Emanuel Weis

Sehr kurz wohnte auch der Nordenstädter Emanuel Weis in der Adelheidstr. 94. Er war das zweite von insgesamt elf Kindern der Eheleute Sandel und Johanna Weis, geb. Silbermann.

Beide Eltern waren schon vor dem Machtantritt der Nazis verstorben. Das Grab von Sandel / Sander Weis, geboren am 25. Dezember 1852 in Wiesbaden-Nordenstadt und auch dort am 1. Januar 1917 verstorben, befindet sich, wie auch das seiner Frau, auf dem jüdischen Friedhof in Wallau.[1] Die am 8. Juni 1859 geborene Johanna Weis war am 9. Dezember 1924 ebenfalls in Nordenstadt verstorben.

Von den elf Kindern haben den Holocaust letztlich nur zwei überlebt. Friedrich war schon bald nach der Geburt 1915 verstorben. Die beiden Töchter Friederike und Hedwig wurden in Auschwitz ermordet, Jenny in Sobibor.[2]. Mathilde gelang mit ihrem Mann Moritz Israel und dem Sohn Hans Werner 1939 die Ausreise in die USA und auch der jüngste Sohn Heinrich konnte Deutschland schon 1936 verlassen und zunächst in dem heutige Zimbabwe, später in Südafrika überleben. Auch Siegmund fand zunächst in den Niederlanden einen Unterschlupf, im Februar 1940 kam er aber in Rotterdam unter nicht geklärten Umständen ums Leben.[3] Noch weniger ist über das Schicksal von Max und Benni bekannt. Sie gelten als verschollen.

Emanuel, der am 25. Oktober 1885 geborene kurzeitige Mieter in der Adelheidstr. 94, hatte zunächst eine kaufmännische Ausbildung absolviert und handelte später mit landwirtschaftlichen Produkten. Er hatte zuvor in der Bahnhofstr. 65 gewohnt, war dann am 20. Februar 1939 vermutlich alleine – er war ledig – in das spätere Judenhaus Adelheidstr. 94 gezogen, aber nicht einmal einen Monat geblieben. Schon am 15 März des gleichen Jahres zog er in die Bertramstr. 9, blieb aber auch hier nur zwei Monate. Am 16. Mai 1939 verließ er Deutschland und ging wohl mit Kenntnis der deutschen Behörden nach Belgien.[4] Doch die Flucht vor den Verfolgern gelang auch ihm nicht. Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen im Jahr 1940 geriet er beim Versuch weiter nach Frankreich zu flüchten in deren Fänge.

Ein 1950 in Belgien lebender Max Kahn gab in einer Eidesstattlichen Erklärung an, dass sein später verschollener Bruder Hermann Kahn, der Emanuel Weis persönlich kannte, ihm vom Tod des Emanuel Weis berichtet habe. Er habe dessen Leichnam persönlich gesehen.[5] Mehr als diese Tatsache selbst ist der knappen Erklärung aber nicht zu entnehmen, weder die genaueren Umstände der Ermordung, noch Ort oder Zeitpunkt.

Dennoch wurde die Aussage vom Amtsgericht Wiesbaden als glaubhaft angesehen und der Todeszeitpunkt von Emanuel Weis am 7. März 1953 auf den 31. Dezember 1940 festgelegt.[6]

 

 

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Anmerkungen:

 

[1] Auf seinem Grabmal ist der folgende Text in die Marmorplatte in hebräischer Sprache eingraviert:
Hier ruht
ein guter und aufrichtiger Mann,
geschickt in seinem Werk;
er übte Wohltätigkeit und Nächstenliebe aus,
ein treuer Vater für seine Verwandten.
Dies ist Nathanael, Sohn des Herz.
Er starb am 7. Tewet [5] 677.
Seine Seele sei eingebunden im Bunde des Lebens.

http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsrec/current/12/sn/juf?q=Nordenstadt. (Zugriff: 13.11.2017).

Das Grab von Johanna ziert der folgende in deutscher Sprache eingravierte Spruch:

Ein gutes, treues Mutterherz
ward uns zu früh begraben,
Wir fühlen hier mit tiefem Shmerz (!)
was wir verloren haben.

http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsrec/current/1/sn/juf?q=Johanna+Weis. (Zugriff: 13.11.2017).

[2] Der Sterbeort von Jenny ist so im Gedenkbuch angegeben. In der Genealogischen Datenbank der Paul-Lazarus-Stiftung Wiesbaden wird allerdings davon abweichend gesagt, dass Jenny nach der Deportationsankündigung zum 10.6.42 in Wiesbaden bei einer Familie Schild untergetaucht sei und erst 1945 denunziert und ermordet worden sei.

[3] Die Angaben zum Schicksal der Familie Weiß sind der Genealogische Datenbank der Paul-Lazarus-Stiftung entnommen.

[4] Die Auswanderung ist auf der Gestapo-Karteikarte mit Datum vermerkt.

[5] HHStAW 469/33 3610 (7).

[6] HHStAW 469-33 3610 (17).