Siegfried und Henriette Seligmann, geborene Scheier


Lortzingstraße_7_1925
Lortzingstr. 7 um 1925
Archiv D. Schaller
Lortzingstr. 7
Lage des ehemaligen Judenhauses Lortzingstr. 7
Judenhauses Lortzingstr. 7
Belegung des Judenhauses Lortzingstr. 7

 

 

 

 

 


Als Siegfried und Henriette Seligmann sich am 3. Februar 1939 mit ihrem Sohn Hans bei der Polizeibehörde in Wiesbaden mit der Adresse Lortzingstr. 7 anmeldeten,[1] war die Villa am Bierstadter Hang, die der Witwe Sophie Ginsburg gehörte, noch nicht zu einem Ghettohaus für Juden umfunktioniert worden. Dennoch war der Einzug schon damals aus der Not geboren. Auch das aus dem westerwälder Dierdorf stammende Kaufmannsehepaar war inzwischen Opfer des Raubzugs der Nazis an den Juden geworden. So täuscht auch die Berufsangabe „Privatier“, die gerade in Wiesbaden früher mit Wohlstand und einem gehobenen Lebenswandel assoziiert wurde, über die tatsächliche Lebenssituation der beiden hinweg.

Nur drei Jahre zuvor waren sie nach üblen Erfahrungen aus ihrer bisherigen Heimatstadt in die traditionsreiche Kurstadt gekommen, wohl in der Hoffnung, hier in der Anonymität als Juden ihren Lebensabend in Ruhe verbringen zu können. Inzwischen hatten die Nazis ihren Terror und auch die Kontrolle aber über das gesamte Land ausgedehnt und systematisiert, sodass es auch für Seligmanns kein Entkommen mehr gab, wenngleich sie es beinahe noch geschafft hätten, aus Deutschland herauszukommen.

Stammbaum Seligmann
Stammbaum der Familien Seligmann und Scheier
GDB

Siegfried Seligmann, der wohl auch oft Friedrich gerufen wurde, stammte, anders als seine Frau, ursprünglich nicht aus Dierdorf im Westerwald, sondern aus Rohrbach. Dass es sich dabei um das Rohbach in Baden handelt, ergibt sich aus einem Eintrag im Gesindeverzeichnis von Speyer aus dem Jahr 1900.[2] Dort ist er mit den Geburtsangaben 13. September 1881 in Rohrbach, Verwaltungsbezirk Sinsheim / Baden, eingetragen. Ausgewiesen hatte er sich mit einem Abmeldeschein aus Grötzingen bei Durlach. Vom 15. Juli 1900 bis zum 1. Juli des folgenden Jahres war er in Speyer bei der Firma Emil Mayer in der Wormser Str. 44 als Commissionär angestellt, gewohnt hat er allerdings in der Kaiser-Friedrich-Str. 15. Nach einem Jahr verließ er die Stadt und ging – wie es in dem Eintrag heißt – „fort nach Hanau“. Damit verlieren sich seine Spuren zunächst wieder.

Siegfried Seligmann
Siegfried Seligmann im Gesindeverzeichnis von Speyer im Jahr 1900
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Etwa fünf Jahre später tritt er dann wieder in dem nordwestlich von Montabaur und heute zum Kreis Neuwied gehörenden Dierdorf in Erscheinung. Dort ist erstmals im späten 17. Jahrhundert ein jüdischer Einwohner nachweisbar, aber schon im folgenden Jahrhundert hatten sich verschiedene jüdische Familien dort angesiedelt, darunter auch eine Familie Seligmann, die im Ort und der jüdischen Gemeinde eine bedeutende Rolle einnahm.[3] Schon 1829 konnte die Gemeinde, die am Ende des Jahrhunderts aus 34 Familien mit insgesamt 135 Mitgliedern bestand, eine eigene Synagoge errichten. Wie auch sonst lebten die jüdischen Bewohner weitgehend vom Handel, zumeist mit Vieh oder mit Textilwaren, der wohl ursprünglich ambulant betrieben wurde. Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem die Stadt unter preußische Verwaltung geraten war und sich die Rechtsstellung der Juden allmählich verbesserte, konnten sie in der Stadt auch feste Ladengeschäfte eröffnen.

Alte Ansicht von Dierdorf

Laut Melderegister war der Reisende und Kaufmann Siegfried Seligmann aus Sinsheim von Weilburg kommend am 5. Januar 1907 dort offiziell registriert worden. Er hatte allerdings schon wenige Tage zuvor am 31. Dezember 1906 Henriette Scheier, genannt Henny, geheiratet,[4] die Tochter des Dierdorfer Kaufmanns Samuel Scheier und seiner zweiten Frau Caroline, geborene Jonas.[5]

Es liegt die Vermutung nahe, dass Siegfried Seligmann sich nicht zufällig in einem Ort eine Familie gründete, wo es seit langem eine bedeutende jüdische Familie gleichen Namens gab.[6] aber eine verwandtschaftliche Verbindung der beiden Familien lässt sich bisher nicht nachweisen. Siegfrieds Eltern und auch die Großeltern väterlicherseits stammten beide aus dem badischen Gebiet um Sinsheim, wo er auch selbst geboren worden war. Sein Vater Seligmann Seligmann und auch dessen Vater Samson Seligmann kamen beide aus Rohrbach bzw. dem benachbarten Ehrstädt, beide Orte heute zu Sinsheim gehörig. Seligmann Seligmann war am 1. Oktober 1832 als Sohn von Samson Seligmann und seiner Frau Rosine, geborene Elsasser, in Rohrbach, zur Welt gekommen. Auch seine Frau Babette Münzesheimer, geboren am 30. Juni 1840, war in Rohrbach verwurzelt. Ihr Vater Jacob Münzesheimer stammte ebenfalls aus dieser Gemeinde, während seine Frau Regine aus dem südlicher gelegenen Bühl kam. Siegfried war das dreizehnte von insgesamt fünfzehn Kindern von Seligmann und Babette Seligmann, die am 21. November 1860 in Sinsheim geheiratet hatten.[7]
In der Ehe von Siegfried und Henny wurden insgesamt fünf Kinder geboren. Irene kam am 11. November 1907 bald nach der Eheschließung als erste zur Welt.[8] Ihr folgte am 5. Oktober des nächsten Jahres mit Ilse eine weitere Tochter.[9] Mit Eugen Siegmund am 31. August 1909 [10] und Erwin am 13. Februar 1911 kamen dann zwei Söhne zur Welt. Erwin überlebte aber das Kleinkindalter nicht und verstarb am 11. August, bevor er das erste Lebensjahr vollendete.[11] Ein Jahr später kam mit Hans am 11. Juli 1912 noch ein weiterer Sohn in die Familie.[12]

Siegfried Seligmann
Siegfried Seligmann
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Henriette Seligmann
Henriette Seligmann
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Wie sich das Manufakturwarengeschäft von Siegfried Seligmann in den Jahren, nachdem er sich in Dierdorf niedergelassen hatte, entwickelte, lässt sich aufgrund fehlender Unterlagen nicht mehr mit Zahlen rekonstruieren, aber die glaubhaften Angaben des Sohnes Hans, die der städtischen Behörden und auch die der Tochter des Nachfolgers von Siegfried Seligmann, Elly Blankenstein, lassen keinen Zweifel daran, dass es sich um ein einst sehr gut gehendes Geschäft gehandelt haben muss.
Seit etwa 1911, so Hans Seligmann, hätten die Eltern das Geschäft im eigenen Haus in der damaligen Vordergasse 94 betrieben.[13] In dem Ladenlokal, mit vier großen Schaufenstern direkt am Marktplatz gelegen, sei von den Eltern und den zwei bis vier Verkäuferinnen die Konfektionswaren, Arbeitskleidung, Wäsche und andere Textilien angeboten worden. Auch die Mutter, von Beruf Modistin, habe im Laden mitgearbeitet.

Seligmann
Eine der vielen Suchanzeigen nach Arbeitskräften (2.6.1921)
Aus: M. Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf III, S. 107

In dem Band über das jüdische Leben in Dierdorf, in dem M. Meyer die Zeitungen und Zeitschriften nach Anzeigen und Artikeln über die dortigen Juden durchforstet hat, sind unzählige Anzeigen von Siegfried Seligmann zitiert, in denen nach tüchtigen „Putzarbeiterinnen“, nach Lehrmädchen oder auch nach Hauspersonal gesucht wurde. Natürlich erwartete man, dass die Aspiranten aus „gutem Hause“ kamen. Mitunter sollten sie auch ein Foto und Zeugnisse mitschicken. Geboten wurde dafür „freie Station mit guter Verpflegung“. Dass sie jüdischen Glaubens sein mussten, wird nicht explizit verlangt, aber da die Anzeigen in jüdischen Blättern erschienen, war das vermutlich als selbstverständlich vorausgesetzt. [14]

Für den Haushalt und die Kinder war ebenfalls eigenes Personal verantwortlich.[15] Auch hierzu hat Meyer eine Reihe von Anzeigen gesammelt, in denen Siegfried Seligmann nach solchen Bewerbern suchte. Sogar noch am 12. Dezember 1935, als das Geschäft schon unter den Maßnahmen der Nazis leiden musste, gab er eine Anzeige auf, in der er neben einer Verkäuferin noch eine Angestellte für einen „neukoscheren“ Haushalt suchte. Heizung, Warmwasser und Waschfrau seien vorhanden.[16]

Anzeige von Siegfried Seligmann in einer Zeitung
Aus: M. Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf III, S. 214

Aber auch die Kinder hatten später, wie aus dem Schreiben von Frau Blankenstein hervorgeht, Aufgaben im Geschäft übernommen. Obwohl es nach dem Krieg zu einem Rückerstattungsverfahren gekommen war, äußerte sich Frau Blankenstein, deren Eltern vor der Arisierung selbst Kunden im Laden der Seligmanns gewesen seien, sehr positiv über das Textilhaus: „Das Warenlager war größer als in den Städten, die Preise lagen günstiger und die Bedienung war sehr gut geschult. So viel ich von der Kundschaft hörte, waren Herr Siegfried Seligmann, seine Tochter Rena [gemeint ist Irene – K.F.] und ganz besonders sein Sohn Eugen sehr beliebt. Man hielt Herrn Siegfried Seligmann für einen über den Durchschnitt weit überragenden Kaufmann, der es verstand die Kundschaft zu werben und zu erhalten. Wenn ich bei meinen Besuchen (…) nach Dierdorf kam, war im Textilhaus Siegfried Seligmann selbst im Sommer, wenn in anderen Geschäften stundenlang kein Kunde kam, immer solch lebhafter Betrieb, dass man trotz reichlicher Bedienung immer warten musste. Heute noch zeigen mir Leute Sachen, die sie damals dort kauften. Die Qualität muss also trotz der billigen Preise außergewöhnlich gut gewesen sein.“[17]

Rena Seligmann
Todesanzeige für Irene Seligmann vom 19.9.1929
Aus: M. Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf III, S. 95

Nicht nur für die Familie, sondern auch für das Geschäft muss der frühe Tod von Irene am 12. September 1929 ein großer Verlust gewesen sein. Sie starb, wie es in der Todesanzeige hieß, „nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden“.[18]

Die Stadt äußerte sich in zwei Schreiben im Rahmen des Entschädigungsverfahrens. Darin heißt es u.a.: „Nach glaubwürdiger Auskunft älterer Einwohner von Dierdorf muß das Geschäft Seligmann als das größte am Platze bezeichnet werden.[19] (…) Seligmann muß als sehr korrekt bezeichnet werden. Außerdem wurde er bei der ärmeren Bevölkerung als stets hilfsbereit dargestellt. Es ist amtsbekannt, dass die Familie Seligmann in der Zeit ihres Hierseins sehr viel Gutes getan hat. Es spricht für seine Anständigkeit, wenn er von seinen Unterstützungen an Bedürftige kein Aufhebens machte.“[20] Genaue Angaben zu den Geschäftszahlen konnte aber auch die Gemeinde nicht liefern, hielt allerdings die Angabe von Hans Seligmann, man habe bis zum Jahr 1933 jährlich etwa 250.000 bis 300.000 RM umgesetzt und ein monatliches Einkommen von mindestens 1.500 RM erzielt, für zu hoch.[21]
Diese Vermutung wird scheinbar auch durch die Zahlen bestätigt, die für die Jahre 1932 und folgende noch vorliegen. Zu bedenken ist allerdings, dass die in den schlimmsten Krisenjahren erhobenen Werte kaum Rückschlüsse auf die vergangenen Jahre oder Jahrzehnte erlauben, über die sich besonders Frau Blankenstein geäußert hatte.

Briefkopf der Firma Seligmann in Dierdorf
HHStAW 685 705a (25)

Hinzu kommt, dass Siegfried Seligmann offenbar 1931 so schwer erkrankte, dass er seinen Sohn Hans weitgehend mit der Führung des Geschäfts beauftragen musste. Dieser war durch seine Ausbildung grundsätzlich auf die spätere Übernahme der Firma vorbereitet worden. Am 9. Februar 1928 hatte sein Vater eine Anzeige geschaltet, in der er für seinen „Sohn, 15 ½ Jahre alt, welcher ein Jahr in meinem Geschäft tätig und mithin Vorkenntnisse besitz, eine Lehrstelle in einem Textilwarengeschäft, detail“.[22] Offenbar war die Suche erfolgreich. Nach dem Besuch der Volksschule in Dierdorf und einer Höheren Schule, die er mit der Mittleren Reife abgeschlossen hatte, absolvierte er eine Lehre zum Textilkaufmann bei der Firma ‚A. Weyl’ in Cleve.[23]
Als er in die Firma der Eltern einstieg, war er noch nicht einmal volljährig, und obwohl er seine Lehrzeit zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgreich beendet hatte, verfügte er ganz sicher nicht über die Erfahrungen, um ein Unternehmen durch die allgegenwärtige Krise zu führen. Wie weit der Vater ihm damals noch zur Seite stehen konnte, ist nicht bekannt, weil keine Informationen über seine damalige Erkrankung vorliegen. Bekannt ist, dass er ein verkürztes Bein hatte, aber das wird sicher nicht der Grund für seinen Rückzug gewesen sein. Zwar erhielt Hans offiziell nur einen Monatsverdienst von 50 RM, allerdings konnte er darüber hinaus selbstverständlich für seinen persönlichen Bedarf Entnahmen aus der Firma tätigen.[24]

Im März 1936 war vom Finanzamt Neuwied noch einmal eine Betriebsprüfung angesetzt worden, bei der die Angaben der Jahre 1932 bis 1934 geprüft wurden. Die Prüfer kamen zu dem Ergebnis, dass „die Buchführung im grossen und ganzen als ordungsmässig bezeichnet werden kann, (…) die ausgewiesenen Ergebnisse doch so sehr von den branchen üblichen abweichen, dass die Buchführung unbedingt Fehler enthalten muss bezw. nicht vollständig sein kann.“.[25]
Verantwortlich für die Buchführung, so heißt es in dem Bericht, sei die Tochter des Eigentümers gewesen. Da Irene bereits verstorben war, kann eigentlich nur die ältere Tochter Ilse gemeint sein, die demnach damals ebenfalls im Familienunternehmen engagiert war.
Es waren eher Kleinigkeiten, die man bemängelte, über die man bei einem nichtjüdischen Kaufmann vielleicht sogar großzügig hinweggesehen hätte. Im Wesentlichen wurde angezweifelt, dass die erwirtschafteten Gewinne bei den Umsätzen zu niedrig angesetzt worden seien. „Wenn auch zuzugeben ist, dass das Unternehmen – es handelt sich um ein nichtarisches Geschäft – in den letzten Jahren unter erschwerten Bedingungen arbeiten musste und, um den Umsatz zu halten, billiger verkaufte, so scheint mir das Missverhältnis doch zu groß.“ Der Prüfer schlug vor, die Gewinne für die Jahre von 1932 bis 1934 zu schätzen und einen generellen Bruttogewinnaufschlag von 30 Prozent auf die Einkäufe anzunehmen. Die Zahlen im Bericht weichen zwar geringfügig von denen ab, die später im Entschädigungsverfahren vom Finanzamt Wiesbaden für die genannten Jahre vorgelegt wurden, aber die Entwicklung des Geschäfts lässt sich dennoch daraus ablesen.

Demnach konnte 1932 zwar ein Umsatz von etwas mehr als 90.000 RM erreicht werden, Gewinne und somit auch ein Einkommen konnten damit aber nicht erwirtschaftet werden. Vermutlich musste man angesichts des allgemeinen Kaufkraftverlusts schon damals die Waren zu Preisen verkaufen, die gerade einmal die laufenden Kosten abdeckten. Erst 1933, trotz Boykott und sinkendem Umsatz, erzielte man wieder ein Einkommen aus dem Betrieb von etwas mehr als 5.000 RM, also monatlich etwa 400 RM. Im folgenden Jahr 1934 kehrten sich die Verhältnisse um. Trotz einer Umsatzsteigerung um etwa 20.000 RM auf nun 107.000 RM sank das Einkommen unter 5.000 RM. [26] Man gewinnt den Eindruck, Siegfried Seligmann habe angesichts der düsteren Aussichten unter Verzicht auf angemessene Gewinnmargen noch möglichst viel seines Warenlagers abstoßen wollen. Im folgenden Jahr verringerte sich der Umsatz auf etwa 70 Prozent des Vorjahrs. Wenn dennoch der Gewinn auf 7.000 RM gesteigert werden konnte, dann hatte das vermutlich seinen Grund darin, dass Siegfried Seligmann seine Kosten erheblich reduzierte, etwa durch die Entlassung von Mitarbeitern. Genau wird man das aber nicht mehr rekonstruieren können.

In jedem Fall war er inzwischen entschlossen, sein Geschäft aufzugeben und Dierdorf zu verlassen. 1936 hatte er mit Walter Blankenstein und Bernhard Kionka aus Raubach im Westerwald auch Kaufleute gefunden, die bereit waren, in das Geschäft einzutreten. Die Übergabe erfolgte am 1. Oktober und umfasste die Warenbestände, die für einen Betrag von knapp 30.000 RM übernommen wurden. Das Inventar sowie das Haus selbst, die für monatlich 350 RM auch als Wohnsitz nur gepachtet wurden, waren nicht Gegenstand des Kaufvertrags.[27]

Für diese Entscheidung war aber nicht allein der wirtschaftliche Niedergang des Geschäfts ausschlaggebend. Zum einen hatte sich das politische Klima in der Stadt inzwischen grundlegend verändert.[28] Bei den Wahlen im September 1930 hatten die Nazis auch in Dierdorf erstmals relevante Stimmengewinne verbuchen können, bei öffentlichen Veranstaltungen wurde offen gegen Juden und „Judenknechte“ gehetzt und es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Gegnern und den Verteidigern der Republik. Anlässlich einer Geburtstagsfeier, an der auch diverse Nazifreunde teilnahmen, wurde das gegenüberliegende Haus der Familie Seligmann mit Steinen beworfen. „Das Judenpack muß aus dem Haus heraus!“, antwortete der Mob denjenigen, die es damals noch wagten, sich schützend vor die Verfolgten zu stellen. Ob es sich bei der bedrohten Familie um die von Siegfried Seligmann handelte, ist allerdings nicht bekannt, letztlich auch egal, denn gemeint waren alle Familienmitglieder der Seligmanns.
Ein Jahr vor diesem Ereignis hatte sich 1930 in Dierdorf eine NSDAP-Ortsgruppe gebildet. Bei den Reichstagswahlen im November 1932 erreichte die NSDAP dann 45,4 Prozent, bei den nicht mehr freien Wahlen am 5. März 1933 sogar 53,33 Prozent. Als am 12. März 1933 der neu gewählte Gemeinderat zusammentraf, in dem sich außer der SPD alle Fraktionen auf die Seite der NSDAP schlugen, ernannte die neue Mehrheit erst einmal Hitler zum Ehrenbürger und die Vordergasse, die Straße, in der das Wohn- und Geschäftshaus von Siegfried Seligmann lag, wurde in Adolf-Hitler-Straße umbenannt.
1935, noch vor Verabschiedung der Nürnberger Gesetze, beschloss der Gemeinderat, Juden den Zuzug nach Dierdorf generell zu untersagen. Vom Erwerb von Grundstücken, durch Kauf, Pacht oder Ersteigerung wurden sie ebenfalls ausgeschlossen. Beamte und kommunale Angestellte durften bei Juden nicht mehr einkaufen und Menschen, die auf öffentliche Unterstützung angewiesen waren, drohte man mit dem Entzug der Gelder. Handwerker, Geschäftsleute sollten keine öffentlichen Aufträge mehr erhalten, sollten sie selbst oder ihre Angehörigen irgendwelche Geschäfte mit Juden machen. Das Siegfried Seligmann und seine Frau nicht länger in dieser Stadt bleiben wollten, ist nur allzu verständlich.[29]

Zum anderen hatten inzwischen auch zwei der Kinder Dierdorf verlassen. Eugen war schon im Rahmen seiner beruflichen Ausbildung 1925 nach Recklinghausen gegangen, wo er vermutlich bei den ‚Gebr. Alsberg’ eine Ausbildungsstelle gefunden hatte.[30] 1932 lebte Eugen in Aachen, von wo er sich für wenige Wochen zurück nach Dierdorf abmeldete. Dort blieb er aber nur kurz, um Ende des Monats nach Düsseldorf zu gehen. Wann er von dort nach Holland emigrierte, ist nicht bekannt. Am 23. April 1936 stellte sein Vater den Antrag, seinem Sohn die Rückkehr nach Deutschland zu erlauben, was aber am 12. Juni von der Gestapo abgelehnt wurde.[31]

Eugen Seligmann
Gestapo-Karteikarte aus Koblenz für Eugen Seligmann
https://spurenimvest.de/wp-content/uploads/2021/10/grafik-41.png

Stattdessen wurde Siegfried Seligmann am 30. April 1936 von der Devisenstelle erlaubt, seinem Sohn „ohne meine besondere Genehmigung“ monatlich 10 RM nach Holland zu überweisen. Wo genau dieser sich damals befand, geht aus der Bescheinigung des Finanzamts Neuwied vom 22. August 1936, laut der der „in Holland als Landhelfer tätige Eugen Seligmann“ keine Steuerrückstände habe, nicht hervor. Auch wenn es dafür keinen Beleg gibt, so liegt doch die Vermutung nahe, dass sich Eugen damals in einem holländischen Camp der zionistischen Bewegung auf seine später auch realisierte Alija nach Palästina vorbereitete.

Joseph Liberles
Dr. Joseph Liberles
https://images.findagrave.com/photos/2015/142/44781253_1432410212.jpg
https://www.ancestry.de/mediaui-viewer/collection/1030/tree/91047231/person/352370935992/media/cbb2bab0-3258-4838-a5a5-ae75a4b1cc60?queryId=7dc70af8-e988-4a49-9b33-9ad1aeff3f0e&searchContextTreeId=&searchContextPersonId=&_phsrc=svo6972&_phstart=successSource
Verlobungs- und Heiratsanzeige von Ilse Seligmann und Joseph Liberles
https://www.alemannia-judaica.de/ludwigshafen_texte.htm#Verlobungs-_und_Hochzeitsanzeige_von_Joseph_Liberles_und_Ilse_geb._Seligmann_(1934_/_1935)

Ebenso war die Tochter Ilse inzwischen von Dierdorf weggezogen und hatte sich am 30. Dezember 1934 in Ludwigshafen mit Joseph Liberles verlobt.[32] Die Trauungsfeier fand ein halbes Jahr später, am 14. Juli 1935, in Mannheim in den Räumen der Lamay Loge statt.[33] Ihr Ehemann stammte ursprünglich aus dem bei Karlsruhe gelegenen Grötzingen, wo er am 8. Januar 1903 geboren worden war. Sein 1918 verstorbener Vater Abraham Liberles, Sohn des früheren Bezirksrabbiners S. Liberles, war in der Gemeinde ein hochgeachteter Lehrer, der auch als Vorbeter und Schochet über 32 Jahre seinen Dienst getan hatte.[34] Josephs Mutter Helene Liberles, geborene Kahn, die am 3. Juni 1868 in Mainstockheim zur Welt gekommen war und zuletzt als Witwe in Frankfurt lebte, gehört zu den Opfern des Holocaust.
Joseph Liberles war damals, ganz in der Tradition der Familie, seit 1931 als Kantor und Prediger der jüdischen Gemeinde von Ludwigshafen tätig. In einer Meldung der ‚Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung’ vom 15. August 1936 heißt es dann: „Nach nahezu fünfjähriger Amtstätigkeit in unserer Gemeinde nahm Oberkantor Liberles in stark besuchtem Freitag-Abendgottesdienst Abschied, um nach Amerika auszuwandern. Prof. Koburger als Vorsitzender des Synagogenrats, Dr. Steckelmacher als Rabbiner der Gemeinde und der Scheidende sprachen eindrucksvolle Worte des Abschieds. Möge Herrn Liberles eine ihn befriedigende Zukunft beschieden sein!“[35]

Bis sich dann für das Paar tatsächlich die Möglichkeit ergab, nach Amerika zu emigrieren, vergingen noch zwei Jahre. Am 6. August 1938 wurden Joseph und Ilse Liberles auf dem Schiff ‚Statendam’ als Passagiere für die Überfahrt von Rotterdam nach New York registriert.[36] Vermutlich hatten sie die Wartezeit noch in Ludwigshafen verbracht, denn die Stadt ist als ihr letzter Wohnort auf der Passagierliste angegeben. Dort lebte damals auch noch die verwitwete Mutter bzw. Schwiegermutter Helene Liberles.[37]

Liberles
Überfahrt des Ehepaars Liberles in die USA im Sommer 1938
https://www.ancestry.de/search/collections/7488/records/22837962

Nach der Geschäftsaufgabe waren Siegfried und Henny Seligmann noch im November nach Wiesbaden gezogen, wo sie zunächst kurzfristig eine Wohnung in der Gustav-Freytag-Str. 4 fanden,[38] einem Haus, das dem jüdischen Kaufmann Goldschmidt gehörte und in dem 1935 laut Jüdischem Adressbuch schon drei jüdische Mietparteien wohnten.

Fritz-Kalle-Str. 14
Das Doppelhaus Fritz-Kalle-Str. 12-14. Die rechten Hälfte, die Seligmanns gehörte, zeigt noch die Spuren der Kriegsbeschädigung
Eigene Aufnahme

Aber schon mit Datum 1. November 1936 hatten sie ein eigenes Haus in der Fritz-Kalle-Str. 14, Baujahr 1912, erworben, das aber vor dem Einzug zunächst hatte renoviert werden musste. Eigentlich handelte es sich um ein mehrstöckiges Doppelhaus, dessen rechte Hälfte Seligmanns gehörte. Im ersten Stock bewohnte das Paar dort selbst eine 3-Zimmer-Wohnung, andere Wohnungen waren vermietet und erbrachten Einnahmen von rund 2.500 RM  im Jahr.[39] Zusammen mit den Einnahmen aus dem verpachteten Wohn- und Geschäftshaus in Dierdorf konnte das Ehepaar so zwar im Jahr 6.000 RM an Mieten bzw. Pacht einziehen, hatte aber auch Kosten, die mehr als die Hälfte der Einnahmen ausmachten. Das Haus in Wiesbaden war offenbar mit noch vorhandenen Vermögenswerten bezahlt worden, denn Schuldzinsen sind in der Kostenaufstellung des Jahres 1937 nicht aufgeführt.
Wenn Seligmanns 1936 in Wiesbaden noch ein Haus kauften, dann müssen sie trotz aller gegenteiligen Erfahrungen davon ausgegangen sein, dass es nicht noch schlimmer kommen würde und sie in der Stadt einen zumindest relativen Schutz würden genießen können. Es war auch die Zeit, in der sich Deutschland auf die Olympiade vorbereitete und die Angriffe auf die jüdische Bevölkerung kurzfristig zumindest teilweise eingestellt wurden, um sich das Image einer friedliebenden und gastfreundlichen Nation zu geben. Diese Phase währte jedoch nur kurz.

Bald nachdem Eugens Schwester Ilse mit ihrem Mann Joseph in Amerika angekommen war, konnte auch Hans, der jüngste der Geschwister, seine Emigration aus Deutschland betreiben. Er war das einzige der Kinder, das mit den Eltern nach Wiesbaden gekommen war und laut Meldebogen vom 28. November 1936 zunächst mit ihnen im Haus in der Fritz-Kalle-Straße wohnte.[40] Sogar auf der Ummeldung der Eltern im Februar 1939 in die Lortzingstr. 7 ist er noch aufgeführt.[41] Nach eigenen Angaben hatte er, nachdem die Eltern das Geschäft in Dierdorf verpachtet hatten, keine Arbeit mehr gefunden. Allein diese perspektivlose Situation wird ihn veranlasst haben, sich um ein Visum für die USA zu kümmern. Am 15. März 1939 erhielt er vom amerikanischen Konsulat den ersehnten Stempel, der ihm die Einreise in die USA ermöglichte.[42]

Hans SeligmannHans Seligmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Reisepass von Hans Seligmann mit dem ersehnten Stempel der amerikanischen Botschaft
HHStAW 518 59831 (18)

Hans Seligmann
Einbürgerungsantrag von Hans Seligmann mit Angaben zu seiner Frau
https://www.ancestry.de/search/collections/2361/records/1729233?tid=&pid=&queryId=d475e3b2-a330-4827-b150-285b89dc7c47&_phsrc=svo7089&_phstart=successSource

Der inzwischen 26-Jährige konnte schon am 1. April des Jahres in Rotterdam die „Zaandam“ der ‚Holland – Amerika – Linie’ besteigen, um die Fahrt in die Freiheit anzutreten.[43] Ein Lift mit seinem Umzugsgut, hauptsächlich Möbel und Kleidung, wurde jedoch erst wesentlich später von Wiesbaden zur Verschiffung nach Holland gebracht. Wegen des inzwischen ausgebrochenen Krieges musste er mit einer anderen Frachtgesellschaft als ursprünglich geplant nach Amerika transportiert werden, was einen neuen Vertrag und zusätzliche Kosten verursachte. Immerhin fand Hans nach etwa einem halben Jahr in den USA Arbeit. Auch wenn der Verdienst als Salesman in einem Departmentstore mit 15 Dollar in der Woche zunächst relativ bescheiden war, konnte er sich selbst ernähren, zumal sich sein Einkommen in den folgenden Jahren allmählich steigerte.[44] Wohnen konnte er bei der Familie seiner Schwester in Lynn in Massachusetts.[45] Dort muss er auch seine dort am 22. September 1915 geborene zukünftige Frau Selma Greenberg kennengelernt haben, die er dort am 16. Juni 1944 heiratete.[46] Am Ende des Jahrzehnts wurde ihnen der Sohn Stephen geboren, wie dem Zensus von 1950 zu entnehmen ist.[47]

 

Zuletzt hatten sich auch die Eltern von Hans, Eugen und Ilse entschlossen, Deutschland zu verlassen. Als sie diese Entscheidung 1938 vermutlich im Zusammenhang mit den Novemberereignissen trafen, war es vermutlich wegen der vielen bürokratischen Hürden allerdings bereits zu spät und sie konnten dem Tod nicht mehr entkommen. Nicht völlig klar ist zudem, ob die Entscheidung freiwillig oder unter Druck geschah. Grund für diese Unklarheit ist die Frage, ob Siegfried Seligmann im Rahmen der Reichspogromnacht auch selbst in Buchenwald, wie viele andere Wiesbadener Juden, inhaftiert wurde.

Im dortigen Konzentrationslager wurden damals mehrere Häftlinge mit dem Namen Siegfried Seligmann festgehalten. Bei keinem von ihnen stimmen aber Geburtsort oder Geburtstag mit dem aus Wiesbaden gekommenen Siegfried Seligmann überein. Allerdings gibt es noch einen weiteren Siegfried Seligmann, von dem aber nur die Häftlingsnummer 23583 auf seiner Karteikarte notiert ist. Auf die Nachfrage im Entschädigungsverfahren über mögliche Haftzeiten von Siegfried Seligmann verwies das ITS / Rote Kreuz auf diesen Gefangenen. Und schrieb, dass dieser vom 11. November bis zum 2. Dezember 1938 in Buchenwald inhaftiert war. Weitere Daten zur Identifizierung konnte aber das Rote Kreuz nicht liefern, weshalb ausdrücklich angemerkt wurde, dass man „infolge unvollständiger Personalangaben leider nicht entscheiden könne, ob unsere letztangeführte Information den von Ihnen genannten Herrn Siegfried Seligmann betrifft.[48]

Zwei weitere Dokumente des Gefangenen mit dieser Häftlingsnummer sind in Arolsen archiviert. Zum einen eine Liste der Veränderungsmeldungen für den Zeitraum zwischen dem 26. November und dem 2. Dezember 1938. Demnach war der besagte Gefangene am 2. Dezember aus Buchenwald wieder entlassen worden. Genau an diesem Tag waren laut Geldverwaltungsbogen 15 RM auf das Konto dieses Gefangenen eingetroffen, vermutlich von seiner Frau für die Kosten der Rückfahrt. Ausgebucht wurde das Geld aber erst am 15. Oktober 1940, normalerweise bei der Entlassung. In diesem Fall wird das Geld aber, vielleicht weil es erst eintraf, als Siegfried Seligmann das Lager bereits kurz zuvor verlassen hatte, nach dem langen Zeitraum vermutlich von der SS selbst vereinnahmt. Auch wenn nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden kann, ob es sich bei dem Gefangenen mit der Nummer 23583 um Siegfried Seligmann handelte, so ist die Wahrscheinlichkeit dennoch sehr groß. Im Entschädigungsverfahren wurde jedenfalls die Identität angenommen und die Haftzeit in Buchenwald entschädigt.[49]
Wie auch sonst häufig geschehen, könnte seine Entlassung mit der Auflage verbunden gewesen sein, Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen. Das würde erklären, wieso es schon in der ersten Dezemberhälfte 1939 zu Verkaufsverhandlungen über die Immobilien der Seligmanns kam. Unabhängig von einer solchen Auflage werden die Ereignisse in diesen Novembertagen ohnehin ausgereicht haben, um die Emigration in die USA zu ihren Kindern durch konkrete Beschlüsse und Handlungen voranzutreiben.[50]

Die beiden Häuser waren für die Ausreisewilligen zum Ballast geworden, von dem man sich möglichst schnell trennen wollte. Hinzu kam ein weiterer Aspekt: Zwar konnte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, welchen Anteil jeder einzelne an der „Kontribution von 1 000 000 RM Sühneleistung“, die Göring am 12. November 1938 im Reichstag den deutschen Juden auferlegte, zu tragen haben würden, aber klar war, dass Seligmanns für diese Sondersteuer zumindest einen Teil ihres in Immobilien festgelegten Vermögens würden flüssig machen müssen.

Schon am 8. und am 12. Dezember 1938 kam es daher durch den Notar Mugele zu Verträgen über den Verkauf der beiden Häuser in der Wiesbadener Fritz-Kalle-Str. 14 und in der Dierdorfer Adolf-Hitler-Str. 94.[51]

Das Haus in Dierdorf wollte der bisherige Pächter Blankenstein laut Vertrag für 16.000 RM erwerben. Allerdings hatte das Finanzamt Neuwied am 3. Dezember 1938 den bisherigen Einheitswert des Hausgrundstücks aus dem Jahr 1935 überprüft und von 17.200 RM auf 38.500 RM angehoben.[52] Der Verkaufspreis lag somit um mehr als die Hälfte unter dem Einheitswert, was eigentlich nicht den Vorschriften entsprach. Dennoch wurde dieser Vertrag offenbar ohne Einwendungen genehmigt. Hans Seligmann gab im Entschädigungsverfahren später zu Protokoll, seine Eltern seien von Walter Blankenstein zu dem Verkauf gezwungen worden.[53] Im Rückerstattungsverfahren kam es zu einem Vergleich, laut dem die Firma ‚Walter Blankenstein u. Co. KG’ den Erben von Siegfried und Henny Seligmann 1.600 DM zu zahlen habe.[54]

Probleme bereitete aber der Verkauf des Wiesbadener Hauses, dessen Einheitswert 1935 mit 18.000 RM angesetzt worden war. 1939 wurde er dann auf 22.000 RM angehoben.[55] Im Kaufvertrag mit dem Wiesbadener Kaufmannsehepaar Erich und Auguste Lopau hatte man sich unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigung aber auf einen Kaufpreis von 27.000 RM geeinigt.[56] Der Vertrag wurde jedoch vom Regierungspräsidenten erst genehmigt, nachdem der Kaufpreis auf 23.000 RM heruntergesetzt worden war.[57] Wer hier interveniert hatte, ist nicht bekannt. Die Summe musste wie üblich auf ein gesichertes Konto bei einer Devisenbank eingezahlt werden, stand Seligmanns somit nur mit Zustimmung der Devisenstelle in Frankfurt im Rahmen ihres Freibetrags zur Verfügung.[58]

Der Verkauf zu den neuen Bedingungen muss Anfang März 1939 genehmigt worden sein, denn in einem Schreiben von Siegfried Seligmann an das Finanzamt Wiesbaden vom 11. März 1939 bat dieser um eine kurzfristige Stundung der fälligen Einkommensteuer. Der Verkauf seines Hauses sei genehmigt worden und er werde „alsdann sofort (seine) Steuerrückstände zahlen.“[59]

Nur wenige Tage später stellte der Hausverwalter Heinzmann bei der Devisenstelle den Antrag, man möge Siegfried Seligmann 4.000 RM des Verkaufsbetrags für Auswanderungszwecke – Zahlung der Dego-Abgabe, Schiffskarten, Lift usw. – freigeben, was auch genehmigt wurde.[60] Offenbar waren die Planungen für die Ausreise damals schon recht weit gediehen.
Aber noch galt es, die Wartezeit zu überbrücken. Über die Dresdner Bank bat er deshalb im Mai um einen monatlichen Freibetrag von 1.000 RM für seinen Lebensunterhalt. Auch diese Bitte wurde positiv beschieden. [61]

Die Übergabe der Immobilie sollte ursprünglich zum 1. Januar 1939 erfolgen, hatte sich aber offenbar durch das Genehmigungsverfahren verzögert. Allerdings noch vor dessen Abschluss war die damals noch dreiköpfige Familie Seligmann am 3. Februar in das Haus Lortzingstr. 7 verzogen, das zu diesem Zeitpunkt noch kein Judenhaus war.[62] Und Hans verließ das Haus schon nach wenigen Wochen, bevor es zu einem solchen wurde. Um eine Zwangseinweisung handelte es sich in jedem Fall damals noch nicht, wenngleich nicht ausgeschlossen ist, dass die Vermittlung der Wohnung durch das städtische Wohnungsamt oder die Jüdische Gemeinde zustande gekommen war. Vielleicht hatte Siegfried Seligmann aber die Mietvereinbarung noch mit der jüdischen Eigentümerin Sophia Ginsburg, die seit etwa 1935 nach Frankreich geflüchtet war, selbst treffen können. Später konnte der Verwalter Th. Beckhaus über das schöne Haus relativ frei verfügen, da deren dortige Adresse den Behörden in Wiesbaden nicht bekannt war und es auch keinen Hinweis darauf gibt, dass der Hausverwalter noch länger mit ihr in Kontakt stand. Zumindest sind die verschiedenen Aufenthaltsorte der in Frankreich verstreuten Familie Ginsburg nur noch punktuell zu rekonstruieren.

Seligmann
Umzug der Familie Seligmann in das spätere Judenhaus Lortzingstr. 7
HHStAW 685 705a (60)

Vermutlich hatten Seligmanns sogar die frühere Wohnung der Eigentümerin beziehen können. Diese lag im ersten Stock und ihre Größe betrug etwa 160 qm, wie aus späteren Kostenaufstellungen der Mieter hervorgeht.[63] Angesichts der Auswanderungspläne handelte es sich somit um eine recht komfortable Zwischenlösung. Aber eine solche blieb es nicht. Bis in den Juni 1942 bewohnten sie die Räume, allerdings mussten sie später einen großen Teil davon abtreten.

Zunächst wurden Seligmanns von den Nazis zur sogenannten Sühneleistung für die in der Pogromnacht angerichteten Schäden herangezogen. In der im Sommer 1938 von allen Juden geforderten Vermögensaufstellung zum Stand 27. April 1938 besaß das Ehepaar neben einer Wiese in Dierdorf im Wert von 320 RM noch die beiden Immobilien, für die noch der damalige Einheitswert von 26.000 bzw. 28.000 RM angegeben war. Zwei Hypotheken über rund 2.000 RM, jeweils mit 4 Prozent verzinst, waren zum einen an einen Schuldner in Stuttgart und an die Käufer Blankensteins des Geschäftshauses in Dierdorf vergeben. Ein kleiner Betrag von 200 RM hatten sie dem Verwandten Adolf Seligmann in Bockenheim bei Worms geliehen.[64] Etwa 3.500 RM lagen auf dem Konto, sodass sich daraus insgesamt ein Vermögen von etwa 62.000 RM ergab.[65]
Die Judenvermögensabgabe sollte, so die Forderung des Finanzamts, von jedem Ehepartner getrennt nach dem Anteil am gemeinsamen Vermögen, das sich inzwischen bereits vermindert hatte, gezahlt werden. Siegfried Seligmann sollte bei einem Anteil von 31.000 RM insgesamt 6.200 RM, seine Frau mit 26.000 RM  beteiligt 5.200 RM aufbringen, jeweils zu zahlen in vier Raten.[66] Beide legten gegen die Forderung Widerspruch ein, weil zum einen ihr Vermögen inzwischen weiter geschrumpft und zum anderen der im Kaufvertrag vereinbarte Betrag für das Haus in Wiesbaden bisher nicht genehmigt war.[67]
Im Mai 1939 kam es dann zu einer Neuberechnung der „Sühneleistung“, durch die sich die Abgabepflicht zumindest ein wenig reduzierte. Siegfried Seligmann sollte jetzt statt der 6.200 RM „nur“ noch 5.800 RM, seine Frau Henny 4.800 RM zahlen.[68] Im November 1939 wurde dann noch die zusätzliche 5. Rate über 1.450 RM bzw. 1.200 RM fällig.[69] Insgesamt hatte der Fiskus die Seligmanns auf diese Weise um 26.500 RM gebracht. Im Dezember 1940 bat er die Finanzbehörde darum, seine fällige Vermögenssteuer neu zu berechnen, da er seit Anfang des Jahres mehr als ein Fünftel seines Vermögens verloren habe: Statt 17.700 RM besäße er nur noch knapp 11.000 RM. In der Aufstellung ist auch ein Betrag von 98 RM für Auswanderungskosten angeführt.[70] Noch immer war es nicht gelungen, die Auswanderungspläne zu realisieren, und die Chancen dazu schwanden mit dem Ausbruch des Krieges erheblich.

Am 8. Mai 1940 fragte dann die Devisenstelle an, die mit den Auswanderungen befasst war, ob die Eheleute noch immer in der Lortzingstr. 7 gemeldet seien oder wohin sie zur Abmeldung gelangt seien? Die Wiesbadener Polizeibehörde bestätigte, dass sie noch immer dort wohnen würden, woraufhin die Behörde den bisher gewährten Freibetrag auf die üblichen 300 RM reduzierte. Die Bitte, den Betrag wenigstens wieder auf 410 RM zu erhöhen, beantwortete sie im Juni 1940 mit der Forderung, eine aktuelle Vermögenserklärung und eine Aufstellung über die aktuellen Lebenshaltungskosten abzugeben. Das Vermögen der Seligmanns betrug damals noch 13.000 RM und die Kostenaufstellung ergab exakt die geforderte Summe von 410 RM.[71]
Auch stellte Siegfried Seligmann mehrfach Anträge, um Verwandte und Bekannte mit kleinen Beträgen finanziell zu unterstützen, darunter auch Frau Helene Liberles, die Schwiegermutter seiner Tochter Ilse, die inzwischen in Frankfurt im Jüdischen Altersheim in der Gagernstraße untergebracht war.[72] Sie wurde von dort aus am 3. Juni 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie nach Aussage eines Rabbiner Neuhaus, der selbst überlebte, am 22. Juli 1944 verhungert sein soll. Er selbst will die Beerdigungszeremonie vollzogen haben. In der Opferdatenbank von Theresienstadt ist allerdings festgehalten, dass sie am 26. September 1942 von Theresienstadt mit dem Transport ‚Br’ nach Treblinka verbracht und dort ermordet wurde.[73]

Seligmann
Festlegung der Reichsfluchtsteuer
HHStAW 519/3 6658 (18)

Wie sehr sich Siegfried Seligmann weiterhin um die Ausreise bemühte, belegen die Bitten um weitere 300 RM bzw. 500 RM zur Zahlung von Hotelkosten und Konsulatsgebühren im Juli 1940 und dann erneut im Januar und Februar 1941.[74] Und tatsächlich schienen im Februar 1941 zumindest auf deutscher Seite keine weiteren Hemmnisse für die Ausreise mehr zu bestehen. Am 22. Februar 1941 setzte das Finanzamt Wiesbaden die fällige Reichsfluchtsteuer auf rund 2.500 RM fest.[75] Zwei Tage später, am 24. Februar, war die Summe gezahlt und die steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung erteilt worden. Am 27. Februar reichten Seligmanns bei der Devisenstelle ihren Antrag auf Mitnahme des Umzugsguts ein. Auf dem Antrag ist vermerkt, dass sie beabsichtigten, zu ihren Kindern nach Lynn in Massachusetts zu gehen, wo Siegfried Seligmann seinen Lebensunterhalt als Dekorateur verdienen wollte.[76]

Seligmann
Siegfried Seligmann bittet um die Freigabe von 300 RM für Auswanderungskosten
HHStAW 519/3 6658 (25)

Dann scheiterte die für den 15. März geplante Emigration jedoch noch in der letzten Minute, wie aus einem Schreiben von Siegfried Seligmann vom 5. April 1941 an die Devisenstelle hervorgeht:
“Hiermit bitte ich höfl. um Genehmigung von RM 300,- zu Auswanderungskosten, da ich am 4. März d. J. mein Visum verweigert bekam, habe besonders große Ausgaben für Telegramme etc..“[77]

Am 26. Juli 1941, also ein Vierteljahr nach der geplanten Ausreise, wurde Siegfried Seligmanns mitgeteilt, dass die Listen mit dem Umzugsgut ungültig geworden seien. Zum einen sei die geforderte Dego-Abgabe für neuwertige Güter nicht gezahlt worden, zum anderen hätten sich inzwischen die Bestimmungen über den Umfang des Umzugsguts geändert.[78]

Noch im selben Monat unternahm Siegfried Seligmann einen weiteren, aber wiederum vergeblichen Versuch, noch aus Deutschland herauszukommen. Erneut reichte er am 2. November eine Liste mit den Gütern ein, die er mitzunehmen gedachte. Weil nur noch Umzugsgut von einer Tonne erlaubt war, musste die gesamte Liste neu genehmigt werden. Besonders bat er darum, seine eigens angefertigten orthopädischen Schuhe mitnehmen zu dürfen, auf die er wegen seines verkürzten Beines unbedingt angewiesen sei.[79] Bei diesem neuen Versuch hatte er Kuba und nicht mehr die USA als Ziel angegeben.[80] Ob er dafür die notwendigen Einreisegenehmigungen bzw. Transitvisa besaß, ist nicht bekannt. In jedem Fall haben Siegfried und Henny Seligmann die Reise nie antreten können.[81]

Seligmann
Die gescheiterte Flucht
HHStAW 519/3 25966 (40)

In einem Vermerk der Devisenstelle vom 4. Februar 1942, zu einem Zeitpunkt, als die Züge schon in den Osten rollten, heißt es dann:
„Wegen der Ungewißheit für jüd. Antragsteller, in absehbarer Zeit ein Ausreisesichtvermerk zu erhalten, habe ich den A’stellern ihren Antrag vom 2.11.41 durch die Jüd. Gem. zurückgeben lassen.“[82]
Damit war das Schicksal von Siegfried und Henny Seligmann endgültig besiegelt.

Zuvor, am 26. Januar 1942, war der Freibetrag für das Ehepaar auf 360 RM herabgesetzt worden.[83] Auf ihrem letzten Ausreiseantrag hatten sie angegeben, dass sie noch über ein Vermögen von 3.400 RM verfügen würden.[84] Das Geld hätte somit für nicht einmal ein Jahr mehr gereicht.

Siegfried Seligmann als Untervermieter im Judenhaus Lortzingstr. 7
HHStAW 685 705a (80)

Schon früher hatten Seligmanns einen Teil, genauer 88 qm, d.h. die Hälfte ihrer großen Wohnung, wohl aus Kostengründen untervermietet bzw. waren dazu gezwungen worden, weitere jüdische Bewohner aufzunehmen.[85] Bei den Untermietern, die laut ihrer Gestapokarteikarte am 8. Oktober 1941 im ersten Stock bei Seligmanns eingezogen waren, handelte es sich um das Ehepaar Lilly und Theobald Hirschkind.[86] Am 2. Februar 1942 hatte Siegfried Seligmann diesen mitgeteilt, dass er die Miete nur noch über das gesicherte Konto einziehen dürfe, was er bisher vermutlich nicht gemacht hatte. Am 21. Februar 1942 bat er dann die Devisenstelle um Erhöhung seines Freibetrags um 160 RM, weil er ein Zimmer, möbliert, an zwei Personen untervermietet habe – vermutlich zu diesem Betrag. Die Behörde lehnte die Erhöhung des Freibetrags ab, erlaubte aber, die Miete in bar entgegenzunehmen. Zugleich forderte sie von Siegfried Seligmann erneut eine Aufstellung seiner Lebenshaltungskosten.[87] Die aufgeführten Kosten beliefen sich zwar auf 360 RM, wurden aber von der Devisenstelle zusammengestrichen und der Freibetrag auf 270 RM neu festgelegt.[88]
Das Ehepaar Hirschkind waren nicht die einzigen Mieter in der ersten Etage des Hauses. Schon ein halbes Jahr nach dem Einzug der Seligmanns im Februar 1939 war am 5. September der frühere Zahnarzt Wilhelm Hammerschmidt dort eingezogen. Unbekannt ist aber, ob er dort eine eigene, abgeschlossene Wohnung hatte oder schon damals in Untermiete bei Seligmanns lebte. Für Letzteres gibt es allerdings keinen Hinweis.[89] Er blieb in dem Haus bis in den Juli 1942. Erst dann zog er, für die wenigen Wochen, die ihm noch in Wiesbaden blieben, in das Judenhaus Kaiser-Friedrich-Ring 43 zu seinen Geschwistern, von wo er am 1. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und ein halbes Jahr später ermordet wurde. In seine Wohnung waren dann am 1. Juli 1942 die beiden verwitweten Schwestern Johanna Herz und Amalie Hirsch, beide geborene Ballin, in den ersten Stock eingezogen.
Siegfried und Henny Seligmann wurden bereits am 10. Juni 1942 mit dem Transport, der eigentlich primär jüngere und arbeitsfähige Jüdinnen und Juden in den Osten bringen sollte, deportiert. Der Zug mit der Bezeichnung „Da 18“, der endgültig erst in Frankfurt zusammengestellt wurde, brachte am folgenden Morgen von der Sammelstelle in der Großmarkthalle etwa 1250 Menschen aus dem gesamten Regierungsbezirk Wiesbaden, darunter 371 aus Wiesbaden selbst, zunächst nach Lublin, wo tatsächlich eine größere Gruppe Männer nach Majdanek geschickt wurde, um dort beim Aufbau des Konzentrationslagers zu helfen. Keiner der nach Majdanek abgeordneten Gefangenen überlebte den dortigen Einsatz. Laut Gedenkbuch des Bundesarchivs Koblenz gehörte auch Siegfried Seligmann zu den damals selektierten Arbeitskräften, was umso erstaunlicher ist, als er durch sein verkürztes Bein beeinträchtigt und auch schon älter als sechzig Jahre alt war.[90] Völlig unwahrscheinlich ist aber, dass auch seine noch ältere Frau Henny laut Bundesarchiv dort umgekommen sein könnte. Immerhin wird bei ihr auch Sobibor als möglicher Sterbeort genannt. In der Datenbank der Gefangenen und Opfer des Konzentrationslagers Majdanek und im Gedenkbuch für die Opfer von Majdanek sind beide nicht aufgeführt,[91] und es spricht daher sehr viel dafür, dass sie gemeinsam von Lublin weiter in das Vernichtungslager Sobibor fuhren, wo alle Insassen des Zuges bald nach der Ankunft in den von Dieselmotoren begasten Kammern einen barbarischen Erstickungstod erleiden mussten.[92]

In Wiesbaden wurden vor ihrem ehemaligen Haus in der Fritz-Kalle-Str. 14 .im Jahr 2015 zwei Stolpersteine zu ihrem Andenken verlegt. Auf beiden ist als Ort ihres Todes Sobibor eingraviert. Auf dem Namensband der Wiesbadener Gedenkstätte am Michelsberg ist für beide dagegen – vermutlich falsch – Majdanek als Ort ihres Todes angegeben.

Seligmann
‚Page of Testimony‘ für Siegfried Seligmann
https://assets.yadvashem.org/image/upload/t_f_image/f_auto/v1/remote_media/arch1_yadvashem/28030827_257_5920/112.jpg?_a=BAKAACDY0
Seligmann
‚Page of Testimony‘ für Henriette Seligmann
https://assets.yadvashem.org/image/upload/t_f_image/f_auto/v1/remote_media/arch1_yadvashem/28030827_257_5920/111.jpg?_a=BAKAACDY0

Ihre Kinder Hans und Ilse haben für ihre ermordeten Eltern in Yad Vashem ‚Pages of Testimony’ hinterlegt. Beide Familien lebten auch nach dem Ende des Krieges im amerika-nischen Bundesstaat Massachusetts. Hans Seligmann verstarb dort am 23. Mai 1997 in der Stadt Peabody nördlich von Boston, seine Frau ebenfalls dort am 2. Februar 2005.[93]

In der Familie von Ilse und Joseph Liberles waren zwei Söhne geboren worden, um 1939 Max und etwa zwei Jahre später Michael.[94] Sie waren noch in Lynn in Massachusetts zur Welt gekommen, wo die Familie nach ihrer Emigration sich zunächst niedergelassen hatte.[95] 1951 war sie nach Chicago gezogen, wo Joseph seit 1955 eine Anstellung als Rabbi im Tempel Ezra innehatte. Er war damit zum 32sten Rabbi in seiner Familie geworden. Die notwendige theologische Ausbildung hatte er bereits aus Deutschland mitgebracht, wo er an einem hebräischen Seminar zum Lehrer ausgebildet worden war. In den USA nahm er an der Universität in Boston seine frühen Studien wieder auf und schloss seine Ausbildung 1945 mit einer Promotion ab. Anschließend bekleidete er verschiedene führende Positionen im Erziehungssektor der jüdischen Gemeinde von Salem, Mass., bis er 1951 einen Ruf nach Florida erhielt, wo er viele Jahre als Rabbi in der Gemeinde Cape Coral tätig war. Am 24. Mai 1964 starb er plötzlich während einer von ihm zelebrierten Hochzeitsfeier. Seine Frau überlebte ihn um mehr als zwei Jahrzehnte. Sie verstarb am 19. Januar 1986.[96]

Wie bereits gesagt, ist nicht bekannt, wann Eugen Seligmann sich von Holland aus nach Palästina aufmachte, um dort in einem der Kibbuze zu leben. Als er 1955 den Entschädigungsantrag für seine Mutter stellte, lebte er als Landarbeiter im Kibbuz Ain Harod / Ein Charod, war verheiratet mit Charlotte Böhm, die am 5. August 1918 in Breslau geboren worden war, und hatte drei Kinder im Alter von 16, 13 und 8 Jahren.[97]
Leider konnte über das weitere Schicksal der Familie nicht mehr in Erfahrung gebracht werden.

 

Veröffentlicht: 11. 06. 2025

 

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Anmerkungen:

[1] HHStAW 685 705a (60).

[2] https://www.ancestry.de/search/collections/9136/records/47409. (Zugriff: 15.7.2025). Fälschlicherweise ist in einer nach dem Krieg von den Alliierten erstellten Liste sein Geburtsort mit Rossbach angegeben, siehe https://collections-server.arolsen-archives.org/G/wartime/02010101/0692/1221327/001.jpg, in einer anderen Liste ist dagegen ebenfalls falsch Rambach genannt, siehe https://collections-server.arolsen-archives.org/G/wartime/02010101/0692/1221245/001.jpg. (Zugriff: 15.7.2025).

[3] https://www.alemannia-judaica.de/dierdorf_synagoge.htm. (Zugriff: 15.7.2025).

[4] Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf II, ID 0958 und 0912. Da die Angaben zu den Personen mittels einer Identifikationsnummer über verschiedene Seiten erschlossen werden müssen, wird auch im Folgenden statt einer Seitenangabe auf die Identifikationsnummer verwiesen.

[5] Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf II, ID 0915 und 0917.

[6] Bei Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf II sind insgesamt 112 Personen mit diesem Namen aufgeführt.

[7]

Siegfried Seligmann verstarb am 24.4.1908 in Rohrbach, seine Frau Babette am 7.7.1919 in Sinsheim im dortigen Pflegeheim. Sein Vater Samson Seligmann wurde am 12.10.1806 in Ehrstädt geboren. Er verstarb am 18.11.1875 in Rohrbach. Samsons  Frau Rosine wurde am 4.10.1799 in Rohrbach geboren, wo sie am 7.1.1855 auch verstarb. Auch der Vater von Seligmann Seligmanns Frau Babette, Jacob Münzesheimer, kam am 2.6.1807 in Rohrbach zur Welt. Er lebte noch als seine Frau Regine Bühler, geboren um 1807 in Bühl, am 31.7.1864 verstarb. Wann er selbst zu Grabe getragen wurde, ist nicht bekannt.
Die Informationen über die Familie Seligmann in Sinsheim verdanken wir Herrn Dr. Neumaier und Herrn Dr. Flothow vom Stadtarchiv Sinsheim. Zur Zeit entsteht dort eine Online-Dokumentation ‚Digitale Erinnerungsorte’, in der sowohl Informationen über die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung als auch mittels einer Karte von Sinsheim relevante Erinnerungsorte zu finden sind bzw. sein werden, siehe https://www.erinnerungsorte-sinsheim.de/startseite. (Zugriff: 21.8.2025). Hier werden im Laufe der Zeit auch Informationen über die jeweiligen Schicksale der Geschwister von Siegfried Seligmann eingestellt werden, die im gegebenen Zusammenhang nicht recherchiert werden konnten. So ist dort über Siegfrieds ältesten Bruder Abraham Seligmann bereits zu erfahren, dass er in Sinsheim seit 1900 in der Hauptstr. 88 ein Geschäft für Textilien und zeitweise auch für Möbel betrieb. 1937 musste seine Tochter Fanny unter dem Druck der NS-Boykottmaßnahmen zunächst das Geschäft aufgeben und dann auch das Haus verkaufen. Siehe ebd.

[8] Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf II ID 0953.

[9] Ebd. ID 954.

[10] Ebd. ID 955.

[11] Ebd. ID 956.

[12] Ebd. ID 957.

[13] Siehe zur exakten Lage Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf I, S. 16. Es heißt hier, dass 1912 der Abbruch des Hauses beantragt worden sei. Vermutlich wurde es danach neu aufgebaut und modernisiert. In dem Artikel im Wiesbadener Kurier vom 14.3.2015 anlässlich der Verlegung der Stolpersteine für das Ehepaar Seligmann heißt es fälschlicherweise, die beiden hätten in Dierdorf ein Kolonialwarengeschäft betrieben. Stolpersteine in Wiesbaden – 2013-2016, S. 34.

[14] Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf III, passim.

[15] HHStAW 518 876 (27).

[16] Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf III, S. 104. Mit „neukoscher“ ist gemeint, dass das Fleisch zwar vom Metzger stammt, aber wegen des von den Nazis erlassenen Schächtungsverbots nicht nach den jüdischen Speisevorschriften rituell geschlachtet worden war.

[17] HHStAW 518 876 (43).

[18] Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf III, S. 95. In einem Nachruf des Jüdischen Jugendbundes Dierdorf hieß es: „Am 12. September 1929 wurde unsere liebe Freundin Rena Seligmann im hoffnungsvollen Alter von 21 Jahren durch den Tod von einem heimtückischen Leiden erlöst. Wir haben eine gute Kameradin verloren, die jederzeit bereit war, für die Sache der jüdischen Jugend mit aller Kraft einzutreten. Wir werden ihr Andenken stets in Ehren halten.“ Ebd., S. 53.

[19] In Dierdorf, das 1933 etwa 1500 Einwohner hatte, gab es damals vier Konfektionsgeschäfte, HHStAW 518 876 (40).

[20] Ebd. (28).

[21] Ebd. (27, 40).

[22] Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf III, S. 91. Zuvor hatte Siegfried Seligmann auch schon für seinen älteren Sohn Eugen, „sehr groß und kräftig“, entsprechende Anzeigen aufgegeben, siehe ebd. S. 26 und S. 87.

[23] HHStAW 518 5931 (12).

[24] Der geringe offizielle Verdienst, der der Sozialversicherung gemeldet war, bedeutete im Entschädigungsverfahren, dass man sich zunächst weigerte, Hans Seligmann eine angemessene Entschädigung für den Schaden im beruflichen Fortkommen zu gewähren. Erst in einem gerichtlichen Verfahren wurde seine Tätigkeit einem Beamten im mittleren Dienst gleichgestellt. Siehe ebd. (24-27, 45-47, 66-71).

[25] HHStAW 685 705c (6). Die Rechtschreibung folgt dem Original.

[26] HHStAW 518 876 (42).

[27] HHStAW 685 705a (31, 59).

[28] Siehe im Folgenden die Ausführungen von Jungbluth, Juden in Dierdorf, S. 26-30.

[29] Die Ereignisse während des Novemberpogroms erlebten sie schon nicht mehr in Dierdorf. Siehe dazu Ebd. S. 30 f.

[30] Die Vermutung von Wittstamm gründet darauf, dass der Dierdorfer Willy Hirschberg dort die Funktion eines Geschäftsführers innehatte. Siehe https://spurenimvest.de/2021/10/06/seligmann-eugen/, (Zugriff: 15.7.2025).

[31] Ebd.

[32] https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20465/Dierdorf%20Israelit%20Famblatt%2019341227.jpg. (Zugriff: 15.7.2025).

[33] https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20465/Dierdorf%20Israelit%20Famblatt%2019350711.jpg. (Zugriff: 15.7.2025). Die ebenfalls jüdische Loge war eng mit der bekannten jüdischen B’nai B’rith-Loge verbunden. Beide standen in der Tradition des politischen Liberalismus.
Die amtliche Traung fand in Dierdorf statt Heiratsregister Dierdorf 27 / 1935.

[34] https://www.alemannia-judaica.de/groetzingen_synagoge.htm. (Zugriff: 15.7.2025).

[35] https://www.alemannia-judaica.de/ludwigshafen_texte.htm#Oberkantor%20Liberles%20nimmt%20Abschied%20von%20der%20Gemeinde%20(1936). (Zugriff: 15.7.2025).

[36] https://www.ancestry.de/search/collections/7488/records/22837962. (Zugriff: 15.7.2025).

[37] Als Kontakt in New York gaben sie eine Tante namens E. Fischel an, über deren verwandtschaftliche Verbindung zur Familie Liberles aber nichts bekannt ist.

[38] HHStAW 685 705a (31).

[39] Ebd. (41, 64-67).

[40] HHStAW 685 705b (o.P.).

[41] HHStAW 685 705a (60).

[42] HHStAW 518 59831 (18).

[43] Ebd. (16). Die Kosten betrugen etwas mehr als 150 Dollar, die im Entschädigungsverfahren erstattet wurden, siehe ebd. (29 ff.).

[44] Ebd. (25).

[45] Das ergibt sich aus den Unterlagen zur Volkszählung von 1940, siehe https://www.ancestry.de/search/collections/2442/records/92962993. (Zugriff: 15.7.2025).

[46] https://www.ancestry.de/search/collections/2361/records/1729233?tid=&pid=&queryId=e92a9559-93f2-43a8-a110-9f4bd857a801&_phsrc=svo6946&_phstart=successSource. (Zugriff: 15.7.2025).

[47] https://www.ancestry.de/search/collections/62308/records/154670732. (Zugriff: 15.7.2025).

[48] HHStAW 518 876 (5).

[49] Ebd. (8 ff.).

[50] In einem Artikel über Siegfried und Henny Seligmann in einem Begleitbuch zu den Stolpersteinverlegungen in Wiesbaden wurde geschrieben, dass er nur unter der Auflage, seinen gesamten Besitz dem Reich zu übertragen, entlassen worden sei. Dass das so nicht richtig ist, zeigen die Abläufe in den Wochen nach der Pogromnacht.

Noch fehlerhafter ist diesbezüglich der bereits erwähnte Artikel im Wiesbadener Kurier vom 14.3.2015. Dort heißt es: „Sie zogen (nach der Geschäftsaufgabe in Dierdorf) nach Wiesbaden in die Fritz-Kalle-Straße 14. Dort lebten sie – nach der Internierung von Siegfried Seligmann im November und Dezember 1938 im KZ Buchenwald – bis zur Zwangsumsiedlung Anfang 1939 in ein Judenhaus in der Lortzingstr. 7 unter kaum zumutbaren Bedingungen.“ Wenn schon, aber auch das ist so nicht ganz richtig, dann waren die Zustände im Judenhaus, aber nicht in der Fritz-Kalle-Straße „unzumutbar“.

[51] HHStAW 685 705c (14-18, 20-24).

[52] Ebd. (12). Eine Erklärung für diese enorme Anhebung liegt nicht vor.

[53] HHStAW 518 876 (27).

[54] Ebd. (34 f.). Walter Blankenstein war inzwischen verstorben und die Firma von seiner Ehefrau, die selbst in ärmlichen Verhältnissen lebte, aufgegeben worden.

[55] Stadtarchiv Wiesbaden WI / 3 983.

[56] HHStAW 685 705c (15).

[57] HHStAW 685 705c II (17, 18).

[58] Beide Käufer hatten kein Glück mit dem Erwerb der Häuser. Das Haus in Dierdorf wurde im Krieg völlig zerstört, siehe HHStAW 518 876 (41), und das in Wiesbaden zumindest durch einen Fliegerangriff erheblich beschädigt, siehe Stadtarchiv Wiesbaden  WI / 3 983.

[59] HHStAW 685 705a (62).

[60] HHStAW 519/3 6658 (1).

[61] Ebd. (2).

[62] HHStAW 685 705a (60). Auf der Gestapokarteikarte von Siegfried Seligmann ist der Umzug ohne Datumsangabe eingetragen.

[63] HHStAW 685 705a (80).

[64] Vermutlich handelte es sich um Adolf sm, geboren am 14.4.1882 in Dierdorf, siehe Meyer, Jüdisches Leben in Dierdorf II, ID 0920.

[65] HHStAW 685 705c II (1-4).

[66] Ebd. (6, 7).

[67] Ebd. (11, 14).

[68] Ebd. (20).

[69] Ebd. (21, 22).

[70] HHStAW 685 705c I (44).

[71] HHStAW 519/3 6658 (11, 12, 17). Der Freibetrag von 410 RM wurde am 3.6.1940 genehmigt.

[72] Ebd. (1, 19, 22

[73] HHStAW 518 22313 (1, 28). Ein sicherer Beweis für diese Angabe liegt aber nicht vor, da der Rabbiner vor Aufnahme des Entschädigungsverfahrens selbst auch verstorben war und nicht mehr als Zeuge gehört werden konnte. Offiziell gilt daher der 8. Mai 1945 als ihr Todestag. Dazu https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/21853-helene-liberles/. (Zugriff: 15.7.2025).

[74] Ebd. (14, 16). Auch diese Beträge wurden genehmigt.

[75] Ebd. (46). Auch hier ist der große Vermögensverlust nachvollziehbar, den Seligmanns in nur wenigen Jahren erlitten hatten. In der Berechnung ist von einem Vermögen im Jahr 1935 von 65.000 RM ausgegangen, das sich aber bis zum 1.1.1941 auf 10.000 RM reduziert hatte. Davon fielen dann 25 Prozent als Reichsfluchtsteuer an.

[76] HHStAW 519/3 25966 (2). Die Akte enthält u.a. ein Formular (3), das nicht zu klärende Fragen aufwirft. Auf die Frage, unter welchen Anschriften die Ausreisewilligen bisher gewohnt haben, heißt es, sie hätten vom 1.7.1937 bis zum 31.12.1938 in der Keitelstr. 5 gelebt und seien erst danach bis zuletzt in der Lortzingstr. 7 wohnhaft gewesen. Eine Straße mit diesem Namen war und ist in Wiesbaden aber nicht bekannt. Das Formular wurde auch „i. A.“ von dem Kaufmann Moritz Liffmann ausgefüllt und unterschrieben und nicht von Siegfried Seligmann. Die Gründe dafür sind nicht bekannt, aber es kann kaum bezweifelt werden, dass Seligmanns nach ihrem Auszug aus der Fritz-Kalle-Straße immer in der Lortzingstr. 7 gewohnt hatten.

[77] HHStAW 519/3 6658 (25). Die Angabe im Stolpersteinbuch, die Ausreise sei von der Devisenstelle in Frankfurt abgelehnt worden, ist demnach nicht richtig, zumal diese keine Visa erteilen konnte. Die Visa wurden ganz offensichtlich von den amerikanischen Behörden verweigert. Siehe Stolpersteine in Wiesbaden – 2013-2016, S. 34.

[78] HHStAW 519/3 25966 (36).

[79] Ebd. (37).

[80] Ebd. (39).

[81] Laut einer nach dem Krieg entstandenen Liste der Polizeibehörde ist fälschlicherweise angegeben, Siegfried und Henny Seligmann sei die Ausreise nach Kuba tatsächlich gelungen. Siehe https://collections-server.arolsen-archives.org/G/wartime/02010101/0579/1334535/001.jpg. (Zugriff: 15.7.2025).

[82] Ebd. (40).

[83] HHStAW 519/3 6658 (27).

[84] HHStAW 519/3 25966 (39).

[85] HHStAW 685 705a (76, 80). Von der Jahresmiete für die gesamte Wohnung, die sich auf 1.472 RM belief, entfielen auf die Untermieter 862 RM.

[86] Das Schicksal von Lilly und Theobald Hirschkind ist zusammen mit dem von Lillys Schwester Dora Hirschkind, Bewohnerin des Judenhaus Bahnhofstr. 25, deren Bewohnerin sie war, im Kapitel zu diesem Judenhaus behandelt.

[87] HHStAW 519/3 6658 (29).

[88] Ebd. (30, 31).

[89] In den Listen über die durch die Deportation frei gewordenen Wohnungen ist allerdings festgehalten, dass Hirschkinds nur ein Zimmer gemietet hatten,

[90] https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de960173. (Zugriff: 15.7.2025).

[91] https://www.majdanek.eu/en/prisoners. (Zugriff: 15.7.2025), dazu  auch Majdanek 1942, The Book of Prisoners Death.

[92] Zu diesem Transport siehe Gottwaldt / Schulle, Judendeportationen, S. 214 und umfassend bei Kingreen, Gewaltsam verschleppt, S. 117-122. In beiden Dokumentationen wird im Hinblick auf Majdanek gesagt, dass etwa 188-260 Männer (!) im Alter von 15 bis 50 Jahren für den Arbeitseinsatz selektiert worden waren.

[93] https://www.findagrave.com/memorial/181593324/hans-j-seligman und https://www.findagrave.com/memorial/181593444/selma-seligman. (Zugriff: 15.7.2025).

[94] https://www.ancestry.de/search/collections/62308/records/154670881. (Zugriff: 15.7.2025).

[95] Die folgenden biografischen Angaben sind einem Zeitungsartikel anlässlich seines Todes entnommen, siehe https://www.ancestry.de/search/collections/62017/records/277195?tid=&pid=&queryId=b6b74a50-e1d4-4c82-8d65-23b1b7cca03e&_phsrc=svo7075&_phstart=successSource. (Zugriff: 15.7.2025).

[96] https://www.ancestry.de/search/collections/7338/records/2893609. (Zugriff: 15.7.2025).

[97] HHStAW 518 38351 (1). Der Kibbuz war eine der ersten großen Gründungen im Norden Palästinas zu Beginn der 20er Jahre durch die zionistische Bewegung. Siehe dazu https://de.wikipedia.org/wiki/En_Charod (Zugriff: 15.7.2025) mit weiterführender Literatur. Siehe im Besonderen die Bildersammlung aus der frühen Zeit unter https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Historical_images_of_Ein_Harod?uselang=de. (Zugriff: 15.7.2025).
Charlotte Böhm-Seligmann hat ebenfalls für ihre Schwiegereltern 1999 in Yad Vashem eine ‚Page of Testimony’ hinterlassen. Zu ihren Lebensdaten siehe https://www.mappingthelives.org/bio/e4d251f8-eabf-4e4b-8730-30e784ff3e82?forename=Charlotte&surname=Seligmann&res_single_fd=false&birth_single_fd=false&death_single_fd=false&deportation_single_fd=false&emigration_single_fd=false&expulsion_single_fd=false&imprisonment_single_fd=false&lat=50.3061856&lon=12.3007083&zoom=6&map_agg=residence&language=de. (Zugriff: 15.7.2025).