Familie Preiss

Einen ostjüdischen familiären Hintergrund hatte auch die Bewohnerin Sofie Preiss / Preis. Sie war am 24. September 1882 in Dracznetz, der alten Hauptstadt der Bukowina, in der heutigen Ukraine geboren worden.[1] Abgesehen von ihrem Geburtsnamen Rabinowicz ist über ihre Eltern nichts bekannt.[2]

Ebenso unbekannt ist das Datum ihrer Hochzeit mit dem am 14. April 1885[3] geboren P[r]eisach Preiss[s], ursprünglich Schauberpreis,[4] genannt Pinkus, der ebenfalls aus der Bukowina stammte, aus Tecucza im Kreis Kolomea, einer nur wenige Kilometer westlich von Dracznetz gelegenen Stadt. Da die beiden galizischen Geburtsstädte damals auf polnischem Staatsgebiet lagen, besaßen beide die polnische Staatsangehörigkeit.

Vermutlich hatte die Heirat aber um 1910 stattgefunden, denn am 4. April 1911 wurde Moritz Preis, das erste von insgesamt neun Kindern des Ehepaars hier in Wiesbaden geboren.[5] Vier davon, die Zwillinge Cäcilie und Berta, Lotte und Toni sind aber schon im Kleinkindalter wieder verstorben.[6] Laut Jüdischem Adressbuch war die Familie mit den überlebenden Kindern Moritz, Siegfried, Dora und den Zwillingen Max und Sally 1935 in der Bleichstr. 13I gemeldet. Dieses Haus hatten sie nach Auskunft einer Mitbewohnerin 1920 erworben und waren dann 1923 dort auch selbst eingezogen.[7]

Mit dieser Adresse war auch ein Textilgeschäft auf ihren Namen angemeldet, das nach Auskunft von Siegfried Preiss zu Beginn der dreißiger Jahre ein jährliches Einkommen von ca. 12.000 RM abwarf.[8] Dass es der Familie wirtschaftlich recht gut ging, ergibt sich nicht nur daraus, dass sie ein eigenes Haus besaß, im Wiesbadener Grundbuch waren darüber hinaus für das Grundstück Häfnergasse 12, wo das Hotel „Zwei Böcke“ lag, auf Pinkus Preiss zwei Hypotheken im Gesamtwert von ca. 36.000 RM eingetragen, verzinst mit 7,5 % bzw. 5 %.[9]

Ein guter Bekannter der Familie, der vielfach in deren Wohnung war, beschrieb die 3-Zimmer-Wohnung, zu der noch zwei weitere Kammern und eine Küche gehörten, als „gut bürgerlich möbliert“.[10]

Diese Phase des wirtschaftlichen Aufstiegs und einer gediegenen Behaglichkeit währte aber nicht lange. Schon 1935 musste das Geschäft wegen der Boykottaktionen und anderer Repressalien nach Angaben von Siegfried Preiss aufgegeben werden. Seit diesem Zeitpunkt habe die Familie kein Einkommen mehr gehabt.[11]

Angesichts des wirtschaftlichen Niedergangs und der wachsenden antisemitischen Bedrohung zerbrach auch 1935 die Familie. Den ältesten Kindern gelang zu diesem frühen Zeitpunkt noch die Flucht. Siegfried Preis war 1935 nach Israel ausgewandert, nachdem er hier nach eigenem Bekunden wiederholt geschlagen und auch zweimal inhaftiert worden war.[12] Auch Moritz und Dora konnten in diesem Jahr noch in die USA entkommen.[13]

Damit blieben diese drei Kinder von der Aktion verschont, die sich im Oktober 1938 gegen die Juden in Deutschland mit einem polnischen Pass richteten. Pinkus Preiss wurde mit seinen beiden Söhnen Max und Sally am 28. Oktober über die Grenze abgeschoben. Wie auch anderen wurde es ihm und den Söhnen im Juli 1939 ermöglicht „nach achtmonatiger Abwesenheit“ noch einmal zurückzukehren, um alle geschäftlichen und behördlichen Angelegenheiten vor der endgültigen Vertreibung abzuwickeln. Wann sie genau nach Wiesbaden zurückgekommen waren, lässt sich nicht mehr ermitteln, aber in einem Brief mit dem Absender Wiesbaden, Adelheidstr. 94 vom 5. Juli 1939 an die Devisenstelle Frankfurt gerichtet, bat Pinkus Preiss um die Freigabe von 3.000 RM zur Anschaffung von Haushaltsgeräten, Kleidung und zur Begleichung vorhandener Schulden. Er wolle dazu das Geld verwenden, das durch den Verkauf des Hauses in der Bleichstr. 13 erlöst worden war.[14] Spätestens zu diesem Zeitpunkt musste Pinkus Preiss wieder zurückgewesen sein, wahrscheinlich aber früher, da er vermutlich auch am Prozedere der Übereignung seiner Immobilie beteiligt gewesen sein wird.

Schon bald nach dem Novemberpogrom und der Abschiebung von Pinkus Preiss mit den Söhnen Max und Sally war Sofie in die Adelheidstr. 94 umgezogen. Nach eigenen Angaben geschah dies zum 1. Januar 1939.[15] Die sich zu dieser Zeit in Polen befindlichen Familienmitglieder hatte sie beim Wohnungsamt ebenfalls mit dieser Adresse angemeldet.

Es ist eher unwahrscheinlich, zum einen wegen des Zeitpunkts, zum anderen wegen der Rechtslage, dass dieser Umzug von behördlicher Seite erzwungen worden war.[16] Dass jüdische Hauseigentümer bereits zu diesem Zeitpunkt aus ihrem eigenen Haus vertrieben wurden, ist nicht anzunehmen, zumal man ja gerade auf höchster Ebene beschlossen hatte, die Zwangsarisierung des jüdischen Grund- und Hausbesitzes vorerst zurückzustellen.[17]. Wahrscheinlicher ist hingegen, dass Sofie Preiss angesichts der finanziellen Lage und auch wegen der auf eine Personen geschrumpften Familie für sich selbst eine kleinere Wohnung suchte, um dafür die eigene in der Bertramstraße bis zum Verkauf des Hauses vermieten zu können.

Dessen Veräußerung wird man vor dem Umzug schon ins Auge gefasst haben, aber in der gegebenen Drucksituation war ein angemessener Preis nicht zu erzielen. Obwohl mit einem Einheitswert von 71.500 RM taxiert, wurde es für nur 63.000 RM einem arischen Ehepaar Claus übereignet. Pinkus Preiss erhielt nach Abzug der noch auf dem Grundstück ruhenden Lasten eine Restkaufsumme von 27.298 RM, die nach Anweisung der Devisenstelle auf ein gesichertes Konto einzuzahlen war.[18] Von dieser Summe mussten zunächst einmal mehr als 7.000 RM als „Wertzuwachssteuer“ an die Städtische Steuerkasse abgeführt werden.[19]

Im Rahmen dieser Arisierungsaktion bemächtigte sich der Fiskus auch gleich des übrigen Vermögens. Wie Rechtsanwalt Heuss im späteren Entschädigungsverfahren bescheinigte, hatte die Geheime Staatspolizei dem Grundbuchamt durch ein Schreiben vom 10. September 1939 mitgeteilt hat, dass „die Hypothekenbriefe für die eingetragenen Hypotheken Nr. 20 und 21“ –  gemeint sind diejenigen, die auf das Grundstück Häfnergase 12 im Wert von 36.000 RM eingetragen waren – „auf dem obenbezeichneten Grundbuchblatte staatspolizeilicherseits beschlagnahmt (seien)“. [20]

Neben diesem beschlagnahmten bzw. auf einem gesicherten Konto dem Zugriff entzogenen Erlös für den Hausverkauf, besaß die Familie Preiss im Mai 1940 formal noch weitere 12.000 RM auf einem Bankguthaben, was aber ebenfalls gesperrt war. In dem Formular zur Vermögensaufstellung war es möglich, nicht gezahlte Schulden, etwa die Judenvermögensabgabe und die Reichsfluchtsteuer vom Vermögen abzuziehen. Dies geschah hier nicht, weshalb man davon ausgehen kann, dass zumindest die Judenvermögensabgabe bereits gezahlt war.[21]

Zwar liefern die Akten keine Hinweise auf die Zahlung der Reichsfluchtsteuer, aber auch diese müsste fällig geworden sein, denn die Familie Preiss plante ganz offensichtlich nach der Abschiebung auf das polnische Staatsgebiet weiter in ein ferneres Land zu emigrieren, obwohl Pinkus Preiss im Zusammenhang mit der Bitte, ihm 3.000 RM für notwendige Anschaffungen freizugeben, noch geschrieben hatte, dass er im Alter von nunmehr 54 Jahren kaum mehr in der Lage sein werde „in einem fremden Land eine Existenz zu gründen“. [22] Am 5. Juli 1939 wurde der Betrag tatsächlich freigegeben, aber er reichte offensichtlich nicht aus, um die anfallenden Kosten für die geplante Ausreise zu decken: Einen Monat später, am 14. August 1939, wandte er sich erneut an die Devisenstelle:

„In der Anlage behändige ich Ihnen eine Aufstellung sowie die betreffenden Belege hierzu, aus der zu ersehen belieben, dass gehabten Auslagen eine Summe von 4.000,- RM überschreiten, so dass ich mit dem mir bewilligten Betrag von 3.000,- RM zusätzlich 2.072,- RM für die Schiffskarten nicht ausreiche. Daher bitte ich höflichst um Bewilligung eines weiteren Betrages von RM 2.000,-. Ich benötige diese dringendst für die Schiffskarten, Bestreitung der Umzugskosten sowie zum Lebensunterhalt für die Zeit, die meine Frau und ich noch in Deutschland verbleiben.“[23]

Wie konkret diese Pläne tatsächlich waren, ist nicht feststellbar. Der fällige Fragebogen zur Versendung von Umzugsgut war aber bereits ausgefüllt und am 10. Juli 1939 der Devisenstelle übermittelt worden. Auf die Frage, welche Personen mit ihm, Pinkus Preiss, ausreisen werden, hatte er neben seiner Frau Sofie die beiden verbliebenen Zwillinge Sally und Max eingetragen

Mit dem 1. September, dem Tag des Überfalls der deutschen Truppen auf Polen, waren alle Planungen ohnehin zunichte gemacht worden. Am 9. September 1939 wurde Pinkus Preiss im Zusammenhang mit den Maßnahmen des Staates gegen polnische Staatsbürger erneut verhaftet. Seit dem hat keiner der Familie noch etwas von ihm gehört, so Sally Preiss, der nach eigenen Angaben zu dieser Zeit ebenfalls in einem Konzentrationslager war.[24]

Die Schreibtischtäter in den KZ-Bürokratien hatten aber über das weitere Leben von Pinkus Preiss recht genau Buch geführt, wie der Suchdienst des IRK nach dem Krieg feststellen konnte. Nach den Eintragungen im „Häftlingspersonalbogen“ war er am 9. September 1939 durch die Wiesbadener Polizeibehörde auf Anordnung der „Stapo Wiesbaden“ vom gleichen Tag in „Schutzhaft“ genommen worden. Als Grund war lapidar „Polenaktion“ angegeben. Bald danach muss er in das KZ Sachsenhausen überstellt worden sein.

Während dieser Zeit der Inhaftierung hatte Sofie offensichtlich noch Kontakt zu ihrem Mann, denn als die Devisenstelle Frankfurt sie im Mai 1940 zur Abgabe einer Vermögenserklärung aufforderte, notierte sie unter dem Posten Ausgaben unter dem Punkt 4d „laufende zu leistende unentgeltliche Zuwendungen“, zum einen „an meinen Mann im KZ Oranienburg RM 25.00“ zum anderen „an meinen Sohn in Polen 10.00 RM“.[25]
Nach den Aufzeichnungen des KZs Dachau wurde er nach einem Jahr am 3. September 1940 von Sachenhausen kommend in das KZ Dachau eingeliefert. Hier trug er als jüdischer und polnischer „Schutzhäftling“ die Häftlingsnummer 17125.[26]

Wiederum knapp ein Jahr später, am 5. Juli 1941, wurde er in das nächste KZ, nach Buchenwald, gebracht, wo er nach einem weiteren Jahr laut Gestapo-Karteikarteneintrag am 25. Juli 1942 verstarb. Als Todesursache wurde auf dem Totenschein „Broncho-Pneumonie – rechts“ angegeben.[27]

Auch Seine Frau Sofie wurde ein Opfer der Shoa. Aber anders als Sally Preiss im Antrag auf die Todeserklärung seiner Eltern angab, war seine Mutter nicht nach Theresienstadt,[28] sondern mit dem großen Transport am 10. Juni 1942 nach Lublin deportiert worden. Nach ihrer Ankunft wurde sie wie nahezu alle anderen in Sobibor vergast.

 

Weniger weiß man über das weitere Schicksal der beiden Söhne. Max ist nach Angabe des Gedenkbuchs in Auschwitz ums Leben gekommen.[29]

Auch Sally war nach seiner Deportation in einem oder mehreren Lagern in Osten, hat aber diese Zeit irgendwie überlebt und kam 1945 zurück nach Wiesbaden. Noch im selben Jahr emigrierte er in die USA.[30]

 

 

<< zurück                                weiter >>


 

Anmerkungen:

 

[1] Es existieren unterschiedliche Namen und Schreibweisen für die Stadt, z.B.  auch Czernowitz oder Tschernowitz. Hier wird die auf der Gestapo-Karteikarte und im Gedenkbuch des Bundesarchivs eingetragene Variante verwendet.

[2] Wahrscheinlich waren aber die ebenfalls in Wiesbaden wohnenden und aus Dracznetz stammenden Jente Still, geb. Rabinowicz, geb. am  6.5.1888 und David Rabinowicz, geb. um 1878 mit ihr verwandt, womöglich sogar ihre Geschwister. Sofie Preis hatte im Übrigen beim Standesamt Wiesbaden die Todesanzeige für David Rabinowicz aufgegeben, was als deutlicher Hinweis auf eine nahe Verwandtschaft gewertet werden kann.

[3] Die in den verschiedenen Quellen angegebenen Geburtsdaten von Pinkus Preiss unterscheiden sich mehrfach. Die Genealogische Datenbank der Paul-Lazarus-Stiftung Wiesbaden nennt den 5.Juni.1885, ein Datum, welches auch in einer späteren Abschrift der Devisenakten enthalten ist, die in die Entschädigungsakten aufgenommen wurde. Darin nennt Sophie an Stelle ihres Mannes dieses Geburtsdatum, siehe HHStAW 518 38812 (49). Das gleiche Geburtsdatum nennt der Suchdienst des IRK, ebd. (52) der Sohn Siegfried in der gleichen Akte dagegen den 18. April 1885, siehe ebd. (10), auf dem Deckel der Entschädigungsakte ist dagegen der 14. April 1885 verzeichnet. Das in der Akte enthaltene polizeiliche Führungszeugnis gibt wiederum den 4. April 1885 an, siehe ebd. (12). Auf einem Antrag zur Versendung von Umzugsgut ist dann wiederum der 8. Juni 1885 angegeben, ebd. (45).

[4] Im Zusammenhang mit Hypothekenforderungen – siehe unten – erwähnt Rechtsanwalt Heuss im Rahmen des Entschädigungsverfahrens, dass „der Hypothekengläubiger Peisach Schauberpreis schriftlich mit notarieller Unterschriftsbeglaubigung beantragt (hatte), seinen Namen Schauberpreis in den Zunamen Preiss umzuschreiben, da er seinen Namen mit behördlicher Genehmigung geändert habe.“ Der Antrag sei damals vom Grundbuchamt abgelehnt worden, weil der Gläubiger ausgebürgert worden sei. HHStAW 518 38812 (22).

[5] In einem Brief von Pinkus Preiss aus der Devisenakte an die Devisenstelle Frankfurt, datiert mit 10.7.1939, der in einer Abschrift der Entschädigungsbehörde erhalten geblieben ist, bat er um die Freigabe von Geld zur Anschaffung dringend notwendiger Gegenstände. „In meiner 30-jährigen Verheiratung sind diese z.T. so unbrauchbar geworden, dass sie den Transport nicht mehr lohnen.“ Auch daraus ergibt sich eine Vermählung in der Zeit 1909/10, siehe HHStAW 518 38812 (46).
Auch die Geburtsdaten von Moritz Preiss sind in den unterschiedlichen Quellen nicht eindeutig. In der Genealogischen Datenbank der Paul-Lazarus-Stiftung Wiesbaden ist als Geburtsdatum der 4. 4.1911 angegeben. Im Antragsbogen für das von ihm eingeleitete Entschädigungsverfahren hat er selbst den 25.4.1911 als sein Geburtsdatum angegeben, siehe HHStAW 518 50458 (1). In dem in der Akte enthaltenen Erbschein ist wiederum der 4.4.1911 eingetragen, siehe (9).

[6] Cäcilie, geb. am 7.4.15, gest. am 19.12.15; Berta, ebenfalls geb. am 7.4.15, gest. am 22.2.16; Lotte, geb. am 6.8.21, gest. am 8.12.23; zuletzt Toni, geb. 23.10.22, gest. 17.12.23. Das die Todesdaten der Kinder alle in den Winter fallen ist sicher kein Zufall, auch liegen die Todesdaten der letzten beiden Kinder nur wenige Tage auseinander, was auf eine gemeinsame ernste Erkrankung der beiden schließen lässt.

[7] HHStAW 518 38812 (51) Sally ist allerdings im JAB 35 nicht aufgeführt, vermutlich wegen des identischen Geburtsdatums mit Max, dem 18.7.1919, übersehen worden. Isidor Siegfried war am 10.10.1912 und Dora am 27.12.1913 geboren worden

[8] Diese Angabe wird bestätigt durch die Eintragungen im Juli 1939von Pinkus Preiss in einem Fragebogen der Devisenstelle Frankfurt, siehe HHStAW 518 83312 (26, 45).

[9] HHStAW 518 38812 (22).

[10] HHStAW 518 38812 (28) Er taxierte den Wert der Möbel auf etwa 5.000 RM.

[11] Ebd. (23) Der spätere Versuch eine Entschädigung für den dadurch entstandenen wirtschaftlichen Schaden zu bekommen, wurde von der Wiedergutmachungsbehörde mit der ihr eigenen Logik abgeschmettert: Der Schaden „gründet sich auf allgemeinen Boykott, d.h. das Geschäft des Verfolgten ist dadurch zum Erliegen gekommen, dass Käufer infolge der rassischen Diskriminierung ferngeblieben sind und dass dadurch eine wirtschaftliche Schädigung eingetreten ist.“. Eine Wiedergutmachung könne nicht gewährt werden, „da der Schaden nicht auf eine konkrete Verfolgungsmaßnahme auf Veranlassung einer nat.soz. Dienststelle oder eines nat.soz. Amtsträgers … eingetreten ist.“ Ebd. (29).

[12] HHStAW 518 83312 (1, 2).

[13] Genealogische Datenbank der Paul-Lazarus-Stiftung Wiesbaden, Eintrag Moritz bzw. Dora Preiss. Genauere Angaben zu den jeweiligen Fluchtumständen liegen nicht vor.

[14] HHStAW 518 38812 (48) Abschrift der Entschädigungsbehörde eines Briefes von Pinkus Preiss an die Devisenstelle Frankfurt vom 5.7.39.

[15] Siehe Abschrift der des Antrags auf Versendung von Umzugsgut vom 10.7.39 aus der Devisenakte in der Entschädigungsakte HHStAW 518 83312 (45).

[16] Der allerdings auch bei Zeugnissen zu anderen Personen wenig vertrauenswürdige Mitbewohner der Adelheidstr. 94, der Zeuge Schmidt, hatte am 12.4.50 in einer eidesstattlichen Versicherung erklärt: „Ich erkläre an Eidesstatt, dass die Familie Pinkas Preiss bei der Zusammenlegung jüdischer Familien im Jahre 1938 durch die Gestapo in das Haus Adelheidstr. 94 eingewiesen wurde, woselbst sie bis zu ihrer Deportation im Parterre mit anderen jüdischen Familien Baum und Gatterer ein 6 Zimmerwohnung, zu je 2 Zimmer, pro Familie bewohnten.“ HHStAW 518 38812 (21). In der Gestapo-Kartei ist kein Umzugsdatum notiert.

[17] Siehe dazu oben S. XXX

[18] HHStAW Ebd. (47), siehe auch die Abschrift der Bestätigung der Maßnahme durch den OFPräs. Kassel vom 10.2.39.  Siehe hier auch den Beleg für den Einheitswert.

[19] HHStAW Ebd. (19) Der Kaufvertrag ist mit dem 24. Oktober 1939 datiert (47), aber der Kauf muss spätestens im Juli abgewickelt worden sein. Dies ergibt sich aus den genannten Briefen von Pinkus Preiss als auch aus der Tatsache, dass die hier genannte Steuer in zwei Raten im August und September 39 gezahlt worden war. Käufer waren Traugott Claus und seine Frau Berta, geb. Kohl.

[20] HHStAW 518 38812 (22) Die Formulierung des Rechtsanwalts Heuss in seinem Schreiben an die Entschädigungsbehörde legt sogar nahe, dass das Hausgrundstück auch zuvor Pinkus Preiss gehört hatte, denn er spricht im Zusammenhang mit den Hypotheken von „Restkaufgeld“, also von Geld das dem Verkäufer noch zustand und offensichtlich in Form einer Hypothek abgesichert worden war. Das Haus muss 1942 zwangsversteigert worden sein. In diesem Zusammenhang wurden die Hypotheken dann einfach gelöscht, weil sie „ausgefallen“ seien. Siehe ebd. Zurecht hat Siegfried Preiss im Entschädigungsverfahren darauf hingewiesen, dass eigentlich seine Familie als Hauptgläubiger damals das Recht gehabt hätte, das Grundstück zu übernehmen und nur das bestehende Unrechtssystem dies verhindert hatte. Ebd. (18).

[21] Siegfried Preiss hatte im Entschädigungsverfahren einen Betrag von ca. 10.000 RM für „Judensteuer u. Vermögensabgabe“ geltend gemacht, siehe HHStAW 38812 (18).

[22] HHStAW 518 38812 (46) Pinkus Preiss verwies bei der Bitte ihm die 3.000,- RM freizugeben darauf, dass er „den Weltkrieg 4 Jahre mitgemacht habe und verwundet wurde“.

[23] HHStAW 518 38812 (48).

[24] HHStAW 469-33 1900 (4).

[25] HHStAW 518 38812 (49) Für welchen Sohn die Zuwendungen bestimmt waren und wo er sich befand, ist nicht angegeben. In dieser Erklärung schreibt Sofie an Stelle ihres Mannes: „Ich lebe von meiner Ehefr. getrennt. Ihr Aufenthalt ist Wiesbaden, Adelheidstr. 94“. Nach den Ausführungen zum Vermögen – fast 42.000 RM auf gesicherten bzw. beschlagnahmten Konten – und den Ausgaben – hier fielen, neben den genannten Zuwendungen von insgesamt 35 RM, für Miete, Wasser und Heizung 46 RM und den übrigen Lebensunterhalt knapp 60 RM an – schreibt sie dann: „Den Erklärungen meines Ehemannes schließe ich mich an zugl. im Namen meiner Kinder.“ Unterschrieben hat sie dann mit ihrem Namen, fügt aber hinzu:“ Zugl. für meinen Ehemann, der sich in Oranienburg im KL befindet.“

[26] Gedächtnisbuch des KZ-Dachau http://stevemorse.org/dachau/details.php?lastname=PREISS&firstname=Peisach&title=&birthday=05&birthmonth=Jun&birthyear=1885&birthplace=Tekucza&from=S.&town=Wiesbaden&street=Adelheldstr.%2094&number=17125&DateOfArrival=zug.%2003%20Sep%201940%20v.%20S.&disposition=%C3%BC.%2005%20Jul%201941%20n.%20B.&comments=Check%20C&category=Sch.%20J.%20P.&ID=170424&page=4675/Hn.&disc=4&image=75. (Zugriff: 1.11.2017).

[27] HHStAW 518 38812 (52).

[28] HHStAW 469-33 1900 (1)

[29] Eine Anfrage in Auschwitz hat allerdings ergeben, dass es dort keine Belege dafür gibt, dass ein Max Preiss, geb. am 18.7.1919, dort gewesen und verstorben ist.

[30] Sally Preiss, der inzwischen den Namen Robert Price angenommen hatte, war 1994 im Rahmen eines Besuchsprogramms ehemaliger jüdischer Bürger noch einmal in seiner Heimatstadt Wiesbaden. Er hatte damals auch Auskunft über sein Schicksal gegeben. Die schriftlichen Unterlagen über diesen Besuch befinden sich im Stadtarchiv Wiesbaden. Nach Auskunft der Archivleiterin Frau Dr. Streich lagern sie aber noch immer – nach mehr als 20 Jahren – in einem Karton und sind einer wissenschaftliche Verwendung nicht zugänglich.