Karoline Haas


Rheinstr. 81 heute
Eigene Aufnahme
Lage des Judenhauses Rheinstr. 81

 

 

 

 

 


 Karoline Haas gehört zu den vielen ledigen jüdischen Frauen, die nur wenige Spuren in Wiesbaden hinterlassen haben. Eine dünne Devisenakte und eine Karte in der 1938 von den NS-Behörden angelegten Gestapokartei ist so ziemlich alles, was an sie erinnert. Damit teilt sie das Schicksal der vielen jüdischen Frauen, die als Gehilfinnen in den Haushalten für andere, später ausschließlich jüdische Familien, weitgehend im Stillen ihren Dienst verrichteten. Zumindest ist auf ihrer Gestapokarteikarte ihr Beruf mit „Hausangestellte“ angegeben. Wann sie nach Wiesbaden kam, ist dort leider nicht vermerkt und auch in den Adressbüchern der Stadt ist ihr Name nicht aufgeführt.[1]

Ursprünglich stammte sie aus Neustadt im Odenwald, das heute zur Stadt Breuberg gehört. Die namensgleiche Burg, die bis heute die Ansiedlung überragt, war auch der Ursprung des im 14. Jahrhundert gegründeten Ortes Neustadt selbst.[2] Noch im Jahrhundert der Gründung waren der Siedlung Markt- und Stadtrechte verliehen worden, womit sie für die unmittelbare Umgebung wichtige zentralörtliche Funktionen einnahm und Handwerker und Händler anzog, die dann wiederum den wirtschaftlichen Aufschwung und das Wachstum der kleinen Stadt herbeiführten. Nicht verwunderlich ist, dass auch schon in diesen Jahren der frühen Neuzeit die ersten jüdischen Bewohner nachgewiesen werden können, allerdings nur vereinzelt.[3] Erst im 18. Jahrhundert konstituierte sich eine jüdische Gemeinde, die streng orthodox ausgerichtet war. Eine Betstube, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch eine Synagoge ersetzt wurde, eine Mikwe, eine Schule und ein Friedhof, der „Judenkirchhoff“, fungierten als die kultischen Zentren der wachsenden Gemeinde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte sie mit etwa 80 Gemeindemitgliedern ihre größte Bedeutung. Knapp 10 Prozent der gesamten Einwohnerschaft waren damals mosaischen Glaubens. Sie stellten damit eine größere Religionsgemeinschaft als die Katholiken dar. Ein Grund für den Zustrom war vermutlich, dass Juden seit 1848 keinen Schutzbrief mehr benötigten und dementsprechend auch kein Schutzgeld an die Obrigkeit mehr zahlen mussten.

Mit dem allmählichen Bedeutungsverlust des Städtchens – die ehemalige Kreisstadt wurde Teil des Kreises Erbach –, verlor Neustadt auch einen großen Teil seiner Bürger, die in der entstehenden Industrie in der Umgebung ihren Lebensunterhalt verdienten. Um die Wende zum 20. Jahrhundert hatte sich die Bewohnerzahl Neustadts von knapp 1000 um ein Viertel reduziert. Viele waren auch dem damaligen Trend gefolgt und hatten versucht, ihr Glück in Amerika zu machen. Frauen, im Besonderen die alleinstehenden, gingen schon damals in die größeren Städte, um sich dort als Hausangestellte zu verdingen, darunter auch viele jüdische Frauen und Mädchen. Dementsprechend litt auch die jüdische Gemeinde insgesamt unter diesem Aderlass. 1910 gab es nur noch 39 Gläubige und ihr Anteil an der örtlichen Bevölkerung hatte sich damit halbiert.

Obwohl Juden in Neustadt schon seit langer Zeit ansässig waren und auch das örtliche Leben in all den Jahren positiv geprägt hatten, blieben sie weitgehend eine ungeliebte Minderheit. Besonders im 19. Jahrhundert, als eine breite antisemitische Bewegung mit ihrem Wortführer Böckel von Nordhessen sich bis in den Süden ausbreitete, kam es auch in Breuberg und Umgebung zu verschiedenen judenfeindlichen Aktionen, mal in Form antisemitischer Volksfeste, mal in Form von Aufrufen zum Boykott jüdischer Geschäfte.[4]
Als die Nazis auch in Neustadt die Hakenkreuzfahne hissten, lebte zumindest von dem Familienzweig der Familie Haas, der Karoline entstammte, niemand mehr dort. Sie hatten aber eher aus privaten und beruflichen Gründen inzwischen ihren Heimatort verlassen.

Stammbaum Haas
Stammbaum der Familie Haas
GDB

Wann die Familie Haas Teil der dortigen jüdischen Gemeinde geworden war, lässt sich nicht exakt bestimmen, aber mindestens seit dem frühen 19. Jahrhundert muss sie in Neustadt ansässig gewesen sein und dann sogar eine recht bedeutende Rolle gespielt haben. Nicht nur erscheint der Nachname mit unterschiedlichen Vornamen immer wieder in den Quellen,[5] oft nahmen auch einzelne Mitglieder der Familie offenbar wichtige Funktionen in der jüdischen Gemeinde wahr. Aus einer Stellenausschreibung des Jahres 1901 im „Israelit“ geht hervor, dass zu dieser Zeit Feist Haas II deren Vorsitzender war.[6]

Feist Haas II, 1901 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Neustadt
https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/m-o/1421-neustadt-odenwald-hessen

Dieser Feist Haas, von Beruf Viehhändler, war der Vater von Karoline Haas, der späteren Judenhausbewohnerin in Wiesbaden. Etwa zeitgleich lebte ein Feist Haas I, ein Sohn von Mordechai Haas und seiner Frau Besle, geborene Reiß, in Neustadt. Deren Enkel trug den Vornamen Mendel II, der mit dem Zusatz I wiederum auch der Vorname des Vaters von Feist II war. Verheiratet war Letzterer mit Recha / Rechel Mai.[7] Allein die vielen Namensübereinstimmungen offenbaren die engen verwandtschaftlichen Verbindungen innerhalb der Haas-Familie. Ob auch schon Vorfahren von Mendel Haas I in der Odenwaldgemeinde ansässig waren, konnte nicht ermittelt werden. Offenbar war die Familie aber insgesamt in dem für Juden damals typischen Beruf als Viehhändler tätig.

Feist Haas II war am 15. Oktober 1844 geboren worden und hatte seinen Viehhandel – davon gab es in Neustadt Anfang des 19. Jahrhunderts zwei – [8] von seinem Vater, dem „Rindviehhändler“ Mendel, übernommen. Dieser hatte 1845 das Haus in der Erbacher Str. 6 erworben. Ab 1864 wohnte er dort mit Feist Haas I, ab 1873 mit seinem Sohn Feist II. Ab 1882 gehörte das Haus dem Vater von Karoline alleine.[9]

Zu einem nicht bekannten Datum ehelichte Feist II Karoline Kleeblatt, von der weder ihr Geburtsort, noch ihr Geburtstag bekannt ist. Ihren Namen kennt man nur durch die Geburtsurkunden der drei in der Ehe geborenen Kinder. Da das älteste Kind, der Sohn Adolph, am 17. März 1877 geboren wurde,[10] kann man vermuten, dass die Heirat etwa ein Jahr zuvor stattgefunden haben wird. Gut ein Jahr später, am 28. Juli 1878, kam mit Moritz ein weiterer Sohn auf die Welt.[11] Danach dauerte es zwei Jahre, bis die Tochter Karoline, die spätere Wiesbadener Judenhausbewohnerin, am 14. Juli 1888 geboren wurde.[12] Irgendwann in den folgenden zwei Jahren muss deren Mutter dann verstorben sein, möglicherweise bei einer weiteren Geburt, aber weder ist das genaue Datum noch sind die näheren Umstände ihres Todes bekannt.

Sterbeeintrag von Feist Haas

Am 26. Juni 1882, dem Jahr, in dem er alleiniger Bewohner des Hauses in der Erbacher Straße wurde, heiratete der Witwer dann Jette Krämer aus Höchst im Odenwald.[13] Über sie ist mehr bekannt, als über seine erste Ehefrau. Geboren wurde Jette Krämer am 28. März 1852 in Höchst / Odenwald als Tochter des Viehhändlers David Krämer und seiner Frau Märle (?). Aus dieser Ehe gingen, soweit bekannt, noch zwei weitere Kinder hervor. Am 10. Mai 1883 wurde zunächst der Sohn Emanuel /Emil geboren, ein Jahr später gefolgt von der Tochter Regina am 21. Mai 1884.[14] Während der Vater der fünf Kinder, Feist Haas II, am 22. Oktober 1914, somit bald nach Beginn des Ersten Weltkriegs, verstarb,[15] wurde Jettchen Haas wesentlich später, am 10. April 1932, zu Grabe getragen. Ihr Grab befindet sich mit einem recht gut erhaltenen Stein auf dem jüdischen Friedhof in Michelstadt.[16][Bild]

Das Grab von Emanuel Emil Haas in Memmelsdorf
https://de.findagrave.com/memorial/270293419/emil-haas#view-photo=294714631

Über Emanuel bzw. Emil, den Sohn aus der zweiten Ehe, liegen nahezu keine Informationen vor. Wann er den Odenwald verließ, ist nicht bekannt. Nur sein Grabstein in dem kleinen unterfränkischen Ort Memmelsdorf bei Bamberg ist erhalten geblieben. Dem Grabstein auf dem dortigen jüdischen Friedhof ist zu entnehmen, dass er verheiratet war und auch der Vater von mindestens einem Kind war. Er verstarb dort am 6. Januar 1936, also zu einer Zeit, als die NS-Diktatur bereits errichtet war.[17] Aber einen Hinweis darauf, dass sein Tod damit im Zusammenhang stand, ist nicht zu finden.

Anders bei seiner Schwester Regina, die eines der Opfer der Shoa wurde. Im Alter von 22 Jahren war sie, wie viele andere Frauen, in eine der umliegenden Städte gezogen, um dort als Hausangestellte Arbeit zu finden. Am 5. Juni 1906 meldete sie sich in Darmstadt an, wo sie Arbeit bei der der Familie Berthold Bodenheimer fand. Ihr Arbeitgeber, ursprünglich aus Biblis zugezogen, besaß ein in der dortigen Gegend sehr bekanntes Unternehmen zur Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. Neben den typischen regionalen Produkten hatte man auch Kolonialwaren in das Angebot aufgenommen und mit einer Rübenzuckerraffinerie auch ein industrielles Standbein aufgebaut. Neben ihrer Bedeutung für den Wirtschaftsraum um Darmstadt spielte die Familie auch eine wesentliche Rolle in der dortigen jüdischen Gemeinde, sei es durch die Übernahme von wichtigen Ämtern oder durch finanzielle Zuwendungen, die u. a. den Bau der dortigen Synagoge ermöglichten.[18]
Nachdem Berthold Bodenheimer bereits 1911 verstorben war, blieb Regina Haas vermutlich in der Familie, in der die Witwe sechs Kinder großzuziehen hatte, wobei das jüngste, der Sohn Heinrich, damals gerade vier Jahre alt war. Auch in den folgenden Jahren blieb sie vermutlich der Familie treu, die ihren Firmensitz und die Wohnanschrift auch von Regina in der Rheinstr. 26 hatte. In den folgenden Jahren wechselten allerdings möglicherweise die Mitglieder der Familie, die dort wohnten. Vor dem Haus wurden am 19. September 2022 Stolpersteine für Leo Bodenheimer, den Neffen von Berthold, und für dessen Mutter Regine Bodenheimer, geborene Bendheim und Ehefrau von Simon Bodenheimer, aber auch für Regina Haas verlegt.[19] Offenbar war das ihre letzte selbstbestimmte Wohnung in Darmstadt gewesen, die sie aber am Ende noch hatte verlassen müssen.

Sie gehörte zu den 161 Menschen, die am 25. März 1942 mit dem Transport ‚Da 14‘ aus Darmstadt in den Osten verschleppt wurden.[20] Schon seit dem Sommer des vergangenen Jahres waren die Vorbereitungen für die geplanten Deportationen im Gange und trotz aller Geheimhaltungsvorschriften waren die Gerüchte nicht verstummt, dass es bald soweit sein würde. Im August 1941 waren die Bürgermeister und Landräte aufgefordert worden, die jüdischen Einwohner in Judenhäusern bzw. Judenwohnungen zusammenzulegen. Zwei Wochen sollten ihnen bleiben, um ihre Wohnungen frei zu machen. Regina Haas war von dieser Umsiedlung damals nicht betroffen, weil sie bereits in einem Haus wohnte, das jetzt zu einem der Darmstädter Ghettohäuser bestimmt wurde. Aus einem Schreiben vom März 1941 geht hervor, dass sie damals in der Kahlertstr. 21 wohnte.[21] Es handelte sich dabei um eines der Darmstädter Ghettohäuser, wo sie zumindest zeitweise als Untermieterin bei Loeb gemeldet war. Aber schon bei der Volkszählung im Mai 1939 war sie mit dieser Anschrift registriert worden.[22]

Zwecks Organisation der Deportation war der Leiter der Darmstädter Gestapo Anfang März nach Berlin zu Eichmann beordert worden, um sich dort entsprechend instruieren zu lassen. Nicht die alten und arbeitsunfähigen Jüdinnen und Juden sollten zuerst deportiert werden, sondern die jüngeren, die eigentlich noch für den Arbeitseinsatz vor Ort gebraucht wurden, was auf ein gewisses Unverständnis stieß. Man versprach in Berlin aber, dass die Übrigen noch im Spätsommer oder Herbst folgen würden. Auch wurde noch einmal auf die strikte Einhaltung der Geheimhaltungsvorschrift hingewiesen. Die Wortwahl bei der bürokratischen Verarbeitung der Deportationen sollte mit Begriffen wie „ausgewandert“, „abgereist“, „unbekannt verzogen“ oder „abgereist ohne Angabe des Ziels“ kaschiert werden.
Die Gelisteten, denen man am Vorabend des Transports ein Ausgehverbot erteilt hatte, mussten am folgenden Morgen die üblichen Anweisungen der Gestapo zur Enteignung ihres noch vorhandenen Vermögens über sich ergehen lassen. Anschließend wurden sie in der Justus-Liebig-Oberrealschule, deren Lehrer und Schüler vom Unterricht freigestellt waren, zusammen mit denjenigen, die aus der Umgebung, aus insgesamt 40 Orten, ebenfalls von Darmstadt aus deportiert werden sollten, zusammengeführt, um dann am 25. die Fahrt ins Ungewisse anzutreten.

Der Zug, der wenige Tage zuvor mit Zwangsarbeitern aus dem polnischen Trawniki, in Darmstadt angekommen war, hatte eigentlich ein Fassungsvermögen für etwa 700 Personen, sollte aber auf seiner Rückfahrt bis auf 1000 angefüllt werden. Neben den ausgewählten Darmstädter Juden – die Jüdische Gemeinde hatte die Listen nach den entsprechenden Vorgaben aufzustellen – sollten auch Juden aus dem gesamten Volksstaat Hessen, aus Mainz und Rheinhessen mit diesem Transport „evakuiert“ werden, insgesamt waren es 411 männliche und 589 weibliche Personen, die mit diesem Transport am 27. März wieder den Bahnhof von Trawniki bei Lublin ansteuerten. Erst nach einem Fußmarsch von etwa 15 km erreichten sie ihr eigentliches Ziel: das Ghetto in Piaski.

Das dortige Ghetto war noch im selben Monat von den ursprünglich etwa 300 dort lebenden polnischen Juden frei gemacht worden. Frei gemacht bedeutet hier: Sie waren in das nahe gelegene Vernichtungslager Belzec verbracht und ermordet worden. In der Folgezeit wurde das Ghetto mit 4 000 aus verschiedenen Regionen des Altreichs eintreffenden Neuankömmlingen wieder angefüllt. Die Auskunft, sie sollten dort in Fabriken arbeiten, erwies sich schnell als Lüge. Es gab in Piaski keine Industrie. Was sollten sie an diesem Ort außer zu sterben? Das musste ihnen bald klar geworden sein. Es gab dort keine Arbeit, kaum eine Möglichkeit, um für die bescheidensten, zum Überleben notwendigen Nahrungsmittel zu sorgen. Allerdings war es teilweise möglich, den brieflichen Kontakt mit der Heimat aufrechtzuerhalten und Bittbriefe an die zurückgebliebenen Verwandten zu schicken. Und tatsächlich kamen auch Päckchen dort an.
Aber auch solche Zugeständnisse konnten die absolut unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto nicht entscheidend verbessern.[23] Wer nicht in den Wochen nach der Ankunft an Krankheit, Hunger oder Kälte umgekommen war, der fiel seiner Räumung im Juni 1942 zum Opfer. Erneut wurden die völlig entkräfteten Menschen unter Schlägen ukrainischer SS-Männer zum Bahnhof Trawikni getrieben, wo sie erneut einen Zug besteigen mussten. Er hielt auf einem Abstellgleis, von dem aus das Schild Sobibor zu lesen war. Wenige noch arbeitsfähige schickte man in eines der Zwangsarbeitslager in der Umgebung, die Übrigen starben in den gerade fertiggestellten Gaskammern von Sobibor. Wo genau Regina Haas ihr Leben verlor, ist nicht bekannt. Sie gilt als verschollen.[24]

Ein ähnliches Schicksal teilte ihre bisher in Wiesbaden lebende Halbschwester Karoline. Auch sie musste die letzten Monate vor ihrer Deportation in einem Judenhaus verbringen, und auch sie wurde in einem Lager in dem von Deutschland besetzten Polen ermordet.

Möglicherweise war sie, bevor sie nach Wiesbaden kam, auch an anderen Orten tätig, möglicherweise sogar, wie ihre Schwester, in Darmstadt. Vielleicht ist es kein Zufall, dass sie, aber auch der Neffe von Reginas Arbeitgeber, nämlich der ledige Bernhard Bodenheimer, Sohn von Karl und Reline Bodenheimer, ab 1936 in Wiesbaden lebte.[25] Allerdings gibt es keinen Hinweis darauf, dass sie für ihn tätig war. Erstmals ist ihr Name im Jüdischen Adressbuch von 1935 zu finden, was aber nicht ausschließt, dass sie schon wesentlich früher in die ehemalige Kurstadt gekommen war. Schon damals war ihre Anschrift die Rheinstr. 81. Die einzigen jüdischen Bewohner, die dort ebenfalls schon 1935 wohnten, waren die Eigentümerfamilie Rottenberg. Es liegt daher nahe, dass Karoline Haas zumindest anfangs, solange Rottenbergs sich ein Dienstmädchen leisten konnten, in deren Haushalt angestellt war.

Vermögensaufstellung von Karoline Haas
HHStAW 519/3 277 (3)

Ob sie später überhaupt noch auf Dauer in irgendjemandes Dienst stand, ist eher fraglich. Als sich Anfang des Jahres 1940 die Devisenstelle einen Überblick über die Einkommens- und Vermögensverhältnisse von Karoline Haas verschaffen wollte und sie aufforderte, ihr eine entsprechende Aufstellung auf einem vorgegebenen Formular zu übermitteln, gab sie an, weder über ein Vermögen noch über ein Einkommen zu verfügen. Einzig die Hälfte des Erlöses vom Verkauf des Elternhauses in Neustadt im Werte von etwa 2.000 RM stehe ihr zu.[26] Wie sie in einem gesonderten Schreiben erläuterte, hatte der Käufer das Geld allerdings noch nicht gezahlt und zudem schulde sie davon der Wohlfahrt der Stadt Wiesbaden die Summe von 1.600 RM, für Unterstützungsleistungen, die sie in den vergangenen Jahren beansprucht hatte. Sie bestreite auch jetzt ihren bescheidenen Lebensunterhalt durch Stundenarbeit und bewohne in der Rheinstar. 81 ein kleines Mansardenzimmer, für das sie 10 RM im Monat zahlen müsse.[27] Demnach hatte sie auch in den vergangenen Jahren keine feste Anstellung, auch keine bei Rottenbergs, mehr gehabt.

Der Verkauf des Elternhauses in Neustadt
HHStAW 519/3 277 (6)

Es dauerte aber noch länger als ein Jahr, bis das Grundstück in Neustadt, genauer gesagt handelte es sich um zwei unmittelbar nebeneinander gelegene Grundstücke, verkauft werden konnte. Laut einem Schreiben der Devisenstelle vom März 1941 wurde am 7. Januar 1941 ein neuer Vertrag aufgesetzt, in dem nun nur noch ein Preis von 3.100 RM festgesetzt und in dieser Höhe vom Landrat genehmigt worden war. Der Erlös aus dem Verkauf stand den beiden Schwestern allerdings nicht zur Verfügung. Reginas Anteil war, wie üblich, auf ein gesichertes Konto eingezahlt worden,[28] die 1.550 RM für Karoline wurden unmittelbar an das Fürsorgeamt der Stadt Wiesbaden abgeführt.[29]

Länger als ein Jahr musste Karoline Haas noch in diesen äußerst prekären finanziellen Verhältnissen ihr Überleben organisieren. Vielleicht bot sich hin und wieder die Gelegenheit, mit Putzdiensten oder Näharbeiten ein paar Reichsmark zu verdienen, aber faktisch war ihr Leben schon zu Ende, bevor sie dann ermordet wurde.

Auf der letzten Seite ihrer Devisenakte heißt es lapidar am 14. Juli 1942 in einer Anweisung an die Registratur: „‘Evakuiert‘ auf Karteikarte vermerken. (…) Die Sicherungsanordnung ist erledigt. Akte weglegen.“[30]
Karoline Haas war am 10. Juni 1942 mit dem ersten großen Transport arbeitsfähiger Jüdinnen und Juden von Wiesbaden über Lublin nach Sobibor deportiert worden, wo allerdings keine Arbeit auf sie wartete. Vermutlich wurde sie mit den meisten ihrer Leidensgenossen bzw. -genossinnen unmittelbar nach der Ankunft in den dortigen Gaskammern ermordet.

Auch Karolines Bruder Moritz fiel mit seiner Frau und einigen von deren Verwandten dem Holocaust zum Opfer. Moritz hatte Neustadt schon 1909 verlassen, um nach Beerfelden zu ziehen, wo er seine zukünftige Lebenspartnerin Min(n)a Sondheimer gefunden hatte. Sie war dort am 10. Dezember 1883 als Tochter von Isaak III und Hannchen Sondheimer, geborene Rosenthal,[31] zur Welt gekommen. Da auch Sondheimers eine in Beerfelden alteingesessene Viehhandlung besaßen, der Ort zudem nur etwa 30 Kilometer südlich von Neustadt liegt, war ein Kontakt der beiden Familien vermutlich schon seit Langem vorhanden.

Moritz Haas sucht für seinen Sohn Max im ‚Israelit‘ eine Lehrstelle

Am 21. März 1909 fand in Beerfelden die Trauung statt und schon am 19. Dezember 1909 wurde ihnen ihr einziges Kind, der Sohn Max, geboren.[32]
Das Paar lebte in einem eigenen Haus in der Hirschhornstr. 32. Über die Umsätze und Einkünfte des Handelsbetriebs auch in den Jahren vor 1933 lagen bereits im späteren Entschädigungsverfahren keine Informationen vor, aber man ging damals davon aus, dass die Familie in Verhältnissen lebte, die denen eines Beamten im mittleren Dienst entsprachen. Man schätzte, dass sein jährliches Einkommen bei etwa 4.000 RM lag.[33]

Beerfelden war seit der frühen Neuzeit ein wichtiger Umschlagplatz für Vieh aus dem gesamten Odenwald gewesen, der Händler aus Orten, von weit außerhalb der Region anzog, darunter auch viele jüdische Viehhändler.[34] Sie hatten sogar eine solche Bedeutung, dass man die Markttage nach deren Feiertagen ausrichtete. Zwar verlor die Gemeinde ihre diesbezügliche Bedeutung mit dem Bau der Eisenbahn, die an Beerfelden vorbeiführte. Die Einwohnerschaft ging zwischen 1860 und 1910 – ähnlich wie in Neustadt – um etwa ein Drittel zurück, aber die große Zahl jüdischer Händler, zumeist ursprünglich Viehhändler, war zunächst geblieben, musste aber ihr Angebot erweitern. Manche eröffneten zusätzlich Metzgereien, andere nahmen auch andere Landprodukte in ihr Angebot auf und der eine oder andere wechselte sogar in die Textilbranche und verkaufte Tuche und Kleidung über den ambulanten Handel in den umgebenden Orten. Aber auch hier verließen viele ihre Heimat, um in Amerika ihr Glück zu versuchen.
Abgesehen von den wirtschaftlichen Motiven spielten bei einer so weittragenden Entscheidung auch politische Gründe eine Rolle. Gerade auch in Beerfelden machte die wachsende antisemitische Stimmung den Juden zunehmend das Leben schwer. Schon im 19. Jahrhundert hatten Mitbürger und Obrigkeit den Juden dort zugesetzt: Mal wurden willkürliche Sonderregelungen für sie geschaffen, mal wurden ihre Fensterscheiben eingeworfen. Auf den Märkten wurden sie auch mit Gewalt attackiert, auch mit Messern und Schusswaffen. Eher harmlose Neckereien, wie sie Juden schon seit ewigen Zeiten überall in der Welt über sich ergehen lassen mussten, waren dabei noch das Geringste. Auch nach der rechtlichen Gleichstellung, die mit der Gründung des Deutschen Reiches 1971 formal endgültig durchgesetzt wurde, änderte sich ihre Situation im Alltag von Beerfelden nur wenig. [35]

Auch in den Anfangsjahren der Weimarer Republik wurde in Vereinen und den lokalen Zeitungen gegen sie gehetzt und im Gefolge der Nachkriegsinflation kam es zu ersten offenen Boykottaufrufen und sogar erneut zu Gewaltakten. Schon 1924 gründete sich in Beerfelden eine Vorläuferorganisation der NSDAP.
Als dieser dann 1933 die Macht in ganz Deutschland zufiel, gehörte Beerfelden zu den ersten Städten, in denen man die Hakenkreuzfahne vor dem Rathaus hisste, um deutlich zu machen, dass man sich „dem neuen Staat angeschlossen“ habe, wie der Bürgermeister stolz verkündete. Zweidrittel der Bevölkerung hatten schon bei der Wahl 1933 für die NSDAP gestimmt. Noch im Sommer 1933 wurde eine Straße zu Ehren des Gauleiters Sprenger umbenannt.[36]

In diesem Umfeld gab es für einen jüdischen Viehhändler keine Chance, seinen Betrieb auf Dauer aufrechtzuerhalten. Bauern, die weiterhin Geschäfte mit Juden machen wollten, wurde angedroht, sie dürften den Dorfbullen und die öffentliche Waage nicht mehr nutzen. Immer mehr Juden gaben auf und meldeten ihr Gewerbe ab, bevor sie durch amtliche Maßnahmen dazu gezwungen wurden.
Angesichts der zunehmend schwierigen wirtschaftlichen Lage hatte Moritz Haas bereits zum Jahresende 1927 zu seinem Viehhandel den mit Häuten und Fellen angemeldet. Im Mai 1932 versuchte er sein Geschäft einerseits durch den Verkauf von Schuhen auf Provisionsbasis und andererseits durch den von Wurstwaren zu erweitern.[37] Zwar ist nicht überliefert, ob er damit Erfolg hatte, was eher unwahrscheinlich ist, aber am 17. März 1938 wurde sein Viehhandel nach Mitteilung des Viehwirtschaftsverbandes „von Amtswegen“ abgemeldet. Die Stadt Beerfelden gab im Entschädigungsverfahren die Auskunft, der Viehhandel sei schon zuvor weitgehend zum Ende gekommen und habe sich nur noch auf Ziegen beschränkt.[38] Etwa ein halbes Jahr später wurde das Verbot auf die übrigen Gewerbezweige wie dem Handel mit Mehl, Kleie, Futterartikeln, Sämereien, Häuten, Fellen und Schuhen ausgedehnt.[39] Spätestens ab diesem Zeitpunkt musste die Familie von Ersparnissen aus der Vergangenheit leben.

Ihr Sohn Max gehörte damals schon lange nicht mehr zu den Kostgängern der Eltern. Wie er in einer im Februar 1959 für das Entschädigungsverfahren eingereichten eidesstattlichen Erklärung angab,[40] hatte er nach dem Besuch der Volksschule in Beerfelden zwischen 1916 und 1924 im väterlichen Geschäft mitgearbeitet. Nebenbei besuchte er verschiedene Aufbaukurse, um sich als Kaufmann auszubilden. 1928 erhielt er eine Anstellung bei der Wöllsteiner Firma ‚Bernhard May & Söhne‘, die ebenfalls mit Landprodukten, wie Früchten und Futtermittel, handelte. Noch 1933 machte er den riskanten Schritt in die Selbstständigkeit als Viehhändler in Beerfelden, allerdings agierte er nur als Kommissionär für eine Firma aus dem fränkischen Krumbach. Nach seinen Angaben verdiente er damals immerhin noch 200 bis 250 RM im Monat.[41] Aber 1935 gab er auf und bereitete seine Ausreise aus Deutschland vor.

Einbürgerungsantrag von Max Haas
https://www.ancestry.de/search/collections/2499/records/3756024

Am 5. März 1936 kam er von Hamburg aus auf dem Schiff ‚SS Washington‘ in New York an.[42] Wie für viele andere Flüchtlinge auch, begann für ihn zunächst eine schwere Zeit, in der er sich mit verschiedenen Hilfsarbeiten über Wasser hielt. Erst später fand er als Metzger – einen Beruf, den er auch 50er Jahren noch ausübte – eine feste Anstellung, die ihm einen gesicherten Lebensunterhalt gewährte.
Während seiner Militärzeit in der amerikanischen Army wurde ihm das Bürgerrecht der USA zuerkannt.[43] Am 29. März 1943 heiratete er in New York die am 20. August 1919 geborene, deutschstämmige Ruth Lieber.[44] Sie hatte zuvor in London gewohnt und war Ende Oktober 1940 von Glasgow aus in die USA eingewandert.[45] Dort waren in der Folgezeit, 1947 und 1948, ihre beiden Söhne Michael und Allen geboren worden.[46]
Ruth Haas verstarb bereits im Alter von nur 46 Jahren am 16. Oktober 1965 in Bergenfield / New Jersey.[47] Irgendwann danach verzog Max an die Westküste, vielleicht in die Nähe eines seiner Kinder. Er verstarb am 18. Juli 1996 in Kalifornien.[48]

Seit seiner Flucht hatten sich die Verhältnisse in Beerfelden für die dort noch lebenden Juden weiter verschlimmert. Einzelne wurden aus belanglosen Gründen verhaftet und misshandelt, alle bekamen die Einschränkungen ihrer Wirtschaftstätigkeit zu spüren, die von den örtlichen Behörden mit Vehemenz durchgesetzt wurden. [49]
Die Reichspogromnacht von 1938 hatte schon 1934 ein Vorspiel gehabt, als Männer vom nahen Lager der ‚Arbeitsfront‘ damals in das Gebäude eindrangen und die heiligen Schriften und andere Kultgegenstände aus dem Fenster warfen. Kurz darauf wurden die Fenster des Gotteshauses eingeworfen. Endgültig zerstört wurde die Synagoge dann am 10. November 1938. Zwar kam es nicht zur geplanten Sprengung, aber mit einem Bulldozer wurden die Balken herausgerissen, sodass das Gebäude nur noch als Torso die Zeit überstand. Auch vor dem Friedhof machte die Meute nicht Halt, Grabsteine wurden umgeworfen und die Trauerhalle schwer beschädigt. Mit der sogenannten „Sühneleistung“, einer kollektiven Sondersteuer für Juden, sollten diese für die entstandenen Schäden aufkommen. Auch Moritz und Minna Haas war ein Betrag von insgesamt 1.250 RM auferlegt worden.[50] Zwei Todesfälle haben sich im Zusammenhang mit diesen Ereignissen während der „Kristallnacht“ in Beerfelden zugetragen. Wer konnte, verließ noch die Stadt. Diejenigen, die blieben, mussten ihre Häuser oder Wohnungen verlassen und wurden gezwungen, sich in dem in der heutigen Gammelsbacher Str. 12 eingerichteten Judenhaus einzuquartieren.[51] 1940 wurden alle Jüdinnen und Juden mit Lichtbild erfasst, womit die Vorbereitungen für die geplanten Deportationen abgeschlossen waren.

Am 24. März 1942 mussten sie Beerfelden verlassen. Ein Zug brachte sie nach Darmstadt, wo sie in der zum Sammellager umfunktionierten Justus-Liebig-Schule wahrscheinlich auf ihre Halbschwester bzw. Schwägerin Regina Haas trafen. So konnten sie immerhin gemeinsam den Weg in das Ghetto Piaski antreten.[52] Wann und unter welchen Umständen Minna und Moritz Haas dort oder in einem der Vernichtungslager ums Leben kamen, ist nicht bekannt. Als ihr Todestag wurde amtlich der 22. Oktober 1942 festgesetzt.[53]

Adolph Haas war das einzige der drei Kinder, die in der Ehe von Feist Haas mit Karoline Kleeblatt geboren worden waren, das den Rassenwahn der Nazis überlebte. Aber auch das kann nur ein kleiner Trost sein, denn nur wenige Wochen nach der Niederlage der Deutschen, verstarb er in seinem Exil in Palästina.

Auch er hatte seine Heimatstadt verlassen und war zu einem nicht bekannten Zeitpunkt nach Michelstadt im Odenwald gezogen. Vermutlich geschah das, nachdem er sich am 5. Juni 1904 in Hetschbach bei Höchst im Odenwald mit der von dort stammenden Näherin Rebecka Kahn verheiratet hatte. Auch sie, geboren am 31. Juli 1874, war die Tochter eines Viehhändlers.[54]
In der Ehe wurden in den folgenden Jahren drei Kinder geboren. Klara, die älteste, kam am 7. Juni 1905 zur Welt. Ihr folgte zunächst der Sohn Julius am 12. Januar 1907 und zum Schluss wieder eine Tochter, die den Namen Ruth erhielt.[55] Seine Frau verstarb im Alter von nur 50 Jahren am 19. Dezember 1924.[56] Die Zeit der Verfolgung blieb ihr somit erspart.

Abgesehen von der Urkunde über seine Eheschließung liegen keine weiteren Informationen über ihn aus der Zeit vor der nationalsozialistischen Herrschaft vor. In Höchst i. O. führte er gemäß der Familientradition ein Geschäft mit Landesprodukten, in der ersten Zeit noch als reisender Kaufmann, später von einem festen Geschäftslokal in der Umstädter Str. 24 aus.[57]

Auch hier ließ sich nicht mehr feststellen, wie ertragreich dieser Handel gewesen war. Die Kinder gaben im späteren Entschädigungsverfahren an, dass man in der Zeit vor der Verfolgung mindestens ein Jahreseinkommen von 6.000 RM erwirtschaftet habe.[58] Die wenigen Zahlen des Finanzamts bestätigten diese Vermutung nicht. In den beiden Jahren 1928 und 1929, also unmittelbar vor der Weltwirtschaftskrise, wurden jeweils Einnahmen von weniger als 1.500 RM versteuert. Dass im Entschädigungsverfahren dennoch ein Einkommen von etwa 4.000 RM zugrunde gelegt wurde, ist angesichts des sonst üblichen Herunterrechnens von Ausgleichszahlungen für die Opfer geradezu bemerkenswert.[59] 1929 wurde das Geschäft auf die älteste Tochter überschrieben, was aber faktisch nichts änderte, da der Vater weiterhin die Firma leitete und auch über deren Erträge verfügte. Mit dem beginnenden Boykott 1933 stand das bereits kriselnde Geschäft schon bald vor dem endgültigen Aus. Am 21. März 1934 wurde es dann abgemeldet.[60]

Damit begann eine weitere Phase seiner Leidensgeschichte. Am 13. Juni 1938, also noch vor der Pogromnacht, wurde er verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verbracht.[61] Ursprünglich war er von der Gestapo Frankfurt für einen Transport am 12. November 1938, also nach der „Kristallnacht“, vorgesehen. Man hatte wohl geplant, ihn, wie so viele andere männliche Juden in Deutschland, im Rahmen dieser Aktion zu verhaften. Offenbar war der Polizei aber entgangen, dass er bereits inhaftiert war.[62].

Aufenthaltsschein von Adolph Haas mit der Abmeldung aus Höchst i.O.
HHStAW 518 39597 (7).

Die Dauer seiner Inhaftierung konnte nicht mit letzter Sicherheit geklärt werden. Ein Mitgefangener meinte, Adolph Haas sei Anfang August 1939 entlassen worden. Präziseren Angaben zufolge soll das am 10. August geschehen sein.[63] Er hätte dann mehr als ein Jahr im Konzentrationslager zugebracht. Laut einem Schreiben seiner Heimatgemeinde kehrte er nach seiner Entlassung nicht mehr nach Höchst zurück, sondern zog nach Frankfurt in den Großen Wollgraben, wohin er sich schon am 11. Januar 1939 aus Höchst abgemeldet haben soll.[64] Das wäre dann während seiner Haftzeit geschehen, was als eher unwahrscheinlich angesehen werden muss. Die Entschädigungsbehörde ging nach einigen Recherchen – die Aussage des Mitgefangenen spielte dabei eine wichtige Rolle – vom 10. August 1939 als Entlassungsdatum aus. Am 2. August 1939 hatte er – auch das dann noch während seiner Inhaftierung – vom ‚Palästina Amt‘ der ‚Jewish Agency‘ die Mitteilung erhalten, dass die Schiffskarten für die Ausreise nach Palästina für ihn bereitliegen würden und er diese am folgenden Tag in Empfang nehmen solle.[65] Er hätte also kaum mehr Zeit gehabt, sich noch einmal in Frankfurt niederzulassen, schon gar nicht, um dort noch einmal die Wohnung zu wechseln, denn als seine letzte Adresse dort ist der Dominikanerplatz 10 verzeichnet.[66] Das Schreiben seines Rechtsanwalts im Entschädigungsverfahren deutet ebenfalls darauf hin, dass er bereits früher aus der Haft entlassen worden war. Am 2. April 1959 schrieb dieser, Adolph Haas habe in Frankfurt keinen neuen Wohnsitz begründen wollen, sondern sich dort „lediglich einige Monate zur Vorbereitung seiner Auswanderung“ aufgehalten.[67] Nur schwer in Einklang zu bringen sind die Haftzeit bis August 1939 einerseits und die Niederlassung in Frankfurt bereits im Januar 1939 andererseits. Nicht ausgeschlossen ist daher auch eine Freilassung bereits im September 1938.[68]

Adolph Haas in Israel
HHStAW 518 39597 (o.P.)

Sicher ist hingegen, dass er am 14. August 1939 dann auf dem Schiff פלשתינה in Palästina anlandete.[69] Dort ließ er sich in der Stadt Petah Tiqva in der Nähe von Tel Aviv nieder. Arbeit fand er dort nicht mehr. Er war aufgrund seines KZ-Aufenthalts und seines Alters vermutlich nicht mehr in der Lage, auf dem ohnehin schwierigen palästinensischen Arbeitsmarkt eine Anstellung zu finden. So war er nach seiner Ankunft auf die Unterstützung seines Sohnes Julius angewiesen, der seit etwa drei Jahren dort ebenfalls in äußerst prekären Verhältnissen lebte. Am 29. Juli 1945 verstarb Adolph Haas in Pardess Hanna.[70]

Julius war das erste der Kinder von Adolph und Rebecka Haas, das Deutschland mangels einer Lebensperspektive in diesem faschistischen Staat verlassen hatte.[71] Nach dem Besuch der Volksschule hatte er eine dreijährige Lehre in der ‚Herrenkleiderfabrik Seligmann & Co.‘ in Frankfurt absolviert und war anschließend bis 1931 als Verkäufer im Textilgeschäft ‚Hermann Hirschen‘ in Offenbach / Main tätig. Im genannten Jahr kam er dann wieder in seine Heimatstadt Höchst zurück, um sich hier selbstständig zu machen. Sein Vater hatte ihm damals das angeblich völlig überschuldete elterliche Haus überschrieben.[72] Dennoch muss man annehmen, dass der Eintritt in die Selbständigkeit in diesen schweren Krisenjahren kaum freiwillig geschah, er vermutlich seine bisherige Anstellung verloren und sich deshalb zu dieser beruflichen Veränderung entschlossen hatte. Zwar gab er im Entschädigungsverfahren an, dass sich sein Geschäft sehr gut entwickelt habe und er schon im Jahr 1932 ein Einkommen von etwa 6.000 RM erwirtschaftet habe.[73] In seinem Haus in Höchst gab es allerdings kein Ladengeschäft, sodass er als ambulanter Händler durch die umliegenden Orte gezogen sein muss, was wiederum bei der Entschädigungsbehörde Anlass für Zweifel an dem angegebenen Einkommen begründete. Nach der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten sah Julius sich gezwungen, sein Geschäft wieder aufzugeben, auch weil er in verschiedenen Orten immer wieder von Nazis belästigt worden sei. Schon damals entschloss er sich zur Auswanderung nach Palästina. Mit einer zusätzlichen landwirtschaftlichen Ausbildung auf eigene Kosten bereitete er sich in einem bayerischen Umschichtungszentrum in der Nähe von Bamberg intensiv auf seine Alija vor. 1936 – er verließ Deutschland, ohne sich abzumelden – traf er dann in Palästina ein.[74] Dort nahm er den zusätzlichen Namen Jizhak an.
Er war zwar den Nazis entkommen, aber das Leben in seiner neuen Heimat war vermutlich schwerer als erwartet. In dem Krankenbericht eines israelischen Arztes hieß es: „In schwer deprimiertem Zustand und arm an Mitteln kam er in Haifa an, wo er im heissen Klima als Bauarbeiter in einem völlig ungewohnten sehr schweren Beruf ein Jahr tätig war. Dann war er Schlachthofarbeiter in Tel Aviv, später oft arbeitslos oder Gelegenheitsarbeiter in Orangenpflanzungen. In den letzten Jahren war er Verkäufer und Abteilungsleiter im Konsumverein.“[75] Das waren aber nicht alle Tätigkeiten, die er damals angenommen hatte. Aus anderen Quellen geht hervor, dass er zeitweise auch einen Blumenstand führte, als Gärtner arbeitete und in einem britischen Militärlager als Filmvorführer sein Geld verdiente. Oft übte er diese Tätigkeiten als „Schwarzarbeiter“ aus. Erst 1948 wurde bei der palästinensischen Finanzverwaltung für ihn ein Einkommen registriert.[76] Nach einem Schlaganfall konnte er dann keine schweren Arbeiten mehr ausführen, erhielt dafür aber eine halbtägige Anstellung als Hilfsbeamter in Pardess Channa, wo er sich 1940 niedergelassen hatte.[77]

Eheschließung von Julius Haas und Lilli Burger
HHStAW 518 60294 IV (38)

Bereits kurze Zeit nach seiner Ankunft in Palästina bzw. Israel hatte er am 4. April 1936 die Schneiderin Lilli Rifka Burger geheiratet. Sie war die am 10. April 1911 in Kriegshaber bei Augsburg geborene Tochter von Ernst Menachem und Reisa / Rosa Burger, geborene Wolf.[78] Seine schwierige wirtschaftliche Situation wurde auch dadurch noch verschärft, dass Julius auch für seine Schwiegermutter sorgen musste, die ebenfalls mit in ihrem Haushalt lebte. Aus seinem späteren Testament geht hervor, dass in seiner Ehe um 1939 auch eine Tochter Riwka geboren wurde,[79] die bei seinem Ableben bereits verheiratet war und im Kibbuz Enat lebte.[80]

Zeitlebens litt er an verschiedenen Gebrechen, die er auch auf die Zeit der Verfolgung und auf das Schicksal seiner Familie unter den Nazis zurückführte. Am 4. Mai 1978 verstarb er in Kfar Saba, wohnte aber bis zuletzt in Pardess Channa.[81] Seine Frau verstarb ebenfalls in Kfar Saba am 10. März 1982.[82]

Nach ihrem Bruder, aber noch vor ihrem Vater waren die beiden Schwestern aus Deutschland geflohen. Zunächst entschied sich die jüngere der beiden zu diesem Schritt. Wohl schon im Hinblick auf die Auswanderung ging Rosa Ruth am 7. Mai 1937 in Frankfurt eine Ehe mit Paul Schirling ein, dem am 11. Juli 1909 in Seligenstadt geborenen Sohn von Louis und Mathilde Schirling, geborene Klöpfer.[83] Am 8. September 1937 stachen sie von Hamburg aus in See und erreichten am 14. den Hafen von New York, wo sie schnell Arbeit fanden und sich dann auch dort niederließen.[84] Bei der Volkszählung im Jahr 1950 gaben sie an, einen Sohn Peter im Alter von sechs und eine Tochter im Alter von zwei Jahren zu haben. Vermutlich hatte die Mutter deshalb inzwischen ihre Arbeit aufgegeben, denn sie bezeichnete sich jetzt als Hausfrau. Offenbar genügte das Einkommen von Paul Schirling als Maschinist und Werkzeugmacher, um die Familie auch in der Metropole New York zu ernähren.[85]

Kurz nachdem ihre Schwester in Amerika angekommen war, heiratete die ältere Klara am 23. September 1937 in ihrem Heimatort den aus dem polnischen Woischnik stammenden Metzger Herbert Lomnitzer, der dort am 23. März 1906 zur Welt gekommen war, aber inzwischen ebenfalls mit seinen Eltern in Höchst lebte.[86] Zusammen wanderten die beiden Ende Februar 1938 ebenfalls von Hamburg aus auf dem Schiff ‚President Harding‘ in die USA aus, wo sie von Ruth und ihrem Mann erwartet wurden.[87] Zumindest 1950 wohnten die Schwestern mit ihren Partnern noch zusammen in einer Wohnung in New York. Herbert Lomnitzer hatte dort als Metzger und Klara  als Haushaltshilfe eine Anstellung gefunden. Kinder sind den beiden aber nicht mehr geboren worden.

Grab von Klara und Herbert Lomnitzer
https://de.findagrave.com/memorial/280998024/clara-lomnitzer#view-photo=314557033

Herbert Lomnitzer verstarb am 5. März 1990, seine Frau am 29. April 1995. Begraben wurden die beiden in South Brunswick in New Jersey.[88]
Etwa ein halbes Jahr nach Klara verstarb am 1. Dezember 1995 auch ihr Schwager Paul Schirling. Ruth überlebte ihre Schwester um fast zehn Jahre. Die 91-Jährige wurde nach ihrem Tod am 29. März 2004, wie auch zuvor schon ihr Ehemann, auf dem gleichen Friedhof zu Grabe getragen wie ihre Schwester und deren Mann.[89]

 

Veröffentlicht: 25. 10. 2025

 

 

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Anmerkungen:

 

[1] Im Band 3 der vom Aktiven Museum Spiegelgasse herausgegebenen Stolpersteinbücher, in dem über sie ein kurzer Artikel veröffentlicht wurde, heißt es auf S. 110, „es sei anzunehmen, dass sie von 1924 an bis etwa 1934 als ‚Kochfrau‘ oder Köchin in einem Haushalt angestellt war und in der Neugasse 11 wohnte. Als ‚Hausangestellte und Köchin‘ ist als Wohnanschrift ab 1935 die Rheinstraße 81 vermerkt.“ Diese Vermutung ist eher willkürlich und offensichtlich falsch. In den Bänden des Wiesbadener Adressbuchs von 1924 an ist zwar eine Katharina, keine Karoline (!) Haas mit zunächst der Adresse Neugasse 11, später Neugasse 19 aufgeführt. Es könnte sich zwar um Karoline Haas aus Neustadt handeln, denn sie wurde häufig auch als Käthchen bezeichnet, allerdings wohnte die Katharina, anders als es in dem Artikel heißt, laut Wiesbadener Adressbuch auch 1938 noch in der Neugasse 19 und nicht in der Rheinstr. 81. Diese Adresse ist ausschließlich im Jüdischen Adressbuch von 1935 aufgeführt und hier für Karoline Haas. Eine Identität der beiden ist daher mehr als unwahrscheinlich.
Nicht richtig ist auch die Angabe, Feist Haas, der Vater von Karoline, sei Ende 1920 verstorben. Er verstarb, wie aus dem Registereintrag eindeutig hervorgeht, am 22.10.1914 in Neustadt, siehe Sterberegister Neustadt 13 / 1914.

[2] Siehe zur Frühgeschichte der Stadt Weber, Entwicklung Neustadts, S.15-28.

[3] Der erste Jude in Neustadt wurde im Jahr 1437 namentlich erwähnt, siehe Geibel, Juden in Neustadt, S. 137. Siehe zur Bedeutung der dortigen Judenschaft auch im Folgenden den gesamten Artikel, ebd. S. 136-165, auf den auch hier Bezug genommen wird.

[4] Ebd. S. 148-153.

[5] https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/xsrec/current/2/sn/syn?q=YToxOntzOjY6InBlcnNvbiI7czoxMzoiSGFhcywgRmFtaWxpZSI7fQ==. (Zugriff 25.10.2025).

[6] https://www.alemannia-judaica.de/neustadt_odenwald_synagoge.htm. (Zugriff 25.10.2025).

[7] Sterberegister Neustadt 13 / 1914 und Sterberegister Neustadt 12 / 1888.

[8] Funck, Neustädter Häuser, S. 265.

[9] Ebd. S. 254.

[10] Geburtsregister Neustadt 3 / 1877.

[11] Geburtsregister Neustadt 21 / 1878.

[12] Geburtsregister Neustadt 16 / 1880.

[13] Heiratsregister Neustadt 4 / 1882. Die Mutter von Jette war, wie die Mutter ihres Ehemanns, eine geborene Mai, also vermutlich ebenfalls miteinander verwandt. Die Heiratsurkunde hat als Trauzeuge neben dem Vater von Jette Mordechai Haas unterzeichnet, was zur Vermutung Anlass gibt, dass Feists Vater Mendel zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war und Mordechai möglicherweise sein Bruder war.

[14] Geburtsregister Neustadt 11 / 1883 und Geburtsregister Neustadt 7 / 1884.

[15] Sterberegister Neustadt 13 / 1914.

[16] https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsrec/current/5/sn/juf?q=Haas%2C+Jette. (Zugriff 25.10.2025).

[17] https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2084/Memmelsdorf%20Friedhof%20124.jpg. (Zugriff 25.10.2025). In https://de.findagrave.com/memorial/270293419/emil-haas (Zugriff 25.10.2025) ist fälschlicherweise sein Geburtsort mit Neustadt an der Aisch angegeben.

[18] Siehe zur Familie Bodenheimer oben https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/bahnhofstr-46/bernhard-bodenheimer/. (Zugriff 25.10.2025).

[19] https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3f/Stolpersteinlage%2C_1%2C_Rheinstra%C3%9Fe_26%2C_Darmstadt.jpg. (Zugriff 25.10.2025).

[20] Zu dieser Deportation vom 25. März 1942 und zum Ghetto Piaski siehe Gottwaldt / Schulle, Judendeportationen, S. 186 f. und umfassend Kingreen, Deportation der Juden aus Hessen, S. 295-321.

[21] HHStAW 519/3 277 (6).

[22] https://www.mappingthelives.org/bio/802c0cd2-263c-4a6d-97aa-c2e095f5b0c4?restrict_to_map_bounds=false&coordinates_show_all=false&forename=Regina&surname=Haas&res_single_fd=false&birth_single_fd=false&death_single_fd=false&deportation_single_fd=false&emigration_single_fd=false&expulsion_single_fd=false&imprisonment_single_fd=false&lat=50.3061856&lon=12.3007083&zoom=6&map_agg=residence&language=de. (Zugriff 25.10.2025).

[23] Siehe dazu Kingreen, Deportation der Juden aus Hessen, S. 314-321

[24] https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de834502. (Zugriff 25.10.2025).

[25] Zu Bernhard Bodenheimer, der zuletzt im Wiesbadener Judenhaus Bahnhofstr. 46 wohnte und von dort am 23.5.1942 nach Izbica deportiert wurde, siehe oben.

[26] HHStAW 519/3 277 (3).)

[27] Ebd. (4).

[28][28] Neben ihrem Anteil am Elternhaus besaß Regina Haas auch noch einen Acker von etwa 500 qm, der nach ihrer Deportation vom Deutschen Reich eingezogen worden war und nach dem Krieg von einem Treuhänder verwaltet wurde. Eine Neustadter Witwe pachtete den Acker für 5 DM im Jahr. Siehe HHStAW 519/2 1858.

[29] Ebd. (6).

[30] Ebd.

[31] In einem Schreiben der Deutschen Bank vom 14.1.1947 heißt es ausdrücklich, ihr Name sei nicht Hannchen, sondern Handle, siehe HHStAW 518 24350 (20).

[32] HHStAW 518 24350 (14, 23) und Geburtsregister Beerfelden 62 / 1909.

[33] HHStAW 518 24350 (46).

[34] Siehe zur Geschichte der Juden in Beerfelden insgesamt Kaufmann, Beerfelder Juden, hier bes. S. 56-61 und S. 70-80.

[35] Ebd. S. 34.

[36] Ebd. S. 84..

[37] HHStAW 518 24350 (42).

[38] HHStAW 518 56782 (24).

[39] HHStAW 518 24350 (42).

[40] HHStAW 518 56782 (23).

[41] Ebd. (24). Der Magistrat der Stadt Beerfelden meinte im Entschädigungsverfahren allerdings, dass von „einem Geschäft nicht mehr gesprochen“ werden könne, da das Gewerbe nicht einmal angemeldet gewesen sei. Zum Einkommen von Max Haas konnte sich der Magistrat nicht äußern. Ein Nachbar bestätigte allerdings die Angaben von Max, ebd. (26). Im Verfahren wurden seine Angaben dann doch zur Grundlage einer angemessenen Entschädigung herangezogen.

[42] https://www.ancestry.de/search/collections/2499/records/3756024. (Zugriff 25.10.2025).

[43] https://www.ancestry.de/search/collections/2238/records/194398038. (Zugriff 25.10.2025). Er hatte damals einen Julius Rosenthal angegeben, der im Falle eines Unfalls benachrichtigt werden sollte. Diesen Julius Rosenthal bezeichnete er als seinen Freund, allerdings ist es nicht unwahrscheinlich, dass er ein Verwandter von ihm war, denn seine Tante Hannchen Sondheimer war eine geborene Rosenthal.

[44] https://www.ancestry.de/search/collections/61406/records/1799051 und https://www.ancestry.de/search/collections/61406/records/1804257. (Zugriff 25.10.2025).

[45] https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/2280/images/47294_302022005557_0670-00265?pId=6789519. (Zugriff 25.10.2025). Ihre Eltern waren Albert Lieber, geboren am 6.7.1876 in Bechtolsheim, und Berta Lieber, geborene Weil, geboren am 26.10.1886 in Berwangen. Beide wurden in Theresienstadt ermordet, Bertha am 21.8.1943, ihr Mann am 22.7.1944. Siehe https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/21968-berta-lieber/ und https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/21967-albert-lieber/. (Zugriff 25.10.2025).

[46] https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/62308/images/43290879-New_York-170117-0013?pId=294714073. (Zugriff 25.10.2025).

[47] https://www.ancestry.de/family-tree/person/tree/50314019/person/20301171893/facts. (Zugriff 25.10.2025).

[48] https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/62308/images/43290879-New_York-170117-0013?pId=294714073. (Zugriff 25.10.2025).

[49] Kaufmann, Beerfelder Juden, S. 90 f.

[50] HHStAW 518 24350 (59).

[51] Kaufmann, Beerfelder Juden, S. 91.

[52] Zu dem Transport siehe Kingreen, Deportation der Juden aus Hessen, S. 292-321.

[53] HHStAW 518 24350 (24, 32).

[54] Heiratsregister Hetschbach 2 / 1904. Ihre Eltern waren Moses und Sara Kahn, geborene Hermann. Die dortige jüdische Gemeinde wurde noch Ende des 19. Jahrhunderts aufgelöst und in die der Höchster Gemeinde integriert.

[55] Siehe zu allen drei Geburtsdaten HHStAW 518 39597 (o.P.).

[56] Ebd. (17).

[57] Ebd. (o.P.).

[58] Ebd. (o.P.).

[59] Ebd. (o.P.).

[60] Ebd. (o.P.).

[61] Ob diese Verhaftung mit einer ihm angelasteten Brandstiftung der Verkaufshalle seines ehemaligen Geschäfts in Höchst im Zusammenhang stand, ist unklar. Siehe HHStAW 518 39597 (16). Sein Sohn gab später an, sein Vater sei schon 1933 erstmals inhaftiert worden. Über die näheren Umstände machte er keine Angaben. Die Information stammt zudem aus zweiter Hand, ist nur in einem Bericht seines Arztes aus dem Jahr 1958 erwähnt, insofern eher unsicher. Siehe HHStAW 518 60294 I (80). Allerdings ist diese Verhaftung auch in ‚Mapping the Lives‘ aufgeführt. Demnach soll er vom 27.8.1933 bis zum 27.9.1933 im Konzentrationslager Osthofen gewesen sein. Aber auch hier ist keine Quelle angegeben. Nicht nur deshalb muss die Angabe kritisch gesehen werden, denn dort heißt es weiter, er sei am 31.12.1938 nach England emigriert, was definitiv falsch ist. Siehe https://www.mappingthelives.org/bio/d75281af-1a6a-430b-964d-b7b44cbbc514?restrict_to_map_bounds=false&coordinates_show_all=false&forename=Adolf&surname=Haas&res_single_fd=false&birth_single_fd=false&death_single_fd=false&deportation_single_fd=false&emigration_single_fd=false&expulsion_single_fd=false&imprisonment_single_fd=false&lat=50.3061856&lon=12.3007083&zoom=6&map_agg=residence&language=de. (Zugriff 25.10.2025).

[62] HHStAW 518 39597 (9).

[63] Ebd. (13, o.P.).

[64] Ebd. (3, 7). Später muss er noch an den Dominikanerplatz 10 verzogen sein, siehe ebd. (11).

[65] Ebd. (10).

[66] Ebd. (11) und https://collections-server.arolsen-archives.org/G/wartime/02010101/0563/1349349/001.jpg. (Zugriff 25.10.2025).

[67] Ebd. (o.P.).

[68] Laut der allerdings zumindest im Hinblick auf seine Person wenig sicheren Angabe bei ‚Mapping the Lives‘ wurde er bereits am 11.9.1918 wieder aus Sachsenhausen entlassen. Siehe https://www.mappingthelives.org/bio/d75281af-1a6a-430b-964d-b7b44cbbc514?restrict_to_map_bounds=false&coordinates_show_all=false&forename=Adolf&surname=Haas&res_single_fd=false&birth_single_fd=false&death_single_fd=false&deportation_single_fd=false&emigration_single_fd=false&expulsion_single_fd=false&imprisonment_single_fd=false&lat=50.3061856&lon=12.3007083&zoom=6&map_agg=residence&language=de. (Zugriff 25.10.2025).

[69] Ebd. (o.P.). Das Datum 14. August wurde von seinem Anwalt als Tag der Ausreise genannt, nach israelischen Angaben wurde an diesem Tag aber ebenfalls seine Ankunft in Palästina registriert, siehe https://www.myheritage.de/research/collection-11018/israel-einwanderungslisten?itemId=121788-&action=showRecord&recordTitle=%D7%90%D7%93%D7%95%D7%9C%D7%A3+%D7%94%D7%90%D7%A1. (Zugriff 25.10.2025).

[70] In einem Schreiben der örtlichen Behörden heißt es: „Mr. A. A. Haas has not been working or earning at all and was fully dependent on his son Mr. I. Haas during the all time of his living here.“ HHStAW 518 39597 (o.P.). Sein Todestag ist belegt in ebd. (60).

[71] Siehe zu seiner Biografie im Folgenden HHStAW 518 60294 I (6, 8).

[72] Ebd. I (45).

[73] Sichere Angaben dazu konnten im Entschädigungsverfahren nicht vorgelegt werden, da Akten des Finanzamts nicht mehr vorhanden waren. Die IHK des Kreises und auch die Entschädigungsbehörde bezweifelten die Angaben, mussten aber später doch zugestehen, dass ein solches Einkommen nicht unmöglich gewesen sein könnte. Siehe ebd. I (45, 46, 49, 58, 71).

[74] Ebd. I (6). In einem ärztlichen Bericht, ebd. (87), heißt es dagegen, er sei am 11. März 1935 dort angekommen. Das präzise Datum macht die Angabe im Prinzip glaubhaft, die unwahrscheinliche Jahresangabe könnte vielleicht durch einen Tippfehler verursacht sein. Die Gemeinde Höchst gab im Entschädigungsverfahren an, er sei ca. 1936/37 ohne polizeiliche Abmeldung von dort verzogen.

[75] Ebd. I (80).

[76] Ebd. I (9).

[77] Ebd. I (85).

[78] Ebd. IV (35, 37, 38). Kriegshaber ist heute ein Stadtteil von Augsburg. Dort hatte sich ein Großteil der Juden niedergelassen, als sie 1440 aus der Stadt selbst vertrieben wurden. Das Städtchen blieb auch in den folgenden Jahrhunderten das Zentrum der jüdischen Besiedlung in der Region. Im 18. Jahrhundert stellten die Juden mehr als 50 Prozent der dortigen Bevölkerung. Siehe https://hdbg.eu/juedisches_leben/gemeinde/augsburg-kriegshaber/56. (Zugriff 25.10.2025).

[79] Ebd. I (1, 12).

[80] Ebd. IV (57).

[81] Ebd. IV (39).

[82] Ebd. IV (102).

[83] https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/2280/images/47294_302022005557_0559-00547?pId=6685596. (Zugriff 25.10.2025).

[84] https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/7488/images/NYT715_6046-0482?pId=25496483. (Zugriff 25.10.2025).

[85] https://www.ancestry.de/imageviewer/collections/62308/images/43290879-New_York-089241-0011?pId=284484306. (Zugriff 25.10.2025).

[86] https://www.ancestry.de/search/collections/2280/records/6691389. (Zugriff 25.10.2025).

[87] https://www.ancestry.de/search/collections/7488/records/23931112. (Zugriff 25.10.2025).

[88] https://de.findagrave.com/memorial/280998036/herbert-lomnitzer und https://de.findagrave.com/memorial/280998024/clara-lomnitzer. (Zugriff 25.10.2025).

[89] https://www.ancestry.de/search/collections/60525/records/206645206?tid=151659950&pid=362424834358&ssrc=pt und https://de.findagrave.com/memorial/235465366/ruth-schirling. (Zugriff 25.10.2025).