
Eigene Aufnahme

Als im Anschluss an die Deportation vom 10. Juni 1942 das Judenhaus Blumenstr. 7 weitgehend geräumt wurde, mussten neben Betty Engel, dem Ehepaar Liffmann, Mathilde Naumann, Jenny und Willy Taendler sowie den Geschwistern Mathilde und Pauline Traub, auch Hans Hermann Ullmann, möglicherweise mit seiner Frau Hedwig, die dortige Wohnung verlassen. Bevor sie in das Judenhaus in der Rheinstraße eingewiesen wurden, in dem nach der nächsten großen Deportation vom 1. September im Besonderen Menschen untergebracht wurden, die laut NS-Jargon Halbjuden waren oder in einer Mischehe lebten, konnten bzw. mussten sie zunächst noch einige Monate in der Wielandstr. 10 verbringen – einem Haus, das nicht zu den offiziellen Judenhäusern zählte, aber eine ähnliche Funktion innehatte.
Dass die beiden nicht schon Opfer von einem der vergangenen Transporte „in den Osten“ geworden waren, lag daran, dass auch sie – man muss sagen: erstaunlicherweise – den „privilegierten Status“ einer solchen Mischehe „genossen“. Erstaunlich deshalb, weil Hermann Ullmann als „Volljude“ galt, während seine Frau „Halbjüdin“ war. Das allein genügte im Allgemeinen schon, um beide als quasi Volljuden zu behandeln, zumal dann, wenn – wie bei Ullmanns – keine Kinder vorhanden waren, die gegebenenfalls nach dem Willen der Mutter hätten ohne jüdische Einflüsse erzogen sein können. All das traf auf das Ehepaar Ullmann, das im Übrigen erst am 27. Dezember 1940 in Wiesbaden geheiratet hatte,[1] nicht zu.

GDB
Die Vorfahren von Hans Hermann Ullmann, der Packer Leo Ullmann und seine Frau, Fanny, geborene Levi, stammten aus Bingen am Rhein. Dort waren ihre beiden Söhne Hermann und Leopold – vermutlich gab es aber noch weitere Kinder – geboren worden. Der ältere Hermann hatte am 26. November 1682, der jüngere Leopold am 5. August 1871 dort das Licht der Welt erblickt.[2] Wann die beiden jeweils ihre Heimatstadt verließen, konnte nicht mehr ermittelt werden.
Hermann ließ sich später als Manufakturwarenhändler in Frankfurt nieder und gründete dort eine eigene Familie. Nach Frankfurt zogen später auch die Eltern Leo und Fanny Ullmann. Fanny verstarb dort am 7. März 1913, ihr Mann fast zehn Jahre später am 22. November 1922.[3]
In der Mainmetropole ehelichte Hermann am 22. November 1889 Fanny Oppenheimer aus Blessenbach, dem heutigen Weinbach im Landkreis Limburg / Weilburg, wo sie am 21. Februar 1861 zur Welt gekommen war.[4]
Das Paar hatte mit Selma, geboren am 30. März 1892, Friedrich, geboren am 13. Juni 1893, und Rosette, geboren am 7. Mai 1895, drei Kinder, die alle in der Mainmetropole zur Welt gekommen waren.[5] Alle drei verließen Deutschland, lange bevor für Juden dort kein Platz mehr war.
Rosette – sie hatte bei ihrer Auswanderung ihren Beruf mit Köchin angegeben – war bereits 1926 nach New York emigriert.[6] Ihre Schwester Selma folgte ihr 1929.[7] Sie scheint aber später noch einmal nach Deutschland zurückgekehrt zu sein, denn auf einer weiteren Passagierliste vom April 1938 ist sie erneut als Fahrgast auf einem Schiff zu finden, das von Hamburg aus Amerika ansteuerte. Sie war eingetragen als Krankenschwester mit der Adresse Frankfurt, Gagernstr. 3, d.h., sie war offenbar im dortigen Jüdischen Krankenhaus tätig gewesen. Auch dieses Mal gab sie an, nicht in den USA bleiben zu wollen. Angesichts der weiteren Entwicklung scheint sie aber ihre Pläne geändert zu haben. Zumindest wurde sie 1940 in das amerikanische Sozialversicherungswesen aufgenommen.[8]
Während Selma offenbar ledig geblieben war, hatte ihr Bruder Friedrich – in den USA später Fred –, der zunächst in Frankfurt das Philantropin besucht und anschließend eine Banklehre absolviert hatte, noch vor seiner Auswanderung in Wiesbaden geheiratet. Am 24. Dezember 1917 ging er die Ehe mit Irma Schönfeld ein, die am 7. Juli 1894 in Mainz geboren worden war,[9] inzwischen aber in Wiesbaden wohnte. Dort ließ sich dann auch das Paar nieder und Friedrich Ullmann wurde Angestellter in einem konzessionierten Wettbüro. Bis 1934 konnte er dieses Geschäft betreiben. Da seine Frau am 15. März 1934 verstarb, beschloss er, zusammen mit seinem am 25. Januar 1922 geborenen Sohn Lutz Lothar, ebenfalls in die USA auszuwandern.[10]
Der Reisepass von Friedrich Ullmann und seiner Familie
HHStAW 518 67255
Als Tellerwäscher musste er zunächst den Lebensunterhalt verdienen, erhielt aber dann später eine feste Anstellung als Vertreter bei der New Yorker Firma Max Stern, für die er von 1935 bis 1954 tätig war. Dann erkrankte er so schwer, dass er nicht mehr arbeitsfähig war.[11]
Im selben Jahr, in dem Hermanns Bruder Leopold Ullmann erstmals als Bewohner Wiesbadens im dortigen Adressbuch verzeichnet wurde, dem Jahr 1897, heiratete er in der Kurstadt Eva Schönfeld, die nicht aus dem hiesigen Raum, sondern aus Arnoldsweiler bei Düren am Niederrhein kam. Dort war sie am 21. April 1873 als Tochter des Handelsmanns Josef Schönfeld und seiner Frau Julie, geborene Cahn, zur Welt gekommen.[12]
Das Paar hatte sich damals in der Metzgergasse 7, der heutigen Wagemannstraße, niedergelassen. Die Straße in der Altstadt von Wiesbaden liegt in dem Viertel, in dem sich traditionell viele jüdische Geschäftsleute angesiedelt hatten. In dieser Straße befand sich im 17. Jahrhundert die erste Synagoge und auch die neue Synagoge am Michelsberg lag nur wenige Schritte entfernt. Ullmanns betrieben seit dem Ende des 19. Jahrhunderts dort ursprünglich eine Schuhwaren- und Kleiderhandlung, die ihrer Rechtsform nach zunächst als Personengesellschaft organisiert war. Wer die weiteren Gesellschafter waren, ist aber nicht bekannt. Ab der Jahrhundertwende firmierte das Geschäft – jetzt ein Trödelladen – dann als Einzelunternehmen von Leopold Ullmann.
In der Metzgergasse waren auch die ersten drei der insgesamt fünf Kinder des Paares – allesamt Söhne – zur Welt gekommen. Mindestens zwei verstarben allerdings bereits im Kindesalter. Philipp Ludwig, geboren am 25. April 1900, verstarb schon am 7. November 1902.[13] Joseph, das letzte der Kinder, kam am 24. September 1912 zur Welt, verließ diese dann wieder am 14. März 1916 mit nicht einmal vier Jahren.[14]
Leo, der Zweitälteste, der die Namenstradition von Vater und Großvater aufrechterhalten sollte, war am 19. November 1898 ebenfalls noch in der Metzgergasse zur Welt gekommen.[15] Über sein Schicksal konnten keine, zumindest keine sicheren Informationen gefunden werden. Entweder hatte er Deutschland schon früh verlassen oder auch er war bereits verstorben, bevor die Nazis die jüdischen Bürger des Reichs in einer gesonderten Zählung im Mai 1939 erfassten. Bei dieser Volkszählung wurde er in jedem Fall nicht registriert und auch im Gedenkbuch des Bundesarchivs findet man keinen Eintrag unter seinem Namen.[16]
Dem ältesten Sohn von Leopold und Eva Ullmann, Moritz, geboren am 9. November 1897, ebenfalls noch in der Metzgergasse,[17] war aber mit Sicherheit die Emigration in die USA gelungen. Lange bevor es in Deutschland für Juden keine Perspektive mehr gab, war er nach Amerika aufgebrochen.
Am 19. November 1929, mitten in der großen Wirtschaftskrise, war er mit seiner Frau Selma in New York angekommen und hatte sich in der Bronx niedergelassen.[18] Aus seinem Einbürgerungsantrag geht auch hervor, dass er Selma im Jahr zuvor am 15. Oktober 1928 in Siegburg geheiratet hatte. Dort war sie am 20. September 1900 als eines von fünf Kindern von Max Moritz Abraham und seiner Frau Amalie Malche, geborene Linz, geboren worden.[19] Welche Gründe ihn dazu veranlassten, seinen Vornamen Moritz in Max zu ändern – auf seinem Einbürgerungsantrag heißt es diesbezüglich: „Max Ullman formerly Moritz Ullmann“ –, muss offen bleiben. Vielleicht war es eine Reminiszenz an seinen Schwiegervater, der diese beiden Vornamen trug. Am 25. Dezember 1962 verstarb er als Max Ullman und wurde in Florida begraben.[20] Seine Frau überlebte ihn um mehr als zwanzig Jahre. Im Alter von 84 Jahren wurde auch sie in Florida zu Grabe getragen.[21]
Hans Hermann war somit das einzige der fünf Kinder von Leopold und Eva Ullmann, das in Wiesbaden aufwuchs und auch noch die NS-Zeit dort erleben bzw. ertragen musste.
Bei seiner Geburt wohnte die Familie nicht mehr in ihrer ersten Bleibe in der Metzgergasse, sie war inzwischen in die nicht weit entfernte Mauergasse 12 umgezogen. Vielleicht war die bisherige Wohnung mit seiner Geburt zu klein geworden, vielleicht ist der Grund auch in der beruflichen Neuorientierung von Leopold und Eva Ullmann zu suchen:
Ab 1904 betrieb das Paar in der Mauergasse 12 nämlich eine Pferdemetzgerei. Das ist deshalb so erstaunlich, weil Leopold Ullmann diesen Beruf, der über das normale Metzgerhandwerk sogar spezifische Fachkenntnisse erforderte, nicht erlernt hatte und er auch in allen Dokumenten immer nur als Kaufmann bezeichnet wird. Es kann dennoch kein Zweifel daran bestehen, dass es sich bei den Eintragungen in den Adressbüchern von 1904 bis 1929 um das Geschäft der beiden, zuvor als Trödler in der Metzgergasse Wohnenden, handelt. Neben Leopold selbst ist darin auch seine Frau Eva in verschiedenen Einträgen eigens als „Pferdemetzger“ notiert. Und auch nach dem Tod ihres Mannes – sie war inzwischen umgezogen – ist sie als „Eva Ullmann, Ww. Pferdemetzgerei“ noch im Adressbuch von 1929 eingetragen. Vielleicht leitete er als Kaufmann nur den Betrieb und hatte für die Schlachtungen einen eigenen Metzger angestellt, aber das ist nur eine vage Vermutung. Verwunderlich bleibt es dennoch.
Während die Metzgerei und das Geschäft im Parterre eingerichtet waren, bewohnte die Familie in all den Jahren die zweite Etage des Hauses.[22]
Über das frühere Leben ihres Sohnes Hans Hermann liegen keine Informationen vor, aber er hatte nach Angabe seiner Frau erfolgreich eine kaufmännische Ausbildung in dem renommierten jüdischen Kaufhaus Blumenthal im Zentrum der Stadt, absolviert und war anschließend als Verkäufer übernommen worden.[23] Möglicherweise entstand damals eine nähere Bekanntschaft mit Moritz Liffmann, der sich ursprünglich als Dekorateur im Kaufhaus Blumenthal bis in die Geschäftsführung hochgearbeitet hatte und mit dem er später zusammen im Judenhaus in der Blumenstraße wohnte. Wie Moritz Liffmann verlor auch Hans Hermann Ullmann im Zuge der Arisierung des Geschäfts um das Jahr 1934 seine dortige Stellung.[24]
Laut Jüdischem Adressbuch von 1935 wohnte Hans Hermann zu dieser Zeit zusammen mit seiner inzwischen verwitweten Mutter in der Ellbogengasse 7. Sein Vater war am 29. Januar 1927 verstorben.[25] Eva Ullmann erlebte noch die ersten Jahre der Diktatur und auch die Entlassung ihres Sohnes – weil er Jude war – musste sie noch verkraften. Aber die schlimmsten Jahre der faschistischen Diktatur blieben ihr erspart. Sie starb am 22. Oktober 1936.[26] Wie ihr Mann zuvor, fand auch sie auf dem Jüdischen Friedhof an der Platter Straße ihre letzte Ruhe.
Womit Hans Hermann Ullmann nach seiner Entlassung bei Blumenthal seinen Lebensunterhalt bestritt, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Vielleicht wurde er damals schon von seiner Bekannten und späteren Frau Hedwig, genannt Hedi, Marx unterstützt. Über ihr Leben ist, obwohl sie den Holocaust überlebte, nur wenig bzw. eher Verwirrendes bekannt.
Geboren wurde sie am 1. Dezember 1907 in Wiesbaden als uneheliches Kind von Johanna Schärfl, die aber zum Zeitpunkt der Geburt eigentlich in Mainz gemeldet war.[27] Eine Familie mit diesem Namen konnte dort jedoch nicht gefunden werden. Der Name weist eher auf eine süddeutsche Herkunft ihrer Vorfahren hin, denn in Bayern ist dieser ansonsten eher außergewöhnliche Name häufiger zu finden.
Johanna Schärfl war keine Jüdin, sondern gehörte der katholischen Kirche an. Jude war hingegen Hedwigs Vater, ein Pianist namens Abraham Marx, der 1921 in Berlin-Schöneberg wohnte. Das ist auch so ziemlich alles, was über ihn bekannt ist.[28] Ob Johanna Schärfl früher ebenfalls in Berlin oder ob Abraham Marx im Rhein-Main-Gebiet lebte oder als Musiker dort zeitweise unterwegs war, ist kaum mehr feststellbar. Erst am 22. März 1921 – mehr als dreizehn Jahre nach ihrer Geburt! – wurde Hedwig Ruth, wie sie mit vollem Namen hieß, „durch Verfügung des Hessischen Ministeriums der Justiz“ als „eheliches Kind des Pianisten Abraham Marx“ anerkannt.[29]
Aber auch diese Eintragung wirft nur neue Fragen auf: Trug sie bis zu diesem Datum den Nachnamen ihrer Mutter? Lebte sie die ganzen Jahre bei ihr oder bei dem Vater in Berlin? Wenn sie 1921 zum ehelichen Kind des Vaters wurde, müsste er damals verheiratet gewesen sein. Sicher ist allerdings, dass er nicht mit der Mutter seines Kindes, sondern mit einer anderen Partnerin, eine Ehe eingegangen war. Wurde die Tochter nur formal in diese Familie aufgenommen oder lebte sie jetzt bei ihr in Berlin? Dies ist fast zu vermuten, denn in einem späteren Schreiben, auf das noch zurückzukommen sein wird, geht hervor, dass ihre Mutter, später ebenfalls eine Ehe einging. Hedwig sprach diesen neuen Partner der Mutter mit Onkel an, und auch ihre leibliche Mutter wurde von diesem Stiefvater als ihre Tante bezeichnet.[30] Beide hatten für Hedwig offenbar nicht den Status von Eltern. Aber auch ihr leiblicher Vater war offenbar für sie ohne größere Bedeutung. Nähere Angaben über ihn oder eine mögliche gemeinsame Lebensphase machte sie nie.
Das ist alles sehr verwirrend, und Hedwig selbst hat in den verschiedenen schriftlichen Unterlagen, die im Zusammenhang mit ihren physischen und psychischen Erkrankungen entstanden waren, sich dazu nie geäußert. Sie erwähnte nur, dass ihr Vater mit 63 Jahren und ihre Mutter mit 61 Jahren verstorben seien.[31] Aber auch hier ist nicht klar, wann das war und wen sie mit ihrer Mutter meinte.
Im Hinblick auf ihren eigenen Werdegang schilderte sie gegenüber den Ärzten, dass sie das einzige Kind ihrer Eltern gewesen und ihre Entwicklung in der Kindheit völlig normal verlaufen sei. Ihre Schulausbildung habe sie als gute Schülerin erfolgreich an einer Mittelschule abgeschlossen. Anschließend habe sie noch ein Jahr ein Schwesterninternat besucht, um danach aber eine dreijährige Ausbildung als Buchhändlerin zu absolvieren. Diesen Beruf habe sie aber wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse nicht mehr ausüben können. Stattdessen habe sie als Telefonistin und Verkäuferin ihren Lebensunterhalt verdient.[32] Leider erwähnt sie nicht, wo sie die jeweiligen Ausbildungen absolvierte, aber zumindest ab 1930 muss sie wieder in Wiesbaden gelebt haben, denn in ihrem Entschädigungsantrag gab sie an, 1930 bis 1931 bei der Firma Vulpius in der Marktstraße, einem Geschäft für Strumpfwaren, als Verkäuferin beschäftig gewesen zu sein.[33] Von 1932 bis Ende 1935 war sie – die letzten beiden Jahre „infolge meiner Abstammung“, wie sie schrieb, – arbeitslos.
Ab dem 1. Januar 1936 erhielt sie eine Anstellung im Haushalt des jüdischen Ehepaars Leo und Dorothea Katzenstein. Dr. Leo Katzenstein, wohnhaft in der Wilhelmstr. 42, war nicht nur ein bekannter Arzt in der Kurstadt, sondern auch ein erfolgreicher Unternehmer in der Pharmabranche. In seiner Produktionsstätte in Wiesbaden-Erbenheim wurden Präparate für Erkältungskrankheiten hergestellt, die weltweit vertrieben wurden. Leo Katzenstein und seine Frau Dorothea waren zudem Eigentümer der später zum Judenhaus erklärten Immobilie Emser Str. 26a. Dass sie das Vertrauen ihrer Arbeitgeber besaß, zeigt sich nicht nur daran, dass ihr monatliches Gehalt von Jahr zu Jahr anstieg, sondern auch in der Dauer ihrer Anstellung während dieser zunehmend schwierigen Zeiten. Sie blieb bei Katzensteins bis zum Ende, d.h. bis zur Deportation von Dorothea Katzenstein am 1. September 1942, nachdem ihr Mann bereits am 1. April 1942 nach Sachsenhausen gebracht und im Sommer ermordet worden war. Auch als ihnen 1939 ihre bisherige Wohnung in der Wilhelmstraße gekündigt wurde und sie in eine kleine Unterkunft in der Rösslerstr. 7 umziehen mussten, blieb sie bei ihnen.[34] Im Entschädigungsverfahren der Katzensteins, das von ihrem Sohn Fritz, der rechtzeitig in die USA emigrieren konnte, nach dem Krieg angestrengt wurde, konnte sie später detailliert Auskunft über die Einrichtung und die Wertgegenstände in deren Wohnung geben.[35]
In dieser Zeit, in der sie durch ihre berufliche Stellung bei Katzensteins auch als Halbjüdin relativ gesichert war, ging sie am 27. Dezember 1940 die Ehe mit Hans Hermann Ullmann ein, den sie nach eigenem Bekunden „schon lange“ kannte.[36] Danach, so gab sie später an, habe sie bei Katzensteins nur noch stundenweise gearbeitet.
Als die Gestapokarteikarte für Hans Hermann Ullmann angelegt wurde, war er noch ledig. Diese Eintragung wurde durchgestrichen und unter der Rubrik „Angehörige“ mit Angaben zu seiner Frau, einschließlich des Vermerks „Mutter arisch“, ergänzt. Für die Halbjüdin war eine solche Karteikarte nie angelegt worden und auch im Jüdischen Adressbuch von 1935 wurde sie nicht gelistet, obwohl andere mit dem gleichen Status sehr wohl dort erfasst wurden. Die Eheschließung bedeutete für sie aber auch die Verschlechterung ihrer Situation, da sie nun – so ihre Einschätzung – wie eine Volljüdin behandelt wurde und von da an unter der ständigen Kontrolle der Gestapo stand.
Zum Zeitpunkt der Eheschließung wohnte Hedwig Marx, bzw. jetzt Ullmann, in der Rösslerstr. 7, vermutlich in einer Wohnung zusammen mit Katzensteins, die zuvor dorthin hatten umziehen müssen. Die Anschrift ihres Ehemanns lautete inzwischen Dotzheimer Str. 55. Ob die beiden nach der Heirat zusammenzogen, muss offenbleiben. Zumindest war Hans Hermann Ullmann ab dem 24. März 1941 Bewohner des Judenhauses Blumenstr. 7, das der jüdischen Witwe Amalie Hirsch gehörte, die dort auch selbst noch wohnte.[37] Er kann dort aber nur ein kleines Zimmer angemietet haben. Während die anderen Mieter, wie sein Bekannter Moritz Liffmann, monatlich über 100 RM an Miete zahlen mussten, fielen für Hans Ullmann nur 34,50 RM an.[38] Entweder lebten die beiden dort auf sehr engem Raum zusammen oder aber, was wahrscheinlicher ist, Hedwig Ullmann war bei Dorothea Katzenstein geblieben, die, nachdem ihr Mann bereits in das KZ- Sachsenhausen verbracht worden war, alleine geblieben war. Dann wäre Hans Hermann Ullmann 14. Juni 1942, als das Haus in der Blumenstraße geräumt wurde, auch noch alleine in die Wielandstr. 10 gezogen.
Auf einer Liste, auf der die dortigen Bewohner festgehalten wurden, stand zunächst nur Ludwig Kiefer, der dort bisher mit seiner Frau Rosa zwei Zimmer bewohnte. Rosa Kiefer war im Mai 1942 verstorben und ihr Mann wurde daraufhin im Jüdischen Altersheim in der Geisbergstr. 24 untergebracht, wo er sich wenige Tage nachdem er die Aufforderung erhalten hatte, sich wegen der geplanten „Evakuierung“ am 1. September in der Sammelstelle in der Friedrichstr. 33 einzufinden, das Leben nahm. Damit war die Wohnung frei. Handschriftlich wurde dann auf der genannten Liste – logischerweise nach dem 14. Juni 1942 – „Ullmann“ ergänzt. Unklar bleibt auch dieses Mal, ob eine oder zwei Personen einzogen.[39]
Eine Aussage von Hedwig Ullmann, laut der sie bereits in der Blumenstraße mit ihrem Mann zusammengewohnt hätte, ist zumindest im Hinblick auf den genannten Zeitpunkt definitiv falsch. Sie gab in einer eidesstattlichen Erklärung vom 18. März 1950 an, der Gestapobeamte Ludwig Bodewig sei dort im Juni 1942 erschienen und habe sie und ihren Mann aufgefordert, die Wohnung innerhalb von acht Stunden zu räumen. Auch habe er verlangt, dass wertvolle Einrichtungsgegenstände im Schlafzimmer – ein neues Waschbecken, ein Spiegelschrank und eine Perserbrücke – zurückgelassen werden müssten. Außerdem soll er sich bei dieser Gelegenheit eine goldene Taschenuhr, ein Familienerbstück, einfach angeeignet haben.[40] Dass Bodewig, der damalige Judenreferent in Wiesbaden, sich so verhalten hat, ist kaum zu bezweifeln,[41] allerdings kann sich das Geschehen nicht, wie Hedwig Ullman schrieb, im Juni 1942 zugetragen haben. Da war das ehemalige Judenhaus in der Blumenstraße schon seit einem ganzen Jahr von seinen jüdischen Bewohnern geräumt. Sollte sie sich aber nur bei der Jahreszahl geirrt und 1942 mit 1941 verwechselt haben – die Räumung fand tatsächlich im Juni 1941 statt –, dann kann man davon ausgehen, dass die beiden tatsächlich auch schon in der Blumenstr. 7 gemeinsam gelebt hatten.
Anlass für die Eheschließung war nach Hedwig Ullmann der Plan, gemeinsam aus Deutschland zu fliehen. Ob es dazu schon irgendwelche Vorbereitungen gab, etwa ein Antrag auf Visa gestellt war, ist nicht bekannt. Eine entsprechende Akte wurde in der Devisenstelle allerdings nicht angelegt. Die erforderlichen finanziellen Mittel waren den beiden bereits 1939 von Hedwigs Stiefvater, dem Rechtsanwalt Ernst Meyer, zur Verfügung gestellt bzw. versprochen worden. Er hatte ihr 1.000 Dollar geschenkt, die von einer Schweizer Bank auf die Westminster Bank in London transferiert, aber dort nie abgehoben worden waren.[42] Woran das Vorhaben letztlich scheiterte, ist nicht mehr nachzuvollziehen.
Möglicherweise hatte hierbei ebenfalls Bodewig seine Hände im Spiel, denn er verbot ihr zeitweise jeden Schriftverkehr mit dem Stiefvater und der Mutter in der Schweiz. Bei einer Vorladung habe er sie angeschrien: „Sie Judenweib, was fällt Ihnen eigentlich ein, in das Ausland zu schreiben, das grenzt ja schon an Landesverrat“ und drohte, sie zu verhaften.[43] Aber aus der Erklärung geht nicht hervor, zu welchem Zeitpunkt sich diese Vorladung zugetragen hatte und ob es tatsächlich auch um die geplante Ausreise ging.
Im Oktober 1941 wurden jegliche Ausreisen aus Deutschland verboten und Hans Hermann und Hedwig Ullmann saßen in der Falle. Die Ehe hatte ihn zwar vor den Deportationen 1942 bewahrt, zugleich aber die rechtliche Situation seiner Frau wesentlich verschlechtert. Sie selbst „Halbjüdin“, verheiratet mit einem „Volljuden“, musste jetzt damit rechnen, bald zusammen mit ihrem Mann deportiert zu werden. Noch hatte man sie im Juni und September 1942 verschont, aber unmittelbar nach der Septemberdeportation, am 3. September, wurden beide in das Judenhaus Rheinstr. 81 eingewiesen, wo ganz offensichtlich Paare in Mischehen oder auch Einzelpersonen aus solchen Beziehungen möglicherweise schon im Hinblick auf eine zukünftige Deportation gesammelt wurden.
Im Frühjahr 1943 begann man dann auch in Wiesbaden, diese bisher verschonte Gruppe in den Tod zu schicken. Welche Panik damit ausgelöst wurde, zeigt die große Zahl der Suizide, die, ähnlich wie im Vorfeld der Septemberdeportation, erneut im Februar und März 1943 die verbliebene, kleine jüdische Gemeinschaft, erschütterte.
Eine der ersten war Elisabeth Grebe, geboren Hecht und Frau des evangelischen Landgerichtsdirektors Friedrich Grebe a. D., die am 25. Februar 1943 ihrem Leben selbst ein Ende setzte.[44] Am 21. März schieden Dorothea Bortholomeus, geborene Grünberg, und Irma Hochhut, geborene Lieber, aus dem Leben,[45] zwei Tage später folgten Elisabeth Weyrauch, geborene Lieber, und Jenny Birlenbach, geborene Marx.[46] Am nächsten Tag setzte Sidonie Görgens, geborene Blumenthal, ihrem Leben ein Ende,[47] wiederum einen Tag später Hermann Hallheimer.[48] Am 28. März wählte Leo Lesem, am 29. März Hermann Meyer, ebenfalls Bewohner des Judenhauses Rheinstr. 81, diesen letzten Fluchtweg.[49] Und auch im folgenden Monat setzte sich diese Serie fort.
Auch Hans Hermann und Hedwig Ullmann hatten längst – schon zwei Jahre zuvor, so Hedwig Ullmann –,[50] beschlossen, diesen Weg zu gehen, wenn es keine Hoffnung mehr gab. Vermutlich waren sie sogar diejenigen, die wegen ihres besonders prekären Status als „Voll- und Halbjude“ als erste deportiert werden sollten. Mit ihrer Entscheidung, in einem letzten Akt des freien Willens aus dem Leben zu scheiden, standen sie am Anfang der beschriebenen Welle der Selbsttötungen. Bereits für den 10. Februar 1943 erhielten sie, noch vor Elisabeth Grebe, eine Vorladung der Gestapo. Was das bedeutete, war ihnen klar, wie ein befreundetes Paar bezeugte, das die beiden noch am Vorabend des Termins besucht hatte. Es sollte ihr Abschiedsbesuch sein. Noch am selben Abend nahmen Hans Hermann und Hedwig Ullmann 40 Tabletten des Schlafmittels Phanodorm, um gemeinsam aus dem Leben zu scheiden.
Elisabeth Hallheimer, die Witwe von Hermann Hallheimer, auch eines der späteren Opfer in diesen Tagen, die in der Nachbarschaft wohnte, hatte man gebeten, nach Ullmanns zu schauen, offenbar wissend, welchen Entschluss sie gefasst hatten. Sie war dann diejenige, die die Wohnung betrat und nach vielen Stunden Hans Hermann Ullmann dort tot und Hedwig nicht mehr ansprechbar, aber noch lebend, vorfand. Der herbeigerufene Arzt bzw. jetzt „Krankenbehandler“ Dr. Alfred Goldschmidt, der selbst ebenfalls in einer Mischehe lebte und deswegen noch in Wiesbaden war,[51] wurde zu Hilfe gerufen. Er konnte zumindest Hedwig Ullmann – allerdings nach einer dreitägigen Bewusstlosigkeit – wieder ins Leben zurückrufen.
Neun Wochen musste sie nach diesem gescheiterten Suizid, völlig geschwächt im Bett verbringen. Verschiedene schwere körperliche Folgeerkrankungen waren zu behandeln, von den psychischen Folgen der gesamten traumatischen Ereignisse ganz zu schweigen.
Hans Hermann Ullmann fand am 14. Februar 1943 seine letzte Ruhe auf dem Jüdischen Friedhof an der Platter Straße.[52] Als Berufsangabe ist in der Gräberliste der Jüdischen Gemeinde „Hilfsarbeiter“ eingetragen. Offensichtlich war er in der letzten Zeit seines Lebens in einem nicht bekannten Unternehmen noch zur Zwangsarbeit verpflichtet worden.
Seiner Witwe gönnten die Nazis nur eine kurze Ruhezeit. Schon im Mai, nachdem sie kaum genesen war, wurde auch sie trotz des weiterhin vorhandenen Schwächezustandes zur Zwangsarbeit bei der Firma Kalle herangezogen.[53] Sie sei damals eigentlich nicht arbeitsfähig gewesen und verschiedene Symptome ihrer Erkrankung seien erneut ausgebrochen. Auch habe sie erheblich unter der Mangelernährung gelitten, da sie von der sehr beschränkten Kost, die sie mit ihrer für Juden gültigen Lebensmittelkarte für sich besorgen konnte, kaum leben konnte. Die folgenden knapp zwei Jahre wohnte sie weiterhin in der Rheinstr. 81, aber nähere Informationen über ihr Leben in dieser Zeit liegen nicht mehr vor.
Im Frühjahr 1945, als die amerikanischen Truppen begannen, den Rhein zu überschreiten, wurden auch in Wiesbaden noch einmal Jüdinnen und Juden aus Mischehen nach Theresienstadt deportiert, u. a. der Metzger Adolf Kahn mit seiner halbjüdischen, 14-jährigen Tochter Marianne. In dieser letzten Phase der Bedrohung ihres Lebens konnte sich Hedwig Ullmann in einem Keller verstecken und so die letzten Tage bis zur Befreiung überstehen.
Sie hatte überlebt, war aber an Körper und Seele gezeichnet – und: Das Leiden war keineswegs zu Ende. Nach einer kurzen Erholungszeit übernahm sie am 1. Oktober 1945 die Aufgabe einer Abteilungsleiterin im Lager des pharmazeutischen Unternehmens ‚Krebs & Eber‘ in Erbenheim in der Wiesbadener Str. 111, heute der Berliner Str. 111, wo sie offenbar auch eine Wohnung gefunden hatte. Es handelt sich bei dieser Firma um das arisierte Unternehmen ihres früheren Arbeitgebers Leopold Katzenstein. Und erstaunlich ist zunächst, dass Hedwig Ullmann 1951 von der Firma eine Aufstellung ihrer Einkommen von 1945 bis 1950 erhielt, und diese Auflistung auf einem Briefbogen der alten Firma Katzenstein übermittelt wurde. Allerdings ist als Eigentümer nicht mehr der ermordete Leopold Katzenstein, sondern der in die USA emigrierte Sohn Friedrich, genannt Fritz, Katzenstein, ebenfalls promovierter Mediziner, genannt. Ihm war, wie seine Tochter Dorothea in ihrer Familiengeschichte schrieb, nach dem Krieg die Firma zurückerstattet worden. Später wurde sie dann von ihm wieder veräußert.[54] Vielleicht hatte Fritz, der 1945 als amerikanischer Soldat nach Wiesbaden kam und vergebens nach seinen in den KZs ermordeten Eltern suchte, damals auch Frau Ullmann kontaktiert und ihr auch zu der – wie es in einem Bericht über ihre Leidensgeschichte heißt –, „gehobenen Stellung“ in der Firma verholfen.[55]
Ein Neuanfang nach 1945 im Kleinen bedeutete sicher auch ihre Ehe mit dem Fabrikarbeiter Wilhelm Busch aus Wiesbaden-Erbenheim, den sie – in der Heiratsurkunde als Abteilungsleiterin bezeichnet – am 7. September 1946 ehelichte.[56] Aber die ertragenen Leiden der vergangenen Jahre und die daraus resultierenden körperlichen Beeinträchtigungen machten ihr das Leben auch weiterhin schwer und erlaubten ihr keine dauerhafte Arbeitsaufnahme. Schon im Oktober 1948 hatte sie einen körperlichen und nervlichen Zusammenbruch und war bis Mai 1949 nicht mehr arbeitsfähig,[57] weshalb die Betreuungsstelle für die Opfer des Nationalsozialismus einen Antrag auf eine finanzielle Nothilfe für sie stellen musste, der auch bewilligt wurde. Ständige ärztliche Behandlungen begleiteten sie ihr gesamtes weiteres Leben. Gleichwohl erklärte ein ärztliches Gutachten im Jahr 1953, ihre konstatierte Invalidität sei nicht auf ihre Verfolgung als Halbjüdin zurückzuführen.[58] 1954 gewährte man ihr „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht“ einen Vorschuss auf eine Entschädigung von 100 DM im Monat. Für eine endgültige Entschädigung ihrer körperlichen Schäden bedürfe es zunächst eines neuen Obergutachtens, wurde ihr erklärt.[59]
1957, also mehr als zehn Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft, wurde ihr dann tatsächlich eine Entschädigung bewilligt, die sie sich als monatliche Rente auszahlen ließ. Es war inzwischen amtlich festgestellt worden, dass ihre Erwerbsminderung von 70 Prozent, zu 40 Prozent durch die Verfolgung verursacht worden sei.[60]
Auf andere Entschädigungen hatte sie keinen Anspruch, da sie weder in einem Konzentrationslager war und auch
Aber immerhin war sie von Mai 1943 bis März 1945 dienstverpflichtet worden, hatte sich zudem wöchentlich bei der Polizei melden müssen.[61]
Eigentlich hatte ihre leibliche Mutter, die offenbar in Zürich in der Schweiz in gesicherten finanziellen Verhältnissen die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft aus der Ferne hatte verfolgen können, ohne direkt davon tangiert zu sein, immerhin dafür sorgen wollen, dass auch ihre Tochter zumindest finanziell abgesichert sein würde. Vor ihrem Tod hatte sie ihren Ehemann per letztwilliger Verfügung veranlasst, ihrer Tochter bis zu deren Lebensende eine jährliche Rente von 800 Schweizer Franken zu sichern, wofür der Stiefvater zunächst auch die notwendigen Maßnahmen getroffen hatte. Diese Zusage wurde dann später von ihm wieder zurückgenommen, weil Hedwig sich bei ihm dafür angeblich nicht hinreichend bedankt hatte. Das war ihr aber deshalb nicht mehr möglich, weil die NSDAP in Wiesbaden ihr gerade damals den Briefverkehr mit der Schweiz untersagt hatte. Später konnte sie zwar dann über Verwandte in den USA ihren Stiefvater über die Hintergründe ihrer angeblichen Undankbarkeit aufklären, aber das war diesem dann zu spät. Er warf ihr in einem Brief vom 7. September 1943 vor, durch ihr Verhalten und ihren „krassen Undank“ alle Bande zwischen ihnen zerschnitten zu haben.[62] Auch später, im Januar 1945, wollte er mit seiner Stieftochter nichts mehr zu tun haben. Offenbar ließ sich dieser Bruch auch später nicht mehr beheben. So war sie letztlich durch den NS-Staat auch um dieses Geld gebracht worden.

HHStAW 518 12866 II (o.P.)
Ihr durch viele Schrecken, Entbehrungen und von Krankheit gezeichnetes Leben endete am 29. Februar 1972.[63] Am 3. März wurde sie auf dem Südfriedhof der Stadt beigesetzt.
Veröffentlicht: 24. 03. 2026
Anmerkungen:
[1] Heiratsregister Wiesbaden 1453 / 1940.
[2] Geburtsregister Bingen 1374 / 1862 und Heiratsregister Wiesbaden 106 / 1897.
[3] Sterberegister Frankfurt 230 / 1913 und 1374 / 1922.
[4] Heiratsregister Frankfurt 1612 / 1889.
[5] Siehe Geburtsregister Frankfurt 1304 / 1892, 2516 / 1893 und 2060 / 1895.
[6] https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/2280/images/32126_23159710501764-00322?pId=10021772. (Zugriff 10.02.2026).
[7] https://www.ancestry.de/search/collections/1068/records/16980416. (Zugriff 10.02.2026).
[8] https://www.ancestry.de/search/collections/60901/records/8660023. (Zugriff 10.02.2026).
[9] Heiratsregister Wiesbaden 621 / 1917, dazu Geburtsregister Mainz 1095 / 1894. Es ist vermutlich kein Zufall, dass deren Vater Philipp Schönfeld, den gleichen Namen wie die Ehefrau von Leopold Ullmann hatte und ihre Mutter Henriette sogar eine geborene Ullmann war. Aber welche verwandtschaftlichen Verbindungen konkret bestanden haben könnten, ließ sich im gegebenen Rahmen nicht ermitteln.
[10] HHStAW 518 67255 (21)
[11] Ebd. (44)-
[12] Heiratsregister Wiesbaden 106 / 1873.
[13] Geburtsregister Wiesbaden 720 / 1900 und Sterberegister 1321 / 1902..
[14] Geburtsregister Wiesbaden 1407 / 1912 und Sterberegister Wiesbaden 530 / 1916. Als Wohnanschrift der Familie ist 1916 die Metzgergasse 12 angegeben.
[15] Geburtsregister Wiesbaden 1998 /1898;
[16] Es gibt allerdings einen Eintrag in der Passagierliste der ‚Queen Mary‘ mit einem Leo Ullman und seiner Frau Bertha, geborene Felsenthal, laut der die beiden am 17. März 1937 von Cherbourg nach New York fuhren. Sein letzter Wohnsitz war Wiesbaden. Dieser Leo Ullmann war Bäcker, betrieb in der Wiesbadener Kleiststraße eine Bäckerei, stammte aber aus Laufenselden im Taunus. Im Jüdischen Adressbuch von 1935 ist er als Einwohner Wiesbadens geführt. Dieser Leo Ullmann wurde aber am 4.3.1895 geboren und kann nicht der Sohn gleichen Namens von Leopold und Eva Ullmann sein.
[17] Geburtsregister Wiesbaden 1818 / 1897.
[18] https://www.ancestry.de/search/collections/2280/records/4070523. Siehe auch https://www.ancestry.de/search/collections/7488/records/2011542663?tid=&pid=&queryId=b77720a0-0009-4e10-8f61-e5b3b86ee3e5&_phsrc=SbT1926&_phstart=successSource. (Zugriff 10.02.2026).
[19] https://gw.geneanet.org/joelle241?n=abraham&oc=&p=selma. (Zugriff 10.02.2026).
[20] https://de.findagrave.com/memorial/75982329/max-ullman. (Zugriff 10.02.2026).
[21] https://gw.geneanet.org/joelle241?n=abraham&oc=&p=selma. (Zugriff 10.02.2026).
[22] In den Adressbüchern der Ausgaben 1906/7 und 1907/08 ist eigenartigerweise die Anschrift von Ullmanns und der Metzgerei mit Metzgergasse 6 angegeben. Unklar ist, ob es sich dabei um einen Fehler der Adressbuchredaktion handelt oder ob die Familie samt Geschäft damals tatsächlich umgezogen war, was insofern eher unwahrscheinlich ist, als dann wieder die bekannte Anschrift in der Mauergasse eingetragen ist.
[23] HHStAW 518 12866 I (22).
[24] Ebd.
[25] Sterberegister Wiesbaden 118 / 1927.
[26] Sterberegister Wiesbaden 1567 / 1936.
[27] Geburtsregister Wiesbaden 2220 / 1907.
[28] In einer Sterbeurkunde aus Berlin taucht er vermutlich noch einmal auf. Ein Abraham Marx, von Beruf Musiker, meldete am 18.3.1922 dem Standesamt in Berlin-Schöneberg den Tod einer Nachbarin. Wohnhaft war er damals in der Erdmannstr. 5. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist dieser Abraham Marx identisch mit dem Vater von Hedwig.
[29] Geburtsregister Wiesbaden 2220 / 1907.
[30] HHStAW 518 12866 I (21).
[31] Ebd. (12 l, 12 p).
[32] Ebd.
[33] Ebd. (22 r).
[34] Dieses Haus gehörte Abraham Hamburger und seiner Frau Anna, die 1941 über Kuba in die USA ausreisen konnten.
[35] HHStAW 518 785 (21).
[36] Heiratsregister Wiesbaden 1453 / 1940, dazu HHStAW 518 12866 I (12p).
[37] Amalie Hirsch wurde am 1.9.1942 deportiert und in Theresienstadt ermordet.
[38] HHStAW 519/2 2155 II (o.P.).
[39] Yad Vashem Archiv Record Group O.8, File Number 43.1 (73).
[40] HHStAW 518 12866 I (16).
[41] Der damalige Oberstaatsanwalt in Wiesbaden, Quambusch, selbst eine zwielichtige Person, fällte über Bodewig das folgende Urteil: „Unter diesen [seinen Kontaktpersonen in der NSDAP – K.F.] ist mir genau in der Erinnerung der wegen seiner Brutalität und seiner Feindschaft gegen die Juden weithin berüchtigte Angestellte Bodewig, ein Mann von geringer Intelligenz, aber ein ehrgeiziger Beamter und aktiv fanatischer Nationalsozialist schlimmster Art.“ HHStAW 2010aE2 (32) Siehe zu Quambusch den folgenden Exkurs
[42] Ebd. (98, 102). Das Geld lag auch 1965 noch auf diesem Konto und konnte von der Begünstigten bisher nicht in Anspruch genommen werden. 1958, als Frau Busch wegen ihrer prekären finanziellen Situation auf die Gelder zugreifen wollte, wurde ihr mitgeteilt, das Guthaben sei bei der Bank eingefroren: „Es besteht keine Möglichkeit, das Guthaben nach der Bundesrepublik Deutschland zu transferieren. Was aus den Guthaben in den ehemaligen Feindländern werden wird, bleibt einer Regelung in den mit Deutschland noch abzuschließenden Friedensverträgen vorbehalten.“ Ob Frau Busch noch vor ihrem Tod auf das Vermögen zugreifen konnte, ist nicht bekannt.
[43] Ebd. (17).
[44] Sterberegister Wiesbaden 450 / 1943.
[45] Sterberegister Wiesbaden 664 /1943 und 668 / 1943.
[46] Sterberegister Wiesbaden 661 / 1943 und 700 / 1943.
[47] Sterberegister Wiesbaden 702 / 1943
[48] Sterberegister Wiesbaden 726 / 1943.
[49] Sterberegister Wiesbaden 716 / 1943 und 736 / 1943.
[50] HHStAW 518 12866 I (12 p).
[51] Dr. Alfred Goldschmidt gehörte zu den Überlebenden des Holocaust. Er verstarb am 21.1.1962 in Frankfurt a.M.
[52] HHStAW 365 916 (91).
[53] HHStAW 518 12866 I (152).
[54] Katzenstein, The Moves they made, S. 99.
[55] HHStAW 365 916 (164).
[56] Heiratsregister Wiesbaden 964 / 1946.
[57] HHStAW 18 12866 I (12 l).
[58] Ebd. (12 v).
[59] Ebd. (72 b).
[60] Ebd. (80).
[61] Ebd. (13).
[62] Ebd. (20).
[63] Sterberegister Wiesbaden 524 / 1972. Wann ihr Ehemann Wilhelm Busch verstarb, konnte nicht ermittelt werden, aber sie wird in dem Sterbeeintrag als Witwe von Wilhelm Busch bezeichnet.


