Marianne und Bertha Nussbaum

Marianne und Bertha Nussbaum waren in das Haus eingezogen bevor es zum Judenhaus wurde. Sie waren nach Wiesbaden gekommen, weil das Leben in ihrer nordhessischen Heimat, dem kleinen Ort Neukirchen im ehemaligen Kreis Ziegenhain, wie in vielen anderen Landgemeinden für Juden immer unerträglicher wurde. Eigentlich gab es in Neukirchen eine lange Tradition jüdischen Lebens. Von 1900 bis 1933 lebten dort etwa 100 Menschen orthodoxen jüdischen Glaubens, die auch über die die örtlichen Vereine, wie Feuerwehr, Schützenverein oder  – am wichtigsten – dem Kriegerverein, somit auch über ihre Teilnahme am Ersten Weltkrieg, und über die vielfältigen wirtschaftlichen Verbindungen völlig in das örtliche Leben integriert waren.[1] Sie versorgten mit ihren Waren auch das Umland, inzwischen nicht mehr zu Fuß, sondern mit Fahrrad, Pferd und Wagen und einige sogar schon mit dem Auto. Ihre Wohn- und Geschäftshäuser in der Unter- und Obergasse bildeten quasi einen Ring um das örtliche Zentrum mit Marktplatz und Kirche.[2] „Man hatte sich eingerichtet in der scheinbar ‚heilen Welt’ eines Landstädtchens in der preußischen Provinz Hessen-Nassau.“[3]

Aber spätestens mit der Machtübertragung an die Nazis änderte sich auch hier alles – allerdings gebrochen durch Ungleichzeitigkeiten und Widersprüche. Manche hielten, obwohl sie die Nazi-Uniform trugen, an einer in der Jugend gewachsenen Freundschaft mit einem Juden fest. Die Mehrheit aber machte sich den neuen Zeitgeist zu Eigen. Die Wahlen vom März 1933 hatten der NSDAP einen Stimmenanteil von 88 % beschert.[4] Die Geschäfte der zumeist im Handel tätigen Juden gingen immer schlechter und nahezu alle verließen in den folgenden Jahren ihre Heimat. [5] Auch in der Reichspogromnacht verfolgten die Nazis in Neukirchen die bewährte Taktik, die darin bestand, gewaltsamen Übergriffe von einem aus anderen Orten zugeführten Mob ausgehen zu lassen, wodurch mögliche Skrupel auf Grund von persönlichen Beziehungen gar nicht erst aufkamen. Auch in Neukirchen kam es in diesen Tagen zu einer regelrechten Gewaltorgie.[6] Die auch danach und bis zuletzt verbliebenen neun jüdischen Einwohner wurden im Jahr 1942 deportiert und in den KZs ermordet.

Zu einer der großen, vielfach verzweigten und miteinander verschwägerten jüdischen Familien gehörten die Nussbums.[7] Allerdings spielten die unmittelbaren Vorfahren von Marianne und Bertha Nussbaum offensichtlich kaum eine Rolle in diesem Familienverband. Sie waren beide Töchter des Handelsmanns Feiß / Feist Nussbaum und seiner aus dem benachbarten Schenklengsfeld stammenden Frau Rahel / Regina, geb. Löbenberg bzw. Löwenberg. Gerade über sie ist nur wenig bekannt. Der etwas eigenartig klingende Vorname des Vaters war abgeleitet von seiner beruflichen Tätigkeit. Feiß Nussbaum, der „Fett-Jidd“ oder der „Feiste“ handelte mit Fellen, Därmen, Ölen und Farben. Sein Haus mit dem Laden stand in der Untergasse, unweit der Synagoge.[8]

Marianne war am 6. März 1868 und Bertha am 24. Januar 1871 in Neukirchen geboren worden.[9] Sie waren zwei von insgesamt fünf Kindern des Paares. Nach Marianne war am 18. März 1869 noch die Tochter Röschen und nach Bertha waren noch die beiden Söhne Moritz am 30. März 1873 und Leopold am 28. Februar 1876 geboren worden.[10]

Wann die Eltern verstarben, ist nicht bekannt, aber Moritz führte zunächst das elterliche Geschäft in Neukirchen erfolgreich weiter und auch die Bezeichnung „Fett-Jidd“ blieb an ihm hängen, obwohl er das Geschäft in ein größeres Haus an der Ecke Ober- / Untergasse verlegte.[11] Er hatte mit seiner am 10. Dezember 1873 in Sterbfritz geborenen Frau Natalie Goldschmidt fünf Kinder, die bis auf den jüngsten Sohn Ferdinand durch ihre rechtzeitige Emigration dem Holocaust entkamen.[12] Als Moritz bereits 1924 verstarb, hielt die Witwe Natalie Nussbaum den Betrieb weiter aufrecht, bis die Boykottmaßnahmen in den dreißiger Jahren auch sie zur Aufgabe zwangen. 1936 wurde die Firma arisiert und Natalie Nussbaum zog mit den beiden Söhnen Martin und Ferdinand nach Frankfurt. Von hier aus wurden sie und Ferdinand mit der ersten Deportation aus Frankfurt bereits am 20. Oktober 1941 in das Getto Litzmannstadt / Lotz deportiert, wo beide an einem unbekannten Tag ums Leben kamen.[13]

Während das Schicksal von Röschen unbekannt ist, ist das der drei übrigen Kinder von Feist und Regina Nussbaum unmittelbar mit Wiesbaden verknüpft.

Der erste, der den Weg nach Wiesbaden gefunden hatte, war Leopold Nussbaum. Schon 1906 hatte er dort die aus dem mittelhessischen Herborn stammende Rosa Sternberg geheiratet. Der Kaufmann lebte damals mit seiner Frau in der Goethestr. 17. Hier wurden auch die beiden Töchter Else Regina und Martha geboren.[14] Leopold Nussbaum führte mit seinem Partner Ludwig Lewin in Wiesbaden ein Geschäft namens „Falkner & Co.“, das an die alte Familientradition der Nussbaums anknüpfend Farben und Lacke vertrieb.[15] Die Boykottaktionen in den dreißiger Jahren zwangen aber auch die beiden Inhaber zur Aufgabe des Geschäfts. Die Vermögenserklärung von Leopold, die er noch im November 1938 abgegeben hatte, zeigt, dass er zu diesem Zeitpunkt praktisch vermögenslos war.[16] Dennoch war der Familie noch im gleichen Jahr die Auswanderung über Holland nach Argentinien gelungen. Dort musste sie ohne jegliche Ausstattung völlig neu anfangen. Ihr Lift, der nach Angaben von Rosa Nussbaum einen Wert von etwa 23.000 RM hatte, war von Hamburg nicht auf den Transport gelangt, sondern konfisziert und versteigert worden.[17]

Dass ihr Bruder Leopold damals schon bzw. noch in Wiesbaden lebte, wird auch der entscheidende Grund für Marianne und Bertha Nussbaum gewesen sein, im Sommer 1937, als die Verhältnisse in Neukirchen immer schlimmer wurden, dorthin zu übersiedeln. Nach Angaben von Barabara Greve soll Marianne schon früher einmal in Wiesbaden gearbeitet haben,[18] was, sollte das zutreffend sein, ein weiterer Grund für die Wahl dieses Ortes gewesen sein wird. Bereits 1934 hatten die Schwestern versucht, das Elternhaus in der Untergasse, in der sie selbst auch lebten, zu verkaufen.[19] Nach ihrem Umzug nach Wiesbaden fanden die beiden ledig gebliebenen Frauen in der Emser Str. 26 a eine Dreizimmerwohnung. Den Mietvertrag hatte der Hausbesitzer Leo Katzenstein am 1. Juli 1937 noch selbst mit ihnen abgeschlossen.[20] Marianne war damals bereits 69 und Bertha 66 Jahre alt. Da Marianne leicht pflegebedürftig war und ihre jüngere Schwester schon zuvor in Neukirchen ihre Betreuung übernommen hatte, kann man annehmen, dass sie wohl zeitlebens zusammengeblieben waren.[21]

Beide waren wohl auch früher nicht berufstätig gewesen, zumindest ist auf der Gestapo-Karteikarte bei beiden „ohne Beruf“ eingetragen, aber möglicherweise hatten sie früher im väterlichen Betrieb mitgeholfen.[22] Immerhin verfügten sie über einige Wertpapiere, von denen sie ihren bescheidenen Lebensunterhalt bestritten.[23]  

Die geplante, aber noch nicht vollzogene Auswanderung des Bruders hatte die Behörden vermutlich veranlasst, Marianne Nussbaum mit einer Sicherungsanordnung zu drangsalieren: „Es besteht die Gefahr, dass die Marianne Nussbaum in allernächster Zeit auswandert und einen illegalen Transfer ihrer Vermögenswerte versucht. Die getroffene Sicherungsmaßnahmen sind daher erforderlich und gerechtfertigt.“ Beschwerde gegen die Maßnahme könne sie beim Reichswirtschaftsminister einlegen,[24] was sie auch umgehend tat. Ob sie tatsächlich an einen Erfolg dieser Beschwerde glaubte oder einfach nur ein  Zeichen setzen wollte, ist ungewiss. Aber mutig und klar argumentierend schrieb sie – mit Schreibmaschine ! – einen Brief an den Reichswirtschaftsminister nach Berlin, in dem sie ihre Situation und die Absurdität der Unterstellungen aufzeigte: Sie sei „mit dem 1.7.37 nach Wiesbaden verzogen, um mit Rücksicht auf mein hohes Alter und meinen leidenden Zustand in der Nähe meines seit Jahrzehnten dort ansässigen Bruders zu sein. Mit mir im gleichen Haushalt lebt meine 67 Jahre alte Schwester, Berta Nussbaum, die mich betreut und den Haushalt für mich versorgt, und für deren Unterhalt ich mitaufkommen muss. Wir haben hier eine Drei-Zimmerwohnung im Hause Emserstr. 26a, 2. Stock und führen eine bürgerlich ausgerichtete Haushaltung. Im Ausland haben wir keine näheren Verwandten und können vor allem wegen meines Alters und leidenden Zustands an eine Auswanderung überhaupt nicht denken, ganz abgesehen davon, dass keine Möglichkeit für uns besteht, im Ausland das Leben zu fristen. … Nur der Vollständigkeit halber will ich noch betonen, dass mir jeder Gedanke an irgendeinen illegalen Transfer völlig fernliegt.“[25]

Genutzt hat der Protest letztlich nicht, aber immerhin sah sich das Ministerium genötigt, von der Devisenstelle Frankfurt eine genauere Begründung für ihr Vorgehen zu verlangen und fragte an, „ob es nicht angängig ist, der Beschwerdeführerin einen monatlichen Freibetrag zu bewilligen,“ – was bisher nicht geschehen war.[26] Die Devisenstelle räumte daraufhin den zunächst üblichen Freibetrag von 300 RM ein, verwies aber erneut ohne jeglichen Beleg auf Verwandte im Ausland, mit deren Unterstützung sie dort dann „ein sorgenfreies Leben führen“ könne. Dieser Halbsatz ist im Manuskript wieder gestrichen, vielleicht erschien er sogar dem Schreiber als allzu zynisch. Die Sicherungsanordnung wurde dennoch nicht zurückgenommen.[27]

Angesichts ihres sich verschlechternden Gesundheitszustandes hatte Marianne Nussbaum ihre Schwester, die sich all die Jahre um sie gekümmert hatte, durch ein Testament vom 24. Oktober 1938 zur Alleinerbin gemacht. Die Erbschaft war eigentlich mit der Verpflichtung verbunden, dass ihr damit ein Jahr nach ihrer Beerdigung ein Grabstein gesetzt werden sollte.[28] Nachdem sie am 20. November 1941 verstarb, blieb ihre Schwester in dem Haus, das inzwischen zum Judenhaus geworden war. Wie sich aus den Unterlagen der NSDAP ergibt, bewohnte sie dort nur noch ein Zimmer im zweiten Stock.[29] Vermutlich hatten sie schon vor dem Tod von Marianne einen Teil ihrer Wohnung abgeben müssen.

Die Vermögenswerte ihrer Schwester wurden ihr nach Auskunft der Commerzbank im späteren Entschädigungsverfahren gemäß den testamentarischen Regelungen übertragen,[30] aber der damit verbundenen Verpflichtung, einen Grabstein setzen zu lassen, konnte Bertha Nussbaum nicht mehr nachkommen. Sie wurde mit ihren Mitbewohnerinnen Ida Cohn, Julie Strauss und Helene Wolff am 1. September 1942 nach Theresienstadt deportiert.

Zuvor hatte man auch sie noch zu einem Heimeinkaufsvertrag genötigt.[31] Dass dies nur ein großer Betrug war, musste ihr spätestens dann klar geworden sein, als sie nur vier Wochen nach Ankunft in dem Ghetto am 29 September 1942 mit weiteren 2000 Juden aus Theresienstadt weiter in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt wurde. Unmittelbar nach der Ankunft am 1. oder 2. Oktober wurden die Insassen allesamt in die Gaskammern getrieben und umgebracht.[32]

 

 

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Anmerkungen:

 

[1] Umfassend ist das soziale Geflecht dargestellt von Greve, Barbara, Eine kleine Stadt in Hessen. Neukirchen, die Juden und der Nationalsozialismus, Kassel 2010, S. 20-30. Sehr detailliert zeichnet Greve im Weiteren auch den Umbruch nach 1933 nach.

[2] Siehe dazu die Kartenskizze in Greve, Eine kleine Stadt in Hessen, a.a.O. S. 14. Hier ist auch das Haus der beiden Schwestern markiert.

[3] Ebd. S. 20.

[4] Ebd. S. 36.

[5] Siehe zur jüdischen Gemeinde Neukirchen und zum Alltag des örtlichen Zusammenlebens im Besonderen Biskamp, Adolf; Walper, Friedhelm Die israelitische Kultusgemeinde in Neukirchen, in: Heimatvertriebene Nachbarn. Beiträge zur Geschichte der Juden im Kreis Ziegenhain, hg. Von Bambey, H.; Biskamp, A.; Lindenthal, B., Bd. 2, Schwalmstadt – Treysa 1993, S. 473 – 483 und Levi, Samuel, Erinnerungen an meine Jugend in Neukirchen, ebd. S. 455-461. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung betrug seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. Bis 1933 etwa 6 %. Nach 1935 gelang nur noch 8 Personen die Flucht ins Ausland, die Übrigen versuchten größtenteils erfolglos in den Städten zu überleben. Zu den Abwanderungen in den dreißiger Jahren S. Biskam, Walper, Neukirchen S. 483.

[6] Siehe dazu Levi, Erinnerungen, a.a.O. und Nigal, Gedalyah, Erinnerungen an den Novemberpogrom in Frankfurt a.M. und Neukirchen, in: Kropat, Kristallnacht in Hessen, a.a.O. S. 228-234.

[7] Siehe zu den verschiednen Zweigen der Familie Greve, Barbara, Jeder Mensch hat einen Namen. Was man den Juden aus Neukirchen am Knüll angetan hat – 1933 bis 1942, S. 381 – 419, in: Heimatvertriebene Nachbarn. Beiträge zur Geschichte der Juden im Kreis Ziegenhain, hg. Lindenthal, B., Bd. 3, Schwalmstadt – Treysa 2008, S-381 – 419.

[8] Greve, Jeder Mensch hat einen Namen, a.a.O. S. 410.

[9]  Eintrag im Geburtsregister HHStAW 365 632 (23) 1868/182 für Marianne und HHStAW 365 632 (26) der Eintrag 1871 /198 für Bertha. Auf der Gestapo-Karteikarte für Marianne Nussbaum ist beim Geburtsjahr ein Zahlendreher unterlaufen, statt 1868 wurde das Geburtsjahr 1886 angegeben. Diese falsche Angabe wurde auch in der ‚DB Jüdische Bürger Wiesbadens des Stadtarchivs Wiesbaden’ und dementsprechend in der Opferliste übernommen.

[10] Geburtseinträge für Röschen HHStAW 365 632 (29), Eintrag 1869 / 185, für Moritz HHStAW 365 632 (29), Eintrag 1873 / 209 und für Leopold HHStAW 365 632 (31), Eintrag 1876 / 223.

[11] Ein Foto des Hauses in der mit Hakenkreuzfahnen „geschmückten“ Gasse während eines Nazi-Aufmarschs ist abgedruckt in Greve, Eine kleine Stadt in Hessen, a.a.O. S. 13. Nach dem jährlichen Einkommen gehörte Moritz Nussbaum zu den Spitzenverdienern der örtlichen jüdischen Gewerbetreibenden. Ein Grund mag gewesen sein, dass er seit 1927 eine Tankstelle betrieb, siehe ebd. S. 15 ff.

[12] Sie bzw. ihre Kinder wurden in den späteren Entschädigungsverfahren für Marianne und Bertha Nussbaum als Erbberechtigte anerkannt, siehe HHStAW 518 41324 (19). Die Kinder waren: Berthold Nussbaum, geb. 26.8.1903 in Neukirchen, gest. 14.10.1948; Regina Nussbaum, geb. 12.1.1903 in Neukirchen, sie war nach der Großmutter, der Ehefrau von Feist Nussbaum, benannt worden, ihr gelang bereits 1931 die Emigration nach Palästina, wo sie 1935 Max Grossmann heiratete; Theodor Nussbaum, geb. 9.4.1906 in Neukirchen, gest. 26.6.1949, auch ihm war die Flucht über Holland nach Palästina gelungen; Martin Nussbaum, geb. 23.5.1909, er lebte 1960 in New York; Ludwig Nussbaum, geb. 25.11.1910 in Neukirchen, gest. 29.3.1932 in Achim bei Stade; Ferdinand Nussbaum, geb. 2.7.1916 in Neukirchen, war 1936 zunächst mit seiner Mutter nach Frankfurt gezogen, dort in der Reichspogromnacht verhaftet und nach Buchenwald gebracht worden. Nach seiner Freilassung versuchte er nach Südamerika zu emigrieren. Dies misslang im letzten Moment, vermutlich wegen des Kriegsausbruchs. Er wurde von Frankfurt aus mit seiner Mutter deportiert und starb im Ghetto Litzmannstadt / Lodz an einem unbekannten Tag. Die Lebensdaten sind entnommen aus Greve, Jeder Mensch hat einen Namen, a.a.O. S. 410-415, und Greve, Eine kleine Stadt in Hessen, a.a.O. S. 105–113. Hier lassen sich auch weitere biographische Angaben zu den Familienmitgliedern finden.

[13] Das Grauen, das die Deportierten hier vorfanden, hat Monica Kingreen auf der Grundlage von Zeugenaussagen und Tagebucheintragungen eindrucksvoll beschrieben, siehe Kingreen, „Wir werden darüber hinwegkommen“, a.a.O. S. 86-94.

[14] HHStAW 518 10394 (12) Heiratsurkunde von Leopold Nussbaum und Rosa Sternberg, Trauzeuge war u.a. der 28jährige Kantor Abraham Nussbaum. Die verwandtschaftliche Verbindung konnte bisher nicht geklärt werden; ebd. (14) Geburtsurkunde von Martha; ebd. (15) Geburtsurkunde von Else Regina. Else Regine heiratete später Ernst Ermann, Martha war zweimal verheiratet, zunächst mit Rudolf Benedikt Selig. Nach der Scheidung ehelichte sie Franz Wilhelm Feitel. Am 15.9.1947 wurde in Buenos Aires die Tochter Silvia Ana geboren wurde. Martha Feitel verstarb dort am 30.11.1959, siehe HHStAW 518 10394 (85).

[15] HHStAW 518 10394 (4).

[16] HHStAW 518 10394 (46).

[17] HHStAW 518 10394 (4). Genaue Unterlagen zu dem Lift befinden sich ebenfalls in der Akte (28).

[18] Greve, Kleine Stadt in Hessen, a.a.O. S. 103. Weitere Angaben macht sie dazu nicht. In einem Brief an den Reichswirtschaftsminister vom 9.8.1938 schrieb Marianne Nussbaum, dass sie „bis 1937, mit länger zurückliegenden Unterbrechungen“, in ihrem Geburtsort gewohnt habe. Einen konkreten Hinweis auf einen früheren Aufenthalt in Wiesbaden gibt sie hier allerdings nicht, siehe HHStAW 519/3 5829 (8).

[19] Greve, Eine kleine Stadt in Hessen, a.a.O. S. 103. Greve macht keine Angaben darüber, wieso der Verkauf damals gescheitert war und ob er vor ihrem Umzug noch gelang.

[20] HHStAW 519/2 2221 Bd. 2.

[21] Greve, Jeder Mensch hat einen Namen, a.a.O. S. 408.

[22] Zur Rolle der Frauen in den jüdischen Erwerbsbetrieben siehe Greve, Eine kleine Stadt in Hessen, a.a.O. S. 20.

[23] HHStAW 518 41324 (3, 4). Bei der Vermögenserklärung, die sie am 18.5.1940 abgeben mussten, besaß Marianne noch Wertpapiere über 12.385 RM.

[24] HHStAW 519/3 5829 (2).

[25] HHStAW 519/3 5829 (9).

[26] HHStAW 519/3 5829 (11).

[27] HHStAW 519/3 5829 (13, 14).

[28] HHStAW 519/3 5829 (27).

[29] Unbekannte Liste X 1.

[30] HHStAW 518 41324 (3) und 519/3 5829 (26).

[31] HHStAW 518 41324. In der Aufstellung über die Kontenbewegungen des Depots der Commerzbank vom 7.6.1955 erläuterte die Bank bei Übertragungen, die an die in Berlin ansässige Bankhaus Tecklenburg & Co. gingen, dass diese „vermtl. als Treuhandstelle für die Juden-Vermögensabgabe  u.ä.“ fungiert habe. Diese Vermutung ist falsch. Die Judenvermögensabgabe wurde 1942, in diese Zeit fallen die Übertragungen, nicht mehr eingezogen, zudem gingen sie unmittelbar an die jeweilig zuständigen Finanzämter. Das Bankhaus Tecklenburg war hingegen zuständig für die „Heimeinkaufsverträge“. Hier hatte die Reichsvereinigung das entsprechende Konto eingerichtet, auf das die abgenötigten Gelder flossen.

[32] Gottwaldt, Schulle, Judendeportationen, a.a.O. S. 227.