Karl und Elisabeth Mathilde Rothschild, geborene Levitta, sowie Bella Levitta


Rheinstr. 81 heute
Eigene Aufnahme
Lage des Judenhauses Rheinstr. 81

 

 

 

 

 


Als Karl und Elisabeth Mathilde Rothschild im November 1938 mit ihrer Nichte Bella Levitta in das Haus Rheinstr. 81 einzogen, waren sie noch immer von den traumatischen Ereignissen der vergangenen Tage, von der unfassbaren Gewalt und dem Hass, der ihnen während des Novemberpogroms in ihrem Heimatort Rüdesheim entgegengeschlagen war, gezeichnet. Das Haus, das damals noch kein Judenhaus war, muss ihnen damals noch als halbwegs sichere Zuflucht und nicht als eine Zwangswohnung erschienen sein, zu der es zuletzt werden sollte.

 

Die Familie Levitta aus Rüdesheim

Stammbaum der Familie Levitta - Rothschild
Stammbaum der Familie Levitta – Rothschild
GDB

Die Familie Levitta, der Elisabeth Mathilde und Bella entstammten, gehörte zu den ältesten jüdischen Familien des traditionsreichen Weinstädtchens am Rhein. Ursprünglich kam der älteste bekannte Vorfahr der Levittas, mit hebräischem Namen Chajim ha-Levi, aus dem benachbarten Winkel. Sein Sohn Ascher ha-Levi, übertragen als Anselm oder Amschel Heyum, war ebenfalls dort als Viehhändler und Metzger tätig gewesen. Seine Ehefrau, die den schönen Namen Vögelchen trug, verstarb am 7. April 1807.[1]
Feist Anselm, oder hebräisch Uri ha-Levi, einer der zwei bekannten Söhne des Paares, zog in das benachbarte Rüdesheim, wo er später das Amt des Gemeindevorstehers ausübte.[2] Die Familienverhältnisse von Feist Anselm sind leider etwas verwirrend, zum einen, weil er zwei Ehen einging, zum anderen, weil zu seinen Lebzeiten die Juden feste Familiennamen annehmen mussten und sich daher auch die Familiennamen seiner Frauen bzw. die Namen der Mütter seiner Kinder änderten. 1841 nahm die gesamte Familie von Feist Anselm, auch der seines einzig bekannten Bruders Salomon, den Namen Levita an, der damals noch mit nur einem ‚t‘ geschrieben wurde.[3]

Die Kinder von Feist Levitta und seiner ersten Frau Jette Coeur
HHStAW 238 424-104

In seiner ersten Ehe war Feist Anselm mit Jette Couer verheiratet.[4] So ist der Name in einer Aufzeichnung der Besitzstände überliefert, die dieser anlässlich der beabsichtigten Wiederverheiratung nach dem Tod seiner ersten Frau anfertigen ließ.[5] Jette war laut dieser Quelle am 21. Juli 1823 verschieden und hinterließ neben dem Witwer die drei Kinder Naftali Herz Feist, geboren am 11. Dezember 1885, Anselm / Anschel Feist, geboren am 28. August 1819, und Babette. Ihr Geburtsdatum ist in dem Dokument nicht angegeben, da sie – wie dort ebenfalls festgehalten wurde – bereits ein Jahr nach der Mutter verstarb und somit für die Vermögensaufteilung nicht mehr in Betracht kam.

Grabstein von Jendel Isaak, der zweiten Frau von Herz Levitta
https://lagis.hessen.de/de/personen/juedische-grabstaetten/alle-eintraege/4274_levitta-jendel-geborene-isaac-1861-oestrich

Wann Feist Anselm seine zweite Ehe mit Jendel / Henriette Isaak einging, ist ebenfalls nicht überliefert. Da aber das genannte Dokument vom 13. März 1927 stammt, wird die Heirat nicht vor und wahrscheinlich bald danach stattgefunden haben. Jendel, auch einfach Jette genannt, was leicht zu einer Verwechslung mit der ersten Frau führen kann, wurde am 21. März 1805 in Ansbach geboren.[6] Verwunderlich ist, dass in den Niederschriften über die Geburten ihrer Kinder, nirgends der Name Jendel Isaak erscheint, sie stattdessen ausschließlich als Jette Lemmerle geführt wird. Dieser Widerspruch löst sich auf, wenn man weiß, dass der Name ihres Vaters Isaac Lämmle lautete, wie ihrem Sterbeeintrag aus dem Jahr 1861 zu entnehmen ist.[7] Offenbar griff man gemäß der damals üblichen patronymischen Namengebung auf den Namen des Vaters bzw. Großvaters zur Identifikation der Tochter zurück.

Auf ihrem Grabstein ist eingraviert, sie sei „eine sorgsam liebende Mutter ihrer Kinder“ gewesen.[8] Soweit bekannt waren es noch sieben Kinder, die in dieser zweiten Ehe von Feist Levitta zur Welt kamen. Aber nur der am 2. August 1836 geborene Isaak erreichte das Erwachsenenalter und konnte zusammen mit Jakobina Wolff eine eigene Familie gründen. Er verstarb am 24. Dezember 1910 in seiner Geburtsstadt Rüdesheim.[9]

Naftalie Herz Levitta, der der ersten Ehe seines Vaters Feist entstammte, heiratete am 27. April 1846 Carolina Heilbronn.[10] Abgesehen davon, dass sie ihrem Ehemann mindestens neun Kinder gebar, ist von ihr wenig bekannt. Von drei der Kinder, von Elias, Eduard und Jettchen, kennt man nur das Geburts-, aber nicht das Sterbedatum. Auch konnten weitere Informationen über ihr Leben nicht ermittelt werden.[11] Vielleicht waren auch sie schon früh verstorben, wie auch die Zwillinge Emilie und Friedericke, die am 31. Januar 1855 zur Welt kamen. Beide verstarben noch im selben Jahr, Emilie am 31. Juli und Friedericke am 12. November.[12] Auch die danach am 29. Januar 1858 geborene Mina wurde nicht viel älter als ein Jahr.[13] Somit waren es nur der zweitgeborene Adolph und die letzten beiden Töchter Mathilde Elisabeth und Auguste, deren Schicksal sich weiter verfolgen ließ. Ihr Leben ist insofern mit Wiesbaden verknüpft, als Adolphs Tochter Bella und seine Schwester Elisabeth Mathilde mit ihrem Mann zuletzt im Judenhaus in der Rheinstr. 81 wohnten und von dort aus deportiert wurden. Auguste, das jüngste der Kinder, kam am 7. September 1866 zur Welt,[14] blieb aber zeitlebens in Rüdesheim wohnen.

Rüdesheimer Bevölkerungsliste von 1861 mit Einträgen für Anselm und Herz Levitta
HHStAW 238 147

Als der nassauische Herzog 1861 eine Zählung seiner Untertanen veranlasste, lebte Feist Levitta noch und wohnte in der kleinen Schmidtgasse. Das Haus mit der Nummer 231 beherbergte zwei Familien mit insgesamt fünf erwachsenen Personen. Offensichtlich wohnte sein vermutlich inzwischen verheirateter Sohn Isaak mit ihm zusammen, denn er ist bei der folgenden Zählung im Jahr 1864 jetzt anstelle des inzwischen verstorbenen Vaters als Haushaltsvorstand aufgeführt. Feists Sohn Anselm lebte 1861 mit seiner Frau Johanna und sechs Kindern in der Obergasse im Haus mit der Nummer 199. Im Haus seines Bruders Herz in der Schmidtgasse mit der Nummer 221 wohnten zwei Familien, drei männliche und drei weibliche Personen über 14 Jahren und zwei jüngere Kinder männlichen Geschlechts. 1864 hatte sich bei Anselm – abgesehen davon, dass die Kinder älter geworden waren, – nichts verändert. Bei Herz hingegen waren zwei Erwachsene inzwischen verstorben oder verzogen, sodass jetzt nur noch die Eltern mit drei ihrer Kinder, vermutlich Eduard, Auguste und Mathilde, in dem Haus in der Schmidtgasse lebten.[15]

Waren die verschiedenen Levittas früher von Beruf Viehhändler und / oder Metzger gewesen, so verdiente die jüngere Generation laut der verschiedenen Urkunden nun als Kaufleute bzw. Makler ihr Geld. Im Todeseintrag von Isaak Levitta erfährt man sogar genauer, dass Feist Levitta als Weinkommissionär tätig war.[16]

 

Die Familie von Karl und Mathilde Rothschild

Als Elisabeth Mathilde am 26. Oktober 1883 in Rüdesheim die Ehe mit Karl Rothschild einging, war dessen Vater, anders als seine Mutter Caroline, bereits verstorben.[17] Die Familie stammte ursprünglich aus Süddeutschland und hatte erst in der vorausgegangenen Generation in dem Weinstädtchen am Rhein Wurzeln geschlagen. Karls Vater, Salomon Rothschild, war 1804 im badensischen Hoffenheim als Sohn von Abraham und Johanna Rothschild, geborene Oppenheimer, zur Welt gekommen.[18] In seinen jungen Jahren gehörte er zu den Kämpfern der Deutschen Revolution von 1848, in der es nicht nur um die deutsche Einheit, sondern auch um die demokratischen Rechte der Bürger ging. Salomon war damals bereits in Rüdesheim als Lehrer, Vorsänger und Schochet tätig, und die eher konservativ-orthodox eingestellte Gemeinde nahm ihm seine revolutionären Umtriebe mehr als übel. In einem fast zwanzig Jahre später in der Zeitschrift ‚Der Israeli‘ veröffentlichten Artikel erinnerte man noch einmal an dieses Sakrileg. Er habe die Muskete zur Hand genommen und sei „unter die Freischaren“ gegangen, natürlich unter Vernachlässigung seiner religiösen Pflichten in der Gemeinde zu Hause. Offenbar kam es auch in den folgenden Jahren immer wieder zu Konflikten mit dem fortschrittlichen und aufmüpfigen Lehrer, der, so ist dem Text zu entnehmen, sich sogar mit der Familie seiner Ehefrau anlegte, indem er einen A. Levitta – möglicherweise ihren Onkel Anselm Levitta – als „ungezogenen Bengel“ maßregelte. Dafür pflegte er offenbar ein gutes Verhältnis zu dem reformorientierten Rabbiner Süßkind in Wiesbaden.[19] Umso erstaunlicher ist es, dass Salomon Rothschild es insgesamt fast 50 Jahre in Rüdesheim bzw. die Gemeinde es so lange mit ihm ausgehalten hat. Am Ende wurde ihm 1892 mit der Verleihung des ‚Königlich Preußischen Allgemeinen Ehrenzeichens‘ dann doch noch für seine großen Verdienste gedankt. Offenbar hatte man sich im Laufe der Zeit miteinander ausgesöhnt.
Sieben Jahre nach dieser Ehrung verstarb Salomon Rothschild im Alter von 85 Jahren in Frankfurt. Dorthin war er vermutlich gezogen, nachdem seine Frau Helene, geborene Sulzberger, am 14. Mai 1892 noch in Rüdesheim verstorben war.[20] Am 10. Dezember 1850 hatte er die am 12. März 1814 Geborene in Wiesbaden geheiratet. Aus dieser Ehe waren zwei Kinder hervorgegangen, zum einen Karl bzw. Carl, geboren am 1. Oktober 1851 in Rüdesheim, zum anderen die Tochter Recha. Auch sie war am 11. März 1854 in Rüdesheim zur Welt gekommen, hatte dann am 20. Februar 1880 nach Frankfurt geheiratet,[21] wo sie am 22. Februar 1939 als Witwe von Moses Jakob verstarb.[22] Anders als ihr Bruder und ihre Schwägerin blieb sie somit von der schlimmsten Phase der NS-Herrschaft und den schon bald nach ihrem Tod beginnenden Deportationen verschont.

Karl hatte eine kaufmännische Ausbildung absolviert und übte 1883, als er Elisabeth Mathilde Levitta heiratete, den Beruf eines Buchhalters aus.[23] Mit dieser Berufsbezeichnung ist er, wohnhaft in der Grabenstr. 11, dann auch noch im Rheingauer Adressbuch von 1893–1896 zu finden. Inzwischen hatte sich allerdings die Familie durch die Geburt von drei Söhnen vergrößert. Als Erster war am 30. Dezember 1884 Emil geboren worden, der allerdings nicht einmal das zwanzigste Lebensjahr erreichte.[24] Er verstarb als junger Mann am 8. April 1903 in seiner Geburtsstadt.[25] Auch der folgende, am 6. März 1889 geborene Friedrich Heinrich, erlitt einen frühen Tod. Er fiel am 1. November 1914 in einer der mörderischen Schlachten des Ersten Weltkriegs.[26] Einzig der letztgeborene Otto, der am 21. Juni 1893 zur Welt kam,[27] konnte selbst noch eine Familie gründen und auch die NS-Zeit überleben.

 

Bella Levitta

Geburtseintrag von Bella Levitta
Geburtsregister Rüdesheim 96 / 1876

Am 1. Juli 1876 kam in Rüdesheim Bella Levitta zur Welt,[28] deren Schicksal eng mit dem des Ehepaars Rothschild und auch mit dem späteren Judenhaus in der Wiesbadener Rheinstr. 81 verbunden war. Ihr Vater war der Weinhändler Adolph Levitta, der zweitälteste Sohn von Herz Levitta. Die Mutter von Bella war Adolphs Ehefrau Rittgen, geborene Frankenau, über die keine weiteren Informationen vorliegen. Eigenartig ist, dass Bella fast zwei Wochen warten musste, bis die Eltern einen Namen für sie fanden, wie einer Beischreibung auf der Urkunde zu entnehmen ist. Es liegen auch keine Hinweise auf weitere Kinder des Paares vor. Möglicherweise war die Mutter bald danach verstorben oder die Ehe war wieder geschieden worden.

Antrag auf einen amerikanischen Reisepass durch Adolph Levitta
https://www.ancestry.de/search/collections/1174/records/972867

Die Vermutung beruht auf einem am 19. Juni 1908 gestellten Antrag auf Erteilung eines Reisepasses, der allerdings nicht im Rheingau, sondern in New York gestellt wurde. Ein Adolph Levitta, geboren am 14. April 1850 in Rüdesheim, der am 16. Februar 1881 von Hamburg aus an Bord der ‚Westfalia‘ in New York anlandete, war der Antragsteller. Am 18. März 1886 hatte er dort die amerikanische Staatsangehörigkeit erworben.[29] Der „bird dealer“, so seine Berufsbezeichnung, [30] gab an, sich etwa für ein Jahr im Ausland aufhalten und auch Deutschland besuchen zu wollen. Wohnhaft war er damals am St. Marco Place in New York.[31] Ob er damals auch in den Rheingau kam, um seine Familie und seine Tochter zu besuchen, wissen wir nicht.

In New York hatte er inzwischen auch eine neue Familie gegründet. Seine zweite Frau, Emily, stammte auch aus Deutschland und war ebenfalls zuvor verheiratet gewesen. Sie brachte in die Ehe zwei Kinder, Anna und Henry, die bei der Volkszählung im Jahr 1900 elf und acht Jahre alt waren. Damals war mit Arthur auch das erste Kind in der neuen Ehe geboren worden. Etwa zwei Jahre später kam mit Ruth noch eine Tochter hinzu.
Adolph muss zwischen 1910 und 1915 verstorben sein, denn beim Zensus von 1915 ist jetzt seine Witwe Emily als Haushaltsvorstand eingetragen. 1940 lebte sie im Alter von 78 Jahren noch mit ihrem inzwischen 40-jährigen Sohn Arthur zusammen in New York. Wann sie verstarb, konnte nicht ermittelt werden.

Aufenthaltsbescheinigung von Bella Levitta aus Aschaffenburg
https://tools.juf.stadtarchiv-digital.de/showimg/JUF_viewer.php?navi=paketNr&quelleId=1046&primkey=0&paketNr=77&signatur=sbz1-0219&eintrag=0&IdNr=37827

Auch ist nicht mehr feststellbar, ob der Kontakt zwischen der Familie in Amerika und der in Europa zurückgebliebenen Tochter Bella aufrechterhalten wurde. Als er Deutschland verließ, war sie noch keine fünf Jahre alt und vermutlich auch ohne Mutter. Wahrscheinlich war es die Tante Elisabeth Mathilde, die sich mit ihrem Mann Karl um das Kind kümmerte. Das würde erklären, wieso sie auch später immer wieder zusammen wohnten.
Obwohl faktische Waise, wurde es ihr ermöglicht, eine Berufsausbildung als Modistin abzuschließen. Als junge Frau ging sie Anfang September 1898 für ein Dreivierteljahr nach Aschaffenburg, wo sie in ihrem Beruf für die Geschwister Kittel tätig war.[32] Am 3. Juni 1899 kehrte sie dann nach Rüdesheim zurück. Von da an klafft eine große Lücke in ihrer Biografie.

 

Familie Rothschild und Bella Levitta in Rüdesheim

Wann Karl Rothschild seine Buchhaltertätigkeit aufgab und sich selbstständig machte, ist nicht bekannt. Im

Adressbuch von 1909–1911 erscheint er als Inhaber eines Eisen- und Haushaltswarengeschäfts, das damals in der Langstr. 13, in den Zwanzigerjahren dann in der Kirchstr. 13 gelegen war. Unter dieser Adresse findet man im selben Adressbuch auch das Geschäft seiner Nichte Bella, die nun ihrem Beruf als Modistin in ihrem Heimatort nachging.

Adressbucheintrag aus Rüdesheim 1909-1911
Briefkopf der Firma von Karl Rothschild aus dem Jahr 1931
HHStAW 685 688a (23)

Ob Karl Rothschild sein Geschäft übernommen oder selbst gegründet hatte, konnte nicht geklärt werden. Das Geschäfts- und Wohnhaus in der Kirchstraße, in dem es neben dem Laden weitere 9 Zimmer gab, wurde von den Eigentümern und ihrer Nichte überwiegend für Wohnzwecke genutzt. Das Elternhaus von Karl Rothschild in der Langstr. 3, in dem vor seinem Umzug nach Frankfurt auch dessen Vater Salomon zuletzt noch gelebt hatte, war dagegen an zwei Parteien vermietet. Aber auch dort dienten Räume noch als zusätzliches Lager.[33] Gegenüber dem Finanzamt gab Karl Rothschild an, dass er dieses Haus am liebsten verkaufen würde, da es alt und in keinem guten Zustand mehr war.[34] Die beiden Häuser waren in der Steuererklärung 1925 mit einem Wert von insgesamt 40.000 RM angesetzt worden.[35]
Neben den Immobilien besaß die Familie aber auch noch einen Acker im nahen Eibingen, einen kleinen Weinberg, einen Garten und einen Wust in Rüdesheim.[36]
Über das Leben der Familie in Rüdesheim ist nur wenig bekannt. Im Erinnerungsblatt des ‚Aktiven Museums Wiesbaden‘ für die Familie heißt es: „Die Familie muss vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in dem damals etwa 4000 Einwohner zählenden Ort vollständig integriert gewesen sein, so war Carl Rothschild Mitglied im Verkehrsverein sowie in der Turngemeinde des Ortes, darüber hinaus Träger der Goldenen Lebensrettermedaille. Der Gemeinschaftssinn des Ehepaars erstreckte sich auch auf sozial Schwächere: Jedes Jahr an Weihnachten kauften sie im örtlichen Schuhhaus einige Paare Schuhe, verpackten jeweils ein Paar mit Tannenzweigen als Geschenk und gaben es an Bedürftige weiter.“[37]

Zumindest lebte die Familie in den Zwanzigerjahren in keinem großen, aber doch recht behaglichen Wohlstand.

Darüber, wie sehr auch ihr Geschäft von der Wirtschaftskrise am Ende der Zwanzigerjahre tangiert wurde, gibt ein Schreiben von Karl Rothschild an das Finanzamt vom 1. Oktober 1931 Auskunft. Er hatte Außenstände im Wert von mehr als 45.000 RM in seiner Steuererklärung angegeben. Natürlich wurden die bei der Finanzbehörde als steuerlich relevante Vermögenswerte angesehen. Deshalb wies der steuerpflichtige Gläubiger darauf hin, dass mindestens 8.000 bis 10.000 RM davon schon jetzt verloren seien oder zumindest als zweifelhaft angesehen werden müssten.[38]

Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wandelte sich auch die Lebenssituation für die Juden in Rüdesheim. Das zu versteuernde Einkommen der Familie Rothschild inklusive der Mieteinnahmen stagnierte in den folgenden Jahren zwischen 1.500 und etwa 2.000 RM.[39] Schon 1935 hatte Karl Rothschild seinen Sohn Otto in die in eine OHG umgewandelte Firma aufgenommen. Vermutlich hatte er auch schon in den Jahren zuvor an der Seite seines Vaters mitgearbeitet, zumindest ist nicht bekannt, dass der inzwischen 42-Jährige Rüdesheim zuvor verlassen hatte.

Der konkrete Anlass war ganz sicher seine Eheschließung und die Gründung einer eigenen Familie. Am 2. Januar 1935 heiratete er Emmy Florence Herzog, die am 31. Januar 1906 im rheinhessischen Niedersaulheim zur Welt gekommen war.[40] Ihre Eltern waren der Weinhändler und Vorsitzende der dortigen jüdischen Gemeinde Leopold Herzog und seine Frau Rosalie, geborene Beissinger.[41] Für Emmy war es die zweite Ehe. Sie war zuvor mit dem orthodox-jüdischen Weinhändler Emanuel Vorschheimer aus Würzburg, wo sie in dieser Zeit auch lebte, verheiratet gewesen. Diese Ehe war aber 1931 bereits wieder annulliert worden.[42]
Am 14. Januar 1936 gebar Emmy in ihrer Ehe mit Otto Rothschild einen Sohn, das einzige Kind des Paares, das den Namen Fritz erhielt.[43] Aber eine Perspektive in Rüdesheim gab es schon zu diesem Zeitpunkt weder für die Eltern, noch für das junge Paar, mit dem sie zusammen im Haus in der Langstr. 3 lebten. Vermutlich hatte die Zollfahndungsstelle Mainz zumindest partiell recht, als sie am 19. April 1938 gegenüber der Devisenstelle in Frankfurt äußerte, Rothschilds würden die Ausreise aus Deutschland planen.[44] Dass auch die Eltern solche Überlegungen anstellten – Karl Rothschild war 87, seine Frau auch schon 75 Jahre alt –, ist eher unwahrscheinlich, dass aber Otto und seine Familie einen Neuanfang im Ausland wagen wollten, ist ohne Weiteres nachvollziehbar. Am 25. Februar 1938 hatten die Eltern ihr Haus in der Kirchstr. 13 und auch das dortige Geschäft für 26.000 RM verkauft und den Erlös in Wertpapieren, die relativ schnell wieder zu veräußern waren, angelegt.[45] Den größten Teil des Erlöses hatte Karl Rothschild seinem Sohn geschenkt. Der gesamte Vorgang hatte den Verdacht der Zollfahndung erregt, weshalb diese die Devisenstelle aufforderte, eine Sicherung der Konten herbeizuführen. Dem Gesuch kam die Behörde in Frankfurt wenige Tage später am 22. April 1938 nach. Auf dem Konto von Otto Rothschild lagen Pfandbriefe und Aktien im Wert von mehr als 70.000 RM. Zudem besaß er einen vom Vater ausgestellten Grundschuldbrief über weitere 20.000 RM. Der Vater selbst behielt Pfandbriefe im Wert von 10.000 RM. Erlaubt blieb den Eigentümern damals noch, über die Bargeldkonten, deren Höhe in den Akten nicht angegeben ist, und über die Erträgnisse der Wertpapiere frei zu verfügen.[46]

Natürlich war auch das Putz- und Modewarengeschäft von Bella von der Veränderung der politischen Rahmenbedingungen betroffen. Erste Geschäftszahlen liegen aus dem Jahr 1934 vor, in dem sie noch einen Gewinn von mehr als 2.000 RM verbuchen konnte.[47] Auf den einzelnen Monat bezogen ist das dennoch eher recht wenig,

Noch schlimmer wurde es in den folgenden Jahren. 1936 konnte sie in ihrer Einkommenssteuererklärung nur noch 1.200 RM als Einkünfte deklarieren, und ihre Bitte um Fristverlängerung für die Abgabe der Steuererklärung, begründet mit einem „Unwohlsein“, rührte sicher eher daher, dass sie die fälligen Steuerzahlungen so weit wie möglich herauszögern wollte.[48]
Im September 1937 setzte das Finanzamt bei ihr eine Steuerprüfung an, in der die Jahre 1935 bis 1937 in Augenschein genommen wurden.[49] Aus diesen Unterlagen geht hervor, dass sie in diesem Zeitraum immer auch eine ausgelernte Angestellte für monatlich 45 RM beschäftigte und zumindest in den Jahren 1935 und 1936 einen Umsatz zwischen 16.000 und 17.000 RM gemacht hatte. Die Prüfer gingen davon aus, dass etwa 15 Prozent davon als Einnahmen zu verbuchen gewesen waren, d.h. jeweils etwa 2.500 RM. Allerdings wand Bella Levitta ein, sie habe 1935 etwa 12.000 RM Außenstände gehabt, die sich bis 1937 auf fast 13.000 RM vergrößert hätten. Auch wenn akzeptiert wurde, dass etwa ein Drittel davon nicht mehr gezahlt werden würde, kamen die Prüfer bei der Berechnung des Vermögens im Jahr 1937 auf 12.100 RM, wovon aber 8.000 RM die nicht gezahlten offenen Rechnungen ausmachten. Auf 500 RM wurde der Wert der Geschäftseinrichtung und auf 3.000 RM der der Vorräte geschätzt. Neben einem Wertpapier über 300 RM lagen noch 300 RM auf ihrem Konto. Damit hatte sich ihr Vermögen, das zum größten Teil aus Außenständen bestand, innerhalb von zwei Jahren um 2.000 RM vermindert. Natürlich hatten die Prüfer auch etwas an der Buchführung zu mäkeln, mussten aber dennoch konstatieren, dass eine Steuerhinterziehung nicht vorlag.

Bella Levitta wehrt sich gegen den Steuerbescheid des Rüdesheimer Finanzamts
HHStAW 685 459a (23)

Inzwischen lag das Geschäft, für das sie eine monatliche Miete von 35 RM aufbringen musste, in der Grabenstr. 11. Sie selbst wohnte weiterhin bei Rothschilds, jetzt in der Kirchstr. 9. Laut Prüfbericht musste sie diesen für Miete und Unterhalt monatlich 100 RM abgeben, was allerdings unzutreffend war, wie Bella in einem Brief an das Finanzamt klarstellte: Sie bewohne ein Zimmer bei ihren Verwandten, das aber mit ihren eigenen Möbeln bestückt sei. Quasi als Miete würde sie ihrer Tante gelegentlich ein Kleidungsstück aus ihrem Geschäft geben, aber die 100 RM benötige sie ausschließlich für ihren Lebensunterhalt, für Medikamente und Lebensmittel. Angesichts der schwierigen Geschäftslage bat sie zudem, ihre fälligen Steuern in Raten abzahlen zu dürfen.[50] Im Jahr 1937 konnte sie nur noch 550 RM als Einkommen dem Finanzamt melden.[51]

Wollte Bella Levitta nach Südafrika auswandern?
HHStAW 685 459a (9)

Aus diesem Jahr stammt auch eine etwas kryptische Mitteilung des Hauptzollamts Stuttgart an das Finanzamt Rüdesheim, laut der Bella Levitta einen Brief an einen Herrn Ludwig Walvis in Bery, Südafrika, gerichtet habe, worin sie die Absicht kundgetan hätte, dort im Mai oder Juni 1937 ein Geschäft zu übernehmen. Man riet dem Finanzamt, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um eine Steuer- oder Kapitalflucht zu verhindern.[52] Ob Bella tatsächlich vorhatte, nach Südafrika zu emigrieren, lässt sich nicht mehr feststellen, zumindest gibt es keine Hinweise, dass sie solche Pläne noch weiter verfolgte.
Dass sie aber ihr Geschäft, das kaum mehr Erträge brachte, verkaufen wollte, zeigt auch ein anderer Brief, den ein potentieller Käufer im Sommer 1938 an das Finanzamt mit der Frage richtete, welche Umsätze der ihm von Frau Levitta angebotene Laden in den letzten Jahren gemacht hatte. Die Behörde verweigerte die Auskunft und ein Kaufvertrag kam damals auch nicht zustande.[53]

Bella Levitta wird wegen Steuerhinterziehung verurteilt
HHStAW 685 459a (45)

Im Detail nicht mehr nachzuvollziehen ist ein Vorgang ebenfalls 1938, bei dem Bella Levitta im September zu einer Geldstrafe von 600 RM wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde.[54] Ganz offensichtlich hatte sie nicht alle ihre Vermögenswerte gegenüber dem Finanzamt deklariert, weil sie – so ihre Entschuldigung – von der irrigen Annahme ausging, Vermögen unter 30.000 RM seien steuerfrei. Auch die aus den Wertpapieren ihr zugeflossenen Gewinne hatte sie dem Finanzamt nicht gemeldet. Tatsächlich besaß sie 1931 ein Vermögen von 15.600 RM, das sie bis 1935 auf 25.200 RM vergrößern konnte. Woraus der nicht unerhebliche Zuwachs erfolgte, ließ sich nicht mehr rekonstruieren. Zu bedenken ist aber, dass dieses Vermögen zu einem beträchtlichen Teil aus offenen Rechnungen bestand. Die Erträge, die ihr aus diesem Vermögen zuflossen, beliefen sich in den Jahren von 1931 bis 1937 auf jährlich etwa 400 RM bis 600 RM.[55]
Die Angelegenheit hatte nicht nur zur Folge, dass sie die fälligen Steuern nachzahlen und die Strafe entrichten musste, sondern die Zollfahndung beantragte im August 1938 auch die Sicherung ihrer Konten.[56] Man hatte erneut den Verdacht, sie könne illegal auswandern und ihr Kapital mitnehmen. Die Gefahr sei allein dadurch gegeben, dass sie Verwandte im Ausland habe. Man wird dabei kaum an ihren Vater gedacht haben, da dieser damals schon lange tot war, aber vielleicht an die Stiefgeschwister, wobei allerdings völlig unklar ist, ob es überhaupt einen Kontakt zu ihnen gab. Die Sicherungsanordnung hatte auch zur Folge, dass sie Einnahmen, gerade auch die aus den vielen offenen Rechnungen, nicht mehr bar entgegennehmen durfte, sondern über das gesicherte Konto beglichen werden mussten, über das die Devisenstelle in Frankfurt wachte. Ihre etwa dreißig Schuldner musste sie per Brief entsprechend instruieren. Ob noch jemand auf die Briefe reagierte, ist nicht bekannt.

Bella Levitta gibt ihr Geschäft in Rüdesheim auf
HHStAW 685 459b (20)

Wie aus einem Schreiben des Rüdesheimer Bürgermeisters an das zuständige Finanzamt Rüdesheim hervorgeht, gab Bella am 3. Oktober 1938 auf und meldete ihr Geschäft in der Grabenstraße ab.[57]

 

 

 

Die Reichspogromnacht in Rüdesheim und der Umzug nach Wiesbaden

Vielleicht hatten Bella, ihre Tante und ihr Onkel damals immer wieder überlegt, Deutschland zu verlassen, aber auch für sie, wie für die meisten anderen Juden in ihrer Situation, war das eine schwierige Entscheidung. Noch immer hegten manche die Hoffnung, es könne und werde nicht noch schlimmer kommen, als es ohnehin bereits war. Doch es wurde noch schlimmer. Das Attentat von Herschel Grynszpan auf den Botschaftssekretär vom Rath in Paris am 7. November 1938 diente als willkommener Anlass, um die nächste Stufe der Eskalation im Terror gegen die jüdische Bevölkerung einzuleiten. Die Ereignisse während der folgenden Reichspogromnacht, von denen auch die Jüdinnen und Juden in Rüdesheim nicht verschont blieben, führten letztlich dazu, dass Bella Levitta, Karl und Mathilde Rothschild sowie die Familie ihres Sohnes Otto sich gezwungen sahen, die Stadt zu verlassen.[58] Zwar hatte auch den Rüdesheimer Polizeiwachtmeister Bücher am 9. November 1938 um 23.07 Uhr der Funkspruch des Wiesbadener Regierungspräsidenten erreicht, in dem es hieß: „Ausschreitungen gegen Juden, auch Sachschäden, sind unbedingt zu verhindern!“,[59] aber der Mob setzte sich erwartungsgemäß überall über diese Restriktion hinweg, weshalb am Morgen des folgenden Tages eine abgeschwächte Version der Verhaltensvorschriften herausgegeben wurde, die in Rüdesheim um 6.14 Uhr eintraf: „In Abänderung der gegebenen Weisung sind Brandschäden, Plünderungen und Personenschaden zu verhindern. Im Übrigen besteht Handlungsfreiheit gegen Eigentum deutscher Juden.“[60] Aber selbst diese Lockerung der Anweisung an die tatsächlichen Abläufe hielt, sollte sie überhaupt ernst gemeint gewesen sein, der Dynamik des Geschehens nicht stand. Überall kam es zu Gewaltexzessen gegenüber Juden, wie man sie seit Jahrhunderten, zumindest in Deutschland, nicht mehr gekannt hatte.
Es war die Wiesbadener ‚SA-Standarte 224 Niederwald‘, die am 10. November 1938 in Rüdesheim einfiel, nachdem sie von der Mainzer Brigadeführung den entsprechenden Auftrag erhalten hatte. In Zivilkleidung fuhren vier Männer noch in der Nacht nach Rüdesheim, um die dortige, in der Grabenstraße gelegene Synagoge zu zerstören. Mit Gewalt drangen sie in das Gebäude ein und entleerten darin einen Kanister mit 5 Litern Benzin. Beim Versuch, das Gebäude in Brand zu setzen, kam es zu einer Verpuffung, durch die die Täter selbst verletzt wurden. Die Explosion hatte allerdings auch Bürger aufgeschreckt, denen es zunächst gelang, das Feuer zu löschen. Es waren dann ortsansässige SA-Leute, die am Nachmittag das Gotteshaus mit dem Verweis auf seine Baufälligkeit endgültig zerstörten. Inzwischen war auch der Wiesbadener SA-Sturmbannführer in Rüdesheim eingetroffen und hatte die Männer der Ortstruppe zu einer Versammlung einberufen. Dort wurde der Befehl ausgegeben, den örtlichen jüdischen Geschäftsleuten einen „Besuch“ abzustatten, um deren Unterlagen zu überprüfen. Man müsse feststellen, wer, trotz aller Boykottaufrufe, mit diesen noch immer geschäftliche Beziehungen pflegen würde. Am späten Abend startete der bereits alkoholisierte Trupp von acht Männern seine Aktion. Erstes Opfer war das Haus von Karl Rothschild in der Langstraße. Sie „drangen gewaltsam ein, zerschlugen mit mitgeführten Äxten das gesamte Mobiliar und warfen es durch die Fenster auf die Straße. In wenigen Minuten waren sie mit der Demolierung fertig und begaben sich mit den Geschäftspapieren zum (…) Lokal zurück. Die SA-Führer durchsahen interessiert die Papiere und spendierten erneut Freibier.“[61] Weitere solcher Besuche folgten bei anderen jüdischen Familien, immer unterbrochen von Saufpausen in dem Restaurant, in dem die Führer auf ihre aktive Gefolgschaft warteten. Nicht nur Geschäftspapiere wurden geraubt, Mobiliar wurde zerstört, Wäsche auf die Straße geworfen und wertvoller Schmuck und Hausrat einfach entwendet. Angeblich begaben sich Mitglieder der Familie Hirschberger sogar im Rathaus in „Schutzhaft“, um dem Gewaltexzess der Meute zu entkommen. Sie flohen am nächsten Morgen zu Verwandten nach Mannheim.
Auch Otto erinnerte im Entschädigungsverfahren an die Ereignisse in dieser Nacht, nennt irrtümlicherweise allerdings das Datum 12. November: „Auf Grund der Ereignisse am 12. Nov. 1938 gegen die Juden und insbesondere, was sich in meinem Hause abgespielt an Rohheiten, Pluenderungen etc. etc. , mussten meine Eltern Karl & Mathilde Rothschild Ruedesheim verlassen; meine hochbetagten Eltern waren durch die entsetzlichen Vorgänge in unserem Haus so mitgenommen und mit ihren Nerven derartig fertig, dass sie sich um ihren Besitz nicht mehr bekuemmern konnten; ich selbst konnte es auch nichts tun, da ich mich anderswo versteckt hielt.“[62]

Auch Bella war von der Gewaltaktion betroffen. Auch ihr hatten die SA-Männer ihre Geschäftsunterlagen weggenommen, sodass sie nicht in der Lage war, ihre Steuererklärung für das Jahr 1938 rechtzeitig abzugeben. Ihr Einkommen und die Umsätze ihres inzwischen bereits aufgegebenen Geschäfts konnte sie nur noch vage schätzen. Aufgrund der weiterlaufenden Unkosten meinte sie, in 1938 gar keine Gewinne mehr erzielt zu haben.[63] Angesichts der angekündigten „Sühneleistung“, die der NS-Staat den Juden nach dem Pogrom auferlegte, verfasste sie am 10. Dezember 1938 mit zittriger Schrift einen Brief an den Regierungspräsidenten, in dem sie noch einmal eindringlich ihre Situation schilderte:

Brief von Bella Levitta an das Finanzamt nach dem Pogrom
HHStAW 685 459e (5)

„Ich melde Ihnen als der obersten Verwaltungsbehörde, das mir am 11. November 38, durch die Zerstörung meiner gesamten Wohnungseinrichtung, sowie die Unauffindbarkeit meines zurückgebliebenen Lagers in Damenkonfektion u. Hüte sowie Wäsche aller Art ein großer Schaden erwachsen ist. Dadurch, sowie dadurch, daß ich außer ein paar Zinsen kein Einkommen habe, hat sich mein Vermögen bedeutend verringert; wie hoch kann ich nicht sagen.
Ich teile obiges, wegen der bevorstehenden Vermögensabgabe der Juden mit, wobei ich meine Verluste zu berücksichtigen bitte.“
[64]

In einer zwei Wochen später eingereichten Vermögensaufstellung präzisierte sie ihre Angaben: Hatte ihr Vermögen im April 1938 noch etwa 25.000 RM betragen, davon 10.000 Betriebsvermögen und 12.500 RM Außenstände sowie 2.000 RM Bankguthaben und etwas Schmuck, so war es nach dem Pogrom auf die Hälfte geschrumpft. Das Warenlager, der größte Teil des Betriebsvermögens, war vernichtet oder unbrauchbar, die Einrichtung zerstört. Ein Drittel der Außenstände sah sie als verloren an, sodass sie ihr tatsächliches Vermögen nur noch mit knapp 15.000 RM ansetzte. Allerdings zog sie davon noch einmal 2.400 RM ab, einen Betrag, den sie meinte, für die Wiederbeschaffung der zerstörten und geraubten privaten Sachwerte wie Kleidung und Einrichtung aufwenden zu müssen. Der Finanzbeamte hatte zwar die betrieblichen Vermögensverluste akzeptiert, die Kosten für die Wiederbeschaffung aber einfach durchgestrichen.
Sie hatte auch schon selbst die für sie vermutlich fällige Judenvermögensabgabe errechnet,[65] die allerdings vom Finanzamt so nicht akzeptiert wurde. Sie sollte bei einem Rohvermögen von 14.000 insgesamt 2.800 RM als „Sühne“ in vier Raten mit je 700 RM leisten, was sie dann auch tat.[66]

Die Zeit in Wiesbaden

Die Briefe, die Bella Levitta im Dezember 1938 an die Finanzbehörden gerichtet hatte, waren alle schon in Wiesbaden geschrieben worden.

Anders als die Familie von Otto Rothschild, die nach Mainz zog, flohen Mathilde und Karl Rothschild sowie Bella Levitta nach den Ereignissen während der Reichspogromnacht schon am 25. November nach Wiesbaden, vermutlich in der vagen Hoffnung, dort in der größeren Anonymität weniger angefeindet zu werden.[67] Unterkunft fanden die drei im Haus von Philipp und Mina Rottenberg in der Rheinstr. 81, das zu diesem Zeitpunkt noch kein Judenhaus war.[68]
Welche Wohnung und wie viele Zimmer ihnen dort zur Verfügung standen, konnte nicht ermittelt werden. In einem Schreiben an den Oberfinanzpräsidenten in Kassel vom 14. Februar 1939 präzisierte Bella Levitta ihre Anschrift allerdings mit „Hinterhaus II“.[69] Ob sie die ganze folgende Zeit dort verbrachten, ist aber nicht mehr zu klären. In jedem Fall werden die Wohnverhältnisse sehr spartanisch gewesen sein, war doch ein beträchtlicher Teil der bisherigen Einrichtung in Rüdesheim zerschlagen worden. Zudem gab ihr Sohn im Entschädigungsverfahren an, dass man nach dem Überfall in höchster Eile alle noch verwendbaren Möbel und Wäschestücke zusammengepackt und diese mittels einer Spedition nach Wiesbaden gebracht hatte, um sie dort vorübergehend einzulagern. Der größte Teil dieser Fracht war aber schon bald im Lagerhaus nicht mehr auffindbar oder lag dort verdreckt, zerrissen und unbrauchbar herum, so Otto Rothschild.[70] Vermutlich war es nur die Kücheneinrichtung, die sie tatsächlich in der neuen Wohnung nutzen konnten, denn sie ist bei ihrer späteren Deportation noch als einziges zurückgelassenes Mobiliar aufgeführt.

Bescheid über die zu zahlende Judenvermögensabgabe
HHStAW 518 32354 (7)

Das waren natürlich nicht die einzigen finanziellen Verluste, die sie als Folge des Pogroms zu tragen hatten. Noch an die Rüdesheimer Adresse wurde ihnen am 7. Dezember 1938 vom dortigen Finanzamt die Mitteilung über die von ihnen zu leistende Judenvermögensabgabe zugesandt. In dieser ersten Berechnung sollten insgesamt 3.200 RM in vier Raten mit je 800 RM gezahlt werden.[71] Mit mehreren Eingaben bei den Finanzbehörden versuchte Karl Rothschild, letztlich sogar erfolgreich, die geforderten Zahlungen zu reduzieren. In seinem hohen Alter habe er keine Möglichkeiten mehr, durch eigenes Tun Geld noch aufzubringen. Sein Leben und das seiner Frau seien durch Krankheiten auch finanziell ständig belastet. Verwandte, die sie unterstützen könnten, gebe es nicht mehr, vielmehr sei ihr einziger, nach England ausgewanderter Sohn selbst auf Unterstützung angewiesen. So erreichte er, dass die sogenannte Sühneleistung noch im Februar 1939 auf insgesamt 2.400 RM, dann im April sogar auf 1.300 RM herabgesetzt wurde.[72] Als dann Ende des Jahres generell eine 5. Rate eingefordert wurde, konnte Karl Rothschild durch ein erneutes Schreiben das Finanzamt dazu bringen, in seinem Fall auf diese zusätzliche Forderung zu verzichten.[73]

Das ist umso erstaunlicher, als Rothschilds eigentlich noch gewisse finanzielle Reserven besaßen. Zwar hatten sie den größten Teil des Geldes, das sie aus dem Verkauf des Hauses und des Betriebs eingenommen hatten, ihrem Sohn vermacht, aber es war auch ihnen noch eine nicht unbeträchtliche Summe geblieben. Als die Devisenstelle im Frühjahr 1940 von ihnen eine aktuelle Vermögenserklärung anforderte, sandte Karl Rothschild das ausgefüllte Formular am 23. Mai zurück. Er gab an, noch 17.000 RM zu besitzen, davon 14.000 RM in Wertpapieren. Auf etwa 2.500 RM beliefen sich die Außenstände, von denen nach seiner Einschätzung aber bestenfalls noch ein Viertel einzutreiben war. Der Rest des Vermögens befand sich auf einem Konto bei der Nassauischen Landesbank. Sein Einkommen im vergangenen Jahr bezifferte er auf 900 RM, vermutlich weitgehend Erträge aus den Papieren. Allerdings erhielt er auch einen sehr kleinen monatlichen Betrag von 20 RM als Kriegshinterbliebenenrente für den im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn Friedrich. Er bat die Devisenstelle darum, diesen Betrag, den er persönlich abholen musste, direkt entgegennehmen zu dürfen. Auch in diesem Fall war die Behörde geradezu entgegenkommend und verlangte nicht, dass die Rente zunächst auf das Sicherungskonto eingezahlt werden musste. Seine monatlichen Ausgaben beliefen sich auf knapp 300 RM.[74] In dieser Höhe wurde dann auch sein Freibetrag bewilligt.[75]

Steuerliche Freibeträge gibt es für Juden nicht!
HHStAW 685 688a (39)

Die bisher relativ kulante Haltung der Finanzbehörde gegenüber Karl Rothschild hatte ein Ende, als er 1940 in seiner Steuerklärung, begründet mit Krankheit und seinem hohen Alter, noch Sonderausgaben anmeldete. Der Steuerbeamte reagierte brüsk und schrieb in die Erklärung: „Freibeträge sind bei Juden gesetzlich ungültig.“ [76]

Auch Bella Levitta wurde die Zahlung der 5. Rate erlassen, nachdem sie einen Brief mit der folgenden Bitte an den Oberfinanzpräsidenten in Kassel gerichtet hatte: „Das der Veranlagung zu Grunde gelegte Vermögen, welches gegenüber dem früheren Stand schon erheblich zusammengeschrumpft war, hat sich inzwischen weiterhin beträchtlich vermindert, da ich, im 64. Lebensjahr stehend, ohne Einkommen- oder Erwerbsmöglichkeit gezwungen bin, aus der Substanz meines Vermögens meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ich stehe in ärztlicher Behandlung und habe durch diese und damit verbundene besondere Aufwendungen erhöhte Bedürfnisse, wenn ich auch mein Leben im übrigen aufs bescheidenste einrichte.- Eine Auswanderungsmöglichkeit habe ich zur Zeit noch nicht und muss damit rechnen, auf absehbare Zeit hin meine Existenz hier zu fristen. Bei meinem Alter und meinem leidenden Zustand würde mich die Zahlung der 5. Rate als eine empfindliche Härte treffen, umsomehr, als ich keinerlei Verwandte habe, die unterhaltspflichtig oder unterhaltsfähig wären.

Mein vorhandenes Restvermögen kann ich heute nur mit RM 6.8000. – bewerten, sodass leicht ersichtlich ist, wie lange ich auch bei allersparsamster Wirtschaftsführung davon existieren kann, bis evtl. Unterstützungsnotwendigkeit eintritt. Ich hoffe deshalb, dass meinem obigen Antrag stattgegeben werden kann, und bitte noch, bis zur Entscheidung über dieses Gesuch, die Einziehung der Abgabe aussetzen zu wollen.“[77]

Im November 1940 waren dann die Barmittel von Karl Rothschild erschöpft und er bat darum, Goldpfandbriefe im Wert von 1.000 RM verkaufen und die Einkünfte auf das gesicherte Konto übertragen zu dürfen. Die Genehmigung wurde erteilt.[78] Es war nicht die erste Abhebung dieser Art. Wie aus den im Entschädigungsverfahren vorgelegten Unterlagen der Nassauischen Landesbank hervorgeht, waren zunächst im Juli 1939 Wertpapiere über 1.000 RM, dann im Januar 1940 erneut Papiere über 5.000 RM und im Februar 1940 noch einmal Papiere über 4.000 RM verkauft und auf das gesicherte Konto übertragen worden. Bis zum April 1942 wurden in vier Schritten weitere 4.000 RM aus Wertpapierbeständen dem Konto zugewiesen. Im Rahmen des gewährten Freibetrags konnten Rothschilds dann über diese Summen ohne besondere Genehmigungen verfügen. Laut Hessischer Landesbank waren auf dem Konto zuletzt noch 108 RM, die nach der Deportation der Eigentümer vom Finanzamt eingezogen wurden. [79]

Verwunderlich bzw. nicht erklärbar ist angesichts dieses festgehaltenen Geldtransfers, dass im Februar 1942 Karl Rothschild das Finanzamt Wiesbaden darum bat, die fällige Vermögenssteuer neu zu berechnen, da sich die Berechnungsbasis in den letzten beiden Jahren um etwa 3.800 RM auf 11.500 RM reduziert habe.[80] Dieser noch immer relativ hohe Betrag ist nicht nachvollziehbar. Entweder hatte er kaum etwas von dem übertragenen Geld ausgegeben oder aber es muss noch ein anderes Depot gegeben haben, das bei der Berechnung der Judenvermögensabgabe und auch in seiner eigenen Vermögenserklärung vom Mai 1940 nicht berücksichtigt worden war.[81] Es könnte allerdings auch sein, dass es sich um Vermögenswerte von Mathilde Rothschild handelte. Am 31. Oktober 1939 hatte sie im Zusammenhang mit der Berechnung der 5. Rate der Judenvermögensabgabe unter ihrem Namen ein eigenes Vermögen von 7.500 RM angemeldet.[82]

Auch der Geldverkehr ihrer Nichte Bella wurde nach der Erteilung der Sicherungsanordnung am 13. August 1938 von der Devisenstelle kontrolliert. Um ihre noch offenen Rechnungen aus dem früheren Geschäft und Forderungen des Finanzamts begleichen zu können, musste sie im Februar 1939 um die Freigabe von rund 1.500 RM bitten.[83] Im April benötigte sie weitere 500 RM zum Lebensunterhalt. Um nicht ständig einzelne Beträge erbitten zu müssen, beantragte sie damals einen festen monatlichen Freibetrag von 500 RM.[84] Gewährt wurden ihr vorläufig 300 RM, verbunden mit der Forderung, eine Erklärung abzugeben, in der sie erneut ihr gegenwärtiges Vermögen, ihr Einkommen und ihre Ausgaben darlegen sollte. Das ausgefüllte Formular schickte sie am 28. April 1940 zurück: Der Wert ihrer Papiere belief sich noch auf knapp 4.200 RM, hinzu kam ein Sparkonto, auf dem sich noch etwa 400 RM befanden. Mit 4.300 RM bezifferte sie ihre Außenstände, wobei davon nach ihren Angaben aber bestenfalls 30 Prozent noch realisierbar waren. Somit schrumpfte der Nennwert von fast 9.000 RM auf real etwa 5 bis 6.000 RM zusammen. Da sie für den täglichen Bedarf immer wieder auch Wertpapiere verkaufen musste, gingen auch ihre Zinserträge – andere Einkommensquellen besaß sie nicht – immer weiter zurück. Im laufenden Jahr hoffte sie, noch 600 RM zu erhalten, für das folgende erwartete sie nur noch 250 RM. Damit konnte sie nicht einmal die Ausgaben für einen Monat, die sie auf 320 RM schätzte, bestreiten.[85] Dieser Betrag wurde ihr dann auch am 8. Mai 1940 bewilligt, aber absehbar war, wie lange ihr „Vermögen“ noch reichen würde.[86]

Bella Levitta gibt ein letztes Mal Auskunft über ihren Lebensunterhalt
HHStAW 519/3 3452 (65)

Erst am 17. April 1942, also zwei Jahre nach der letzten Vermögenserklärung, erhielt Bella Levitta wieder eine Aufforderung der Devisenstelle, ihre Lebenshaltungskosten zu deklarieren. Aus ihrem Antwortschreiben vom 23. April geht hervor, dass sie noch immer mit ihren Verwandten, den „hochbetagten Eheleuten Karl Israel Rothschild“, in einem gemeinsamen Haushalt lebte. Ihre monatlichen Ausgaben hatten sich inzwischen auf nur noch 180 RM reduziert. An diesen Betrag wurde wenige Tage später ihr Freibetrag angepasst.[87]

Letzte Aufstellung ihrer Lebenshaltungskosten von Karl und Mathilde Rothschild
HHStAW 519/3 5847 (86)

Wenige Wochen später, am 3. Juni 1942, erhielten auch ihr Onkel und ihre Tante eine entsprechende Aufforderung. Ihr Bedarf lag mit 280 RM nur wenig unter dem der letzten Aufstellung. Dennoch wurde ihr Freibetrag auf 240 RM herabgesetzt.[88]
Zu diesem Zeitpunkt waren die Deportationen schon längst im Gange, auch aus Wiesbaden, und der erste große Transport mit 360 Jüdinnen und Juden in den Tod verließ genau an dem Tag den Wiesbadener Bahnhof, als Rothschilds am 10. Juni 1942 über ihren neuen Freibetrag informiert wurden.

Aber der Transport vom 10. Juni war noch nicht derjenige, für den Rothschilds und Bella Levitta vorgesehen waren. Diese sollten erst am 1. September 1942 mit all den anderen alten, oft schon gebrechlichen Menschen nach Theresienstadt deportiert werden. Wie schon bei vorherigen Transporten wurden diese aus den verschiedenen Städten und Kreisen des Regierungsbezirks Wiesbaden zunächst in Sammellagern zusammengeführt – in Frankfurt im Jüdischen Altersheim im Rechneigraben 18–20, in Wiesbaden in der ehemaligen Synagoge in der Friedrichstr. 33 und zum Teil auch im Jüdischen Altersheim in der Geisbergstr. 24 –, um dann mit dem Sonderzug ‚Da 503‘ in das angebliche Vorzugsghetto Theresienstadt gebracht zu werden.

In Wiesbaden hatten sich die Menschen schon am Schabbat, dem 29. August, in den Räumen in der Friedrichstraße einzufinden. Einige waren dort sogar schon früher hinbeordert worden. Partner aus Mischehen und Angehörige der Familien Guthmann und Straus, die als Funktionäre der ‚Reichsvereinigung‘ in Wiesbaden die „Abwicklung“ der hiesigen jüdischen Gemeinde zu bewerkstelligen hatten, kümmerten sich unter Aufsicht der Gestapo um die dort Zwangsversammelten. Dort wurden die letzten Formalitäten erledigt, um dem Raub der noch vorhandenen jüdischen Vermögen ein scheinlegales Mäntelchen umzuhängen. Ein wichtiges Mittel war dabei die Unterzeichnung eines Heimeinkaufsvertrages, mit dem den Menschen vorgegaukelt wurde, sie könnten durch Übereignung ihrer Habe an die SS in Theresienstadt eine gute Wohnung, Versorgung und sogar medizinische Betreuung erkaufen. Es gibt keinen Beleg dafür, dass auch Rothschilds einen solchen Vertrag unterzeichnet hatten, aber wenn sie tatsächlich damals noch mehr als 10.000 RM besaßen, so werden auch sie vermutlich zu einer solchen Vertragsunterzeichnung gezwungen worden sein. Das würde auch erklären, wieso sich am Ende nur noch etwa 100 RM auf ihrem Konto befanden.

Arthur Wertheimer, Sophie Wertheimer, Eva Gerstle-Wertheimer, Judenhaus Herrngartenstr. 11, Wiesbaden, Eva Zwick
Die Deportierten des 1. Septembers 1942 an der Viehverladestation des Wiesbadener Hauptbahnhofs
HHStAW 3008/2 16561

Obwohl ein Fotograf damals eine Reihe von Bildern in der ehemaligen Synagoge und später dann auch am Bahnhof machte,[89] ist es bisher nicht gelungen, das Ehepaar Rothschild oder Bella zu identifizieren. Am Morgen des 1. September verließ der Zug mit etwa 350 Menschen die Viehverladestation am Wiesbadener Hauptbahnhof und fuhr nach Frankfurt, wo diese an der Bahnstation in der Großmarkthalle mit den dort versammelten etwa 750 Jüdinnen und Juden zusammengebracht wurden. Der Zug mit insgesamt 1110 Menschen erreichte noch am selben Tag sein Ziel in der ehemaligen böhmischen Garnisonsstadt.

Todesfallanzeige für Karl Rothschild aus Theresienstadt
https://ca.jewishmuseum.cz/media/zmarch/images/3/1/8/73341_ca_object_representations_media_31831_large.jpg
Todesfallanzeige für Mathilde Rothschild aus Theresienstadt
https://www.holocaust.cz/de/datenbank-der-digitalisierten-dokumenten/dokument/92579-rothschild-mathilde-todesfallanzeige-ghetto-theresienstadt/

Beide starben– so heißt es in den Todesfallanzeigen – in ihrer dortigen Behausung ‚Ea III‘ an Altersschwäche, Karl Rothschild schon nach etwa 4 Wochen am 4. Oktober 1942.[90] Seine Frau Mathilde hielt die unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto noch etwa ein Vierteljahr aus. Sie erlag den Verhältnissen am 18. Januar 1943.[91]

Bella blieb nur bis Ende September 1939 in Theresienstadt. Im Laufe des Jahres 1942 wurde das Ghetto durch die vielen Transporte aus dem sogenannten „Altreich“ und dem „Protektorat Böhmen-Mähren“ so überfüllt, dass Eichmann begann, seinen schon im Frühjahr erarbeiteten „Evakuierungsplan“ umzusetzen und etwa 20 000 Jüdinnen und Juden in die verschiedenen Vernichtungslager überstellen ließ.[92] 15 Züge mit jeweils 1 000 Menschen hatten Theresienstadt schon im Sommer verlassen. Im September sollten dann weitere zehn Züge folgen. Ihr Ziel war Treblinka, das – so könnte man zynisch sagen – wieder Vernichtungskapazitäten frei hatte, nachdem dort die Liquidierung des Warschauer Ghettos inzwischen abgeschlossen worden war. Vom 19. September bis zum 22. Oktober verließen elf Transporte mit insgesamt fast 20 000 Jüdinnen und Juden das Ghetto von Theresienstadt und brachten ihre „Ladung“ vor die Gaskammern von Treblinka. Bella Levitta saß in dem Zug, der die Bezeichnung ‚Bs‘ erhalten hatte und 2 000 Menschen in den Tod beförderte. Er erreichte Treblinka am 1. oder 2. Oktober. Das wird auch ihr vermutlicher Todestag gewesen sein. Kein Insasse dieses Zuges gehört zu den Überlebenden der Shoa.

Auch nachdem Rothschilds und Bella Levitta aus ihrer Wohnung im Hinterhaus der Rheinstr. 81 deportiert worden waren, diente diese auch weiterhin zur Unterbringung von Juden. Eines der wenigen erhalten gebliebenen Dokumente, aus dem die Mitwirkung der Bezirksstelle der ‚Reichsvereinigung der Juden‘ im Zusammenspiel mit dem städtischen Wohnungsamt hervorgeht, bezieht sich explizit auf diese Wohnung. Am 15. Oktober 1942 erhielt der in Mischehe lebende Jude Hermann Meyer, der bisher im Judenhaus Cheruskerweg 3 gewohnt hatte, ein Schreiben der Bezirksstelle mit folgendem Inhalt:
„Wie Ihnen schon mitgeteilt, soll Ihnen die Wohnung Rothschild, Rheinstr. Nr. 81, Gartenhaus II. Stock zugeteilt werden. Wir haben Antrag beim Städt. Wohnungsamt deswegen laufen, sowie das Finanzamt – Vollstreckungsstelle – gebeten, die Räumung der Wohnung Rothschild-Levitte (sic) tunlichst zu beschleunigen.
Als Untermieter für Sie ist Herr Idel Rawinsky, z.Zt. Adolfsallee Nr. 30 wohnhaft, vorgesehen.
Hochachtungsvoll!“[93]

Am selben Tag wurde auch der zukünftige Untermieter Idel Rawinsky von den Plänen unterrichtet. Das Schreiben an das Städtische Wohnungsamt, ebenfalls am 15. Oktober verfasst, offenbart, dass nicht dieses Amt, sondern die Bezirksstelle selbst die treibende Kraft bei dieser Umsiedlungsaktion war. Auffällig ist zudem, dass sich die unter Leitung des jüdischen Konsulenten Berthold Guthmann stehende Bezirksstelle auch die Diktion der Nazis zu eigen machte und von „Abwanderung“ und nicht von Deportation spricht. Es heißt hier:
„An das Stadt. Wohnungsamt Wiesbaden
Hierdurch bitten wir um Genehmigung für die Eheleute Hermann Israel Meyer (Inhaber der Kennkarte: Wiesbaden, 7A 00738) und dessen Ehefrau Friederike geb. Derkum zur Zeit Cheruskerweg 3 wohnhaft, zum Abschluß eines Mietvertrages bezüglich der Wohnung Rheinstraße Nr. 81, Gartenhaus II. Stock; Verwalter dieses jüdischen Grundstücks ist das Bankhaus Gebrüder Krier, Rheinstraße Nr. 95.
Voraussichtlich wird den Eheleuten Meyer noch ein jüdischer Untermieter zugewiesen werden.
Das Haus Cheruskerweg Nr. 3 ist nicht mehr jüdisches Eigentum und soll, da ein anderer Mieter dafür vorgesehen ist, von Meyer, der ohnehin nur den kleinsten Teil des Grundstücks innehat, schnellstmöglichst geräumt werden.
Die zugewiesene Wohnung ist die der am 1.9. d. Js. abgewanderten Eheleute Karl Israel Rothschild.
Verwaltungsstelle Wiesbaden“[94]

Hermann Meyer verstarb am 28. März 1943 in dieser Wohnung in der Rheinstr. 81, Idel Rawinsky wurde noch deportiert, überlebte aber Theresienstadt  und kehrte nach dem Krieg nach Wiesbaden zurück.

 

Otto Rothschild und seine Familie

Die Familien Rotschild haben Rüdesheim verlassen
HHStAW 519/3 5847 (33).

Überlebt hat Otto, der Sohn von Mathilde und Karl Rothschild, mit seiner Familie. Auch sie hatten nach dem Pogrom im November 1938 ihrer Heimatstadt Rüdesheim den Rücken gekehrt, waren allerdings nicht nach Wiesbaden gezogen, sondern hatten sich am 25. November in Mainz in der Gartenfeldstr. 3 angemeldet. Der Rüdesheimer Polizei hatte Otto noch eine Liste der zertrümmerten und nicht mehr reparablen Möbelstücke sowie der entwendeten Wertgegenstände übergeben. Nur notdürftig konnten sie sich in Mainz für die Zeit bis zu ihrer Auswanderung einrichten. Bis das dann tatsächlich gelang, verging noch fast ein ganzes Jahr.

Zunächst hatte sich eine mögliche Ausreise verzögert, weil offenbar Post an die Devisenstelle verloren gegangen war, weshalb Otto Rothschild am 1. April 1939 darauf drang, seine Angelegenheit so schnell wie möglich zu bearbeiten, da er schon Besitz eines gültigen Visums für England war. Offenbar ging es um die DEGO-Abgabe, die für neuwertige Güter im Falle einer Auswanderung fällig wurde. Wie hoch sie sein sollte, ist dem Schriftverkehr nicht zu entnehmen, aber Otto Rothschild bat darum, dass er von dieser Sondersteuer befreit werde, da er durch den Pogromschaden zum Kauf neuer Einrichtungsgegenstände gezwungen gewesen sei. Er verwies in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf die Leistungen, die seine Familie für Deutschland erbracht hatte: Sein Bruder war im Ersten Weltkrieg gefallen, und er selbst war schwer verwundet worden, wofür ihm die Frontkämpfermedaille verliehen worden sei. Seinen Vater hatte man – wie bereits erwähnt – mit einem Orden für die selbstlose Rettung von Menschen in Todesgefahr geehrt.

Eine der Bitten von Otto Rothschild um Freigabe von Geldern
HHStAW 519/3 5847 (26)

Ohne darauf noch einmal einzugehen, wurde er aufgefordert, seine Vermögensverhältnisse offenzulegen und den Umfang der geplanten Anschaffungen mitzuteilen. In den folgenden Wochen reichte er mehrfach die Rechnungen solcher Käufe ein, am 29. April über knapp 1.300 RM, am 8. Mai über 710 RM und am 10. Juni noch einmal über etwa 750 RM. Es handle sich dabei um einfache, zum Leben notwendige Gebrauchsgegenstände, die – so erläuterte er seinen Antrag –, im Verhältnis zu den verlorenen, nur einen geringfügigen Ersatz darstellen würden. Die Anträge wurden von der Devisenstelle tatsächlich genehmigt. Sogar der Bitte, ihm einen Barbetrag von 1.200 RM zur Begleichung kleinerer Rechnungen freizugeben, wurde genauso entsprochen, wie der, 7.500 RM zur Finanzierung der Auswanderung selbst zu genehmigen. Ganz offenbar hatte er einen Sachbearbeiter in der Devisenstelle, der zumindest ein gewisses Maß an Verständnis für die Notlage der Auswanderer hatte, denn im Juli wurde ihm noch ein weiterer Betrag von knapp 500 RM zur Finanzierung seiner Lebenshaltungskosten genehmigt, und weitere 900 RM erhielt er, um damit eine notwendige Augenoperation seines Vaters zu finanzieren. Dem Vater wurden zusätzlich noch 500 RM zur Verfügung gestellt, die dieser in monatlichen Raten von 100 RM zur Bestreitung seines Unterhalts verwenden durfte. Am 23. August hob der Oberfinanzpräsident die Sicherungsanordnung gegen Otto Rothschild auf und genehmigte die Ausfuhr des angemeldeten Umzugsguts. Zu diesem Zeitpunkt hatten Otto Rothschild und seine Familie Deutschland bereits verlassen.

Abreise der Familie von Otto Rothschild nach England
HHStAW 519/3 5847 (35)

Wie aus der Anfrage des Oberfinanzpräsidenten vom 29. April 1940 an die Polizei in Mainz hervorgeht, hatten diese sich am 4. August 1939 nach England abgemeldet. Im britischen Southgate wurden sie dann registriert, er als Kaufmann und sie als Hausangestellte. Von einer Internierung blieben sie damals verschont.[95]
Schon im Mai 1940 konnten sie die Britischen Inseln verlassen und mit einem Schiff der ‚Holland-Amerika-Linie‘ nach New York weiterfahren, wo sie am 16. Mai anlandeten.[96] Dort beantragten sie noch im selben Jahr die amerikanische Staatsbürgerschaft, ihre deutsche wurde ihnen im März 1941 durch Bekanntmachung im Reichsanzeiger entzogen.[97]

Familie Rothschild verlässt Großbritannien und emigriert in die USA
https://www.ancestry.de/search/collections/7488/records/1006814012?tid=&pid=&queryId=abd9e4cd-2350-4322-a29b-fe5019be9bb9&_phsrc=SbT430&_phstart=successSource
Brasilianisches Touristenvisum für Emmy Rothschild von 1958
https://www.ancestry.de/search/collections/9800/records/2454973?tid=&pid=&queryId=702a7adf-783b-4811-9d88-e874518475a6&_phsrc=SbT788&_phstart=successSource

Als Zielort hatten sie bei ihrer Einreise eigentlich San Rafael in Kalifornien angegeben, wo ein Freund namens Helmut Respenschied lebte. Offenbar nahmen sie aber davon Abstand und blieben in New York, wo es ihnen im Laufe der folgenden Jahre gelang. sich selbstständig zu machen und einen Ledergroßhandel aufzubauen. Zumindest wurden sowohl Otto als auch Emmy Rothschild mit dieser Berufsbezeichnung in der Zensusliste von 1950 eingetragen.[98]

Während von Otto Rothschild bekannt ist, dass er am 12. Juni 1954 in New York verstarb,[99] konnte ein Todesdatum seiner Frau nicht ermittelt werden.

 

Das Schicksal weiterer Angehöriger

Von den Nachkommen Herz Levittas zählten Elisabeth und Karl Rothschild nicht als einzige zu den Opfern der Shoa. Mathildes Schwester Auguste hatte am 4. April 1889 den Kaufmann Ferdinand Schmitz aus Binningen geheiratet.[100] Aus der Ehe waren, soweit bekannt, drei Töchter hervorgegangen. Am 30. November 1889 war zunächst Hermine Elisabeth, dann am 18. Juli 1891 Paula und zuletzt Eugenie geboren worden.[101]

Heiratseintrag von Friedrich Karl Linsel und Elisabeth Hermine Schmitz
Heiratsregister Wiesbaden 279 / 1920

Die zweite Tochter, Hermine Elisabeth, gehörte zu denjenigen, die ebenfalls dem Holocaust zum Opfer fielen. Als sie am 27. März 1920 in Wiesbaden die Ehe mit dem evangelischen Bankbeamten Friedrich Karl Linsel einging, wohnten beide in Wiesbaden am Kaiser-Friedrich-Ring 84. Nicht nur bei ihrem Mann, sondern auch bei ihr ist als Religion die Angabe „evangelisch“ eingetragen.[102] Ob sie erst mit der Heirat konvertierte oder sich schon früher vom jüdischen Glauben losgesagt hatte, ist nicht bekannt. Für die Nazis machte das ohnehin keinen Unterschied.
Allerdings scheiterte die Ehe, aus der, soweit bekannt, keine Kinder hervorgegangen waren, vermutlich unter dem Druck der politischen Verhältnisse. Laut Wiesbadener Adressbuch von 1936/37 wohnten sie damals noch zusammen unter ihrer alten Adresse am Kaiser-Friedrich-Ring. Am 27. Dezember 1938 wurde die Ehe dann vor dem Landesgericht in Wiesbaden wieder geschieden.[103] Damit verlor Hermine Elisabeth auch ihren vagen Schutzstatus als Partnerin in einer Mischehe. Zunächst zog sie alleine als Privatiere in das Nerotal 38, musste aber dann in den folgenden Jahren laut den Eintragungen auf ihrer Gestapokarteikarte noch dreimal ihre Unterkunft wechseln. Am 1. Februar 1939 fand sie eine Wohnung, vermutlich in der Sonnenberger Str. 52 a.[104] Am 1. April 1940 wechselte sie in das Haus Leberberg 4 und wurde Untermieterin bei einer Frau Oertel, die erstaunlicherweise keine Jüdin war, im II. Stock. Ihre letzte Adresse, mit der sie auch auf der Deportationsliste eingetragen ist, war dann die Adelheidstr. 70.[105]
Hermine Elisabeth gehörte zu denjenigen, die mit dem ersten großen Transport am 10. Juni 1942 von Wiesbaden über Frankfurt nach Lublin deportiert und vermutlich von dort sofort weiter nach Sobibor in die dortigen Gaskammern gebracht wurden.[106]

 

Heirat von Eugenie Schmitz und Victor Renatus Chenu
Heiratsregister Wiesbaden 1397 / 1920

Auch ihre Schwester Eugenie, die im selben Jahr wie ihre Schwester, allerdings erst am 11. Dezember 1920, in Wiesbaden heiratete, hatte wenig Glück in dieser Ehe. Sie lebte damals auch noch mit Elisabeth und deren Mann zusammen im Kaiser-Friedrich-Ring 84. Ihr Partner war der Kaufmann Victor Renatus Chenu, geboren am 14. Dezember 1887 in Metz, der aber zum Zeitpunkt der Eheschließung ebenfalls in Wiesbaden, in der Nikolasstr. 19, wohnte. Bei beiden ist die Angabe zur Religion gestrichen, was vermuten lässt, dass Victor Chenu nicht jüdischen Glaubens war und auch Eugenie sich, wie ihre Schwester, davon gelöst hatte.[107] Ihre Ehe wurde schon am 21. Januar 1934 geschieden.[108] Wo das Paar in der Zeit zuvor gewohnt hatte, konnte nicht ermittelt werden. Bei der Volkszählung im Mai 1939 war Eugenie allerdings wieder in Wiesbaden in der Rheinstr. 81 gemeldet, wo ihre Tante Elisabeth Rothschild lebte.[109] Ihre Eltern waren damals beide bereits verstorben, zunächst ihre Mutter am 28. Juli 1909 in Rüdesheim.[110] Sechs Jahre später wurde am 7. Juli 1915 ihr Vater Ferdinand Schmitz in Wiesbaden-Biebrich tot aus dem Rhein gezogen.[111] Ob er bei einem Unfall oder durch Suizid sein Leben verlor, ist nicht bekannt.

Trotz der Scheidung von ihrem nichtjüdischen Ehemann gelang es Eugenie, die folgenden Jahre irgendwie zu überleben. 1943 wurde sie in Frankfurt als Bewohnerin der Beethovenstr. 23 als „gesch[iedene] Nichtsternträgerin“ registriert. Sie war möglicherweise durch die Heirat in den Besitz der belgischen Staatsangehörigkeit gelangt, was aber eigentlich kein Grund für eine Verschonung gewesen wäre.[112] Irgendwie überstand sie auch die folgende Zeit bis zur Zerschlagung des NS-Systems. Auf einer Liste, die die US-Armee nach dem Krieg mit Überlebenden in ihrer Zone erstellte, ist auch ihr Name zu finden.[113]

Gestapokarteikarte von Paula Oberdörfer
Stadtarchiv Wiesbaden

Vermutlich überlebte auch ihre älteste Schwester Paula dank der Ehe mit einem evangelischen Ehemann. Am 7. Dezember 1908 hatte sie in Rüdesheim Eduard Bruno Richard Oberdörfer, geboren am 26. Mai 1884 in Sonderhausen, geheiratet.[114] Anders als ihre Schwestern war sie aber offenbar ihrem jüdischen Glauben treu geblieben, zumindest ist dieser im Heiratseintrag mit „mosaisch“ angegeben. Ihr Ehemann war der Sohn eines Fabrikbesitzers aus Geußen in Thüringen. Auch sie wohnten bis 1939 im Haus Kaiser-Friedrich-Ring 84, zogen aber – so ist es auf der Gestapokarteikarte von Paula Oberdörfer festgehalten – am 1. Mai 1939 nach Aachen. Welchen Grund sie hatten, dorthin zu gehen, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Vielleicht waren die Nähe zur niederländischen Grenze und die damit verbundene Hoffnung, ihren Verfolgern gegebenenfalls schnell entkommen zu können, der Grund, der sie zu diesem Schritt veranlasste. Auf jeden Fall scheint es ihrem Mann gelungen zu sein, Paula, seine jüdische Frau, vor der Deportation in den Tod zu beschützen.

 

Veröffentlicht: 23. 12. 2025

 

 

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Anmerkungen:

 

[1] Zu den genannten Vorfahren siehe https://lagis.hessen.de/de/personen/juedische-grabstaetten/alle-eintraege/4357?person=voegelchen,%20frau%20des%20anschel&kontext=xsearch&zeiger=2. (Zugriff 25.10.2025).

[2] Bei dem anderen Sohn handelte es sich um Salomon ha-Levi bzw. Salomon Anselm.

[3] Zur Annahme des neuen Familiennamens siehe HHStAW 238 522.

[4] In den Übertragungen des Namens in den Personenstandsregistern der Kirchenbücher, die in der Diözese Limburg verwahrt sind, erscheint der Name in Varianten, wie Behr, Kühr, Rehr oder auch Kehr. Im Sterbeeintrag ihres Sohnes Anschel / Amseln wird ihr Name mit Edel Kahn angegeben. Es ist möglich, dass man ihn phonetisch so abgeleitet hatte, oder aber, dass die Familie, der sie entstammte, diesen Namen annahm, als auch sie zu festen Familiennamen verpflichtet wurde, und der Name dann auch auf die bereits Verstorbene übertragen wurde. Siehe Sterberegister Rüdesheim 47 / 1877.

[5] HHStAW 238 424/104.

[6] https://lagis.hessen.de/de/personen/juedische-grabstaetten/alle-eintraege/4274?person=levitta,%20jendel%20geborene%20isaac&kontext=xsearch&zeiger=2. (Zugriff 25.10.2025).

[7] Sterberegister Rüdesheim 5 / 1861. Sie verstarb am 21.2. 1861 in Rüdesheim. Der Name ihrer Mutter lautete Rebecca Löb.

[8] Die gesamte Inschrift lautet:
„Ruhestätte
unserer geliebten Gattin u. Mutter
Jendel geborne Isaac
Ehegattin des Feist Levitta
zu Rüdesheim, geb. zu Ansbach
den 20. Veadar 5565 (= 21.3.1805), gest. in
Rüdesheim den 11. Adar 5621 (= 21.2.1861).
In Liebe war sie eine treue Gattin ihrem Gatten.
Eine sorgsam liebende Mutter ihren Kindern.
Nie Falschheit hegte sie im Herzen
Den Freunden, die sich ihr vertrauten
Ein reiner, frommer Sinn in
diesem Leben
Lies Frieden sie und Ruh im
Grabe finden.“

https://lagis.hessen.de/de/personen/juedische-grabstaetten/alle-eintraege/4274?person=levitta,%20jendel%20geborene%20isaac&kontext=xsearch&zeiger=2. (Zugriff 25.10.2025).

[9] Sterberegister Rüdesheim 89 / 1910. Die Kinder von Feist und Jette / Jendel Levitta waren: Sara, geboren am 31.5.1834, gestorben am 29.3.1936; Isaak, geboren am 2.8.1836, gestorben am 24.12.1910; Joseph, geboren am 1.6.1840, gestorben am 4.11.1850; Fanny Franziska, geboren am 15.4.1842, gestorben am 20.3.1844; Wilhelmina, geboren am 3.6.1848, gestorben am 18.5.1859; Henrietta, Geburtstag unbekannt, gestorben am 7.4.1848. Außerdem wurde ein weiteres namenloses Kind am 17.5.1938 vermutlich tot geboren.
Die Angaben wurden in FamilySearch gefunden, das die Personenstandsregister und Kirchenbücher von Hessen-Nassau, die sich im Staatsarchiv Marburg befinden, online gestellt hat, siehe https://www.familysearch.org/de/search/collection/1768560. (Zugriff 25.10.2025).

[10] https://www.familysearch.org/ark:/61903/1:1:D4CG-FDPZ?lang=de. (Zugriff 25.10.2025). Heiratsregister Rüdesheim 8 / 1846. Ihre Eltern waren Elias und Gütchen Löw geborene Mayer. Sie nahmen den festen Familiennamen Heilbronn an.

[11] Elias, das älteste Kind, geboren am 24.1.1847, Geburtsregister Rüdesheim 8 / 1847; Eduard, geboren am 30.11 1852, Geburtsregister Rüdesheim 90 / 1852; Jettchen, geboren am 18.8.1859, Geburtsregister Rüdesheim 63 / 1859.

[12] Geburtsregister Rüdesheim 16, und 17, Sterberegister Rüdesheim 34 und 74.

[13] Geburtsregister Rüdesheim 11 / 1859 und Sterberegister Rüdesheim 34 / 1859.

[14] Heiratsregister Rüdesheim 11 / 1889.

[15] HHStAW 238 147.

[16] Sterberegister Rüdesheim 89 / 1910.

[17] Heiratsregister Rüdesheim 26 / 1883.Herz Levitta verstarb am 26. oder 27. 12.1870, siehe https://lagis.hessen.de/de/personen/juedische-grabstaetten/alle-eintraege/4271?person=naftali,%20sohn%20des%20uri%20ha-levi&kontext=xsearch&zeiger=1. (Zugriff 25.10.2025).

[18] Sterberegister Frankfurt 3684 / 1899.

[19] Der Rabbiner Dr. Samuel Süßkind hatte das Amt in Wiesbaden 1844 übernommen und setzte damit – von einem kurzen Zwischenspiel abgesehen – die Tradition des großen liberalen Rabbiners Dr. Abraham Geiger fort.

[20] Sterberegister Rüdesheim 38 / 1892. Sie war die Tochter des Wiesbadener Mayer Sulzberger und dessen Frau Sara, geborene Mayer.

[21] Heiratsregister Frankfurt Bornheim 135 / 1880.

[22] Sterberegister Frankfurt 66/VI / 1939.

[23] Heiratsregister Rüdesheim 26 / 1883.

[24] Geburtsregister Rüdesheim 155 / 1884.

[25] Sterberegister Rüdesheim 31 / 1903.

[26] Geburtsregister Rüdesheim 42 / 1889 und Sterberegister Rüdesheim 23 / 1914.

[27] Geburtsregister Rüdesheim 38 / 1893.

[28] Geburtsregister Rüdesheim 96 / 1876.

[29] https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3QS7-L937-KB2X?view=index&personArk=%2Fark%3A%2F61903%2F1%3A1%3AQVT7-1XV3&action=view&lang=de&groupId=. (Zugriff 25.10.2025).

[30] https://www.ancestry.de/search/collections/1174/records/972867. (Zugriff 25.10.2025).

[31] https://www.ancestry.de/search/collections/1174/records/972867. (Zugriff 25.10.2025). Auch die Überfahrt im Jahre 1881 ist dokumentiert, siehe https://www.ancestry.de/search/collections/1068/records/4364981. (Zugriff 25.10.2025).

[32] https://tools.juf.stadtarchiv-digital.de/showimg/JUF_viewer.php?navi=paketNr&quelleId=1046&primkey=0&paketNr=77&signatur=sbz1-0219&eintrag=0&IdNr=37827. (Zugriff 25.10.2025).

[33] HHStAW 685 688a (5).

[34] Ebd. (5).

[35] Ebd. (2). Das Geschäftshaus hatte einen Wert von 27.000 RM, das Haus in der Langstr. 3 von 13.000 RM. Karl Rothschild merkte allerdings an, dass er das Geschäftshaus 1919 zu einem Betrag von nur 19.500 RM erworben hatte.

[36] Ebd. (1).

[37] Das Erinnerungsblatt des ‚Aktiven Museums Wiesbaden‘ ist wegen Umbau der Homepage zur Zeit nicht online gestellt. Leider sind auch keine Quellen für die Einschätzung angegeben.

[38] HHStAW 685 688 a (23).

[39] Ebd. (passim).

[40] https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/2280/images/47294_302022005557_0624-00229?pId=51772784. (Zugriff 25.10.2025).

[41] Siehe auch im Folgenden https://www.saulheim.de/familie-leopold-herzog/. (Zugriff 25.10.2025). Leopold Herzog war am 25.5.1876 in Niedersaulheim geboren worden. Emmy hatte noch einen älteren Bruder namens Albert, der am 24.3.1903 zur Welt gekommen war. Die Eltern wurden 1936 gezwungen, ihren Heimatort zu verlassen und nach Mainz zu ziehen. Im September 1942 wurden sie nach Theresienstadt deportiert und ermordet. In Saulheim wurden für beide, aber auch für ihren Sohn Albert, dem die Flucht nach England gelang, Stolpersteine verlegt.

[42] https://www.alemannia-judaica.de/niedersaulheim_synagoge.htm. (Zugriff 25.10.2025). Zu Emanuel Vorchheimer siehe https://juf.stadtarchiv-digital.de/render/85?IdNr=32159&friedhofsquelle=. (Zugriff 25.10.2025).

[43] https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/2280/images/47294_302022005557_0624-00200?pId=6772756. (Zugriff 25.10.2025).

[44] HHStAW 519/3 58471 (1).

[45] HHStAW 518 32354 (56 f.).

[46] HHStAW 519/3 58471. (4-6).

[47] HHStAW 685 459 a (1).

[48] Ebd. (4, 5).

[49] Ebd. (16-21).

[50] Ebd. (23). Drei Raten zu je 178 RM wurden ihr bewilligt, Beträge, die für sie ganz sicher eine beträchtliche Last bedeuteten. Sie bat in einem weiteren Schreiben darum, die Raten auf 100 RM zu begrenzen, was dann tatsächlich auch bewilligt wurde. Ebd. (24).

[51] Ebd. (26).

[52] Ebd. (9). Das Finanzamt notierte auf dem Schreiben nur, dass das Einkommen und das Vermögen von Bella Levitta unterhalb des für die Reichsfluchtsteuer gesetzten Grenzwerts liegen.

[53] Ebd. (29).

[54] Ebd. (45).

[55] Ebd. (30-38). Den relativ hohen Vermögenswert für das Jahr 1935 erklärte sie erneut mit einer falschen Bewertung der Außenstände.

[56] Ebd. (35). Auch diesmal gewährte man ihr erstaunlicherweise eine Ratenzahlung der Steuerschulden.

[57] HHStAW 685 459b (20).

[58] Siehe im Folgenden https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20171/de_stadtarchiv_2007_SN106_Schande_Kristallnacht.pdf. (Zugriff 25.10.2025).

[59] Kropat, Kristallnacht in Hessen, S. 74.

[60] Ebd. S. 78.

[61] https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20171/de_stadtarchiv_2007_SN106_Schande_Kristallnacht.pdf. (Zugriff 25.10.2025).

[62] HHStAW 518 32354 (6).

[63] HHStAW 685 459a (48, 49).

[64] HHStAW 685 459e (5). Sprachliche Fehler im Original.

[65] Ebd. (7).

[66] Ebd. (10).

[67] HHStAW 519/3 5847 (33).

[68] Im Hinblick auf Bella Levitta gibt es, was die Wohnanschrift betrifft, allerdings eine gewisse Unklarheit. Auf ihrer Gestapokarteikarte ist als ihre erste Wiesbadener Adresse mit dem Einzugsdatum 30. April 1939 – da wohnte sie längst in Wiesbaden in der Rheinstr. 81 – die Mosbacherstr. 36 eingetragen. Auch liegt eine Devisenakte mit der gleichen Adressangabe vor. Es handelt sich bei dem Eintrag auf der Gestapokarteikarte aber um eine Verwechslung mit Bella Levita – Levita mit nur einem „t“ geschrieben. Diese Bella Levita war am 11.4.1918 in Worms geboren worden, lebte aber ebenfalls zuletzt in Wiesbaden. Sie war tatsächlich Hausangestellte bei Paul und Pauline Kornblum in der Mosbacher Str. 36. Obwohl die Devisenstelle in Frankfurt beide Akten am 17.4.1940 anlegte, hat diese die beiden prinzipiell nicht verwechselt, zumindest sind die Namen auf den Aktendeckeln unterschiedlich geschrieben, allerdings beinhalten dann Anschreiben in derselben auch falsche Schreibweisen. Die jeweiligen Namensträgerinnen haben aber – ihre Unterschriften sehen sich übrigens sehr ähnlich – immer richtig unterschrieben.
Aber nicht nur die Gestapo hatte die beiden verwechselt, sondern auch das Aktive Museum Spiegelgasse, das bei der Erarbeitung des Erinnerungsblatts für die Bella Levitta aus Rüdesheimer die falsche Devisenakte hinzugezogen und die Modistin als Hausangestellte bei Kornblums ausgegeben hat. Das Erinnerungsblatt des ‚Aktiven Museums Wiesbaden‘ für Bella Levitta ist zurzeit nicht abrufbar, der irrige Text ist aber auch abgedruckt im ersten Stolpersteinbuch „Stolpersteine in Wiesbaden 2005 – 2008, S. 92 f. Aufgrund der Verwechslung liegt vor dem Haus in der Mosbacher Str.36 auch der falsche Stolperstein, nämlich der für die Rüdesheimerin Bella Levitta, der eigentlich vor die Rheinstr. 81 gehört. Vor das Haus in der Mosbacher Str. 36 hätte hingegen der für Bella Levita aus Worms gelegt werden müssen.

[69] HHStAW 519/3 3452 (5).

[70] Ebd. Er machte im Entschädigungsverfahren präzise Angaben über die frühere Einrichtung der Wohnung in Rüdesheim und deren Wert, den er mit insgesamt etwa 4.000 RM ansetzte.

[71] HHStAW 685 688b (5).

[72] Ebd. (13, 22).

[73] Ebd. (24, 25, 31, 32).

[74] HHStAW 519/3 5847 (80, 81).

[75] Ebd. (82).

[76] HHStAW 685 688 (40).

[77] HHStAW 685 459e (17 f.).

[78] HHStAW 519/3 5847 (84).

[79] HHStAW 518 32354 (56 f.).

[80] HHStAW 685 688a (41).

[81] In einem Schreiben vom 22.2.1940 an das Finanzamt Wiesbaden erwähnt Karl Rothschild ein Depot bei der Deutschen Bank in Mainz, aus der er Zinsgewinne bezogen habe. Wie groß dieses Depot war, ist hier nicht erwähnt. Ebd. (39).

[82] HHStAW 685 688 c (17). Obwohl es über der Freigrenze von 5.000 lag, blieb auch sie von dieser zusätzlichen Rate erstaunlicherweise verschont. Möglicherweise hatte man es schlicht übersehen.

[83] HHStAW 519/3 3452 (6).

[84] Ebd. (8).

[85] Ebd. (11).

[86] Ebd. (13).

[87] Ebd. (65, 66).

[88] HHStAW 519/3 5847 (86, 87).

[89] Vermutlich handelt es sich um den Wiesbadener Fotografen Willi Rudolph. Die Fotos sind im Hessischen Hauptstaatsarchiv unter HHStAW 3008/2 zu finden und online zu sehen, siehe auch https://atlas.lastseen.org/image/wiesbaden/156. (Zugriff 25.10.2025).

[90] https://ca.jewishmuseum.cz/media/zmarch/images/3/3/1/34897_ca_object_representations_media_33143_large.jpg. (Zugriff 25.10.2025).

[91] https://ca.jewishmuseum.cz/media/zmarch/images/4/1/0/90906_ca_object_representations_media_41079_large.jpg. (Zugriff 25.10.2025).

[92] Zu diesen Transporten siehe Gottwaldt / Schulle, Judendeportationen, S. 224-229.

[93] Yad Vashem Archives O8 / 42, zit. nach Bembenek/Dickel, Kein deutscher Patriot mehr, S. 120.

[94] Ebd.

[95] https://www.ancestry.de/search/collections/61596/records/11055291. (Zugriff 25.10.2025).

[96] https://www.ancestry.de/search/collections/2997/records/145803473, dazu https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/2280/images/47294_302022005557_0624-00200?pId=6772756. Auch https://www.ancestry.de/search/collections/7488/records/1006814011. (Zugriff 25.10.2025). Auf dem Schiff befand sich noch eine weitere Familie Rothschild, bestehend aus Otto, Ella und Ilse Rothschild. Ob es eine verwandtschaftliche Verbindung zwischen ihnen gab, konnte nicht festgestellt werden.

[97] https://www.ancestry.de/search/collections/2027/records/12077?nreg=1. (Zugriff 25.10.2025). Dazu https://www.ancestry.de/search/collections/61665/records/96060. (Zugriff 25.10.2025).

[98] https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/62308/images/43290879-New_York-133755-0029?pId=286854249. (Zugriff 25.10.2025).

[99] HHStAW 518 32354 (33).

[100] Heiratsregister Rüdesheim 11 / 1889. Er war ein am 8.6.1866 geborener Sohn von Levi und Sybilla Schmitz, geborene Kaufmann. Unter den Trauzeugen findet man Eugenies Schwager Eduard Oberdörfer, der Ehemann ihrer Schwester Paula.

[101] Für Hermine Heiratsregister Rüdesheim 279 / 1920, für Paula Geburtsregister Rüdesheim 107 / 1891 und für Eugenie Geburtsregister Rüdesheim 68 / 1895.

[102] Heiratsregister Wiesbaden 279 / 1920. Ihr Ehemann war am 15.7.1893 in Schönebeck bei Magdeburg geboren worden.

[103] Ebd.

[104] Das Haus gehörte der jüdischen Familie Steinlauf, die in die USA emigriert war. Der Eintrag auf der Gestapokarteikarte könnte auch als 32a gelesen werden, allerdings war dieses Haus nicht in jüdischem Besitz.

[105] HHStAW 519/2 1381 (o.P.).

[106] Zu diesem Transport siehe ausführlich Kingreen, Deportation der Juden aus Hessen, S. 117-122.

[107] Heiratsregister Wiesbaden 1397.

[108] Ebd.

[109] https://www.mappingthelives.org/bio/f320ce25-8a38-40ab-b544-fdbaafa764f5?restrict_to_map_bounds=false&coordinates_show_all=false&forename=Eugenie&surname=Schmitz&res_single_fd=false&birth_single_fd=false&death_single_fd=false&deportation_single_fd=false&emigration_single_fd=false&expulsion_single_fd=false&imprisonment_single_fd=false&lat=50.3061856&lon=12.3007083&zoom=6&map_agg=residence&language=de. (Zugriff 25.10.2025).

[110] Sterberegister Rüdesheim 56 / 1909.

[111] Sterberegister Biebrich 235 / 1915.

[112] https://collections-server.arolsen-archives.org/G/SIMS/01020401/0003/114637149/001.jpg. (Zugriff 25.10.2025).

[113] https://collections-server.arolsen-archives.org/G/wartime/02010101/0689/1224381/002.jpg. (Zugriff 25.10.2025).

[114] Heiratsregister Rüdesheim 32 / 1908. Die Name der Eltern des Ehemanns waren Johann Hermann Eduard und Ida Oberdörfer, geborene Schüler.