Horst-Wessel-Str. 45


Adelheid Löwensberg, Leopold Löwensberg, Kaufmann Eliakim Löwensberg, Johanna Marxheimer Löwensberg, Lazarus Löwensberg, Zerline Kaufmann Löwensberg Löwensberg, Judenhaus Wiesbaden Biebrich, Horst-Wessel-Str. 45, Straße der Republik 45
Das ehe­ma­li­ge Juden­haus in der Horst-Wes­sel-Str. 45 heu­te
Eige­ne Aufnahme
Adelheid Löwensberg, Leopold Löwensberg, Kaufmann Eliakim Löwensberg, Johanna Marxheimer Löwensberg, Lazarus Löwensberg, Zerline Kaufmann Löwensberg Löwensberg, Judenhaus Wiesbaden Biebrich, Horst-Wessel-Str. 45, Straße der Republik 45
Lage des ehe­ma­li­gen Juden­hau­ses in Biebrich
Adelheid Löwensberg, Leopold Löwensberg, Kaufmann Eliakim Löwensberg, Johanna Marxheimer Löwensberg, Lazarus Löwensberg, Zerline Kaufmann Löwensberg Löwensberg, Judenhaus Wiesbaden Biebrich, Horst-Wessel-Str. 45, Straße der Republik 45
Bele­gung des Juden­hau­ses Horst-Wes­sel-Str. 45

 

 

 

 

 

 


Adelheid Löwensberg

In der jüngs­ten Zeit hat in Wies­ba­den die Dis­kus­si­on um die Pfitz­ner-Stra­ße erneut die Fra­ge auf­ge­wor­fen, wel­ches Selbst­ver­ständ­nis die Bewoh­ner eines Gemein­we­sens durch die Namens­ge­bung von Stra­ßen und Plät­zen zum Aus­druck brin­gen wol­len. Eine Dis­kus­si­on, die auch in dem ehe­ma­li­gen Vor­ort Bie­brich schon oft geführt wer­den muss­te und ver­mut­lich immer wie­der auch zu erreg­ten Dis­pu­ten geführt hat. So hat auch die Stra­ße, in der eines der drei Bie­bri­cher Juden­häu­ser lag, seit dem 18. Jahr­hun­dert drei Mal ihren Namen ändern müs­sen.
Die neue Ver­bin­dungs­stra­ße zwi­schen dem neu ent­stan­de­nen städ­ti­schen Zen­trum von Bie­brich und der Stadt Wies­ba­den, die nach ihrer all­mäh­li­chen Bebau­ung am Ende des 19. Jahr­hun­derts die alte Ver­bin­dung über die am Schloss­park gele­ge­ne Wies­ba­de­ner Stra­ße ablö­sen soll­te, hat­te zunächst den ent­spre­chend wür­di­gen Namen Kai­ser­stra­ße erhal­ten. Nach­dem Bie­brich 1926 sei­ne Selb­stän­dig­keit ver­lo­ren und zum Stadt­teil von Wies­ba­den wur­de, wo es bereits eine sol­che Stra­ße gab, muss­te man, nach­dem der Kai­ser zudem seit nun­mehr fünf Jah­ren abge­dankt hat­te und aus dem Reich zumin­dest ver­fas­sungs­recht­lich eine Repu­blik gewor­den war, eine auch poli­tisch ange­mes­se­ne­re Bezeich­nung fin­den. Es bot es sich an, sie jetzt in Stra­ße der Repu­blik umzu­tau­fen. Aber kaum war den Nazis die Macht zuge­fal­len, began­nen sie auf allen Ebe­nen mit ihrer Kul­tur­re­vo­lu­ti­on. Eine Stra­ße zu Ehren der Repu­blik durf­te es nicht mehr geben. Als neu­er Patron bot sich der jüngst, angeb­lich durch Kom­mu­nis­ten­hand, in Wahr­heit bei einer Aus­ein­an­der­set­zung in Zuhäl­ter­krei­sen zu Tode gekom­me­ne SA-Mann Horst Wes­sel an, der von Goeb­bels zum Hel­den und Mär­ty­rer sti­li­siert wur­de. Das Horst-Wes­sel-Lied avan­cier­te zur Par­tei­hym­ne und wur­de übli­cher­wei­se im Anschluss an die Natio­nal­hym­ne gesun­gen. Immer dann, wenn man als Bewoh­ner der Stra­ße sei­ne Adres­se ange­ben muss­te, beson­ders als Jude, wer­den einem unwill­kür­lich die fol­gen­den Zei­len des Lie­des durch den Kopf gegan­gen sein: „Die Stra­ße frei den brau­nen Batail­lo­nen, die Stra­ße frei, dem Sturm­ab­tei­lungs­mann!“. Eine per­ma­nen­te, asso­zia­ti­ve Droh­ku­lis­se: Frei für die brau­nen Batail­lo­ne bedeu­tet ja nichts ande­res, als weg mit den Juden und allen ande­ren Oppo­si­tio­nel­len.[1] Der Platz zwi­schen Horst-Wes­sel-Stra­ße und Rat­haus­stra­ße erhielt den Namen Horst-Wes­sel-Platz und dien­te den Nazis in den fol­gen­den zwölf Jah­ren immer wie­der als Auf­marsch- und Kundgebungsplatz.

Was sie aber dazu bewo­gen haben mag, aus­ge­rech­net in einer sol­chen „Hel­den­stra­ße“ ein Juden­haus ein­zu­rich­ten, bleibt der Ratio­na­li­tät ver­schlos­sen. Man muss aller­dings kon­sta­tie­ren, dass das Haus in der Horst-Wes­sel-Str. 45 zwar auf der im Janu­ar 1940 ent­stan­de­nen Lis­te der Juden­häu­ser stand, aber die Funk­ti­on eines sol­chen nie erfüllt hat. Die ver­wit­we­te Eigen­tü­me­rin Johan­na Löwen­sberg und spä­ter ihre Toch­ter Adel­heid waren die ein­zi­gen Juden, die in der Zeit der NS-Herr­schaft in dem Haus wohn­ten.[2]

Zu Beginn der NS-Zeit leb­ten etwa 150 Men­schen jüdi­schen Glau­bens in Bie­brich, somit deut­lich weni­ger als 1 Pro­zent der Gesamt­be­völ­ke­rung von etwa 20.000. Jung­mann gibt sogar für das Jahr 1925 nur einen jüdi­schen Anteil von 0,5 Pro­zent an, wobei sich die Zahl von 112 Juden aber nur auf die­je­ni­gen bezieht, die damals tat­säch­lich Mit­glie­der der jüdi­schen Gemein­de waren. Der Rück­gang der jüdi­schen Bevöl­ke­rung in Bie­brich von etwa 5 Pro­zent in der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts auf 0,5 Pro­zent inner­halb von 75 Jah­ren ist sicher nicht nur als Fol­ge einer demo­gra­phi­schen Ent­wick­lung zu sehen, son­dern auch Ergeb­nis einer zuneh­men­den Säku­la­ri­sie­rung im jüdi­schen Milieu selbst.[3] Anfän­ge jüdi­schen Lebens in Bie­brich rei­chen zurück bis in das 16. Jahr­hun­dert,[4] aber erst im 19. Jahr­hun­dert bil­de­te sich nach lan­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen durch die Ver­bin­dung der Mos­ba­cher und der Bie­bri­cher Juden­schaft eine eigen­stän­di­ge Gemein­de, die 1830 auch eine eige­ne Syn­ago­ge und 1885 einen eige­nen jüdi­schen Fried­hof ein­wei­hen konn­te. Wie auch sonst in länd­li­chen Gemein­den gehör­te die jüdi­sche Bevöl­ke­rung als Klein­händ­ler für Tuche, Land­pro­duk­te oder Vieh sozi­al eher der Unter­schicht an. Das änder­te sich erst all­mäh­lich, als im Zuge der Indus­tria­li­sie­rung Bie­brich durch sei­ne Lage am Rhein und dem Bau der Eisen­bahn zum „Vor­ha­fen“ Frank­furts auf­stieg. Die recht­li­che Gleich­stel­lung von Juden und Nicht­ju­den nach der Anne­xi­on Nas­saus durch Preu­ßen 1866 bot auch den Bie­bri­cher Juden neue Chan­cen: „Die Gemein­de­mit­glie­der, die einer­seits streng an ihren reli­giö­sen Grund­sät­zen fest­hiel­ten, waren ande­rer­seits auf wirt­schaft­li­chem Gebiet sehr wand­lungs­fä­hig und konn­ten sich den Erfor­der­nis­sen der neu­en Zeit anpas­sen.“[5] Statt oder neben dem Haus­sier­han­del mit Tuchen und Klei­dung wur­den fes­te Laden­ge­schäf­te ein­ge­rich­tet und Vieh­händ­ler boten der wach­sen­den Zahl der Indus­trie­ar­bei­ter ihre Fleisch­wa­ren zuneh­mend auch in eige­nen Metz­ge­rei­en an. Sogar jüdi­sche Indus­tri­el­le, wie Her­mann Löwen­herz, sie­del­ten sich in der Wies­ba­de­ner Vor­stadt an.[6]

Adelheid Löwensberg, Leopold Löwensberg, Kaufmann Eliakim Löwensberg, Johanna Marxheimer Löwensberg, Lazarus Löwensberg, Zerline Kaufmann Löwensberg Löwensberg, Judenhaus Wiesbaden Biebrich, Horst-Wessel-Str. 45, Straße der Republik 45
Stamm­baum der Fami­lie Löwen­sberg
GDB

Die Fami­lie Löwen­sberg gehör­te jedoch nicht zu den alt­ein­ge­ses­se­nen jüdi­schen Ein­woh­nern Bie­brichs. In der Bie­bri­cher „Juden­lis­te“ von 1839 ist der Name Löwen­sberg noch nicht ver­tre­ten.[7] Laza­rus, Leser oder auch Elie­ser Löwen­sberg stamm­te aus Igstadt, wo sich sein Vater Löw Man­che im 18. Jahr­hun­dert von Wehr­heim bei Usin­gen kom­mend ange­sie­delt hat­te. Sei­ne Frau war die in Cram­berg bei Diez gebo­re­ne Babet­te Graß /​ Kreß. Als 1841 erb­li­che Fami­li­en­na­men auch in Igstadt zur Pflicht wur­den, wur­de offen­sicht­lich das aus der männ­li­chen Linie stam­men­de Löw mit dem der Cram­ber­gers – in der Fami­lie der Frau war der Her­kunfts­ort schon als Fami­li­en­na­me fest­ge­legt wor­den – ver­bun­den, sodass zunächst der gemein­sa­me Name Löwen­sber­ger ent­stand, der dann auf Löwen­sberg ver­kürzt wurde.

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Grab­mal von Laza­rus Löwen­sberg auf dem Alten Jüdi­schen Fried­hof in Wies­ba­den
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Ers­ter Ein­trag der Fami­lie Löwen­sberg im Bie­bri­cher Adress­buch von 1889/​90

Laza­rus war das letz­te von ins­ge­samt sechs Kin­dern von Löb Man­che und sei­ner Frau Elea­sar Babet­te. Die Kin­der – so Buck – „wuch­sen in einer gut situ­ier­ten Fami­lie auf“.[8] Der Vater hat­te ein Han­dels­ge­schäft auf­ge­baut, in dem nahe­zu alles ange­bo­ten wur­de, für das es im länd­li­chen Raum eine Nach­fra­ge gab: Guss- und Eisen­wa­ren, Tuch- und Woll­wa­ren, aber auch Vieh und Fleisch­wa­ren. Er besaß meh­re­re Häu­ser und eine gro­ße Zahl an Äckern und Wie­sen. Nach sei­nem Tod wur­de ein Inven­tar ange­legt, das etwa 80 Sei­ten umfasst haben soll. Auch Laza­rus wird einen nicht uner­heb­li­chen Erb­teil erhal­ten und in die am 4. Juli 1837 geschlos­se­ne Ehe mit Zer­line Kauf­mann bzw. Wolf­sohn ein­ge­bracht haben.[9] Anders als sei­ne Geschwis­ter ver­ließ Laza­rus Löwen­sberg sei­nen Hei­mat­ort Igstadt und zog statt­des­sen zu sei­ner Frau nach Bie­brich. In ihrer Ehe kamen ins­ge­samt acht Kin­der zur Welt, von denen der am 17. Sep­tem­ber 1841 gebo­re­ne Kauf­mann Eli­a­kim, der Vater von Adel­hei­de, das zweit­äl­tes­te war.[10] Wo die Fami­lie damals wohn­te, ist nicht bekannt. Im Jahr 1847 erwarb Laza­rus Löwen­sberg dann ein zwei­stö­cki­ges Wohn­haus mit Hof­raum in der „Schul­ga­ße“[11] In den fol­gen­den Jahr­zehn­ten zog die Fami­lie bzw. deren Nach­kom­men mehr­fach um. Das ver­mut­lich nächs­te Haus, das sie als Eigen­tü­mer auch bewohn­ten, lag in der heu­ti­gen Stra­ße Am Schloss­park 23, damals noch die Wies­ba­de­ner Str. 23. Wann das Haus­grund­stück gekauft wur­de, ist nicht bekannt, aber als im Jahr 1874 die Wohn­grund­stü­cke in Bie­brich neu ver­mes­sen und regis­triert wur­den, war es schon in Besitz von Laza­rus Löwen­sberg und sei­ner Frau Zer­line. In dem ent­spre­chen­den Stock­buch­ein­trag vom 15. Okto­ber 1874 heißt es, dass das gesam­te Are­al aus einem eben­falls zwei­stö­cki­gen Wohn­haus und einem Hof­raum bestehen wür­de, der von einem Hin­ter­haus, einer Remi­se, einer Scheu­ne, einem Schwei­ne­stall und einem Schup­pen umschlos­sen sei. Als die­se Zumes­sung akten­kun­dig wur­de, war Zer­line Löwen­sberg aller­dings bereits mehr als sechs Jah­re Tod[12]

Adel­heid Löwen­sberg mit Kin­dern aus ihrem Eltern­haus in der Bie­bri­cher Kai­ser­stra­ße um 1908
Archiv AMS

Offen­sicht­lich hat­te Kauf­mann Löwen­sberg als ältes­ter Sohn das väter­li­che Geschäft noch zu des­sen Leb­zei­ten über­nom­men, denn nur er ist im ers­ten Bie­bri­cher Adress­buch von 1889/​90 als Geschäfts­mann mit dem Namen Löwen­sberg ver­merkt. Sein Vater war am 7. Janu­ar 1890 ver­stor­ben.[13] Das Waren­an­ge­bot umfass­te all­ge­mein Lan­des­pro­duk­te, Brannt­wein und Leder­ar­ti­kel. Am 21. Mai 1878 hei­ra­te­te Kauf­mann Löwen­sberg in Lan­gen­schwal­bach, dem heu­ti­gen Bad Schwal­bach, Johan­na Marx­hei­mer, genannt Hann­chen, die Toch­ter von Bene­dict und Adel­heid Marx­hei­mer, gebo­re­ne Wolf.[14] 1877 wur­de ihr ers­tes Kind gebo­ren, das lei­der noch am Tag der Geburt ver­starb, bevor ihm ein Name gege­ben wer­den konn­te. Auf den toten Sohn folg­ten noch fünf wei­te­re Kin­der, über die aber, abge­se­hen von Adel­hei­de, außer den Geburts­da­ten kaum Infor­ma­tio­nen vor­lie­gen. Nur über den am 16. Mai 1878 gebo­re­nen Leo­pold gibt es noch eini­ge Anga­ben, aus denen sein wei­te­rer Lebens­weg zumin­dest bruch­stück­haft rekon­stru­iert wer­den kann. Die am 2. August 1880 gebo­re­ne Lina ver­starb schon am 22. Febru­ar 1897 im Kin­des­al­ter von nur sech­zehn Jah­ren.[15] Von dem fol­gen­den Sohn Carl liegt nur der Geburts­ein­trag vom 7. Febru­ar 1883 vor.[16] Ver­mut­lich ist auch er früh ver­stor­ben, denn sein Name wird in kei­ner der vor­lie­gen­den Akten noch ein­mal erwähnt. Am 4. Novem­ber des fol­gen­den Jah­res kam Moritz zur Welt, aber auch er wur­de nicht ein­mal eine Woche alt. Sein Todes­tag ist mit dem 10. Novem­ber 1884 im Bie­bri­cher Ster­be­re­gis­ter fest­ge­hal­ten.[17] Adel­hei­de, die spä­ter in den Akten nur noch ver­kürzt mit Adel­heid bezeich­net wird und selbst auch nur so unter­schrieb, wur­de am 1. April 1886 gebo­ren.[18] Sie blieb in ihrer Geburts­stadt Bie­brich, bis sie 1942 „nach dem Osten“ ver­schleppt wurde.

Die­se Zeit der Ver­fol­gung muss­ten weder ihre Groß­el­tern, noch ihr Vater noch erle­ben. Zwar war es auch frü­her schon, beson­ders im 18. Jahr­hun­dert, auch in Bie­brich zu Kon­flik­ten mit der christ­li­chen Mehr­heits­ge­sell­schaft gekom­men, [19] aber wäh­rend der Zeit des Kai­ser­reichs soll es nach Jung­mann sol­che Anfein­dun­gen so gut wie nicht mehr gege­ben haben. Im Gegen­teil, die Ernen­nung des hoch gebil­de­ten Reli­gi­ons­leh­rers Selig­mann Baer zum ers­ten Ehren­bür­ger der Stadt im Jahr 1882 wer­te­te er als Beleg für eine intak­te Bür­ger­ge­mein­schaft in die­ser Zeit, in der die anti­se­mi­ti­sche Het­ze ansons­ten über­all in Deutsch­land bedroh­li­che Aus­ma­ße annahm.[20]

Adelheid Löwensberg, Leopold Löwensberg, Kaufmann Eliakim Löwensberg, Johanna Marxheimer Löwensberg, Lazarus Löwensberg, Zerline Kaufmann Löwensberg Löwensberg, Judenhaus Wiesbaden Biebrich, Horst-Wessel-Str. 45, Straße der Republik 45, Wiesbadener Str. 23
Bie­brich, Wies­ba­de­ner Str. 23
Eige­ne Aufnahme

Schon um die Jahr­hun­dert­wen­de– so ist den Ein­tra­gun­gen der Bie­bri­cher Adress­bü­cher zu ent­neh­men – hat­te Kauf­mann Löwen­sberg das Haus der Eltern in der Wies­ba­de­ner Str. 25 wie­der ver­kauft und statt­des­sen das grö­ße­re Nach­bar­haus mit der Num­mer 23 erwor­ben. Wel­che Grün­de dafür sonst noch maß­ge­bend waren, ist nicht bekannt.[21] Aber auch dort blieb die Fami­lie nur weni­ge Jah­re. Bie­brich mit sei­ner auf­stre­ben­den Indus­trie und wach­sen­den Bevöl­ke­rung dehn­te sich in alle Rich­tun­gen aus, wes­halb in die­ser Zeit auch die Stra­ße ange­legt bzw. aus­ge­baut wur­de, die als Bie­brich neue Haupt­ver­bin­dung zwi­schen Bie­brich und Wies­ba­den fun­gie­ren soll­te und für die es ange­sichts ihrer zen­tra­len Bedeu­tung in die­sen Zei­ten kei­nen ande­ren Namen als Kai­ser­stra­ße geben konnte.

Woh­nung der Fami­lie Löwen­sberg in ihrem Haus in der Kai­ser­str. 45 bzw. spä­ter der Horst-Wes­sel-Str. 25
HHStAW 519/​2 2196 II

Dort erwarb Kauf­mann Löwen­sberg 1904 das neu erstell­te Haus, das im Dezem­ber des fol­gen­den Jah­res auf sei­nen Namen im Grund­buch von Bie­brich ein­ge­tra­gen wur­de.[22] Ursprüng­lich trug es die Haus­num­mer 51, die aber um 1908 durch eine Neu­num­me­rie­rung zu Kai­ser­str. 45 wur­de. Dass es sich um das iden­ti­sche Haus han­delt, ergibt sich dar­aus, dass die Bewoh­ner weit­ge­hend die glei­chen blie­ben. Das Wohn­ge­bäu­de besaß neben dem Vor­der­haus einen Sei­ten­flü­gel, über dem Erd­ge­schoss lagen zwei Eta­gen mit jeweils zwei Woh­nun­gen und ein Dach­ge­schoss.[23] Aller­dings hat­ten Löwen­sbergs damals das Haus nicht allein aus eige­ner Kraft erwer­ben kön­nen. Im Grund­buch war eine Grund­schuld ein­ge­tra­gen und auch in ihren Ver­mö­gens­steu­er­erklä­run­gen hat­te Adel­heid Löwen­sberg bis zuletzt Hypo­the­ken­las­ten in einer Gesamt­hö­he von 12.700 RM gel­tend gemacht.[24] Außer dem ers­ten Stock­werk, in dem die Eigen­tü­mer für sich selbst eine Drei-Zim­mer-Woh­nung bean­spruch­ten, konn­ten die übri­gen Eta­gen ver­mie­tet wer­den. Sicher war mit dem Kauf die­ser Immo­bi­lie auch die Hoff­nung auf Miet­ein­nah­men und damit auf ein gesi­cher­tes Alters­ein­kom­men ver­bun­den. Neben Löwen­sberg sind im Bie­bri­cher Adress­buch von 1909 sie­ben Miet­par­tei­en auf­ge­führt, von denen man den Namen Schlig auch 30 Jah­re spä­ter noch unter den Mie­tern fin­den kann.

Im Hin­blick auf das Ver­hält­nis zwi­schen Juden und christ­li­cher Mehr­heits­ge­sell­schaft mar­kier­te auch in Bie­brich der Ers­te Welt­krieg eine deut­li­che Zäsur. Obwohl der größ­te Teil der dor­ti­gen Juden sich mit der Kriegs­po­li­tik des Kai­sers soli­da­ri­sier­te und bereit­wil­lig sei­ne Opfer an Leib, Leben und Geld erbrach­te, began­nen spä­tes­tens mit der Nie­der­la­ge, mit der Ver­brei­tung der Dolch­stoß­le­gen­de anti­se­mi­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen auch in Bie­brich laut­hals ihre Het­ze in Ver­an­stal­tun­gen oder durch Flug­blät­ter und Zei­tungs­ar­ti­kel zu ver­brei­ten.[25] Die aus einer jüdi­schen Fami­lie stam­men­de Bie­bri­cher Pazi­fis­tin und spä­te­re USPD- bzw. SPD-Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­te Tony Sen­der ver­kör­per­te nicht die all­ge­mei­ne Hal­tung der hei­mi­schen Juden­schaft, war aber für sol­che Grup­pen, zumal als Frau, eine will­kom­me­nes Feind­bild.[26]

Kauf­mann Löwen­sberg war bereits tot, als sich die­ser Wan­del auch in sei­ner Hei­mat­ge­mein­de abzu­zeich­nen begann. Er war bereits am Vor­abend des Krie­ges, am 11. Mai 1914 im Alter von 72 Jah­ren in sei­nem Haus in der dama­li­gen Kai­ser­stra­ße ver­stor­ben.[27] Die Kri­sen­jah­re der Repu­blik, von denen die Fami­lie finan­zi­ell auch unmit­tel­bar betrof­fen wur­de, muss­ten sei­ne Wit­we und die Toch­ter Adel­heid, die auch wei­ter­hin ihre bis­he­ri­gen Zim­mer in der ers­ten Eta­ge des Hau­ses bewohn­ten, allei­ne durchstehen.

Der inzwi­schen erwach­se­ne Sohn Leo­pold leb­te zu die­ser Zeit schon eini­ge Jah­re als Kauf­mann in Ham­burg. Noch zu Leb­zei­ten des Vaters hat­te er am 14. Janu­ar 1908 in der Han­se­stadt eine eige­ne Fami­lie gegrün­det. Sei­ne Frau, die Jüdin Ber­tha Augus­te Hamer, gebo­ren am 2. Juni 1881, war die Toch­ter des Ham­bur­ger Gast­wirts Johann Jochen Hein­rich Wil­helm Hamer und sei­ner Frau Mar­ga­re­te Catha­ri­na, gebo­re­ne Dwen­ger.[28]

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Pla­kat der Leo­pold Löwen­sberg GmbH
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Inse­rat der Fir­ma Löwen­sberg
https://​ago​ra​.sub​.uni​-ham​burg​.de/​/subhh-adress​/cntmng;jsessionid=A1960DE076A57475F42B6918EBE95F06.agora11​?type=pdf&did=c1:678823

Der Umzug von Bie­brich in die Han­dels­me­tro­po­le Ham­burg scheint sich für Leo­pold Löwen­sberg zumin­dest zunächst gelohnt zu haben, denn schon in der Hei­rats­ur­kun­de wird er als Pro­ku­rist bezeich­net. Ver­mut­lich war er damals schon bei der 1925 als GmbH. fir­mie­ren­den ‚Han­sea­ti­sche Jute-Erzeug­nis­se G​.​m​.​b​.​H.’ ange­stellt, die ihre Nie­der­las­sung im Hafen am Pfei­ler 13 hat­te und mit Jute­pro­duk­ten und Fil­ter­tü­chern han­del­te. In die­ser Fir­ma war er spä­ter sogar zum Geschäfts­füh­rer auf­ge­stie­gen. Man wird sicher davon aus­ge­hen kön­nen, dass er auch Antei­le an der GmbH. besaß.[29] Eine Anzei­ge – aus wel­chem Jahr ist nicht bekannt – zeigt, dass zu dem im Zen­trum von Alt-Ham­burg gele­ge­nen Kon­tor auch eine eige­ne Fabri­ka­ti­ons­stät­te und ein eige­nes Lager in der öst­li­chen Hafen­ge­gend gehör­ten. Aber ver­mut­lich war die Fir­ma wäh­rend der Infla­ti­ons­jah­re ins Stru­deln gera­ten und wur­de des­halb 1925 von einer ande­ren Fir­ma über­nom­men. Ab die­sem Zeit­punkt lief sie unter dem Namen ‚Säck­e­indus­trie Han­sa AG Ham­burg.’ Wel­che Rol­le Leo­pold Löwen­sberg in die­sem Unter­neh­men noch spiel­te, ist nicht bekannt, aber ganz offen­sicht­lich war auch er per­sön­lich in eine finan­zi­ell pre­kä­re Situa­ti­on gera­ten, wie man einer Mit­tei­lung sei­ner Schwes­ter im Jahr 1925 an das Finanz­amt Wies­ba­den ent­neh­men kann. Hat­te sie bis­her am wirt­schaft­li­chen Erfolg des Bru­ders dadurch teil­ha­ben kön­nen, dass sie eben­falls in sei­nem Unter­neh­men als Agen­tin für Wies­ba­den fest ange­stellt war, so fiel die­se siche­re Ein­nah­me nun für sie weg:

Adelheid Löwensberg, Leopold Löwensberg, Kaufmann Eliakim Löwensberg, Johanna Marxheimer Löwensberg, Lazarus Löwensberg, Zerline Kaufmann Löwensberg Löwensberg, Judenhaus Wiesbaden Biebrich, Horst-Wessel-Str. 45, Straße der Republik 45
Die schwie­ri­gen Jah­re begin­nen
HHStAW 685 497a (4)

„Ich bean­tra­ge Berück­sich­ti­gung des Umstan­des, daß die Bie­bri­cher Filia­le der Leo­pold Löwen­sberg A​.​G. Ham­burg auf­ge­löst ist & ich nun als Ver­tre­te­rin der Gesell­schaft tätig & auf unge­wis­se Pro­vi­sio­nen ange­wie­sen bin, wäh­rend ich bis dahin ein fes­tes Gehalt­be­zo­gen hat­te. Wei­ter ist mein in Ham­burg woh­nen­der Bru­der, wel­cher bis dahin mei­ner Mut­ter einen regel­mä­ßi­gen monat­li­chen Zuschuss gege­ben hat­te, aus wirt­schaft­li­chen Grün­den gezwun­gen, die­se Zuschüs­se ein­zu­stel­len. Ich muss von mei­nem Ein­kom­men den Haus­halt mei­ner Mut­ter bestrei­ten & bin des­halb auch gezwun­gen. Unter­stüt­zung von Ver­wand­ten in Anspruch zu neh­men.“ [30]

Seit Okto­ber 1925 war das fes­te Gehalt, das bis dahin 168 RM monat­lich betra­gen hat­te, aus­ge­blie­ben, die für den Novem­ber und Dezem­ber erhal­te­ne Pro­vi­si­on betru­gen ins­ge­samt nur noch knapp 170 RM. [31] Bereits im April 1926 hat­te sie dem Finanz­amt mit­ge­teilt, dass ihre Mut­ter beab­sich­ti­ge mit Ein­ver­ständ­nis ihres Bru­ders, ihrem ein­zi­gen poten­ti­el­len Mit­er­ben, ihr das Haus in der Stra­ße der Repu­blik 45 zu über­schrei­ben.[32] Im Juni gab sie dann gegen­über dem Finanz­amt an, bereits seit 1. Janu­ar 1926 Eigen­tü­me­rin des Hau­ses zu sein.[33]

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Arbeits­zeug­nis für Frau Schlig von Adel­heid Löwen­sberg
HHStAW 685 497b (30)

Abge­se­hen von Löwen­sbergs wur­de das Haus von ins­ge­samt fünf wei­te­ren Miet­par­tei­en bewohnt. Im Par­terre unter­hielt der Elek­tri­ker­meis­ter sein Instal­la­ti­ons­ge­schäft mit Werk­statt und einem klei­nen Büro über die gesam­te Brei­te des Gebäu­des. Im ers­ten Stock wohn­ten neben Johan­na und Adel­heid Löwen­sberg auf der gegen­über­lie­gen­den Sei­te des Trep­pen­hau­ses die Wit­we Chris­tal­ler. Wäh­rend den Eigen­tü­mern 3 Zim­mer und Küche, ins­ge­samt etwa 60 qm, zur Ver­fü­gung stan­den, war die Nach­bar­woh­nung etwas klei­ner. Ein glei­cher Schnitt war ver­mut­lich auch im dar­über lie­gen­den Stock­werk vor­han­den, dass von dem Pen­sio­nä­re Wei­land und der Fami­lie Her­gen­hahn ange­mie­tet war. Im Dach­ge­schoss hat­te der Elek­tri­ker eine klei­ne Woh­nung für sich und sei­nen ver­hei­ra­te­ten Sohn, der aller­dings seit Kriegs­be­ginn ein­ge­zo­gen war. Dafür leb­te sei­ne Frau zusam­men mit ihren Schwie­ger­el­tern. Eine wei­te­re Woh­nung war an Pau­la Schlig ver­mie­tet. Sie war ursprüng­lich von Adel­heid Löwen­sberg als Kon­to­ris­tin in der Wies­ba­de­ner Filia­le ihres Bru­ders ange­stellt wor­den. 1926 muss­te sie wegen der betrieb­li­chen Ver­än­de­run­gen ent­las­sen wer­den. Die Ruhe­ständ­le­rin durf­te sie aber wei­ter­hin im Haus woh­nen blei­ben.[34]

Der 1929 gebo­re­ne Sohn der Her­gen­hahns gewähr­te in einem Brief, der aller­dings erst in der Nach­kriegs­zeit geschrie­ben wur­de, einen Ein­blick in das Innen­le­ben des Hau­ses wäh­rend der 30er Jah­re, damals gese­hen mit den Augen eines Kin­des. Er schrieb, dass er als ein­zi­ges Kind recht beliebt (gewe­sen sei) und die Zunei­gung der Mit­be­woh­ner so recht genos­sen habe. Eini­ge habe ich mit ver­wandt­schaft­li­chen Bezeich­nun­gen in mein Umfeld enger ein­ge­bun­den. Frau Johan­na Löwen­sberg exis­tier­te eigent­lich nur als mei­ne Oma Löwen­sberg und ihre Toch­ter war eben mei­ne Tan­te Adel. Es gab jedoch auch die Oma Schlig und Frau Neiß, die etwas jün­ger war und ich des­halb noch als Tan­te ein­stuf­te. Mei­ne Abste­cher in die Löwen­sberg-Woh­nung wur­den öfters mit einer Mat­ze belohnt, jener fla­chen unge­säu­er­ten Wei­zen­ob­la­te, eigent­lich das Fas­ten­brot der Juden. Fast möch­te ich sagen, hier gab es dies das gan­ze Jahr über. Ich habe die Mat­ze unwahr­schein­lich gern geges­sen, aber sie war nicht der ein­zi­ge Grund für mei­nen Besuch der bei­den Damen, denn ich war immer herz­lich will­kom­men, was man auch als Kind schnell fest­stellt. Oma Löwen­sberg habe ich als eine gebeugt gehen­de Frau in Erin­ne­rung, die aber immer gut­mü­tig und für mich lie­bens­wert war. (…) Ich per­sön­lich schätz­te Adel­heid L. sehr, war sie doch mir gegen­über recht ver­bind­lich und immer freund­lich, aber es galt auch, einen respekt­vol­len Umgang mit ihr zu pfle­gen, wor­an ich mich offen­sicht­lich gut gehal­ten habe. Das Mit­ein­an­der ver­än­der­te sich natür­lich im Lau­fe der Zeit. Es war ange­gli­chen an mei­ne Ent­wick­lung vom Klein­kind zum Jugend­li­chen. Adel­heids jüdi­sche Abstam­mung spiel­te dabei nie eine Rol­le. Sie war auch m​.​E. mit der Reli­gi­on nicht stark ver­bun­den. Erst der Juden­stern, den sie tra­gen muss­te, hat vie­len ihre Abstam­mung ver­ra­ten.[35]

Das Haus, das auf einen Ein­heits­wert von 21.700 RM geschätzt wur­de, erbrach­te zwar Miet­ein­nah­men von etwas mehr als 2.700 RM im Jahr 1925, aber mehr als die Hälf­te der Ein­nah­men muss­ten als Grund- und Haus­zins­steu­er abge­führt wer­den, Nach Abzug wei­te­rer Kos­ten konn­ten kei­ne Erträ­ge ver­bucht wer­den.[36] Bis 1929 betrug das zu ver­steu­ern­de Ein­kom­men von Adel­heid Löwen­sberg nur um die 600 RM jähr­lich. Trotz der fol­gen­den Kri­sen­jah­re ver­bes­ser­te sich dann ihre wirt­schaft­li­che Situa­ti­on, da sie eine Stel­lung als Kon­to­ris­tin in einem aller­dings nicht bekann­ten Unter­neh­men ange­nom­men hat­te. In den fol­gen­den Jah­ren, sogar bis 1939 lag ihr Ein­kom­men dann im Jahr immer über 1.000 RM, 1931 sogar bei 1650 RM, in den ande­ren Jah­ren meist bei etwa 1.200 RM.[37] Wenn man aller­dings bedenkt, dass das fak­tisch nur etwa 100 RM pro Monat für den Unter­halt von zwei Per­so­nen bedeu­te­te, Mie­te fiel im eige­nen Haus nicht an, dann wird offen­bar, in welch ärm­li­chen Ver­hält­nis­sen Mut­ter und Toch­ter in all den Jah­ren den­noch leb­ten. Hin­zu kamen zwei län­ge­re Kran­ken­haus­auf­ent­hal­ten von Adel­heid Löwen­sberg in den Jah­ren 1931 und 1933, über deren Grund aber den Steu­er­ak­ten nichts zu ent­neh­men ist.[38]

Adelheid Löwensberg, Leopold Löwensberg, Kaufmann Eliakim Löwensberg, Johanna Marxheimer Löwensberg, Lazarus Löwensberg, Zerline Kaufmann Löwensberg Löwensberg, Judenhaus Wiesbaden Biebrich, Horst-Wessel-Str. 45, Straße der Republik 45
Die Kai­ser­stra­ße in Bie­brich in einer alten Ansicht
Mit Dank an A. Fuchs

Löwen­sbergs waren kei­ne armen Juden, aber sie gehör­ten auch nicht in den Kreis, die Jung­mann zu dem wohl­ha­ben­den Bür­ger­tum von Bie­brich rech­ne­te, wie die Kahns, Levis, Sen­ders oder Oppen­hei­mers.[39] Aber es war ihnen bis­her mög­lich gewe­sen, einen Lebens­stan­dard auf­recht­zu­er­hal­ten, der dem des größ­ten Teils der übri­gen Bevöl­ke­rung ent­sprach. Als die Nazis 1933 an die Macht kamen und im April zum Boy­kott jüdi­scher Geschäf­te auf­ge­ru­fen wur­de, stand an ers­ter Stel­le der so genann­ten „Juden­lis­te“ unter der Rubrik „Agen­ten und Ver­si­che­rungs­mak­ler“ Adel­heid Löwen­sberg, Horst-Wes­sel-Str. 45.[40] Obwohl sie schon längst kei­ne selbst­stän­di­ge Tätig­keit mehr aus­üb­te, erschien ihr Name auf die­ser Lis­te. Sei­ne ein­schüch­tern­de Wir­kung wird die­ser denun­zia­to­ri­sche Lis­te nicht ver­fehlt haben, wenn­gleich Adel­heid Löwen­sberg wirt­schaft­lich kaum mehr davon betrof­fen sein konnte.

In ihrer den­noch ins­ge­samt eher unsi­che­ren finan­zi­el­len Situa­ti­on bot das Ver­mö­gen, das neben dem Haus­grund­stück aus einem nicht unbe­trächt­li­chen Akti­en­pa­ket bestand, immer­hin einen gewis­sen Rück­halt. Aber der Ver­kauf von Papie­ren, der zwar die unmit­tel­ba­re Not hät­te lin­dern kön­nen, hät­te auch die Erträ­ge aus den Papie­ren mit­tel­fris­tig geschmä­lert. Ab 1938 war die­se Alter­na­ti­ve aber ohne­hin hin­fäl­lig gewor­den, denn die Zoll­fahn­dungs­stel­le Mainz erwirk­te am 28. Juli eine Siche­rungs­an­ord­nung gegen Adel­heid Löwen­sberg. Nach der dor­ti­gen Auf­stel­lung besaß sie neben dem Haus — Ein­heits­wert jetzt angeb­lich 28.800 RM -, zwei grö­ße­re Wert­pa­pier­de­pots bei der Deut­schen Bank, eins im Wert von 16.000 RM, ein wei­te­res über 15.000 RM.[41] Letz­te­res bestand ursprüng­lich aus Papie­ren, die in einem Tre­sor gela­gert waren und dann aber auf Ver­an­las­sung der Zoll­fahn­dungs­stel­le dem Depot der Bank über­ge­ben wer­den muss­ten, sodass nun sowohl von der Zoll­fahn­dung, wie auch der mit ihr koope­rie­ren­den Bank immer die Kon­trol­le ihrer Finan­zen gesi­chert war. Wenn hier, wie in unzäh­lig vie­len ande­ren Fäl­len auch, die Zoll­fahn­dung aktiv wur­de, dann hat­te das sei­nen Grund dar­in, dass man angeb­lich poten­ti­el­le Devi­sen­ver­ge­hen ver­hin­dern woll­te. Man unter­stell­te ver­mö­gen­den Juden prin­zi­pi­ell, dass sie Wert­pa­pie­re ille­gal ins Aus­land schaf­fen woll­ten, um gege­be­nen­falls dort mit dem Kapi­tal ein neu­es Leben begin­nen zu kön­nen. Ange­sichts der Lage, in der die Juden sich in Deutsch­land befan­den, kei­ne ganz fal­sche Ver­mu­tung. Seit die­sem Zeit­punkt konn­te Adel­heid Löwen­sberg über ihr Ver­mö­gen nicht mehr frei ver­fü­gen, nur auf die Erträg­nis­se der Papie­re konn­te sie zunächst noch ohne Ein­schrän­kun­gen zurück­grei­fen. Aber die­ser Ein­griff in ihre finan­zi­el­le Auto­no­mie war zu ver­schmer­zen ange­sichts des­sen, was in die­sem Jahr 1938 noch auf die jüdi­sche Bevöl­ke­rung und auch Mut­ter und Toch­ter Löwen­sberg zukom­men soll­te: Die Reichs­po­grom­nacht.[42]

Nach­dem am 7. Novem­ber 1938 Her­schel Gynszpan in Paris das Atten­tat auf den Lega­ti­ons­se­kre­tär Ernst Edu­ard von Rath ver­übt hat­te, die­ser aber noch nicht ver­stor­ben war, begann schon am fol­gen­den Tag die all­ge­mei­ne Hetz­te gegen das Juden­tum an sich — auch in Bie­brich. So titel­te das ‚Bie­bri­cher Tages­post’ am fol­gen­den Tag: „Das Welt­ju­den­tum ist ver­ant­wort­lich“ und ergänz­te im Arti­kel selbst, dass der „jüdi­sche Mör­der … nicht aus eige­ner Initia­ti­ve gehan­delt habe, son­dern zu die­ser außer­or­dent­lich bedau­er­li­chen Tat von inter­es­sier­ten Krei­sen ange­stif­tet wor­den sei, die ihm wahr­schein­lich sogar die Waf­fe in die Hand gedrückt hät­ten.“ Im ‚Völ­ki­schen Beob­ach­ter’ wur­den schon am fol­gen­den Tag kon­kre­te Maß­nah­men ange­kün­digt. „Es ist klar, daß das deut­sche Volk aus die­ser Tat sei­ne Fol­ge­run­gen zie­hen wird. Es ist ein unmög­li­cher Zustand, daß in unse­ren Gren­zen Hun­dert­tau­sen­de von Juden noch gan­ze Laden­stra­ßen beherr­schen, Ver­gnü­gungs­stät­ten bevöl­kern und als ‚aus­län­di­sche’ Haus­be­sit­zer das Geld deut­scher Mie­ter ein­ste­cken, wäh­rend ihre Ras­se­ge­nos­sen drau­ßen zum Krieg gegen Deutsch­land auf­for­dern und deut­sche Beam­te nie­der­schie­ßen.“[43] Ansons­ten blieb es aber noch weit­ge­hend ruhig, wenn­gleich in ver­schie­de­nen Orten und Städ­ten gera­de auch in Nord­hes­sen es zu Gewalt­ak­tio­nen und Aus­schrei­tun­gen gegen Juden kam.[44] Auch am Tag als von Rath ver­starb, am 9. Novem­ber, gab es in Bie­brich zunächst kei­ne gewalt­tä­ti­gen Aktio­nen. Wie in Mün­chen, wo sich die „Alten Kämp­fer“ des Put­sches von 1923 tra­fen, fand auch dort an die­sem Abend eine „Fei­er­stan­de“ – Jung­mann spricht von einem „nazis­ti­schen Thea­tri­um“ -[45] mit der übli­chen NSDAP-Lit­ur­gie — Gesang, Reden, Fah­nen usw. — statt, in der dem „Füh­rer“ gehul­digt und ihm ewi­ge Treue gelobt wur­de. Laut dem Bericht der ‚Bie­bri­cher Tages­post’ spiel­te das Atten­tat von Paris an die­sem Abend kei­ne Rol­le. [Arti­kel]

Nach dem Ende die­ser offi­zi­el­len Fei­er­stun­de in der Turn­hal­le, tra­fen sich die NSDA­P­ler, SA-und SS-Män­ner noch in ihrem bevor­zug­ten Ver­samm­lungs­lo­kal ‚Bel­le­vue’, ver­mut­lich um in einer eher locke­ren Run­de sich dem Genuss alko­ho­li­scher Geträn­ke hin­zu­ge­ben. In Mün­chen hat­te man inzwi­schen beschlos­sen, die in eini­gen Orten noch eher spon­tan statt­ge­fun­de­nen Demons­tra­tio­nen gegen Juden zu nut­zen und dar­aus eine zen­tral orga­ni­sier­te Akti­on zu machen, die wie­der­um die Legi­ti­ma­ti­on für den längst geplan­ten Zugriff auf die jüdi­schen Ver­mö­gen lie­fern wür­de. Noch vor Mit­ter­nacht lief in allen Staats­po­li­zei­leit­stel­len des Reichs das Fern­schrei­ben von Gesta­po­chefs Hein­rich Mül­ler ein, in dem ange­kün­dig­te wur­de, dass in „kür­zes­ter Frist in ganz Deutsch­land Aktio­nen gegen Juden, ins­be­son­de­re gegen deren Syn­ago­gen statt­fin­den wür­den. Sie sind nicht zu stö­ren.“[46] Auch wur­de die Ver­haf­tung von 20–30000 Juden – ins­be­son­de­re wohl­ha­ben­den Juden — ange­kün­digt. Ein wei­te­res Fern­schrei­ben von Heyd­rich ent­hielt noch wei­te­re und prä­zi­se­re Instruk­tio­nen, wonach u. a. jüdi­sche Woh­nun­gen zwar zer­stört, aber nicht geplün­dert wer­den dürf­ten.[47] Auch die Bie­bri­cher Nazis erreich­ten die Schrei­ben noch in der Nacht und sofort wur­den in einem abge­schirm­ten Raum des Lokals die Roll­kom­man­dos zusam­men­ge­stellt, Ein­satz­or­te, auch in den umlie­gen­den Gemein­den, fest­ge­legt und „Juden­lis­ten“ aus­ge­ge­ben. Um die Akti­on als Mani­fes­ta­ti­on des Volks­zorns erschei­nen zu las­sen, soll­ten Bie­bri­cher NSDA­P­ler auch in ihrer Stadt selbst auf­tre­ten, auch war vie­ler­orts die Anwei­sung ergan­gen, nicht in Mon­tur, son­dern in Zivil dar­an teilzunehmen.

„Der größ­te Trupp lief die Rat­haus­stra­ße hin­auf bis zur Haus­num­mer 37. Dort befand sich eine etwa 1,50 m hohe Mau­er, unter­bro­chen von einem Metall­tor, durch das man über einen Plat­ten­be­lag an die von der Rat­haus­stra­ße zurück­lie­gen­de Syn­ago­ge kam. Da wur­de kei­ne Tür ohne Gewalt geöff­net, da hing schon bald das Ein­gangs­tor schief in den Angeln, und SA und SS-Stie­fel tra­ten die gro­ße Ein­gangs­tür eben­so ein wie die klei­ne­re Neben­tür. Innen ‚ver­lus­tier­te’ man sich, trieb aller­lei Spott mit den Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­den, die dem Got­tes­dienst dien­ten, riß den Vor­hang her­un­ter, warf die Tora-Rol­len (sic) auf den Boden im Par­terre, zer­trüm­mer­te das Lese­pult, die Bän­ke, eil­te zur Empo­re, trat in die Brüs­tung hin­ein und macht zuschan­den, was nur eben zuschan­den zu machen war.
Die­se bar­ba­ri­sche Tätig­keit dau­er­te bis in die Vor­mit­tags­stun­den des 10. Novem­ber hin­ein. Als es hell wur­de, fan­den sich immer mehr ‚Schau­lus­ti­ge’ ein, guck­ten dem Trei­ben der Plün­de­rer zu, die sich nicht schäm­ten, die Tho­ra­rol­len auf die Stra­ße zu tra­gen, sie dort aus­ein­an­der­zu­wi­ckeln, mit ihnen ’Fuß­ball’ spiel­ten und die sich wie Hel­den vor­kom­men moch­ten.“
[48]

Adelheid Löwensberg, Leopold Löwensberg, Kaufmann Eliakim Löwensberg, Johanna Marxheimer Löwensberg, Lazarus Löwensberg, Zerline Kaufmann Löwensberg Löwensberg, Judenhaus Wiesbaden Biebrich, Horst-Wessel-Str. 45, Straße der Republik 45
Gedenk­ta­fel am Ort der ehe­ma­li­gen Syn­ago­ge in Bie­brich
https://​www​.ale​man​nia​-judai​ca​.de/images​/Images%20171​/Biebrich%20Synagoge%20171.jpg

Ande­re Roll­kom­man­dos hat­ten inzwi­schen jüdi­sche Geschäf­te heim­ge­sucht, hat­ten die Roll­lä­den her­aus­ge­ris­sen und die Schei­ben ein­ge­schla­gen, um sich gewalt­sam Zutritt zu ver­schaf­fen. So war ein Trupp Uni­for­mier­ter, aber auch Zivi­lis­ten in das Haus und Geschäft von Mey­er Hal­ber­stadt an der Ecke Rat­haus- /​ Hop­fen­gar­ten­stra­ße ein­ge­drun­gen und hat­te die Innen­ein­rich­tung völ­lig demo­liert, den Waren­be­stand an Wäsche, Bett­zeug Vor­hän­gen und Kis­sen aus den Rega­len geris­sen und war dar­auf her­um­ge­tram­pelt. Die Kis­sen wur­den auf­ge­schlitzt und die Federn im gesam­ten Laden ver­teilt.
Mit­tags etwa um 13.00 Uhr wur­de die Woh­nung des Bäckers Hen­ne­mann ver­wüs­tet, der aller­dings kein Jude war. Der Mob hat­te ver­se­hend­lich statt der des jüdi­schen Schreib­wa­ren­händ­lers Kus­el die Woh­nung des nicht­jü­di­schen Nach­barn erstürmt. Als Mie­ter eines Juden, so wur­de ihm nach sei­nem Pro­test vor­ge­hal­ten, sei er dafür selbst ver­ant­wort­lich.
In der Metz­ge­rei des Max Kahn in der Wies­ba­de­ner Str. 97 wur­den, nach­dem der Laden­be­sit­zer bereits ver­haf­tet war, eben­falls die Fleisch- und Wurst­wa­ren auf die Stra­ße gewor­fen. Ein wei­te­res Opfer war der Dro­gist Oppen­hei­mer, in des­sen Woh­nung neben der Ein­rich­tung auch wert­vol­le Gemäl­de und Kris­tall zer­stört wur­den. Auch die Woh­nung und der Laden des Kauf­manns Levi wur­de unter den Augen der gesam­ten Fami­lie zer­stört. Nach­mit­tags erreich­te der Mob die Eli­sa­be­then­stra­ße, in der der Kauf­mann Stern sein Haus hat­te. Mit Gegrö­le und Rufen „Wo ist der Jude? Wir schnei­den ihm den Hals ab!“, dran­gen die auf­ge­putsch­ten Men­schen in die Woh­nung ein, um ihr zer­stö­re­ri­sches Werk zu voll­enden. Dies sind nur eini­ge Erin­ne­run­gen von Zeit­zeu­gen, die Jung­hans in sei­ner Samm­lung über die dama­li­gen Ereig­nis­se zusam­men­ge­tra­gen hat und die hier im Detail nicht alle wie­der­ge­ge­ben wer­den können.

Adelheid Löwensberg, Leopold Löwensberg, Kaufmann Eliakim Löwensberg, Johanna Marxheimer Löwensberg, Lazarus Löwensberg, Zerline Kaufmann Löwensberg Löwensberg, Judenhaus Wiesbaden Biebrich, Horst-Wessel-Str. 45, Straße der Republik 45
Bericht über die Pogrom­nacht in der Bibri­cher Tages­post vom 11.11.1938
Stadt­ar­chiv Wies­ba­den NL 34 59

Wie über­all im Reich zer­fiel auch in Bie­brich die Bevöl­ke­rung in ver­schie­de­ne Grup­pen, in die­je­ni­gen die sich aktiv betei­lig­ten, die­je­ni­gen die die Aktio­nen begrüß­ten, ohne sich aber selbst die Fin­ger schmut­zig machen zu wol­len, oder die­je­ni­gen, die ange­sichts des Pogroms erschra­ken, viel­leicht sogar dar­über erschra­ken, wie sehr sie selbst bis­her die brau­ne Revo­lu­ti­on begrüßt hat­ten. Sogar der Bie­bri­cher NSDAP-Orts­grup­pen­lei­ter Schnei­der soll gesagt haben, dass „wir dar­an so lan­ge zu knab­bern haben (wer­den), wie wir den Namen Deutsch­land schrei­ben wer­den.“[49] Gleich­wohl ist er der Par­tei und sei­nem „Füh­rer“ wei­ter­hin gefolgt. Aber es gab auch eini­ge, die die Akti­on offen miss­bil­lig­ten, etwa die Anwoh­ner der Syn­ago­ge, die aber bei der Brand­stif­tung ver­mut­lich mehr um ihre eige­nen Häu­ser fürch­te­ten als um die jüdi­schen Mit­bür­ger. Nur weni­ge soli­da­ri­sier­ten sich offen mit den Ver­folg­ten und kamen ihnen soweit es mög­lich war zu Hil­fe. So etwa der Metz­ger Christ, der mit sei­ner Metz­geraxt und den Wor­ten ‚Wer den bei­den was antut, krieg​t’s mit mir zu tun. An mir kommt nie­mand vor­bei!’ sich der Meu­te in den Weg stell­te, als die­se in das Wäsche­ge­schäft der Geschwis­ter Bel­la und Regi­na Marx in der Kirch­stra­ße ein­zu­drin­gen ver­such­te. Die größ­te Grup­pe war aber auch in Bie­brich die­je­ni­ge, die mein­te, kei­ne Stel­lung bezie­hen zu müs­sen, die als schwei­gen­de Mehr­heit so tat, als habe sie mit all dem nichts zu tun.[50]

Auch wenn in den Berich­ten von Jung­mann nicht erwähnt, so fiel die Hor­de auch in die Woh­nung von Adel­heid Löwen­sberg ein. Es lie­gen meh­re­re Zeu­gen­be­rich­te über die­sen Über­fall vor. So konn­te sich 1949, also fast zwan­zig Jah­re spä­ter, die ehe­ma­li­ge Mit­be­woh­ne­rin Frau Schlig an die­sen Tag erin­nern. Obwohl eigent­lich ver­bo­ten, war sie unmit­tel­bar danach in die Woh­nung gekom­men und hat­te das gesam­te Zer­stö­rungs­werk noch mit eige­nen Augen sehen kön­nen: „Nach ihren Anga­ben war die gesam­te, aus drei Zim­mern und Küche bestehen­de Woh­nung mit Aus­nah­me des Schlaf­zim­mers demo­liert wor­den. Das Schlaf­zim­mer sei auf instän­di­ges Bit­ten von Frau Adel­heid Löwen­sberg von der SS ver­schont wor­den, weil dort die schwer­kran­ke Mut­ter von Frau Löwen­sberg gele­gen habe. Von der Ein­rich­tung der übri­gen Woh­nung sei mit Aus­nah­me der aller­dings teil­wei­se stark beschä­dig­ten Möbel nichts mehr zu ver­wen­den gewe­sen.“[51]
Zeu­ge war auch der damals neun­jäh­ri­ge Richard Her­gen­hahn, den die Ereig­nis­se an die­sem 10. Novem­ber, wie er spä­ter berich­te­te, tief berührt und auf lan­ge Zeit ver­ängs­tigt hat­ten. [52]
Die ‚Reichs­kris­tall­nacht’ ist mir noch gut in Erin­ne­rung. Eine Hor­de von Män­nern warf in der Löwen­sberg-Woh­nung die Schrän­ke um, was einen fürch­ter­li­chen Lärm ergab, außer­dem durch­zo­gen das Haus unter­schied­li­che Gerü­che. Aber die­se Tat soll­te noch Fol­gen haben. Unter der Woh­nung im ers­ten Stock befand sich das Lam­pen­ge­schäft der Elek­tro­fir­ma Neiß. Hein­rich Neiß riss alle in dem Schau­raum hän­gen­den Lam­pen (meist Laden­hü­ter) aus ihrer Hal­te­rung und zer­stör­te sie am Boden, schob dann die Schuld auf die unsach­ge­mäß durch­ge­führ­te Akti­on, durch die ihm als Volks­ge­nos­se ein sehr gro­ßer Scha­den zuge­fügt wor­den wäre. Er for­der­te eine recht ansehn­li­che Sum­me Geld, die ihm recht unkon­ven­tio­nell aus­ge­zahlt wur­de. Er hat­te näm­lich noch einen Trumpf in der Hand. Als sich die Par­tei bei ihm ent­schul­di­gen woll­te für das etwas ‚töl­pel­haf­te’ Agie­ren der Grup­pe, ohne den Sach­ver­halt vor­her zu über­prü­fen, ließ Neiß die­se Argu­men­ta­ti­on nicht gel­ten, son­dern rich­te­te sei­ne Ankla­ge gegen die­je­ni­gen in der NSDAP, die die­se Hor­de ange­heu­ert haben, zumal sich dar­un­ter noch ein ehe­ma­li­ger Kom­mu­nist befun­den habe. Meh­re­re Haus­be­woh­ner konn­ten dies bestä­ti­gen, sodass der Fall Löwen­sberg eini­gen Par­tei­bon­zen einen Schre­cken in die Glie­der gejagt haben dürf­te, denn Ver­sa­ger hat man bei den Nazis auch schon aus den eige­nen Rei­hen ‚liqui­diert’. So dürf­te die promp­te Beglei­chung der Zah­lungs­for­de­rung ohne eine Über­prü­fung der Scha­dens­ur­sa­che (!) leicht zu erklä­ren sein. Ob von der erhal­te­nen Sum­me Hein­rich Neiß einen Betrag an Löwen­sbergs wei­ter­ge­ge­ben hat, ist mir unklar. Auf­fal­lend war jedoch die rela­tiv schnel­le Behe­bung der Schä­den in der Woh­nung. Dass von der gan­zen Vor­gangs­täu­schung nie etwas her­aus­kam, spricht für eine inte­ge­re Haus­ge­mein­schaft! Die Freu­de über die her­ein­ge­leg­ten Nazis war rie­sig groß. Die Sto­ry wur­de spä­ter immer wie­der in Erin­ne­rung geru­fen, war es doch auch eine klei­ne Genug­tu­ung für den Scha­den, der in der Woh­nung Löwen­sberg ange­rich­tet wur­de. Kei­ner der Haus­be­woh­ner hat­te hier­für auch nur das gerings­te Ver­ständ­nis, denn die bei­den Damen waren als Haus­be­sit­zer hoch ange­se­hen.“[53]

Die Täter hat­ten damals aber nicht nur mut­wil­lig die Ein­rich­tung, das Por­zel­lan und wert­vol­le Kris­tall­glä­ser zer­stört, was die SA- und SS-Män­ner selbst gebrau­chen konn­ten, lie­ßen sie trotz aus­drück­li­chem Ver­bot der Plün­de­rung ein­fach mit­ge­hen, so ein Radio­ge­rät und auch eine Schreib­ma­schi­ne.[54]
In einem Schrei­ben, das Adel­heid Löwen­sberg am 14. Dezem­ber 1938 an den Regie­rungs­prä­si­den­ten mit der Bit­te um Wei­ter­lei­tung an das Finanz­amt rich­te­te, heißt es: „Gemäß Reichs­steu­er­blatt Nr. 106 vom 24.11.38 (…) gebe ich den mir durch die“ – eine sehr zurück­hal­ten­de For­mu­lie­rung – „Kund­ge­bung am 10. Novem­ber d​.​J. ent­stan­de­nen Scha­den mit 2 000 RM an.“[55] Ver­mut­lich han­delt es sich bei der hier gemel­de­ten Sum­me um die Schä­den, die der Mie­ter Neiß selbst ver­ur­sacht hat­te. Denn selbst­ver­ständ­lich war es sonst nicht mög­lich, die Ver­si­che­run­gen für die mate­ri­el­len Fol­gen des Pogroms in Anspruch zu neh­men. Im Gegen­teil. Neben dem ange­rich­te­ten Scha­den hat­te auch Adel­heid Löwen­sberg noch eine so genann­te Süh­ne­leis­tung auf­zu­brin­gen. Zunächst 20, dann 25 Pro­zent des vor­han­de­nen Ver­mö­gens waren in vier bzw. fünf Vier­tel­jah­res­ra­ten an den Fis­kus abzutreten.

Adelheid Löwensberg, Leopold Löwensberg, Kaufmann Eliakim Löwensberg, Johanna Marxheimer Löwensberg, Lazarus Löwensberg, Zerline Kaufmann Löwensberg Löwensberg, Judenhaus Wiesbaden Biebrich, Horst-Wessel-Str. 45, Straße der Republik 45
Nas­saui­scher Anzei­ger vom 14.11.1938
Statdt­ar­chiv Wies­ba­den NL 34 59

Die­se Son­der­steu­er für Juden war geschickt mit der im April 1938 in ganz Deutsch­land erzwun­ge­nen Anmel­dung jüdi­scher Ver­mö­gen ver­knüpft wor­den. In allen Zei­tun­gen, auch denen in Bie­brich und Wies­ba­den, wur­de das Zerr­bild vom rei­chen Juden gezeich­net, der scham­los dem deut­schen Volks­kör­per das Blut aus­sau­ge. Neben der ‚Süh­ne­leis­tung’, auch Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be genannt, wur­de die kon­se­quen­te Aus­schal­tung der Juden aus dem Wirt­schafts­le­ben für den 1. Janu­ar 1939 angekündigt.[Zeitungsausschnitte]

Bei sei­ner Berech­nung der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be für Adel­heid Löwen­sberg leg­te das Finanz­amt Wies­ba­den bei ihr ein Ver­mö­gen von 43.000 RM zu Grun­de, was vier, dann fünf Raten von jeweils 2.150 RM bedeu­te­te, ins­ge­samt eine Sum­me von mehr als 10.000 RM.[56] Da sie aber nicht ein­mal über 500 RM an Bar­geld ver­füg­te, war sie gezwun­gen ihre Wert­pa­pie­re in Zah­lung zu geben.[57] Im Janu­ar 1940 war ihr Ver­mö­gen auf 28.500 RM zusam­men­ge­schrumpft, wobei der Ein­heits­wert des Hau­ses allein mit 26.100 RM berech­net war.[58] Am 28. Okto­ber 1941, nach dem alle Son­der­ab­ga­ben gezahlt wor­den waren, bestä­tig­te die Deut­sche Bank, dass auf ihrem gesi­cher­ten Kon­to noch 3.891 RM lie­gen wür­den.[59]

Unter­des­sen gab es in die­ser Zeit durch die ver­stärk­ten Bom­bar­de­ments der bri­ti­schen Air Force eine gera­de­zu para­dox Bedro­hung für Leib und Leben der Bewoh­ner des Juden­hau­ses. Am 6. Mai 1941 war die ers­te gro­ße Bom­be in Bie­brich gefal­len, die zwei Men­schen­le­ben gekos­tet hat­te. Aber anders als Wei­chel in sei­nem Buch über den Bom­ben­krieg in Wies­ba­den schreibt, hat­te Wies­ba­den danach kei­nes­wegs für „mehr als ein Jahr Ruhe“.[60] Noch bevor 1942 die Bri­ten began­nen, durch breit ange­leg­te Flä­chen­bom­bar­de­ments deut­scher Städ­te mit Brand­bom­ben in Schutt und Asche zu legen, gab es immer wie­der ein­zel­ne Bom­ben­ab­wür­fe, gezielt oder auch ver­se­hent­lich, die den Bewoh­nern die rea­le Schutz­lo­sig­keit vor Augen füh­ren soll­ten. Von einem sol­chen Angriff wur­de am 3. Sep­tem­ber 1941 auch das Juden­haus in der Horst-Wes­sel-Str. 45 getrof­fen.[61] Eine Brand­bom­be war in den Dach­stuhl ein­ge­schla­gen und hat­te in der Woh­nung von Frau Schlig erheb­li­che Schä­den ange­rich­tet. Das bele­gen die vie­len Rech­nun­gen von Hand­wer­kern, die die­se wie­der besei­ti­gen muss­ten und die Kos­ten dafür beim ‚Wehr­macht- und Kriegs­schä­den-Amt’ bei der Stadt Wies­ba­den ein­reich­ten.[62] Dies kam nor­ma­ler­wei­se für sol­che Schä­den auf, nicht aber bei Juden, zumin­dest dann nicht, wenn der Eigen­tü­mer Mit­er­träg­nis­se ver­bu­chen konn­te. Da aber die Müh­len der Büro­kra­tie auch im NS-Staat mit­un­ter sehr lang­sam mahl­ten, hat­te man ver­säumt, das Geld von Adel­heid Löwen­sberg ein­zu­trei­ben, bevor sie depor­tiert wur­de. Somit blieb die Zah­lung der Schä­den am zukünf­ti­gen Eigen­tü­mer hängen.

Adel­heids Mut­ter Johan­na Löwen­sberg, die im Novem­ber 1938 schon bett­lä­ge­rig war, über­leb­te die fol­gen­de Zeit der wach­sen­den Ver­fol­gung, Drang­sa­lie­rung und Aus­rau­bung nur noch ein hal­bes Jahr. Sie war bereits am 26. April 1939 in Bie­brich ver­stor­ben,[63] ein drei­vier­tel Jahr bevor aus ihrem Haus ein Juden­haus wur­de. Jung­mann schreibt im Hin­blick auf die drei Bie­bri­cher Juden­häu­ser:
“Der Ent­zug der Woh­nung und die Get­toi­sie­rung als Vor­stu­fe der Ver­nich­tung blieb nie ohne Spu­ren. Mit dem Aus­zug nah­men sie Abschied von einem Ort, mit dem sie lan­ge und tief ver­wur­zelt waren. Ihre ehe­ma­li­ge Woh­nung und ab 1933 Zuflucht­stät­te vor Dif­fa­mie­rung und Dis­kri­mi­nie­rung exis­tier­te nicht mehr. Alt­ver­trau­te Möbel und Ein­rich­tungs­gegen­stän­de blie­ben zurück, Bücher und Bil­der gin­gen ver­loren, Haus­tie­re durf­ten nicht mit­ge­nom­men wer­den. Es kam daher vor, daß Juden zu ihren Woh­nun­gen zurück­kehr­ten, um sie von außen anzu­se­hen. Der Ver­lust lös­te Trä­nen und Trau­er aus. Wer das Pri­vi­leg hat­te, zunächst in sei­ner Wohnung blei­ben zu kön­nen, nahm Ver­wand­te und Bekann­te auf. Zu ihnen stie­ßen bald Frem­de: Allein­ste­hen­de, Ehe­paa­re oder Fami­li­en mit Kin­dern. Die letz­ten Mona­te der jüdi­schen Bie­bri­cher waren nur noch trost­los. Eine Unzahl von Kof­fern. Papp­kar­tons und klei­nen Kis­ten, häu­fig noch auf Käs­ten und Kom­mo­den auf­ge­türmt, füll­te jeden Win­kel aus und ver­stell­te den Weg. Die Möbel, mit denen sie nach der Ver­trei­bung aus der Woh­nung nichts mehr anzu­fan­gen wuß­ten, lager­ten bei einem Spe­di­teur. Alles, was man frü­her in Schub­la­den und Käs­ten ver­wahrt hat­te, Klei­der, Wäsche, Schuh­zeug, Bücher, in man­chen Haus­hal­ten sogar noch die Kriegs­aus­zeich­nun­gen, war nun in den Käs­ten, Kof­fern und Taschen ver­packt.“[64]
Die­se Dar­stel­lung trifft ganz sicher für vie­le sol­cher Ghet­to­häu­ser im dama­li­gen Deut­schen Reich zu, auch für eini­ge in Wies­ba­den, ganz sicher aber nicht für das Haus in der Horst-Wes­sel-Stra­ße. Ohne das ihr ange­ta­ne Leid auch nur im Gerings­ten schmä­lern zu wol­len, so muss man doch fest­hal­ten, dass Adel­heid Löwen­sberg das Glück hat­te, bis zuletzt allei­ne in ihrer Drei-Zim­mer-Woh­nung blei­ben zu dür­fen. Ob und inwie­weit sie nach dem Tod ihrer Mut­ter von ihren nicht­jü­di­schen Mit­be­woh­nern, etwa ihrer ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­te­rin Frau Schlig, eine mensch­li­che Unter­stüt­zung erfah­ren hat, ist nicht bekannt. Aber es gab dane­ben wohl auch eine enge­re Bezie­hung zu dem nicht­jü­di­schen Sani­täts­rat Dr. Hap­pel aus Bie­brich, zumin­dest wur­de das – so Richard Her­gen­hahn – damals „gemun­kelt“.[65] Über die Art die­ser Ver­bin­dung konn­te er aber kei­ne Aus­kunft geben. Soll­te sie inti­me­ren Cha­rak­ter gehabt haben, so hät­ten sich bei­de des Straf­tat­be­stands der „Blut­schan­de“ schul­dig gemacht. Die­ser Dr. Hap­pel hat­te nach dem Krieg dem Such­dienst des Roten Kreu­zes die Aus­kunft erteilt, Adel­heid Löwen­sberg sei am 11. Juni 1942 nach Lodz depor­tiert wor­den.[66] Auch wenn die­se Infor­ma­ti­on nur zum Teil rich­tig war, so kann sie doch als Indiz für eine enge­re Bezie­hung zwi­schen den bei­den gewer­tet werden.

Bereits am 10. Juni hat­te sich Adel­heid Löwen­sberg von ihren Mit­be­woh­nern ver­ab­schie­den müs­sen, eine Situa­ti­on, die dem inzwi­schen 12 Jah­re alt gewor­de­nen Richard Her­gen­hahn auch spä­ter noch sehr gegen­wär­tig vor Augen stand.
„Als sich Adel­heid Löwen­sberg ver­ab­schie­de­te, glaub­ten wir alle und sie selbst nur an eine Epi­so­de, die bald vor­bei sein dürf­te, hat­te sie doch kei­nem Men­schen etwas zulei­de getan. (…) An der Ecke Gar­ten- und Stra­ße der Repu­blik (ich möch­te sie in die­sem Zusam­men­hang nicht Horst-Wes­sel-Stra­ße nen­nen, wie sie damals hieß) bei Uhren-Katz dreh­te sich mei­ne Tan­te Adel noch ein­mal um und wink­te kurz. Wir stan­den am Fens­ter. Kei­ner hat geglaubt, dass sie nie wie­der zurück kom­men wird. Erst spä­ter ahn­te man, was mit ihr gesche­hen sein könn­te. Gewiss­heit beka­men wir erst, als sie auch nach dem Kriegs­en­de nicht mehr zurück­kehr­te. Der Abschied und das letz­te Win­ken wur­den uns erst im Nach­hin­ein in der gan­zen Schwe­re bewusst.“[67]

Adel­heid Löwen­sberg war am 11. Juni 1942 nicht – wie Dr. Hap­pel annahm — nach Lodz, son­dern wie die ande­ren etwa 1250 Insas­sen des Zuges nach Lub­lin depor­tiert wor­den. Schon am Tag zuvor hat­te man die Wies­ba­de­ner Juden zunächst nach Frank­furt gebracht, wo der Zug end­gül­tig zusam­men­ge­stellt wur­de. Neben den 371 Per­so­nen aus Wies­ba­den wur­den in der Frank­fur­ter Groß­markt­hal­le wei­te­re Jüdin­nen und Juden aus dem gesam­ten Regie­rungs­be­zirk Wies­ba­den und aus der Stadt Frank­furt dem Trans­port zuge­ord­net. Weni­ge 100 arbeits­fä­hi­ge Män­ner hol­te die SS in Lub­lin aus dem Zug, um sie beim Auf­bau des Lagers Maj­da­nek ein­zu­setz­ten. Die nicht mehr Ver­wert­ba­ren brach­te der Zug dann nach Sobi­bor, wo sie mit größ­ter Wahr­schein­lich­keit unmit­tel­bar nach ihrer Ankunft ver­nich­tet wur­den.[68]

Adel­heid Löwen­sbergs Bru­der Leo­pold und sei­ne Frau Mar­ga­re­ta haben den Holo­caust über­lebt. Aller­dings ist bis­her völ­lig unklar, wie ihnen das gelang. Leo­pold streng­te nach dem Krieg das Ent­schä­di­gungs- und Rück­erstat­tungs­ver­fah­ren für sei­ne Schwes­ter respek­ti­ve für sei­ne Fami­lie an. In den Unter­la­gen fin­det sich nur ein sehr knap­per Ver­weis auf sei­ne eige­ne Lebens­ge­schich­te, wie­der­um von Sani­täts­rat Dr. Hap­pel. In einem Brief an das Wies­ba­de­ner Finanz­amt vom 10. Dezem­ber 1945, in dem er umfas­sen­de Kennt­nis­se über die frü­he­ren finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se von Adel­heid Löwen­sberg offen­bart, schreibt er: „Ihr nächs­ter Anver­wand­ter ist ihr Bru­der, Leo­pold Löwen­sberg, Ham­burg 13, Jses­str. 104 (24) [soll ver­mut­lich Ise­str. hei­ßen – K​.​F.]; er lebt und hat die Angrif­fe, die er über sich erge­hen las­sen muss­te, gut über­stan­den.“[69]

Die Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren zogen sich – wie üblich – über Jah­re hin. Ihr Ende erleb­te Leo­pold nicht mehr. Er ver­starb am 20. Janu­ar 1953 in Ham­burg. Sei­ne Frau Mar­ga­re­te hat­te nach sei­nem Tod dann aller­dings erheb­li­che Pro­ble­me, als Wit­we die Ansprü­che ihres Man­nes durch­zu­set­zen.[70]
Das ehe­ma­li­ge Juden­haus in der nun wie­der zu Stra­ße der Repu­blik gewor­de­nen Ver­bin­dung nach Wies­ba­den war aller­dings bereits durch Beschluss des Amtes für Ver­mö­gens­kon­trol­le und Wie­der­gut­ma­chung vom 4. Juli 1949 wie­der an Leo­pold Löwen­sberg zurück­er­stat­tet wor­den.[71] Zuvor, eigent­lich unmit­tel­bar nach­dem die Eigen­tü­me­rin der Immo­bi­lie depor­tiert wor­den war, begann auch in die­sem Fall das Gezer­re um das ver­wais­te Raub­gut. Wie üblich war das Haus­grund­stück genau­so wie alle ande­ren noch vor­han­de­nen Ver­mö­gens­wer­te der Depor­tier­ten zunächst dem Deut­schen Reich ver­fal­len, was aber zunächst nur bedeu­te­te, dass nie­mand ande­res Zugriff dar­auf hatte.

Einen sol­chen Zugriff, wenn auch nicht an dem Ver­mö­gen selbst, bean­spruch­te als ers­tes die Stadt Wies­ba­den. Sie ließ die bereits unter Adel­heid Löwen­sberg ver­ant­wort­li­che Haus­ver­wal­tung Fran­ke & Füt­te­rer wis­sen, dass die ehe­ma­li­gen Juden­woh­nun­gen „den gel­ten­den Bestim­mun­gen über die Erleich­te­rung der Woh­nungs­be­schaf­fung für kin­der­rei­che Fami­li­en sowie über das Ver­bot der Umwand­lung von Wohn­räu­men in gewerb­li­che – und Büro­räu­me“ unter­lie­gen wür­den. Die Haus­ver­wal­tung habe des­halb die frei­ge­wor­de­ne Woh­nung im ers­ten Stock­werk dem Städ­ti­schen Woh­nungs­amt zu mel­den.[72] Die Haus­ver­wal­tung setz­te dar­auf­hin das Finanz­amt Wies­ba­den von die­sem Schrei­ben in Kennt­nis. Mög­li­cher­wei­se dadurch ver­an­lasst, bean­trag­te am 16. August 1942 der dafür zustän­di­ge Sach­be­ar­bei­ter Schreck im Finanz­amt die Umschrei­bung des Grund­stücks auf das Deut­sche Reich, die dann schon am 21. August voll­zo­gen wur­de.[73]

Kurio­ser­wei­se war damit auch die Beglei­chung der Kos­ten für die Repa­ra­tur der Bom­ben­schä­den von der depor­tier­ten jüdi­schen Eigen­tü­me­rin auf das Finanz­amt über­ge­gan­gen. Am 9. Sep­tem­ber 1942 for­der­te das Kriegs­schä­den-Amt von der Haus- und Grund­stücks­ver­wal­tung Fran­ke & Füt­te­rer die ent­spre­chen­den Gel­der ein. Schon jetzt wur­de fest­ge­hal­ten, dass im Fal­le eines Besit­zer­wech­sels, die Ansprü­che an den neu­en Eigen­tü­mer über­ge­hen wür­den, d. h. an den Reichs­fi­nanz­mi­nis­ter.[74] Erst ein drei­vier­tel Jahr spä­ter, am 23. Juni 1943, erging dann von der ‚Dienst­stel­le für Ver­wer­tung jüdi­schen Ver­mö­gens’ beim Finanz­amt Wies­ba­den die ent­spre­chen­de Aus­zah­lungs­an­ord­nung an die Stadt Wies­ba­den. Auf der Sam­mel­an­wei­sung waren neben dem Juden­haus in der Horst-Wes­sel-Stra­ße auch die bei­den in der Bahn­hofstr. 46 und der Mar­tins­tha­ler Str. 2 auf­ge­führt. Auch hier hat­te es offen­sicht­lich, aller­dings zu einem ande­ren Zeit­punkt ähn­li­che Kriegs­schä­den gege­ben, für die nun die Finanz­be­hör­den auf­kom­men muss­ten.[75]

Adelheid Löwensberg, Leopold Löwensberg, Kaufmann Eliakim Löwensberg, Johanna Marxheimer Löwensberg, Lazarus Löwensberg, Zerline Kaufmann Löwensberg Löwensberg, Judenhaus Wiesbaden Biebrich, Horst-Wessel-Str. 45, Straße der Republik 45
Umschrei­bung des Löwen­berg-Hau­ses im Grund­buch auf den Reichs­fis­kus
HHStAW 519/​2 2196 I

Mit der auch for­ma­len Aneig­nung der Immo­bi­lie durch den Ein­trag im Grund­buch auf den Reichs­fis­kus hat­te der NS-Staat aber auch sei­ne Macht­stel­lung gegen­über ande­ren pri­va­ten Inter­es­sen­ten an dem Haus erfolg­reich aus­ge­spielt. Auf der Lis­te poten­ti­el­ler Käu­fer für jüdi­sche Immo­bi­li­en, die im Okto­ber 1942 ange­legt wor­den war, hat­te sich ein Anton Rie­gel, über den nichts Nähe­res bekannt ist, für das Wohn­grund­stück in der Horst-Wes­sel-Stra­ße ein­tra­gen las­sen.[76] Die Lis­te sol­cher Inter­es­sen­ten war ange­legt wor­den, nach­dem die Regie­rung im April eine gene­rel­le Ver­kaufs­sper­re jüdi­scher Wohn­grund­stü­cke ange­ord­net hat­te, angeb­lich, um die „im Feld ste­hen­den“ Sol­da­ten beim Zugriff auf die Beu­te nicht zu benach­tei­li­gen.[77] Hat­te man aber gute Bezie­hun­gen zu den ent­spre­chen­den Per­so­nen im Par­tei­ap­pa­rat, dann war es schon mög­lich, dass Aus­nah­men gemacht wur­den, und man trotz des Ver­bots zum Zuge kam.

Ent­spre­chen­de Ein­ga­ben wur­den auch im Fal­le des Löwen­sberg-Hau­ses gemacht. Kaum sechs Wochen nach­dem man Adel­heid Löwen­sberg aus dem Haus ver­trie­ben hat­te – angeb­lich wuss­te kei­ner was mit den depor­tier­ten Juden gesche­hen wür­de, aber man war sich offen­bar sicher, dass sie nicht zurück­kom­men wür­den !! – und noch bevor das Haus­grund­stück auf das Deut­sche Reich über­schrie­ben wor­den war, lagen dem Finanz­amt zwei Schrei­ben von Inter­es­sen­ten vor.

Ein Schrei­ben wur­de von dem Besit­zer der in Wies­ba­den ansäs­si­gen ‚Che­misch-Phar­ma­zeu­ti­schen Fabrik Uhl­horn’ am 4. August 1942 ein­ge­reicht. Der Eigen­tü­mer Dr. Uhl­horn ver­wies bei sei­nem Antrag nicht nur auf sei­ne zwei Söh­ne, die zur Zeit „im Feld“ ste­hen wür­den, son­dern hoff­te auch, durch den Erwerb des Gebäu­des „zur Erfül­lung der gestei­ger­ten Auf­ga­be der Nach­kriegs­zeit“ einen grö­ße­ren Bei­trag leis­ten zu kön­nen.[78] „Gemein­nutz geht vor Eigen­nutz“ – zumin­dest muss­te man die­se Nazi-Paro­le ins Feld füh­ren, woll­te man sei­ne eigen­nüt­zi­gen Inter­es­sen realisieren.

Inter­es­san­ter sind aller­dings zwei ande­re Anfra­gen, die bereits am 14. und 30. Juli, also schon 4 Wochen nach der Depor­ta­ti­on aus dem Haus selbst von dem Mie­ter Neiss über die DAF (Deut­sche Arbeits­front) ein­ge­reicht wur­den. In der zwei­ten bat er dar­um, ihm „die vor­mals jüdi­sche Woh­nung“ zur Mie­te zu über­las­sen. Er betrei­be in dem Haus seit 30 Jah­ren ein Instal­la­ti­ons­ge­schäft mit nor­ma­ler­wei­se etwa 10 Beschäf­tig­ten. Er habe frü­her schon im ers­ten Stock gewohnt, sei aber vor etwa 15 Jah­ren „auf dem Zwangs­we­ge von der dama­li­gen Woh­nungs­kom­mis­si­on (Mehr­heit Kom­mu­nis­ten) her­aus­be­för­dert“ wor­den. Die Woh­nung habe statt­des­sen der Vor­sit­zen­de des Arbei­ter­ra­tes Jawor­ski erhal­ten. Ihm sei die Dach­woh­nung zuge­wie­sen wor­den, sodass er seit die­ser Zeit gezwun­gen sei, nach Geschäft­s­chluss „nach dem Dach­stock zu wan­dern“. Für sei­nen inzwi­schen ver­hei­ra­te­ten Sohn habe es kei­nen Platz mehr in dem Haus gege­ben. Wäh­rend des­sen Frau inzwi­schen bei ihnen in den ohne­hin beeng­ten Ver­hält­nis­se lebe, stän­de die­ser als „Flie­ger in Russ­land im Felde“.

Adelheid Löwensberg, Leopold Löwensberg, Kaufmann Eliakim Löwensberg, Johanna Marxheimer Löwensberg, Lazarus Löwensberg, Zerline Kaufmann Löwensberg Löwensberg, Judenhaus Wiesbaden Biebrich, Horst-Wessel-Str. 45, Straße der Republik 45
Die Pro­fi­teu­re der Juden­de­por­ta­tio­nen offen­ba­ren sich
HHStAW 519/​2 2196 I

“Soll­te das Haus evtl. zum Ver­kauf kom­men, so bit­te ich, mich in aller­ers­ter Linie berück­sich­ti­gen zu wol­len. Ich habe hier mei­ne gan­ze Exis­tenz auf­ge­baut, sämt­li­che ver­füg­ba­ren Lager­räu­me, Werk­statt, Gara­ge usw. gemie­tet, und dürf­te bei ander­wei­ti­gem Ver­kauf mein gan­zes Geschäft in Fra­ge gestellt sein.“[79]
Die­ses Kauf­in­ter­es­se hat­te er auch schon in dem ers­ten Brief geäu­ßert, hier aber bezüg­lich sei­nes Soh­nes, der der eigent­li­che Käu­fer sein soll­te, noch ergänzt, dass die­ser seit sei­ner Grün­dung Mit­glied des N​.​S​.​K​.​K. (Natio­nal­so­zia­lis­ti­sches Kraft­fahr­zeug­korps) und mit der Num­mer 5392064 auch Mit­glied der NSDAP sei.[80]

Vor die­sem Hin­ter­grund muss man den Ein­druck gewin­nen, dass das Ver­hal­ten des Mie­ters Neiss wäh­rend der Reichs­po­grom­nacht doch weni­ger davon moti­viert gewe­sen war, dem NS-Staat ein Schnäpp­chen zu schla­gen als davon, die höchst bedroh­li­che Situa­ti­on für die jüdi­sche Mit­be­woh­ne­rin zum eige­nen Vor­teil zu nut­zen und das ver­al­te­te Waren­an­ge­bot gewinn­brin­gend abzu­sto­ßen. Jetzt wo die Jüdin fort war, galt es erneut sei­nen Vor­teil zu suchen, jetzt als Anti­kom­mu­nist und zumin­dest der NSDAP offen­sicht­lich nahe ste­hen­der „Volks­ge­nos­se“.
Wie sich aus einem Gesprächs­ver­merk beim Finanz­amt ergibt, kam es zunächst zu einer Vor­ort­be­sich­ti­gung des Sach­be­ar­bei­ters im Haus, der sich von der prin­zi­pi­el­len Bedürf­tig­keit des bis­he­ri­gen Mie­ters Neiss über­zeug­te und dar­auf­hin ein Gespräch mit dem städ­ti­schen Woh­nungs­amt führ­te. Hier trug der Sach­be­ar­bei­ter – ver­mut­lich war es Schreck selbst – vor, dass das Finanz­amt pla­ne, das Haus an Neiss zu ver­kau­fen. Wenn es zum Ver­kauf käme, so kön­ne der neue Eigen­tü­mer Anspruch auf die Woh­nung zu Eigen­be­darfs­zwe­cken stel­len, ohne dass das Gebot der Ein­quar­tie­rung einer kin­der­rei­chen Fami­lie dann Vor­rang habe. Vor­aus­set­zung sei aber, dass der Ver­kauf ent­ge­gen der Bestim­mung des Reichs­fi­nanz­mi­nis­ters tat­säch­lich zu Stan­de käme. Er mach­te zudem auf ein wei­te­res Hin­der­nis auf­merk­sam, womit eine der typi­schen Kon­flik­te im Drit­ten Reich zwi­schen tra­di­tio­nel­len Behör­den und Macht­an­sprü­chen bzw. ‑anma­ßun­gen der NSDAP-Bon­zen ange­spro­chen ist: „Herr Sau­er [vom Städ­ti­schen Woh­nungs­amt – K​.​F.] deu­te­te an, daß die Kreis­lei­tung Anspruch zur Beset­zung der Woh­nung gege­ben habe. Ihr sei die­ses Recht über­las­sen, sodaß das Woh­nungs­amt wenig machen kön­ne.“[81] Der Bie­bri­cher NSDAP-Orts­grup­pe war ihr bis­he­ri­ger Ver­samm­lungs­raum zu klein, wes­halb sie die Woh­nung der in der glei­chen Eta­ge leben­den Mie­te­rin Bausch bean­spruch­te. Natür­lich muss­te der dafür eine Ersatz­woh­nung zuge­wie­sen wer­den kön­nen. Was lag also näher, als die „Juden­woh­nung“ über die Woh­nungs­ver­wal­tung, aller­dings unter Umge­hung des Finanz­amts und des städ­ti­schen Woh­nungs­amts, an die Frau zu ver­mie­ten. Am 18. August 1942 war der Miet­ver­trag geschlos­sen wor­den, am 1. Sep­tem­ber soll­te sie dort ein­zie­hen.[82]

Das Finanz­amt, das in stän­di­gen Kon­takt mit dem Ober­fi­nanz­prä­si­den­ten in Kas­sel wegen der Ver­wer­tung der Immo­bi­lie stand, infor­mier­te die über­ge­ord­ne­te Behör­de, die dann am 23. Sep­tem­ber unmiss­ver­ständ­lich erklär­te, dass der Miet­ver­trag hin­fäl­lig sei, das Haus dem Reichs­fis­kus gehö­re und das Finanz­amt Wies­ba­den allei­ne berech­tigt sei, Miet­ver­trä­ge zu ver­ein­ba­ren. Auch wur­de die NSDAP-Orts­grup­pe dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es auch ihr auf Grund der Ver­ord­nung über das Ver­bot der Zweck­ent­frem­dung von Wohn­raum nicht erlaubt sei, sol­chen in Büro­räu­me umzu­wan­deln. Wei­ter­hin stell­te der Ober­fi­nanz­prä­si­dent für den Ver­kauf des Hau­ses an Neiss eine Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung in Aus­sicht. Man sol­le ihm des­halb den Ein­heits­wert des Grund­stücks mit­tei­len.[83]

Die Woh­nung in der Horst-Wes­sel-Stra­ße war zu die­sem Zeit­punkt noch nicht von der von der NSDAP-Orts­grup­pe aus­ge­such­ten Mie­te­rin bezo­gen wor­den, da – so erfährt man aus den Unter­la­gen neben­bei – die­se bis­her noch nicht von den Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­den von Adel­heid Löwen­sberg geräumt wor­den war. Inzwi­schen war von Sei­ten des Finanz­amts ein Miet­ver­trag mit dem Instal­la­teur Neiss zustan­de gekom­men und es wur­de begon­nen, die Woh­nungs­ein­rich­tung zwecks Ver­wer­tung zu räu­men. Als die NSDAP-Bie­brich erfuhr, dass nicht der von ihr abge­schlos­se­ne Miet­ver­trag zum tra­gen kom­men soll­te, hef­te­te der Orts­grup­pen­lei­ter Ohl­ma­cher ein Zet­tel mit fol­gen­dem Wort­laut an die Haus­tür:
“Anord­nung
Die­se Woh­nung ist durch den Kreis­lei­ter als Beauf­trag­ten des Gau­woh­nungs­kom­mis­sars beschlag­nahmt. Die Besitz­nah­me erfolgt durch den Kreis­lei­ter. Unbe­rech­tig­tes Bele­gen der Woh­nung zieht schärfs­te Bestra­fung nach sich
gez. Ohl­ma­cher“
[84]

Nach einem Gespräch konn­te der Kon­flikt dann doch noch besei­tigt wer­den, indem eine ande­re Woh­nung für die Fami­lie Bausch gefun­den wur­de. Ob die NSDAP auch die Geneh­mi­gung erhielt für ihre Zwe­cke Wohn­raum in Büros umzu­wan­deln, ist den Akten nicht zu ent­neh­men. Neiss erhielt zwar einen gül­ti­gen Miet­ver­trag für die ehe­ma­li­ge Woh­nung der Löwen­sbergs und sein Sohn konn­te mit sei­ner Frau die Dach­ge­schoss­woh­nung sei­ner Eltern bezie­hen, aber zu einem Ver­kauf des Hau­ses kam es in den fol­gen­den Jah­ren nicht mehr. Das Haus wur­de auf Kos­ten des Staa­tes – das Reichs­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um blieb wei­ter­hin der Eigen­tü­mer – kost­spie­lig reno­viert und der neue Mie­ter Neiss stell­te für die von ihm selbst getä­tig­ten Elek­tro­ar­bei­ten eine ent­spre­chen­de Rech­nung aus.

„Die ehem. jüdi­sche Woh­nung“ sei „stark her­un­ter­ge­wirt­schaf­tet, Decken, Wän­de und Frie­se schmut­zig“ gewe­sen, erläu­ter­te der Rech­nungs­prü­fer beim Finanz­amt die hohen Kos­ten. Bezüg­lich der von Neiss aus­ge­führ­ten Elek­tro­ar­bei­ten schrieb er: „Die gesam­ten elektr. Licht- und Klin­gel­an­la­gen von der Haus­tür nach dem Stie­gen­haus waren durch die jüdi­sche Miss­wirt­schaft oft nur behelfs­mä­ßig ver­legt und durch Abga­be ein­zel­ner Räu­me durch den Juden an Unter­mie­ter viel­fach will­kür­lich unter­bro­chen, schad­haft und in dem Zustand unbrauch­bar. Eine voll­stän­di­ge ord­nungs­ge­mä­ße Ver­le­gung und Her­rich­tung der Anla­ge wur­de bei Neu­ver­mie­tung der Woh­nung gefor­dert.“ [85] Von wem war die­se Beur­tei­lung abge­ge­ben und die For­de­rung erho­ben wor­den, wenn nicht von Neiss, einem, der in viel­fa­cher Hin­sicht zu den Pro­fi­teu­ren der Juden­ver­fol­gung zu zäh­len ist.

Nach­dem das Haus vom Reichs­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um zurück­er­stat­tet wor­den war, Leo­pold Löwen­sberg ver­stor­ben war, gab es für die übri­gen Fami­li­en­mit­glie­der, die selbst kei­ne Bin­dung nach Wies­ba­den oder Bie­brich hat­ten, kei­nen Grund mehr an dem Besitz fest­zu­hal­ten. Das ehe­ma­li­ge Juden­haus ging in frem­de Hän­de über.

 

Ver­öf­fent­licht: 20. 05. 2021

 

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Anmer­kun­gen:

 

[1] Zum Horst-Wes­sel-Lied sie­he die infor­ma­ti­ve Wiki­pe­dia-Sei­te https://​de​.wiki​pe​dia​.org/wiki​/Horst-Wessel-Lied, auf der wei­ter­füh­ren­de Lite­ra­tur ange­ge­ben ist. (Zugriff: 10.5.2021). Nach dem Krieg erhielt die Stra­ße wie­der ihren Namen aus der Wei­ma­rer Zeit, heißt also wie­der Stra­ße der Repu­blik und soll auf die­se Wei­se ihren klei­nen Bei­trag zur Iden­ti­fi­ka­ti­on der Bür­ger mit dem Staat der heu­ti­gen deut­schen Repu­blik leisten.

[2] Die­ser Schluss, der sich aus den vor­han­de­nen Akten ergibt, wird auch bestä­tigt durch einen Brief von Richard Her­gen­hahn, der damals noch als Kind in dem Juden­haus leb­te, sie­he Samm­lung Georg Schneider.

[3] Jung­mann, Ver­weh­te Spu­ren, S. 222.

[4] Sie­he zur His­to­rie jüdi­schen Lebens in Bie­brich gene­rell, Jung­mann, Ver­weh­te Spu­ren, S.185–265. ). Die ver­dienst­vol­le Auf­ar­bei­tung der jüdi­schen Geschich­te von Bie­brich wur­de in der zwei­ten Auf­la­ge das lokal­ge­schicht­li­chen Wer­kes von Rei­ner Wink­ler ‚Bie­brich – klei­ne und gro­ße Ereig­nis­se im Ablauf von 2000 Jah­ren’ ver­öf­fent­licht. In sei­ner ers­ten Auf­la­ge zeich­ne­te sich die­ses lokal­ge­schicht­li­che Werk durch eine gera­de­zu unfass­ba­re Igno­ranz gegen­über den Gescheh­nis­sen wäh­rend der NS-Zeit aus. Die ers­te Auf­la­ge erschien nicht in den fünf­zi­ger, auch nicht in den frü­hen sech­zi­ger Jah­ren, als nahe­zu ganz Deutsch­land einer kol­lek­ti­ven Amne­sie ver­fal­len war, son­dern im Jahr 1989. In die­sem Werk, in dem von S. 96 – 106 auch die Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus behan­delt wird, taucht das Wort ‚Jude’ nur ein ein­zi­ges Mal auf. Und dies im Zusam­men­hang mit der Reichs­po­grom­nacht. Aber selbst hier wer­den durch die Ver­wechs­lung von Anlass und Kau­sa­li­tät die Juden qua­si selbst für die Ereig­nis­se ver­ant­wort­lich gemacht. Es heißt dazu auf S. 104.: „Auf Grund der Ermor­dung eines deut­schen Bot­schafts­rats in Paris durch einen jun­gen Juden, wur­de von den Macht­ha­bern eine Zer­stö­rung ins­be­son­de­re jüdi­scher Syn­ago­gen und Geschäf­te in ganz Deutsch­land ange­ord­net. Auch die Syn­ago­ge in der Rat­haus­stra­ße wur­de im Inne­ren völ­lig zer­stört.“ Man erfährt in die­sem Buch, dass am 29. 10. 1935 im Schloss­park ein Ahorn­baum umge­fal­len war und dass am 1.12. 1939 einem Ein­woh­ner drei wert­vol­le Kar­ni­ckel gestoh­len wur­den. In dem Jahr als vie­le jüdi­sche Bür­ger in die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger depor­tiert wur­den, gab es ein­zig zu berich­ten, dass die Bie­bri­cher Bank fort­an unter dem Namen Volks­bank Bie­brich fir­mie­ren wer­de. Man mag ein­wen­den, dass der Autor sich bei sei­nen Anna­len aus­schließ­lich auf die in der ört­li­chen Pres­se ver­öf­fent­lich­te Mei­nung stütz­te und die Mel­dun­gen auf­nahm, die damals in der ‚Bie­bri­cher Tages­post’ und der ‚Wies­ba­de­ner Tages­post’ erschie­nen waren. Aller­dings wäre dann doch zu hin­ter­fra­gen, ob das eine ange­mes­se­ne Quel­len­ba­sis für eine sol­che Chro­no­lo­gie sein kann, zumal in den Vor­be­mer­kun­gen selbst­kri­ti­sche Anmer­kun­gen dazu feh­len. Hier wird nur all­ge­mein auf das Pro­blem eines Redak­teurs bei der Aus­wahl von Nach­rich­ten ver­wie­sen. „Dass hier sub­jek­ti­ves Emp­fin­den nicht völ­lig aus­ge­schlos­sen wer­den konn­te, sei mir ver­zie­hen (…) Es soll mir geglaubt wer­den, wenn ich ver­si­che­re, mein Mög­lichs­tes in bezug auf Objek­ti­vi­tät getan zu haben.“ (S. 3) Umso schlim­mer! Dass der zwei­ten Auf­la­ge von 1994 die umfas­sen­de Dar­stel­lung von Jung­mann ange­hängt wur­de, macht den ers­ten Teil, der unver­än­dert blieb, aber nicht bes­ser. Sie­he Wink­ler, Rei­ner, Bie­brich — Klei­ne und gro­ße Ereig­nis­se im Ablauf von 2000 Jah­ren, Bie­brich 1989 und Jung­mann, Ernst, Ver­weh­te Spu­ren ‑Sie waren doch alle Bie­bri­cher!. Aus der Geschich­te der Bie­bri­cher Bür­ger jüdi­schen Glau­bens, in: Wink­ler, Rei­ner, Bie­brich ‑Klei­ne und gro­ße Ereig­nis­se, Bie­brich 1994, 2. Aufl.

[5] Zeh­mer, Bie­brich, S. 52.

[6] Zu Her­mann Löwen­herz sie­he ebd. S. 53ff.

[7] Jung­mann, Ver­weh­te Spu­ren, S, 204.

[8] Sie waren unse­re Nach­barn, S. 28. Umfas­send ist in den Buch das Schick­sal der in Igstadt ver­blie­be­nen Fami­li­en­mit­glie­der der Löwen­sbergs dar­ge­stellt, sie­he ebd. S. 46–89.

[9] Hei­rats­an­ga­be nach Jung­mann, Jüdi­sche Bür­ger in Bie­brich 1818–1874. Zer­line Kauf­mann war am 12.4.1814 in Bie­brich als Toch­ter von Wolf Kauf­mann und Sara Marx gebo­ren wor­den. Der Vater hat­te den fes­ten Fami­li­en­na­men Wolf­sohn ange­nom­men. In HHStAW 469/​33 5262 (o​.​P.) ist der Nach­na­me von Zer­line aller­dings mit Wolff angegeben.

[10] Geburts­da­tum nach Jung­mann, Jüdi­sche Bür­ger in Bie­brich und Mos­bach 1818–1874. „Kauf­mann“ ist hier nicht als Berufs­be­zeich­nung zu ver­ste­hen, son­dern war ein kei­nes­wegs unüb­li­cher jüdi­scher Vor­na­me, der ursprüng­lich aber sicher aus der Berufs­tä­tig­keit abge­lei­tet wor­den war.

[11] HHStAW 246 1081 (114). Der frü­he­re Eigen­tü­mer ist lei­der unleserlich.

[12]  HHStAW 469/​33 5262 (o​.​P.).
Zer­line Laza­rus ver­starb am 14.7.1868 in Bie­brich. Auf ihrem Grab­stein ist fol­gen­der Ein­trag zu lesen:
Dies ist das Grab­mal
einer Frau, sitt­sam und anmu­tig auf ihren Pfa­den,
unta­de­lig und auf­rich­tig in all ihren Wer­ken.
Stets war sie auf das Wohl ihres Man­nes bedacht,
und lei­te­te ihre Kin­der zu Gerad­heit an.
Die­se ist Frau Zerle, Toch­ter des Elja­kim,
Ehe­frau des ehr­wür­di­gen Herrn Elie­ser Löwen­sberg
aus Bie­brich. Sie ging ein in ihre Welt am
Diens­tag, den 24. Tamus, und sie wur­de begra­ben am nächs­ten Tag
im Jah­re [5]628 n​.​d​.​k​.​Z. Ihre See­le sei ein­ge­bun­den im Bun­de des Lebens.
(Deut­sche Inschrift:)
Zer­li­na Löwen­sberg
ging zum ewi­gen Leben über
Diens­tag, den 14. Juli 1868

[13] Ster­be­re­gis­ter Bie­brich 10 /​ 1890.
Sein Grab­stein trägt fol­gen­de Inschrift:
Hier ruht
der Gemein­de­äl­tes­te, gerecht und auf­rich­tig, geehrt unter sei­nem Vol­ke.
Unta­de­lig war er zu Gott und den Men­schen in allen sei­nen Hand­lun­gen.
Er lieb­te die Geschöp­fe und war fried­lie­bend alle Tage sei­nes Lebens.
Dies ist der Greis, Herr Elie­ser, Sohn des Jehu­da
Löwen­sberg aus Bie­brich.
Er ging ein in sei­ne Welt am Diens­tag, den 15. Tewet, und er wur­de begra­ben
am Don­ners­tag, den 17. des Monats im Jah­re [5]650 n​.​d​.​k​.​Z.
Sei­ne See­le sei ein­ge­bun­den im Bun­de des Lebens.
(Deut­sche Inschrift:)
Laza­rus Löwen­sberg
geb. d. 12. Febru­ar 1816
gest. d. 7. Janu­ar 1890

[14] Hei­rats­re­gis­ter Lan­gen­schwal­bach 12 /​ 1876. Sie war die Schwes­ter von Ben­ja­min Marx­hei­mer, gebo­ren um 1846 und ver­stor­ben am 19.1.1903, der wie­der­um der Vater des Juris­ten Moritz Marx­hei­mer war, gebo­ren am 25.5.1875 in Wies­ba­den. Die­ser ist aber nicht mit dem am 28.2.1871 gebo­re­nen und noch bekann­te­ren Juris­ten glei­chen Namens zu ver­wech­seln, der in Maut­hau­sen ermor­det wur­de. Johan­nas Nef­fe konn­te 1939 mit sei­nem Sohn und sei­ner Toch­ter recht­zei­tig nach Süd­afri­ka auswandern.

[15] Ster­be­re­gis­ter Bie­brich 31 /​ 1897.

[16] Geburts­re­gis­ter Bie­brich 42 /​ 1883.

[17] Ster­be­re­gis­ter Bie­brich 153 /​ 1884.

[18] Geburts­re­gis­ter Bie­brich 76 /​ 1886.

[19] Zeh­mer, Bie­brich, S. 23–28.

[20] Jung­mann, Ver­weh­te Spu­ren, S. 206 f., zur Fami­lie Baer sie­he auch Zeh­mer, Bie­brich, S. 40–45.

[21] Es scheint hier kei­ne Neu­num­me­rie­rung der Häu­ser gege­ben zu haben, zumin­dest haben die Bewoh­ner des Hau­ses Nr. 23 ande­re Namen als die in der Wies­ba­de­ner Str. 25.

[22] Grund­buch Bie­brich Bd. 1000 Bl. 1774.

[23] HHStAW 685 497 (o​.​P.).
Zur genau­en Auf­tei­lung der Woh­nun­gen sie­he HHStAW 519/​2 2196 III.

[24] HHStAW 519/​2 2196 I und HHStAW 685 497b (39), hier für das Steu­er­jahr 1940. Neben einer Frau Berg­mann, gehör­te auch die Fir­ma Gebr. Marx­hei­mer zu den Gläu­bi­gern, offen­sicht­lich Geld, dass aus der Ver­wandt­schaft von Johan­na Löwen­sberg gekom­men war.

[25] Jung­mann, Ver­weh­te Spu­ren, S. 214 ff.

[26] Bei Jung­mann, Ver­weh­te Spu­ren, S. 216 ist ein anony­mer gegen sie gerich­te­ter Leser­brief abge­druckt, in dem es heißt: „An die Gift­pflan­ze Tony Sen­der. Soeben habe ich in der ‚Volks­stim­me’ ihre Unter­re­dung mit dem franz. Redak­teur gele­sen und fra­ge mich war­um auch Sie nicht gleich­zei­tig mit Rosa Luxem­burg ver­schwun­den sind damit die Zucht sol­cher Men­schen ein­mal erle­digt ist. Haben wir Deut­sche schon an der ver­fluch­ten Juden­sau­ban­de so schwer zu lei­den daß kei­ne Moral und Sit­te zu schlecht sind um anzu­wen­den gegen alle gut­mü­ti­gen Men­schen wel­che sich noch in dem Glau­ben befin­den wir hät­ten doch ehr­li­che Men­schen die das sagen was sie mei­nen (…) Trau­rig ist daß wir Män­ner sol­chen Brut­ma­schi­nen nicht gleich das Hand­werk legen und sie auf eine Insel set­zen damit sie ihre fau­len Gebur­ten selbst anstau­nen kön­nen und sich nicht dem Vol­ke als Repre­sen­tan­tin wich­tig machen mit ihrem ver­bohr­ten Hirn, was so ver­kalkt ist dass es dar­um nicht scha­de ist. Hof­fent­lich wird man Sie als verüc­ten Fot­zen­kopf behan­deln (…). [sprach­li­che Feh­ler im Original]

[27] Ster­be­re­gis­ter Bie­brich 103 /​ 1914.

[28] Hei­rats­re­gis­ter Ham­burg 9 /​ 1908.

[29] https://​ago​ra​.sub​.uni​-ham​burg​.de/subhh-adress​/cntmng;jsessionid=E548286DE6FBA4C04EA28F8D4F47BA93.agora12​?type=pdf&did=c1:1428648. (Zugriff: 10.5.2021). Im Inter­net wird ein sehr schö­nes Wer­be­pla­kat die­ser Fir­ma ange­bo­ten, sie­he https://​www​.ebay​.de/itm​/401976625335​?mkevt=1&mkcid=1&mkrid=707–53477-19255–0&campid=5338722076&toolid=10001. (Zugriff: 10.5.2021).

[30] HHStAW 685 497a (4).

[31] Ebd. (7).

[32] Ebd. (5).

[33] Ebd. (7).

[34] Sie­he das Arbeits­zeug­nis, aus­ge­stellt von Adel­heid Löwen­sberg vom 31.1.1926, Samm­lung Georg Schneider.

[35] Samm­lung Georg Schneider.

[36] Ebd. (6), auch HHStAW 685 497b (1, 25).

[37] Ebd. (pas­sim).

[38] Ebd. (39, 58).

[39] Jung­mann, Ver­weh­te Spu­ren, S. 222.

[40] Ebd. S. 223.

[41] HHStAW 685 497b (24). Zum Ein­heits­wert des Hau­ses lie­gen in den Akten unter­schied­li­che Infor­ma­tio­nen vor. Adel­heid Löwen­sberg hat­te in einer Ein­ga­be gen die von der Zoll­fahn­dung Bewer­tung in einem Schrei­ben vom 5.8.1938 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Wert laut einer Fest­stel­lung aus dem Jahr 1925 nur 21.700 RM betra­ge. Bei einer Neu­be­wer­tung im Zusam­men­hang mit der Berech­nung der Juden­ver­mö­gens­ab­ga­be wur­den im Janu­ar 1939 dann 26.000 RM ange­setzt, sie­he ebd. (25, 32)

[42] Doku­men­te über die Ereig­nis­se die­ser Nacht und des fol­gen­den Tages wur­den von Jung­amnn gesam­melt. Sie sind archi­viert im Stadt­ar­chiv Wies­ba­den unter NL 34 Nr. 59. Die­se Samml­un­g­liegt auch sei­ner Dar­stel­lung der Ereig­nis­se in Ver­weh­te Spu­ren, S. 231–235 zugrunde.

[43] Zit. nach Kro­pat, Kris­tall­nacht in Hes­sen, S. 20.

[44] Kro­pat, Kris­tall­nacht in Hes­sen, S. 19 ff.

[45] Jung­mann, Ver­weh­te Spu­ren, S. 231.

[46] Kro­pat, Kris­tall­nacht in Hes­sen, S. 74 f., Dok. 11 A.

[47] Ebd. S. 75, Dok. 11 B.

[48] Stadt­ar­chiv Wies­ba­den NL 34 Nr. 59. Laut Zeh­mer spiel­ten Män­ner des in Bie­brich sta­tio­nier­ten 3. SS-Pio­nier­sturm­banns bei der Akti­on eine Rädels­füh­rer­rol­le. Zeh­mer, Bie­brich, S. 72. Die Syn­ago­ge konn­te von da an für reli­giö­se Zusam­men­künf­te nicht mehr genutzt wer­den. Durch einen Bom­ben­ein­schlag bei dem Groß­an­griff auf Bie­brich am 18.12.1944 wur­de sie end­gül­tig zerstört.

[49] Jung­mann, Ver­weh­te Spu­ren, S. 235

[50] Sie­he ins­ge­samt zur Hal­tung der Bevöl­ke­rung im Beson­de­ren in Hes­sen, Kro­pat Kris­tall­nacht S.  241–245.

[51] HHStAW 518 38028 (o​.​P.), Anla­ge zu (47).

[52] Samm­lung Georg Schneider.

[53] Samm­lung Georg Schnei­der. Ob die Ein­schät­zung bezüg­lich der „inte­gren Haus­ge­mein­schaft“ tat­säch­lich der Rea­li­tät ent­sprach, erscheint aller­dings eine sehr idea­li­sier­te Erin­ne­rung zu sein, wenn man die Haus­ak­ten der fol­gen­den Jah­re betrach­tet. Sie­he dazu unten.

[54] HHStAW 518 38028 (47).

[55] HHStAW 685 497b (30).

[56] HHStAW 685 497b (32, 37), auch HHStAW 518 38028 (12).

[57] HHStAW 685 497b (35, 36).

[58] Ebd. (41).

[59] Ebd. (o​.​P.).

[60] Wei­chel, Wies­ba­den im Bom­ben­krieg, S. 34.

[61] HHStAW 519/​2 (Band­zähl­werk 0002)

[62] Ebd. (Band­zähl­werk 0003–0006).

[63] Ster­be­re­gis­ter Wies­ba­den 67 /​ 1939.

[64] Jung­mann, Ver­weh­te Spu­ren, S. 236.

[65] Samm­lung Georg Schneider.

[66] HHStAW 469/​33 2346 (3).

[67] Samm­lung Georg Schneider.

[68] Gott­waldt /​ Schul­le, Juden­de­por­ta­tio­nen, S. 214.

[69] HHStAW 519/​2 2196 II (Band­zähl­werk 0004).

[70] HHStAW 518 38028 (15).

[71] Ebd. (20).

[72] HHStAW 519/​2 2196 I (Band­zähl­werk 18)

[73] Ebd. (Band­zähl­werk 20). Nicht rich­tig ist daher die Anga­be auf dem Erin­ne­rungs­blatt des Akti­ven Muse­ums Spie­gel­gas­se für Adel­heid Löwen­sberg, das Haus sei schon 1938, einen Monat nach der Reichs­po­grom­nacht ent­eig­net wor­den, sie­he http://​www​.am​-spie​gel​gas​se​.de/wp-content​/downloads​/erinnerungsblaetter​/EB-Adelheid-Loewensberg.pdf. (Zugriff: 10.5.2021).

[74] HHStAW 519/​2 2196 I (Band­zähl­werk 0012).

[75] Ebd. I (Band­zähl­werk 0014).

[76] HHStAW 519/​2 3149.

[77] Sie­he oben

[78] HHStAW 519/​2 2196 I (Band­zähl­werk 16).

[79] Ebd. (Band­zähl­werk 0015 f.).

[80] Ebd. (Band­zähl­werk 0014).

[81] Ebd. (Band­zähl­werk 0018).

[82] Ebd.. (Band­zähl­werk 0023 ff.).

[83] Ebd. (Band­zähl­werk 0025).

[84] Ebd. ((Band­zähl­werk 0027).

[85] Ebd. (Band­zähl­werk 0038).