
Eigene Aufnahme

Mit Hermann und Friederike Meyer wohnte in der Rheinstr. 81 zuletzt ein weiteres Ehepaar, das den Status einer Mischehe besaß und auch erst eingezogen war, nachdem die meisten Jüdinnen und Juden Wiesbadens schon in den Osten abtransportiert worden waren. Es müssen einfache Leute gewesen sein, Menschen, die nicht viel besaßen und dementsprechend auch wenig zu hinterlassen hatten. Daher sind auch fast keine schriftlichen Überlieferungen, keine Entschädigungs- oder Finanzakten über sie vorhanden. Nur eine dünne Devisenakte dokumentiert wenigstens punktuell die letzten Jahre ihres Lebens
Schon die Frage, wann das Paar nach Wiesbaden kam, kann nicht beantwortet werden. Das erste Mal findet man einen Eintrag im städtischen Adressbuch für Hermann Meyer in der Ausgabe der Jahre 1936/37. Damals lebten er und seine Frau in der Johannisberger Str. 8. Dass sie sich aber schon einige Jahre zuvor in der Stadt niedergelassen hatten, ergibt sich aus einer Postkarte, die Hermann Meyers Frau Friedericke im Jahr 1931 schrieb. Auf ihr ist als Absender die Adresse Rüdesheimer Str. 34 angegeben ist.[1] Aber weder ist bekannt, seit wann sie mit ihrem Mann dort gemeldet war, noch ist ein Eintrag im entsprechenden Adressbuch zu finden. Vermutlich konnten sie sich schon damals nur eine kleine Wohnung als Untermieter leisten, weshalb ihr Name dann auch nicht in den Adressbüchern zu finden ist. Die früheren Meldeunterlagen der Stadt wurden leider im Krieg zerstört.

Heiratsregister St. Johann (Saar) 9 / 1900
Hermann Meyer stammte, wie auch seine Frau Friedericke, genannt Frieda, aus Köln – er aus einer jüdischen, sie aus einer katholischen Familie. Am 24. November 1875 war er als Sohn von Moses und Amalie Meyer, geborene Wallich, zur Welt gekommen.[2] Über seine Eltern liegen keine weiteren Informationen vor. Unbekannt ist auch, wann Hermann sich als Kaufmann im saarländischen St. Johann niedergelassen hatte und in welcher konkreten Branche er beruflich tätig war.
In diesem heute zu Saarbrücken gehörenden Stadtteil fand am 25. Januar 1900 auch die Trauung des Paares statt, obgleich seine Frau damals noch in Köln-Nippes gemeldet war, wo sie am 30. Mai 1874 geboren worden war. Als Trauzeuge fungierte neben einem Schreinermeister aus St. Johann immerhin auch Ludwig Decker, der Ehemann von Friedas Schwester Gertrude. Auch diese Familie lebte um die Jahrhundertwende im Saarland, wo auch deren Kinder zur Welt kamen.[3]
Später wohnten beide Schwestern in Wiesbaden und auch ein Bruder, der am 28. November 1881 ebenfalls in Köln-Nippes geborene Peter,[4] war inzwischen in der Kurstadt verheiratet. Er hatte am 3. Januar 1914 Elise Heymann geheiratet.[5] Auch wenn es sich bei diesem Nachnamen um einen häufig vorkommenden jüdischen Namen handelt, gehörte sie der evangelischen Kirche an, während ihr Mann katholisch getauft war. Kinder waren in der Ehe nicht geboren worden. Auch wenn nicht mehr zu klären ist, wer von den Geschwistern sich zuerst in Wiesbaden niederließ, so ist doch gewiss, dass es bereits vor Beginn des Ersten Weltkriegs Verbindungen der Familie Derkum in die damals noch florierende Kurstadt gab.
Anlass für die oben erwähnte Postkarte, die die Anwesenheit von Hermann und Frieda Meyer in Wiesbaden spätestens seit 1931 belegt, war ein eher trauriger Anlass, der mit dem Schicksal ihres Bruders Peter zusammenhängt. Dieser befand sich damals in der Heil- und Pflegeanstalt Eichberg bei Kiedrich im Rheingau. Aus seiner Krankenakte erfährt man zumindest etwas über den familiären Hintergrund der katholischen Familie Derkum aus Köln-Nippes.
Die Eltern der Geschwister waren der Werkmeister Johann Franz Derkum und seine Frau Walpurga, geborene Alexius. Wo und wann diese geboren wurden, ist nicht bekannt, aber der Vater starb bereits um 1885 in Köln, die Mutter dagegen erst 1925 in Wiesbaden.[6] Sie war vermutlich nach Wiesbaden gekommen, weil sich dort bereits die beiden Töchter und ihr Sohn niedergelassen hatten. Insgesamt waren in der Ehe sechs Kinder geboren worden. Gertrude, muss, bevor auch sie nach Wiesbaden kam, eine Zeit lang in Elberfeld gelebt haben, denn dort wurde ihr Sohn Johann Joseph geboren. Auch ihn hatte es nach Wiesbaden gezogen, wo er seit 1928 in Biebrich mit Rosa Dreifuß verheiratet war.[7] Gertrudes Ehemann Peter Ludwig Decker muss bereits vor 1932 verstorben sein, denn im entsprechenden Adressbuch ist seine Frau als Witwe eingetragen. Die übrigen Geschwister von Frieda blieben in der näheren und weiteren Umgebung ihrer Heimatstadt. Nach Auskunft der Krankenakte war ein Bruder Franz als Amtmann in Essen tätig, zwei weitere Brüder, Josef und Wilhelm, wohnten in Köln, und die Schwester Josephine – eine zuvor in den Niederlanden verehelichte, inzwischen aber wieder geschiedene Brauers – lebte damals im Raum Aachen.[8]
1930 wurde Peter Derkum zum ersten Mal auf den Eichberg eingeliefert. Aber auch zuvor, seit 1910, war er mehrfach wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und anderer Straftaten verurteilt und auch inhaftiert worden. Auch seine Frau hatte er mehrfach bedroht, sodass man keine andere Möglichkeit sah, als ihn wegen „Gemeingefährlichkeit“ in die psychiatrische Anstalt einzuweisen. „Scheint nicht mehr heilbar zu sein“, lautete die ungünstige Prognose der dortigen Ärzte.[9] Als er am 11. April 1936 auf dem Eichberg verstarb, nahm die Debatte um die Euthanasie gerade Fahrt auf und Zwangstötungen von psychisch kranken Menschen oder solchen, die nur durch abweichendes Verhalten auffällig geworden waren, wurden nicht nur als volkswirtschaftlich sinnvoll, sondern auch als humane Lösung propagiert.[10] Es dauerte nicht mehr lange, bis auch auf dem Eichberg selbst Patienten ermordet oder in die Tötungsanstalt Hadamar verbracht wurden. Dieses Los blieb Peter Derkum erspart.

HHStAW 430/1 9788 (29)
Möglicherweise war es der psychisch erkrankte Bruder, der auch seine Schwester Frieda veranlasst hatte, nach Wiesbaden zu kommen, denn sie scheint diejenige gewesen zu sein, die sich im besonderen Maße um ihn kümmerte. In der Postkarte vom 13. April 1931, fragte sie bei der Klinikleitung an, ob sie ihren Bruder nicht schon jetzt, statt wie eigentlich geplant, zu Pfingsten, zu einem Urlaub aus der Anstalt abholen könne. Die Bitte wurde jedoch abgelehnt, da der Patient, so die Leitung, „ganz einsichtslos ist und dringend der Anstaltsbehandlung bedarf“.[11] Dem Ersuchen war wohl auch deshalb nicht stattgegeben worden, weil Friedas Schwägerin, die sie über ihre Absichten informiert hatte, die Klinikleitung vertraulich darum bat, aus Angst vor ihrem Mann der Bitte zu widersprechen. Allerdings durfte er wenige Wochen später im Mai 1931 von Frieda und Hermann Meyer dann doch „für einige Zeit in Urlaub“ nach Wiesbaden geholt werden.[12] Über den Verlauf dieses „Urlaubs“ und die folgenden Jahre bis zu seinem Tod liegen dann keine Nachrichten oder Patientenprotokolle mehr vor.
Und auch über das Leben seiner Schwester Friederike und deren Mann in all diesen Jahren konnten keine Informationen gefunden werden. Wie lange Hermann oder auch seine Frau Arbeit hatten, welches Einkommen sie bezogen und auf welche Weise sie ihr sicher sehr bescheidenes Leben fristeten, ist gänzlich unbekannt. Im Jüdischen Adressbuch von 1935 sind sie beide nicht verzeichnet, sodass man davon ausgehen kann, dass sie auch in der Gemeinde, in den verschiedenen Gruppen und Initiativen dort, nicht aktiv waren. Vielleicht wurden beide, in den ersten Jahren der Verfolgung, von den nichtjüdischen Verwandten Friedas unterstützt, aber Belege dafür gibt es nicht.
Erstmals tritt Hermann Meyer bei der Registrierung in der Judenkartei der Gestapo, die im Verlauf des Jahres 1938 angelegt wurde, wieder in Erscheinung. Allerdings sind hier keine weiteren Angaben als die ohnehin bekannten festgehalten. Selbst die Tatsache, dass er mit einer nichtjüdischen Frau verheiratet war, ist bei ihr nur durch ein kleines „k“ für katholisch in der Spalte „Religion“ kenntlich gemacht. Als dann die Devisenstelle in Frankfurt am 18. Juli 1940 für ihn eine Devisenakte zur Kontrolle seiner Finanzen anlegte – die einzige Akte, die über die beiden Auskunft gibt –, da wurde auf dem Aktendeckel deutlich in roter Schrift „Ehefrau arisch“ notiert.[13]
Das Paar lebte damals in der Johannisberger Str. 7, einem Haus, das auch zuvor nicht in jüdischem Besitz gewesen war. Die Forderung, seine finanziellen Verhältnisse gegenüber der Devisenstelle offenzulegen, beantwortete Hermann Meyer am 1. August 1940 mit einem Schreiben, in dem er seine bedrückende Lage schildert:

HHStAW 519/3 5115 (3)
„Ich bemerke, daß ich ein Bankkonto nicht habe, auch ein solches nicht errichten kann, da ich wie auch meine Frau mittellos sind. Sparkasse, Postscheckkonto sind auch nicht vorhanden. Meine Mischehe, Frau Arier, ist kinderlos. Seit Jahren beziehen wir, ich bin 64 Jahre alt, erwerbsunfähig, Unterstützung vom Fürsorgeamt der Stadt Wiesbaden. Seit 1. 12. 39 werde ich von der Israelitischen Kultusgemeine, Jüdische Kultusvereinigung Wiesbaden, Abt. Wohlfahrtspflege unterstützt, dagegen erhält meine Frau, 66 Jahre alt, die Unterstützung weiter vom Fürsorgeamt der Stadt Wiesbaden.“[14]
Die Devisenstelle verzichtete daraufhin darauf, ihn zur Anlage eines gesicherten Kontos bei einer Devisenbank zu verpflichten, und erlaubte, dass die verschiedenen finanziellen Leistungen in bar entgegengenommen werden durften.[15]
Das verpflichtende Formular, in dem Angaben über Vermögen, Einkommen und Ausgaben eingetragen werden sollten, ließ er, was die Haben-Seite betrifft, leer. Die Ausgaben für den zweiköpfigen Haushalt beliefen sich auf monatlich insgesamt 61,65 RM – 32 RM für Miete inklusive Nebenkosten, 29,65 RM für den Lebensunterhalt samt Kleidung.[16]
In den übrigen Seiten der Akte ist nur noch der Weg von Hermann und Friedericke Meyer durch die verschiedenen Judenhäuser dokumentiert, der auch über die Eintragungen auf der Gestapokarteikarte nachvollzogen werden kann. Am 1. September 1940 teilte Hermann Meyer der Behörde mit, dass er seine Wohnung von der bisherigen Adresse in der Johannisberger Straße in die Blumenstr. 7 verlegt habe. Laut Eintrag auf seiner Gestapokarteikarte war er am Tag zuvor umgezogen, war somit seiner mit Strafandrohung bewehrten Pflicht, jeden Umzug sofort zu melden, unverzüglich nachgekommen. Die Formulierung klingt allerdings so, als sei das seine eigene Entscheidung gewesen, was aber vermutlich nicht der Fall war. Dieser Umzug fand genau in der Phase statt, in der man in Wiesbaden mit der Konzentration der Jüdinnen und Juden in den Ghettohäusern begann – und das Haus Blumenstr. 7, deren Eigentümerin die verwitwete Jüdin Amalie Hirsch war, war eines der wichtigsten Judenhäuser der Stadt. In den Mietunterlagen, die bei der Hausverwaltung bis zum Dezember 1942 erhalten geblieben sind, ist auch das Ehepaar Meyer mit seinen Mietzahlungen, die je nach Monatslänge immer um einen Betrag von 40 RM monatlich schwanken, aufgeführt.[17] Im Juni wurde das Haus dann für die SS geräumt, die die eigentlich sehr schöne Immobilie für ihre Zwecke beanspruchte. Einige der damaligen Bewohner waren am 10. Juni 1942 deportiert worden, andere mussten in eines der übrigen Judenhäuser umziehen. So auch das Ehepaar Meyer.

HHStAW 519/3 5115 (7)
Am 7. September 1942 teilte Hermann Meyer auf eine Anfrage der Devisenstelle vom 5. September mit, dass in seinen „Verhältnissen keine Änderung eingetreten“ sei. Nur seine Anschrift habe sich inzwischen wieder geändert. Er wohne jetzt in Biebrich, im Cheruskerweg 3.[18] In diesem wesentlich kleineren Ghettohaus, in dem nach der Deportation vom 10. Juni Räume frei geworden waren, zogen Meyers für ein knappes halbes Jahr ein. Am 1. September wurden dann die allermeisten der noch in Wiesbaden verbliebenen Jüdinnen und Juden nach Theresienstadt gebracht. Von da an wohnten fast ausschließlich Menschen mit einem jüdischen Hintergrund in der Stadt, die durch ihren Status als Partner in einer Mischehe als Halbjuden noch einen vagen Schutz genossen. Mehrere von ihnen fanden sich dann in dem bisherigen Judenhaus Rheinstr. 81 wieder. Am 5. Dezember, diesmal zwei Wochen nach dem Umzug, der laut Gestapokarteikarte schon am 20. November 1942 stattfand, meldete Hermann Meyer der Devisenstelle die erneute Veränderung seiner „Verhältnisse“. Er wohne jetzt unter der genannten Adresse im 2. Stock des dortigen Gartenhauses [19]
Dieser Umzug und weitere damit verbundene Umzüge anderer Personen gehören zu den wenigen, die mit entsprechenden Anweisungen dokumentiert sind. Es handelt sich dabei um drei am selben Tag, dem 15. Oktober 1942, verfasste Schreiben, die aber nicht im Wohnungsamt oder bei der Polizei bzw. Gestapo entstanden waren, auch nicht um Anweisungen der NSDAP, sondern um Briefe, die im Büro der ‚Reichsvereinigung der Juden‘ (RVJ) aufgesetzt worden waren. Weil es sich um, für Wiesbaden sehr bedeutende Quellen zum Komplex Zwangseinweisungen handelt, die im Archiv von Yad Vashem erhalten geblieben sind, sollen sie hier umfassend wiedergegeben werden.
Zunächst wurde das Wohnungsamt um Zustimmung für den abzuschließenden neuen Mietvertrag des Ehepaars Meyer mit dem Verwalter der Immobilie, dem Bankhaus Krier, gebeten. Meyers hätten den Cheruskerweg verlassen müssen, weil das Haus inzwischen nicht mehr in jüdischem Besitz sei.[20] Tatsächlich waren die ehemaligen Eigentümer geflohen bzw. deportiert worden, womit die Voraussetzungen für einen Vermögenseinzug bzw. -verfall gegeben waren. Ende August 1942 war das ehemalige Judenhaus Cheruskerweg 3 im Grundbuch auf das Deutsche Reich übertragen worden, und nach umfassenden Renovierungsarbeiten konnten die neuen Mieter, NSDAP bzw. Gestapobeamte, dort einziehen.[21]

Yad Vashem Archives Record Group O.8 File Number 43.2 (211-213
Am selben Tag war auch Hermann Meyer selbst über den geplanten Umzug durch die Bezirksstelle der RVJ unterrichtet worden.[22] Den Formulierungen ist zu entnehmen, dass die Initiative dazu von der Bezirksstelle selbst ausgegangen war, und sie auch das Wohnungsamt und die zuständige Stelle im Finanzamt um entsprechende Maßnahmen gebeten hatte. Auch die Zuweisung des Untermieters Idel Rawinsky erfolgte offenbar durch sie. Auch er erhielt an diesem Tag ein Schreiben der Bezirksstelle, das ihn aufforderte, sich, sobald die Wohnung durch das Finanzamt geräumt worden sei, mit Hermann Meyer wegen des Einzugs in Verbindung zu setzen.[23]
Welche Handlungsspielräume die Bezirksstelle bei dem gesamten Vorgang hatte, ist aus den Dokumenten allerdings nicht abzuleiten. Vermutlich waren Meyers aus ihrer bisherigen Wohnung im Cheruskerweg herausgeworfen worden, und der noch in Wiesbaden verbliebenen jüdischen Bezirksstelle oblag es nun, für das Ehepaar eine neue Wohnung zu finden. Wo, war den NS-Behörden vermutlich egal, solange es ein Haus war, das sich noch in jüdischem Besitz befand und auf das vonseiten des Staates oder der Partei keine Ansprüche erhoben wurden. Zwar wurde das Vermögen der ehemaligen Eigentümer Rottenberg und damit auch das Wohngrundstück vom Deutschen Reich eingezogen, zu einer förmlichen Übertragung im Grundbuch kam es jedoch nicht mehr.

Sterberegister Wiesbaden 736 / 1943
Über das weitere Leben des Ehepaars Meyer im Haus Rheinstr. 81 liegen keine Informationen mehr vor. Auch Korrespondenzen mit Ämtern oder Behörden sind nicht erhalten geblieben.
Anfang Februar 1945 wurde ein Teil des Gebäudes durch einen Treffer der britischen ‚Royal Air Force‘ erheblich beschädigt. Inwieweit die Wohnung von Meyers davon tangiert war, ist nicht bekannt. Aber von diesem Ereignis blieb Hermann Meyer selbst ohnehin verschont. Schon lange krank, war er bereits am 28. März 1943, also fast zwei Jahre zuvor, in seiner Wohnung in der Rheinstraße an Herzmuskelschwäche verstorben.[24] Er wurde auf dem städtischen Südfriedhof, nicht auf dem jüdischen Friedhof, beigesetzt.[25]
Wenn jemand im Alter von 67 Jahren stirbt, nachdem er zehn Jahre der Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt war, dann liegt die Vermutung nahe, dass sein Tod auch in einem kausalen Zusammenhang mit dieser Leidensgeschichte stand. Einen Eintrag für ihn auf dem Namensband der Opfer des Nationalsozialismus an der Gedenkstätte Michelsberg sucht man aber bis heute vergebens.
Das weitere Schicksal seiner Frau Friederike konnte nicht geklärt werden.
Veröffentlicht: 02. 04. 2026
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Anmerkungen:
[1] HHStAW 430/1 9788 (29).
[2] Geburtsregister Köln 736 / 1875.
[3] Heiratsregister S. Johann (Saar) 9 / 1900. Eine der Töchter, die 1901 in St. Johann geborene Tochter von Gertrude und Peter Ludwig Decker, wurde sogar auf den Namen ihrer Tante Friederike getauft.
[4] Geburtsregister Köln-Nippes 851 / 1881.
[5] Heiratsregister Wiesbaden 6 / 1914. Elise Heymann war die am 10.11.1878 in Oberlahnstein geborene Tochter von Wilhelmine Heymann. Der Vater ist nicht bekannt.
[6] Ebd. (50).
[7] Sterberegister Biebrich 178 / 1928. Laut Sterbeeintrag wohnte die Familie zum Todeszeitpunkt aber in der Riederbergstr. 21 im Stadtzentrum.
[8] HHStAW 430/1 9788 (29).
[9] HHStAW 430/1 9788 (o.P.).
[10] Ebd. (o.P.), zur damaligen Debatte siehe Klee, Euthanasie, S. 77.
[11] Ebd. (29).
[12] Ebd. (o.P.).
[13] HHStAW 519/3 5115
[14] Ebd. (3).
[15] Ebd. (4).
[16] Ebd. (5).
[17] HHStAW 519/2 2155 II (o.P.). Irritierend ist allerdings, dass auf dieser Liste die Mieteinnahmen für alle Monate des Jahres 1942 aufgeführt sind, obwohl bereits im Juni 1942 alle jüdischen Bewohner das Haus verlassen mussten, z. T. deportiert wurden, und die SS dort einzog. Man kann daraus somit nicht auf die tatsächliche Dauer der Mietverhältnisse schließen.
[18] HHStAW 519/3 5115 (7).
[19] Ebd. (9).
[20] Yad Vashem Archives Record Group O.8, File Number 43.2 (213)
[21] Siehe oben die Ausführungen zum Judenhaus Cheruskerweg 3.
[22] Ebd. (211).
[23] Ebd. (212).
[24] Sterberegister Wiesbaden 736 / 1943.
[25] https://collections-server.arolsen-archives.org/G/wartime/02010101/0691/1221111/002.jpg. (Zugriff 01.04.2026).