr Schwa­ger, der Metz­ger Juli­us Levy aus Bier­stadt, über­nahm die Vor­mund­schaft für die erkrank­te Frau, die, obwohl noch dort gemel­det, im Som­mer 1912 zeit­wei­se als Obdach­lo­se in Wies­ba­den umher­irr­te. Auch war sie inhaf­tiert wor­den, weil sie sich in teu­re Hotels ein­mie­te­te, ohne die Rech­nun­gen bezah­len zu kön­nen. Am 28. Janu­ar 1915 ver­starb sie nach einem etwa drei­jäh­ri­gen Auf­ent­halt auf dem Eich­berg, ohne dass sich ihr Zustand noch ein­mal ver­bes­sert hät­te.[20]

Auch Simon Levy, der Vater von Edith, war zu Beginn des neu­en Jahr­hun­derts erneut umge­zo­gen, bewohn­te ab 1902/​03 die Wies­ba­de­ner Str. 11 in Bier­stadt und dann ab 1907/​08 die dor­ti­ge Wil­helm­str. 27. 1910 kam er wie­der zurück in die Sand­bach­str 9. In den fol­gen­den Jah­ren wech­seln die Adres­sen fast jähr­lich und man muss zumin­dest infra­ge stel­len, ob die Anga­ben in den Adress­bü­chern tat­säch­lich die Wohn­ge­schich­te der Fami­lie rich­tig wider­spie­geln. Auf die Sand­bach­str. 9 folgt das dor­ti­ge Haus mit der Num­mer 2, dann für drei Jah­re die Schul­gas­se 9. 1916 ist er dann wie­der zurück in der Wil­helm­str. 27, die dann bis zu sei­nem Tod am 23. Mai 1922, ver­ur­sacht durch einen Schlag­an­fall, die Adres­se der Fami­lie blieb. Auch danach blieb die Mut­ter mit ihren drei Töch­tern, die alle den Beruf einer Ver­käu­fe­rin aus­üb­ten, dort woh­nen. Wo die­se eine Anstel­lung gefun­den hat­ten, ließ sich nicht mehr ermit­teln. Dass sie aber nicht nur zu Hau­se im eige­nen Laden tätig waren, lässt sich zumin­dest für Jen­ny nach­wei­sen, die durch die Kran­ken­kas­se des Gewerk­schafts­bun­des für Ange­stell­te ver­si­chert war.[21] Die Umsät­ze im eige­nen Betrieb hät­ten wahr­schein­lich auch kaum für den Lebens­un­ter­halt von vier Per­so­nen aus­ge­reicht. Zudem ist auch nicht klar, ob das Geschäft nach dem Able­ben von Simon Levy über­haupt noch wei­ter­ge­führt wurde.

Die Wies­ba­de­ner Str. 27, die heu­ti­ge Patrick­stra­ße, in der die Fami­lie Levy so gro­ßes Leid erfah­ren muss­te
Eige­ne Aufnahme

Wie wenig Bier­stadt und im Beson­de­ren das Haus in der Wil­helm­str. 27 für die vier Frau­en noch ein Ort der Sicher­heit und Gebor­gen­heit war, kann man an dem erschüt­tern­den Schick­sal von Rosa nach­voll­zie­hen. 1922 wur­de bei ihr Krebs dia­gnos­ti­ziert, wor­auf sie eine Bestrah­lung in den städ­ti­schen Kli­ni­ken erhielt, bei der es aber zu einem ärzt­li­chen Kunst­feh­ler gekom­men sein muss. Sie war dadurch arbeits­un­fä­hig gewor­den, was aber nicht das Mit­leid der übri­gen Haus­be­woh­ner und Nach­barn her­vor­rief, son­dern die übels­ten Anfein­dun­gen. Ihr behan­deln­der Arzt berich­te­te spä­ter in einem Brief über das ihr damals ange­ta­ne Leid:
“Unter dem Ein­fluss die­ser Beschwer­den, anschei­nend sehr ungüns­ti­ger häus­li­cher Ver­hält­nis­se und den Sti­che­lei­en der lie­ben Nach­barn und Haus­mit­be­woh­ner, denen wohl nicht in den Kopf woll­te, dass ein anschei­nend gesun­des Mäd­chen nichts tat, son­dern auch noch Inva­li­den­ren­te bezog, tra­ten bei der sehr geis­tes­fri­schen und unter der erzwun­ge­nen Untä­tig­keit selbst am meis­ten lei­den­den Pati­en­tin im Lau­fe des Som­mers 1925 immer häu­fi­ger Depres­si­ons­zu­stän­de, Wein­krämp­fe, Schlaf­lo­sig­keit ect. auf. Gegen Herbst 1925 erlitt sie durch einen Haus­be­woh­ner eine Miss­hand­lung, die zu einer Gerichts­ver­hand­lung führ­te.
Bei dem Bericht, den mir Frl. Levy eini­ge Tage nach der Ver­hand­lung über die­se gab, fie­len mir die ers­ten Wahn­ideen auf. Sie fühl­te sich von dem Rich­ter nicht ernst genom­men, als halb unzu­rech­nungs­fä­hig behan­delt. Auch habe der Rich­ter das von mir aus­ge­stell­te Attest über die Spu­ren der Miss­hand­lung nicht ordent­lich gele­sen und weg­wer­fend behan­delt. Auch die ver­häng­te Stra­fe schien ihr zu gering. Das Gan­ze führ­te sie auf Intri­gen des ihr nicht wohl­ge­sinn­ten Bür­ger­meis­ters zurück, da der Ange­klag­te ein sehr ein­fluss­rei­cher Mann sei.
In der Fol­ge erzähl­te mir Frl. Levy öfters, dass sie von dem Ver­ur­teil­ten und sei­ner Frau bedroht und beschimpft wor­den sei. Anschei­nend ist auch im Anschluss an die­sen Pro­zess eine Unter­su­chung wegen Mein­eids gegen die Mut­ter Frl. Levy’s eröff­net wor­den.“
[22]

Auch wenn mög­li­cher­wei­se eine gene­ti­sche Dis­po­si­ti­on für die damals aus­bre­chen­de Schi­zo­phre­nie kon­sta­tiert wer­den muss, so war sicher nicht nur sub­jek­tiv die bedroh­lich emp­fun­de­ne Situa­ti­on im nähe­ren Umfeld ein Aus­lö­ser für die schwe­re Erkran­kung. Ob bei die­sen geschil­der­ten Anfein­dun­gen anti­se­mi­ti­sche Ein­stel­lun­gen eine Rol­le spiel­ten, ist heu­te nicht mehr nach­voll­zieh­bar, aus­zu­schlie­ßen ist das aber sicher nicht. Dass die Gehäs­sig­kei­ten sich nicht nur gegen Rose, son­dern offen­bar gegen die gan­ze Fami­lie rich­te­ten, zeigt die Kla­ge gegen die Mut­ter.
Am 11. Dezem­ber 1925 war Rosa Levy zunächst in die geschlos­se­ne Abtei­lung des Städ­ti­schen Kran­ken­hau­ses Wies­ba­den ein­ge­lie­fert wor­den, von wo sie dann auf Anra­ten des oben zitier­ten Arz­tes in ein Erho­lungs­heim in Win­kel im Rhein­gau gebracht wur­de. Nach kur­zei­ti­ger Bes­se­rung ihres Zustan­des durf­te sie wie­der besuchs­wei­se nach Bier­stadt. Mit die­ser Kon­fron­ta­ti­on bra­chen die alten Ängs­te wie­der auf und Rosa beging sogar einen Sui­zid­ver­such – „sie woll­te ins Was­ser gehen“ heißt es in der Krankenakte.

Das nahe Ende von Rosa Levy
HHStAW 430/​1 8165 (28)

Am 25 Janu­ar 1926 wur­de sie nach Hada­mar gebracht, wo sie die fol­gen­den zwei­ein­halb Jah­re blieb, ohne dass sich ihr Zustand ver­bes­ser­te. Ent­kräf­tet und abge­ma­gert kam sie am 14. August 1928 auf den Eich­berg, von wo aus man der Mut­ter, die damals immer noch in der Wil­helm­stra­ße wohn­te, am 28. Dezem­ber 1928 per „Draht­nach­richt“ mit­teil­te, dass ihre „Toch­ter Rosa schwer erkrankt“ sei und Lebens­ge­fahr bestehe.[23] Noch am sel­ben Tag ver­starb sie in der dor­ti­gen Heil- und Pfle­ge­an­stalt. Am Sil­ves­ter wur­de sie auf dem dor­ti­gen Fried­hof bei­gesetzt.[24]

Ob ihre Mut­ter, die in dem zitier­ten Brief an den Arzt von ihrer Toch­ter als „hilf­los“ bezeich­net wur­de, oder ihre Schwes­tern sie besuch­ten oder ihr auf ande­re Wei­se Bei­stand leis­te­ten, ist nicht bekannt. Zumin­dest in der letz­ten Pha­se ihrer Krank­heit war auch ihre Schwes­ter Jen­ny nicht mehr in Wies­ba­den. Sie hat­te am 22. Mai 1928 den Mann­hei­mer Kauf­mann Mar­tin Jacob gehei­ra­tet.[25]

Jen­ny Jacob
Mar­tin Jacob

 

Das kin­der­los geblie­be­ne Paar konn­te im Sep­tem­ber 1938 von Rot­ter­dam aus mit dem Schiff „Sta­ten­dam“ nach New York aus­rei­sen.[26] Auf den Papie­ren ist als ihr letz­ter Wohn­ort in Deutsch­land Köln ange­ge­ben. Nicht klar ist, ob sie dort schon län­ger gemel­det waren oder ob es sich nur um eine Zwi­schen­sta­ti­on auf ihrem Weg nach Ame­ri­ka han­del­te. In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten stand ihnen in Chi­ca­go ein Cou­sin namens Bow­mann als ers­ter Kon­takt zur Sei­te. Dort, in der Metro­po­le an den Gro­ßen Seen, lie­ßen sich Jen­ny und Mar­tin Jacob dann auch auf Dau­er nie­der. Bei­de fan­den bald eine Anstel­lung in einer Mie­der­wa­ren­fa­brik, wo Mar­tin als „Cut­ter“, Zuschnei­der, und sei­ne Frau als Inspek­to­rin auch in den fol­gen­den Jah­ren ihren Arbeits­platz hat­ten.[27]

Jen­ny und Mar­tin Jacob in der Volks­zäh­lung 1940
https://​www​.ancestry​.de/discoveryui-content​/view​/144511010:2442​?tid=&pid=&queryId=d317e25c-ddc5-4aa7-a987-c4baab36af59&_phsrc=svo3378&_phstart=successSource

Im Febru­ar 1942 wur­de Mar­tin Jacob für die ame­ri­ka­ni­sche Armee regis­triert, ob er noch zum Kriegs­ein­satz kam, ist nicht bekannt.[28] 1944 erhiel­ten sie dann die Ein­bür­ge­rungs­ur­kun­de der Ver­ei­nig­ten Staa­ten.[29]

Das Grab von Jen­ny Jacob, geb. Levy, in Chi­ca­go
https://​images​.fin​da​gra​ve​.com/photos​/2017​/291​/184417760_1508445257.jpg

 

Als die Pha­se der schlimms­ten Ver­fol­gung in Deutsch­land begann, leb­ten somit nur noch die Mut­ter Lina und die jüngs­te Toch­ter Edith in Wies­ba­den. Bis 1934 hat­ten bei­de noch in der Wil­helm­str. 27 aus­ge­harrt, erst danach waren sie noch ein­mal in Bier­stadt in die Hof­mann­str. 15 umge­zo­gen, wo sie dann min­des­tens bis 1938 blie­ben. Mit die­ser Anschrift sind sie auch im Jüdi­schen Adress­buch von 1935 eingetragen.

Die Villa in der Lanzstr. 4 war baugleich mit der im Krieg zerstörten Lanzstr. 6 Mit Dank an Herrn D. Schaller
Die Vil­la in der Lanz­str. 4 war bau­gleich mit der im Krieg zer­stör­ten Lanz­str. 6
Mit Dank an Herrn D. Schaller

Auf ihrer Gestapo­kar­tei­kar­te ist für Lina Levy fest­ge­hal­ten, dass sie „arbeits­un­fä­hig, lei­dend“ sei. Aller­dings wur­de die­ser Ein­trag nicht schon bei der Anla­ge der Kar­te, son­dern spä­ter vor­ge­nom­men. Erstellt wur­de die Kar­tei­kar­te mög­li­cher­wei­se nach ihrem Umzug von Bier­stadt in die Innen­stadt. Als ers­te Adres­se ist dar­auf lei­der ohne Datum die Tau­nus­str. 55 fest­ge­hal­ten. Weder ist auf der Kar­te von Edith die­se Anschrift, noch die fol­gen­de ihrer Mut­ter in der Schier­stei­ner Str. 4 ver­merkt, wo die­se vom 17. Febru­ar bis zum 29. Juni 1939 wohn­te. Man muss daher davon aus­ge­hen, dass Mut­ter und Toch­ter sich mit dem Weg­zug aus Bier­stadt zunächst trenn­ten. Ihre Schwes­ter Jen­ny gab im Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren an, dass Edith ihren frü­he­ren Beruf als Ver­käu­fe­rin habe auf­ge­ben und sich als Haus­an­ge­stell­te habe ver­din­gen müs­sen. Das ist wohl auch der Grund, wes­halb auf ihrer Gestapo­kar­tei­kar­te die Lanz­str. 6 als ers­te Anschrift zu fin­den ist. Nicht mehr fest­stell­bar ist, ob sie damals bei den Haus­ei­gen­tü­mern May­er oder den 1938 gera­de ein­ge­zo­ge­nen Mie­tern Jacob­sohn eine Anstel­lung gefun­den hatte.

edith levy
Ver­mö­gens­er­klä­rung von Edith Levy 1940
HHStAw 519/​3 3441 (3)

Am 17. Febru­ar 1939 zog Lina Levy in die Neu­gas­se 3 und auch bei ihrer Toch­ter ist als nächs­te Wohn­an­schrift die­se Adres­se ein­ge­tra­gen, aller­dings auch dies­mal ohne Datum. Zwar wer­den bei­de dort zusam­men gewohnt haben, aber mit Sicher­heit sind sie zu unter­schied­li­chen Zeit­punk­ten dort ein­ge­zo­gen. Als die Devi­sen­stel­le in Frank­furt am 16. April 1940 eine soge­nann­te „JS-Map­pe“, eine Kon­troll­ak­te für jüdi­sche Ver­mö­gens­wer­te, anleg­te, wohn­te Edith noch in der Lanz­str. 6.[30] Man hat­te ihr damals die Ver­fü­gung über ihr Eigen­tum beschränkt und ihr vor­läu­fig 300 RM monat­lich zur frei­en Ver­fü­gung belas­sen. Die Auf­la­ge war mit der Abga­be einer Ver­mö­gens­er­klä­rung ver­knüpft, die sie am 26. des Monats bei der Behör­de ein­reich­te. Dar­in gab sie an, kei­ner­lei eige­nes Ver­mö­gen zu besit­zen. „Ich habe 43 RM Monats­lohn bei frei­er Sta­ti­on“, füg­te sie bei der Fra­ge nach dem monat­li­chen Ein­kom­men hin­zu.[31] Dem­nach wohn­te sie zu die­sem Zeit­punkt noch immer in der inzwi­schen zum Juden­haus gewor­de­nen Vil­la. Von dem Lohn gab sie fast die Hälf­te, näm­lich 20 RM, an ihre Mut­ter ab. Ange­sichts die­ser finan­zi­el­len Situa­ti­on ver­zich­te­te die Devi­sen­stel­le auf die Ein­rich­tung eines Sicher­heits­kon­tos, erlaub­te, dass sie ihren Lohn in bar ent­ge­gen­neh­men dür­fe, und setz­te den monat­li­chen Frei­be­trag auf 150 RM her­ab.[32]

Wann das Arbeits­ver­hält­nis auf­ge­löst wur­de und Edith Levy dann auch in die Neu­gas­se zu ihrer Mut­ter zog, ist nir­gend­wo fest­ge­hal­ten. Aber auch hier – so ist der Zusatz „bei Golomb“ sicher zu ver­ste­hen – war der Ein­zug mit einer Tätig­keit als Haus­halts­hil­fe ver­bun­den. Eigent­lich konn­te sich der ehe­ma­li­ge Wäsche­ver­tre­ter und inzwi­schen ver­arm­te, auf die Für­sor­ge ange­wie­se­ne Leon Golomb eine Haus­häl­te­rin kaum leis­ten. Aber viel­leicht hat­te man ein Arran­ge­ment getrof­fen, denn er war krank und zwei­fel­los auf Hil­fe ange­wie­sen, zumal sei­ne Frau im März 1938 ver­stor­ben war.[33] Die bei­den Töch­ter waren zwi­schen­zeit­lich bis zu ihrer Aus­rei­se nach Eng­land in Mün­chen unter­ge­bracht wor­den, sodass in der Woh­nung hin­rei­chend Platz war. Viel­leicht wur­de die Miet­zah­lung mit einer ent­spre­chen­den Leis­tung im Haus­halt ver­rech­net, sodass bei­den Par­tei­en gehol­fen war. Natür­lich ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass es sich auch um eines der übli­chen Unter­miet­ver­hält­nis­se han­del­te, wie sie nach den neu­en Miet­ge­set­zen für Juden und mit der Ein­rich­tung der Juden­häu­ser immer häu­fi­ger zustan­de kamen.

In der Neu­gas­se blie­ben Lina und Edith Levy die fol­gen­de ihnen noch in Wies­ba­den ver­blei­ben­de Zeit zusam­men woh­nen, bei Edith unter­bro­chen durch einen etwa vier­wö­chi­gen Auf­ent­halt im Juden­haus Adel­heidstr. 94. Laut ihrer Gestapo­kar­tei­kar­te wohn­te sie vom 31. Okto­ber 1940 bis zum 30. Novem­ber dort bei dem Ehe­paar Mor­genthau, wo sie ver­mut­lich für kur­ze Zeit eben­falls als Haus­an­ge­stell­te tätig war. Anschlie­ßend kam sie wie­der zurück in die Neu­gas­se, wo sie und ihre Mut­ter sich die Woh­nung im zwei­ten Stock mit dem Haupt­mie­ter Leon Golomb, dem Ehe­paar Pews­ner [34] und zuletzt noch mit Hein­rich Sichel tei­len muss­ten. [35]

Edith Levy
Edith Levy als Zwangs­ar­bei­te­rin bei Blend­ax
HHStAW 519/​3 3441 (5)

Spä­tes­tens ab Mai 1941 war Edith Levy nicht mehr als Haus­an­ge­stell­te beschäf­tigt, son­dern jetzt Zwangs­ar­bei­te­rin für die Blend­ax-Wer­ke in Mainz. In einem Schrei­ben der Fir­ma an die Devi­sen­stel­le frag­te die­se an, ob sie die Löh­ne für drei – alle in Wies­ba­de­ner Juden­häu­sern leben­de Frau­en – in bar aus­zah­len dür­fe, was dann auch geneh­migt wur­de.[36] Ein letz­tes Lebens­zei­chen von ihrer Schwes­ter hat­te Jen­ny Jacob noch im August 1941 erhal­ten. Der Umschlag des Brie­fes – lei­der ist die­ser selbst in der Ent­schä­di­gungs­ak­te nicht ent­hal­ten – war von der Zen­sur geöff­net wor­den, bevor er über den Oze­an geschickt wur­de. Man fragt sich unwei­ger­lich, was dar­in gestan­den haben könn­te: ein Hil­fe­ruf, ein paar wohl­ge­wähl­te Wor­te zur  Beru­hi­gung der Schwes­ter oder eine nüch­ter­ne Situationsbeschreibung?

Auch für ihre Mut­ter war im April 1940 eine „JS-Map­pe“ ange­legt wor­den und auch sie hat­te eine Ver­mö­gens­er­klä­rung abzu­ge­ben. Genau­so wie bei ihrer Toch­ter waren die Ein­tra­gun­gen zum Ver­mö­gen leer geblie­ben. Sie besaß nichts, war viel­mehr, wie sie anmerk­te, „Wohl­fahrts­emp­fän­ge­rin“ der jüdi­schen Kul­tus­ge­mein­de.[37] Auch bei ihr wur­de ent­spre­chend auf die Errich­tung eines Siche­rungs­kon­tos ver­zich­tet und der monat­li­che Frei­be­trag auf 150 RM fest­ge­setzt.[38]

Über das letz­te Jahr, das Lina und Edith Levy im Haus in der Neu­gas­se ver­brach­ten, lie­gen kei­ne Infor­ma­tio­nen mehr vor. Als Jen­ny nach dem Krieg das Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren für ihre Schwes­ter in Gang setz­te, war sie davon aus­ge­gan­gen, dass ange­sichts des Alters­un­ter­schieds ihre Schwes­ter die Mut­ter über­lebt haben muss­te. Dem war nicht so. Edith wur­de bei der gro­ßen Depor­ta­ti­on, die Wies­ba­den am 10. Juni 1942 ver­ließ, nach Lub­lin gebracht und dann, so haben Nach­for­schun­gen über die­sen Trans­port erge­ben, anschlie­ßend nach Sobi­bor gebracht, wo sie wahr­schein­lich mit den ande­ren unmit­tel­bar nach der Ankunft dort im Gas umge­bracht wur­de. Auch von den in Lub­lin aus­ge­wähl­ten arbeits­fä­hi­gen Män­nern, die zum Arbeits­ein­satz nach Maj­da­nek geschickt wur­den, hat kei­ner über­lebt. Durch Beschluss des Amts­ge­richts Wies­ba­den wur­de der Tod von Edith Levy am 26. April 1962 auf den 8. Mai  1945, den Tag des Kriegs­en­des, fest­ge­setzt.[39]

Ihre Mut­ter gehör­te zu den älte­ren Jüdin­nen und Juden, die gemäß der Pla­nung der Eich­mann-Behör­de am 1. Sep­tem­ber 1942 in das „Alters­ghet­to“ The­re­si­en­stadt depor­tiert wur­den. Viel­leicht ist sie eine der älte­ren Frau­en, die ein unbe­kann­ter Foto­graf auf der Vieh­ver­la­de­sta­ti­on am Haupt­bahn­hof in Wies­ba­den ins Visier genom­men hatte.

Älte­re Frau­en an der Vieh­ver­la­de­sta­ti­on des Haupt­bahn­hofs am Mor­gen des 1. Sep­tem­bers 1942
Foto eines unbe­kann­ten Foto­gra­fen
HHStAW 3008 2 16571

Sie über­leb­te die unmensch­li­chen Lebens­be­din­gun­gen in dem angeb­li­chen Vor­zei­ge­ghet­to nicht ein­mal zwei Wochen. Man hat­te sie dort in einem der Blocks auf dem Dach­bo­den ein­quar­tiert. Am 13. Sep­tem­ber 1942 ver­starb sie dort angeb­lich oder auch tat­säch­lich an einem Darm­ka­tarrh, wie ein Dr. Sil­ber­mann auf der Todes­fall­an­zei­ge beschei­nig­te.[40]

 

Ver­öf­fent­licht: 27. 02. 2024

 

 

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Anmer­kun­gen:

[1] Streich, Auf der Suche nach den Namen, S. 50.

[2] Auf sei­nem Grab­stein sind die fol­gen­den Anga­ben zu fin­den:
Hier ruht
ein lau­te­rer und auf­rich­ti­ger Mann, er wan­del­te
auf unta­de­li­gem Pfa­de von sei­ner Jugend bis zum Tage
sei­nes Todes, um den Wil­len sei­nes Schöp­fers mit Leib und
See­le zu erfül­len. Stets such­te er
sei­ne Frau und sei­ne Kin­der von sei­ner Hän­de Arbeit zu ernäh­ren.
Dies ist Joseph, Sohn des David ha-Levi
aus Bier­stadt. Er ging ein
in sei­ne Welt am Mitt­woch, den 13. Nisan,
und er wur­de begra­ben am Don­ners­tag, den 14. des­sel­ben
[5]612 n​.​d​.​k​.​Z.
Sei­ne See­le sei ein­ge­bun­den im Bun­de des Lebens.

„Levi, Joseph ha- (1852) – Wies­ba­den, Alter Jüdi­scher Fried­hof“, in: Jüdi­sche Grab­stät­ten https://​www​.lagis​-hes​sen​.de/de​/subjects​/idrec​/sn​/juf​/id​/9085. (Stand: 1.7.2014).

[3] Im gege­be­nen Rah­men kann das Schick­sal die­ses gesam­ten Fami­li­en­ver­ban­des nicht auf­ge­ar­bei­tet und dar­ge­stellt wer­den. Die fol­gen­den Dar­le­gun­gen beschrän­ken sich daher nur auf den Strang, der zur Urur­en­ke­lin Edith Levy führt. Die Fami­lie von Abra­ham Levy, dem Groß­on­kel von Edith Levy und Bru­der von Moses Levy, ist im Kapi­tel über das Juden­haus in der Hall­gar­ter Stra­ße unter https://​moe​bus​-flick​.de/die-judenhaeuser-wiesbadens​/hallgarter-str‑6​/die-metzgerfamilie-von-arthur-levy-aus-bierstadt/. bear­bei­tet.

[4] Hei­rats­re­gis­ter Frank­furt 609 /​ 1905.

[5] Ger­hard Buck /​ Bernd Gün­ther Mai /​ Dr. Wolf­gang Fritz­sche, Zivil­stands­re­gis­ter Bier­stadt, (Ev. Pfarr­amt Bier­stadt), 2/​1844.

[6] Ebd. Abra­ham ver­starb am 11.9.11918 in Bier­stadt und hin­ter­ließ 7 Kin­der. Ster­be­re­gis­ter Bier­stadt 43 /​ 1918. Hann­chen blieb ledig und kin­der­los. Sie ver­starb am 1.5.1868 eben­falls in Bier­stadt. Ebd. 16/​1868.

[7] Hei­rats­re­gis­ter Hel­den­ber­gen 4 /​ 1895. Sie war die Toch­ter des damals noch in Spach­brü­cken leben­den Ehe­paars Isak und Jend­le /​ Hann­chen Neu­mann, gebo­re­ne Heil. Nach dem Tod ihres Man­nes war die Mut­ter eben­falls nach Bier­stadt gezogen.,

[8] Ster­be­re­gis­ter Bier­stadt 29 /​ 1890.

[9] Hei­rats­re­gis­ter Hel­den­ber­gen 4 /​ 1895.

[10] Geburts­re­gis­ter Bier­stadt 64 /​ 1895 und Ster­be­re­gis­ter Bier­stadt 38 /​ 1895.

[11] Geburts­re­gis­ter Bier­stadt 68 /​ 1896 und Ster­be­re­gis­ter Bier­stadt 25 /​ 1897.

[12] Geburts­re­gis­ter Bier­stadt 24 /​ 1898.

[13] Geburts­re­gis­ter Bier­stadt 38 /​ 1899.

[14] Geburts­re­gis­ter Bier­stadt 69 /​ 1901 und Ster­be­re­gis­ter Bier­stadt 24 /​ 1901.

[15] Geburts­re­gis­ter Bier­stadt 138 /​ 1907 und Ster­be­re­gis­ter Bier­stadt 33 /​ 1908.

[16] Geburts­re­gis­ter Bier­stadt 50 /​ 1913.

[17] Hei­rats­re­gis­ter Frank­furt am Main 609 /​ 1905.

[18] Ster­be­re­gis­ter Bier­stadt 20 /​ 1910.

[19] Sie­he dazu ins­ge­samt die Kran­ken­ak­te von Karo­li­ne Levy, HHStAW 430/​1 5742.

[20] Ster­be­re­gis­ter Erbach 15 /​1915.

[21] HHStAW 430/​1 8165 (14r).

[22] Ebd. (o​.​P.) Die Kran­ken­ak­te ent­hält auch einen sehr berüh­ren­den Brief von Rosa an den Arzt, der ein­zi­gen Per­son, der sie volls­tes Ver­trau­en schenk­te. Er wur­de noch im frü­hen Sta­di­um ihrer Krank­heit am 5.3.1926 von Hada­mar aus geschrie­ben: „(…) Auf alle Fäl­le sehr ver­ehr­ter Dok­tor wen­de ich mich an Sie mit der innigs­ten Bit­te mir zu hel­fen, ent­schul­di­gen Sie mich, wenn ich Sie behel­li­gen u. fin­den mich bit­te nicht unbe­schei­den oder ich wol­le Ihre gro­ße Güte aus­nut­zen, aber ich weiß mir kei­nen Aus­weg um hier fort zu kom­men. Sie ken­nen mei­ne Ver­hält­nis­se u. wis­sen daß ich ni etwas unrech­tes in mei­nem Leben getan habe. (…).Bit­te kom­men Sie doch u. besu­chen Sie mich ich bin ver­zwei­felt u. habe sonst kei­nen Men­schen, der mir so nahe steht wie Sie u. ich bin über­zeugt Sie schaf­fen für mich geplag­tes Mensch­lein Rat!.“ Ebd. (Die Ortho­gra­phie wur­de nicht ver­än­dert).
Ger­hard Valen­tin hat dem 1906 errich­te­ten Haus in sei­nem Buch über die Pri­vat­stra­ße, dem Eck­haus Wil­helm­str. 27 ein eige­nes Kapi­tel gewid­met. Es beher­berg­te von sei­ner Ent­ste­hung an bis in die­ses Jahr­tau­send immer Metz­ge­rei­en, seit 1912 die der Fami­lie Hundhau­sen. Offen­bar war dem Autor nicht bekannt, was sich in dem Haus in den Drei­ßi­ger­jah­ren an zuge­tra­gen hat­te, ver­mut­lich war ihm auch nicht bekannt, dass es hier eine jüdi­sche Fami­lie gab, die ganz offen­bar von ihren Mit­be­woh­nern und Nach­barn auf übels­te Wei­se schi­ka­niert wor­den war. Andern­falls hät­te das Resü­mee am Ende des Kapi­tels – „Ins­ge­samt exis­tier­te die Metz­ge­rei der Fami­lie Hundhau­sen fast 100 Jah­re lang an der­sel­ben Stel­le, Ecke Pri­vat- und Wies­ba­de­ner Stra­ße, ver­sorg­te über vier Gene­ra­tio­nen hin­weg die Men­schen in Bier­stadt mit Fleisch- und Wurst­wa­ren in bes­ter Qua­li­tät. Sie waren im gan­zen Dorf ange­se­he­ne und geach­te­te Metz­gers­leu­te“ – anders aus­fal­len müs­sen. Valen­tin, Bier­stadt-Pri­vat­stra­ße, S. 63 f.

[23] Ebd. (o​.​P.).

[24] Ebd. (o​.​P.).

[25] Die Datums­an­ga­be ent­stammt dem spä­te­ren Ein­bür­ge­rungs­an­trag des Paa­res in den USA. Sie­he https://​www​.ancestry​.de/discoveryui-content​/view​/3349236:61196​?tid=&pid=&queryId=200a143c-733d-418d-9474–511d8f87d0fe&_phsrc=svo3342&_phstart=successSource. (Zugriff: 20.2.2024). Dar­in ist auch das Geburts­da­tum des Ehe­manns mit dem 16.2.1902 angegeben.

[26] https://​www​.ancestry​.de/discoveryui-content​/view​/21041207:7488​?tid=&pid=&queryId=ddab6399-3756–481d-b126-12395477da60&_phsrc=svo3343&_phstart=successSource. (Zugriff: 20.2.2024).

[27] https://​www​.ancestry​.de/discoveryui-content​/view​/3349240:61196​?tid=&pid=&queryId=7134ffb7-c9ac-48da-99c3-b62a8f52e1cb&_phsrc=svo3361&_phstart=successSource. (Zugriff: 20.2.2024). Der Ein­bür­ge­rungs­an­trag sei­ner Frau ist unter https://​www​.ancestry​.de/discoveryui-content​/view​/3349236:61196​?tid=&pid=&queryId=200a143c-733d-418d-9474–511d8f87d0fe&_phsrc=svo3342&_phstart=successSource (Zugriff: 20.2.2024) zu fin­den. Sie­he zur Berufs­tä­tig­keit die Volks­zäh­lun­gen 1940 und 1950 https://​www​.ancestry​.de/discoveryui-content​/view​/144511010:2442​?tid=&pid=&queryId=d317e25c-ddc5-4aa7-a987-c4baab36af59&_phsrc=svo3378&_phstart=successSource und https://​www​.ancestry​.de/discoveryui-content​/view​/221480201:62308. (Zugriff: 20.2.2024).

[28] https://​www​.ancestry​.de/discoveryui-content​/view​/40340563:2238​?tid=&pid=&queryId=6a11ab31-8e9f-4005-a836-a4a02bf45f1e&_phsrc=svo3369&_phstart=successSource. (Zugriff: 20.2.2024). Auch hier ist wie­der als Kon­takt eine Per­son namens Bow­man genannt, aller­dings eine Bes­sie Bow­man. Irri­tie­rend ist, dass dahin­ter von ande­rer Hand „Mother“ ein­ge­tra­gen ist.

[29] https://​www​.ancestry​.de/discoveryui-content​/view​/205763:60724. (Zugriff: 20.2.2024).

[30] HHStAW 519/​3 3441 (1).

[31] Ebd. (3)

[32] Ebd. (4).

[33] Sie­he zu Leon Golomb das Erin­ne­rungs­blatt des Akti­ven Muse­ums Spie­gel­gas­se https://​www​.am​-spie​gel​gas​se​.de/offline​/wp-content​/downloads​/erinnerungsblaetter​/EB-Golomb-Leon.pdf. (Zugriff: 20.2.2024).

[34] Auch zum Ehe­paar Pews­ner hat das Akti­ve Muse­um Spie­gel­gas­se ein Erin­ne­rungs­blatt erstellt, sie­he https://​www​.am​-spie​gel​gas​se​.de/offline​/wp-content​/downloads​/erinnerungsblaetter​/EB-Pewsner-Abraham.pdf. (Zugriff: 20.2.2024).

[35] Dass auch Hein­rich Sichel dort zuletzt wohn­te, ist auf sei­ner Gestapo­kar­tei­kar­te nicht mehr ein­ge­tra­gen, aller­dings ist er mit die­ser Adres­se in der unbe­kann­ten Lis­te X1, die nach der Depor­ta­ti­on vom 10.6.1942 ent­stand, auf­ge­führt. Auf sei­ner Kar­tei­kar­te ist mit Datum 7.8.1942 als letz­te Adres­se die Rhein­gau­er Str. 5 ein­ge­tra­gen. Wenn die­se Anga­ben rich­tig sind, dann kann er nur noch kur­ze Zeit in der Neu­gas­se ein­quar­tiert wor­den sein. Kurz vor der auch für ihn geplan­ten Depor­ta­ti­on vom 1.9.1942 wähl­te er die Flucht in den Tod.

[36] HHStAW 519/​3 3441 (5, 6).

[37] HHStAW 519/​3 3447 (1, 3).

[38] Ebd. (4).

[39] HHStAW 469/​33 5299 (10).

[40] https://​ca​.jewish​mu​se​um​.cz/media​/zmarch​/images​/3​/0​/8​/58427_ca_object_representations_media_30839_large.jpg. (Zugriff: 20.2.2024). Fälsch­li­cher­wei­se ist auf dem Doku­ment die rich­ti­ge Hei­mat­an­schrift Neu­gas­se 4 in Wies­ba­den durch Frank­furt ersetzt worden.

Judenhäuser in Wiesbaden 1939 - 1942