Irma Stern, geborene Ackermann, und ihre Geschwister


Juden Judenhaus Wiesbaden Adelheidstr. 94
Die Adelheidstr. 94 heute
Eigene Aufnahme
Adelheidstr 94, Judenhaus, Wiesbaden
Lage des Hauses
Adelheidstr. 94, Judenhaus Wiesbaden
Belegung des Judenhauses

 

 

 

 

 


Auch wenn die Gründe, die Irma Stern bewogen haben, [1] von Bad Schwalbach nach Wiesbaden zu kommen, nicht bekannt sind, so wird man doch davon ausgehen können, dass sie glaubte in der Stadt mehr Sicherheit zu finden als in der Gemeinde des Untertaunus, in der 1933 noch 94, 1937 nur noch die Hälfte und 1939 sogar nur noch vier jüdische Bürger lebten.[2] Besonders das Wüten der Wiesbadener SA-Standarte 80 hatte in der Nacht zum 10. November 1938 die Schwalbacher Juden in Angst und Schrecken versetzt und die Abwanderung weiter forciert. Unmittelbar nach diesen Ereignissen hatten noch einmal 17 Juden Schwalbach verlassen.[3] Irma Stern, die am 1. Juni 1939 nach Wiesbaden übersiedelte, gehörte somit zu den Letzten. Die anderen waren bereits ausgewandert oder in die nahen Städte wie Frankfurt, Wiesbaden oder Mainz verzogen.

Stammbaum von Irma Stern, geborene Ackermann

Irmas Eltern, der Pferdehändler Julius oder auch Jachel Ackermann und seine Frau Rosa, geborene Blumenthal, hatten sich nach ihrer Heirat am 13. Dezember 1988 in Michelbach in dem benachbarten, damals noch als Langenschwalbach bezeichneten heutigen Kurstädtchen niedergelassen. Ihr Vater war am 30. Oktober 1863 im nahe gelegnen Kemel geboren worden. Von dort stammten auch ihre Großeltern väterlicherseits, Jakob und Johanette / Jeanette Ackermann, geborene Rosenthal.[4] Irmas Mutter Rosa Blumenthal war um 1868 ebenfalls in einer der dortigen Taunusgemeinden geboren worden. [5] In Langenschwalbach war Rosas Mutter Sarah am 3. Januar 1836 zur Welt gekommen. Ihr Ehemann, der um 1868 geborene Herz Blumenthal, kam aus dem nicht weit entfernten Holzhausen über Aar.[6] Über diese verwandtschaftlichen Verbindungen, die sich noch viel weiter in die Vergangenheit zurückverfolgen lassen, war auch Irma Ackermann eng mit mehreren sehr bedeutenden jüdischen Familien in Wiesbaden verbunden, etwa mit der großen und weitverzweigten Familie Baer. Aber auch die Ehen der Geschwister von Irma hatten einen Anteil an dieser engen Verflechtung.[7] Sie selbst war das fünfte von insgesamt acht Kindern von Julius und Rosa Ackermann, die alle in Bad Schwalbach geboren wurden.

Moses, geboren am 31. März 1890, war ihr erstgeborenes Kind. Über ihn ist wenig bekannt. Er, von Beruf Kaufmann, hatte am 7. August 1919 in Wiesbaden die Belgierin Virginie Leontine Valerie Dimartelli geheiratet. Zu diesem Zeitpunkt waren beide in der Moritzstr. 37 gemeldet.[8] Über ihr weiteres Schicksal liegen keine Informationen vor. Da ihr Name im Gedenkbuch des Bundesarchivs Koblenz nicht zu finden ist, kann man, sofern sie nicht schon früher verstarben, davon ausgehen, dass sie an einem unbekannten Ort die Zeit der Verfolgung überlebten.

Das zweite Kind, Joseph, starb bereits sechs Wochen nach seiner Geburt im Mai 1891.

Der nachfolgende Sohn Manfred, der als Pferdehändler beruflich in die Fußstapfen seines Vaters trat, wurde am 29. April 1892 geboren. Als er bei der Trauung seines Bruders als Trauzeuge auftrat, lebte er noch in Bad Schwalbach. Wann er seine Heimatstadt verlassen und die ebenfalls von dort stammende Gertrud Kahn geheiratet hatte, ist nicht bekannt. [9] Das Paar lebte in der Folgezeit in verschiedenen Orten in Hessen. Wie aus einem Schreiben der Dresdner Bank vom 26. April 1938 an die Devisenstelle in Frankfurt hervorgeht müssen Manfred Ackermann und seine Frau etwa um diese Zeit von Rödgen bei Bad Nauheim nach Borken in Nordhessen umgezogen sein, wo sie in der Bahnhofstr. 11 eine Wohnung hatten.[10] Als das dortige Finanzamt sie nach den Ereignissen am 9. November 1938 auf der Grundlage der im Juli eingeforderten Vermögenserklärung zur Judenvermögensabgabe verpflichten wollte, waren sie bereits erneut umgezogen. Seit dem 9. August 1938 wohnten sie in Frankfurt am Main in dem Haus auf der Zeil 7 im zweiten Stock.[11]
Dass man Ackermanns zur „Sühneleistung“ verpflichten wollte, lag an dem sehr kleinen Vermögen, das Bertha gehörte. Laut Depotauszug der Dresdner Bank besaß sie Aktien im Wert von etwa 3.000 RM, dazu noch ein verpachtetes Ackergrundstück in ihrem Heimatort Laufersweiler im Hunsrück und vermutlich ein Sparbuch. Das Finanzamt setzte als Vermögen einen Betrag von 5.375 RM an und forderte im Bescheid vom 13. November 1939 den Betrag von 1.000 RM, der in vier Raten zu zahlen sei. In einem Brief an den Regierungspräsidenten konnte Gertrude Ackermann verhindern, dass sie dieser Aufforderung nachkommen musste. Ihr Vermögen habe sich bis zum Zeitpunkt der Reichspogromnacht unter die festgesetzte Freigrenze von 5.000 RM vermindert und beide seien, so schrieb sie, inzwischen ohne Arbeit.[12]
Das Paar lebte in der Folgezeit vermutlich von diesem kleinen Vermögen, das sich bis 1940 auf 1.000 RM reduziert hatte.[13] Möglicherweise hatte die finanzielle Not oder aber auch eine Zwangseinweisung den nächsten Umzug Ende 1940 in die Obermainanlage 29 II herbeigeführt.[14] Inzwischen war auch eine Sicherungsanordnung ergangen, in der den beiden ein Freibetrag von zunächst 250 RM eingeräumt worden war.[15] Die Devisenakte belegt, dass sie zumindest einmal darum baten, weitere 100 RM ihrem gesicherten Konto zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts entnehmen zu dürfen.[16] Inzwischen hatten sie aber Arbeit aufgenommen, die wenigstens die schlimmste Not linderte. Für ein Almosen von etwa 120 RM arbeitete Manfred Ackermann bei der Kohlengroßhandlung ‚Piepmeyer & Oppenhorst’, einer Firma mit Niederlassungen in Frankfurt und Duisburg, die eng mit dem Haniel-Konzern verbunden war. Die Umstände und der geringe Lohn legen nahe, dass es sich hierbei um Zwangsarbeit handelte. Seine Frau hatte eine Anstellung bei der Jüdischen Gemeinde, genauer im Kinderheim im Sandweg gefunden, für die sie monatlich 50 RM erhielt.[17] Beide durften den Lohn trotz der weiterhin gültigen Sicherungsanordnung in bar entgegennehmen. Für ihren Lebensunterhalt benötigten sie monatlich 53 RM für Miete und 220 RM für ihren übrigen Bedarf.[18] Entsprechend setzte die Devisenstelle ihren Freibetrag noch im Januar 1941 auf nur noch 100 RM herab, sodass sie insgesamt monatlich über 270 RM hätten verfügen können – zumindest so lange, bis das restliche Sparvermögen von knapp 1.000 RM aufgebraucht wäre.

Angesichts dieser Perspektive hatten sie im November 1941 noch den von Vornherein zum Scheitern verurteilten Versuch unternommen, Deutschland zu verlassen. Dies geht aus einem damals eingereichten Antrag zur Erteilung einer steuerlichen Unbedenklichkeitsbescheinigung hervor. Die wurde am 3. November 1941 vom Frankfurter Finanzamt erteilt, wobei darauf hingewiesen wurde, dass Ackermanns wegen fehlenden Vermögens weder zur Judenvermögensabgabe noch zur Zahlung einer Reichsfluchtsteuer verpflichtet seien.[19]

Den Zynismus hinter einer solchen Bescheinigung, wird man gewahr, wenn man das nächste Schreiben in der Devisenakte vom 9. Mai 1942 liest, in dem der Dresdner Bank der Vermögenseinzug der beiden „in den Osten evakuierten“ Juden mitgeteilt wird, die zuletzt offensichtlich in Frankfurt im Bäckerweg 36 gewohnt hatten.[20] Dass eine solche „Evakuierung“ aber gar nicht stattgefunden hatte, ergibt sich aus einer Rückfrage der Bank am 18. Mai, in der sie die Devisenstelle um eine Prüfung bat, weil man inzwischen erfahren habe, dass die Deportation der beiden nicht durchgeführt worden sei. Die Devisenstelle räumte am folgenden Tag ein, dass es sich tatsächlich um einen Irrtum gehandelt habe und ihre Verfügung somit gegenstandslos sei.[21]

Der Zug, für den Ackermanns wohl ursprünglich vorgesehen waren, hatte am 8 Mai 1942 Frankfurt mit dem Ziel Izbica verlassen. Die große Mehrheit der Insassen wurde nach kurzer Zeit von dort aus in das Vernichtungslager Sobibor überstellt und in den gerade fertig gestellten drei Gaskammern ermordet. Auch beim nächsten Transport, der die Stadt am 24. Mai verließ, wurden Ackermanns noch einmal verschont. Bis zum 11. Juni hatte man ihnen Aufschub gewährt. Dann hatten auch sie sich an der Sammelstelle in der Großmarkthalle einzufinden und die schikanöse und entmenschlichende Behandlung der Gestapo und der beorderten Hilfskräfte über sich ergehen lassen müssen. Es war der erste Transport aus Frankfurt, der nicht nur dort wohnende Juden, sondern mit Juden aus den verschiedenen Landkreisen des Regierungsbezirks Wiesbaden zusammengestellt worden war, darunter auch etwa 380 aus Wiesbaden selbst. Auch dieser Zug hatte als Ziel Izbica gehen. Möglicherweise steuerte er aber auch direkt die Gaskammern von Sobibor an, nachdem auch diesmal die Arbeitsfähigen – wohl 188 Männer – zuvor auf dem Bahnsteig von Lublin für den Arbeitseinsatz nach Majdanek abkommandiert worden waren. Überlebende des Transports gab es keine.[22]

Page of Testimony für Manfred Ackermann in Yad Vashem

Zwei Tage bevor der Zug Frankfurt verließ, wurde der Dresdner Bank von der Devisenstelle erneut mitgeteilt, dass das Vermögen der Deportierten Manfred und Gertrude Ackermann vom Deutschen Reich eingezogen sei. Handschriftlich ist hier als Deportationsdatum der „10.6.“ vermerkt.[23] Am 4. Mai des folgenden Jahres überwies die Dresdner Bank den Restbetrag des Guthabens von Gertrude Ackermanns Konto in Höhe von knapp 100 RM an die Verwertungsstelle des Finanzamts Frankfurt. Man verwies beiläufig darauf, dass ein noch fälliger Betrag an die Jüdische Kultusgemeinde zuvor abgezogen worden sei.[24]

Die am 19. August 1894 geborene Berta Clementine war die ältere Schwester von Irma. Sie hatte am 5. Mai 1920 den ebenfalls aus Langenschwalbach stammenden Hugo Henlein geheiratet. Am 9. Februar des folgenden Jahres wurde deren Tochter Ingeborg geboren. Anders als ihre Eltern wurde sie Opfer des Holocaust. Am 25. März 1942 deportierten die Nazis sie von Mainz aus über Darmstadt in das Ghetto Piaski in Polen, wo sie zu einem nicht bekannten Zeitpunkt ums Leben kam.[25] Nicht geklärt werden konnte bisher, wie den Eltern die Flucht gelang. Es scheint so, als hätten sie sich vor bereits vor ihrer Ausreise getrennt, denn Hugo Henlein soll schon am 24.Dezember 1939 in Fargo in North Dakota verstorben sein. Im Mai des gleichen Jahres war die Mutter laut Eintrag auf ihrer Gestapo-Karteikarte von Schwalbach nach Wiesbaden in die Geisbergstr. 16 gezogen, offensichtlich alleine, denn weder ihr Mann, noch ihre Tochter sind auf der Karte erwähnt. Wie dem Dokument weiterhin zu entnehmen ist, wanderte sie am 10. Dezember 1940 dann nach Argentinien aus. Wann und wo sie ihren zweiten Ehemann Sally Kahn kennenlernte ist nicht bekannt. Über ihn liegen bisher keine weiteren Informationen vor. Er verstarb am 1. Juni 1960 in Argentinien, seine Frau zwei Jahre später am 17. April 1962. Beide sind dort auf dem Friedhof in Tablada, einem Vorort von Buenos Aires, begraben.[26]

Page of Testimony für Jakob Ackermann in Yad Vashem

Jakob Ackermann war der jüngere, am 6. Dezember 1898 geborene Bruder von Irma. Auch er wurde ein Opfer der Shoa. Für ihn ist in Yad Vashem eine ‚Page of Testimony’ hinterlegt, laut der er zuletzt als Kaufmann in Essen gelebt hatte.[27] Wann er seine Frau, die am 17. September 1913 in Oestinghausen bei Soest in Westfalen geborene Ilse Neukircher, geheiratet hatte, ist nicht bekannt.[28] Am 28. Oktober 1938 war er, obwohl er kein polnischer Jude war, nach Benschen / Zbaszyn, einer Kleinstadt westlich von Posen, abgeschoben worden.[29] Offensichtlich war es ihm aber gelungen, wieder zurückzukommen, denn er gehörte am 22. April 1942 mit seiner Frau zu denjenigen, die an diesem Tag mit dem Transport Da 52, einem Sammeltransport, in dem Juden aus verschiedenen rheinländischen Städten wie Krefeld, Aachen Duisburg von Düsseldorf aus in den Osten verbracht wurden. Nicht das ursprüngliche Ziel Trawinki, sondern Izbica wurde angesteuert. Nach Gottwaldt / Schulle blieben die Verschleppten etwa ein halbes Jahr in diesem sogenannten Durchgangslager, bevor sie in einem der Vernichtungslager im Distrikt Lublin, vermutlich in Sobibor, ermordet wurden.[30]

Die jüngere Schwester Martha, geboren am 7. September 1901,[31] gehörte wieder zu den Familienmitgliedern, die rechtzeitig Deutschland verlassen und überlebt hatten. Mindestens bis 1936 hatte sie noch ausgeharrt, denn in diesem Jahr heiratete sie in Forst in der Lausitz den am 13.März 1887 in Mannheim geborenen Eugen Maier.[32] Wann das Paar dann Deutschland verließ, konnte bisher nicht ermittelt werden. 1953 stellte Martha Maier den Antrag beim Amtsgericht Wiesbaden, ihre Schwester Irma für tot zu erklären.[33] Zu dieser Zeit lebte das Paar in Baltimore, wo auch Eugen Maier im Februar 1963 und seine Frau Martha am 17. Februar 1995 verstarben. Soweit bekannt blieb die Ehe kinderlos.

Heiratsurkunde von Irma Ackermann mit Louis Stern
HHStAW 469/33 3918 (5)

Irma Stern gelang es nur, den Nachstellungen in ihrer Heimatstadt Bad Schwalbach durch ihren Umzug nach Wiesbaden zu entkommen. Ihre einzig bekannte Adresse dort war das Haus in der Adelheidstr. 94, das bald darauf zum Judenhaus erklärt wurde. Zwar kann man zum Zeitpunkt ihres Einzugs kaum von einer Zwangseinweisung im eigentlichen Sinne reden, aber wer hätte in dieser Zeit einer verarmten, alleinstehenden jüdischen Frau Wohnraum angeboten, wenn nicht ein jüdischer Hauseigentümer. Als 24jährige hatte sie am 10. April 1922 in ihrer Heimatgemeinde den Viehhändler und Metzger Ludwig Stern, geboren am 28. April 1887 in Ellar im Kreis Limburg, geheiratet.[34] Auf der Urkunde befindet sich der weitere Eintrag, dass die Ehe am 31. August 1934 wieder rechtskräftig geschieden wurde.[35] Kinder sind aus der Ehe nicht hervorgegangen. So wird man davon ausgehen können, dass das Wohnungsamt, wenn es denn überhaupt eingeschaltet war, die geschiedene Frau auf das Haus in der Adelheidstraße, in dem bereits einige andere jüdische Bewohner lebten, verwiesen hatte. Wahrscheinlich wohnte sie aber nicht, wie auf der Karteikarte der Gestapo vermerkt, bei Frau Salomon, sondern im vierten Stock, da wo die Mansardenzimmer gelegen waren.[36]

Irma Stern muss, als sie nach Wiesbaden kam, in großer Armut gelebt haben. Als am 15. August 1940 auch an sie eine Judensicherungsanordnung erging, man ihr den üblichen Freibetrag von 300 RM gewährte und eine Vermögensaufstellung einforderte, schrieb sie knapp zurück: „Unterzeichnete wird von der jüd. Wohlfahrt unterhalten, da dieselbe ohne jegliches Vermögen ist.[37] Aus diesem Grund verzichtete die Devisenstelle auf die Anlage des Sicherungskontos, behielt sogar eigenartigerweise den relativ hohen Freibetrag bei. Einen Nutzen hatte sie davon freilich nicht.

Der nächste und zugleich letzte Aktenvermerk ist am 19. Juni 1942 nur noch handschriftlich auf der Rückseite des vorherigen Briefes, also nahezu zwei Jahre später getätigt worden: „In Registratur mit Karteikarte vermerken ‚evakuiert’“[38]

Sie gehörte zu denjenigen, die mit dem ersten größeren Transport am 23. Mai 1942 von Wiesbaden nach Izbica verbracht wurden. Vielleicht traf sie hier noch einmal ihre Brüder Manfred und Jakob und ihre Schwägerinnen, die man knapp vier Wochen zuvor dorthin deportiert hatte. Aber das ist eher ungewiss, abhängig davon, wann die einzelnen in das Gas von Sobibor geschickt wurden. Auch Irma Stern wurde in einer der dortigen Gaskammern umgebracht.[39] Weil ein genaues Todesdatum nicht feststellbar war, wurde am 14. November 1953 vom Amtsgericht Wiesbaden der Zeitpunkt ihres Todes auf den 8. Mai 1945 festgelegt[40]

Wie Irma selbst, wurde auch ihre jüngste Schwester Agathe, die mit Moritz Rosenthal verheiratet war und zuletzt ebenfalls in einem Wiesbadener Judenhaus lebte, in der Shoa ermordet.[41]

Stand: 30. 05. 2019

 

 

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Anmerkungen:

[1] Zu Irma Stern hat das Aktiven Museum Spiegelgasse ein Erinnerungsblatt veröffentlicht, auf dem auch ein Bild von ihr zu sehen ist, siehe http://www.am-spiegelgasse.de/wp-content/downloads/erinnerungsblaetter/EB-Stern-Irma.pdf. (Zugriff: 24.02.2019).

[2] Siehe http://www.alemannia-judaica.de/bad_schwalbach_synagoge.htm. (Zugriff: 24.02.2019).

[3] Zu den Ereignissen in der Reichspogromnacht in Bad Schwalbach und zu den Abwanderungen siehe Schüler, Winfried, Juden in Bad Schwalbach, Nassauer Analen Bd. 103, 1992, S. 156 ff.

[4] Jakob Ackermann war dort um 1826, seine Frau um 1832 geboren worden. Während er auch dort am 16.7.1895 verstarb, gibt Stuart Hirsh Frankfurt als Sterbeort an. Als Todesdatum nennt er den 4.12.1900. Stuart Hirsh, dessen Frau Ilene Vicky ein in den USA lebende Nachkomme der aus Wiesbaden ausgewanderten Familie Rosenthal ist, hat die Genealogie der Familie umfassend erforscht und auf der nicht öffentlichen Seite von MyHeritage veröffentlicht. Ihm verdanke ich wesentliche Informationen über die verwandtschaftlichen Zusammenhänge, besonders bezüglich den Familien Ackermann und Rosenthal.

[5] Nach Stuart Hirshs Angaben war der Geburtsort von Jeanette Blumenthal das heute zur Gemeinde Katzenellenbogen gehörende Berghausen im Rhein-Lahn-Kreis, das Stadtarchiv Wiesbaden nennt hingegen Langenschwalbach. Rosa Ackermann verstarb in Langenschwalbach am 20.5.1925, Julius Ackermann am 14.5.1932.

[6] Das zweite Kind der Blumenthals, Betty, geboren am 1.10.1870 in Holzhausen über Aar, war ebenfalls mit einem Ackermann verheiratet. Abraham Ackermann, geboren am 5.8.in Weyer im Kreis St. Goarshausen als Sohn von Nathan und Fanny Ackermann, geborene Heli, beide um 1840 geboren, entstammte allerdings einer anderen Familie Ackermann. Mögliche verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Familien konnten bisher nicht erschlossen werden. Zur dieser Familie Ackermann, deren Nachkommen später Eigentümer des Judenhauses Hermannstr. 26 wurden, siehe unten,

[7] Siehe dazu unten das Kapitel über Ernst Ludwig Rosenthal und seine Frau Agathe Ackermann, die Schwester von Irma Ackermann.

[8] Heiratsregister der Stadt Wiesbaden 542/1919. Valerie war am 12.3.1892 in Loewen geboren worden. Von ihren Eltern ist allein der Name der Mutter Anna Katharina Philomena Dimartelli in der Urkunde aufgeführt.

[9] Gertrude Kahn war am 11.11.1893 geboren worden. Bei Stuat Hirsh ist Langenschwalbach als Geburtsort angegeben, im Gedenkbuch des Bundesarchivs Koblenz dagegen Laufersweiler. Das entspricht auch ihren eigenen Angaben in HHStAW 676 7476.

[10] HHStAW 676 7476 (2). In dem Schreiben ist die Adresse in Bad Nauheim handschriftlich mit „jetzt Borken“ korrigiert.

[11] Ebd. (5). Mitteilung der Gemeindeverwaltung an das Finanzamt vom 23.12.1938.

[12] HHStAW 676 7476 (4, 7, 8).

[13] Ebd. (11).

[14] HHStAW 519/3 29532 (1). Manfred Ackermann meldete den Umzug am 29.12.1940 der Devisenstelle.

[15] Ebd. (2) vom 4.1.1941.

[16] Ebd. (4).

[17] Ebd. (4, 5). Auf dem Konto befanden sich im Januar 1941 noch 962 RM.

[18] Ebd. (7).

[19] HHStAW 676 7476 (o.P.).

[20] HHStAW 519/3 (9).

[21] Ebd. (10, 11).

[22] Zu den beiden Transporten aus Frankfurt siehe Kingreen, Gewaltsam verschleppt, S. 370-374.

[23] Die Angaben in der Datenbank des Jüdischen Museums Frankfurt „Deportierte Juden aus Frankfurt am Main“ sind bezüglich des Ehepaars Ackermann falsch. Es heißt da: „Laut letztem Eintrag in den Devisenakten vom 18. Mai 1942 soll die ‚Evakuierung’ nach Osten nicht durchgeführt worden sein; im ‚Gedenkbuch’ ist er unter den Toten des Durchgangs- und Konzentrationslagers Theresienstadt verzeichnet.“ Auf der folgenden Seite der Akte, die von dem Bearbeiter offensichtlich überblättert wurde, wird die die Deportation am 10.6.1942 und der Vermögenseinzug mitgeteilt. Im Gedenkbuch des Bundesarchivs Koblenz ist inzwischen Izbica als Deportationsziel angegeben. In Yad Vashem ist allerdings von einer Nichte Lorie Mayer (Lerner) eine ‚Page of Testimony’ hinterlegt, in der ebenfalls Theresienstadt als Sterbeort für Gerda / Gertrude Ackermann angegeben ist. Die Datenbank von Theresienstadt kennt allerdings weder Manfred noch Gerda Ackermann. In einer weiteren von einer Nichte eingestellten ‚Page of Testimony’ werden die beiden nur als Opfer des Holocaust geehrt.

[24] HHStAW 519/3 29532 (14).

[25] Gedenkbuch des Bundesarchivs Koblenz.

[26] Auch zum Schicksal der Familie von Bertha Clementine Ackermann verdanke ich wichtige Informationen den Recherchen von Stuart Hirsh.

[27] https://yvng.yadvashem.org/remote/namesfs.yadvashem.org/YADVASHEM/03111150_252_7346/152.jpg?width=700. (Zugriff: 25.5.2019).

[28] Information Stuart Hirsh und Gedenkbuch des Bundesarchivs Koblenz.

[29] Gedenkbuch des Bundesarchivs Koblenz.

[30] Gottwaldt / Schulle, Judendeportationen, S. 195 f.

[31] HHStAW 469-33 3918 (4) Geburtsurkunde.

[32] Information Stuart Hirsh.

[33] HHStAW 469/33 3918 passim.

[34] HHStAW 469-33 3918 (5) Heiratsurkunde.

[35] Ludwig Stern heiratete in zweiter Ehe die aus Köln-Elberfeld stammende Hedwig Wolf, geboren am 4.11.1892. Beide fielen dem Holocaust zum Opfer.

[36] Mit dem Eintrag „Bei Salomon“ ist vermutlich nur auf die Eigentümerin verwiesen, die selbst im dritten Stock wohnte. Irma Stern hat auf ihrer Vermögenserklärung im August 1940 selbst angegeben, im IV. Stock zu wohnen, siehe HHStAW 519/3 8019 (4). Möglicherweise war sie aber auch inzwischen im Haus umgezogen.

[37] HHStAW 519/3 8019 (3).

[38] HHStAW 519/3 8019 (5).

[39] Im Zusammenhang mit dem Verfahren zur Todeserklärung von Irma Stern lag dem Amtsgericht ein Schreiben des IST Arolsen vor, nach dem Irma Stern aus Wiesbaden in Auschwitz-Birkenau gewesen sein soll. Hierbei handelt es sich mit Sicherheit um eine Verwechslung, denn eine weitere Irma Stern, die ebenfalls zeitweise in Wiesbaden gewohnt hatte, war 1942 von Frankfurt aus deportiert worden. Es handelt sich hier aber um die am 19.5.1897 in Erdmannrode geborene Irma Stern, geb. Katz. Diese ist tatsächlich in Auschwitz ermordet worden.

[40] HHStAW 469-33 3918 (12).

[41] Zu Agathe Ackermann und dem Schicksal ihrer Familie siehe ausführlich unten https://moebus-flick.de/die-judenhaeuser-wiesbadens/frankenstr-15/ernst-und-agathe-rosenthal-geborene-ackermann/. (Zugriff: 25.5.2019).